Literaturgefluester

2017-07-20

Die Ferienfamilie

Jetzt kommt noch ein Sommerbuch, ein älteres aus dem Bücherschrank und eines, das ich schon nach dem Erscheinen gern gelesen hätte, aber damals war ich zu geizig, um mir Barbara Frischmuths „Ferienfamilie“ zu kaufen. Das Buch war aber, wenn ich mich nicht irre, in der „Frau“ als Fortsetzungsgeschichte und ich bin, als ich damals auf einen „Ferientag“ nach Linz gefahren bin, dort in eine alternative Buchhandlung gegangen und dort ein bißchen hineingelesen.

Und in der Beschrreibung des 1981 erschienenen Buches, die gefundene dtv-Ausgabe,stammt aus 1984, aber damals war die Anna schon geboren und ich bin nicht mehr allein nach Linz gefahren, steht etwas von „literarischer Kunstlosigkeit“. Damit ist vielleicht die Beiläufigkeit gemeint, mit der Barbara Frischmuth hier von einer Patschworkfamilie und dem Leben einer alleinerziehenden Mutter erzählt, ein Schicksal von dem sie  damals, glaube ich, auch betroffen war.

Da ist Nora, die Mutter von Pu, eine Übersetzerin und die hat im Sommer ein Haus am Land gemietet, um mit ihren Sohn dort die Ferien zu verbringen, acht Wochen, also eine Art Sommerfrische und das Häuschen ist so groß, daß es einige leere Zimmer hätte, so kommt die Schwester und Vater Nummer eins oder zwei, denn Pu hat noch einen Halbbruder und die geben Nora  ihre Kinder dazu.

Also reist sie noch mit dem zwölfjährigen Fenek und der achtjährigen Laja los und Vater eins oder zwei rät , daß sie allen erzählen sollen, daß sie eine richtige Familie seien, damit keine Fragen kommen.

Etwas was heut zutage vielleicht  nicht mehr so verständlich ist, aber es kommen ohnehin keine Fragen. Nur die Bäurin die das Haus vermietet hat, erklärt Nora, wie sie den Herd zu bedienen hat. Die Bäurin hat auch einige kinder und einen Fernseher, so ist die Freizeitfrage geklärt, denn am Nachmittag will Nora in der Laube arbeiten und ihre Ruhe haben.

Sie kocht am Abend Palatschinken und muß dann die Kinder suchen, die sich beim Fernsehen verplaudert haben und langsam  hört es auch zu regnen auf und die Ferienfamilie kann schwimmen gehen.

Ein wenig auffällig wirkt auch noch die Altklugheit mit der der zwölfjährige Fenek mit Nora Erwachsenengespräche  über Behiehungen führt, aber der lebt ja in einem Internat, weil Vater eins oder zwei mit Mutt drei in Amerika ist und seine Mutter in Australien und Nora trifft im Schwimmbad ihren Schulfreund  Lajos Molnar wieder und fängt mit ihm eine Ferienbeziehung an.

Dafür bekommt Pu ein Kätzchen geschenkt und streitet sich deshalb mit Laja, die traurig ist, weil ihre Mutter ihr im Gegensatz zu Feneks Vater keinen Brief schreibt.

Zu einer fast Katastrophe kommt es in dieser „literarischen Belanglosigkeit“ auch, Fenek stürzt, hat einen Schädelbasisbruch und Nora muß  nun der Schwester, keiner Bürokraft?, im Krankenhaus erklären, wie das  mit Feneks Vater und seiner Mutter ist und, wie  in Zweifelfällen üblich  eine Kaution erlegen. Die teilt sie sich mit dem hilfreichen Lajos und alles geht gut aus. Fenek gesundet, darf im nächsten Jahr auch wieder mit zur Ferienfamilie fahren und seine Eltern kommen aus der fernen USA und  Australien zurück, um nach ihrem Sohn zu sehen.

Eine alltägliche leichte Sommergeschichte und etwas, was wahrscheinlich sowohl Barbara Frischmuth als auch Elfriede Hammerl, die ja auch eine Spezialistin von Patschworkfamilien ist, erlebt haben werden.

