Literaturgefluester

2019-01-19

Troll

Filed under: Bücher — jancak @ 00:19
Tags: , , ,

Jetzt kommt ein Buch, auf das ich mich sehr gefreut habe, seit ich bei meinem „Frankfurt-Surfing“ auf dem blauen Sofa davon hörte, das mich aber eher enttäuscht, beziehungsweise ratlos, zurückläßt.

Wahrscheinlich habe ich Michal Hvoreckys dritten oder was auch immer Roman nicht verstanden und ich habe den 1976 in Bratislava Geborenen, ja einmal auf einer Schiffsreise von Bratilsava nach Wien kennengelernt, als er aus seinem „Donau-Roman“ gelesen hat, den ich als sehr originell empfunden habe.

Stephan Teichgräber hat ihn dann einmal bei einem Centrope-Festival, das ich nicht besucht habe, eines seiner anderen Bücher vorgestellt, daß wir auch im Centrope-Workshop besprochen haben und jetzt „Troll“ ein wichtiges interessantes thema, bekomme ich ja manchmal auch negative Kommentare. Es war mir aber muß ich sagen, schon am blauen Sofa nicht so ganz klar, was eine Trollfabrik ist, von der Michal Hvorecky immer gesprochen hat.

Ein Gebäude, wo die Trolle sitzen und ihre Fakenews, in die Welt verschicken? So ist es ja in der Wirklichkeit nicht so ganz.

Michal Hvorecky hat sein Buch auch auf der „Buch Wien“ vorgestellt. Da habe ich ihn gefragt, wann er es geschrieben hat, weil Stephan Teichgräber meinte, es wäre schon ein älteres Buch, das jetzt von Mirko Kraetsch übersetzt, auf Deutsch herausgekommen ist und da habe ich gedacht, daß dann der Inhalt wahrscheinlich schon veraltet wäre.

Er hat es, glaube ich, 2015 geschrieben und Cornelius Hell oder Katja Gasser haben es bei der letzten „Lese.Auslese“ ja auch auf ihre persönliche „Best of List“ gesetzt.

Nun gut, das heißt schon einmal etwas und wäre eine Menge an positiver Vorschußlorbeeren und dann nehme ich das dünne zweihundert Seiten Bändchen in die Hand und bin verwirrt. Es besteht aus zwei Teilen, einem kürzeren und einem längeren.

Der Kürzere heißt „Kukav“ und da wurde mir nicht ganz klar, ob das eine Parodie auf Bratilava zu Zeiten des Kommunismus ist?

Aber nein, das Buch spielt ja in der Zukuinft in der Stadt, die gerade einigen Dikataturen entkommen ist. Da ist von einem „Anführer-Vater“ und einem „Anführer-Sohn“ die Rede. Es gibt einen namenlosen Ich-Erzähler und der litt schrecklich unter seiner Kindheit und seinen Schäden, die ihm seine Mutter durch homöopathische Behandlungen zu Teil werden ließ.

„Hm?“, könnte man da schon fragen. Er wächst in einer Villa einer Funktionärfamilie auf, die aber überwacht wird. Der Vater verläßt mit seinem Bruder ihn und die Mutter und flüchtet wahrscheinlich ins Ausland. Er leidet an Übergewicht und kommt für fünf Jahre ins Krankenhaus, in dem es auch ziemlich skurill zugeht, obwohl die Krankenversicherung schon lange zusammengebrochen ist. So laufen dort die Scharlachtane und Wunderheiler herum. Er lernt aber Russisch und lernt auch die drogensüchtige Johanna kennen, in die er sich verliebt.

So weit Teil eins. Zitate gibt es immer wieder eingeblendet auch, deren Bedeutung und Bezung auf den Inhalt mir nicht ganz klar wurde.

In Teil II „Im Netz“ haben die Zwei dann das Krankenhaus verlassen und gehen in die Trollfabrik, lassen sich dort als Hater anstellen und verbreiten Unwahrheiten und Fake-News im Netz, beziehungsweise in die Welt.

Das wird sehr ausführlich geschildert und jetzt habe ich noch vergessen zu erwähnen, daß das Ganze einen Prolog hat, wo der Troll oder Ich-Erzähler, von der Menge gehetzt mit einem Kaputzenpullover durch die Stadt rennt. Vorläufig aber verbreitet er eifrig Fake-News, obwohl er eigentlich das Gegenteil wollte, solange bis Johanna das Ganze aufdeckt und verhaftet wird.

Dann wendet sich das Blatt und die Trolle werden getrollt. Er läßt sich zum Monster umoperieren, weil er der gehaßteste Mensch der Stadt ist. So kommt es  zu der schon erwähnten Verfolgungsjagd. Es wird aber alles gut, die Beiden finden sich wieder und versuchen das Troll-Chaos aufzuarbeiten und die Wahrheit zu verbreiten.

So weit, so gut und nicht ganz verstanden .Jetzt sollte ich noch den „Donau-Roman“ lesen, der mich damals sehr beeindruckt hat, von dem ich aber auch schon hörte, daß er jemanden nicht gefallen hat.

