Literaturgefluester

2016-06-20

Vor der Morgenröte

Jetzt habe ich auch den Film, „Ein sensibles Portrait des Schriftstellers Stefan Zweigs in seinen Jahren im Exil“, wie im Programmheft steht, gesehen, in dem Josef Hader die Hauptrolle spielt, womit ich meinen Stefan Zweig Schwerpunkt abschließen kann.

Das heißt das Literaturcafe, das wie viele Blogs Werbung für den Film machte, der seit zweiten Juni in den Kinos zu sehen ist, verlost noch drei Biografien von von Ulrich Weinzierl „Stefan Zweigs brennendes Geheimnis“, womit dieser, glaube ich, nachweist, daß Zweig ein Homosexueller und ein Exhibionist war. Aus dem Film und seiner Autobiografie geht das aber nicht hervor und ich habe mich zufälligerweise in den letzten Monaten auch sehr viel mit Zweig beschäftigt und ihn bezüglich meines „Nicht Berühren oder Notizen zur Romanentstehung“, womit ich ja im Februar ziemlich planlos begonnen habe, quer durch sein Werk gelesen, womit ich jetzt zumindest die Frage beantworten kann, ob er ein großer Schriftsteller war?

Er war es, glaube ich und und wird in diesem Episodenfim, der in fünf Bildern und einem Epilog, die letzten Jahre ab dem PEN-Kongreß in Argentinien  sehr schön und aufwendig, aber wahrscheinlich, wenn man nur das übliche Mittelschulwissen und nicht sehr viel gelesen hat, nicht sehr verständlich ist, auch bewiesen.

Ich bin ja in der Wattgasse in einem wie ich immer sage, sozialistischen Arbeiterhaushalt mit einem Bücherschrank im Wohnzimmer, der später, als meine um elf Jahre ältere Schwester Ursula, das Zimmer  bekam, in das Schlafzimmer wechselte, aufgewachsen und in dem gab es cirka dreihundert vorwiegend Büchergilde Gutenberg Ausgaben und da von Stefan Zweig die Biografie Marie Antoinette“ und „Die Welt von gestern“

„Marie Antoinette“ habe ich, glaube ich, noch in der Hauptschule oder in den ersten Jahren der Straßergasse, wo ich mich sehr für Geschichte und da speziell für Napoleon interessierte, aber von Stefan Zweig sicher keine Ahnung hatte, gelesen und „Die Welt von Gestern“, glaube ich, als Studentin. Die hat mich tief beeindruckt, sehr viel  Ahnung über das, was das beschrieben wird, hatte ich aber trotz meines geschichtlichen Interesses, glaube ich, nicht und auch keine über Stefan Zweig.

Dann habe ich wahrscheinlich im Fernsehen einige Verfilmungen seiner Novellen gesehen und viel später im Bücherschrank die „Schachnovelle“ gefunden, das war vor ein paar Jahren, so besonders hat mir die, glaube ich, nicht gefallen und später bin ich immer öfter auf die Behauptungen gestoßen, daß Stefan Zweig kein großer Dichter, sondern nur ein Biografienschreiber war.

Das stimmt, glaube ich, nicht, die frühen Novellen sind sehr beeindruckend und die „Autobiografie“, die er mit der „Schachnovelle“ und seiner Hommage über „Brasilien“ in seinem Exil geschrieben hat.

Die Biografien wahrscheinlich nicht so sehr, würde ich sagen und ich bin wieder auf Stefan Zweig gestoßen, als ich mich im März oder April, in meiner Schreibblockade für ihn zu interessieren begann, weil ich da ja die Idee hatte, mit Figuren aus Romanen zu arbeiten, die schließlich zu Schriftstellern wurden, zu Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Anne Frank.

Das heißt die „Arte Dokumentation“, die auch auf die Gehiemnisse und Widersprüchlichkeiten in seinem Leben hinweisen, habe ich da schon gesehen und das erste Buch, das ich für meinen Schwerpunkt gelesen habe, „Ungeduld des Herzens“, auch kurz nach der Emigration geschrieben und vor dem ersten Weltkrieg spielend, gibt, glaube ich, auch sehr genau Auskunft über das angebliche Zauerdliche und Unentschlossene, das auch im Film eine Rolle spielt.

Und der war für mich zumindestens sehr verwirrend, beginnt er doch, ich glaube, bei einem Empfang auf diesen PEN-Kongreß mit einem großen Bankett, wo man zuerst die Dienstmädchen und die Kellner sieht und dann wird minutenlang Französisch, Spanisch oder Portugiesisch mit deutschen Untertiteln geredet und ich dachte schon, ich bin im falschen Film.

Aber natürlich es ist eine moderne Produktion und wir leben ja in Krisenszeiten, wenn auch in anderen und das drückt die Verloren- und die Entwurzeltheit auch sehr stark aus.

Dann geht es nach New York und man trifft plötzlich auf die andere Frau Zweig mit ihren Kindern, hört eine Menge Namen, die man vielleicht auch nicht als allgemein bekannt voraussetzen kann und Zitate, daß sich der ganze Kurfürstendam jetzt in New York befindet, etcetera.

Dann geht es nach Brasilien zum sechzigsten Geburtstag, wo Zweig einen Hund geschenkt bekommen hat und im Epilog nimmt die Polizei das Protokoll auf, man sieht, die Leichen im Bett durch einen Spiegel, das Dienstmädchen betet und Herr Federn wird, glaube ich, gebeten den deutschen Abschiedsbrief vorzulesen.

Sehr anspruchsvoll und sensibel, für den Film wurde aber, glaube ich, auch viel Werbung gemacht. Wolfgang Tischler empfiehlt, wenn man nicht alles parat hat, vorher nachzugooglen und natürlich zu lesen.

Das empfehle ich auch. Mit „Brasilien“ würde ich nicht beginnen. Mit den Biografien wahrscheinlich auch nicht, der Roman, die Novellen und vor allen die Autobiografie würde ich aber sehr empfehlen und nun werde ich mich ja noch den Sommer über mit dem Korrigieren beschäftigen, bevor man bei mir nachlesen kann, wie das mit Stefan Zweig, Anne Frank und Heimito von Doderer im Himmel, auf der Wolke sieben, beziehungsweise mit dem Theaterstück das Zarah Bashrami über die beiden Dichter, die sich am 12. Februar 1934 im Cafe Central treffen, geschrieben hat, ist.

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2016-06-02

Brasilien

1936 ist Stefan Zweig über Einladung des PEN-Clubs zuerst nach Argentinien, danach nach Brasilien gekommen, wo er von dem Land sehr beeindruckt und dort auch schon sehr bekannt war, so daß er, als er dann auch aus London emigirieren wollte und es in Amerika nicht aushielt, sich 1941 mit seiner zweiten Frau Lotte in Petropolis ein Haus für ein halbes Jahr mietete, wo er im Februar 1942 mit ihr Selbstmord beging.

Im September 1941 ist „Brasil – Pais do Futora – Brasilen- ein Land der Zukunft“ erschienen, in dem der vom Krieg und den Zuständen in Deutschland  Zerrüttete, seiner neuen Heimat ein Denkmal setzte, das er als „Paradies“ empfand und „Brasilien wird immer eine Zukunft haben“, als Schlußwort schrieb, was der Herausgeber, des bei S. Fischer erschienenen Bandes, in seinem Nachwort, angesichts der heutigen Zustände ein wenig revidieren mußte.

Ich  habe mich jetzt durch meine Recherchearbeit für meine „Berührungen“ in denen sowohl Stefan Zweig, als auch Heimito von Doderer, als Figuren eines Theaterstück und auch als Betrachter auf der „Wolke“ eine Rolle spielen, in Stefan Zweig eingelesen und auf den Band „Brasilien“, ein Spätwerk, wie die „Schachnovelle“ und die „Welt von Gestern“, bin ich nur durch Zufall, beziehungsweise durch den Film „Vor der Morgenröte“, der heute in die Kinos kommt und den ich mir nach meiner Rückkehr aus Kroatien anschauen kann, gekommen und, wie ich mich vor einem Jahr mit dem „Mexiko“ das Egon Erwin Kisch in seiner Emigration erlebte, beschäftigt habe, reise ich jetzt durch das Brasilien der Neunzigdreißiger und frühen Vierzigerjahre, das heute sicher anders ist, aber durch die scharfe Analyse Stefan Zweigs, dem europaischen Denker, seine beeindruckenden Spuren hinterläßt.

Es gibt auch eine Zeittafel, um die Geschichte des Landes, das von den Portugiesen, deshalb spricht man auch Portugisisch und nicht Spanisch, wie in manchen Romanen, die Stefan Zweig gelesen hat, behauptet wurde, erobert wurden und Stefan Zweig, der durch den Krieg Traumatisierte, lobt in seinem Vorwort, die Freundlichkeit der Brasilaner, die durch ihre Geschichte total vermischt sind und keine Rassentrennung kennen, so daß die Weißen mit den Schwarzen und den Braunen ganz selbstvcerständlich nebeneinander gehen, sich umarmen und befreundet sind.

So freundlich und friedfertig war das wohl doch nicht so ganz,  obwohl die Portugiesen im sechzehnten Jahrhundert mit den nackten Ureinwohnern, die außer Holz, das man nicht gut transportieren konnte, keine Schätze zu besitzen schienen, nicht viel anfangen konnten.

Später entdeckten sie aber das Gold, den Zucker, den Kaffee, den Gummi, die Portugiesen siedelten sich in Brasilien an, schickten auch ihre Jungfrauen und Huren hin, was dann auch zu der Vermischung führte, sowie, die Sklaven die von Afrika importiert wurden.

Also wieder trotz der Freundlichkeit der Brasilianer eine Geschichte der Gewalt und auch das Kapitel der Wirtschaft ist eine der Ausbeutung. Die Braslianer durften selbst aus der Baumwolle keine Stoffe machen, sondern mußten sie importieren und ihre Kleider kaufen, der Kaffee wurde zu Spekulationszwecken ins Meer geworfen etcetera. Das dritte Kapitel ist die Kultur des Landes gewidmet und da lobt Zweig wieder die Freundlichkeit und den Stolz der Einwohner, die lange Analphabeten waren, so hat sich die Kultur auch erst sehr spät entwickelte.

Denn der Samba kam ja von den Sklaven aus Afrika, die ersten Romane und die ersten Opern wurden erst sehr spät geschrieben, wie auch die Schulbildung und die Universitäten sehr sehr spät eingeführt wurden und Stefan Zweig, als er nach Braslien kam, wie einst bei seinem Besuch in Russland, die Straßenbahnschaffner und die Arbeiter in ihren Pausen stolz mit einem Buch in der Hand lesen sah.

Dann gehts nach Rio de Janeiro in diese wunderschöne Stadt am Meer, wo frühmorgends alle Passagiere auf den großen Schiffen mit ihren Ferngläsern und Kameras stehen um die Einfahrt nicht zu versäumen, wo man statt der Freiheitsstatue den „Pao de Acuar“, den Zuckerhut sieht, es gibt in der Stadt nach französischen Modell, dem großen Vorbild nachempfunden, einen großen Boulvard und außerdem die „Favelvas“, die „Negerdörfer“, wie man damals noch schreiben durften, die wie Stefan Zweig bedauert, „morgen“ vielleicht schon verschwunden sind, die für ihn aber, obwohl ihre Bewohner sehr arm waren, einen großen Reiz ausmachten.

