Literaturgefluester

2019-05-20

Theodor Kramer Fest am Augartenspitz

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:00
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Von der „KritLit“ habe ich mich dann am Sonntagabend gleich zu der nächsten Veranstaltung aufgemacht, feierte doch die „Theodor Kramer-Gesellschaft“ ihr fünfunddreißigjähriges Bestehen und ich kann mich erinnern, daß ich ungefähr zu dieser Zeit bei meiner Freundin Hansi Berger, die inzwischen schon lange gestorben ist und die ich als junge Studentin beim „Club der logischen Denker“ kennenlernte, ein diesbezügliches Prospekt oder eine Broschüre liegengesehen habe und sie mir stolz erzählte, daß sie nun dort Mitglied ist, was mir damals noch nicht sehr viel sagte und wer Theoder Kramer war und welch beeindruckende Gedichte er geschrieben hat, habe ich damals nicht gewußt.

Dann habe ich 2001 das erste Mal den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisiert und bin da mit Konstantin Kaiser auneindergeraten, der die Veranstaltung für sich reklamieren wollte.

Ich habe ihn dazu eingeladen und mich inzwischen mit ihm versöhnt, besuche gerne die „Theodor KramerPreisverleihungen“ und auch manche der diesbezüglichen Veranstaltungen, war auch einmal bei einem Fest in Grinzig in der Kreisky-Villa und jetzt gab es ein Fest im Augarten, wo im Vorjahr Luis Stabauer mit seiner Gruppe, eine schöne Lesung abgehalten hat, in einem schönen Garten mit einer Zirkuskulisse und einem sehr schönen Programm, zu dem ich allerdings wegen dem „Tarantl-Lesetheaters“ etwas zu spät gekommen bin, so hat gerade eine Dame Brecht Chansons vorgetragen, als ich mir einen Platz suche, Angelika Kaufmann, Helene Hoffmann, Monika Vasik, Konstantin Kaiser begrüßte, mir am Buffet Eiaufstrichbrötchen und Rotwein holte und dann den Texten von der inPolen geborenen und in Wien verstorbenen Tamar Radiziner und den Liebesgedichgten von Theodor Kramer lauschte.

Dann hätte es noch ein interessantes Musikprogramm gegeben. Ich bin aber nach Hause gegangen, war das Wochenende doch sehr anstrengend und die politische Situation hat mich natürlich auch interessiert, die sich inzwischen zu einer „Staatskrise“ auszuwachsen scheint und als ich am Nachhauseweg noch beim „Wortschatz“ vorbeigeschaut habe, bin, habe ich doch Alexejs Tolstoj dritten Teil des „Leidenswegs“ gefunden, was mich dazu veranlaßte, da ich jetzt mit meinen Frühjahrsrezensionsexemplaren so ziemlich fertig bin, es auf meine Leseliste zu setzen, zuerst aber den von Stephan Teichgräber erstandenen ersten Teil „Die Schwestern “ zu lesen und zum „Revolutionsworkshop“ wird es am Mittwoch nach langer Zeit wahrscheinlich auch wieder gehen.

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2017-09-01

Exillyrik zum Antikriegstag

Das Wiener Lesetheater scheint den Antikriegstag am oder um den ersten September immer besonders zu zelebrieren, so bin ich einmal mit Ottwald John auf den Spuren von Berta von  Suttner bis zum Praterstern gewandert und morgen, während das Volksstimmefest ist, hat er, glaube ich, wieder so etwas vor, aber für heute habe ich eine Einladung von Konstantin Kaiser bekommen, daß das Lesetheater zu diesem Anlaß zum dritten Mal aus dem von ihm, Miguel Herz-Krestanek und Daniela Strigl herausgegebenen Band „In welcher Sprache träumen Sie?“ lesen wird und der Ort des Geschehen, das Delphin-Theater in der Blumauergasse Ecke Zirkusgasse, im zweiten Bezirk, war auch sehr passend, haben doch damals viele Juden dort gewohnt und es kommen einem auch heute noch vereinzelte orthodox Gekleidete entgegen.

