Literaturgefluester

2022-01-05

Adas Raum

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 10:36
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Buch vier des Bloggerdebuts „Adas Raum“ von der 1972 in London geborenen Sharon Dodua Otoo, die 2016 mit einem sprechenden Ei, glaube ich, den Bachmannpreis gewonnen hat und dann dort einmal die Eröffnungsrede ,hielt und da fragt man sich warum stand das nicht auf der „Deutschen Buchpreisliste“ oder besser noch warum hat es nicht gewonnen, ganz ehrlich ich würde es vor die „Blaue Frau“ reihen, aber mal sehen, vielleichts klappts mit dem Bloggerdebut. Meine Stimme hat es, glaube ich, aber ich muß ja noch den Thomas Arzt lesen, also nicht vorgreifen. Es ist jedenfalls, was ja nicht schwer ist, das beste Buch das ich in diesem Jahr gelesen habe und das letzte von 2021 war Martina Cavaldetschers „Erfindung des Ungehorsams“ und da ist interessant, daß man da schon die namensgebende Ada, die mir bisher unbekannt war, kennenlernen konnte.

Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace, 1815-1852, die Tochter des Lord Byron, Mathematikerin und Computerpionierin, die wie Sharon Dodua Otoo andeutet auch ein Verhältnis mit Charles Dickens hatte.

Martina Cavaldetscher beschreibt sie in Verbindung mit einer Sexpuppe und deren Erzeugerin, Sharon Dodua Otoo macht es noch tiefgründiger und ausgefuchster und geht nach Westafrika ins fünfzehnte Jahrhundert zurück. Da stirbt ein Kind der ersten Ada, dem sie unbedingt ein Fruchtbarkeitshalsband ins Grab oder ins Wasser in das sie den Leichnahm schmeißen will, mitgeben will und es endet in Berlin mit der Geburt eines Kindes, das die dortige Ada dort zu Welt bringt, die kommt aus Ghana und hat einen Putzmann als Vater. Das Armband spielt auch eine Rolle und zieht sich durch das ganze Buch, das den Feminismus, wenn ich ihn richtig deute, mit der Fruchtbarkeit verbindet und Ada ist viele.

Die Urmutter im fünfzehnten Jahrhundert, die schon erwähnte Ada Lovelace und dann eine Ada die in einem KZ 1945 das Bordell bedienen muß.

Da wurde Sharon Dodua Otoo, glaube ich, bei der „Literatur im Herbst“ gefragt, ob eine Frau mit afrikanischen Wurzeln über ein deutsches KZ und den Holocaust schreiben darf?

Sie darf natürlich, wie eine weiße Frau über den afrikanischen Kolonialismus, eine Hetero Frau über Lesben oder Tran oder eine, die wie ich, nie einen haschte über den ersten Joint,, denn man muß ja nicht in der Bratpfanne liegen um zu wissen, was ein Fisch dort fühlt, ein Zitat das Jurenka Jurk, glaube ich, gern erwähnt.

Aber zurück zum Buch, das in Schleifen erzählt wird und ständig von einer Ada zu der anderen switscht und ,um das Ganze noch komplizierter oder origineller zu machen, der Erzähler wechselt auch ständig seine Identität. Einmal ist er ein Besen mit dem Ada I geschlagen wird, dann der Türkneifer von Ada Lovecrafts Residenz, dann das Zimmer im KZ-Bordell oder der Paß in dem die letzte Ada von London , glaube ich, nach Deutschlad reist oder war es von Ghana nach London?

Autobiografische Details der Autorin sind wahrscheinlich auch zu finden und was auffällt, ist die Originalität die ja schon im Frühstückei beim „Bachmmann-Preis“ zu finden war und der Paß, der Türöffner, etcetera spricht dann auch noch mit dem lieben Gott und läßt sich von ihm die Welt erklären.

„Nu is aba jut, sagte Gott, Jib ihm das Ding zurück“.

Nun ja, wir sind in Berlin oder auch in Totope, bzw. in Khonstein bei Nordhausen oder in Stratford-le-Bow und die einzelnen Kapitel tragen Namen, wie „Unter den Zahnlosen“, „Unter den Betrogenen“,“ Unter den Glücklichen“ und das wird dann, weil es ja die Schlefen gibt, auch noch wiederholt.

Ein tolles Buch. Ein originelles mit einer starken wortgewaltigen Sprache. Illustrierte Frauenbildchen gibt bei den Kapitelanfängen auch und ich wiederhole, das erste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und wenn ich ein wenig schneller gewesen wäre, hätte ich es auch noch nach dem der Martina Cavaldetscher, das den Schweizer Buchpreis bekommen hat, aber kein Debut ist, gereiht.

2021-12-31

Die Aufdrängung

Obwohl es ja noch ein Schweizer Buchpreisbuch zu lesen gibt, beginne ich, um in keinen Zeitdruck zu geraten mit den Bloggerdebuts. Das heißt eines „Mama“ habe ich ja schon gelesen und war eigentlich nicht so begeistert davon.

Die Gewinnerin des „Aspekte-Literaturpreises“, die 1988 in Basel geborene Ariane Koch, wobei wir gleich in der Schweiz bleiben, hat mit ihren Debut ja schon großes Aufsehen erregt und interessant ist auch, daß das 176 Seiten Buch als „Suhrkamp TB“ herausgekommen ist, was vielleicht auch ein wenig ungerwöhnlich ist und als ich beim Frankfurter Surfing wahrscheinlich, den Inhalt hörte, war ich eigentlich gar nicht so begeistert, habe vielleicht an Dürenmatt gedacht, später an „Warten auf Godot“.

Von Kafkas „Verwandlung“ habe ich auch etwas gehört, weil irgendwo ein Käfer vorkommt. Von der überschämenden Phantasie der Autorin steht im Klappentext zu lesen und auch, daß man den Inhalt in zwei Sätzen zusammenfassen kann.

Das ist es ja, was ich immer brauche. Da wird eine Frau von einem Mann oder ist es ein Tier mit Fell und Krallen, Gast genannt besucht und wird also aufgedrängt und dann verläßt sie das Haus in dem sie in einer Kleinstadt neben einer Bergpyramide lebt und bricht in die weite Welt hinaus.

Also ein Coming of Age-Roman ganz klar, obwohl das absurde Theater oder die überschäumede Phantasie der Autorin, die auch am Theater tätig ist, nicht zu überlesen ist.

Also, da ich den Inhalt schon zusammenfaßte, komme ich an den schönen Sätzen, der schönen Sprache nicht vorbei. Davon habe ich mir einiges angestrieichen und auffällig ist dabei die Zweideutigkeit mit der Ariane Koch zu spielen scheint.

„Meine Eltern sind zwar weggegangen, aber ihre Art, sich in der Architektur zu befinden, ist geblieben.“, ist einer davon.

