Literaturgefluester

2017-03-17

Falsch entschieden oder dreimal Schragl?

Diesmal wieder  die Qual der Wahl, denn ein Abend und sechs literarische Veranstaltungen.

Richard Schuberth hat mich zu seinen Essays in „Radiokulturcafe“ eingeladen, in der „Alten Schmiede“ las Bodo Hell, im Literaturhaus Brigitta Falkner, in der Hauptbücherei hätte es gleich zwei Veranstaltungen gegeben, nämlich „Tea for three“, wo Daniela Strigl, Klaus Nüchtern und wie ich jetzt erst sehe, Cornelia Travnicek über die neuen Bücher von Tereza Mora, Eva Menasse und David Garnett diskutieren, was mich schon wegen dem Menasse-Buch, das ich ja sehr kompliziert fand, interessiert hätte.

Dann gabs noch eine Buchpräsentation von Jutta Winckelmann „Mein Leben ohne mich“, wo es wieder um eine Krebserkrankung geht, also auch sehr interessant und Radek Knapp in der „Gesellschaft der Literatur“.

Die Qual der Wahl, wo man vielleicht einen Würfel bräuchte, aber irgendwie habe ich dann meine Entscheidung zwischen der Bücherdiskussion und dem „Mann der zum Frühstück Luft aß“, getroffen, denn das andere vielleicht zu experimentell und bei Richard Schuberth bin ich ja erst gewesen, mich dann für Radek Knapp entschieden, vielleicht weil er auf der „Centrope-Leseliste“ steht, obwohl ich ja erst kürzlich geschrieben habe, daß ich mit dem 1964 in Warschau geborenen Autor, meine Schwierigkeiten habe, weil er mir zu lustig ist.

Man sieht, ich bin nicht sehr konsequent oder ist es das, was ich „Über den Tellerrand schauen“ nenne?

Irgendwie war es ein Bauchgefühl und es war in der „Gesellschat“ auch sehr voll. Ich bin wieder in der zweiten Reihe links, meistens wähle ich ja die rechte Seite, neben Stefan Eibl-Erzberg und seiner Frau gesessen. Lydia Mischkulnig war da und Martina Schmidt, denn Radek Knapp neues Buch „Der Mann der zum Frühstück Luft aß“, ist bei „Deuticke“ erschienen.

„Wieder!“, sagte Manfred Müller in seiner Einleitung, denn das erste  Buch „Franio“ ist 1994 bei „Deuticke“ erschienen, dann ist „Radek Knapp nach München und zu „Piper“ gegangen, dort erschien auch das letzte Buch der „Gipfeldieb“ und wahrscheinlich auch die anderen.

Mit „Herrrn Kukas Empfehlungen“ ist er, wie Manfred Müller erklärte, berühmt geworden. Dann gibts, glaube ich noch die „Gebrauchsanweisungen für Polen“ und den „Papiertiger“ 2003, ein Buch das vom Schreiben und nicht von der Autobiografie eines Polen, der nach Österreich kommt, handelt und das ich mir, glaube ich, von einem der Gutscheine eintauschte, die ich einem der „Luitpold Stern-Preise“ bekommen habe und das mich, wenn ich mich richtig erinnerte,  enttäuschte, weil es mir „zu wenig abgehoben“ erschien.

Aber das Buch hat Manfred Müller, der von der schönen Tradition, daß Radek Knapp jedes seiner Bücher in der „Gesellschaft“ vorstellt, sprach, nicht erwähnt.

Er erwähnte, die, wo sich die Biografie des polnischen Emigranten nahtlos fortsetzt und meinte noch, daß das sehr dünne Buch in knapp zwei Monaten entstanden sei.

Beim „Gipfeldieb“ war ich bei der Präsentation und das neue, für das ürigens sehr viel Werbung gemacht wird und von dem ich schon einiges gehört habe, soll sich daran direkt anschließen.

Aber zuerst gab Radek Knapp in seiner launigen Art, die Antwort auf Manfred Müllers Fragen und erkundigte sich bei ihm, warum er Germanistik studiert hat?

