Literaturgefluester

2018-06-25

Afrikanischer Prinz aus Cuba

Das Lesetheater hat ja eine jährliche Sommerlesereihe im Garten des Weinhaus Sittl, die heute mit einer von Ruth organisierten Lesung eröffnet wurde. Ist sie ja eine Cuba Expertin, weil lange dort gelebt, studiert und gearbeitet und sie hat in ihrer Reihe die „Donau hinunter“, die es seit 2007 nicht mehr gibt, als eines ihrer Bücher einen Gedicht- und Prosaband von Nicolas Guillen, den, wie sie im Programm schrieb „Großen Poeten der Negritude der zwanziger und dreißiger Jahre“, den füge ich hinzu, hierzulande keiner kennt.

Ich habe zwar das kleine rote Bändchen, 2002 erschienen, von ihr und Renata Zuniga übersetzt des von 1902 bis 1989 lebenden Dichters einmal von ihr bekommen und als wir zur Verlagsaufgabe 2007 die Donau hinunterradelten, gab es zwar eine Guillen Lesung, Ottwald John hätte da, glaube ich, lesen sollen, Robert Eglhofer hat es dann für ihn getan, weil alles andere zu umständlich, aber wir sind ja nur bis Regensburg mitgeradelt, also habe ich diese Gelegenheit versäumt und heute wäre ich auch fast in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil da ein anderer ihrer Autoren nämlich Hermann J. Hendrich bei den „Textvorstellungen“ las, als ich mich aber vorigen Sonntag mit ihr traf, um noch einmal ein Kunstwerk des öffentlichen Raums zu beschreiben, hat sie mich darauf aufmersam gemacht und mir versprochen, daß sie mir einen Platz reservieren würde, also dann.

Also hingegangen, Erika Brunngraber war schon da, Ilse Kilic, alles Leute die auf der großen Donauradreise mitgefahren sind, waren schon da und gelesen haben Werner Grüner, Ottwald John, und noch eine Dame, Fritz Widhalm hat die Musik geregelt, wo original kubanische Klänge zu hören waren, Werner Grüner hat eine original kubanische Fahne aufgehängt und Ruth Aspöck hat eingeleitet und ein bißchen was zum Leben des Dichters gesagt, der aus einer reichen aus Afrika kommenden Familie stammte, ins Exil  gehen mußte, 1959 nach Kuba zurückkam und dort sehr populär wurde. Viele seiner Gedichte wurden vertont und zu „legendären Volksliedern“ fügte sie noch hinzu und sie sind auch sehr politisch.

Es begann aber ganz einfach mit einem „Flötensolo“

„Die Flöte seufzte ihre Trauigikeit, die Flöte sagte: Kein Kummer ist so groß wie mein Kummer“.

Dann ging es weiter mit der Sonne nach Regen, dazu spannte Ottwald John, der später noch Rosen in das Publikum schmiß, einen Regenschwirm auf und bei Werner Grüner wurde es dann sehr politisch und auch sehr lang mit einem Gesang auf „West indies“:

„West Indies! Kokosnüsse, Tabak und Branntwein.

Hier lebt ein dunkles heiteres Volk,

konservativ und liberal.

Arbeite ich nicht, töten sie mich

und sie töten mich, arbeite ich,

so oder so töten sie mich,

so oder so töten sie mich“

Mit einem „Sklavenschiff“ ging es dann weiter:

„Ich kam mit einem Sklavenschiff

Man brachte mich her

Zuckerrohr und Peitsche die Fabrik

Brennende Sonne,

Brauner Schweiß

Füße im Eisenblock“

Sehr politisch und anklagend, wie man sieht, als es aber in die „Fremden Länder“, vielleicht Exilstationen, wie in den „Winter von Paris“ ging, wurde es auch nicht besser:

„Im Winter von Paris

gehts denen schlecht

den sans-abris

gehts denen schlecht

den sans-logis

gehts denen schlecht

den sans-nourri

gehts denen schlecht

im Winter von Paris“

Dazwischen immer wieder, wie schon beschrieben, Musikeinlagen und so hat man einen kleinen Einblick in die Welt eines kubanischen Dichters bekommen. Ein Grund vielleicht die kommentierten Neudrucke, der „Edition die Donau hinunter“ zu lesen. Aber die gibt es ja schon elf Jahre nicht mehr und das Buch wird wahrscheinlich vergriffen sein, obwohl die Ruth noch ein paar Exemplare zu haben scheint, zumindestens lagen einige davon am Lesetisch auf und ich müßte es, das ich erstaunlich schnell in meinen Regalen gefunden habe, so daß ich gut zitieren konnte, auch noch lesen.

