Literaturgefluester

2017-08-22

Erich Wyss übt den freien Fall

Jetzt kommt der zweite Teil von Tim Krohns „Menschliche Regungen-Projekt“. Da habe ich ja im Frühjahr „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ gelesen und das Projekt ist zusammengekommen, weil der 1965 geborene Schweizer Autor Geld für ein Badezimmer für seine Mutter brauchte.

So hat er ein Enzyklädodie der Gefühle gesammelt und ein Crowdfunding gestartet. Wenn man dafür spendete, konnte man sich ein Gefühl aussuchen,drei Worte dazu beisteuern und Tim Krohn hat dazu ein Kapitel seiner Romanseri,e die in einem Zürcher Gemeinschaftshaus spie,lt geschrieben.

Ein bißchen ähnlich, wie mein „Besser spät als nie Projekt“, aber das ist ja erst im Mai und Juni entstanden und dem Buch merkt man vielleicht auch das Bemühen an aus dem Gefühlskapiteln einen Roman zu machen an. Die entsprechenden Überhöhungen und Übertreibungen sind auch darin zu finden.

Die Personen sind die gleichen. Es beginnt aber mit einem neuen Hausmeister namens Paul Lutz.Der wird bald wieder entlassen, weil er einen Baum zur falschen Zeit zersägt und auch, weil er sich weigerte, der Hausverwaltung, die entsprechendenInformationen über die Mieter oder sind es Eigentümer zu liefern.

Vielleicht auch, weil sich keine passenden Gefühle mehr für ihn fanden. Sonst treffen wir aber Bekannte und der Titelgeber Erich Wyss, der mürrische alte Mann ist immer noch in die Gaunerei seines Enkels Augustin verstrickt. Da wurde ja für eine Seniorenresidenz in Ungarn gesammelt. Das Geld ist verschwunden und der Großvater soll dafür gerade stehen. Gerda Wyss mischt sich ein, versucht zu vermitteln, ruft fast alle Beteiligte an. Dann feiert sie mit ihrem Erich und auch Hubert Brechbühl, glaube ich, ihren Geburtstag, geht schlafen und wacht nicht mehr auf.

Eine Katastrophe für den alten Erich mit dem sie ja fünfzig Jahre verheiratet war. Der sohn Sepp kommt zur Beerdigung, mäkelt an allem herum, will an allem sparen, um Geld für seinen Sohn zu haben und  den Vater sogar entmüdigen lassen, als der ihm nach einiger Zeit hinausschmeißt.

Hubert Brechbühl hat Schweißfüße, spielt Tuba und beginnt sehr vorsichtiig eine Beziehung zu der esoterischen Ex-Krankenschwester Edith Samyra und die will  nach Nepal fliegen, um der ermordeten Königsfamilie zu huldigen und da kommen wir zu einem Zeitband, das den Roman umhüllt. Nämlich nine elefen, das ist zwar schon lange her, aber vielleicht hat Tim Krohn solange an seinem Buch geschrieben. Jetzt stürzen aber die Türme und alle Hausbewohner sind betroffen.

Edith-Samyra sitzt in Panik am Flughafen von Istanbul und weigert sich in ein Flugzeug zu steigen. Hubert soll  sie abholen. So reist der über Wien, Budapest, Bukarest dorthin und Salina, die  Schauspielerin, die ja gleichzeitig die Mutter Courage, als auch in einem Film eines überspannten Regisseurs spielt, wird davon bei den Proben überrascht.

Julia Sommer, die Mutter der unöglichen und schrecklich ungezogenen Mona, sind Kinder wirklich so und reden sie mit zweihalb wirklich schon so viel, hat sich als Lektorin selbständig gemacht. Ist jetzt ständig in Geldnöten und Drehbuch für einen Film will sie auch schreiben und dann gibt es noch das sexaktive Paar Costas, die schreiben auch die Texte für einen Sexfilm und wollen ihn vermarkten. Das Studentenpaar Petzi und Pit gibt es ebenfalls. Die leben sich auseinander und kommen wieder zusammen. Pit gibt sein Philosophiestudium auf und möchte nun Medizin studieren.

Es gibt einen reichen Sammler und noch ein paar andere mehr oder weniger spinnige Figuren. Weihnachten wird gefeiert, beziehungsweise vom Kindergärtner umbenannt, weli es ja Fest der Liebe und nicht mehr Christkind heißen darf. Mona soll aber einen Engel spielen. Das wird durch eine Grippeepidemie verpatzt, weil sich dann die Menschen, weil ja Virenschleudern nicht mehr umarmen dürfen und so weiter und so fort.

