Literaturgefluester

2020-10-13

Die Unschärfe der Welt

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen,Uncategorized — jancak @ 00:47
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Buch dreizehn des dBps, der vierte Roman der 1977 geborenen Iris Wolff die 2018 mit „So tun als ob es regnet“ für mich überraschend den „Alpha“ gewonnen hatm istsehr interessant, hat ihn sich doch Malte Bremer der gestrenge Kritiker des Literaturcafes sich wegen seines geheimnisvollen nicht zu viel preisgebenden Beginn auf die Shortlist gestellt, während „Papierstau“, eine Dreiergruppe, die alle Bücher gelesen und besprochen haben, meinte, es wäre alles vorausichtbar und hätte deshalb nicht beeindruckt.

Interessant, interessant, wie war und wieder viel gelernt von der Literatur und vom Literaturbetrieb. Daß Iris Wolff aus Rumänien stammt, habe ich, muß ich gestehen, damals nicht mitbekommen und ihr „Alpha- Büchlein“ auch noch nicht gelesen und die „Unschärfe der Welt“ ist, wie auch im Klappentext steht, eine Familiengeschichte, die über vier Generationen ein halbes oder ganzes Jahrhundert erzählt.

Das ist nicht neu, da gibt es viele Klappentexte, die so beginnen und viele Romane die über den Zerfall Rumänien geschrieben wurde, voriges Jahr habe ich in Locarno einen solchen gelesen, Herta Müller weiß davon zu erzählen, also hinein in die Geschichte, wo am Klappentext steht „Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Türe geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätten Samuel seinen besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden wenn er das Ausmaßß seiner Entscheidung überblickt hätte?“

Das klingt schon mal sehr geheimnisvoll. In den Rezensionen habe ich dann gefunden, daß es um eine Familie, beziehungsweise sieben Personen geht, deren Geschichte hier erzählt wird und, um auf das geheimnisvolle oder spannungsgeladene erste Kapitel, das den Schreibratgebern so gefällt, zurückzukommen.

Das beginnt, daß Florentine ihr Jind nicht verlieren will. Dann ist von einer Fahrt ins Krankenhaus und nicht gegessenen Fisch die Rede. Später erfährt man, daß Florentine, die Pfarrersfrau ihren Sohn Samuel, der spät sprechen lernt und anders als die anderen ist, geboren hat, während man den Vater Hannes nicht in das Ceauscescu-Krankenhaus läßt. Dann wird es vollends geheimnisvoll und hat sich mir bis jetzt noch nicht richtig erschlossen, denn es kommen zwei DDR- Studenten Benes und Lothar auf den Pfarrhaus, der naturgemäß sehr gastfreundlich ist und später immer wieder DDR- Studenten, was den Stasimitbarbeiter und Nachbarn veranlaßt Hannes verhören zu lasen.

Da sind wir schon einmal in der Familienstruktur oder in den Kapitel, die „Zapada“, „Echo“, etcetera heißen und man kommt von Kapitel zu Kapitel im wahrsten Sinne in eine andere Welt und kennt sich oft lange nicht aus, wer jetzt wer ist und worum es hier geht?

Hannes Mutter heißt Karline beispielsweise und die schwärmt vom letzten König, während sie Pfannkuchen macht und ihren Enkel Samuel geheimnisvolle Geschichten erzählt. Der haut zuerst ab, weil er nicht in die Schule will, später verläßt er mit seinen Freund Oswald, die Republik, obwohl er sich eigentlich in die Nachbarstochter Stina, die Tochter von jenen Parteigenossen, mit dem die Familie Karten spielt, verliebt ist.

Die Wende kommt dann auch und die beginnt mit einem noch geheimnisvollerern Kapitel, denn da habe ich nicht verstanden, wie der DDR-Student Bene und spätere Buchhändler jetzt von der Nordseeinsel nach Berlin und wieder zurückgekommen ist?

