Literaturgefluester

2020-02-07

Robin und Lark

Eine Neuerscheinung einer mir bisher unbekannten kanadischen Autorn, „Robin und Lark“, der 1972 in Montreal geborenen Alix Ohlin, die schon viele Preise gewonnen hat und das kreative Schreiben lehrt.

Bei „Robin und Lark“, geht es um ein Frauenleben oder auch, wie im Klappentext steht, um die Beziehung zweier ungleicher Schwestern, die von einer sehr jungen und wahrscheinlich überforderten gefühllos ambivalenten und sehr auf ihr eigenes Leben bezogenen, alleinerziehenden Mutter, ziemlich auf sich allein gestellt aufgewachsen sind und die irgendwie Vogelnamen bekommen haben. Lerche und Rotkehlchen und Lark die ältere, nimmt sich um die vier Jahre jüngere Robin an, erzieht sie mehr, als es die Mutter tut.

So kommen sie zu einem „Hexenhäuschen“, wo aber keine Hexe, sondern eine Klavierlehrerin lebt, die Robins großes Talent erkennt.

Lark, die Erzählerin fühlt sich dagegen von Filmen angesprochen, ist schon als vierjährige, wie sie schreibt allein in einem Kino gesessen und hat das Geld für die Karte der Mutter geklaut. Das erscheint mir ein wenig unglaubwürdig, mit der politischen Korrektheit geht es auch sehr locker zu, so wird offen geschrieben, daß die Mädchen klauen und ihre Freunde dealen und Lark bewirbt sich in einem College in Amerika. Sie hat sehr gute Noten, so bekommt sie ein Stipendium, muß aber trotzdem einige Jobs aufnehmen, so wird sie die Assistentin einer Filmlehrerin und Robin von der sie in dieser Zeit wenig hört, hat sie auch verlassen.

Die taucht aber bald in den USA auf, weil sie Schwierigkeiten mit einem der  Freunde ihrer Mutter hat. Lark kümmert sich um sie, sie ziehen zusammen in eine Wohnung, wo Lark schon während des Sommers gelebt hat, weil sie nicht nach Kanada zu der Mutter fahren wollte.

Sie verschafft ihr auch Klavierstunden und als sie das College hinter sich hat, wird Lark auf eine Filmhochschule in New York aufgenommen. Robin bekommt einen Freiplatz  an einer Nobelmusikuni, wo ihr Talent ein wenig heruntergebrochen wird.

Die schüchterne Lark, die kaum aus sich herausgeht, überwindet sich und spricht plötzlich einen berühmten Filmemacher, der auf die Uni kommt, an und wird später sowohl seine Geliebte, als auch seine Assistentin, während Robin auf Auslandstournee gehen soll.

Aus Schweden kommt dann eine Karte mit der Aufschrift „Such nicht nach mir!“

Die impulsive Unberechenbare hat die Tournee abgebrochen und bleibt für einige Jahre verschwunden. Später erzählt sie der Schwester, daß sie damals schwanger war, das Kind aber verloren hat. Sie bricht ihre Pianistenlaufbahn ab, jobt an verschiedenen Stellen und zieht sie schließlich in die Berge zurück, wo sie Wölfe und Klaviere rettet.

Lark verläßt, als sie Mitte dreißig ist, den Filmemacher, weil sie ein Kind  will, er aber schon eine Tochter hat, zieht nach New York , wird Cutterin und widmet sich fortan ihrem Kinderwunsch.

Was nicht so einfach ist, denn mit denDatingforen klappt es nicht so sehr, so probiert sie es mit der künstlichen Befruchtung, was mich ein wenig wundert, daß das in Amerika oder Kanada so leicht geht, die Schwester wird jedenfalls die Leihmutter und die eigene Mutter stirbt knapp sechzigjährig, bevor sie, weil dement geworden, in ein betreutes Wohnheim umziehen soll.

„Robin und Lark“ ist ein tief berührendes Werk. Ein poetischer Bericht über das Leben zweier Frauen, ihr Scheitern, ihre Hoffnungen und letztlich ihre Befreiuung“, steht am Buchrücken und ich bleibe ein wenig ambivanent zurück, denn einerseits ist es sicher ein berührendes Buch, dessen Sog eine mitreißen kann, andererseits ist aber auch eine Aufeinanderreihung der Episoden eines vielleicht ein wenig ausgeschmückten, prekären Frauenlebens und man könnte sagen, daß die für einen Roman doch so geforderte Plot und die Handlung fehlt.