Die Städte  San Paolo, eine moderne zukunftsträchtige Stadt, wie Zweig steht, in dem alle hasten und es wenig Romantik, dafür aber eine Schlangenfarm, ein Museum mit ausgestopften Papageien und eine große Strafanstalt gibt und Bahia, die Zweig während eines Rundflugs kennenlernt und eine religiöse Prozession miterlebt, werden besucht und der Amazonas erlebt.

Es gibt ein Kapitel über den Kaffee, den ja die Türken nach Wien gebracht hat, in Brasilien wird man zu jeder Tageszeit zu einem Tässchen Kaffee eingeladen und schlürft das schwarze starke Getränk, wie Likör hinunter. Die ehemaligen Goldgräberstädte und die modernen Minen und noch vieles anderes, werden besucht oder ausgelassen.

Und am Schluß meint Zweig nach seiner wahrscheinlich ersten Brasilienreise: „Aber dann besinnt man, da der Motor anhebt zu rattern, um uns fortzutragen, wieviel Dank man schon schuldet für Glück und Gewinn dieser Wochen und Monate. Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben gesehen.“

Man sollte also hinfahren in das moderne Brasilien, das inzwischer sicherlich ganz anders ist, aber vorläufig habe ich mich ja auf Kroatienurlaub begeben und werde darüber wahrscheinlich auch einiges zu berichten haben.

2016-05-19

Fouche

Jetzt kommt eine andere literarische Seite Stefan Zweigs, neben seinen leidenschaftlichen Novellen, mit denen er berühmt wurde, der „Welt von Gestern“ und seinem Roman „Die Ungeduld des Herzens“, hat er auch viele Biografien geschrieben.

Die von „Marie Antoinette -Bildnis eines mittelmäßigen Charakters“, eine Büchergilde Gutenbergausgabe, aus dem Bücherkasten meiner Eltern, habe ich, glaube ich, noch als Hauptschülerin gelesen, wo ich mich sehr für Geschichte interessierte und Napoleon sehr verehrte, dann gibt es die von „Maria Stuart“ „Balzac“, „Magellan“ etcetera und dann die von Joseph Fouche, dem französischen Polizeiminister unter Napoleon „Der Mann, der Napoelon Furcht einjagte“, steht auf meiner Fischer TB-Ausgabe, aus dem Jahr 1964, ein Fund aus dem Bücherschrank, 1929 geschrieben, die ich nach dem Roman, der Autobiografie und den Novellen, jetzt gelesen habe, ein ganz anderer Stil des Vielschreibers, der auch noch sehr viel auf Reisen war, wie er das wohl alles machte, seine Manuskripte wird wahrscheinlich seine Sekretärin getippt haben und um an das Material heranzukommen, Google hat es damals noch nicht gegeben, dürfte er diverse Memoiren, zumindest erwähnt er das in dem Buch, benützt zu haben.

Interessant, interessant, obwohl ich mich für die Geschichte nicht mehr so interessiere und die französische Revolution für eine sehr blutige halte, so daß ich eigentlich gar nicht verstehen kann, daß sie heute noch am vierzehnten Juli gefeiert wird, habe ich auch schon einiges gelesen, am Pfingstmontag vor ein paar Jahren  Victor Hugos „1793 Frankreichs Schreckensjahr“ beispielsweise, das ich während des Lesemarathon, den ich damals machte, im Schrank gefunden habe und Joseph Fouche und Marie Antoinette passen zeitlich auch  zusammen, hat er ja das Todesurteil des französischen Königs unterzeichnet oder ausgerufen, der 1759 geborene, wie Zweig betont, häßliche Mann, der die unteren kirchlichen Weihen erhielt, eine zeitlang Mathematik in Priesterseminaren unterrichtete, bevor er sich der Revolution anschloß, zum Schlachter von Lyon wurde, Kirchen plünderte und dann zuerst Polizeiminister der Revolution wurde, Robespearre hat er auch zum Sturz gebracht. Dann war er zweimal ein solcher unter Napoleon, wurde von dem aber versetzt, als er  selbständig Friedensverhandlungen begann, ein gigantisches Spitzelwesen, wo er alle überwachte, hat er vorher auch noch eingeführt. Er der zuerst ein kommunistisches Manifest schrieb, die allgemeine Armut verordnete, wurde dann zum Millionär und zum Herzog, stürzte danach auch Napoleon, führte die Bourbonen wieder ein, die ihm aber den Königsmord nicht verziehen, so wurde er nach Linz versetzt, wo er sich mit seinen Verteidigungsschriften beschäftigte, beziehungsweise seine Memoiren schrieb.

Wenn man kurz vorher Stefans Zweig leidenschaftliche Novellen und seine sehr ehrliche Biografie gelesen hat, wird man den Stil vielleicht ein wenig trocken finden, die „Amazon Rezensenten“ schreiben allerdings etwas „von spannend von der erste Seite an“, wahrscheinlich liegt es auch am Gegenstand, der Darstellung des „Bildnis eines politischen Menschens“, wie der Untertitel heißt.

Interessant ist natürlich all das Faktenwissen. Zweig zieht auch Schlüße und macht Feststellungen. Der Aufstieg und der Fall eines französischen Polizeiministers zur Zeit der französischen Revolution interessiert mich aber heute nicht mehr sehr, spannender vielleicht die Verbindungen zum ersten Weltkrieg, die Zweig an ein paar Stellen zieht und spannend auch die Vielseitigkeit Zweigs, des überzeugten Europäers und spannend mich durch sein Werk zu lesen, das ich höchstwahrscheinlich demnächst mit dem 1941 geschriebenen „Brasilien-ein Land der Zukunft“, das vermutlich wieder eine andere Facette seines literarischen Schaffens zeigt, beschließen werde.

2016-05-14

Erstes Erlebnis

Gleich geht es weiter mit Stefan Zweig und seinen Novellen der Leidenschaft  „Erstes Erlebnis-vier Geschichten aus Kinderland“, 1930 im „Insel-Verlag“ in Leipzig erschienen.

Ein Buch aus der 41- 46 Tausender Auflage, Stefan Zweig war ein sehr gelesener Autor, von denen viele vielleicht auch am 10. Mai 1933 in den deutschen Städten brannten.

Meines hat ein  Dipl. Ing. aus dem sechsten Bezirk besessen und ich habe es, vielleicht eine Verlassenschaft, schon vor längerer Zeit in einem der Schränke gefunden, man sieht, auch bei mir gibt es Lesespuren und ein Archivieren, so habe ich es bezüglich meines Stefan Zweigs Schwerpunkts herausgeholt und mich in die alte Schrift eingelesen.

„Vier Geschichten aus Kinderland“, das scheint mir etwas untertrieben, denn die meisten der Erzählungen handeln von Pubertierenden und sie behandeln, dann stimmt es wieder „Das erste Erlebnis“ zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben und wir können raten, vergleichen und herausfinden, was in Zeiten der vielen Traumatisierungen nach einem möglichen oder tatsächlichen Mißbrauchs inzwischen anders geworden ist.

Das Buch ist Ellen Key, einer 1926 verstorbenenen schwedischen Reformpädagogin, „In herzlichem Gedenken der hellen Herbsttage von Gagni di Lucca“ gewidmet und beginnt mit einem Gedicht:

„O Kindheit, wie ich hinter deinen Gittern,

Du enger Kerker, oft in Tränen stand,

Wenn draußen er mit blau und goldnen Flittern

vorüerzog, der Vogel Unbekannt“,

da nichts anderes dabei vermerkt ist, nehme ich an, es ist von Stefan Zweig, sonst würde ich es Rilke zuschreiben, beziehungsweise es mich an den „Panther“ erinnern.

Es mit der „Geschichte in der Dämmerung“, wie die nachfolgende „Gouvernante“, schon in den „Novellen der Leidenschaft“ enthalten, aber dieses wurde erst 1966 von S Fischer, verlegt, meines war eine „Donaulandausgabe“ und erinnert  den „Brief einer Unbekannten“ oder „An die Frau und Landschaft“

Sie wird in der Dämmerung vom Erzähler erträumt, hat er sie aus einem Buch gelesen oder von einem Bekannten erzählt bekommen? Da kommt jedenfalls das Bild eines fünfzehnjährigen Knaben, der in Schottland in der Dämmerung die Treppen eines Schloßes hinabsteigt und in den Garten geht, dort hat er eine erotische Begnung. Eine Frauengestalt schmiegt sich an ihn, küßt und herzt ihn und verschwindet. Er forscht unter den anwesenden Frauen, eine Gräfin, eine Tante, drei Cousinen nach, wer es gewesen sein könnte? In der nächsten Nacht trifft er sie wieder und presst das Medaillon ihres Armbandes in seine Haut, es ist achteckig und seine Cousine Margot trägt am nächsten Morgen ein solches, er spricht sie beim Ausritt darauf an, sie reagiert unwirsch, meint er wäre ungezogen, ihre Schwester Elisabeth reagiert besorgter und am Abend kommt es zur nächsten Begegnung und weil in Margots Zimmer  noch Licht brennt, steigt er auf einen Baum, um mit ihr zu sprechen, fällt aber hinunter, bricht sich das Bein und die Schwestern  besuchen ihn dann in den Wochen, wo er in seinem Zimmer stillsitzen muß. Einmal, er hat die Augen geschloßen, es kommt eine Besucherin und streicht über seine Hand, als er sie öffnet, erkennt er mit Schrecken, es ist Elisabeth und nicht Margot, die eine liebt er, die andere ihn. Der Sommeraufenthalt ist bald vorüber, die beiden Schwestern heiraten später und Bob irrt rastlos durch die Welt.

„Die Gouvernante“ hat mich bis auf ihren etwas rührseligen Schluß sehr gepackt, denn klarer kann man vielleicht nicht in die Schlafzimmer der bürgerllichen Wohnungen mit ihren verschiedenen Stände blicken, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts blicken.

Das sind zwei namenlose Kinder, zwei Mädchen zwölf und dreizehn Jahre alt, liegen im Bett und sprechen von ihrem „Fräulein“, das ebenfalls keinen Namen hat. Den hat nur der Cousin Otto, ein Student, der in der Familie wohnt und dem, plaudern die beiden Mädchen aus, scheint das Fräulein zu gefallen, kommt er doch oft zu ihnen, wenn sie mit ihr in den Prater, im Stadtpark oder Volksgarten spazierengehen. Dann erlauschen sie ein Gespräch zwischen ihm und ihr und die Ältere kennt sich nicht aus, denn das Fräulein spricht von einem Kind, das sie hat. Wo ist es, denn das haben ja nur die verheirateten Frauen und sie ist mit Otto ja gar nicht verheiratet. Der zieht auch bald aus, um ungestört zu Ende zu studieren,  die Mutter bittet das Fräulein in ihr Zimmer und entläßt die „unmoralische Person“. Die ist verstört, die Kinder sind es auch, beschließen noch vor dem Frühstück aufzustehen und ihr einen Strauß weißer Rosen in ihr Zimmer zu legen, weil sie ja, wenn sie von der Schule kommen, schon fort sein könnte. Allein, das Zimmer ist leer, die Sachen durcheinender geworfen, es gibt einen Abschiedbrief. Jetzt reagiert auch die Mutter, Otto wird geholt und den Kindern wird wieder nichts rechtes erklärt, so daß sie sich verstört von den Lügen der Erwachsenen abwenden, aber selbst schon etwas unwahr werden und sich vielleicht später in ihrer Hochzeitnacht, die Geheimnisse erklären können. Stefan Zweig hat ja auch in der „Welt von Gestern“ sehr deutlich von den Unterschieden in der Erziehung der männlichen und weiblichen Jugend geschrieben. Den heranwachsenden Knaben werden hübsche Dienstmädchen engagiert, damit sie sich nicht im Bordell anstecken müßen, den Mädchen kann passieren, daß sie in der Hochzeitsnacht erschrocken nach Hause laufen und „Er hat versucht mich zu entkleiden!“, rufen.