Er liebt jedenfalls Männer, trifft Samuel vor der Buchhandlung und später am Meer, aber der mag keine Männerbeziehungen und als die Mauer fällt ruft dieMutter an und sagt „Kommt zurück!“

Das tun die beiden Männer dann auch und im letzten Kapitel geht es dann um Liv oder Livia, die Tochter von Samuel und Stina, die leben jetzt in Baden-Würthenberg. Die Großeltern sind auch nach Deutschland gekommen und versterben, während die eltern im Banat verblieben und erst zur Taufe der tochter auf Besuch kam, der <parteigenoße aber nicht.

Sieben oder wieviel auch immer Erzählungen, es gibt kein Inhaltsverzeichnis, die diesen Roman erzählen, der vom Inhalt nicht so besonders neu und ungewöhnlich ist.

Die sprache ist sehr schön und sehr poetisch, ich habe mir mehrer Sätze angestrichen und Iris Wolff ist eine sprachgewandte Erzählerin, die ihr Handwerk auf jeden Fall versteht, ob die heutigen Leser auch die Geduld aufbringen, sich in soviel Geheimnis, um etwas ohnehin schon Bekanntes einzulassen, weiß ich nicht und würde es auch bezweifeln.

Mir hat das Buch jedenfalls sehr gefallen und ich würde“Schade, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist!“, schreiben, wenn ich das Ranking, wie ohnehin schon oft geschrieben, nicht für einen eigentlichen Unsinn halten würde, denn man kann und soll Bücher ja nicht vermessen, wie einen Bauplan, weil schon dieses Beispiel sehr schön zeigt, daß das gar nicht möglich ist, weil es jeder Leser anders beurteilt.

„So tun als ob es regnet“, sollte ich jetzt endlich lesen, ob ich angesichts meiner Bücherfülle dazukomme, ist aber auch ungewiß.

2019-12-28

Drei Kilometer

Nun kommt Buch fünf der Bloggerdebutshortlist.

„Drei Kilometer“, der 1990 in Nürnberg als Tochter rumänischstämmiger Eltern geborenen Nadine Schneider. Das Buch ist bei „Jung und Jung“ erschienen und ich habe, glaube ich, zum ersten Mal davon gehört, als ich auf der „Jung und Jung-Facebookseite“ bezüglich Peter Handke nachgegooglet habe.

„Wir sind Nobelpreis!“, ist da gestanden und davor oder dahinter, daß Nadine Schneider ihr Debut auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird.

Ein dünnes Buch, das sehr ruhig und manchmal mit vielleicht zu schönen Metaphern von dem letzten Sommer in Rumänien vor der Revolution erzählt und dem auf dem Puplikumranking der Debutpreisseite, die größten Gewinnchanchen eingeräumt wird.

Von einem Dorf im Banat, drei Kilometer, wie schon der Titel besagt, von der jugoslawischen Grenze entfernt und das ist der Sehnsuchtsort der drei jungen Leute, die in dem Buch eine Rolle spielen.

Anna, die Ich-Erzählerin eine wahrscheinlich, um die zwanzig junge Frau und ihre zwei Freunde Hans und Misch. Die Beiden wollen über die Grenze in die Freiheit, Hans weil sein Bruder sich schon darüber machte und er deshalb nicht studieren durfte, sondern in der Fabrik arbeiten muß.

Anna zögert, weil sie ihre Familie, den Vater,  die Mutter und die Großmutter, die schon zu alt ist, um fortzugehen, nicht alleine lassen will.

Die Großmutter stirbt dann, glaube ich, am Ende des ersten Kapitels, des dreiteiligen Buchs.

