Literaturgefluester

2018-10-31

Hier ist noch alles möglich

Jetzt bin ich schon bei Buch dreizehn des dBps und es ist eines, das ich Anfang August noch in Wien in den Blogs oder auch in den Buchhandlungen gesehen habe. In Bern und in Zürich habe ich es dann auch gesehen, was kein Kunststück ist, ist die italienischstömmmige 1988 in Basel geborene Autorin eine Schweizerin, die mit ihren Debutroman, aus dem sie im Vorjahr ein Kapitel in Klagenfurt gelesen hat, auch auf der Schweizer-Buchpreisliste und die inoffizellen Buchpreis-Youtuber haben das Buch auch meist besprochen.

Dem offiziellen „Büchernerd“ hat es nicht sehr gefallen, anderen schon und da scheiden sich die Geister, denn es ist kein Mainstreambuch, keines wahrscheinlich, worüber sich die Schwiegermütter am Heiligenabend freuen würden, da sind sie mit der Mahlke sicher besser beraten, aber eines das sehr künstlerisch ist, mit den vielen Zeichnungen einen experimentellen Ansatz hat. Eines, das von der Machart stark an Simone Hirths „Notunterkunft“ erinnert und auch eines das mit sehr gut gefallen hat, das ich mir auf die Blogger-Debutshortlist wünschen würde, denn da hätte ich erstens weniger zu lesen und auf meiner Shortlist steht es schon.

Einige you Tuber bemängeln die einfache Sprache, aber die ist anders, als das, was ich mir unter einer einfachen Sprache vorstellen würde, sondern eher so, wie es Sasa Stanisic am Buchrücken beschreibt „Manche Bücher sind wie Inseln. Leser betreten sie nur kurz, aber lang genug, dass sie ihre rätselhafte Schönheit, ihren sprachlichen Bewuchs, ihre Bewohner nicht mehr missen mögen.“ und Ruth Schweikert, auch eine Schweizer Autorin, schrieb „Gianna Molinari nimmt uns an Bord einer literarischen Forschungsreise zu den Terrae Incognitae der Gegenwart, nimmt uns vom vermeintliche sicheren Ufer mit ins offene Meer“.

Das finde ich ein wenig übertrieben ausgedrückt und so würde ich das Buch, in dem Inseln tatsächlich eine große Rolle spielen und auch oft gezeichnet werden, nicht verstehen.

Ich denke eher Gianna Molinari entfernt sich mit ihrem Debutroman von der Hektik dieser Welt und den unzähligen Spannungsbögen und Actionmustern, die ein guter Roman angeblich haben muß, sondern macht es, um an Adolf Muschg oder an Adalbert Stifter zu erinnern, wie bei den „Bunten Steinen“, nicht „das Große, sondern das Einfache ist schön!“

Und da ist sie, die namenlose Ich-Erzählerin, die sich in einer bald aufgelöst werdenden Verpackungsfabrik als Nachtwächerin einstellen läßt. Mit dem Koffer in der Hand sozusagen aus dem Nichts dorthinkommt, wo es außer ihr noch den Chef, einen anderen Nachtwächer einen Koch und ein oder zwei Arbeiter gibt, die sie in der Kantine trifft. Sie war früher Bibliothekarin, das weiß man und sie hat, wie bei Simone Hirth, ein Lexikon und wahrscheinlich auch ein Notizbuch bei sich.

Einen alten Kopierer läßt sie sich dann vom Chef schenken und der erste Spannungsbogen taucht auf, als der Koch einen Wolf im Abfall wühlen sieht. Der wird jetzt gejagt. Denn das gibt es doch nicht, daß ein Wolf das Gelände einer fast leeren Fabrik unsicher macht. Aber in der gibt es Überwachungskameras, in die die beiden Nachtwächter starren sollen. Eine Wolfsfalle sollen sie auch bauen und provisorisch die Löcher im Zaun reparieren. Für mehr ist kein Geld da oder es lohnt sich nicht, darin zu investieren. Die Frage warum dann in zwei Nachtwächter investiert wird, wird vom Chef nicht beantwortet und ich schließe mich der Deutung, die ich bei „Caros Bücher“ gehört habe, daß der Wolf das Symbol für das Fremde, das man abhalten, für die Flüchtlingsinvasion beispielsweise, nur bedingt an, weil man das zwar so interpretieren könnte, ich das Buch aber eigentlich für sich sprechen lassen will und da gibt es drei Teile, drei Geschichten sozusagen, die eine ist die von dem Wolf, der dann auch in der Halle, wo die Nachtwächterin wohnt auftaucht, neben ihrem Bett sitzt, sie sozusagen behütet, während er von Clemens, dem anderen Nachtwächter nicht gesehen wird.

Dann gibt es die Wahre, von dem aus einem Flugzeug gefallenen Afrikaner, die GiannaMolinari auch in Klagenfurt gelesen hat und im dritten Teil wird die Nachtwächterin noch für eine Bankräuberin gehalten und das alles wird mit ganz banalen Ereignissen vermischt. Listen tauchen wie bei Simone Hirth in dem Buch auf. Betrachtungen über Inseln und gefundenen Legomännchen, etecerta, was ich für „das Kleine“ halten würde, was zwar nicht das wirkliche „Große“ ist, aber ein spannungsreicher Actionroman, wo der Held eigentlich siebenhundert Leben haben müßte, um bei der Geschichte durchzukommen, ist es auch nicht.

Es ist ein experimentelles, wahrscheinlich Sprachschulenbuch, das Gianna Molinari geschrieben oder konstruiert hat, in dem, was mehrmals drinnen steht  „noch alles möglich ist“ oder sein soll. In diesem Sinn wünsche ich ihr viel Glück für den „Schweizer Buch- und oder den Blogger-Debutpreis“, aber den ersten wird vielleicht  Peter Stamm gewinnen, beim zweiten habe ich noch keinen Wunschvorstellung.

2018-08-13

Opoe

Jetzt kommt ein Debut und das erste Buch eines Schweizer Autors, das ich  auf der Hinfahrt  in unseren Schweiz-Urlaub, um mich sozusagen auf das Gastland einzustimmen, gelesen habe, nämlich das des 1985 in Schaffhausen geborenen Donat Blum, der sowohl am schweizerischen als auch am deutschen Literaturinstitut   studierte.

Roman steht auf dem  hundertvierundsechzig Seiten dicken Bändchen und es ist natürlich keiner, sondern würde ich sagen, poetische Fingerübungen über die Beziehung eines jungen Mannes zu seiner  Großmutter.

