Literaturgefluester

2017-03-14

Nur einmal Reto Hänny

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:06
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In der „Alten Schmiede“ hats am Montag wieder einmal eine „literarische Erleuchtung“ gegeben. Der 1947 geborene Schweizer Reto Hänny, den ich, glaube ic,h von einem der „Fried-Preise“ kenne und der einmal auch Bachmannpreisträger war, referierte über den mir unbekannten Robert Pinget, den ich auch nicht näher kennenlernen durfte, denn ich hatte um fünf Uhr eine Stunde eingetragen.

Der Klient ist dann sehr spät gekommen, der Alfred hat  auch noch angerufen, so daß es sich nicht ausgegangen wäre, rasch noch in die „Alte Schmiede“ zu hetzen und vielleicht in die letzte Minute beziehungsweise zur Pause zurechtzukommen.

Also schön langsam und als ich dann die „Alte Schmiede“ kurz vor halb acht erreichte, kam mir eine Stammbesucherin gerade entgegen, ein paar andere standen vor dem Eingang und in der Zeitschriftengalerie lag ein Haufen meist fremdsprachiger Literaturzeitschriften zur freien Entnahme auf.

Nun bin ich ja kein Sprachgenie und habe bekanntlich auch nur wenig Platrz, so daß ich mir nur ein paar der „99 Nummern -Neues Formum Literatur“ nahm und mich dann eine Reihe vor Evelyn Holloway setzte, die jemanden gerade erzählte, daß sie zu wenig zum Schreiben kommen würde, weil sie zuviel lese.

Das passiert mir geigentlich nicht, daß mich das Lesen wirklich vom Schreiben abhält, das wäre eher das Surfen, das Bloglesen, die Weihnachtsfilme oder die You Tube Videos und als ich Montag Morgen vom Wochenende in Harland zurückkam, hatte ich auch zwei Zettel von den deutschen Postdiensten am neiner Wohnungs-Praxistür und da muß man sich die Packerln jetzt ja immer von irgendwelchen Geschäften abholen.

Also zuerst in eine Pizzeria, da bekam ich dann ein Buch von „Klett-Cotta“, auf das ich schon vergessen hatte und da der Weinhändler, bei dem ich mir schon einmal eines meiner neuen Bücher abholte, am Montag geschlossen hat, muß ich noch ein bißchen warten, bis ich erfahre, wer mir ein  Bücher schickte?

Es könnte das der Olga Grjasnowa sein, auf das ich schon warte oder die vom „Hommunculus-Verlag“.

Mal sehen und am Abend habe ich Reto Hänny zugehört, der in seiner Schweizer Aussprache gar nicht leicht zu verstehen war.

Johannes Tröndle hat eingeleitet und erzählt, daß sich, no na, „Blooms Schatten“ auf den „Ulysses“ bezieht und, daß den Reto Hänny schon mit Fünfzehn schreiben wollte und ein diesbezügliches Vorläuferbuch gibt es auch und dann kam die Lesung aus dem Buch, das, wenn ich die Beschreibung richtig verstanden habe, aus einem einzige Satz besteht und ich habe, obwohl ich schon ein paar mal an den Bloomes-Tage mehr oder weniger intensiv teilnahm, den „Ulysses“ nicht gelesen, obwohl ich es einmal versuchte, weil der Patrick, das Buch ja einmal den Alfred schenkte. Aber als ich endlich soweit war, kam die Anna und borgte es sich aus und was tut man nicht alles um das Leseverhalten seiner Töchter zu fördern?

Inzwischen hat sie es mir zwar wieder zurückgegeben, aber keine Zeit, keine Zeit.

Ich habe mich aber vielleicht in dem „Wiener Stadtroman“ auch an dem Thema probiert, denn da rennen ja ein paar Leute einen Tag lang durch Wien im Viertelstundentakt und der Leopold Bloom tut das in Dublin auch.

Wo „Blooms Schatten“ herumläuft, habe ich nicht ganz verstanden, vermutlich in der Schweiz und der versucht sich außer an den fast koscheren Nierndln oder ist es eine Leber, an einem Gorgonzolasandwich und trinkt dazu ein Glas Burgunder.

Sehr schmackhaft also und das anschließende Gespräch das Johannes Tröndle mit dem Autor führte war auch sehr interessant.

Denn der erzählte viel von seiner Art des Überschreibens und sagte, glaube ich, auch etwas, wie, daß man je öfter man den „Ulysses“ liest, ihn immer weniger verstehen würde. Was vielleicht als Aufforderung zu verstehen ist, es doch nicht zu versuchen.

Am Schluß gabs noch eine Zugabe und der Autor bedankte sich beim Publikum, das zum Teil aus seinen Freunden oder Fans zu bestehen schien mit einem Knicks, beziehungsweise tiefen Verbeugung und ich habe wieder einen interessanten Ausflug in die Literatur erlebt, auch wenn ich die Erleuchtung versäumte.

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2015-10-30

Über den Winter

Der Endspurt naht, Rolf Lapperts „Über den Winter“ ist das achtzehnte Longlist- sowie, das fünfte auf der Shortlist das ich lese, eines das die Bücherblogger, nicht auf ihtre Shortlist setzten und dann, als sie es gelesen hatten, vermehrt den Preis zusprachen und ich schließe mich ihnen, glaube ich, an, obwohl ich Frank Witzel noch nicht gelesen habe und meine persönliche Shortlist eigentlich schon sechs Titel hat.

Jetzt könnte ich die Alina Bronky als zu flapsig, zu sehr Allgemeingeschmack, wieder hinunterstreichen. Ich könnte sie aber darauf lassen, denn wer sagt, daß eine Shortlist nur sechs Bücher hat und meine Meinung ist auch ohnehin trivial und scheint niemanden zu interessieren.

Einer der Bücherblogger hat es, glaube ich, als ein tieftrauriges Buch bezeichnet oder das trauigste, das er je gelesen hat, ein anderer, daß das nur ein Buch für Fünfzigjährige sei und hätte er es mit zwanzig gelesen, hätte er es weggeschmissen.

Ein Satz der mich, der ich es ja nicht so mit den Bücherwegschmeißen habe, bedenklich macht, aber ich habe auch etwas länger gebraucht, mich in das Buch hineinzufinden.

Zuerst hätte ich es, wie das von Ralph Dutli ein wenig aufgesetzt gefunden, dann aber gedacht, daß es das hat, was ich gerne könnte, die Realität nämlich so abgehoben, daß es als literisch gilt und was mir beim Kay Weyandt ein wenig fehlte, zu schildern.

Also da ist Lennard Salm, an die Fünfzig, ein Konzeptkünstler, offenbar erfolgreich, obwohl das nirgend so genau steht, in New York lebend. Zu Beginn des Buches, ist er aber an irgendeinem Stand, wahrscheinlich in Italien, wo das Schwemmgut der Bootsflüchtlinge herangetrieben wird und er ist da, um das zu fotografieren und ein Kunstprojekt daraus zu machen.

Deshalb wohnt er in der seltsam heruntergekommenen Feriensiedlung seines Mäzens Wieland und diese Siedlung ist wirklich irgendwie seltsam. Zwar gehört sie Millionären, aber es ist alles verlassen, kaum jemand da, außer ein paar der Besitzer, mit denen Salm pokert und schon seine Uhr, sein Handy, seine Kamera, etcetea an sie verloren hat.

In der Nacht kommen auch Jugendliche, um Steine auf die Siedlung zu werfen, und die Polizei scheint sich um all das nicht zu kümmern. Ein sehr verlorenes Endzeitbild, wie die LL ja einige zu bieten hat.

Salm geht, als er seine Kamera wieder hat, an den Strand um zu fotografieren und findet dort ein toten Baby, das einfach begraben wird, weil die Polizei für tote Kinder offenbar nicht mehr zuständig ist.

Dann bekommt er einen Anruf seines Mäzens, seine Schwester ist gestorben und er muß nach Hamburg, von wo er herstammt, zum Begräbnis.