Maan sieht, Tim Krohn macht sich gehörig über unser Gesellschaft lustig und es ist,was mir ja sehr angenehm sein sollgte, ein realistischer Roman oder der Versuch aus dem menschlichen Regungen einen solchen zu machen.

Da passiert ja nichts literarischen oder das ist mir viel zu wenig abgehoben, könnten die Kritiker jetzt schreien. Vielleicht ist das buch deshalb nicht auf die LL gekommen. Aber bei einer Serie ist das  auch schwierig oder vielleicht sind die gar nicht zugelassen und ich kann mich jetzt auf den dritten Teil freuen und dazwischen natülich etwas andereres lesen. Auswahl gibt es ja genug.

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2017-02-21

Herr Brechbühl sucht eine Katze

Mit den Häusern beziehungsweise, dem anonymen oder doch vielleicht doch nicht so anonymen Wohnen in einer soolchen  Hochhaus- oder Genossenschaftsanlage geht es gleich weiter und nach dem Realsozialismus der Neunzehnhundertsiebzigerjahre, dem modernen Debutantensurrealismus und den Geistern von Berlin geht es zum Crowdfunding und, wie es auf den Verlagsaussendungen heißt, zu dem sensationellsten, experimentellesten Romanprojekt des Jahres, etcetera

Und mit diesen Alternativen zu den herkömmlichen Verlagsprodukten beschäftige ich mich ja seit einiger Zeit und da gibt es auch einige solche.

So hat Tilmann Rammstedt mit „Morgen mehr“ vor einem Jahr mit „Hanser“ ein Crowdfunding-Projekt gestartet, das im letzten Mai auch als Buch erschienen ist und jetzt auf meinem Badezimmerstapel liegt und Jaqueline Vellguth, die „Schriftsteller-de-Schreibwerkstättengründerin“, hat im Vorjahr ein anderes, vielleicht genauso interessantes Projekt, wenn auch auf der Selfpublisherseite gelegenes, gestartet, in dem sie zwölf Bücher in einem Jahr geschrieben und veröffentlicht hat und da bin ich vielleicht schon bei den Blogromanen und da habe ich auch einen geschrieben oder nein, ich habe 2015 einen Adventkalenderschreiben wollen, das im November im Rahmen des „Nanorimos“ getan und weil ich diese Idee schon ein paar Jahre mit mir herumgetragen habe, gab es im Monat Dezember in meinem Blog auch schon mal ein paar diesbezügliche Artikel.

2016 war das Buch fertig und ich habe dann immer im Dezember auf die entsprechenden Artikel verlinkt, beziehungsweise, wenn ich Platz für einen Artikel hatte, ein neues Kapitel eingestellt, so daß es im Dezember einmal den ganzen Roman, den man auch als Buch beim ir kaufen kann, im Blog geben wird.

Ist das ein sensationelles Projekt?

Wahrscheinlich nicht, ich bin aber auch keine die mit ihrem „Literaturgeflüster“ Aufsehen erregt, ganz im Gegenteil, manche halten meine Rechtschreibfehler und Flüchtigkeiten sogar für das Schlechteste was sie jemals gelesen haben und übersehen dabei vielleicht das ennorme Archiv das es über die letzten Jahre des vorwiegenden Wiener Literaturleben bei mir gibt oder es interessiert sie einfach nicht.

Aber ich wollte von Tim Krohn und seinem sensationellen Projekt erzählen, auf das mich „Galiani“ aufmerksam gemacht hatte, in dessen Verteiler ich bin, seit ich im letzten August bei „KIWi“ anfragte, ob ich die LLs für mein Buchpreisblogprojekt als Rezensionsexemplare haben kann.

Der 1965 geborene Tim Krohn, von dem ich höchstens, glaube ich, den Namen kannte, ist ein 1965 geborener Schweizer Autor und lebt in einem schönen alten Bauernhaus.

Dann wurde seine Mutter krank oder pflegebedürftig und er wollte sie zu sich nehmen, aber im Erdgeschoß gab es kein Bad. Geld eines einzubauen war nicht da. So kam es zu der Idee mit dem Crowdfundig und Tim Krohn sammelte, glaube ich, ersteinmal die menschlichen Gefühle oder „Regungen“, wie er es nannte, und bot dann seinen Lesern an, sich eines herauszusuchen, noch ein bis drei persönliche Worte dazu beizusteuern, zweihundertfünfzig Franken oder einen anderen Betrag nach Wunsch einzuzahlen und er setzt sich hin, schreibt eine Geschichte dazu und nimmt sie am Abend noch für den Eigentümer auf.

