Literaturgefluester

2018-02-10

Kein Platz mehr

Roman steht auf Margit Schreiners neuem bei „Schöffling & Co“ erschienenen Buchs und es ist natürlich wieder keiner, sondern, wie soll ich es beschreiben, eine leicht Bernhardsche Beschimpfung der Mittelschichtgesellschaft oder das auf die Schaufel nehmen des Lebens im Komfort des älter werdenden Mittelschichtschriftstellers, der  natürlich neue Zähne, gewellte Haare, teure Brillen und entsprechende Markenkleidung und natürlich  das entsprechende Geld dazu, für seine Lesungen benötigt, weil ja sonst keiner zu seinen Veranstaltungen kommt.

So kommt es, glaube ich, am ehesten hin und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Margit Schreiner damals im Literaturmuseum aus diesem oder aus einem anderen ihrer Projekte vorgelesen hat, um die über Sechzigjährigen ist es damals aber auch gegangen.

Und Margit Schreiner ist, wie sie auf der Veranstaltung betonte schon über sechzig, nämlich, wie ich, 1953 geboren und, wie, ich glaube, durch „HausFrauenSex“ bekanntgeworden. Dieses Buch habe ich vor zwei Jahren, als wir in Salzburg waren gelesen und Margit Schreiner, die ja wie in Österreich nicht so selten, immer noch im Bernhardschen Ton vor sich hin resummiert, auch schon auf einigen Veranstaltungen gehört und, wie ich sagen kann war das Lesen des kleinen feinen Büchleins auch sehr interessant, obwohl man sich natürlich fragen könnte, was das Neue und Einzigartige, was ja die gute Literatur ausmachen muß daran ist und warum sovielmokiert werden muß?

Wahrscheinlich würden Verlag und Autorin antworten, weil dieLeute das halt gerne lesen, aber Margit Schreiner, die in ihrem Monolog über die Schrullen der intellektuellen Mittelschicht, der sie selber anzugehören scheint, ja auch ein Kapitel  über die Leiden des Berufschriftstellers, der in alten Schlößern lebt oder ein Häuschen an einem Badesee hat, schreibt ja auch darüber, daß die Leute nicht mehr oder nur wenig lesen, also nur Sachbücher oder Krimis statt der guten Bellestrik und spätestens nach Thomas Bernhard wissen wir ja, daß alles das Fürchterlichtste vom Fürchterlichsten ist und wollen wahrscheinlich nur das Negative lesen und so wünscht sich Bruno, der Mann der Icherzählernden Schriftstellerin, daß er über sie schreibt. Es kann auch negativ sein oder soll das sogar, denn das ist ja das Interessante, was die vojeuristisch gestimmten Leser reizt und sie vielleicht dazu veranlaßt, das Buch zu kaufen.

Und dann hat man, wenn man das tut, am Ende seines Lebens oder in den Secchziger eine ganze Bibliothek in seinem Arbeitszimmer und „keinen Platz mehr“, so daß man ausmisten muß.

Minimalismus heißt das, glaube ich, und ist derzeit sehr modern, denn unser Luxusleben hat wahrscheinlich nicht nur Margit Schreiners Wohnung angefüllt und so zieht sie leicht schimpfend kunstvoll durch das hundertsiebzig Seiten Buch und macht sich über sich und die  Marotten ihrer Freunde, die allemal Schriftsteller sind und in den alten Schlößern oder Häuschen am See wohnen, lustig.

Da ist der, der nur mehr Haikus schreibt und in Italien in einem verfallenen Schloß lebt, das er um Leben zu können, an Hochzeit-Gesellschaften vermietet und Margit Schreiner hat auch einmal in Italien gelebt und da noch eine Wohnung.

Dort ist sie lange nicht mehr gewesen, ihr Bruno sagt ihr, ziehen wir in der Pension dorthin, aber zuerst muß renoviert und ausgemistet werden. Was kein Problem wäre, wenn es in den Anhöhen wo in Italient die Häuser stehen, eine Müllentrsorgung gäbe.