Anna, die Lakiererin in einer Fabrik ist, obwohl sie das Lizäum besuchen hätte können, geht in ihren Erinnerungen in ihre Kindheit zurück, denkt an den Jahrmarkt, den sie einmal mit der Großmutter besucht hat und an die Wahrsagerin, die dort die Zukunft voraussagte, die das Kind so gerne wissen wollte. Als die großmutter in das Gespräch mit einer Bekannten vertieft ist, stiehlt sie sich in das Zelt der Zigeunerin, die Großmutter holt sie zurück und das Päckchen, das ihr die Zigeunerin schenkte, enthält nur Sand, was das Kind enttäuschte.

Es gibt auch einen schwarzen Hund, der Anna als Kind in die Hand gebissen hat und der sie seither abgöttisch liebt, als er alt und schwach ist und daher getötet werden soll, ist es Anna, die das mit Tränen in den augen und den Hund am Schoß tut.

Misch wagt den Sprung über die Grenze und der Vater bekommt sogar ein Ausreisevisum nach Deutschland und kommt zurück, weil er die Familie nicht verlieren will.

Das ist schon im Sommer 1989, wo man in dem Dorf nur die Gerüchte hört, daß es den Leuten in der Stadt schlecht geht, daß sie keinen Strom und keinen Nahrungsmittel haben und, daß es zu Unruhen kommt.

„Die Unruhen kamen nicht in unser Dorf, ins Dorf kam nur die Angst.“, lautet einer der schönen Sätze.

Anna will mit Hans, den sie vorher für einen Spitzel gehalten hat, mit in die Stadt demonstrieren gehen. Hans geht dann allein und kommt erst später verletzt zurück. Dann sieht man im Fernsehen, die Erschießung Ceausescus und zuletzt fährt Anna in die Stadt, um sich ihre Ausreisepapiere zu holen.

Das Buch ist Nadine Schneiders Vater gewidmet, der ihr viel von seiner rumänischen Heimat erzähllte.

Es erzählt nicht die Geschichte ihrer Eltern, sagt sie in einem Interview und ich habe ein sehr ruhiges, realistisches Buch in einer sehr schönen Sprache gelesen, wo manche Sätze hängen geblieben sind, manche vielleicht fast ein wenig übertrieben wirken.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wenn es nicht auf Shortlist gekommen wäre  an mir vorübergegangen wäre, weil es auf keine andere mir bekannte Preisliste gekommen ist,  ich  nicht in Frankfurt und auch auf keiner Lesung war, wo es vorgestellt wurde.

Und hier noch das Interview von der „Debutpreis-Seite“.

2018-11-13

Verena Mermers Autobus

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:44
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Die 1984 geborene Verena Mermer, die ich, glaube ich, durch diese Schreibwerkstatt in der „Österreichischen Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, ist eine sehr politische Autrin, obwohl mich ihr erstes Buch „Die Stimme über den Dächern“, nicht so begeistert hat, ihr zweites heute im Literaturhaus vorgestellt „Autobus <ultima Speranza“ , im Residenz-Verlag erscheinen, tat das sehr wohl. denn es ist ein sehr realistisches Buch mit einem sehr realistischen Thema, das mir sehr liegt und über die ich ja auch Jahrzehnte schreibe und Verena Mermer stellte das Buch, das von Cornelius Hell moderiert wurde auch sehr engagiert vor.

Cornelius Hell, den ich auf der „Buch-Wien“, ich glaube, im Studentakt zu den unterschiedlichsten Büchern moderieren hörte, zog auch den Faden von Andrej Kurkows „Kartografie der Freiheit“, das er unter anderen in der „Gesellschaft für Literatur“ moderierte, denn in beiden Büchern geht es um die Arbeitsmigration. Bei Verena Mermer um einen Bus, der rumänischen Buslinie „Speranza“, der von Wien nach Klausenburg fährt und dabei die unterschiedlichsten Schicksale der Arbeitsmigranten, Putzfrauen, Pensionistinnen, Bauarbeiter und das der beiden Buschauffeure Johan und Adrian erzählt.

