Literaturgefluester

2019-01-11

Nachtleuchten

Jetzt endlich, es ist schon Jänner 2019, kommt Buch achtzehn des dBp 2018 und das war es dann wahrscheinlich auch, denn Buch neunzehn und zwanzig scheinen nicht zu mir zu kommen, obwohl mir das von Christina Viragh vom Verlag versprochen wurde und ich auch eine diesbezügliche Datenschutzerklärung abgegeben habe.

Macht aber nichts, man braucht nicht alles lesen und 217 waren es auch nur achtzehn gelesene dBp- Bücher, allerdings stehen die restlichen zwei auf meiner Leseliste von 2019 und wenn ich es nicht wieder mit den Neuererscheunugen so übertreibe, hätte ich die Chance, den 2017-Jahrgang, wie den von 2015 mein erstes Buchpreisjahr, komplett zu lesen.

Und es ist ja auch nicht nur Buch achtzehn sondern auch das sechste der vorjährigen Shortlist, denn darauf ist ja die 1972 in Buenos Aires geobrene und in Berlin lebende Maria Cecilia Babetta, von der ich noch nie etwas gehört habe, gestanden und, daß das Buch zu mir gekommen ist, habe ich einer Schlamperei zu verdanken, denn „Fischer“ hat es mir nicht geschickt, dafür „Hanser“ seine zwei Bücher als E Books oder PDFs und da habe ich das der Anja Kampmann in der Mailbox, ähnlich, wie das Buch der Carmen Francesca Banciu verschlampt und habe gedacht, schaue ich da vielleicht bei „Netgalley“ nach, bevor ich nochmals anfrage.

Habe da dann gleich alle restlichen Bücher bestellt, konnte da aber nur „Nachtleuchten“ öffnen, so daß es bei zwei ungelesen bleiben wird und mit dem sechsten Shortlist Buch habe ich mir, ich schreibe es am besten gleich, nicht leicht getan und bin wieder einmal zwischen „fantastisch“ und „unverständlich“ hin und hergeschwankt und das ist es, glaube ich auch.

Da ich das Buch erst sehr spät gelesen habe, habe ich mir vorher das „Buchpreis-Video“ angeschaut und da die Autorin sagen hören, daß sie da Buenos Aires, beziehungsweise den Vorwort Ballester, in dem sie aufgewachsen und, wo auch ihr Großvater eine Autowerkstatt hatte, schildern wollte.

Das Buch spielt in den Siebzigerjahren, also vor der Militärdiktatur in der Zeit, wo Peron stirbt und seine Frau Evita, das Präsidentschaftsamt übernimmt.

„Aha!“, könnte man nun sagen und eine Vorstellung, was einen erwartet wird, haben.

Ich hatte sie und habe mich gänzlich getäuscht, denn die kleinen Leute von denen das Buch handelt, sind sehr spiritistsch angehaucht, um nicht zu sagen mythisch- phantastisch, aber der phantastische Realismus kommt ja von Lateinamerika her und wenn man da jetzt wieder „Aha!“, sagt und zu dem Friseursalon, der „Zur ewigen Schönheit“ heißt, nickt, irrt man sich wieder. Denn es gibt ein Video im Netz, wo Maria Celicilia Barbetta durch Berlin radelt und vor einem solchen Friseursalon steht, bezeihungsweise vor einem Geschäft in dem früher ein diesbezüglicher Laden war und die sehr sprachgewandte Autorin, die offensichtlich Lust an Sprachspielereien hat, zeigt auch auf ein Straßenschild auf dem „Ausfahrt freihalten“ steht und erklärt, daß sie dann immer „Freiheit aushalten“ denkt, wenn sie es sieht.

Das fünfhundert Buch ist in drei Teilen gegliedert, die je dreiunddreißig Kapitel haben und dann gibt es noch ein hundertstes, die „Vierte Dimension“ genannt.

Die kleinen Leute in dem Buch sind die Automechaniker in der Werkstatt von Teresas Großvater und die ist vielleicht das alter Ego der Autorin, jedenfalls ein zwölfjähriges Mädchen, eine Artztochter, die Mutter ist, wie offenbar auch die von Maria Cecilia Barbetta italienische Einwanderin und der Vorort in dem das Buch spielt ist auch ein Einwandererbezirk.

Theresa bekommt zu Beginn des Buches ein Geschwisterchen und besucht außerdem eine katholische Schule, in dem es lauter alte Nonnen und eine junge Sour Maria gibt, die den Schülerinnen das zweite vatikanische Konzil näherbringen will. Sie fährt mit wehenden Schleier unterm Helm auf einer Vespa zu einem Pfarrer, der sich als ihr Bruder entpuppt, vorher hätte man, da es dort auch ein kleines Mädchen gibt, auch an eine verbotene Liebesbeziehuing denken können.

Teresa bringt jedenfalls von ihrer Lehrerin angestachelt eine Plastiknonnenfigur wochenweise zu allen Familien des Ortes und so gleiten wir durch die dreimal dreiunddreißig Kapitel und kennen uns, wenn wir das Buch nicht sehr genau und  am besten mehrmals lesen, höchstwahrscheinlich nicht aus.

Denn es passiert wahrlich viel in den dreimal dreiunddreißig magisch-phantastischenKapitel. Der erste Teil ist der „Bloody Mary“ und den Klosterschülerinnen gewidmet, die aus externen und internen bestehen. Die Internen sind meist die armen Mädchen, die einen Freiplatz haben, die Externen zum Beispiel, die zahlende Arzttochter Teresa. Dann gibt es aber noch eine Adriana, deren Vater Rechtsanwalt ist, in dessen Haus Teresa die Madonna zuerst hinbringt, die könnte also eigentlich auch eine Externe sein. Sie ist aber eine zahlende Internatsschülerin und darf das Kloster nicht verlassen, weil der Vater soviel arbeiten muß, die Mutter ein Hündchen namens Mimi und ständig Migräne hat und das Dienstmädchen deshalb auch ständig beschäftigt ist.

