Literaturgefluester

2021-10-30

Morituri

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:42
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Jetzt ein Sprung in die österreichische Buchpreisliste und hier das vierte Longlist und zweite Shortlistbuch „Morituri“ , der 1968 in Wien geborenen und, wie, ich glaube, in Graz lebenden Olga Flor mit dem Canetti-Stipendium geschrieben und wieder sehr kompliziert und sehr theoretisch in sprachlich schöner Sprache ausgedrückt.

Trotzdem ist Olga Flor was vielleicht gar nicht so leicht zu merken ist, eine sehr politische Autorin, die sich vor den aktuellen Themen nicht scheut und ist das auch bei dem neuen Buch, dem siebenten Roman, glaube ich, da ist der Titel schon etwas verwirrend oder hoch gedeutet, denn man könnte ihn ja allgemein erklären, daß er die Vergänglichkeit des korrupten Alltagsleben bedeutet oder sich Olga Flor mit der korrupten Gegenwartsgesellschaft beschäftigt und bräuchte den Cäsar und die Gladiatioren nicht, aber dann wäre es vielleicht zu einfach.

Es gibt jedenfalls vier oder ein paar mehr Hauptpersonen. Da ist einmal Maximillian, Aussteiger, gewesener Architekt, geschieden, eine Tochter Ruth. Er verläßt seinen Architektenberuf oder ist darin gescheitert, lebt jetzt am Land in einem Dorf neben dem Moor und züchtet Hühner und Bienen.

Am Anfang jedenfalls. Denn da gibt es eine rechte Bürgermeisterin mit dem schönen Namen Susanne Krblicek, die packelt mit Maximillians Nachbarn, der Baunternehmerin Jacky und ihrem Mann Alfons, der ein Verhältnis zu ihr hat.

Unter dem Moor solle eine Verjüngungs oder Anti Age-Klini errichtet werden, darüber habe ich 2012 im Rahmen des „Nanowrimos“ auch schon geschrieben und Maximillian soll dazu als Versuchsperson, mit Bezahlung selbstverständlich, auserkoren werden. Was im Klartext ,aber etwas kompliziert ausgedrückt bedeutet, er soll mit dem afrikanischen Flüchtling Maurice Rücken an Rücken und mittels Blutübertragung verschmolzen werden. Das heißt sie haben ein Doppelzimmer und Ausgang gibt es nur gegen Revers, wenn man nicht vorher davor flüchtet./literaturgefluester.wordpress.com/2019/05/15/sebastian-ferien-im-kanzleramt/

Die behandelnde Ärztin heißt Frau Dr.in Muhr und eine Redenschreiberin, die nur „Gummistiefel“ genannt wird gibt es auch.

Das alles wird in sehr kurzen Kapteln, die meistens, die Namen der handelnden Personen tragen, manchmal auch anders heißen, beschrieben.

Am Schluß soll es ein großes Finale mit der Eröffnung des Centers durch den jungen schönen medien affinen Präsidenten geben, das geht aber schief und da könnte man Olga Flor ein großes Komplement ausstellen, ist das buch doch schon im Frühling erschienen. Sebastian Kurz ist aber erst jetzt zur Seite getreten. Die korrupte Gesellschaft, die Oga Flor so schön theoretisch beschreibt, wird aber vermutlich bleiben.

Olga Flor, die, glaube ich, große Chancen auf den österreichischen Buchpreis hat und auch sonst sehr gelobt wird, hat bei „Amazon“, aber sowohl fünf als auch eins Stern Rezensionen bekommen, wovon ich eine der Letzteren zitieren möchte:

„Das Erzählte ist eine Ansammlung von Belanglosigkeiten.Ein Höhepunkt worauf die Erzählstränglein zusteuern könnten, ist nicht erkennbar. Lese-Mehrwert: Null. Lesespaß: ebenfalls Null.“

So streng würde ich es, die ich ja auch meine Schwierikeiten mit dem theoretischen Stil Olga Flors habe, nicht beurteilen, hat mir das Buch doch sogar am Anfang ganz gut gefallen und abgebrochen habe ich das Buch auch nicht.

2021-04-04

Meister Hoppel und der grüne Paß

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:43
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Hase Hoppel war dabei seinen großen Korb mit den bunten Eiern, rote, grüne, blaue, violette und auch ein paar pinke waren dabei, zu füllen und sich diesen um den Rücken zu schnallen, dennn es war wieder Ostersonntagmorgen, das Wetter war schön, die Sonne funkelte schon vorsichtig vom Himmel herunterund kitzelte sogar frech seine Hasennasenspitze.

„Tschüß, Hoppeline, Hasenfrau!“, rief er in das Hasenhäuschen hinein und freute sich schon auf den Karottenbraten, den ihm seine Angetraute, wenn er am Abend mit leeren Korb zurückkehrte, zum Nachmahl kredenzen würde.

„Tschüß, Hoppeline, Hasenfrau!“, schrie er hinein und wunderte sich ein bißchen, daß er seine Angetrauten noch ein wenig verschlafen im Schlafrock, aber trotzdem aufgeregt aus dem Hasenhaus stürzenund auf ihn zulaufen sah. Hatte er etwas vergessen? Die Eier waren doch alle fertig bunt gefärbt, sorgfältig in den Korb gepackt und die Adressen der Kinder denen er sie in den Garten oder ins Kinderzimmer legen sollte, lag auch oben auf.

„Halt, Hoppelmann“, rief die angetraute Hasenfrau und winkte in der einen Hand mit einem weißen, in der anderen mit einem grünen Ding, mit denen sie auf ihn zustürzten.

„Halt, Hasenmann! So kannst du nicht losstarten! Haben sie doch in der Stadt noch immer Lockdown und jetzt sogar Osterruheausgangssperre oder, wie das heißt und eine FFP 2-Maske müßen die Menschen schon länger tragen, wenn sie in die Geschäfte gehen, damit sie nicht einander anstecken können und du brauchst jetzt auch einen grünen Impfpaß in dem du deine Testung und damit deine Ungefährlichkeit nachweisen kannst!“, rief die Angetraute, drückte ihm das grüne Ding in die Hand und begann ihm das weiße, um die Schauze zu binden, was sehr unangenehm war, weil er keine Luft bekam und husten mußte.

„Was tust du, Hoppeline!“, rief er und schüttelte den Kopf mit den langen Hasenohren.

„Bleib mir damit von der Schnauze, was soll denn das?,“ rief er empört und schüttelte sich noch einmal.

„Die Menschen haben doch jetzt Pandemie, haben wir in der Schule gelernt, Papa!“, riefen jetzt auch Hoppelmann und Hoppeline junior, die ebenfalls mit ihrem Nachthemd und Nachpyjama aus dem Haus stürmten.

