Literaturgefluester

2021-03-10

Gegenstimme mit Musik

Bei der diesjährigen „Hörspielgala“ ist das Hörspiel des1983 in Schlierbach OÖ geborenen Thomas Arzt „Laue Nächte“ auf Platz zwei der Publikumsauswahl gekommen, gleichzeigtig wurde auf seinen bei „Residenz“ gerade erschienenen Debutroman „Die Gegenstimme“ hingewiesen, der heute im Literaturhaus präsentiert wurde und Daniela Strigl, die moderierte, wies in ihrer Einleitung darauf hin, daß Thomas Arzt zu den bedeutensten jüngeren Autoren Österreichs gehört dessen Stück „Grillenparz“ das nicht mit Grillparzer zu tun hat, sondern der Name eines oberösterreichischen Berges darstellt, 2011 im Schauspielhaus uraufgeführt und vorher in der dortigen Theaterwerkstatdt erarbeitet wurde.

Dann gibt es noch ein von Daniela Strigl erwähnte Stück namens „Alpenvorland“ sowie eine „Else (ohne Fräulein)“ und noch ein paar andere Sücke. Und jetzt der Debutroman und richtig Musik gab es auch, die von den 1994 geborenen Paul Schuberth, der zwischendurch improvisierte und auch ein Stück zu dem Buch geschrieben hat und dann noch einen Walzer spielte.

In dem Buch geht es u, den 10. April 1938 in dem es die Abstimmung zum Anschluß Österreichs an Deutschland gab und da ist ein Karl Bleimfeldner, der , in Innsbruck studierte in seinen Heimatdorf Schlierbach zurückgekommen, um mitzustimmen und das war. wie Daniela Strigl schon verraten hatte, der Großonkel des Autors und offenbar der einzige von den Dorfbewohnern, der gegen den Anschluß gestimmt hat und diesen Tag beschreibt Thomas Arzt in seinem Roman mit einer, wie Daniela Strigl auch erwähnte, besonderen, nämlich gehetzten hastigen Sprache. Ich denke, sie war ein wenig Dialekt gefärbt und die Dorftyen, die zur Wahl schritten, beziehungsweise davon zurückkamen und ergründen wollten, wer denn der eine Abtrünnige war, der Bürgermeister, seine Gattin, seine Tochter, das deutsche Mädel, der besoffene Schuster, Karls Vater, glaube ich, den Dorftrottel, der auch dagegen stimmen will, sich das dann aber nicht traute, beziehungsweise „Grüß Gott!“, stotterte, als er zum Hitlergruß aufgefordert wurde und das Besondere an der Lesung, Thomas Arzt hat sehr gut gelesen, füge ich hinzu, waren auch Bildauffnahmen, die einen Waldweg offenbar von dem Dorf Schlierenbach zeigte, denn es gab dort schon eine szenische Lesung. Der Roman war damals, wie Thomas Arzt später im Gespräch mit Daniela Strigl erwähnte, noch nicht fertig, sondern nur drei Kapitel stark und er war sich auch nicht sicher, ob er je fertig werden würde und Daniela Strigl wolllte dann noch wissen, ob Thomas Arzt nie daran gedacht hatte, ein Stück daraus zu machen? Was er vermeinte. Er hätte angst davor gehabt, daß es verheitzt wurde und es sich auch in den Vertrag schreiben lassen, daß das ein anderes tun würde.

„Ist Thomas Bernhards „Heldenplatz“ verheitzt worden?“, hat Daniela Strigl dann noch promt gefragt, was wohl insofern zu verneinen ist, weil Thomas Bernhard so berühmt war, daß er sich wahrscheinlich alles leisten konnte.

Interessant und spannend wieder ein historischer Roman über die NS-Zeit und ein Stück Zeitgeschehen und die Diskussion führte dann auch in die Gegenwart zurück oder endete mit ihr und ich werde mir das Buch, ob meiner langen Leseliste wohl nicht anfragen, bin aber sehr gespannt, ob ich es einmal finden werde und was ich noch von dem jüngeren Dramatiker höre, weil ich ja nicht so oft ins Theater gehe und das ja derzeit gar nicht möglich ist.

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