Literaturgefluester

2018-10-16

Gedichte über Tod und Sterben

Allerheiligen und Allerseelen naht, wo man sich mit dem Tod und den Sterben beschäftigt, obwohl es sicher ein Zufall war, daß die „Gesellschaft für Literatur“ heute zwei diesbezügliche Gedichtbände vorstellte, denn dann wäre sie ja zwei Wochen zu früh daran und die „Gesellschaft für Literatur“ ist ja eine, die ihre Veranstaltungen immer mit dem akademischen Viertel beginnt, so daß ich nach meiner sechs Uhr Stunde hinhetzte und höchstens eine Rüge von meiner Leserin Elisabeth zu erwarten hätte, wenn ich zu spät gekommen wäre, aber mitnichten kurz nach viertel, war es noch ziemlich leer im Vortragsaal und so hatte ich mir den siebenhundert Seiten Thome nicht umsonst mitgenommen.

Nach ungefähr zehn Minuten tauchte Manfred Müller auf, um mittzuteilen, daß die Veranstaltung in zehn Minuten beginnen würde, weil eine oder mehrere Teilnehmer sich noch wo anders befänden, dann kam das Publikum darunter Robert Schindel und nach halb war es dann so weit, Manfred Müller stellte, die beiden so unterschiedlichen und doch  themengleichen Gedichtbände von  Günther Kaip und Sabine Gruber vor.

Der 1960 geborene Günther Kaip war mir den Namen nach bekannt und ich habe ihn auch schon auf einigen Lesungen gehört. Jetzt ist im Vorjahr sein Vater gestorben und er hat sich in „Eine Membran sind wir“, damit beschäftigt und Manfred Müller erklärte in seiner Einleitung, daß er das auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise getan hat und so, daß der Tod nichts Trauriges mehr hat.

Das hätte ich ohne den Hinweis, daß sich die Gedichte mit dem Tod des Vaters beschäftigen nicht verstanden. So war es mir aber klar und Günther Kaip erkärte im Anschluß noch, daß er nach dem Tod des Vaters eine Zeitlang das Gefühl gehabt hat, er wäre in seiner Wohnung anwesend. Dann hat er zu zeichnen angefangen oder es ist selbst aus ihm herausgeflossen, die Zeichnungen illustrieren den Gedichtband und irgendwann hat er geträumt, daß der Vater ihm sagte, er solle mit dem Zeichnen aufhören und dann hat er nichts mehr zusammengebracht.

Psychologisch sehr interessant und der Gedichtband der 1963 in Meran geborenen Sabine Gruber von der ich nicht gewußt habe, daß sie auch Gedichte schreibt und Gedichtbände veröffentlicht hat, kenne ich die Veza Canetti Preisträgerin ja vorweigend als Romanautorin „Am Abrund im Himmel zuhause“, wurde auch nach einem realen Anlaß geschrieben, wie Manfred Müller erwähnte. Wer gestorben ist, wurde nicht bekannt gegeben, es geht in den Texten aber, um ein „Halbes Zimmer und ein halbes Lleben“.

Die Gedichte wären formal strenger, als die von Günter Kaip erklärte Manfred Müller noch dazu. Ja, sie reimten sich auch ein wenig und es waren mit einem Prolog nur fünfzehn zum Teil sehr kurze Gedichte, die in der bibliophilen Sonderausgabe von „Haymon“ versammelt sind, die von Sabine Gruber, die aus einer Buchdruckerfamilie kommt, noch besonders gelobt wurden.

Im Anschluß las sie dann noch ein paar Journalgedichte, die jeweils einen Ort und einen Monatsnamen im Titel trugen und zum Teil auch an Dichter, wie beispielsweise Walter von der Vogelweide oder Dante erinnerten.

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2017-07-23

Stillbach oder Die Sehnsucht

Von der 1963 in Meran geborenen, in Wien lebenden, Sabine Gruber habe ich noch nie etwas gelesen, wohl war ich aber schon auf verschiedenen Lesungen und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren bei einer GAV Vollversammlung in Mondsee  kennengelernt, als sie dort Sekretärin war und das Fahrtspesenformular verteilte.