Interessant, daß dem Buch Alterserscheinungen anzumerken ist, nicht vielleicht, daß Lajos Pu zwanzig Schilling gibt, damit die Kinder sich ein Eis kaufen können und der nun schnell nachrechnet, wie man das durch drei dividiert, sondern Wendungen wie, „Sich vor Lachen biegen“ oder „Plagegeister“ erscheinen heute fast liebevoll altmodisch oder liebevoll Österreichisch, wo ja schon im Netz diskutiert wird, ob der Verlag nicht aus einem „Kindl“ ein „Kind“ machen soll, um Mißverständnisse zu vermeiden.

„Ein leichtes lockeres Sommerbuch und wieder eine Erinnerung, an die späten Siebziger- bzw. frühen Achtzigerjahren, wo ich Barbara Frischmuth gelesen habe und mit Doderer im Stadtpark gelegen bin.

Heute mache ich dagegen nur mehr Sommerfrischenwochenenden, aber das auch acht, beziehungsweise sieben Wochen lang, habe keine Kinder zu beaufsichtigen und hatte, das auch  nur bei einem und bin froh, diese frühe Frischmuth jetzt gelesen zu haben.

„Die Schrift des Freundes“ ein etwas späteres Werk habe ich mir übrigens vorige Woche antwquarisch um zwei Euro gekauft.

2017-07-17

Kinder der Medusa

Filed under: Bücher — jancak @ 00:46
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Nach dem Ausflug in die Normandie mit nostalgischen Österreich-Bezug geht es jetzt mit einem Krimi aus dem Bücherschrank auf das griechische Meer.

Krimi oder griechische Tragödie, da sind sich Buchbeschreibung und „Amazon“ nicht sicher und ich dachte nahezu bis Ende des ersten Teils „Hey, da passiert doch nichts und das könnte ich sicher auch, wenn ich Krimis schreiben könnte!“

Und wirklich, die „Morde“, die hier passieren, lösen sich eher als Zufall auf und die 1954 in  Wels geborenen Edith Keifl, mit der ich gleichzeitig an der Uni Wien Psychologie studierte, ist ja auch Psychoanalytikerin.

Das Sommerbuch „Die Kinder der Mdedusa“, habe ich irgendwann im Schrank gefunden und auf meine Leseliste gesetzt, gehört habe ich wahrscheinlich schon 2005, als das Buch erschienen ist, im damaligen Österreich Cafe, das sich noch an einer anderen Stelle befand, in Leipizig daraus.

Der Titel hat sich mir eingeprägt, so daß ich begierig nach dem Buch im Schrank gegriffen habe und von Edith Kneifl habe ich schon einges gelesen und war auf einigen Lesungen.

„Ende der Vorstellung“ hat mir, glaube ich, nicht so gefallen, dann hat mir „Haymon“ einige ihrer Bücher geschickt und eines mit „Margareten-Bezug“, das wie Kritiker meinen, mehr eine Werbeschrift ist, gibt es auch.

Und mir haben die „Kinder der Medusa“, wie schon geschrieben, erst nach der Hälfte gefallen, beziehungsweise habe ich erst dann angefangen, das Buch für einen Krimi zu halten.

Die Psychoanalytikerin Joe Bellini, Wienerin mit ausländischen Namen und Vaterkomplex, die wahrscheinlich im Vorkrimi in einem Mordfall verwickelt war, in dem eine Freundin ums Leben kam, was sie traumatisierte, geht mit einigen griechischen und anderen Freunden auf einen Segelturn nach Griechenland und der erweist sich als Horrortrip, nämlich alte Wunden und Verletzungen der beteiligten Personen brechen auf.

Da ist Regina, eine ehemalige Schauspielerin, gerade vierzig, mit Christos, dem griechischen Gynäkologin, der sie ständig betrügt, verheiratet, der Skipper heißt Evangelos und ist Joe Bellinis Exfreund, eine Malerin namens Lisa mit halbwüchsiger Tochter gibt es auch, einen griechischen Burschen und Aphrodite, die am Schiff die Putzfrau spielt und Christos Schwester ist.

Als Erstes verschwindet der Junge Akis von Bord, Kathi soll ihn ins Wasser gestoßen und nicht gerettet haben, was sie in einen Schock versetzt.

Die Hafenpolizei ist unfähig die Leiche zu finden, so macht sich die Medusa selbst zur Suche auf, gerät auf eine merkwürdige Insel mit lauter verrückten und feindseligen Bewohnern, die sie ausrauben und dann verschwindet Christos im Wasser.

Evangelis wird in seiner Kabine tot aufgefunden, er  hat sich selbst mit Alkohol und Medikamenten hinüberbegeben.