Ein bißchen fies erscheint heute vielleicht die „Sommernovellette“ eine kleine Geschichte, die der Erzähler in Italien von einem älteren Herrn berichtet bekam. Der scheint sehr anspruchsvoll und auch gelangweilt, sucht niemals die gleichen Orte auf, aber in dieser Pension war er schon vor Jahren. Damals wohnten dort zwei Damen mit einer heranwachsenden Sechzehnjährigen, die sich sichtlich langweilte und in den ewig gleichen zwei Gedichtbänden „Goethe und Baumbach„, nie von ihm gehört, blätterte. Da „erbarmte“ er sich ihrer oder machte sich einen Scherz .Er schrieb ihr Liebesbriefe und beobachtete darauf am Tisch ihre Reaktion und das Wunder geschah, sie blühte auf. Er trieb das Spiel weiter, erfand den Liebhaber in den Nachtbarort, so daß sie die ankommenden Schiffe zu beobachten begann. Später mußte sie abreisen und wird wahrscheinlich auch geheiratet haben und der Erzähler meint, daß sein Interesse nicht dem Mädchen oder dem jungen Mann der dann tatsächlich mit einem der Schiffe ankam, gegolten hätte, sondern der Psyche des Briefschreibers und daß er die Novelle mit ihm weitergeschrieben hätte.

Dazwischen gibt es die längste Novelle „Das brennende Geheimnis“, das auch in der „Arte-Dokumentation“ erwähnt wurde, 1911 erschienen, 1933 als die Bücher brannten, schreibt Zweig, glaube ich, in der Welt von gestern, lief der Film gerade in den Beriner Kinos und die Menschen strömten hin.“

„Hoffentlich die Treue! Sie ist kein leerer  Wahn!“, hat jemand, der Diplomingenieur oder seine Frau vielleicht, in Kurrentschrift darüber geschrieben und man kann die Geschichte hundert Jahre später, sicher wieder in sehr vielen Schichten betrachten und interpretieren.

Da fährt ein Baron  in den Frühjahrsurlaub auf den Semmering, langweilt sich, schaut die Gästeliste durch, da ertönt auf einmal eine weibliche Stimme ruft  „mit affektieren Akzent“ „Mais tais -toi docc, Edgar!“, das ist die Mama, die mit dem kränklichen Sohn, selbstverständlich nur französisch spricht, obwohl sie offenbar, den damals üblichen weiblichen Bildungsansprüchen entsprechend, gar nicht so gut kann und der Jagdinstinkt ist geweckt. Aber wie kann er an die Frau heran, die sich ein Ansprechen, wieder nach den damaligen Sitten verbieten würde?

Er versucht es über den Zwölfjährigen, der sich in der Einsamkeit der Bergwelt ohnehin schon langweilt, geht mit ihm spazieren, verspricht ihm einen Hund und kommt so, wie gewünscht mit der Mutter in Kontakt. Enttäuscht wird der Kleine, als die Beiden am nächsten Tag dann keine Zeit mehr für ihn haben, ihn auf die Post schicken und, als er zurückkommt, sieht er sie in den Wagen steigen, obwohl die Mutter ihm zu warten versprochen hat.

Das weckt nun die Jagdinstinkte des Kinde, er ahnt das Geheimnis, das er offenbar noch gar nicht versteht, will ihm aber auf die Spur kommen, stellt den Baron, als die Zwei zurückkommen in der „Hall“ zur Rede, muß daraufhin allein im Zimmer speisen, springt aber aus dem Fenster und schlecht den Beiden nach und als die Mama dann doch, zögernd natürlich, dem Baron in sein Zimmer folgen will, steht er bereit und schlägt ihn nieder.

Am nächsten Tag, der Baron ist abgereist, soll er einen Entschuldigungsbrief schreiben, er tut es nicht, sondern fährt mit den zwanzig Kronen, die er mal bekommen hat, nach Baden zu der Großmama. Dort erwartet ihn der strenge Papa, auch ein Rechtsanwalt und stellt ihn zur Rede. Als er alles sagen will, sieht er hinter ihm das Gesicht der Mutter, die ängstlich schaut und den Finger auf die Lippen legt. Da sagt er nichts und entschuldigt sich nur und fängt wahrscheinlich erst viel später zu begreifen an, daß er die „Unschuld“ der Mutter gerettet hat und die sich nun, wie Stefan Zweig weiter schreibt „ein Gelöbnis der alternden Frau (wahrscheinlich ist sie fünfunddreißig), daß sie von nun ab nur ihm, ihrem Kinde gehören wollte, eine Absage an das Abenteuer, einen Abschied von all en eigenen Begeherlichkeiten“ gibt.

Interessant diese Talfahrt der erwachendenen, beziehungsweise erschlummernden Gefühle, das Erwachsenwerden der bürgerlichen Kindheiten vor hundert Jahren und das Beobachten was sich alles inzwischen geändert und vielleicht doch, wenn auch in veränderter Form, gleichgeblieben ist.

Interessant auch die Auffmachung und die Zusammenstellung des Bandes, das Widmung für die Reformpädagogin  und das Gedicht an die Kindheit, denn es sind ja alles, irgendwo habe ich gelesen, an Schnitzler angelehnte, erotische Geschichten, die aus der Perspektive des Kindes erzählt wurden.

Und dazu noch ein Bonmot aus den heutigen Tagen, vor ein paar Wochen bin ich im Literaturhaus beim Wein gestanden und habe einer Erzählung zugehört, wo ein Mädchen den Stiefvater nur mit einem Anagramm anredet, also seinen Namen rückwärts ausspricht.

„Sie lehnt ihn ab!“, habe ich interpretiert und noch dazu kreativ, antwortete die Erzählerin, hier hat der Junge, die „Ehre seiner Mutter verteidigt, was heute vielleicht ein wenig kitschig klingt und hat dabei auch, wie Zweig andeutet, die eigene Erotik gespürt und ist, wie er weiterschreibt, frühzeitig erwachsen geworden.

2016-05-13

Novellen der Leidenschaft

Nach den Spätwerken geht es wieder zurück in Stefan Zweigs Schaffen, mit der „Donauland-Ausgabe“ „Novellen der Leidenschaft“, die mit einem Nachwort von Richard Friedenthal, zehn seiner berühmten Novellen enthält.

In dem Nachwort wird die „Welt von Gestern“ beziehungsweise Zweig zitiert, wie er in Amerika, sich vorstellend er sei ein armer Einwanderer durch New York wandelte und so wahrscheinlich Stoff für seine  Erzählungen fand,  die er dann zu seinen meisterhaften Novellen verdichtete.

Der 1930 bei Insel erschienenen Band „Erstes Erlebnis“ wird erwähnt, der als Nächstes auf meiner Leseliste steht und dann geht es los mit der 1922 erstmals veröffentlichen Erzählung „Der Amokläufer“ mit der ich, ich muß es bekennen meine Schwierigkeiten hatte.

Die Klarheit würde ich es definieren, die mir sowohl in der „Ungeduld des Herzens“ als auch besonders in der „Welt von Gestern“ so gefallen hat, geht mir hier ab und ich weiß ich nicht, ob ich es damit begründen kann, daß es halt ein Frühwerk ist.

Die Novelle ist, habe ich, gelesen und in der „Arte-Dokumentation“ gehört, unter dem Einfluß Freuds entstanden, das kann ich nachvollziehen, logisch erscheint mir diese Geschichte einer „Besessenheit“, aber nicht und aus heutiger Sicht gesehen, wahrscheinlich auch ein bißchen rassistisch.

Es gibt einen Erzähler, der fährt 1912 mit einem Schiff von Kalkutta nach Europa zurück undhat da des Nachts auf dem Deck eine seltsame Begegnung mit einem seltsamen Mann, der ihn zuerst bittet, er soll nichts von seiner Anwesenheit erzählen, ihm in der nächsten Nacht dann seine Geschichte erzählt, dabei eigenartig wirkt.

Er ist Arzt und hatte in Leipzig, wo er in einem Spital arbeitete,  Schwierigkeiten mit den Frauen und dem Gesetz, so mußte er sich nach Indonesien in die Kolonien versetzen lassen, lebte da sieben Jahre in der Wildnis, ohne weiße Frauen, nur von “ gelben Weibern“  und Whisky umgeben.

Dann kommt eines Tages eine verschleierte Dame zu ihm und bittet ihn, um eine Abtreibung, beziehungsweise bietet sie ihm zwölftausend Gulden dafür, wenn er danach verschwindet.

Er will sie aber haben, sie verläßt beleidigt sein Haus, er fährt ihr nach in die Stadt, gebährdet sich wieder seltsam und begründet das seinem Zuhörer mit „Amok“, „einer Art Trunkenheit bei den Malaien“, die man eben  in den Tropen durch die Hitze oder die Abstinenz der weißen Frauen so bekommt.

Die Dame hat sich inzwischen zu einer chinesischen Kurpfuscherin begeben und liegt in ihrem Blut, der Arzt wird geholt, sie stirbt in seinen Händen, aber nun hat sie ihm das das Versprechen abgenommen, daß ihr Mann, der ein paar Tage später aus Holland zurückkommt, von ihrer Schande nichts wissen darf, so bedroht oder besticht er den Amtsarzt, der ihren Tod feststellen muß, um einen falschen Totenschein, läßt dann alles stehen und liegen und geht auf das Schiff, wo sich der Ehemann mit dem Sarg ebenfalls befindet, so versteckt er sich und hält sich nur in der Nacht auf dem Deck aus, erzählt  seine Geschichte und verschwindet dann wieder, beziehungsweise kommt es in Neapel, als alle an Land gehen, zu einem Vorfall, als der Sarg ausgeladen werden soll, stürzt sich „ein Irrsinniger“ auf ihn und reißt den Witwer ins Wasser, der wird gerettet, der Sarg  geht unter und eine männliche Leiche wird dann auch gefunden.

In den Rezensionen, die ich gelesen habe, wird die Meisterleistung des Erzählers gerühmt, logisch erscheint mir diese Besessenheit, die aus einem ziemlichen Zick-Zack besteht, aber nicht, sondern eher,  aus dem Kopf, in dem Bestreben eine psychologische Erzählung zu verfassen, nachempfunden.

In „Die Frau und die Landschaft“, die ich fast eine wenig, wenn es auch ganz anders ist,  mit der „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ vergleichen möchte, kann ich die Psychologie der Leidenschaft, wenns auch für den heutigen Geschmack wahrscheinlich kitschig ist und vielleicht  deshalb zu dem Rauswurf aus dem Kanon führte, besser nachvollziehen. Hier steht der, es gibt wieder einen auktorialen, Erzähler in Tirol in einem heißen Sommer vor dem Hotel und wartet auf den Regen, hinter ihm steht ein junges Mädchen, die Tochter seiner  Tischnachbarn, eine bürgerliche Familie und wartet auch, der Regen kommt nicht gleich, beim Essen wundert sich der Erzähler über die Gleichgültigkeit der Hotelgesellschaft, dann geht er spazieren und, als er spät in sein Zimmer kommt, findet er die Schöne in einem somnabulen Zustand in seinem Zimmer, es kommt fast, aber doch nicht ganz zur Verführung, das einsetzende Gewitter hindert ihn daran, sie erwacht,erflieht in der Helle des Blitzes. Am nächsten Morgen sitzen sie sich im Speisesaal gegenüber und sie sieht ihn fragend an.