Man sieht, es ist sehr komplziert, wird aber noch komplizierter und im zweiten Teil geht es sowohl in die Autowerkstatt, zu dem Großvater und seinen Gesellen, als auch in den schon erwähnten Friseursalon, der einem Celio gehört oder eigentlich seiner Mutter. Die hat einmal von Evita eine Nähmaschine geschenkt bekommen, die sie dann in eine Trockenhaube umtauschte. Jetzt ist sie alt und verstummt, offenbar ist eine Demenz damit gemeint, so daß sie von ihrem Sohn angekleidet und geschminkt wird und dann als Püppchen in einen Sessel sitzt, wo der Sohn mit ihr redet, während er seine Kunden frisiert. Die stirbt  im Laufe des Geschehens und im dritten Teil geht es, sowohl in das Intstituo Basilo, wo Celio wieder seiner Nutter begegnen will, als auch zu einer Frau und ihren Katzen.

Teresa und ihre Madonna taucht wieder auf und in dem Buch gibt es auch immer wieder experimentelle graphische Gestaltung, Buchstabenspiele, Räseln, seitenlang das selbe Wort, Fots, etcetera und Maria Cecilias Barbettas Sprache ist sowohl überbordend bis zum Kitsch und läßt dann wieder aufhorchen durch  neue Phrasen und Wortwendungen, so daß es sehr schön ist, durch das Buch zu gleiten, auch wenn man nicht sehr viel versteht und ich auch denke, daß die armen Leute in den Siebzigerjahren am Vorabend der Militärdiktatur vielleicht ein wenig weniger mystischer waren.

Aber was weiß man schon genau, Lateinamerika ist bekannt für seinen phantastischen Realismus und, daß der in der Diaspora sich vielleicht besonders schön entwickeln kann, kann ich mir auch vorstellen.

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2017-09-18

Peter Holtz

Jetzt kommt Buch elf der LL 2017, eines das nicht auf der Shortlist steht, obwohl ich mir auf Grund des Namens des Autors, des1962 in Dresden geborenen Ingo Schulze, der glaube ich 2009 mit „Adam und Evelyn“ darauf stand, das dachte und mir beim ersten Drittel des fünfhundertsiebzig Seiten dicken Schelmenromans dachte, daß ich es mit Zaimoglu und Regener auf meine tun würde.

Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher. Einen Rekord hat das Buch auf jeden Fall. Es ist das zweit oder dritt dickste der LL.

Da gibt es ein You Tube-Video, das die Bücher der Dicke nach präsentiert. Das Dickste ist der Lehr, dann kommt Franzobel und danach Ingo Schulze. In fünf Badewannensessons und an einem Wochenende habe ich das Lesen geschafft. Es liest sich leicht, ist aber insgesamt, glaube ich, etwas zu lang und, wie ich bei „Amazon“ und den Blogs entnehme, gefällt das Buch nicht allen, einige fühlen sich verarscht dabei und sagen so wars in der DDR nie.

Ach richtig, es ist auch ein DDR-Roman, das mögen die Blogger ja auch nicht so sehr, der wievielte wahrscheinlich, soviel Jahre nach der Wende. Aber ich lese DDR-Romane sehr gerne und eigentlich, wenn auch nicht alles neu ist, was in dem Buch steht, ist Ingo Schulze damit schon ein Schelmenstreich gelungen.

Das Buch ist in zehn Büchern aufgesplittet, die alle so zehn oder mehr Kapitel haben und als Überschrift wird in jedem auch genau erzählt, wie es dem Peter in dem Kapitel geht. Das stammt, glaube ich, von E. T. A  Hoffmann und Ingo Schulze von dem ich ja schon einiges gelesen habe und ihn auch, langs lang ists her einmal in der alten „Alten Schmiede“ hörte, tut das so bei seinen Büchern und der Anfang ist, glaube ich, wenn schon nicht genial gewählt so doch sehr eindrucksvoll.

Da ist der zwölfjährige Peter aus dem Waisenhaus, in dem er lebt, ausgerissen, um den Heimleiter Paul Löschau, der jetzt ein Heim in der Ostsee leiten soll, zu suchen und ihm heimzubringen, denn mit dem neuen Heimleiter geht es bergab, da wird der Sozialismus nicht genügend hochgehalten.

Wir sind mitten in den Siebzigerjahre und Peter verzehrt ein Eisbein mit Sauerkraut und Brause in einer Gaststätte, hat kein Geld und erklärt dann dem Personal, das der Staat für alle und sowieso für seine Kinder zu sorgen hat. Die Logik ist einleuchtend, ob das Kinderheim oder die Gaststätte ist eigentlich egal und der Peter kommt damit auch durch, findet an der Ostsee den Heimleiter aber nicht. Er macht Rast in einem Bungalow, wo das Paar, das dort lebt, so begeistert von ihm ist, das es ihm gleich adoptiert.

Jetzt geht es rassant aufwärts mit Peters sozialistischer Karriere, er vernadert gutmeinend andere, will Berufssoldat werden, gerät aber in die junge Gemeinde, wird irrtümlich oder weil sich der Sozialismus mit dem Christentum ja gut verträgt, Christ, also ists aus mit der Karriere. Die Stasi verhört ihn, macht ihn zum Informanten und fühlt sich von ihm verarscht.

Mit der Armee ist es auch aus, so wird er Bausoldat und später Maurer und bekommt von der Besitzerin des Hauses, der Frau Schöntag dieses, als er achtzehn oder so ist mit einem Trabi geschenkt, damit er sich besser, um die Verwaltung kümmern kann. Ja, es ist auch eine Hans im Glück-Geschichte „Peter Holtz-sein glückliches Leben von ihm selbst erzählt“, steht am Cover.

