Literaturgefluester

2017-09-15

Das Singen der Sirenen

Weiter geht des mit dem dBp und da mit dem achten Buch und, wie ich irrtümlich glaubte, mit dem zweiten mir bis dato unbekannten Autor.

Dabei habe ich den 1958 geborenen Michael Wildenhain wahrscheinlich 2015 in Leipzig gesehen, denn da wurde „Das Leben der Alligatoren“ für den „Preis der Leipziger Messe“ nominiert und das Lesen des bei „Klett-Cotta“ erschienenen Romans „Das Singen der Sirenen“ war anfänglich, glaube ich, genauso schwierig, wie „Das Jahr der Frauen“ und das Buch hat,  genauso einen ungewöhnlich frischen Ton und es erzählt viel, wahrscheinlich wieder einmal viel mehr, als man erfassen kann und daher war es zumindest am Beginn sehr kompliziert. Später wird es einfacher und entpuppt sich wahrscheinlich sogar als ein „ganz gewöhnlicher Liebes- oder Lebensroman“.

Also, da geht es um einen Frankenstein-Forscher namens Jörg Krippen und der fährt nach London weil er dort auf  einer Uni ein Schreibseminar halten, beziehungsweise über den berühmten Roman der Mary Shelley schreiben will.

Er kommt an und das ist schon kompliziert, weil man vorher schon auf ein paar anders gedruckten Seiten in den Text hineingeworfen wurde.

Er wird, weil er verwirrt ist und sich nicht recht auskennt, wo er jetzt hinsoll von einer Inderin angesprochen, die zu ihm sagt „You look so lost“

Die kommt dann in sein Schreibseminar, wo man einen Text schreiben soll, „in dem ein künstlich erschaffenes Wesen… eine tragende Rolle spielt.“

Sie heißt Mae und forscht im Bereich der Stammzellenforschung und der Klappentext verspricht etwas von den „Fragen nach dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften.“

Das klingt sehr interessant und das hat mich auf das Buch auch neugierig gemacht, umsomehr, da es bei „Katie“ und bei „Ikarien“ um ähnliche Inhalte geht.

Michael Wildenhain hält aber nicht, was er verspricht, könnte man so sagen oder aber auch, er erzählt sehr viel mehr und wenn man so in seinem Lebenslauf nachschaut, ist wahrscheinlich wieder einiges Autobiografisches dabei.

Jörg Krippen  älter als die junge Mae, war nämlich bevor er Wissenschaftler wurde, Dramatiker und hat da einige Theaterstücke geschrieben, dann aber damit aufgehört und Mae hat ihn auch nicht zufällig angesprochen, sondern ihn erwartet, sie war nämlich vor Jahren in Berlin und hat ihn da beobachtet.

Das Ganze wird in abwechselnden Kapiteln erzählt, die in London oder Deutschland spielen und von seiner Familie ist auch sehr viel die Rede. Seine Frau Sabrina, eine Supermarktkassierin ist nämlich  mit ihm sehr unzufrieden. Er hat auch einen fünzehnjährigen Sohn. So etwas hatten wir schon bei „Kraft“ und sie wirft ihm auch vor ihn zu betrügen.

Jörg Krippen fliegt dann, was mir nicht so ganz klar wurde, bald auch aus dem Seminar heraus, muß aus seiner Uniunterkunft ausziehen und zieht zu seinem Kollegen Simon, der, was heutzutage wahrscheinlich auch ein wenig ungewöhnlich ist, sich weigert ihn zu duzen und er hat dann eine Begegnung mit einem elfjährigen indischen Buben einen Schach- und Rugbyspieler. Eine andere Inderin führt ihn zu ihm oder ist es umgekehrt und es stellt sich heraus, daß er sein Sohn sein soll.

Das ist dann zwar nicht ganz sicher, ein Vaterschafttest scheint es zu widerlegen und es beginnt auch ein leidenschaftliches Liebesverhältnis zwischen Mae und jörg, die die jüngere Schwester der anderen Inderin ist.

Dazwischen wird auch von der Vergangenheit Jörg Krippen erzählt. Er war wie sein Autor politisch aktiv und er versöhnt sich trotz der großen Liebe am Ende wieder mit seiner Frau und kehrt, obwohl er inzwischen mit Mae auch in Amerika war, zu seiner Familie nach Berlin zurück.

