Literaturgefluester

2019-01-25

Das Herz verläßt keinen Ort an dem es hängt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:50
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In Zeiten, wo sich die Rechten mit den Aufzählungen von Gewalttaten von Flüchtlingen und Asylwerbern stammen, regelrecht überbieten, ist es vielleicht gut, den klaren Kopf zu bewahren,  nach links und rechts zu schauen und vielleicht auch ein Buch lesen, das uns durch literarische Begegnungen, die Menschen aus Krisengebieten näherbringen kann, denn da hat es ja einen „Blog“ gegeben, der „Weiter schreiben“ hieß, wo  Annika Reich und Lina  Muzur geflüchtete oder noch in Krisengebieten lebende Autoren mit Einheimischen zusammenspannte.

Die Texte, die daraus entstanden sind, sind jetzt  in einer Anthologie entanden.

Ich hatte das Buch schon seit November in meinem Badezimmer liegen, bin aber durch Sabine Scholls Vorlesungen  „Frauen schreiben Krieg“ nochmals darauf gestoßen und habe jetzt einen etwas anderen Einblick in dieses aufgeheitzte Thema bekommen, das entspannen kann und daher sehr zu empfehlen ist. Einer dieser Tandempartner ist der ebenfalls aus Bosnien gefüchtete Sasa Stanisic, der mit einer in Damaskus lebenden Frau, die das Pseudonym Salma Samen wählte und der meint, daß das Buch ein Brückenschlag in beide Richtungen sein könnte: „Wenn wir mehr wüßten, von dem was andere wissen und wenn wir dieses Wissen in erzählte Geschichten auch anderen zur Verfügung stellen kömnen, dann würde vielleicht – hier und dort das Wissen die Empathie wecken und die Empathie das Handeln, das Handeln würde aber die Empathie nicht unnütz werden lassen.“

Wie wahr, denke ich und lese Salma Salems Text, die das Leben zwischen Beten und Bomben in Damaskus beschreibt, wo es kein Wasser gibt, um die Kleider zu waschen, die sie schon vor Monaten in die Putzerei brachte und als sie sie abholen will, ist die Putzerei geschlossen und sie erfährt von  einem Nachbarn, daß der Besitzer abgeholt worden ist.

Dann folgen drei weitere Syrierinnen,  die teilweise in Deutschland, teilweise in Syrien leben und spannend ist, daß bei dem Tandem Widad Nabi und Anett Gröschner um Häuser geht, die 1964 in Magdeburg geborene Anett Gröschner beschreibt eines, das in Berlin 1943 zerstört wurde, während die 1985 in Syrien geborene und in Berlin lebende Widad Nabi „von den Häusern die nicht mehr denen gehören, die sie verließen“ schreibt.

Und die 1980 in Suweida geborene Noor Kanj, die mit Svenja Leiber zusammenarbeite, schreibt ebenfalls „Wer bringt mir mein Haus zurück“, während die Damaskus lebende Rabad Haidar in „Das Herz eines Wolfs kochen“ eine sehr poetische Familiengeschichte geschrieben hat.

Dazwischen gibt es immer wieder Bilder und Illustrationen von ebenfalls syrischen oder afghanischen Künstlern, die ebenfalls sehr interessant anszuschauen sind.

Die 1983 in Tiflis geborene Nino Haratischwili, die ich ja gerne als letzte dbp-Trägerin gehabt hätte hat die 1989 geborene Syrierin Lina Atfah für den „Herta Koenig-Preis“ vorgeschlagen und verrät in ihrer Laudatio viel von der jungen Lyrikerin, die wegen eines Gedichtes politisch aufgefallen ist und dann jahrelang nicht mehr veröffentlichen konnte. Jetzt lebt sie in Berlin und bangte lang, um ihren Vater der in Syrien verhaftet wurde.

Der 1971 geborene David Wagner, der 2013 den „Preis der Leipziger Buchmesse“ kam, ging mit dem 1979 in Damaskus geborenen Fadi Jomar in Berlin spazieren, der wegen eines Liberetto, das er für eine Oper geschrieben hat, in Aix en Provence zum dortigen Festival eingeladen wurde und dann in Deutschland Asyl beantragte. Er lebte dann in einem Dorf und durfte erst nach Berlin, als er dort als Koch in einem syrischen Restaurant, eine Anstellung fand.

Die 1968 in Berlin geborene Tanka Dückers arbeitete mit dem 1987 in Saudi-Arabien geborenen Jemeniten Galal Alahmadi zusammen, der jetzt in Düren lebt und vier Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht hat.

Sehr beeindruckend sein  Gedicht „Vom Krieg“

„Die Kugel dringt ein durch den Ansatz der Seele

dringt ein durch überwachte Telefonleitungen

Abwasserrohre marode Stromkabel“

Die 1981 in St. Petersburg, damals wahrscheinlich Leningrad, geborene Lena Gorelik, deren Listensammlerin ich noch immer nicht gelesen habe, begleitete den 1983 in Homs geborenen Yamen Hussein, der derzeit zwischen Leipzig und München hin- und herpendelt und einen sehr beeindruckenden Text über seinen Großvater geschrieben hat, der  mit „Der Fluch des Gedächtnisses und die Schatten der Hubschrauber“ betitelt ist.

Der 1983 in Celle geborene Martin Kordic, dermit seinem bei „Hanser“ erschienenen Roman „Wie ich mir das Glück vorstelle“ Aufsehen erregte, begleitete den 1953 in Damaskus geborenen Ali Al-Kurdi, der ein palästinensischer Schriftsteller und Journalist ist, derzeit in Weimar lebt und als politischer Gefangener zehn Jahre im Gefängnis saß.

In seinem Text, geht es um seinen Vater, den er lange nur als Foto an der Wand kannte, weil er mit der Mutter allein aufgewachsen ist, die ihn jeden Morgen aufforderte, seinen Vater, beziehungsweise das Foto zu begrüßen und den er später im Gefängnis besuchte, weil er „Ansichten hatte, die dem Regieme nicht gefielen.“

Antje Ravic Strubel, die 2001 in Klagenfurt gelesen hat, von der ich mehrere Bücher in meinen Regalen habe, begleitete vorigen März die 1992 in Afghanistan geborene und in Berlin lebende Mariam Meetra durch den Schnee in Leipzig und zu einer Lesung am Stadtrand, bei der leider nur wenige Zuhörer waren.

Olga Grjasnowa, die ja auch von Baku immigrierte, kümmerte sich um den 1996 in Budapest geborenen Rom Samuel Mago, den ich sowohl von der „Exil-Preisverleihung“, als auch von der ersten Widerstandsdemo kenne, denn die Herausgeberinnen erläuterten in ihrer Einleitung, daß sie auch Angehörige der Roma in ihr Projekt einbezogen wurden.

Nora Bossong von der ich ihren Roman über Antonio Gramsci, der ja auch von den Rechten vereinnahmt wird, gelesen habe, kümmerte sich um die 1982 in Hama geborene Lyrikerin Rasha Habbal und der Ex-Hanser Verleger Michael Krüger, der in seinem Artikel betonte, wie wichtig es ist, auch syrischen und von anderswo herkommenden Dichter in den Literaturbetzrieb zu integrieren, um den 1988 in Syrien geborenen  Ahmad Katlesh, der ebenfalls in Düren lebt.

