Literaturgefluester

2018-01-23

Parallelgeschichten-Symposium

Ich habe von dem 1942 in Budapest geborenen Schriftsteller und Fotografen Peter Nadas, glaube ich, noch nichts gelsesen, wohl aber von ihm einmal bei einem „Morawa-Flohmarkkt“, die drei Stücke „Ohne Pause“, um einen Euro  gekauft und ihm im vorigen Jahr sowohl im Literaturhaus, als auch im Literarturarchiv gehört.

Beim Ersten hat er, glaube ich, aus seinem letzten Buch „Aufleuchtende Details“ gelesen, beim Zweiten einen vortrag gehalten. Eine Klientin hat mir auch einmal von ihm sehr vorgeschwärmt und über seine Nahtoderfahrung, die er 2002, nach seinem Schlaganfall niedergeschrieben habe, habe ich einmal, so weit ich mich erinnern kann, in „Ex Libris“ gehört.

Ein sehr sympathischer älterer Herr, der sehr gut Deutsch spricht und immer höflich lächelt, ist mein Eindruck von ihm und jetzt gab es in der „Alten Schmiede“ ein Symposium über seine „Paralellgeschichten“, das der ungarische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Gabor Schein und Wolfgang Müller-Funk von der Universität Wien ausgerichtet haben.

Zwei Tage nur über seine „Parallelgeschichten“, das  fünfzehnhundert Seiten Buch, das 2012, auf Deutsch, 2005 auf Ungarisch unter dem Titel „Üarhuzamos Törtenetek“ herausgekommen ist und da Peter Nadas, wie ich auf dem Symposium  hören konnte, in Ungarn und wahrscheinlich auch sonstwo, ein bedeutendet Schriftsteller ist, habe ich seine drei bedeutendsten Werke auch im Ohr, beziehunsweise sind sie auch in der „Alten Schmiede“ zur Ansicht oder  zum Kauf aufgelegen.

Da gibt es das „Buch der Erinnerungen“, laut „Wikipedia“, 1991 erschienen, die „Parallelgeschichten“, 20012 auf Deutsch und die „Aufleuchtenden Details“, 2017, die wohl die wirklichen Erinnerungen oder die Meomoiren sind und noch sehr viel anderes.

Ein paar Fotobände sind  auch aufgelegen und ich habe im Publikum auch ein paar bekannte Gesichter gesehen. So war zum Beispiel die Sozialpädagogin da, mit der ich auch auf Kafkas Spuren in Klosterneuburg gewandert bin und dann noch die Lehrer, die ich mehr oder weniger regelmäßig sehe und das Symposium wurde, sowohl auf Deutsch und auch in Englisch abgehalten, weil  auch Gäste von der Budapester Universität am Programm standen.

Begonnen hat es mit Karoly Kokay, der etwas zu den historischen Details erzählte. Er hat dazu gesagt, daß er voraussetzt, man den Roman gelesen hat und das Buch gut kenne, was bei mir, wie schon erwähnt, nicht der Fall war.

Daß die „Parallelgeschichten“ aber nach dem Mauerfall in Berlin beginnen, wo eine Leiche gefunden wird und dann in die Vergangenheit zurückgehen, habe ich verstanden, beziehungsweise mich in der Pause am Büchertisch duch die ersten Seiten gelesen.

Dann kam Gabor Schein und der erzählte etwas von den Straßen und den Budapester Gegenden, in denen das Buch spielt und Florian Huber, den Literaturwissenschaftler, den ich, glaube ich, schon öfter gehört und gesehen habe und der jetzt, wie im Programm steht, in Lüneburg lehrt, erzählte etwas von den Bildern in Nadas Werken und projezierte ein solches, nebst einigen Zitaten an die Wand.

Dann folgte eine längere Diskussion über die Bürgerlichkeit in Nadas Werken, für mich ist er, glaube ich, ein sehr bürgerlicher Schriftsteller. Die Dienstbotenzimmer, die sich neben den Küchen befinden, wurden, glaube ich, von Gabor Schein in seinem Vortrag auch erwähnt und daran kann ich mich von meinem ersten budapester Aufenthalt im Jahre 1983 erinner, wo ich mit dem Alfred privat in einem solchen Haus logierten.

Dann folgte, wie schon erwähnt die Pause mit Kaffee und Mohn oder Nußstrudel und einigen Gesprächen, beziehungsweise einer schnellen Paralelllektüre.

