Literaturgefluester

2021-04-26

Von der Ukraine nach Kroatien

Während wir uns hier im tiefsten Lockdown befinden und und ich sicher nicht mit grünen Impfpaß auf Reisen gehen werde, kann man das per Stream relativ einfach tun, den der1960 in Iwano-Frankiewsk geboren Juri Andruchowytsch den ich schon öfter, beispielsweise im Rahmen der „Buch Wien“ live erlebt habe, scheint ein Stipendium des Instituts der Wissenschaften oder des Literaturhauses Krems zu haben und wurde daher in der „Gesellschaft“ von Cornelius Hell vor den gläseren Vorhang gebeten, was ich insofern gut trifft, da ich erst vor kurzem eine andere Ukraininer, nämlich Natalka Sniadanko dort gehört habe und wenn ich mich nicht sehr irre, habe ich aus dem präsetierten letzten Roman „Die Lieblinge der Justiz, parahistorischer Roman in achteinhalb Kapiteln“ schon einmal gehört.

Cornelius Hell stellte Juri Andruchowytsch, der wie Natalka Sniadalko sehr gut Deutsch spricht vor und erzählte beispielsweise, daß er seinen Namen von Yuri Gagarin bekommen hätte, was der Autor dann ein bißchen in die Fktion verlegte und das Buch scheint berühmte Kriminalfälle der Geschichte mit der Fiktion zu verbinden und Juri Andruchwyitsch betonte, daß er noch nie für ein Buch soviel recherviert und dann doch sehr viel dazu erfunden hat.

Er las dann ein Kapitel von einem Kolnialwarenhändler, der in Kolomea sein Geschäft machte, sich aber auch von Magiern angezogen fühlte. Klingt interessant, ist aber wahrscheinlich kein Buch, das ich lesen würde. Die Historie liegt mir da ja nicht so sehr. Denn Juri Andruchowytsch war gerade beim Kaiser Franz Josef als Johanna Öttl in der „Alten Schmiede“ ihre zwei kroatischen Gäste ankündigte, die nach Wien gekommen waren und von Mascha Dabic zum Teil übersetzt und ganz gedolmetscht wurde und das ist interessant, denn wenn ich jemals, was ich, da ich ja wahrscheinlich keinen grünen Paß haben werde, nicht mehr tun werde, nach Kroatien komme, hätte ich kein Problem zu entscheiden ,welche Bücher ich mir diesbezüglich mitnehmen werde, denn das habe ich 2016 ja getan und mir dann auch noch ein literarisches Sovenier von dort mitgenommen. Auf jeden Fall habe ich zwei interessanten Autoren kennengelernt von denen ich bisher keine oder nur sehr wenig Ahnung hatte. Jana Volkmann moderierte und leitete die zwei Romane oder zwei Autoren ein, die, wie sie erklärte sehr unterschiedlich wären es aber auch Gemeinsamkeiten gebe würde.

Der Erste war der 1969 in Rijeka geborene Ivica Pretenjaca mit seinem Roman „Der Berg“, der eine Aussteigergeschichte zusein scheint. Denn da zieht sich der namenlose Protagonist, ein Kulturschaffender in einem Sommer für drei Monate auf eine Insel zurück um dort einen in einem Leuchtturm aufzupassen, daß es kein Feuer gibt und dort mit der Natur Verbindung aufnimmt. Er baut eine Beziehung zu einem Esel auf, hat aber auch Kontakt zu esoterischen Touristen und ich denke, auch wenn dieses Aussteigerthema nichts wirklich Neues ist, finde ich es sehr interessant, und Ivica Prtenjaca erzählte, gedolmetscht von Mascha Dabic Jana Volkmann, das Buch in Kroatien 2014 herausgekommen ist. Inzwischen hat er noch zwei andere Romae und einen Erzählband geschrieben und einer der Romane handelt in der Stadt in einer Wohnung und der namenlose Protagon, ist in der Verfilmung die schon geplant ist, wird er Bäcker heißen, ist ein interessanter Typ, was er mit dem Protagonisten des 1978 geborenen Goran Fercec gemeinsam hat, der interessanterweise auch noch Bender heißt und nicht aussteigt, sondern zurückkommt, nämlich in das kroatische Dorf, daß er kriegsbedingt verlassen hat. Jetzt in einer deutschen Stadt lebt, dort auch Gewalterfahrungen macht, bis ihm sein Vater anruft und weil die Mutter verschwunden ist, in das Dorf zurückruft.

