Literaturgefluester

2016-02-29

Wurfgeschichten versus Roman?

Für die die es wissen wollen, wie es mir mit dem Weiterschreiben geht und ob ich bezüglich meiner Recherche- oder Materialsuchtouren schon zu einer Wurfgeschichte gekommen bin?

Mitnichten, nichts davon,  denn vielleicht wird doch nichts aus einer Geschichtensammlung und ich schreibe demnächst wieder an einem neuen Roman, der dann vielleicht  eine kurze Erzählung wird, aber vielleicht komme ich damit auch nicht wirklich weiter, obwohl in meinem Notizbuch schon ein paar diesbezügliche Notizen und Eintragungen stehen.

Vorige Woche bin ich ja sowohl mit der Endkorrektur der „Sommergeschichte“ fertig geworden, die inzwischen auch schon an die Druckerei gegangen ist, als auch mit der Rohkorrektur von „Paul und Paula“.

Das hat jetzt der Alfred zur gefälligen Bearbeitung und ich habe dann am Mittwoch die Fenster geputzt und bin am Donnerstag auf eine Recherche-beziehungsweise Materialsammeltour gegangen.

Da hatte ich allerdings schon ein paar vage Einfälle aufgeschrieben, ich könnte nochmals, genauer, anders etcetera über das Umgehen mit einer Alzheimerdiagnose schreiben oder aber, weil mich das immer nervt zu hören, daß eine Geschichte, ein Roman etcetera nur dann gut ist, wenn er berührt und ich ja genau das mit meinen Texten nicht zu schaffen scheine, weil die niemanden interessieren, obwohl das eigentlich interessante Themen sind, über die ich schreibe, das Downsyndrom beispielsweise oder jetzt die Transgenderproblematik, etcetera…

Dann schreibe ich das, lasse es drucken, zeige es dem Ersten, den ich in der „Alten Schmiede“ oder an einem anderen Ort sehe und der nimmt es mit spitzen Fingern, sagt „Schön!“ und fügt vielleicht hinzu, daß er es aber jetzt nicht anschauen kann!

Na gut, berühre ich eben nicht, die Themen, die ich aber behandle sind trotzdem interessant. Darüber zu schreiben, vielleicht auch, obwohl ich schon weiß, daß ich damit nicht weit entfernt von meinen gewohnten Fahrwasser bin und in der „Dora Faust“ habe ich ja etwas sehr Ähnllichres behandelt.

Nun gut, durch Wien marschiert und diesbezügliche Ideen aufgesammelt, darüber habe ich schon geschrieben und am Freitag, wo ich es mir eigentlich gut gehen haben lassen wollen, in meinen Texten schmökern, meine Schreibutensilien ordnen, etcetera, ist dann plötzlich der Entwurf für einen neuen Roman entstanden, von dem ich mir allerdings nicht ganz sicher bin, ob ich ihm schreiben, kann, soll und will.

Die Frage, was berührt mich, wäre ja schon eine ganz gute Ausgangslage und da könnte die Erzählerin, Anna Augusta Augustin steht schon ganz lange in meinem Notizbuch zu ihrem Therapeuten gehen, in der „Frau auf der Bank“ gibt es ja den Psychiater Theo Hardenberg, der sich mit der Sveti befreundet, der könnte auch Psychotherapeut sein und dem erzählt die Augusta von einer Rezension, die sie bekommen hat, daß ihre Geschichten nicht berühren würden.

Dabei hat sie ja schon eine Idee, Achtung auch nichts Neues, da wird ihre Helden sechzig, geht in Pension und möchte fortan ein schönes Leben leben, mit Geld von der Bank abheben und um die Welt reisen etcetera.

Aber kann man das in Zeiten, wie diesen, wo die Flüchtlingsströme kommen, wir von uneren Politikern in Sachen Angst im Kreis geschickt werden, etcetera, die Hildegard Himmelblau, irgendein kürzerer Name ist mir auch noch eingefallen und habe ihn jetzt vergessen, könnte irgendwo auf dem Weg dies zu tun, ihre ehemalige Schülerin, sie war Lehrerin, Zahra Kashrim treffen, die jetzt Germanistik studiert, eine Diplomarbeit über Anne Frank schreibt, aus dem Iran kommt, die ihr zwei junge Männer mit Namen Stefan Zweig und Heimito von Doderer vorstellt.