„Da mußt du aufpassen und vorsichtig sein und einen zwei Meter Sicherheitsabstand muß man auch einhalten, hat die Frau Lehrerin erklärt!“, ergänzte Hoppeline junior und die Angetraute nickte befriedigt mit dem Kopf.

„Schön, schaust du aus, Hoppel! Du darfst dich auch nicht mit diesem Virus anstecken, da ist das bißchen Husten egal! Du wirst dich schon daran gewöhnen, die Menschen müßen das auch!“, rief sie befriedigt.

„Jetzt kannst du losstarten und paß auf dich auf!“, fügte sie noch besorgt hinzu. Und Hoppeline und Hoppelmann Junior riefen „Bring uns aus der Stadt etwas Schönes mit, Papa! Vergiß das nicht, wir wollen auch ein Osternestchen haben und erzähl uns von den Kindern, wie es ihnen geht, wenn sie heuer wegen der Osterruhe nicht aus dem Haus gehen dürfen! Aber dafür brauchen sie nach den Osterferien nicht in die Schule, weil das Distancelearning wegen diesem Pandemiedings verlängert wurde! Das möchte ich auch gern, Papa!“, rief Hoppelinchen Junior vorlaut. Hoppel schüttelte den Kopf, versuchte das weiße Sicherheitsstück von der Schnauze zu bekommen, denn es drückte sehr und war unangenehm und rief seiner Angetrauten und seinem Nachwuchs ein neuerrliches Unsinn zu, bevor er sich auf den Weg machte. Denn der war weit und er wollte pünktlich sein, um die Menschen und deren Kinder, die von den Maßnahmen wegen dieser verdammten Seuche, sowieso schon angeschlagen schienen, nicht zu enttäuschen.

„Ich bringe auch etwas mit und freue mich schon auf den Karottenschmaus am Abend!“, rief er und winkte ihnen zu! Dann war er schon losgehoppelt und wiederholte sein „Welch ein Unsinn!“, noch einmal!“

Dann blieb er, als er sicher war, daß ihn Hoppeline und Hoppelmann und Hoppelinchen junior nicht mehr sehen konnten und riß sich das weiße Pappding, das in der Stadt jetzt alle tragen mußten, um sich nicht mit diesem Virus anzustecken, von der Schauze. Er brauchte das nicht, denn er war ein Hasenmann und im Wald war ohnehin kein Polizist zu sehen, der ihm darob ermahnen und eine Strafe wegen der Nchteinhaltung der Covidgesetze, von ihm verlangen konnte, wie ihm Hoppeline erzählt hatte, daß das die Polizisten in der Stadt so taten.

“ So ein Unsinn!“, dachte er wieder und hoppelte weiter. Die Stadt mit ihren ersten Häusern und Vorstadtgärten war bald erreicht. Er konnte stehenbleiben und seine buntgefärbten Eier in den Rasen legen. Da fiel ihm wieder das grüne Ding ein, daß ihm Hoppeline in die Hand gedrückt hatte.

„Den grünen Impfpaß!“, hatte sie gesagt, den er herzeigen mußte, wenn er in ein Geschäft gehen wollte, um sich, wenn die Eier vielleicht ausgegangen waren, Nachschubzu besorgen.

“ So ein Unsinn!“, dachte er noch einmal. Denn er brauchte keinen grünen Paß und auch keine Eier kaufen. Denn er war ein gewißenhafter Osterhase und hatte sich schon eine Extraration mitgenommen, so daß er nicht in Verlegenheit kam. Aber den Hasenkindern sollte er ein Geschenk mitbringen. Das hatte er versprochen, dachte er und schüttelte nochmals den Kopf.

So ein Unsinn! Im Wald, wo er mit seiner Hoppelfamilie lebte, brauchte er das nicht. In der stadt sollte das aber schon seit einemJahr so sein und es war ihm auch aufgefallen, daß viele, die ihm auf dem Weg entgegengekommen waren, ein solches weiße Maskending, um ihre Schnaue, sprich Menschenmund umgebunden hatten.

„So ein Unsinn!“, rief er noch einmal. Da würde er Hoppelinchen und Hoppelmann Junior stattdessen ein paar Wiesenblumen und Bärlauchblätter mitbringen. Löwenzahn vielleicht, wenn derschon blühen sollte und die Menschengeschäfte auslassen, dachte er, legte das grüne Impfding in den Korb, zog stattdessen seine Adressenliste hinaus und betrat den Garten, der auf seiner Liste stand. Hier war er richtig und hier gehörten drei Eier in das Gras. Ein grünes, ein blaues und ein rotes für die kleine Dörte, den kleinen Florian und die Arabella und im Nebengarten bekam der kleine Jonas ein oranges und die kleine Liawünschte sich ein pinkes, dachte er befriedigt und dann fiel ihm ein, daß er gutes kühles Bier gut tun und ihn erfrischen würde, bevor er nach getaner Arbeit abends in den Wald zurückhoppeln würde. Aber wenn er dazu einen Impf- oder Testpaß brauchen würde, um zu seinen Trunk zu kommen.

„Das war wirklich sehr verrückt!“, dachte er und schüttelte den Kopf, als er mit seiner Liste in derHand und den Korb am Rücken weiterhoppelte um zu einem Noah und einer Marie zu kommen, die sich je ein blaues Ei gewünscht hatten und da vorne lag auch das Gasthaus, bemerkte er und freute sich. Ein Bier war gut und vielleicht konnte er jetzt schon Einkehr halten und mit dem grünen Impfpaßding konnte er, wenn das Hoppeline oder der Wirt so wollten, auch herumwackeln, selbst wenn er das für Unssinn hielt.

„Also gut, er war nicht so!“, dachte er, war aber kurz darauf enttäuscht, als er keine Gäste im Gastgarten sitzen saß, sondern dieser mit einem weißrotgestreiften Band und einer Kette abgesperrt war.

„Die Schanigärten werden jetzt doch nicht geöffnet, die Zahlen sind zu hoch!“, hörte er einen Passanten zu seiner Begleiterin sagen, die an ihm vorübergingen und schüttelte nocheinmal den Kopf mit seiner Hasenschnauze.

Verdammt, verdammt, zu früh gefreut. Da nützte ihm auch das grüne Impfpaßding gar nichts, wenn die Gastgärten sowieso geschloßen hatten. Also kein Osternestchen aus der Bäckerei im Einkaufszentrum für Hoppelinchen und Hoppelmann Junior. Den Blumenkranz konnten sie haben und auch die übergebliebenen Eier und die angetraute Hoppelfrau würde ihm einen selbstgemachten Malzbierdrink zubereiten. Es blieb aber wirklich verdammt, dachte er, hatte die nächste Adresse erreicht, um für die kleine Lena ein extragroßes Ei auszupacken und ins Gras zu legen. „Schau, Mama, da ist schon der Osterhase!“, hörte er ein helles Stimmchen und sah, als er sich umdrehte einen Finger begeistert auf sich zeigen.

