Literaturgefluester

2018-05-16

Vom Doml in die Schreibgruppe

Stephan Teichgräber hat dieser Tage wohl sehr viel zu tun, beginnt doch morgen das „Literarischer Lenz in Centrope XI-Festival“ im Theaterbrettt in der Münzwardeingasse und so hat der heutige zwei Personen- Workshop schon um halb fünf geendet, da er etwas mit dem Techniker zu besprechen hatte und dorthin mußte.

Seit drei oder vier Wochen bin ich mit ihm ja allein und da geht das Erarbeiten des Skriptums auch besonders langsam vor sich, weil wir immer wieder literarische Gespräche einschalten, denn ich mag es ja zwischen meinen inzwischen recht dichten Stunden einmal in der Woche zwei Stunden Quatschen über Literatur einzuschalten, weil ich ja der Meinung bin, daß ich sehr viel davon verstehe, obwohl mir das nicht alle Leute glauben.

Am Sonntag bei der KritLit sehr wohl, da habe ich, glaube ich, einen Vortragenden sehr damit beeindruckt, als ich ihm erzählte, daß Johannes Urzidil sehr darunter gelitten hat, immer mit dem gleichnamigen sehr bekannten Fußballstar verwechselt zu werden und, daß Josef Hader Stefan Zweig in dem Film „Vor der Morgenröte“ spielte und, daß die vorgetragene Textpassage aus der „Welt von Gestern“ stammt.

Nun ja, wenn man sich über fünfundvierzig Jahre sehr intensiv mit Literatur beschäftigt, hat das seine Spuren und wenn das niemand merkt, ist das nicht so leicht zu verkraften, deshalb also seit einem Jahr das Mittwöchige Literaturworkshop das zu zweit oder zu dritt stattfindet.

Weil wir immer soviel  literarisch abschweifen geht es mit den zu analysierenden Texten auch nicht so schnell weiter. So sind wir immer noch bei den ersten Seiten von George Orwells „1984“, dem utopischen Klassiker, den ich einmal, lange lang ists her, wahrscheinlich in den Siebzigerjahren in der Wattgasse gefunden habe. Wahrscheinlich war das Buch im Besitz meiner Schwester, vielleicht auch in dem meines Vaters.Gekauft habe ich es mi,r glaube ich, nicht und ich habe es wahrscheinlich auch nicht geschenkt bekommen.

Ich habe es damals als literaturbegeisterte Psychologiestudentin wohl ziemlich unbedarft gelesen und keine Ahnung, daß es wahrscheinlich Orwells Verarbeitung des zweitens Weltkriegs war. Es hat mich aber tief beeindruckt und manche Sätze oder Phrasen daraus gelten inzwischen höchstwahrscheinlich als der Inbegriff der utopischen Literatur, das „Big brother is watching you“ beispielsweise oder Sätze wie „KRIEG BEDEUTET FRIEDEN- REIHEIT IST SKLAVEREI – UNWISSENHEIT IST STÄRKE“ – Verballhornungen, die man heute überall finden kann, wenn man sich über ein diktatorisches Vorgehen lustig machen will.

Ganz besonders interessant ist dabei wahrscheinlich, daß Stephan Teichgräber, die Metaphern und poetische Vergleichseinteilung aus dem englischen Original übernimmt. Wenn ich dazu aber die deutschen Sätze, die Übersetzung von Kurt Wagenseil nehme, stimmt vieles nicht mehr, sondern wurde literarisch ageschwächt.

Dann mußte ich in meine Praxis und danach sollte wieder einmal unsere Schreibgruppe sein, die ja auf Peter Czaks Wunsch vom Dienstag auf den Mittwoch verschoben wurde.

Das letzte Mal ist nur die Ruth gekommen und wir haben nichts geschrieben. Diesmal war Doris Kloimstein die einzige Gästin, obwohl der Robert und auch Peter Czak zugesagt haben.

Wir haben auf Alfreds Wunsch einen Text über das Alter geschrieben, der vielleicht in meinem nächsten Work on progress Einklang finden wird und werde auf Doris Kloimstein Wunsch noch einmal versuchen einen Termin am sechsten Juni zu fixieren, dann gebe ich es auf.

Denn ich kann ja schreiben und werde es höchstwahrscheinlich noch mit einem weiteren Werk versuchen, beziehungsweise im Juni, wenn der Alfred in Amerika ist, meine „Unsichtbare Frau“ fertig  korrigieren.

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2018-04-03

Nichtstattgefundene Schreibgruppe

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 20:52
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Unsere Schreibgruppe, einmal „Westbahn spontan“ geheißen, weil lange im Cafe Fortuna, vormals Cafe Ludwig stattgefunden, hat schon einige Krisen, bezeihungsweise Veränderungen erlebt.

Ins Leben gerufen wurde sie vor Jahren von Robert Eglhofer, Ruth Aspöck und Ingeborg Reisner, weil Robert, glaube ich, als er aus der LlitGES ausgetreten ist, einen regelmäßigen Ort zum Schreiben suchte.

Da ich ja nicht so gerne konsumiere, war ich zuerst skeptisch mich regelmäßig in einen Kaffeehaus zu treffen, habe dann aber zugesagt, mir das einmal anzusehen und bin hängengeblieben.

Da waren die Treffen noch am Freitag, Ilse Kilic und Fritz Widhalm waren dabei, Peter Czak ist bald dazu gestoßen, Ingeborg Reisner hat sich entschieden, daß das doch nichts für sie ist und ich habe begonnen die Gruppe dazu zu benützen, um Szenen meiner jeweiligen Romane zu schreiben, denn da gab es ja immer ein Thema, zu dem wir spontan zwanzig Minuten schreiben wollten.

Ruth und Robert haben dann irgendwann die Lust verloren, eine Lesung im Amerlinghaus veranstaltet, die der krönenede Abschluß sein sollte.

Da war aber Peter Czak dagegen aufzuhören, und Klaus Khittl, alisas Gloria G. der oder die inzwischen dazugekommen war, war auch fürs Weitermachen. Ilse Kilic und Fritz Widhalm wollten nur mehr spooradisch kommen, Doris Kloimstein war bei der <lesung auch schon dabei.

So ist es wieder eine Zeitlang weitergegangen, bis Peter Czak, die Gruppe aus Krankeheitsgründen absagte, da haben wir, Doris, Ruth, Robert, Klaus Khittl und ich aber weitergemacht und als Doris Kloimstein eines Jänner im Cafe, das eigentlich ein Beisl war, die Termine für das nächste halbe Jahr reservieren wollte, war das Cafe geschlossen und hat seither nicht mehr aufgemacht.

So hat die Gruppe dann bei mir stattgefunden, Ilse Kilic und Fritz Widhalm sind nicht mehr gekommen, sie ist aber  trotz der kleinen Gruppengröße ganz gut gelaufen. Drei bis vier Lleute waren immer da, wir haben uns auf ein Thema geeinigt, darüber gschrieben und danach diskutiert und jetzt scheint es wieder eine Krise zu geben, denn Peter Ckak hat mir schon im Februar geschrieben, daß er die Termine, wir waren inzwischen wegen der St. Pöltner auf Dienstag auchtzehn Uhr gelandet, auf Montag verschieben wollte, von mir aus kein Problem, ich wollte das aber mit den anderen besprechen, aber leider waren im März weder Peter Czak noch Ruth da und Ruth und Robert hatten schon verlautet, am Montag eher nicht zu können und heute habe ich mir eigentlich schon die fünf Uhr Stunde reserviert, weil Ruth und ich ja mit den Robert unseren literarischen Spaziergang besprechen wollten, da Robert  ja die kunsthistorische Einführung zu den Denkmäerln gibt.