Ja, genau, das sind Schauspieler bei dem Flüchtlingstheater, sie kommen aus Bosnien und Russland, wo Zahra auch mitmacht und sie proben in diesen Rollen ein Stück, das das Wien der Dreißigerjahre schildert, wo die beiden Dichter sich begegnen und über den Zustand der Welt reflektieren. An eine Begegnung in den Wolken habe ich auch gedachtund während, die gute Augusta nicht recht weiß, soll sie jetzt diesen Roman schreiben oder nicht, kann sie das überhaupt, geht sie vielleicht wöchentlich zu ihrem Psychiater und erzählt ihm ihre Wurfgeschichten.

Am Freitag bevor ich zu den schönsten Büchern und der „Kurzen Nach des Hörspiels“ gegangen bin, war ich recht niedergeschlagen und unzufrieden mit meinen Notizen, habe auch gedacht, kann ich das überhaupt und was berührt mich daran und das habe ich doch alles schon in unzähligen Varianten?

Dann bin ich zu meinen Bücherstößen gegangen, im Internet habe ich da von einer sehr viel jüngeren Schreiberin einen diesbezüglichen Tip gefunden, man sucht sich wahllos eine Handvoll Bücher heraus und schreibt sich einen Wort, einen Satz vom Klappentext heraus, der berührt.

Das habe ich dann auch getan und bin auf die Worte: „Erkundungen, Dosenbier, Geld, Feindschaft und Lügen“ gekommen, die entsprechenden Bücher weiß ich jetzt gar nicht mehr alle, Cornelia Travnicek war aber, glaube ich, mit „Chucks“ und dem Wort „Dosenbier“ dabei.

Auch nicht sehr ergiebig, habe ich gedacht, aber ich kann natürlich eine Geschichte schreiben, wo das Wort „Dosenbier“ vorkommt und habe dann noch zu Ljudmila Ulitzkaja „Die Lügen der Frauen“ gegriffen oder schon vorher, denn das  Wort „Lügen“ stammt sicher daraus, interessant ist aber die Widmung, die da jemand hineingeschrieben hat.

„Dieses Buch soll ein Anfang dafür ein, daß du deinen Traum realisierst! Dieses Buch gilt als erster Schritt in die Psychologie. Ich hoffe sehr, daß es dir gefällt, vielleicht kannst Du dann meine Fehler analysieren und entsprechend behandeln!“

Wow, interessant, was man alles in den Bücherschränken findet und die Augusta Augustin, die ausgebrannte Autorin, könnte ja auch eine diesbezügliche Bücherschrankbenützerin sein.

Sie findet das Buch,  geht damit zu Theo Hardenberg und liest  ihm die Widmung vor, beziehungsweise hat sie schon etwas für ihren Roman und wenn ihr diesbezüglich nichts mehr einfällt, weil sie ja nicht alles hundertausendmal, wie weiland Martin Walser, der sich ja, glaube ich, auch in der Kunst übt, immer wieder denselben Roman neu zu schreiben oder das auf jeden Fall vorgeworfen bekommen hat, kann sie dem guten Theo pro Stunde immer eine Geschichte über eines dieses Wörter erzählen und so Kapitel an Kapitel reihen…

So weit so what und da war ich, glaube ich, in der Freitag Nacht, bevor ich dann zu der GV der IG Autoren gegangen bin und gedacht habe, damit könnte ich ja mal anfangen und sehen, wie weit  ich damit komme und am Ende habe ich dann einen Roman, zu dem ich ein Jahr, ein Monat oder was auch immer brauche, beziehungsweise eine kurze oder längere Erzählung für die Wurfgeschichtensammlung oder alles oder auch nichts davon.

Ich könnte ja auch und das hat mich ja einmal meine Psychologiekollegin Irmgard G. gefragt, ob der Blog mein Schreiben ersetzt, eine Zeitlang Artikel, „Wie schreibe ich einen Roman in das „Geflüster“ stellen und den Entstehungsprozeß als solchen beschreiben.

Ich lasse mich überraschen, ob das Bloggen das Schreiben, ergänzen, ersetzen oder was immer wird.

Wär auch mal spannend und vielleicht wird der Prozeß über das Schreiben ein Blogroman. So etwas passiert ja derzeit auch bei anderen und von Romanfiguren, die ins Leben treten, wird ja jetzt auch geschrieben oder Geschichten erzählt, die dann ein Roman werden, denn die meisten anderen, haben ja auch schon einiges geschrieben und stehen vielleicht an.

