Literaturgefluester

2018-11-29

Der letzte Huelsenbeck

Buch vier der Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich über die Zusammenstellung der ausgewählten Bücher nur wundern, ein paar höchstpoetische, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenstück, das war 2016 der  Uli Wittstock, mit seinen Rechtschreibfehlern, im Vorjahr wahrscheinlich „Oder Florida“ und jetzt ist mit dem „Letzten Huelsenbeck“, ein solch irrwitziges und wahrscheinlich nicht poetisches Buch dabei, von dem ich mir aber lange nicht sicher war, auf welchen Platz in meiner Reihenfolge ich es stellen soll, wie ich überhaupt die heurige Shortlistauswahl, das Buch der Bettina Wilpert habe ich noch nicht gelesen, für sehr gut halte und ich liebe ja die realistischen Romanen, die vom Wahnsinn und vom Leben handeln, von den ICD Diagnosen und den Drogencocktails, bei den letzteren kenne ich mich nicht so aus und kann daher auch nicht unterscheiden, ob es sich in dem Buch, um eine reine Psychose oder um eine durch Drogen induzierte handelt.

Gut, das Daniel S. Drogen nimmt ist kein Geheimnis, das gibt er selber zu un schreibt darüber. Er ist auch in einer Anstalt, wie Joachim Meyerhoff aufgewachsen und er geht schon zu Beginn des Buches zu einem allerdings auch durchgeknallten Psychiater und läßt sich ohm einen Pharmacocktail verschreiben.

Das alles deutet auf ein enormes Fachwissen oder eine hervorragende Recherche des 1956 geborenen Christian Y Schmidt hin, der in verschiedenen Satire- und anderen magazinen arbeitete und sowohl in Berlin, als auch in Peking lebt.

Für einen Debutanten nicht  sehr jung, aber Ljuba Arnautovic ist noch älter und Daniel S., der Protagonist lebte auch mehrere Jahre in Asien und kommt zu Beginn des Buches von dort zurück, um an einem Begräbnis teilzunehmen.

Auffallend ist, daß er gleich zu Anfang an von seinem Tod spricht und später in seinen Tagebuchnotizen immer wieder davon schreibt, wieviele Tage er noch zu leben hätte. Später schreibt der ihm behandelte Psychiater dann von einem „Cotard-Syndrom“, keine Ahnung, ob es das wirklich gibt, da müßte ich erst googlen. Das sind aber die, die sich einbilden gestorben zu sein, aber  noch leben und bis man dahin kommt, geht es auf fast vierhundert Seiten auf eine irrwitzige Reise durch Berlin, durch eine Psychose,  einen permanenten Drogenrausch oder, wie man das auch nennen will.

Richard Huelsenbeck, auch da müßte ich erst googlen, war ein deutscher Dadaist und der letzte Huelsenbeck heißt das Buch, weil Daniel S. sich in den Siebzigerjahren, es ist auch ein Buch über dieseZeit, in der ich Psychologie studierte, mit der Elfi zwar einmal nach Amsterdam fuhr, aber nicht einmal einen Joint versucht habe, mit ein vier Freunden „Die Huelsenbecks“ eine Dadagruppe gründete, in der er, wie die „Wiener Gruppe“ Aktionen machte, wie beispielsweise einen Weihnachtsmann vom Dach zu schmeißen, der dann fast einen Kinderwagen getroffen hätte.

Der Höherpunkt der Aktionen war eine Amerikareise im Jahr 1978 der fünf. Dann trennte sich die Gruppe, Daniel S. ging als Reisejournalist nach Hongkong. Jetzt ist er zurückgekommen, steht am Grab seines Freundes Viktor und fängt sich zu erinnern an.

Das heißt, so einfach ist das nicht, denn zuerst schmeißt Ronny einen Lachsack in das offene Grab, es kommt zu einer Schlägerei, Daniel wird von einem Stein getroffen, daraufhin wird er wieder in der Anstalt, wo er aufgewachsen ist und später auch Pflegehelfer war, ob seine Eltern dort arbeiteten oder er nur nebenan wohnte, wurde nicht so klar, behandelt.

Er beginnt ein Tagebuch zu schreiben, nach Berlin, wo er eine Wohnung hat, zu reisen und seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und die ist mehr als turbulent und wechselt auch mehrmals, die Perspektiven, so daß man sich sehr konzentrieren muß, um bei all den Wendungen auch mitzukommen und den Faden nicht zu verlieren.

Denn Daniel sauft und kifft gewaltig, sieht sich auch überall verfolgt, es tauchen irgendwie lädierte Kinder auf, er beginnt mit Vögel zu sprechen, sieht eine Claire, die die fünf eine Zeitlang auf ihrer Amerikareise begleitete, dann verschwunden ist und jetzt überall, wie der tote Viktor auftaucht und Daniel geheimnisvolle Botschaften zuruft.

Er versucht, weil er sich an das alles nicht erinnern kann, aber überzeugt ist, Claire damals in Amerika ermordet zu haben und jetzt von ihr oder ihrer Familie gerächt zu werden, auch die drei anderen noch lebenden Huelsenbecks, Ben, Ronny und Michi auf, wird da aber nicht fündig, denn sie entziehen sich und beginnen ihm nur Botschaften aus dem Netz zu senden oder ihn zu erpressen.

Es gibt auch Briefe, die er seiner früheren Freundin aus Amerika schickte, die er jetzt erforschen will und  fast am Ende, stopft er sich mit allem voll, was am Markt zu kriegen ist, er hat einen Superdealer, stellt sich auf die Straße, beginnt dort einen Armoklauf, so daß er in eine andere Anstalt eingewiesen wird und ein Professor Dr. Hans Pryzgodda schließlich einen Fallbericht über ihn schreiben kann.

Ein äußerst spannend geschriebenes Buch, wo ich die Psychose, die mir meine Freundin Elfi auch in den Siebzigerjahren, einmal erzählte, gut nachvollziehen konnte, wie das mit dem Beziehungswahn sein kann und wie ein solcher erlebt wird. Eine Satira auf den P.sychiatriebetrieb ist es sicher auch. Ein rassant geschriebenes Buch, das mir authentisch scheint. Literarisch ist es wahrscheinlich nicht zu nennen und jetzt bin ich auf die Bewertung der anderen Mitjuroren gespannt.

Advertisements

2018-11-24

Viel Österreichisches auf der Bloggerdebutshortlist

Filed under: Buchpreisbloggen,Literaturpreise — jancak @ 00:59
Tags: ,

Den Bloggerdebutpreis gibt es, glaube ich, seit drei Jahren. Jedenfalls bin ich seit 2016 in der Jury desselben der vom „Debut“ vergeben wird. Drei Frauen, Anna Bozena Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger sind das Team und sammeln alle Debuts des Jahres, aus denen sie dann zu Ende eine Shortlist aus fünf Kanditaten ermitteln, die an die Bloggerjury gehen, die dieses Jahr aus vierzehn Literaturbloggern besteht. Die lesen dann und vergeben Punkte und der Winner und der Zweitplazierte werden dann nach Essen in das Cafe Livres eingeladen, wo der Preis vergeben wird.

Eine spannende Sache, wie ich finde und ich bin, glaube ich, zufällig vor zwei Jahren, als ich wahrscheinlich Nele Pollatschek gelesen habe und die Bewerbungsfrist der Blogger eigentlich schon vorrüber war, auf das „Debut“ gestoßen, habe geschrieben „Kann ich noch mitjurieren?“, was klappte und dann suchte ich aus der Shortlist von 2016 „Nachts ist es leise in Teheran“, das dann auch gewonnen hat aus und in Vorjahr war, wo „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer die meisten >Punkte hatten, waren wir sogar in Essen bei der Preisverleihung.

Heuer ging es weiter und ich habe, da ich in diesem Jahr sehr viele Neuerscheinungen gelesen habe, auch sehr viele Vorschkläge für die lange Liste machen können, die dann aus neunundsechzig Romanen bestand.