Auch da geht es bizarr weiter. Der Mäzen schenkt ihm am Flugplatz ein Handy und einen Mantel, denn in Hamburg ist es Winter und sehr kalt, quartiert ihn in einem guten Hotel ein. Er geht aber in eines namens „Babylon“, kauft sich bei einem türkischen Tandler einen schwarzen Anzug und fährt auf den Friedhof, wo er seine Familie wiedertrifft. Die Schwester Bille, auch eine verkappte Künstlerin, Regieassistentin, die im Laufe des Buches ihren Job verliert, den Vater Albert, der im heruntergekommenen Stadtteil Wilhelmsburg mit seiner polnischen Pflegerin Bascha lebt und damit er sie sich leisten kann, hat er die meisten Mäöbeln verkauft. Die Mutter eine Norwegerin, zu der Salm wegen ihrer Strenge ein sehr schwieriges Verhältnis hat, ist aus Amerika, wo sie jetzt lebt, gekommen und dann gibt es noch den jüngerne Bruder Paul, der aber nicht das Kind von Albert ist.

Bille will, daß Salm bei ihr wohnt, der Vater will das ebenfalls, so kommt er in das herabgekommene Viertel, wo es nur mehr einen alten Friseur, ein leeres Reisebüro und eine imbßbude gibt und als er das Haus betreten will, wird er von einem Jugendlichen mit einem Revolver bedroht. Ja so ist das offenbar in den heruntergekommenen Vierteln in unseren Krisenzeiten.

Der Junge heißt Lorenz und lebt mit seiner Mutter in der Wohnung der Großmutter, die liegt im Bett und hört den ganzen Tag klassische Musik, dann gibt es noch eine andere alte Frau in dem Haus, die im Verlauf des Buches stirbt und die in ihrer Wohnung alte Zeitungen angesammelt hat, um sich von der Kälte zu schützen und den Hausherrn und dessen Sohn Armin mit der Hasenscharte, den der Vater, weil man das, was Gott gibt, nicht wegmachen soll, nie oiperieren ließ und der deshalb zum Gespött der anderen wurde. Armin versogt den alten Mann, der im Bett liegt und dreht ihm zur Strafe auf sieben Fernsehern, die Musik auf, die er die er als Jugendlicher nicht hören durfte.

Man sieht schon, die ganze Bandbreite des Schnitzerlischen „Weiten Landes“ kommt hier zum Tragen und einen Koffer, der beim Flug nach Hamburg verloren gegangen ist, gibt es auch. Den schickt die „Alitalia“ durch die ganze Welt und sendet Salm immer wieder Mails mit der Nachricht wo er sich gerade befindet. Am Schluß bekommt er ihn zurück, aber da hat sich schon einiges verändert.

Der Junge hat ein Pferd gefunden, das er und Salm aufpäppeln und im Hof verstecken. Er  beginnt auch eine flüchtige Beziehung zu seiner Mutter, aber beide verlassen das Haus, denn die Großmutter ist schon längst gestorben und Nadja hat nur, um den Hausherrn zu täuschen, die Musik laufen lassen.

Jetzt geht sie zu ihrem Mann nach Kiel zurück, der Junge will nicht mit, hat aber keine Wahl und Salm will sich mit seiner Mutter eigentlich nicht versöhnen, obwohl die einen Rückzieher macht und ihren Kindern jetzt das „mit fünfzig all das schnekt, was sie mit fünf nicht haben durften.“

Und Salm will eigentlich als Hausmeister in dem Haus bleiben, das Pferd pflegen, Geld ausgeben, das er nicht hat und nicht mehr Künstler sein. Sich nicht mehr mit dem Irrsinn der Welt beschäftigen, in dem er tote Kinder und das Strandgut von Flüchtlingen in Galerien ausstellt, das dann von der Haut Voile mit Sekt beklatscht wird.

Aber wie soll das gehen, da Armin nur mehr auf den Tot des Vaters wartet, um das Haus zu verkaufen und sein Vater mit Bascha nach Polen zieht, wo es wärmer, schöner, größer ist, um seinen Lebensabend zu verbringen oder ein neues zu beginnen?

Man weiß es nicht, aber ich denke, daß hier das „Bessere Leben“ wahrscheinlich verständlicher geschildert wurde. Besser wahrscheinlich nicht, denn in einer Welt wie dieser, ist das wahrscheinlich gar nicht möglich.

Der 1958 in Zürich geborene Rolf Lappert, der schon einmal auf der Shortlist stand und von dem ich schon die „Gesänge der Verlierer“ gelesen habe, ist das, ich will nicht sagen meisterhaft, weil mir das zu kitschig klingt und ich auch nicht die Phrase „überzeugt“ mag, aber doch sehr eindringlich gelungen.

Also ein neuer Favorit in meinem Buchpreisranking und jetzt wartet  noch ein Buch eines in der Schweiz Lebenden mit Weltuntergangsstimmung auf mich.

2015-09-04

Die Liebenden von Mantua

20150830-101109

Bei Buch fünf der LL, ich danke dem „Wallstein-Verlag“ sehr für die beiden Rezensionsexemplare, geht es nach Italien und es geht, wie bei Kay Weyand wieder um Leben und Tod und natürlich auch noch um die Liebe, aber hat nicht schon MRR gesagt, daß das bei allen Büchern der Fall ist?

Ralph Dutlis „Die Liebenden von Mantua“ war wahrscheinlich das Buch, das mich, als ich es auf der LL sah, am wenigsten ansprach, denn wen interessiert schon ein Roman über zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, habe ich gedacht und mich wieder mal geirrt und Ralph Dutli, bestsellerverdächtig, wie ich einem Radiobeitrag entnahm, den man über die dBp-Facebookseite nachhören kann, der 1954 geborene Schweizer Autor ist schon 2013 mit „Soutines letzte Fahrt“ auf der LL gestanden.

Damals habe ich mir das Longlistenlesen angesichts meiner überlangen Leseliste ja noch verkniffen, von Buch und Autor aber während meines 2013 Leizpiger Buchmessensurfings gehört, ich war damals, glaube ich nicht in Leipzig und als ich ein Jahr später vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kam und noch rasch den Flohmarkt besuchen wollte, die die zweite zusperrende Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße veranstalte, habe ich das Buch um drei Euro entdeckt, gekauft, aber noch nicht gelesen.

Das wird wohl noch eine Weile ungelesen in  den Regalen meiner Bibliothek stehen bleiben und in Ralph Dutlis preisverdächtigen Roman, wo habe ich gelesen, daß er sicher auf die Shortlist kommt, geht es auch um eine Bibliothek und es geht, das kann ich eventuellen Unschlüßigen, die sich ebenfalls von zwei Skeletten abschrecken lassen, gleich verraten, um viel viel mehr als um das, eigentlich geht es gar nicht um die, obwohl die Frau, die in der Jungsteinzeit in die Arme eines Jünglings rutschte, wie an einer Stelle veraten wird, Barbarina heißen könnte.

Es geht natürlich um die Liebe und es geht um Italien, dieses herrliche Land, in dem man in den Straßencafes Espressi und Amaretti schlürfen, in den alten Palästen noch immer die Renausance erleben kann und in einem dieser Cafes  in Mantua treffen sich zwei alte Freunde wieder, Raffa und Manu, die „el“ Silbe wurde bei beiden abgekappt und Raffa ist da, um über das Erdbeben zu forschen, das es im „verdammten Frühling“ von 2012 gab, Manu, um über die „Liebenden von Mantua“, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, die 2007 gefunden und verschwunden sind, zu schreiben.

Die zwei Freunde haben einander vieles zu erzählen, Raffa fragt den Schriftsteller Manu nach seiner Laure und erfährt widerwillig, daß sie ihn verlassen hat, dann verabreden sie sich für die nächsten Tage und Raffa wartet vergeblich auf den Freund, der nicht zu kommen scheint.

Er geht in sein Hotel, erfährt dort nicht viel vom Besitzer oder Rezeptionisten, denn man will sich in Zeiten des schwindenden Fremdenverkkehrs nicht mit Vermißtmeldungen und Polizeibesuchen aufhalten, eine junge Frau namens Lorena rennt ihm aber nach und erzählt ihm von einer merkwürdigen Entführung.