Peter tritt dann, weil ihm die SED nicht mehr will, in die CDU ein und als das Jahr 1989 und die Wende kommt, engagiert er sich in Reden für die CDU und für den Sozialismus, er hat inzwischen einige Häuser übertragen bekommen und nach der Wende ist er plötzlich reich.

Wird zum Kapitalisten ohne es zu wollen, alles fliegt ihm zu, er will seine Häuser, es gehört ihm inzwischen auch ein Bordell, verschenken, aber irgendwie gelingt ihm das nicht umd am Ende steht unser Peter da, verkauft alles, stiegt zuerst in die Kunst ein und steht schließlich auf der Straße um seine Tausend-Mark-Scheine zu verbrennen, weil nur das der Sinn des Lebens ist und landet schließlich in der Psychiatrie und ist dort auch noch glücklich.

Ein wahrer Schelmenstreich könnte man so sagen und denkt mituntert mehrfach, das ist ja alles wahr.Einige Sachen sind in dem Buch trotzdem unlogisch, beziehungsweise habe ich sie nicht verstanden. So beginnt es ziemlich am Anfang mit Peters Lese-Rechtschreibschwäche, die aber später nicht mehr vorkommt und zum vierzehnten Geburtstag oder so läßt er sich von seinen Adoptiveltern einen Föhn schenken und föhnt sich später mehrmals die trockenen <haare, warum und wieso ist mir nicht ganz klar geworden. Ist das ein Phallus-Symbol? Die einzelnen Kapitel erscheinen oft auch in sich abgerundet, haben dann aber manchmal keine Übergan zum nächsten. So als ob sie für sich geschrieben worden wäre.

Dem Autor, würde ich meinen, hat das Schreiben großen Spaß gemacht.Beim Lesen denkt man manchmal, das weiß ich doch schon alles oder habe es schon gelesen. Diese Abrechnung mit der DDR und dem Kapitalismus ist aber recht vergnüglich, obwohl unterm Strich gesagt, so einfach ist es wohl nicht und deshalb haben manche Leser das Buch vielleicht auch so schlecht bewertet oder fühlen sich verarscht.

2016-12-09

Ich hasse dieses Internet

Vor einigen Monaten habe ich von „Literaturtest“ eine Maske zugeschickt bekommen, die mich auf das bei „S.Fischer“ erschienene Buch, des in Kalifornien lebenden Jarett Kobek, „Ich hasse dieses Internet“, aufmerksam machen sollte.

Im Trubel meines doppelten Buchpreislesens, das ich damals sehr intensiv betrieben habe, ist das bei mir ein wenig unter gegangen und ich bin erst auf das Buch aufmerksam geworden, als ich es bei einigen Blogs erwähnt fand.

Denn es ist sicherlich interessant, eine „Internet-Kritik“ zu lesen oder einen „nützlichen“, wie am Cover steht, beziehungsweise „schlechten Roman“, wie der Autor mehrmals schreibt, zu lesen. Ein Buch gegen oder für den „Zeitgeist“, wie man in der Beschreibung lesen kann, das mit Houellebecqs „Unterwerfung“ und mit Dave Eggers „Circle“ verglichen wird.

Ich füge noch Gary Sthengarts „Super sad  true love story“ und John Jeremian Sullivans „Pulphead“ hinzu.

John Dos Passos „Manhattan Transfer“ wäre auch ein Buch, an das man sich beim Lesen erinnern könnte und  bleibe,  wie die „Amazon-Rezensenten„, die zwischen eins und fünf Sterne verteilen, ein wenig ratlos zurück.

Einer der Ein Stern rezensenten hat von einer „Nicht-Handlung“ geschrieben, die es wahrscheinlich trifft, denn auf den über dreihundertsechzig Seiten wird alles und auch nichts erzählt.

„Zeitgeist ist sein zweiter Vorname“, beschreibt es wahrscheinlich genauso treffend, denn es ist eigentlich eine Amerika-Kritik, ein Buch, kein Roman wahrscheinlich, zumindestens nicht das, was man sich im traditionellen Sinn darunter vorstellt, gegen den Kapitalismus, die Unterdrückung, die Sklaverei, die Ausbeutung, etcetera.

In der „Triggerwarnung“ werden auf einer dreiviertel Seite, die Gedanken  beschrieben, die in dem Buch enthalten sind.

Gegen das Internet und über die berühmte Frage, was uns Menschen, so bereitwillig dazu bringt, unsere intimsten Angelegenheit in Twitter, Facebook und Konsorten, auszubreiten, so daß die Konzerne, wie „Google“ oder „Amazon“,daran verdienen, wird gewettert und das Ganze wird, weil es ja ein Roman sein soll, ein „schlechter“, der „nützen“ soll, denn gegen den „guten“ wehrt sich der Autor, wie er schreibt, weil sich, die, in den Händen des CIAs befinden, am Beispiel von drei oder eigentlich einer Hauptperson erzählt, nämlich der Protagonistin Adeline, eine Comiczeichnerin, die sich ein männliches russisches Pseudonym zugelegt hat, in San Francisco lebte, die einmal „einen unverzeihlichen Fehler“ machte, in dem sie bei einer Vorlesung  „unbeliebte Ansichten“ äußerte.

„Die unverzeihlichste Sünde, des einundzwanzigsten Jahrhunderts“ nennt es Kobek, worauf sie, die Nachricht „Liebe Schlampe, ich hoffe, du wirst von einer Gruppe illegaler Einwanderer mit Syphilis vergewaltigt“, bekommt, worauf sie zu twittern anfängt und eines der dreiunddreißig Kapitel des Buches, sich mit ihren Twitternachrichten beschäftigt.

Eine Ellen, die wegen ihrer Großmutter wieder in die Kleinstadt zurückgegangen ist und eines Tages im Netz ihre Sexfotos findet, gibt es auch,sowie eine Christina, eine Hilfsbibliothekarin, die einmal ein Christian war.