Die 1974 geborene Kristine Bilkau, von der ich noch nichts gelesen habe, war die Partnerin des 1988 in Bagdad geborenen Omar Al-Jaffal, dessen Vater Deutsch studierte und Heinrich Böll übersetzte, den Sohn als er zwölf war, aber aus der Schule nehmen mußte, jetzt hat der sich auch mit Böll beschäftigt und einen Brief an ihn geschrieben, den er das erste Mal bei der „Böll-Poetry-Gala“ in Halle an der Saale verlesen wurde.

Antje Ravic Strubel hatte noch eine Tandempartnerin, nämlich die in Schweden lebende Syrierin Souad Alkhateeb, die sich in „Catharine Deneuve sieht mir nicht ählich“, mit dem Erwachsenwerden und ihrer ersten Regel beschäftigte.

Dann folgten noch Ramy Al-Asheq und Monika Rinck, die ich, glaube ich, schon einmal im Literaturhaus hörte, der syrisch palästinensische Autor hatte, als er das Mail mit der Einladung zu dem Projekt bekommen hat, noch nichts über Monika Rinck gehört, so hat er sie ergooglet und dann in einem Text geschrieben „Was Wikipedia nicht über Monika Rinck weiß und außerdem noch einige Gedichte für das Buch beigesteuert.

„Lesen wir sonst immer nur über die Menschen, die sich zu uns flüchten, kommen sie hier endlich zu Wort“, hat  Anna Vollmer in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und am Buchrücken geschrieben.

Da kann ich nur, wie wahr, hinzufügen und das Buch sehr empfehlen.

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2018-11-16

Selbstbild mit russischen Klavier

Filed under: Bücher — jancak @ 01:08
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Weiter gehts mit der allgemeinen Literatur, wir bleiben in Österreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort.

Das Letzte das ich vor neun Jahren von ihm gelesen habe, „Mozarts Friseur“ spielt auch dort und es ist mir beim Lesen ein wenig seltsam gegangen. Denn eine sehr schöne poetische Sprache führen durch die Kapitel und das Buch, in dem es um einen Schriftsteller oder ein Ich, das wird gar nicht so so genau erklärt, geht, der in einem Wiener Kaffeehaus oder eigentlich ist es die Pizzeria „La Gondola“ am Siebenbrunnenplatz, einen alten russischen Musiker namens Suvorin trifft und der eine erzählt, daß der andere ihm sein Leben erzählt.

Beides in der Ich-Form, so daß es gar nicht so leicht ist, die Erzählebenen zu unterscheiden und sich auszukennen und Handlung hat das Buch ebenfalls eigentlich keine. So daß ich zwar nicht soviel spoilern kann, aber vielleicht wieder eine Rüge bekomme, daß ich wesentliche Dinge ausgelassen mich nur im Details festgehalten habe.

Es ist ein leichtes lockeres Plaudern über Gott und die Welt könnte man so sagen und manchmal ist es auch ein Geschimpfe, beispielsweise über Wien, daß dort die Post zwei Wochen braucht, um Briefe zuzustellen und, daß die Fenster in den Wohnungen so zügig sind, daß man mit Westen schlafen muß.

Das betrifft, denke ich, höchstens die Altbauwohnungen und es ist in gewißer Weise auch ein „altmodisches Buch“, das viel von Musik handelt, denn jener Suvorin, ein alter kranker, ich glaube auch ungepflegter Mann, dem die Ärzte das Trinken und das Rauchen verboten haben, war ein, ich glaube wieder, berühmter Pianist, der das Klavierspielen längst aufgeben mußte, aber immer noch von Bach, Beethoven und Heinrich Schiff schwärmt.

Sehr beeindruckt hat mich, um bei den Details zu bleiben, die Stelle, wo der Musiker, „in Wien habe man das Gefühl, daß es nur zwei Sorten Russen gebe, Millionäre und Musiker“, wird zitiert,  den Applaus nach einem Konzert haßt. was ich verstehen kann, daß das einen sensiblen Menschen irritieren kann, wenn er sich in seine Musik vertieft und dann auf einmal geht der Lärm und das Geklatsche, das Bravo rufen los. Das kann einen wahrscheinlich  aus der Stimmung herausreißen. Deshalb will er es bei seinen Konzerten verbieten lassen, was wohl möglich ist, beim „Parsifal“ darf man das eigentlich auch nicht und der Pianist könnte es auch am Anfang sagen oder ins Programmheft drucken lassen, aber im Arbeiter- und Bauernstaat der SU, wo Savorin herkam, war das nicht möglich und da besuchten ihn auch die Funktionäre und ließen ihn wissen, daß das von der Obrigkeit nicht erwünscht ist.

Schostakowitsch hat ja unter der Wilkür Stalins sehr gelitten und unser Held war acht, als der gestorben ist. Die Funktionäre hat es aber noch immer gegeben, so hatte er Fluchtgedanken, wünschte sich nach San Remo oder stellte sich vor, daß er ab nun mehr nur unbeliebte Musik spielen würde, denn dann klatscht man nicht.

Er war auch verheiratet und hatte zwei Kinder und unter dem Tod seiner Frau sehr gelitten. Jetzt sitzt er allein in Wien, darf nichts mehr trinken und rauchen und sitzt offenbar die ganze Zeit bei einem Glas Wasser oder höchstens einer Melange in dem Cafe oder geht mit dem Schriftsteller auch manchmal die Margaretenstraße hinunter, was ich sehr spannend finde, weil ich ja in diesem Bezirk wohne und die Protagonisten in meinen Büchern, das auch manchmal tun und ich mir auch die Frage stellte, ob Wolf Wondratschek vielleicht ebenfalls in diesem Bezirk wohnt?

Der Musiker verschwindet gegen Schluß und der Schriftsteller muß  ihm suchen, geht aus diesem Grund sogar aufs Friedhofsamt und läßt sich von einer netten Dame dort erklären, daß er nicht gestorben ist, aber die Rechnung für sein Grab nicht bezahlt hat.

So überlegt er, die nette Dame nach der Adresse zu fragen, tut es dann nicht und der alte Musiker war ein Ansichtskartensammler und hat von seinen Reisen, die er ins Ausland machen durfte, immer einige mitgebracht, aber nie solche geschrieben.

Von solchen Details lebt das Buch, das eigentlich kein wirklicher Roman ist, sondern ein leichtes lockeres Geplauder mit  vielen Details in schöner Sprache. Philosophische Gedankensplitter könnte man fast sagen und es liest sich einerseits leicht, andererseits wieder für eine, die gewohnt ist, die Handlung zusammenzufassen, wieder nicht.

„Kann man gott zum Lachen bringen?“ lautet so einer dieser philosophischer Gedankensplitter, die sogar am Buchrücken stehen.

„Wer gefallen will, hat auf einem Konzertpodim nichts verloren“, ein anderer und so geht es durch das  Buch und durch das Leben des alten kranken russischen Suvorin. Wahrscheinlich auch durch das Leben von Wolf Wondratschek und ich habe ein interessantes Buch mit interessanten Fragen gelesen und bleibe am Schluß noch am Einstiegsmotto „Weiß der Zufall was er will?“, hängen und weiß auch hier die Antwort nicht.