Die Widersprüchigkeit ist dann bei „Ich hatte eiinmal einen Freund, der sich daran erfreute, dass ich ständig Sätze mit einerseits und andererseits begann, ohne die Begriffe korrekt zu verwenden. Anstatt gegensätzliche Ansichten kundzutun, addierte ich damit frei immer die gleiche Meinung.“ oder

„Ich finde es wichtig, daß der Gast begreift, dass es keine Selbverständlichkeit ist, dass er hier in Unterhosen herumgehen kann.“, bis zu „Ich reise, aber ich komme nicht fort, denke ich.“

Und um doch etwas vom Inhalt preiszugeben, das Haus hat zehn Zimmer, neun bewohnt die Erzählerin, das zehnte bekommt der Gast, in dem wohnen oder leben aber die Staubsauberrüssel, wohl ein utopisches element in dem Roman, der eigentlich aus lauter mehr oder weniger kurzen Sequenzen, manchmal nur aus einzigen Sätzen, besteht.

Die eltern haben ihr das Haus überlassen, die Angst die Geschwister könnten kommen, um es zu unternehmen ist ständig da. Manchmal kommen auch Gäste, um zu irritieren und hinterlassen Gegenstände, daneben gibt es eine „Rondellbar“, wo sie den Gast kennenlernte oder war es der Bahnhof, wo sie sich ihn abholte und im Interview im „Blauen Sofa“ bekannte Ariane Koch, daß nicht ganz klar ist, wer sich jetzt aufdrängt, ist es der Gast oder ist es die Erzählerin?

Die wahrscheinlich, denn die schwadroniert über ihr Leben oder wird erwachsen, löst sich von ihrer Familie ab und zieht am Ende in die weite Welt hinaus, um das zerstörte Haus, die Fischgräber und die Staubsauberrüssel zurückzulassen. richtig, eine Katzenverscheuchsirene gibt es auch.

„Die Aufdrängung“ hat das Zeug zum Klassiker“, schreibt „Zeit Online“ am Buchrücken.

„Man tut diesem grandiösen Debut nichts Schlechtes, wenn man es in Relation zur fixen größe Kafka setzt, denn dieser Roman wird dadurch nicht kleiner. im Gegenteil.“ schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“

Soweit würde ich nicht gehen, ich glaube man tut der Autorin auch nichts Gutes damit, bis jetzt zählt das Buch aber zu meinen Favoriten, obwohl noch einiges folgt, auf das ich schon sehr gespannt bin.

2021-12-12

Nil

Filed under: Bücher,Büchergeschichten — jancak @ 00:49
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Weiter gehts mit den Buchpreislisten auflesen und zwar mit dem fünften öst Shortlistbuch und dem neunten derselben, von dem ich schon vor der Nominierung viel gehört habe und das prominent besprochen wurde.

„Nil“ der 1973 in Zagreb geborenen Anna Nil, die beim „Bachmann-Preis“ gelesen und ein paar Bücher geschrieben hat, auf der Frankfurter Buchmesse hat sie am blauen Sofa auf ihr Shortlistbuch ,aufmerksam gemacht und da erklärt, daß man sich nicht sicher sein kann, worum es dabei geht, auf jeden Fall aber über das „Ich“ und das Ich sein. Bei der Ilse Aichinger Hommage hat sie sich auch beteiligt und bei den kleinen dünnen „Wallstein-Büchlein ist ein Photoautomat mit einem Krokodilschwanz zu sehen

Worum geht es? Auf den ersten Blick ganz klar und doch auch überraschend. Eine Fortsetzungsgeschichtensschreiberin hat von ihrer Zeitung den Auftrag bekommen, die Story, die gerade aktuell erscheint, zu beenden, weil die Leser das nicht haben wollen.

Wie macht man das? Dann steht schon was von der Angst zu sehr ins eigene Ich zu geraten. Dann kommt aber doch die Idee die Beiden über Klippen springen zu lassen.

Dann geht es aber über die Ich-Figur und die Frage, ist das jetzt der Autor die Autorin oder nicht und wir gehen in die Kindheit der Erzählerin zurück. Der Vater war Zoodirektor, da gab es Bären und auch schon das erwähnte Krododil, deshalb auch der Buchtitel und einmal hat sie zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekommen, war frustriert, wenn nicht verärgert, bis sie dann in ihrem Zimmer eingesperrt darauf kam, es ist ein Buch mit leeren Seiten, worin man seine Geschichte schreiben kann.

Ganz richtig, die Erzählerin befindet sich in einer Art Verhörzelle, bewacht von einem Wächter und einer Kamerafrau. Dann gibt es einen Sobek, der ist vielleicht der Mann, der springen soll und der begegnet einer Frau und soll eine Geschichte aufschreiben.

Also ganz schön verwirrend für eine, die immer alles genau wissen will. Was bleibt ist also wieder die schöne Sprache und das hätte ich jetzt vergessen auch die Frage, wer oder was jetzt eine Hobbyautorin ist?

Eine Frage, die ja mal die Anna für mich beantwortete und sich der Uli, der sich jetzt zur Impfung schleppen ließ, daran festhielt.

Es geht um die Frage wer oder was ist jetzt die Erzählerin? Ist sie Mensch oder Tier? Also ganz schön geheimnisvoll und ein wenig verwirrend oder doch nicht so ganz, bin ich ja schon einiges gewohnt und kann mir, weil ich ja selbst schon an die fünfzig Jahre mehr oder weniger erfolglos schreibe, vorstellen, wie schwer es die Autoren haben, etwas Neues und Einzigartiges zu verfassen, weil ja schon alles hunderttausendmal beschrieben wurde.

Katja Gasser, die Moderatorin am „Blauen Sofa“ hat gemeint, daß das Buch auch politsch ist, weil es ja um Identitäsfragen geht, das habe ich nicht so empfunden oder würde es nicht so interpretieren.

2021-12-10

Die neue Bloggerdebutshortlist

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 00:00
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Ich bin ja derzeit irgendwie lesefaul, lese langsam und komme mit meinen elendslangen Bücherlisten pnicht recht weiter. Das habe ich schon Anfang September geschrieben, dann mich durch die deutsche Buchpreisliste gelesen und jetzt muß ich noch die österreichische und die Schweizerliste langsam abschließen, dann warten noch etwa neun Bücher auf mich und derzeit bin ich auch noch beim Weihnachtsliebesschmöker lesen und dann kommt natürlich noch das Bloggerdebut, das es seit 2016, gibt, jedenfalls bin ich seither in der Jury und sollte bis Ende Jänner die fünf Shortlistbücher gelesen haben um meine Punkte verteilen zu können.

Debuts sind ja derzeit in großer Mode, es gibt einige Debutpreise, der berühmteste ist wohl der „Aspekte“, dann hat die Öst eine Debutschiene und bei den O-Tönen werden auch immer Debuts vorgestellt, so daß ich als eifrige Leserin, die ja bis August auch etwas anderes liest, eigentlich einen guten Eindruck vom Geschehen habe.