Erstaunlich offen, erstaunlich engagiert, erstaunlich realistisch. So liebe ich ja die Lteratur und so ist sie sehr oft nicht, weil sie sich um die schöne Spache dreht und den Plot, den Realismus, die Realität der Welt wie diese, außen vor läßt.

Konstantin Kaiser, der mit sagte, daß er mit Verena Mermer, die ja auch am Volksstimmefest gelesen hat, befreundet ist, war mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter im Publkum, die während der Lesung ziemlich lebhaft ihren Kinderwagen durch das Foyer schob.

Ich habe mich mit ihm im Anschluß beim Glas Wein unterhalten, Cornelius Hell und die Autorin kamen hinzu und bei Heidi Selbach vom „Residenz-Verlag“ habe ich mich bedankt, daß sie mir ja nach Leipzig Cordula Simons „Der Neubauer“ zugeschickt hat und die wurde von Cornelius Hell in ihrer Einleitung auch sehr lobend, als eine der wenigen Autorinnen erwähnt, die sich wie Verena Mermer mit Oteuropa und seinen Schicksalen schreibend auseinandersetzt.

2018-09-07

Lebt wohl, ihr Genossen und Geliebten!

Jetzt kommt Buch vier der LL 2018 des dBp, eines dessen Autorin, die 1955 in Rumänien geborene Carmen-Francesca Banciu, Tochter eines hohen Funktionärs, die 1990 nach Berlin zog und seit 1996 auch auf Deutsch schreibt, mir bisher völlig unbekannt war, das heißt das Cover mit dem aufmerksam machenden Titel, habe ich wohl schon Mal im Netz gesehen und eines in Versform platziertes, worüber man diskutieren kann, ob ein solches Requiem auf einen Vater, Roman genannt werden kann, das in etwa so beginnt:

„Für Vater waren drei Dinge wichtig

In der festgefügten Reihenfolge

Das Vaterland

Die Partei

Die Ehre der Familie“

Im Nachwort von György Dalos wird der Inhalt der  dreihundertachtundsiebzig Seiten kurz erzählt. Die im Ausland lebende Ich-Erzählerin Maria-Maria, diesen Namen habe ich im Text nicht gefunden, erfährt, daß ihr siebenundachtzigjähriger Vater beim Kartoffel holen, einen Unfall hatte und im Krankenhaus liegt. Sie hat selbst ihr Bein gebrochen und kann daher nicht gleich nach Bukarest fliegen. So hält sieKontakt zu seinen Geliebten Rebeca, die dessen frühere Sekretärin war und die er noch zu Lebzeiten der Mutter kannte und zu Daria, die die Mutter bis zu ihrem Tod pflegte. Dann reist sie hin, der Vater wird operiert und soll sich erholen, so erreicht sie in Venedig, wohin sie eines Arbeitsauftrages muß, die Todesnachricht.

Das wird dann sehr genau und eindringlich und trotz der versartigen Anordnung, erstaunlich realistisch erzählt. Als ich bei den Booktubern hörte, daß das Buch in Versform geschrieben ist, habe ich „Uje!“, gedacht, warhscheinlich wieder schwer zu lesen.

Ist es aber gar nicht, sondern eigentlich sehr leicht. Man ist schnell durch und hat trotzdem einen eindrucksvollen Einblick in die Beziehung der Tochter zu ihrem Vater bekommen, die sich auf sehr einprägsame Art mit vielen Wiederholungen und Flash backs von ihm verabschiedet.