Da gibt es dann ein Kapitel, das aus einem Monolog besteht, wo der Vater dem Sohn die Kriegserlebnisse schildert. Denn das Dorf ist leer, in den Häusern wohnen Hunde und die Soldaten haben die Besitztümer der Vertriebenen dem Vater zur Verahrung übergeben. Aus dem Htoel wachsen Bäume, die Mutter brät dem Vater Eier und Mascha Dabic hat das Buch überrsetzt, das und das ist auch interessant, in Wien vor zehn Jahren entstanden ist, denn da hatte er ein Stipendium und hat die „Alte Schmiede“ bersucht. Dann ist Jessica Beer aufdas Buch oder auf den Autor aufmerksam geworden und hat es offenbar von Mascha Dabic übersetzen lassen und ich habe zwei interessante kroatische Autoren kennengelernt. Jana Volkmann forderte das unsichtbare Publkum auch zum sich besorgen der Bücher auf. Da gibt es während des strengen Lockdown das Clik und Collektsystem und ich hätte mich eigentlich auch noch ins Literaturhaus streamen können, denn da gab es einen Überetzerabend mit der Kärntnerslowen Maja Haderlap mit der Katja Gasser ein Gespräch führte und da man den Stream, glaube ich, noch vier Wochen nachsehen kann, habe ich mich zu OE24- TV gestreamt, um mir die Diskussion zwischen Andreas Mölzer und Robert Misik über die gepalnten Lockerungsmaßnahmen, in drei Wochen alles öffnen mit Eintrittstest und grünen Paß beziehungsweise über die Impffortschritte, die heute voll angelaufgen sind, anzuhören.

2019-08-01

Graue Bienen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:09
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Bienen scheinen derzeit ja Angesichts der Klimakatastrophen und der „Fridays for Future-Bewegung“ sehr in Mode zu sein und so hat sich außer Norbert Scheuer auch Andrej Kurkow damit beschäftigt. Auf das Buch hat mich der Blog „Mikka liest“, der mir seit kurzem folgt, aufmerksam gemacht und da ich ja sehr neugierig bin, habe ich das Buch gleich angefragt und ich muß sagen, die „Grauen Bienen“ haben mich mehr begeistert, als, die des Winters, was wohl daran liegen mag, daß der 1961 in St. Petersburg geborene und in Kiew lebende Autor, der Klavier spielt und elf Sprachen spricht, ein sehr schelmischer und skurriler ist, das aber mit so feiner Klinge betreibt, daß es auch mir gefällt.

Kennengelernt habe ich ihm durch sein „Picknick auf dem Eis“, das „Diogenes-TB“ habe ich mir um den Gutschein besorgt, den ich vor Jahren für eine „Thalia-Kundenrezension“ bekommen habe und dann habe ich den Autor mehrmals bei Lesungen getroffen, an eine in der Kunsthalle kann ich mich  erinnern, daß ich mich mit ihm unterhalten habe.

Auf der „Buch-Wien“, hat er mehrmals gelesen, den „Wahrhaftigen Volkskontrolleur“, habe ich mir von ihm dort signieren lassen, den „Unbeugsamen Pagagei“, glaube ich, bei einem der Literaturhaus-Flohmärkte gekauft, aber noch nicht gelesen und in meinem Bibliothekskatalog habe ich gesehen, daß ich auch das „Ukrainische Tagebuch“ in meinen Regalen habe, aber daran kann ich mich nicht erinnern, wohl aber, wo ich Andrej Kurkow das letzte Mal gehört und gesehen habe, das war anläßlich der letzten „Buch Wien“ in der „Gesellschaft für Literatur“, da hat er aus der „Katografie der Freiheit“, gelesen und das Buch hat, glaube ich, wenn ich mich nicht irre, Cornelius Hell auch bei der „Winter-Lesart“ empfohlen.