Auf der Schweizer oder der deutschen Buchpreislister sind meist auch einige Debuts dabei und habe daher auf meiner Longlist schon zehn Bücher stehen, von denen ich das „Schnittbilld“ von der Öst noch lesen muß.

Die Bloggerdebutlonglist, wo ich auch regelmäßig Tips hinschicke, besteht aus dreiundneunzig eingereichten Titeln und bevor die Debutfrauen Boezena Bandura, Sarah Jäger und Janine Hasse, die Shortlist bekanntgegeben habe, habe ich mir die Longlist angeschaut und nachgedacht, was da wohl draufstehen könnte oder was ich davon gerne lesen würde:

Da wäre

1.Sharon Dodua Otoo Adas Traum“ dabei, das ich schon auf den dBp erwartete und das auch bei der „Lteratur im Herbst“ im Odeon vorgestellt wurde

2.Timon Karl Kaleyta „Die Gschichte des einfachen Mannes“ aus dem er, glaube ich, in Klagenfurt las

3.Lisa Krusche „Unsere anarchistischen Herzen“, da hörte ich beim Leipzig streamen, glaube ich, davon

4.Ferdinand Schmalz „Mein Lieblingstier heißt Winter“, wurde auch beim „Bachmann-Preis“ gelesen, war bei den O-Tönen und auf der Öst und dBp, bei der Öst sogar auf der Shortlist.

5.Huldegard E. Keller „Was wir scheinen“, da würde mich wieder interessieren, wie eine bekannte Literaturkritikerin und „Bachmannpreis-Jurorin“ so schreibt.

Von den von mir schon gelesenen Büchern hat mir der „Schmalz“, wie schon beschrieben sehr gut gefallen, vielleicht noch der Thomas Duarte, am wenigsten erwartet hätte ich Jessica Linds „Mama“, das mir zu mystisch war. Ein Tip wäre noch die „Aspekte-Preisträgerin Ariane Baum mit der „Aufdrängung“, da habe ich schon einiges gehört und nun Voila, die Entscheidungen der drei Debut-Frauen, die ja immer ihre eigenen Kriterien haben und immer ein Buch hinauftun, was man so nicht erwartet hätte, „Kremayr und Scheriau“, was mir das lesen erleichtert ist auch immer darauf, also

  1. Jessica Lind „Mama“
  2. was mich sehr freut Sharon Dodua Otoo „Adas Traum“
  3. die schon wähnte „Aufdrängung“ von Ariane Baum
  4. auch sehr spannend, weil ich schon einige Lesungen hörte Thomas Arzt „Die Gegenstimme“ und
  5. der Außenseiter Stefanie von Schulte „Junge mit schwarzen Hahn“, noch nie etwas davon gehört.

Also sehr spannend. Das Lesen der vier noch nicht gelesenen Büchern wird etwas dauern, weil ich bis Mitte Jänner meine Bücherliste lesen will, das erste Buch das ich dann lesen werde, ist die „Aufdrängung“, weil ich da das PDF schon habe, die anderen Bücher, wie ich sie bekomme, bin also wieder sehr gespannt und freue mich aufs Lesen.

2021-11-07

Neun seltsame Frauen

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:40
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Buch sechs des Öst und das dritte Shortlistbuch ist ein Erzählband und eine Überraschung, obwohl die 1985 geborene Daniela Chana, die ich auch schon einmal aus einem Gedichtband lesen hörte, ihn in der „AS“ vorgestellt hat und das ist ja eine Spezialität des öst Bp ,daß da auch Essaysbände, Erzählungen und manchmal auch Gedichtbände nomniert werden und die Überraschung ist, daß mir die Erzählungen mit den neun Frauengestalten, die, den neun Musen gewidmet sind, erstaunlich gut gefallen, obwohl ich das das nicht erwartet habe und eher dachte, Daniela Chana Shortlistnominierung ist ein Platzhalter, der da offenbar auch immer aufscheinen muß. Jtzt bin ich mir nicht mehr so sicher, denn Monika Helfer ist ja nicht nominiert, „Dave“, hat mir nicht so gefallen. Ein Flor Fan bin ich auch nicht und den Schmalz auf den ich ja hoffe, habe ich noch nicht gelesen, wie auch das Buch der Anna Bar und obwohl Daniela Chana in der „Schmiede“ aus der ersten Geschichte „Thaleia – (Komödie)“ gelesen hat, ist mir damals nicht so aufgefallen, daß sie so eindrucksvoll ist, obwohl sie, was ein Kritikpunkt wäre, kein wirkliches Ende hat.

Das Seltsame der neun Frauen ist wohl das Geihmisvolle an ihnen, das Daniela Chana perfekt zu beherrschen scheint. Die Aussparungen und die Tellerwäscherin, die da absichtslos in ein Restaurant stolpert, hat offenbar auch keinen Namen, sie spült und läßt ihre Phantasie schweifen. Der Chefkoch kommt in den Pausen gestreßt zu ihr und erzählt ihr, daß er mit ihr in ein Restarant der armen Küche aufmachen will, während in seiner Küche, die Fettlebern und die Lachse garniert werden. Sie will stattdessen mit ihm ins Kino und kauft sich einen dunkelroten Lippenstift, obwohl ihr die Verkäuferin zu einem unscheinbareren orangen geraten hat. In meiner Besprechung damals habe ich geschrieben, das Ende der Story hat Daniela Chana nicht verraten, jetzt schreibe ich dazu, es hat gar kein richtiges und das ist schade, weil ich die Geschichte für sehr spannend halte und so geht es gleich mit „Euterpe (Lyrik)“ weiter. Da zieht so ein unscheinbares Mädchen, das diesmal Laura heißt, mit einem Sandwich und einem Päckchen Schokomilch in ein Hotel in Genf ein und beobachtet am Gang ,wie eine Frau mit einem Mann streitet. Das hat die Tellerwäscherin in Geschichte eins auch im Gastraum beobachtet. jetzt spricht sie die Frau, die Luca heißt, Lyrik schreibt, lila haare und spitze Fingernägel hat, an und lädt sie am nächsten Tag zu einem Ausflug ins Schloß der Madama de Stael ein, wobei sie sich in einen Leoparden verwandelt und ein Mönch mit schwarzer Kutte, der die Sense schwingt, spaziert auch immer vorbei. Wirklich seltsam, etwas surreal und auch nicht sehr verständlich.

Geschichte drei ist „Erato“ oder der „(Liebe)“ gewidmet. Da heißt die Frau Caroline und ißt zum Frühstück immer den Rest vom Dessert vor, das sie am Tag davor ihren Liebhabern gewidmet hat. Sie hat drei davon. Einen Architekten, einen Reporter und einen Philosophen und wünscht sich eigentlich ein normales Familienleben mit einem Mann, der zur Arbeit geht und Kindern, die in der Schule sind. Ihre Liebhaber wollen aber keine und in dem Haus, in dem sie wohnt, reden die Mütter nicht mit den kinderlosen Frauen. Aber einmal spricht sie eine an und gibt ihr ein Buch, das sie von dem Philosophen signieren lassen soll, obwohl sie eigentlich keine Bücher liest, also auch ein bißchen seltsam.

