Literaturgefluester

2021-07-27

Aberleben

Filed under: Bücher — jancak @ 11:14
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Wieder eine Neuerschenung und ein Buch, das sowohl auf der deutschen, als auch auf der Schweizer Buchpreisliste stehen könnte,

„Aberleben“, des 1934 in Zollikon geborenen Adolf Muschg, von dem ich „Heimkehr nach Fukuschima“ gelesen habe und ich muß sagen, es ist wieder ein sehr kompliziertes Buch, eine Altherrenphantasie könnte man munken, den die alten Herren schreiben offenbar öfter und lieber über sich selbst, als die Frauen oder haben Protagonisten, die vor oder nach dem siebzigjährigen Geburtstag vor ihren Krembsdiagnosen und ihren Frauen fliehen und ein neues Leben oder Liebe finden.

Philip Roth und Martin Walser sind Meister darin, Adolf Muschg ebenso, aber der geht nicht nur in die Vergangenheit, beispielsweise ins Mittelalter oder zu Schillers Urururenkel zurück, sondern nach vorn und bindet, wie Ulrich Woelk, die Genderdebatte aber auch, hört her das Corona-Virus ein.

„Und wasdasVirus betrifft, fuhr Wohllebe fort, Epidemien hat es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben. Und wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder gegangen. Leider hat man dafür erst mal Sündenböcke gebraucht. Damals waren es die Juden, heute der Kapitalismus. Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis das passende Gegenmittel gefunden ist. Das Gewinnstreben, das Sie geißeln, wird für Tempo sorgen. Und dann ist der Impfstoff eine Goldmiene.“

Das steht auf Seite 349. Also zurück zum Anfang. Der Held ist ein PeterAlbisser, offenbar Held früherer Muschgs Romane. Der ist siebzg und verläßt Zürich und seine Frau Henny, um seiner Krebstherapie zu entfliehen und geht nach Berlin,wo er an einer Sitzung der Akademie der Wissenschaften teilnehmen will. In seiner Jackentasche findet er eine Einladung im Osten eine Weihnachtspredigt zu halten und sich dort in einer Mühle in Aberleben einzuquartieren. Vorerst quartiert er sich aber im Gästetrakt der Akademie ein und triff eine Judith, das ist eine Filmemacherin, die er einmal zur Präsidentin derAkademie vorgeschlagen hat, wieder.

Später quartiert er sich in einem seltsamen Haus, das einer seltsamen Adeligen gehört, ein, der Hausmeister ist der schon erwähnte Schiller Urururenkel und redet alle in der dritten Person an. Welch Gelehrigkeit könnte man sagen, das typische Buch für die Mittelschicht-Muschg-Vereherin. Einen Vortrag über das ewige Leben eben hat es vorher auch schon gegeben und Albisser wollte eigentlich einen seiner früheren Romane umschreiben und die krebskranke Ruth darin wieder erleben. Die trifft er dann später in Marokko bei einer Theateraufführung, denn die Filmmacherin Judith ist dortin gegangen, um „Amphitryon“ neu zu inszenieren und da auch Männer Frauen spielen zu lassen und umgekehrt.

Aber vorher reist Albisser ja noch in die Ex-DDr zu seiner Weihnachtspredigt. Da hat er eine merkwürdige Begegnung mit einem altem Ritterfräulein oder Schloßgespenst, denn das gehört einem Verein an, der eine alten Burg renovierten, die ihnen jetzt an einen Investor wegverkauft wurde. Dieser Investor taucht immer wieder auf. Vorher war er in Berlin bei dem Vortrag, nachher in Marokko.

In der Mühle, die später abbrennt, erfährt Albisser, daß er Großvater geworden ist, seine Frau Henny taucht auch auf und spielt in Marokko beim Theater mit denn Albisser sagt den Vortrag ab und begibt sich zu der Aufführung. Dort begegnet er nicht nur Judith und seiner Tochter, von der vorher nichts wußte, sondern sogar seiner Romanfigur, die plötzlich zum Leben erwacht ist.

Sehr kompliziert? Absolut und ein Sprühregen von Einfällen, die der Dichter, der ja hübsch älter, als sein Protagonist ist, auf seine Leser niedermäßt und ich muß wieder schreiben, daß ich vieles nicht verstanden, beziehungsweise überlesen habe und wenn mich wer fragt, was das Neue an dem Roman ist-?

Die vielen Einfälle und der sprunghafte Wechsel vom Mittelalter, Schiller, der Holocaust und die Juden kommen auch noch vor, zu der Genderdebatte und dem Virus, denn einer stirbt bei der Aufführung daran. Das habe ich noch zu erwähnen vergessen. Das ist alles sehr gelehrt und kompliziert, aber mir würde wieder mal der strigente Handlungsfasen fehlen und schreibe daher, da passiert wieder so viel, daß man zehn Romane darüber schreiben könnte. Das ist mir auch chon mal vorgeworfen worden, ich weiß und die Idee mit den Romanfiguren, die plötzlich zum Leben geraten oder den umgeschriebenen Büchern, ist ja auch etwas was mir gefällt, aber hier denke ich, sehr kompliziert, daher unrealistich, aber eine sehr schöne Sprache und viel Gelehrsamkeit und jetzt bin ich gespannt, ob Adolf Muschg, wenn schon nicht den deutschen Buchpreis, den Schweizer gewinnt?

2021-06-30

Lichtschaden.Zement

Filed under: Bücher — jancak @ 00:35
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Von Amerika komme ich jetzt in die Schweiz und zu einen „philosophischen Liebeskrimi und intellektuellen Liebesroman der 1959 in Giessen geborenen und seit 1980 am Genfersee lebenden Literaturwissenschaftlerin Sabine Haupt.

Das klingt interessant und ist auch genereübergreifend. Die Probleme der Welt umfassend wird da die Lebesgeschichte zwischen der Hotelmanagerin Hella und dem ehemaligen Priester Raffaele, der nach Panikattacken, als Verwalter in einer Zementfabrik arbeitet, beschrieben. Zement ist auch das treibende Thema, um das sich in dem sehr schön gestalteten Buch, das im Verlag „die brotsuppe“, erschienen ist, wo die beiden Protagonisten kapitelübergreifend ihre Geschicthe erzählen,alles dreht.