Dann kam der kritische Psychiater Alfred Springer, den ich noch von meinem Studium und meinem Vorlesungen im Strotzka-Institut kannte, der einen Einblick in die Sexualität und die Körperlichkeit von Nadas Werk gab, denn die „Paralellgeschichten“ sind, wie ich erfahren habe und mir eigentlich gar nicht vorstellen konnte, ein sehr sexuelles Buch, der sich auf der Margareteninsel abspielt, vorher hielt noch Marta Bartal aus Budapest, ein Referat auf Englisch über das Gelächter bei Nadas und ihre Kollegin Orsolya Rakai erzählte etwas über die Rezeption, die ist in Ungarn gar nicht so gut angekommen, whrend man, wie Ursula Knoll erwähnte, im deutschen Sprachraum eher von dem Buch begeistert war und nur die sexuellen Darstellungen bemängelte.

Dann folgte wieder eine Pause und dann ging es in den Keller, wo Peter Nadas eine Traumsequenz aus dem Buch vortrug und zwar scheint es in einer der „Parallelgeschichten“, um einen Studenten namens Döhring zu gehen, der nicht nur in Berlin die Leiche findet, sondern auch der Tätergeneration angehört, die die am dritten Reich beteiligt, beziehungsweise die Nachkommen solcher Täter waren und diesen Traum, wo er dann angeschissen, also sehr direkt erzählt, ertwacht, hat Peter Nadas in zwei Teilen vorgelesen und dazwischen folgte eine Diskussion, wo der Autpor wieder sehr freundlich lächelnd  von seiner Art des Schreibens erzählte.

Am Dienstag ging es dann mit drei sehr ähnlichen Vorträgen von Laszlo Földenyi, Wolfgang Müller Funk und Tibor Gintli weiter, die sich alle mit den Erzählprerspevtiven und den narrativen Strukturen oder der Dramaturgie, wie Kurt Neumann einwarf, befassten.

Es ging um die Frage, wie allwissend der Erzähler ist, denn man weiß bis zum Schluß nicht genau, wer die Liche ist, die da zu Beginn gefunden wurde, der Erzähler hält sich zurück, spielt mit den Geheimnissen, wie Kleist oder Pproust, wie immer wieder als Vergleichdaten genannt wurde.

Eine Szene kommt vor, wo ein Telefonat auf fünfzig Seiten erzählt wird und eine Fahrt mit einem Taxi in ein Krankenhaus einige StundenLesezeit erfordern würde und die unterschiedlichen Paralellgeschichten, die da eine Rolle spielen, wurde mir, der nicht gelesen habenden, immer klarer.

Da gibt es einen Christoph, der sah zu wie sein Vater deportiert wurde, erlitt dadurch ein Trauma und wird auf der Margareteninsel in seine Männlichkeit, die auch homosexuelle Elemente enthält, eingeführt.

Während in einer bürgerlichen Wohnung, das ist die, wo der Anurf kommt, ein provinzielles Mädchen mit einem bürgerlichen Juden im Bett liegt und dabei ihre Schwierigkeiten hat und eine Psychoanalytikerin, die durch den Holocaust ihren <mann und ihre Kinder verloren hat, gibt es auch, die verliert dadurch die Kraft des Erinnerns und muß ihren Beruf aufgeben, noch ehe ihr en die Kommunisten verbieten und eine Damerunde, gibt es wie Ursula Knoll nach der Mittagspause erzählte auch.

Am Vortag wurde ja diskutiert, das die weiblichen Figuren in dem Roman eher schwach und Schemenhaft bleiben.

„No na!“, habe ich mir da vorwitzig gedacht, es gibt sie aber schon, allerdings nur auf hundert Seiten über das ganze Buch verteilt, nämlich vier Frauen, die jeden Tag miteinander Bridge spielen und dabei auch ihre Erlebnisse haben und am Schluß gab es noch einen Vortrag auf Englisch, nänlich den  von Zsolt Bagi „Peter Nadas and the realism“, wo es um Wirklichkeit und Realität ging, das erster Wort hat Zsolt Bagi auf Deutsch ausgesprochen und Schluß bedankte sich Wolfgang Müller Funk für die Veranstaltung, kündige einen Tagungsband und eine weitere Veranstaltung, um ihn zu präsentieren, Ende des Jahres an und ich denke jetzt müßte ich hergehen, und den Roman, wo auch der Vergleich mit Doderer aufgekommen ist, von Anfang bis zum Ende lesen, um all das Erfahrene verstehen und einordnen zu können. Dazu müßte ich das Buch erst finden, aber dann käme ich ja mit meiner elendslangen Leseliste in Bedrängnis, qäule ich mich ja derzeit mit dem neuen amerikanischen Wunderstar Josua Cohen und seinem „Buch der Zahlen“, der vielleicht auch ein ähnliches Thema, wenn auch in einer ganz anderen Form aufgegriffen, hat, herum und komme mit dem Lesen nicht recht weiter.