Literaturinstitutsprosa vielleicht für den Abschluß geschrieben, würde ich es nennen und denken, daß für mich in dieser Auseinandersetzung über die Großmutter, die allmähliche Annäherung an die für den Erzähler unbekannte Frau, der in sein homosexuelles Leben und in seine Schriftstellerkarriere hineingeht, eigentlich nicht das neue und noch nie dagewesene an der Literatur enthalten ist, kann aber bei einem Dreiunddreißigjährigen auch nicht sein.

Das Buch ist bei „Ullstein“ erschienen, also wartet vielleicht eine literarische Karriere auf den Autor und der Leser erfährt, daß man Opoe „Opu“ ausspricht und, daß das das holländische Wort für Großmutter ist. Denn des Autors verstorbene Großmutter, die vorher ihrer Demenz entgegenging und ihren Enkel mit „Sie“ ansprach, war Holländerin und wurde von dem Großvater in die Schweiz geholt.

Dort machte der einen alternativen Blumenhandel auf, ging damit Pleite, betrog die Großmutter auch mit einer Wochenendgeliebten und der Autor ärgert sich inzwischen über seinen Freund, der keine feste Beziehung haben will.

Er reist der Großmutter auch nach Holland nach, überlegt, ob sie vielleicht jüdische Wurzeln hatte, erzählt, daß er eine Zeitlang bei ihr in Bern lebte und berichtet auch ein wenig über seine Mutter.

In mehr oder weniger kurzen Skizzen ist das Buch geschrieben, die Erlebnisse der Großmutter und die des Autors wechseln sich dabei ab.

Es gibt ein Motto von Werner Herzog „Ich will das Opernhaus! Ich will mein Opernhaus! Ich will meine Oper haben!“ und die Großmutter steht ein paar Seiten später geschrieben „liebte Wien ohne je hingekommen zu sein, und die Oper, die sie nur aus dem Fernsehen kannte.“

Das Buch ist auch für den „Bloggerdebutpreis“ nominiert. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt und  was ich sonst noch über den jungen Autor hören und von ihm lesen werde.

2018-05-03

Visby infra – ordinaire

  • Jetzt kommt wieder eines meiner Kunststücke, nämlich, wie bespreche ich ein Buch, das ich nicht verstanden habe oder das eigentlich keinen Inhalt hat, den man erzählend, spoilernd, chronologisch…, wie ich es ja so gerne tue, wiedergeben kann?

Dararan bin ich natürlich selber Schuld, denn ich schaue ja immer so gerne über den Tellerrand und stecke meine Nase bevorzugt in fremde Töpfe, sprich gehe zu Veranstaltungen der experimentellen Literatur, obwohl ich ja realistisch schreibe, lerne dabei experimentelle Autoren kennen, die mich zu ihren Lesungen einladen oder mir Hinweise zu ihren neuen Büchern schicken.

Im konkreten Fall betrifft das die 1939 in Zürich geborene Elisabeth Wandeler -Deck, die ich in der „Alten Schmede“, ich glaube, bei einem noch von Christiane Zintzen kurartieren „Literatur als Radiokunst-Veranstaltung“, die ja, was zumindestens den Beruf betrifft, auch einige Gemeinsamkeiten mit mir hat.

Hat sie ja auch Psychologie studiert, allerdings auch Architektur und sie kommt öfter nach Wien und liest in der „Alten Schmiede“ und jetzt hat sie die der „edition taberna kritika“, ein neues Buch herausgegeben und ich dachte mir, frage ich es als Rezensionsexemplar an, bin ich ja an jeder Art von Literatur interessiert und dann habe ich sofort das PDF bekommen.

Zum Glück, dann auch das Büchlein, obwohl ich ja auch Oswald Eggers „Val di non“ als PDF gelesen habe und Joshua Cohens „Buch  der Zahlen“ und der erste ist wahrscheinlich mindestens genauso experimell, wie  das vor mir liegende Bändchen und dann habe ich  noch das handschriftliche Exemplar von Rudi Lasselssberger „Willi“ gelesen, bin also mit außergewöhnlichen Textsorten schon sehr erfahren und in der GAV-Aufnahmejury war ich auch zwei Jahre, wo ich es auchhauptsächlich mit experimneteller Literatur zu tun hatte.

Trotzdem war ich am Anfang, ich schreibe es gleich, ein wenig ratlos, denn schlägt man das Büchlein auf  kommt man sofort auf einen Listenkatalog eingeteilt in 1 bis 1.8.1.1.1 beispielsweise und man sieht auf den ersten Blick keinen Zusammenhang. Dann wird noch in verschiedenen Farben gearbeiteut und die Titelunterschrift „listen, würfeln, finden“, sowie das Nachwort des mir  ebenso als sehr experimentell bekannten Autors Florian Neuner, half mir zunächst auch nicht weiter.

Es gibt zwar auch Anmerkungen der Autorin, daß sie der Koomponistin Margret Schenker und dem Baltic Center for Writers and Composers dankt, sowie,  daß sie von“ Jaques Roubaud mit Tokyo infra-ordinaire, Waltraud Seidelhofer  mit „Singapur oder Lauf der Dinge“ und noch einigen anderen mehr, begleitet wurde.

Es gibt dann noch einen Beipackzettel des Verlags, der ein bißchen mehr erklärt.

„Der Text inszeniert und dokumentiert, eine an die psychographischen Experimente der Situonisten gemahnende Methode, gewissermaßen einen Keil in die geläufige, wie von selbst funktionierende Praxis zu treiben, mit der wir uns in einer durchschnittlichen europäischen Stadt – sei es in Winterhur, in Budweis oder eben in Visby -aufgrund unseres Vorwissens und unserer Erfahrung meist mühelos orientieren können.“

Da stammt ebenso von Florian Neuner und mit der mühelosen Orientierung tat ich mir noch immer etwas schwer.

Am Buchrücken findet man  untereinander geschrieben, anstelle einer Zusammenfasung:

„‚#044

#alatorik

#farbdruck

#liste

#würfel(motiv)

#konzeptliteratur

#pataphysik

#roubaud (motiv)

und allmählich wird es etwas klareeer.

Jaques Roubaud ist jedenfalls ein 1933 geborener französischer Schriftsteller und Mathematiker und er hat offenbar die Vorlage für Elisabeth Wandeler-Decks Text geschrieben, die im Juli 2014 mit der Kompnistin Margret Schenker das „Baltic Center for Writers and translaters“ der Stadt Visby in Gothland ausuchte und dazu eine Stadterkundung nach Vorlage des Roubaud Buches schreiben wollte.

Dann gibt es noch Würfeltexte. Aber dazu später. Zuerst ist sie ja noch in Zürich und packt ihren Koffer und das wird in den einzelnen Farbabschniten  genau angemerkt, wie es ja immer wieder auch zu anderen Textsorten kommt.

