Literaturgefluester

2020-12-23

Hawaii

Jetzt komme ich zu der Bloggerdebutshortlist, von der ich schon zwei Bücher gelesen habe. Lucia Leidenfrosts „Verlassene Kinder“ und Deniz Ohde „Streulicht“, das dritte Buch ist das Debut des 1986 geborenen Cihan Acar, der in Heidelberg Rechtswissenschaften studierte und in Heilbronn lebt und Hawai ist, da darf man sich nicht täuschen lassen, auch von dem farbenprächtigen Umschlag des bei“Hanser“erschienenen Buches nicht, ein heruntergekommenen Viertel in Heilbronn in dem zumeist Türken leben. Chian Acar ist auch türkischer Herkunft, das zweite Debut also, das von der zweiten oder dritten Migratengeneration geschrieben wurde oder handelt und es gefällt mir, glaube ich, besser als „Streulicht“, mit dem ich, vielleicht auch, weil es soviel gelobt wurde, nicht so viel anfangen konnte.

Von „Hawaii“ habe ich eigentlich nur von diesen „Papierstau-Podcast“ erfahren, der alle dBp-Bücher besprochen hat und glaube ich, auch bedauerte, daß es nicht darauf stand. Dann hat mich das Cover auf der Bloggerdebutliste beeindruckt. Dann wars auf der Shortlist und ich hatte keine Ahnung wovon es handelt.

Es handelt von Kemal Arslan das ist ein zwanzigjähriger junger Mann. Sohn türkischer Eltern, die in Hawai leben oder lebten. In dem Buch fahren sie gleich einmal in die Türkei zurück und Kemal kommt von dort. Denn er er war Profifußballer, so erfolgreich, daß ihn die Kinder in dem Bau seiner Eltern sofort erkennen und ansprechen. Aber seine Karriere ist vorbei. Er hatte einen Unfall, sein Fuß ist kaputt. Er kann nicht mehr spielen. Jetzt ist er arbeitslos und er muß neu anfangen und sich neuorientieren und so irrt er im Sommer, in den sogenannten Hundstagen durch Heilbronn herum und macht zum Teil surreale Erfahrungen. Das Buch spielt von Donnerstag bis Sonntag, also in drei Tagen und zwei Nächten, beginnt bei einer türkischen Hochzeit, spielt dann in einigen Clubs, zwei Freunde Emre und Hakan gibt es auch und eine Exfreundin namens Sina, die stammt aus einem guten Haus, ist ziemlich wohlhabend oder ihre Eltern sind es und Kemal hat sie mitten in seiner Karriere verlassen. Jetzt will er reumütig zu ihr zurück, sie hat aber schon einen Freund.

Der Vater sorgt sich um die Zukunft seines Sohnes. So vermittelt er ihm eine Stelle, bei Tayfun, der hat ein großes Unternehmen aufgebaut und will Kemal auch anstellen. Durch seie Freunde erfährt er, der Vater oder besser Onkel hat viel Geld für die Vermittlung zahlen müßen, das ist so üblich und Tayfun schenkt ihm eine Rolex, die sich aber als Fälschung erweist.

Kemal irrt durch die Stadt in der nicht oder nicht mehr verwurzelt ist, aber sowohl deutsche, als auch türkische Identitäten hat und macht zum Teil recht surreale, skurille Erfahrungen dabei. So gibt einen alten Mann, der sich auch Kemal nennt, der ihn verfolgt und in eine Straßenschlacht, die die ganze Stadt zerstört, wo die Türken gegen die Nazis geraten und auch Tayfun verwickelt ist, gerät er auch. Das Wasser ist auch verdorben, also ein bißchen dystopisch und das kaputte Auto mit dem er Selbstgespräche führt und das alle haben wollen und, das er schließlich Paul, das ist Sinas Bruder, schenkt, gibt es auch.

Am Schluß, also nach den Kämpfen, wo die Stadt zumindestens teilweise in Schutt und Asche liegt, packt Kemal seine Reisetasche,, um wie die letzen Säthze lauten:

„Das mit der Reise ohne Ziel stimmt gar nicht. Ich wußte genau, wo ich hinwollte. An einem Ort an dem ich der sein kann der ich bin. Nicht Kemal, der Fußballer, nicht Kemal, der Arbeitslose, der Herumtreiber, der Versager, der Verrtäter, der Verkäufer, der Typ zwischendrin. Sondern einfach nur ich. So einen Ort muß ich finden. Und wenn es ihn nicht gibt, dann muß ich ihn halt für immer suchen.“

„Hawai ist ein rauschhafter Trip durch Heilbronn, der den Leser sofort in seinen Bann zieht“, hat Benedikt Wells am Buchrücken geschrieben und Abbas Khider läßt wissen „Ein toller Roman! Unterhaltsam, oft schräg, voller ungewöhnlicher Bilder und kluger Geschichten.“

Das Letztere stimmt, glaube ich und das ist wahrscheinlich auch der Vorzug des Buches, der ungewöhnliche Ton, in dem einige Genres durcheinander gemischt sind, Cihan Acar ist auch Hip-Hoper und da habe ich ja vor kurzem ein paar Lektionen bezüglich dieser Jugendkultur benommen und es gibt im Netz auch ein paar Videos wo Cihan Alcar durch Hawai zieht und die Orte, zum Beispiel das Wollhaus, die Alle, ein bestimmter Club, die in dem Buch vorkommen, zeigt.

Sofort bin ich nicht in das Buch hineingekommen und so leicht zu lesen, wie einer bei „Amazon“ geschrieben hat, ist es und bin ich nicht. Es war aber ein Gewinn und so kann ich den Debutfrauen nur danken, daß sie es auf die Shortlist setzen, denn sonst wäre es wahrscheinlich an mir vorbei gegangen.