Aber Adelinas „unverzeihlicher Fehler“ zieht sich durch das ganze Buch, in dem auch über Thomas Jeffersons  angebliche Sexvorlieben berichtet wird, sowie, wie die Mieten in San Francisko steigen und Leute delogiert werden, um Wohnungen für die „Google Arbeiter“ freizumachen.

Es wird betont, daß unsere i Phones und i Pads, auf denen wir unser Intimleben verbreiten, damit „Google“ und Co Geschäfte machen können, von billigen Sklavenarbeitern erzeugt werden und es zieht sich auch der Satz durch das ganze Buch, beziehungsweise seine dreihundertsechzig Seiten, daß der oder die, einer der vielen Freunde Adelinas beispielsweise, die schon viele „um den Verstand gevögelt hat“, „kein oder nicht viel Eumelanin in der Basalschicht seiner Epidermis hat“, womit erklärt wird, ob er ein Weißer oder Farbiger ist.

Und dann wird in dem Buch, auf den dreihundertsechzig Seiten von Gott und der Welt, beziehungsweise dem Kommunsismus und der Unterdrückung, etcetera erzählt.

Begriffe tauchen auf, die eigentlich ganz selbstverständlich sind, aber immer wieder, wie die Zitierung, des oben erwähnten Satzes, erklärt werden, beispielsweise:

„Jane Austen war eine Autorin aus dem 19. Jahrhundert, die Bücher über die Ehe und Geld geschrieben hat“ oder

„Das i Phone war ein Smartphone, das Apple auf den Markt gebracht hatte. Smartphones waren kleine Computer, die fast alle Aufgaben größerer Computer erledigten, aber gleichzeitig als Handies  fungierten“ und so weiter und so fort.

Ein umfangreiches Personen Inventar taucht auf, es gibt einen J Karacehennen, einen Kevin Kilian, ein Baby, etcetera, alles meistens Künstler in Adelines Freundeskreis, die Science Fictions oder auch realistische Romane geschrieben haben und damit mehr oder wenig berühtm wurden.

„Rettet Anne Frank“ heißt beispielsweise einer, aber auch reale Namen von Personen, wie Jonathan Franzen, Marc Zuckerberg, Walt Disney etcetera kommen vor, so daß es mir manchmal, wie auch in dem Buch beschrieben wird, schwer fiel, die Fiktion von der Realität zu unterscheiden, was an dem Beispiel erläutert wird, daß sich ein Cosby Player auf einer Messe, als eine Kunstfigur verkleidet, die dann von allen, für real gehalten wird, was vielleicht auch auf die Nachrichten zu trifft, die im Internet verbreitet werden und, die dann alle glauben und die Konzerne daran verdienen, obwohl sie erfunden sind.

„Eine schonungslose, herrlich wutentbrannte Satire“, schreibt Greil Marcus von „Pitchfork“ auf der Buchrückseite und das „Zyzzyva Magazine“ meint „Kobek liefert einen umwerfenden Abgersang auf das digitale Zeitalter“, während die „Amazon-Rezensenten“ gelegentlich“das Lesen auf Seite 87 aufgegeben haben“.

Ich habe zu Ende gelesen, es auch als eine Satrie empfunden, die manchmal etwas anstrengend zu verstehen war und habe das Buch eigentlich mehr, als einen Abgesang auf die amerikanische Kultur und den Kapitalismus, als auf das Internet gelesen, das mir manchmal in den dreihundertsechzig Seiten Weltanalyse auch etwas verloren ging.

Interessant habe ich das Buch trotzdem empfunden und füge, weil ich mich in der letzten Zeit auch mit Haßpostings oder Ratgeber dagegen, beschäftigt habe, hinzu, daß ich das Internet nicht hasse, sondern im Gegenteil manchmal sogar recht nützlich empfinde, aber das lesen von dreihundertsechzig Seiten Büchern, auch wenn dieses von den Autoren, satirisch oder nicht, als schlechte romane bezeichnen werden, einen davon abhalten können.

Nicht umsonst wird ja am Buchrücken noch der Rat „Gehen Sie einen Tag offline und lesen dieses Buch!“, gegeben.

Aber wahrscheinlich kann man das auch im Netz beziehungsweise auf dem E-Bookreader tun.

2016-10-27

Nachtsendung

Hurtig geht es mit dem fünften und wahrscheinlich letzten österreichischen Buchpreisbuch, Kathrin Rögglas „Nachtsendung“ weiter, die sich derzeit in Frankfurt befindet und deren Video-Botschaft ich beim gestrigen „Jelinek Symposium“ hörte.

Die 1971 in Salzburg geborene und jetzt in Berlin lebende Autorin, von der ich 1992, glaube ich, zuerst etwas hörte, als ich in der Jury für das österreichische Nachwuchsstipendium war, mit der ich dann in Salzburg bem „Sichten und Vernichten-Symposium“ gelesen habe und die ich auch öfter in der „Alten Schmiede“ und bei „Literatur und Wein“ hörte, ist eine sehr gesellschaftskritische Autorin, in diesem Sinne sicher eine Jelinek-Nachfolgerin, wenn auch mit einem ganz anderen Stil.

Ihre Bücher „Irres Wetter“ und „Wir schlafen nicht“ habe ich gelesen und jetzt „Nachtsendung“, das ein Erzählband ist oder „Unheimliche Geschichten“ beinhaltet, wie unter dem Buchtitel steht, nun habe ich mit den kurzen Erzählungen im Gegensatz zu den ausufernden Plottexten ja meine Schwierigkeiten, mich inzwischen aber daran gewöhnt und die „Unheimlichen Geschichten“ hängen auch irgendwie zusammen.