So gibt es beispielsweise auf Rot die 2.4.1.1.1. Anmerkung auf Seite 11 „Du bist ausgebilldete Architektin. Welche Rolle spielt dieser Hintergrund für dein Schreiben? (Aus einem Interview von Florian Neuner.“

Das ist vielleicht auch im Nachwort ein bißchen besser ausgeführt.

Dann fährt oder fliegt die Autorin dortihin, schreibt von ihrem Tagesablauf mit seinen „Zeitspannen als Formangebot“, in Rot als 3. 2. und in Blau bei  3.1.1.1.1. darüber heißt es „Woran dabei gedacht wird: Erzählinseln. Erzählflösse, Erzählpodeste, Erzähltreppen, Erzählteppiche, Erzählstühle, Erzählräder, Erzählfähren, Erzählbäume, Erzählrhizome, Erzählmikroludien, Erzählthriller“

Also immer noch sehr kompliziert für die nichtexperimentele Leserin.

Obwohl Florian Neuner in seinem Nachwort ja etwas vom mühelosen Stadterkunden schreibt und das wird offenkundlich mit der Würfeltechnik so gemacht.

„WÜRFELN (we do this by throwing  the dice)

Es ist der 30. Juli. Es ist sehr heiss. 2014, im nachhinein ein nachweisslich heißer Sommer“.

Und dazu gibt es noch Anweisungen in braun unter 3.1.1.1.1. auf Seite 54:

„Eigener Textversuch? Lassen wir das. Oder doch. Was ist ein Würfelgedicht. In Analogie zur Frage Roubauds, was ein Metrgedicht sei. Bei inem Würfelgedicht entsteht die erste Zele zwischen zwei Würfelwürfen. Diese wird am Zielort des vorhergehenden  Würfelwurfs niedergeschrieben. Die folgende Zeile bilet sich auf dem Weg zum Zielort des eben vollzogenenen Würfelwurfs.  Diese wiederum wird transkribiert nach Erreichen  des neuen Ziels. Nie wird während des Gehens notiert. Der letzte Vers entsteht während der letzten gewürfelten Etappe.“

„Aha!“, könnte man jetzt sagen und „Das ist ja noch komplizierter!“

Jetzt könnte die realistisch schreibende Verhaltenstherapeutin den Versuch wagen, das Ganze zu vereinfachen und Elisabeth Wandeler-Decks Buch wieder eine gespoilerte Inhaltsangabe zu verpassen:

Das Ganze ist also ein sehr experimentell verfaßter Bericht eines Aufentahlts in Skandinavien und man hat auf höchst komplizierte Art und Weise  von Elisabeth Wandeler-Decks Reiseerlebnissen erfahren.

Iich würde das Ganze  viel einfacher verfassen. Aber ich bin  eine realistisch schreibende Autorin, die aber angeblich auch sehr unverständlich ist und ich schaue immer noch gerne über den Tellerrand. Freue mich also auf das nächste Wandeler- Decker Buch oder Lesung, obwohl ich als nächstes zum Glück zu etwas wahrscheinlich Einfacheren greifen werde.

2017-11-24

Immer ist alles schön

Filed under: Bücher — jancak @ 00:17
Tags: , , ,

Jetzt kommt noch ein Debut, nämlich der Roman, der 1983 in Tansia geborenen und in Zürich lebenden Julia Weber, die damit den „Franz-Tumler-Literaturpreis“ gewonnen hat. Ein sehr poetisches Buch, das auf eine sehr poetische Art und Weise, wie man sagen könnte, das Leben von zwei Kindern und ihrer alleinerziehenenden Mutter erzählt, das eigentlich gar nicht so schön ist. Ganz und gar nicht ist das Leben solcher vom Jugendamt betreuten Kinder, die nicht zur Schule gehen, deren Müutter Bartänzerinnen sind, in der Realität höchstwahrscheinlich.

Julia Weber macht ein Poem daraus und es gibt im Anhang oder im letzten Teil des Buches auch Zeichnungen, die das Ganze noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise sehr poetisch erklären.

Im Interview erklärte Julia Weber, die  am Literaturinstitu von Biel studierte und Daniil Charms, Aglaia Veterany und Nathalia Ginzburg, also auch sehr poetische Autoren, als ihre Vorbilder angibt, daß sie für das Buch länger keinen Verlag gefunden hat, weil es denen zu unfertig schien.

Jetzt ist es fertig und in dem wahrscheinlich eher kleinen „Limmat-Verlag“ erschienen, der mir auch die „unbekümmerten Anarchistinnen“ zugeschickt hat und es ist wirklich ein sehr beeindruckendes Buch und eines, wie man es vielleicht noch nicht sehr oft gelesen hat und es beginnt auch sehr beeindruckend.

Ich wünsche mir einen Urlaub voller Feuer und Fernweh und Bruno wünscht sich einen Alkohol!“, ist der Beginn und dann ziehen Anais, die Ich-Erzählerin, ihr jüngerer Bruder Bruno, der weise und intellektuelle mit der Mutter Maria los und sie landen auf einen Campingplatz.

Die Mutter nennt die Kinder „Meine Tierchen“ und das könnte auf der einen Seite abwertend klingen. Tiere spielen in dem Buch aber eine große Rolle und man merkt es gleich oder auch nicht, diese Mutter liebt ihre Kinder, auch wenn in dieser Beziehung, alles sehr ungewöhnlich ist.

Denn der kritische Bruno will  keinen Alkohol, die Mutter aber liebt einen Becher Wein, den sie auch trinkt und dann kommt noch ein Mann und führt die Mutter zum Tanzen aus. Sie wehrt sich zuerst, einigt sich dann auf einen Tanz und kommt nicht zurück, so daß die Kinder sie erst holen müßen.

Die Mutter ist, erfährt man etwas später, Bartänzerin und der Besitzer der Bar, Fred ist ihr Freund. Es kommen dann auch Kapitel, in denen die Mutter von ihren Schwangerschaften und wieder sehr poetisch von ihrer Lebe zu den Kindern spricht.

Aber ganz scheint sie das nicht zu schaffen, denn es kommt zu einem Besuch von einem Riesen, das ist, stellt sich heraus oder man kann es sich so deuten, ein Sozialarbeiter vom Jugendamt auf Hausbesuch, weil die Kinder nicht zur Schule gehen. Die Wohnung scheint auch vermüllt. So ganz einfach ist das durch die poetische Sprache nicht zu erkennen und gerade diesen Kontrast finde ich, die ich ja heuer schon einige Debuts gelesen und gehört habe, sehr ungewöhnlich und neu.