„Schau, Mama, der Hoppelmann ist schon da! Hat aber keine FFP-Maske aufgesetzt! Darf er das und darf ich, wenn er die Hygienemaßnahmen nicht einhält, das Ei dann nehmen? Aber ich habe mich so darauf gefreut!“, rief die Kleine jetzt enttäuscht, während die Mutter, die ebenfalls so ein weißes Ding um Mund und Nase gebunden hatte „Natürlich, Lena, darfst du das!“, antwortete.

„Denn Osterhasen unterliegen keiner Maskenpflicht!“

Die Kinderhand war näher gekommen und er hörte Lena noch „Darf ich ihn streicheln, Mama?“, die Mutter fragen. Aber da war er schon weggehoppelt. Sollten ihn die Kinder doch nicht sehen und im nächsten Garten warteten auch ein Lothar und eine Lotte auf ihre Eier.

„Der Osterhase braucht keine FPP2-Maske tragen!“, hörte er die Mutter noch wiederholen und nickte befriedigt vor sich hin.

So war es richtig! Das würde er Hoppeline, wenn er zurückgekommen war und sein Malzbier trank und seinen Kartottenschmaus verzehrte auch erzählen, dachte er und in die Maske würde er den Bärlauch und den Löwenzahn für die Kinder packen und je ein rotes und ein blaues Ei dazulegen, um Hoppelmann und Hoppelinchen Junor mit diesem Osternestchen zu trösten, wenn sie enttäuscht sein sollten, daß er ihnen aus der Bäckerei nichts mitgebracht hatte.

„Denn die war wegen dem Osterlockdown geschloßen, Kinder!“, würde er ihnen erklären.

„Nicht einmal ein Bier habe ich trotz Paß bekommen! Die Kinder haben sich aber über die Eier sehr gefreut und das nächste Jahr ist dieser Spuk hoffentlich vorbei!

2020-12-31

Die Corona-Fledermaus

Filed under: Glosse — jancak @ 19:08
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Ich bin ja eine, die offenbar einen eher konservativen Literatur- und Kulturgeschmack hat. So habe ich mich schon als Studentin sehr energisch gegen die Regisseure gewehrt, die die „Walküre“ nach Auschwitz verlegten und den „Don Giovanni“ in einer Bäckerei spielen ließen und habe dazu auch, wie ich mich erinnern kann, handschriftliche Protestartikel geschrieben.

Damals bin ich ja noch sehr viel in die Oper gegangen, jetzt tue ich das nicht mehr. Ins Theater ging ich schon damals nicht sehr viel. Da bevorzugte ich wohl schon damals den Roman, aber jetzt, Corona macht es möglich, ist mir eine Inszenierungsmöglichkeit eingefallen, als ich gestern im Radio hörte, daß die „Fledermaus“ die berühmte Strauß-Operette auch heuer, in Zeiten, wie diesen in der Staatsoper zwar ohne Publikum, aber live im Fernsehen übertragen, aufgeführt werden soll.

Das hat mich zwar ein wenig gewundert und auch, als ich bei dem Interview mit dem Regisseur oder wem auch immer hörte, daß es eine eher konventionelle Inszenierung wäre und da ist mir eingefallen, wie man die „Fledermaus 2020“ aufführen könnte, die ich ja einmal vor Jahren im Stehen und in der Kälte vor der Oper erlebt habe, als wir ein einziges Mal mit der damals kleinen Anna über den Silvesterpfad, den es heuer auch nicht geben wird, gegangen sind.

Da hat Ernst Steinhauer oder wer auch immer, Fritz Muliar war wohl schon gestorben, die Laterne in den Mistkübel fallen lassen und dazu „Licht ins Dunkel!“, gegröhlt, was, wie ich mich erinnern kann, der kleinen Anna gut gefallen hat.

Aber nun zur Fledermaus 2020 und die würde ich in einer bürgerlichen Villa, in Hietzing oder Döbling vielleicht, spielen lassen. Ein bürgerliches Wohnzimmer oder Salon. Hinten sind groß und nicht zu übersehen, die Corona-Regeln angeschlagen. Die Desinfektionsflasche steht auf dem Tisch. Die Adele ist ein moldawisches Aupair-Mädchen mit Theaterambitionen. Sie trägt Jeans statt der Stubenmädchenuniform. Die Rosalinde ein eher zeitloses Abendkleid und später statt der Augenmaske ein Gesichtsvisir. Der Herr von Eisenstein Frack oder einen Anzug und muß ins Gefängnis, weil er die Maßnahmen nicht eingehalten hat, der Advokat ist von den „Rechtsanwälten für die Freiheit“, hat aber auch nicht helfen können und der Alfred, der ehemalige Liebhaber, der Rosalinde, der zum Schäferstündchen kommen will desinfiziert sich immer, bevor er sie ansingt. Vielleicht hat er auch eine FFP2-Maske auf oder eine im Fledermausdesign. Alle bis auf den Alfred wollen auf eine dieser verbotenen Silvesterparties. Dort steht der Prinz Orlofsky als russischer Oligarch auf der Terrasse, wirft die Raketen in die Luft, singt dazu auf die Frage, warum er das denn täte: „Ist halt bei mir so Sitte, chaqun a son gout!“

Draußen streifen die Polizisten herum und nehmen die Gesellschaft fest. Im Gefängnis gibt es statt des Franz-Josef natürlich ein Kurz-Portrait und der Frosch spritzt betrunken, statt die Laterne in den Mistkübel zu werfen mit dem Desinfektionsspray herum und traktiert die Ankömmlinge mit Schnelltests.

Der „Nichtswürdige Herr Direktor!“, gespielt von Gernot Kulis mit Nehammer-Maske, „Außen schön und innen Direktor!“, erscheint und am Schluß schleppt der Oligarch, die lustige Adele ab, um sie auszubilden. Vielleicht wird sie später die Oligarchin für das nächste Ibiza- oder was auch immer Video, sein und alle singen „Glücklich ist, wer vergißt, was vielleicht doch so ändern ist!“

Und oben schwebt die chinesische Fledermaus herum und streut das Virus aus

So und in diesem Sinn auf in ein hoffentlich besseres neues Jahr angestoßen! Der entsprechende Artikel wird bald folgen! Aber eigentlich, ganz ehrlich, wenn ich mir die Nachrichten so ansehe, bin ich nicht so optimistisch und sehe mich schon den Zeiten der freiwilligen Zwangsimpfung ohne, die man nicht auf die Straße, in ein Restaurant oder in die Arbeit gehen kann, entgegen und damit wir uns daran gewöhnen, haben wir ja demnächst die Massentests von dem man sich freitesten darf und damit das nicht so pessimistisch klingt, füge ich hinzu, Bleigießen war zu Silvester noch erlaubt und die serbische Bohnensuppe für die private Knallerei, denn furzt man öffentlich, kann das ja fünfhundert Euro kosten!