2018-08-13

Opoe

Jetzt kommt ein Debut und das erste Buch eines Schweizer Autors, das ich  auf der Hinfahrt  in unseren Schweiz-Urlaub, um mich sozusagen auf das Gastland einzustimmen, gelesen habe, nämlich das des 1985 in Schaffhausen geborenen Donat Blum, der sowohl am schweizerischen als auch am deutschen Literaturinstitut   studierte.

Roman steht auf dem  hundertvierundsechzig Seiten dicken Bändchen und es ist natürlich keiner, sondern würde ich sagen, poetische Fingerübungen über die Beziehung eines jungen Mannes zu seiner  Großmutter.

Literaturinstitutsprosa vielleicht für den Abschluß geschrieben, würde ich es nennen und denken, daß für mich in dieser Auseinandersetzung über die Großmutter, die allmähliche Annäherung an die für den Erzähler unbekannte Frau, der in sein homosexuelles Leben und in seine Schriftstellerkarriere hineingeht, eigentlich nicht das neue und noch nie dagewesene an der Literatur enthalten ist, kann aber bei einem Dreiunddreißigjährigen auch nicht sein.

Das Buch ist bei „Ullstein“ erschienen, also wartet vielleicht eine literarische Karriere auf den Autor und der Leser erfährt, daß man Opoe „Opu“ ausspricht und, daß das das holländische Wort für Großmutter ist. Denn des Autors verstorbene Großmutter, die vorher ihrer Demenz entgegenging und ihren Enkel mit „Sie“ ansprach, war Holländerin und wurde von dem Großvater in die Schweiz geholt.

Dort machte der einen alternativen Blumenhandel auf, ging damit Pleite, betrog die Großmutter auch mit einer Wochenendgeliebten und der Autor ärgert sich inzwischen über seinen Freund, der keine feste Beziehung haben will.

Er reist der Großmutter auch nach Holland nach, überlegt, ob sie vielleicht jüdische Wurzeln hatte, erzählt, daß er eine Zeitlang bei ihr in Bern lebte und berichtet auch ein wenig über seine Mutter.

In mehr oder weniger kurzen Skizzen ist das Buch geschrieben, die Erlebnisse der Großmutter und die des Autors wechseln sich dabei ab.

Es gibt ein Motto von Werner Herzog „Ich will das Opernhaus! Ich will mein Opernhaus! Ich will meine Oper haben!“ und die Großmutter steht ein paar Seiten später geschrieben „liebte Wien ohne je hingekommen zu sein, und die Oper, die sie nur aus dem Fernsehen kannte.“

Das Buch ist auch für den „Bloggerdebutpreis“ nominiert. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt und  was ich sonst noch über den jungen Autor hören und von ihm lesen werde.

2018-07-06

Tausend deutsche Diskotheken

Jetzt kommt ein tolles Debut, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn ich habe, ganz ehrlich Michel Decars „Tausend deutsche Diskotheken“ vor allem des Covers wegen mit dem schreienden oder lachenden Männergesicht für ein Klamaukbuch eines Kabaretisten gehalten, die ich ja nicht mag,  da ich ab bezüglich Büchern schlecht nein sagen kann…

Dann habe ich auf der „Ullstein-Blogseite“ noch etwas von „Entweder ist es Literatur oder es macht Spaß“ gefunden. Bin auch nicht viel klüger wurden und habe dann eine herrliche Parrodie auf einen Thriller oder Krimi, die ja im Sommer von den Urlaubsfreifen so gern gelesen oder auch für sie geschrieben werden, gefunden.

Einen in totaler Thomas Bernhardscher Manier, hat sich da der 1987 in Augsburg geborene Schriftsteller, Dramatiker und Hörspielregisseur, also auch einer unter dreißig, der aber schon mit dem „Kleist Förderpreis“ ausgezeichnet wurde und mit Jakob Nolte, der ja heuer in Klagenfurt liest, eine Zeitlang unter dem namen Decar Nolte, schrieb, ausgedacht.

„Passen Sie auf, sagte ich zu Courcelles, im Prinzip fing es damit an, dass Mauke zu mir sagte..!“, fängt es an und geht dann auf ungefähr dreihundertfünfzig Seiten so weiter, daß einer, ein abgefakelter Privatdetektiv, der, sehr schön realistisch, sowohl Schwierigkeiten mit dem Finanzamt, als auch mit den Frauen, der Alice, der Conny und der Marlene hat, erzählt, wie imJahr 1988, die BRD fast von der DDR übernommen wurde und ich fragte ich, nach dem ich den hunderttausendsten Thomas Bernhard-Verschnitt mit wirkliche Vergnügen gelesen habe, warum das nicht im Sommer 1989 geschah, denn das wäre ja noch einmal eine Parodie aufs Auge gewesen, aber nun ja, es ist auch so ganz schön faustisch, wie Decar da den Krmilesern einen Spiegel vor die Augen hält, aber ob, die eine Thomas Bernhard-Parodie in der nichts, aber auch gar nichts passiert, so einfach lesen wollen!

„Falsch!“, werden jetzt die Lektoren und die Kritiker schreien.

„Falsch, Tante aus Wien, da bist du wieder einmal schön eingefahren, denn es passiert ja sehr viel darin!“

Jawohl, natürlich, selbstverständlich, die Bundesrepublik wird auf den Kopf gestellt oder ist in Gefahr zusammenzubrechen, wie ja heute, wie ich höre und lese, genau das gleiche mit der EU passiert und die Rechten und vielleicht auch die Linken darüber streiten, ob jetzt Angela Merkel zurücktreten soll oder nicht und ob es gut oder schlecht war, daß Deutschland schon aus der WM hinausgeschmissen wurde?

Aber schön der Reihe nach. Da ist also Frankie, der Privatdetektiv der eigentlich das Finanzamt München verklagen will, sein Rechtsanwalt Branco Invancic, der eigentlich ein Bauspezialist ist, hält ihn davon ab und der verbringt seine Nächte damit, daß er Baccardi Cola in denMünchener Diskotheken sauft. Da spricht ihm um 22 Uhr an einem Montagabend im Juli eine Schöne an und fragt ihn, ob er mit zu ihr kommen will?

Sie bringt ihn aber in kein Liebesabenteuer, sondern zu Bahnvorstand Mauke, der ihm einen Auftrag gibt. Denn der wurde am sechsten Juli aus einer Diskothek angerufen, wo es gerade einen Madonna-Song zu hören gab. Ein Erpresser oder sonstiger Anrufer wollte ihm treffen, ist dann nie erschienen und Frankie Boy soll nun danach suchen.

Das alles erzählt unser Bernhard-Typ dem Herrn Courcelles von dem wir erst auf seite Dreihundert oder so erfahren, daß er ein Vernehmungsbeatmer ist, denn Frankie wurde inzwzischen, als er mit einer Waffe in der Hand gegen die ostdeutsche Grenze lief,  in ein Wiesbadener-Gefängnis eingeliefert.