Zumindest handeln sie alle von dem hochtechnisierten Businessbvereich, Kahtrin Rögglas Spezialgebiet, wie man sagen könnte, von den Shareholdner,  Outscorsers, Globalisten, Wutbürgern, etcetera und Kathrin Röggla zeigt nun sehr gekonnt und diabolisch auf, wie das ist, wenn da plötzlich etwas passiert und nicht mehr alles, wie gewohnt und geplant passiert.

Das Flugzeug, das eigentlich abheben sollte, plötzlich stehen bleibt und die Stewadesse zwar Getränke serviert, sich dann aber selber anschnallt und hinsetzt, obwohl der Flieger noch am Boden steht.

Oder es in einer Firma plötzlich zu einem „Aussetzer“ kommt, so daß plötzlich eine Putzkolonne anrückt, die gar nicht bestellt war.

Bei einer „Frühjahrstagung“ gibt es eine Schweigeminute oder einen „Schweigeminutenmurks“ für Opfer eines Attentats, obwohl man ja eigentlich „ergebnisorientiert“ weiterarbeiten sollte und ein anderer Globalist sitzt in Indien in einem Taxi, will zum Flughafen und fragt sich, ob die Straße auf der er fährt, überhaupt eine solche ist, die dort hinführt.

Die Geschichte „Bürgerbeteiligung“ habe ich, glaube ich, schon in Krems bei „Buch und Wein“ gehört und in einer anderen Geschichte kommt es zu Gedächtnisausfällen. Der Frau, die offenbar in Unternehmen wegrationalisieren soll, kommen plötzlich die Donnerstage und dann auch andere Tage abhanden, obwohl ihr ihre Kollegen später erzählen, daß ihre Konferenzen, die sie an diesen Tagen abhielt „großartig“ waren.

Es geht, um Kriegsverbrecher, das „Forum Alpach“ und vieles mehr in der schönen neuen Businesswelt.

Es geht aber auch, um ein Klassentreffen, wo einer nach dreißig Jahren hinkommt und sich an seine ehemaligen Schüler nicht mehr erinnern kann.

Interessant dabei ist, daß er dann aufs Klo geht, wohin ihn seine ehemalige Lehrerin, eine erschöpfte alte Frau folgt und dann zu seiner Überraschung einen Spray aus ihrer Handtasche zieht, um ihn zu vernichten, denn eine solche Idee habe ich in meiner „Globalisierungsnovelle“ auch einmal gehabt.

Es geht aber auch um die Bioindustrie und den Gesundheitswahn. So zeichnet eine kurze Geschichte eine Welt, in der der Alkohol verschwunden ist und eine andere berichtet von einem „Gesundheitsforum“, wo sich einer meldet, der an Herzrasen leidet, der in seiner Firma gemobbt wird, aber nicht mehr darüber erzählen darf, weil er ja ein Stillschweigeabkommen unterzeichnet hat.

Es gibt einen „Kinderkreuzzug“ und „Sex in Tüten“ und in „Normalverdiener“, einer „Zehn kleine Negerlein-Geschichte“, was man heute auch nicht mehr so sagen darf, trefen wir Felsch aus den „Schweigeminuten“ wieder, der seine ehemaligen Freunde auf seine großartige Urlaubsinsel einlädt.

In „Überflug (Marokko) hat einer Krebs und will es nicht vor sich zugeben und zwei Varianten über den „Wiedereintritt in die Geschichte“ gibt es auch, in der ersten geht es um den Lärm in einem Drogeriemarkt, im der zweiten, geht es, um eine sogenanntes „Kinderdiktat“, wie schon im Klappentext beschrieben wird.

In „Pentagonumgebung“ versuchen Konferenzteilnehmer, das Pentagon zu besichten und in „Absoutionsgeschehen“, verdient sich ein wahrscheinlich Freiberufler sein Geld, in dem er sich in ein Berliner Cafe setzt und denen, die ihre Mieter, Angestellte oder Kindergruppebetreuer loswerden wird, die Teil oder vielleicht auch ganz Absolution erteilt.

Es bleibt dann gleich in den sozialeren oder, wie es Kathrin Röggla in ihrer Businesssprache wahrscheinlich nennt, „Hartz IV- Gefilden“ und geht in diesbezügliche Selbsthilfegruppen, Kinder werden gewünscht, ausgewürfelt oder verdrängt, es gibt eine Geschichte über „Untote“, die wieder an die Jelinek erinnern könnte oder um, die Frage, was man macht, wenn man plötzlich nach dem Begräbnis seines Mannes überall Doppelgänger sieht.

Langsam, langsam kommen wir in den, ich glaube, sechundvierzig Geschichten wieder zu den Flugzeugen oder der Ausgangsstory zurück, denn am Schluß sitzen alle wieder in demselben Flugzeug, das wir schon zu Beginn kennenlernten, es normalisiert sich alles, das Flugzeug hebt ab „und es ist eigentlich so wie immer.“

„Die Gespenster unserer Gegenwart“ können wir auch am Buchrücken lesen, sind es, die Kathrin Röglla in ihrer wahrscheinlich wirklich unverwechselbaren Businesssprache, in der sogar die Teilnehmer von Selbsthilfegruppen von „Zukunftsfestlegung“ und „Meetings“ reden, hier beschreibt und sich sehr gekonnt von der Realität, des schönen modernen Businesslebens in die unheimlichen Gefilde der Phantasie oder des Unerklärlichen begibt.

Eine interessante österreichische Erzählstimme und wenn man so will, durchaus Jelinek-Nachfolgerin, die man vielleicht kennenlernen sollte.

Daniela Strigl hat in ihrem Interview, das sie einem deutschen Radiosender gab, bedauert, daß sie nicht auf der österreichischen Shortlist steht. Das ist natürlich schade, aber wenn man sich auf die angeblich fünf besten konzentriert, müssen hundert oder vielleicht auch tausend andere beste überbleiben.

Zum Glück hat der Leser aber die Entscheidung, nach dem zu greifen, was er lesen will und sollte das vielleicht auch bei Kathrin Rögglas „Nachtsendung“ tun.