Die Mutter verschwindet dann auch, läßt die Kinder mit einem Brief zurück, daß sie zur Nachbarin gehen sollen, wenn sie was brauchen. Es kommt der Riese wieder, um die Kinder zu betreuen oder sie aus der Wohnung zu locken. Er bringt ihnen auch Essen und erzählt ihnen von seinen Kindern, was ein Sozialarbeiter wahrscheinlich normalerweise auch nicht so einfach tut und in dem Teil „Zeichnungen“ wird die Geschichte dann noch einmal in der Bildersprache nacherzählt.

Spannend, spannend dieses ungewöhnliche Debut und fast eine wenig an Michelle Steinbecks „Mein Vater war im Land ein Mann und ein Wasser ein Walfisch“ erinnernd, aber eigentlich viel weniger verstörend, obwohl das, was hier erzählt wird, auch nicht gerade lustig ist und bei „Amazon“ gibt es, und das ist auch sehr interessant, derzeit sowohl eine Einstern als auch eine Fünfstern Rezension, die Fünfsternrezension ist sehr genau und erzählt von den Unterschieden der beiden Kinder und dem Sinn des Buches, das ein Leben erzählt, in dem eigentlich gar nicht so viel Schönes passiert.

Die Einstern Rezension meint, das Buch wäre langweilig geschrieben, stimmt so ganz leicht zu verstehen ist es nicht und man muß sich wohl auch auf die poetische Sprache einlassen und die Realistin in mir schreit auch gleich, ganz so einfach ist es nicht.

Trotzdem bin ich von Julia Webers Bildern und Poetik sehr beeindruckt, denn einen Sozialarbeiter mit einem Riesen zu vergleichen, muß einer erst einmal einfallen und so würde ich sagen, daß manche Stellen, wie beispielsweise, der erste Satz oder die Riesenmetapher sehr beeindruckend sind, während manches vielleicht nicht so ganz einfach zu verstehen ist und, ob die schöne Sprache über eine triste Wirklichkeit hinwegtäuschen kann, ist wohl immer die Frage, obwohl ich zugeben muß, daß das Julia Weber beeindruckend gelungen ist.

 

2017-08-22

Erich Wyss übt den freien Fall

Jetzt kommt der zweite Teil von Tim Krohns „Menschliche Regungen-Projekt“. Da habe ich ja im Frühjahr „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ gelesen und das Projekt ist zusammengekommen, weil der 1965 geborene Schweizer Autor Geld für ein Badezimmer für seine Mutter brauchte.

So hat er ein Enzyklädodie der Gefühle gesammelt und ein Crowdfunding gestartet. Wenn man dafür spendete, konnte man sich ein Gefühl aussuchen,drei Worte dazu beisteuern und Tim Krohn hat dazu ein Kapitel seiner Romanseri,e die in einem Zürcher Gemeinschaftshaus spie,lt geschrieben.

Ein bißchen ähnlich, wie mein „Besser spät als nie Projekt“, aber das ist ja erst im Mai und Juni entstanden und dem Buch merkt man vielleicht auch das Bemühen an aus dem Gefühlskapiteln einen Roman zu machen an. Die entsprechenden Überhöhungen und Übertreibungen sind auch darin zu finden.

Die Personen sind die gleichen. Es beginnt aber mit einem neuen Hausmeister namens Paul Lutz.Der wird bald wieder entlassen, weil er einen Baum zur falschen Zeit zersägt und auch, weil er sich weigerte, der Hausverwaltung, die entsprechendenInformationen über die Mieter oder sind es Eigentümer zu liefern.

Vielleicht auch, weil sich keine passenden Gefühle mehr für ihn fanden. Sonst treffen wir aber Bekannte und der Titelgeber Erich Wyss, der mürrische alte Mann ist immer noch in die Gaunerei seines Enkels Augustin verstrickt. Da wurde ja für eine Seniorenresidenz in Ungarn gesammelt. Das Geld ist verschwunden und der Großvater soll dafür gerade stehen. Gerda Wyss mischt sich ein, versucht zu vermitteln, ruft fast alle Beteiligte an. Dann feiert sie mit ihrem Erich und auch Hubert Brechbühl, glaube ich, ihren Geburtstag, geht schlafen und wacht nicht mehr auf.

Eine Katastrophe für den alten Erich mit dem sie ja fünfzig Jahre verheiratet war. Der sohn Sepp kommt zur Beerdigung, mäkelt an allem herum, will an allem sparen, um Geld für seinen Sohn zu haben und  den Vater sogar entmüdigen lassen, als der ihm nach einiger Zeit hinausschmeißt.

Hubert Brechbühl hat Schweißfüße, spielt Tuba und beginnt sehr vorsichtiig eine Beziehung zu der esoterischen Ex-Krankenschwester Edith Samyra und die will  nach Nepal fliegen, um der ermordeten Königsfamilie zu huldigen und da kommen wir zu einem Zeitband, das den Roman umhüllt. Nämlich nine elefen, das ist zwar schon lange her, aber vielleicht hat Tim Krohn solange an seinem Buch geschrieben. Jetzt stürzen aber die Türme und alle Hausbewohner sind betroffen.

Edith-Samyra sitzt in Panik am Flughafen von Istanbul und weigert sich in ein Flugzeug zu steigen. Hubert soll  sie abholen. So reist der über Wien, Budapest, Bukarest dorthin und Salina, die  Schauspielerin, die ja gleichzeitig die Mutter Courage, als auch in einem Film eines überspannten Regisseurs spielt, wird davon bei den Proben überrascht.

Julia Sommer, die Mutter der unöglichen und schrecklich ungezogenen Mona, sind Kinder wirklich so und reden sie mit zweihalb wirklich schon so viel, hat sich als Lektorin selbständig gemacht. Ist jetzt ständig in Geldnöten und Drehbuch für einen Film will sie auch schreiben und dann gibt es noch das sexaktive Paar Costas, die schreiben auch die Texte für einen Sexfilm und wollen ihn vermarkten. Das Studentenpaar Petzi und Pit gibt es ebenfalls. Die leben sich auseinander und kommen wieder zusammen. Pit gibt sein Philosophiestudium auf und möchte nun Medizin studieren.

Es gibt einen reichen Sammler und noch ein paar andere mehr oder weniger spinnige Figuren. Weihnachten wird gefeiert, beziehungsweise vom Kindergärtner umbenannt, weli es ja Fest der Liebe und nicht mehr Christkind heißen darf. Mona soll aber einen Engel spielen. Das wird durch eine Grippeepidemie verpatzt, weil sich dann die Menschen, weil ja Virenschleudern nicht mehr umarmen dürfen und so weiter und so fort.