Sechszehn davon habe ich gelesen, nämlich:

Gunnar Kaiser „Unter der Haut“

Florian Wacker „Stromland“

Gianna Molinari „Hier ist noch alles möglich“

Lukas Rietzschel „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Kai Wieland „Amerika“

Denis Pfabe „Der Tag endet mit dem Licht“

Claudia Tieschky „Engele“

Donat Blum „Opoe“

Michel Decar „Tausend deutsche Diskotheken“

Wlada Kolosowa „Fliegende Hunde“

David Fuchs „Bevor wir verschwinden“

Barbara Rieger „Bis an Ende Marie“

Verena Stauffer „Orchis“

Hilmar Klute „Was nachher so schön fliegt“

Ljuba Arnautovic „Im Verborgenen“

Mareike Schneider „Alte Engel“

 

Mario Wurmitzer „Im Inneren des Klaviers“

Anne Reinecke „Leinsee“

Livia Klingl „Der Lügenpresser“ und

Angelika Stallhofer „Adrian und Die  unzähbaren Dinge“

liegen noch ungelesen in meinen Regalen oder auf Alfreds Schreibpult und ich habe mir aus den von mir gelesenen Bücher natürlich meine persönliche Shortlist gemacht, die aus Wlada Koloswa, Gunnar Kaiser, Hilmar Klute, Gianna Molinari und David Fuchs bestehen würde.

„Amerika“, „Mit der Faust in die Welt schlagen“ und das Buch der Ljuba Arnautovic waren aber auch sehr interessant.

Anna Bozena Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger haben anders entschieden und

Christian Y Schmidt „Der letzte Huelsenbeck“

Marie Gamilschegg „Alles was glänzt“, die öst Debutpreisträgerin

David Fuchs „Bevor wir verschwinden“

Verena Stauffer „Orchis“ und

Bettina Wilpert „Nichts, was uns passiert“, die glaube ich, den „Aspekte-Debutpreis“ bekommen hat, auf die Shortlist gesetzt.

Sehr viel Österreichisches, wie ich mit Erstaunen feststellte und bis auf Christian Y Schmidt auch Bekanntes. Denn Bettina Wilpert habe ich auf dem „Blauen Sofa“ bei meinem „Frankfurtsurfen“ gehört.

Marie Gamilschegg bei den „O-Tönen“ und bei der öst-Preisverleihung, ihr Buch auch im September angefragt und nicht bekommen.

jetzt kann ich es lesen, die Bücher von David Fuchs, der ja auch für den öst Debutpreis nominiert war und Verena Stuaffers „Orchis“, die ich auf dem ersten Blick mit Angelika Stallhofers „Adrian“, die ich ja bei den letzten „Wilden Worte“ hörte, verwechelte, habe ich schon gelesen und jetzt geht es trotz meiner noch so langen Leseliste an das Shortlistlesen und  bin gespannt, wie die Bücher mir, sowie den anderen dreizehn Mitjuroren gefallen werden.

2018-11-06

Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:01
Tags: , , ,

Jetzt  am Vorabend der Buch-Wien geht es ans öst Buchpreisauflesen, denn da hatte ich ja schon fünf Bücher gelesen, als die Liste bekannt gegeben wurde, dann habe ich den Millesi und den Jäger, die ich als PDF bekommen habe, gelesen und beim Rest, was zuerst nur der Josef Winkler und der David Fuchs war, gedacht, das mache ich sopäter, ich habe ja mit dem dBp und den anderen Neuererscheinungen genug zu tun.

Also jetzt der große Favorit und „Büchnerpreisträger“, der 1953 in Kärntnen in dem Dörfchen Kamering geborene Josef Winkler, das inzwischen wohl wahrscheinlich  Berühmtheit erlangte und zumindestens allen Deutschlehrerinnen bekannt sein wird, denn Josef Winkler ist ja auch einer, der ähnlich wie Florjan Lipus und wahrscheinlich noch einige andere, sein Leben aufschreibt und sich dabei wiederholt in endlos Schleifen das Aufwachsen in einem katholischen Bauerndorf der Nachkriegszeit und die Gewalt, die er dort erlebte, beschreibt und er tut es in einer sprachlich schönen Form, so daß die Germanisten Symposien darüber abhalten und die Leser für die der Buchpreis ja eigentlich oder ursprünglich da ist, vielleicht sagen werden „Was interessiert uns das? Das ist uns zu schwer und hochgestochen, wir wollen lieber was Unterhaltsames, nach unserem schweren Arbeitstag!“ und werden vielleicht zum Krimi greifen, der nicht auf den Buchpreislisten steht.

Ich kenne Josef Winkler zumindest vom Namenseit seinen Anfängen, hat er doch, als ich mich noch sehr dafür interessierte und glaubte, daß ich das auch einmal könne, beim Bachmannpreis gelesen und mit „Menschenkind“ gewonnen, das inzwischen ein Teil der Trilogie „Das wilde Kärntnen“ ist.

Das Buch habe ich, glaube ich, vor Jahrzehnten gelesen und wahrscheinlich nicht sehr verstanden, dann war ich  1996 auf eigene Kosten und als Publikum im Klagenfurt, wo er mit einem Kind am Arm herumgelaufen ist und, ich glaube, aus „Domra“, den Bericht seiner Indienreise gelesen, aber nicht gewonnen hat. Das Buch habe ich dann auch vom Karli zum Geburtstag bekommen und die Dramatisierung seiner „Römischen Novelle“ habe im im MQ, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen.

Da ist mir also der sich um sein Kindheit kreisende Josef Winkler ein wenig verloren gegangen, könnte man so sagen, stimmt nicht ganz, denn ich war beim Symposium in der „Alten Schmiede“ und da hat er, glaube ich, aus seinem „Abschied von Vater und Mutter“ gelesen und jetzt das öst Buchpreis Buch, das im Frühjahr bei „Suhrkamp“ erschienen ist und da an mir ohne die Nominierung vorbeigegangen wäre, obwohl es, glaube ich, im Vorjahr im „Casino am Schwarzenbergplatz“ aufgeführt wurde, bin ich wieder in die Winklerische Welt des Grauens und des Lamatierens eingetaucht und ich muß sagen, er versteht es ausgezeichnet, das in eine kunstvolle Form zu fassen, obwohl die Inhalte, wie man auch bei „Amazon“ lesen kann, schon sehr bekannt sind.

Neu für mich war, daß der kleine Josef oder Sepp schon als einjähriger mit einem Bleistift, um auf seine spätere Profession hinzuweisen, herumgelaufen ist, aber, daß die schweigsame oder im Schmerz verstummte, später Psychopharmaka nehmende Mutter ihre drei Brüder im Krieg verloren hat, habe ich schon gelesen oder gehört, auch daß er beim Tod des Vater in Tokio war, daher nicht zu seinem Begräbnis kommen konnte oder auch nicht wollte, weil der Vater ihm das verboten hat, weil sich das Dorf naturgemäß wahrscheinlich nicht darüber freute vomJosef oder Sepp in den „Dreck“ gezogen zu werden.

Das Buch, die sich immer wieder wiederholenden Inhalte der Gewalt, die das Kind wohl in der muffigen Bauernstube erlebte, das Blauschlagen des Hinters beispielsweise „Er hat blaue Würste am Arsch!“, ist, muß ich sagen, in eine wirklich künstlerische Form gebracht und darin eingerahmt.