Bei „Melpomene (Tragödie)“ geht es um eine Frau namens Silivia die vom Griechenlandurlaub nach Hause kommt. Sie ist erschöpft. Das Kleid ist naßgeschwitzt. Ein Sujet, das in fast allen Geschichten auftaucht und weiß nicht ,ob sie zuerst schlafen, duschen oder etwas essen soll? Das Essen spielt bei Daniela Chana auch eine große Rolle. Die selbstgemachten arme Leute Spaghetti, die hat sie mit Georg im Ferienappartement auch gemacht. Die Nachbarin hieß Jennifer und lud sich dazu ein. Einen Georg und eine Iris treffen sie auch, die hat mehrere Schönheitsoperationen hinter sich und um einsame Frau, die ehr eindrucksvoll ist, geht es in der Geschichte auch.

Carmen ist die Heldin von „Polyhymnia(Gesang)“ und die ist eine AHS-Schülerin. Will Ernäbhrungswissenschaftlerin werden, singt in einer Schülerchor, wo die drei Mitmitglieder seltsame Hobbies oder Ängste haben. Die Mutter ist Innenarchitektin und will, daß sie mehr ißt. Die stumme Großmutter kocht aber ungesund und liest nicht die Ernährungsbücher, die Carmen ihr bringt und die Mutter lädt zum Essen einen alten Freund ein, den sie zwanzig Jahre nicht gesehen hat und der von ihr will, daß sie seine Hochzeit verhindert.

In „Urania (Astronomie)“ vrsucht eine Frau ihren Mann loszuwerden, was ihr zwar auch nicht wirklich gelingt, in der Geschichte aber wieder Daniela Chanas Stärke auf die kleinen psychologischen Details hinzuweisen, gut herauskommt. Die Frau hat Anglistik und Romanistik studiert, aber trotz Bemühungen keinen Job gefunden. So hat sie geheiratet und dem Mann zuliebe alle ihre Interessen aufgegeben und sich von ihm zu trennen schafft sie sie auch nicht. Er muß sie verlassen und so besinnt sie sich auf ihre Interessen, interessiert sich für Astronomie und hört sich wieder Opern an.

„Kalliope (Epische Dichtung und Philosophie“ ist wieder so eine seltsame Geschichte, um ein fünfzehnjähriges Mädchen, das auf einem Berg wohnt. Sie beginnt in die Rathauskonzerte ins Dorf zu gehen, (in einem Dorf wird es wohl kein Rathaus und auch nicht fünf Lehrerinnen geben), die dort für die Apothekerin veranstaltet werden. Die ist seine selbstbewußte Frau, hat vielleicht ein Verhältnis zum Pfarrer und zum Bürgermeister und auch eine Ratte und die Fünfzehnjährige zieht zu den Konzerten ihr schwarzes Begräbniskleid an. Nur kann sie mit den eleganten schwarzen Schuhen nicht den Berg hinuntergehen. So zieht sie dazu weiße Turnschuhe an, die sie dann in ihrer Tasche deponiert, aber Käfer und Schnecken krabbeln heraus und auf dem Weg begegnet ihr auch eine geheimnissvolle alte Frau, die sie in das Geheimnis der Apothekerin einführt.

Wie das Surreale in das Psychologische übergeht, beweisen auch die zwei letzten Geschichten. Bei „Klio (Geschichtsschreibung) geht es gleich von Anfang an, um eine unheimliche Frau, die von einem Mann besucht wird, der ihre Seltsamkeiten, zum Beispiel ihre Telefonangst, therapieren will. Er tut das auch sehr seltsam, sagt ihr nämlich, daß er ein Rollenspiel vorhat, auf das sie unvorbereitet entspannt reagieren soll oder unterbricht sie beim freien Assozieeren, etcetera.

Eine mögliche Therapiekritik, die es auch bei der noch viel geheimnivolleren oder unvollständigen Geschichte „Terpsichore (Tanz)“, da ist der Erzähler Tanzlehrer(in?) und lernt Ines auf einer Party kennen, dem auffällt, daß sie irgendwelche Probleme hat, die sich beim Tanz lösen sollen. Eine seltsame Hundephobie kommt heraus. Der Hund starrt Ines an, als wolle er sich auf ihre Probleme aufmerksam machen, was der Erzähler schon längst erkannte, der die Situation beziehun gsweise die Geschichte, dann auch sehr seltsam oder unverständlich abbricht.

Wirklich seltsam die neun Geschichten, viele erstaunlich gut, manche, wie die letzte oder auch die zweite, erscheinen mir irgendwie unfertig. Spannend die Verbindung zwischen Realität und Surrealität.

Eine Entdeckung, auf die ich erst durch das Lesen aufmerksam wurde oder eigentlich schon beim Streamen, daß es sich hier vielleicht um ein Talent handelt, von dem noch etwas zu hören sein wird. Ob es das Buchpreisbuch wird, ist wahrscheinlich eher unwahrscheinlich, obwohl es mir von der Öst bisher am besten gefallen hat!

Aber mal sehen, ich habe mich schön öfter geirrt und wünsche alles Guteund würde mich mehr, als über eine Olga Flor als Preisträgerin freuen.

2021-11-02

Blaue Frau

Buch achtzehn des dBps, das letzte der Shortlist und das Siegerbuch, außerdem gehört es noch zu den der fünf aufmüpfigen diversen Frauen, ist auf meiner Shortlist und ich denke auch, daß es meinen bisherigen Favoritentip nämlich „Identit“ verdrängt. Ferdinand Schmalz habe ich noch nicht gelesen, mal sehen ob er auf meine Shortlist kommt?

Und die 1974 in Potsdam geborene Antje Ravic Strubel, die wahrscheinlich auch einmal in Klagenfurt gelesen kann, kenne ich, weil ich einmal ein paar ihrer Bücher aus der „Buchlandungs-Averkaufsliste“ fand, sie gelesen oder überflogen habe. Sehr beeindruckt haben sie mich, glaube ich, nicht. Dann hat sie in Leipzig als ich gerade „Paul und Paula“ geschrieben habe, aus den „Wäldern des menschlichen Herzen“ gelesen und vor kurzem war sie in der „Gesellschaft“ und hat dort über die „Blaue Frau“ gesprochen.

Weil das Buch erst spät zu mir gekommen ist, habe ich vorher schon einiges darüber gehört. Einigen Bloggern hat es gefallen, anderen glaube ih auch nicht. Ich habe es eher für ein Transbuch gehalten, weil sich Antje Ravic Strubel ja, glaube ich, auch dazu bekennt, es ist aber ein Buch über die Gewalt an Frauen und da wird das Thema sicher literarischer, als bei Bettina Wilpert und es spricht sich auch gegen die Diskriminierung aus.

