Literaturgefluester

2020-09-21

Susanne Ayoubs Paul Antschel Film

Nach dem ich vorige Woche mit dem Literaturveranstaltungsstreamen angefangen habe, da ich ja nicht maskiert in die „Alte Schmiede“, ins Literaturhaus oder in die „Gesellschaft“ gehen will, habe ich mir die Programme durchgesehen und bin beim heutigen Montag bei der „Tacheles-Reihe“ in der Gesellschaft Daniela Strigl spricht mit Sybille Lewitscharoff hängen geblieben.

In der „Alten Schmiede“ war Susanne Ayoub und der mir unbekannte Klaus Demus angekündigt. Gut, kann ich ja wieder hin und herspringen, habe ich gedacht, dann aber auf der „Gesellschaft- Facebook Seite“ keinen Stream gefunden, so blieb mir nichts anderes über,als in die „Alte Schmiede“ „zu gehen“.

Das war wieder etwas schwierig, weil lange ein leeres Lesepult, obwohl schon Johanna Öttl, glaube ich, die Veranstaltung angekündigt hat und erzählte, daß die 1956 geborene Susanne Ayoub, die ich ja, glaube ich, von einer Veranstaltung in der „Szene Margareten“ in den Neunzigerjahren kenne, sie dann beim „Siemens-Literaturpreis traf und noch später immer wieder bei Lesungen in der „AS“, beim Volksstimmefest, Poet-Night, etcetera, sie war auch mit der Bruni sehr befreundet, ihr Buch über ihre Kindheit in Bagdad habe ich gelesen, sie hat sich jaauch sehr auch filmisch mit diesem Thema beschäftigt.

Jetzt aber ein Film über Paul Celan, weil sie zu der Idee, wie sie später Johanna Öttl erklärte auf einem Lyrikfestivasl in Czernowitz, wo sie auch Michael Hammerschmid kennenlernte, gekommen ist, zuerst stellte aber Michael Hammerschmid, den 1927 geborenen Lyriker und Kunsthistoriker Klaus Demus, einen Freund von Celan vor, den Susanne Ayoub in ihrem Film über den berühmten Dichter und seine Freundschaft sprechen ließ. Michael Hammerschmid habe ich während der Vorstellung auch nicht gesehen und dachte schon „Uje, uje, da stimmt was nicht mit der Übertragung!“

Dann kam aber der alte Herr auf die Bühne, der wie Michael Hammerschmid erklärte und auch bei „Wikipedia“ steht panthestische Naturlyrik in der Traditionslinie von Hölderlin bis Hofmannsthal und Borchardt schreibt.

Er las fünfzehn Minuten lang aus verschiedenen Büchern. Dann kam Susanne Ayoub und Johanna Öttl auf der Bühne, sprachen über den fünfundvierzig Minuten langen Film, wo Susanne Ayoub zuerst das Czernowitz von heute, das, wie sie meinte, nicht viel mit dem des 1920 geborenen Paul Antschel, der aus seinem rumänisierten Namen das Anagramm Celan machte, zu tun hatte.

Trotzdem war es ihr wichtig die revolutionäre Aufbruchsstimmung von heute zu zeigen und sie wollte zuerst die Gedichte nur aufschreiben und tonlos vorführen, weil sie die Interpretationen der Celan-Sprecher auch seine eigene nicht gefielen. Später kam dann doch eine Schauspielerinnenstimme hinzu und als Pau Celan bei der „Gruppe 47“ eingeladen von Ingeborg Bachmann mit der er ja befreundet war, vorgetragen hat, dort hat seine monologe Interpretation auch nicht gefallen und wurde sogar mit den Goebbels verglichen, was den Dichter, der sich ja durch seine Erfahrungen sehr verfolgt fühlte, glaube ich, sehr verstörte.

Den Brief wechsel mit Ingeborg Bachmann habe ich ja gelesen und als ich 1975, glaube ich, mit der Elfi nach Amsterdam fuhr, habe ich einen Celan- Band mitgenommen oder habe ich mir das Buch von der Elfi ausgeborgt und bin damit etwas später zu Workcamp nach Hamburg gefahren?

Das weiß ich nicht mehr so genau, das Buch habe ich noch und war von der „Todefuge“ wahrscheinlich nicht einmal so beeindruckt. 2000 hat es aber, glaube ich, im ORF ein Celan-Symposium gegeben, wo ich den Gedicht näher kam und auch Daniela Strigl im Fyoer stehen sah. Soweit meine Erinnerungen, aber zurück zur Veranstaltung oder zu dem Film, der gezeigt wurde und der mich sehr beeindruckt hat.