Manu sei in ein Auto gestoßen worden und wurde auf das Schloß eines merkwürdigen Comtes gebracht, sein Handy und seine Uhr wurden ihm abgenommen, dafür erhielt er einen Laptop ohne Internetzugang und der Comte lädt ihm am Abend zum Essen ein.

Er hat den besten Koch und noch zwei Leibwächter, die Manu fortan bewachen werden und der soll eine Theorie über die Liebe, als neue Religion schreiben, denn der Comte hat genug von der, die einen Gekreuzigten als Symbol erwähnt, auf diese Idee hat mich schon einmal meine alte Schriftstellerfreundin Elfriede Haslehner gebracht.

Der Comte hat aber nicht nur Manu, sonder auch die zwei Skelette entführen lassen, die ruhen nun in seinem Keller, er stellt Manu seine Bibliothek zur Verfügung, die aber auch etwas merkwürdig ist, verschwinden doch die Bücher und es geschehen überhaupt sehr seltsame Sachen in dem alten Palais.

So liegt einer der beiden Leibwächter einmal in einem rosa Schwanenseekostüm, ein andermal in einem weißen Meßdienerkleid erstochen auf dem Boden, Manu beobachtet eine badende Frau, schreibt Briefe, die er aus dem Fenster wirft, bekommt merkwürdige Säfte ins Zimmer gestellt, die ihn wohl ins Halluzinatorische abgleiten lassen sollen und derweil marschiert Raffa mit Laurena, die auch Archäologie studiert hat,  aber nur den prekären Job einer Hotelhelferin bekommen hat, durch die Museen von Manuta.

Sie erzählt ihm von dem „Verlobungszimmer“ und überhaupt viel von der italienischen Renaissacegeschichte, geht mit ihm auch nach Verona zu einer „Romeo und Julia“ Aufführung und bevor Manu vollends verrückt wird, klopft eines Morgens  die Polizei bei ihm und befreit ihm aus seinem Gefängnis.

Der Comte steht mit Handschellen in der Halle, die junge Badende, eine Cousine Laurenas, die ihm gerettet hat, wurde von des Comtes giftigen Pfeilspitzen, wie vielleicht auch die Liebenden getötet wurden, wenn es nicht doch die Tollkirschen waren, getroffen und als Manu  zurückkommt, erwartet ihm ein Brief der Wissenschaft, der ihm erklärt, daß die Liebende vielleicht gar keine solche waren, sondern nur zufällig ineinander verrutschten.

Die bekommen dann auch einen Platz in einem Museum und die beiden Freunde können einander wieder treffen und ich habe eine sehr interessanten, wenn vielleicht manchmal ein wenig kitschig anmutenden Roman gelesen, der an vielen Stellen sehr erhöht war, das bewußte Radiointerview, nennt viele Genre, die in ihm enthalten sind: Reiseführer, Krimi, Liebesroman, Renaissancegeschichte etc, deshalb bestsellerverdächtig.

Er erspart wahrscheinlich eine Bildungsreise nach Italien und jetzt bin ich sehr gespannt, ob er auf die Shortlist kommt, mir ist aber höchstwahrscheinlich, der etwas ambivalente Realismus eines traumatisierten Bestattungshelfer und seine Leichenwäscherideen, in dem es ja auch um die Liebe und den Tod geht, lieber.

2015-08-13

Im Kongo

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Jetzt kommt das zweite Urs Widmer Buch auf meiner Leseliste, „Im Kongo“, 1996 erschienen und das erste Kapitel klingt für einen Urs Widmer erstaunlich realistisch, obwohl es fängt mit einem Traumgarten an, in dem der Altenpfleger Kuno, seine Kindheit verbringt. Es ist Krieg und er schwärmt hinaus zu den Vögeln und den Blumen, die es da in Zürich geben soll und eines Tages liegt die Mutter tot im Gras, von einem Bombenangriff wahrscheinlich getroffen, es dauert lange bis der Vater, in Uniform kommt, die Leiche entfernt, die größere Schwester übernimmt den Haushalt und das Leben geht weiter.

Dann, fünfzig Jahre später, schießt der Vater inzwischen über achtzig mit seiner Armeepistole ungedalden auf den Postboten, die Polizei erscheint und Kuno muß den Vater in das Altenheim bringen, in dem er Pfleger ist.

Dort gibt es eine Schwester Anne, der Vater zieht in das Zimmer aus dem gerade eine Frau gestorben ist und Kuno erzählt einmal dem Zimmernachbarn einen Herrn Berger von seinem besten Freund Willi und das er kein Schicksal hat.

Willi hatte eines und hat dem Kuno in der Schulzeit einmal die Pausenbrote weggegessen und sich von ihm einsagen sallen, dann ist er mit seiner Freundin Sophie in den Kongo, um dort Bierbrauer zu werden und als der Vater in das Zimmer kommt, fällt er Herrn Berger in die Arme, denn das war sein bester Mann und Kuno war sein Führungsoffizier, in dem Regiment, das „Wiking“ hieß.

Denn der Vater war im Nachrichtendienst, wie er dem Sohn jetzt erst erklärt und Herr Berger die Geschichte erzählt, wie er, ein Erfinder eines optischen Gerätes, das die Nazis haben wollten, vom Führer nach Berchtesgarden eingeladen wurde, mit ihm soff, Eva Braun im Nachthemd saß und dann von Hitler auch noch seine Geheimtelefonnummer zugesteckt bekam, die ihm dann auch vor der Gestapo rettete.

Am nächsten Morgen begegnet Kuno vor dem Altersheim Willis Vater, der ihm in den Kongo schickt, denn es ist schon lange keine Nachricht und kein Geld mehr vom Sohn gekommen.

Die Hinfahrt erweist sich als etwas problematisch, am Zoll wird ihm sein ganzes Gepäck konfisziert, die Taxisfahrt ist überteuert und die Bootsfahrt nach Kisangani war auch recht abenteuerlich.

Der Weg in die Bierfabrik war schweißtreibend, schließlich sind wir ja in Afrika und der flotte Kuno schlägt auch noch eine Mitfahrgelegenheit aus.

Dann kommt er an, sieht eine flotte Schwarze namens Saba, die ihm erklärt, daß ihr Vater Willi und die Mutter Sophie, beide Schwarze, die Direktoren sind, Willi hat jetzt Mordsphantasien, sieht sich auch schon niedergemetztelt, als der tiefschwarze Wille, der auch noch abenteuerlich gekleidet ist, erklärt, er weiß auch nicht, wie er und Sophie schwarz geworden sind.

Er lädt ihn aber auf eine Stammesfete ein, das heißt, er muß als sein Wesir mitkommen und wird schwarz angemalt, dort trifft er einen Löwenkönig, der ihm genau, wie einstens Hitler bei Herrn Berger, eine geheime Telefonnummer gibt, aber erst einmal fliegt er wieder nach Hause, denn Willi schickt ihm mit einem Testament, das sein Vater unterschreiben soll, dorthin zurück.

Im Flugzeug erkennt er, er ist tiefschwarz mit weißen Bart, hat auch schon einen Paß mit einem solchen Foto und als er so in das Altenheim kommt, ist Schwester Anne, die ihm immer sagte, daß er warten kann, bis er schwarz ist, bevor sie ihn heiraten würde, gleich hingerissen.

Die Väter sterben und Kuno fliegt mit Anne, die sich auch transformiert, in den Kongo zurück. Willi fliegt mit Sophie dafür nach Zürich, um sein Erbe anzutreten und Kuno wird vom Löwenkönig zuerst bei einem Stammesüberfall gerettet, dann zieht er sich in den Busch zurück, um seine Geschichte und die des Kongos aufzuschreiben.

Eine abenteuerliche Geschichte, vielleicht könnte man sie auch rassistisch interpretieren oder satirisch auf jeden Fall und  hat mir sehr gut gefallen. Besser als der andere Urs Widmer, den ich vor kurzem gelesen haben.

