Literaturgefluester

2018-01-31

Schweizer Literatur in der Alten Schmiede

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:48
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Von der Partisanenliteratur bin ich heute in die „Alte Schmiede“ gegangen, wo es wieder eine „Stunde der literarischen Erleuchtung“ gab und zwar haben da Ruth Schweikert und Samuel Moser Jörg Steiner vorgestellt. Das war ein 1930 in Biel geborener Schweizer Dichter, der 2013 dort gestorben ist und unter anderen, 1994 den „Erich Fried Preis“  bekommen hat.

„Nie etwas von ihm gehört!“, würde ich spontan sagen und gleich nachschauen, ob ich in meinem Buchkatalog vielleicht Bücher von ihm habe, er scheint aber eher experimentell zu sein und auch ein bißchen widersprüchlich.

Leider bin ich, weil ich mich in der Spengergasse noch ein bißchen mit Stephan Teichgräber verplaudert habe, der Weg von dort in die Schönlaterngasse auch länger ist und ich noch auf die Bank und Milch besorgen mußte, ein bißchen zu spät gekommen, so daß ich Kurt Neumanns Einleitung versäumte.

Es waren auch nicht sehr viele Leute im Schmiede Saal und die, die da waren, waren, wie ich aus ihren Wortmeldungen und den Gesprächen in der Pause erfuhr, speziell an Literatur und vielleicht auch an Jörg Steiner interessiert. Ich hörte Schweizer Akzent und das Paar das vor mir saß, schien Alfred Kolleritsch, mit dem ich ja kürzlich telfoniert habe, gut zu kennen.

Jörg Steiner hat einige Romane geschrieben, zwei, beziehungsweise einer und ein Ezählband wurden vorgestellt.

Und da scheint es sich bei Steiner um Fortsetzungsgeschichten zu handeln, beziehungsweise scheint er seine Personen von einem Roman zum anderen zu schleppen. Denn da gibt es einen namens „Strafarbeit“, 1962 erschienen aus dem nicht gelesen wurde, aber der 1951 geborene Dozent für Lliteraturkritik Samuel Moser, hat den Inhalt erzählt. Der handelt in einer Jugendstrafanstalt, wo einige Jugendliche untergebracht sind und einer von ihnen, nämlich Jose Claude  Ledermann, auch Schnorrer genannt, begegnen wir in  „Euin Messer für den ehrlichen Finder“, aus dem gelesen wurde , wieder.

Der ist der Sohn einer Bordellchefin in Biel und hat einem Freund ein Rennrad geborgt, das der verkaufte, worauf er ihn mit einem Messer niederstach und in die Strafanstalt kam.

Ruth Schweikert und Samuel Moser schwärmten sehr von den Text, Samuel Moser meinte, er wäre dadurch zum Lesen gekommen und in der Erzählung „Schnee bis in die Niederungen“ treffen wir auch auf eine Figur aus der Strafanstalt, die tritt in den achtzehn Episode,n meist in anderer Gestalt und in anderen Berufen auf und einen Ich Erzähler gibt es auch.

„Ich habe bis drei Uhr Aufsätze korrigiert und bin dann

Ich bin spazierengegangen, weil mich das Lesen der von Hand geschriebenen Texte stark ermüdet, werde ich sagen“ beginnt das Buch und das ist einer der sprachlichen Eigenheiten, die für Jörg Steiner wohl typisch sind. Es wurde dann auch diskutiert, wieviel Autobiografie in dem Text ist. Nun, da habe ich nachgegooglet, da? Jörg Steiner Lehrer war. Ein Herr Steiner kommt übrigens auch darin vor, etcetera.

Ruth Schweikert hat einen Text gelesen, dann kam die Diskussion und diesmal nur eine halbe Stunde Pause, weil die Veranstaltung länger gedauert hat. Da bin ich zum Büchertisch gegangen und habe gesehen, daß es eine offensichtlich ältere „Suhrkamp-Ausgabe“ des „Schnees“ um fünf Euro gibt. Da habe ich nicht lange gezögert und mir das eher dünne Büchlein gekauft, zu einem „Sensationellen Preis!“, sollte Kurt Neumann später sagen.