Der Vernehmer, der von Franke großspurig über das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten auf Dreihundertseiten belehrt wird, hört ihm zu und lutscht und das ist wohl auch eine vergnüglichesSpitze in der Satrie an einem Himbeerzuckerl, während frrankie Eiskaffee und Fritten mag  und natürlich Barcardi- Cola an dem er sich durch seineTour durch die deutschen Diskotheken hemmungslos betrinkt und auch noch geschlagen wird, so daß er eine ramponierte Nase und noch einige andere Blessuren auf seiner Tour abbekommt, wo sich niemand erinnern kann, wo um Mitternacht dieser Song gespielt wurde?

So nährt sich das Buch von Vermutungen, der oberste Bahnvorstand, also Maukes Chef ist ein „Maulwurf“ und er muß ihn ans Messer liefern, belehrt Mauke seinem Detektiv, als der keine Lust mehr hat und aussteigen will. Dann wird der Gute aber selbst verhaftet und die Tour weitet sich über den Münchener Raum, wo alles begonnen hat, auf ganz Deutschland aus.

Frankie fühlt sich dazwchen verfolgt, entwickelt auch eine Parnoia und muß nach Berlin, bevor er   gegen die Grenze rennt und vom Verfassungsschutz, er ihn offenbar tatsächlich schon beobachtet hat, einkassiert wird,  in ein Wiesbadener Gefängnis gebracht wird und dort dem Beamten großspurig seine Geschichte erzählt:

„Bis hierher sind Sie astrein gewesen, lieber Courcelles, also werden Sie jetuz bitte nicht dilettantisch. Bekennen Sie sich zur westlichen Zivilisation, zum Rechtsstaat. Meine Mutter wird sich schreckliche Sorgen machen, wie Sie sich denken können, wird krank vor Angst sein. Ich fordere Sie also ein letztes Mal dazu auf, Beweise vorzulegen, die mich belasten, oder diese lächerliche Anklage fallen zu lassen. Es liegt ganz in Ihrer Hand. Ich weiß, wie sehr Sie hier unter Druck stehen, Courcelles, mehr, als jeder andere weiß ich, wie groß die Gewalt derer ist, die auch Sie bedrohnen. Aber ich weiß, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden!“

Und so weiter und so fort. Großmaul Frankie wird  aus dem Gefängnis entlassen. Fährt mit seiner Mutter am Schluß der Geschichte nach Italien, wo er Postkarten kauft und dann natürlich eine an seinen Verfassungsschutzbeamten Courcelles schreibt und ich frage mich, wie Thomas Bernhard dieses herrliche Sommerbuch, das die Leser auch ein bißchen auf die Schaufel nimmt, gefallen hat?

Und würde mich wirklich freuen wenn es auf die Dpb-Liste kommt, wo man dann auch sehen kann, wie das mit der Unterscheinung zwischen U und E funktionier und wie die professionellen Kritiker damit umgehen werden?

2018-05-19

Und Marx stand still in Darwins Garten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Nun kommt, etwas verspätet zum zweihundertsten Geburtstag, ein Buch über Marx oder eigentlich ist es doch eher eines über den berühmten Naturforscher Charles Darwin, denn die am Bodensee aufgewachsene Germanistin und Journalistin Ilona Jerger entdeckte, daß beide Herren nicht nur ungefähr zur selben <Zeit gestorben sind, sondern sie haben auch in unmittelbarer Nähe gelebt.

Marx in seinem Exil in London mit seiner Haushälterin Lenchen, die ein Kind von ihm hatte, seine Frau Jenny ist kurz vor ihm gestorben,  Charles Darwin mit seiner gottesfürchtigen Emma und dem Pudel Polly in der Nähe Londons und obwohl der Buchtitel es vermuten ließe, sind die beiden sich nie begegnet, wie Ilona Jerger in ihrem Nachwort schreibt, in dem sie auch sehr schön erläutert, wie das Schreiben von biografischen Romanen, das mich ja sehr interessiert, vor sich geht.

Einige in dem Buch vorkommenden Personen, wie Marx und Engels, Darwin und sein Vetter Francis Galton sind rela existiert habende Personen und dann gibt es wieder die erfundnen, wie den freidenkenden Arzt Dr. Becket, der das Verbindungsglied zwischen Marx und Darwin stellt.

Denn das Buch spielt 1881, Darwin in den Siebzigern, erforscht gerade das Leben der Regenwürmer, seine fromme Frau leidet unter seiner Gottlosigkeit und überlegt, daß sie ihn dann ja nach seinen und ihren Tod nie wieder sehen wird können, denn ein Ungläubiger kommt ja nicht in den Himme und da er sehr leidend ist, wird er von Dr. Becket betreut, der ihm erzählt, daß er jetzt auch einen anderen berühmten Patienten hat, nämlich den sechzigjährigen Marx, den sein letzter Hausarzt wegen  seiner Zahlungsunfähigkeit verlassen hat, denn Marx  lebt in seinem Exil unter ziemlich prekären Verhältnissen, das Silber wird ins Pfandhaus getragen, obwohl Friedrich Engels seinen „Mohr“ wie Marx genannt wird, sehr unterstützt und auch bereit ist Dr. Beckets Rechungen zu bezahlen.

Der Arzt erzählt beiden Patienten vom jeweiligen anderen und schummelt dabei auch ein wenig. Denn Marx hat dem berühmten Naturforscher zwar einmal sein „Kapital“ mit Widmung geschickt und der hat sich auch brav dafür bedankt. Hat es aber nicht gelesen, denn der Naturforscher ist ja, obwohl von Gott abgewandt, eigentlich sehr büerglich und hält so nicht besonders viel vom Kommunismus.

Dr. Becket eher schon und so ist er auch erfreut, daß Marx einmal bei einem Abendessen bei den Darwis war. Da war nicht nur Emmas Hausgeistlicher, sondern auch drei Herren, die von einem Kongreß aus London kamen und mit Darwin diskutieren wollten, eingeladen. Einer davon war Marx Schwiegersohn und der hat ihn gleich mitgebracht, was zu peinlichen Szenen während des Mahles führte, denn die fromme Emma hält nicht viel von Kommunisten und Gottesleugnern, obwohl sie dem Heiseren bereitwillig durch den ebenfalls fiktiven Diener Joseph Hustensaft offerieren läßt.

Der Priester fällt infolge des Disputes vom Sessel, was zu einem dramatischen Höhepunkt der Szene führt, Marx geht mit Darwin indessen in den Garten und der steht dort still herum, erstens weil ihm die Ärzte das Schweigen emphlen haben, zweitens weil er vielleicht nicht soviel mit Darwin diskutieren will und in den folgenden Kapiteln kommt es zu zwei weiteren Todesfällen.

Zuerst stirbt der Ältere, Marx kommt zum Begräbnis und vorher ließ Emma auch den Priester holen, zündete die Kerzen an und bittet ihn um die heiligen Sakramente, die Darwin aber verweigert.

Marx ist etwas später, nämlich 1883 gestorben und wird auf dem Highwigate Cemetery, in dem Grab beerdigt, in dem schon seine Frau Jenny liegt, die 1881 an Krebs verstorben ist.

Darwin hatte, obwohl von der Kirche ausgestoßen ein, wahrscheinlich gegen seinen Willen, kirchliches Bebgräbnis und Detail am Rande wie Ilona Jerger schreibt, der Hund <polly ist nur einen Tag später als Darwin gestorben.