Gibt es nicht oder jedenfalls nicht für Ausländer, also packen Bruno und die Erzählerin, den Mist in Müllsäcke, karren ihn in sämtliche Abfalltonnen der Umgebung und geraten dort auch in ein verfallenes Vogelparadies, eine Fehlinvestion der maffiösen italienischen Gesellschaft, wie der Budenbesitzer, bei dem sie dann ihre „Salsice“ kaufen, klagt.

Nach Japan geht es natürlich auch, denn dort haben ja sehr viele Mittelschichtschriftsteller ihre Gastdozenturen und dort gibt es natürlich auch keinen Platz, denn die Japaner die immer höflich sind, sich vor allen verbeugen und keine Gefühle zeigen dürfen, leben auf engsten Raum. Das heißt, sie räumen des Morgens ihre Futons in den Kasten und stellen das kleine Tischchen heraus, um Frühstücken zu können.

Ums Älterwerden und ums Sterben geht es natülich auch. Da hatMargit Schreiner auch einige sehr bissige Kommentare, bis sie am Schluß wieder zur Rudi und Karla ihre Schriftstellerfreunden kommt, die in Japan waren und von dort  zurückgekehrt sind.

Die haben, das Leben ist offenbar doch nicht so negativ, als daß man sich nur Gedanken über sein eigenes Ende und, wie am am besten und bequemsten Selbstmord begehen kann, machen muß, erfreuliche Nachrichten. Wurden sie doch von den Japaner wieder auf Gastprofessuren eingeladen und dort“ habe man auch an eine Zusammenarbeit mit Österreich gedacht und wolle Sigi“, daß ist ein anderer Schriftsteller, der von einer Professur,  wahrscheinlich am „Institut für Sprachkunst“ lebt und deshalb nur mehr sehr kurze Erzählungen schreiben kann “ nach Tokio einladen um alles zu besprechen.“

Man sieht das Leben ist doch nicht so grauslich negativ, wie einstmal in den „Alten Meisterrn“ beschrieben, wo einer den ganzen Tag im kunsthistorischen Museum verbringt, dort über das Burgtheater schimpfe und am Abend in die Vorstellung ging und die war, wie könnte es anderes sein, die Fürchterlichste vom Fürchterlichsten.

Da habe ich, das habe ich schon beschrieben, die ich ja nicht die Lustigste bin, in den Achtzigerjahre,n als ich mit der kleinen Anna in Hütteldorf auf den Zug nach St. Pölten wartetete, „fürchterlich“ gelacht und jetzt habe ich ein amüsantes Buch gelesen, obwohl mich, ganz ehrlich, das Jammern der Mittelschichtschriftstellerin über das Liden der ach so armen Schriftsteller mit ihren Gastprofessuren in Tokio und ihren Bed und Breckfestschlößern am Laggo Maggiore doch ein bißchen nervte und ich mich auch fragte, ob das wirklich das ist, was der Durchschnittsleser lesen will?

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2018-01-27

Buch der Zahlen

Jetzt habe ich wieder eine Woche für ein Buch gebraucht und mich mühsam von Seite zur Seite, noch dazu elektronisch, durch das neue Opus eines amerikanischen Wunderkindes gequält.

Ein Buch, das sie wie ein Sturmflug liest und mich stellenweise an Arno Schmidts „KAFF  mare Krisium“ erinnerte, die „Handlung ist ein Datenstrom“, habe ich bei Deutschland Radio Kultur gelesen, der Verlag hat es, glaube ich, als den neuen „Ulysses“ angekündigt und die „New York Times“ hat geschrieben „Josuhas Cohens „Buch der Zahlen“  liest sich, als hätte jemand die Werke von Philip Roth zusammen mit einem von  David Foster Wallace in einen Teilchenbeschleuniger geschmissen“ und bei der Verlagsbeschreibung kann man noch lesen: Autobiografie, Familiengeschichte, Ghostwriting für Anfänger, Sillicon Valley Historie, internationalerThriller, Sexkomödie – Buch der Zahlen ist ein überschäumendes Buch und in Amerika Kult.“

Worum geht es also in dem bei „Schöffling & Co“ neuerschienenes Buch des 1989 in Jew Jersey geborenen Josuhua Cohen von dem auf Deutsch, glaube ich, schon „Solo für Schneidermann“, dessen Cover ich schon bei verschiedenen Blogs gesehen habe und das sehr eindrucksvoll ist und „Vier neue Nachrichten“ erschienen sind.