Das stimmt zwar nicht so ganz, habe ich ja „Suhrkamp-TBs“ öfter schon um einen Euro gefunden. Bin auf das Lesen aber gespannt, umsomehr, da wir im Sommer ja vielleicht in die Schweiz fahren und ich dafür schon Lesestoff sammle und da passt vielleicht ganz gut hinzu, daß ich im „Wortschatz“ heute auch drei Bücher aus Schweizer Verlagen von Schweizer Autoren gefunden habe.

Nämlich Gerold Späths „Das Spiel des Sommers neunundneunzig“ aus dem „Lenos-Verlag“ in dem auch Michelle Steinbecks Debut erschienen ist und zwei Bücher von einer Elsabeth Jucker aus der „editon 8“.

Ich bin gespannt und nach der Pause ist es gleich mit Samuel Moser und Ruth Schweikert weitergegangen, hat die 1965 in Lörrach geborene Autorin doch ihr 215 Buch „Wie wir älter werden“ vorgestellt. Von Ruth Schweikert habe ich in den Bücherschrönken schon „Ohio“ und „Augen zu“ gefunden. Das letztere gelesen und war, glaube ich, nicht so begeistert. Bei dem Roman war ich es schon, weil er mir realistischer und verständlicher erschien. Da geht es um zwei Familien, beziehungweise hat der Mann, der einen, auch zwei Kinder mit der Frau der anderen und auch eine Zeitlang mit ihr gelebt. Es geht also um Familiengeheimnisse und  um drei Generationen und zwei Stellen hat Ruth Schweikart vorgelesen.

Eine von dem Paar Jackes und Friederike und dann eine, wo Friederike vierzig jahre jünger, ihre Mutter gestorben ist und sie in ihrer Wohnung hundertachtundfünzig Dosen Katzenfutter findet, owohl die gar keine Katze hatte und sie die Dosen dann in der Nacht in sämtlichen Mülltonnen der Stadt Stuttgart verteilt. Das war sehr interessant und beeindruckend und in der Diskussion hat Ruth Schweikart noch erzählt, daß sie das Buch nicht chrologisch geschrieben, sondern mit einem ganz anderen Kapitel angefangen hat. Sie scheint auch eine lebhafte Erzählerin zu sein und hat in der Pause und nach der Veranstaltung heftig zu ihrem Buch oder etwas anderen diskutiert, so daß ich heute ein oder natürlich zwei sehr intensive Lliteratur Lectures erlebt habe und mich auf den Sommer und meine diesbezüglichen <leseerfahrungen schon freuen kann.

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2017-08-07

Tauben fliegen auf

Jetzt kommt ein Buch, das ich, was ich ja sonst fast nie mache, in zwei Ausgaben habe, sonst trage ich ja, wenn ich mal ein Buch doppelt erwische, es brav zurück.

Als ich aber vor ein paar Wochen „Tauben fliegen auf“ das Buchpreisbuch von 2010 von Melinda Nadj Abonji im Schrank gefunden habe, hat mir das Cover so gut gefallen, daß ich es nicht liegen lassen konnte, obwohl das der älteren „Jung und Jung-Augaben“, die ja noch den selben Graphiker, wie die alten „Residenz-Ausgaben“ hatten, eigentlich auch sehr schön sind.

Diesmal gefällt mir aber die der Lizenausgabe besser und da steht dann auch „Buchpreis 2010“ darauf, so daß man nicht nachschauen muß, wann das gewesen ist und beide Covers und das ist auch sehr interessant, zieren Autos und Bäume und, um das geht es bei dem Buch ja, um das nach Hause fahren ind die Vojvovida Heimat aus der Schweiz im neuen Mercedes oder Chevrolet und ich habe auch in beiden Bücher jeweils ein bißchen gelesen.

Denn eines hatte ich ja in Harland, das andere, das ich mir vorige Weihnachten beim Bücherflohmarkt in der Grünangergasse gekauft habe, in Wien liegen und habe es dort auch zu lesen angefangen und das zweite dann während unseres Ausfluges auf den Edelweißboden im dortigen Pensionszimmer und auf der Rückfahrt im Auto.

Von der 1968 in  Becsej geborenen und in der Schweiz lebenden Melinda Nadj Abonji habe ich das erste Mal, glaube ich, etwas gehört, als sie beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mir dann ihr Debut „Im Schaufenster im Frühling“ das, glaube ich, noch sehr experimentell ist, genommen, als, glaube ich, die Buchhandlung „Kolisch“ zusperrte und man sich da zwei Bücher nehmen konnte.

