Literaturgefluester

2016-11-24

Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Bardorf

Bei Buch vier des „Debut-Bloggerpreises“ handelt es sich, wie auch in der Begründung steht,  um eine genreübergreifende Geschichte, die wie ein Krimi mit einem Mord, sehr effektvoll aufgeladen beginnt und sich dann, wie  der Titel sagt, in eine sieben Tage andauernde Beschreibung der Geschehnisse einer Kleinstadt, ihrer Kriminalität, ihrer Musik, Sport und politischen Ereignissen, übergeht, für den heutigen ungeduldigen nicht mehr so konzentrationsbereiten Leser vielleicht ein wenig zu langatmig oder langweilig, so habe ich es jedenfalls empfunden und mich auch ein bißchen gewundert, daß es auf die Shortlist kam.

Gehören Krimis ja nicht so sehr zu den Favoriten von Preislisten, obwohl die Leute sie gerne lesen und ich mir auch vorstellen kann, daß in den geschmähten und vom Bewerb ausgeschlossenen Selfpublishererzeugnissen mitunter spannendere Thriller zu finden sind.

Aber darum geht es dem  1962 in Magdeburggeborenen ARD-Journalisten Uli Wittstock höchstwahrscheinlich gar nicht, vermutlich hat er eine Parodie, eine Satire, auf eine Kleinstadt schreiben wollen und das ist ihm, glaube ich, auch sehr gut gelungen.

Gibt es in den über vierhundert Seiten ja immer wieder treffende Anspielungen und Verarschungen, während die Spannung vielleicht nicht so das Metier von Wittstock ist. Dazu ist der Roman wahrscheinlich auch zu lang und zu umständlich geschrieben.

Jedenfalls habe ich mich mit der Zuordnung des vielfältigen Personals etwas schwer getan und hätte mir  zur Orientierung ein Personenregister gewünscht.

Es beginnt also, um es kurz zu machen an einem Montag in einer Provinzstadt, da wird ein toter Moderator in seinem Sender aufgefunden, kunstvoll mit Tonbändern zu einem unappetitlichen Paket zusammengeschnürrt, vor dem sogar Komissar Schneider graust.

Der wohnt in Bardorf, das ist offenbar der Vorwort von besagter Stadt und versucht mit seinem Team den Fall aufzuklären.

Da geht, wie schon bei ähnlichen Krimis gewohnt, nichts weiter und die Vorgesetzten drängen und drohen den Ermittler den Fall wegzunehmen.

Es gibt in dem Polizeidezernat, aber auch Schulungen und Effizienzberater, da zeigt sich offenbar Uli Wittstocks Talent zur Satire, es wird eine Sitzung einberufen und die Polizisten werden belehrt, daß sie sich nach den drei „K“s benehmen sollen,“klug, kompetent und krisenfest“ und so ermitteln sie, während der Innenminister zu den Windrädern fährt, die es auch in Bardorf gibt, die aber irgendwie nicht so ganz funktionieren, eine AYCB genannte Terrorgruppe, die die Autobahnen sperrt, gibt es auch und eine Milbe, die den Bienenstand bedroht und dem Minister zum Verhängnis wird.

Währenddessen wird in dem Sender, die Führungsriege ausgetauscht und im Keller des Archivs sitzt ein graues Mäuschen und schreibt in  seiner Dienstzeit erotische Geschichten. Es steigt im Laufe des Geschehens in den Sender auf, während Melinda Treu, der Disc Jockey eines Privatinternetsenders aussteigt und einen Rapper, der sich von seinen SpinDoctoren, verkabeln und mit allerhand Drogencoctails vollstopfen läßt, gibt es auch, sowie geschobene Fußballspiele, eine Spielhölle und eine Wäscherrei, die das Schwarzgeld reinwaschen soll, ein getohlenes Klo und und und….

Man sieht das birgt locker Stoff für drei, vier oder noch mehr Romane, die dann vielleicht das Lesen erleichtert hätten, so ist alles Elend dieser Welt, alle Korruption und Unrat in eine Woche und in den Umkreis dieser Kleinstadt zusammenbgeballt und es kommt natürlich zu der Katastrophe.

Ein Terroranschlag ohne Bekennerschreiben legt die Stadt lahm, Polizisten werden entführt und der Minister verwandelt sich auf der Intensivstation zur Biene.

Man sieht der Spätdebutant Ulli Wittstock hat seinen Kafka gelesen und höchstwahrschein auch großes Vergnügen, das Leben in einer Kleinstadtidylle sartisch auszubreiten.

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