Literaturgefluester

2021-05-28

Das Eis-Schloss

Filed under: Bücher — jancak @ 00:27
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Als 2019 Norwegen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, habe ich, glaube ich, bei Ex Libris vielleicht oder auch auf Bücherblogs von Tarjei Vesaas „Eis-Schloss“gehört, hatte Angesichts meines Buchpreislesen, was da ja stattfand, wahrscheinlich keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen. Ein paar Knut Hamsuns hatte und habe ich in meinen Regalen, einen Jan Fosse, der mich, glaube ich, auch sehr beeindruckt hat,habe ich gelesen. Das war es dann und so hatte ich denNamen Tarjei Vesaas auch vergessen,als seine „Vögel“ auf die Übersetzungsliste des „Preises der Leipziger Buchmesse“ kam, habe die „Vögel“dann gelesen und „Wow!“, gedacht.

„Das ist eines der besten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe!“

Nachgegooglet, bin dann auf das „Eis-Schloss“ gekommen, mich zurückerinnert, es angefragt und jetzt, wie es der Zufall will, habe ich es nach“Therese und Isabelle“ gelesen und kann meine Paralellen ziehen oder Vergleiche machen.

„Therese und Isabelle“, da schreibt eine wahrscheinlich erwachsene Frau über die Erlebnisse, die sie wahrscheinlich als Internatsschülerin hatte und löste im Frankreich der Fünfzigerjahre einen Skandal damit aus und ich, die prüde realistische Leserin,dachte mir dabei „Was soll das? Das ist doch privat und wahrscheinlich ein wenig langweilig mich in die verbotene Liebeslust einer Siebzehnjährigen in einem Kloster einzulesen und da ist da ein wahrscheinlich auch fünfzigjähriger Mann, der 1963, wie Doris Lessing in ihrem Nachwort schreibt, einen Literaturpreis dafür bekommen hat, sein Leben langin einem norwegischen Dorf lebte und in einem norwegischen Dialekt schrieb und er schreibt von der heimlichen, verbotenen oder was auch immer Liebe zweier elfjähriger Mädchen. Vom Schweigen,von Geheimnissen und nimmt als Metapher das Eis dafür. Denn das was mich an Tarjei Vesaas wahrscheinlich so phasziniert ist seine Symbolik, die Metaphern, die er für seine wortkargen Geschichten verwendeten, die 2021 natürlich viele Fragen auslösen.

Was ist da Geschehehn, war das ein Mißbrauch, den Unn erlebte und über den sie ihrer Freundin Siss nicht erzählen konnte?

Es geht also wieder in ein norwegisches Dorf mitten im Winter. Da sind zwei kleine Mädchen Unn und Siss, Uinn hat ihre Mutter verloren und ist zu ihrer Tante ins Dorf gekommen und steht jetzt eine zeitlang schweigend in der Schule abseits herum, bevor sie, sie ist eine gute Schülerin, Siss auffordert sie zu besuchen. Sie springen dann in der Kammer herum, nachdem sie der redseligen Tante entkommen ist. Unn fordert Siss auf, sich auzuziehen, man denkt „Aha!“ und an Isabelle, wenn man das Buch zwei Tage vorher gelesen hat. Sie ziehen sich aber wieder an. Unn zeigt Siss ein Fotoalbum mit dem Foto von ihrem ihr unbekannten Vater, der ein Auto hatte. Dann muß Siss nach Hause, kommt dort aufgelöst an und kann nicht über das sprechen, was geschehen ist.

Am nächsten Tag kann Unn nicht in die Schule. Kann Siss nicht wiedersehen. So bricht sie zum Wasserfall und zu dem Eis-Schloß auf, was es dort gibt und kommt nie mehr zurück. Das Dorf sucht sie, Siss will unbedingt mitkommen. Sie wird krank, sondert sich in der Schule ab, bis die Tante die das Haus verkauft und wegzieht, ihr bei einem Spaziergang das Versprechen abnimmt, das Schweigen oder was auch immer zu brechen und Siss kann nach und nach wieder Beziehungen zu einem Jungen und einem Mädchen aufnehmen und mit ihnen im nächsten Frühling zum Eis-Schloss wandern und zusieht, wie es im Wasser versinkt.

Was hat man gelesen? Eine Kinderfreundschaft, eine lesbische Liebe, eine Mißbrauchsgeschiche und was auch immer? Beschrieben wird das alles ja nicht, sondern nur in einer starken Symbolik mit starken Naturbeschreibungen angedeutet und wieder ein sehr eindrucksvolles Buch gelesen. Schade, daß Tareij Vesaas trotz des Gastlandes Norwegen und der Neuübersetzung zumindestens im deutschen Sprachraum so vergessen ist, aber Hinrich Schmidt-Henkel ist ja mit seinen „Vögeln“, das auch sehr metaphenrreich, aber etwas weniger geheimnisvoller und wenn ich mich nicht irre, auch etwas realistischer ist, für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert und kann, wenn er den Preis gewinnt, den Autor wieder in Erinnerung rufen.

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