Ja, so warns, die Phantasien der bürgerlichen junge Männer zu Anfangs des vorigen Jahrhunderts, die noch dazu Freud gelesen haben, könnte ich jetzt vorlaut unken, gehe aber weiter zum „Brief einer Unbekannten“, ebenfalls 1922 erschienen, die auch verfilmt worden sein dürfte, jedenfalls gibts bei „Arte“ daraus einen Auszug und die psychologisierte Leidenschaft geht weiter. Da kommt diesmal der Schriftsteller R. aus dem Gebirge zurück, sein Diener gibt ihm einen Brief und die Unbekannte schreibt ihm, daß ihr (gemeinsames) Kind gestorben ist und gesteht ihm ihre Liebe. Als sie dreizehn war, ist er in das Haus gezogen, wo sie mit ihrer Mutter lebte und der Backfisch verliebte sich in ihm, als er zu ihr „Danke Fräulein!“, sagte, nachdem sie ihm eine Tür öffnete. Sie steht fortan am Spion um ihn, seine Bekannten und Besucherinnen zu beobachten, als sie sechzehn ist, heiratet die Mutter wieder und zieht mit ihr nach Tirol. Sie kommt als Angestellte eines Geschäftes wieder nach Wien zurück und geht täglich nach der Arbeit vor sein Haus, einmal spricht er sie an, nimmt sie mit in sein Zimmer und wundert sich, daß sie gleich arglos mitkommt ohne das sonst so übliche schamhafte Verhalte zu bemühen. Das wiederholt sich ein paarmal, dann geht er auf Reisen und meldet sich nie mehr. Sie bekommt das Kind, läßt sich, um ihm eine gute Ausbildung zu ermöglichen, von anderen Männern aushalten, schickt ihm aber jedes Jahr zum Geburtstag einen Strauß Rosen. Bei einer Gesellschaft sieht sie ihn dann nochmals wieder und geht nochmals mit ihm und jetzt liest er den Brief, den er nach ihrem Tod bekommen hat und wundert sich, daß diesmal keine Rosen kamen.

Mit der „Mondscheingasse“ geht es weiter und die ist nicht im siebenten Bezirk, sondern irgendwo an einer Küste, war ja Stefan Zweig ein weitgereister Mann und er ist wahrscheinlich wieder der Erzähler, kommt an Land, geht in die hintersten Gassen der Hafenstadt, wo es keine elektrische Beleuchtung mehr gibt spazieren und gerät in eine Art Bordell, von einer Frauenstimme angelockt, die den „schönen grünen Jungfernkranz“ aus dem „Freischütz“ auf Deutsch singt, obwohl man in dieser Stadt Französisch spricht. er folgt der Stimme nach, gerät zu dem Haus, das gerade ein verstörter Mann verläßt, er geht hinein, läßt sich von der Schönen ein Bier kredenzen, der Mann kommt wieder hinein und sieht sie flehentlich an, sie verhöhnt ihn, nennt ihn geizig, kuschelt sich an den vermeintlichen Freier. Aber der Erzähler veräßt auch das Lokal um sich von dem Mann, der ihm dann zu seinem Hotel begleitet seine Geschichte zu erzählen.

Dann folgen die Novellen „Geschichte der Dämmerung“ und „Die Gouvernante“, die auch mit dem „Brennenden Geheimnis“ in  den „Kinderland-Band“ enthalten sind, so daß ich sie, um diesen Blog nicht zu lang werden zu lassen, ausließ und gleich zu „Buchmendel“ übergegangen bin, wo es um eine andere Art von Leidenschaft geht, die Erotik scheint jetzt schon vorbei, denn „Buchmendel“ ist ein alter galizischer Jude, der für nichts anderes als für Bücher Gedanken hat, so daß er gar nicht mitbekommen hat, daß in Wien und in dem Cafe Gluck, wo er täglich sitzt, der erste Weltkrieg längst ausgebrochen ist, er schreibt weiter Briefe nach Frankreich und nach England, um Bücher zu bestellen oder sich zu beschweren, daß sein bezahlten Abonnent nicht eingetroffen ist, diese Briefe erwischt die Geheimpolizei und weil er auch noch russischer Staatsbürger ist, wird er als Feind verhaftet und kommt in ein KZ und als er zwei Jahre später zerstört wieder zurückkommt, hat das Cafe Gluck einen anderen Bezsitzer und er wird als Schnorrer hinausgeschmissen.

„In unvermutete Bekanntschaft mit einem Handwerk“ können wir vielleicht wieder erfahren, wie Zweig zu seinen Geschichten kam, er sitzt, im April 1931 in einem Pariser Straßencafe und beobachtet ein merkwürdiges Bürschlein mit einem gelben Anzug. Wer ist es? Zuerst denkt er an einen Detekiven, dann vermutet er einen Taschendieb und folgt seinen Spuren nach.

Weiter gehts mit der Leidenschaft der „Angst“ und den Methoden eines an der Psychologie interessierten Rechtsanwaltes, der seiner Frau eine diesbezügliche Lehre gehen will. So schickt er ihr, als sie verschleiert, die Wohnung ihres Liebhabers verlassen will, eine junge Schauspielerin, die sie erpresst, ihr Briefe schreibt, immer mehr und mehr von ihr verlangt, während er mit den Kindern, das Mädchen hat das Pferdchen des Bruders in den Ofen gesteckt, eine Gerichtsaufführung demonstriert, um ihr dann, als sie sich in der Apotheke schon das Gift besorgt, verstehend zu folgend und ihr alles erklärt.

Ein umgekehrter Leutnant Gustl, glaube ich und wahrscheinlich eine der ersten Erzählungen dieser Zeit, die Novelle wurde 1910 geschrieben, die sich mit den Gefühlen einer Frau beschäftigt, ich weiß, „Effi Briest“ und „Madame Bovar“y habe ich noch nicht gelesen. Der Ton der Geschichte erscheint mir wieder frisch und erstaunlich modern. Die Frau tut mir leid, denn was soll sie, aus bürgerlichen Haus,  vermögend, aber an ihr Geld kommt sie nach den damaligen Gesetzen ohne Einverständnis des Mannes nicht heran, tun, eine Ohrfeige geben und ihn verlassen, wird sie sich nicht trauen und nicht können, da der Liebhaber als sie ihn verzweifelt besucht, gerade bei einem Schäferstündchen ist und nur „Gnädige Frau“ zu ihr sagt, so wird sie wahrscheinlich mit Schuldgefühlen weiterleben und wir können uns nur freuen, daß unsere Gesellschaft hundert Jahre später diesbezüglich etwas offener geworden ist, so daß sich die Ehebrecherinnen nicht mehr verschleiert aus den Türen ihrer Liebhaber schleichen, müßen, wo dann die Erpresserinnen lauern.

Um die Psyche, in diesem Fall, um Krankheit, Schmerz und Älterwerden, geht es auch in „Untergang eines Herzens“, 1926 geschrieben und ist vielleicht wieder etwas schwer verständlich. So würde ich es jedenfalls anders deuten, als im „Wikipedia-Eintrag“ steht.

Da ist ein alter Mann, Jude, der, wie „In der Ungeduld des Herzens“ reich geworden ist, aber unter der Armut seiner Jugend, seiner Ungebildetheit, er spricht im Gegensatz zu seiner Frau und seiner Tochter, die das selbstverstränlich lernten, kein Französisch, leidet. Jetzt ist er alt, fünfundsechzig, heute müßte man das wohl zwanzig Jahre hinaufdrehen, leiet an Gallenkrämpfen, fährt aber nicht, wie vom Art geraten zur Kur nach Karlsbad, sondern mit der Famalie nach Italien, damit sich die amüsieren. Nachts sieht er die Tochter aus dem Zimmer eines vermeintlichen Liebhabers schleichen, ob das wirklich so ist, bin ich mir nicht sicher, das löst bei ihm aber einen Wirbel der Gefühle aus, er will abreisen, die Frau lacht ihm aus, die Tochter sagt einige Male, „Was hast du, Papa?“, zu ihm, die Frau schüttelt den Kopf und meint nur, daß er gratig ist und sich besser kleiden soll.

Er reist allein ab, die Familie kommt dann aber nach, denn irgenwer muß das Hotel ja zahlen, er zieht sich in seiner Wohnung immer mehr zurück, geht nicht mehr ins Geschäft, benützt die Dienertreppe, geht aber in den Tempel und, als der Arzt sagt, jetzt muß man doch operieren, geht er an das Grab der Eltern, verschenkt sein Geld an Bettlein und verstirbt danach im Spital. Zu einer Versöhnung mit seiner Familie ist es nicht mehr gekommen.

Eigentlich auch eine sehr starke Geschichte, die ich mir weniger mit der Erotik der Tochter, als mit dem Älter werden, vielleicht sogar mit einer möglichen Demenz, aber über die hat man damals wahrscheinlich noch nicht geschrieben, deuten würde. Die Schuldgefühle oder die Unzufriedenheit des alten Mannes wegen des nicht gelebten Lebens, immer nur Geld „ruacheln“ und es dann nicht für sich ausgeben, solche Motive gibt es ja auch bei der „Ungeduld“ und beim „Buchmendel“.

Starke Geschichte der inneren Gefühle, diese Novellensammlung, die alle wahrscheinlich früher in anderen Ausgaben erschienen sind, die gegen Ende immer dichter werden und sicher auch heute noch gelesen werden sollten und ich wiederhole es, Stefan Zweig doch als großen Autor ausweisen, der neben Michael Felder in den Kanon gehört.

2016-05-06

Die Welt von Gestern

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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Jetzt kommt etwas, was ich eigentlich ganz selten mache, nämlich ein Buch zum zweiten Mal lesen. Stefan Zweigs „Die Welt von gestern,“ im Exil geschrieben, 1942 nach seinem Tod erschienen und eine „Büchergilde Gutenberg Ausgabe“ aus dem Bücherschrank meiner Eltern aus dem Jahr 1952, habe ich schon nach meiner Matura gelesen und es hat mich, kann ich mich erinnern, sehr beeindruckt.

In Ö1 wurde es auch ein paar Mal gesendet, so daß es mir eigentlich gut präsent geblieben ist und ansonsten habe ich in den letzten Jahre  eigentlich öfter gehört, daß der1881 geborene Stefan Zweig nicht so ein guter Schriftsteller ist, so daß ich wahrscheinlich, was mir jetzt leid tut, einige sehr Ausgaben in den Bücherschränken liegen gelassen habe.

Die „Schachnovelle“ habe ich aber schon vor Jahren gefunden und gelesen, Volker Weidermann hat vor ein paar Jahren ein Buch mit dem Namen „Ostende“ über das Exil einiger Schriftsteller, wie Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun, Hermann Kesten, 1936 in dieser Küstenstadt geschrieben und bei „Arte“ gab es vor einige Monaten eine Dokumentation, die ich gesehen habe.

Als ich dann nach „Paul und Paula“ etwas Neues schreiben wollte, ist mir  die Idee gekommen, ein paar Schriftsteller oder Romanfiguren wiederauferstehen zu lassen. Kafka steht da irgendwo in meinem Notizbuch, aber auch Heimitio von Doderer, den ich als Studentin viel gelesen habe und Stefan Zweig und dann war ich erst einmal eine Weile entmutigt, denn man kann ja eigentlich keinen Roman über Sachen oder Leute schreiben, über die man nicht viel weiß oder nicht viel versteht.