Ein interessantes Buch, das sicher einen kleinen Einblick in das Werk der beiden großen Köpfe geben kann. Wer also nicht gleich das „Kapital“ oder das „Kommunistische Manisfest“, das ich ja in den berühmten DDR-Ausgaben irgendwo in meinen Regalen stehen habe, beziehungsweise „Über die Entstehung der Arten“ oder das „Buch über die Regenwürmer“ lesen will, kann hier ein bißchen in das Leben und Wirken der Beiden eintauchen.

Darwin ist in dem Buch ein größerer Platz eingeräumt. Hier begleiten wir ihn durch mehrere seiner Träume, die ein bißchen sein Leben und sein Werk erklären. Marx kommt ein bißchen weniger vor.

Trotzdem hat man nach der Lektüre, glaube ich, ein gutes Zeitbild bekommen und, daß Marx und Darwin gleichzeitig gelebt haben ist sicher eine Erkenntnis, die vielleicht nicht so präsent ist. Zumindest schreibt auch Ilona Jerger in ihrem Nachwort, daß ihr das gar nicht so bewußt gewesen ist.

2018-05-11

Fische

Nun kommt das Debut einer amerikanischen Twitterin Melissa Broder „Fische“, bei „Ullstein“ erschienen, das ein Kultbuch werden könnte und von dem ich nicht recht weiß, ob es mir gefallen hat oder ob ich den sehr packend geschriebenen Roman nicht für Erotik-Kitsch halten soll?

Es geht um Liebe und Einsamkeit, lese ich in der Beschreibung, um die Liebessucht der Frauen an die vierzig und ihre Beziehungslosigkeit und das Ganze sehr flott dahin geschrieben, könnte auch eine Parodie auf die amerikanische Frau vor der Midlifekrise sein.

Es gibt einige Stellen, die mich durchaus in Bahn zogen, die, wie Lucy zum Beispiel in Veenice Einkaufen und zum Friseur geht, um sich auf ihre Dates vorzubereiten und auch die, wo sie in dem teuren Dessoushop angefeuert von der Verkäuferin und einer Freundin, die Reizwäsche für den Sex, der später in einer Hoteltoilette stattfindet wird, ausprobiert.

Alles andere vor allem die Erotikszenen erscheinen mir der wahrscheinlich prüden Mittesechzigerin zu aufgesetzt und auch sonst scheint mir diese Achtunddreißigjährige ein wenig übertrieben.

Da ist also Lucy, sie ist achtunddreißig, wohnt in Phoenix in der Wünste und schreibt schon endlos lang an ihrer Dissertation über „Sappho“. Bekommt, was mich ein wenig verwundert hat, von der Universität auch ein Stipendidum dafür. Das heißt nicht mehr lang. Jetzt soll sie endlich einmal fertig werden und sie hat auch einen Freund namens Jamie, einen Geologen, von dem sie offenbar nicht recht weiß, ob sie ihn liebt.

Sie führt mit ihm jedenfalls eine sogenannte freie ungebundene Beziehung und als er, als sie ihm eine Trennung vorschlägt, unerwartet darauf eingeht und nicht widerspricht, dreht sie durch.

Sie besucht ihm und gibt ihm einen Faustschlag, macht einen Selbstmordversuch und wird dann von der Polizei auf der Autobahn in ihrem Auto im Nachthemd mitten von einem Berg von Donuts erwischt, was zu einer Zwangstherapie führt, damit sie nicht ins Gefängnis muß.

Die Schwester Annika, die in Los Angeles in einer Luxusvilla lebt und den Sommer in Europa verbringen will, bietet ihr an, in den Stadtteil Venice zu kommen, den Hund Dominic zu hüten und die Dissertation fertig zu schreiben. Sie tut das widerwillig, schleppt sich an die Promenade von Santa Monica, beobachtet neidisch die Liebespaare, schläft lustlos mit dem Hund auf ihren Knien und muß in die Zwangsgruppentherapie.

Dann gibt sie eine Kontaktannounce auf, will Sex auf der Straße oder so, lernt zwei Männer kennen, kleidet sich für sie, wie schon erwähnt, neu ein, schläft mit dem einen in der Hoteltoilette und ist enttäuscht von ihm und dann lernt sie und das ist das Höhepunkt des Buches auf einem Felsen, den Fischmann Theo kennen, der auch einiges, als sie jünger ist.

Das heißt, er sieht nur so aus, in Wahrheit ist er schon mindestens vierzig. Und das führt zu Komplikationen. sie schleppt ihn im Bollerwagen an Land. Der Hund Dominic ist eifersüchtig und fängt zu knurren an, so daß sie ihn betäuben muß. Am Schluß will sie reumütig zu Jamie zuirück, der bekommt aber von seiner Liebhaberin ein Kind, der Hund stirbt an der Überdosis der Beruhigungstabletten, die sie ihm gegeben hat. Theo dreht durch, als sie ihn verlassen will und so will sie mit ihm ins Meer gehen. Das geht aber nur als tote Frau, so daß sie es sich doch noch überlegt, den Fisch ziehen läßt und mit ihrem Koffer zu ihrer Schwester und ihrem Schwager zurückgeht und die Dissertation ist auch nicht fertig geworden. Das heißt schon, sie erscheint ihrem Doktorteam aber als zu narriativ und zu wenig wissenschaftlich und so ist in dem Buch eigentlich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen kann, obwohl es ohne Zweifel sehr stark frech und rotzig geschrieben ist.

Aber mir der schon erwähnten eher prüden Mitsechzigerin wahrscheinlich etwas zu offensiv erotisch war und das mit dem Fischmann, die Methapher und die Metaphorik dahinter, hat, wie sie zugeben muß, die Psychologin auch nicht so ganz verstanden.

2018-05-10

Super und dir?

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Das ist die ewig gleiche Antwort, auf die höchst banale Frage, wie es einem denn so ginge, die höchstwahrscheinlich ohnehin niemand wissen will und nur aufhalten würde, wenn jemand ehrlich „Beschißen!“, darauf antworten würde oder „Ich brauche Zeit und Geld!“ oder so, die aber die Generation über dreißig der prekären Arbeitswelt gerade entkommen, die nach ihrem Studium in den angeblichen Traumberuf eingestiegen ist, zu geben sich veranlaßt fühlt oder denkt und glaubt, daß die Gesellschaft, das von einem erwarten würde, wurde man doch höchstwahrscheinlich  so erzogen.

Die perfekte Fortsetzung  auf das vorher gelesene Buch, hier war es die österreichische Gegenwartsliteratur, die in einem Hochstaplerroman von einem berichtet, den das „Super und dir!“, auch nicht so gelungen ist, hier erzählt die1985 geborene deutsche Kathrin Weßling, die Online-Redakteurin ist und in einem ihrer vorigen Bücher, glaube ich, schon über ihre Depression geschrieben hat.

Da ist es nicht weit zum Burn-Out und zur Drogensucht und Kathrin Weßling könnte man veranfacht sagen, erzählt, wie viele andere, auch hier von der Krankheit der Jugend in einer Gesellschaft wie dieser und sie tut es mit einer unheimlichen Wucht, wenn auch nicht immer linear, nicht immer ganz nachvollziehbar und nicht immer mit der gleichen Dichte und auch in unterschiedlichen Textsorten.