2016-10-12

Weit über das Land

Buch achtzehn der deutschen Longlist und das letzte was ich von dieser Liste habe, „Hool“ und „München“ fehlen mir, führt in die Schweiz und zu Peter Stamm und hat mich, ich gestehe es, etwas verwirrt und ratlos zurückgelassen. Denn jetzt habe ich ja einiges von Aufbrüchen älterer Männer, ihren Krisen und schließlich auch die umgekehrte Rückkehr einer Frau in ein Land, wo sie sich nicht willkommen fühlt, gelesen und es beginnt wieder mit einer Midlifekrise.

Ein Paar um die Vierzig mit zwei Schulkindern, sitzt nach der Rückkehr vom Spanienurlaub Ende August vor dem Haus, liest Zeitung, trinkt ein Glas Wein, dann steht die Frau auf, sieht nach den Kindern, beginnt die Koffer auszupacken und der Mann steht auf und geht, geht immer weiter und kommt nicht mehr zurück….

Die alte Geschichte von dem Zigarettenholen und diesen Anfang habe ich ja schon in Leipzig auf dem blauen Sofa gehört, da hat es mich gar nicht so besonders fasziniert, jetzt schon, die ersten zwei Drittel lang.

Denn da wird sehr bedächtig alles ganz genau beschrieben, immer in zwei Strängen, Astrid und Thomas, Thomas geht, durch den Wald, versteckt sich, schläft in einem Campingwagen, gerät durch Zufall in ein Bordell, trinkt dort zwei Bier, orientiert sich an den Bäumen, wäscht seine Wäsche im Fluß, während Astrid den Kindern am Morgen nach dem Aufstehen erzählt, der Papa ist schon weg, dann ruft sie die Sekretärin an, später erzählt sie ihr, ihr Mann ist krank und hat die Gürtelrose, später geht sie, obwohl man es nicht erwartet, zur Polizei, macht eine Vermißtenanzeige, die, ein freundlicher Polizist namens Patrick mit einem kleinen Kind, rät ihr seine Kontobewegungen zu beobachten.

Ja, da sind die zwei Flaschen Bier von dem Bordell und dann noch eine größere Abbuchung in einem Sportgeschäft bei einem Berg, denn Thomas hat sich dorthin bewegt, hat Rucksack, Bergschuhe, etcetera, eingekauft und marschiert los, jetzt fängt Patrick an, ihn mit einem Hund zu suchen, obwohl er Astrid vorher erklärte, daß man das Recht aufs Verschwinden hat.

Astrid fährt ihm auch nach, kommt in das Gasthaus, wo er die Nacht vorher geschlafen hat und dann, bis jetzt hat sich das Ganze innerhalb von ein paar Tagen abgespielt, sehr genau und sorgfältig erzählt, beginnt es über die Zeit zu springen und für mich verwirrend zu werden.

Denn plötzlich, es ist, glaube ich, Ende September,  Patrick kommt und sagt, „Wir haben ihn gefunden!“

Thomas ist auch in eine Felsspalte gefallen und hat sich den Fuß verknöchelt, er kraxelt aber wieder hinauf und geht in eine Almhütte, es hat inzwischen zu schneien begonnen und verbringt dort einige Zeit, Wochen oder Monate. Astrid läß ihn inzwischen für tot erklären, obwohl sie sich nicht, als Witwe fühlt und eine Leiche gibt es ja auch nicht, wieso also ein Begräbnis?

Es kommen dann auch Erinnerungen von beiden, die sich vor Jahren in einer Buchhandlung, wo Astrid gearbeitet hat,  kennenlernten, das ist eigentlich die erste Stelle, wo Thomas an Astrid denkt.

Sie denkt öfter an ihn und er verläßt die Alm wieder, kommt in  einen Ort, wo er in einer Pension wohnt, schwarz zu arbeiten anfängt, er ist Steuerberater, jetzt arbeitet er für einen Schreiner, dann verläßt er den Ort wieder und kommt mit falschen Paß durch ganz Europa und die Monate wechseln in Jahre, während, die Kinder inzwischen das Gymnasium besuchen, eine Lehre beginnen, zu studieren anfangen, die Tochter ein Kind bekommt und so aus den paar Tagen zwanzig Jahre wurden.

Dann hängt Thomas schon sechzig in einem Gerüst und am Schluß kehrt er in sein Haus und zu Astrid zurück, als wäre er nie fortgewesen und das Ganze ist so erzählt, daß man nicht immer ganz klar unterscheiden kann, wo sich jetzt die Realität in Phantasie verwandelt,  ob das jetzt real passiert oder Astrid sich das vielleicht nur ausdenkt und mit den allzu unlogischen Sachen und den Zeit- und den Handlungssrpüngen habe ich ja meine Schwierigkeiten.

Spannend ist es natürlich und man kann viel darüber nachdenken, über den Sinn des Lebens, denn eigentlich hat Peter Stamm ja zwei Romane geschrieben, einen langsamen und einen schnellen und man kann sich fragen, ob das jetzt ein Buch über den Sinn des Lebens ist und natürlich auch, warum steht der Mann plötzlich auf und geht weg, einfach so?

Beiindruckend war für mich, glaube ich, der Angfang bis zu der Stelle wo der Polizist, mit dem Astrid auch eine Beziehung anzufangen scheint, obwohl er ja ein schreiendes Baby hat, kommt und „Wir haben ihn gefunden!“, sagt, denn bis dahin wird alles sehr genau und auch sehr spannend erzählt und ich fragte mich die ganze Zeit, wie geht das weiter, wie ist das, wenn man auf einmal ohne viel Geld und Ausrüstung in den Wald und immer weiter geht?

