Literaturgefluester

2018-07-07

Grandhotel

So nun habe ich die dritte Nacht im Hotel verbracht, denn „Wagenbach“ hat ja sozusagen eine Sommerreihe, wo er sechs ältere oder neuere Bücher, die alle irgendwie im Hotel spielen, wieder aufgelegt oder neu herausgebracht und so bin ich mit Vicki Baum in den letzten Tagen des Krieges im Hotel Berlin gewesen, da wußte ich noch nichts von der Reihe, war nur erfreut, daß ich endlich an das Buch kommen kann, als ich es bei „Anna Jeller“ in der Auslage liegen sehe, dann habe ich mit Christoph Meckels Sussanne und ihrem neugeborenen Bruder eine irrwitzige Reise durch ganz Europa unternommen und Hotels ja, natürlich, kommen auch ab und an darin welche vor, während Jaroslav Rudis, der heuer den „Preis der Literaturhäuser“ bekommen hat, zweiten auf deutsch erschienen  Roman, wie schon der Name sagt, wieder in einem Hotel spielt.

Nämlich in dem futoristischen Grand Hotel hoch auf einem Berg in Liberec, vormals Reichenberg gelegen, dasm glaube ich,  eine Raketenform hat und hoch in den Himmel ragt und Jegr, der Besitzer hat es auch in ein postkommunstisches Museum verwandelt, denn das Buch spielt 2003 und Held ist Fleischman, ein junger Mann mit scharfer Zunge, ein Außenseiter, der da seine Geschichte erzählt.

Er hat seine Eltern verloren, als sich der Vater ein Auto kaufte und mit ihm und der Mutter einen Ausflug unternehmen wollte. Am Stadtrand kam es zu einem Unfall, Fleischman in die Psychiatrie, seither hat er auch einen „Eierkopf“ und die Nase rinnt ständig. Aber er wurde schon  früher in der Schule von den Mitschülern gehänselt, geprügelt und hatte, wie man so sagt, immer das Bummerl.

Jetzt erscheint eine Alte vom Sozialamt und bringt ihm zu Jegr, einem entferten Verwandten, der einen Lebensmittelladen hat, also das Kind gegen einen Sack Orangen tauscht, wie Fleischman lakonisch erzählt.

Der Verwandte kommt dann zum dem Hotel und Fleischman wird zum Mädchen für alles und plaudert nun locker über sein Leben oder seine Erlebnisse dort.

Er muß auch wöchentlich zu einer Frau Doktor, der er sein Leben erzählt und, die das Verdrängte aus ihm sichtbar machen will, denn Fleischman lebt in den Wolken. Er ist ein Wetterbeobachter, schreibt dreimal täglich auf, wie es ist, zieht seine Zusammenmhänge daraus und der schönen Fernsehmetreologin, wenn die etwas Falsches darüber sagt, den Hochdruck beispielsweise mit dem Tiefdruck verwechselt, schreibt er dann Briefe zur Richtigstellung, die alle mit der immer gleichen Autogrammkarte beantwortet wird.

Jegr erzählt ihm dagegen von seinen Liebschaften, nennt ihn „Einhandflötist“ und gibt ihm den Rat fürs Leben „Ficken, ficken, ficken!“ und sich außerdem für Fußball zu interessieren, wo Fleischman von beiden vorerst nichts hält. Das Erstere wird sich ändern als Ilja in dem Hotel erscheint und das Zimmerdmädchen Zuzana will schon etwas von ihm, wo er aber widersteht.

Dann gibt es noch Franz, einen Rentner, der aus Liberec nach dem Krieg vertrieben wurde, jetzt aber zurückkommt, sich lebenslang in dem Hotel einquartiert und Fleischmann einen wichtigen Auftrag gibt.

Er hat nämlich zwei Kaffeedosen im Gepäck, in diesen befindet sich die Asche von zwei Freunden, die ebenfalls aus Reichenberg vertrieben wurden. Die soll jetzt an den Ausgangsort zurück , das heißt dort verstreut werden, wo die Freunde geboren wurden.