Es geht auch in die Vergangenheit zurück und in die Zukunft, beziehungsweise in die Gegenwart, wo die Zementmafia in Europa eine Mauer bauen will, um die Flüchtlinge nicht ins Land zu lassen und ins Mühlviertel ins Lager Gusen, wo Hitler offenbar auch ein Zementwerk aufbauen wollte und Raffaeles Vater dort traumatisert wurde. So schreit er nächtens auf, was nicht nur Raffaele, sondern auch dessen Bruder Angelo sehr irritiert. Der erleidet eine Psychose, hält sich für einen Dämon und wird in der Psychiatrie interniert, wo er am Ende des Buches auszubrechen versucht. Hella will dagegen im SPA-Bereich ihres Hotels eine Zementtherapie einführen, vor allem, um Raffaeles Verknöcherungen, er leidet an Rückenproblemen, zu heilen.

Klingt ganz schön kompliziert und ist es auch. Sehr genau und sorgsam ausgearbeitet und wahrscheinlich auch gut recherchiert, auch wenn vermutlich viel zu viel in die dreihundert Seiten hineingepackt wurde, wo man wahrscheinlich zehn Romane schreiben hätte können.

Es geht auch, um die Frage nach der unsterblichne Seele, an die die pragmatische Hella nicht glaubt und den nicht so philosophisch orientierten Leser werden vielleicht die Handlung und die Spannung fehlen, obwohl es die natürlich gibt. Vor allem am Schluß werden die Protagonisten durch einen unterirdischen Stollen getrieben, geraten der Mafia in die Hände und ich habe wiedermal erfahren, wie vielseitig die Gegenwartsliteratur ist und wieviel sie, den über den Tellerrand schauenden Leser bieten kann.

2021-05-23

Eurotrash

Jetzt kommt das vierte Buch der Belletristikliste des „Leipziger Buchpreises“ und ich muß sagen, diese Auswahl ist sehr interessant, äußerst unterschiedlich und zeigt, da würde ich die Frau Mayröcker, die ich nicht gelesen habe, ausnehmen, die Grenzen des Schreibens auf und Christian Krachts „Eurotrash“ kann man irgendwie und irgendwie auch nicht als Pendant zu Helga Schuberts Lebensgeschichtenband vom „Aufstehen“ sehen.

Ähnlich oder nicht, den Erstens ist der 1966 in der Schweiz geborene Christian Kracht sechsundzwanzig Jahre Jünger, als die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert und dann gilt der Schweizer Buchpreisträger von 2016, glaube ich, als Skandalautor.

Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm. Habe aber sowohl sein „1979“ als auch „Die Toten“ in den Harlander Regalen stehen und habe die Bücher wohl bei den „Thalia-Abverkäufen“ erworben und wie bei Helga Schubert geht es um etwas Persönliches, um die Reise in sein Leben, heißt der Protagonist doch Christian Kracht und hat auch einen Roman namens „Faserland“geschrieben. Es geht auch um die NS- Vergangenheit seiner Familie. Der Unterschied ist wohl, daß Helga Schubert versuchte ihr Leben ernsthaft und künstlerisch aufzuarbeiten, während der Popliterat wohl wieder versucht seine Leser auf die Schaufel zu nehmen, an der Nase herumzuführen ode reinen Skandal auszulösen.

Muß man das wirklich tun, um aufzufallen oder für einen Buchpreis nominiert zu werden und was wäre, wenn ich das versuchen würde?

Bestseller steht wohl irgendwo über dem Buch und am Buchrückchen hat Peter Handke „Christian Kracht ist ein ganz schlauer Bursch“ schreiben lassen, was mich ein wenig wundert, daß er das so sieht und Daniel Kehlmann hat geschrieben: „ChristianKracht ist ein Meister der wohlgebauten Sätze, hinter deren Eleganz sich das Grauen verbrigt. Seine Romane handeln von Deutschland, von Gespenstern, von Krieg von Wahn und allen erdenklichen Schrecken, aber sie sind auch voll melancholischer Komik, und sie verbergen allesamt ein Geheimnis, dem man nie ganz auf den Grund kommt.“, das würdeich nicht so empfinden. Es wundert mich aber weniger, kommt Daniel Kehlmann in dem Buch doch vor, das heißt, der Held wird ein paarmal mit ihm verwechselt und er widerspricht nicht.

Das habe ich am Mondseeauch einmal erlebt, daß Gerhard Rühm dort von einen Passanten gefragt wurde, wer er sei und der, glaube ich, H.C. Artmann antwortete.

Aber das war ein GAV-Treffen, obwohl literarisch geht es in dem Buch auch hoch her, wohl der Versuch Christian Krachts seine literarische Bildung zu beweisen, trotzdem würde ich das Buch vor dem der Iris Hanika reihen, liest es sich doch leichter, dieses Roadmovie, wo ein Christian Kracht nach Zürich reist, um seine Mutter zu besuchen. Die ist über achtzig, lebt von Wodka und Psychopharmaka, war vor kurzem auch in der Psychiatrie in Winterthur und klagt über ihre Haushälterin, die sie ständig bestehelen würde. Vorher hat er über seine Familie, die autobiografische Züge trägt, resommiert, aber sehr reich und sehr furchtbar war und in NS- Greuel verwickelt und mit Axel Springer und anderen Berühmtheiten verbandelt. Diese Stellen erinnern ein bißchen an Thomas Bernhard und sein Geschimpfe.

