Literaturgefluester

2020-04-09

Jahrbuch der Lyrik 2020

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:26
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Passend zur Karwoche, ein bißchen Lyrik, hat Corona ja den Lyrik-Schwerpunkt im März ein bißchen unterbrochen, keine „Lyrik der März“, die tradionelle GAV-Veranstaltung, die am 18. 3. stattfinden hätte sollen, wo wir aus Leipzig schon zurückgewesen wären und in der „Gesellschaft für Literatur“, die ja immer einen ausgeprägten Lyrik-Schwerpunkt hat, bin ich nur einmal gewesen, da war dann schon vom einem Meter Sicherheitsabstand die Rede und ich habe mich mit Monika Vasik darüber ausgeauscht, daß Leipzig abgesagt wurde und wer nun die Stornokosten bezahlen muß?

Zum Lyrik-Schwerpunkt von Szilard Borbely bin ich zwar hin- aber nicht hineingegangen, weil ich meinen Namen nicht angeben wollte, die Bewegungsprofile der Handydaten machen solches inzwischen zwar automatisch, man muß aber trotzdem nicht verzweifeln, hatte mir doch „Schöffling & Co“ wahrscheinlich schon vorher zwei Lyrikbände zugeschickt und eines war das „Jahrbuch der Lyrik“, das der 1951 geborene Christoph Buchwald, offenbar schon sei tJahren, diesmal mit der 1981 geborenen Lyrikerin Dagmara Kraus herausgibt, wo man seine Gedichte hinschicken kann und die werden dann je nach ihrer Qualität beziehungsweise Geschmack, wahrscheinlich ausgewählt.

Zwei Nachworte gibt es auch, in einem fragt sich Dagmara Kraus „Wohin bleiben wir?“, das ist, glaube ich, eine Gedichtanfangszeile, im zweiten gibt Christoph Buchwald einen Rückblick und erzählt, daß durch seine Anthologien schon manche Talente entdeckt wurden.

Die Gedichte sind in zehn Kapitel gegliedert, im ersten „damit dies haus hält“, hat der 1965 geborene und in München lebende Armin Steigenberger, ein Vorwort geschrieben und die 1982 geborene und in Köln lebende Marie T. Martin schreibt in „Wie viele  Wörter braucht man für eine Legende? ..je älter du wirst desto tiefer kannst du das Zimmer betreten“

Der 1977 geborene und in Leipzig geborene Mirko Wenig, der offensichtlich noch nichts veröffentlicht hat, beeindruckt in den „Drei Frauen“ „Die hier stricken, an der Haltestelle vorm Haus, sie sind nicht tot: Sie warten nur, auf jenen, der nicht kommt,  … Sie sind taub für die Rufe der Männer. Auch das Gespött läßt sie kalt, das hämische Lachen, der Wind ist ein schlechter Friseur.“

Der 1962 geborene in Berlin lebende Norbert Hummelt schreibt von den „tassen von ingo schulze„, die ihn eine Zeitlang begleitet und offenbar sehr  beeindruckt haben.

Im zweiten Kapitel zwei geht es  um „aus geworfenen steinen“.

Hier gibts ein Gedicht von Kerstin Preiwuß, die ich ja beim „Bachmannlesen“ hörte und von ihr auch ein „Buchpreisbuch“ gelesen habe.

Eher Konventionelles gibt es auch, so reimt der 1938 geborene Michael Buselmeier: Wer kniet auf meiner Brust zur Nacht wer würgt mich mit den Händen sacht ich wehre mich nicht liege wach“ und die 1983 geborene Özlem Özgül Dündar, die 2018 beim „Bachmannpreis“ gewonnen hat, hat in „verabschiedung der toten“ eher einen Prosatext geschrieben.