Zu Ostern bin ich dann in demn Harlander Bücherregal fast zufällig auf die „Welt von Gestern“ gestoßen, habe mir auch noch das „Doder-Buch“ herausgesucht und Anne Franks „Tagebuch“, das ich vor zwei Jahren gelesen habe und habe das nach Wien mitgenommen.

Mir noch einmal die „Arte-Dokumentation“ angeschaut und mir dann von Zweig herausgesucht, was ich in den Regalen hatte, zwei Novellenbänden, die Biografie „Fouque“ und als ich vor zwei Wochen wieder in Harland war, habe ich noch den Roman „Die Ungeduld des Herzens“ mitgenommen und gelesen.

Dann bin ich darüber informiert worden, daß im Juni ein Film „Vor der Morgenröte“ über Stefans Zweigs Jahre in Amerika und Brasilien, wo er sich ja umgebracht hat mit Josef Hader in der Titelrolle erscheinen wird.

Den könnte ich mir in Hamburg, München, Leipzig oder Berlin etcetera in einer Presseaufführung ansehen,  man kann aber auch Zweigs späte, im Exil geschriebene Bücher, wie die „Schachnovelle“, die „Welt von Gestern“ oder „Brasilien“ anfordern, letzteres habe ich getan und obwohl ich jetzt, ich weiß nicht genau warum, schneckenlangsam lese, habe ich  mit dem „Wiederlesen“ des wirklich sehr beeidruckenden Buches begonnen und beeindruckend ist für mich vor allem, das 1941 oder 1942 im Exil, Zweig schreibt von Hotelzimmers, ohne seine Bibliothek und seine Autographen nur aus dem Gedächtnis geschrieben wurde und aus der Erschütterung heraus, die „Welt von Gestern“ gibt es nicht mehr, in Europa herrscht Krieg und wohin der führt und wie lange er dauert, hatte der über Sechzigjährige keine Ahnung und weil er sich mit seiner zweiten Frau Lotte im Februar 1942 in dem Haus, in Petropolis, das jetzt ein Museum ist, umbrachte, sollte er die auch nie bekommen.

So geht er zurück in sein Leben, in die verlorene Zeit, in das Wien, wo er als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Fabrikantenfamilie, die Mutter war Italienerin, 1881 geboren wurde und beschreibt diese Zeit, als eine der Sicherheit und der Solidität, wo nur das Alte Wert hatte. Die Männer Bärte trugen die Frauen Korsette und da kam er ins Gymnasium, wie alle Söhne gutbürgerlichr Familien und wurde von alten Herren über Sachen unterrichtet, die ihn nicht interessierten, denn ihn und seine Klassenkameraden interessierte die Kunst.

Hoffmannsthal war damals sechzehn undgalt als Wunderkind und war das Idol der dichtenden Gymnasiasten, die seine und Rilkes Bücher unter dem Schulpult lasen.

Alle haben gedichtet oder wollten Schauspieler werden, zu Ruhm hat es in der Klasse nur Stefan Zweig gebracht und nach der Matura erwartete die Familie von ihm, daß er studierte.

Der ältere Bruder hat die Firma übernommen. Er wählte die Philosophie, weil es das leichteste Fach war und kümmerte sich drei Jahre lang nicht um sein Studium, sondern gab den ersten Gedichtband heraus, lernte in der  „Neuen freien Presse“, der bedeutensten Zeitung Theodor Herzl kennen, reiste nach Berlin, um auch dort die jungen Dichter kennenzulernen, begann Verlaine und andere Dichter zu übersetzen.

Dann schrieb er eine Dissertation, wurde Her Doktor und reiste nach Paris, die Stadt der ewigen Jugend, wie er schreibt und die es 1942 so nicht mehr gab und nach London.

Dazwischen gibt es  ein Kapitel, wo die Sexualität der damaligen Zeit und  der bürgerlichen Stände beschrieben wurde. Die Mädchen wußten von nichts, wurden mit Klavierspielen, etcerta, abgelenkt, dann verheiratet und da konnte es dann passieren, daß sie in der Hochzeitsnacht verstört zu Hause wieder auftauchten und „Er hat versucht mich auszukleiden!“, kreischten.

Die Burschen hatten es nur scheinbar besser, denen wurde das Ausleben der Triebe zwar zugestanden. Die besseren Kreise hielten für die Söhne ein hübsches Dienstmädchen, die anderen luden die armen Ladenmädel in die Separees ein oder gingen in die Bordelle und mußten aufpassen, daß sie sich nicht die Syphilis holten, sie keine Alimente zahlen mußten, etcetera.

Danach gab es, wie Zweig schreibt, einen Sprung, denn 1942 hatte sich das geändert. Die Frauen hatten sich die Zöpfe abgeschnitten und die Korsette abgelegt. Sie durften dann ja auch schon studieren. Das war also besser, während sonst ja die Barbarei herrschte, die Zweig, die Autographen und die Heimat stahl.

Aber vorläufig ist er als junger Mann herumgereist und hat Gedichte und Novellen, noch nicht Romane geschrieben, aber dramatische Werke und da gibt es ein Kapitel, wo die größten Schauspieler der damligen Zeit Joseph Kainz und Alexander Moissi, beispielsweise, ihn um Stücke baten, aber dann vor der Aufführung alle gestorben sind, was ihn abergläubisch machte.

Es kommen Reise nach Indien und Amerika und dann beginnt der erste Weltkrieg.

Zweig schildert die Affaire Redl und schreibt von einer Begegnung mit Berta von Suttner, der Friedensmahnerin, die keiner ernst nimmt und vergleicht die Euphorie der Massen, die damals herrschte mit der gedämpften Erwartung des Kriegsausbruchs von 1939.

Der Juli 1914 war ein sehr schöner mit dem besten Wein, der, wie ein alter Weinbauer nichtsahnend erklärte, in Erinnerung bleiben wird.

Zweig hat ihn in Baden verbracht und in „Die Ungeduld des Herzens“ dann noch einmal beschrieben.

Er war kriegsuntauglich, aber irgendwie ambivalent, so meldete er sich für das Kriegsarchiv, vermittelte dorthin auch Rilke, der aber wegen seiner Sensibilität und Feinfühlickeit bald entlassen wurde.

Mit Romain Rolland wird er zum Kriegsgegner, schreibt ein Theaterstück dagegen „Jeremias“, das 1917 in Buchform erscheint und dann im kriegsfreien Zürich aufgeführt wird.

Nach dem Krieg kommt er in das arme Österreich, nach Salzburg, wo er sich ein Haus gekauft hat, das wir bei unserem letzten Salzburg-Aufenthalt gesehen habe und beschreibt in einem fast ironischen Ton, die Veränderungen die der erste Weltkrieg gegenüber der Zeit in der er aufgewachsen ist, brachte. Die Zöpfe wurden abgeschnitten, nur die Jugend regiert. „Homoseuxalität wird Mode. Die Musik suchte starrsinnig eine neue  Tonalität und spaltete die Takte, im Tanz verscxhwand der Walzer  vor cubanischen und negroiden Figuren, im Theater spielte man Hamlet im Frack und versuchte explosive Dramatik.“

Dazu kam noch die Inflation, die das Land in Aufruhr brachte.

Zweig, der einige Jahre mit dem Schreiben seiner Novellen „Amok“ und „Brief einer Unbekannten“, beispielsweise in Salzburg verbrachte, fuhr nach 1921 wieder ins Ausland und wurde berühmt. Seine Bücher wurden in großen Auflagen gedruckt und übersetzt. Ein Erfolg, der ihm Hitler dann genommen hat, der ihn ja bei Bücherverbrennung auch auf seine Liste setzte.

1928 war er auf Einladung eines Schriftstellerkongreßes in der SU und wurde bei seiner Rückkehr gerügt, daß er nicht Partei ergriffen hat, Lion Feuchwanger hat in einem Buch die SU glaube ich, sehr gelobt, Zweig schreibt von all den freundlichen begeisterten Menschen, die ihm, obwohl sie kaum lesen konnten, die Bücher von Marx und Hegel hinhielten, von den vielen Studenten von denen er umringt war und einen Brief, den er dann in seiner Tasche fand, „Lassen Sie sich nicht täuschen und verbrennen Sie ihn, denn wenn Sie ihn nur zerreißen, wird er widerzusammengesetzt!“

Dann kommt Hitler in Deutschland an die Macht und Zweig kann das in Salzburg, wo es inzwischen auch die Festspiele gibt, hautnah miterleben.

1934 war er in Wien und hat den Bürgerkrieg miterlebt oder, wie er schreibt auch nicht, denn persönlich hat er nicht viel davon gesehen.

Ein paar Tage später wurde sein Haus in Salzburg durchsucht, was er zum Anlaß nahm nach London zu emigrieren und dann nach Brasilien, wo der das Buch, das mit dem Beginn des zweiten Weltkries endet, glaube ich, fertig schrieb.

Ein sehr beeindruckendes Buch, wie ich nur wiederholen kann und so frisch geschrieben, daß man gar nicht glauben kann, daß es vor fünfundsiebzig Jahren geschrieben wurde.

Erstaunlich offen auf der einen Seite, Zweig schreibt sogar von der Art seine Sachen zu überarbeiten, so als hätte man damals schon Schreibratgeber gekannt, anderes, wie zum Beispiel seine zwei Frauen, Friederike, die in Salzburg geblieben ist und Lotte, die mit ihm in den Tod gegangen ist, werden dagegen wieder fast ausgespart.

Ein sehr beeindruckendes Buch also, das ich nur empfehlen kann und die Frage, ob Zweig jetzt ein großér Schriftsteller oder nicht ist, noch weniger verstehe, denn eine so offene Analyse eines unpolitischen Menschen, der wie er schrieb, schon Jahre nicht zur Wahl gegangen ist, habe ich schon lange nicht gelesen.

Er war natürlich auch sehr priveligiert, so daß man neidisch werden könnte, er ist aber auch sehr tief gefallen, wurde entwurzelt, seiner Autographensammlung und seines literarischen Rums beraubt und hat sich, glaube ich, wegen Depressionen umgebracht.

2016-05-02

Romanentwicklung

Mit der Romanentwicklung geht es eigentlich, was ich sehr schön empfinde, zügig weiter. Sechsechzig Seiten, fünfundzwanzig Szenen, 30.611 Worte und der ungefähre Plot im Kopf, beziehungsweise im Notizbuch aufgeschrieben.

Es gibt die berühmten drei Ebenen, die, wie ich gestern im „Literarischen Quartett“ hörte, einen guten Roman ausmachen sollen.

Die Schriftstellerin Anna Augusta, die sich ein wenig ausgeschrieben fühlt, beziehungsweise wegen der Kritik „Das berührt mich nicht!“, beleidigt ist, erzählt ihrem Psychiater The Hardenberg, die Plotentwicklung. Der fungiert genauso, wie ihre Nichte Angie Engel als Romancoach und verschreibt ansonsten Johanniskrauttee.

Das entwickelt den Roman auf der  einen Seite, bisher gab es immer eine A.A. Szene und dann abwechselnd eine mit den Romanfiguren, ob ich das ganz durchhalten werde, weißt ich nicht.

Die zweite Ebene ist die Lehrerin Hildegard Hadringer, die nach der Pensionierung auf Weltreise gehen wollte und zu Beginn nicht weiß, ob sie sich angesichts der Flüchtlingskrise so einfach ein schönes Leben machen darf?

Eine interesssante Frage, wie ich finde, ich ich auch selber nicht einhalte. Sie trifft als sie auf der Bank ihr Reisegeld  beheben will, ihre ehemalige Schülerin Zarah Bashrami wieder, die ein Stück über den 12. Februar 1934 schreibt und das mit Zoran Simcic und Jurij Abrahamovic in einem Turnsaal eines Studentenheimes probt.