Ich habe das Buch vor Jahren von einer meiner Psychologenkolleginnen zu meinem Geburtstagsfest geschenkt bekommen und es lange liegen gelassen, jetzt aber in einem kleinen „Urs Widmer In Memoriam Schwerpunkt“, wie man sagen könnte, gelesen, dessen „Reise an den Rand des Universums“ 2013 auf der Longlist des dBp gestanden ist. Das und den „Herrn Adamson“ müßte ich erst finden, aber jetzt geht es vorerst ohnehin an das neue Longlistenlesen.

2015-07-15

Die Erlösung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Nach dem „Verhängnis“ und dem „Schicksal“ geht es im dritten Teil von „Via Mala“ zu den Lauretz zurück, die recht wohlhabend geworden sind. Andi hat dem Schwager Geld zugesteckt, damit er in die Sägemühle investieren kann, Hanna hat ihre Beziehungen zu Georg wieder aufgenommen und würde ihn heiraten, wenn sie nur katholisch, wie er wäre, beziehungsweise der alte Lauretz, wie Niklaus bei Richter Bonatsch beantragt hat, schon für tot erklärt wäre.

Die Mutter besinnt sich ihrer katholischen Wurzeln und will in die Kirche gehen, vor Angst, daß sie beichtet, hindert Niklaus sie daran und richtet ihr in ihrem Zimmer lieber eine eigene Kapelle ein.

Silvelie, die mit Andi in einem Bauernhaus mit Köchin und Dienstmädchen lebt, hat ihm den kleinen Tristan geboren.

Da stirbt der alte Richter, der die Lauretz deckte, plötzlich. Andis Vorgesetzer muß sich in ein Sanatorium begeben und so bekommt And, der sich eigentlich auf Urlaub geeben will, von Präsident Gutknecht, der ein Hörrohr benützt, obwohl er angeblich ohnehin gut hört, Bonatsch Akten übergeben, um sie zu überprüfen.

Er kann das auch im Urlaub tun, so nimmt er sie mit auf das Bauerhaus und stößt auf den Fall Lauretz.

Er ist verletzt, daß Silvelie ihm nichts davon sagte, daß ihre Familie ihr wichtiger, als die seine war und beginntsie zu verhören.

Sieschweigt und verläßt ihn, um zu ihrer Familie, wo alle in Aufruhr sind, weil sich die Mutter vom Kirchenbesuch nicht zurückhalten lassen will und sich in einem Anfall von Wahnsinn sogar mit einem glühenden Schürhaken selbst am Mund verletzt, zurückzukehren.

Andi kommt nach, verhört Nikolaus und zwingt ihm, der Tagelöhner Jöry, der damals mit von der Partie war, ist inzwischen verstorben, alles zu sagen und auch die Grabstelle des alten Jonas zu zeigen. Hanna beginnt ihm  die  Untaten ihres Vaters aufzuzählen, der Niklaus zum Krüppel und zum Schwerhörigen machte, Silvelie einen steifen Arm, etc, bescherte.

Andi scheint unbestechlich zu sein und so beginnt sich Niolaus schon auf das Gefängnis vorzubereiten und versucht nur seine Schwester Hanna und die Mutter heraus zu lassen, er nimmt die Schuld auf sich allein und Andi kommt in Gewissensnöte, bringt sogar den Akt zu Präsident Gutknecht. Der ist aber gerade auf einem Begräbnis, was Andi als Wink des Schicksals versteht, so fährt er zu Niklaus, der die Mühle schon geschlossen hat und über den religiösen Wahn in dem nun auch Hanna, nachdem sie mit der Mutter in die Kirche gegangen ist, verfallen ist, beunruhigt ist undverspricht ihn  zu decken.

Silvelie ist wieder in ihr Chalet gegangen. Er holt sie zurück, damit die Leute nicht über sie reden. Die Stimmung zwischen den Eheleuten ist aber nicht gut und Andi hat noch nicht zu sich gefunden, geht aber zum Gerichtspräsidenten, erzählt ihm von drei Fällen, die wieder aufgerollt werden müssen und dann von dem Trinker Laur der verschwunden ist.

Niklaus soll wieder einen Brief mit dem Wunsch auf Toterklärung an das Gericht stellen. Andi unterschreibt und läßt den Rest des Namens weg und während Andi für den Fall, daß der Präsident den Betrug entdeckt, die Pistole in der Tasche trägt, werden in der Gemeinde mit einem Volksfest neue Glocken eingeweiht.

Das wird von John Knittel sehr genau geschildert. Schulkinder ziehen am Strang und werden vom fetten Pfarrer Uli dabei mit Würsten gefüttert, jedes fünfte Würstchen ißt er selbst und der Präsident hat Andi zu vor gefragt, ob er dabei einen Zylinder tragen muß? Die Schulkinder singen Schweizer Volkslieder und Strophen aus Schillers „Glocke“ werden auch zitiert.

Am nächsten Tag liegt der Brief in der Schreibtischlade, Prädident Gutkneckt hat unterschrieben. Andi kann die fehlenden Buchstaben ergänzen, aus dem Akt die Seite mit Silvelies Namen hausnehmen und zu seiner Frau gehen. Vorher kauft er noch Krawatten für den Schwager und eröffnet für Mutter Lauretz ein Konto, damit sie auf Erholung gehen kann.

Es ist alles in Ordnung, er wird zu gegebenfalls, wenn es nicht mehr auffällt sein Richteramt zurücklegen und Bauer werden, was er ohnehin sehr gerne ist.

„Weißt du warum ich es getan habe, Sivvy?“- lauten die letzten Sätze de Buchs.

„Nicht um ihretwillen, wie ich mir das auch manchmal eingebildet habe. Nein, Sivvy, ich habe es um deitwegen getan!“, lauten die letzten Sätze.

Sehr eindrucksvoll und bewegend dieser Dreiteiler um „Schuld und Sühne“, angesiedelt in den Schweizer Bergen, der Zwischenkriegszeit.

Bald darauf sind ja, wie wir wissen, noch ganz andere Untaten passiert, die sich in den Bücher schon andeuten.

John Knittel ist auch, wie ich „Wikipedia“ entnahm, in Faschismusverdacht geraten und heutzutage, scheinen wir uns  in einer neuen Wirtschaftskrise zu befinden, die einen, wenn man so nach Athen, Syrien oder in die überfüllten Aufnahmelager von Traiskirchen oder sonstwo blickt, auch nur schaudern läßt.

Sehr spannende Bücher, sehr eindringlich, manchmal ein wenig kitschig, manchmal erstaunlich modern geschrieben, manches erscheint auch nur ungedeutet und schwer verständlich, vielleicht hat es in den Dreißigerjahren doch nicht so gute Lektorate gegeben, so daß manches durchgegangen ist, was man heute  genauer ausführen müßte und interessant ist auch, daß  Doris Lind, die mir im Rahmen ihrer Literaturagentur immer Lesetips schickt, den Namen John Knittel, noch nie gehört hat.

Wahrscheinlich ist er aus den Germanistiklehrplänen inzwischen verschwunden, obwohl die Romane mehrmals verfilmt wurden, die Bücher im „Büchergilde Gutenberg-Schrank“ meiner Eltern standen und auch die offenen Bücherschränke, nach wie vor sehr voll davon sind.

2015-07-14

Das Schicksal

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Im zweiten Teil von John Knittels berühmter Trilogie, geht es in ein komplett anderes Miliau und es ist auch in einem anderen Ton geschrieben, moderner, sozialkritischer, härter, realistischer und für mich auch besser vorstellbar.

„Und jeden Tag werden neue Menschen geboren und in die Welt gesetzt, ob es ihnen passt oder nicht. Im besten Fall können sie sich schnell einmal in der Welt umsehen, dann müssen sie wieder gehen. Traurig, dachte Andi und äußerst lächerlich.“

Ein Satz der von Thomas Bernhard stammen könnte.

Es geht in das Städtchen Lanzberg, ins Gefängnis zum Untersuchungsrichter Dr. Andreas von Richenau.