Vor allem ist es, glaube ich, hervorragend geschrieben, poetisch und literarisch und die Hauptperson Adina, eine junge Tschechin ist schon in „Unter Schnee“ vorgekommen. Die ist als die letzte oder einzige Jugendlichen in einem kleinen tschechischen Ort im Riesengebirge aufgewachsen. Nennt sich in Chats „Der letzte Mohikaner“ und geht dann nach Deutschland, um zu studieren. Lernt dort eine Fotografin kenne und macht ein Praktikum in der Uckermarck. Dort erlebt sie sexuelle Gewalt, flüchtet damit, weil das niemand ernst nimmt, nach Helinski ,verkriecht sich dort in einen Plattenbau und die Geschichte beginnt.

Sie wird also von hinten nach vorne aufgewickelt und dazwischen gibt es immer wieder die „Blaue Frau-Passagen“, wo sich eine Schriftstellerin, ich interpretiere sie als die Autorin über das Schreiben unterhält, also so etwas wie das „Kaffeetrinken mit der Poesie“ der Simone Hirth.

Es gibt auch noch einen Leonides, einen estnischen Europaabgeordneten, mit dem Adina ein Verhältnis hat und der will an ihren Peiniger einen Menschenrechtspreis vergeben, worauf sie ihn verläßt, das führt wieder zu der Frage, ob man das Werk von der Person trennen darf?

Bei einem Menschenrechtspreis würde ich sagen, der gehört vielleicht nicht an einem Grapscher, aber da haben sich schon mehrer „weiße ältere Politiker“ an jungen Frauen vergriffen oder die sind vielleicht fünf jahre später kurz vor der Wahl daraufgekommen, daß sie das thematisieren könnten. Man sieht das Thema ist vielschichtig und ich denke immer noch, daß die Weinheber-Gedicht trotzdem großartig bleiben, auch wenn er ein überzeugter Nazi war und generell denke ich, wenn sich alle an den Hausverstand oder die zehn Gebote halten, wäre die Welt viel besser.

Dann gäbe es aber vielleicht auch keine Bücher, wie dieses und Andina kreist auch um die Frage, ob sie das zur Anzeige bringen soll? Die Anwältin rät ab, weil die Aussichten, daß ihr geglaubt wird, sehr gering und Antje Ravic Strubel hat, glaube ich, bei der Preisverleihung auch gesagt, daß sie während des Schreibens, sie hat acht jahre für das Buch gebraucht, daraufgekommen ist, wie häufig Gewalt an Frauen passiert.

Also auch ein sehr politisches Buch, wo ich wieder schreiben werde, daß es mir das literarischer, als bei Olga Flor ausgedrückt, vorkommt.

2021-10-30

Morituri

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:42
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Jetzt ein Sprung in die österreichische Buchpreisliste und hier das vierte Longlist und zweite Shortlistbuch „Morituri“ , der 1968 in Wien geborenen und, wie, ich glaube, in Graz lebenden Olga Flor mit dem Canetti-Stipendium geschrieben und wieder sehr kompliziert und sehr theoretisch in sprachlich schöner Sprache ausgedrückt.

Trotzdem ist Olga Flor was vielleicht gar nicht so leicht zu merken ist, eine sehr politische Autorin, die sich vor den aktuellen Themen nicht scheut und ist das auch bei dem neuen Buch, dem siebenten Roman, glaube ich, da ist der Titel schon etwas verwirrend oder hoch gedeutet, denn man könnte ihn ja allgemein erklären, daß er die Vergänglichkeit des korrupten Alltagsleben bedeutet oder sich Olga Flor mit der korrupten Gegenwartsgesellschaft beschäftigt und bräuchte den Cäsar und die Gladiatioren nicht, aber dann wäre es vielleicht zu einfach.

Es gibt jedenfalls vier oder ein paar mehr Hauptpersonen. Da ist einmal Maximillian, Aussteiger, gewesener Architekt, geschieden, eine Tochter Ruth. Er verläßt seinen Architektenberuf oder ist darin gescheitert, lebt jetzt am Land in einem Dorf neben dem Moor und züchtet Hühner und Bienen.

Am Anfang jedenfalls. Denn da gibt es eine rechte Bürgermeisterin mit dem schönen Namen Susanne Krblicek, die packelt mit Maximillians Nachbarn, der Baunternehmerin Jacky und ihrem Mann Alfons, der ein Verhältnis zu ihr hat.

Unter dem Moor solle eine Verjüngungs oder Anti Age-Klini errichtet werden, darüber habe ich 2012 im Rahmen des „Nanowrimos“ auch schon geschrieben und Maximillian soll dazu als Versuchsperson, mit Bezahlung selbstverständlich, auserkoren werden. Was im Klartext ,aber etwas kompliziert ausgedrückt bedeutet, er soll mit dem afrikanischen Flüchtling Maurice Rücken an Rücken und mittels Blutübertragung verschmolzen werden. Das heißt sie haben ein Doppelzimmer und Ausgang gibt es nur gegen Revers, wenn man nicht vorher davor flüchtet./literaturgefluester.wordpress.com/2019/05/15/sebastian-ferien-im-kanzleramt/

Die behandelnde Ärztin heißt Frau Dr.in Muhr und eine Redenschreiberin, die nur „Gummistiefel“ genannt wird gibt es auch.

Das alles wird in sehr kurzen Kapteln, die meistens, die Namen der handelnden Personen tragen, manchmal auch anders heißen, beschrieben.

Am Schluß soll es ein großes Finale mit der Eröffnung des Centers durch den jungen schönen medien affinen Präsidenten geben, das geht aber schief und da könnte man Olga Flor ein großes Komplement ausstellen, ist das buch doch schon im Frühling erschienen. Sebastian Kurz ist aber erst jetzt zur Seite getreten. Die korrupte Gesellschaft, die Oga Flor so schön theoretisch beschreibt, wird aber vermutlich bleiben.

Olga Flor, die, glaube ich, große Chancen auf den österreichischen Buchpreis hat und auch sonst sehr gelobt wird, hat bei „Amazon“, aber sowohl fünf als auch eins Stern Rezensionen bekommen, wovon ich eine der Letzteren zitieren möchte:

„Das Erzählte ist eine Ansammlung von Belanglosigkeiten.Ein Höhepunkt worauf die Erzählstränglein zusteuern könnten, ist nicht erkennbar. Lese-Mehrwert: Null. Lesespaß: ebenfalls Null.“

So streng würde ich es, die ich ja auch meine Schwierikeiten mit dem theoretischen Stil Olga Flors habe, nicht beurteilen, hat mir das Buch doch sogar am Anfang ganz gut gefallen und abgebrochen habe ich das Buch auch nicht.

2021-10-28

Zandschower Klinken

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:25
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Buch siebzehn des dBps und das fünfte Shortlistbuch, das ich gelesen habe, das zweite experimentelle, so habe ich jedenfalls gehört, als ich gerade den experimentellen Dath gelesen habe und da war ich natürlich schon gespannt und bin jetzt nach dem Lesen ein bißchen erstaunt über die Art, wie man Bücher machen kann, die dann auf der Shortlist stehen.