Das Theater Delphin, ist eigentlich kein wirkliches, zumindest schaut es nicht bersondern nach einem aus, sondern ein großer Raum, fast ohne Bühne, nur mit der entsprechenden Beleuchtung, sowie ein paar Sesseln und aus dem Buch haben von  Susanna C-Schwarz-Aschner ausgewählt,  Vera Schwarz, Maximillian Spielmann und Jakub Kavin gelesen und der scheint zu dem Theater zu gehören, lagen auf den Sesseln doch kleine Kärtchen, die auf ein Stück von ihm inszeniert und bearbeitet nach Kafkas „Schloß“ hinwies.

Susanna Schwarz-Aschner leitete ein und las ein bißchen aus dem Vorwort, erläuterte daß eine große Anzahl von Exillyrikern in dem Band versammelt wären und dieLesung bestand dann auch wirklich aus einer ganzen Sammlung von sehr bekannten, bis ganz unbekannten Namen.

Die Erste, der Lebenslauf wurde immer dazu gelesen, war Stella Rothenbergt, die erste „Kramer–Preisträgerin“, die den Preis 2001 gebkommen hat, dann war auch das „Soldatengedicht“ der Schwester Restituta Helene Kafka dabei, die dafür hingerichtet wurde.

Berthold Viertel hatte einige sehr beeindruckende Gedichte, Stefan Zweig ein solches, Jura Soyfer, Paul Celan, Hermann Hakel, aber auch die Sozialdemokratin Käthe Leichter, die im KZ umgekommen ist und mit deren Gedicht „An meine Brüder im Konzentrationslager“, das von einer Genossin  auswendiggelernt und später aufgeschwrieben wurde, wurde die Lesung auch beendet.

Sehr beeindruckend, die Auswahl, die sich nicht immer, aber zum größten Teil auf das KZ, die Verzweiflung, die Deportation, etcetera bezog und ich habe, glaube ich, von dem Buch schon einiges gehört, war wohl auch schon vor Jahren bei einer Präsentation, aber noch nie eine so beeindruckende Lesung und richtig, die Kramer Gedichte, wo wir in einer Woche ja wieder nach Niederhollerbrunn zur heurigen Preisverleihung fahren werden, hätte ich jetzt fast vergessen.

2016-11-07

Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau

Die  „Theodor Kramer Gesellschaft“ hat das 1986 erschienene „politische Buch“, der Journalistin und Schriftstellerin Elisabeth Freundlich „über die NS-Vernichtungspolitik in Polen von 1939-1945“ wieder aufgelegt und mit mehreren Vorworten und Nachworten, Bildmaterial, sowie einem Interview mit Rabbi Moyshe-Leib Kolensik versehen, das von Paul Rosdy herausgegeben wurde.

1986 war die 1906 in Wien geborene Elisabeth Freundlich, achtzig, die 1938 mit ihren Eltern nach Zürich und Paris emigirierte, später in die USA kam, dort eine Ausbildung zur Bibliothekarin machte, in Wien hat sie Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft studiert und 1950 nach dorthin zurückkehrte.

Sie war die Frau des Philosophen und Schriftstellers Günter Anders und ist 2001 gestorben.

1986 ist zeitgleich mit dem genau recherchierten Buch, ihr Familienroman „Der Seelenvogel“ und die vier Erzählungen „Finstere Zeiten“, herausgekommen, wo eine  einmal von Ruth Aspöck im Rahmen des Lesetheaters im Literaturhaus aufgeführt wurde.

Nun also das „politische Buch“ der Journalistin, die auch als Kulturkorrepondentin bei der Berichterstattung von NS-Prozessen gearbeitet hat und 1986 ein sehr umfangreiches Werk über die Geschehnisse in der Stadt Stanislau, die heute Iwano Frankowsk heißt, vorlegte.

In sieben Kapiteln nähert sie sich dem „Schauplatz Galizien“ an, erwähnt, daß „das bunte Völkergemisch“, das in der K und K Monarchie in der  heutigen Ukraine lebte, „Ruthenen“ hießen und beschreibt in der „Neuordnung Euopas“, die vielseitige Besatzungsgeschichte der Ukraine, die einmal zur K und K Monarchie, dann zu Polen und zur Sowetunion gehörte, bevor sie 1941 von den Deutschen besetzt wurde.