Der Klappentext verrät das auch, denn, wie schon geschrieben, ist das Lesen äußerst schwierig und wahrscheinlich, wie das so schön heißt, nur für geübte oder die anspruchsvollen Leser.

Es geht also um einen gescheiterten Schriftsteller, der interessant Josuha Cohen heißt, der nach nine eleven, Schwierigkeiten mit der Herausgabe seines Buches und mit seiner Frau Ava hat und da den Auftrag  bekommt, die Autobiografie eines Medienmogul, der ungefähr „Facebook“ und „Googl“e auf einmal erfunden hat, nur, daß das hier „Tetration“ heißt und der Gründer, der auch der „Große Vorsitzende “ genannt wird, heißt zufälligerweise auch noch Josuha Cohen.

So weit, so gut und man könnte hier an eine Größenphantasie, wahrscheinlich auch an etwas anderes denken und wenn man das Buch noch dazu, wie ich elektronisch liest, aber mit E-Books nicht so gut umgehen kann, hat man gleich seine Schwierigkeiten und quält sich durch das Buch, ohne etwas zu verstehen.

Denn die Kritiken haben es schon angedeutet, es liest sich wie ein Sturmflug, eine Fahrt durch einen Teilchenbeschleuniger oder eine Hochschaubahn und dann ist es wieder erstaunlich konkret, fast banal konventionell, bevor es wieder an die Zeichen, Zahlen, durchgestrichenen Sätze über, die die kritiker sich dann streiten, ob man das jetzt lesen soll oder nicht, etcetera, geht.

Die Handlung springt vom Tausendsten zum Millionsten, wie das im World Wide Net eben so ist, könnte man so sagen, springt durch die Weltgerschichte, kommt von Moses zur Shoah und reist dann auch noch durch die ganze Welt, reist von Dubai, Palo Alto, Wien, Berlin, Frankfurt, London, Paris, etcetera überall hin, hat sehr viel Unverständliches und auch einige, mich sehr beeindruckt habende, konkrete Stellen.

Ein Buc,h das man weder lesen noch bloggen kann, habe ich, in der letzten Woche, glaube ich, mehrmals geschrieben und das auch einigen Leuten erzählt, die ich auf literarischen Veranstaltungen gegtroffen habe.

Ich versuche es trotzdem, habe ich das ja auch bei Arno Schmidt versucht und damit ist das Buch und sein Autor wahrscheinlich nicht zu vergleichen, auch nicht mit James Joyce und meiner Meinung nach überhaupt nicht mit Philip Roth zu vergleichen, aber weil ich mit dem Lesen  nicht weitergekommen bin, habe ich am Donnerstag einen Füllartikel über die großen Amerikaner und Amerikannerinnen geschrieben, die ich seit ich blogge, gelesen habe und da kommt Philip Roth, der ewige  Nichtnobelpreisträger vor.

Beeindruckend ist auch die Sprache, sie liest sich, wie das internet, haben die Kritiker geschrieben und sie ist neumodern und unverständlich mit vielen Neuschöpfungen, vielen Sprachen, so wie der Digital Nerd und globalisiert Aufwachsende eben ist, der mal in Asien, mal in Dubai und mal nur in Wien ist und dort auf der Ringstraße spazieren geht, wo einmal die Stadtmauer stand, die laut Cohen errichtet wurde, um die Türken abzuwehren und wo sich die ehemaligen Würstelstände befinden, die zu Kkebabbuden wurden und die Türken  ihre Böreks, etcetera verkaufen.