Ich schleppe jedenfalls meine sogenannten Mißerfolge und das nicht Wahrgenommen werden mit mir herum, das schon Ausgeschrieben sein, bei all den Bücherbergen, die es schon gibt, die aber keiner kennt und, ob es eine neuerliche Geschichte einer ausgeschriebenen Autorin und einer Flüchtlingsbetreuerin wirklich ist, weiß ich gar nicht so genau.

Man schreibt immer denselben Roman, sein Leben lang, das weiß ich schon, sollte man vielleicht auch nicht und eigentlich will ich auch nicht schon wieder über eine depressive Pensionistin schreiben, dann fällt mir aber doch eine neue Variante dazu ein. Vielleicht wären die Wurfgeschichten ein Ausweg daraus oder auch der Weg hinein? Mal sehen, ich bin gespannt, und werde weiter berichten…

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2016-01-17

Erneuter Schreibbericht

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 12:00
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Wer wissen will, wie es weitergegangen ist? Es ist natürlich, selbstverständlich, am Freitag habe ich die bis dato vorhandenen elf Szenen durchkorrigiert und, um ein paar Worte verkürzt. Die Idee mit dem Vater, der Diabetes hat, operiert werden soll und sich mit der Tochter versöhnen will, ist mir da schon gekommen und auch die, daß es mit dem Vater weitergehen könnte und auch eine Margarita Strähne war vorstellbar.

Dann ging es wieder. Samstags in der Badewanne kamen beim Lesen von Brigitte Konauers „Teufesbruck“, ein sehr anspruchsvolles poetisches Buch, das volle Aufmerksamkeit verlangt, die Idee, daß der Vater, den Paula ja am Abend davor vielleicht an der Kreuzung gesehen hat, anruft, sie legt auf, verschüttet Milch und Kaffe, geht dann wieder Jogen, trifft die Kollegin und den ehemaligen Chef vor dem „Sigmund Freud Museum“, sie wohnt in der Währingerstraße, während Paul inzwischen in seiner Firma sitzt, an Paula denkt, Irene ruft an, mach sich Sorgen um Margarita.

So weit, so what und bis jetzt aufgeschrieben, das heißt vier Szenen sind jetzt wieder dazu gekommen und wir halten bei 18 144 Worten, 39 Seiten und 15 Szenen und dann war es wieder aus.

Das heißt ein paar Blogs von sehr jungen Frauen, die dort selbstbewußt Schreibtips geben, von  Stufenplänen, Heldenreisen und, wie man an Material für seine Texte kommt, schreiben, habe ich inzwischen auch entdeckt.

Man geht in eine Bibliothek, greift blind nach dem ersten Buch und schreibt, sich einen Satz oder Wort heraus. Das tut man vier, fünf Mal, dann hat man vielleicht  den Plot der nächsten Geschichte.

Daran habe ich auch schon gedacht, es bisher aber noch nicht ausprobiert, denn, daß der Kurt nach der Operation im Koma liegen könnte oder stirbt, war mir schon eingefallen.

Dann bin ich mit der Brigitte Konauer wieder in die Badewanne gegangen und habe weitergedacht, ihre poetisch schönen Sätze, die von Vogelvolieren und vieles anderen handeln und  an Valerie Fritsch erinnern, dazu laden dazu und eigentlich ist es auch ganz einfach.

Der Paul singt wieder in der „Villa“ Margarita hat sich mit ihrer Freundin Jana hingeschlichen, die Mutter erlaubt es ja nicht und erzählt, sie probt mit ihrer Freundin für die Faschingsparty in der Schule auch einen Zarah Leander Auftritt. Paul bringt die Beiden heim und dann auch Paula, die sich ja vor einer Begegnung mit Kurt fürchtet.

Dabei treffen sie seinen Arbeitskollegen Stefan Slopetzky, der prompt „Ist das deine Freundin?“, den Singel fragt. Und das könnte das Bonmot sein, der Aufhänger und das, was alle fragen werden, Frau Huber, Dr. Scherzer, die Typen am Donaukanal, etcera.

Bei der Jause am Samstag bei Irene kommt ein Anruf von Paulas Mutter, Kurt liegt auf der Intensivstation.

„Willst du ihn nicht besuchen?“

Sie will eigentlich nicht, aber Paul bietet sich als Begleiter an, weil sie vielleicht nur so wirklich abschließen und später keine Schuldgefühle haben braucht.