Ich galbe bei einem von Gösta Maier in Klagenfurt organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ haben wir  einmal zusammen gelesen, dann ist sie literarisch aufgestiegen und recht schnell bekanntgeworden, steht doch beispielsweise am Buchrücken von „Stillbach oder Die Sehnsucht“, ein Buch das ich im Schrank gefunden habe, wie die Stempel beweisen und nicht beim „Morawa“ aus der Abverkaufskiste zog, wie ich irrtümlich glaubte, etwas etwas von „Sabine Gruber gehört zu den wichtigen Talenten der österreichischen Autorengeneration neben Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz“, was zwar vielleicht nicht ganz richtig ist, da sie ja wahrscheinlich italienische Staatsbürgerin ist, aber auch der Roman, es ist ihr dritter oder vierter, wird  als „groß und wunderschön geschrieben“ bezeichnet.

Vielleicht eine Übertreibung, denn was ist schon wunderschön und was ein Wunder, eine Beschreibung des italienischen Faschismus sicherlich nicht, sie hat aber mit ihrem letzten Roman „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“, denn ich inzwischen, ziemlich abgefleddert, auch gefunden habe, bei der „Veza Canetti-Preisverleihung“, den sie  2015 bekommen hat, vorglesen, ist damit auf der „Long oder sogar der Shortlist des öst Bp“ gestanden, hat bei den O-Tönen daraus gelesen und die Rezesionen waren gespalten und auch „Stillband“, der große wunderschöne Roman hat bei „Amazon“ auch zwei und drei Stern-Rezensionen.

Da habe ich auch etwas gelesen, daß das Lesen etwas schwierig ist, weil heuzutage immer zwei Romane in einem geschrieben werden und man sich von Seite zu Seite auf ein anderes Sujet umstellen muß.

Das mache ich bei meinen Büchern, glaube ich, auch manchmal, habe mir bei „Stillbach“ aber ein bißchen schwer getan, in die Handlung hineinzukommen, obwohl die eigentlich eine ganz einfache ist oder doch nicht so ganz, denn es geht ja um ein großes Thema, um den italienischen Faschismus und da finde ich auch, daß ein bißchen viel doziert wird und die Handlungsfäden sehr kompliziert verwoben sind.

Da ist einmal Clara, eine Südtirorerin aus dem Dörfchen Stillbach, in Wien lebend, mit einem Arzt unglücklich verheiratet, von Beruf Übersetzerin oder Schriftstellerin, sie schreibt jedenfalls über Gabriele d`Annunzio und Eleonora Duse und deren Freundin Ines, ebenfalls Übersetzerin oder Nachhilfelehrerin ist in Rom gestorben und Clara soll nun dorthin fahren, um ihren Haushalt auflösen.

Das ist die Rahmenhandlung, denn sie findet in Ines Wohnung das Mansukript eines Romans, der in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts handelt und von Ines erzählt, die damals in den Ferien in dem Hotel von Emma Manente arbeitete und die war auch eine Stillbacherin, die in den Dreißigerjahren in dieses Hotel als Zimmermädchen gegangen ist, mit einem Südtiroler namens Johann verlobt war, der bei einem Parisanenanschlag getötet wurde, aber dann von dem Sohn des Hotelbesitzers ein Kind bekommen hat und in Rom gelieben ist.

In vierunddreißig Kapiteln wird dieser Roman erzählt und dann kommt wieder die Rahmenhandlung, wo Clara mit Paul das ist ein Wiener Historiker, der in Rom Faschismusführungen macht und Franz oder Francesco, das ist Emmas Sohn, die inzwischen in einem Altersheim lebt, die Wohnung besucht und man erfährt in den fast vierhundert Seiten viel vom  italienischen Faschismus, den Neunzehndreißiger und den Neunzehnsiebzigerjahren und Detail am Rande auch die Schriftstellerin Sabine Gruber kommt darin vor, aber auch sehr viel anderes und ich denke es ist das, was wahrscheinlich auch „Daladossi“ vorgeworfen wird, das zuviel Hanldungsgtränge in ihm verknpüft sind, aber andererseits tue ich das selber und natürlich ist es wahrscheinlich viel besser und genauer, als ich es tue, erzählt.

Man erfährt von einer sehr genauen Erzählerin sehr viel über die italienische Geschichte und denkt sich manchmal daß die Handlung einserseits eher banal und dann wieder sehr kompliziert konstruiert ist und wenn der Roman höchstwahrscheinlich doch nicht „wunderschön“ war, das kann er, wie schon beschrieben, wahrscheinlich schon vom  Thema her nicht sein, so war er doch sehr lehrreich und ich bin jetzt auf den „Daldossi“ sehr gespannt und kann noch hinzufügen, daß ich Sabine Gruber auch manchmal bei Lesungen, wo sie im Publikum ist, sehe und, daß sie mit Robert Schindel befreundet ist oder war.