Eingerahmt durch die Gedichte de jiddisch schreibenden Rajzel Zychlinski, die in Polen geboren wurde und 2001 in den USA gestorben wird und dann gibt es noch das Gedicht „Der Herr, der schickt den Jockel aus:/ Er soll den Hafer schneiden“, das, glaube ich, von Fontane ist, das vor jedes Kapitel gestellt wird und daher von Kapitel zu Kapitel immer länger wird, bis es schließlich in „Da geht der Herr nun selbst hinaus/ Und macht gar bald ein End daraus/ Der Teufel holt den Henker nun, / Der Henker hängt den Schlächter nun, /Der Schlächter schlacht’den Ochsen nun, / Der Ochse säuft das Wasser nun,/ Das Wasser löscht das Feuer nun,/ Das Feuer brennt den Prügel nun,/ Der Prügel schlägt den Pudel nun,/Der Pudel beißt den Jockel nun,/ Der Jockel schneidt den Hafer nun,/ Und kommt auch gleich nach Haus.“

Jockel ist, glaube ich, die Abkürzung von Jakob und so heißt Josef Winklers Vater und das Buch ist eine Ltanei, ein Zwiegespräch mit ihm in dem all das, was wir, wenn wir ein bißchen Winkler gelesen haben, schon wissen, aber noch etwas anderes, das der Aufhänger für das Buch ist, enthält.

Den Josef Winkler, steht am Klappentext, hat erst vor wenigen Jahren erfahren, daß in den „Sautratten“, wo die Gerste wuchs, die in der väterlichen Mühle gemahlen und auch das ganze Drautal mit Mehl belieferte, die Leiche des sich 1945 selbst vergiftet habenden, weil die Engländer ihn gefangene nahmen, Odilo  Globocnik, der als Leiter der Aktion Reinhart für die Vernichtung von  Juden in Treblinka Belzek und Sobibor verantwortlich war.

„Zwei Millionen ham`ma erledigt!“, wird immer wieder litaneiartig wiederholt und nun klagt der Sohn, den Vater an, wieso er ihm, der doch sonst soviel vom Krieg erzählte, das nicht gesagt hat und so er und der Rest des Drautals jahrelang, wie er schreibt verseuchtes Brot essen mußten.

Der Lebenslauf des jungen Josef, der mir aus Lesungen schon bekannt war und der auch ziemlich genauso  beschrieben in „Wikipedia“ steht, wird erzählt. Die kleinen bunten Soldatenfiguren, die dieKinder aus den „Linde-Kaffeebohnenschachteln“ sammelten, die die Verwandten bei den Besuchen mitbrachten. Die katholischen Rituale und Aufbahrungen, das Lesen der Winnetou-Bücher, die ihm aus der Sprachlichkeit und der Dumpfheit des Dorfes herausbrachten. Er hat dazu auch Geld aus der Böse seiner Mutter, die er und das finde ich ein bißchen seltsam, obwohl ich den dramaturgischen Effekt nachvollziehen kann, in dem Buch „Mame“ und den  Vater „Tate“ nennt und denke, daß er  als Kind seine Eltern sicherlich nicht so genannt hat, gestohlen.

Hat später auch Camus und Hemingway gelesen, ist nach Klagenfurt auf dieHandelschule gegangen und hat später an der damaligen Hochschule für Bildungswissenschaft, als Schreibkraft gearbeitet. Dann sind seine erste drei Bücher erschienen, die das Dörfchen  wohl erregten und er verstummte. Später kehrte er wieder in sein Elternhaus zurück, um und das mag auf dem ersten Blick seltsam erscheinen, wieder schreiben zu können. Aber ich finde gerade diese Ambivalenz das Wandern zwischen Gut und Böse, das Josef Winkler auch bei sich selbst beschreibt, diese Haßliebe, das nicht loskommen und sich immer wieder fortan wiederholen, als das Bemerkenswerte an dem Buch und an Josef Winkler literarischen Schaffen.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wie schon beschrieben an mir vorbeigegangen wäre, ich aber sehr froh bin, daß ich es gelesen habe, denn ich habe dadurch sehr viel von Josef Winkler und seinem Schreiben  gelernt und füge ich noch hinzu, daß als ich 2000, zu Zeiten von schwarz blau eins, was allerdings ein Zufall ist, in Klagenfurt war, wurde dort gerade das Stück des  20011 verstorbenen Werner Kofler „Tanzcafe Treblinka“ aufgeführt, denn Odilo Globocniks Adjutant Ernst Lerch hat sich nicht umgebracht, sondern bis in die Siebzigerjahre in Klagenfurt ein Tanzcafe geführt, in dem Josef Winkler, als es allerdings kein solches mehr war,  öfter war, bevor er von der Abendhandelsakademie nach Hause gefahren ist.

2018-10-22

Gott der Barbaren

Jetzt kommt Buch elf des dBps und das fünfte der deutschen Shortlist. Ja, ich weiß, ich bin spät daran, da  schon die Siegerin feststeht, aber Stephan Thomes „Gott der Barbaren“ hat auch über siebenhundert Seiten und ein Thema, mit dem ich eigentlich nicht so viel anfange, denn ich habe ja einmal geschrieben, daß mein Interesse beim historischen Roman beim ersten Weltkrieg endet und über die Kriege in China im neunzehnten Jahrhundert, habe ich ebenfalls noch nicht so viel gehört und kenne mich auch in der Geschichte  und der Literatur Chinas nicht so aus, obwohl ich da ja einmal einen kleinen  chinesischen Literaturschwerpunkt hatte.

Beim  1972 in Hessen geborene Stephan Thome, der glaube, ich schon lang in Taipeh lebt und fließend Chinesisch spricht, ist das natürlich anders und er war auch schon mit zwei anderen Romanen, nämlich  „Grenzgang“ und „Fliehkräfte“ auf der deutschen Shortlist und ich habe sowohl „Grenzgang“, als auch „Gegenspiel“, die andere Themen behandeln, auf meinen Regalen, die Bücher aber noch nicht gelesen.

„Gott der Barbaren“ also, das Buch, das uns nach China und ins neunzehnte Jahrhundert, in den Taiping- Aufstand und den zweiten Opiumkrieg zurückführt und das beispielsweise von Sophie von „Verstand“, als das Buch des Jahres bezeichnet wurde.

Meines ist es nicht, war aber am Tag der „Buchpreisverleihung“, als ich gerade die Haratischwili las und  zu meiner Favoritin wurde, nicht ganz sicher, ob es nicht doch Stephan Thome werden würde?

Er wurde es bekanntlich nicht, was vielleicht daran liegt, daß nicht viele der schwindenden Leserschaft, die Geduld auf bringen, sich durch die siebenhundert Seiten zu lesen, obwohl ich bei „Amazon“, eine Rezension gefunden habe, wo jemand schreibt, daß er zwei Tage und zwei Nächte dazu brauchte.

Ich habe eine Woche mit jeweils am Morgen ein paar Stunden in der Badewann dazu gebraucht und tue mir noch immer schwer, den Inhalt zusammenzufassen und herauszufinden, um was es dabei eigentlich geht?

Obwohl, natürlich, es geht um den zweiten Opiumkrieg und eine christliche Aufstandsbewegung und das wird in drei Strängen, in Briefen, Zeitungsberichten, mit chinesischen Schriftzeichen, etcetera von den wichtigsten Personen erzählt.

Frauen, kann man gleich anmerken, kommen wenig in dem buch vor, obwohl sich ein großer Teil über das Entsetzen, das ihre verkrüppelten Füßen bei den Europäern auslöst, beschäftigt und es auch eine Frauenstimme gibt, die mehrere Kapitel hat, aber die kommt interessanterweise in dem Glossar, der handelden Hauptpersonen nicht vor, was ich sehr schade finde.

Die Konkubine des verstorbenen Kaisers und Mutter des chinesischen Thronfolgers, die gemeinsam mit Prinz Gong nach dem Tod des Kaisers, die Macht übernahm, kommt dagegen im Glossar vor und das ist wohl bei aller Grausamkeit vielleicht auch interessant und wenn wenn ich es richtig verstanden habe, sind das historische Personen, von Stephan Thome, dem Chinaexperten, hervorragend recherchiert.