Dann wird es aber zum Roadmovie, denn Kracht packt seine Mutter, die zieht sich ein gelbes Chanel oder anderes Kostüm an und macht sich mit ihr aufdie Reise. Vorher halten sie bei einer Bank in der Bahnhofstraße und heben sechshunderttausend Franken ab, packen sie in ein Plastiksackerl und setzen sich mit dem Vorsatz das Geld zu verschenken in ein Taxis. Die Mutter glaubt, er würde sie in ein Hotel bringen. Er hat aber vorher einen Öko-Pullover gekauft und dabei einen Prospekt zugesteckt bekommen, der auf eine Kommune hinweist. Sie fahren mit dem Taxi dorthin und geben dem Fahrer zweitausend Franken. In der Nacht werden sie, weil sie mitdem Geld geprahlt haben, fast überfallen. Sie hauen am nächsten Morgen ab.

Vorher kommt eine eigentlich spannende Szene. Weil die Mutter hat noch einen künstlichen Darmausgang und kann sich ihre Stomabeutel nicht selber wechseln, so daß der Sohn, dem dabei graust, helfen muß. Am nächsten Tag kommen sie zu einem kleinen Flughafen und wollen nach Basel fliegen, da werden sie auch fast um ihr Geld betrogen. Zum Glück taucht aber der Taxifahrer wieder auf und rettet sie. Dann will die Mutter auf einen Gletscher um dort die Edelweiße zu sehen. Sie treffen auf der Hütte aber nur auf drei alte Inderinnen, denen sie auch ihr Geld schenken wollen, das dann durch den Wind verweht wird. Sie bleiben noch in der Gondel stecken, dann will die Mutter nach Afrika, um dort ihr Geld zu verschenken. Der Sohn bringt sie aber in die Psychiatrie nach Winterthur und verabschiedet sich von ihr.

Tut mir leid so toll kann ich diesen „Trash“ nicht finden. Auch wenn es zugegeben, leicht und spannend geschriebend ist und noch eine Stelle hat, die ich zitieren will:

„Aber du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an, an wie heißt der an, Knausgard oder an Houllebecq oder an Ransmayr oder Kehlmann oder an Sebald„, sagt die Mutter zum Sohn während sie zu den Edelweißfeldern fahren.

Die Frage warum das Buch „Euro- und nicht Frankentrash“ heißt, da es doch um diese geht, die ein „Amazon-Rezensent“ stellt, kann ich mir auch nicht beantworten.

2020-10-04

Goldene Jahre

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:30
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Jetzt gehts schon zu Buch elf der deutschen Longliste, die hundert Seiten lange Erzählung, Roman würde ich es wieder nicht wenden, des 1978 in Graubünden geborenen Arno Camenisch, der auf Deutsch und in Rätoromanisch schreibt,die bei „Engeler“ erschienen ist und die mir wieder, ähnlich wie die „Mission Pflaumenbaum“ gut gefallen hat.

Denn irgendwie sind sich die Bücher ähnlich, um Vergleich zu ziehen, damit meine Leser nicht glauben, daß ich die Bücher nicht gelesen habe, über die ichschreibe, bei beiden ist das kleine Stille gleich.

Wonneberger hat mehr Handlung und wahrscheinlich die größere Vergangenheit, geht es da ja um einen Kiosk, der in dem Graubündner Dorf steht, in der der kleine Arno Camenisch in die Schule gegangen ist und sich wohl auch hie und da die „Zückerli“ aus dem Glas fischte oder sich seine Fußballpickerln kaufte.

Der Kisok, den es seit 1969 gibt und der durch seine Leuchtreklame über das ganze Tal leuchtet wird von Rosa-Maria und Margrit, zwei Schwestern glaube ich, obwohl das nicht so genau beschrieben wird, beide um die siebzig, betrieben wird und die stehen am Morgen auf, fahren mit ihrem Trolley zur Post holen dort beim „liebesblöden“ Otto die Zeitungen ab, räumen sie in ihren Kiosk, wischen die Zapfsäule ab und sitzen dann wohl auf dem Bänkli und resumieren über ihr Leben und das, was sie, die beiden Frauen in dem wahrscheinlich recht wohlhabenden Schweizer Dorf in den letzten fünzig Jahren so erlebt haben.

Und das ist es, was mir gefällt und was mich wieder, wahrscheinlich ein wenig unreflektiert und nicht so ganz und klar literaturwissenschaftlich, habe ich es ja in der Knödelakademie bei der Frau Prof Friedl vor nun auch schon fast fünfzig Jahren so gelernt, an Adalbert Stifters „Bunte Steine“ erinnert „Nicht das Große das Kleine macht es schön!“ und so habe ich das kleine grüne Büchlein auf einen Sitz hinuntergelesen, bedauere ein wenig daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist, obwohl mich das nicht wirklich wundert und bin wieder froh, einen mir bisher unbekannten Autor kennengelernt zu haben, der zwar auch nicht auf der Schweizer Liste steht, in meinem Gedächnis hängen geblieben ist.

2020-04-06

Murmeljagd

Filed under: Bücher — jancak @ 00:14
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Meine Ulrich Becher-Geschichte könnte meinen Lesern ja bekannt sein. Da bin ich einmal in den Neunzigerjahren, als wir noch in der Gumpendorferstraße wohnte, an der städtischen Büchereifiliale, die es glaube ich, nicht mehr gibt, vorbei gegangen, beziehungsweise vor der Schachtel der von dort ausrangierten Büchern stehengeblieben, denn damals war ich ja mitten in meiner Gratisphase und habe zwei Bücher von einem Ulrich Becher  „Kurz nach 4“ und „Und Nachtigall will zum Vater fliegen“ entdeckt und mitgenommen.

Auch angelesen aber bald damit aufgehört, denn wer bitte ist Ulrich Becher, den Johannes R. Becher kannte ich, ja und habe, glaube ich, die Kerstin Hensel auch einmal in dem Haus in der Berliner Linienstraße besucht, wo er angeblich ein Bordell besucht haben soll, aber der Ulrich?

Internet, wo man nachgooglen hätte können, gab es oder hatte ich noch keines und auch kein Literaturlexikon und der expressionistische Stil in dem die Bücher geschrieben waren, war auch nicht so meines.