Der 1965 geborene Thomas Kunst, von dem ich, glaube ich, noch nicht sehr viel gehört und gelesen habe, ist auch Lyriker und hat in „Strandkörbe ohne Venedig“ schon einen Helden, Bengt Claasen, den er dann in seinen „Klinken „weiterführt und interessant ist auch, daß er mit einem Auszug aus dem Roman beim „Wartholzer Literaturpreis“ 2018 schon gewonnen hat und als ich die erste Beschreibung darüber hörte, habe ich eigentlich nicht gedacht, daß das Buch experimentell ist, sondern hätte es eher für sozialkritisch gehalten und habe „Interessant!“, gedacht.

So kann man sich irren oder auch nicht, denn in den Buchpreisfilmen sagt der etwas behäbige wirkende Autor lächelnd, daß er es liebt seine Leser in die Irre zu führen und, daß er keiner ist, der sich an Plots und Handlung hält, sondern einfach vor sich hinschreibt.

Ja so könnte man es auch machen.Das gilt bei den Romanschulen zwar nicht für professionell, aber wie man sieht, lassen sich Literaturpreise damit gewinnen.

Die Engangsszene hatte ich bei einigen Besprechungen auch schon gehört, da steigt einer der besagte Bengt Claasen aus oder will das tun, klemmt das Halsband des offenbar verstorbenen Hundes an das Amaturenbrett des Autor und nimmt sich vor, dort stehen zu bleiben, wo es hinunterfällt um dort sein neues Leben zu beginnen.

Das klingt schon einmal interessant und spannend, nur wenn die Handlung fehlt und das Buch aus sehr vielen Wiederholungen und wechselnden Perspektiven besteht, bei „Amazon“ wurde ausgerechnet, daß das halbe Buch daraus besteht, tut man sich schwer.

Also weil es keine Handlung gibt, kann ich weder nacherzählen noch spoilern, sondern nur die Sätze oder Satzteile zitieren, die immer wieder auftauchen.

Er fährt also bis Zandschow und bleibt da stehen, braucht aber dennoch drei Monate bis er aus (dem Auto) steigt, das ist einer dieser Wiederholungen.

Und in Zandschow diesen erfundenen ostdeutschen Ort, offensichtlich eine Art Aussteigerkolonie gibt es einen „Getränke-Wolf“, das ist offenbar der Boss und der hat zwei Sklaven, was oder wer die sind, habe ich nicht wirklich herausbekommen und gibt das Bier zu Schleuderpreisen her. Er hat afrikanische Biersorten und wenn man das Bier kauft, kann man eine Weile nach „Sansibar“ gehen oder streamen.

Es gibt in dem Ort einen Feuerlöschteich, darauf schwimmen offenbar Plastikschwäne und besagter Wolf veranstaltet jährlich ein „Darajani Fest“ und ansonsten gibt es sreng strukturierte Wochenrituale. Das ist eine Stelle, die auch immer wieder vorkommt, wie die „Briefe aus dem zwanzigsten Jahrhundert, die mal verlassen, mal zerrissen mal zurückgelassen werden“.

Dann gibt es noch ein Reh oder eine Taxifahrerin, die mal in Kolumbien, mal im Ostdeutschland herumfährt.

„Der Starttarif beträgt einundzwanzig Euro oder hunderttausend Pesos. Man muß ja sehen, wo man bleibt“ und mit dem „Schwesterchen im Wald lebte.“

Auch das wird mehrmals wiederholt und so habe ich mich in dem Bemühen die Handlung zu erfassen eher schnell durch das Buch gelesen und war, als ich den Text am Schluß, der wohl der war, den ich anfangs hörte, las wieder sehr erstaunt:

„Mit unbändiger Fantasie und viel Witz erzählt Thomas Kunst in „Zandowscher Klinken“ von einer solidarischen Gemeinscchaft, die sich am eigenen Schopf aus der Misere zieht -trotzig und stur, frei und eigensinnig. Er entwirft eine Utopie in unserer globalisierten Gegenwart und findet für sie eine Sprache von bezwingender Musikalität.“

Aha, das habe ich gelesen, interessant und ich frage mich wieder, was passiert wäre, wenn ich einen Text mit so vielen Wiederholungen und so wenig Handlung nach „Wartholz“ geschickt hätte?

2021-10-23

Der zweite Jakob

Buch fünfzehn des dBps ist das vierte der Shortlist und da ist interessant, daß ich die erste Seite daraus schon bei der österreichischen Bchpreisverleihung 2019, wo Norbert Gstrein mit ,“Als ich jung war“ gewonnen hat, hörte.

Ein paar Leute haben sich darüber aufgeregt, ich habe es interessant gefunden und mich wahrscheinlich gefragt, wann ich es dann lesen werde. Das Buch ist, glaube ich, im Februar erschienen. Die Präsentationen wurden lockdown ,bedingt dann ein paar Mal verschoben. Im Juni habe ich mich in die „Alte Schmiede“ gestreamt und dann gleich die Präsentation aus dem Lteraturhaus Salzburg nachgehört. Jetzt noch die aus dem Stifterhaus und meine Leser wissen es wahrscheinlich, ich bin kein besonderer Gstrein-Fan, weil er mir etwas zu gewollt konstruiert erscheint, war aber bei etlichen Lesungen, habe auch einiges gelesen und er ist ja auch schon auf mehreren Buchpreislisten gestanden.

Jetzt ist er sechzig geworden und da kommt er natürlich, vielleicht doch irgendwie überraschend, in die „Alte weiße Männer Liste“ die sich mit ihrem Leben, ihrem Sex und ihrem Krebs beschäftigen.

Norbert Gstrein tut das zugegeben sehr elegant und führt, die geneigten Leser mit seinen autobiografischen Anspielungen auch gewollt in die Irre und wieder ist der Plot sehr kompliziert und äußerst vielschichtig konzipiert und der Erzählstil, wie eine Vloggerin meinte, nach soviel experimentellen auf der Longlist erstaunlich konventionell, fast altmodisch erzählt.

Trotzdem war es nicht ganz leicht mit der so vielschichtigen Handlungen mitzubekommen, deshalb habe ich mir, als ich fertig war, auch so viele Gespräche angehört und bin da wirklich vom hundersten ins tausendste gekommen.

Es beginnt ganz konventionell. Der Schauspieler Jakob Thurner, der eigenlich „Gestirn“ heißt, eine Anspielung auf seines Autors Namen, feiert seinen sechzigsten Geburtstag und soll deshalb eine Biografie bekommen.