Es war aber interessant, in die Parallelwelten von Peter Nadas einzutauchen und ich habe zweifelsfrei sehr viel dabei gelernt.

Werbeanzeigen

2016-04-14

aichinger- digital human

Ein „Ilse Aichinger-Symposium“ in der „Gesellschaft für Literatur“, das erste, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erzählte, Vorträge und Lesungen hätte es aber schon gegeben.

Die erste im Dezember 1965, da hat sie aus „Eliza Eliza“ gelesen.

Das habe ich natürlich versäumt, war aber schon bei Aichinger Veranstaltungen in der „Alten Schmiede“ und einmal, glaube ich, in der Beamtenversicherung, da hat sie noch selbst gelesen, vor circa zehn Jahren oder etwas länger und da habe ich mir auch das „Edition Korrespondenzen Heftchen“, wo ihre Publikationen angekündigt waren, signieren lassen.

Jetzt tritt Ilse Aichinger nicht mehr öffentlich auf, dafür gab es aber ein großen Foto von ihr vor dem Vortragspult und das „Aichinger Symposium“, das am Donnerstag und Freitag in der Herrengasse stattfand wurde, von Christine Invanovic konzipiert, die ist Professorin der Komparatistik und das „Symposium“ ist ein Studentenprojekt, deshalb waren auch sehr viele junge Leute da.

Drei von ihnen haben am Vortragspult Platz genommen und es begann mit einem Film aus dem Jahr 1965 „Bücher beim Wort genommen: Schlechte Wörter“, den Johannes Schlebrügge und Ulrike Voswinckel im Haus der Dichterin in Großgmain, wo sie damals lebte, drehte.

Es ging um das Buch „Schlechte Wörter“ und die noch sehr jung wirkende Ilse Aichinger las daraus den Text „Dover“: „Wult wäre besser als Welt.  Weniger brauchbar, weniger geschickt…“

Dann ging sie einen Wiesenweg hinunter und erklärte, wie bei ihr das Schreiben funktioniere. Der erste Satz muß stimmen, mehr weiß sie nicht, aber wenn sie den hat,  läßt sie sich treiben und der Text entsteht und bei den Figuren ist das ähnlich.

Erstaunlich,  von einer eher experimentellen Dichterin, mit einer Stimme, wie sie heute Valerie Fritsch hat, schon  1976, das zu hören, was heute in jedem Schreibgeberratbuch lesen kann und im Anschluß an den Film lasen die drei Studenten, den Text nochmals vor und diskutieren mit dem Publikum eineinhalb Stunden darüber, wie man ihn verstehen kann.

Ich habe ja Ilse Aichinger so verstanden, daß ihr Schreiben ein Assoziationsfluß ist, also aus dem Unbewußten kommt, interessant also die Deutungen der Studenten und interessant, sozusagen live eine Proseminar zu erleben oder sich vorzustellen, wie das Studieren heute geht.

Dann gabs eine Pause und dann ist es mit „Ilse Aichinger und der Film“ weitergegeangen. Alexander Horvath, der mit ihr befreundet war, hat dazu einen Vortrag gehalten,  Ilse Aichinger ist ja sehr lange jeden Tag ins Kino gegangen und hatte vor zehn oder fünfzehn Jahren auch einen diesbezügliche „Standard Kolumne“.

Im Anschluß daran hat Anne Bennent Aichingers Gedichte gelesen und am Freitag geht es weiter mit dem Syamposium. Ich bin aber schon nach der Pause, in der ich mich sehr lang und sehr intensiv mit dem „Korrespondenz-Verleger“ Reto Ziegler, der auch mit Ilse Aichinger befreudet ist und der sich jede Woche besucht, unterhalten, gegangen, weil ich  mit dem Alfred nach Krems zum achtzehnten „Literatur und Wein- Festival“ gefahren bin und das Wochenende auch in St. Pölten, beziehungsweise Krems und Göttweig bleiben werde.

Ergänzend ist vielleicht noch hinzuzufügen, daß es  bei dem Symposium auch um Orte, beziehungweise Verortungen geht, deshalb auch der Text „Dover“ und deshalb gab es auch eine Fotoausstellung mit Bildern von den Studenten, an der Stelle, wo sonst die Fotografien von Hertha Müller, Friederike Aichinger, Gert Jonke hängen und digital:human heißt das  Studentenprojekt wahrscheinlich, weil sich die Studenten auch im Internet damit beschäftigen und da sozusagen ein „Aichinger-Haus“ eingerichtet haben.

 

Bloggen auf WordPress.com.