P.S und eine kleine Anspielung, daß das Rauchen nur nach der Impfung gestattet ist und, daß eine Gefängniszelle schon für den Gerrn Grasser vorbereitet sei, hat es in der alten Schenk-Inszenierung auch gegeben und am Schluß hat das Orchester in der publikumsfreien Staatsoper applaudiert.

2020-05-04

Der größte Kapitän aller Zeiten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt eine Parodie auf Amerika beziehungsweise auf dessen Präsidenten, des 1979 geborenen Dave Eggers, der ja den „Circle“ geschrieben hat und von dem ich einige Bücher gefunden, aber noch nicht gelesen, habe.

Den „Mönch von Mocca“, habe ich gelesen und jetzt hat mir „Kiepenheuer & Witsch“, den „Größten Kapitän aller Zeiten geschickt“, ein kleines dünnes Büchlein mit hundertvierundzwanzig Seiten und lustigen Iillustrationen von Nathaniel Russel, so daß ich zuerst dacht, es handelt sich um ein Kinderbuch.

Aber weit gefehlt oder vielleicht auch als solches zu gebrauchen und in Zeiten, wie diesen, wo man sich ja über einiges wundern, den Kopf schütteln, sich aber auch große Sorgen, um die Freiheit und den Fortgang der Menschheit machen kann, gar nicht so leicht  zu lesen.

Da wird also auf einem Schiff, das „Glory“ heißt, der Kapitän verabschiedet, der sich in den Ruhestand begibt. Ein neuer Kapitän muß her und es meldet sich einer, der eine gelbe Feder im Haar hat, auf Grund seiner Vorerfahrungen nicht sehr kompetent erscheint, aber sehr selbstbewußt wirkt und eine helle heisere Stimme hat. Er ist unkonventonell, kann nicht Rechtschreiben.

Sagt, was er denkt, ist also so, wie alle anderen und alle sind begeistert. Nur die kleine Ava warnt, wird aber nicht gehört und die Freunde des neuen Herrschers verkleiden sich als Hühner und werden fortan  „Eitle Gockeln“ genannt.

Es kommt, wie es kommen muß, der neue Kapitän entläßt die alten Mannschaft, weil er von dieser nichts hält. Wirft auch die Logbücher über Bord und schläft des Nachts in seiner Kabine unterm Bett, weil er sich vor Spinnen fürchtet, dort hört er eine Stimme aus dem Lüftungsrohr, die ihn lobt, aber auch auf neue Ideen bringt.

So schreibt er des Morgens immer Botschaften auf die Anschlagtafeln vor dem Speisesaal, wie „Leute die Maschinen bedienen sind eure Feinde“ oder „Außerdem werden wahrscheinlich bald ein paar Leute über Bord geworfen.“

Die Passagiere, die das lesen sind begeistert, endlich mal ein unkonventioneller Mann und der Kapitän tut das auch. Entfernt die Leute die ihn stören und der Widerstand der sich allmählich bildet, ist verhalten und leise, kann sich nicht durchsetzen und wird nicht gehört.

So läßt sich der Kapitän von Teenagerinnen „Cheesburger“ sein Lieblingsessen servieren, läßt noch mehr Leute von Bord werfen und ladet sich dafür die größten Piraten des Meeres ein. Als ihn eine Mannschaftsoffizierin warnen will, läßt er sie auch entfernen, weil er von „Frauen, die Uniformen statt Badeanzüge tragen“, nicht viel hält.

So kommen die Piraten an Bord, lachen über den Kapitän, rauben das Schiff aus und am Schluß ist dieses leer und abgesandelt. Der Kapitän verschwunden. Er hat das Schiff mit seinem geheimen Rettungsboot verlassen und die verschreckten Passagiere zurückgelassen, so daß sich diese angeführt von der kleinen Ava selber helfen müßen. Das heißt, sie retten alle noch Gefangenen und versorgen sie, säubern das Schiff und holen dann die Flüchtlinge, die sich der „Glory“ nähern, lassen sie hinauf und die bringen ihnen auch die ins Wasser geworfenen Logbücher zurück, so daß die „Glory“ zu neuen Ruhm wieder auferstehen kann.

Hoffen wir, daß das gelingt und auch, daß Amerika die Corona-Krise, das ja durch das Virus besonders gebeutelt wird, gut übersteht und vielleicht sollte ich auch „Ein Hologramm für den König“ oder „Zeitzoun“, die ich, glaube ich,  in den Regalen habe, einmal lesen.

2020-01-23

Zornfried

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Nun kommt ein satirischer Roman auf die rechte Szene, „Zornfried“, des 1960 in Bremen geborenen Jörg-Uwe Albig, der 2017, beim  „Bachmannpreis“ gelesen hat und der sein Buch im November beim „Fried Festival“ vorstellte, das mich natürlich interessierte,  mit dem ich aber ein bißchen meine Schwierigkeiten hatte, da die Satire und das allzu grotesk Komische ja vielleicht nicht ganz das Meine ist.

Da gibt es jedenfalls einen pathetisch schwultisgen Blut- und Bodendichter,  Storm Linne genannt, dessen Gedichte einem „Frankfurter Nachrichten- Journalisten“ in die Hände Fallen. Er zerreißt das Buch in seiner Zeitung und bekommt daraufhin eine Einladung in die Burg Zornfried ins Spessart, dort wo sich die rechten Recken treffen.

Wo auch der Blut- und Bodendichter lebt und wird vom Hausherrn, einem Herrn von Schierling empfangen, der hat eine Frau namens Brigitte mit blonden Zöpfen, die zu ihm „Sie“ sagt und offenbar eine unmenge blonder Töchter, die  Freyer mal Gertrud, mal Frigga oder Erdmunte heißen, das Essen servieren, in der Küche das Geschirr spülen und ansonsten unterwürfig schüchtern lächeln, worin Götz Kubitschek und Ellen Kostrica mit ihren sieben Kindern wohl unschwer zu erkennen sind.

Der Erzähler Jan Brock erweist sich, als eher willenschwach und auch etwas farblos. Zuerst verspottet und kritisiert er die Tischgesellschaft, als dann aber plötzlich eine andere Reporterin auftaucht, die sich dem Hausherrn anbiedert, will er zuerst abreisen, überlegt es sich dann doch, fällt  in Ungnade, wird von den „W-Bubis“, das sind ein paar junge Männer, in gelben T- Shirts, die im Hof des Schloßes ständig Wehrübungen machen, angegriffen, verirrt sich im Wald, findet aber wieder hinaus.