Der ist aus einem großen Haus und ein Wunderwuzzi, Sohn eines Adeligen, der auf einem Schloß residiert. Er hat sich aber den Spleen herausgenommen, zu studieren und als einfacher Untersuchungsrichter selbst zu seinem Lebensunterhalt beizutragen und er ist verlobt mit einem Fräulein Luise Frobisch, die aus keiner so vornehmer Familie stammt, dafür ist sie aber reich und durch und durch Geschäftsfrau.

Sie haßt alle Sozialisten und alle Arbeiter, die Rechte wollen und möchte aus ihrem Andi am liebsten  einen Geschäftsmann machen. Er soll in Papas Geschäfte einsteigen und mit ihr nach England reisen.Er ist aber ein einfacher Bursche, der sich seine Hände und Füße gerne dreckig macht. Das heißt, er geht am Sonntag vor der Kirche in den Kuhstall und assistiert der Kuh beim Kalben.

Luise ist entsetzt und vorher gab es noch ein Abendessen mit der aristrokratischen Familie, da gibt es die Erbtante Isabella, eine Mutter mit der er sich aber sehr gut versteht, einen Vater der auch Geschäftsmann ist und infolge der Wirtschaftskrise einiges verloren hat und einen Bruder namens Uli, der Geistlicher ist und Unmengen ißt, hat Daniel Kehlmann ihn als Vorbild für seinen Geistlichen in dem Roman „F“ genommen?

Andi steht zu Mittag um zwölf am Fenster in seinem Büro und wartet bist die Lanzberger mit ihrem Fahhrädern zu ihren Mittagstischen fahren, erst dann nimmt er seinen Alfa Romeo und fährt in die Bahnhofgaststätte zum Essen, denn da serviert jetzt Fräulein Silvelie Lauretz und in die verliebt er sich und sie sich in ihn.

Aber er ist verlobt und sie hat ein schreckliches Geheimnis und ist außerdem Angehörige einer ganz anderen sozialen Schicht.

Sie ist aber sehr selbstbewußt und reich ist sie eigentlich auch, hat sie ja von dem alten Maler sein Haus und alle seine Bilder geerbt. Das Bargeld hat ihr aber der Vater genommen, so verdingt sie sich als Kellnerin, wird aber von einem  Kommunisten und seltsamen Vogel namens Henri, einem Freund von Andi, dessen Existenz eigentlich auch nicht ganz er klärt wird, in eine Konditorei vermittelt. In die Konfiserie Robert in der „in seinem großen Hauptfenster waren alle Arten von Kuchen ausgestellt, Pfannkuchen, Biscuits, Pralines und Schokoladen sämtlicher Sorten, in hübsche Schachteln von nur jeder möglichen Form und Farbe verpackt. Und eine riesige Registrierkasse verbarg sich hinter drei gläsernen Regalen, die mit Flaschen beladen waren: Cointreau, Anisette, Abricot Brandy, Cherry Brandy, Creme de Bananes, Pfirsichschnaps, Creme de Chocolat, Creme de Menthe, Creme de Rose, de Noyaux, de Vanille (pourdames) und daneben die ölig süßen erzeugnisse von Bols und focking, ihre Curacos, Pfeffermine und Danzinger Goldwasser.“

Das alles und noch eine Seite mehr in der tiefsten Wirtschaftskrise, aber in den All inclusive Hotels in Kreta, habe ich auf You Tube gesehen, geht es auch hoch her, während in Athen Obdachlose auf den Straßen hausen oder aus den Fenstern springen.

Andi tritt auf und bricht Silvelies Widerstand. Das heißt, er fragt nach ihrem freien Nachmittag, führt sie zum Soupieren aus, löst aber dann die Verlobung, während sie immer denkt, daß sie ihm alles sagen müßte, es dann aber doch nicht tut.

Ihr Bruder kommt einmal in die Konditorei und sagt ihr, sie muß noch einmal zum Richter und eine Aussge machen und der hat auch alles nach einer möglichen Leiche untersuchen lassen und es gibt in dem Dorf auch Gerüchte, die der Wahrheit ziemlich nahe kommen.

Als Andi ihr den Brief von seiner Entlobung schickt, kündigt sie in der Konditorei und geht in ihr Chalet. Sie schickt ihm aber dann ein Bild von ihr, die anderen Bilder zu verkaufen hat sie sich immer geweigert und so kommt er in seinen Uralub zu ihr in Nagelschuhen. Sie quittiert ihn bei sich ein. Ihre Mutter, der Bruder und die Schwester kommen auf Besuch und er will sie immer heiraten, was sie verweigert und so mit ihm leben möchte.

Er ist aber ein sehr selbstbewußter Mann. So hat sie keine Chance. Er kauft ihr teure Sachen, führt sie durch die Schweiz. Die Hochzeit soll in St. Mauritz stattfinden, Henri und Madame Robert, die Besitzerin der Konditorei, sollen die Treuzeugen sein.

Ihre Familie ist nicht eingeladen, seine Mutter kommt dann doch und ist von Andis neuer Braut, die besser als, die erste zu ihm passt, begeistert. So endet der zweite Teil und ich bin auf die Fortsetzung der Geschichte, „Die Erlösung“, sehr gespannt.

2015-07-07

Das Verhängnis

Filed under: Bücher — jancak @ 00:24
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Weiter geht es mit dem Lesen mit John Knittel und einem beziehungsweise drei Bücher, aus dem Bücherkasten meiner Eltern.

„Via Mala“ ein berühmter Titel, der in den Ohren klingt und wahrscheinlich längst vergriffen, aber öfter in den Bücherschränken zu finden ist, für die Schwiegermutter habe ich einmal einen Band herausgeholt und mich nun selber an die drei Leinenbände, der „Büchergilde Gutenberg“ von 1937 herangemacht.

„Das Verhängnis“, „Das Schicksal“,“Die Erlösung“, es war gar nicht so einfach, die richtige Reihenfolge der Trilogie herauszufinden. Auf meiner Leseliste steht es auch falsch angeschrieben, denn in den Büchern steht „Via Mala“ Roman und auf der nächsten Seite dann einer der oben genannten Titel und das I II II kann man nur ganz klein in den Fußnoten entdecken.

So war das bei den Büchern des vorigen  Jahrhunderts, keine Inhaltsangabe, keine Biographie, etc und nachgooglen konnte man auch nichts. Wie haben das die Leser damals gemacht, könnte man fragen, während sich heute die Blogger darüber streiten, ob ein seriöser Blog, den Übersetzer eines Buches angeben muß?

Wenn man bei „Wikipedia“ nachschaut, erfährt man auch nichts von der richtigen Reihenfolge der Bände, nicht einmal, daß es ein Roman in drei Teilen ist und über John Knittel ist auch nicht sehr viel zu finden, aber doch soviel, daß er ein 1891 in Indien geborener schweizer Autor ist, 1979 in Graubünden gestorben, der seine Werke in Englisch schrieb und offenbar mit „Via Mala“ berühmt wurde.

Erstaunlich global könnte man meinen und nun hineingesprungen, nachdem ich  herausbekommen habe, daß, die „Erlösung“ offenbar doch nicht der Romanbeginn ist.

Leicht ist das Lesen über das Schicksal der “ schlechten Straße“, die von der Stadt Andruss bis zum Yzolla-Hospitz, beziehungsweise der Familie Lauretz, trotzdem nicht, denn John Knittel springt hinein in das Geschehen und man denkt, die ganze Zeit man kennt sich nicht aus oder liest vielleicht doch den falschen Band.

Das ist also der Sägewerkbeseitzer Lauretz, ein schlechter verkommener Mensch, ein Trinker, der ständig mit der Peitsche um sich schlägt, Frau und Kinder verprügelt, die sich vor ihm fürchten, dann aber doch widersprechen, ziemlich widersprüchig. Den Sohn Niklaus hat er zum Krüppel geprügelt, als dieser die Mutter schützen wollte, weshalb er wehruntauglich ist und sich dafür schämt, dann gibt es den behinderten „Mannli“, weil offenbar im Suff gezeugt, die Schwestern Hanna und Silvelie und der Vater hat in der Stadt noch andere Kinder von anderen Frauen und kommt nur gelegentlich in die Sägemühle, um zu prügeln oder in seinem verstaubten Büro nach Plänen für eine Brücke zu suchen, die er bauen soll.