Es gibt Gedichte von Elke Erb, Jan Wagner und Lutz Seiler, dessen „Buchpreisbuch“ jetzt doch, wahrscheinlich Corona bedingt, per PDF, weil die Post ja offenbar nicht mehr über die Grenze geht, zu mir gekommen ist, bevor es ins Kapitel drei  „wechseln die schriftfarben“ geht.

Da gibts wieder ein Gedicht des 1971 in Hamburg geborenen Jan Wagner, der ja 2015 mit seinen „Regentonnenvariationen“ den „Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse“ bekommen hat, nämlich  „krähenghasele: seit dem tod des freundes sah er krähen wohin er sah.“

Der 1971 geborene Crauss, den ich glaube ich einmal bei einer „Ritter-Präsentation“ in der „AS“ hörte und von dem ich mir ein noch nicht gelesenen Buch bei einem „Morawa-Abverkauf“ zulegte, hat einen Text und von dem 1963 geborenen Ulf Stolterfoht gibt es sogar einen Gedichtzyklus.

Im vierten Kapitel geht es um „die (h)ortographie“, da gibts ein Gedicht vom „Fried-Freisträger“ Nico Bleutge,  der „Büchner-Preisträger“ Marcel Beyer hat sich zuerst mit dem „Der  Amselpapst: Ich sah den Amselpapst man konnte ihn nicht übersehen“ beschäftigt und  etwas später sogar die „Todesfuge“ nachgedichtet.

„Der Tod ist ein Arschloch aus Strehlen, er hockt dort, wo der Ginster blüht. Ich seh ihn am frühen Morgen, ich seh ihn an meinen Weg.“

Von der 1981 geborenen Nadja Küchenmeister von der „Schöffling & Co“, noch einen extra Gedichtband herausgegeben hat, stammt der „rauperich“. Mit „Raupen“ haben sich in dieser Abteilung einige Dichter beschäftigt, während es im fünften Kapitel um Nachdichtungen geht, wozu Christoph Buchwald in seinem Nachwort auch aufgerufen hat, daß man ihm solche schicken soll.

In der Abteilung „eine bändige bude“ gibt es Gedichte über Gedichte oder das Gedicht schreiben,

„Was weiß das Gedicht“ schreibt etwa die 1955 geborene und in Wien lebende Irena Habalik und der 1978 geborene Myron Hurna schreibt „Eure Gedichte cotten mich an“, für Armin Steigenberger sind „GEDICHTE DESIDERATE“, sowie „HALBE HÄHNE, hörige Hausaufgabenmacher, halb und halb: halbiertes glück verdoppelt sich, verdoppeltes leid wird halber widerstand.“

Und der von mir schon sehr gelobte Mirko Wenig schreibt „Hätte ich ein Smartphone, Baby, dann könnte ich die Gedichte gleich reintippen, aber ich schreib mit einem Federkiel!“

Es gibt Texte von Friederike Mayröcker, die höchstwahrscheinlich auch kein Smartphone hat und soviel ich weiß noch mit ihrer alten Hermes-Schreibmaschine schreibt und überhaupt sehr vieles, was nicht der üblichen Gedichtform entspricht und da sowohl sehr experimentellen, als auch recht konventionell Anmutendes.

Der in Graz lebende Helwig Brunner,  der ja für die „Keiper Lyrik Reihe“ verantwortlich ist, hat im neunten und im zehnten Kapitel auch eher prosahaft wirkende Texte beigesteuert und am Schluß des Buches bevor es zu den Verlagslyrikern geht, gibt es noch ein schönes Motto von Maria Gazzetti: „Ihr lest keine lyrik? Seid ihr wahnsinnig“, wenn es nur so wäre und nicht eher umgekehrt angenommen würde?

Zu den Verlagslyrikern zählen auf jedenfalls einundzwanzig Autoren, ein paar bekannte, schon erwähnte und auch einige mir eher unbekannte befinden sich dabei. Eine davon ist Nadja Küchenmeister, deren neuer Lyrikband „Im Glasberg“ als Nächstes auf meiner Leseliste steht.

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