Sie kommen dann von dort zurück, gehen zur Magaritas Faschingsparty, Dr. Scherzer fragt „Ist das ihr Freund, Fräulein Paula?“, er sagt fröhlich ja und sie fügt zu seiner Kondulation „Das macht mir nichts aus, Herr Doktor!“ hinzu und richtig, Elektrotechnik wird sie ab dem Sommersemester auch studieren.

So weit, so what und eigentlich sehr gut, nicht wahr? Hat nur einen kleinen Haken. Das Ganze wird, wenn es so bleibt, keine dreißigtausend Worte und etwa fünfzig Rohseiten haben, ein halber Nanowrimo also, für den ich für das Aufschreiben, an die zwei Wochen brauchte, wo bleibt der Vorsatz ein Jahr dafür zu brauchen, Frau Dr. Jancak?

Scheint wieder nicht zu gehen, weil ich vielleicht eine Kurze und Schnelle bin und natürlich ein wenig ausgeschrieben, aber es sind neue Wege und nicht sehr viel Abgelutschtes schon zig Mal Angeschriebens drinnen. Der offene Bücherschrank kommt zum Beispiel kein einziges Mal vor und es wird, glaube ich, auch kein Buchtitel erwähnt.

Bei der „Paula Nebel“, das habe ich vor ein paar Jahren schon geschrieben, ist es mir auch so ergangen. Fott dahin geschrieben, dann war ich nach fünfzig Seiten Rohtext fertig. Das fertige Buch hat vierundachtzig und  „Miranda Schutzengelchen“ hundertvier.

Das geht mir manchmal so, daß ich schnell fertig bin und daß es kürzere Geschichten oder Erzählungen werden.

Muß nicht schlecht sein und wenn ich mich so bei meinen vierzig Büchern umblicke, habe ich einige recht dünne und dann auch sehr dicke, wie die „Radiosonate“ oder „Das Literaturgeflüster-Texte-Buch“.

In die Krise werde ich also nicht stürzen, sondern die geplanten Szenen aufschreiben, dann das Ganze ordentlich korrigieren und auch noch etwas straffen, um beispielsweise die Beziehung der Beiden klar herauszuarbeiten.

„Ist das deine Freundin?“, als Schlüßelsatz, mehr braucht eigentlich nicht sein.

Bei den Namen werde ich auch noch etwas ändern und sie vielleicht klingender und sprechender machen, eine Irmi Engländer vielleicht, einen Dr. Wilfinger, zu dem geht Paula in Hormonbehandlung, Pauli wird in ihren Papieren stehen und Mag P. Billinger oder Pauli Billinger am Türschild und das „Fräulein Paula!“ ist  auch so eine Metapher, beziehungsweise tritt  Paul, als solche in der „Villa“ auf und singt Zarah Leander und Edith Piaf.

Die Krise könnte dann natürlich schon irgendwie wieder kommen, denn erstens ist es nicht gerade lustig, wenn ich mit dem Buch in einem Jahr oder so im „Literaturhaus“ stehe, es herzeigen will und keiner schaut es an und die Frage, was kommt danach?, wird sich auch wieder stellen und wenn ich so weiter mache, komme ich vielleicht wirklich in Jacqueline Vellguths Nähe, mit ihrem zwölf Bücher pro Jahr-Projekt, um damit berühmt zu werden.

Nun, ich werde das sicher nicht und mir wird wahrscheinlich auch nicht so viel einfallen, daß ich 2016 noch elf andere Projekte zusammen bringe, abgesehen davon, daß dann der Alfred durchdrehen würde, der jetzt schon die Nika mit der Sandra und der Selma durcheinanderbringt und „Schreib nicht so viel!“, stöhnt.

Denn da haben wir  am Freitag das Bild für die „Pensionsschockdepression-Promotion“ gemacht und am Samstag, die Vorschau „Für die „Ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen“, wird am Mittwoch, beziehungsweise Donnerstag im „Literaturgeflüster“ erscheinen und ich kann nur schreiben, daß ich ja wieder Ideen für Geschichten sammeln kann, vielleicht ein „Best of III“ herausgeben oder ein weiteres „Literaturgeflüsterbuch“.

Mal sehen, ich bin sehr gespannt und jetzt wartet sowieso noch sehr viel Arbeit auf mich, bevor ich den Rohtext, ganz egal, wieviel Seiten er  haben wird, meinen Probeleser übergeben kann.

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