Seltsam, seltsam, das Trollwesen habe ich, die ich  ja auch manchmal mit solchen News konfrotiert bin, nicht ganz verstanden und würde fast vermuten, da ist die Fantasie mit Michal Hvorecky durchgegangen und er hat wahrscheinlich sehr lustvoll, einen überbordeten Roman geschrieben, dessen Botschaft ich aber nicht ganz nachvollziehen konnte und die mir auch in sich nicht schlüßig, sonder eher unzusammenhängend erschien.

Zum besseren Verständnis kann ich aber noch Michal Nvorecky vom „Blauen Sofa“ zitieren, der meine, daß er eigentlich einen Science Fiction Roman schreiben wollte, von der Wirklichkeit aber eingeholt wurde.

Werbeanzeigen

2018-10-19

Der Blumensammler

Jetzt kommt wieder ein Buch aus der vierten Kategorie meines heurigen Herbstmonsterlesevorhabens, nämlich der zweite Roman des 1981 geborenen, englischen Schriftstellers David Whitehouse, der im „Blumensammler“ drei Leben in einem Roman verbindet und das  sehr spannend und gekonnt kombiniert. Ein wenig Mystik und Surrealismus, wie man sich das vielleicht so wünscht, ist auch dabei und so steht am Buchrücken „Eine fantastische Expedition in die Welt der Blumen: Spektakulär, verblüffend, herzergreifend“ und wenn man, wie ich zuerst den Klappentext liest, ist man am Anfang verwirrt. Denn das Buch beginnt gar nicht mit dem dort erwähnten Blumensammler und seinem Alter Ego, sondern mit einem Professor Cole, der irgendwo in einem U-Boot sitzt und dann aus einem Wal einen Flugschreiber herausholt.

Nun ja, ich gebe zu, daß ich irgendwann nach vor geblättert habe, um nachzuschauen, ob ich wirklich das richtige Buch in der Hand habe oder eines mit einem falschen Umschlag?

Ich hatte, denn es im nächsten Kapitel geht es mit einem Dove weiter und da ist dann schon von Moorveilchen die Rede. Also richtig. Dove war, glaube ich, Journalist, arbeitet jetzt aber bei einer Rettungsorganisation im Telefondienst und hat plötzlich starke Kopfschmerzen und nicht nur das. Erinnerungen tauchen in ihm auf, an einen Peter  Manyweather aus New York, obwohl er noch nie in New York war und dorthin geht es gleich im nächsten Kapitel und auch dreißig Jahre zurück, nämlich ins Jahr 1984 und da lebt dieser Peter etwas vereinsamt vor sich hin. Er hat eine Schwester und ein Reinigungssunternehmen. Das heißt, er putzt Wohnungen, wo die Leute lang hinausgestorben sind und viel Dreck hinterlassen und dort findet er eine schöne Blume.

Da geht er dann in die Bibliothek holt sich ein Lexikon und findet dort einen Brief, wo einer seiner Liebsten, von den schönsten Blumen der Welt erzählt und die phantastische Reise beginnt. Denn Peter, der inzwischen einen anderen Blumenforscher kennengelernt hat, macht sich auf auf die Expedition, um die Welt, nach China, Afrika, Sumatra und so weiter, findet dort seine große Liebe und der Dove, ein Adoptivkind, der seine Eltern nie gesehen hat, geht inzwischen weiter in die Vergangenheit dieses Peters und dann ruft noch eine Frau in der Rettungszentrale an, die sich, um einen ihrer Patienten in einem Altersheim Sorgen zu machen, der den ga nzen Tag am Fenster steht, die Blumen im Garten ansieht und auch Kopfschmerzen hat.

Abwechselnd werden die drei Erzählstränge miteinander verbunden. Der Professor geht auf Pressekonferenzen und  versucht die Absturzurrsache des Fluges PS570 vor dreißig Jahren herauszufinden, aus dem sich offenbar ein Mann aus dem Meer gerettet hat und der Mann in dem Altersheim, der angeblich Zachariah Temple heißt, wurde eines Tages verwirrt von der Polizei auf der Straße aufgegriffen und ins Heim gebracht.

Dove erkennt den Vater in ihn und ganz am Schluß stellt sich noch heraus, daß Professor Cole es einstmals war, der seiner Liebsten, um sie zu beeindrucken, den Brief geschrieben hat, obwohl er nichts von Blumen versteht

Sehr spannend und ein bißchen ungewöhnlich die Verbindungen der drei Personen, die an sich nichts miteinander zu tun haben, der „spektakuäre roman über Liebe und Verlust sowie über die ungezähmte Macht der Erinnerung“, wie im Klappentext steht. Mich hat er ein bißchen, sowohl an „Orchis“ als auch an den „Vogelgott“ erinnert.

Und besonders haben mir darin die kleinen Seitenhiebe an das soziale Geschehen dieser Welt gefallen und auch, daß die Protagonisten ganz normale Berufe, wie Reinigungsfachkraft oder Mitarbeiter einer Rettungszentrale haben.

Bloggen auf WordPress.com.