Ein  aus Literaturzitaten zusammengestoppelter Abschiedsbrief scheint das zu beweisen und die Gedichte von Jannis Ritsos an die Joe sich klammert, spielen in dem Buch auch eine Rolle und es gelingt ihr endlich  Jan Serner, einen Wiener Kriminalisten, den sie von ihren früheren Fällen kennt, herzuholen, der die Sache gemeinsam mit einem griechischen Spurensicherer, der lange in Wien gearbeitet hat und der Athener Polizei  aufklärt.

Am Schluß kommt noch Joes Vater, um seine Tochter heimzuholen,  alles scheint sich aufzuklären und der Alptraum der eigentlich ein griechischer Traumurlaub sein sollte, ist vorbei.

Die politische Situation von  vor 2005 wird erläutert und der Tourismus mit seinen Klischees und es ist wahrscheinlich auch interessant, das zwölf Jahre alte Buch heute bei einem Griechenlandurlaub zu lesen und mit der heutigen Situation zu vergleichen.

2016-11-16

Ein Abend zum Thema Flucht und Migration

Filed under: Lesung,Veranstaltungen — jancak @ 23:50
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Heute Abend wieder Entscheidungsschwierigkeiten. In der „Wien-Bibliothek“ gab es ein Fest beziehungsweise eine Buchpublikation zum zehnjährigen Bestehen und im Literaturhaus „Willkommen und Abschied – Ein Abend zum Thema  Flucht und Migration“ mit Maxi Obexer, Carlos Peter Reinelt und Eva Rossmann, also auch sehr spannend, denn ich interessiere mich ja sehr für die gesellschaftliche Situation und habe zum Thema „Flucht und Migration“ auch schon einiges geschrieben.

Dann habe ich mir noch eher zufällig, den Programmtext durchgesehen und  gelesen, daß da alle Besucher aufgerufen wurden, vorbereitete literarische, aber auch eigene Texte zu diesem Tehma vorzulesen, bevor darüber diskutiert werden würde.

Und das ist ja etwas Neues, eine offene vielleicht auch pädagogische Initiative, in dem Literaturhaus, in dem ich ja von 2003 bis 2009 den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisierte und auch sonst öfter gelesen habe, bis mich Silvia Bartl wegen Programmumstrukturierung, vielleicht auch wegen meiner „selbstgemachten Bücher“, die ja leider immer noch nicht als literarisch gelten, nicht mehr lesen ließ.

Aber bei diesem Thema war es anders, da hat mich Barbara Zwiefelhofer sogar extra gefragt, ob ich lesen will und mich auf eine Liste eingetragen und es war auch sonst ein bißchen anders, denn die Stuhlreihen entfernt oder hinten angestellt, vorne standen Tische mit Sesseln.

So habe ich mich hinten hingesetzt und, ja ich wollte lesen und auch was Eigenes, denn ich hatte nach dem ich den Text eher zufällig gelesen habe, mir den zweiten Teil meiner Flüchtlingstrilogie mit der Fatma Challaki Szene, die ich schon öfter gelesen habe, eingesteckt, ansonsten hätte ich die „Nika, Weihnachtsfrau“ mitgehabt und da kommt die Fatma Challaki zwar auch vor, aber vielleicht nicht so gut zum Thema zu lesen, wie Szene vier aus den „Prekären Verhältnissen“.

Barbara Zwiegelhofer hat eingeleitet und erklärt, daß die Idee zu der Veranstaltung von einer Bulgarin gekommen wäre und die „Exil-Bibliothek“ Texte vorbereitet und zum Lesen zur Verfügung gestellt hat.

Ursula Seeber, die in Pension gegangene Leiterin der Exil-Bibliothek, war auch da und die Initiatorin, deren Name, glaube ich, im Programm fehlt, hat gleich einen Text von Hanna Arendt zum Thema „Flucht“ gelesen.

Da ging es um die jüdischen Migranten, die in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts Deutschland oder Österreich verlassen mußten. Solche Texte waren wahrscheinlich auch vorbereitet und Barbara Zwieelhofer hat ein Gedicht von Nelly Sachs gelesen.

Dann kam schon Hans Kanitschar, ein Psychologenkollege, der, glaube ich, in dem Haus, wo sich das Literaturhaus befindet wohnt, der auch schreibt und sich manchmal bei „Poetry-Slams“ beteiligt.