Der Rest, der sich dann von Weihnachten und Ostern und von der Matura der Tochter bis zur Geburt des Enkelkindes und durch ganz Europa, ein paar Monate hier und ein paar Monate da, spannte, erschien mir unlogischer und auch der Wechsel von der Wirklichkeit in den Traum und umgekehrt,  denn ich mag ja lieber die realistischen Romane.

So bin ich mir nun nicht ganz sicher, ob ich es auf Platz sechs meiner persönlichen Shortlist reihen soll oder nicht?

Denn da hätte ich ja bis jetzt  Thomas MelleReinhard Kaiser-Mühlecker,  Andrej KubiczekSibylle Lewitscharoff und als ganz besonderes Highlight „Drehtür“ von Katja Lange-Müller.

Muß ich auch nicht und „Hool“ und „München“ können ja auch noch kommen, obwohl ich jetzt als nächsten ein Jugendbuch lesen umd mich dann an die österreichische Short- und Longlist mache, wo ich ja erst ein Buch gelesen habe und noch vier auf mich warten.

Von Peter Stamm habe ich jedenfalls den Erzählband „Wir fliegen“, „Agnes“ und „Sieben Jahre“ gelesen und ich kann noch erwähnen, daß er mit „Weit über das Land“ nicht auf Schweizer Shortlist gekommen ist, auf der aber interessanterweise unter anderen Michelle Steinbeck steht und ein bißchen an zwei Stellen hat mich das Buch auch an Anna Weidenholzers „Herren“, bzw ihre „Fische“ erinnert, obwohl es nicht wirklich damit zu vergleichen ist.

2016-09-19

Rauschzeit

Nun Buch zehn und das ist ein Flop, könnte man so flapsig bloggen, nein, tue ich natürlich nicht, denn der 1954  in Meßkirch geborene Arnold Stadler hat ja den „Büchner-Preis“ bekommen und sein Name verfolgt mich schon seit einiger Zeit mit dem Geruch von Ansehen und Reputation, ich hab ihn, glaube ich, auch einmal bei „Rund um die Burg“ gehört, mit Alex Steger verwechselt, ja meine legasthene Ader, die meine Leser zur Verzweiflung bringt und mich manchmal auch ein t vergessen läßt. Der „hinreißende Schrotthändler“ steht noch auf der heurigen Leseliste und ich werde ihn höchstwahrscheinlich nicht mehr schaffen, denn mein zehnten LL „Rauschzeit“ ist elendslang.

Fünfhundertvierzig Seiten, dabei könnte man das, was darin geschieht auf einer Seite zusammenfassen. Der Klappentext tut das auch und eigentlich hätte man dann schon alles gelesen und was den „Titel“ betrifft, so habe ich ihn, glaube ich, nicht ganz verstanden, denn mich haben die zwei Tage von Mausi und Alain eher gelangweilt, als in einen Rausch versetzt und mir gedacht, das kenne ich doch alles schon, einiges, weil ja auch in den Fünfzigerjahren geboren und in den Siebzigern studiert, habe ich auch selbst erlebt, nicht alles natürlich, denn das, was da vielleicht auf die SL kommt, würde Tobias Nazemi wahrscheinlich als „Altherrenprosa“ bezeichnen und vielleicht auch aufstöhnen, nicht schon wieder dasselbe von der der Liebe und dem Tod und zu lang ist es außerdem.

Also es geht um das Glück, das hat die jüngere Anna Weidenholzer viel kürzer zusammengebracht, sie hat aber auch noch nicht soviel Lebenserfahrung und um zwei Tage im Juni 2014 eines mittelalten Ehepaars. Sie sind vierzig und reden schon vom Sterben, da setze ich als über Sechzigjährige etwas aus, aber Arnold Stadler ist ja auch nicht viel jünger und bei „Amazon“ hat einer entdeckt, das manches, was in dem Buch vorkommt, erst zwei Jahre später geschehen ist.

Alain und Mausi, die eigentlich Irene heißt, sind ein mittelaltes, intellektuelles Mittelschichtehepaar, wohnen in Berlin und er, Alain fährt auf einen Übersetzerkongreß nach Köln, sie soll mit Freunden in die Oper „Toska“, eine „Folteroper“, wie Stadler lang ausführt, gehen.

Das wäre es eigentlich schon, nun ja die Spannung und die Handlung, er trifft dort eine Jugendliebe wieder, die ihm 1983 bei einem gemeinsamen Meeresaufenthalt, der damaligen Clique mit einem Mann davon gefahren ist, sie trifft einen Dänen in der Oper und bleibt eine Nacht lang wach und betrinkt sich, um seine Telefonnummer zu erfahren.

So weit, so what und eigentlich schon alles, weil man ja auch nicht spoilern soll.

Auf den fünfhundertfünfzig Seiten und den sechs Teilen, die meistens abwechselnd Kapitelüberschriften, wie Mausi und Alain tragen und dann gibt es noch einen zweihundert Seiten Teil, wo Alain von seinem Leben erzählt, passiert trotzdem noch sehr viel, es gibt aber auch sehr viele fast Bernhardsche Wiederholungen, vom World War I und II wird erzählt,  es ist auch eine deutsch französische Freundschaft oder Familie und die Paare, die sich auseinandergelebt haben, so leben Mausi und Alain in zwei Wohnungen mit Verbindungstür nebeneinander, ja die Mittelschicht kann es sich leisten, sind auch familiär verbunden, so tauchen überall Tanten und Erbschaften auf.

Es geht nicht nur, um das Glück sondern auch um den Tod, so hat sich Elfi, eine Freundin aus der damaligen Clique auch umgebracht und die Vierzigjährigen reden schon alle übers Sterben, haben Patientenverfügungen, die Arnold Stadler seltsamerweise irgendwie mit Sterbehilfe und „Dignitas“ in Verbindung bringt oder ist das Ironie?