Die wahrscheinlich, wie ich sagen würde, Hauptperson, nämlich der deutsche Missionar Philipp Johann Neukamp, der nach einer Masernerkrankung, vorrübergehend erblindete, dann in Leipzig, den Revolutionär und Freiheitskämpfer Robert Blum, kennenlernte und danach noch, als junger Mann, obwohl er nicht sehr gläubig war, als Missionar nachChina ging, dort mehrere chinesische Dialekte, lernte und sich auch Fei Lipu nannte und schließich in Amerika, als Geschäftsmann sein Leben beendete, ist, glaube ich, erfunden.

Verwirrt? Ich versuche zusammenzufassen:

Es gibt drei oder vier Handlungstränge, die die Jahre von 1850 bis 1865 in China erzählen, nämlich den schon erwähnten Missionar, der später seine Mission verläßt, sich eigenmächtig nach Nanking, wo der Aufstand stattfindet, durchschlägt, dabei auch seinen Arm verliert.

Dann gibt es den General Zeng Guofan, der Hunan Armee, der eigentlich ein Philosoph und Büchernarr wäre, von der „Gnade des Herzens“ spricht, aber aus Disziplin dann doch die Ungehorsamen und Bösen niedermetzeln läßt, dann, den des Chinesen, der sich in einem Fiebertraum für den Sohn Gottes hielt und den Taiping-Aufstand anzettelte und den Lord Elgin, den englischen Sonderbotschafter, der für die Königin, den Opiumkrieg führen soll, gibt es auch und noch eine Reihe von Neben- oder Hauptfiguren.

Das ganze sehr verwirrend und Stephan Thome muß sich wohl sehr lange und sehr ausführlich damit beschäftigt haben. Im Klappentext wurde der Zeitbezug erwähnt, da denke ich, daß, das wahrscheinlich, ein Lockmittel ist, den Leser zu den siebenhundert Seiten zu bringen, wenn man ihm sagt „Lies, dann wirst du unsere Zeit und beispielsweise die IS besser verstehen!“

Ich habe nicht sehr viel Zeitbezug gefunden, obwohl das Buch mit einer Zeitungsnotiz aus dem Dezember 2012 endet und ich tue mir, wie schon erwähnt, schwer die Handlung wiederzugeben.

Chinesische Kriege und ihre Grausamkeiten im neunzehnten Jahrhundert werden hier erzählt, von denen ich wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden habe und mich jetzt, außer daß ich weiß, daß es sie gegeben hat, in der Geschichte wahrscheinlich noch immer nicht sehr viel besser auskenne.

Was ich aber an dem Buch besonders finde, sind die vielen kleinen Anektdoten, die es erzählt und die hängenbleiben.

Da sind die Grausamkeiten, zum Beispiel, die Rede, die der General an seine Soldaten hält, als er welche hinrichten läßt, weil sie, glaube ich, ein Huhn oder Reis gestohlen haben oder die Aufregung, in die  Lord Elgin versetzt wird, als er seinen Sekreätr Maddox beauftragt, ihm ein „Zimmermädchen“, zu beschaffen und ihm dann dieser wirklich eine zitternde verkrüppelte Gestalt bringt, die von ihm dann Madam genannt wird, obwohl sie ihn, da sie nicht Englisch spricht, natürlich nicht versteht.

Da ist auch die Übersetzung, die der Missionar Philiph seiner Braut Elisabeth, die in Hongkong, als Leiterin eines Waisenhauses tätig ist, in Pidgin-Chinesisch oder Englisch, das dort gesprochen wird, überbringt:

„Top-side allo tree no catschee bobbely. Kennst du das?“

„Über allen Gipfeln ist Ruh“, übersetzte ich.

Da fing jene Elisabeth schallend zu lachen an. Sie wird aber auch von Kopfschmerzen geplagt und wird dann von einem Vetter, des himmlischen König und Anführer der Taiping-Rebellion, Hong Jing, einem ebenfalls sehr gelehrten Chinesen und Freund von Philipp mit Akkupunkturstäbchen behandelt und siehe da die Kopfschmerzen sind weg.

Später stirbt sie aber doch und Philipp will nach Nanking reisen, verliert dort seinen Arm, wird zum König ernannt und flieht schließlich nach Amerika.

Man lernt viel in diesem Buch und versteht vieles nicht. Zumindest ist das mir so gegangen, daß mir lange nicht klar war, wer jetzt eigentlich die Barbaren sind?

Die Chinesen, die englischen Besatzer, die von den Chinesen auch „rothaarige Teufel“ genannt werden und, die die Weisheit der Chinesen, die jahrelang Schriftzeichen lernen müßen, um Beamte zu werden, wohl gar nicht erkennen und sie wohl selbst für ungebildet und barbarisch halten.

Ja, die Chinesen sind mir sehr fremd, ich habe ein paar Bücher gelesen, dabei auch eine Überraschung erlebt und darüber ein Kapitel in einem meiner Bücher geschrieben, obwohl ich nicht Chinesisch spreche und auch keine Zeit habe, das zu lernen und Stephan Thome, der das sehr wohl getan hat und sehr gut chineschisch spricht, hat ein Buch über das China des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben, das ich sehr empfehlen kann und auch hoffe, daß sich viele, obwohl man ja kaum mehr Zeit zum Lesen hat und dem Buchhandel auch die Leser und die Käufer verloren gehen, über die siebenhundert Seiten machen.

 

2018-10-13

Die Katze und der General

Buch zehn des dBp und das vierte Shortlistbuch, ich weiß, ich bin spät daran, aber Nino Hartatischwilis Roman hat über siebenhundert Seite und es ist das erste Buch der 1983 in Tiflis geborenen, das ich gelesen habe.

„Ihr achtes Leben“ ist ja durch alle Blogs gegangen und ich habe auch in Göttweig daraus gehört, bei diesem Buch waren die Blogger und Book Tuber etwas zurückhaltender, wahrscheinlich war es ihnen zu lang und auch bei „Amazon“ gab es „Ein-Stern-Rezensionen“, Manfred Rebhandl im „Standard“ hat es nicht gefallen. Er hat es für mißĺungen gehalten und ich habe mich die letzte Woche durch das Buch gelesen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es den eBp gewinnen müßte, denn Maxims Billers wahrscheinlich schnell dahin geschriebenes Geschichtchen, das noch dazu bereits schon von seiner Schwester geschrieben wurde, kommt nicht dagegen an.

Gut man könnte sagen, daß man es wahrscheinlich kürzen hätte können und nicht alles so genau auserzählen hätte müßen. Man kann den Plot wahrscheinlich auch ktischig nennen. Er ist aber einer von denen, der mir gefällt und über Tschetschenien und den ersten und zweiten Krieg, den es dort gegeben hat und ich habe vor zehn Jahren sehr viel Traumadiagnostik mit Asylwerbern von dort gemacht, habe ich sehr sehr viel erfahren.

Es ist auch, glaube ich, hervorragend komponiert und ich gebe zu, daß ich mit fünfunddreißig Jahren und wahrscheinlich auch jetzt nicht so gut schreiben konnte und kann, würde es aber sehr gern.

Also voila, wieder ein bißchen vor mich hingespoilert, obwohl das meiste schon im Klappentext steht, denn, daß Nura, die junge aufrechte Teschetschenein, deren Ehrgeiz es ist, den Rubik-Kubik- Würfel zusammengebracht zu haben, vergewaltigt und ermordet wurde, ist von Anfang an bekannt und haben die Booktuber erzählt, die sich durch das Leseprobenheftchen gewühlt haben.

Der Prolog erzählt von der Achtzehnjährigen, die in ihrem mittelalterlichen Dorf Mehl holen geht, wo alle Frauen Kopftuch tragen müßen und von ihren Brüdern und Cousinns bewacht werden, sie will von hier weg und spart schon das Geld dazu, als sie nach Jause kommt und die Nachricht hört, die Russen sind hier.