2016-08-19

Politische O-Töne

Daniela Strigl

Daniela Strigl

„Liebe Literaturfreunde, heute wird es politsch!“, sagte Daniela Strigl zur Eröffnung, der heurigen sechsten O-Töne-Veranstaltung, bei fünf bin ich gewesen, die inzwischen von ihrem Urlaub zurückgekommen scheint, denn sie hat diesmal den Debut-Leser Daniel Zipfl selber vorgestellt und mit Daniel Zipfl Buchs „Eine Hand voll Rosinen“, ergeht es mir  sehr seltsam, denn irgendwie kommt es nicht und nicht zu mir, obwohl ja einige diesbezügliche Anläufe bestanden haben, denn es ist ja vorigen Herbst  bei „Kremayr&Scheriau“ erschienen, da gab es eine „Release-Party“ und eine Vorstellung bei der „Gesellschaft für Literatur„, aber da wurden nicht immer die gleichen Bücher vorgestellt, einmal war Daniel Zipfel dabei, bei der Party und der Lesung vorher, glaube ich, nicht und als ich die Bücher angefragt habe und sagen sollte, welche ich wolle, habe ich ihn übersehen.

Dabei ist es ein interessantes Thema, geht es ja um Traiskirchen, einen Schlepper und einen dafür zuständigen Polizeibeamten, allerdings schon im Jahr 2003, also nicht die aktuelle Situation, die es vorigen Herbst gegeben hat, als das Buch erschienen ist und dann war ich ja im Dezember bei dem Literaturhaus Flohmarkt und da war es dann, um zwei Euro zu erwerben.

Ich hatte es schon in der Hand, dachte dann aber nein, ich nehme es nicht und bin gegangen und als ich am nächsten Tag wieder gekommen bin, war es leider nicht mehr da, so machte ich, als ich Petra Piuks „Lucy fliegt“, bestellte einen zweiten Anlauf, aber dann sah ich Marianne Jungmaiers „Sommernomaden“ sind inzwischen erschienen und wieder nichts, aber vielleicht kommt es noch mal zu mir.

Daniel Zipfel

Daniel Zipfel

Vielleicht steht es auch auf der Debutliste, denn es ist ja ein interessantes Buch, das 1983 in Freiburg geborene Jurist da geschrieben hat. Er bedankte sich auch sehr höflich für die Einladung und las zwei Stellen vor. Eine über den Fremdenpolizisten Ludwig Blum und dann noch eine über einen afghanischen Schlepper, der in Istanbul in einer Kneipe sitzt und immer wieder einige Rosinen, so ja auch der Titel, zugeschoben oder weggenommen bekommt, je nachdem, wie die Geschäfte laufen.

Dann kam die letzte „Veza Canetti Preisträgerin“ Sabine Gruber, die ja schon zur Preisverleihung vorigen Oktober im MUSA ein  Stück aus ihrem eben erschienenen Roman „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“ gelesen hat. Dafür hat sie, erzählte Daniela Strigl im Gespräch mit ihr, sehr viel recherchiert und sogar eine Ausbildung zur Kriegsfotografin gemacht und Bruno Daldossi ist ein solcher, der aber dabei ist auszusteigen, viel trinkt, eine Trennung durchmacht und dann mit einer anderen Frau, nach Lampeduasa fährt, weil Flüchtlingsboote offenbar viel einfacher zu fotografieren sind, als minenverseuchte Gebiete.

Sabine Gruber

Sabine Gruber

Das weiß ich zwar nicht so genau, ob das stimmt, aber es gibt auch Beschreibungen von sechzehn Fotografien in dem Buch, zwei davon hat die 1963 in Meran Geborene, die auch einmal Sekreätrin bei der GAV war und die neben dem „Priessnitz-„, den „Veza-Canetti-„, auch den „Wildgans- Preis“ bekommen hat und, wie ich in den „Tonspuren“ hörte, sich um das Preisgeld ein Motorrad kaufte, das sie deshalb „Wildgans“ nannte, vorgelesen und ich bin eigentlich sicher, daß das Buch, wenn nicht auf die deutsche dann auf die österreichische Buchliste kommt.

Dann werde ich es, wenn ich es bekomme, lesen, sonst steht ja noch „Stillbach oder die Sehnsucht“ auf meiner heurigen Leseliste, das ich mir einmal glaube ich bei einem der „Morawa-Flohmärkte“ kaufte. Mal sehen ob ich das alles schaffe?