„Damit ich über Bücher wie dieses schreiben kann!“, war seine ebenfalls launige Antwort und dann kam schon der erste Teil der Lesung, wo es um einen Valerian ging, der so heißt, weil das Schlafmittel, das seine Mutter bei seiner Geburt zur Beruhigung genommen hat, so hieß.

Sie gab das Söhnchen, für ein Wochenende bei der Oma ab und kam nach elf Jahren wieder, blieb dann eine Zeit, bis sie ihm zu einem Stadtspaziergang mitnahm, der über die österreichische Grenze führte und das schöne neue Leben begann.

Und als Valerian alt genug geworden war, begann er bei einer Zeitung zu arbeiten, las Radek Knapp.Ich dachte Uje“ und verstand jetzt etwas besser, was Manfred Müller mit dem nahtlos anschließen gemeint hat, denn jetzt hörte ich die Geschichte von dem Schragl, das er in der Halle B holen sollte, wo er nur ein Holztischen bekam und den ganzen Tag hin und hergeschickt wurde zum dritten Mal.

Radek Knapp las wieder dazu, daß er bis heute nicht weiß, was ein Schragl ist, der Otto hat mir beim ersten Mal kommentiert, aber da habe ich Schragerl geschrieben und eigentlich kenne ich, die echte Wienerin, mit der behmischen Omama, diesen Ausdruck auch nicht.

Nun ja, nun ja, das Leben in der Emigration geht weiter, die deutsche Sprache wird gelernt und die Mutter will für den Sohn die beste Ausbildung in der Handelsakademie am Karlsplatz. Dort will er aber nicht hin, so beginnt er die Schule zu schwänzen, setzt sich ins kunsthistorische Museum und später vor die Stufen des Musikvereins, wo er angeblich oder auch tatsächlich Leonhard Bernstein trifft, so daß er beschließt, statt Rechnungsweisen, Blockflöte zu erlernen.

In Wirklichkeit hat Radek Knapp wohl zu schreiben begonnen und ich stieß, das erste Mal auf seinen Namen, als ich in der Jury für das Nachwuchsstipendium war.

In der Diskussion hat er noch beklagt, daß es ihm nicht gelingt, aus der Migrantenschublade herauszukommen, daß er den nächsten Roman aber nicht über einen Polen in Wien schreiben wird. Mal sehen, obs gelingt oder ob ich im nächsten Jahr die Geschichte mit dem Schragl zum vierten Mal höre?

Man könnte denken, Radek Knapp macht es sich sehr leicht, den Leuten hat es aber gefallen, nur eine Frau fragte, wie es seiner Mutter mit seinen Büchern geht und Manfred Müller ergänzte noch, daß es im „Gipfeldieb“ sehr viel um die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft geht.

An diese Stellen kann ich mich auch erinnern und Radek Knapp erwähnte, die zwei Briefe die er bekommen hat, Karten für „Cats“ und die Einberufung zum Bundesheer, worauf er Zivildienst machte und, um meine Radek Knapp Biografie zu wiederholen oder zu ergänzen.

Er war auch eine Zeitlang in der Jury für den „Siemens-Preis“, als ich dort noch meine Texte einreichte. Da habe ich ihm, glaube ich, auch einmal einen Brief geschrieben und mit Günter Kaindlsdorfer moderierte er bei der letzten „Buch-Wien“ den Bücherquiz, wo ich zwar antreten durfte, aber nicht sehr erfolgreich war.

Radek Knapp ist das sicher viel mehr als ich und einer der wenigen humoristischen Autoren, wie Manfred Müller noch erklärte, die wir in Österreich haben. Das liegt mir nicht so sehr, aber trotzdem habe ich mich für die Lesung entschieden.

Das dünne Büchlein nicht gekauft, „Franio“ und „Herrn Kukas Empfehlungen“ habe ich aber in meinen Regalen, ob ich sie gelesen habe, weiß ich gar nicht und was ein Schragl ist weiß ich auch noch immer nicht oder doch natürlich, eine „Art Regal auf Rädern“, wie Radek Knapp las und ich bin jetzt gespannt, wie ich mich bei den nächsten Terminkollusionen entscheiden werde, ob da dann die Experimentellen über die Lustigen siegen werden oder wieder nicht?