Mit Bildern aus Czernwitz hat er angefangen, hat dann in die Wohnung zu Klaus Demus geführt, ins Literaturhaus ist es aber auch gegangen, weil dort ein paar Celan-Originalausgaben aufbewahrt werden und in die „Gesellschaft“, wo man Manfred Müller im Hintergrund sitzen sieht und im Vordergrund einen Brief den Paul Celan 1968 an Wolfgang Kraus, dem damaligen Leiter schrieb und ihm versicherte, daß er sich sehr auf die Lesung freue, die am 5. Oktober stattfinden sollte und er sich nur einen einfachen Tisch und dazu ein Glas Wasser wünschte. Er ist dann nicht dorthin gekommen und Klaus Demus, der Paul Celan, wie er erzählte, durch seine Frau, die mit Ingeborg Bachmann in dieselbe Klasse gegangen ist, kennenlernte, erzählte, wie er den Dichter kennenlernte und, daß die Freundschaft einen Bruch bekommen hat, weil er ihn aufforderte seiner Paranoia wegen einen Arzt aufzusuchen. Paul Celan ist dann nach Paris gegangen, war dort als Lehrer tätig, wurde pyschiatrisch behandelt und hat sich 1970 in der Seine ertränkt.

Es gibt auch einen Briefwechsel zwischen Celan und dem Ehepaar Demus, der stand in der „Alten Schmied“ am Tisch während des Gespräches zwischen Sussanne Ayoub und Johanna Öttl und jetzt bin ich doch ein bißchen in der „Gesellschaft“ gewesen, wenn auch nicht bei Sybille Lewitscharoff, die ich aber einmal, wie ich mich erinnern kann, in der „Alten Schmiede“ hörte und im Literaturhaus habe ich einmal eine Lesetheateraufführung mit einem fingierten Treffen zwischen Marlen Haushofer und Paul Celan gehört.

Nach dem Film war die Übertragung dann plötzlich aus, es gab keine Verabschiedung und keine Schlußstatements mehr zu hören, dafür das Video, wo Jana Volkmann im Juni, glaube ich, Sabine Scholl vorstellte und zwischen achtzehn und achtundzwanzig Zusehern, kann ich noch anmerken, hat die Übertragung auch gehabt, darunter einen aus Ohio und eine aus Schweden und die Nedra Bickham, die Grüße schickte, hat in den Film auch mitgewirkt.

2017-07-28

Der Edelsteingarten

Ein rot goldenes orientalisches Gewand, kein Kopf, aber zwei Arme, der eine von dem Stoff bedeckt der andere halbfrei, ziert das Cover von Susanne Ayoubs, 2016 bei „Langenmüller“ erschienenen Roman oder ist es ein Memoir, beziehungsweise ein Personal Essay, denn die irakische Politik, der Fünfzigerjahre spielt da neben der Familiengeschichte, „inspiriert nach dem Schicksal ihrer Eltern“ steht am Büchrücken, den ich beim Bücherquiz der letzten „Buch Wien“ gewonnen habe.

Und die 1956 in Bagdad geborene Sussanne Ayoub kenne ich schon lange und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren in der Szene Margareten kennengelernt, dann ist sie mit dem nach einem echten Kriminalfall geschriebenen Roman „Engelsgift“ bekannt geworden, hat noch ein paar Kriminalromane geschrieben, bevor sie sich nach dem Irakkrieg mit Bagdad und dem Schicksal ihrer Eltern beschäftigt hat.

Ein Film ist daraus entstanden und jetzt der Roman,  aus beiden habe ich schon Lesungen gehört und das Buch beginnt mit einer Schilderung der Revolution, da wird  der Präsident der einst den König stürzte, selbst ermordet und seine Hinrichtung öffentlich im Fensehen gezeigt und der trägt denselben Namen wieYounis Lauras Ehemann, obwohl er nicht mit ihm verwandt ist.

Dann geht es nach Wien zurück zum Weihnachtsabend 1955, wo die fünfundzwanzigjährige Laura unglücklich ist. Sie hat sich für das Fest ein schönes Kleid schneidern lassen, die Eltern aber streiten und der noch nicht so lange beendete Krieg hat auch seine Traumen hinterlassen.