Maan sieht, Tim Krohn macht sich gehörig über unser Gesellschaft lustig und es ist,was mir ja sehr angenehm sein sollgte, ein realistischer Roman oder der Versuch aus dem menschlichen Regungen einen solchen zu machen.

Da passiert ja nichts literarischen oder das ist mir viel zu wenig abgehoben, könnten die Kritiker jetzt schreien. Vielleicht ist das buch deshalb nicht auf die LL gekommen. Aber bei einer Serie ist das  auch schwierig oder vielleicht sind die gar nicht zugelassen und ich kann mich jetzt auf den dritten Teil freuen und dazwischen natülich etwas andereres lesen. Auswahl gibt es ja genug.

2017-02-21

Herr Brechbühl sucht eine Katze

Mit den Häusern beziehungsweise, dem anonymen oder doch vielleicht doch nicht so anonymen Wohnen in einer soolchen  Hochhaus- oder Genossenschaftsanlage geht es gleich weiter und nach dem Realsozialismus der Neunzehnhundertsiebzigerjahre, dem modernen Debutantensurrealismus und den Geistern von Berlin geht es zum Crowdfunding und, wie es auf den Verlagsaussendungen heißt, zu dem sensationellsten, experimentellesten Romanprojekt des Jahres, etcetera

Und mit diesen Alternativen zu den herkömmlichen Verlagsprodukten beschäftige ich mich ja seit einiger Zeit und da gibt es auch einige solche.

So hat Tilmann Rammstedt mit „Morgen mehr“ vor einem Jahr mit „Hanser“ ein Crowdfunding-Projekt gestartet, das im letzten Mai auch als Buch erschienen ist und jetzt auf meinem Badezimmerstapel liegt und Jaqueline Vellguth, die „Schriftsteller-de-Schreibwerkstättengründerin“, hat im Vorjahr ein anderes, vielleicht genauso interessantes Projekt, wenn auch auf der Selfpublisherseite gelegenes, gestartet, in dem sie zwölf Bücher in einem Jahr geschrieben und veröffentlicht hat und da bin ich vielleicht schon bei den Blogromanen und da habe ich auch einen geschrieben oder nein, ich habe 2015 einen Adventkalenderschreiben wollen, das im November im Rahmen des „Nanorimos“ getan und weil ich diese Idee schon ein paar Jahre mit mir herumgetragen habe, gab es im Monat Dezember in meinem Blog auch schon mal ein paar diesbezügliche Artikel.

2016 war das Buch fertig und ich habe dann immer im Dezember auf die entsprechenden Artikel verlinkt, beziehungsweise, wenn ich Platz für einen Artikel hatte, ein neues Kapitel eingestellt, so daß es im Dezember einmal den ganzen Roman, den man auch als Buch beim ir kaufen kann, im Blog geben wird.

Ist das ein sensationelles Projekt?

Wahrscheinlich nicht, ich bin aber auch keine die mit ihrem „Literaturgeflüster“ Aufsehen erregt, ganz im Gegenteil, manche halten meine Rechtschreibfehler und Flüchtigkeiten sogar für das Schlechteste was sie jemals gelesen haben und übersehen dabei vielleicht das ennorme Archiv das es über die letzten Jahre des vorwiegenden Wiener Literaturleben bei mir gibt oder es interessiert sie einfach nicht.

Aber ich wollte von Tim Krohn und seinem sensationellen Projekt erzählen, auf das mich „Galiani“ aufmerksam gemacht hatte, in dessen Verteiler ich bin, seit ich im letzten August bei „KIWi“ anfragte, ob ich die LLs für mein Buchpreisblogprojekt als Rezensionsexemplare haben kann.

Der 1965 geborene Tim Krohn, von dem ich höchstens, glaube ich, den Namen kannte, ist ein 1965 geborener Schweizer Autor und lebt in einem schönen alten Bauernhaus.

Dann wurde seine Mutter krank oder pflegebedürftig und er wollte sie zu sich nehmen, aber im Erdgeschoß gab es kein Bad. Geld eines einzubauen war nicht da. So kam es zu der Idee mit dem Crowdfundig und Tim Krohn sammelte, glaube ich, ersteinmal die menschlichen Gefühle oder „Regungen“, wie er es nannte, und bot dann seinen Lesern an, sich eines herauszusuchen, noch ein bis drei persönliche Worte dazu beizusteuern, zweihundertfünfzig Franken oder einen anderen Betrag nach Wunsch einzuzahlen und er setzt sich hin, schreibt eine Geschichte dazu und nimmt sie am Abend noch für den Eigentümer auf.

Wenn ich das mache oder bei meinen Gewinnspielen drei Fragen bezüglich des neuen Buches stelle, wo man es gewinnen kann, rüht sich kein Schwein.

Tim Krohn hatte flugs das Geld, das Bad, aber auch den Auftrag jetzt hundertdreißig Geschichten zu schreiben. Was er auch tat und weil er bei „Galiani“ anfragte, gibt es jetzt den ersten Band der „Menschlichen Regungen“, nämlich „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ mit den ersten fünfundsechzig Geschichten. Band zwei soll noch im Sommer, der dritte Band im Frühling folgen und weil die Liste, glaube ich, noch mehr Gefühle aufzuweisen hat, kann man sich  auch noch Geschichten kaufen.

Das ist, möchte ich, ganz vorsichtig anmerken ist auch nicht ganz so neu, Richard Weihs tut das schon seit Jahren mit seinen „Wunschgedichten“ bei den „Wilden Worten“ und nennt das Kundenanbindung, damit die Leute auch im nächsten Monat ins Amerlinghaus kommen, um sich ihr Gedicht anzuhören.

Er schickt es allerdings auch schon vorher via Mail aus und man muß nichts dafür bezahlen und so gibt es in meinen Büchern merke ich auch noch kurz an, bevor ich zu den Häusern und zu Herrn Brechbühl komme, in meinen  zwei schöne Wunschgedichte, ein paar andere gibt es auch, denn ich gehe ja ziemlich regelmäßig zu den „Wilden Worten“ und wünsche mir dann auch immer Gedichte und bei meinem jetztigen „Work in Progress“ hat er mir sogar den Beschreibungstext, um den ich sonst ja sehr betteln muß und oft Absagen bekomme, gemacht und auch erklärt, was es mit dem Bibliotheksgespenst auf sich hat.

Aber was hat das Ganze jetzt mit den Häusern zu tun?

Ganz einfach, denn Timm Krohn ist auf die Idee gekommen, das Ganz in Züprich in einem Genossenschaftshaus spielen zu lassen.