Im Anhang steht dann noch, daß die Autorin fünfzehn Jahre an dem Buch geschrieben hat und, daß es an mehreren Orten, Deutschland, Rumänien, Griechenland, Venedig entstanden ist und ich denke, daß die ungewöhnliche Bearbeitung einen tiefen Eindruck macht. Man erfährt viel über Rumänien, die Diktatur, viel über den Vater, der trotzdem die Partei für ihn alles war, sehr poetisch war und Gedicchte geschrieben hat. Die Mutter stammte aus einer bürglichen Familie. Ihr hat der Vater keine Briefe geschrieben und sie zu ihrer Hochzeit auch nicht die bürgerlichen Handschuhe anziehen lassen. Die Briefe finden sich an Rebeca im Nachlaß und Daria, die viel jüngere zweite Geliebte hat Krebs und versucht zwischen Rebeca und der Tochter zu intrigieren. Sie verspricht dem kranken Vater ihn nach Hause zu holen und sagt den Ärzten und der Tochter etwas anderes und als die Tochter kommt, will der Vater nicht essen und trinken, nur schlafen. Die Ärzte erklären ihn trotzdem für gesund und operieren, also rasieren ihn und bohren ihm ein Loch in den Kopf erst, als ein hundert Euroschein zu ihnen gewandert inst. Der Vater stribt dann nur langsam und wird mit seinen Orden begraben, obwohl die Partei für die er gelebt hat, schon lange nicht mehr existiert.

Interessant und sehr eindrucksvoll von diesem Buch durch die Longlist erfahren zu haben, das sonst höchstwahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre und  „Gogol-„, schreibt György Dalos in seinem Nachwort, „hat die „Toten Seelen“ auch als Poem durchgehen lassen“, so denke ich, daß dieses Poem, das eigentllich nicht immer

„Daria kommt jetzt zum dritten Mal

Und will mir den Schlüssel bringen“,

sondern nur manchmal sehr poetisch ist, auch als Roman gelten kann. Erstens weil es auf der LL eines Romanwettbewerbes steht, zweitens weil man es durchaus so empfinden kann.

„Hat sich Vater den Sonntag ausgesucht

Ich bin in Venedig

Sonntag in Venedig

Todessonntag in Venedig

Tod in Venedig“

Auf die Shortlist denke ich, wird es wohl nicht kommen, trotzdem kann ich sehr empfehlen, sich mit dieser Variante der Gegenwartsliteratur zu befassen.

2016-07-24

Habseligkeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 01:29
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Jetzt kommt wieder ein Buch, das vor zwei oder drei Jahren nach dem klinischen Mittag in der kleinen schäbigen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße aus einer der Abverkaufskisten zog.

Richard Wagners „Habseligkeiten“2004 bei „Aufbau“ erschienen und von dem 1952 im Banat geborenen, der dort als Deutschlehrer und Journalist tätig war und 1987 nach Berlin übersiedelte, habe ich, glaube ich, schon „Ausreiseantrag“ gelesen.

Er hätte auch 2009 bei der „Literatur im Herbst“ lesen sollen, ist aber nicht gekommen und das Buch schildert etwas höchstwahrscheinlich Autobiografisches, obwohl der Ich-erzähler laut Klappentext Werner Zillich heißt.

Der ist nach dem Tod seines Vaters auf Besuch bei der Mutter im Dorf. Die trägt ihm die guten heimischen Tomaten auf, Kaffee und Tee und fragt ihn alle paar Minuten, ob er nicht noch bleiben will?

Denn lebend wird sie den inzwischen in Deutschland lebenden Sohn wohl nicht mehr sehen. Der muß aber zurück, mit dem Auto über Ungarn und Budapest und überdenkt auf der langen Fahrt, die Geschichte seiner Familie.

Die Großeltern Johann und Katharina sind zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Die Tochter Theresia haben sie dabei bei den Großeltern zurückgelassen. Weil John, wie er inzwischen heißt, angeblich einen Mann aus dem Fenster schmiß, kommen sie neun Jahre später wieder zurück und der erste Weltkrieg kommt auch.

Theresia redet nichts mehr mit der Mutter, verheiratet sich mit einem Bastian, bekommt drei Kinder, Lizzy, die Mutter des Erzählers, Paul und Franz, die im nächsten Krieg nach Deutschland gehen und mit Totenköpfen an der Uniform auf Heimaturaub kommen, beziehungsweise ihr weiteres Leben nach dem Krieg in Brasilien verbringen.