Dann geht es in das Jahr 2016 und nach Moskau oder Berlin, denn der General, Alexander Orlow, der keiner ist, sondern ein Oligarch, hat sich dorthin zurückgezogen. Er ist der Sohn eines hohen Militärs, wurde von der ehrgezigen Mutter auch in eine solche Laufbahn gedrängt, will aber lieber Literatur studieren. So geht er zu den Aufnahmsprüfungen der Militärakademie nicht hin oder läßt sich durchfallen. Kommt aber im Jahr 1996 doch irgendwie nach Tschetschenien, in das Dorf und soll dort die Küche betreuen. Da hat er einen Kjumpel Aljoscha, der eigentlich in Frankreich das Kochgewerbe erlernen will und von Coq au vin träumt. So kaufen sie Nura Hühnchen und Eier ab und die besoffenen Obersten und Führer, die sie haben, wollen auch im Dorf Krieg spielen, halten Nura für eine Terroristin und vergewaltigen sie.

Orlow und Aljoscha werden gezwungen mitzutun, Nura stirbt, Alexander zeigt sich selber an. Es kommt sehr ungewöhnlich zu einem Prozeß, den er erzwingt, aber der aufrechte Anwalt, den er besorgen konnte, wird ermordet und Oberst Petruschow, der stärkste der drei Mittäter, bietet ihm eine hohe Stelle in einem Konzern an, wenn er schweigt. Er tut es schließlich, wird Oligarch, verliert seine Jugendliebe Sonja und auch seine Tochter Ada, die die Schuld ihres Vaters in den Selbstmord trieb und im Berlin des Jahres 2016, sieht Orlow  auf einem Plakat, eine Schauspielerin, die der ermordetetn Nura verdammt ähnlich sieht.

Er engagiert sie, Katze genannt, die aus Georgien kommt, für ein Video, das er den drei Mittätern übermitteln läßt. Es gibt dann noch Schapiro, den Orlow im Gefängnis kennenlernte und der sein Leibwächter ist oder für ihn die Kohlen wegräumt und einen deutschen Journalisten Onno Bender, die Krähe genannt, man sieht das Buch ist sehr gut komponiert, der sich auf Orlows Spuren setzte, in Ada verliebte und ihr auch von der Schuld des Vaters erzählte.

Das Ganze wird hin und hererzählt und schließlich landet man zu Silvester 2016 in einem wunderschönen verschneiten tschetschenischen Bergdörfchen, wouerst Coq au Vin, ohne Wein, weil Alkohol ja in Tschetschenien verboten ist, gegessen und schließlich bei Wodka, russisches Roulette gespielt wird.

Hier endet meine Nacherzählung mit der Wiederholung, daß mir das Buch sehr sehr gut gefallen hat, den Thome und  „Nachtleuchten“, die auch noch auf der Shortlist standen, muß ich noch lesen.

Was das so Besondere an „Archipel“ ist, habe ich noch immer nicht begriffen, obwohl man beide Autorinnen in Frankfurt auf sämtlichen Sofas finden kann und ich mich demnächst in ein Georgien-Buch vertiefen werde, das, wie ein Wunder oder welche Energie, auch von Nino Haratischwili, die ja in Hamburg lebt, übersetzt wurde.

2018-10-09

Deutscher Buchpreis und österreichische Shortliste

Am Montagabend wurde also zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse der vierzehnte deutsche Buchpreis vergeben, der mich, könnte man so sagen, seit ich blogge,  sehr interessiert, vorher ist er eher an mir vorbeigegangen und seit 2015 lese ich eifrig mit und blogge darǘber.

Da habe und das war mein Ziel alle Bücher gelesen, ab 2016, wo es ja auch schon den öst Bp gab, waren es neunzehn, im Vorjahr achtzehn und heuer werden es wohl wieder achtzehn werden.

Da ich aber wegen unserer Schweizreise erst eine woche später zum Lesen, beziehungsweise mit dem Anfragen angefangen habe und außerdem eine Menge Nichtbuchpreisbücher, die ich paralell lese, auf meinem Bücherstapel habe, bin ich heuer sehr sehr langsam und lese mich gerade durch mein zehntes LL beziehungsweise viertes Shortlist-Buch, nämlich das der Georgerin Nno Haratschiwilli, das über siebenhundert Seiten hat und von dem ich gleich schreibe, daß es mir sehr sehr gut gefällt.

Vorher war ich ja der Ansicht und habe das auch Robert Huez im Literaturhaus so mitgeteilt, daß Maxim Biller denPreis bekommen wird, aber das Buch der Haratischwilli ist, meiner Meinung nach, viel biel besser, Manfred Rebandl im „Standard“ und manche „Amazon-Rezensenten“ sind da zwar anderer Ansicht, aber ich dachte am Schluß, sie wirds, weil ja auch das Messegastland heuer Georgien ist, gewinnen oder doch  Stephan Thome, den ich aber noch nicht gelesen habe.

„Nachleuchten“ von  Maria Cecilia Barbetta, habe ich erst vorige Woche von „Netgalley“ bekommen, beziehungsweise ist es das Einzige, der mir da fehlenden vier Bücher, das der Anja Kampmann ist mir ja kurzfristig verloren gegangen, das ich öffnen konnte. Der „Vogelgott“ den ich gelesen habe, schien mir zu speziell für de nPreis bezeihungsweise dem „Massengeschmack und „Archipel“ ebenfalls schon gelesen, hat mir  nicht so gefallen.

Der Livestream wird ja immer um sechs übertragen, da habe ich in den vorigen Jahren öfter hieneingehört und bin dann zu einer Veranstaltung gegegangen, einmal habe ich sogar selber gelesen. Im Vorjahr habe ich eine Stunde verschoben, um mir den ganzen Lifestream anschauen zu können. Heur hatte ich dann eine Stunde, so bin ich als der Klient gegangen war, gerade in das Video vom Stephan Thome hineingekommen, dachte mir „Schau an, also doch der „Gott der Barbaren“!“, dann trat Heinrich Riethmüller vom Börseverein auf die Bühne und verkündete Inger Maria Mahlke ist die Preisträgerin und ich dachte „Nein und ich liege wirklich immer daneben!“

Da kann man offenbar nichts machen und auf den österreichischen Buchpreis hoffe, wo ja am Dienstag die Shortlist bekanntgegeben wird und da bin ich in meiner Schätzuing bei der Longlist  richtiger gelegen, hatte da schon fünf Bücher gelesen, inzwischen sind es sieben, ein achtes steht noch auf meiner Leseliste, das Buch vom Daniel Wisser und das von Robert Seethaler ist leider noch nicht zu mir gekommen und ich tue mir beim Schätzen der Shortlist etwas schwer, denn meiner Meinung nachkönnten sowohl Milena Michiko Flasar, Arno Geiger, Margit Schreiner, Heinrich Steinfest, Robert Seethaler und Josef Winkler darauf kommen, dann entweder Hanno Millesi oder Daniel Wisser, dann wären es aber sieben und nicht fünf Bücher. Also mal sehen, warten wir auf die Bekanntgabe und schauen wir, wie schief ich da wieder liegen werde. Mal sehen, ich bin gespannt und lese mich ansonsten weiter durch meine drei oder vier Herbstleselisten.

Nun ist sie da, voila, die Shortlist und wieder eine Überraschung, denn die erwarteten großen Namen Geiger, Seethaler, fehlen, leider auch Margit Schreiners Platzgeschichte und statt  Hanno Millesi ist es Daniel Wisser aus dem „Jung und Jung Verlag“ geworden, das einzige Buch auf der Liste, das ich noch  bekommen muß. Vielleicht kann ich Anna Jung auf der Preisverleihnung nochmals anschnorren.

Also um nicht allzu verwirrend zu sein, das sind die fnf uind das Buch von Gerhard Jäger ist für mich die Überraschung, damit hätte ich, wie geschrieben nicht gerechnet.