Die spielen die Rollen von Stefan Zweig und Heimito von Doderer, die sich an jenem Tag im Cafe Central treffen und in der dritten Ebene treffen die beiden Dichter sich im Wolkencafe mit dem Fräulein Anne Frank, das ihr Tagebuch nicht weiterschreiben kann und schauen mit einem Fernrohr auf die Erde hinunter und den Proben zu.

Ebene zwei geht weiter mit einer möglichen IS-Gefähridung von Zoran Simcic, der ist als Baby mit den Eltern aus Bosnien nach Wien gekommen, hat die Schule abgebrochen, wurde im „Reinhardt-Seminar“ nicht aufgenommen, ist jetzt frustriert und geht in die Moschee zu einer Korangruppe, um sich auf seine Religion zu besinnen, in die schöne Zarah ist er auch verliebt und auf Jurij eifersüchtig, der mit zehn Jahren mit seiner Famlie aus St. Petersburg nach Wien gekommen ist.

Die Hildegard wird-,  es gibt auch eine Bundespräsidentenwahl und Judith Gruber-Rizy, die meinen Blog ja regelmäßig zu lesen scheint, hat mich gefragt, warum ich über die nicht geschrieben habe?, nun denn, es ist ja eigentlich ein literarischer Blog, es gibt zwar auch immer wieder politische Artikel und eine „Präsidentin auf dem Opernball“ gibt es auch, aber bei meinem letzten Schreibbericht habe ich kurz vor fünt mit der Bemerkung aufgehört, daß ich nun das Radio aufdrehen und mir die Ergebnisse, die für mich sehr sehr überraschend waren, anhören werde, als sie für ihre Reise, die sie nachdem sie den Proben zugehört hat, doch machen will, Besorgungen macht, vielleicht El Awadalla, die sie von früher kennt, treffen. Sie trifft vielleicht auch Zoran vor seiner Moschhe und der wird dort auch von Lara, das ist Juris Schwester, die Psychologie studiert und ihr Psychotherapiepropädeutikum gerade begonnen hat, angesprochen und Zahrah trifft in der NB, als sie dort ihre Diss über Anne Frank weiterschreibt, Jurij Abrahmovic, der erzählt ihr, seine Familie bekommt nun endlich die Staatsbürgerschaft, sie ihm, daß sie ihr Stück während der Festwochen bei einem Höfefest in einem Gemeindebau, im Reumannhof vielleicht, aufführen können und Zoran will ja dann die Aufnahmsprüfung nochmals machen und das als Entscheidungshilfe nehmen, ob er in Wien bleiben oder eine Kämpferausbildung in Syrien machen wird.

So weit, so what, das A. A. mit ihren Roman, der auf diese Art und Weise entsteht, auf die Shortlist des neuen österreichischen BPs kommen wird, habe ich schon geschrieben. Hildegard Hadringer wird  nach der Wahl, die höchstwahrscheinlich Norbert Hofer oder vielleicht doch Alexander van der Bellen gewinnen wird, sich auf ihre Reise machen,  die Paare haben sich mit Jurij-Zahra, Zoran-Lara, was wegen der jüdisch- muslemischen Mischung vielleicht Schwierigkeiten machen könnte, entwickelt und das Buch „Die Lügen der Frauen“ eines von A. A. „Wurf oder Greif-Wörter“ wird Zoran im Bücherschrank finden und Lara schenken, nachdem er im „Reinhardt-Seminar“ genommen wurden und die entsprechende Widmung hineinschreiben.

So weit so what, das müßte eigentlich interessant sein und berühren, würde ich denken, auch wenn ich ein paar Rechtschreibfehler drinnen habe.

Der Alfred sollte mir die ja für das Buch korrigieren und das ich das selber ohne ISBN-Nummer herausgebe, sollte in den Selfpublisherzeiten, in denen wir leben, eigentlich kein Problem mehr sein.

Ich bewerbe es  auf meinen Blog, wo ich meine täglichen hundertfünfzig Leser haben, warum sich die, an meinen Gewinnspielen nicht beteiligen, ist mir zwar nach wie vor ein Räsel, aber es wird wahrscheinlich wieder ein solches geben.

An die „Alte Schmiede“ für die „Textverstellungen“ werde ich das Buch, wenn es fertig ist, auch wieder schicken und das Pflichtexemplar an die NB, dann meldet sich die deutsche Bibliothek und will auch ein solches haben und ich denke nach wie vor der psychologische realistische Roman, der sich auch mit der politischen Situation beschäftigt, sollte eigentlich interessieren. Warum das ausgerechnet bei mir nicht zu gehen scheint, verstehe ich, wie gerade geschrieben, nach wie vor nicht ganz. Vielleicht können mir meine Leser da ein wenig weiterhelfen oder ich kann sie dafür interessieren, denn sosehr abseits des Tellerrandes ist es  eigentlich doch nicht und recherchiert habe ich diesmal eigentlich auch sehr viel.

Lese ich mich da derzeit durch den ganzen Stefan Zweig, aber natürlich sind es meine Themen und ein bißchen nehme ich mich selber dabei  auch aufs Korn, so ist die Tatsache, daß die ausgeschriebene Autorin, die ihren Roman einem Psychiater und einer Sozialarbeiterin erzählt, ja ironisch zu verstehen und interessant ist auch, daß es sich bei dem Psychiater um eine Figur aus „Der Frau auf der Bank“ handelt und die Angie Engel ist zwar neu, hat aber die sprechenden Namen, die der Frau Haidegger nicht gefallen haben, als ich die „Sophie Hungers“ schrieb und über ein Schutzengelchen habe ich ja auch schon einmal geschrieben.

 

2016-04-24

Berührungsentwicklung

Da habe ich ja gestern geschrieben, daß ich immer noch nicht weiß, über was schreiben will, beziehungsweise es mit meinem Ende Februar begonnenen Romanprojekt weitergehen soll?

Da war ich ja vor zwei Wochen vorsichtig optimistisch, habe eine Szene im Cafe Wolke und eine mit der Anna Augusta zum Thema „Rasierklinge“ geplant, in meinen Regalen nach Stefan Zweigs Werken gesucht, einen Schwerpunkt geplant, mit der „Ungeduld des Herzens“ in Harland begonnen, mit dem Schreiben bin ich aber bezüglich „Literatur und Wein“ und einigen Schwierigkeiten, bezüglich „Paul und Paula“ und ob ich über das Transgenderthema schreiben darf, beziehungsweise nicht atwaige Persönlichkeitsrechte damit verletze, nicht gekommen.

Ich verletze nicht, hat mir zwar Gerhard Ruiss, der sich meinem Text sehr bemüht angenommen hat, gesagt, ich bin ihn aber trotzdem noch einmal durchgegangen, um ganz ganz sicher zu sein, daß etwaige Ähnlichkeiten, etwa, daß  Paul am Donaukanal joggen geht und Karate trainiert, nur dem Zufall beziehungsweise der Thematik geschuldet ist, denn da habe ich mir ja im Februar einige Videos angesehen und das bei Transgendertransformationen so gefunden.

Das war also die letzten Tage etwas schwierig und mein „Work on Progress“, wo ich ja ohnehin nicht sicher war, ob ich da nicht alte Kamellen aufwärme und mich mit dem Satz „Das berührt mich nicht!“ und der Frage, ob die Hildegard auf Weltreise gehen darf, nicht ins Ecke schreibe, denn ich habe ja schon sehr sehr oft gehört, daß ich so nicht oder das nicht schreiben darf, nicht so gut wie Thomas Bernhard oderFlaubert schreibe, etcetera.

Als ich im Amerlinghaus Doris Nußbaumer vom „Miranda Schutzengelchen“ und, daß dort Miranda Himmelbauer ihren ersten Joint raucht, erzählte, sagte mir die, daß man darüber nicht schreiben darf, wenn man selbst nicht geraucht hat und in der letzten Schreibgruppe meinte Ruth Aspöck, daß ich nicht soviel über Ausländer schreiben solle, weil ich nicht soviel davon verstehe.

Aber auch das Thema alte Frauen und Bücher, von dem ich ja vielleicht schon ein bißchen was verstehe, weil ich viel lese und schon über sechzig bin, hat mir einmal eine Leserin abgesprochen.

Ja, mein Schreiben steht, denke ich manchmal, unter keinem guten Stern. Ju Sophie hat einmal gemeint, ich würde es mit Zähnen und mit Klauen verteidigen. Ich weiß nicht, ob ich „No na, wahrscheinlich habe ich Grund dazu!“, geatwortet habe oder nur schuldbewußt gedacht, „Uje, tue ich das? Das darf ich doch nicht!“

Und das ist wahrscheinlich auch, was ich während des Schreibens denke, „Das darf ich nicht, das ist schon wieder nicht gut genug, damit habe ich mich jetzt an den Rand geschrieben, etcetera!“ und damit ist man blockiert und wenn ich dann zu den Schnuppertagen des Writerstudios gehe und höre, daß man das beim Freischreiben genau nicht tun soll, sondern einfach schreiben und den inneren Zensor in den Orkus schicken, dann erscheint mir das zwar logisch, aber wenn ich so über meine Texte schaue, dann kommt das schon wieder  und wenn ich dann darüber blogge und keiner antwortet mir darauf, ist das auch nicht sehr aufbauend!

Nun gut, ich schreibe mindestens vierzig Jahre, natürlich schon viel länger, aber mit literarischen Anspruch ab meiner Matura, habe über vierzig Bücher publiziert und Texte in „Anthologien“, sogar schon ein paar Preiserln gewonnen und jetzt das Gefühl, das habe ich doch schon über die alten Frauen, über die Pensionsschockdepression, die Bücherberge etcetera und so kam es, daß ich im Februar sehr schnell mit dem neuen Projekt angefangen habe, aber irgendwie nicht wirklich damit zufrieden war.

Dabei birgt es ja Stoff für einige Romane, obwohl zugegeben, einiges Bekannte, mit dem ich auch angefangen habe, drinnen ist, die schreiblockierte Schriftstellerin, die zu einem Therapeuten geht, Ju Sophie hat mir ja, glaube ich, angekreidet, daß ich  Johannes Staudinger in der „Mimi“ das tun ließ und gemeint, daß das ein Bestsellerautor nie täte. Als ob Therapie  etwas Schlechtes wäre?

Dann, Hildegard Hadringer, die nicht sicher ist, ob sie angesichts der Flüchtlingskrise, wie geplant, auf Weltreise gehen darf. Dann kamen schon Zarah Bashrami und die beiden Studenten Zoran Simic und Jurij Abrahamovic, die ein Stück über den 12. Februar 1934 proben, wo sich Heimito von Doderer  und Stefan Zweig im Cafe Central treffen.

Das wäre jetzt nicht abgelutscht, aber wenn ich über Doderer und Zweig schreiben will, müßte ich wahrscheinlich wirklich viel über sie wissen und ich habe, als Studentin zwar viel Doderer gelesen und war von den „Dämonen“ auch sehr begeistert. Aber das historische Hintergrundwissen, hat mir damals sicherlich gefehlt und dann gibt es auch noch die Anne Frank, über die  Zarah Bashrami ihre Dissertation schreibt.

Da habe ich vor zwei Jahren zwar das „Tagebuch“ gelesen, aber wie verknüpfe ich das alles? Wie mache ich den ultimativen Roman daraus, wenn ich über Doderer und Zweig nicht wirklich viel weiß?