2005 sind wir zu Utes Geburtstag einmal außer Buchmessezeiten nach Leipzig gefahren, in der Stadt spazierengegangen und dort beim „Hugendubel“ in einen „Aufbau-Taschenbuchabverkauf“ hineingekommen, da war. Darunter war ein Büchlein mit Briefen die der Verlag an Ulrich Becher, die sich auf sein „Kurz nach vier“ bezogen haben, waren dabei, das hat mich dann wahrscheinlich dazu animiert, das Buch 2010 doch zu lesen. Etwas später hat dann der „Arco-Verleger“, der das Buch neu herausgegeben wollte, meinen Blogartikel gelesen, die Briefe haben wollen und mir dann auf einer „Buch-Wien“, die Neuausgabe geschenkt, worüber ich sehr dankbar war.

Nicht, daß ich das Buch nochmals gelesen habe, das geht nicht bei meinen Bücherbergen, aber da waren endlich mal biographische Angaben drin, was ich bei den gefundenen Büchern leider vermißte.

Ich wußte damals aber schon, daß der 1910 in Berlin geborene und 1990 in der Schweiz verstorbene, der dazwischen auch in Wien gelebt hat, auch den „Bockerer“ geschrieben hat, den ich ja einmal im Volkstheater und später natürlich im Kino gesehen habe.

Den „Nachtigallenzyklus“ habe ich inzwischen auch gelesen und das Buch das Konstantin Kaiser über Becher hinausgegeben hat und 1910 als der Ulrich hundert wurde hat der „Schöffling-Verlag“ die „Murmeljagd“, die 1969 erstmals erschienen ist, nochmals herausgegeben, da hatte ich es wohl noch nicht so mit den Rezensionsexemplaren, jetzt ist die fünfte Auflage erscheinen und damit gleichzeitig, die „New Yorker Novellen“, die habe ich dann gleich mitbestellt, bin aber schon beim Auspacken daraufgekommen, das ist der „Nachtigallenzyklus“ minus einer Geschichte.

Es kamen also beide, der damals gefundenen Bücher inzwischen neu zu mir und ich muß sagen, ich war ein wenig ratlos bei dem über siebenhundert Seiten Buch, auf dessen Titel das Riesenrad prangt und wahrscheinlich nicht so begeistert, wie Eva Menasse, die das Nachwort schrieb.

Nun ja, ich bin ja eher eine realistische Autorin, wie ich immer schreibe, obwohl mich die Vor-Zwischen und Nachkriegszeit ja sehr interessiert, aber Ulrich Becher macht es seinen Lesern nicht sehr leicht, springt er doch von hinten nach vorn und wieder zurück. Kommt vom Hundertsten ins Tausendste, verwendet Dialekte, fremde Sprachen, literarische Anspielungen und wahrscheinlich noch viel viel mehr.

Aber in dem Versuch, das Ganze zusammenzufassen, spoilern ist hier wohl ohnehin kaum möglich. Da gibt es Albert Trebla, man beachte, daß der Nachname ein Anagram des Vornamens, auch etwas typisch Becherisches wahrscheinlich.

Der war im ersten Weltkrieg Soldat oder Offizier, wurde verwundet, war dann in Graz Sozialdemokrat und beim Februaraufstand aktiv, Journalist war er ebenfalls und, ich glaube, auch Jurist, wie sein Autor.

Als nach Österreich, die Nazis kamen, mußte er mit seiner Frau in die Schweiz fliehen, das heißt, er tat es mit den Schiern über die Grenze, die Frau Xane mit Freunden im Zug erster Klasse, sein Paß ist abgelaufen und jetzt sitzt er mit seiner Frau in zwei Zimmern in Engadin, wird vom Heuschnupfen geplagt, nimmt dagegen Tabletten und wird von Wahnvorstellungen oder auch von den Geschehnissen, um ihn herum, man schreibt das Jahr 1938, geplagt.

Man weiß das nicht so genau und bekommt das auch beim Lesen nicht so ganz mit, denn Becher hüpft ja, wie schon erwähnt, wirr herum im Zeitgescheheh und macht es seinen Lesern nicht leicht.

Sein bester Freund, ein Grazer Armenarzt, ist in Dachau oder auf dem Weg dorthin, umgekommen, da ihn zwei Nazibuben ein Messer in die Stirn stecken und der sich das Herausziehen verbat, weil er wußte, daß er das nicht überleben würde und sein Schweigenvater, ein Zirkusclown genannt Rosenvater, eine Anspielung auf Bechers Schwiegervater Roda Roda lehrt uns Eva Menasse, kommt auch im KZ auf höchst skurile Art um, die ich hier nicht spoiliern will, um ein etwaiges Lesevergnügen nicht zu zerstören und Trebla bemüht sich im ganzen Buch, das seiner Frau zu verschweigen, beziehungsweise weiß er nicht, wie er ihr das beibringen soll?

Er fühlt sich auch von zwei blassen blonden Burschen verfolgt, weiß nicht, sind das harmlose Murmeltierjäger, deshalb der Name des Buches oder wurden sie von seinem ehemaligen Kriegskameraden und jetztigen Gestapomann Laimgruber auf seine Spur gesetzt und so hetzen wir durch die siebenhundert Seiten, wo all das und noch viel mehr passiert.

Lesen würde ich empfehlen, in Zeiten, wie diesen die ja auch höchst verwirrend  sind, ist es vielleicht hilfreich sich auf Ulrich Bechers „Murmeljagd“ einzulassen und vielleicht einen, wie Eva Menasse in ihren Nachwort schreibt, leider zu Unrecht vergessenen Autor zu entdecken.

Nun mir war er bekannt und meine Blogleser können sich auch gern in meine Becher-Geschichte einlesen und sie weitergeben.

2020-02-17

Chaya

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Nun kommt ein Debut von 2017 das es nicht auf die Bloggerdebut-Shortlist geschafft hat und das mir der Alfi bei „Literatur und Wein“ in Göttwein kaufte, das wahrscheinlich könnte man Memoir sagen, obwohl es sehr verdichtet ist, der 1964 in Teheran geborenen Kathy  Zarnegin, von dem ich jetzt gar nicht sagen kann, was mich an dem Buch so sehr interessierte, daß es mir kaufen ließ.