Im zweiten Kapitel macht der Erzähler dann in Budapest in einem Hotel Station, nimmt sich zwei Mädchen mit aufs Zimmer, betrinkt sich mit ihren und soll dann eine mit dem Auto nach Wien fahren, wo die Mutter während der Kriegszeit lebte, während er in Budapest einen Onkel hatte, einen Großvater in Wien und  die Mutter ist nach dem Krieg wieder zurück in den Banat gekommen.

Mit  Clara, fährt er nach Wien und steigt dort in einem Hotel in der Nähe des Westbahnhofs an, während sie sich  in einem „Table-Dance-Loka“ verdingt, liegt er im Bett und denkt über seinen Vater Karl nach. Der war Müller, wurde von den Kommunisten enteignet,  vorher war er im Krieg bei der rumänischen Volksarmee und wurde dann fünf Jahre von den Russen zur Zwangsarbeit deponiert, was sehr lang und genau beschrieben wird.

Dann kehrte er zurück und Werner wurde in den Fünfzigerjahren, als schon die Kommunisten herrschten geboren, die Mutter gab, weil ja alles verstaatlicht wurde, ihre Schneiderei auf und arbeitete fortan schwarz, hinter versclossenen Türen für die Frauen im Dorf gegen Liebesromane, die sie gerne las.

Werner Zillich ging als einziger aufs Gymnasium, wurde Bauingenieur in Temeswar und heiratete wegen der „Zuteilung“, das heißt verheiratete Studenten bekamen eine Stelle in der Nähe, während die anderen übers Land verschickt wurden, Monika, eine Germnistikstudentin, die er schon von der Schule kannte.

Ihre Eltern hatten schon einen Ausreiseantrag erstellt, so hat er diesen gleich „miterheiratete“ und wanderte dann mit ihr und der Tochter Melanie in den Achtzigerjahren nach Deutschland aus. Die Ehe scheiterte, wegen eines Seitensprungs, es kam zu einem Rosenkrieg und vielen Psychologen, die die Tochter untersuchten und dem Vater ein Besuchsverbot erteilten. Die Tochter verweigerte lang den Kontakt, jetzt ist sie aber schon erwachsen und studiert in Ulm, wofür der Vater bezahlen mu0ß.

So traut er sich einen Anruf und fährt von Wien über Ulm zurück, wo er die Tochter in einem Lokal trifft und es zu einer Aussprache zwischen den beiden kommt.

Im vierten Teil geht es dann nach Sandhofen anf die Baustelle, wo er Bauleiter ist und es Probleme gibt. Es ist nicht alles so in Ordnung und läuft ein bißchen korrupt. Dennoch muß er unterschreiben und den Architekten, seinen rivalen, den jetzigen Mann seiner Geliebten, mit der er Monika betrogen hat und die in der Firma Sekretärin ist, schmeißt er fast aus dem Fenster. Die Ungarn, die er in Budapest kennenlerne und die Clara zu ihm bringen, retten ihn, sie steigen auch in die Firma ein, machen ihm zum Aufseher. Er heiratet Clara, besucht mit ihr und Melanie die Mutter und am Schluß machen sie Urlaub auf den Seychellen und er liest ihnen einen Brief von seinem Vater, den in der Süterlinhandschrift vor.

Ein märchenhafter Schluß, habe ich irgendwo gelesen. Am Buchrücken steht „Dieser Roman steht in der Erzähltradition, die Christa Wolf, Johannes Bobrowski und Uwe Johnsen begründet haben.“

Richard Wagner, der inzwischen an Parkinson erkrankt ist, hat 20115 das Buch „Herr Parkinson“ herausgegeben, das wahrscheinlich von einer anderen Realität und Wirklichkeit des Autors handeln wird.

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