Es herrscht Armut in der Familie, die sich hauptsächlich von Brot und Kartoffeln ernährt und der Vater darf nicht wissen, daß sich Silvelie im Hospitz verdingt, um der Mutter Geld zu bringen. Es gibt auch einen berühmten alten Maler zu dem Silvelie ein besonderes Verhältnis hat und einen Tagelöhner, der den Tyrannen am liebsten erschlagen will, gibt es auch.

Der Alte wird dann verhaftet und wegen „Gotteslästerlichkeit, Sittenlosigkeit, Trunksucht, sowie Ehebruch und Konkubinat“, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Silvelie erbt von dem Maler, der an einem Herzschlag stirbt, sein Haus und fünftausend Franken, da sie aber noch nicht volljährlig ist, nimmt der Vater, der inzwischen aus dem Gefängnis entlassen wurde, das Sparbuch an sich und fährt nach Zürich, das Geld abzuheben.

Silverlie fährt auch hin, der Rechtsanwalt und guter Freund des Malers, der sie betreut, kann aber nicht viel ausrichten, so waren in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, wo das Buch zu spielen scheint, es gibt Automobile und Silvelie geht in Zürich ins Kino, die Gesetze.

Der Taglöhner  Jöry und Niklaus werden, als der Alte in der Nacht betrunken mit dem Geld zurückkommt aktiv und erschlagen ihn im Beisein der Mutter und der Schwester Hanna,  vergraben seine Leiche. Silvelie wollen sie sagen, er wäre, als er sie nicht angetroffen hat, wütend geworden, hätte fünfhundert Franken auf den Tisch geworfen und geschworen, nie mehr zurückzukommen.

Schließlich erfährt sie das Geheimnis doch, Niolaus stellt sie vor die Wahl, den Mund zu halten oder zum Richter zu gehen und sie alle anzuzeigen. So nimmt sie am nächten Tag ihren Korb und einen Teil des Geldes und verläßt das Haus.

Damit endet der erste Teil.

2015-06-11

Hier im Regen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Darf man ein zweites Buch nach dem ersten lesen oder sollte man angesichts der Bücherflut nicht überhaupt bei dem einen Buch pro Autor bleiben und wie ist das mit den Rezensionsexemplaren bei Bloggern? Das ist eine Frage, die „Buzzaldrin“ kürzlich wieder stellte, scheinen, die doch Neid zu erregen und da schwirren dann Sätze wie die vom „Bücher abstauben“ oder „Ich würde auch all das lesen, wenn ich die Bücher nachgeschmissen kriege!“, durch die Runde und es gibt Blogs, die schreiben groß darauf, daß sie keine solchen nehmen.

Nun  „Bei 30 Grad im Schatten“ ist ein Rezensionsexemplar, Anna Jung hat es mir im letzten Jahr freundlicherweise zur Verfügung gestellt und Lorenz Langeneggers Erstling „Hier im Regen“ ist das auch oder eher ein Leseexemplar, mit dem Aufdruck, daß man es nicht vor dem 24. 2. 2009 besprechen sollte und in dem Buch, ob gelesen oder ungelesen,  konnte ich nicht herausfinden, lag ein Brief und eine Karte von „Jung und Jung“ an die Buchhändlerin Anna Jeller in der Margaretenstraße, mit der Vermutung, daß sie das Buch interessieren und sie es bestellen könnte.

Ob sie das gemacht hat, wieder keine Ahnung, ich bin zu dem Buch jedenfalls durch den „Augustin-Flohmarkt“ gekommen, das mir dieses und noch einige schöne andere, die alle vor einigen Jahren auf der dBP Liste standen oder in Klagenfurt gelesen wurden, bescherte, die ich jetzt der Reihe nach hinunterlesen will, denn von Lorenz Langenegger habe ich das erste Mal etwas gehört, als er 2009 in Klagenfurt gelesen hat, sein Text, der mir gut gefallen hat, ist, glaube ich nicht sehr gut angekommen und als dann im Vorjahr das zweite Buch herauskam, war ich neugierig und habe bei „Jung und Jung“ angefragt, das erste habe ich 2012 auf die 2015 Leseliste gesetzt, denn ich habe ja leider oder glücklicherweise eine elendslange Leseliste, die einmal die „Deuticke-Pressedame“ irriterte, ich aber sehr ernst nehme, denn ich will ja möglichst alle Bücher lesen, obwohl ich inzwischen zu begreifen anfange, daß das nicht gehen wird.

Und um die Frage vom ersten oder zweiten Buch zu beantworten, das habe ich ja auch bei Grace Metalious einmal so gemacht.

Man soll nicht, ist die Antwort die ich mir wieder gebe, denn ich denke, obwohl ich mich an die Eindrücke von „Bei 30 Grad im Schatten“ nicht mehr so genau erinnern kann und ich den Autor kurz darauf in Göttweig und in Krems persönlich kennenlernte, denke ich  mit „Hier im Regen“ ist dem 1980 in Zürich geborenen Autor etwas Besonderes gelungen und ich würde sogar so weit gehen, ihn mit John Updikes „Rabbit“ zu vergleichen.

Da habe ich nur den ersten Band gelesen, würde aber vermuten, die Serienbände reichen nicht daran heran und „30 Grad im Schatten“ wahrscheinlich auch nicht, aber wie gesagt, das ist Spekulation, denn jetzt stehe ich ja unter dem Eindruck von Lorenz Langeneggers ersten Roman, der mir in seiner genauen Sprache, in der er die Alltäglichkeiten des Lebens erzählt, sehr sympathisch ist und ich ja selber auch so schreiben will, obwohl ich dann oft höre, „Da passiert ja nichts!“ „Oder das ist viel zu banal!“ und Literatur, das habe ich ja unlängst erst bei Sigrun Höllriegl wieder gelesen muß überhöht sein und übertreiben, denn sonst ist sie nicht gut.

Ich glaube, das nicht, habe das nie geglaubt und nach der Langenegger Lektüre, bin ich erst recht davon überzeugt, daß man auch das Banale erzählen kann und das wird im Klappentext auch so angesprochen.

„Unspekulärer kann das Setting eines Romans kaum sein, um nicht zu sagen langweiliger.“

Lorenz Langenegger ist das nicht, wie der Klappentexter gleich weiter ausführt und ich fange mit dem Nacherzählen, beziehungsweise dem Spoilern, das ja eine Spezialtät meiner Rezensionen oder Besprechungen ist, an.

Da ist wieder Jakob Walter, ich kenne ihn ja schon, Steuerbeamter, seit fünf Jahren verheiratet, in Bern wohnend und der wacht eines Morgens auf und fragt sich, warum er in Bern wohnt und was er dort macht?

Seine Frau Edith weiß das auch nicht und als er zum Zeitungsfach geht, wundert er sich, die Zeitung ist nicht da, der Nachbar erklärt es ihm gleich, es ist ja heute der erste August, der Schweizer Nationalfeiertag und Freitag ist es auch, warum ist Walter dann so früh aufgestanden?

Das weiß seine Frau, denn sie will ihre Eltern in Winterthur besuchen und am Abend zurückkommen, so geht Walter aus dem Haus, kauft ein Erstverkaufsabzeichen, bekommt eine Autogrammkarte zugesteckt, will seinen Freund Rolf besuchen, ein Kneipenwirt, mit dem ihm eine Freunschaft verbindet, obwohl er ihn schon länger nicht gesehen hat. Aber der ist nicht da, die Kneipe zu und Ruth, eine Alkoholikerin und Stammgästin erklärt ihm, er ist seit einer Woche verschwunden und wahrscheinlich in der Aare ertrunken.

Walter geht zum Bahnhof, bekommt von einer älteren Frau erklärt, wie man den Fahrscheinautomaten bedient, will sich ein Halbpreisabo kaufen und fährt dann zum ganzen Preis nach Locarno, dort geht er in eine Wirtschaft, mietet sich in ein Zimmer ein, das früher wohl vom Großvater des Wirtes bewohnt war, jedenfalls liegen noch seine Kleider im Kasten. Er will noch eine zweite Nacht bleiben, wird von einem ehemaligen Arbeitskollegen angesprochen, der ihn in sein Sommerhaus mitnimmt und ihm dort das Gastzimmer anbietet.