2020-12-01

Debuts, Debuts und neue Shortlist

Filed under: Buchpreisbloggen,Uncategorized — jancak @ 00:26
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Debuts gibt es ja wahrscheinlich seit es die vielen Schreibschulen gibt, sehr viele. So stehen beispielsweise einundsechzig Titel auf der heurigen Bloggerdebutlonglist und auch die entsprechenden Debutpreise sind in den letzten Jahren, wie die berühmten Schwammerln aus dem Boden geschoßen. Der „Aspekte-Literaturpreis“, den heuer Deniz Ohde gewonnen hat, ist wohl der berühmteste, „Franz Tumler“, der der österreichischen Buchpreisliste und und, die manche Autoren bekannt gemacht haben und dann gibt es seit 2016, das Boggerdebut, von Bozena Anna Badura, Sarah Jäger, und Janine Hasse gegründet, die die jährlichee Debutflut sammeln, dann fünf Shortlistbücher aussuchen, die dann von den teilnehmenden Bloggern bewertet werden und da ist interessant, daß man zwar um daran teilzunehmen ein paar Kriterien erfüllen muß, wie in Leipzig akkreditiert zu werden.

Also ein Jahr Blog, regelmäßige fachspezifischeArtikel, aber dann konnte ich mich melden und juriere seit 2016 mit, was mich zwar, weil ich ja auch sonst viel Buchpreisblogge im Herbst in einen ziemlichen Lesestreß versetzt, mir aber und das finde ich besonders spannend, einen guten Einblick in das literarische Leben gibt und da ich ja viel anfrage oder angefragt werde, habe ich in den letzten Jahren auch sehr viele Debuts gelesen. Vor allem auch, weil sie ja besonders im letzten jahr auch sehr viel auf der deutschen Longlist standen, auf der österreichischen sowieso und so sieht man mit einem Blick auf meine Debutpreislonglist meiner gelesenen oder vorhandenen Bücher 2016 waren es sechzehn, 2017 neunzehn, 2018 schon dreiundzwanzig, 2019 einundzwanzig und heuer, obwohl ich ja sehr viel lese, erst zwölf, was vielleicht daran liegt, daß im Vorjahr, glaube ich, sechs oder sieben Bücher, die auf der deutschen Longlist standen.

Was sind diese zwölf werden meine Leser, die nicht auf meine Liste schauen wollen, vielleicht fragen, also

1. Dominik Barta „Vom Land“ noch nicht gelesen, weil im Frühjahr im Schrank gefunden

2.Lucia Leidenfrost „Wir verlassenen Kinder“

3.Laura Lichtblau „Schwarzpulver“

4.Ilona Hartmann „Land in Sicht“

5.Deniz Ohde“Streulicht“, steht auf der Longlist des dBps

6.Olivia Wenzel „Tausend Serpentinen Angst“, steht auch darauf

7.Ulrike Almut Sanding „Monster wie wir“

8.Leander Fischer“Die Forelle“ hat den Öst gewonnen und lese ich gerade

9.Stephan Roiss „Triceratops“ stand auch am DBp

10.Mercedes Spannagel „Das Palais muß brennen“ stand auf der öst Debutliste

11.Gunther Neumann „Über allem und nichts“, stand auch

12. Marina Frenck „Ewig herund gar nicht wahr“

Wenn man auf Bloggerdebutlonglist geht, stehen einige Titel darauf, auf die ich durch Blogs, das „Frankfurtspezial“ etcetera neugierig wurde und die ich gerne lesen würde, wenn sie mal zu mir kämen, wie beispielsweise

jasimin Schreibers „Marianengraben“

Elsa Koesters „Couscous mit Zimt“

Katharina Köller „Was ich im Wasser sah“

Verena Keßler“Die Gespenster von Demmin“

Kaska Bryla „Roter Affe“

So war ich auf die Auswahl der drei Debutfrauen sehr gespannt und hätte als meine Shortlist

Stephan Roiss und Leander Fischer

vorgeschlagen und voila, voila, sie ist da, die Auswahl des Debutblogs zwei Bücher habe ich davon schon gelesen und ich muß sagen, sie waren nicht meine Wahl. Jetzt bin ich natürlich auf die drei anderen sehr gespannt und wieder lesen, lesen, bevor dann das Resultat, ich glaube, im Jänner feststehen wird.

1. Deniz Ohde „Streulicht“

2.Amanda Laska-Berlin „Eljias Lied“

3.Cihan Acar „Hawai“, habe schon davon gehört

4.David Misch „Schatten über den Brettern“

5.Lucia Leidenfrost „Wir verlassenen Kinder“

Interessant ist auch, daß in diesen Corona-Zeiten, die Shortlist via „Zoom-Konferenz bekanntgegeben wurde, so daß ich mitschauen, wenn auch nicht mithören konnte, da der Ton auf meinem veralteten Browser nicht ging, ich Sarah Jäher und Bozena Anna Badura, die ich ja schon vor zwei Jahren in Essen, bei der damaligen Verleihung an Klaus Zährer und Christian Bangerl kennengelernt habe, aber mit den meisten anderen Jurykollegen auf den Bildschirm sehen konnte, die viel lachten und sich sichtlich freuten.

2020-11-14

Putzt euch, tanzt lacht

Buch acht des österreichischen Buchpreises und das letzte Shortlistbbuch, diese Woche ist, währhend unter normalen Umständen die „Buch-Wien“ stattfinden würde, ja dem Öst und der österreichischen Literatur gewidmet mit dem ich jetzt bald fertig bin und das Buch der 1967 in Linz geborenen und Wirtstochter in Eferding, wie sie immer sagt, wäre ja mein dritter Buchpreis-Tip gewesen, im nachhinein würde ich es parallel mit Xaver Bayer reihen und dem wahrscheinlich doch den Vortritt geben, denn irgendwie ist Karin Peschka, deren Bücher ich von Anfang an verfolgte, nicht ganz so einfach zu verstehen.

Interessant ist, daß sie immer wieder Motive ihrer Bücher aufnimmt und miteinander vermischt, so kann man wahrscheinlich den „Watschenmann“ ihr Debut mit den Erzählungen von „Autolyse Wien“ vergleichen und die „FanniPold“ treffen wir ja schon sehr deutlich in dem neuen Buch wieder, das im Frühling erschienen ist, in Leipzig präsentiert werden sollte, als das dann abgesagt wurde, hat Karin Peschka einen Videokanal gegründet, wo man die Bücher, die dort präsentiert werden sollten, vorstellen könnte und hat aus dem neuen Roman gelesen, bei der „Schreibart-Reihe“ in der „Gesellschaft“ ist sie auch gewesen, so habe ich relativ früh von dem Buch erfahren und finde es sehr spannend, wenn ich auch, liebe oder lieber A. Yanga tatsächlich nicht alles verstanden haben und die zeitlichen Sprünge mich auch verwirrten.