Als wir aber gestern von Harland zurückgekommen sind, hatte ich einen Anruf Roberts auf dem Band, daß er in Salzburg schifahren ist und daher nicht kommt und heute haben uch noch Doris Kloimstein und Gloria G. abgesagt, so daß ich mit  Ruth alleine dagessen bin, zuerst mit ihr die letzten Details für unseren Spaziergang besprochen habe,  dann haben wir uns entschlossen nichts zu schreiben und nur bei Kaffee, dem Wein und den Apfelstrudel, den der Alfred noch gestern gebacken hat, zu verbleiben und die Schreibgruppe heute sozusagen ins Wasser gefallen ist.

Was mir auch recht ist, weil ich mit dem Magdalena Kirchberg-Text ja noch nicht richtig angefangen habe und eher wissen wollte, wie es mit unserer Gruppe weitergehen wird? Die Terminverschiebung war ja ohne den anderen wieder nicht möglich, so habe ich ein Rundmail ausgeschickt. Zwei Termine im Mai und Juni sind noch vereinbart, wenn dann auch keine Leute kommen, um zu sagen, wie sie weigtermachen wollen, ist die Geschichte wahrscheinlich gelaufen.

Was auch nichts macht, da ja, wie der Volksmund so schön sagt, alles bis auf die Wurst ein Ende hat und wie es mit unserer Schreibgruppe ist, die es jetzt  schon länger in der Krongasse gibt, wird sich herausstellenb und ich werde es meine Leser  wissen lassen und kann jetzt nur noch einmal auf die morgendliche Lesung in der „Alten Schmiede“ hinweisen, wo ich zum zehn Jahresjubiläum mein „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ vorstellen werde und alle dazu herzlich einladen möchte und jetzt werde ich Luis Stabauers „Die Weissen“ weiterlesen.

2018-03-06

Die dritte Schreibgruppenvariante

Heute also wieder Schreibgruppe, die unter einem ungünstigen Stern gestanden ist. Seit Februar 2017, seit das Cafe Fortuna, vormals Ludwig geschlossen wurde, finden ja die einmonatigen Schreibtreffs bei mir statt und seit die Kilics nicht mehr dabei sind, sind wir sechs Personen, Peter  Czak, der sich ja schon einmal krankheitshalber zurückgezogen hat, Klaus Khittl, Doris Klomstein aus St.Pölten, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und ich.

Im Jänner war Margit Heumann einmal Gast und die Schreibtreffen bei mir klappten immer erstaunlich gut, im Herbst 2016 noch im Cafe Ludwig waren sie ja ohne dem Peter eher schwach besucht und diesmal war das Treffen besonders wichtig, hatte Peter Czak ja um eine Verschiebung von Dienstag auf Montag gebeten, was ich mit der Gruppe besprechen wollte, er hat dann aber auch für heute abgesagt, die Ruth ist noch krank und der Robert hatte, obwohl er ja mit der Ruth zu Jasminka Derveaux Vortrag über dieLiteratur in Triest in den Pensionistenclub gehen sollte, eine Vorlesung und ist später gekommen. Er kann am Montag nicht, die Ruth auch nicht und zu dritt oder viert kann man ja eher keine Gruppenentscheidungen treffen.

Der Robert ist dann um sieben gekommen, obwohl wir die Treffen der St. Pöltner wegen auf sechs vorverlegt haben und als Thema habe ich, weil ich ja immer schon an meinem neuen Projekt arbeiten will, „Anfänge“ vorgeschlagen, das war dem Klaus aber zu allgemein, so schlug die Doris ein seltenes Tier vor, das war dann wieder zu konkret, also einigten wir uns auf „Auschluß“ weil der Doris vor kurzem etwas Derartiges passierte oder sie miterlebte und ich dachte, klar ich kann ja bezüglich meiner Magdalena Kirchberg über alles schreiben oder eigentlich auch über nichts, denn so wirklich weiß ich ja schon wieder nicht, über was ich jetzt schreiben will. Über eine Frau, die sich in ihrer Pension zuirückgezogen hat, die eine gleichnamige Tochter hat, ihr Leben ins Netz stellen will und am Abend vom Literaturhaus nach Hause geht und an der Kreuzug Ecke Hofmühlgasse-Pilgramgasse einen weißen BMW stehen sieht.

Das hatten wir nicht nur ein sondern sogar schon zweimal und für allle Kontrollfreas ich habe jetzt wirklich die selbe Szene dreimal geschrieben. Die Jänner und die Februarvariante gibt es oben zu sehen und, wie es weiter geht, werden wir vielleicht im April wissen und ebenfalls, wie und wann es mit der Schreibgruppe weitergeht, die ja jetzt schon sehr lang besteht und die eigentlich sehr lustig ist und zu der ich ja einmal nur dem Robert zuliebe als Gast hingehen und sie mir ansehen wollte.

„Ausschluß- ausgeschlossen- finito aus. Was sind denn das für Worte, die mir da durch den Kopf gehen, dachte Magdalena Kirchberg und seufzte aus. Sehr böse Worte, die an unangenehme Momente ihres Lebens erinnern konnten. An Ausschlußmomente- Kündigungserfahrungen-  und Abgrenzungen. Traumatische Ereignisse ihres Lebens, die sie geprägt hatten, noch prägen konnten und jetzt doch vorüber waren. Vorbei- finito- aus. Dabei hatte sie doch noch gar nicht mit ihrem Leben abgeschlossen, sondern war gerade erst einmal in Pension gegangen.

Ein Anfang also sozusogen, ein Neubeginn, eine neuen Lebensphase, in der sie sich gerade befand. Die sie seit Beginn des Monats angetreten hatte und auch genoß, weshalb ihr eigentlich unklar war, wieso sie sich ausgerechnet heute, als sie  von der Abendveranstaltung im Literaturhaus kommend, mit der Ausschlußfrage beschäftigte.

Ausschluß- ausgeschlossen- finito, aus, hatte sie gedacht, als sie den weißen BMW vorhin an der Kreuzung Wienzeile – Hofmühlgasse stehen sehen hatte und sie die Silouetten, der drei sich darin befindenden Personen, an Oberarzt Dr. Rössler von der Station 6B der psychiatrischen Universitätsklinik des  AKHs erinnert hatte und die sich im Fond befindende Frauengestalt erinnerte  an Schwester Hildegard. Was eigentlich ein Wahnsinn war und gänzlich unwahrscheinlich, denn ihr Aufenthalt auf Station 6B im AKH, war  dreißig Jahre her, so daß sich Dr. Rössler längst in Pension befinden mußte und die psychiatrische Krankenschwester Hildegard würde auch schon an die sechzig sein, während die  im Auto befindene Frauen zwischen zwanzig und dreißig gewesen war und sie sich also auf einer Reise in die Vergangenheit befand.

In ihre Vergangenheit, in eine unangenehme Phase ihres Lebens, an das sie das weiße Auto erinnert hatte. An eine schlimme Lebensphase, wo sie sich sehr ausgeschlossen, ausgegrenzt und abgeschoben gefühlt hatte, was zu dem damaligen Psychiatrieaufenthalt geführt hatte, der heute, da sie ihre Pension inzwischen angetreten hatte, lange schon vergessen war. Zumindest hatte sie das geglaubt. Das weiße Auto an der Kreuzung vor der sie auf das Grünwerden der Ampel gewartet hatte, hatte aber  alte Wunden wieder aufgerissen und sie eines anderen belehrt.