Was nicht so einfach ist, denn nur bei einem steht das Haus noch da, bei dem anderes ist es inzwischen ein Kaufhaus geworden.  Franz Geburtshaus ist jetzt eine Spielhölle und der Betreiber einer von Fleischman einstigen Peinigern und Fleischman hat noch ein Problem. Er kann nämlich die Stadt nicht verlassen, so oft er es versucht, an der Tafel mit der Stadtgrenze, wo der Unfall passierte, macht er Halt, steigt aus und bekommt eine Panikattacke.

So versucht er es mit einem Ballon, baut sich diesen zusammen und steigt mit den zwei Flaschen in denen sich inzwischen auch Franz Asche befindet ein. Jegr, der ihn davon abhalten will, nimmt er mit und dann kann Franz zu seinem Anfang zurückkehren und Fleischman entkommt vielleicht auf den Weg zu den Wolken seiner Stadt.

„Cool witzig, kritisch, politisch, poetisch widerständig, anti-bürgerlich, berührend und verführerisch -kurzum: literarischer Rock n roll steht“, am Buchrücken.

Ich kann noch anmerken, daß Jaroslav Rudis 1972 geboren wurde und in Prag lebt.

Und ich werde mich demnächst auf eine Reise mit Giorgio Bassani wahrscheinlich nach Italien begeben. Wie weit eines oder mehrere Hotels da eine Rolle spielen, wird sich herausstellen.

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2018-05-09

Mittwoch-Geplauder

Jetzt bin ich in der letzten Woche kaum zu literarischen Veranstaltungen gekommen, weil am Dienstag erster Mai, am Montag und Mittwoch Abendstunden und am Wochenende sind wir wieder zu unserem üblichen Programm nach Harland gefahren, so daß es sich erst am Montag wieder wenigstens zu zwei Dritteln für die „Alte Schmiede“ und zu einem „Poliversale-Abend“ ausgegangen ist.

Gestern den „Tag des Freiheit des Wortes“ versäumt, dafür habe ich aber in meinen Stundenlücken ein wenig an der „Unsichtbaren Frau“ korrigieren können, wo ich ja hoffe, bald fertig zu werden und heute Mittwoch wieder das „Utopie-Workshop“ in der Spengergasse, da bin ich ja jetzt mit  Stephan Teichgräber allein und das literarische Plaudern überwiegt, obwohl Stephan Teichgräber intensiv an seinem Skriptum weiterarbeitet.

Aber da habe ich, als ich am achtzehnten April im tschechischen Zentrum war ein Heftchen zur neueren tschechischen Literatur ab 1990 bekommen, da ich heute mitgebracht habe, weil ich seine Meinung zu den angeführten Autoren wissen wollen, so daß er sie mit mir durchgegooglet hat und Überraschung, einen von ihnen werde ich nächste Woche beim „Centrope-Festiva“l kennenlernen, denn Marek Sindelar ist da ja neben Mechthild Podzeit-Jonke, Anna Weidenholzer, Reinhard Kaiser-Mühlecker und Franzobel eingeladen und nach dem Workshop hatte ich noch zwei Stunden, während der Alfred parallel ein Fest für seine Betriebsratkollegen veranstaltet hat, so daß es ein sehr gutes Essen gegeben hat.

Morgen ist wieder Feiertag und am Freitag und am Wochenende ist die „Kritlit“, die kritischen Literaturtage, wo ich wieder zu ein paar literarischen Veranstaltungen kommen werde und ansonsten ist diese Woche sehr von Michael Köhlmeier dominiert, habe ich den doch nicht nur am Montag als Lyriker kennengelernt, nein, er hat auch am letzten Freitag zum Kriegsende eine Rede im Parlament gehalten, wo er die schwarz-blaue Regierung sehr kritisierte und dafür sowohl Lob, als auch Tadel bekam. Das war im Fernsehen zu sehen und im „Falter“ zu lesen und ich habe mich durch meine Rezensionsexemplare jetzt auch langsam durchgelesen, so daß ich höchstwahrscheinlich bald zu den anderen Büchern komme, die sich in meinem Badezimmer angesammelt haben.