Dabei ist eigentlich alles klar, vielleicht sogar klarer, als bei „FanniPold“, das ich auch nicht so ganz verstanden habe. Die Fanni, die Supermarktkassiererin aus Ried, glaube ich, ist jetzt siebenundfünfzig, hat Panikattacken und will zu einer Therapestunde. Sie fährt aber weiter, ins Pinzgau, denn da gibt es eine Hütte auf einer Alm, die ihr und ihrer Jugendliebe Ernst gehört, zu der will sie hin. Trifft vorher den Ernst, die Hütte ist aber nicht so ganz bewohntbar, Fanni macht sich trotzdem auf, wird dann eingeschneit, kommt nach Wien zu einer praktischen Ärztin nammens Tippi, ja, liebe Kritiker, Karin Peschka ist auch eine, die es mit den sprechenden Namen hat und hier viel varieert und ein bißchen in der Zukunft scheint das Buch auch zu spielen. Jedenfalls gibt es schon Mikrochips mit denen man sich nur Zutritt oder nur bezahlen kann, aber vielleicht bin ich hinten nach, das heißt dann „Accursia“, weil so eine Frau in einem Rastaus hieß, die der Angestellte holen muß, wenn jemand doch mit Geld bezahlen muß, aber ich schweife ab.

Fanni, die sich auch manchmal Sina nennt, bleibt als eine Zeit in Wien, dann fährt sie in die Vogesen und arbeitet dort schwarz als Kellnerin, das Buch wird auch irgendwie als Roadmovie angepreist, nach Italien und Kroatien kommt sie auch. Sie trifft überall Menschen, die auch interessante namen haben. So heißt eine Frau Berlin, einen Marek, der irgendwie behindert ist, sich aber mit Rimbaud beschäftigt, so auch der Titel, der sich auf eine diesbezügliche Gedichtzeile bezieht, gibt es auch und einen Velten. Das hat mich am Anfang des Buches leicht verwirrt, denn Karin Peschka springt zeitlich hin und her und am Ende oder auch schon am Anfang treffen sich alle in der Hütte, um eine art Alters-WG zu gründen und Fanni hat sich endgültigvon ihrem Berhard getrennt, der ihr aber gar nicht böse ist, weil er schon eine neue Liebe gefunden hat.

Motive aus „Fannipold“ tauchen immer wieder auf und werden in die Geschichte verwebt und nach oder neu erzählt, so zum Beispiel die Geschirrhändlerin in derja die frühere Fanni gearbeitet hat.

Interessant so in das Schreibleben der Karin Peschka einzudringen und wiederum sehr spannend die Frage, was und wann ich wieder von ihr hören oder lesen werden und, ob ich sie auch mal wieder, beispielsweise bei einer Lesung, treffen werde.

2020-11-13

Die Bagage

Buch sieben des österreichischen Buchpreises der ja inzwischen an Xaver Bayers Geschichtenband vergeben wurde und das vierte Shortlistbuch Monika Helfers, der Frau von Michael Köhlmaier, die 1947 in Vorarlberg geboren wurde „Die Bagage“, das im Frühlichg erschienen ist, sehr und postiv beschrieben wurde und von dem ich eigentlich dachte, daß es den Öst gewinnen könnte, weil ich es ja mit den bekannten Namen habe, mein zweiter Tip war der Bayer und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch.

Bei der Familiengeschichte, der Monika Helfer von der ich auch „Schau mich an wenn ich mit dir rede“ gelesen habe, weil es auf der deutschen Buchpreisliste stand, bin ich mir nicht so sicher oder sagen wir einmal, es ist kein Roman, obwohl das natürlich wieder draufsteht.

Es ist ein Memoir oder eine Framiliengeschichte. Eine Familiengeschichte natürlich, wo Monika Helfer ganz offen von ihrer Großmutter Maria, der schönen, erzählt, die mit einem Josef verheiratet war, der1914 in den großen Krieg mußte. Der Postadjunk brachte die Einberufung. Der Bürgermeister war der Freund. Der mußte dem Josef versprochen auf den die Frau gut aufzupassen. Vier Kinder waren schon da und die Maria, die schöne Frau, wie mehrmals betont wurde, geht mit dem Bürgermeister auf einen Kirtag. Dort lernt sie den deutschen Georg aus Hannover mit den roten Haaren, kennen und, daß die kleine Grete, Monika Helfers Mutter, 1915, glaube ich, wie meine Mutter Rosa, von ihm ist oder sein könnte, ist das Familiengeheimnis, das gleich von Anfang an gespoilert wird und Bagage heißt das Buch, weil so ja die armen Leute genannt werden und das Buch ist auch Monika Helfers „Bagage“ gewidmet.

Der Vater hat dann, als er vom Krieg zurückkam, nie mit der kleinen Margarethe gesprochen. Es sind aber noch zwei weitere Kinder geboren worden, bevor Maria gestorben ist. Monika Helfers Mutter ist auch jung gestorben. Sie ist dann mit ihren Schwestern bei der Tante Kathe aufgewachsen und ist, wie sie am Schluß des Buches schreibt nun selbst eine alte Frau, die einige Kinder hat, die noch alle leben.

Alle bis auf Paula Köhlmeier, die sehr jung einen Unfall hatte und sonst wahrscheinlich eine inzwischen sehr bekannte Dichterin wäre. Ihr Buch „Maramba“ habe ich im Schrank gefunden und Monika Helfer hat meine Rezension darüber gelesen.

„Ich bin die Mama von Paula!“, hat sie geschrieben und dieser Satz „Ich bin die Mama von-„, kommt auch in dem Buch vor. Wie einige sehr schöne Monika Helfer Sätze, so sagte die Großmutter immer zu der Tochter, wenn sie sie mahnen wollte „Schau mir tief ins Augeninnere!“

Eine schöne Formulierungund, daß der Lorenz der zweitälteste Sohn, glaube ich, immer „Nach der Schreibe“ sprach, wurde auch erwähnt und Monika Helfer hat noch, sollte ich hinzufügen, das Buch in zwei Perspektiven geschrieben.