Magdalena Kirchberg hatte inzwischen ihre grüne Jacke ausgezogen und sie auf den Garderobenständer gehängt, danach die kleine Küche betreten. Hatte ein Glas von einem der offenen Regale genommen und sich Rotwein eingeschenkt. Einen tiefen Schluck genommen und danach, ein- beziehungsweise ausgeatmebnt. Sich zugeprostet und „Ausschluß- ausgeschlosen finito aus“, den Gedanken wiederholt, den sie seit einer halben Stunde ununderbrochen dachte und der nicht, obwohl er solange nicht vorhanden war, aus ihrem Kopf zu bekommen war.

In der Pension, das hatte sie sich schon  lange vorgenommen, würde sie sich ihrer Vergangenheit stellen und ihre Memoiren schreiben, beziehungsweise diese in Form eines Blogromans ins Internet stellen. Das hatte sie geplant und trotzdem, obwohl sie nun schon seit zwei Wochen Pensionistin war, noch nicht damit begonnen. Wahrscheinlich, weil es ihr nicht gelungen war, einen diesbezüglichen Anfang dafür zu finden. Was jetzt anders werden könnte, wie sie energisch dachte, als sie einen zweiten tiefen Schluck nahm und sich zuprostete. Ganz anders, denn wenn sie sie über ihren Ausschluß damals, die Ausgrenzung und Kränkung, die ihr einmal widerfahren war, schreiben wollte, könnte sie doch mit der Begegnung im weißen BMW mit Dr. Rössler, Schwester Hildegard und auch mit dem Unfallchirurgen Joachim Sandter, der eigentlich und ganz genau genommen, am Anfang ihrer Ausgrenzung stand, beginnen.“

2018-02-06

Bruchstellenphilosophie

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 23:18
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Heute wieder Schreibgruppe, im kleinen Rahmen, nur die Ruth und der Peter Czak waren anwesend,  Doris Kloimstein ist in Hannover, der Robert auf Schiurlaub, Klaus Khittl hatte einen Alternativtermin, Margit Heumann ist nicht mehr gekommen und ich hatte, weil ich ja jetzt mehr Klienten hatte, keine Zeit über ein Thema nachzudenken.

Daß ich an meinem neuen Schreibprojekt, dieser Magdalena Kirchberggeschichte weiterschreiben will, war klar, aber ich korrigiere ja derzeit an der „Unsichtbaren Frau“ und komme damit nicht weiter, denke der Text ist schlecht no na, und es nützt ja ohnehin nichts, ich kann nicht schreiben, das habe ich ja nun schon oft genug gehört, etcetera.

Aber wenigstens einmal im Monat eine Szene weiterzuschreiben ist keine schlechte Idee, meine Psychologiekollegin Irmgard G. hat mich  schon vor Jahren gefragt, ob ich mein Schreiben jetzt auf meinen Blog verlege?

Eigentlich nein, aber trotzdem ist es eine gute Möglichkeit und da ich kein Thema hatte, hat die Ruth in ihrem Buch bei den vorigen Vorschlägen nachgesehen, die nicht verwirklicht wurden und da hat einer „Bruchstellen“ vorgeschlagen. Bruchstellen, wie passt das zu meiner depressiven Magdalena, der prekären Bloggerin, aber irgendwie hat mich das Wort angesprochen, so habe ich gesagt „Toll, nehmen wir das!“ und keine Ahnung, was ich darüber schreiben werde.

Das ist daraus geworden, Klaus Khittl hätte es wieder Themenverfehlung genannt, denn ich habe eigentlich nicht recht gewußt, worüber ich schreiben möchte und die Vormonatsszene einfach mit diesem Wort forgesetzt und politisch ist es bei mir typisch natürlich auch geworden:

„Bruchstellen, brüchig, Absturzgefahr, dachte Magdalena Kirchbergetwas später, als sie das  Wohnhaus in der Margaretenstraße 54 betreten hatte und in den zweiten Stock hinaufgestiegen war. Den Schlüßel aus der Jackentasche genommen, das kleine Vorzimmer betreten und die Schuhe von den Füßen gezogen.

Bruchstellen, brüchtig, Absturzgefahr oder die einzustürzen, hinzufallen,  den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ausgerutscht, niedergeglitten und sich das Augen blau blau geschlagen.

„Küß die Hand, schöne Frau, deine Augen sind so blau!“, schwirrte es in ihrem Kopf, hatte sich dort ein Ohrwurm festgefangen, der nicht zu vertreiben war.

Bläulich schwarz, wie die neue türkise Regierung, die Österreich seit ein paar Monaten heimgesucht hatte und schon eifrig im Umformen begriffen war, was zu neuen Bruchstellen führen würde.

Was hatte die eben Heimgekommene, die ihre grüne Jacke gerade ausgezogen und auf den Garderobenständer deponiert hatte,  nur für Gedanken?

Welche hatten sie heimgesucht, als sie vor einer halben Stunde harmlos von einer Abendveranstaltung im Literaturhaus kommend, den Heimweg angetreten hatte und auf der Kreuzung Pilgramgasse-Wienzeile vor einer roten Ampel stehengeblieben war und da in einem weißen BMW hinaeingeschaut hatte, in dem sich zwei Männer und eine junge Frau befunden hatten, von denen  die Heimkehrerin nicht das geringste wußte und trotzdem munter zu assoziieren angefangen hatte.

Die Bruchstellen waren schuld daran. Die Risse und Unebenheiten, in die sie sowohl das heutige Mittaghsjournal, als auch die kürzlich stattgefundene Regierungsumbildung gebracht hatte. Die Umfärbung in blau türkis von schwarz rot war es gewesen, die die Verwirrung bruchstellenhaft veranlaßt hatte. Die Bruchlandung ihres Herzens, wenn sie so pathetisch sein wollte oder eigentlich hatte sie nur die Topmeldung des Mittagsjournals so erregt, die die gewesen war, daß die Langzeitsarbeitslosen in Hinkunft statt einer Notstandshilfe eine Mindestsicherung bekommen sollten, wofür sie zuerst ihre Vermögenslage zu deklarieren  und eventuell ihr Auto verkaufen und die Sparbücher abzugeben hatten, bevor sie vom Staat etwas bebkommen würden, was, wie Magdalenea Kirchberg merken konnte, die Gemüter sehr erregte und an ihr, obwohl sie weder Arbeitslosen- noch Mindestsicherung bezog, nicht so spurlos vorüber gegangen war, sondern zu dem schon erwähnten Bruchstellengeplänkel geführt hatte. Seit sie die Kreuzung Wienzeile-Ecke Pilgramgasse verlassen hatte, waren ihr diese Wörter durch den Kopf gegangen, seit sie den weißen BMW mit den zwei Männern und der jungen Frau gesehen hatte, waren sie in ihr eingedrungen und hatten sie seither  nicht mehr verlassen. Obwohl Brüchigkeiten, Riße, Unebenheiten, was hatte das mit den zwei Männern und der jungen Frau in dem weißen Auto und das Ganze mit der schwarztürkisen Regierungsumbildung zu tun?“

So weit so gut und was die Literatur betrifft, so geht es derzeit eigentlich nicht so schlecht, man könnte es fast die manische Phasen in meinem Leben nennen, denn am 4. 4. „Textvorstellungen“ mit dem „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, zwei Wochen später ist der „Öffentliche Kunst Spaziergang“ und die Texte sollen im „Hammer“, der Literaturbeilage der „Alten Schmiede“ auch vorgestellt werden.

Am Wochenende werden wir die Fotos dazu machen und bevor wir nach Leipzig fahren, können wir vielleicht noch Essen zur Verleihung des „Blogger-Debutpreises“ fahren.