Dann gibts noch zwei Maiwochen, mit dem „Wildgans-Preis“, den diesmal Sabine Scholl bekommen wird. Es gibt das Centrope-Festival im Theaterbrett, „Rund um die Burg“ das letztes Wochenende war, habe ich versäumt.

Es kommt dann Pfingsten, wo wir etwas verkürzt wieder in Harland sein werden und dann im Juni fliegt der Alfred wieder für ein Monat nach Amerika, wo ich mir zumindestens die Wochenende für möglichst intensive Writer-Retreats vorgenommen habe, um endlich mit der „Unsichtbaren Frau“ fertig zu werden.

Denn die Idee danach wartet schon, beziehungsweise, hat sich diese dopptelte Magdalenageschichte, die ihre Depression ins Netz outet und ihre Vergangenheit noch einmal durchlebt ein wenig umgewandelt.

Da gibt es dann noch eine idee einen jungen Syrer einzuführen und eine Supermarktkassiererinidee, als Nebenfigur habe ich auch.

Mal sehen, wie lange ich noch zum Korrigieren brauche, denn Anfang Juli gibts ja das zehn Jahre Jubläum und dann die Sommerfrischenwochenenden, wo ich eigentlich mit dem Schreiben beginnen könnte, wenn es nicht wieder ein „Nanowrimo“ werden wird.

Ansonsten habe ich Nachricht vom Chritoph Kepplinger bekommen, am ersten und zweiten September wird es wieder ein Volksstimmefest geben, wo ich ja, das Motto steht noch nicht so ganz fest,  meine Jonathan Geschichte mit der Nobelpreissitzung lesen könnte und die ist ja höchst aktuell.

Zwar schlägt er da  die Lilly mit ihrer „Unsichtbaren Frau“ vor, aber aktuell hat sich die Kommission ja so zerstritten, daß sie heuer keinen <preis vergeben wird, während es bezüglich des Volksstimmefest noch die zwei letzten Anthologien fertig werden müssen.

Da ist in der einen ja meine Fabianszene aus dem „Bibliotheksgespenst“ drinnen und in dem anderen die Himmelssezene aus den „Berührungen und was die „Kunst im öffentlichen Raum“ betrifft, gibt es auch etwas zu berichten und zwar ist da  die Ruth letzte Woche zu mir gekommen und wir haben für 2019 die „U-Bahntexte“ eingereicht und da mir Erika Kronabitter empfohlen hat, die Texte auch an „Art Science“ zu schicken, habe ich das getan.

Mal sehen, vielleicht wird ein Buch daraus, noch habe ich keine Antwort bekommen, aber wenn etwas daraus wird, könnten wir es ja in der „Gesellschaft für Lteratur“ vorstellen, wo man mit selbstgemachten Bücher  noch immer nicht lesen darf.

Mal sehen noch ist es nicht so weit und wer jetzt wissen will, wie es mit der Schreibgruppe weitergehen wird, da werden wir uns am nächsten Mittwoch wiedertreffen und da könnte ich, wenn da ein paar Leute kommen werden, vielleicht wieder eine Szene für mein work in Progress schreiben.

2017-03-19

Tsunami Blues

Weiter gehts mit den Neuerscheinungen, das heißt Marketa Pilatovas dritter Roman ist schon im Vorjahr erschienen und dann irgendwie verlorengegangen und auch die Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“, die mich auf das Buch aufmerksam machte, habe ich wegen eines Kliententermins versäumt.

Habe aber, das erste Buch der 1973 in Kromeriz geborenen und jetzt in Lateinamerika tschechisch unterrichtenden Autorin gelesen, da es mir Herwig Bitsche schenkte, als ich damals den „Residenz-Verlag“ besuchte.