Der hatte einen Text, der sich auf die Situation im vorigen Jahr am Westbahnhof bezog, „Denn spätestens seit dem August 2015 bestimmen die Themen Flucht und Migration unser Leben in Europa“, steht ja auch im Literaturhausbeschreibungstext und ich bin ja auch im vorigen August zu der Demonstration für Menschlichkeit gegangen und war auch ein paar Wochen später am Heldenplatz auf einem Fest.

„Die ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen“ habe ich schon ein paar Monate früher geschrieben und danach daraus die vierte Szene gelesen.

Dann kam Carlos Peter Reinelt, der einen Text über die Ereignisse in Parndorf geschrieben hat, wo ein LKW mit 71 erstickten Flüchlingen im vorgen Sommer gefunden wurde.

Der Text „Willkommen und Abschied“ ist bei „Wallstein“ erschienen und er hat den „Rauriser Förderungspreis“ damit gewonnen, ist es ja  ein starker Text, wie da ein fiktiver syrischer Flüchtling in dem Bus erstickt, der von dem Autor auch noch exzellent vorgetragen wurde.

Dann kam schon, weil offenbar niemand die vorbereiteten Texte der Exil-Bibliothek lesen wollte, die von Eva Rossmann, die inzwischen mit Susanne Scholl eine Anthologie zum Thema „Flucht“ herausgegeben hat, moderierte Diskussion zwischen Carlos Peter Reinelt und Maxi Obexer, die ein Theaterstück zu diesem Thema „Illegale Helfer“ im Schauspielhaus Salzburg urauführte.

Eine interessante Diskussion, die allerdings mit der Frage endete, ob man in die Köpfe rechter Populisten hineinschauen und sie verstehen soll, wie der junge sehr engagierte Mann meinte?

Theoretisch ja, würde ich meinen, nur sind, wie ich dem Buch der Caroline Emcke und der Diskussion mit meinem Kritiker Uli entnahm, die inzwischen so geschult, einen zu beschimpfen und aufs Eis zu führen, daß es schon enormer rhetorischer Kräfte bedarf, um dabei erfolgreich zu sein und wenn wir in Österreich demnächst einen freiheitlichen Bundespräsidenten oder vielleicht auch Bundeskanzler bekommen, nur weil die Leute unzufrieden sind und Angst vor den vielen Flüchtlingen haben, fände ich das nicht sehr gut und es hilft wahrscheinlich auch nicht sehr, über den  kommenden amerikanischen Präsidenten zu lachen, da der ja sehr sehr mächtig ist.

Die Disussion ging also hitzig hin und her und wurde dann von Eva Rossmann beendet, weil es da ja keine Läsung gibt und ich habe also wieder, im Rahmen eines möglicherweise pädagogischen Projektes, unbezahlt im Literaturhaus lesen dürfen, während, wie der engagierte junge Mann in der Dieskussion ja bedauerte, die Podiumsteilnehmer ein gutes Honorar für den politisch oder literarischen Diskurs bekommen hätten und er auch bedauerte, in Rauris viertausend Euro Preisgeld bekommen zu haben, während die Flüchtlinge leer ausgehen.

Wenn ihm das stört, kann er das Geld ja den Flüchtlingsorganisationen spenden und ich lese ja sehr gern und kann mir das wegen meines Brotberufes und der Pension, die ich beziehe, auch leisten.

In der „Gesellschaft für Literatur“, die mich wegen meiner selbstgemachten Bücher,  auch nicht lesen läßt, habe ich das im „Rahmen des Dichterfaschings“ zweimal ebenfalls getan und es gibt auch in Deutschland einige Initiativen, die sich literarisch mit der Flüchtlingsfrage auseinandersetzen, Bücher von jungen Migranten, die inzwischen in deutscher Sprache schreiben, Anthologien, wie die von Eva Rossmann und Susanne Scholl herausgegebene und es gibt natürlich auch meine selbstgemachte Flüchtlingstrilogie für die ich von einer Zuhörerin sogar gelobt wurde.

Aber natürlich ist es schade, daß ich nur im Rahmen einer „Publikumslesung“ im Literaturhaus lesen darf und sonst wahrscheinlich nicht, wie meine Bücher ja aus diesem Grund auf keinen Short-und Longlists stehen, weil das Selbstgemachte ja davon meistens noch immer ausgenommen ist, obwohl sich mein Text, glaube ich, gar nicht so sehr von dem jungen „Rausiser-Förderungspreisträger“ unterschied.