Das haßt er, zum Unterschied zu mir, sehr, kann sich um seinen Biografen Elmar Pflegerl aber nicht drücken, obwohl eri hm später fast tätlich angreift und das führt bei ihm zu der Frage ,wie er seine Biografie verfälschen kann, beziehungsweise gerät er, der sich darob nicht festlegen will, in mehrere Versionen, die mir das Verstehen und um das Herausbekommen, um was es hier eigentlich, geht erschwert, aber wahrscheinlich Norbert Gstreins Absicht war.

Jakob Thurner war dreimal verheiratet, hat eine etwa zwanzigjährige Tochter namens Luzie, die laut Johanna Öttl eine Autismusspektrum-Störung hat. Ich muß gestehen, habe das nicht gemerkt, habe aber auch hier eher flüchtig gelesen und hätte, die eher, dem ersten Jakob, dem Onkel unterstellt und der erste Satz des ersten Buches „Einer“ heißt „Jetzt kommen sie und holen Jakob“ und der erste Jakob, der achtzigjährige Onkel hat sich jedesmal, wenn ihm die Kinder, das nachriefen, wochenlang im Keller versteckt, denn die Großmutter gab den etwas „komischen“ Buben auf Anraten Anfang der Vierzigerjahre in eine Anstalt und konnte ihn dann noch gerade herausholen. Ja diese Ansspielung mußte natürlich sein.

Der zweite Jakob war aber nicht nur dreimal verheiratet, sondern hat auch dreimal einen Mörder gespielt. Etwas was den Biografen natürlich zu Verknüpfungen bringt, die Jakob erzürnen und ihm droht seine Zustimmung zur Veröffentlichung zurückzuziehen, worau er natürlich erpreßt wird.

Dann kommt die Tochter Luzie, die alles genau wissen will und daher fragt „Was ist das Schlimmste in deinem Leben, Papa, was dir passierte?“ und das war ein Filmdreh in den Neunzigerjahren an der mexikanischen Grenze. Da hat Jakob einen Grenzer gedreht, ist dann selber, noch halb in der Uniform von Texas nach Mexiko und dort in einem Club gefahren und dort einer Prostiutierten oder sie ihm zu Nahe gekommen und ist dann mit einer Kollegin noch einmal darüer gefahren, die betrunkene Xenia hat eine Frau angefahren und die Beiden haben die Leiche liegen lassen, was Luzie so erschütterte, daß sie den Kontakt mit dem Vater abbrach und sich sogar die Pulsadern aufritze, dabei wollte Jakob mit der Tochter zum sechzigsten Geburtstag nach Amerika reisen.

Beim Dreh in den Neunzigerjahren ist er noch George W. Bush begegnet, den der im Buch

„Dubya“ nennt und Gstrein hat Johanna öttl oder war es Tomas Friedman, auch erkläert, daß er es sehr genau mit seinen Namen hält um am Schluß gibt es, glaube ich, keine Biografie, aber eine Statue aus China, die im Heimatort aufgestellt werden soll, Jakob stammt, wie wahrscheinlichauch sein Autor, aus einer Tiroler Hotelierfamie und deshalb schaut der Schauspieler ein bißchen asiatisch aus.

Norbert Gstrein hat es faustdick hinter den Ohren und spart nicht mit den aktuellen Anspielungen und so kommen nicht nur die mexikanischen Frauenmorde, sondern auch die asiatischen Billigwaren vor und vorher gibt es noch, wie Gstrein erwähnte zwei Bonuskapitel.

Ein Ausdruck, den ich nicht kannte, aber sehr interessant fand. Das eine ist die Krankheit, die dem Sechzigjährigen diagnostiziert wird, die zweite, die um dreißg Jahre jüngere Freundin und in der „Alten Schmiede“ hat er die Zuhörer aussuchen lassen, aus wechen Kapitel sie etwas hören wollten.

Gekonnt konstruiert, kann ich nur wiederholen, vielschichtig listig und wahrscheinlich nichts ausgelassen und ich habe mich beim Lesen öfter gefragt, um was es hier wirklich geht?

Um die zurechtkonstruierte Biografie eines noch gar nicht so alten Schauspielers, Nazivergangenheit den Frauenerfahrungen und interessant ist noch eines, was die meisten nicht erwähnten, erkannte, Jakob hat eine Filmrolle, einen Prostituiertenmörder adarzustellen, den später John Malkovich spielte und der war in einem Gefängnis, hat dort zu schreiben begonnen, was Jakob ein wenig verächtlich erwähnt, wurde dann auf Grund von Iterventionen der österreichischen Autorenschaft entlassen und ein paar Jahre später als Prostiuertenmörder verurteilt und sich in der Nacht danach in seiner Zelle erhängt. Vorher hat er in der „Editon Wortbrücke“ meine „Hierarchien“ ,herausgegeben und ich habe auch einmal, bis er aus der GAV weil die ihm zu sozial war, ausgetreten ist, mit ihm gelesen.

Eine Vloggerin fragte sich warum das Buch auf die Shortlist gekommen ist? ich habe das erwartet und vielleicht sogar gedacht „Uje, dann muß ich es lesen!“

Müßte ich natürlich nicht, wenn ich es nicht anfragen würde. Als Gewinnerbuch wünsche ich mir von den vier von mir bis jetzt gelesenen Shortlistbüchern, aber immer noch Mithu Sanyal „Identiti“ und da kann man den Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Schreiben auch sehr gut erkennen.

2021-10-21

Identiti

Jetzt kommt schon Buch vierzehn des dBps,das dritte Shortlistbuch und meiner Meinung nach das zweitbeste, das ich in diesem Jahr gelesen habe und daher das, das ich mir bisher als Preisbuch wünschen würde.

Es ist auch das Dritte, der fünf, die von Frauen geschrieben wurden, die sich mit Diversitäts- oder Migrationsfragen beschäftigten.

acism würde das wahrscheinlich Saraswati, die Professorin aus Mithu Sanyals Buchs in ihren Postcolonialstudies-Vorlesungen so nennen würde und das versöhnlicher, als Shida Bazyars „Kameradinnen“ ist und mir deshalb gut gefallen hat, weil es ungewöhnlich modern das beschreibt, was derzeit sehr chaotisch und turbulent , um uns passiert.

Ich habe von der 1971 in Düsseldorf, als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters Geborenen, die schon zwei Sachbücher geschrieben hat, noch nichts gelesen und gehört und bin jetzt über den frischen Ton sehr erfreut und auch, was ich gar nicht erwartet habe, trotz aller Chatsbeiträge, Twittermeldungen zwischendurch und was mich ein bißchen irritierte, immer wieder englische Ausdrücke und Redemeldungen bzw. Abkürzungen, die mir nicht so geläufig waren, eine spannende Handlung und eine durchaus verständliche Geschichte gibt.

Da ist also Nivedita Anand, wie ihre Autorin, Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters und daher mit ihrer identität im Wickelwackel, die in Düsseldorf an der Heinrich Heine Uni Postcolonialstudies bei Professorin Saraswati studiert, die dafür bekannt ist, daß sie in ihren Seminaren alle weißen Studenten hinauswirft, also ganz schön brutal. Aber das ist vor kurzem ja auch wirklich so geschehen, daß auf einer Uni einer Stelle ausgeschrieben wurde, dwo sich Weiße nicht bewerben sollten.