Ich habe dann schnell, die ersten vier Szenen geschrieben und war nicht damit zufrieden, habe korrigiert und korrigiert, es dann aber doch so gelassen und nicht neu angefangen, wie ich es mir manchmal dachte.

Obwohl  ja auch die „Wurfgeschichten-Idee“ dazu gekommen ist und ich die  Worte „Dosenbier,“ „Erkundungen“, „Geld“, Lügen“ hatte. Das Wort „Rasierklinge“ ist auch noch dazu gekommen.

Wirkliche „Wurfgeschichten“ für einen „Wurfgeschichtenband“ sind nicht daraus geworden. Aber irgendwie hat sich die Handlung weiterentwickelt. Theo Hardenbergs Frau Sveti aus der „Frau auf der Bank“ ist noch dazugekommen und Anna Augustas Nichte, Angie Engel, der sprechende Name zu Potenz und Stefan Zweig und Heimito von Doderer haben sich wieder mit dem Fräulein Anne im Cafe Wolke am siebenten Himmelsbogen getroffen.

Das ist eine Idee, die ich  schon für meine „Luitpold-Stern- Preis- Geschichten“ mit dem alten Professor und dem jungen Dichter Dichter hatte und anläßlich seines Todes auch noch Rolf Schwendter dazu schickte.

So weit war ich vor zwei Wochen, gestern habe ich das Ganze, neben meinem Stefan Zweig- Bücherstapel, wo neben der „Welt von Gestern“, das ich schon mal gelesen habe, noch zwei „Novellenbände“ und „Fouche“ dazugekommen sind und das „Kleine Doderer-Buch“ gibt es auch, noch einmal durchkorrigiert und mir gedacht, daß vor allem der sperrige Anfang, die Schreibblockade, der Anna Augusta und die Unenschloßenheit der Hildegard, jetzt passt und daraus könnte ein Roman mit einigen Handlungssträngen entstehen, nämlich die Dreiergeschichte zwischen Zarah und den beiden Studeten, der möglichen IS-Gefährudung von Zoran, das Buhlen derBeiden, um die schöne Zarah und die könnte schließlich den Jurij bekommen, während Zoran Jurijs Schwester Lara trifft, die  Psychologie studiert, so daß Zoran „Die Lügen der Frauen“ vielleicht im Bücherschrank findet und ihr die Widmung hinschreibt, nachdem er im „Reinhardt-Seminar“ aufgenommen wird.

Konflikte könnten sich noch ergeben, daß Jurij und Lara aus einer jüdischen Familie kommen, Zoran und Zarah aber Moslems sind und dann gibt es noch die Handlungsstränge im Himmel und die Geschichte über Stefan Zweig, Doderer und Anne Frank und am Schluß fährt, die Hildegard dann in die Türkei oder Griechenland und betätigt sich vielleicht dort als Flüchtlingshelferin, während der Roman entstanden ist und Anna Augusta damit auf die Shortlist des neuen österreichischen Buchpreises kommt.

Das wird mir mit meinem  einundvierzigsten Selbstgemachten, glaube ich, wahrscheinlich nicht passieren, da dem ja noch immer der Makel des nicht Professionellen anhaftet, obwohl die „Amazon-Self Publisher“, das inzwischen anders sehen. Aber „Selfpublishing“ und „Books on Demand“ sind ja beim österreichischen Buchpreis ausgeschlossen.

Aber ich hätte vielleicht wirklich einmal die Chance einen Roman  kommen zu lassen und nicht schon nach sechs Wochen mit dem Rohentwurf fertig zu sein. Ob mir das hilft entdeckt zu werden, weiß ich nicht, denn da bin ich nach den bisherigen Erfahrungen sehr sehr skeptisch, weil es außer dem „Das darst du nicht!“ oder „Das ist schon wieder nicht gut genug!“, nicht wirklich weitergeht und, auch wenn ich jetzt ein Jahr oder länger konzentriert daran arbeite und dann zwei oder dreihundert Seiten in meine Vorschau stelle und das Buch  mit einem Bild in meinen Blog bewerbe, werden sich auf das entsprechende Gewinnspiel vielleicht genausowenig Leute, wie sonst melden, die es lesen und besprechen wollen.

So weit, so what, gestern habe ich schon eine Szene weiter geschrieben, nämlich die mit der „Rasierklinge“ und der Frage, wie das jetzt mit dem Bärchen von Stefan Zweig ist? Vielleicht wollte er sich das  abrasieren. Hitler hatte ja ein Ähnliches und eine Handlung brauche ich  auch noch, was Stefan Zweig am 12. 2. in Wien, wo er ja, glaube ich, nicht gewesen ist, machte?

Eine Idee hätte ich auch noch mit meinen „Wurfgeschichten-Worten“, die könnten, als Kapitelüberschriften dienen und ansonsten ist er Aufbau, was ich eigentlich ganz gut finde, der, daß die Geschichte in abwechselnden Perspektiven erzählt wird.

Anna Augusta erzählt sie ihren Psychiater, schreibt eine „Wurfgeschichte“, läßt sich von Angie Engel, ihrer Nichte, was noch überarbeitet werden muß, coachen. Stefan Zweig und Doderer schauen vom Cafe Wolke mit dem Fernrohr in den Turnsaal hinunter und beobachten, das, was sich zwischen Zarah, Zoran, Jurij und Hildegard abspielt, etcetera, etcetera.

So weit, so what und die nächste Szene, die ich noch schreiben könnte, bevor ich das Radio aufdrehe und höre, wer in die Stichwahl zur Budenpräsidentenwahl gekommen ist, könnte die, zwischen Fräulein Anne und den beiden Dichtern im Himmel sein.

2016-04-23

Wochenbericht zum Welttag des Buches

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Am dreiundzwanzigsten April wird seit einigen Jahren mit verschiedenen Aktionen der „Welttag des Buches“ gefeiert und heute ist es wieder mal so weit.

Cervantes und Shakespeare haben ihren Geburts- oder Todestag,  deshalb soll man lesen und das wird in Spanien, glaube ich, mit Rosen gefeiert und in Österreich gibt es seit einigen Jahren eine vom Hauptverband herausgegebene Anthologie, die ich mir immer getreulich abhole und die heuer, vom „Adler bis Flußpferd“, den „Tieren“ gewidmet ist und Ausschnitte aus Romanen von Astrid Lindgren, „Pippi Langstrumpf“, Erich Kästner „Konferenz der Tiere“, aber auch Neuerscheinungen, wie Isabells Bodgans „Der Pfau“ und österreichische Literatur, wie Bettina Balakas „Unter Menschen“ enthält.

1998 oder so, ich glaube, kurz vor meiner „Altweibersommerlesung“ in der „Alten Schmiede“ bin ich auf diese Aktion aufmerksam geworden. Da hat es ein deutsches und ein österreichisches Geschenkbuch gegeben.

Das Deutsche wurde bald wieder eingestellt, beziehungsweise hat es vor einigen Jahren eine Aktion in Deutschland gegeben, wo man sich melden und dreißig Bücher holen und verteilen konnte.

Wolfgang Tischer hat das mit Peter Stamms „Agnes“ gemacht und dann gebloggt, das niemand das Buch geschenkt haben wollte.

In Wien hat es einige Jahre eine Bücherbim um den Ring gegeben, da bin ich 2007 oder 2008, also noch vor meinen Bloggerzeiten einmal mitgefahren und die letzen zwei Jahre hat Anna Jeller ihre Leseexemplare schön verpackt ins Schaufester gelegt. Da habe ich mir  voriges Jahr Ludwig Lahers „Bitter“ geholt, aber noch nicht gelesen und am Nachmittag gab es bei den „Wohnpartnern“ im Reumannhof ein Büchertauschfest, wo ich gelesen habe.

Heuer wurde am Mittwoch  die Hauptverbandsanthologie in der Grünangergasse vorgestellt, ich habe mich auch zu der Veranstaltung angemeldet, dann aber mit dem Alfred und dem Andy, Annas zweiunddreißigsten Geburtstag in der „Hollerei“ gefeiert, so habe ich ich mir das Buch erst holen müßen und am Naschmarkt habe ich in einem Mail vom Alfred gelesen, stellt die „Edition Apfel“  ihre Bücher aus.

Dann gibt es  diese Woche auch einiges bezüglich meines Schreibens Lesens zu berichten:

Mit den „Berührungen“ bin ich noch nicht sehr weit gekommen, das heißt, da stehe ich noch bei 39 Seiten, 15 Szenen, knapp 18.000 Worten und weiß wahrscheinlich nach wie vor noch nicht wirklich, worüber ich schreiben will, beziehungsweise habe ich mich vielleicht an die Wand geschrieben oder mir zuviel vorgenommen, habe einen Schreibblockade, bin ausgeschrieben, etcetera und sehr viel Ermutigungen bekomme ich ja  leider nicht, ganz im Gegenteil.

Einen Haufen  Stefan Zweig-Bücher habe ich mir allerdings für einen Stefan Zweig-Schwerpunkt herausgesucht, damit meine 2016 Leseliste höchstwahrscheinlich wieder endgültig über den Haufen geworfen und komme  nicht und nicht zu meinem Vicki Baum-Schwerpunkt, den ich mir ja auch vorgenommen habe.

„Die Ungeduld des Herzens“ habe ich schon gelesen. Jetzt warten noch das Wiederlesen der „Welt von Gestern“, zwei Novellenbände und das Buch „Fouche“ über den französischen Polizeiminister auf mich und über Stefan Zweig wird es im Juni, habe ich gerade erfahren, auch einen Film geben, was die Frage, ob er jetzt ein großer Schriftsteller ist oder nicht, wahrscheinlich endgültig beantwortet und den ich mir, wenn ich in Deutschland leben würde, vorab ansehen könnte, weil ich da auf eine Liste mit Einladungen für Presseaufführungen gekommen bin, aber in Österreich gibt es das nicht.

Trotzdem ist die Woche für mich sehr international gewesen, so habe ich, die ich auf meinen Blog, ja manchmal über mangelnde Kommetierfrequenz jammere, eine Anfrage von einer italienischen Germanistikstudentin  bekommen, die eine Diplomarbeit über das „Downsyndrom in der Literatur“ schreibt und sich für meine „Mimi“ beziehungsweise die „Ohrenschmaus-Berichte“ interessierte und ein Holländer wollte wissen, ob ich einen deutschen Roman kenne, dessen erstes Kapitel nur aus Stichworten und Zitaten besteht?

Kenne ich leider nicht, obwohl ich ja  schon sehr viel gelesen habe und mich eigentlich für alles jenseits dem Tellerrand und auch für den Mainstream interessiere, Altes und Neues leses, aber irgendwie jetzt sehr langsam lese, denn ich habe heuer, glaube ich, nur etwa vierzig Bücher gelesen und wenn ich so weitermache, wird wieder sehr viel Ungelesenes überbleiben.

Dafür wird es bald die Vorschau von „Paul und Paula“ geben, das ich jetzt noch einmal durchgesehen habe, um  ganz sicher zu sein, daß keine Personenrechte  verletzt werden, weil ich ja zu der Geschichte von Paul und Paula, die in Linz das Gymnasium besuchten und sich fünfzehn Jahre nach ihrer Matura in einem Wiener Szenelokal wiedertreffen, durch zwei Transformationen im Literaturbetrieb  angeregt wurde, die Handlung und die Personen aber natürlich erfunden sind.

Da hat es diesbezüglich in den letzten Wochen einige Aufregungen gegeben und „Die Nika Weihnachtsfrau“ mein, ich  glaube, achtunddreißigstes selbstgemachtes Buch und sozusagen der dritte Teil meiner „Flüchtlingstrilogie“ muß auch noch fertig werden.