Da ist also Marlene Beckmann, die ist gerade einundreißig geworden und soll ihren Geburtstag feiern und man merkt, da stimmt etwas nicht, denn die Person ist trotz ihrer vielen Facebookfreunde fertig und am Ende.

Das von den Facebookfreunden steht schon so im Klappentext: „Marlene Beckmann Anfang dreißig. Social Media Managerin in einem multiinternationalen Unternehmen, hat es geschafft. Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt und einen Job den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihren Chacren atmet, wird das Leben noch besser.“

Dann wechselt das Bild von der eher schwachen Person, die unfähig ist, trotz Anruf ihrer Mutter, ihre Geburtstagsparty zu planen und wir kommen zu einer Jugendlichen, deren Welt zusammenbricht, als ihre Eltern ihr bekannt geben, daß sie sich trennen wollen. Das heißt für die Mutter ist das eigentlich die Katastrophe, sie greift zum Alkohol und zu dem vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel, der Vater säuselt, es wird alles gut und verschwindet, die Tochter räumt die Flaschen weg und verspricht der Englischlehrerin, die sie in der Schule auf ihr gelegentliches Fehlen und ihren Leistungsabfall anspricht, daß alles Super ist und sie sich zusammenreißen würde, was zu den dichtesten Stellen des Buches zählt

Das tut sie dann auch, denn sie ist die Beste ihres Abisjahrgangs, Vater und Mutter sind zur Feier gekommen, spielen heile Welt, der Direktor hält eine Lobesrede. Dann schafft sie ihr Studium und tritt die oben erwähnte Stelle an. Die Firma in die sie einsteigt, wird ein bißchen wie Dave Eggers „Circle“ geschildert, neben ihr wird noch eine zweite Volontärin aufgekommen und nur eine wird, besonderes grausiges Spiel, den Job bekommen.

So lächelt sich Marlene durch, betreut Bloggerinnen, macht für ihren Chef die Präsentationen, die er dann als seine ausgibt, weist Maya, die ein bißchen zu viel getrunken hat, bei einer Afterwork-Party zurecht, schläft zuwenig und ißt ihren Freund Jakob, weil sie nicht zum Einkaufen kommt, den Lieblingspudding weg. Der spricht sie darauf an, daß offenbar etwas nicht in Ordnung ist, sie verspricht ihm, sich zu ändern. Ein Ulraub wird geplant, den sie aber, weil in der Firma zu viel zu tun, verschieben muß.

So weit der erste Teil. Im Zweiten ist Jakob  offenbar allein in den Urlaub geflogen. Sie bricht nicht zusammen, geht nicht zur Arbeit, sondern zum Arzt, erzählt ihm, nachdem sie ihm etwas von einem Darmvirus vortäuscht, um zu einer Krankschreibung zu kommen,  weinend von ihrer Drogensucht, der nimmt sie nicht erst, sagt „Sie sind doch kein Junkie!“ und verschreibt ein sanftes Beruhigungsmittel und von Stefan, ihrem Chef kopmmt die Nachricht, daß leider, leider, sie solle es nicht persönlich nehmen und es ist auch nichts gegen sie, sich die Firma doch für Maya entschieden hat.

Dazwischen wird noch eine Abtreibung erwähnt, die Marlene einmal hatte, weil es mit ihren damaligen Freund Davind nicht der richtige Zeitpunkt zum <kind war und am Ende geht es wieder zu dem nicht gefeierten Geburtstag zurück und zu den Anrufen, die vom Vater, der den üblichen Scheck verspricht, der Mutter und der glücklicheren Kollegin Maya kommen.

Ein sehr beklemmend dichtes Buch, in dem wahrscheinlich viel selbst Erlebtes und viel von dem Druck, den unsere Gesellschaft auf die Jugend von heute, den erfolgreichen Superkindern, die immer lächeln und leisten müssen und damit überfordert sind, macht, steckt.

Eines das sich nahtlos an die traurigen Freiheit und auch noch einige andere Bücher einiger anderer Dreißigjährigen reiht und das auch schon von „Literaturen“ und „Herzpotential“ gelesen wurde, die glaube ich, ebenfalls beeindruckt waren.

2018-03-14

Wenn Martha tanzt

Der 1967 geborene Tom Saller, der Medizin studierte und jetzt als Psychotherapeut tätig ist, führt in seinem bei „Ullstein“ erschinenen Debut sehr deutlich vor, wie ein Roman entstehen kann.

Seine Großmutter, die nach dem Krieg aus Pommern flüchten mußt,e ist gestorben und hat ihm einen Brief hinterlassen.

Dann gibt es noch die Bauhaus-Geschichte, die „Ullstein“ in einem Extraheftchen als Überblick und zum besseren Einstieg in die Geschichte zusammen mit einem Interview mit dem Autor, beilegte, die ihm irgendwann zu Ohren kam und ihn interessierte, so daß er die Wahrheit mit der Fiktion verknüpfte und eigentlich einen „phantastischen Roman“ daraus machte, in dem er einige Ereignisse miteinander verknüpfte und auch auf die entsprechenden Höhepunkte und Spannungsbögen dabei achtete.

Da ist einmal der Ich-Erzähler und das ist der Enkel der verstorbenen Großmutter, die ihm ein Tagebuch vererbte, weshalb er, um es zu versteigern, von Deutschland nach New York reist und wieder interessant, so ein Buch hatte ich schon vor kurzem in Hannes Köhler „Ein mögliches Leben“, da ist der Enkel mit dem Großvater nach New York geflogen, damit der seine Kriegserfahrungen nochmals aufleben kann.

Hier verkauft der Enkel, das Buch um fünfundvierzig Millionen und eine der Jurorinnen des Leipziger Buchpreises merkte in einem Interview an, daß es interessant ist, wieviele junge Menschen plötzlich über Erfahrungen schreiben, die sie gar nicht erlebt haben.

Ja, die Großmütter sterben und der Ich-Erzähler, ein Germanistikstudent, hat nicht viel über ihre Vergangenheit gewußt, hat sie ihm doch auf Fragen immer nur gesagt „Red nicht so viel, sonst wird dir das Hemd zu kurz“.

Jetzt entdeckt er, als er ihren Nachlaß ordnet, eine alte Kladde und in dieser Zeichnungen von Paul Klee, Wassily Kandinsky und einigen anderen.

Hey, was ist da los? So nimmt er Urlaub von seinem Studium, um Marthas Tagebucheintragungen zu literarisieren und da die Eintragungen erst zwanzig Jahre später beginnen, muß er den Anfang, Marthas Kindheit in Pommern, als Tochter eines Musiklehrers recherchieren. Die, der Mutter von der Großmutter, wie man Anfangs glaubt, wurde 1900 geboren und geht, als junges Mädchen noch im ersten Weltkrieg nach Weima,r um in dem berühmten „Bauhaus“, das von Walter Gropius gegründet wurde und das, die erste Kunstschule war, die schon damals gleichviel Frauen, als Männer aufgenommen hat, zu studieren.

Denn Martha hat eine besondere Gabe. Sie sieht und hört alles in Formen. So gibt es in dem Buch nach den einzelnen Abschnitten immer einen kleinen Kreis, ein kleines Dreieck und ein solches Quadrat und sie beginnt diese Fähigkeit dann mit ihren Körper auch als Ausdruckstänzerin zu verwirklichen.