Wenn ich das mache oder bei meinen Gewinnspielen drei Fragen bezüglich des neuen Buches stelle, wo man es gewinnen kann, rüht sich kein Schwein.

Tim Krohn hatte flugs das Geld, das Bad, aber auch den Auftrag jetzt hundertdreißig Geschichten zu schreiben. Was er auch tat und weil er bei „Galiani“ anfragte, gibt es jetzt den ersten Band der „Menschlichen Regungen“, nämlich „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ mit den ersten fünfundsechzig Geschichten. Band zwei soll noch im Sommer, der dritte Band im Frühling folgen und weil die Liste, glaube ich, noch mehr Gefühle aufzuweisen hat, kann man sich  auch noch Geschichten kaufen.

Das ist, möchte ich, ganz vorsichtig anmerken ist auch nicht ganz so neu, Richard Weihs tut das schon seit Jahren mit seinen „Wunschgedichten“ bei den „Wilden Worten“ und nennt das Kundenanbindung, damit die Leute auch im nächsten Monat ins Amerlinghaus kommen, um sich ihr Gedicht anzuhören.

Er schickt es allerdings auch schon vorher via Mail aus und man muß nichts dafür bezahlen und so gibt es in meinen Büchern merke ich auch noch kurz an, bevor ich zu den Häusern und zu Herrn Brechbühl komme, in meinen  zwei schöne Wunschgedichte, ein paar andere gibt es auch, denn ich gehe ja ziemlich regelmäßig zu den „Wilden Worten“ und wünsche mir dann auch immer Gedichte und bei meinem jetztigen „Work in Progress“ hat er mir sogar den Beschreibungstext, um den ich sonst ja sehr betteln muß und oft Absagen bekomme, gemacht und auch erklärt, was es mit dem Bibliotheksgespenst auf sich hat.

Aber was hat das Ganze jetzt mit den Häusern zu tun?

Ganz einfach, denn Timm Krohn ist auf die Idee gekommen, das Ganz in Züprich in einem Genossenschaftshaus spielen zu lassen.

Es gibt elf Bewohner, die dort leben, beziehungsweise von denen die Geschichten erzählen. Das Ganze beginnt in der Silvesternacht 2000, also eigentlich schon lange her, und die Herren, die drei Bs, die damals die Welt beherrschten, Bush, Berlusconi, Blocher sind vielleicht gar nicht mehr so mächtig, interessant, denn in meinen Work on Progress, schreibe ich ja die „Die Viertagebuchfrau“ um oder neu, weil, die ja schon 2000 spielt und jedes Kapitel, das Buch  hat, wie schon erwähnt fünfundsechzig, beginnt mit einem der Gefühle, die von „Aalglätte“ bis „Zynismus“ gehen  und am Ende des Bandes gibt es eine Liste mit den Namen der Käufer und die Personen, die in dem Biuch vorkommen, wurden auch in einem kostenlosen E-Book, mit dem Übertitel „Menschliche Regungen“, das ich mir vorige Woche hochladen konnte, aber eigentlich nur eine erweiterte Inhaltsangabe ist, vorgestellt.

Wer lebt nun in den Haus?

Da ist nun einmal der Namensgeber Hubert Brechbühl, das ist ein frühpensionierter Tramschaffner, der hat zu Beginn des Buches einen Traum, ich merke vielleicht noch an, daß mich, die ich ja auch schon einmal daran dachte, mit so einer Wortliste einen Roman zu schreiben, interessiert, wann Tim Kröhn, die Idee hatte, aus dem Ganzen einen Roman, beziehungsweise eine Serie zu machen, beziehungsweise, daß man diese Absichtsloigkeit dem Buch vielleicht anmerken kann.

Nun Herr Brechbühl hat am Anfang einen Traum, dann gehts aber gleich zu Julia bezihungsweise zu Mona. Mona ist vier oder fnf, die Tochter der alleinerziehenden Lektorin namens Julia, dann gibt es noch die arbeitslose Schauspielerin Selina, die hat eine Theraterratte namens Malkovic. Die stirbt gleich zu Beginn und damit Mona, die nebenbei erwähnt, ziemlich verwöhnt oder auch verzogen ist, nicht traurig wird, verspricht ihr Julia eine Katze.

Aber die kann sie nicht in ihrer Wohnung haben, so läutet die Kleine bei Herrn Brechbühl an und sagt, er soll mit ihr die Wohnung tauschen.