Das es die verdichtete Lebensgeschichte der Autorin ist, die mit vierzehn Jahren in die Schweiz gekommen ist und dort als Lyrikerin lebt, habe ich, glaube ich, gar nicht mitbekommen und das Ganze wahrscheinlich für einen interessanten Roman gehalten, es ist aber wirklich ein interessantes Buch, das manchen Islamhasser und Verfechter der großen oder kleinen Austauschtheorie sehr zu empfehlen ist.

Dabei stammt Chaya, ob sie das Alter Ego ihrer Autorin ist, ist aus dem Text nicht so genau herauszubekommen, aus einer jüdischen Familie. Der Vater hatte aber zwei Frauen, die ältere hatte von ihm sechs Kinder, die jüngere, Chayas Mutter, drei, Chaya und ihre zwei jüngeren Schwestern und die war eine Zeitlang Krankenschwester, bevor sie den Vater kennenlernte und mit ihm auf Europareise gegangen ist.

Die Jugend Chayas war sehr unbeschwert, die Eltern offenbar Freigeister, so gab es eine nicht verheiratete Nachbarin, mit der und deren Liebhaber, die Eltern philosophische Gespräche führten und die Kinder waren selbstverständlich dabei, bis sie am Boden eingeschlafen sind.

Weil Englisch als die Weltsprache galt, obwohl die Eltern es nicht sprachen, wurde Chaya auf eine englischsprachige Privatschule geschickt, obwohl oft das Geld nicht da war, die Schulgebühr zu bezahlen.

Der Vater war oft auf Reisen und brachte dann schöne Geschenke mit, später lernte Chaya auch Italienisch und wurde, als in Teheran die politischen Unruhen begannen und ihre Schule geschlossen wurde, von den Elten zu Verwandten in die Schweiz geschickt.

Sie kam nie mehr oder nur auf Besuch nach Teheran zurück, lernte Deutsch und begann bald ihre Gedichte in dieser Sprache zu schreiben, studierte Philosophie, statt wie von den Eltern gewünscht, Medizin und gründete sehr bald eine Gedichtagentur, das heißt, sie druckte Gedichte auf Poster und wenn man die kaufte, konnte man das Copyriht dazu erwerben und hatte das Gedicht sozusagen, wie einen Miro für sich.

Nebenbei ging sie putzen und jobbte in einer Sprachschule, bis sie mit ihrer Agentur erfolgreich wurde und sich die Redaktionen und Fernsehanstalten um sie rissen und im ihre Freunde und Liebhaber, David und Eric, mit denen sie mehr oder weniger tiefsinnige Gesrpäche führt, geht es auch.

Im <klappentext steht noch etwas, daß das Mädchen aus dem Orient Europa staunend erobert, wie einst Zazie in der Metro, so habe ich das Buch nicht empfunden, obwohl ich das Vorbild nicht gelesen habe.

Es sind eher sehr poetische Detailstücke in denen das Ganze aufgegliedert ist, so wie etwa die Geschichte, in der sie in ein Geschäft geht und von dem geschwätzigen Verkäufer  einen Anorak aufgezwängt bekommt, in dem sie aussieht wie ein „unter adipositas leidender Kanarienvogel“, was ich für eine sehr schöne Formulierung halte oder die von der Sekretärin in der Sprachschule, in der sie arbeitet, deren Besitzer, interessanterweise auch zwei Frauen hat.

Aber das ist wohl nur ein Detail am Rande in dem sehr poetischen und interessanten Buch.

2019-12-21

Unhaltbare Zustände

Nun geht es in die Schweiz zum Schweizer Lesen und zu Buch drei des „Schweizer Buchpreises“ nämlich Alain Claude Sulzers „Unhaltbare Zustände“ der schon 2012 mit „Aus den Fugen“ auf der Schweizer Liste gestanden ist, das Buch habe ich im Sommer in Locarno gelesen, das neue habe ich nach Basel mitgenommen, bin aber neben der „Buch-Basel“ und dem siebenten „Nanowrimo“ und der Stadtbesiichtigung nicht zum Lesen gekommen und nun habe ich das Buch gelesen, das ein sehr langsames altmodisches ist und das mich mehr beeidruckt hat, als das von dem Künstler der plötzlich den Konzertsaal mitten im Spiel verläßt, obwohl es wahrscheinlich, um einen ähnlichen tragischen Ausnahmezustand geht und der 1953 Geborene, den ich auch bei der Lesung im Volkshaus Basel hörte, wohl ein Meister darin ist.

Ein sehr langsames und altmodisches Buch, das im jahr 1968, wo sich alles änderte und das neue Leben in die Schweiz und da wohl in die Stadt Bern mit dem Bärengraben eintritt und auf dem Münster die Vietcongfahne gehießt wird, spielt und da von einem älteren wohl sechzigjährigen Schaufensterdekorateur handelt, der im „Quatre Saisons“ schon seit Jahrzehnten für die Gestaltung der Schaufenster zuständig ist.

Ein etwas altmodischer Herr, unverheiratet, der bis zu ihrem Tod bei seiner Mutter lebte, ein wenig schrullig wohl, wie ihn Sulzer, der ja auch schon über sechzig ist, sehr gekonnt, aber wohl auch sehr klischeehaft schildert.

Nun holt ihm die neue Zeit, die er nicht mehr versteht ein und er wird durch einen neuen Schausfensterdekorateuer ersetzt, der lebende Figuren, sprich Schauspielschüler in die Schaufenster setzt und Robert Stettler bleibt über und zerbricht daran, gibt es ja auch keine Frauen in seinem Leben, die Mutter ist tot, sondern nur eine Liebe oder Schwärmerei zu einer Rundfunkpianistin namens Lotte Zerbst, wohl auch schon eine ältere Dame. Ihr schreibt er Briefe und fängt auch Bier zu trinken an und sie, die in ihrer Jugend von ihrem russischen Klavierlehrer mißbraucht wurde, wäre wohl auch nicht abgeneigt, ihn zu treffen.