Vorher hat er noch den berühmten Dichter, der bisher das Gespräch verweigerte, in einer seltsamen Position gefunden.

Das Blatt wendet sich, die andere Journalistin eine Frau Jenny Zerwien fällt in Ungnade, eine Demonstration findet statt, wo im Hof „Nazis raus!“, gerufen wird, während der Hausherr mit seinen Getreuen sektschlüfend am Schloßturm steht und am Schluß verläßt der Journalist geläutert oder auch nicht das Feld und  die Burg.

„Storm Linne war nun ein Fall fürs Vermischte, nicht mehr fürs Feuilleton“, lautet der letzte Satz.

Jedem der kurzen Kapitel ist eines dieser Blut- und Boden Verse, von Jörg-Uwe Albig höchstpersönlich gedichtet, vorangestellt:

„Dort wo der fuchs in scharfer waid den hasen schlägt

wo raupen schmaus erstirbt durch schnabels wucht

Wo grauer rudel hunger nachts durch tannen schnurrt

Der kitze frevel zahl din fraß zu bannen sucht“, beispielsweise, die in den Rezensionen sehr gelobt werden und es soll auch, habe ich gelesen, um die Frage der Willfährigkeit der Journalisten in dem Buch gehen, von dem ich mir, wie schon beschrieben, vielleicht ein bißchen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht hätte, da man die neuen Rechten ja nicht unterschätzen soll.

2020-01-20

Die Kakerlake

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, das im November bei „Diogenes“ erschienen ist und auf das ich durch die Sendung „Leporello“ oder das „Morgenjournal“ aufmerksam wurde.

Der 1948 geborene britische Autor Ian McEwan, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nichts gelesen habe, hat eine Satire auf den Brexit und das englische Parlamentsgeschehen geschrieben und  dabei Anleihein von Franz Kafkas „Verwandlung“ genommen, beziehungsweise sich vor dem großen Autor verbeugt.

Wui, das klingt interessant, das Büchlein also bestellt und ich muß sagen, daß ich mich der Meinung mancher „Amazon-Leser“ anschließe, daß hier schnell nach der Idee von der „Verwandlung“ eine Satire hinuntergeschrieben wurde, die wahrscheinlich mehr die Briten überzeugt, wahrscheinlich nicht zur großen Literatur gereiht werden wird, was vermutlich auch nicht geplant war und, ob es Franz Kafka gefallen würde, ist wahrscheinlich eine Frage, die nur er beantworten könnte.

Also da wacht eines Morgens in der Downigstreet eine Kakerlake im Bett des Premierministers Jim Sams auf und stellt fest, er hat sich in diesen verwandelt. Nicht nur das, denn, als er dann in das Parlament hinüber wankt, mit dem Sprechen und dem aufrecht Gehen tut er sich noch anfangs schwer , stellt er fest, daß die meisten der Minister ebenfall seine Artgenossen sind oder waren und nun geht es im zweiten Kapitel des vier Kapitel starken hundertdreißig Seiten Buchs, zu der Idee vom „Reversalismus“, das Wort Brexit wird an keiner einzigen Stelle, höchstens in einem aufgehefteten Schildchen am Cover erwähnt und der amerikanische Präsident heißt Archi Tupper statt Donald Trump und Premier Sams stellt ihm oder sich die Frage, ob er vielleicht auch eine ehemalige Kakerliake war?

Diese Frage wird nicht beantwortet, dafür ein neues System eingeführt, also, daß man für die Arbeit Geld abgezogen bekommt, dafür aber umsonst einkaufen kann, Bargeldbesitz wird bestraft und alle wollen einen höher bewerteten Job bekommen um mehr Geld ausgeben zu können.

Das wird dann als des Volkeswille ausgegeben, für die der Premier sich einsetzt. Widersacher werden beseitigt und am Schluß, als das Gesetz eingeführt wurde und die Ersten merken, daß es offenbar doch nicht so, wie angepriesen funktioniert, sondern in den Abgrund führen wird, ziehen die Minister und ihr Premier wieder aus den Körpern hinaus, die lassen sie auf den Sitzen liegen.

Durch, die einen Spalt offengelassene Tür ziehen sie auf die Straße, nur leider wird der Premier dabei von einem Auto überfahren. Seine Artgenossen tragen ihn auf den sechs Füßen, die er nun wieder hat, weg und die Rache der Kakaerlake, an der sie unterdrückenden Menschheit ist vollzogen.

So einfach, aus. In England wird der Austritt aus dem Brexit und das politische Geschehen sich wohl ein wenig schwieriger gestalten. Man liest es aber sicher schnell und amüsiert dieses kleine Buch, das einen wahrscheinlich Kafka, um keinen Deut näherbringt, aber vielleicht hat man von der Politik etwas etwas besser verstanden und das wäre ja auch nicht schlecht.

„In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller, was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben“ Ian McEwan“, steht am Buchrücken

2019-11-08

Mobbing Dick

Jetzt kommt das letzte Buch der deutschen Liste, das des 1966 in Zürich geborenen Tom Zürchers, das zwar nicht auf der Schweizer Buchpreisliste steht, aber trotzdem zum Schweizerlesen hinüberführt und es ist ein sehr groteskter Roman, ein schwarzes Kammerstück könnte man meinen. Eine Satire auf das Schweizer Bankwesen vermischt mit einem Psychotrip und wieder einmal alles zu lang und zu viel erzählt, so daß man manchmal, den Kopf schüttelt, nicht mitkommt, ob der Fülle und dann wieder gespannt weiterliest.

Da ist Dick Meier, der seinen Namen von Dick Cheney hat, weil der Vater für die Amerikaner schwärmt. Er ißt ständig, ist aber trotzdem“ blaß und schmal“ und geht im ersten der neunundachtzig Kapitel zum Arzt um ihm seine Bißwunde zu zeigen. Er hat sich in den Arm gebissen, der Arzt ist solcherart erfahren und rät ihm sein Jusstudium abzubrechen und von zu Hause auzuzuiehen Das geht nicht, da sich der Vater widersetzt und meint, daß  sich die Mutter sonst umbringen würde und außerdem müßen in dem Haus drei Personen wohnen, weil man sonst gekündigt wird.

Dick bewirbt sich also bei der Bank, weil die Mutter früher dort arbeitete und wird genommen, obwohl er einen schlechten Eindruck macht und beispielsweise Cremreschnitten von „Sprüngli“ zum Bewerbungsgespräch mitnimmt und dann geht die Groteske los.