2018-01-09

Wieder einmal Schreibgruppe

Filed under: Schreibbericht,Textbeispiel — jancak @ 21:05
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Das neue Jahr ist dann gleich weiter mit einer Schreibgruppe gegangen, die Ruth, die Doris, der Peter Czak und neu als Gast Margit Heumann ist gekommen, der Robert ist auf Kur, Klaus Khittl fehlte auch und als Thema habe ich mir heute irgendwann gedacht, könnte ich  „Kreuzung“ vorschlagen, denn da bin ich ja einmal vor ein paar Wochen oder Monaten gestanden, bei der Pilgramgasse, wo ich wahrscheinlich vom Literaturhaus nach Hause gegangen bin, habe in ein Auto gesehen und mir gedacht, daß ich über die Personen oder  die Phantasien, die man über die Leute, die darin sitzen, meinen nächsten Roman schreiben könnte.

Jetzt bin ich davon ja noch sehr weit entfernt, weil ich derzeit kaum zum Korrigieren der „Unsichtbaren Frau“ komme, aber die Schreibgrupppen dienen für mich ja auch zum Szenensammeln und voila, für die die es interessiert, so könnte mein nächster Roman „Magdalena Kirchberg schreibt einen Roman“ könnte er ja heißen, beginnen:

„An diesem Abend war Magdalena Kirchberg bei einer Veranstaltung im Literaturhaus gewesen. Es war um das Thema „Buchkritik“ gegangen und drei mehr oder weniger bekannte Literaturkritiker hatten ihre diesbezügliche Meinung kundgetan und sich lauthals darüber gestritten, ob gute Literatur verständlich sein müsse oder nicht?

Eine stadtbekannte Buchhändlerin war auch am Podium gesessen und hatte sich darüber beklagt, daß auf den Buchpreislisten lauter unverständliche sprachlich komplizierte Titel stehen würden, die sich in ihrem „Buchkontor“ nicht verkaufen lassen würden, weil die Leute lieber Krimis oder Liebesromane lesen würden und war von der Kritikerrunde ausgelacht und nicht ernstgenommen worden.

„Es stimmt aber doch ein bißchen!“, hatte Magdalena Kirchberg, nachdem sie nach  Veranstaltung noch ein Glas Rotwein getrunken hatte, gedacht und sich dann auf ihren Heimweg gemacht.

Es stimmt aber doch ein bißchen, auch wenn es die Herren von der Kritikerrunde nicht hören wollen und lautstark eine  andere Meinung vertraten.

Meine Nachbarin liest am liebsten Andrea Camillieri und die Kids, denen ich in der Straßenbahn, im Park oder im Schwimmbad begegne, begeistern sich für Harry Potter oder Stephenie Meyer und lassen die Bücher von John Fante oder Thomas Lehr, die die Kritiker so hochgelobt haben, außen liegen.

Es stimmt aber doch ein bißchen dachte Magdalena Kirchberg, zog die Mütze  tiefer in die Stirn hinein, band den Schal ein wenig fester um den Hals und blieb vor der Kreuzung Ecke Hofmühlgasse – Wienzeile stehen.

Die Ampel zeigte auf rot. Sie mußte eine Pause machen, konnte nicht, obwohl sie gut in Schwung gewesen war,  weitergehen, obwohl vor ihr gerade  ein Auo stand. Ein weißer BMW mit, wie sie sehen konnte, drei Insaßen, hatte vor dem Rotlicht abgebremst, denn das Signal stand noch immer auf Rot und sie mußte weiter stehenbleiben, konnte nicht weitergehen, sondern abwarten, bis sich die Ampel wieder auf grün umstellen würde.

„Shit!“, dachte Magdalena Kirchberg und atmete tief durch. Warum war sie nur so ungeduldig? Denn eigentlich hatte sie ja Zeit. Es hetzte sie niemand und keiner, denn es würde sie, wenn sie zehn Minuten später, den Schlüßel in ihre Wohnungstüre steckte, ohnehin nur ein leeres Zimmer, eine leere Küche und ein leerer Abstellraum erwarten, denn Magda war war schon vor fünfzehn Jahre ausgezogen und sie lebte seither allein.

Alleine in einer leeren   Wohnung, die sie nur  für denVortrag kurz verlassen hatte und in zehn Minuten wieder betreten würde, um sich zuerst in Bad zu begeben und sich später in ihr Bett zu legen. Da kam es auf ein zwei Minuten Warten gar nicht an. Hätte man gedacht und war auch  logisch. War es aber nicht für sie. Nicht für Magdalena Kirchberg, die als Kind und Jugendliche auch Magda gerufen wurde. Jetzt aber vor ihrem siebzigsten Geburtstag stand, den Schal fest, um ihren Hals gebunden, die Mütze tief in die Stirn gezogen hatte.

Schäfchen zählen, wenn man einschlafen wollte und die Sekunden, wenn man vor einer Ampel stand und die grüne Farbe erwartete, so hatte sie es vor Jahren enmal in einem Volkshochschulkurs gelernt und das tat sie jetzt auch eifrig.

„Eins, zwei, dre!“ und da fiel ihr Blick, weil das rote Ampellicht noch immer nicht auf die grüne Farbe gewechselt hatte, wieder auf den weißen BMW,  der abwartendvor ihr stand. Drei Personen befanden sich, wie sie sehen konnte darin, zwei Männer und eine Frau. Die Männer spekulierte Magalena Kirchberg, der das Zählen zu viel geworden war und daher über Gedankenspekulationen, wie sie es nennten wollte, dankbar war, waren etwa, um die fünfzig. Zwei elegant gekleidete, schlanke Körper, wie sie sehen konnten. Die Frau, die am Rücksitz saß, war etliche Jahre jünger.

Wer könnten sie sein, spekulierte Magdalena munter weiter und dachte gerade, daß es zwei Ärzte wären, die vom  AKH oder Wilhelminenspital nach Hause fuhren. Ein Psychiater und ein Unfallchirurg vielleicht, die die OP Schwester Hildegard, Claudia oder Svetlana aus Gefälligkeit mitgenommen hatten, als sich  die Ampel auf grün umstellte und Magdalena weitergehen konnte.“

Sehr originell ist das wahrscheinlich nicht und auch noch nicht wirklich ausgereift, eben der allererste Versuch und das mit den drei Insaßen ist auch sehr klischeehaft. Die Magda konnte aber sowohl, die fünfunddreißigjährige Magdalena, als auch deren Tochter sein und der Roman erscheint natürlich auf deren Blog.

Also auch nicht sehr originell und wem es interessiert, den Beginn habe ich von Ruths Vorschlag „Buchkritik“ übernommen, denn da beschäftigt mich ja in den letzten Tagen, die  Buchhändlerkritik, die beim Debutpreis aufgekommen ist,  sehr, daß auf den Buchpreislisten lauter Bücher stehen, die die Leute nicht lesen wollen, weil zu schwer und unverständlich, während Krimis und Chick lits ja nicht auf solche Listen kommen.

Peter Czak hat wieder eine seine Teufelsgeschichten geschrieben, Margit Heumann überraschte mit einem Krawattenknoten der zum Mord an seine Krawattenträger fähig war. Die beiden anderen Texte waren wieder essayhaft und nun bin ich gespannt, wie es mit meinem Work on progress weitergeht, beziehungsweise, wie lange ich zum Korrigieren der „Frau“ noch brauche und ein paar Bücher für meine  Leserunde zu der ich nach wie vor aufrufe, habe ich auch wieder verteilt.