„Tsunami Blues“ erschien bei „Braumüller“ und bei einer Lesung im tschechischen Zentrum anläßlich einer „Buch-Wien“ bin ich auch einmal gewesen und weil das Buch höchstwahrscheinlich auch zu „Centrope“ passt, habe ich es am letzten Mittwoch auch in die Spengergasse geschleppt, aber zum Analysieren sind wir da noch nicht gekommen.

„Tsunami Blues“ ist ein wunderbares Buch könnte man fast pathetisch sagen oder eines nach meinem Geschmack.

Im Klappentext steht etwas von Graham Greenes Spuren auf denen die Autorin wandern würden. Das kann ich nicht beurteilen, so viel Greene habe ich noch nicht gelesen, obwohl man die Bücher ja in den Bücherschränken findet.

Es ist aber eines, das sich meiner Meinung nach, wohltuend von beispielsweise Eva  Menasses komplizierten Stil abhebt, wo man lange braucht, um mitzubekommen und die Handlung zu verstehen.

Hier versteht man auch nicht sofort, denn Marketa Pilatova pirscht sich langsam an das Geschehen an. Aber dann wird alles klar und ist eigentlich auch ziemlich linear erzählt, wenn es natürlich Rückblednungen gibt, die das Ganze erklären und auflösen.

Da ist Karla, ein sechzehnjähriges Mädchen, das in einer mährischen Kleinstadt lebt und bei dem Exilkubaner  Lazaro Trompete spielen lernte.

Sonst hat sie Schwierigkeiten mit ihren kleinbürgerlichen Eltern, die sie dann doch überreden, zu Weihnachten 2004  mit nach Thailand zu fahren. Man ahnt was kommt. Die eltern kommen bei dem Tsunami um und Karla irrt am Strand herum, um ihre Leichen zu suchen. Dabei wird sie vom Schatten einer schwarzen Frau verfolgt.

Es ist also auch magisch oder natürlich nur posttraumatisch und sie kann sich eigentlich nur durch einen mexikanischen Fotografen ein bißchen beruhigen oder ablenken.

Sie hat aber auch eine vernünftige Großmutter, die in der Kleinstadt Apothekerin ist und die schickt Lazaro, um sie zurückzuholen, was er auch tut. Karla kommt zurück, geht nach Olmütz in ein Studetnenheim, studiert bei der alten Jenufa Spanisch und schwört sich, nie wieder eine Trompete anzurühren.

Da ist es fast ein Glück, daß auch Jenufa kubanische Wurzeln hat, beziehungsweise, daß sie immer wieder dorthin fliegt, um Medikamente an Dissidenten zu verteilen. Allein kann sie das aber jetzt nicht mehr, da sie so an die Achtzig ist, so muß Karla mitkommen und jetzt wird es wahrscheinlich greenhaft spannend.

Sie bekommen statt eines Leihautos nämlich nur ein altes Motorrrad, landen in einem komfortablen Hotel, das sich als Buff entpuppt.

Jenufa wird am nächsten morgen verhaftetund Karla muß ihr nachfahren und mit einigen Schwierigkeiten kämpfen. Jetzt löst sich alles nach und nach auf und auch das ist äußerst spannend und, weil man ja nicht soviel spoilern soll, verrate ich nur, daß der Schluß gelingt. Karla kommt zurück nach Mähren, geht ins Leben und wird wieder Trompete zur Trompete greifen.

„Und was machst du jetzt?“, fragt Lazaro, „Spielen“, lautet der letzte Satz.

Es kann also auch ganz einfach sein. Wwohltuend einfach und braucht nicht die komplizierten Konstruktionen, die das Lesen mühsam machen, aber als gute Literatur gelten, denke ich und wiederhole, daß mir das Buch sehr gefahllen hat und ich es jeden, aber wahrscheinlich besonders meiner Freundin Ruth, die ja einige Jahre in Kuba lebte, empfehlen kann.

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