2019-11-30

Jesolo

Nach dem die Bloggerdebutshortlist bekanntgegeben wurde, das zweite Buch der öst Debutliste, Tanja Raichs „Jesolo“ und ich habe die 1986  in Meran geborene ja als Herausgeberin der „K&S“-Literaturschiene kennengelernt.

„Jesolo“ ist bei „Blessing“ erschienen und hat eigentlich nicht viel mit dem italienischen Badeort zu tun oder doch vielleicht, denn dort verbringen Andi und Georg jeden Sommer ihren Urlaub und sie streiten sich im nullten Kaptel auch sehr viel dabei.

Überlegen eine Trennung, Andi tut das, Georg will eigentlich, daß sie bei ihm einzieht und hat auch schon längst Pläne für die Erweiterund des Hauses seiner Eltern geplant. Dann wird Andi schwanger und „Jesolo“ entpuppt sich als das zweite Buch über die Schwangerschaft, das ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Andrea Grill ist es in „Cherubino“ artizifieller angegangen, Tanja Raich ist realistischer und am Anfang erschien mir diese Andi, eine Grafikerin, auch als sehr gestört und ich habe mir gedacht, warum verläßt sie ihn nicht und warum treibt sie nicht ab?

Sie tut es nicht, sondern hält im ganzen Buch einen Dialog mit dem „Du“, dem Georg, der alles besser weiß, alles plant, etcetera.

Ratschläge tauchen auf: „Hör zu rauchen auf!“, „Eine Zigarette kann nicht schaden!“, „Du mußt zunehmen!“, „Du mußt für zwei essen!“, etcetera.

Die Schwiegermutter von der zuerst gesagt wird, daß sie sich nicht einmischschen wird und nie da ist, steht auf einmal in der Wohnung und fängt zu putzen und zu bügeln an und Andi träumt von ihrer Mutter, die sie verlassen hat, als sie zehn war. Den Kontakt zu ihrem Vater hat sie auch abgebrochen. Jetzt meldet er sich wieder und will neu anfangen. Schwangerschaftsuntersuchungen werden gemacht, der Platz im Graphikerbür geräumt, die Ultraschllbilder hergezeigt. Die Hebamme im Schwangerschaftsvorbereitung fragt nach den Gefühlen? Filme über die Geburt werden angesehen und am Ende sieht es dann „genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Ein interessantes Buch würde ich urteilen, leicht zu lesen, über die geschilderten Ambivalenzen läßt es sich nachdenken und die widersprüchigen Ratschläge hat wohl jeder, der einmal schwanger war, schon gehört.

Und ich war schon bei zwei Lesungen aus dem Buch,  bei „Rund um die Burg“ im April und dann bei der Debutpreislesung im Oktober.

2016-02-12

Zwei für immer

Nach dem „Datingbuch“ der Engländerin Laura Henderson geht es  weiter mit der englischen Literatur, in dem es irgendwie auch um Dates und Beziehungen geht, ein Buch aus dem Hause „Aufbau“, beziehungsweise „rütten & loening“, das auf dem ersten Blick, wie ein ChickLit wirkt.

Ist es aber nicht, der Autor, Andy Jones, Geburtsdatum wird im Klappentext keines angegeben, der mit seiner Frau und seinen Töchtern in London lebt und in einer Werbeagentur arbeitet, schreibt dort, „daß es ein Buch für Männer werden hätte sollen und ein Liebesroman herausgekommen ist.“

Ich würde es „Memoir“ nennen, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon autobiografisch ist, sind die Angaben, die man im Netz über Andy Jones findet, ja eher spärlich und es geht um eine Beziehung, beziehungsweise um eine Schwangerschaft.

So könnte man den Roman auch fast als Sachbuch darüber bezeichnen, es geht aber auch um mehr.

Da ist William, Fisher wird er in dem Buch genannt, Anfang dreißig und Regisseur von Werbefilmen über Klopapier und Käse und der verliebt sich in Ivy, schon Anfang vierzig, die am Set als Maskenbildnerin tätig ist.