Allein der Zufall spielt dagegen, das geplante Schostakowitsch-Konzert, das sie in seiner Stadt geben soll, wird wegen dem Einmarsch in die CSSR abgesagt und als sie dann doch kommt, um Chopin zu spielen, findet sie seine Adresse nicht und er hat da schon längst seinen Abgang, sprich letzten großen Coup geplant.

Das ist wieder etwas dramatisch und ich würde das wohl eher banaler schildern, aber Stetter, der seinem Widersacher vorher verfolgte und auch einen Denuziationsbrief an die Geschäftsleitung schrieb, als er ihn mit ein paar jungen Leuten aus seiner Wohnung gehen sah, auch das ist vielleicht ein bißchen dick aufgetragen, reagiert am Ende viel moderner, als der strahlendene Konkurrent, als er sich nämlich nackt in in das Schaufenster setzt und dadurch einen wahren Auflauf erregt.

Blöd ist nur, daß er damit wahrscheinlich nicht nur in die „Irrenanstalt“ kommt, sondern, daß Lotte Zerbst auch an dem Schaufenster vorbei geht und entsetzt über den „armen Irren“ ist, wie sie ihm später in einem Brief mitteilt.

Einen Prolog und einen Epilog, gibt es auch und ich habe ein spannendes Buch gelesen und bin wieder ein Stück weiter in die Schweizer Literatur  eingedrungen und habe vielleicht auch von Alain Claude Sulzer, den ich, wenn ich mich nicht irre, 1996 kennenlernte, als ich da einmal nach Klagenfurt zum „Bachmannpreis“ als Zuschauerin gefahren bin, etwas mehr erfahren.

2019-08-16

Luxusurlaub in Locarno

Camping Delta

Camping Delta

Piazza Grande

Piazza Grande

In den letzten zwei Jahren sind wir ja in der Schweiz gewesen, im Vorjahr haben wir unseren Urlaub in Genf, Bern und Zürich verbracht, 2017 sind wir zu Ruths siebzigsten Geburtstag mit ihr um den Bodensee geradelt und haben dabei auch öfter die Schweizer Grenze passiert und vor cirka fünfundzwanzig Jahren sind wir im Tessin gewesen und dabei zufällig zum Locarner Filmfestivial zurechtgekommen, daß es jetzt schon zweiundsiebzig Jahre gibt.

Den Film „Jamie und der Riesenpfirsich“ oder so haben wir gesehen und das hat den Alfred offenbar so beeindruckt, daß wir heuer unseren gesamten Urlaub in Locarno verbracht haben, dort auf dem Campingplatz unser Zelt aufstellten und uns einen Seniorenpaß für die Grand Piazza kauften, so daß wir uns jeden Abend dort ein oder zwei Filme anschauen konnten.

Vom siebten bis siebzehnten August dauert das Festival. Wir sind am ersten August am Nachmittag losgefahren, meine Büchertasche war gepackt, ich habe auch schon einen Artikel über die Schweizer Bücher geschrieben, die ich mir dorthin mitgenommen habe und so sind wir, während ich Thomas Meyers „Wolkenbruch“ zu lesen angefangen habe, bis zum Dreiländereck gefahren, haben dort in dem Hotel übernachtet und am nächsten Tag weiter über Italien bis nach Locarno gefahren und die Schweiz ist sehr schön und sehr teuer, aber für einen Urlaub oder Sommerfrische ist, glaube ich, gerade das Tessin sehr gut geeignet, kann man dort doch, was wir auch machten, die Pässe hochfahren und die kleinen Dörfer mit den alten Häusern, die es wahrscheinlich schon sehr lange gibt, anschauen.

Man kann nach Ascona fahren auf den Monte Verita hinaufspazieren oder das Rad hinaufschieben, wie wir es machten und sich dort das Freiluftparadies der Künstler, die vor hundert Jahren den veganen Lebensstil und den freien Sex betreiben wollten.

Hermann Hesse hat dort, glaube ich, auch zwei Jahre gelebt und sich dann in Montagnola niedergelassen, wo es heute ein Literaturcafe und ein Hessemuseum gibt, das wir auch besuchten.

Blick auf Ascona

Blick auf Ascona

Ein paar Mal sind wir mit der Seil- und Zahnradbahn auf einen Berg, den Monte Bre, den Monte Generosa  gefahren und ein bißchen spazierengegangen, die Wassefälle besucht und die alten Kirchen mit den besonderen Fresken besichtigt, zu Mittag Toast oder Polenta gegessen oder einen Käse-Schinkenteller und am Abend immer zu den Filmen, auf den großen Platz, wo es sehr international zuging und sich das Italienisch, das im Tessin gesprochen wird, mit dem Deutsch und dem Französisch, den zwei anderen Schweizer Sprachen, mit dem internationalen Englisch vermischte. Habe Hugos und Sangria getrunken und dabei dem intellektuellen Treiben, den Einlaß der Schikeria, beziehunsweise den Frauen mit den eleganten Kleidern und den hohen Stöckelschuhen zugesehen.

Das war sehr interessant und vielleicht auch etwas anstrengend jeden Abend, ein bis zwei Filme anzuschauen und sind meistens erst nach Mitternacht, manchmal ist es sogar zwei oder drei uhr früh geworden, am See entlang zum Campingplatz hinausgewandert, der wieder, wie in Zürich und Genf, direkt m See lag.

Regenreste

Regenreste

So hat es dort auch Enten und viele Spatzen gegeben, die in dem Restaurant, das es gleich nebenan gab und in dem man sehr gut Frühstücken konnte, direkt an dem tisch kamen und die Bröseln, die man ihnen zuwarf, begierig aufpickten.

Geregnet hat es natürlich auch  und so sind im Zelt, die Matrazen und meine Kleider in der Reisetasche wieder gehörig naß geworden und einige Male hat es auch auf der Grande Piazza, wo die Vorführungen stattfanden, sehr geregnet.