Und weil ein Roman wahrscheinlich trotzdem ein wenig abgehoben sein muß um „Jung und Jung“ zu überzeugen, geht Walter in sein Zimmer, um sein Gepäck zu holen, obwohl er keines hat und packt des Großvaters Hemd und ein italienisches Buch in eine Plastiktüte, gut, das ist ein bißchen unlogisch, wie auch Walters plötzliche Krankheit, als er statt in dem Gastzimmer zu übernachten, wieder nach Bern zurückfährt, denn im Fernsehen, sieht er die Aare ist übergegangen, offenbar der Fluß in Bern und er  bildet sich ein, Rolfs Leiche zu sehen.

So will er zurück, der Kollege bringt ihn zum Zug und dort ist er plötzlich krank, weil er in die Aare gesprungen ist. Habe ich etwas überlesen? Aber ich streiche mir ja ohnehin immer alles an.

Er fährt jedenfalls zurück, geht zu Barbara, die mit Rolf befreundet war, erfährt, der war mit einer Anna verheiratet und Walter hat das nicht gewußt.

Die Leiche wird dann auch gefunden und Walter geht wieder in seine Wohnung zurück, um Edith zu erwarten, die einen Tag länger bei ihren Eltern geblieben ist.

Die wundert sich über das Ersttagsabzeichen und die schmutzige Jacke. Walter lügt ihr auch vor, die Wohnung die drei Tage nicht verlassen zu haben und das Leben geht weiter. Die Midlifekrise mit Dreißig ist vorbei. Walter wird am nächsten Morgen wieder ins Steueramt gehen und ein paar Jahre später, statt zu einer Tagung zu fahren, einen anderen Ausflug machen, von dem ich im vorigen Jahr gelesen habe und in zwei drei Jahren wieder ein anderes Abenteuer bis zu seiner Pensionierung erleben, aber das ist jetzt wieder Spekulation. Das weiß ich nicht so genau, denn es gibt ja erst zwei Langenegger- Romane, obwohl ich den Autor, glaube ich, heuer wieder in Krems und Göttweig gesehen habe.

2015-05-14

Agnes

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Auf Peter Stamms ersten Roman „Agnes“ bin ich  durch das „Literaturcafe“ aufmerksam geworden, denn da gab es ja 2012 in Deutschland diese Aktion zum „Tag des Buches“, wo man dreißig ausgesuchte Bücher verschenken durfte.

„Agnes“ war dabei und Wolfgang Tischer hat sich mit dem Buch und einer Reporterin auf einen Dorf- oder Kleinstadtplatz gestellt und dann eine Glosse darüber geschrieben, daß sich Bücher angeblich nicht verschenken lassen, weil die Leute abwehrend vorbeigegangen sind.

Da habe ich andere Erfahrungen, aber vielleicht ist „Agnes“ in einer Einkaufspassage, Samstag um zwölf nicht das richtige Buch. Ich hätte es jedenfalls sehr gern genommen, habe von Peter Stamm dann den Erzählband  „Wir fliegen“ gelesen und von dem 1963 geborenen Schweizer Autor schon etwas gehört gehabt.

Dann lag „Agnes“ auf dem „Thalia“ 3.99 Stapel und bevor ich ich zum Lesen gekommen bin, wurde das Buch, das auf der Leseliste deutscher Gymnasien steht von Malte Bremer im Literaturcafe verrissen.

Ein Verriß, den ich, obwohl ich nicht das Buch, nur den Autor kannte, nicht nachvollziehen,  für höchst subjektiv und vielliechtein bißchen überheblich und von oben herabgehalten habe.

Herr Bremer hat sich dann bei mir gemeldet und ich habe ich vorigen Jahr in Leipzig auch persönlich kennengelernt. Was mich an der Diskussion vielleicht noch etwas störte, waren die Lesermeinungen, die sich gleich anschlossen, inzwischen gibt es aber auch einige differenziertere und es ist wahrscheinlich gut über ein Buch zu sprechen, so daß man es danach lesen und sich selber ein Urteil bilden kann.

Das habe ich jetzt getan, auch in ein paar Stunden und der Badewanne und ich kann mich ein ganz kleines Bißchen Malte Bremers Meinung anschließen, zwar nicht, daß das Buch Schüler zum Langweilen bringt und auch nicht, daß Peter Stamm kein anerkannter Autor ist, nur, daß ich den Stil vielleicht auch ein bißchen hölzern und dstanziert empfunden habe.

Ich kann aber, glaube ich, auch nachvollziehen warum das so ist.

Und die Idee, die meiner Meinung nach, dahinter steckt, finde ich  höchst interessant und sie hat mich zum Nachdenken gebracht.

Geht es da ja um das Schreiben übers Schreiben oder um den Roman im Roman, bzw. kann man, glaube ich, sehr bildhaft nachvollziehen, was das Leben von der Literatur unterscheidet.

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Sachbuchautor, der über Luxuslokomotiven ein Buch schreiben soll und deshalb in einer Bibliothek in Chicago sitzt, da kommt Agnes, eine fünfundzwanzigjährige Studentin, bezüglich Männer noch recht unerfahren hinzu, geht mit dem Autor zuerst Kaffee trinken und dann mit ihm chinesisch oder indisch essen und da wäre gleich mein erster Kritikpunkt, wo die Schreibidee vielleicht ein bißchen hölzern wirken könnte.

Der Autor steht auf Seite 22, lädt sie in ein chinesisches Restaurant ein, da liegt dann vorher noch eine tote Frau auf der Straße, auch eine Metapher, die ich für etwas unnötig empfinden würde. Es wird zwischen Agnes und dem Protagonisten aber viel über das Sterben und die Furcht davor diskutiert, dann geht Agnes mit ihm in seine Wohnung und da zeigt er ihr einen Erzählband, den er geschrieben hat.

Er hat sich es also schon mit der schönen Literatur probiert und da hat Agnes die Idee, daß er über sie, bzw. ihre Beziehung schreiben könnte.

Vorher probiert sie es noch selbst und er verreißt es, so daß sie den Versuch dann zerreißt, obwohl er zugibt, daß es vielleicht besser, als das seine war und dann beginnt er über ihre Beziehung zu schreiben.

Da kommt es auch zu Fehleinschätzungen der Wirklichkeit der Beiden, so behauptet sie, sie wären in einem indischen Restaurant, das erste Mal gewesen und irgendwo weiter hinter im Buch steht dann, es war ein indisches Restaurant.

Nun gut, das kann ich nachvollziehen, daß das Gedankenexeperimente sind, die dann auf dem Papier nicht so gut ankommen, aber den Unterschied zwischen Literatur und Leben kann man hier, glaube ich, sehr gut begreifen und mir wird ja auch immer vorgeworfen, bei mir passiert nichts und ich schreibe zu wenig abgehoben.

In einer normalen Beziehung passiert wahrscheinlich üblicherweise auch nicht so viel, daß man einen spannenden Plot daraus machen könnte und so steht der Autor bei der Beschreibung des Textes über Agnes auch bald an, beziehungseise muß er sich was ausdenken und dann passiert doch etwas, nämlich Agnes wird schwanger.

Er reagiert blöd, patzig, gemein, sagt, er will kein Kind und trifft sich auch mit einer anderen Frau, die er inzwischen kennengelernt hat. Als er zurückkommt ist Agnes, die inzwischen bei ihm wohnt, weg, ausgezogen, hinterläßt sie Nachricht, sie wird das Kind bekommen und damit zu einem anderen Mann gehen.

Da wird er wieder reurig, rennt ihr nach und eines Tages kommt auch ein Anruf einer Freundin, Agnes geht es sehr schlecht, sie hatte eine Fehlgeburt, das Kind ist also weg und sie kann wieder bei ihm einziehen.