2016-12-09

Ich hasse dieses Internet

Vor einigen Monaten habe ich von „Literaturtest“ eine Maske zugeschickt bekommen, die mich auf das bei „S.Fischer“ erschienene Buch, des in Kalifornien lebenden Jarett Kobek, „Ich hasse dieses Internet“, aufmerksam machen sollte.

Im Trubel meines doppelten Buchpreislesens, das ich damals sehr intensiv betrieben habe, ist das bei mir ein wenig unter gegangen und ich bin erst auf das Buch aufmerksam geworden, als ich es bei einigen Blogs erwähnt fand.

Denn es ist sicherlich interessant, eine „Internet-Kritik“ zu lesen oder einen „nützlichen“, wie am Cover steht, beziehungsweise „schlechten Roman“, wie der Autor mehrmals schreibt, zu lesen. Ein Buch gegen oder für den „Zeitgeist“, wie man in der Beschreibung lesen kann, das mit Houellebecqs „Unterwerfung“ und mit Dave Eggers „Circle“ verglichen wird.

Ich füge noch Gary Sthengarts „Super sad  true love story“ und John Jeremian Sullivans „Pulphead“ hinzu.

John Dos Passos „Manhattan Transfer“ wäre auch ein Buch, an das man sich beim Lesen erinnern könnte und  bleibe,  wie die „Amazon-Rezensenten„, die zwischen eins und fünf Sterne verteilen, ein wenig ratlos zurück.

Einer der Ein Stern rezensenten hat von einer „Nicht-Handlung“ geschrieben, die es wahrscheinlich trifft, denn auf den über dreihundertsechzig Seiten wird alles und auch nichts erzählt.

„Zeitgeist ist sein zweiter Vorname“, beschreibt es wahrscheinlich genauso treffend, denn es ist eigentlich eine Amerika-Kritik, ein Buch, kein Roman wahrscheinlich, zumindestens nicht das, was man sich im traditionellen Sinn darunter vorstellt, gegen den Kapitalismus, die Unterdrückung, die Sklaverei, die Ausbeutung, etcetera.

In der „Triggerwarnung“ werden auf einer dreiviertel Seite, die Gedanken  beschrieben, die in dem Buch enthalten sind.

Gegen das Internet und über die berühmte Frage, was uns Menschen, so bereitwillig dazu bringt, unsere intimsten Angelegenheit in Twitter, Facebook und Konsorten, auszubreiten, so daß die Konzerne, wie „Google“ oder „Amazon“,daran verdienen, wird gewettert und das Ganze wird, weil es ja ein Roman sein soll, ein „schlechter“, der „nützen“ soll, denn gegen den „guten“ wehrt sich der Autor, wie er schreibt, weil sich, die, in den Händen des CIAs befinden, am Beispiel von drei oder eigentlich einer Hauptperson erzählt, nämlich der Protagonistin Adeline, eine Comiczeichnerin, die sich ein männliches russisches Pseudonym zugelegt hat, in San Francisco lebte, die einmal „einen unverzeihlichen Fehler“ machte, in dem sie bei einer Vorlesung  „unbeliebte Ansichten“ äußerte.

„Die unverzeihlichste Sünde, des einundzwanzigsten Jahrhunderts“ nennt es Kobek, worauf sie, die Nachricht „Liebe Schlampe, ich hoffe, du wirst von einer Gruppe illegaler Einwanderer mit Syphilis vergewaltigt“, bekommt, worauf sie zu twittern anfängt und eines der dreiunddreißig Kapitel des Buches, sich mit ihren Twitternachrichten beschäftigt.

Eine Ellen, die wegen ihrer Großmutter wieder in die Kleinstadt zurückgegangen ist und eines Tages im Netz ihre Sexfotos findet, gibt es auch,sowie eine Christina, eine Hilfsbibliothekarin, die einmal ein Christian war.