Es gibt elf Bewohner, die dort leben, beziehungsweise von denen die Geschichten erzählen. Das Ganze beginnt in der Silvesternacht 2000, also eigentlich schon lange her, und die Herren, die drei Bs, die damals die Welt beherrschten, Bush, Berlusconi, Blocher sind vielleicht gar nicht mehr so mächtig, interessant, denn in meinen Work on Progress, schreibe ich ja die „Die Viertagebuchfrau“ um oder neu, weil, die ja schon 2000 spielt und jedes Kapitel, das Buch  hat, wie schon erwähnt fünfundsechzig, beginnt mit einem der Gefühle, die von „Aalglätte“ bis „Zynismus“ gehen  und am Ende des Bandes gibt es eine Liste mit den Namen der Käufer und die Personen, die in dem Biuch vorkommen, wurden auch in einem kostenlosen E-Book, mit dem Übertitel „Menschliche Regungen“, das ich mir vorige Woche hochladen konnte, aber eigentlich nur eine erweiterte Inhaltsangabe ist, vorgestellt.

Wer lebt nun in den Haus?

Da ist nun einmal der Namensgeber Hubert Brechbühl, das ist ein frühpensionierter Tramschaffner, der hat zu Beginn des Buches einen Traum, ich merke vielleicht noch an, daß mich, die ich ja auch schon einmal daran dachte, mit so einer Wortliste einen Roman zu schreiben, interessiert, wann Tim Kröhn, die Idee hatte, aus dem Ganzen einen Roman, beziehungsweise eine Serie zu machen, beziehungsweise, daß man diese Absichtsloigkeit dem Buch vielleicht anmerken kann.

Nun Herr Brechbühl hat am Anfang einen Traum, dann gehts aber gleich zu Julia bezihungsweise zu Mona. Mona ist vier oder fnf, die Tochter der alleinerziehenden Lektorin namens Julia, dann gibt es noch die arbeitslose Schauspielerin Selina, die hat eine Theraterratte namens Malkovic. Die stirbt gleich zu Beginn und damit Mona, die nebenbei erwähnt, ziemlich verwöhnt oder auch verzogen ist, nicht traurig wird, verspricht ihr Julia eine Katze.

Aber die kann sie nicht in ihrer Wohnung haben, so läutet die Kleine bei Herrn Brechbühl an und sagt, er soll mit ihr die Wohnung tauschen.

Das ist vielleicht die Rahmenhandlung, die die Geschichte zusammenhält. Es gibt aber noch mehr Bewohner.

Pit und Petzi, zwei Studentien, so um die zwanzig, die im ersten Semester studieren, sich aber eigentlich die ganze Zeit durchvögeln, was in dem hellhörigen Haus, die ganze Beohnerschaft mitbekommt.

Es gibt in dem Haus auch eine strenge Hausordnung und keine eigenen Waschmaschinen, so muß man die gemeinschatlichen benützen, das führt zu Streit und zu Unstimmigkeiten.Trotzdem gibt es in dem Haus aber eine sehr optismistische Verbundenheit, das ist vielleicht das Gegenstück zur Isolation, die Ingeborg Drewitz in ihrem „Hochzaus“ zeigt.

Man könnte vielleicht sagen, die Gefühle halten die Hausgemeischaft zusammen und vieles ist auch originell und ungewöhnlich, einiges alltäglich menschlich.

So leben auch Gerda und Erich Wyss, ein über achtzigjähriges Ehepaar in dem Haus. Er pflegt sie, aber als der Enkel, der in Berlin lebt, bei seinem Chef Geld veruntreut und das dann auch noch im Casino verspielt, fährt der alte Erich nach Konstanz, um es mit seinem System zurückzugewinnen. Er verliert natürlich und schlägt auch noch eine Fensterscheibe ein und als der Filmregisseur, der die Schauspielerin Selina für einen Film über aktive Sterbehilfe engagieren will, sie besuchen kommt, aber nicht findet, säuft er mit dem alten Ehepaar die Nachtlang durch, was dazu führt, daß Erich am nächsten Morgen über die Stiege fällt, ins Krankenhaus muß und sich fortan Sorgen über das betreute Wohnen macht.

Es gibt aber noch ein Gastarbeiterpaar, Adamo ein Italiener mit seiner Frau Efgenia.Er ist Rettungsfahrer, sie hat einen kaputten Rücken und ist deshalb eine Ungustelin.

Das heißt, sie stört die Waschordnung, grantelt alle an und als Adamo, um sie aufzuheitern einen Aprilscherz macht, sagt, sie soll den Hausmeister für einige Zeit vertreten, beginnt das Ganze zu kippen. Sie tut das nämlich mit Feuereifer, obwohl sie das gar nicht dürfte, braucht für ihren Rücken, aber Morphium, das er dann aus Liebe für sie entwendet. Schließlich kommt sie doch zu ihrer Operation, er aber, um den Job und und…

Man sieht, glaube ich, ganz gut, wie es läuft und Herr Brechbühl, um wieder zu ihm zurückzukehren, muß auch schmerzlich erfahren, daß man ihn gar nicht mehr so braucht, wie er glaubte.

So freundet er sich mit einer esoterischen Buchhändlerin an, macht vielleicht eine Liebe, die wir möglicherweise in Band zwei oder drei weiterverfolgen können und sucht im ganzen Buch eine Katze?

Nun eigentlich tut er das nicht wirklich, das ist ja Monas Idee. Trotzdem gibt es einen Carusu, das ist der Kater des Stammwirtens, der eine Rolle spielt und Mona liegt mit Moritz, das ist noch hein Student, der im Haus wohnt, auf der Lauer, um eine angeblich öfter das Haus besuchende Katze zu finden, den dicken Carusu, den Herr Brechbühl vorübergehend für sie einqaurteirte, will das verwöhnte Fräulein aber nicht und die alleinerziehende Julia hat mit ihrem Verlag Sorgen, weil sie Mona immer vom Hort abholen muß und ihr Chef, sie deshalb immer kündigen will oder ihr die Praktikantinnen, als mögliche Nachfolgerinnen vor die Nase setzt.

Ein interessantes Projekt, ob wirklich so sensationell, wie vom Verlag angekündigt, wird sich zeigen, wie es bei den Bloggern oder in den Buchhandlungen aufgenommen wird, auf die nächste Longlist kommt, den Schweizer Buchpreis macht, etcetera…

Im Sommer gibt es  jedenfalls den nächsten Band „Erich Wyss übt den freien Fall“, der dann von „Julia Sommer sät aus“, im nächsten Frühling gefolgt wird.