Ansonsten wird dieses Wochenende bezüglich der Frage, wer die Bundespräsidentenwahl gewinnen wird, höchstwahrscheinlich spannend werden?

El Awadalla, die ich ja auf den Opernball geschickt habe, kann ich  nicht mehr wählen, aber dafür, wie ich hoffe,  weiterschreiben und weiterlesen und da gibt es jetzt im Netz und auch im Rundfunk immer von Bücherentsorgungsaktionen zu hören, mit denen sich die Büchersammlerin in mir aber immer noch nicht anfreunden will.

Also auf in einen schönen Welttag  und als ich zur „Bücherinsel“ schaute, die das Buch jetzt wieder haben, denn beim „Morawa“ haben sie, „LiteraTier“, als ich am Donnerstag auf dem Weg in die „Alte Schmiede“ danach fragte, das Buch noch nicht gehabt oder mir nicht gegeben, konnte ich auch gleich im „Wortschatz“  am Margaretenplatz schauen, ob der für mich vielleicht ein Welttag-Bücherschmankerl hat, denn da bin ich in den letzten zwei Jahren  auch immer fündig geworden und habe im Vorjahr ein frühes Buch von Andrea Winkler erwischt und gestern hat es, als ich im Literaturhaus war, im Bücherschrank, ein fast neu ausschauendes, wenn auch schon etwas vergilbtes, „Aufbau-Taschenbüchlein“ aus dem Jahre 1991 mit „Französischen Kriminalgeschichten“ gefunden, das wahrscheinlich Sammlerwert hat und der „Aufbau-Verlag“ hat mir auch schon seine Herbstvorschau, wui, wui, geschickt, während ich noch ein Buch aus der Frühjahrserscheinung anfragte, weil das im Mai im Literaturhaus vorgestellt werden wird und diesmal habe ich Franz Innerhofers „Der Emporkommling“, eine alte schöne „Residenz-Ausgabe“ und die „Pest in Siena“ von Erich Wolfgang Skwara, auch ein Salzburger Autor gefunden.

Jetzt muß ich das alles nurnoch lesen.

2016-04-20

Ungeduld des Herzens

Passend zur gestrigen „Soma Morgenstern-Gedenkveranstaltung“ Stefan Zweigs 1939 erschienener, ich glaube, einziger fertig gestellter Roman „Die Ungeduld des Herzens“, wie Joseph Roths „Radetzkymarsch“ warscheinlich auch ein Abgesang an die Monarchie, spielt das Buch ja 1914 in einer kleinen Garnisonstadt, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und wird vor Ausbruch des zweiten, dem Erzähler von einem Offizier berichtet. Es ist aber, denke ich etwas verhaltener, hat mich, was eigentlich selten geschieht, sehr beeindruckt, obwohl manche Stellen nach heutigen Geschmack eindeutig kitschig sind, andere dagegen so offen, daß man sich wundert, daß das 1939 schon geschrieben wurde.

Ich habs ja, glaube ich, schon einmal geschrieben, daß ich in „Von Tag zu Tag“ einmal die Besprechung eines Buches über die neuere österreichische Literatur und da sagen hörte, daß die Autoren Peter Rosegger und Stefan Zweig aus dem Kanon der bedeutenden Schriftsteller gestrichen und dafür Michael Felder aufgenommen hätten. Von Felder habe ich seine Augobiografie gelesen, von Rosegger vor Jahren „Jakob der letzte“ und war tief beeindruckt von dem meiner Meinung nach ersten Roman über den Umweltschutz.

Von Zweig habe ich bis jetzt die „Schachnovelle“ und vor Jahren, noch als Hauptschülerin, die Biografie „Maria Antoinette“ und etwas später „Die Welt von Gestern“ aus dem Büchertschrank meiner Eltern gelesen und eine „Arte-Doko“ gehört, die mich veranlaßte, aus meinen Beständen, die Zweig-Bücher herauszuholen und den geplanten Vicki Baum-Schwerpunkt noch eine Weile aufzuschieben.

Die „Ungeduld des Herzens“ habe ich mir aus Harland mitgenommen, eine „Donauland-Ausgabe“, ob ich sie mir einmal zu Weihnachten wünschte oder im elterlichen Bücherkasten war, weiß ich nicht so genau, aber wieder ein ungelesenes Buch, das nach Jahren zur Ehre kommt und für mich ein weiteres Pläydoyer für das Büchersammeln ist.

Es ist, glaube ich, auch ein Meisterstück des Erzählens, denn sehr verwinkelt und sehr geplant, mehrere Novellen hineingepackt, mehere Ebenen und es beginnt, 1938 oder 39, wo der Erzähler in einem Cafe einen Offizier trifft, der ihm  Angesichts des kommenden Krieges seine Geschichte von der längstvergangenene gestrigen Welt erzählt.

Die „Ungeduld des Herzens“, ist eine Metapher für das Mitleid. Zweig schreibt vom Falschen und vom Echten. Der fünfundzwanzigjährige Leutnant, Anton Hofmiller, hat wohl das Falsche, als er, Sohn armer Leute, der in seiner Garnison immer neben den reichen Kameraden steht und sich sein Geld einteilen muß, zum reichen Herrn von Kekesfalva zum Abendessen in sein Schloß gebeten wird.

Er kommt wegen einer dienstlichen Angelegenheit zu spät, kann sich so über die Verhältnisse wahrscheinlich nicht orientieren und fordert, als es zum Tanzen geht, die Tochter des Gastgebers auf. Die erstarrt, denn sie ist gelähmt, was er nicht wußte, er stürzt entsetzt davon, wird aber wieder in das Schloß gebeten und ist von der Freundlichkeit, die ihm entgegenströmt, sehr gerührt.

Täglich besucht er fortan die Gelähmte, ein siebzehnjähriges Mädchen und es passiert, was passieren muß, sie verliebt sich in ihm.

Der Vater bittet Hoffmiller mit dem Arzt Dr. Condor zu sprechen, wie hoffnungsvoll oder hoffnungslos die Krankengeschichte wirklich ist? Einem Fremden wird der Arzt die Wahrheit eher sagen und Hoffmiller verspricht es , ohne was man hier wohl tun sollte, die Frage zu stellen und was passiert, wenn die Sache aussichtslos ist?

Der Arzt führt Hofmiller in eine Weinstube und erzählt ihm erst lang und breit die Geschichte, daß Kekesfalva kein wirklicher Adeliger, sondern ein ehemals armer Jude ist, der die Gesellschafterin einer Fürstin, der das Schloß früher gehörte und die aus Zorn auf ihre erbschlechenden Verwandten, das Schloß ihr vererbte, um  ihren Besitz prellen wollte. Dann heiratet er sie doch, es wird eine gute Ehe und als sie stirbt, vertraut er dem Arzt die Geschichte an.

Für die Gesundheit der geliebten Tochter würde der alte herzkranke Mann alles tun und der Arzt weicht auf die Frage „Hoffnungslos? aus, denn was ist das?

Als er Medizin studierte galt der Diabetes als hoffnungslos, inzwischen kkann man ihn mit Insulin behandeln. Es gibt also nur noch nicht zu behandelnde Krankheiten und dann erzählt er von einem Fall von der Heilung einer Lähmung von der er gehört hat.

Hofmiller fährt zum Vater und tut nun etwas, was ich unlogisch finde und aus heutiger Sicht nicht verstehen kann. Er redet ihm die Heilung ein.

„Es gibt Hoffnung, sie wird mit der neuen Kur bestimmt gesund!“,  etcetera. Das hat fatale Folgen, denn der Vater und die Tochter haben nun falsche Hoffnungen und Edith schreibt ihm einen langen Brief über ihre Gefühle.

Hofmiller will den Dienst quittieren, um aus der Bedrängung herauszukommen, besucht aber vorher den Arzt in Wien und dessen blinde Frau, die der geheiratet hat, weil er sie nicht heilen konnte.

Der Arzt sagt, man muß alles aufklären.

„Halt, halt!“, antwortet Hofmiller wieder.

„Nur nicht zu früh die Hoffnung zerstören!“, denn es gibt ja auch psychische Kräfte, sowie Sigmund Freud, füge ich hinzu und Stefan Zweig war, glaube ich, von seinen Schriften sehr begeistert.

So geht das Spiel weiter. Edith soll in die Schweiz zur Kur und Hofmiller sie bis dahin jeden Tag besuchen. Die Kranke droht mit Selbstmord, wenn man ihr nicht zu Willen ist. Der Vater kommt zu Hofmiller und bittet ihn auf Knien, doch sein Kind zu retten und so kommt es zu einer heimlichen Verlobung, beziehungsweise zu einem öffentlichen Kuß von Hofmiller, der wieder von seinem Mitleid hin-und hergerißen wird.

Dann geht er allerdings in eine Kneipe und in ein Kaffeehaus, um sich zu betrinken, trifft dort seine Kameraden, die ihm mit der Verlobung aufziehen. Er dementiert verzweifelt. Das ist eine Lüge, also ein unehrenhaftes Verhalten und das ist für einen Offizier unwürdig. Frauengeschichten und Saufen sind erlaubt, beziehungsweise wird es von den Vorgesetzten gedeckt. Das nicht, also ebenfalls Selbstmord, als einzig ehrenhafter Ausweg aus diesem Fall.

Als er mit diesen Gedanken in die Kaserne wankt, wird er von seinem Vorgesetzten gemaßregelt. Er erzählt ihm alles und der sagt „Unsinn!“ und versetzt ihn an eine andere Stelle.

Mit den Kameraden wird er sprechen, so daß alles vertuscht werden kann. In Wien, steigt Hofmiller  aus dem Zug, um mit Dr. Condor zu sprechen und als er ihn nicht antrifft, Handies hat es ja noch nicht gegeben, schreibt er ihm einen Brief, wo er ihn bittet zu Edith zu fahren und wenn sie will, wird er quittieren, sie heiraten, etc.

In Brünn will er nach Kekesfalva telegraphieren, aber so viele Leute stehen am Postamt und lesen wahrscheinlich schon die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers. In der Nacht wird er aufgeweckt, ein Telephongespräch, die Verbindung klappt aber nicht, das Telefonfräulein entschuldigt sich. Es ist jetzt soviel los und am Morgen erfährt er, alles war umsonst und ist zu spät gekommen. Edith hat seine Untreue erfahren und sich vom Balkon gestürzt. Betroffen sütrzt er sich in den Krieg, wo alles nichtig wird, denn die Zahl der Menschen, die er dort tötet, wofür er noch einen Orden bekommt, sind unzählig. Nur einmal wird er noch in der Oper, wo er den Doktor und seine Frau trifft, an seine Schuld erinnert und jetzt soviel Jahre später, ist wieder alles anders, denn die Emigranten beginnen schon  das Land zu verlassen.

Im „Marbacher Literaturarchiv“ habe ich gelesen, gibt oder gab es eine Sonderausstellung zu diesem Buch und da wurde auch die Frage diskutiert, wie weit der Roman autobiografisch ist? Etwas was mich eigentlich nicht so interessiert. Für mich wurde die Frage beantwortet, daß Stefan Zweig ein Schriftsteller ist, der in den Kanon gehört und dem man lesen sollte, um die Vergangenheit und die Geschichte Österreichs der letzten hundert Jahre zu verstehen und das habe ich mit zwei Novellenbänden, dem Portrait von „Joseph Fouche“ und dem Wiederlesen der „Welt von Gestern“, auch vor.

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