Da kommt Stepha,n der Vater, der in einem Hotel als Portier arbeitet mit drei Gästen zurück. Drei Brüder aus dem Irak, die sonst nicht wüßten, wie sie das Fest verbringen könnten und Laura verliebt sich in Younis, folgt ihm sehr schnell nach Bagdad, denn 1956 wird dort schon die Tochter Jenny geboren, obwohl das Land mit seinen vielen Revolutionen und Umstürzen sehr fremd ist und der Ehemann, vordergründig ein Kosmopolit, der sich nach Amerika sehnt, ist das auch, denn er spricht nicht sehr viel, liebt Laura zwar, verlangt von ihr aber Anpassung an die Sitten, weil er sich sonst in seiner Ehre gekränkt fühlt. So darf sie nicht alleine aus dem Haus, nicht mit Männern sprechen, aber auch nicht ihre Freundinnen treffen, deutsche oder englische Frauen, die mit Irakern verheiratet sind und sich in der Fremde im englischen Club treffen.

Er ist aber scbon jverheiratet und hat das Laura nicht gesagt, geht als er krank ist zu einer Heilerin statt zum amerikanischen Arzt und vor allem spricht er mit Laula nicht über Politik, obwohl er sich des Nachts mit seinen Brüdern und Freunden zu Verschwörungen am Dach trifft und da auch sehr viel trinkt.

Aber Laura hat auch ihre Geheimnis, so läßt sie sich nach der Geburt eine Spirale einsetzen, obwohl younis, was er auch für seine Ehre braucht unbedingt, einen Spohn von ihr will. Sie geht auch in den Club, flirtet dort mit den englischen Gästen und fliegt  nach einigen Jahren, obwohl sie Bagdad und vielleicht sogar Younis sehr liebt, nach Wien auf Besuch, kommt aber  zurück, doch das Ehepaar entfremdet sich immer mehr.

Eine junge Verwandte taucht auf und Lauras Schneiderin gibt ihr die Adresse eines Kurden, an den sie sich wenden kann, wenn sie in Not ist.

Es kommt noch einmal zu einer Revolution, in die Yonnis verwickelt ist, der sich inzwischen mit der jungen Verwandten verheiratet hat und Laura mit Jenny in eine andere Wohnung schickt.

So fliegt sie mit der sechjährigen Jenny nach Wien, beginnt in einem Büro zu arbeiten, wohnt in Mariahilf in einer Zimmer – Küche Wohnung und vier Jahre später bekommt sie ein Telegramm, Yonnis kommt, der inzwischen drei Kinder hat, die er aber mit seiner Frau zurückgelassen hat, mit einem Koffer voll Geld nach Wien und will mit Laura ein neues Leben anfangen. Was aber nicht gelingt, denn er ist ja in die neuerliche Revolution verwickelt, so erzählt die weinende Jenny, die sich am Klo versteckt hat, der nach Hause kommenden Laura von den Männern, die den Baba geschlagen und abgeholt haben und in der Zeitung liest man  von dem Unfall bei dem er ums Leben gekommen ist.

Eine bitter süße Liebesgeschichte, die von den Schönheiten und auch den Grausamkeiten, die es in Bagdad gegeben hat erzählt.

Die Feinde der Revolution wurden viergeteilt, an Autos festgebunden, aufgehängt, es gab aber auch die süßesten Datteln, den schönsten Soff, den kostbarsten Schmuck und jetzt ist überhaupt wieder alles anders und die Politik und die Revolutionen haben sich gewendet und das Land ist vielleicht nicht mehr so schön und kostbar, wie es einmal war.

Daher ist es bestimmt interessant mit Susanne Ayoub, die inzwischen Kontakt mit dem im Irak lebenden Teil ihrer Familie aufgenommen hat, in das Bagdad der Fünfziger- und Sechzigerjahre einzutauchen und vielleicht mit dem zu vergleichen, was man heute von der Stadt und der Politik hört und weiß.

Bei „Amazon“ kann man Kritiken lesen, die sich darüber beklagen, daß man sowohl über die Liebesgeschichte, als auch über die Politik in den Buch nicht  viel erfährtund das stimmt ein bißchen.

Younis antworet Laura ja nicht auf ihre Fragen und erklärt ihr auch nicht recht, warum es an seiner Ehre rührt, wenn sie mit einem Stoffhändler spricht oder ihre Freundin Annemarie zu sich eindlädt.

Ich denke aber, so kann es Laura oder Susanne Ayoubs Mutter vielleicht wirklich ergangen sein, als sie jung und unerfahren mit ihren Kriegserfahrungen nach Bagdad gekommen ist, dort über den Reichtum aber auch über die Sitten staunte und weil ihr niemand auf ihre Fragen antwortete, wohl auch ihre Zeit brauchte, um alles zu begreifen und sich an das fremde unruhige Land zu gewöhnen, beziehungsweise herauszufinden, was sie wirklich will.

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