Das dauert allerdings nicht sehr lang, denn es kommen ja bald die Nazis, die die Schule schließen wollen und so geht Martha 1924 mit einem Kind im Arm, die kleine Hedi, die eigentlich Hedwig heißt, obwohl sie Lydia heißen sollte, zu den Eltern zurück.

Da habe ich noch etwas ausgelassen, nämlich den väterlichen Freund der Familie, der eigentlich Marthas Vater ist und auch ein Bruder von Walter Gropius, was auch der Grund war, warum Martha auf der Schule aufgenommen wurde und dann gibt es noch eine Fotografin namens Ella, mit der Martha eine zarte lesbische Liebe beginnt und die später einen Nationalsozialisten heiratet.

Man sieht, Tom Saller läßt nichts aus, was sich literarisch verwenden läßt und es kommt noch phantastischer.

Denn das Buch ist in zwei Teilen geschrieben, den des Ich-Erzählers, der im September 2001 nach New York reist und dann die Tagebucheintragungen.

In New York wird das Buch von einer alten Dame um fünfunfvierzig Millionen ersteigert und am Abend im Hotel ruft die junge Assistentin an und lädt den Enkel zum Abendessen in ein Hotel, das den Twintowern gegenüberliegt, ein. Ahnen wir schon den weiteren Verlauf der Handlung?

Noch nicht so ganz, denn die alte Dame, die dort wohnt, lädt den Erzähler erst zum Sherry ein, nennt ihn dann einen Betrüger, denn sie ist Martha, also hundertundein Jahr alt und ihre Tochter Hedi ist 1945, als sie fliehen mußten in der berühmten „Gustloff“, über die auch schon Günter Grass geschrieben hat, untergegangen.

Sie erzählt ihm, den weiteren Teil der Geschichte, die er schon von den Tagenbücher und von Wolfgangs Briefen, das ist der väterliche Freund, wußte.

Martha ist mit dem Kind in das Haus der Eltern zurückgegangen, zog ihr Kind auf, gründete eine Tanzschule und mußte  nach 1945 fliegen. Sie mußte das überfüllte Schiff aber verlassen, die Tochter blieb und ertrank auch nicht wirklich, sondern flüchtete auf ein anderes, das hat die Großmutter dem Enkel schon erzählt.

So waren Marthas Schuldgefühle unnötig, die nach Amerika emigirierte, sie schickt mit einem Brief, den Enkel aber trotzdem weg, was ein Glück für ihn ist, denn noch im Flugzeug stellt sich heraus, die Twintowers werden von den Flugzeugen angegriffen, fallen auf das Hotel und die Hundertjährige kommt bei dem Anfschlag um.

Der Erzähler kann den Brief erst später lesen, erfährt noch die letzten Details, die ich jetzt nicht spoilern will und wir haben eine phantastische Geschichte gelesen, die entstehen kann, wenn jemand einen Brief im Nachlaß seiner Großmutter findet.

Alles andere ist Fiktion und geschickte Verknüpfung, man kann aber über die Bauhausgeschichte in dem kleinen beigelegten Büchlein nachlesen und hat wieder etwas gelernt.

2018-03-10

Fliegende Hunde

Filed under: Bücher — jancak @ 00:21
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Jetzt kommt ein wirklich tolles Buch. Das Debut des Jahres, könnte man es vielleicht so pathetisch nennen, eines von dem, ich hoffe, es vielleicht auf der Longlist zu sehen, denn meiner Meinung nach sind Wlada Kolosowas „Fliegende Hunde“ viel aufregender als im Vorjahrt Sasha Mariana Salzzmanns „Außer sich“, das als so außergewöhnlich gelobt wurde, was ich bis heute nicht nachvollziehen kann.

Wieder geht es um eine Exilrussin wurde Wlada Kolosowa doch 1987 in Sankt Petersburg geboren, wuchs in Deutschland auf und studierte sogar Creative Writing in New York bei  Jonathan Safran Foer und Zadie Smith.

Vielleicht ist deshalb ihre Geschichte so ungewöhnlich und nicht so abgelutscht, wie die Familiengeschichte der Sasha Mariana Salzmann, die ich schon hundertmal gelesen habe.

Jetzt geht es direkt in das Sankt Peterburg von heute, oder nein, richtiger in das fiktive Vorstädtchen „Krylatowo“, wo zwei sechszehnjährige Teenager Lena und Oksana, das Buch hat wieder Kapitelnamen, in einer Plattenbausiedlung leben, zur Schule vorbei an den Alkoholikern der Siedlung, den jungen Mütter und den Omchen gehen und sich in dieser Trostlosigkeit in ein trendiges Leben träumen.

Wie tut man das in einer russischen Plattenbausiedlung? Lena hat es scheinbar geschafft, nämlich bei einem Casting in ihrer Schule gewonnen, einen Modelvertrag unterschrieben und wurde nach Shanghai geflogen, wo sie nun von einem Rafik streng bewacht in einer wahrscheinlich noch trostloseren Wohnung, für die sie vierhundert Rubel oder Dollar zahlen muß, mit einer Menge anderer osteuropäischer Mädchen haust, Instantnudeln ißt und von einem Billigcasting zum nächsten gefahren wird, während es für die weniger Erfolgreichen die sogenannten Nachtcastings, in Clubs, etcetera, gibt.

Trotzdem ist Oksana, die mit ihrer Freundin eng umschlungen Seite an Seite aufwuchs und oft mit ihr im selben Bett übernachtete, neidig oder einsam und will auch dorthin.

Wie tut man das? Richtig, man hungert sich auf Modelgröße hinunter und damit das besser geht, hat Oksana auch die entsprechende Internetseite gefunden: „leningrad-diet-ru“, die an die Leningrader Blockade von 1942 erinnert, wo Millionen <menschen von den Deutschen zu Tode gehungert wurden, beziehungsweise Gras und ihre Katzen aßen und diese Seite verspricht den Teenagern nun ewige Schlankheit, wenn sie sich an die Rezepte von damals halten.

Die sind natürlich streng geheim und im Buch gibt es auch nach de üblichen Erklärung, daß „Alle Protagonisten frei erfunden sind“, die Warnung „Die angeführten Rezepte schaden der Gesundheit, schmecken fürchterlich und garantieren keinen Gewichtsverlust“

Na klar, wird man sagen, wenn man sich erst einmal hineingeschaut hat, daß es da „Ledersuppe“, „Pappmache-Buletten“, Grasküchlein gebacken inIndustrieöl“,“Mehl aus Eichelrinde“ etcetera gibt.

Auch Oksana ist da nicht sehr erfolgreich, obwohl sie stundenlang Ledersuppe und Lederpudding kocht oder vor der Brotscheibe mit 125 Gramm sitzt, die ein Teil ihrer Tagesration ist.

So gibt es Rückfälle, Kotzversuche, sie streitet sich mit der Mutter, die gerade Eheprobleme hat, ob sie die teuren Bananen die sie, für sie gekauft hat, essen soll oder nicht und wenn sie über den Hof in die Schule oder in die Bibliothek latscht, trifft sie Sergej Mammontow, Mammut, genannt, den Anführer ihrer Klassengang und eine zarte Liebe bahnt sich an.