Das heißt doch natürlich, rhetorisch hat er ihn wahrscheinlich besser vorgetragen.

Jetzt habe ich noch vergessen, daß ich aus den „Prekären Sommerereignissen“ auch im Sommer bei Bernadette Zeilingers Konzert im Amerlinghaus gelesen habe und das auch im Jänner in Salzburg tun werde, wer also dort in der Nähe wohnt und ein Stückchen daraus hören will, empfehle ich sehr herzlich ins „Afro-Asiatische-Institut“ zu kommen, denn im Literaturhaus, nein, da kann man ja nicht mit „selbstgemachten Büchern“ lesen, wie wir schon wissen.

 

2016-10-09

Skizze eines Sommers

Buch sechzehn und das fünfte der SL ist ein Sommerbuch und führt in die DDR, in den Sommer 1985, wo wir mit der kleinen Anna auch dort waren und ich mich noch an ein Plakat in Ost-Berlin erinnern kann, das den Kindern schöne Ferien wünschte.

Rene wohnt in Potsdam und wird gerade sechzehn, das heißtm er hat die Schule abgeschlossen und kann sich jetzt für eine Lehre oder die erweiterte OS entscheiden, beziehungsweise wird er dorthin delegiert und ist so alt, wie der 1969 in Potsdam geborene Andre Kubiczek, der sich an diesen Sommer erinnert und wahrscheinlich seinen Freunden dieGeschichte erzählt.

Die Schule ist fertig, der Geburtstag steht bevor, die Mutter ist vor einigen Jahren, vielleicht an Krebs, das Trauma wird umschifft und nicht besonders erwähnt, gestorben und der Vater, offenbar ein Universitätsprofessor, darf für sieben Wochen in Genf an einer Friedenskonferzenz teilnehmen.

Da hat vorher die Staatspüolizei, die Nachbarn besucht und sich nach dem Lebenslauf erkundigt, die haben es Vater und Sohn gemeldet und offenbar nicht Negatives erzählt, so kauft sich der Vater einen kanariengelben Trenchcoat und läßt sich vom Chauffeur nach Schönefeld fahren und der Sohn, der nach den Ferien, weil er auch  einen vorteilhaften Lebenslauf hat, in ein Internat kommt, wo er die „Organisation der materiell-technischen Basins“ studieren soll-.

Der ist zwar  nicht so angepasst, sondern liest mit seinen Freunden Baudelaire und andere dekatente Dichter, deren Bücher man nur ausnahmsweise in den Volksbuchhandlungen kaufen kann, kleidet sich schwarz und ärgert, die jungen Lehrerinnen, weil sie zwar nicht aufpassen, aber trotzdem gute Schüler sind, so daß sie ihnen nichts anhaben können.

Aber noch sind Ferien, die Bude ist  sturmfrei, Rene soll zwar die Hälfte der Ferien im Harz bei den Großeltern verbringen, hat aber nicht viel Lust dazu und der Vater hat ihm tausend Mark, „kein Geld der Welt, sondern Mark der DDR“,  für den Monat seiner Abwesenheit und dann nochmal zweihundert, als Geburtstagsgeschenk hinterlassen.

Rene schwimmt also in Geld, das er getreulich mit seinen Freunden teilt, die heißen Dirk und Michael und waren mit ihm in der Klasse, sowie Mario, der ist erst vierzehn, schaut aber, weil er einen libanesischen Vater hat, viel älter aus und hat, worum Rene ihn beneidet, unschlagbaren Erfolg bei den Mädchen, den er gehörig aufsnützt.

Rene geht es also gut und kann den Sommer genießen, so trinkt er mit den Freunden die sieben Flaschen „Napoleon“ aus, die die Großmutter immer den Vater schenkte, fängt zu rauchen an und natürlich interessieren ihn die Mädchen, die ganz besonders.

Da gibt es eines, von der er den Namen nicht weiß, später erfährt er, daß ihre kleine Schwester Fritzi heißt, er trifft sie an seinen an sich einsamen Geburtstagstag, wo die Freunde ihn scheinbar vergessen habe, so daß er sich, um sechzig Mark, die Baudelaire-Ausgabe, die in der Volksbuchhandlung hinter Glas aufgereiht steht, kauft, auf einer Bank am Keplerplatz und  verabredet sich mit ihr für den nächsten Tag in der Jugenddisco trifft.