Remo Bachmann, ein Diabetiker, was die Personalfrau aber nicht weiß, ist sein Vorgesetzter. Dick vergißt sein Paßwort oder schreibt es sich auf, was man in der Bank nicht darf, dann soll er für bestimmte Kunden die Kuverts in denen sie ihre Auszüge bekommen, wegen dem Bankgeheimnis mit der Hand schreiben.

Sein Vorgesetzter ist aus sehr seltsam, schmiert sich die Haare mit einem grünen Öl ein und wird immer dicker. Dick lernt die Vorstandsriege, die F5 kennen. Er wird auch befördert, soll ein Spezialseminar machen, das in einem Keller stattdindet, wo ihm ein altes Fräulein das Schönschreiben lernt, den Vreneli Code, denn es gibt wegen dem Bankgeheimnis in der Bank unsichtbare Kunden, während die Bank längst von den Amerikanern übernommern wurde und nun Swiss Amercan Bank heißt.

Das Ganze spielt sich in der Zeit des Wahlkampfes an, wo alle glauben, daß Hillary Clinton Präsidentin wird und das nicht wollen, weil die Frauen ja soviel Geld ausgeben. Das sagt der Vater, der von Dick nun dreitausend Franken Haushaltsgeld haben will, aber Dick, der entdeckt hat, daß der Vater fünf Millionen auf dem Konto hat, während er die Mutter knapp hält, hat schon beschlossen auszuziehen und sich eine Wohnung im Rotlichtviertel gemeitet, die in einem Zimmer einen Zahnarztstuhl hat. Geld hat Dick keines und so beginnt er sich bald bei der Bank zu verschulden, kauft Aktien des Nahrungsmittelfonds, wo er alles verliert, wird aber selbst zum Chef, während dieser nun sein Assistent geworden ist. Die Amerikaner lösen alles auf, entlassen alle und die übrig gebliebenen sind nun Vizedirektoren. Aber Dick wird nicht befördert, darf auch nicht auf die Einweihungsparty gehen. So zieht er sich einen weißen Ärztemantel an und irrt nachts als Mobbing Dick durch die Straßen, ruft alle an und röchelt  laut „Halloo!“, in das Telefon hinein.

Es wird aber Remo Bachmann für den Stalker entlassen und man kommt nicht dazu nachzudenken ob das jetzt eine Banksatire oder ein Psychodrama ist?

Es ist das Letztere, denn Dicks Verfolgungswahn nimmt zu, als er Frau Koch, die schöne Marianne, einen von den F5 nach der Beförderungsparty k o vor seiner Haustür liegen sieht. Die Prostiutierte Corelle, die auch  eine Rolle in der Groteske spieltm trägt sie in sein Zimmer. Dick glaubt zuerst, sie ist gestorben, später fesselt er sie, um nicht in einen Vergewaltigunsverdacht zu geraten auf den Zahnarztstuhl und will sie in seinen Wahn auch umbringen.

So landet er am Schluß auf der Psychiatrie wo er weiche Eier zum Frühscück bekommt und alte Bücher lesen kann, die ihm Remo bringt und alles wird gut, könnte man meinen oder doch nicht, denn Dr. Sager, das ist ein Unternehmensberater, von dem Dick am Angfang im Internet, das Bankgeschehen studierte ,klärt ihn über das Wahlergebnis auf, als Dick ihn fragt, warum er eine  schwarze Krawatte trägt, als er ihm besuchen kommt?

„Dick fragt, ob jetzt die Bösen an die Macht kommen. Dr. Sager betrachtet seine Tasse. Er möchte nun doch etwas Milch in seinen Tee. Er rührt lange um, ehe er sagt:

Es gibt keine bösen Menschen. Nur Menschen, die Böses tun, wenn man sie nicht rechtzeitig stoppt.“

So endet das zwanzigste deutsche Longlistbuch, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob ich es mir auf die Shortlist wünschen würde oder nicht?

Aber vielleicht werde ich auf der „Buch Basel“ zu der ich jetzt ja unterwegs bin, mehr von Tom Zürcher erfahren oder einmal auch seine anderen Bücher lesen.

2019-05-15

Sebastian Ferien im Kanzleramt

Jetzt kommt passend zum Vortrag im Literaturmuseum ein satirischer Roman, könnte ich so schreiben, aber den habe ich ja schon auf meinen Bücherchristbaum liegen gehabt und mir vom Alfred bei der letzten Kleinverlagsmesse im Museumsquartier kaufen lassen und erst jetzt gelesen, weil ich vorher soviel Neuerscheinungen „abzuarbeiten“ hatte, dabei ist Michael Ziegelwagners zweiter Roman ja auch erst im Vorjahr erschienen.

Bei dem ersten, der dann auf die Longlist von 2014 gekommen ist, war ich im Literaturhaus bei der Präsentation und da sagte mir der Name des 1983 in St. Pölten geborene, der Redakteur des Frankfurter Satiremagazins „Titanic“ gearbeitet hat, noch nichts und nun ein Roman über die österreichische Regierungsbildung und den Aufstieg des Sebastian Kurz zum Bundeskanzlers.

Das kann ja, da es in meiner „Unsichtbaren Frau“ auch darum geht und dort auch ein „Minister Basti“ vorkommt, nur spannend sein und ein „must to read“ und ist es ja auch spannend zu sehen, wie die anderen, solche Themen verarbeiten.

„Das Schuljahr beginnt! Sebastian ist neu in der Klasse, startet aber gleich voll durch. Mit seinen zwei besten Freunden will er viel verändern. Alte Schustrukturen hinter sich lassen und das Lehrpersonal in eine erfolgreiche Zukunft führen. Michael <ziegelwagner verbindet Enid Blyton mit österreichischer Innenpolitik. Aber: Droht am Ende doch Zoff mit den Lehrern?“, steht am Buchrücken und darunter ist noch angeführt, daß die Illustrationen von Leo Riegel stammen und die sieht man gleich am Cover.

Ein lächelnder Sebasti mit roten Wangen und den großen Ohren, die beiden anderen abgebildeten Personen könnten Elisabeth Köstinger und Reinhold Mitterlehner ähnlich sehen.

Da ich mit den Namen, wie Karoline Edelstaberl als Hilfslehrerin und  Direktor Albux Vandebore meine Schwierigkeiten hatte, das sind die, die ich noch eindeutig zuordnen konnte, frage ich mich, wie es den deutschen Lesern geht, die sich mit der österreichischen Bundesregierung vielleicht  nicht so auskennen?

