Literaturgefluester

2019-11-20

Mutter brennt

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:51
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Jetzt kommt das vierte öst Longlist Buch und das zweite von der Shortlist, Sophie Reyers „Mutter brennt“ aus der kleinen „Edition Keiper“ aus der Steiermark von der ich schon einiges gelesen habe und die 1984 geborene Sophie Reyer kenne ich auch schon lang von Veranstaltungen.

So war sie glaube beim „Lockstoff“ der  jungen wilden Reihe des „Podiums“ dabei, ich habe sie bei den „Wilden Worten“ gehört, ihr „Schildkrötenbuch“ wurde in der „AS“ vorgestellt. Beim „Radio Rosa“ hat sie gelesen, etcetera. Sie hat schon mehrere Romane geschrieben, gelesen habe ich jetzt erst das Shortlistbuch von ihr und das war gar nicht so leicht.

Denn es ist ja nicht, wie der Titel erwarten lassen könnte, ein Buch über die Schwangerschaft, wie etwa „Cherubino“ Es ist auch keine reine Familiengeschichte. Es ist viel mehr, es ist alles oder nichts und infolgedessen ein wenig verwirrend.

Es geht um Luise, die Mutter. Die hat zwei Kinder Clemens und Ina und einen Ex-Mann, der behauptet, sie hätte gar keine Kinder, denn sie hat sie abgetrieben.

Das wird im Prolog geschrieben. Dann gibt es drei Teile, die sich sehr wohl mit dem Leben Luises und ihren Kindern beschäftigt, die in einem Wäschegeschäft arbeit.

Es gibt auch eine Großmutter, namens Eva, die war eine Trinkerin und hat sich, glaube ich, umgebracht, als Luise mit Clemens schwanger war. Da hat sie versucht ihn abzutreiben und diese Eva erscheint nun als Geist bei Clemens und erzählt ihm ihr Leben.

Sie war ein Kriegskind, hat im Luftschutzkeller aus Angst zu trinken angefangen, war Hausmeistertochter und später selber Hausmeisterin und Luise ist ein <kuckuskind, nämlich die Tochter eines französischen Allierten, der Eva vergewaltigt hat.

Jetzt will Luise ihr Leben genißen und verreist mit einer Freundin nach Frankreich. Die Kinder läßt sie inzwischen von einer thailändischen Putzfrau, die aus dem Mund stinkt und im selben Haus wohnt oder arbeitet betreuen. Dort lernt sie einen Mark kennen, der wie sich herausstellt der Neffe von jenen Vergewaltiger ist.

Dann gibt es noch die Tochter Ina, die viel lest, was der Mutter gar nicht recht ist. Sie ist aber auch in einem Chor und hat sich in einen Walter verliebt, der wenn ich es recht verstanden habe, schon über vierzig ist.

Sie wird auch wahnsinnig, kommt in eine Klinik, wird von einer Therapeutin und einer Sozialarbeiterin betreut und eine „Zaunreiterin“ oder „Hexe“ oder „Heilerin“ namens Elmira taucht auch noch auf, denn das buch geht ja über die Zeiten hinweg, sprengt diesselben, was man schon beim Lese bemerkt, weil da nicht wirklich klar wird, wie alt jetzt die, vielleicht ohnehin agetriebenen Kinder sind? Zwölf und dreizehn steht irgendwo, aber dann spielen sie mit Legosteinen, dürfen nicht alleine U-Bahn fahren, Ina geht mit einem roten Abendkleid auf einen Ball, etcetera.

Auch das läßt sich durch die Aufhebung der Zeit und das nicht chronologische Schreiben erklärt. Es ist aber auf jedenfall ein sperriges, experimentelles Buch, was ich mir, da ich Sophie Reyer ja kenne, auch erwartet habe.

Gefallen hat es mir trotzdem und es freut mich auch, daß es auf die Shortlist kam, was ich eigentlich nicht erwartet habe.

2017-10-10

Sophie Reyer und Alfred Goubran in der Alten Schmiede

Während in Frankfurt die Eröffnung losging, bin ich in die „Alte Schmiede“ gepilgert, wo von Johannes Tröndle zwei Bücher vorgestellt wurden, die es nicht auf die LLs geschafft haben, es aber durchaus hätten können.

Zuerst kam die 1984 geborene Sophie Reyer mit einer schildkrötengrünen Jacke, denn ihr neuestes bei „Czernin“ erschienenes Buch heißt „Schildkrötentage“, behandelt eine Verwandlung und ist, im Gegensatz zu den eher experimentellen Vorpublikationen der Musikerin und Filmerin, die ich auch bei den „Wilden Wörten“ hörten und hier sogar meine „Anna“ vorstellte, sehr realistisch, obwohl so realistisch auch wieder nicht. Denn die Flora, die an die vierzig gehende Hauptperson, wird langsam alt, beziehungsweise verwandelt sie sich in eine Schiuldkröte. Sie bemerkt am morgen im Badezimmer eine Falte im Gesicht, geht zur Ärztin, die ihr Chrirugie oder Psychotherapie empfielt, dann erinnert sie sich an die Schildkröten, die als Kind nicht haben durfte und Rückchenschmerzen kommen auch noch dazu.

Sophie Reyer hat zwei Kaptiel aus ihrem Buch gelesen und dazu zwei oder sogar vier Schildkröten vor sich hingestellt und dann noch aus einem anderen Buch und der 1964 in Graz geborene Alfred Goubran, der bevor er zu schreiben anfing, die „Edition Selene“ betrieb, zu der ich auch immer hinschickte, ihm aber, glaube ich, nicht gefallen konnte, ist wohl zu individuell für eine Buchpreisliste und er schreibt an einem sieben Bücherprojekt, vier Bände gibt es davon schon, in dem immer dieselben Personen vorkommen und wenn ich mich nicht irre, habe ich schon eine der Präsentationen gehört.

Johannes Tröndle baute die Bücher jedenfalls vor sich auf und leitete genau und gründlich in das Schreibprojekt ein. Alfred Goubran las dann am Stehpult aus dem gerade erschienenen Band „HERZ.EINE VERFASSUNG“ und erzählte, daß er sehr schnell schreibe und sich beim Schreiben inspierieren lasse.

in dem Projekt geht es um einen schonen verstorbenen Schriftsteller namens Aumeier, Gobrans Alter Ego höchstwahrscheinlich und im präsentierten Band, um einen Theaterdisponenten, der sich plötzlich in einer Anstalt befindet von einer Schwester mit Mundgeruch mit Medikamenten versorgt wird, die er deshalb nicht nehmen will, beim Kopierer Schreibpapier findet und noch andere seltsame Begegnungen beziehungsweise Träume hat.

Interessant interessant neben all dem Buchpreislesen auf zwei neue Werke von zwei vielleicht nicht so gekannte Stimmen zu stoßen und weil es zwischen den zwei Lesungen eine halbe Stunde Pause gab, habe ich mir mein fünftes Ost nämlich Olga Flors „Klartraum“ mitgenommen, das ich schon im Sommer in den O-Tönen hörte, aber leider habe ich noch immer nicht wirklich verstanden, worum es dabei geht, obwohl es ja auf die Shortlist gekommen ist.

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