Ein Mal haben wir uns die Filme in dem Kino angeschaut, wo sie als Ausweichquartier auch immer gelaufen sind und gelesen, beziehungsweise Bücher gefunden, habe ich natürlich auch sehr viel.

Thomas Meyers „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“, habe ich schon erwähnt. Da bin ich jetzt darauf gekommen, daß ich das Buch, was ich nicht wußte, offenbar zweimal in meinen Regalen stehen habe. Vielleicht ist eines aber auch nur eine Leseprobe.

Monte Generoso, rechts von Evas linker Schulter die Monte Rosa

Monte Generoso, rechts von Evas linker Schulter die Monte Rosa

Locarno und Ascona

Locarno und Ascona

Einen zweiten Band wird es auch bald geben und das Buch wurde auch verfilmt und ebenfalls in Locarno gezeigt. Allerdings nicht auf der Grande Piazza und amTtag sind wir in die Berge gefahren, was in einem Werbefilm der täglich auf der Grande Piazza gezeigt wurde, auch propagiert wurde. Wandern, schwimmen und am Abend mehr oder weniger schick bekleidet auf die Piazza Grande gehen und sich bei einem Hugo oder einem Sangria, Aperolspritz wurde, glaube ich, auch sehr viel getrunken, die Filme ansehen. „Das ist ein Luxusurlaub!“, hat der Alfred ein paar Mal geschwärmt.

Nach Lugano und nach Luino sind wir auch gefahren, das letztere Städtchen liegt in Italien,  auch heuer haben wir die Grenzen mehrmals gewechselt,  die Wochenmärkte angesehen, uns durch die Käse- und die Wurstsorten durchgekostet und sind einmal auch auf ein Castello hinaufgeklettert. Zweimal bin ich mit einem Buch am See gelegen, das Schwimmen liegt mir ja nicht sehr, das heißt, ich kann es nicht, weil ich mit sechs Jahren fast ertrunken wäre, habe aber den Kindern mit ihren Schwimmtieren und auch den Paragleitern zugesehen.

Sehr interessant so ein Schweizurlaub. Sommerfrische pur, könnte man so sagen, obwohl es auch woanders Festivals gibt.In Salburg beispielsweise, die berühmten Festspiele  und da sind wir  am Rückweg auch vorbei gefahren und haben im Radio von dem Überfall an einem Juwelier gehört und vorher im deutschen Eck, sind wir  sehr lang im Stau gesteckt.

Das war also unser Urlaub 2019. Jetzt geht es noch zwei Wochen mit den Sommerfrischenwochenende in Harland weiter und im November werden wir dann noch einmal in die Schweiz und da zur „Buch Basel“ und der Verleihung des „Schweizer Buchpreises“ fahren.

Bin schon gespannt, ob da „Wolkenbruch II“ auf die Shortliste kommt und jetzt werde ich mich bald dem deutschen Buchpreis widmen, wo ja nächste woche die Longlist vergeben wird.

Das heißt, ich bin gespannt, ob da Gertraud Klemms „Hyppocampus,“ das ich gerade lese und das mir, ich kann es gleich verraten, sehr gut gefällt, auf die Long- oder später sogar auf die Shortlist kommen wird?

2019-08-10

Eignermönchundjungfrau

Filed under: Bücher — jancak @ 11:05
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Diesen  2004 bei dtv erschienenen Erzählband des 1961 in Frankreich geborenen Alex Capus, der in der Schweiz und in Italien lebt, habe ich, natürlich wegen seines Titels, der ja sehr eindeutig auf die Schweiz anspielt, auf unseren Locarno-Urlaub mitgenommen und wurde dann ein bißchen enttäuscht, denn die Schweiz spielt in den Geschichten eher eine untergeordnete Rolle, geht es doch, das ist zumindestens dem Beschreibungstext zu entnehmen, um den skurillen Alltag der Generation Dreißig.

Das stimmt, glaube ich, auch nicht so ganz, denn vieles bezieht sich, glaube ich, auf Alex Capus und ist wahrscheinlich seinem Lebenslauf zu entnehmen. Es kann also sein, daß er zum Zeitpunkt des Entstehens der meisten Geschichten,  es sind neunzehn, um die Dreißig war und sie haben oft auch einen Helden, namens Max dessen Freunde dann auch in anderen Geschichten wiederzufinden ist.

Beginnen tut es mit „Etwas sehr sehr Schönes“ und diese Geschichte habe ich, wenn ich mich nicht irre, Alex Capus einmal bei „Rund um die Burg“ lesen gehört, sie ist aber auch in einem Extrabändchen enthalten, das sich in meinen Regalen befindet.

Ich habe relativ viel von Alex Capus angesammelt, aber, glaube ich, noch nicht so viel gelesen und die Geschichte handelt davon, daß sich seine Mutter oder die des Ich-Erzählers, als wohlbehütete Lehrerin auf den Weg nach England aufmacht, um dort einen Sprachkurs zu besuchen, dort aber nie hinkommt, weil sie während des Zwischenstops in Paris seinen Vater kennenlernt.

Dann gibt es ein paar Schulgeschichten und auch ein paar skurille und da wäre vor allem, die dem buch denTitel gebende zu erwähnen, denn da will einer nach Bern reisen, kommt aber dort nie hin, weil er sich vorher von seinen Winden geplagt, praktisch in Luft auflöst.

Das ist wahrscheinlich der Stil Capus, daß er, wie ja auch dem Klappentext zu entnehmen ist, den Alltag immer wieder Skurilität verleiht, so gibt es eine Kellnerin, bei der der Max immer sein Frühstückshörnchen einnimmt, aber einmal ist sie nicht da, weil sie am Abend arbeiten mußte.

Da wurde sie von den Gästen mit Bier bespritzt, flüchtet davor in einen Keller mit einigen Weinflaschen, wirft die Tür irrümlich zu und, als der Llokalbesitzer ein paar Tage später seine Putzmaschine holen will, findet er sie betrunken vor.