Vielleicht sollte ich, die mich beeindruckenden Stellen erwähnen, das ist einmal die, wo Josuha Coben, der gescheiterte Schriftsteller, mit seinem Lektor Ron oder Aron, glaube ich, in ein Deli  geht, wo man sich Beagles bestellt und die Getränke in Pappbecher bekommt. Sie haben, weil ja gerade den Ghostwritervertrag unterschrieben, eine Flasche Schampus mit, die sie dann heimlich, weil man das ja da nicht darf, in die Pappbecher gießen. Dann kommt auf einmal die gepearcte Kellnerin herbei, der man laut Cohen, die Medikamente und Drogen ansieht, die sie nimmt. Sie hat  zwei Pappbecher in der Hand, bedient sich am Schampus, um ihn dann gemeinsam mit der Schankkraft auszutrinken.

Das hat mich beeindruckt, vieles andere war und ist mir, wie schon beschrieben, unverständlich. Aber im Netz versteht man auch nicht alles und hat nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit all das zu lesen. Vielleicht ist es das, was Jousha Cohen ausdrücken wollte.

Das Buch ist am 23. Jänner erschienen, am 18. war in Berlin eine Preview mit dem Autor, der ja, glaube ich, derzeit in Berlin Gastprofessor ist. Ich hätte mich dazu anmelden und hinfahren oder fliegen können, um jetzt vielleicht etwas mehr über das Buch zu wissen. Aber ich bin ja nicht so global, wie sein Autor und seit der Jahrtausendwende nicht mehr geflogen, die neuen Sicherheitsmassnahmen halten mich davon ab. Mein letzter Flug war aber und das ist, glaube ich, interessant, 1998 und da waren wir vierzehnTage in New York. Sind dort herumspaziert, ich bin den  Broadway entlanggelaufen, habe die berühmten Zwillingstürme besichtigt, wo es laut Anna Lindner den besten Kaffee gegeben hat. Hinaufgefahren bin ich nicht und habe vielleicht dabei auch berühmte Schriftsteller, wieJosuha Cohen, der aber damals warhscheinlich noch Student oder Schüler war, getroffen oder auch nicht.

Die beiden Cohens reisen aber viel herum, der Ghostwriter muß dabei, um seine Spuren zu verwischen, auch verschiedene Pässe benützen und verschiedene Flügen nehmen oder auslassen. Er ist von seiner Frau Ava getrennt, die er bevor er den Auftrag annimmt, ja, glaube ich, auch auf einer Bank im Central Park mit den Schauspieler Adam, ihrem späteren Lebensgefährten sitzen sieht, der ihm dann wütende E-Mails  und Klagsandrohungen schickt, weil er meint, Josuha hätte mit der Kreditkarte seiner Frau arabische Nutten bezahlt und ihnen Unterwäsche gekauft.

Es gibt auch eine Beziehung zu einer Araberin namens Izi, dann noch einen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse und über das Lesen, beziehungsweise das Nichtlesen in Zeiten des Internets, wo die E-Books, die richtigen Bücher, die man riechen und schmecken kann, wird auch viel geschrieben.

In den schon erschienenen Rezensionen habe ich vergleiche zu dem „Circle“ gefunden, aber da geht es zwar um eine Internetfirma, ist aber viel, viel konventioneller erzählt und ich würde eher das im Vorjahr sehr gehypte „Ich hasse dieses Internet“ dazu empfehlen.

Neugierig geworden? Einen Versuch hineintzulesen, ist das Buch sicher wert. Ich bin auch sehr gespannt, wie andere das Mammut- Monster- oder Jahrhundertwerk empfunden haben und, wie weit sie durch die siebenhundertfünfzig Seiten gekommen sind?

„Ein abenteuerliches Buch um Identitätsverlust und die Macht der neuen Meden“, hat Christoph Schröder vom Journal Frankfurt auch noch geschrieben und  Felix Stephan von der „Literarischen Welt“ meinte „Der große Epochenroman der Zehnerjahre“, wie wahr.

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