Das Buch habe ich ebenfalls nicht gelesen, so daß ich es nicht beurteilen, sondern nur von den „Grauen Bienen“ schwärmen und es allen an dem Krieg in der Ukraine interessierten, mit dem ich mich ja auch sowohl in meinem Lesen als auch im Schreiben beschöftigt habe, empfehlen kann.

Es geht um ein kleines Dorf  in der Nähe von Donezk, eingeklemmt zwischen der russischen und der ukrainischen Kampfzone, dort gibt es nur drei Straßen und es leben auch nur noch zwei Menschen in ihm.

Sergej, der Protagonist und sein Freundfeind Paschka. Die Kirche ist zerbomt von dort holt Sergej sich die Kerzen, denn es gibt keinen Strom im Dorf, auch keinen Laden und eigentlich nichts, außer den beidenMännern und den Bienen, denn Sergej ist Bienenzüchter und hat sechs Stöcke.

Er wird von dem Soldaten Petro besucht, der sein Handy auflädt und ihm eine Granate schenkt. Er findet im Schnee, das Buch beginnt im Winter, einen toten Soldaten, bedeckt ihn und findet seinen Rucksack, in dem sich Süßigkeiten befinden.

Weil er schon lange keine Eier mehr gegessen hat, geht er ins nächste Dorf, um sie gegen Honig einzutauschen. Dort fragen ihn Kinder nach dem Weihnachtsmann, der ihnen Süßigkeiten versprochen hat. So trägt er den Rucksack zu ihnen. Dafür bekommt er Schmalz geschenkt und weil ihm im  Dorf langweilig ist, tauscht er auch die Straßennamen, die Lenin- und die Schwetschenkostraße, beziehungsweise, deren Schilder aus.

Der Sommer kommt und da müßen die Bienen aus den Stöcken und weil sie das aber nicht in einer so unruhigen Gegend, wo Nachts die Granaten fliegen, tun können, verlädt er die Stöcke auf sein altes Auto und fährt mit ihnen in frielichere Gegenden.

Dort campiert er  in einem kleinen Städtchen, freudet sich mit der Verkäuferin des Ladens an, die ihn mit Essen und Lebensmittel versorgt und ihn auch bei sich duschen läßt.

Die Fenster seines Autos werden aber eines Nachts von einem traumatisierten betrunkenen Ex- Soldaten eingeschlagen, da, daß er mit den Bienen an die Krim flüchtet.

Da ist aber die russische Zone. So hat er Einreiseschwierigkeiten, bekommt aber von den Journalisten, die seine Geschichte hören sollen, das Geld für die Autorreperatur geschenkt, die nie geschieht, denn in der Krim, will er einen tatarischen Bienenzüchter besuchen, den er einmal auf einer solchen Tagung kennengelernt hat.

Der wurde aber schon vor zwei Jahren von den Russen abgeholt und als ihn dessen Frau zur Polizei schickt, um nach ihm zu fragen, erfährt er, daß er tot ist. Und als Sergej, als in dem Städtchen der Strom ausfällt, der Witwe, die ihn freundlich aufnimmt und seine Biene neben den ihren aufstellen läßt, seine Kerzen schenkt, wird ihr Sohn wegen Kirchenraubs verhaftet und erpresst, in die Armee einzutreten.

So bittet ihn die Witwe, die Tochter über die ukarinische Grenze zu bringen. Sie soll dort studieren, wo Sergejs Ex-Frau mit seiner Tochter Angelina lebt und Sergej kehrt wieder zurück in sein Dörfchen, weil dort die kostenlose Kohlenlieferung kommt, die aber nur an Anwesende ausgegeben wird.