Also, die Shortlist des öst Bp, besteht aus:

1. Milena Michiko Flasars „Herr Kato spielt Familie“

2.Gerhard Jäger „All die Nacht über uns“

3.Heinrich Steinfest „Die Büglerin“

4.Josef Winkler „Laß dich heimgeigen Vater, Oder den tod ins herz mir schreibe“, was ich noch lesen muß und

5. Daniel Wisser „Königin der Berge“, das noch zu mir kommen sollte.

Wer wird gewinnen? Josef Winkler wahrscheinlich, der ja schon „Büchner-Preisträger“ ist. Ich würde mir, wie zu vermuten, Heinrich Steinfest wünschen, denn das hat mir von den drei Büchern, der Liste die ich gelesen habe und sonst auch, am besten gefallen und die Jury besteht, damit man sich orientieren kann, wie weit ich mit meinen Schätzungen vielleicht schon wieder falsch liege aus: Bernhard Fetz, Konstanze Fliedl, Jens Jessen, Evelyne Polt-Heinzl und der Buchhändlerin Bettina Wagner, also kännte es schon der <Herr Winkler werden und ansonsten bin ich im Gegensatz mit dem dBp sehr zufrieden, eine schöne Wahl, obwohl natür,lich sehr viele andere schöne Bücher fehlen, aber wie gesagt, man kann ja selber alles was man möchte lesen und ich habe das in diesem Jahr  schon sehr getan.

2018-09-29

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der „Gesellschaft“ sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische „Jung und <Jung“, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit „Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt“ und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste „Im Land der Aza“ noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem „Chief Ali“, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei „Die Madonna mit der Walderdbeere“ das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des „Tagblattes“ von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den „Vettern Stiftungen“ auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten „Verschwinden“ spielen.

„Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!“, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die „Einstern- Amazon-Rezensenten“, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.

2018-09-11

Die deutsche Shortlist

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 13:01
Tags: ,

Die vielen Urlaube, die ich in der letzten Zeit gemacht habe, scheinen mich komplett durcheinander gebracht zu haben. So habe ich die LL des deutschen Buchpreises diesmal erst verspäter am Campingplatz von Bern erfahren, dann zwar ziemlich gleich dank „Weltbild“ mit dem Arno Geiger zu lesen angefangen, gebloggt habe ich aber erst fast eine Woche später darüber und die Bücher auch bei den Verlagen erst dann angefragt.

Vierzehn Bücher sind davon inzwischen zu mir gekommen, auf zwei warte ich noch, der Rest kommt vielleicht nicht und ich lese mich derzeit langsam, langsam, da es ja noch die übrigen Herbstneuerscheinungen gibt, von denen einige schon in meinen Badezimmer liegen und es auch den österreichischen Buchpreis gibt,  durch das sechste Buch, Franziska Hausers „Die Gewitterschwimmerin“, was mir sehr gut gefällt.

„Die Drachenwand“, „Archipel“, „Lebt wohl ihr Genossen und Geliebten“, Sültzrather“ und Maxim Billers „Sechs Koffer“, habe ich schon gelesen und ich bin ja vorige Woche gleich nach dem die österreichische Longlist bekannt gegeben wurde, von der ich zum Glück schon fünf Bücher gelesen hatte und ich mir das Leseprobenheftchen besorgt hatte, mit dem Alfred und der Ruth, sowie Michael Kumpmüllers „Tage mit Ora“ und der „Gewitterschwimmerin“ auf eine Radtour um den Neusiedlersee aufgebrochen war und weil ja eine Woche verspätet, eigentlich bis heute früh der Meinung war, die Shortlst des dBps wird erst in einer Woche bekanntgegeben.

Dann habe ich die Schätzungen auf der Facebookseite gelesen und erfahren, daß die Jurysitzung schon war und es gibt sie ab zehn Uhr früh.

Und wer wird darauf stehen? Maxim Biller sicher, Nino Haratischwili höchstwahrscheinlich auch, dann  Angelika Klüssendorf, von den anderen war ich mir nicht ganz sicher, die Schätzungen der anderen Blogger gingen auch auseinander.

Also voila:

  1. Maria Cecilia Barbetta „Nachtleuchten“, das ich noch nicht gekommen habe, obwohl mir „Fische“r ja vor zwei Jahren sehr viel geschickt hat.
  2. Maxim Biller „Sechs Koffer“, ist eine Novelle und das Ergebnis eines absoluten Selbstdarstellers und geht eigentlich überhaupt nicht über das jüdische Leben, ist aber sonst ganz spannend und interessant
  3. Nino Haratischwili „Die katze und der General“, ist eine eldendsdickes siebenhundert Seiten Buch, liegt auf meinen Stapel und wird von mir nach dem „Vogelgott“ und Loschützs „Schönem Paar“ gelesen.
  4. Inger Maria Mahlkes „Archipel“ was ich eigentlich eher langweilig und nicht so besonders außergewöhnlich empfunden habe
  5. Susanne Röckels „Der Vogelgott“, von Cornelius Hell oder Katja Gasser sehr empfohlen, siehe oben, hab ich eigentlich statt der „Gewitterschwimmerin“ auf die Radtour mitnehmen wollen, dachte aber dann, ich nehme lieber das dickere Buch, obwohl ich damit ja immer erst über zweihundert Seiten bin.
  6. Stephan Thome „Gott der Barbaren“ ist auch ein dickes Buch und liegt auch im Badezimmer, werde ich also langsam paralell mit den Neuerscheinungen und dem  öst Bp hinunterlesen. Bin gespannt auf den Preisträger, wo ich auf Maxim Biller oder Nino Haratischwili tippen würde. Mal sehen, ich bin gespannt und der „Jung und Jung“, natürlich, der steht  auch meistens mit einem seiner Bücher auf der kurzen Liste und hat damit auch schon gewonnen.

2017-12-07

Still halten

Jetzt kommt Buch vier der heurigen Bloggerdebutpreis-Shortlist. Eine der anderen Mitjurorinnen hat, glaube ich, etwas von der ausgewogeneheit der Verlage geschrieben. „Limmat“, „Diogenes“, Verbrecher-Verlag, „Wagenbach“ und „Piper“.

Daß die Auswahl für mich sehr überraschend war und die Bücher sehr unterschiedlich sind, habe ich schon geschrieben. Das stimmt aber, glaube ich, nur zum Teil, denn drei der vier, die ich jetzt gelesen habe, sind sehr poetisch und das Debut der mir bisher unbekannt gewesenen Jovana Reisinger, eine Filmemacherin, die 1989 in München geboren wurde und in Österreich aufgwachsen ist, hat es in sich.

Es sprüht, glaube ich, von literarischen Anspielungen und Vorbildern, ein weiblicher Thmomas Bernhard habe ich mir  an einer Seite angestrichen und mir sonst überhaupt an die hundert wunderschöner poetischer Sätze herausgeschrieben. Und immer schön, das kann ich gleich anmerken, ist hier auch nichts.

Sehr viel Jelinek würde ich bei den Anspielungen über die armen Frauen heraushören, dabei ist die Heldin, die namenlose Ich- Erzählerin, glaube ich, gar nicht so arm, sondern eine Täterin.

„Die Frau ist immer ein Opfer“ und wenn man nach dem Neuen in dem Debut fragt, was ein gutes Buch ja haben muß, deren Autorin, glaube ich, sowohl Wolf Haas, „Das ist schon wieder nichts passiert!“, als auch Cornelia Travniceks „Chucks“ gelesen hat: „Darf  man denn noch überhaupt  noch Ausflüge machen, wenn die eigene Mutter im Sterben liegt“,  denke ich, daß es der Sprung von der Bernhardschen und Jelinekschen Österreich Beschimpfung zu der eigenen Psyche ist, der das Buch neu macht, obwohl  wieder wahrscheinlich viel zu viel in es hineingepackt wurde und daher manches, wenn man es durchdenkt, nicht so sehr logisch, sondern widersprüchlich erscheint.

Aber das soll die Literatur ja sein, überhöht und poetisch und den Leser von einer Methaper zur nächsten jagen, bis er atmemlos liegenbleibt in dem Wald, wo die Krähen und Füchse kommen und die guten Innviertler Knödeln serviert werdeen.