In Briefen und Dokumenten wird, die sogenannte „Bevorzugung der Ukrainer“ beschrieben, die sich offenbar, um der SU Herrschaft zu entkommen teilweise gerne von den Deutschen „beschützen“ ließen und beschreibt auch sehr genau, die „Kindertransporte“, wo im Rahmen der Aktion „Lebensborn“ unter der Leitung, der Wiener Psychologin Hildegard Hetzer, von der ich während meines Studiums, ich habe die Entwicklungspsychologie noch bei Prof .Bayer-Klimpfinger besucht, einiges hörte, die blonden und bläuäugigen Kinder nach ihrer „Eindeutschungsfähigkeit“ ausgesucht und  nach Deutschland verschickt wurden.

Im vierten Kapitel geht es, um die „Sache“ oder die Ermordung der „Professoren“ der Universität Lemberg, die sie mit Zeugenberichten beschreibt und anmerkt, daß die „Besetzung durch die Nationalsozialisten im „District Galizen“, bevorzugt durch die „alten Kämpfer aus Österreich“ erfolgte.

Nach einem kurzen „Exkurs über die Zigeuner“, geht es zum „Massaker von Stanislau“ dem Kernstück des Buches, da diese Stadt in Ostgalizien, beziehungsweise in der Westukraine, die erste war, die im Juni 1943, als „judenfrei“ nach Berlin gemeldet wurde, wurden doch am 12. Oktober 1941, „an einem Sonntag und dem letzten Tag des Laubhüttenfests“ im Friedhof zwölftausend Menschen erschossen.

Peinlich genau und zu lesen schwer erträglich, hat dies Elisabeth Freundlich in Zeugenberichten Stück für Stück dargestellt.

Im Interview mit der Autorin Susanne Alge, die ihre Dissertation über Elisabeth Freundlich schrieb, meinte sie, daß „ihr das Buch deshalb so wichtig war, weil sie es als  Danksagung betrachtete, daß sie und ihre Eltern den Holocaust überlebten.“

Heute ist Elisabeth Freundlich, wie Konstantin Kaiser in seinem Vorwort schreibt, als Schriftstellerin ziemlich vergessen, deshalb ist die Wiederauflage des Buches sehr wichtig, obwohl die Anneinanderreihung von Fakten, Tatsachen und Protokollen nicht sehr leicht zu lesen ist, es gibt aber immer wieder einen leicht ironischen Unterton,  der den Inhalt ein wenig erträglicher werden läßt.

Das Buch wurde inzwischen auch, wie der Herausgeber in seinem Vorwort schreibt, in der Ukraine herausgebracht. Einige in der Erstausgabe vorhandene Ungenauigkeiten und Fehler wurden von dem ukrainischen Professor Jaroslaw Hryzak in seinem Nachwort aktualisiert und richtiggestellt.

 

 

2016-01-31

Die Banalität des Guten

Ein Gegenzitat zu Hannah Arendts „Banalität des Bösen“, die in diesem Buch, auch dem 1942 in Wilna hingerichteten Feldwebel Anton Schmid gedachte, der dort versuchte, dreihundert Juden das Leben zu retten.

Der 1963 in St. Pölten geborene Manfred Wieninger, der sich nach seiner „Marek Miert Krimi-Reihe“ zunehmend mit Verfolgung und Widerstand in NÖ beschäftige, das Lager, um den Viehofener See entdeckte und das Buch „Faustpfand“ geschrieben hat, sowie 2013 den „Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil“ erhalten hat, hat darüber, wie ich dem Impressum entnehme, schon 2014 einen „Roman in Dokumenten“ im Verlag der „Theodor Kramer Gesellschaft“ herausgegeben, der am 21. Jänner im Bezirksmuseum Brigittenau präsentiert wurde.

Von Feldwebel Schmied habe ich aber  schon im Jahr 2014 durch Ö1 und das „Radio für Zeitgenossen“ erfahren und das Lesen des sehr gut dokumentierten Buches, ob es wirklich ein Roman ist, darüber kann man diskutieren, ist auch sehr interessant.