„Tauben fliegen auf,“ fer mich die „Buchpreis-Überraschung“ ist nicht sehr experimentell, es ist eher ein Memoir und enthält wahrscheinlich viele autobiografische Elemente und ich habe die Autorin auch schon in Wien in der „Alten Schmiede“ daraus lesen gehört.

Da hatte ich aber, glaube ich, noch andere Vorstellungen von den Buch und so ist es sehr gut, daß es jetzt gleich zweimal bei mir liegen habe und so an das Lesen erinnert wurde, bevor die neue Buchpreisliste kommt und das Weglesen meines SUBS wieder etwas warten muß.

Das Buch ist, glaube ich, sehr raffiniert geschrieben. Ein Kapitel, wo die Familie  Kocsis mit ihren zwei Töchtern und ihren teuren schönen Wagen in die Vojvodina-Heimat fährt und dort die Mamika und die anderen Verwandten besucht und dann das Leben in der Schweiz, wo die Familie zuerst eine Wäscherei hatte und dann eine Konditorei aufmacht, wo die Mutter, die Chefin ist, der Vater, ein gelernter Fleischhauer kocht und die beiden Töchter, die nebenbei studieren, servieren.

Im ersten Kapitel sind die Kinder noch pubertierend und die Maminka, das ist die Großmutter, wartet mit den Gulaschtöpfen und dem „Traubi“ das ist das Traubisoda, das es in der Schweiz nicht gibt und das die Kinder lieben. Es geht zu einer Hochzeit, da werden auch die Fleischberge und die Kuchen aufgetischt und die beiden Mädchen beobachten den Cousin Gyula, beim Vögeln mit einer verheirateten Frau und sind etwas verwirrt.

Und um gleuch auf den Titel, die „Tauben“ zurückzukommen, die hält Cousin Belasich und die Mamika kocht daraus die besten Süppchen.

Eine andere Heimfahrt ist dann viel weniger lustig, denn da geht es zum Begräbnis der Mamika und der Krieg kommt dann auch bald und der stürzt die Familie in Verwirrung. Denn jetzt kommen alle Gäste und wollen von ihr wissen, wie das mit den Serben ist?

Aber die Vojvodina gehört ja zur ungarischen Minderheit. Die Mädchen sprechen gar nicht serbisch oder serbokroatisch, wie das damls noch hieß, weil sie schon in der Schweiz in die Schule gingen. Aber die Verwandten in der Heimat werden in Not gestürzt, denn die Burschen werden ja jetzt eingezogen und sollen vielleicht, wenn sie beispielsweise desertieren, aufeinander schißen.

Das Buch wird auch nicht ganz chronologisch erzählt. So handeln spätere Kapitel, wo die Mamika eigentlich schon gestorben ist, davon, wie sie den Mädchen von ihrem Großvater erzählt und in der Schweiz haben die Kocsiss auch ihre Schwierigkeiten, weil sie ja für ihre Einbürgerung lernen müssen und dann muß in der Schweiz offenbar die Gemeinde für oder dgegen stimmen, was auch sehr aufregend ist.

Ein interessantes Buch, das viel von dem Schicksal einer serbische, ungarischen oder was auch immer Emmigrantenfamilie erzählt, so daß ich jetzt vielleicht auch ein bißchen besser verstehe, warum es den „Deutschen Buchprei“s bekommen hat und auch ein bißchen schade finde, daß ich solange mit dem Lesen darauf gewartet habe. Aber jetzt habe ich es gleich in doppelter Ausgabe, werde mir beide behalten und gegenüberstellen und noch etwas ist interessant, habe ich mir doch beim Lesen öfter gedacht, daß der Titel so gar nicht passend ist.

Denn was haben die Tauben, die sich Cousin Bela hält, eigentlich mit Ildiko Kocsis, der Ich-Erzählerin zu tun, die in der Schweiz aufwuchs und Geschichte studierte und am Ende des Buches auch von zu Hause auszieht?

Beim Nachlesen meiner damaligen Eindrücke in der „Alten Schmiede“ bin ich daraufgekommen, daß die Autorin ihn gar nicht haben wollte, aber vom Verlag dazu überredet wurde.

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