2017-12-05

Schreibgruppe und Adventkalender

Wieder einmal Schreibgruppe in der Krongasse und diesmal keine Romanszene aus einem Work in Pongreß, ist der Rohentwurf der „Unsichtbaren Frau“ ja fertig und soll am Montag beim Writerretreat in der Pramergasse überarbeitet werden, das „Bibliotheksgespenst“ ist erschienen und an die Gruppenmitglieder ausgeteilt, damit womöglich doch eine Leserunde auf dem Blog entstehen kann und „Besser spät als nie“ ist gerade auch beim Fertigwerden.

Bei allen  Texten habe ich Szenen  in früheren Gruppen geschrieben, heute aber themenlos und offen für alles, was da kommen mag und weil ja der fünfte Dezember ist, ist der kleine Weihnachtsstern, den mir die Ingrid beim Geburtstagsfest übergeben hat auf dem Tisch gestanden, zwei Wachsketzen, die ich mir einmal,  um meinen Geburtstagsgutschein bei der „Grünen Erde“ eintauschte und der Alfred der das ja nicht lassen kann, hat aufgetischt. Weintraubenstrudel, Räucherfisch vom Markt in St. Pölten hergerichtet, Baguette und Käsekugeln. Mandarinen, Schokoladestückchen, Wein und Käsekräcker haben die Gruppenmitglieder mitgebracht.

Eine schöne Adventstimmung also und dann hat Peter Czak  das Thema „Ooerloaded“ vorgeschlagen.

„Überladen!“, habe ich gedacht, weil ich ja nicht Denglisch sprechen will und zum Schreiben angefangen. Ohne Ziel und Plan nur von den schönen Wortspielereien, die Bodo Hhell diese Woche jeden Morgen in den „Gedanken für den Tag“ in Ö1 über mich ergießt, inspiriert.

Der untrige Test ist daraus entstanden, den Klaus Khittl dann kritisch wieder als Themenverfehlung anprangerte. Vielleicht oder vielleicht auch nicht, ist mir die schwarz blaue Zwangsbeglückung doch wirklich zuviel, während ich die Flüchtlingskrise, wie Robert Englhofer kritisch einwarf, ja eigentlich nicht für eine Überladung halte.

Es ist wie es ist, hat oder würde Erich Fried vielleicht sagen.

„Überladen – Overoladed – Überfluß

Der Tisch ist überladen und biegt sich von allen den guten Sachen, die auf ihn hinaufgeladen wurden. Brot, Käse, Fisch, Schikoladentorte. Es geht uns gut, wir werden für Ggenstände Geld ausgeben, das wir gar nicht haben, einen Kredit aufnehmen,  weil wir inzwischen längst verschuldet sind. Staatsverschuldet und Leben im Überfluß oder Überdrum. Besser ein Leben im Überdruss nach dieser Schmutzkübel Kampagne, die uns eine blau türkise Regierung beschert hat.

Türkis blau, statt schwarz blau, das klingt doch sicherlich viel besser und dagegen wird man auch nicht so leicht demonstrieren. Nicht mit den Schlüsseln rasseln, wie weiland vor siebzehn Jahren auf dem Ballhausplatz.

„Haider, Schüßel, drahts auch ham ihr Rüsseln!“ und wo bitte bleibt denn jetzt der Überfluß?

Denn über einen solchen wollten, sollten wir ja schreiben. Die Überladung erwähnen, die wie eine Hochleistungsrakete einschägt über uns, auf unseren Köpfen preasselt mit voller ganzer Wucht und  was bitte ist  hier jetzt überladen, aufgesetzt, überworfen?

Natürlich der Rechtsruck, den haben wir eindeutig aufgebrummt bekommen. Ist auf uns herabgefallen, hat uns heimgesucht  und jetzt können wir uns nicht mehr wehren vor all dem blau türkischen Übefluß und werden, wie man hören kann, auch sehr bald ein Heimatschutzministerium aufgebrummt bekommen, von dem ich noch immer keine Ahnung habe, wofür wir ein solches brauchen können?

Ich brauche es nicht. Die Heimat vielleicht schon, aber keinen Schutz oder ich schütze mich am liebsten selber vor allen Übergriffen, Mißbrauchserfahrungen und Überschwemmungen.

Vor allen bösen Geistern möchte ich mich gern bewahren, sie abwehren und mich nicht von ihnen überladen lassen. Keinen Heimatschutz und keine Zwangsbeglückung, wogegen ich gegen eine Ausweitung des Rauchverbotes in öffentlichen Räumen, als Nichtraucherin gar nichts habe oder besser,das ist mir eigentlich egal und denke nur, daß ich zwar keinen spzeliellen Heimatschutz, aber auch keine unbedingte Raucherlaubnis brauche. Auf die kann ich gern verzichten. Muß sie nicht haben und brauche mich von ihnen auch nicht um jeden Preis beglücken lassen.

Wehren wir uns also gegen jeden Overload, wie ich  auch nicht unbedingt, die englischen Sprachfloskeln in unserer schönen Sprache brauche. Mir genügt das Österreichische als Umgangssprache, da bin ich bescheiden.

Kann also überladen, überlasten, übergießen,  aufdrängen sagen und brauche zum Download, den ich gelegentlich auf meinem Computer betreibe, nicht unbedingt auch noch den Überfluß und, um bei den Wortspielen und der Farbenlehre zu verbleiben, die Überschüttung durch eine schwarz blaue Regierung, die  jetzt, um alle Abschreckungen zu vermeiden, sich verschämt blau türkis oder türkis blau benennt, aber höchstwahrscheinlich verjährter vorvorgestriger Wein in umgefärbten modisch aufgepääpelten neuen Schläuchen ist.“

Und dann, weil ja der fünfte Dezember ist und weil ich  auch dieses Jahr meinen weihnachtlichen Beitrag leisten will, kommen wir also zum Adventkalender oder zur „Nika, Weihnachtsfrau“ und da ist ja der fünfte Dezember besonders produktiv, hat da doch vor zwei oder wahrscheinlich schon vor drei Jahren da auch einmal eine Schreibgrußße stattgefunden, wo ich das Thema „Weihnachten, Advent oder Adventkalender“ vorgeschlagen habe.

Ein Jahr später und ein Monat früher sind es dann, während ich im November beim Nanowrimo meinen Adventkalender schrieb, die „Dämonen“ gewesen, die mich zu einer Skizze für meine Nika aus einer anderen  Perspektive veranlaßte und am fünften Dezember des gleichen Jahres bin ich in Bük im Bad gesessen, habe die anderen Badebesucher durch mein Geklapper gestört und den fünften Dezember als Service für meine Leser eingestellt.

Am dreizehnten Deuember wird es noch eine Vorform der „Nika“ geben, am siebzehnten Dezember 2015 war die Lesung im Readingbroom, am dreiundzwanzigsten dezember gibt einen „Bücheradventkalender“, am 19. 25. 29 und 30.Dezember wird es je ein Adventkalenderfenster geben.

Freunde laßt euch überraschen und das ist kein Overload, sondern ein Geschenk an meine Leser, um sie in das Weihnachten vor zwei Jahren, während der inzwischen ach so gefürchteten Flüchtlingskrise einzustimmen.

Ob Platz und Zeit ist ein weiteres Adventkalenderfenster sein wird, weiß ich noch immer nicht.

Ich habe aber noch ein paar meiner fünfzig selbstgemachten Exemplare. Wer eines haben will, um damit vielleicht seine Lieben zu Weihnachten überraschen oder auch zum  Selberlesen, kann es bei mir bestellen. Er kann mir aber auch eine Rezension für das „Literaturgeflüst“er oder ein anderes Medium  schreiben.