Ein skurilles Buch, das sich leicht und angenehm liest und einem trotzdem viel über die Zustände in den ukrainischen Dörfern und den Spannungen, die dort herrschen, aufmerksam machen und mich die scheinbar naiven Gedanken des Sergej Sergejitsch mit denen er sich mit Gott und die Welt und den Zuständen, die in ihr herrschen, beschäftigt, sehr beeindruckt haben, so daß ich sehr froh über die Empfehlung und, daß ich es noch vor meinem Urlaub lesen konnte, bin.

2019-02-20

Blauwal der Erinnerung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Das neue Buch der 1983 in der Ukraine geborenen Tanja Maljartschuk, von der ich „Biografie eines zufälligen Wunders“ gelesen habe, auf einigen Lesungen war und die auch im vorigen jahr den „Bachmann-Preis“ gewonnen hat.

Bei der Lesung im Literaturhaus hat sie schon erzählt, daß sie über den ukrainischen Freiheitshelden Wjatcheslaw Lypynskyj, der einige Zeit in Wien lebte und 1931 in Pernitz gestorben ist, schreiben würde.

Jetzt ist der biografische Roman fertig und Tanja Maljartschuk hat den Lebenslauf des Ukrainers, der einige Zeit Gesandter seines Landes war und in dieser Eigenschaft in Wien residierte mit dem einer Schriftstellerin die an Panikattacken leidet und auch sonst einige seltsame Eigenschaft hat, so hat sie sich als junges Mädchen in der Bibliothek immer englische Bücher ausgeborgt, um auf sich aufmerksam zu machen und sie dann ungelesen zurückzubringen, verknüpft.

Diese Verknüpfung habe ich nicht ganz verstanden, sie tut dem Buch, glaube ich, auch nicht sehr gut, das sonst auch sehr viele Metaphern verwendet. Der namensgebende „Blauwal“ ist eine davon.

Wjlatscheslaw Lypyskyj wurde 1882 in  Saturzi im russischen Kaiserreich  in eine polnische Adelsfamilie geboren und ist zum Studium nach Krakau gegangen.

So hätte er eigentlich Wazlaw heißen sollen, wollte aber so nicht genannt werden und wollte auch den ukrainischen Freiheits- oder Unabhängikeitsgedanken nach Polen bringen.

Hielt so einmal einen glühenden Vortrag, wo ihm aber von der Studentin Kazimira vehement widersprochen wurde. Er hat sie trotzdem geheiratet und mit ihr die Tochter Ewa bekommen. Die Ehe ist aber nicht gut gegangen, Wjatscheslaw Lypinskyj lit auch an der Tuberkolose und mußte längere Zeit in Sanatorien verbringen.

Das alles schidert Tanja Maljartschuk in den abwechselnden zwei Strängen und beginnt, was vielleicht auch ein wenig ungewöhnlich ist, mit dem Ende, nämlich den letzten Jahren Lypyskyjs und wiederholt die Kapitel die er mit seinem Sekretär und seiner Haushälterin in den verschiedenen Sanatorien und Wohnsitzen verbringt, obwohl er eigentlich nicht wohlhabend war, sonder von den monatlichen zweihundert Dollar, die ihm sein Bruder schickte, noch einmal am Ende.

Trotzdem interessant von dem ukrainischen Freiheitskämpfer zu lesen und auch zu erfahren, daß es in Wien in den Zwanziger- und Dreißigjähren eine regelrechte ukarainische Gemeide gab, die Tanja Maljartschuk sehr genau bis auf die Adressen recherchiert und angeführt hat.

Interessant vielleicht auch, daß das Buch nicht auf den deutschsprachigen Buchpreislisten stehen wird, da es Tanja Maljartschuk auf Ukrainische geschrieben hat und es von Maria Weissenböck übersetzt wurde

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