Jetzt schreibt er über das Kind, gibt ihm den Namen Margret, weil die Kellnerin in dem Kaffee, in dem er das schreibt, diesen Namen auf ihrem Schildchen hat. Agnes geht mit ihm auch einkaufen, kauft eine Puppe, einen Teddybären und auch Kleider für das nicht geborene Kind, über das er inzwischen eine Geschichte geschrieben hat.

Wirft das dann heulend weg, er geht wieder zu der anderen Frau, feiert mit ihr Sylvester und als er zurückkommt ist Agnes weg, verschwunden und so heißt auch der erste Satz des Buches, um den Bogen wieder zurückzuspannen:

„Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.“, aber das weiß man eigentlich nicht. Beziehungsweise habe ich das nicht so empfunden oder so interpretiert und habe eine sehr spannende Geschichte eines anerkannten Autors gelesen, vom dem ich inzwischen auch „Sieben Jahre“ gelesen habe, „Seerücken“ habe ich beim vorigen „Tag es Buches“ im „Wortschatz“ gefunden und bei einigen Lesungen habe ich den Autor inzwischen auch erlebt.

2015-05-08

Liebesnacht

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Der 1938 in Basel geborene und vorigen April in Zürich verstorbene Urs Widmer ist ein Meistererzähler, ein Schelm und ein Fabulierer könnte man noch anfügen, zumindestens habe ich den Eindruck, nachdem ich mich jetzt in der Badewanne in dem verzweifelten Versuch den Inhalt zu erfassen, durch seine Erzählung „Liebesnacht“, ein Fund aus dem Bücherschrank und vom Vorleser an einigen Stellen angestrichen, durchgelesen habe.

Das zweite Buch, das ich von ihm habe, „Im Kongo“, das demnächst folgen wird, habe ich einmal von einer Psychotherapeutenkollegin auf einem meiner Geburtstagsfeste geschenkt bekommen und zweimal habe ich den Meister auch in der „Alten Schmiede“ gehört, beim zweiten Mal, seinem Portrait, habe ich dann seine Bücher auf meine Leseliste gesetzt und keine Ahnung gehabt, daß ich den Dichter des letzte Mal gesehen habe.

Es gibt auch eine umfangreiche Bibliographie von der ich glaube ich den Herrn Adamson, während eines Frankfurt-Surfing bin ich darauf gekommen, am liebsten lesen würde, habe das Buch auch schon in einer Abverkaufskiste gefunden, allerdings haben mich die fünf oder sieben Euro dann doch abgeschreckt.Ich bin ja sehr sparsam.

2013 war er auch auf der Longlist des dBp.

Zur 1982 erschienenen Liebesnacht, die es zu „25 Jahre detebe“ um zehn Mark gegeben hat.

„Im Elsaß  sitzen die Freunde zusammen“, habe ich als ich mit dem Buch schon fertig war, dem Rücken entnommen, wenn ich das vorher schon gewußt hätte, hätte ich das Buch im Vorjahr auf meinen Elsaß-Urlaub mitnehmen können, so bin ich, ganz ehrlich während des Lesens nicht daraufgekommen, daß es im Elsaß spielt und hätte, das ehemalige Wirtshaus in dem Dörfchen eher der Schweiz zugeordnet.

Aber vielleicht habe ich etwas überlesen, denn es passiert in dem Buch, in der Nacht, ja sehr viel, obwohl ich einer Rezension entnehme, daß nichts passieren würde, als daß einige Freunde beim Wein zusammen sitzen und über ihre ersten Lieben erzählen.

Es beginnt jedenfalls mit Joseph Conrad und hat auch sonst  viele literarische Anspielungen, von denen ich sicher nicht alle verstanden habe und dann kommt nach einer längeren Einleitung, der Freund Egon über die Felder, mit einem Rucksack und vielleicht einem Koffer, da ist sich der Erzähler, der offenbar Schriftsteller ist, nicht sicher, er kommt aus Argentinien zurück, wo er, wie auch sonst auf der Welt viele Kinder und auch Frauen hat und dann setzen sich die Freunde, ein alterer Versicherungsmann, der Erzähler mit seiner Frau und noch ein Paar zum Wein und erzählen, während die Kinder mit Bausteinen, einer Schaukel und dem Hund spielen und schon sind wir mitten drin in den Geschichten oder den Fabuleien, von denen manche einfach hängen bleiben, manche eher mühseliger zu erfassen waren. Zumindest ist das mir so ergangen.

Egon und sein Freund waren jedenfalls viel auf Reisen, sprechen sowohl Französisch, wie auch Deutsch ziemlich fließend und der Ich-Erzähler und das ist die Geschichte, die mir am eindringlichsten erschienen ist, reist einmal mit einem Schiff auf eine griechische Insel. Da liegen die Griechen seekrank herum, nur ein zwölfjähriges Mädchen kommt zu ihm und spricht ihn auf Französisch an, dann wird es von seinem Bruder abgeholt, das ist der Wirtsohn des einzigen Hotels, dort wird er einquartiert. Das Hotel hat vier Zimmer und wenn er in seines will, muß er durch die drei anderen gehen, die von einem Franzlsen, einem englischen Paar und einer Italienerin bewohnt werden. Er klopft vorher immer an und die Italienerin zieht sich erschreckt die Decke über den Kopf.

Dann gibt es den Wirten, den Sohn, noch eine ältere Tochter und einen Angestellten, ob auch eine Mutter dabei ist habe ich jetzt vergessen, die Kleine sieht er jedenfalls nur noch einmal während einer Hochzeit.Er darf dann auch auf ein Luxusschiff und bei dessen Besitzerin übernachten, das heißt er erwacht morgens in ihrer Kajüte. Da reist er dann verschreckt ab und bekommt von der älteren Schwester einen Brief, daß sie sich als seine ewige Braut betrachten würde, weil sie einmal seine Hand gehalten hat. Er antwortet nicht.

Er war dann noch lange in Frankreich und hatte eine Bezihung zu einer neunzehnjährigen Hebamme, die ihn zu ihren Freundinnen mitnahm, die sich Sachen erzählten, die „ich glaube nicht, daß ein Klassentreffen emeritierter Gynäkoligen wissendere Witze erzählen kann“, während Egon auf seinen Aufenthalten in Arabien, Amerika, etc, mit einem kraushaarigen Kind durch die Highways reitet, in der Nacht in Motels übernachtete und Zwischenstops einlegen mußte, weil das Pferd nicht mehr mitkann.

Eine der Geschichten ist auch, wie der Ich-Erzähler seine Frau kennenlernte, dazu braucht er mehrere Ansätze und sie gerät dann auch sehr phantastisch und das Bild, wo er in die Dorfschule kommt, wo die Lehrerin so aussieht, als würde sie noch den Laib Brot in der Hand halten, den sie vorher an die Kinder verteilte, erinnerte mich an Werthers Lotte.

Inzwischen fällt die Decke von dem ehemaligen Gasthaus, die Kinder sind schon eingeschlafen, die Frauen haben sie aber nicht zu Bett gebracht, nur versucht den größten Schutt wegzuräumen, damit man weitererzählen kann.

Am Morgen nimmt dann Egon seinen Koffer, den er nun doch bei sich hat und verschwindet wieder durch die Felder und das Kind fragt nach ihm.

„Es stand vor mir am Bett, ein zuckerbestäubter Zwerg mit großen runden Augen, und fragte mich, wo der Mann mit dem Schnauz und den Zähnen hin sei, als ich es ihm sagte, weinte es.“

„Angesichts der auch schon literarisch erfaßten geschwätzig-kaputten Sprachlosigkeit heutiger Paarbeziehungen, ist die Poesie dieser Geschichte, ist die Wärme und Bestimmtheit dieser Liebe ein Hoffnungsschimmer, ein unaufdringliches Plädoyer für Gefühle in einer Welt geregelter Partnerschaften, die ihren Gefühlsanalphabetismus hinter Barrikaden von Alltagsslang verstecken“, schreibt Barbatra von Becker, vom Norddeutschen Rundfundk, Hannover, am Buchrücken ein wenig unverständlich.

Ein interessantes Buch und ein Nachruf auf den großen Sprachmeister, der auch einmal das Klagenfurter Wettlesen eröffnet hat.

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