 

2017-11-14

Schreibgruppe und vierzehnter Nanowrimotag

Jetzt habe ich schon lange nichts mehr beim „Nanowrimo“ getan. Wenn man sich meine Kurve ansieht, so bin ich, mit ein bissel Schummeln, sehr gut voran, denn ich habe mit dem Schreiben ja schon Anfang September angefangen und in der letzten Oktoberwoche, die über zehntausend Worte, die ich damals hatte, strukturiert und umgeschrieben und mit cirka elftausend bin ich am ersten November gegangen, habe es dann am ersten Tag auf zwanzigstausend Worte hinaufgeschrieben und das folgende Wochenende, Freitag, Samstag, Sonntag auf vierunddreißigtausend Worte gebracht.

Dann war erst einmal Sense, denn drei sehr intensive Praxistage und dann die Buch-Wien und fast zehn Tage nichts geschrieben.

Da war meine Kurve erstmals hochhinauf und wurde dann immmer flacher und flacher oder ist beziehungsweise überhaupt gleichgeglieben.

Im Writersstudio war ich ja ziemlich in Schwung und die Handlung ist geflossen, dann am Sonntag nach dem Feedback hatte ich wieder nur eine vage Idee, die sich dann im Lauf der letzten Woche konkretisiert hat.

Denn das Ganze soll ja damit enden, daß die Regierung angelobt wird und Amanda bekommt ein Angebot im Literaturarchiv zu forschen. Jonathan lädt Slavenka nach Stockholm ein und beginnt mit ihr vielleicht ein Verhältnis. Die Regierugsbildung kommt vor, der Rückzug von Peter Pilz und Alfons Tratschke wird sich mit Jnathan Larsen anlegen und und und vielleicht vieles mehr.

Das habe ich mir in mein graues Büchlerin, das mir der Alfred in der Klee-Austellung in Lindau gekauft hat, hineingeschrieben. Dann aber auch vergessen, weil die letzte Woche war ja intensiv, das schlechte Gewissen nagte ein bißchen, aber es war  alles sehr genau geplant, obwohl sie auf dieser Autorenmesse  immer sagten, man soll täglich schreiben.

Das kann ich nicht, denn wenn ich eine halbe Stunde Zeit habe, komme ich nicht in den Text hinein und zwinge ich mich dazu, wird das, was dann entsteht sehr schlecht und ist eigentlich zum Wegwerfen.

Aber dieses Wochenende, wenn wir nach Harland fahren, habe ich  Zeit und da werde ich  den Schreibmarathon für mich nachahmen, vorausgesetzt, ich komme in den Stoff hinein und am Dienstag in der Schreibgruppe fange ich auch damit an, habe ich gedacht und weil ich ja, die letzte Slavenka Lily Szene, die ich im Writersstudio geschrieben hatte, ist noch nicht korrigiert, ich aber wußte, daß ich vom Morgen nach der Wahl schreiben wollte, habe ich mich entschlossen, das Thema „Wahl“ vorzuschlagen und mich schon den ganzen Tag gefreut, daß ich dann endlich ein paar hundert Worte weiterschreiben kann.

Da meine sechs Uhr Klientin nicht gekommen ist, habe ich gedacht ich setze mich hin, gehe meine Eintragungen durch, fange vielleicht zum Korrigieren an, um in den Stoff  hineinzukommen. Beim Schreibmarathon habe ich gelernt, daß man dazu die Morgenseiten benützen kann, aber ich war noch nicht richtig auf der Seite, hat schon die Doris Kloimstein geläutet und es war nichts damit.

Der Alfred hat von den übriggebliegenen Sachen vom Samstag einen Spinatstrudel gebacken. Die Doris hat eine Flasche Wein mitgebracht und Morzartkugeln, der Robert Englhofer Krapfen,  Peter Czak Bier und was zum Knabbern. Die Ruth ist nicht gekommen, weil sie eine andere Veranstaltung hatte, so war es eigentlich eine lukullische Schreibgruppe, ich versuche aber trotzdem immer zu strukturieren, habe das Thema vorgeschlagen, es gab keinen Gegenvorschlag und habe  zu Schreiben angefangen.

908 Worte sind es geworden. Eine sehr kurze Szene, wenn ich es so lassen sollte und beginnend mit dem Besuch bei Minister Basti bis zum Morgen nach der Wahl.

Ein bißchen wild und ungewordnet kann man sagen, ist es geworden. Die anderen haben  ihre Wahlvorschläge gebracht. Klaus Khittl wieder einen Vierzeiler, Peter Czak was vom Teufel, der wählen muß, welche Sorte Partydroge er für das Musikpublikum einfkaufen will und ich habe korrigiert und korrigiert….

Es gab aber auch ein intensives Gespräch über die politische Situation. Ich freue mich, daß meine Kurve wieder ein Stückchen nach oben gerutscht ist. Die nächsten zwei Tage wird wieder nichts weitergehen. Morgen, wenn im Writersstudio, die Zieleinlaufparty laufen wird, werde ich ins MUSA gehen und am Freitag, Samstag, Sonntag,  weiterschreiben. Hoffentlich komme ich in meinen Stoff hinein und werde weiter darüber berichten.

2017-10-03

Oktober-Schreibgruppe

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 23:30
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Heute wieder Schreibgruppe in der Krongasse, „Westbahn-Spontan“ kann man das ja nicht mehr nennen. Bis auf den Peter Czak waren aber alle da und die Ruth hat sogar ihre Enkeltochter Judith mitgebracht, die jetzt in Wien studiert und bei der Oma wohnt.

Ich habe wieder „unsichtbar“ als Thema vorgeschlagen, das diesmal auch problemlos genommen wurde, war dann aber eine Weile unzufrieden und wußte nicht so recht worüber ich schreiben sollte?

Am Samstag habe ich ja einen recht euphorischen Schreibbericht abgegeben und war dann sehr zuversichtlich, daß es mir gelungen ist, meine Schreibhemmung niederzudrücken und jetzt einen ebenso fulminosen Roman, wie beispielsweise Robert Menasse, dessen „Hauptstadt“ ich ja gerade ausgelesen habe, zusammenbringe.

Dann habe ich mich noch mit der Szene sieben versucht, die mit dem Jonathan Larsen, war aber damit nicht recht zufrieden. Ja der zieht sich in seine Wohnung zurück, weil er um seine Frau trauert und wird dann auf Lilys Blog stoßen. Aber irgendwie war mir das alles zu platt, beziehungsweise bin ich mit dem Lesen derzeit so beschäftigt, daß es mir nicht so recht gelingt, mich auf meine vier oder fünf Handlungsstränge, die ich jetzt habe, einzulassen, sodaß die einzelnen Geschichten noch ziemlich isoliert nebeneinander herlaufen.

Ich denke mir dann immer, daß ich das alles noch einmal schreiben und in jede einzelne Geschichte die nötige Handlung bringen sollte, bin dann aber am Sonntag in die Szene acht hinübergeglitten und damit ging es mir noch schlechter, denn da sitzen die Lily und die Slavenka in ihrem Zimmer in New Yorker Kulturinstitut und checken ihre Mails, beziehungsweise Kommentare und da ist dann ein böser vom Alfons Tratschke und ein etwas netterer von Jonathan Larsen dabei.

Aber der drive, der das alles zusammenbringtwar auch nicht da.

„Wird schon noch!“, habe ich beschwichtigend gedacht und mir dann das PDF vom „Floß der Medusa“ aufgemacht, das zweitdickste dBp-Buch, fast sechshundert Seiten und eines das wahrscheinlich nicht mein Thema hat und auch sehr verschieden von meinen derzeitigen Schreibprojekt ist.

Gestern Nachmittag dann viele Stunden. Am Abend der kroatische Abend, heute Mittag habe ich angefangen meine Geburtstageinladungen auszusenden, dann wieder ein paar Stunden mit Anträgen und so gar nicht viel Zeit mich mit meinem Projekt zu beschäftigen. Daß ich da weierschreiben werde, war mir zwar klar, das Thema unsichtbar auch, aber wie jetzt weiter?