Die O-Töne waren jedenfalls wieder sehr gut besucht und weil die Leute da ja alles reservieren, habe ich obwohl ich schon um viertel acht gekommen bin, einen Platz weit hinten gefunden, aber Robert Schindel und ich glaube auch Lorenz Langenegger gesehen, der, wenn ich mich nicht irre, auch vorige Woche bei der Friederike Mayröcker war.

Ansonsten kann ich noch berichten, daß ich  mit dem ersten Kapitel von „Claire-Klara-Clarisse oder wilder Lavendl“, zweieinhalb Seiten, 1340 Worte, angefangen habe und auch das ist sehr gut gegangen.

2015-10-08

Veza Canetti-Preis an Sabine Gruber

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:22
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Das „Musa“ eröffnete am Mittwoch die dritte Saison mit der zweiten Vergabe des „Veza Canetti-Preises“, den letzten hat Olga Flor gewonnen, diesmal ging der Preis an die 1963 in Meran geborene  Sabine Gruber, die ich, glaube ich, kennenlernte, als sie GAV-Sekretärin war und die GAV ihre Vollversammlung am Mondsee abhielt.

Dann habe ich, glaube ich, einmal neben ihr in Klagenfurt beim „Tag der Freiheit des Wortes“ gelesen, das wird vielleicht 1995 oder so gewesen sein.

Den „Priessnitz-Preis“ hat sie gewonnen, das war, glaube ich, das erste Mal, daß ich zu dieser Veranstaltung ins Literaturhaus gegangen bin und den „Wildgans-Preis“ auch, da habe ich in einem Radio Feature gehört, daß sie sich von dem Geld ein Mofa oder Motorrad kaufte, daß sie „Wildgans“ nannte. So gesehen ist es wahrscheinlich spannend zu erfahren, was sie diesmal mit dem Priesgeld macht?

Vier Romane hat sie geschrieben, wie sowohl Julia Danielczyk, als auch Birgit Peter, die die Laudatio hielt, erwähnte, der ersten „Aushäusige“, ist 1996 bei „Wieser“ erschienen, da ging es, glaube ich, um das Aufwachsen in Südtirol, dann 2003 schon bei „Beck“ die „Zumutung“, da ging es  um die Nierenerkrankung, die, glaube ich, autobiografisch ist.

Die Krankheit als Zumutung, hat Birgit Peter sehr schön dargestellt, dann „Über Nacht“ 2007, erschienen, da ging es um die Nierentransplatation.

Von beiden Romanen habe ich, glaube ich, Leseproben im Radio gehört und 2011 erschien der bislang letzte Roman „Stillbach oder die Sehnsucht“, den habe ich  im vorigen Sommer beim „Morawa-Flohmarkt“ um zwei oder drei Euro gekauft, liegt jetzt auf meinem Lesestoß im Schlafzimmer und wartet auf das Lesen und Sabine Gruber schreibt jetzt an einem Roman, wo es um einen kriegstraumatisierten Fotografen und Bildberichterstatter geht.

Daraus hat sie nach der Preisvergabe drei Stellen gelesen, vorher mußte sie wahrscheinlich ein paar Worte zu ihrer Beziehung zu Veza-Canetti sagen und  erwähnte, daß sie vor einundzwanzig Jahren in die Wiener Leopoldstadt, einen Steinwurf von der Ferdinandstraße entfernt zog und da schon die „Gelbe Straße“ gelesen hatte.

Sehr viel Prominenz im Publikum für die sich Sabine Gruber  zweimal bedankte, Robert Schindel, Daniel Striegl, Alexandra Millner, Daniel Wisser, Olga Flor, Gabriele Petricek, Gerhard Jaschke und und und

Ich habe mich mit einer Dame unterhalten, die ich einmal beim „Leo Perutz Preis“ kennengelernt habe und die mir erzählte, daß sie nach Frankfurt fährt, ja, das ist ja nächste Woche und morgen wird wahrscheinlich der Nobelpreis wieder nicht an Philip Roth vergeben und Sabine Gruber hat ja, glaube ich, auch einmal in Frankfurt aus „Stillbach oder die Sehnsucht“ auf dem blauen Sofa wahrscheinlich oder anderswo gelesen.

Nachher gab es wieder Brot und Wein, Gespräche und mein „Literaturgeflüster-Kärtchen“ habe ich an Daniela Strigl und Alexandra Millner ausgeteilt.

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