Die Erste vom Leben der Maria während des ersten Weltkriegs und danach, der Bürgermeister der den Speck und den Käse bringt, will auch einmal mit Maria vögeln, wenn sie es schon mit dem Georg tat.

Sie lehnt das ab und läßt sich von dem Sohn Lorenz sogar mit einem Gewehr bewachen. Der Pfarrer kommt, als sie schon schwanger ist und montiert das Kreuz von dem Haus ab und der Bürgermeister erzählt dem Josef als der vom Krieg zurückkommt, das Kind ist von ihm und dazwischen erzählt Monika Helfer von ihrer Tante Kathe, ihrer Tochter Paula und so weiter und so fort.

Eine berührende Geschichte natürlich. Im „Wikipedia“ habe ich gelesen, daß Familiengeschichten Monika Helfers Sepzialität ist und eine berühmte Dichterin und berühmte Dichtersgattin, die viele Preise bekommen hat und hoch gelobt wurde, den Öst nicht und da denke ich inzwischen nach den sieben gelesenen Büchern, der Bayer war doch die bessere Wahl aber ich könnte mich noch irren, denn die Karin Peschka, das fünfte Shortlistbuch habe ich noch nicht gelesen.

2020-11-04

Geschichten mit Marianne

Jetzt komme ich schon oder erst, ich habe ja vorher fast die ganze deutsche Buchpreisliste gelesen zu Buch vier des öst Bp und damit auch schon zum dritten Shortlistbuch, denn das der Helena Adler und der Cornelia Travnicek ist auch darauf und es ist ein Buch das ich, auf einer der wenigen Lesungen auf denen ich Corona bedingt in diesem Jahr war, präsentiert wurde und das ganz groß, diese zwanzig Horrorgeschichten, die immer vom Erzähler und seinen Erlebnissen mit besagter Marianne handeln, denn damals war ja Jochen Jung dabei, es gab ein tolles Käsebuffet durch das man sich zum Wein drängen mußte und das ist, glaube ich, an dem Tag passiert, wo Leipzig schon abgesagt wurde, Xaver Bayer hustete und schnupfte am Podium, griff sich in die Nase, grinste dabei und sagte“Das ist nicht Corona!“, war es wahrscheinlich auch nicht.

Der Horrorzusammenhang wurde damit aber sicherlich erhöht und jetzt also auch das Buch und durch diese Geschichtensammlung, wo die erste wohl, um die Absurdität zu erhöhen, gleich mit dem Tod der Marianne beginnt. Die Geschichte haben keine Titel, nur römische Zahlen und da bereitet Marianne ihrem Liebsten in der Nobelwohnung ihrer Eltern, ein wunderbares Menu mit zig Gängen, Weinen, Zgarren, etecetera, während unten in der Fußgängerzone von Terroristen Menschen erschossen werden. Der Erzähler schaut eine Weile während Marinanne kocht zu, dann essen sie und schließlich holen sie die Jagdgewehre der Eltern aus dem Schrank und schießen hinunter, wobei Marianne erschoßen wird.

Das war es, könnte man nun denken. Es geht aber munter weiter, nämlich in der nächsten Geschiche zu einem Horrorzirkus. Da werden die Zuschauer auf die Bühne geholt und beschoßen oder sonstig gequält, die Letzte ist Marianne, die wird in einem Sessel durch die Mangege gehievt verschwindet dann und kommt nicht mehr zurück oder zumindestens eine Weile nicht, denn in Geschichte drei, die ich schon gehört habe, fährt der Erzähler tagelang mit dem Lift in dem Haus, das eigentlich nur elf Stockwerke hat, um nie anzukommen, während er in Geschichte vier mit Marianne zu einen Perchtenlauf geht, wo die Perchten alle wild angreifen. Um zu flüchten, verkleidet sich das Paar dann selbst als solche und muß munter mitspielen. Am Ende liegt der Erzähler benommen vor dem Supermarkt, während er in der nächsten Story, wie weiland Kafkas Käfer, in dem Floating-Institut, das er mit Marianne besucht, zusammenschrumpft.

Die Marianne, die äußerst wohlhabend scheint, hat sie doch die verschiedensten Wohnungen und Wochenendhäuser, liebt es auch ihren Liebsten herumzukommandieren und zu Spielen zu verleiten, bei denen er meistens verliert, was ja auch eine interessante Variante ist, so schickt sie ihn in ein verfallenes Schloß um nach Kafkas „Schloß“ zusuchen, er darf dabei kein Licht aufdrehen. Sie gibt ihm telefonische Anweisungen und als vor dem Bücherregal steht, will sie auf einmal ein anderes Buch. Sie spielen auch das Zitatespiel, wo sie sich mit den verschiedensten Zitaten bekämpfen oder er muß in ein Fußballstadion gehen,wo es, wie in einem Gefängnis aussieht, um nach ihr zu suchen.

Ruhiger geht es in der Geschichte zu, wo er allein in ihrem Wochenendhäuschen sitzt und einem Falken,der tot vom Fenster hinuntergefallen in der Wiese liegt, zu begraben, dabei eine Schatzkiste findet in der mehrere Pistolen und das Emblem „Unsere Ehre ist Treue“ findet, das gibt auch Anlaß zu verschiedenen Assoziationen und ähnlich gespenstig wie beim „Perchtenlauf“, geht es in der nächsten Geschichte zu. Er und Marianne wollen eine Maus im Wald aussetzen, da liegt zuerst knöchel- dann kniehoher Schnee, es findet auch eine Treibjagd statt. Geht das bei Schnee überhaupt? Die ist zwar angeblich schon fertig, das Schießen geht aber lustig weiter. Blut ist auf den Schnee zu sehen. Die Beiden flüchten sich in einen Hochstand und erkennen, sie sind die Gejagten.