Ich  fand es, wie schon erwähnt, besonders spannend, in ein paar Tagen einen ganzen Reigen von neuen oder auch alten hochhausbücher  gelesen zu haben und es war höchst interessant, sie nebeneinanderzustellen, beziehungsweise untereinander zu vergleichen.

2016-08-30

Mein Vater war ein Mann am Land und im Wasser ein Walfisch

Vola, jetzt kommt das erste Longlistenbuch des sehr überraschenden dBp 2016, ein Buch einer mir bisher unbekannten Autorin und eines genauso unbekannten Schweizer Verlages, mit schon einmal einem sehr spannenden Titel, der neugierig macht und so war ich sehr froh, daß mir der Verlag das E-Book zur Verfügung stellte.

Auch das Cover ist sehr ungewöhnlich, sieht man da ja eine stilisierte Figur mit einem Käppchen am Kopf, einer Flasche in der einen, einen Koffer in der anderen Hand und dann war ich erstmal eine Weile ratlos, denn die 1990 in Lenzburg geborene Michelle Steinbeck, die am Schweizer Literaturinstitut in Biel studierte, scheint eine sehr experimentelle Autorin zu sein oder sagen wir lieber eine Sprachkünstlerin wie Herta Müller oder Andrea Winkler und der sehr kurze Debutroman besteht aus zehn Kapitel, die Titel “ wie „Das Kind“, „Die Alte“, „Der helle Mann“, „Die  rote Stadt“ haben, geht  gleich hinein in das Geschehen und die Autorin, die von einer „Ich-Erzählerin“ ausgeht, macht es der Leserin, die gerne alles ganz genau und realistisch haben will, nicht ganz leicht.

Also wieder ein Buch für Tobias Nazemis Literaturdebatte, wie anspruchsvolle Literatur zu sein hat. Ob es da primärum die Handlung oder die schöne Sprache geht?

Michelle Steinbeck entscheidet sich eindeutig für das Zweite und so erzählt sie von einem Kind, das bei der Ich-Erzählerin namens Loribeth auftaucht, das sie stört und von ihr offenbar nicht gewollt wird, so tut sie es in einen Koffer und reist mit ihm durch das ganze Buch, wo ich nicht sicher bin, ob Roman, die richtige Bezeichnung dafür ist, lyrische Episoden würden vielleicht besser passen.

Was mir ein bißchen dabei aufstieß, ist der offensichtliche Kinderhaß der jungen Frau, aber man kann und soll wahrscheinlich, das Ganze natürlich tiefenpsychologisch deuten und da die Leserin zufälligerweise auch noch Psychologin und  als solche allerdings Verhaltensterapeutin ist, tue ich mir damit nicht allzu schwer.

Loribeth geht also zu einer Wahrsagerin, das ist die „Alte“ und dann macht sie sich mit dem Kind im Koffer auf die Suche nach dem verlorenen Vater.

Einen Fridolin Seifert triff sie auch dabei und in ein Schiff oder in ein Haus am Meer muß sie auch hinuntersteigen.

Es ist nicht leicht den Inhalt dieser poetischen Geschichte widerzugeben.

Der Klappentext beziehungsweise, die Buchbeschreibung hilft da ein wenig weiter und verrät, was man beim Lesen übersehen könnte.

„Loribeth ist auf der Flucht. In ihren Koffer ein erschlagenes Kind. Eine Wahrsagerin hilft ihr weiter: Sie muß den Koffer samt Kind zu ihren verschollenen Vater bringen, um erwachsen zu werden. Auf ihrer phantastischen Reise überquert sie Städte, Wüsten und Meere und verliebt sich in alle Wesen, die ihr etwas Eßbares anbieten. Doch unerwartete Begegnungen, Katstrophen und eine erschreckend lebendige Kofferleiche zwingen sie stets weiterzuziehen, bis der Koffer seinen Bestimmungsort findet und Loribeths Blick sich verändert: Das Magische geht ins Reale über. Das langersehnte Leben im Kreis der auserwählten Freunde ist öd, nichts passiert. Um ein wenig Magie zurückzuholen wird gefeiert. Doch Loribeth kann nicht aufhören zu fragen: soll das nun alles sein“

Mir war es, wie schon angedeutet, zu wenig real, weil mir die schöne Sprache vieleicht zu wenig ist und ich mit dem Magischen wahrscheinlich auch nicht allzuviel anfange.

Trotzdem habe ich einen interessanten Verlag und eine interessante Autorin kennengelernt und weiß jetzt vielleicht ein wenig besser, was in den Schweizer Literaturinstituten passiert und welche interessante literarische Stimmenn, die Schweizer Literatur zu bieten hat und bin auch gespannt bei den inoffiziellen und offiziellen Bloggern, sowie den anderen Literaturkritikern zu lesen, was sie zu den Buch sagen und, wie es ihm bei der Preisvergabe gehen wird?

In der österreichischen Jungautorenszene kenne ich mich ja ein wenig aus, weiß, daß es da auch einige magische Stimmen gibt, die ich beispielsweise erst letzte Woche bei den Ö-Tönen hörte, bei den Schweizern bin ich ein wenig unbedarfter.

Also habe ich der Jury für die spannende Auswahl zu danken und hoffe doch ein bißchen, daß es auch realistischer wird, denn ich bin ja ein Handlungstyp, an den gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemen interessiert und nur die tiefenpsychologischen Entwicklungsstufen des Erwachsenwerdens sind mir  zu wenig und die Psychologin hängt vielleicht doch noch ein bißchen daran, wie man Kinder nicht mögen kann, daß man sie töten muß und in einen Koffer sperrt, obwohl sie schon weiß, daß es ein bißchen anders zu verstehen ist und Michelle Steinbeck eigentlich sehr mutig ist, das so offen zu verbalisieren.

2016-08-15

Ohio

Jetzt kommt wieder etwas von meiner Leseliste, ein Buch, der 1964 in Lorrach geborenen, Schweizer Autorin Ruth Schweikert, von der ich schon „Augen zu“ gelesen habe und die mit ihrem letzten Buch, glaube ich, auf der Schweizer Buchpreisliste stand und in Göttweig habe ich sie auch daraus lesen gehört.

„Ohio“ habe ich um einen Euro in einem der „MM-Märkte“, wahrscheinlich bei „Buchlandung“ oder dessen Nachfolger gekauft, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Das Pickerl liegt aber im Buch, das Egon Amman, dem Leiter des „Amman-Verlags“ gewidmet ist, der mir ja, glaube ich, einmal einen langen Brief bezüglich meiner „Hierarchien“ schickte, die ich bei ihm eingereicht habe und es führt zu der Frage zurück, was ein anspruchsvolles Buch ist, die Tobias Nazemi ja, wahrscheinlich im Vorfeld des Buchpreisbloggens auf seinem Blog gestellt hat, beziehungsweise zu meinen „Berührungen“ oder der Behauptung, die mich immer etwas nervt, das ein gutes Buch berühren müsse!