Aber ein Longlistenbuch sollte schon fachlich stimmen und nicht vielleicht Voruteile und Ängst schüren und verstärken. Gibt es jetzt gar nichts Postives an dem Buch, von dem ich mich wundere, daß es auf der LL steht, weil es mich nicht sehr berührte und auch nicht viel Neues bietet, was ich bei der anderen  Dichter-Altherrenclique nicht schon gelesen hätte?

Doch natürlich, die schöne Sprache, deshalb ist es ja wahrscheinlich auch darauf, in der es immer wieder schöne Sätze und poetische Neuwendungen gibt.

Ich habe also endlich mal einen Arnold Stadler gelesen, freue mich auf den „Schrotthändler“ und mache mit Sibylle Lewitscharoff weiter. Die Halbzeit ist beendet und die Shortlist steht ja auch schon fest.

2016-09-16

Die Verteidigung des Paradieses

Buch neun der LL, ist eines von den dickeren, bis jetzt waren es ja eher dünne, die ich gelesen habe, aber jetzt kommen die umfangreicheren an die Reihe und es ist ein Abenteuerroman.

Das steht zwar auch auf den „Witwen“, aber dieser ist ein richtiger, ein Weltuntergangsroman, wahrschein auch ein Sci Fi und meiner Meinung nach, eher etwas für solcherart begeisterte Jugedliche, um auf die LLzu kommen, bedarf es aber wahrscheinlich des philosophischen Hintergrunds und so steht das auch am Buchrücken und der 1977 geborene, in Augsburg lebende Thomas von Steinaecker ist ein mir bis dato eher unbekannter Autor, mag sein, daß ich schon einmal den Namen hörte, aber sonst nicht viel.

Um was geht es, um die Fortsetzung von Heinz Helles „Eigentlich müßten wir tanzen“ könnte man unken, jedenfalls heißt der Held auch Heinz und möchte ein guter Mensch werden.

Aber ist er das überhaupt?, steht, glaube ich, als Frage auf dem Klappentext und es passiert sehr viel in dem  vierhundertsechs Seiten Buch.

Zuerst geht es in ein Kinderzimmer oder in eine Erinnerung, an die Zeit, wo der kleine Heinzi des Nachts aufwachte und sich aus dem Kühlschrank was zum Trinken holte.

Dann kommt ein Schnitt oder es geht elf Jahre später los auf einer Alm. Da feiert Heinzi seinen fünzehnten Geburtstag. Die Katastrophe hat stattgefunden und Heinzi lebt mit seinem elektronischen Kuscheltier, das Ganze dürfte in der Zukunft spielen mit fünf weiteren Überlebenden und einigen Affen dort und ist sauer, weil sie seinen Geburtstag vergessen haben.

Dem ist nicht ganz so, denn Cornelius der „welteste Leader,“ wie es im Neudeutsch heußt, während sich Heinz  an die „Vountergangssprache“ zu erinnern versucht, schenkt ihm am Abend ein paar bunte Hefte und gibt ihm den Auftrag, die Geschichte aufzuschreiben, denn Heinz hat auch einen sonderbaren Chip und kann die  die berühmten Romananfänge rezitieren, während ihm sein elektronisches Haustier Märchen erzählt.

Dann kommt die nächste Katastrophe, die Schleusen brechen, der Fluß trockenet aus und sie müßen das, was ein bißchen an die „Wand“ erinnert, verlassen.

Fliehen über die ehemalige Autobahn, treffen auf Leichen, es gibt also doch Überlebende, Mutanten und Plünderer und  Jorden, ein ehemaliger Berufssoldat, schießt alles nieder, was ihm in den Weg kommt.

Anne, die demenzkranke Krankenschwester verläßt die Gruppe, während Özlem auf der Alf ein Baby geboren hat, das sie auch mitschleppen.

Sie kommen in eine Art ehemaliger Zirkus, wollen auf ein Schiff nach Frankreich, das sich als eine Falle erweist. Die Toys erproben aber den Aufstand und erretten ihre Meister. Nun bleibt auch Cornelius zurück und wird  von den anderen aufgefressen, Özlem wird geopfert, Heinz kümmert sich um die kleine Xiwang.

Verliert auch sie und landet in seinem letzten gelben Heft in Paris in einem Kloster, das sich in einem Hochhaus befindet, wo er, glaube ich, siebenundachtzig Jahre später stirbt.

Er war auch noch ein Klon, der zum Schriftsteller bestimmt war, nur das Programm funktionierte nicht so ganz, so daß seine Aufzeichnungen, die er in den schwarzen, gelben und was auch immer Heften, nicht, den Erwartungen der Leser entspricht, wie Anita, seine Betreuerin vorsichtig andeutet und ich bin auch  ein bißchen erstaunt über die Bandbreite der heurigen Longlist und eigentlich ist das Buch, die „Philosophie über den Sinn des Lebens“, auch ein bißchen eine Fälschung oder ein Fake, wie man so sagt, denn einen eigentlichen Weltuntergang hat es ja nicht gegeben, aber viele andere Sachen und  Ebenen und das alles kunterbunt durcheinandergemacht, so daß man genug darüber zu diskutieren hat.

Ob der Kannibalismus und die Freigabe zur Vergewaltigungs beispielsweise unbedingt notwendig war oder eben vorkommt, weil es für die spannende Haltung nötig war?

Aber die letzte LL war auch breit gefächert, bin neugierig, ob das Buch auf die Shortlist kommt, am Dienstag werden wir es  wissen.

Auf den anderen Blogs ist von dem Buch, das über eine ganze Bandbreite von Stilen verfügt, Denglisch ist die Umgangssprache und es gibt sogar Zeichnungen und die berühmte „Pfandbriefwerbung“ aus der „Rororo-Reihe“ in Sci Fi- Mutierung darin, noch nicht viel zu lesen.

Ich bin wahrscheinlich nicht die richtige Schience Fiction  und Weltuntergangsleserin, aber Abwechslung muß sein und einige jüngere Leser werden von dem Buch vielleicht auch begeistert sein.

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