Literaturgefluester

2018-06-05

Wien-Tschechien-Italienreise

„Reisen wir“ heißt eine Reihe in der „Gesellschaft für Literatur“, wo offensichtlich Reisetexte vorgestellt werden. Da war ich schon einmal bei Mirco Bonne und heute hat meine literarische Veranstaltungsreise eigentlich im von 1938 angefangen. Denn da gibt es ja heuer ein Gedenkjahr und deshalb eine Ausstellung in der „Wien Bibliothek“ mit einem Begleitprogramm.

Und da ging es heute im Seminarraum um den Proagandafilm und das ist ja ein sehr interessantes Thema und ich habe mir da Werbefilmchen vorgestellt, wie etwa ein schöner junger SA Mann blond und blauäugig einem ebenso schönen naiven Wiener Mädel erklären soll, wo sie am 10. April ihr Kreuzerl machen soll.

Aber mitnichten, es wurden von Michael Loebenstein und Ingo Zechner, zwei Herren, die trotz der Hitze weiße Hemden trugen, unter derModeration der Direktorin Sylvia Mattl-Wurm nur die Filme gezeigt, die schon in der Ausstellung, da war ich ja bei der Eröffnung zu sehen sind und die haben mich nicht sehr interessiert, weil es da ja um eine Gastwirtschaftstagung im Rathaus, eine Rede des damaligen Bürgermeisters im Apollokino,  wo er den deutschen Buben und Mädeln die Rolle des Sparens erklärt und dann wurde noch irgendein Nazibonze eingeflogen, der den Beamten am Rathaus sprich Adolf Hitler Platz, so hieß er ja damals, offenbar das neue Regime erklärte.

Die wurden besprochen und kommentiert und dann gab es noch zwei Minuten aus der damaligen Polizeileistungsschau, die dese seit 1927 jedes Jahr zu Weihnachten präsentierte und war zu sehen, wie die Wiener Polizisten ihre Knüppel abgeben und die deutschen ins Rathaus einmarschierten.

Interessante aber allemal für die Historiker und wenn ich mit der Mareike Fallwickl fertig bin, steht ja das Flügge-Buch auf dem Programm, da habe ich mich also in das Jahr 1938 schon ein wenig eingesehen und die Plakate habe ich ja auch schon studiert.

Danach also weil es zeitlich passte und es auch keine Alternative gab in die „Gesellschaft für Literatur“, obwohl mich das Buch über den Po, des italienischen Reiseschriftstellers Paolo Rumiz übersetzt von Karin Fleischanderl eigentlich auch nicht so interessierte und ich dachte, da bin ich wahrscheinlich alleine dort und kann mich mit Gustav Ernst unterhalten.

Mitnichten, wie man sich irren kann, könnte ich schon wieder schreiben, aber vorher bin ich an der Buhhandlung Kuppitsch vorrüber am tschechischen Zentrum vorbeigekommen und habe da wieder wie schon im April ein paar Leute mit einem Weinglas vor der Tür stehen sehen.

Also nichts wie hinein. Denn es gab wieder eine Ausstellung, diesmal feierte, wenn ich es richtig verstanden habe, ein tschechisches Gymnasium den Abschied einer Lehrerin mit einer Ausstellung ihrer Werke. Vielleicht war es auch kein tschechisches Gymnasium, es war jedenfall fast nur Tschechisch zu hören und es gab Wein, Brötchen und kleine süße Schnecken und dann nach Italien.

Bella Italia lag diesmal, wie Tschechien in der Herrengasse und oh Überraschung der Vortragssaal sehr voll, so daß schon Sessel im zweiten Raum aufgestellt waren und heiß war es auch.

Ich habe trotzdem, Glück muß man haben, einen Platz in der zweiten Reihe bekommen, mich mit meiner Nachbarin über meine Waldviertler Sandalen unterhalten, Gustav Ernst, der prompt in der ersten Reihe saß zugewinkt und jetzt sehr viel Italienisch gehört.

Karin Fleischanderl, die Übersetzerin moderierte, der 1947 geborene Reiseschriftsteller war sehr charmant und erklärte, daß die Italiener kein Verhältis zu ihren Flüßen haben, so ist der Po verschmutzt. Die Mütter warnen ihre Kinder ins Wasser zu gehen und ihm wurde abgeraten eine Flußreise zu unternehmen.

Das hat ihm natürlich gereitzt, so hat er diese mit dem Kanu, der Barke und dem Segelboot und einigen Freunden unternommen, eine Frau in Schwarz dabei gesehen, auch noch etwas von einem früher erschienenen Buch, das der „Leuchtturm“ heißt  und von der Phantasie erzählt, die man bekommt, wenn man einige Zeit allein auf einer kleinen Insel auf einem Leuchtturm verbringt.

Er hat dann noch viele Fragen aus dem Publikum beantwortet. Es gab einen Tisch mit vielen Büchern, die man, wie Karin Fleischanderl wieder aufforderte, kaufen und sich signieren lassen konnte und ich habe an einem Abend sowohl eine Zeitreise in die Vergangenheit, als auch in das kulinarische Tschechien und eine Reise auf den Po gemacht und dabei bin ich ja gar nicht reiselustig und staune momentan nur über die Mails die mir der Alfred derzeit aus dem schönen weitentfernten Amerika schickt.

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