Literaturgefluester

2017-08-02

Die Nöte des wahren Polizisten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Den in Chile 1953 geborenen und 2003 in Barcelona 2003 gestorbenen  Roberto Bolano, habe ich wahrscheinlich 2000 bei einem Symposium der „Gesellschaft für Literatur“ kennengelernt. Wenn ich mich nicht irre, habe ich da gerade an den „Wiener Verhältnissen“ geschrieben und es gab am Abend, ich glaube wieder, im spanischen Kuulturinstiut eine Lesung aus seinem damals wahrscheinlich gerade auf Deutsch erschienenen Roman „Stern in der Ferne“, in dem es um einen Flugzeugpionier ging.

Den Roman habe ich dann zusammen mit seinem schon früher auf Deutsch bei „Antje Kunstmann“ erschienenen Buch „Die Naziliteratur in Amerika“ bei den Büchertürmen der „Literatur im März“ gefunden und zusmindstens das Erstere überflogen, beim Zweiten weiß ich nicht so genau.

2003 ist Bolano an einer Leberzirrhose gestorben und 2009 erschien bei „Hanser“, das, glaube ich, posthum herausgegebene Werk „2666“. Da gab es, glaube ich, eine Broschüre, die ich gelesen habe.

„Hanser“ hat, glaube ich, inzwischen auch die anderen Bolanosdie schon oder nach seinem Tod Erschienenen, herausgegeben.

So habe ich in den Bücherschränken „Die wilden Detektive“ und  „Die Nöte des wahren Polizisten“, ebenfalls posthum und aus verschiedenen Teilen und Fragmenten, die sich im Nachlaß des Dichters fanden, zusammengesetzt, gefunden und jetzt das letztere Buch gelesen, da ich ja gerade durch die Lesung, wo ich den Dichter persönlich kennenlernte, wahrscheinlich ein besonderes Interesse an ihm und seinen Werken habe.

Das Cover des 2013 erschienenen Buches, ziert ein Totenkopf mit einem Cowboyhut, was wahrscheinlich genauso wenig zum Inhalt sagt, wie manche Überschrift der verschiedenen Teile. So heißt ja der erste Teil „Der Fall der Berliner Mauer“ , aber das bezieht sich höchstens auf das Jahr, in dem das Buch beginnt, das ja in Barcelona und Mexiko spielt

Es gibt ein Vorwort der Herausgeber, die das mit der Herausgabe erklären und meinen, daß die wahren Polizisten, die Leser wären, die dem Protagonisten, dem Literaturprofessor Oscar Amalfitano auf die Spur kommen müßten und auch erklären, daß man einige oder alle der handelnden Personen auch in „2666“ finden würde.

Das habe ich noch nicht gelesen, vielleicht habe ich mir deshalb mit dem Buch nicht so leicht getan, dessen Handlung  am Buchrücken wieder in ein paar Sätzen erklärt wird und man sich dann durch 267 Seiten liest, die manchmal, wie eine Materialsammlung klingen, aber richtig, es ist ja ein unvollendetes Werk, an dem Bolano, wie auch in der Erläuterung steht, von den Achtzigerjahren bis zu seinem Tod gearbeitet hat.

Es geht also um diesen Literaturprofessor, wie Bolano, in Chile geboren, beim Putsch wurde er, wie sein Autor gefoltert, ging dann nach Argentienien und Brasilien, lernte dort seine Frau kennen, bekam seine Tochter Rosa, die Frau ist dann an Krebs gestorben und zu Beginn des Romans, ist die Tochter siebzehn, der Professor lehrt in Barcelona und hat mit fünfzig dort sein Coming out, das heißt er vögelt mit seinen Studenten und jungen dichtern und muß deshalb mit der Tochter Barcelona verlassen und nach Mexiko auswandern.

Es gibt einen Briefwechsel mit dem Dichter Padilla, mit dem er sich outete und der ein Buch mit dem Namen „Der Gott der Homosexuellen“ schreibt und einen Dichter namens  Arcimboldi, der auch in „2666“ vorkommen soll und dessen „bizarre Romane“ einen weiteren Teil des Buches füllen.

In der mexikanischen Wüstenstadt Santa Teresa, wird er dann von der Polizei überwacht, einer der Polizisten, hat eine Geschichte von vielen Müttern, Groß, Ur- und Uuurgroßmüttern, die alle mit sechzehn vergewaltigt wurden, was mich ein bißchen an meine Bücher „Absturzgefahr“ und „Miranda Schutztengelchen“ bzw an das „Haus“ denken lassen.

Das alles wirkt für mich ein bißchen zusammenhanglos und eher langatmig, seitenlang werden  die Geschichten von Figuren oder Romaninhalte, beinahe, wie ein Romanexpose oder eine Materialsammlung aufgezählt und das ist es wohl auch und so weiß ich nicht, ob „Die Nöte der wahren Polizisten“, wie die Herausgeber auch anmerken, Bolanos bestes Werk ist, werde den Dichter aber im Gedächtnis behalten und natürlich auch die „Wilden Detetektive“ lesen und vielleicht finde ich auch noch etwas anderes von ihm in den Schränken oder Abverkaufskisten.

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