Wo bleibt da der Frankenstein und der Konflikt zwischen der Natur und der Geisteswissenschaft könnte man so fragen, denn eigentlich geht es ja um die anarchistische Vergangenheit des Protagonisten und um die politischen Verwirrungen auf dieser Welt.

Ich fand das Buch  trotzdem literarisch spannend, werde mir den Autor sicher merken und es war auch sehr interessant es in Vergleich zu den anderen Buchpreisbüchern zu setzen.

Einen kritischen Nachsatz muß ich auch noch anfügen. Das Buch hat mein zweimaliges Badewannenlesen nur sehr schlecht ausgehalten.

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2016-11-30

Elisabeth Reichart in der Alten Schmiede

Heute sollte es in der „Alten Schmiede“ die Präsentation von zwei Herbstneuerscheinungen geben, nämlich Evelyn Schlags „Yemen Cafe“ und Elisabeth Reichards „Frühstück bei Fortuna“, die beide an den Buchpreislisten vorbeigegangen sind.

„Interessant!“, habe ich gedacht und war sehr in Eile, nämlich eine Menge Stunden und dann sollte ich auch die Abrechnung machen, was an sichgegangen wäre, wenn der Computer nicht so lahm gewesen und so vieles nicht funktioniert hätte.

Dann ist die sechs Uhr Klientin aber wieder so pünktlich gekommen, daß es sich fast ausgegangen wäre, pünktlich zu kommen, weil ich die unfertige Abrechnung liegen gelassen habe.

Also zehn nach sieben in die „Alte Schmiede“ gehuscht und gewundert, daß in der Zeitschriftengalerie nur ein paar Leute und der Saal leer und als ich in den Keller hinuntergehen wollte, hat mir Annalena Stabauer nachgerufen, die Schlag Veranstaltung fällt aus, weil die2 Autorin krank.

„Fein!“, habe ich gedacht, was mache ich jetzt in der Stunde, im Zeitschriftensaal herumsitzen ist auch nicht gerade lustig, aber wenn ich nach Hause gehe, komme ich auch nicht zum Abrechnen, weil die nächste Veranstaltung ja schon um halb neun beginnt.

Dann ist mir, als ich mich in Richtung Praxis aufmachte, Ruth Aspöck in den Weg gelaufen und wir haben die Zeit genützt im „Alt Wien“ ein Achterl zu trinken und die Ruth hat bei einem Schweizer Gast eifrig Werbung für die „Alte Schmiede“ gemacht.

Johannes Tröndle einer der Assistenten, der glaube ich, auch GAV-Mitglied ist, hat die 1953 in OÖ geborene Autorin, die mit „Februarschatten“ bekannt geworden ist, vorgestellt.

„Die unsichtbare Fotografin“ habe ich gelesen, ein paar anderer ihrer Bücher stapeln sich, glaube ich, in meinen Regalen und in „Frühstück bei Fortuna geht es um die Naturwissenschaft, beziehungsweise, um die Lieben einer Genetikerin oder Stammzellenforscherin, die aus dem Wissenschaftsbetrieb ausgestiegen ist und nun die Zellen retten will.

Das klingt ein wenig abstrakt, Elisabeth Reichart hat aber sehr begeistert von der Lieben zu den Zellen gesprochen und dann auch sehr betont einige Stellen aus dem Buch gelesen.

Es gibt auch einen Mann, der in die namenlose Heldin verliebt ist und einen anderen, mit denen sie in ihrer Jugend in Höhlen klettert und die Flüchtlingsströme, die im vorigen Sommer über die Autobahn wanderten, erkannte sie auch an ihrer Zellen.

Das geht vielleicht ein bißchen in den esoterischen Bereich und die Wissenschaftler sind meistens nüchterner und Elisabeth Reichart antwortete Johannes Tröndle in der Dikussion auch die Frage, wie sie für das Buch recherchiert hat. sie ist ins AKH gegangen, hat eine halbe Bibliothek gelesen und lange an dem Buch gearbeitet, weil sie schon immer mal ein solches schreiben wollte.

Nachher gab es überraschend Wein und Brötchen, also auch einige Gespräche, ich habe mich intensiv mit einer Literaturwissenschaftlerin unterhalten, Michael Hammerschmid, Gerhard Jaschke, Julia Danielczyck und andere waren da und die Ruth sagte mir, was ich in meinem radiolosen Harlander Wochenende nicht mitbekommen habe, daß Fidel Castro gestorben ist.

 

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