Ja, richtig, das hätte ich jetzt fast vergessen, an den schönen Heimatroman von Petra Piuk kann das Buch auch erinnern, obwohl Jovana Reisinger wohl mehr  auf Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek anspielt und auch im Tonfall erhabener klingt. Dann wird das „Still halten“ aber wieder alltäglich, wird zum Frauenleiden und dem,was der Durrchschnittsfrau wenn sie nicht aufpasst in diesem schönen Österreich oder auch Deutschland, jeden Tag passieren kann.

Die Heldin wird für ein Jahr krankgeschrieben, hat ein „Burnout“ oder auch ein „Psychose“, das Diabolische an Jovana Reisingers Debut ist wohl, daß sie gekommt den Spagat von der Psychose zu den ganz normalen österreichischen Abgründen a la Bernhard „Es ist alles fürchterlicher, als das fürchterlichste!“, beziehungsweise, Petra Piuks schönen Heimatroman, wo das Grauen nur idyllisch ist, zieht.

Die Erzählerin wird also krankgeschrieben, soll still halten und sich erholen. Ihr Mann fährt daraufhin, wie sich das so gehört, zu einem Kongreß oder einem Symposium und läßt sie allein und dann ruft auch noch ein Pfleger aus einerm Krankenhaus an und verkündet ihr, ihre Mutter liegt im Sterben und sie soll sie doch, bitte schön, besuchen.

Das habe ich noch vergessen, die Erzählerin ist vom Land in die Stadt gekommen und soll jetzt wieder dort zurück in das Krankhenhaus und was dann passiert ist auch ganz schön diabolisch. Denn das arme schwache Weibchen, das Opfer a la Elfriede Jelinek entwickelt jetzt ganz eigenartig durchtriebene Kräfte, als sie beschließt, der Mann, der sie im Auto hinbringen könnte, ist ja weg und Bus und Bahn kommen offenbar erst später in Erwägung, zu Fuß dorthin zu gehen. Dafür kauft sie sich in der Buchhandlung der Frau Pola, die sie vorher im Gasthaus traf, eine Wanderkarte von Österreich und das wird sehr schön fillmschnittartig beschrieben, obwohl ich anmerke, dieser Platz auf dem die Heldin dann sitzt, ist nicht der einer Großstadt, sondern eines Dorfes.

Der Wirt taxiert sie, bevor er ihr das Schnäpschen bringt, der Sparkassendirektor schimpft mit der Putzfrau, aber die ist eine Medizinstudentin und läßt ihn nur lächelnd weiter gestieren. Frau Pola verkauft dieLandkarte und die Heldin wird nun wohl ein paar Tage brauchen, bis sie über „Maria Bitter und Maria Eldend nach Maria Schmoll, etcetera“, die Mutter erreichen wird.

Deshalb gibt sie auch ihr Vorhaben auf, geht in die Wohnung zurück und wartet auf den Anruf, daß die Mutter gestorben ist. Dann nimmt sie den Bus, kauft sogar Blumen und da gibt es wieder eine filmreiche Farce im Krankenhaus, wie die Pfleger und die Oberschwester mit der nicht wirklichen Anteilnahme und des  Mitleides umgehen.

Danach kommt der der zweite Teil, denn der Mann ist nicht da, der sie in die Stadt zurückbringen könnte. Im Krankenhaus kann sie, obwohl ihr das angeboten wurde, doch nicht schlafen. So kommt der Pfleger auf die Idee, sie soll doch in das Haus zu dem auch ein Wald gehört, der Mutter, das sie jetzt erben wird, gehen.

Ein Taxi bringt sie dorthin und dann beginnt sie, während sie auf die Abholung des Mannes wartet, der sich dafür Zeit läß, das Buch spielt von April bis Juli, einen Kampf mit der Natur, wie in der Beschreibung steht.

Und das ist auch eine Farce, beziehungsweise Thomas Bernhard in Reinkultur, allerdings, um wieder realistischer zu werden, steht an einigen Stelle geschireben, daß die Erzählerin ihre Tabletten abgesetzt hat.

Und wer sich schon voher über die scheinbare Herzlosigkeit am Totenbett der Mutter „Der Vater ist hin und die Mutter auch“, wunderte, bekommt jetzt Aufklärung.

Der Vater hat sich nämlich in einer Hütte am Wald erhängt und die Mutter hat daraufhin, wie der Pfleger später erzählen wird, der Tochter  die Schuld gegeben und sie in Hütten und Zimmer eingesperrt.

So fühlt sie sich von den Krähen, die überall lauern, bedroht. Es gibt aber einen Nachbarn, einen Förster namens Jäger, der ihr anbietet, sich statt ihr, weil die Frauen das nicht können, um den Wald zu kümmern. Der läßt also abholzen und bringt bei Besuchen tote Rehe mit. Die Heldin findet indessen in einer ihr verboten gewesenen Hütte im Garten fünfunddreißig Liegestühle und stellt sie dort auf.

Sie überlegt auch, ob sie eine Pension aufmachen soll? Vorerst schießt sie aber auf die Vögel, hat zwar Bezug zu der Katze, die ihr auch ein Kätzchen bringt, die kommt aber um. Ratten und Mäuse liegen im Haus. die toten Vögel werden immer mehr. Die Tiere werden zur Bedrohung. Der Pfleger taucht wieder auf. Läßt sich von ihr zuerst, weil das  das Los der Frauen ist, bekochen. Dann wird sie aber offebar von ihm und vom Förster im Wald erschossen und, als der Mann endlich kommt, um es sich im Eigentum der Frau gemütlich zu machen, macht sie ihm nicht mehr auf. Das stört ihm aber vorerst nicht und offensichtlich auch nicht die toten Tiere, denn er legt sich in einen der Liegestühle und beginnt die ländliche Idylle zu genießen.

Ein sehr abtrünniger Heimatroman. Ene Satire mit einer sehr schönen Sprache, könnte ich schreiben und mir überlegen, wer ist jetzt Platz drei bei meinem Rankig, wenn ich bei meiner schon gesetzten Reihung bleibe?

Der journalistische Roman über ein Genie oder Jovana Reisingers Österreich Beschimpfung, die vielleicht doch nicht nur so dahingeplappert und abgeschrieben ist, wie ich an manchen Stellen dachte?

Mal sehen, ein Buch habe ich noch zu lesen und da habe ich das, was ich bisher davon hörte, auch sehr interessant gefunden.

Die Shortlist, die Auswahl aus den vierundsechzig vorgeschlagenen Büchern sorgt also für Überraschungen und bleibt spannend und so soll es auch sein!

2017-11-29

Debut-Preis-Shorlist

Filed under: Literaturpreise — jancak @ 00:43
Tags: ,

Ich bin ja weil ich mich für jede Art von Literatur interessiere, gerne in Jurien, gehe gern zu Preisverleihungen, mache gern beim Buchpreislesen mit, ecterea.

Das letztere tue ich schon das dritte Jahr „inoffiziell“, weil sich die vom Börseverein oder, wo auch immer ihre Blogger gut aussuchen, die dann „offizielle“ nennen und die anderen, die das auf eigene Faust versuchen, eher ignorieren.

Beim „Blogbuster-Preis“ wird man auch eher ausgesucht, ob man da mitmachen darf, beim „Bloggerdebut-Preis“, wo,  seit vorigen Jahr aus einer langen Liste und einer kürzeren Shortlist das beste Debut ausgewählt wird, ist das andere, denn da gibt es die drei Machererinnen vom Debutpreisblog die aus der langen Liste eine kurze machen und dann kann sich jeder Blog, der da gerne mitmachen will melden, die fünf ausgewählten Bücher lesen und seine Stimme vergeben.