So beginnt das Buch, daß die Beiden, die ersten zwei Wochen ihrer Beziehung im Bett beziehungsweise in einer ihrer Wohnungen verbringen, dann fahren sie zu Fishers Familie. Es gibt nur einen Vater und eine Schwester mit drei Kindern, zwei davon sind Zwillinge, die Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, als sie Fisher und seinen Freund El, als Jugendlichen vom Kino abholen wollte.

Nachdem Fisher, Ivy, die viele Narben hat, weil sie als Kind durch einen Glastisch gefallen ist, der Familie vorstellte, kommt es zur ersten Krise, Ivy verschwindet, Fisher glaubt, sie will mit ihm Schluß machen, dann bestellt sie ihm in ein Cafe und verrät ihm, daß sie schwanger ist.

Schon schwanger und die Beiden kennen sich  noch kaum. Wie kann das gehen?

Es geht auch nicht ganz so gut, obwohl sie zusammen ziehen, denn wenn man sich nicht kennt, kommt es zu Mißverständnissen. Kauft sie doch keine Vollmilch, läßt die Klotür immer offen und er versucht ihr zweimal sein Lieblingsgericht zu kochen und beide Male landet es im Müll.

Er wird auch ihrer Familie vorgestellt und der Bruder Frank, der sich scheiden lassen will, was die Eltern nicht wissen dürfen, zieht in Ivys Wohnung ein und stört das Paar, denn das Zimmer in dem er schläft, soll das Kinderzimmer werden und nach dem ersten Ultraschall stellt sich auch noch heraus, es werden Zwillinge.

Es gibt aber noch andere Komplikationen, so hat Fisher einen Freund, der im Sterben liegt und dessen Lebenspartner schon eine andere Beziehung hat und es taucht auch eine Suzy aauf, für die Fisher einen anspruchsvolleren Film drehen soll.

Die Schwangerschaft geht weiter und, wie eine solche passiert, wird in dem Buch  genau beschrieben und einige der vierzig Kapitel, bestehen nur aus ein paar Gemüse- und Früchtenamen“.

„Pfirsich, Zitrone, Apfel, Avocado, Zwiebel,Süßkartoffel“, beispielsweise und „Süßkartoffel“ ist die Größe, die ein Baby in der achtzehnten Woche hat.

Zu Weihnachten gibt es eine Krise, die Beiden wachsen aber zusammen, gehen zur Geburtsvorbereitung, besorgen zwei Babybettchen, zwei Körbchen, etcetera und richten das Kinderzimmer ein, nachdem Frank doch ausgezogen ist.

Sie suchen auch nach Namen für die Kinder und dann hört das eine mit dem Bewegen auf.

Die Kinder werden geboren. Baby Dan ist eine „stille“ Geburt, trotzdem hält ihn Ivy ein paar Tage in der Hand, bis das namenlose Baby oder Baby D auf der Intensivstation liegt, dann geht es nach Hause und Baby D hat sechsunddreiißig Tage keinen Namen. In England ist das offenbar vierzig Tage möglich. Ob das bei uns auch so ist?

Es geht aber alles gut aus, Baby D bekommt den Namen seines toten Bruder, die Familie zieht in ein größeres Haus  und geheiratet wird wahrscheinlich auch.

Ein interessantes Buch, ein bißchen ungewöhnlich und gar nicht so einfach hineinzukommen, bis man merkt, daß man schon drin und von der Thematik gefangen ist.

Ich habe vor kurzen ein anderes Buch über Mutterschaft gelesen.

Dieses wurde von einem Mann geschrieben und es vereinigt wahrscheinlich vieles in einem. Sachbuch, Erlebnisbericht, Liebesroman, um Sterbehilfe geht es auch, etcetera.

Es wird geheiratet und gesoffen, geliebt und gestritten und das rote weiße Cover, das ich ein wenig kitschig finde, verrät auch, daß sich da zwei oder drei für ein Leben gefunden haben, das der Beziehungsaufbau nicht ganz einfach ist, aber trotz Katastrophen und Schicksalschläge gelingen kann.

 

Bloggen auf WordPress.com.