Aber Adelinas „unverzeihlicher Fehler“ zieht sich durch das ganze Buch, in dem auch über Thomas Jeffersons  angebliche Sexvorlieben berichtet wird, sowie, wie die Mieten in San Francisko steigen und Leute delogiert werden, um Wohnungen für die „Google Arbeiter“ freizumachen.

Es wird betont, daß unsere i Phones und i Pads, auf denen wir unser Intimleben verbreiten, damit „Google“ und Co Geschäfte machen können, von billigen Sklavenarbeitern erzeugt werden und es zieht sich auch der Satz durch das ganze Buch, beziehungsweise seine dreihundertsechzig Seiten, daß der oder die, einer der vielen Freunde Adelinas beispielsweise, die schon viele „um den Verstand gevögelt hat“, „kein oder nicht viel Eumelanin in der Basalschicht seiner Epidermis hat“, womit erklärt wird, ob er ein Weißer oder Farbiger ist.

Und dann wird in dem Buch, auf den dreihundertsechzig Seiten von Gott und der Welt, beziehungsweise dem Kommunsismus und der Unterdrückung, etcetera erzählt.

Begriffe tauchen auf, die eigentlich ganz selbstverständlich sind, aber immer wieder, wie die Zitierung, des oben erwähnten Satzes, erklärt werden, beispielsweise:

„Jane Austen war eine Autorin aus dem 19. Jahrhundert, die Bücher über die Ehe und Geld geschrieben hat“ oder

„Das i Phone war ein Smartphone, das Apple auf den Markt gebracht hatte. Smartphones waren kleine Computer, die fast alle Aufgaben größerer Computer erledigten, aber gleichzeitig als Handies  fungierten“ und so weiter und so fort.

Ein umfangreiches Personen Inventar taucht auf, es gibt einen J Karacehennen, einen Kevin Kilian, ein Baby, etcetera, alles meistens Künstler in Adelines Freundeskreis, die Science Fictions oder auch realistische Romane geschrieben haben und damit mehr oder wenig berühtm wurden.

„Rettet Anne Frank“ heißt beispielsweise einer, aber auch reale Namen von Personen, wie Jonathan Franzen, Marc Zuckerberg, Walt Disney etcetera kommen vor, so daß es mir manchmal, wie auch in dem Buch beschrieben wird, schwer fiel, die Fiktion von der Realität zu unterscheiden, was an dem Beispiel erläutert wird, daß sich ein Cosby Player auf einer Messe, als eine Kunstfigur verkleidet, die dann von allen, für real gehalten wird, was vielleicht auch auf die Nachrichten zu trifft, die im Internet verbreitet werden und, die dann alle glauben und die Konzerne daran verdienen, obwohl sie erfunden sind.

„Eine schonungslose, herrlich wutentbrannte Satire“, schreibt Greil Marcus von „Pitchfork“ auf der Buchrückseite und das „Zyzzyva Magazine“ meint „Kobek liefert einen umwerfenden Abgersang auf das digitale Zeitalter“, während die „Amazon-Rezensenten“ gelegentlich“das Lesen auf Seite 87 aufgegeben haben“.

Ich habe zu Ende gelesen, es auch als eine Satrie empfunden, die manchmal etwas anstrengend zu verstehen war und habe das Buch eigentlich mehr, als einen Abgesang auf die amerikanische Kultur und den Kapitalismus, als auf das Internet gelesen, das mir manchmal in den dreihundertsechzig Seiten Weltanalyse auch etwas verloren ging.

Interessant habe ich das Buch trotzdem empfunden und füge, weil ich mich in der letzten Zeit auch mit Haßpostings oder Ratgeber dagegen, beschäftigt habe, hinzu, daß ich das Internet nicht hasse, sondern im Gegenteil manchmal sogar recht nützlich empfinde, aber das lesen von dreihundertsechzig Seiten Büchern, auch wenn dieses von den Autoren, satirisch oder nicht, als schlechte romane bezeichnen werden, einen davon abhalten können.

Nicht umsonst wird ja am Buchrücken noch der Rat „Gehen Sie einen Tag offline und lesen dieses Buch!“, gegeben.

Aber wahrscheinlich kann man das auch im Netz beziehungsweise auf dem E-Bookreader tun.

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