Dort geht einiges schief, denn Mario kommt dorthin mit seiner Freundin Connie und stellt ihm eine Bianca vor.  Sie und Connie werden eine Lehre beginnen und werden daher, von den „dekatenten Intellktuellen“ als Proletarier bezeichnet.

Rene ist aber trotzdem von ihrem tollen Busen hingerissen, es kommt zu einem Kuß oder eine Umarmung,  das Mädchen ohne Namen, kommt nicht zum ausgemachten Date und fährt am nächsten Tag mit ihrer Familie in die Ferien.

So bleibt Rene gar nichts anderes über, als mit Bianca eine Beziehung aufzunehmen und sich mit ihr in einem Gasthaus am See zu treffen, bis auch sie in die Ferien fährt und Potsdam langsam leer wird.

Rene sollte zwar zu seiner Großmutter, fährt aber mit Mari in das Kuhdorf wo Conni das Haus einer Tante hüten soll. Sie werden dort zwar in der Nacht von einem Volkspolizisten auf einer Bank mit dem „Napoleon“ aufgegriffen, der entpuppt sich aber als Connies Onkel und bringt die beiden zu ihr.

Eine  Blutschwester hat Rene vorher auch noch gefunden, die intellektuelle Rebecca, eine Künstlertochter, in die sich sowohl Dirk, als auch Michael verlieben und nun soll Rene entscheiden, wer von ihnen die meisten Chancen bei ihr an.

Sie hat aber nur  schwesterliche Augen für Rene und fährt auch in die Ferien und als die vorüber sind, trifft Rene das Mädchen ohne Namen, das ihn  verrät, daß sie Vicotia heißt und eine große Liebe in der letzten Ferienwoche beginnt.

Ein leicht zu lesbares Buch, mäkeln die „Amazon-Rezensenten“, die offiziellen Buchblogger sind begeistester und der Autor dementierte, glaube ich, daß es in dem Buch um die DDR geht und meinte, daß die eher nur Staffage oder Nebenprodukt wäre und ich denke , daß ich jetzt mein viertes Shortlistbuch gefunden habe, bin beigeistert von der leichten Ironie mit der Kubiczek über die DDR-Schikanen drüberwischt und meinte, daß man auch im Jahr 1985, wenn man jung war, viel Geld und eine sturmfreie Bude hatte, sein Leben genießen konnte.

Wahrscheinlich ist wieder viel Autobiografiesches dabei, auch wenn es der Autor bestreiten sollte und denke, daß für mich die DDR, die mich ja sehr interessiert, schon sehr greif und sichtbar war, auch wenn 1985 auch im Westen die Schulabgänger wahrscheinlich rauchten, Kognac tranken und sich für Mädchen interessierten.

Im vorigen Jahr habe ich ja auch ein Buch über die DDR Jugend gelesen und dieses beschreibt die Szene der HO- Läden und der Volkspolizisten sehr dicht, zeigt aber auch, daß man trotzdem widerständig und kritisch sein konnte, auch wenn Rene, dem intellektuellen Künstlervater, der ihn aushorchen will, stolz erzählt, daß er ein echter Kommunist werden wird.

„Andre Kubiczek erzählt wunderbar einfühlsam und hintergründig von jeder Zeit, die auf ewig die beste unseres Lebens bleibt“, steht am Buchrücken und die war offenbar für Rene oder auch für Andre  Kubiczek auch in der DDR möglich.

2016-04-05

Jeden Dienstag „Read!!ingroom-Tag“

Vor einem Jahr bin ich Dienstag nach Ostern in den „Reading!!room“ marschiert, denn ich hatte Gabi Rökl, bei einem der Kreativen Brunch, die es nicht mehr gibt, in der Galerie in der Krongasse, getroffen, die mir sagte, daß ich mir meine Bücher abholen soll, die ich ihr damals nach meiner Lesung sogzusagen zum Verkauf überlassen hatte und mich auch auf den Büchertausch aufmerksam machte.

2Den gab es damals, glaube ich, jeden ersten und dritten Dienstag im Monat und an jenm Dienstag wurden außerdem noch die Postkarten beziehungsweise deren Gewinner vorgestellt.

So bin ich in Kontakt mit Christian Schwetz, den Stiefsohn meiner Cousine Irmgard gekommen und habe mich auch für den „Summa in der Stadt“ angemeldet, weil ich ja schon die Idee geborenen hatte, im Sommer in der Sommerfrische einen Roman über prekäre Studentinnen zu schreiben.