Und so weiter und so fort, könnte man so sagen, wenn man sich durch das Buch durchliest, mehr oder weniger skurille Geschichten, die mit einem losen Band zusammengehalten werden und daher im Stil eigentlich recht ähnlich dem Episodenroman von Alain Claude Sulzer ist, den ich vorher gelesen habe.

Der Unterschied ist, daß das Buch nicht auf der Schweizer Buchpreisliste gestanden ist und jetzt sollte ich wahrscheinlich auch meine anderen Capus Bücher lesen. Aber wann komme ich dazu?

2019-08-04

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Filed under: Bücher — jancak @ 06:31
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Das Debut des 1974 geborenen Werbetexters und Redakteurs Thomas Meyer  war 2012 für den „Schweizer Buchpreis“ nominiert. Da war ich im Literaturhaus als dort die Kanditaten aus ihren Büchern lasen und das Buch, das ich dann später in einem der Schränke fand, hat mich sehr beeindruckt. Jetzt habe ich in meinem Bibliothekskatalog gesehen, daß ich es dort zweimal eingetragen habe. Also hätte ich es doppelt gefunden. Das erste Mal müßte schon länger her sein, ich kann mich nicht erinnern, aber vielleicht war das Erste eine Leseprobe, die ich mir ja gerne zusammensammle.

Als wir vor einem Jahr in Zürich bei „Orell Füsseli“ waren, war es dort unter den „Züricher Autoren“ ausgestellt und ich habe mich wahrscheinlich geärgert, daß ich es nicht als Lektüre mitgenommen habe. Das ist mir jetzt als wir nach Locarno zum Filmfestival furhren, nicht passiert und ich habe auch mitbekommen, daß im September ein neuer „Wolkenbruch“ erscheint. Den habe ich schon bestellt und der Film des ersten Teils „Wolkenbruch`s Wondrous Journey into the Arms of a Shiksa“, der im Vorjahr gedreht wurde, ist in Lokarno auch gelaufen, allerdings nicht auf der Piazza Grande, so habe ich mich in das Buch nur auf der Hinfahrt durch Italien eingelesen und es hat mich sehr beeindruckt, obwohl der Inhalt eigentlich nicht so neu ist und es sicher schon viele Parodien zu diesem Thema gibt.

Die Sprache in der Thomas Meyer sein Debut geschrieben ist, ist aber sehr beeindruckend und macht das Lesen sehr spannend, obwohl ich gar nicht sicher bin, daß es das original Jiddisch ist, in dem es geschrieben wurde, weil das wäre  wahrscheinlich nicht so leicht zu lesen. Es gibt aber ohnehin ein Glossar im Anhang, in dem dann zwar nicht alles verzeichnet ist, es ist aber durchaus spannend den Lebensweg, des in der orthodoxen Züricher jüdischen Gemeinde aufgewachsenen Mordechai, genannt Motti, aufgewachsenen Wolkenbruchs, der eine ihm sehr vereinnahmende Mame hat, die ihn unbedingt mit den jüdischen Mädchen verkuppeln will, nachzuverfolgen.

Der Vater hat eine jüdische Versicherungsgesellschaft in dem er alle Juden der Gemeinde als Kunden hat, es gibt zwei ältere Brüder, einen Arzt und einen Biologen, die schon ihre Familie haben, der Vater ist eher indifferent und verzieht sich bei Familienstreitigkeiten eher hinter seine Zeitung, denn Motti hat ein Problem.

Er will die jungenjüdischen Damen mit denen ihn seine Mutter verkuppelt will, nicht, das heißt mit einer versucht er sich gegen die Initiativen der Mütter zu verbünden, diese Stelle hat Thomas Meyer im Literaturhaus gelesen, denn er hat sich längst in die nicht jüdische Studentin Laura verliebt und versucht nun seinen eigenen Weg zu gehen, den er in dem schon erwähnten Jiddisch oder der Mischung daraus erzählt.

Weil die Mutter zuviel redet, während sie mit ihm im Auto fährt, gibt es einen Unfall, wo seine Brille zerbricht. Er geht zum jüdischen Optiker, der ihm die ewig gleichen Modell vorlegt, die ihm aber nicht gefallen, so kauft er die neue Brille bei einem „goj“ oder „gojete“, was die „Mame“ aber auch die übrigen Familie in Aufregung versetzt.

Er betrinkt er sich bei einer Familienfeier, die Familie schickt ihm darauf zum Rabbi, der aber auch eher unorthodeoxe Heilungsmöglichkeiten hat denn er schickt ihn nach israel zu seinem eher liberalen Onkel, dessen Frau istTherapeutin, so wird Wolkenbruch dort „entjungfert“, der Onkel und die Tante kaufen ihm auch eine Jeans, damit er nicht immer seine schwarz- weiße „jüdische Uniform“ gtragen muß.

Damit gekleidet traut er sich auch Laura anzusprechen, die ihn darauf in eine Party in ihre WG eindlädt. Da weiß er zuerst gar nicht, was das ist, wird dann von einem Mitbewohner zu seinem ersten Joint eingeladen und kommt nach der Nacht mit Laura erst am nächsten Morgen nach Haus, wo ihn schon, die besorgten Eltern und die Polizei erwarten, die Mutter verstößt ihn. Der Vater verzieht sich hinter seine Zeitung und fragt ihn nur, ob er genug zu Essen hat, als er  die Firma, wo er zwei Tage in der Woche arbeitet, verlassen muß.

Er hat und auch schon ein Zimmer, das er aber bald wieder verliert und ob es mit seiner Laura klappen wird, ist zu Ende des Buches auch nicht ganz klar, aber vielleicht wird der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ diese Frage beantworten.

Vielleicht noch ein Detail, die „Volkshaus-Buchhandlung“ in der ich mir im Vorjahr Antonio Fians Buchpreisbuch von 2014 aus einer Abverkaufskiste zog, kommt auch in dem Buch vor. Da trifft sich in dem dazugehörigen Likal der Motti nämlich mit seiner Laura, beziehungsweise kauft er sich dort ein Buch.

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