Die Geschichte ist aber sehr einfach erzählt und hat mit der Bildung der österreichischen Bundesregierung vielleicht gar nicht so viel zu tun, wie das Cover mit dem Ballhausplatzbild suggerieren könnten. Genau genommen ist auch der Titel falsch, denn der Sebastian der da mit seinem Trolley zum Schloß Ballhausplatz mit der U-Bahn gefahren kommt, um dort in die Oberprima einzutreten, macht ja keine Ferien, sondern wird als Schüler ins Nobelinternat aufgenommen, wie ihm der hilfreiche Hausmeister, der sich um den Schlotternden und Zitternden annimmt, gleich freundlich erklärt. Dann kommt er in die Klasse, wo Professor Koffner von ihm gleich was über die Logarithmen hören will und der Junge stottert oder redet sich herum: „Ein wichtiges Thema, Logarithmieren, danke für diese Frage. Wenn Sie mir kurz erlauben, Herr Professor, ein bisschen auszuholen.. ein Satz nur zur Klarstellung, denn da werden….“

Mit diesem Talent muß man Klassensprecher werden und der junge antiautoritäre Musikprofessor Dr. Samstag, der vielleicht an Wolfgang Schüssel erinnern soll, der kurz die Klasse von Professor  Koffner übernimmt, hilft ihm dazu und springt danach singend aus dem Fenster.

Dann steht „Ende“ auf der Seite Mitten im Buch und danach geht es mit einem Sebastian, der traurig am Weihnachtsabend vor dem leeren Keksteller sitzt, weil seine Eltern kein Geld für die U- Bahnfahrt nach Hause haben und nur einen Brief schreiben „Wir können dir dieses Jahr zu Weihnachten nichts geben. Keine Playstation zum Spielen, keine Pakete zum Auspacken, keine Schokoschirme für den Christbaum. Wir haben nichts. Wir können dich nur bitten: Glaub an dieses Österreich..!“

Das ist auch von irgendwo gestohlen und passt nicht in den zeitlichen Rahmen. Was aber nichts macht, denn es kommt gleich der Hausmeister in verwandelter Gestalt. Den habe ich nicht  zuordnen können, was auch nichts macht, weil er sich gleich in den Pfeife rauchenden Direktor Alex van der Sowieso verwandelt und den Jungen auf das Dach bringt, wo die drei Berte, die Burschenschaftler der Schule, das fliegende Klassenzimmer in veränderter Form aufführen und Phrasen werden in dem Buch natürlich auch sehr viele gedrocschen.

Ein paar Beispiel gefällig?

„Wir brauchen Ziffernoten – Genau! Die verbale Beurteilung führt nur zu Verweichlung und Indifferenz!“

„Sanktionen für Schulschwänzer“ – „Flexi- Schule! Mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis zu zwölf Stunden!“ – „Kopftuchverbot“.

Das sind wir aber schon bei der Wahlversammlung unter dem Marillenbaum. Denn Sebastian soll ja auch noch Schulsprecher werden. Der Direktor hat ihm das vermittelt, denn der hat ja bei seiner Wahl versprochen, nie und niemals einen blauen Bundeskanzler anzugeloben. Also bitte, bitte, lieber Sebastian, hilf mir aus der Klemme!“

Der tut das natürlich gerne, obwohl er eigentlich niemals Schlusprecher, sondern immer nur ein ganz normaler Schüler sein wollte und am Ende sehen wir ihn bei der Anglobung oder heißen Rede am Podest vor der vollen Klasse, am Fenster steht „Geil, Geil, Geil !“ geschrieben und richtig, ein  „Velociped“, als Wahlhilfe hat es natürlich auch gegeben.

Köstlich kann ich da nur schreiben, wieder was gelernt, wie man satirische Romane verfaßt und nur eines ist wirklich schade, wie die „Literaturgeflüsterin“ immer schreibt, daß der „Milena- Frauenverlag“ jetzt auch Männer verlegt. Das ist meine Meinung, darum komme ich nicht herum!

2019-05-06

Zweimal Literaturmuseum

Jetzt war ich schon länger nicht mehr im Literaturmuseum. Erstens hatte ich kein Veranstaltungsprogramm und zweites im März und im April eine Veranstaltunghspause, aber während wir bei „Literatur und Wein“ waren, wurde dort wieder im dritten Stock eine Sonderausstellung „Wien – eine Stadt im Spiegel der Literatur“ eröffnet und unten hielt der Kabarettist Alfred Döfler eine Vorlesung zur Literatur mit dem Titel „Kritik und Satire“, was mich, ich gebe es zu, im ersten Moment gar nicht so sehr interessierte, halte ich es ja nicht so sehr mit dem Kabarett.

Aber beim Uli kann man die Satire ja brauchen. Ein Alternativprogramm gab es auch nicht. Ich wollte die Ausstellung sehen und wenn es eine Veranstaltung gibt, kann man von sechs bis neun gratis ins Museum.

Aso noch immer ein wenig hingehumpelt, obwohl es zunehmend besser wird und dann bin ich, ich bin offenbar ein wenig orientierungslos, mit dem Lift in den zweiten Stock gefahren und habe eine Weile gebraucht, bis ich daraufgekommen bin, daß ich in der Dauerausstellung bin und das Ganze schon gesehen habe.

Aber Stefan Zweig und Karl Kraus gehören ja irgendwie auch zur Wiener Literatur, obwohl ich mir von der ja eher Friederike Mayröcker und Ernst Jandl erwartete. Die habe ich dann im dritten Stock gar nicht gesehen, aber eine Menge Krimibücher und eine Vitrine über Frederic Morton, dem ja die übernächste Veranstaltung gerwidmet ist, Doderers „Dämonen“ lagen auf und die Bücher der Jelinek und einen Gang der „das Gehen“ zum Thema hatte, gab es auch. da gab es einen Film wo Barbi Markovic aus einem ihrer Bücher las.

Aber solange habe ich mir dafür nicht die Zeit genommen, war es doch im Saal unten, als ich ihn, um viertel sieben betreten hatte, um meine Jacke zu deponieren, schon sehr voll und die Dame nebenan, die ich kenne und die schon einmal bei einer meiner Lesungen war, schnauzte mich an, ob sie für mich einen Platz frei halten sollte, als ich ihr sagte, ich gehe in die Ausstellung nach oben.

Alfred Dorfer ist also sehr begehrt und er hat auch, was ich nicht wußte, Theaterwissenschaften studiert un eine Diplomarbeit zum Thema „Kabarett und Totalität im Nationalsozialismus“ geschrieben und jetzt erklärte er sehr vorsichtig was Kritik und Satire ist.

Satire ist nicht genereabhängig und die humorlosen Menschen wären nicht sehr intellegent.Ich halte mich trotzdem dafür, obwohl mir das wohl auch der Uli nicht glaubt und dann führte er ein paar Beispiele von Kararetts im Totaltarismus an und erklärte die Unterschiede. Bei Musolini hätte es eines gegeben und bis 1940 das „Wiener Werkel“ und in der DDR gab es das auch.