Dann geht es auf eine Fahrt durch den Wald, wo die Rehe und die Kröten wechseln und etwas unlogisch, die Geschichte, wo die Beiden ins Weltmuseum gehen und weil es dort so fad ist, durch den Notausgang flüchten. Dort setzen sie sich auf Boden, Marianne erzählt ihm, wie sie einmal von einem Lover in Rom blau und grün geschlagen wurde. Dann kommt die Aufseherin und holt die Beiden, weil sie nicht durch den Notausgang durften und sie kommen nur, ,weil die glaubt, daß sie sich ein Schäferstündchen machen wollten.

Die Geschichte von den Drohnen, wo Marianne im Kambodscha sitzt und Getränke bestellt, während er ihr das erzählt, kannte ich schon. Auch hier kann man auf die Beziehungsproblematik schließen, weil er ja am Schluß ganz zufrieden mit den Drohnen ist.

Dann gehen sie in einen Swingerclub und denken sich dort mögliche Selbstmordarten aus und in Geschichte fünfzehn wird es gänzlich sadomasochistisch. Da wird er von Marianne gequält und mißhandelt bis zum Zusammenbruch und er wundert sich nur, daß er ersich das gefallen läßt, was vielleicht auch zu denken gibt.

Interessant fand ich die Geschichte, wo die Zwei auf den Flohmarkt gehen, um ahnungslosen Verkäufer rare Originalle, einen echten Beuys und kostbare Vasen, um ein paar Euro abzuluchsen. Dann gehen sie nach Hause, zerreißen und zerstören sie bei einem Gläschen guten Wein. Dazu passt die dystopische Geschichte, die Xaver Bayer auch im Literaturhaus gelesen hat und die in Zeiten der doppelten Ausgangssperre, erstens während des Virus, Zweites des Terrorüberfalls, um die Polizeiarbeit nicht zu behindern, wahrscheinlich noch mehr Bedeutung, als damals im März, hat, wo man sich das alles noch nicht vorstellen konnte. Xaver Bayer konnte aber oder sich was Bizarres ausdenken und dann ist die Marianne plötzlich achtzig und ist nach einem Schlaganfall in ein Heim für betreutes Wohnen umgegezogen. Eine Geschichte, wo sie ihn in den Keller schickt, um Einmachgläser fürdie Marmelade, die sie gerade kocht, zu besorgen, den er dann nicht findet gibt es auch und eine, wo er sich in der Wohnung verwirrt, dann aber noch rechtzeitig in der küche auftaucht, ist als das Omlette fertig ist.

Birzarr, bizarr, könnte man sagen und Xaver Bayer hat einen eigenartigen Humor, wie auch Clemensj. Setz, der ja im Vorjahr im Öst stand, den er excellent ausdrücken scheint, in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich besonders spannend, ob er damit den Öst gewinnen wird, oder doch die Monika Helfer oder die Karin Peschka, mal sehen ich bin wieder gespannt!

2020-10-28

Streulicht

Nun kommt schon oder erst Buch achtzehn des dBps, das fünfte Shortlistbuch und eines das im Vorfeld hochgelobt wurde.

Das Debut der 1988 in Frankfurt am Main geborenen Deniz Ohde, die eine türkischstämmige Mutter hat und das ein Thema unfaßt, das eigentlich ziemlich klar und selbstverständlich istund auch nicht so neu, sondern schon hundermal diskutiert und beschrieben wurde und, daß ich zugegeben nicht im literarischen sondern eher im soziologischen pschologischen Sinn auch schon oft gehört habe, nämlich daß Arbeiterkinder in den Schule diskriminiert werden, daß sie viel weniger, als die aus Mittelschicht und Bildungsfamilien zu einem höheren Schuzlabschluß kommen. Daß sie, wenn sie schon auf dem Gymnasium sind, dieses öfter abbrechen und, daß es Kinder mit Migrationshintergrund auch sehr schwer haben und oft als sekundäre Analphabeten, die Schule verlassen und dann zu Problemjugendlichen werden ist auch nicht ganz so neu. Man denke nur an die Bücher der Susanne Wiesinger, wo ich ja auch eines auf meinem Stapel habe, weil es mir die liebe Doris einmal in die Hand steckte.

Neu ist vielleicht das Erstaunen, daß das Debut, das wie die Autorin selbst erwähnte, autobiografischen Hintergrund hat und vielleicht auch Schuldgefühle auslöste.

„Ach je, ist das so? Das haben wir ja gar nicht gewußt!“

Vielleicht trifft das für die Leser zu, die sich mehr für das Sprachexeriment und nicht so sehr für die Gesellschaft interessieren und deshalb ist es auch sehr gut, daß das Buch nicht nur auf Shortlist gekommen ist, sondern auch den „Aspekte-Literaturpreis“ gewonnen hat.

Ob es so unbedingt literarisch ist, weiß ich nicht und ich habe mir eigentlich öfter gedacht, daß weiß ich alles schon und habe es zum Beispiel in den Siebzigerjahren in Christa Stippingers „Kress“ gelesen, das ich ja dann unter einem anderen Namen auch einmal im „Augustin“ endeckte und stimmt oder stimmt nicht mehr, hat sich doch inzwischen auch einiges geändert, die türkisch oder afrikanisch etcetera stämmigen Kinder mit Migrationshintergrund schließen wahrscheinlich immer öfter das Gmnasium, beziehungsweise die Uni ab und schreiben dann sogar Romane, die im ersten Anlauf auf der Shortist landen und den Lesern ein wahrscheinlich schuldbewußtes „Wow!“, entlocken und so ist es auch der wieder namenslosen Ich-Erzählerin gegangen, die wahrscheinlich viel mit ihrer Autorin gemein hat, eine türkisch stämmige Mutter, einen Arbeiter, als Vater der sein ganzes Leben das Industriegebiet wo es das titelgebende Streulicht gibt, nicht verlassen hat. Die Tochter schon und deren Freunde Sophia und Pikka, zwei Mittelschichtkinder, was schon mal ein bißchen ungewöhnlich und vielleicht auch heute noch nicht so ganz realistisch sind, heiraten.

Deshalb kehrt sie an den Heimatort zurück, erinnert sich an ihre Kindheit und die verpatzen oder schließlich doch geglückten Gelgelenheiten. Denn sie ist mit Zehn aufs Gymnasium gekommen. Ist dort aber immer hinter der strahlenden Sophia gestanden und wenn Herr Kaiser, der Französischlehrer Markt „qu`est- ce que ce?“, fragte, hat sie ihn lange nicht verstanden.