Denn „berührt“ ich gebe es zu, hat mich das Buch, ohne jetzt einen Verriß zu schreiben, nicht.

Ich halte es im Gegensatz wieder für eines dieser gut gemachten literarisch anspruchsvollen Bücher, in guten Deutsch, mit schöner Sprache, mit literarischen Anspielungen und einem Allerweltsthema.

Eine Familiengeschichte, wo habe ich das vor kurzem schon gelesen, daß die Großeltern nach Amerika ausgewandert sind und der Vater Bauer war? Bei Richard Wagners „Habseligkeiten“ glaube ich und das steht ja kurz über „Ohio“ auf meiner Leseliste, mit der ich wegen der vielen Neuerscheinungen und anderer Ablenkungen nur langsam weiterkomme.

Außerdem ist der Titel verwirrend, denn mit Ohio hat das Buch überhaupt nichts zu tun, nur daß die Großeltern des Protagonisten, dorthin einmal auswandern wollten, es dann aber doch nicht taten.

Es beginnt stattdessen in einem Hotelzimmer in Südafrika, da beugt sich der Schweizer Arzt, italienischer Abstammung, Andreas über seine schlafende Frau Marete, mit der er neun Jahre zusammen war und zwei Kinder hat, bevor er das Zimmer verläßt, um in den Selbstmord zu gehen.

Das ist der Beginn und daran rankt sich, chronologisch nicht zusammenhängend, die Geschichte des Paares und deren Familie.

Marete, wie Andreas und ihre Autorin in den Sechzigerjahren geboren, wurde in Südafrika gerfunden und von der Finderin adoptiert, nachdem ihr eigenes Kind gestorben ist.

Andreas Großeltern, die im Engadin, glaube ich, in einem Hotel gearbeitet haben, wollten nach Ohio auswandern, haben es nicht getan, sondern den Sohn Michele geboren, der Almut geheiratet hat, die mit ihren Eltern von Polen in die Schweiz gekommen ist und dort als Kindermädchen gearbeitet hat.

Um die ranken sich viele schöne Geschichten, Michele, eigentlich homosexuall, der eigentlich Tänzer werden wollte, viel fotografierte, am liebsten Menschen mit geschlossenen Augen, aber Rezeptionist in diesem Hotel war, ist inzwischen, die Geschichte spielt 2001 nach dem Einsturz der Twintowers und endet 2005, als Merete ihr drittes Kind von ihrerm Liebhaber Peter, mit dem sie Andreas betrogen hat, gebiert.

Michele, der an einem leichten Alzeheimer leidet, ist inzwischen an einem Schlaganfall gestorben und das war in einer Zeit, in der Marete, Andreas nach Durban schickte, damit er gesund werden konnte, denn Jonathan, der altkluge ältere Sohn, hatte einen Radunfall, den Andreas verschuldete.

Es ist nichts passiert, er ist nicht daran gestorben, sondern wieder gesund geworden. Es hat aber Andreas krank gemacht, so daß er bei seinem Freund Dominik, dem Psychiater anrief und sich für einen Freund, der eine Tochter verloren haben soll, Psychopharmaaka verschreiben ließ und an dem Tod, der Freundin des Freundes ist er auch schuld, denn sie starb bei einer Gletscherüberkehrung die sie mit Andreas und Marete machte, während der Freund krank im Hotel lag, was vielleicht den Selbstmord erklärt.

Es gibt noch eine behinderte Schwester Andreas, deren Hamster immer Amore heißen und das sind lauter schöne Bilder, die durch das Buch führen, das ich eigentlich nicht Roman nennen würde und die so abgehoben sind, daß sie mit den gewöhnlichen Wald-und Wiesen leben, die die Leser des Buches haben werden, wahrscheinlich nicht zu vergleichen will.

Ich weiß, gute anspruchsvolle Literatur muß abgehoben und ungewöhnlich sein und mit meiner Wald und Wiesendepression oder der, der der alleinerziehenden Mutter, die beim „Billa“ arbeitet und wahrscheinlich nie in Durban gewesen war, nicht zu vegleichen, damit sie interessiert, denn man will ja das Schöne, Ungewöhnliche und nicht das eigene Elend lesen, das hat mir ja schon ein wahrscheinlich Obdachloser in der  „Augustin Schreibwerkstatt“ gesagt, als ich mit meiner „Sophie Hungers“ dahergekommen bin.

Ich frage mich aber, was mir das Lesen dieser vielen schönen Bilder und der zusammengewürfelten Familiengeschichte bringt, die ja gar nicht so ungewöhnlich ist, sonst hätte ich ja ähnliches nicht erst vor kurzem bei Richard Wagner gelesen?

Ich bin eine Vielleserin mit dem Anspruch möglichst alles zu lesen, um am Schluß zu wissen, was die anderen besser können und Egon Amann hat mir vor mehr als dreißig Jahren zu erklären versucht, was meine „Hierarchien“ von der guten Literatur unterscheidet.

Damals habe ich es, glaube ich, nicht verstanden. Heute weiß ich, daß sie abgehoben und in einer sprachlich schönen perfekten Sprache sein muß.

Die Handlung behauptet Tobia Nazemi weiter, wäre ihm egal. Mir eigentlich nicht und so frage ich mich wieder, ohne zu verreißen, was ich von dieser Mittelschichtgeschichte mit vielen literarischen Anspielungen, A. L. Kennedy, Pessoa und noch andere kommen vor, der Holocaust wird erwähnt, die Homosexualit, etc, habe und was sie mir für mein Leben bringt?

Ich habe diese abgehobene Familiengeschichte mit Verlaub gesagt, ein wenig langweilig gefunden, aber meine ganze Konzentration gebraucht, um den Inhalt zu erfassen und kann nun sagen, ich habe wahrscheinlich ein Stück gute, anspruchsvolle Literatur gelesen. Weiß jetzt noch ein bißchen genauer, was darunter zu verstehen ist und was die Verlage und die Literaturkritiker dafür halten.

Ob das Buch sehr viele begeisterte Leser findet, weiß ich nicht, wäre da auch ein wenig skeptisch. Aber ich glaube, ja, die Leute lesen ohnehin nicht sehr viel und wenn dann eher Sachbücher, Krimis, Chicklits und, daß ich das 2005 erschienene Buch, vor ein paar Jahren, um einen Euro kaufen konnte, spricht ja auch für meine These.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.