Was wahrscheinlich auch zu empfehlen ist, da die Akustik, wie ich hörte in dem gar nicht so gut besuchten Gasthausgarten gar nicht so gut war, die Musik eher leise zu hören war und außerdem sehr laut und eindringlich, die Lesenden immer wieder von Vogelgezwitscher übertönt wurden.

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2016-08-22

Hörspiel von Antonio Fian und Werner Kofler

20160822-191800

Weil der Alfred ja nächste Woche mit dem Karli nach Rußland und nach Japan fährt, sind wir schon Montag Abend nach Wien gefahren, weil er noch etwas vorbereiten wollte und da gibt es ja die Sommerreihe des Lesetheaters im Weinhaus Sittl und da noch dazu da das diesbezügliche Programm ja nicht immer das meine ist, etwas, was mich interessiert, nämlich Antonio Fians und Werner Koflers Hörspiel „Lambroso in Leibnitz“, das irgendwann auch zum Hörspiel des Jahres gewählt wurde und ich zum Teil, glaube ich, auch schon  im Radio hörte.

Antonio Fian habe ich vor kurzem erst in der „Alten Schmiede“ gehört und er ist mit seinem „Polykrates-Syndrom“ vor zwei Jahren auch auf der Longlist des dBp gestanden und er scheint mich, weil ich ja regelmäßig zu seinen Lesungen geht, auch zu kennen, jedenfalls hat er mich gegrüßt, als ich im übervollen Weinhaus Sittl, um die Ecke bog und einen freien Platz suchte und der  1947 in Villach geborene Werner Kofler ist vor fünf Jahren gestorben, vorher bin ich mit ihm einmal im Zug nach Klagenfurt gefahren, das heißt mit seinem Koffer, denn er ist gleich am Südbahnhof wahrscheinlich im Speisewagen verschwunden und nicht mehr wiedergekommen.

Das Weinhaus Sittl war sehr voll, als ich es um knapp sieben erreichte, also wieder einen Platz ganz hinten bei dem großen Baum, den mir eigentlich ein sehr freundlicher Herr überleiß.

Susanna C. Schwarz Aschner, die Veranstalterin leitete ein, begrüßte Antonio Fian und erzählte sehr viel und sehr ausführlich den Lebenslauf der beiden und dann wurde mit Thomas Northoff, Maximillian Spielmann, Monika Schmatzberger, Vera Schwarz und anderen gelesen und es ist ein bizarres Stück, das sich um die Verbrecherfamilie Wanz, es gibt ja einen Otto Wanz, der die Telefonbücher zerlegte und die Frage, ob das Verbrechen vererblich ist, eine Behauptung die Lambroso aufstellte, rankt und viele Anspielungen an das literarische Leben, etcetera hat.

Es kommen da die Reporter zu der Verbrecherfamilie, die aus ein paar Onkeln und  einigen Brüdern besteht, die alles genau wissen wollen.

Es gibt eine Jack Unterweger Ralley und einen Bruder, der Otto oder eigentlich Albert heißt, der irgendwie aus der Reihe tanzte und nach Afrika ging und dort, statt, die erblich belastete Verbrecherdynastie fortzuführen, ausbrach und Missionar wurde und, als ihn die Reporter für die Talk Show heim zu der Familie holte, von den Brüdern gelyncht wird.

Nachher haben wir uns mit dem Herrn am Tisch noch lange unterhalten, Ottwald John hat seine Zetteln für die nächsten Veranstaltungen, in der nächsten Woche, wo der Alfred, der ja nächsten Dienstag fährt, auch wieder zurückwill, gibt es wieder einen Joe Berger Abend, den Christian Katt organiert, ausgeteilt und viele bekannte Gesichter haben wir an diesem schönen Sommerabend auch getroffen.

 

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