Danach gab es viele Fragen aus dem Publikum, die wissen wollten, warum Alfred Dorfer in Zeiten von schwarz blau eins,  den „Donnerstalk“ machte und was er von dem Kabarettisten Jan Böhmermann hält und Bernhard Fetz erklärte in seiner Einleitung auch einige Beispiele von Zensur, die es im benachbarten Ausland in der letzten Zeit gegeben hätte und welche Beispiele man in der Dauerausstellung sehen kann.

Sehr interessant und wieder was gelernt, denn Ironie, Sarkasmus und Zynisumus, die Begriffe die Alfred Dorfer auch noch erklärte, sind in Zeiten, wie diesen sicherlich sehr wichtig und sei es auch nur, weil man ihnen entgegen muß.

2018-12-26

Wie ich fälschte log und Gutes tat

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Jetzt kommt noch einmal fast ein Weihnachtsbuch, jedenfalls endet es am dreiundzwanzigsten Dezember beim Christbaum schmückem mit dem schönen Strohstern, obwohl es in „Ex libris“ als Jugendbuch bezeichnet wird, was ich auch ein bißchen bezweifle, denn man soll, sagte die fünfundsechzgjährige Pädagogin in mir, die nicht auf schlechte Ideen bringen, reichen doch höchstwahrscheinlich, die, die sie schon haben und füge deshalb hinzu, daß ich glaube, daß dem 1977 geborenen Thomas Klupp der beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat und dessen „Paradiso“ ich gelesen habe, da ein hervorragender Schelmenroman gelungen ist.

Einer, der sehr sehr überspitzt, wie es woh Klupps Art zu sein scheint, die schönen Zeiten wie diese schildert, in denen wir aufwachsen und leben müssen und er sucht sich dabei ein Mittelschichtbubi heraus. Benedikt oder Ben ist fünfzehn, sein Vater Chefarzt, die Mutter stammt zwar von einem Bauernhof und ist wahrscheinlich deshalb so darauf bedacht, daß ihre Kinder, wieder in Zeiten, wie diesen Musterschüler sind, weil man es sonst im Leben ja nur zur Putzfrau oderMüllmann bringt.

Also müssen es immer „Einsen“ und höchstens „Zweien“ sein. Benjamin ist auch Tennischampignon und als dieser wird er im Kepler-Gymnasium, das eine sehr fortschrittliche Direktorin hat, mit seinen zwei Freunden dazu ausgewählt, die Coverboys einer Antidrogenkampagne zu sein.

Toll, das Problem ist nur, daß die Freunde, wie wahrscheinlich viele Jugendliche in diesem Alter, ihre Wochenende am „Butterhof verbringen und da wird gedealt, gekokst und wahrscheinlich noch anderes verbraucht, wie es nur so geht.

Die Mutter, die ihren Sohn dafür bezahlte, daß er sie immer, wenn ihre Freuninnen vom „Lions Club“ anwesend sind, anrief, damit sie ihre Sprachkenntnissen beweisen kann, hat als Vorzeigefrau Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen, die dann die kaputte Spüle reparieren oder bei Charity-Parties mit weißen Handschuhen grillen und damit es noch besser geht, hat sie auf diesen Parties auch die Drogendealer eingeladen, die dann die Schecks für die geplanten Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung stellen.

Man sieht Thomas Klupp geht es scharf an, zeichnet ein scharfes Bild von der Gesellschaft von heute mit allen ihren Schwächen und verwendet einen ultrascharfen <jugendton dabei, der es den ölteren <lesern gar nicht so einfach macht.

Die Schule wird haarscharf geschildet und da können dann die Älteren, die heutigen Zustände mit denen die sie vor zwanzig dreißig oder vierzig Jahren vergleichen, denn damals hat es noch kein elektronisches System gegeben, mit dem die Eltern mit der Schule komminizieren konnten Die Noten wurden noch mit der Hand unterschrieben.

Das heißt, das funktioniert auch heute noch und deshalb tut sich unser guter Ben auch so schwer. Ist er doch in dem Alter, wo ihm das Lernen an  sich egal ist. Die Mädchen sind ihm wichtig und da hat er und auch das ist trefflich geschildert, eine Pseudofreundschaft mit einer Marietta, die ihn auf den Hauptplatz des Stätdchens bestellt, um ihren Freundeinnen ihren tollen Freund zu zeigen.

Abknutschen nach Bestellung sozusagen und in der Klasse setzt sich ben neben die brave Margarete, damit sie ihm abschrieben läßt. Denn er muß ja immer „Einser“ und „Zweier“ nach Hause bringen, steht aber in Wirklichkeit, weil ihn das ja nicht interessiert, auf „vier“ oder „fünf“ und Lehrer Sargnargl, der in wirklichkeit Scharnagel hat und an Krebs leidet, macht es seinen Schülern auch noch besonders schwer. Auch an das können sich die Älteren warhscheinlich erinnern, daß sie solche Lehrer hatten. Die supergeile Direktorin, die den Klassenraum mit „Guten Morgen, liebe Schhüler und Schülerinnen!“, beschallen läßt und sie zu höheren Leistungen anspornt, damit der Notendurchschnitt stimmt und sie eine gute Evaluierung erhält, fehlte wahrscheinlich und das hat mich bei dem Buch auch so beeindruckt wiedermal zu lesen, daß der Leistungsdruck heute wahrscheinlich sehr sehr hoch ist und es den Schülern, nicht so einfach macht und so entwickelt der gute Benny seine Fälscherwerkstatt, sitzt statt in der Stunde im Keller, um seine Zeugnisse und Schularbeiten zu fälschen und der Mutter ein „sehr gut“ vorzutäuschen.

Und damit nicht die Frau Professor nach Hause kommt und der Mutter doch erzählt, daß er den Förderkurs in Anpruch nehmen muß, verkauft er die mütterlichen Antiquitäten, um damit dem armen tscheschischen Musterschüler ein Smartphone zu kaufen, damit der ihm dafür auf dem Klo die Schularbeit schreibt.

So etwas habe ich schon in einem Jugendbuch aus den Fünfzigerjahren gelesen „Drei Mädchen am See“ hat das, glaube ich, geheißen und Alfreds Lehrer Sladky von der Wandergruppe hat auch einmal davon erzählt, daß seine Schüler eine Schularbeit einmal fälschen wollten und er hat klar erkannt, daß Schummelzettel vorbereiten, auch viel Lernarbeit erfordert.

In Thomas Klupps Roman ist natürlich alles sehr übertrieben und so kommt es noch zu einem Einbruch in des strengen Lehrers Wohnung und zu einem fast Herzinfarkt, bevor das Weihnachtsfest beginnen kann und die Glocken erklingen und dieses ist ja auch schon fast vorbei.

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