So ungefähr hatte ich in meinem Notizbuch ja schon aufnotiert, daß jetzt wieder eine Tarnkappengeschichte kommen soll, aber da ist ja die Amanda immer noch bei Minister Basti in der Villa und das mit dem unsichtbar habe ich noch nicht so richtig hingekriegt. Zwar bei den Schnupperworkshops sehr viel und sehr lang an der  Szene sechs geschrieben und da war ja auch eine, wo die Amanda aus der VHS geht und dort die Männer ihrer nicht erschienenen Frauen trifft.

Aber eigentlich bin ich ja noch in dem Zimmer und eigentlich passt das mit dem unsichtbar noch nicht.

„Unsichtbar!“, habe ich also geschrieben, „dachte Minister Basti“, bin dann zu der Amanda und ihren Schülerinnen hinübergegangen,  eine Kollegin namens Mathilde erfunden, die mit Amanda aus der VHS geht und  die Männer anspricht, die dann „Nichts verstehen!“, antworten. Minister Basti fordert die Amanda auf sich zu enthüllen, greift zu seinem Arlarmknopf und der Wecker schrillt…

Das Gane wurde etwas länger als eine Seite.

Wurde von der Gruppe auch gelobt, der Stein des Weisens ist es aber nicht  und wirklich wissen, wie es jetzt weitergeht, weiß ich auch noch nicht.

Werde demnächst, die ungelesen bleibenden 2017 Bücher aus dem Badezimmer räumen und vielleicht schon die von 2018 heraussuchen. Ungefähr zwanzig habe ich noch in diesem Jahr zu lesen und wahrscheinlich werden auch noch so viele kommen und dazwischen schreiben. Aber da will ich ja im November an diesem Schreibmarathon teilnehmen und vielleicht komme ich da weiter.

Die Politik holt mich auch ein. Gab es ja am Sonntag diese Skandalenthüllung mit den gefakten Facebookseiten der SPÖ. Eine  Diskussionsrunde zwischen Kurz und Strache  habe ich mir heute auch angehört und die Ruth hat mir Eingangs die Frage gestellt, ob ich wirklich so aktuell politisch schreiben will?

Iich will natürlich, muß dabei aber auch etwas entfremden, brauche mehr drive, werde aber dran bleiben und bin heute in der Schreibegruppe wieder um eineinlhalb Seiten weitergekommen, auch wenn die Amanda immer noch in Minister Bastis Villa ist und sich das unsichtbar vielleicht auch nur in ihren Träumen abspielen könnten.

Die anderen Texte waren auch sehr spannend. Anschließend gab es h eine rege Diskussion, ob ein Mann ein Feminist sein kann? Ich denke nicht und die nächste Schreibgruppe habe ich auch verschoben, weil am siebenten November, wo sie sein sollte,  der österreichische Buchpreis vergeben wird und da will ich ja teilnehmen und mich bis dahin auch schon durch die österreichische Liste gelesen haben.

2017-09-06

Von der Muse zur Muße

Nach der Sommerpause heute wieder Schreibgruppe in der Krongasse, Peter Czak,  Klaus Khittl, respektive Gloria G, der Egelhofer und Ruth Aspöck waren da.  Doris Kloimstein hat kurzfristig abgesagt, weil sie sich in St. Pölten auf eine Ausstellungseröffnung vorbereiten mußte und der Peter hat die beiden Themen „Muse-Muße“ vorgeschlagen.

Ich hatte „unsichtbar“ im Koffer, weil ich ja mit meiner unsichtbaren Frau beginnen wollte, aber ich kann ja kombinieren und so ist folgendes herausgekommen:

„Muse – Muße!“, dachte Slavenka Jagoda und blickte auf das gelbe Post it-Notizzettelchen, das Lily Schmidt vorhin auf den Schreibtisch gelegt hatte.

Ob sie damit etwas anfangen könne?, hatte sie sie gefragt.  Slavenka hatte eifrig genickt und eilfertig „Natürlich, selbstverständlich!“ geantwortet und dabei geflunkert.

Was tut man denn nicht alles, um bei seinen Vorgesetzten, respektive Stipendiumsbetreuern, einen guten Eindruck zu machen? Man tut sehr viel. Ihr jedenfalls war es sehr wichtig, Lily, ihr Engagement und guten Willen zu beweisen. Dann war die zu ihrem Chef ins  Büro gerufen worden, weil der berühmte Starautor Jonathan Franzen, der heute Abend im Institut gemeinsam mit dem  ebenso anerkannten Daniel Kehlmann, eine Lesung halten sollte und sie war mit dem Zettel und dem Vorschlag mit diesen zwei Worten, ihre unsichtbare Frau auf ihre erste Blogtour zu schicken, in Lilys Arbeitszimmer zurückgeblieben.

Saß an  deren Schreibtisch, schaute den Zettel an und überlegte, wie das mit der Muse gehen könnte? Die Muse war die schöne Dame, die zu den Künstlern zu kommen pflegte, um sie sanft auf die Stirn oder auf den Hals zu küssen, damit diese ihre kreativen Kräfte entfalten konnten und der Welt ein noch nie dagewesenes Opus Magnum schenkten.

Nein, der Hals war es nicht, der dafür in Frage kam. Der war eher Graf Dracula vorbehalten, um die damit getroffenen Opfer zu Vampiren zu machen und es würde sicherlich nicht passen, wenn Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann heute, als solche Monster ihre Doppelconference im österreichischen Kulturinstitut von New York halten würde, dachte Slavenka Jagoda und grinste jetzt schon etwas zuversichlicher vor sich hin.

Genauer gesagt, grinste sie ähnlich lausbubenhaft, wie es ihr Bruder Petr  im Plattenbau im weitentfernten Kosice zu tun pflegte, wenn der Vater ihn aufforderte, ihm doch in der Garage zu helfen oder für die Mutter den Mist in den Müllraum zu kippen.

„Muße, Papa, tief durchchatmen und entspannen!“, pflegte er ihm  frech zu antworten, was den Vater meistens ärgerte und er ihm schon einmal eine Ohrfeige angetragen und sie auch sicher ausgeteilt hätte, wäre die Mutter nicht rechtzeitig aus der Küche gestürzt, um ihren Liebling zu verteidigen.

„Muse  -Muße“, hatte Lilly Schmidt, die Kuratorin im New Yorker Kulturinstitut auf einen kleinen gelben Haftnotizzettel geschrieben und ihn ihr schnell hingehalten, bevor sie in Doktor Hartners Büro geeilt war, um mit Daniel Kehlmann und Jonathan Franzen, den berühmten Starautoren, die heutigen Lesung zu besprechen.

„Kannst du dir vorstellen, Slavenki, daraus einen Text für unseren Blog zu machen!“, hatte sie noch schnell hinzugefügt, bevor sie aus dem Zimmer eilte und dem schon ungeduldigen Dr. Hartner ein „Bin schon unterwegs! I am ready, Mister Franzen und coming soon!“, zuzurufen.

Lily würde mit den beiden also die heutige Abendveranstaltung besprechen, während sie einen Blogartikel schreiben sollte, in dem Amanda Siebenstern, ihre unsichtbare Frau, mit dem Kuß der Muse am Morgen aufwachen würde und danach in aller Muße und nicht in Eile ins weiße Haus zu Donald Trump zu stürzen, um ihm an dem Blitzkrieg in Richtung Norkorea zu hindern, den er heute in seinen Twitternews angekündigt hatte.“

Das wars der Beginn und der Einstieg in mein mögliches künftiges Opus Magnum. Die anderen haben auch ihre Texte zu diesem Tehma präsentiert und es wurde sehr viel darüber diskutiert, ob in einer zwanzigminütigen Schreibezeit wirklich ein literarischer Text entsteht oder, ob das nicht vielmehr  nur ein erster Entwurf sein kann, der noch bearbeitet werden muß.