Das war der 13. 7. dann dachte ich, das wäre viel zu früh, denn bis dahin würde ich in der Sommerfrische noch nichts geschrieben haben und disponierte um, denn es gibt ja schon einige Sommergeschichten.

„Tauben füttern“ spielt glaube ich im Sommer und „Sommer am Wasser“, dann habe ich in der Schreibgruppe im Juni den Beginn der ersten Szene geschrieben und in der zweiten Sommerfrischenwoche dann einige, bis zur Seite vierzig den Rohtext, glaube ich.

Die ersten vier Szenen habe ich dann gelesen und dann das Fatma Challaki Kapitel, glaube ich auch, bei meinem Geburtstagsfest, nicht am Volksstimmefest, da bin ich mit dem „Miranda Schutzengelchen“ hingegangen und jetzt ist das Buch, das inzwischen der „Mittelteil einer Trilogie“ ist fertig geworden.

„Selmas Kopftuch“ ist, wenn man es so will der erste, der „Adventkalender“, meinen letzten „Nanowrimo“, den ich am siebzehnten Dezember im „Read!!ingroom“ vorstellte, der dritte.

Die Fatma Challaki kommt jedenfalls in jedem der drei Bücher vor und das Buch ist langsam langsam fertig geworden und eigentlich habe ich gedacht, daß ich es am Dienstag, bevor wir nach Leipzig fahren, schon hintragen kann, habe ich doch den „Read!!ingroom-Blogbeitrag zur Veranstaltung“ als Buchtext verwendet, dann hatten die beim „Digitaldruck“ aber so viel zu tun, daß es erst am Gründonnerstag fertig wurde.

Die Fatma Challaki Szene habe ich dann auch beim Osterspaziergang in St. Pölten gelesen und der „Read!!ingroom“ öffnete, habe ich auf der dortigen Homepage gelesen, seine Pforten ab April jeden Dienstag  für den Büchertausch, dem Tratsch oder dem Smalltalk.

Es gibt inzwischen dort auch eine Schreibegruppe, die sich die „Dienstagschreiber“ nennt und dieser Dienstag habe ich dem Programm entnommen, war vor allem für Schauspieler und Vortragskünstler reserviert, die bei den dort stattfindenenden Lesereihen mitmachen wollten.

So standen schon ein paar junge Leute vor dem Portal, als ich den“ Read!!ingroom“ mit meinem Buch, beziehungsweise noch zwei anderen Büchern, „Selmas Kopftuch“ und „Miranda Schutzengelchen“, das ich immer noch in der Tasche hatte, Maria Gornikiewicz, die mit mir ja den „Buben dürfen Weinen Mädchen dürfen pfeifen“ Wettbewerb für ein nichtspezifisches Kinderbuch, im Jahre 1980 oder so gewonnen hat, saß an der Theke und es haben sich, glaube ich, an die zwanzig junge Vortragskünstler gemeldet, die bei den Vortragsreihen mitmachen wollen.

So gab es zwei Gesprächsrunden im Vortragsssaal, während ich meinen Wein trank und mit Maria Gornikiwicz, die öfter zum Büchertausch zu kommen scheint und mit Gabi Rökl smalltalkte und mich auch in den Bücherreihen umsah.

Kurt Raubal ist dann auch noch gekommen.Ich habe mein „Sommerbuch“ abgegeben, jetzt muß noch die „Nika Weihnachtsfrau“ fertig werden und das „Summa in der Stadt- Festival“ ist für heuer auch schon ausgeschrieben „Hülsenfrühchte und Knallschoten“ lautet, glaube ich, das Thema, für das man sich schon amelden kann.

Ein E-Book zum Thema „Pack die Badesachen“ ein, wo ich meine vier Szenen einschicken werde, wird es auch geben und eine Reise nach Prag auf den Spuren Kafkas und Kish, aber da werde ich mich wahrscheinlich wieder in meiner Sommerfrische in Harland bei St. Pölten befinden und so wie es ausschaut, an meinen „Berührungen“ weiterschreiben.

Die „Sommergeschichte“ hat auf diese Art und Weise ein Jahr von der Planung bis zur Fertigstellung gebraucht und der „Readi!!ingroom“ ist ein sehr interessanter Ort für die kulturelle Nahversorgung, den ich jeden nur empfehlen hat, und der für mich auch schon eine sehr persönliche Geschichte hat.

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