Hat sie sich doch beim Lernen schwer getan und in ihren Eltern wahrscheinlich auch keine Förderer gehabt. So verläßt sie die Schule, bricht sie ab oder wird auch hinausgeschmissen. Um dann später zuerst den Realschulabschluß, dann noch die Oberstufe abzuschließen und schließlich doch zu studieren. Das wird in Rückblenden erzählt und dabei wird auch viel Familiengeschichte eingeblendet. Der Vater trinkt und ist ein Sammler, weil er wegen der Kriegserfahrungen, die wahrscheinlich schon der Großvater hatte, nichts wegwerfen kann. Die Mutter ist verstorben und andere Trauma und Schwierigkeiten gibt es auch.

Ein interessantes Buch kann ich schreiben, bin gespannt, ob es auf die Bloggerdebutshortlist kommt und mich nur wiederholen, daß mich das Echo der Leser etwas erstaunte, weil das hier geschriebene für mich eigentlich selbstverständlich war und es eigentlich schön ist, daß man seine Matura und sein Studium auch im zweiten Bildungsweg schaffen und, daß man es mit seinem Erstlingsbuch gleich auf die Shortlist schaffen kann, viele der Rezensenten hätten Deniz Ohde auch den Preis gewünscht, ist auch sehr schön und etwas was ich mir noch immer wünsche, aber nie erreichen kann, weil ja demnächst mein fünfzigsten selbstgemachtes Buch erscheinen wird.

2020-10-16

Die Dame mit der bemalten Hand

Jetzt kommt schon Buch fünzehn des dBps, das vierte Shortlistbuch und das dritte der 1966 geborenen Christine Wunnicke mit dem sie auf der Longlist stand.

2015 als ich mit dem Buchpreislesen begann war es „Der Fuchs und Dr. Shimamura“, 2017 „Katie“, alle in dem kleinen „Beerenberg-Verlag“ und 2015 hat „Literaturen“ über den „Fuchs“, den ich in einer Buchhandlung glesen habe, geschrieben, daß Christine Wunnicke nur Außenseiterchancen hat.

Das habe ich wohl auch geglaubt, denn die Bücher sind klein und dünn, graphisch sehr schön gestaltet und sie haben auch eher ungewöhnliche Themen beim „Fuchs“ ging es um einen japanischen Pschiater bei „Katie“um den Spirtialismus und bei der „Dame mit der bemalten Hand“ wird die Pyschiatrie und ihre Ungewöhnlichkeiten verlassen. Denn es geht nach Jaipur und ins achtzehnte Jahrhundert.

Christine Wunnicke hat einen historischen Stoff gewählt mit dem sie wohl das Nichtverstehen der verschiedenen Sprachen und Kulturen beschreibt und in Zeiten, wie diesen wohl zu größerer Toleranz aurruft und das tut sie mit einer sehr schönen nicht leicht verständlichen Sprache, so daß man sehr aufmerksam und konzentriert lesen muß, um sich in die Welt des Shortlistbuchs einzulesen, über das Sigrid Löffler am Buchrücken „Christine Wunnicke ist eine wunderbare unterschätze Romanautorin schreibt.“ und das, glaube ich, inzwischen auch.

Es beginnt in Bombay im jahr 1764, wo der persische Astronom Meister Musa aus Jaipur, der eine Reise nach Mekka unternehmen will und vorher, um dafür das nötige Geld aufzubringen, einem Geschäftsmann ein sogenanntes Asterolabium verkaufen muß.

Auf der Insel Elephanta wo es nur Affen und Ziegen, sowie ein paar Einwohner gibt, findet er den deutschen Karthographen und Forschungsreisenden Carsten Niebuhr, der von 1733 bis 1815 lebte und 1761 von dänischen König auf eine arabische Forschungsexpedition geschickt wurde. Seine fünf Reisegenoßen sind inzwischen verstorben, er liegt mit Sumpffieber auf der Insel, wird von Meister Musa gefunden und die beiden versuchen sich nun in leidlichen Arabisch zu verständigen und sich kennenzulernen, was wie Christine Wunnicke meint, immer wieder zu großen Mißverständnissen führt, die sie gekonnt beschreibt.

Es gibt auch einen Diener, einen jungen Burschen, der die Beiden, die die Sterne beobachten, wo der eine nun das Sternbild Kassiopeia für eine Dame, der andere für eine hennarotgefärbte Hand, um den Titel zu erklären, hält, mit Hühnchen und Ziegenfleisch bekocht. Es gibt auch eine Großmutter und ihre Enkeltochter und am Schluß werden, die Beiden gefunden.

Carsten Niebuhr kann nach Deutschland zurückkehren und Bücher über seine Expedition schreiben und weiß am Schluß nicht mehr, auch ein Kunstgriff Wunnickes, die in ihrem Autorenportrait meint, daß sie dort, wo es keine geschichtlichen Fakten gibt, sich mit ihrer Phantasie behalf und die Geschichte erfunden hat, ob das, was er in Elephanta erlebte, real oder nur ein Fiebertraum war, während Meister Musa, auch Jahre später, in seiner Heimatstadt ein Buch des deutschen Forschers findet und da er die Sprachen genauso, wie die Mathematik liebte, seiner Tochter während sie ihr fünftes Kind zur Welt bringt, von dieser Geschichte erzählt.

Ein interessantes Buch, das mich sowohl an Trojanows „Weltensammler“ als auch an marion Poschmanns „Kieferninsel“ erinnerte, das es vielleicht nicht auf die großen besten Listen schafft, über das sich aber viel nachdenken läßt.

2020-10-15

Herzfaden

Jetzt kommt Buch vierzehn der heurigen deutschen Buchpreisliste und das dritte Shortpreisbuch, mein vorhergesagter Favorit sozusagen „Herzfaden“ des 1965 geborenen Thoms Hettche, der, glaube ich, in der „BachmannpreisJury war, als ich 1995 einmal live dorthinfuhr.