Das ist vielleicht die Rahmenhandlung, die die Geschichte zusammenhält. Es gibt aber noch mehr Bewohner.

Pit und Petzi, zwei Studentien, so um die zwanzig, die im ersten Semester studieren, sich aber eigentlich die ganze Zeit durchvögeln, was in dem hellhörigen Haus, die ganze Beohnerschaft mitbekommt.

Es gibt in dem Haus auch eine strenge Hausordnung und keine eigenen Waschmaschinen, so muß man die gemeinschatlichen benützen, das führt zu Streit und zu Unstimmigkeiten.Trotzdem gibt es in dem Haus aber eine sehr optismistische Verbundenheit, das ist vielleicht das Gegenstück zur Isolation, die Ingeborg Drewitz in ihrem „Hochzaus“ zeigt.

Man könnte vielleicht sagen, die Gefühle halten die Hausgemeischaft zusammen und vieles ist auch originell und ungewöhnlich, einiges alltäglich menschlich.

So leben auch Gerda und Erich Wyss, ein über achtzigjähriges Ehepaar in dem Haus. Er pflegt sie, aber als der Enkel, der in Berlin lebt, bei seinem Chef Geld veruntreut und das dann auch noch im Casino verspielt, fährt der alte Erich nach Konstanz, um es mit seinem System zurückzugewinnen. Er verliert natürlich und schlägt auch noch eine Fensterscheibe ein und als der Filmregisseur, der die Schauspielerin Selina für einen Film über aktive Sterbehilfe engagieren will, sie besuchen kommt, aber nicht findet, säuft er mit dem alten Ehepaar die Nachtlang durch, was dazu führt, daß Erich am nächsten Morgen über die Stiege fällt, ins Krankenhaus muß und sich fortan Sorgen über das betreute Wohnen macht.

Es gibt aber noch ein Gastarbeiterpaar, Adamo ein Italiener mit seiner Frau Efgenia.Er ist Rettungsfahrer, sie hat einen kaputten Rücken und ist deshalb eine Ungustelin.

Das heißt, sie stört die Waschordnung, grantelt alle an und als Adamo, um sie aufzuheitern einen Aprilscherz macht, sagt, sie soll den Hausmeister für einige Zeit vertreten, beginnt das Ganze zu kippen. Sie tut das nämlich mit Feuereifer, obwohl sie das gar nicht dürfte, braucht für ihren Rücken, aber Morphium, das er dann aus Liebe für sie entwendet. Schließlich kommt sie doch zu ihrer Operation, er aber, um den Job und und…

Man sieht, glaube ich, ganz gut, wie es läuft und Herr Brechbühl, um wieder zu ihm zurückzukehren, muß auch schmerzlich erfahren, daß man ihn gar nicht mehr so braucht, wie er glaubte.

So freundet er sich mit einer esoterischen Buchhändlerin an, macht vielleicht eine Liebe, die wir möglicherweise in Band zwei oder drei weiterverfolgen können und sucht im ganzen Buch eine Katze?

Nun eigentlich tut er das nicht wirklich, das ist ja Monas Idee. Trotzdem gibt es einen Carusu, das ist der Kater des Stammwirtens, der eine Rolle spielt und Mona liegt mit Moritz, das ist noch hein Student, der im Haus wohnt, auf der Lauer, um eine angeblich öfter das Haus besuchende Katze zu finden, den dicken Carusu, den Herr Brechbühl vorübergehend für sie einqaurteirte, will das verwöhnte Fräulein aber nicht und die alleinerziehende Julia hat mit ihrem Verlag Sorgen, weil sie Mona immer vom Hort abholen muß und ihr Chef, sie deshalb immer kündigen will oder ihr die Praktikantinnen, als mögliche Nachfolgerinnen vor die Nase setzt.

Ein interessantes Projekt, ob wirklich so sensationell, wie vom Verlag angekündigt, wird sich zeigen, wie es bei den Bloggern oder in den Buchhandlungen aufgenommen wird, auf die nächste Longlist kommt, den Schweizer Buchpreis macht, etcetera…

Im Sommer gibt es  jedenfalls den nächsten Band „Erich Wyss übt den freien Fall“, der dann von „Julia Sommer sät aus“, im nächsten Frühling gefolgt wird.

Ich  fand es, wie schon erwähnt, besonders spannend, in ein paar Tagen einen ganzen Reigen von neuen oder auch alten hochhausbücher  gelesen zu haben und es war höchst interessant, sie nebeneinanderzustellen, beziehungsweise untereinander zu vergleichen.

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