Literaturgefluester

2019-11-30

Jesolo

Nach dem die Bloggerdebutshortlist bekanntgegeben wurde, das zweite Buch der öst Debutliste, Tanja Raichs „Jesolo“ und ich habe die 1986  in Meran geborene ja als Herausgeberin der „K&S“-Literaturschiene kennengelernt.

„Jesolo“ ist bei „Blessing“ erschienen und hat eigentlich nicht viel mit dem italienischen Badeort zu tun oder doch vielleicht, denn dort verbringen Andi und Georg jeden Sommer ihren Urlaub und sie streiten sich im nullten Kaptel auch sehr viel dabei.

Überlegen eine Trennung, Andi tut das, Georg will eigentlich, daß sie bei ihm einzieht und hat auch schon längst Pläne für die Erweiterund des Hauses seiner Eltern geplant. Dann wird Andi schwanger und „Jesolo“ entpuppt sich als das zweite Buch über die Schwangerschaft, das ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Andrea Grill ist es in „Cherubino“ artizifieller angegangen, Tanja Raich ist realistischer und am Anfang erschien mir diese Andi, eine Grafikerin, auch als sehr gestört und ich habe mir gedacht, warum verläßt sie ihn nicht und warum treibt sie nicht ab?

Sie tut es nicht, sondern hält im ganzen Buch einen Dialog mit dem „Du“, dem Georg, der alles besser weiß, alles plant, etcetera.

Ratschläge tauchen auf: „Hör zu rauchen auf!“, „Eine Zigarette kann nicht schaden!“, „Du mußt zunehmen!“, „Du mußt für zwei essen!“, etcetera.

Die Schwiegermutter von der zuerst gesagt wird, daß sie sich nicht einmischschen wird und nie da ist, steht auf einmal in der Wohnung und fängt zu putzen und zu bügeln an und Andi träumt von ihrer Mutter, die sie verlassen hat, als sie zehn war. Den Kontakt zu ihrem Vater hat sie auch abgebrochen. Jetzt meldet er sich wieder und will neu anfangen. Schwangerschaftsuntersuchungen werden gemacht, der Platz im Graphikerbür geräumt, die Ultraschllbilder hergezeigt. Die Hebamme im Schwangerschaftsvorbereitung fragt nach den Gefühlen? Filme über die Geburt werden angesehen und am Ende sieht es dann „genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Ein interessantes Buch würde ich urteilen, leicht zu lesen, über die geschilderten Ambivalenzen läßt es sich nachdenken und die widersprüchigen Ratschläge hat wohl jeder, der einmal schwanger war, schon gehört.

Und ich war schon bei zwei Lesungen aus dem Buch,  bei „Rund um die Burg“ im April und dann bei der Debutpreislesung im Oktober.

2015-10-14

Neue literarische Stimmen

In den „Textvorstellungen“, der „Alten Schmiede“, präsentierte Friedrich Hahn, diesmal drei neue literarische Stimmen, junge noch nicht so bekannte Literatur aus Österreich, zwei unveröffentlichte, ein veröffentlichter Text, die er aus Literaturzeitschriften kennengelernt und angeschrieben hat, obwohl gar so besonders jung sind die  zwei Frauen und der eine Mann mit den Geburtsdaten 1980,  1986, 1988, geboren, gar nicht.

Viel junges und älteres Publikum,  Nadine Kegele, Thomas Wollinger, Luis Stabauer und die 1980 in Graz geborene Britta Wedam, die mir, wie der nach ihr lesende Autor unbekannt war, hat mit einer  Kurzgeschichtenlesung begonnen, wovon die Erzählung „Im Wendekreis des Pfaues“ im Etcetera erschienen ist.

Da hat sie Friedrich Hahn entdeckt, die Autorin angeschrieben und die Geschichte erinnert ein bißchen an Gertraud Klemms.

Eine Frau backt für den Kindergarten  Muffins, steckt Smarties hinein und der Mann fragt, nach den Haaren in der Bettwäsche. Die sind von ihrem Liebhaber, denn das Eheglück ist schon schal und während die Frau im Elend versinkt, findet sie dann noch irgendwo ein rotes Haar.

„Das Jahr mit dem traurigen Clown“ war  ein sehr poetischer, fast lyrischer Text und im „Zoo“ geht es wieder um das Betrügen und das sich Verlassen eines Ehepaars, während die Kinder die Tiere betrachten und schließlich mit der Mutter Eis essen gehen.

Friedrich Hahn stellte dann Fragen nach dem Schreiben, ob es schon Verlagserfahrungen, Verlagskontakte und Ideen die Kurzgeschichten in einem Erzählband herauszugeben gibt?

„Keine Zeit!“, antwortete die Autorin, die gerade ihr Germanistikstudium abeschloßen und vielleicht selber Kinder hat.

Der 1988 Osttiroler Mathias Klammer hat dagegen schon drei Bücher im „Arovell-Verlag“ veröffentlicht und las zwei Szenen aus „Ein guter Tag zum Fliegen“, wo der Protagonist mit seinem toten Bruder spricht, sich Vorwürfe macht, sich nicht früher, um ihm gekümmert zu haben und dann mit einem krebskranken Mädchen auf Reisen geht.

„Wie weit autobiografisch?“, fragte Friedrich Hahn, seine wie er es nannte „Elke Heidenreich-Fragen?“

„Alles erfunden?“, antwortete der Autor.

„Hat alles nichts mit mir zu tun?“

Die Städte die beschrieben werden, hat er dann allerdings schon bereist.

Die dritte Lesende, die 1986 in Meran geborene Tanja Raich, war mir dann bekannt, allerdings nicht in ihrer Eigenschaft als Autorin, sondern als Programmleiterin, der neuen Literaturschiene von „Kremayr und Scheriau“.

Sie hat allerdings auch die „Leondinger Akademie“ besucht, hatte ein „Rom Stipendium“, war in „Palliano“ und da hat sie ein Monat mit einer Katze verbracht und einen Text darüber geschrieben.

„Die Katze ist ein fleischfressendes Tier“.

Auch eine unveröffentlichte Erzählung, die von einer Frau auf einer Insel handelt, die immer wieder von einer Katze besucht wird, die sie gar nicht mag, sie sinkt in eine Paranoia, wird menschenscheu und verschroben und am Schluß ißt sie die Katze auf, obwohl sie  Vergetarierin ist.

„Makaber!“, habe ich zu einer Besucherin gesagt, die mich beim Weggehen angesprochen hat. Sie hat der Text an Kafka erinnert, was möglich ist, da Tanja Raich ebenfalls Germanistik studierte.

Ich kenne mich bei Kafka aber nicht so aus und habe noch nicht soviel gelesen und hätte meinen psychologischen Blick eher auf das Innenleben und die Verstörung der Protagonistin geworfen.

Friedrich Hahn fragte auch nach dem Veröffentlichen und Verlegen. Da arbeitet Tanja Raich an einem Roman, den sie nicht bei „Kremayr und Scheriau“ verlegten wird, weil das ein „don`t“ ist, wie sie sagte.

Jetzt ist es nur noch spannend zu beobachten, wie sich die drei  Stimmen weiter entwickeln werden und ob sie eine solche Karriere, wie die auch in Neunzehnachtzigern geborenen, wie Valerie Fritsch, Clemens J. Setz, Anna Weidenholzer, Cornelia Travnicek, etc, erwartet.

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