Aber das kommt erst später. Erst geht sie in die örtliche Bibliothek, um sich nach der Leningrader Blokade zu erkundigen, will sogar eine Klassenarbeit darüber schreiben und unterhält sich mit Lenas Uroma Baba Polja, die die Blockade selbst er- und überlebte.

Lena lernt in Shanghai indessen den Fotografen Steve kennen, der sie für Sex protagieren will und besesere Aufträge verschafft. So geht sie mit ihm in die Sauna, wo ihr schlecht wird und jobbt auch in einem Freizeitpark, wo sie sich, als „Weiße“ ausstellen, umarmen und fotografieren lassen muß. Dafür wird aber ihr Vertrag verlängert und sie darf sogar über Weihnachten zurückfliegen, um ihr Visum zu verlängern und ihre Familie zu besuchen.

Das Internetforum wird indessen immer dränger. Oksana muß ihren „fetten Arsch“ fotografieren und hineinstellen und als ein Mädchen stirbt, weil ihr wegen der Ledersuppe oder war es das Brätlingrezept das Bapa Polja Oksana verraten hat, die Magenwand durchgebrochen ist, beginnt sie zu rebellieren, rät den Usern aufzuhören und nicht jeden Wahnsinn mitzumachen und auch nicht, die zu verarschen, die vor siebzig Jahren wirklich aus Hunger sterben mjußten.

Die Nachricht wird gelöscht, Oksana auch geraten nicht zur Polizei zu gehen, wie sie drohte, wird aber ansonsten in Ruhe gelassen und auch Lena reist wieder in ihre ungewisse Modelzukunft, die sie vor ihrer Familie und der Freundin natürlich schönfärbt, wieder ab, während sich die Mutter wieder mit dem Vater versöhnt und Oksana vielleicht in eine bessere oder auch nur genauso trostlose Zukunt mit Mammut, der in einer kalten Wohnung sitzt, sich Oksana aber vorsichtigt annähert und für sie auch exotisches Obst aus einem teuen Supermarkt stiehlt, entgegengeht.

Ein ungewöhnlich frisches und scharfgeschriebenes Buch über das Leben der jungen Frauen in Osteuropa, das ich so auf diese Weise noch nicht gelesen habe und tröstlich ist auch, daß es eigentlich hoffnungsvoll endet, Oksana kann sich von der Magersucht lösen und ißt mit Lena in St. Petersburg drei fette Krapfen hintereinander. Ob ihre Zukunft in der Vorstadt rosig wird, ist zwar fraglich. Aber vielleicht kann sie studieren oder geht später als Altenpflegerin in den Westen und man erfährt auch viel von der Leningrader Vergangenheit und das geht bei Wlada Kolosowa auch ohne, daß sie dabei ihre Familiengeschichte auftischen und wiederholen muß.

Und die „fliegenden Hunde“ sind eine Metaüher, beziehungsweise sahen Lena und Oksana sie am Fenster vorüberfliegen, als sie vor ihren Model- und Hunerkarrieren aneinandergekuschelt im Bett lagen.

2017-12-30

Die Zeit der Ruhelosen

Das wahrscheinlich letzte Buch in diesem Jahr ist noch ein Nachtrag des Frankreich-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse und der war für mich eine Überraschung, denn, daß die französische Gegenwartsliteratur so aktuell politisch ist,habe ich nicht gewußt.

Eduard Louis „Im Herzen der Gewalt“ habe ich mir zum Geburtstag schenken lassen und werde wahrscheinlich erst im nächsten Jahr, wenn überhaupt, zum Lesen kommen.

Sophie Divris „Als der Teufel aus dem Badezimmer kam“ habe ich schon gelesen und viel Übereinstimmung mit meinem Schreiben gefunden, habe ich diese Themen ja auch in meinen Texten bearbeitet und von der  1972 geborenen promovierten Juristin Karine Tuil, habe ich vor einiger Zeit die „Gierigen“ im Schrank gefunden.

Da bin ich auch noch nicht zum Lesen gekommen, dafür habe mich „Die Zeit der Ruhelosen“ die letzten Tage begleitet und was soll ich sagen, es ist ein verstörendes Buch, eines das von sehr viel Gewalt geprägt ist und das Leben der Reichen und der Schönen in Frankreich schildert, die auch nicht glücklich sind.

Ein Frankreich nach dem Irak Krieg, das Buch spielt etwa 2009 oder 2010 habe ich mir ausgerechnet und Romain Roller kommt schwer traumatisiert von einem Afghanistan-Einsatz zurück und wird bevor er wieder nach Frankreich darf in einem Luxushotel  in Zyperbn ein paar Tage lang von Psychologen behandelt.

Dort ist auch die Journalistin Marion Decker und die ist mit einem der reichsten Männer Frankreichs, dem Chef einer Telecom-Firma Francois Vely verheiratet, der oder dessen Vater eigentlich Levy hieß, sich aber vom Judentum abwandte oder sich ihm nie zugehörig fühlte.

Der ist auch ein gebrochener Mann, hat sich seine zweite Frau doch aus dem Fenster gestürzt, als er Marion heiratenwollte, sein Sohn Thiboult ist inzwischen zum Judentum konvertiert und nennt sich Moldechai und Vely, weil sehr an moderner Kunst interessiert, posiert bei einem Interview auf einem Sessel, der eine unterdrückte afrikanische Frau darstellt.

Das löst eine Well der Empörung aus, Vely wird des Rassismus verdächtigt und als Jude beschimpft und bekommt ausgerechnet von dem ehemalisgen Streeworker Osman Diboula, einem Schwarzen, der Berater des Präsidenten war, aber inzwischen in Ungnade gefallen ist, weil er sich nicht von einem Rechten beschimpfen lassen wollte, Unterstützung.

Ja, so geht es zu, im Frankreich in den Zweitausenzehnerjahre, die starken Männer koksen und trinken und werden erpresst, die Frauen tauchen eher als Schemen auf und im dritten Teil des Buchen finden sich alle im Irak ein.

Roller kehrt, obwohl schwer traumatisiert, als Sicherheitsmann dorthin, Osman, der beim Präsidenten wieder Gnade gefunden hat, wird Staatssekretär des Äußeren und soll in Bagdad eine Messe besuchen. Er kommt auf die Idee, Francois zu bitten, ihn dorthin zu begleiten und der wird dort entführt und letztlich als Geisel erschossen.

„Eiskalt, fesselnd, furios“, geschrieben, steht am Buchrücken und man bleibt wirklich mit einem beklemmenden Gefühl, ob der Gewalt, der Verzweiflung, der Depression, die im heutigen modernen Leben herrscht und uns umgibt, zurück.

„Furios erzählt Karine Tuil von Menschen, die getrieben sind vom Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht, ein gradioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit“, steht noch im Klappentext.

Jetzt bin ich auf die „Gierigen“ gespannt und weise auf mein letztes Adventkalenderfenster hin, das es in diesem Jahr zu öffnen gibt.

Was bisher geschah läßt sich hier erfahren und die „Nika,Weihnachtsfrau“, vor zwei Jahren im Rahmen des „Nanowrimos“ geschrieben, ist wahrscheinlich auch ein Gesellschaftspanorama unserer Zeit, zumindestens eines im kleineres Rahmen, das sich  vielleicht während der Flüchtlingskrise auf der Wiener Mariahilferstraße abgespielt hat.

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