Das Buch beginnt mit einem Interview, das Nivedita ,die den Blog „Identiti“ führt, mit einem Sender führte. Dann platzt die Bombe, Saraswati ist gar keine people of colour, als PoC, sondern die weiße Sarah Vera Thielmann, sowie und Zahnarzttochter.

Der Shitstorm beginnt und Nivedita, die eine in England aufgewachsenen Cousine namens Priti, sowie einen Freund namens Simon hat und in einer WG lebt, fält aus allen Wolken. Sie zieht dann zu der Professorin, die sehr cool und selbstbewußt auf den Shitstorm reagiert.

Oluchi ,eine Studentin mit, glaube ich, afrikanischen Hntergrund zettelt eine Demo an. Die Professorin wird von ihrer Uni zur Entschuldigung aufgefordert und später, glaube ich, entlassen. Die Anwältin schaltet sich ein und es kommt heraus, Priti hat Saraswatis Bruder, Konstantin der die Schwester geoutet hat, ein Foto gegeben und der stellt sich heraus, hieß eigentlich Raji und wurde von dem Zahnarztpaar, weil keine Knder kamen adoptiert. Dann kam, wie üblich, die kleine Schwester und hat, sich stellt sich schließlich heraus, um den Bruder die Identität zu erleichtern zu einer Hormonbehandlung entschlossen.

Das ist die Geschichte, die man so eigentlich logisch oder auch kitschig, je nach Geschmack nennen könnte. Interessant wird sie, glaube ich, durch die immer wieder erfolgenden theoretischen Einschüben und Erklärungen, Bücher werden genannt, Studien erklärt, einen Anhang gibt es auch und man fängt in einer so chaotischen Zeit wie dieser, wo Bahnhöfe und Restaurants umbenannt werden, Joanne K. Rowling und Morddrohungen bekam, als sie postete, daß es (nur) zwei Geschlechter gäbe, glaube ich, eigentlich auch oder Elke Heidenreich, die gerade einen Shitstorm auslöste, weil sie sich bei Markus Lanz bezüglich der neuen Grünsprecherin Sarah-Lee Heinrich kritisch und gegen das Gendern äußerte, zu überlegen an und denkt, „Hey, Michael Jackson hat sich ja eigentlich auch eine weiße Identität gegeben!“

Warum darf man sich dann nicht auch in eine „People of colour“ verwandeln? Weil das ein Rassismus ist? Da gab es ja auch Aufregung, weil sich Kindergartenkinder nicht mehr als IndianerInnen verkleiden durften. Was ich auch für Blödsinn halte und interessant ist auch, daß Mithu Sanynal, die wirklich intellektuell darüber stehen dürfte, die polnische Mutter auch davon sprechen läßt, daß sie mehr über „ageism“ als über „raceism“ leidet.

Ja älter werden darf man auch nicht und muß sich stattdessen liften oder Botox spritzen lassen, wenn man sich das leisten kann. Viele können das nicht und altern, während andere ewig jung bleiben und, daß mit dem nicht Wohlfühlen in der eigenen Haut, ist ja auch ein Problem, das die Psychologin beschäftigt, die schon bemerken konnte, daß man auch nach Brustoperationen oder Geschlechtsumwandlung unsicher bleibt und, daß es wahrscheinlich die Toleranz ist, die unsere Gesellschaft braucht und die gegenseitige Gesprächsbereitschaft und das ist es auch, was mir an dem Sanyal-Buch gefälllt und ich bei Shida Bazyar ,die ja ein ähnliches Thema bearbeitete, vermißte.

Daß man nicht „Woher kommst du?“, fragen darf, wird auch thematisiert und damit habe ich auch Schwierigkeiten. Weil, wenn ich das nicht mehr fragen darf, bin ich zum Schweigen verdammt und das gegenseitige Näherkommen fehlt und das passiert ja jetzt auch, wenn ich, wenn ich sage, „Ich lasse mich nicht impfen!“ oder „Finde die Maßnahmen übertrieben!“, gleich in der Verschwörungs- und Nazikiste lande und mit denen spricht man dann nicht mehr!

Dann bleibt der Rest Schweigen und das ist, denke ich, auch nicht gut, deshalb würde ich mir „Identiti“, ich spreche es Deustch aus und finde das gerade besonders interessant obwohl das Österreichische das Wort „Titen“ für den Busen eigentlich nicht verwendet, als das Buchpreisbuch wünschen und es allen, vielleicht auch den Uli zum Lesen empfehlen.

Mithu Sanyal hat, habe ich beim Lteraturcafe gelesen, den Brief unterschrieben, wo sich, glaube ich, Künstler beschwerten, daß keine schwarzen Frauen für den „Leipziger Buchpreis“ und da wird es auch ein bißchen schwierig, denn ich habe ja auch ein Problem mit den Auswahldefinitionen.

Kein Selbstgemachtes darf darauf, aber da gab es bis vor kurzem viele ältere „weiße“ Manner mit ihren Midlifekriseproblemen und keine schwarze frau und gleich viele Männer, wie Frauen müßen eingeladen werden und der Prozentsatz mit Migrationshintergrund muß auch stimmen!

Dann bleibt vielleicht die Qualität unberücksicht und so schlage ich wieder vor, alles lesen!

Von weißen, schwarzen, gelben Männern und auch solchen Frauen. Bücher aus den Groß- und den Kleinverlagen, aber auch aus der Selfpublisherschiene und dann selber urteilen!

Und diese Liste, ich wiederhole es noch einmal, finde ich sehr interessant und auch ausgewogen, weil da zwar nicht alles aber vieles von vielen drinnen ist und von den vierzehn Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, sind fünf von Frauen auf meiner Shortliste und jetzt werde ich zu Norbert Gstrein übergeben, dem „weißen alten Mann“ auf der Liste, aber das ist ein Ausdruck, den ich, ich betone es noch einmal, nicht mag, halte mich auch nicht für eine „alte weiße Frau“ und lege mich auch gerne unter die Sonne.

Bin also im Sommer eher braun, aber selbstbewußt, als älter werdende Frau, die sich ihre Haare nicht färben läßt und plädoyiere wieder für das Miteinander und Philip Roth, der ja auch so ein „weißer alter Mann“ war, der sich mit seinen Midlifeproblemen beschäftigte, hat, erinnere ich mich, auch ein Buch mit dem Titel „Der menschliche Makel“ geschrieben, wo einer mit seiner Identität nicht zufrieden war und sie daher veränderte.

Also miteinander statt gegeneinander! Mit allen reden, auch vielleicht „Woher kommst du?“ und das dann nicht gleich als Rassismus empfinden, wäre das, was sich die Psychologin und nicht so erfolgreiche schreibende, aber über den Tellerrand lesende Frau, wünschen würde!

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