Wurde Anton Schmid, der mit seinem Bärtchen ein wenig an Hitler erinnern kann und ein offensichtlich sehr lebensfreudiger Mann war, wie man den abgebildeten Fotografien entnehmen kann, doch 1900 in Wien geboren und hatte in der Brigittenau ein Elektrogeschäft.

Er war verheiratet, seine Tochter Gerta oder Gertrude, der er aus Wilna viele Briefe schrieb, wurde 1921 geboren, 1940 wurde er in die Wehrmacht eingezogen, zum Feldwebel ernannt, auch davon gibt es im Buch einige Fotos in der Wehrmachtsuniform und in Wilna stationiert, wo er eine „versprengte Sammelstelle“ und einen Tapezierbetrieb mit jüdischen Zwangsarbeitern leitete.

Dort versuchte er Juden, die in Willna zu Hauf erschossen wurden, gefälschte Papiere zu vermitteln und aus dem Krisengebiet zu schmuggeln, wurde dabei aber verraten und 1942 erschossen.

Das, was man in „Wikipedia“ auf einer Seite nachlesen kann, erweckt nun Manfred Wieninger mit vielen Details und Originalbelgen, Briefen, Zeugenaussagen, sowie den schon erwähnten Fotos, zum Leben.

Es beginnt mit zwei englischen Gedichten für Anton Schmid, dann wird von der Hinrichtung und dem Brief des Gefängnispfarrer an Frau Steffi, von  der Kindheit, bis wiederum dem Ende, 1942 und dem, was danach geschah erzählt.

Zwei der von Anton Schmid Geretteten, waren der jüdische Schriftsteller Hermann Adler und seine Frau Anita. Hermann Adler, der in Würzburg an einer Sonderschule Lehrer war, mußte nach der Machtübernahme in die Tschechoslowakei fliehen und kam über Polen und Lemberg nach Litauen, seine Frau Anita stammte aus Wien.

Auch der Lebensweg der Beiden, die 2001 sowie 1997 in Basel gestorben sind, wird genau und detailreich geschildert, so daß man sich von den damaligen Geschehnissen ein sehr gutes Bild machen kann und in den Briefen Anton Schmids an seine Frau und seine Tochter erfahren kann, wie es damals gewesen sein mag.

„Es geht mir gut!“,, schreibt er immer wieder und erwähnt die Schnitzel und die Schweinebraten, die ihm seine Kameraden kochten. Er schickte auch sehr viele Würste und Fleischwaren nach Wien und schreibt immer wieder, wie gerne er nach Hause kommen würde, schreibt von Urlauben, die offenbar nie zustanden kamen und versteckte während dieser Zeit in seiner Dienstwohnung Juden, stattetete sie mit falschen Papieren aus und ließ sie damit auch in der Kompanie arbeiten.

Hermann und Anita Adler wollte er auch in seinem Dienstwagen nach Wien zu seiner Frau bringen, ein Plan, der offenbar nicht zustande kam.

Die Familie ließ, nach dem sie vom Tod Anton Schmids erfuhr, eine Seelenmesse lesen, wurde dabei aber offenbar von Hausparteien beschimpft und eine Fensterscheibe wurde eingeschlagen.

Es gab dann sehr bald, nämlich 1968, einen Spielfilm im ZDF.

Es scheint auch andere Bücher über Anton Schmid zu geben, die Sendung „Diagonal“ hat sich, glaube ich, auf ein solches bezogen und ein Weg beziehungsweise, ein Gemeindebau ist in Brigittenau, ein Bezirk von Wien, auch nach ihm benannt, sowie in Deutschland eine Kaserne, die es aber offenbar nicht mehr zu geben scheint.

Manfred Wieninger ist mit Christiane M. Papst, der das Buch auch gewidmet ist, 2002 nach Vilnius gefahren, hat dort gemeinsam mit einer Dolmetscherin das Militärgefängnis, wo Anton Schmid hingerichtet wurde und das jetzt ein Wohnhaus ist, besucht und mit einem Zeitzeugen gesprochen. Auch nach dem Grab wurde gesucht, das sich aber „heute leider nicht mehr lokalisieren ließ“.

Ein wirklich interessantes Buch mit sehr vielen Briefen und Dokumenten, das ich zu lesen sehr empfehlen kann.

 

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