Auf diesen Blog und diesen Preis bin ich im vorigen Jahr spät im Oktober, als die Anmeldefrist eigentlich schon vorüber war, aufmerksam geworden, habe mich trotzdem angemeldet und wurde, oh Wunder, noch genommen, habe die fünf Bücher gelesen, das heißt, es waren nur vier, denn „Blauschmuck“ das ja auch auf der österreichischen Debutpreisliste war und beim „Alpha“ nominiert, hatte ich schon gelesen, meine Stimme für „Nachts ist es leise in Theran“ das den Preis dann auch bekommen hat, abgegeben und im Zuge des Bloggens auch Marc Richter, einen der anderen Buchpreisblogger kennengelernt und wir kommentieren uns seither regelmäßig.

Etwa zwanzig Blogs waren und sind wahrscheinlich auch heuer wieder dabei, ich habe mich wieder gemeldet und was der Nebeneffekt an der Sache ist, daß ich dabei auch auf die Debuts fixiert bin und sie aufmerksamer wahrnehme und genauer lese.

Die Longlist wurde ja schon sehr lang für das Jahr 2017 bekanntgegeben und man konnte Bücher vorschlagen, was ich auch sehr eifrig tat, denn ich habe schon seit Jahresanfang einige Debuts gelesen, so zum Beispiel Juliana Kalnays „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindes“, Tiljan Sila „Tierchen unlimeted“, die ich dann auch vorgeschlagen habe und so sind es bis jetzt einige Bücher der Longlist geworden, die ich gelesen oder vorgeschlagen habe.

Im Zuge des „Buchpreisbloggens“ ist auch noch Jonas Lüschers „Kraft“ dazugekommen, was ich eigentlich für kein Debut halte, weil der ist ja schon mit „Frühling der Barbaren“ auf der LL oder SL des DBps gestanden.

Gut, da stand „Novelle“ darauf, also war „Kraft“, der erste Roman, aber ich denke, wenn sich bei mir die Leute immer aufregen, daß ich Verlagsnamen unter Anführungszeichen setze, könnte man auch hier genauer differenzieren.

Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ das mir eigentlich nicht so gut gefallen hat, kam noch dazu und dann Simons Straußs „Sieben Nächte“, hielt ich ebenso für nicht so gelungen und ist auch kein Roman.

Daneben kamen vom öst Debutpreis noch „Liebwies“ und „Reibungsverluste“ hinzu, was ich neben „Tierchen unlimted“ und „Die kurze Chronik“ auch gerne auf der Shoertlist gesehen hätte.

Es waren aber auf der Longlisjt auch noch andere Bücher, die ich gerne gelesen hätte, wie „Ellenbogen“ oder „Betrunkene Bäume“ und noch einige mehr. Ich bin da ja immer sehr offen und neugierig für alles oder vieles und im Herbst haben sich bei mir auch noch „Schwimmen“ angesammelt, das ich vor kurzem gelesen habe und „Koslik ist krank“ was ich noch lesen muß.

Das buch von Jens Eisel, das auf der LL steht, habe ich auch einmal gefunden und dachte ich würde es dann lesen, käme es darauf und war auf die Shortlist sehr gespannt, hatte da schon meine eigene Variante, bezeihungsweise mich mit Marc Richter ausgetauscht, der auch seine eigenen Vorschläge hatte und interessant ist es dann immer, diese Bücher mit der offiziellen Shortlist, die von Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger ausgewählt wurden, zu vergleichen und sich zu ärgern oder zu wundern, wenn sie dann nicht übereinstimmt oder sich zu freuen etcetera.

Daß es eine Menge von Debutpreise gibt, ist, wenn man sich ein bißchen in der Literaturszene umssieht, auch zu merken. Der berühmtrste ist ja der „Aspekte Preis“, den hat, glaube ich, Juliana Kalnay bekommen, dann der österreichische, da war es für mich überraschend Nava Ebrahimi, das Buch ist nicht auf der Liste, obwohl ich es vorgeschlagen habe, aber die Verlage müssen es einreichen und da hat es wohl nicht geklappt und Julia Weber hat mit „Immer ist alles schön“ den „Franz Tumler-Literaturpreis“ bekommen, für den aber auch Juliana Kalnay und Mascha Dabic mit „Reibungsverluste“ nominiert waren, man sieht, das geht alles rund und die Debutanten, die im Literaturbetrieb drinnen sind, werden auch herumgereicht.

Auf der Debutblogseite gab es jedenfalls einige Artikel die sich mit Julia Webers „Immer ist alles schön“ beschäftigte, ein Buch das bisher eigentlich an mir vorbeigegangen ist. Es kam dann aber bald die Mitteilung das und das PDF, daß das Buch auf der Liste ist, so habe ich es gelesen und es hat mir sehr gefallen, dachte dann, das dann wahrscheinlich auch Stehphans Lohses „Fauer Gott“, ein Buch, das auch Marc Richter sehr gefallen hat, daraufsein müßte und rätselte wieder, wie die Sbhortlist ausschauen könnte, am besten wäre auch, ich hätte alles schon gelesen, aber dann kann ich keine neuen Bücher kennenlernen, etcetera….

Dann kam die Nachricht:

  1. Julia Weber „Immer ist alles schön“
  2. Juliana Kalnay „Eine kurze Chronik der allmählichen Verschwindens“
  3. Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“
  4. Christinan Bangel „Oder Florida“
  5. Jovana Reisinger „Still halten“

und ein kurzer Moment der Verblüffung, denn die letzten drei Bücher sind bisher komplett an mir vorbei gegangen, obwohl ich mich regelmäßig durch die Liste scrollte, schon um nachzusehen, ob meine Vorschläge eingetroffen wären und ich hätte jetzt auch die ideale Liste gehabt, nämlich:

„1.Julia Weber „Immer ist alles schön“

2.Julianana Kalnay „Eine kurze chronik des allmählichen Verschwindens“

3. Irene Diwiak „Liebwies“

4.Tiljan Sila „Tierchen unlimited“ und

5. Mascha Dabics „Reibungsverluste“ und zu dem Buch von Jens Eisel und Julia Rothenburg kann ich nichts sagen, weil ich sie ja wie die anderen noch nicht glesen habe.

Aber macht ja nichts, es können ja, wie das Buch von Julia Weber tolle Entdeckungen sein und ich bin auch neugierig. Die PDFs wurden einen diesmal von den Blogbetreiberinnen in Aussicht gestellt. Im vorigen Jahr habe ich die Bücher selber angefragt, alle bekommen und von Henrike Blum gehört, daß sie überfordert war, daß da plötzlich zwanzig Blogger bei ihr anfragten, so habe ich die PDF-Variante selber vorgeschlagen, obwohl es keine richtige Bücher sind, aber man kann sie lesen und besprechen.

So ist es also, zwei der fünf sind gelesen und die vorläufige Reihenfolge, man kann und soll diesmal auch einen ersten, zweiten und dritten Platz vergeben, weil im Vorjahr, weil man nur eine Wahl hatte, ja Sonja Harter, deren Buch mir auch gut gefallen hat, komplett durch den Rost gefallen ist, wären auch wahrscheinlich Julia Weber und dann Juliana Kalnay, immer vorausgesetzt, das das alles noch ganz anders werden kann, wenn ich die drei anderen Bücher gelesen habe.

Das E Book vom „Genie“, das, wie ich hörte, sechshundert Seiten hat, aber leicht zu lesen sein soll, habe ich schon bekommen. Die zwei anderen Bücher sollen noch zu mir kommen. Man könnte sie, glaube ich, auch bei der „Netgalley“ anfragen. Aber das funktoniert bei mir nicht, wie ich schon beim „Buchpreislesen“ herausbekommen habe, weil ich die Dateien mit meinem U-Bunto Programm nicht öffnen kann.

Also schönes Lesen, wenn ich die Bücher habe, sollte ich sie in einer Woche schaffen, weil ich normalerweise drei pro Woche lese und da bin ich schnell, weil eine der Bloggerinnen schon befürchtete, bis Ende Dezember, wo man durch sein muß, nicht genügend Zeit dazu zu haben.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.