Der Begriff „Sonntagspredigt“ wurde in die Runde gebracht  und die Frage aufgeworfen, ob Kunst nicht schwarz, negativ und an die Substanz gehen muß, um als solche zu gelten, was ich eigentlich inzwischen bestreiten würde.

Ein interessanter Einstieg in das Schreiben nach der Sommerpause  und ich habe mein neues Werk begonnen und bin gespannt, sowie erwartungsvoll, wie es mir dabei gehen wird.

2017-06-06

Schreibgruppe: Denkmäler

Heute abend wieder Schreibgruppe und mit Ausnahme des Roberts der ja einen Achillessehnenriß hat, sind auch alle gekommen und ich hatte wieder vor eine Szene beziehungsweise eine Challenge-Geschichte zu schreiben, die dann ab Juli ein Roman werden wird.

Da hatte ich ja schon gestern, die mit dem Unvorhersehbaren geschrieben und hatte da noch drei, vier Schreibimpulse, die ich als Thema einbringen wollte.

Da ist mir aber dann die Ruth zuvor gekommen und hat als Thema Denkmäler vorgeschlagen, wahrscheinlich als Referenz auf unsere Erkundungen bezüglich öffentlichen Raum und ich habe gedacht, macht ja nichts, denn ich hatte  ohnehin vor, daß sich die Mathilde mit dem Moritz am Albertinaplatz vor dem Hrdlicka-Denkmal trifft.

Dem Peter Czak schien das Thema gar nicht recht zu sein und er hat sich dann auch als ein Denkmalgegner erwiesen, dabei ist die Doris Kloimstein gerade dabei eines zu errichtet, das im September einer Kindergartenpädagogin gewidmet, in St. Pölten aufgestellt werden wird.

Klaus Khittl hat mit den Wörtern gespielt und mir eine Themenverfehlung vorgeworfen, was ja auch stimmt, denn mir war das Thema  nur Mittel zum Zweck und ich habe auch schon lange beschlossen, die Schreibabende, wenn es gerade passt, meiner Romanentstehung zu widmen und habe auch schon mehrmals geschrieben, daß ich gerade das äußerst kreativ und spannend finde.

Die Ruth hat dagegen überraschend nicht zu unserem öffentlichen Raum sondern über Kriegerdenkmäler geschrieben und nun voila das „Zusammentreffen auf dem Albertinaplatz“.

Einen eigenen Hrdlicka-Denkmal -Text gibt es ja auch schon und denn werde ich, wenn sie stattfindet und wir dorthin gehen, bei unserer Veranstaltung im nächsten Jahr vortragen.

„Das Hrdlicka-Denkmal am Albertinaplatz ist ein sehr berühmtes und auch umstrittenes Monument, des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka, der damit dem dritten Reich und der da stattgefundenen Judenverfolgung etwas dagegen setzten wollte.

„Ein sehr berühmtes Denkmal!“, dachte Mathilde und erinnerte sich an den Widerstand, der zu Zeiten seiner Errichtung durch die Kronenzeitung ausgerufen wurde. Damals war sie eine alleinerziehende Mutter der halbwüchsigen pubertierenden Lily gewesen. Heute war die Tochter längst erwachsen und Kuratorin am österreichischen Kulturinstitut in New York.

Alfred Hrdlicka gestorben und der Stein des Anstoßes, der den Boden aufreibende Jude, der von den Touristen oft nicht als solcher erkannt wurde, so daß sie sich daraufsetzten und die Ruhe des Ortes störten, war inzwischen mit Stacheldraht umhüllt worden, so daß niemand die weihevolle  Stimmung des Gedenkens untergraben konnte.

Es gab, wie Mathilde sah, als sie den Platz betrat, vor dem sich schon ein paar Japaner mit  ihren Handies und Kameras aufgestellt hatten, um die drei Stelen der Erinnerung für das Fotoalbum oder die Facebookseite festzuhalten, auch sonst keine Sitzgelegenheit auf dem großen Platz.

Keine Bank zum Ausruhen und Verweilen, so daß es vielleicht gar keine so gute Idee gewesen war, sich mit Moritz hier zu treffen.

Aber dieser hatte, als er sie am Morgen angerufen hatte, ihr vorgeschlagen, sich mit ihm um zwei hier zu treffen, um alles Weitere zu besprechen. Und sie war zu baff oder auch zu einfallslos gewesen, einen anderen Ort vorzuschlagen. Hatte sie doch ganz ehrlich nicht einmal gewußt, ob sie ihm treffen und was ihm als Antwort geben sollte.

„Laß uns abhauen und irgendwo neu anfangen, Mathilde!“, hatte er bei Natalies Begräbnis zu ihr gesagt und ihr sein Handy mit dem Schnappschuß von seinem Reisebus hingehalten und sie war zu baff gewesen, irgendwas darauf zu antworten.

Er hatte ihr die Ratlosigkeit von der Nasenspitze abgesehen, ihr beruhigend zugelächelt und sanft ihre Hand gedrückt.

„Keine Sorge, Mathilde, du kannst dir Zeit lassen und dir alles in Ruhe überlegen. Ich wollte dich nicht überfallen!“, hatte er zu ihr gesagt und hinzugefügt, daß er jetzt erst einmal nach Berlin zurückfahren und seine Koffer packen werde.

Das war vor sechs Wochen gewesen.Sechs Wochen in denen sie Zeit hatte, nachzudenken und heute um halb neun, hatte er sie angerufen und sie, um sich ihre Antwort anzuhören, hierher auf den großen Platz, zu dem Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, bestellt.

Wollte ihre Antwort hören, die sie noch immer nicht wußte, obwohl sie in den letzten Wochen Zeit gehabt hatte, darüber nachzudenken und sie auch Lily angerufen hatte, um sich mit ihr darüber zu unterhalten. Aber die hatte ihr auch keinen Rat geben können. Hatte sie stattdessen nach ihrem Vater gefragt, denn Natalie mußte in ihrer Todesstunde, die Reue überkommen haben. Jedenfalls hatte sie durch einen Notar einen Brief an Lily geschickt, in dem sie ihr mitteilte, daß Moritz ihr Vater war.

„Einen schönen Nachmittag, Mathilde!“, hörte sie jetzt hinter sich seine dunkle Stimme, sah ihn auftauchen, sich vor sie stellen und ihr eine kleine rose und eine kitschige kleine Souvenierschachtel in der sich sicher Sisy-Taler oder Mozart-Kugeln befanden, hinzuhalten.

„Schön, daß du gekommen bist! Du bist sehr pünktlich! Hast du lange auf mich gewartet?“, fragte er und ließ ihren Blick über das „Tor der Hölle“ und den Stacheldraht umwickeltenStraßenwaschenden Juden  schweifen. Dann schien auch er zu realisieren, daß es auf den berühmten Platz keine Sitzgelegenheit zu geben schien, den er drehte sich noch einmal um und deutete auf den Schanigarten, den es vor dem Augustinerkeller gab hin, berührte ihr Hand und sagte leise „Komm, laß uns dort Platz nehmen, Mathilde! Ich lade dich gerne auf einen Kaffee oder ein Glas Rotwein ein!“

Weitere Texte aus dem Fortsetzungsgescichtenprojekt gibt es hier: 1 2 3

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