„Ludwig muß sterben“ und „Unsere leeren Herzen“ habe ich gelesen. Die „Pfaueninsel“ mit der er 2014 auf der Longlist oder sogar auf der Shortlist stand noch nicht und jetzt ist er mit der Geschichte über die Augsburger „Puppenkiste“, was ein berühmtes mir bisher unbekanntes Marionettentheater ist, das auch für das Fernsehen spielte, wieder auf die Liste gekommen und ich muß sagen, mein Eindruck hat sich bestätigt, auch wenn es vielleicht mehr im Sinne der Petra Hartlieb ein Buch für die Massen. Für die Leserinnen beispielsweise, die als Kind den „Jim Knopf“ gesehen haben, als für den experimentellen Literaturgeschmack geschrieben wurde.

Aber dafür steht ja Dorothee Elmiger auf der Liste und einen Kunstgriff, um diese Nachkriegsgeschichte zu erzählen, hat Thomas Hettche auch gewählt.

Einen sogar mit zwei Farben, in rot und in blau. Ich habe nur ein PDF gelesen, aber gehört, daß es in der Printausgabe auch so sein soll.

Es gibt sehr schöne Zeichnungen von Matthias Beckmann und Thomas Hettche hat in seinem dBp-Filmchen gesagt, daß er mit seinem Buch ein Märchen erzählen, beziehungsweise die „Magie der Marionetten“ wiedergeben wollte. Deshalb auch der Titel.

Herzfaden ist der Marionettenstrang, den der Puppenspieler gebrauchen muß, um seiner Puppe Leben einzuhauchen und am Anfang ist mir der Stil auch tatsächlich sehr einfach, fast wie ein Kinderbuch erschienen, obwohl es um etwas viel Ernsthafteres nämlich das Aufwachsen im Krieg, was der 1931 geborenen Hannelore Oehmichen, der Tochter der Schauspielers Walter Oehmichen auch passierte.

Thomas Hettche hat aber einen, meiner Meinung nach, wieder sehr genialen Kunstgriff gewählt, um die Geschichte des Puppentheaters zu erzählen.

Da wird nämlich ein zwölfjähriges namenloses Mädchen, das mit seiner Mutter wo anders lebt, vom geschiedenen Vater in so eine Aufführung geschleppt und sie ist wütend und rennt ihm davon. Ist sie ja kein Kind mehr, was soll sie also mit so einem Puppenkram?

Sie gerät durch eine Tür auf einen Dachbodeen, dort hängen die marionetten und es kommt ihr eine mondäne Frau mit einer Zigarette entgegen und die freche Göre sagt auch gleich „Rauchen tut man nicht!“, wie sie später „Neger und Zigeuner sagt man nicht!“, also den politisch korreckten Jargon, den man offensichtlich in der Schule lernt, sagen wird.

Die Frau lächelt und antwortet „Zu meinen Zeiten schon!“, denn sie ist die 1931 geborene und 2003 verstorbene Hannelore Oehmichen, die, wie im Buch erklärt wird und bei „Wikipedia“ steht, 1943 mit ihrem Vater den Schauspieler Walter, der Mutter Rose und der Schester Ulla, das erste Puppentheater im Schrank der Wohnung gegründet hat. Das ging im Krieg verloren und der Vater, der immer wieder dorthin mußte und weil er nicht schnell genug entnazifiziert wurde und deshalb nicht wieder an sein Theater, wo er Brecht spielte oder inszenierte zurück konnte, hat aus dem Krieg einige Puppen mitgebracht und gründete mit seiner Tochter 1948 dann die „Puppenkiste“, das heißt eine Kiste für die Puppen, so daß man sie überall mitnehmen konnte und nicht mehr zerstört werden konnten.

Die Tochter Hannelore „Hatü“ genannt ist begeistert, beginnt selbst zu schnitzen. Zuerst werden Märchen, wie „Hänsel und Gretel“ und „Der gestiefelte Kater“ gespielt, dann den „Kleinen Prinzen“ und zuletzt noch „Jim Knopf“ von Michael Ende mit denen die Kiste auch ins Fernsehen und dadurch in alle Kinderzimmer Deutschlands kam.

Die kleine Hannelore, die später das Theater, das inzwischen ihre Söhne führen, auch vom Vater übernommen hat, erlebt den Krieg, sieht den Vater in diesen ziehen, sieht die jüdische Freundin verschwinden und die Frau Friedmann, die von der Gestapo abgeholt und verladen wird. Dann kommt die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswundeer, auf einer Messe wird der Vater angesprochen, ob er nicht im gerade gegründeten Fensehen spielen will und es gibt den Kasperl, die erste Puppe, die Hatü schnitze und die spielt in dem Buch auch eine große, nämlich ambivalente Rolle. Wurde sie ja im Krieg geschnitzt und hat dadurch ein böses Gesicht bekommen, was sich auch in der zweiten märchenhaften Handlung äußert, denn die Puppen, die auf dem Dachboden ja lebending sind und mit dem Mädchen bevor es wieder zurück zu seinem Vater geht, kommunizieren. So klaut der Kasperl auch ihr Handy und Hatü erzählt dem Mädchen oder auch uns die Geschichte ihres Nachkriegslebens, sowie die Geschichte des Puppentheaters. Und ich denke, daß das ein Buch ist, daß zu Weihnachten sicher unter vielen Christbäumen liegt. Eines, das sich gut verkauft und auch für mich sehr interessant ist, denn ich habe keine Ahnung von einer „Augsburger Puppenkiste“ gehabt und auch den Michael Ende noch nicht gelesen. Den „Kleinen Prinzen“ habe ich einmal auf Französisch versucht, denn das war das Lieblingsbuch meiner Französischlehrerin, was sie auch ständig im Unterricht verwendete und die Zeichnung von der Schlange mit dem Napoleonhut auch auf die Tafel malte.

2020-10-07

Die österreichische Shortlist

Filed under: Buchpreisbloggen,Uncategorized — jancak @ 13:41
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Hurrah, hurrah, sie ist da die österreichische kurze Liste, obwohl ich sie laut Terminankündigung erst morgen erwartet hätte.

Aber macht ja nichts oder ist überhaupt fein, weil ich ja sehr ungeduldig bin und habe mir auch schon überlegt, was darauf stehen könnte, was aber etwas schwierig war, weil ich habe ja erst zwei Bücher von der Longlist, das Buch der Cornelia Travnicek im Frühling und das der Helena Adler weil es ja auch auf der deutschen Longlist stand.

Gerätselt habe ich aber doch, weil ich ja von den anderen Bücher auch schon einiges kannte, so war ich ja noch kurz vor dem Lockdown im Literaturhaus bei der Präsentation des Bayer- Buchs, von Monika Helfers Buch habe ich schon einiges gehört, vom denen von Michael Stavaric und Karin Peschka. Von denen von Melitta Breznik, Ilija Trovanow, Ludwig Fels und Verena Stauffer noch eher nichts.

Und weil ich ja bezüglich Bücher offenbar sehr tolerant und offen bin, hätte ich mir eigentlich gedacht,daß Verena Stauffer und Cornelia Travnicek vielleicht nicht darauf kommen, die anderen aber vielleicht schon und habe mich wieder einmal geirrt, denn vioila

1. Helena Adler „Die Infantin trägt den Scheitel links“, das mir ja sehr gut gefallen hat.

2. Xaver Bayer „Geschichten mit Marianne“ natürlich, ein „Jung und „Jung Buch gehört darauf

3. Monika Helfer „Die Bagage“ hätte ich mir erwartet

4. Karin Peschka „Putzt euch, tanzt, lacht“, da habe ich auch schon einiges gehört, wurde es ja in der „Gesellschaft“ bei den Schreib Art-Online-Lesungen präsentiert

5. Cornelia Travnicek „Feenstaub“ was sie wahrscheinlich freut

Der österreichische Buchpreis wird laut Website, also keine Gewähr, ob auch das noch stimmt, am 9. 11., meinem Geburtstag, vergeben.

Da werde ich, weil man wahrscheinlich eine Maske braucht und wahrscheinlich, wie auch bei der Debutpreisllesung wegen Corona nur ein engerer Kreis geladen wird, nicht hinkommen und sollte am 12. 11. bei der „Buch Wien“ präsentiert werden, die ja, das habe ich noch nicht geschrieben, vor cirka zwei Wochen ebenfalls abgesagt wurde.

Aber vielleicht kann man das, wie die Debutlesung per Livestream hören, weil ja heuer alles anders ist und jetzt Gratulation und wenn ich wieder schätzen sollte, Monika Helfer vielleicht, weil sie wäre ja die Promienteste, obwohl ich mich da ja beim Josef Winkler vor zwei jahren sehr verschätzt habe oder vielleicht doch Cornelia Travnicek und und…

Mal sehen, ich bin sehr gespannt und bis dahin heißt es, lesen, lesen und bin jetzt gerade beim dreizehnten deutschen Longlistbuch.

2020-09-15

Die deutsche Shortlist und die der Schweiz

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 11:06
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Hurrah, hurrah sie wurden ausgewählt, die sechs Bücher von denen eines in einem Monat, diesmal nur im Livestream, findet die Frankfurter Buchmesse, so weit ich gehört habe, auch hauptsächlich im digitalen Raum statt, den deutschen Buchpreis bekommen wird und sie ist wieder, wie ich schon fast befürchtet hatte, eine große Überraschung, obwohl ich ja eigentlich nicht sehr viel dazu sagen kann, habe ich von den zwanzig Büchern ja gerade nur acht gelesen, bin jetzt beim neunten, den Jens Wonneberger, hatte aber durchaus eine Vorsellung was ich auf diese Liste stelle würde und hätte da für

1. Helena Adler „Die Infantin trägt den Scheitel links“

2.Robert Seethaler „Der letzte Satz“

3. Stephan Roiss „Triceratops“

4.Charles Lewinsky „Der Halbbart“

5. noch nicht gelesen aber gehört Valerie Fritsch „Herzklappen von Johnson & Johnson“ und

6.geschätzt dem Namen nach, Thomas Hettche „Herzfaden“, getippt.

Malte Bremer vom Literaturcafe, der ja auch immer eine Schätzung gibt, hatte da an

1. Birigit Birnbacher „Ich an meiner Seite“, das mir nicht so gefallen hat, was ebenfalls

2 .Bov Bergs „Serpentinien“ betrifft

3.Arno Camenisch „Goldene Jahre“

4.Deniz Ohde „Streulicht“

5.Olivia Wenzel „Tausend Serpentinen Angst“

6.Iris Wolff „Die Unschärfe der Welt“, alles von mir noch nicht gelesen, gedacht.

Und nun zur hehren Juryauswahl, die mir auf den ersten Blick nicht so viel sagt, denn auch da habe ich vier Bücher noch nicht gelesen und eines auch noch nicht bekommen.

1.Bov Bergs „Serpentinen“

2.Dorothee Elmiger „Aus der Zuckerfabrik“ ein Roman, der keiner ist, das steht sogar in dem Buch, aber sprachlich sehr schön und daher nicht so leicht zu lesen.

3.Tomas Hettche „Herzfaden“, ein möglicher Gewinner und ein Buch auf das ich sehr gespannt bin.

4.Deniz Ohde „Streulicht“ wird überall sehr gelobt

5.Anne Weber „Anette ein Heldinnenepos“, das Buch müßte ich mir erst bei Netgalley hochladen, angefragt ist es und

6.Christine Wunnicke „Die Dame mit der bemalten Hand“, auf das Buch bin ich, da Wunnike ja schon auf zwei vorigen Longlists stand, sehr gespannt.

Wenn ich die restlichen vier Bücher gelesen habe, kann ich mehr dazu sagen. Auf Thomas Hettche würde ich, wie bereits erwähnt, schon jetzt als möglichen Sieger tippen und nun lesen lesen, sowohl die deutschen, als auch die österreichischen Bücher und das zwischendrin.

Die Schweizer Shortlist, die ich mich jetzt doch zu lesen entschlossen habe, wurde heute auch noch bekanntgegeben:

1. Dorothee Elmiger „Aus der Zuckerfabrik“

2. Tom Kummer „Von schlechten Eltern“

3. Charles Lewinsky „Der Halbbart“

4. Karl Rühmann „Der Held“

5. Anna Stern „das alles hier, jetzt“

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