Literaturgefluester

2019-11-22

Die Hölle ist leer, die Teufel sind alle hier

Nach der kurzen Schweiz-Unterbrechung, geht es weiter mit dem östBp, das heißt ich fange jetzt so richtig damit an, habe ich bis jetzt ja nur die Bücher gelesen die auch auf der dBp und der Schweizer Liste standen und werde vielleicht wieder unterbrachen, da nächste Woche ja die Shortlist des Bloggerdebuts-Preises“ bekanntgegeben wird von der ich hoffe, daß ich einige Bücher schon gelesen habe

Jetzt aber Buch fünf des öst Bp, Gerhard Roths „Die Hölle ist leer, die Teufel sind schon alle hier“, ein Zitat von Shakespeare aus dem „Sturm“, des 1942 in Graz geborenen Gerhard Roth, einem österreichischen Doyen, der mehrere Romanzyklen geschrieben hat und von dem ich auch schon einiges gelesen, bezeihungsweise in meinen Regalen habe.

Jetzt kommt  sein zweiter Vendig-Romanund ich muß gestehen, daß ich keine Ahnung hatte, daß er sich für Venedig interessiert, hielt ich ihn doch für einen Grazer Expressionisten, der sich für die „Archive des Schweigens“ etcetera, interessiert und da ich ja eine Namensfetischist bin und bei meinen Preisprognosen immer an die Berühmten denke, war ich sehr erstaunt, das Buch nicht auf der Shortlist zu sehen, hätte ich Roth seines Alters wegen neben Florjan Lipus, den ich noch lesen muß, für einen Favoriten gehalten.

Jetzt bin ich nicht mehr so davon überzeugt, denn ich muß zugegen, daß das Buch, das mich stellenweise an das Debut der Raphaela Edelbauer erinnerte, ist es ja ähnlich absurd und während bei Edelbauer eine seltsame Gräfin alles dominiert, ist es hier ein uralter Herr Egon Blanc, sehr verwirrte und ich mich auch ein bißchen wunderte, daß ein literarischer Doyen, der an den Achtziger geht, seit Jahrzehnten schreibt, sich so etwas traut und  gedruckt wird. Aber wahrscheinlich deshalb und bei mir wäre es wieder oder ist es ganz anders, obwohl ich wieder Ähnlichkeiten mit meinen Schreiben entdeckte.

Es geht also um Venedig, in einigen Rezensionen wird sogar von einem Venedig-Führer geschrieben und um den Tod und das Sterben, beziehungsweise um das Verwirrspiel darum herum.

Die Psychologin würde da wieder an das Hineingleiten in eine Psychose. wie beim „Letzten Huelsenbeck“, denken, spielen ja Pilze auch eine Rolle, aber das nur am Rande.

Der oberflächlige Leser, der der sich nicht so gut auskennt und den Namen Gerhard Roth vorher vielleicht noch nicht gehört hat, wird vielleicht an eine billige Kriminal und Verfolgungsstory denken.

Aber schön der Reihe nach, damit man mir nicht wieder unverständliches Schreiben vorwirft.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, daß ich am Anfang erstaunt gedacht habe, aha Gerhard Roth schreibt auch einen dieser Midlifekrise Rome, wo es um den Sex und der Angst vor dem Sterben geht.

Da ist also Emilio Lanz, ein Übersetzter, er kommt aus Südtirol, hat lange in der Steiermark bei seiner Frau, einer Weinbäuerin gelebt und nach deren Unfalltod von ihr geerbt, lebt jetzt am Lido, übersetz den „Gulliver“ und ist des Lebens überdrüssig.

Zwei alte Pistolen hat er auch aus der Steiermark mitgenommen mit einer davon fährt mit dem Vaporetto auf eine Insel und beschließt sich dort umzubringen. Bis er dorthin kommt, macht er viele Beobachtungen und die kleinen feinen Beobachtungen sind auch eine Stärke des Buchs, kauft sich ein Schachspiel und betrinkt sich an drei Flaschen Wein. Nebenbei ist er, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, ein Büchersammler, der sich ständig neue Bücher bestellt, die ihm dann ein afrikanischer Briefträger bringt, obwohl er längst nicht mehr alle lesen kann. Das ist vielleicht ein autobiografisches Detail und erinnert auch stark an mich.

Lanz beschließt sich also umzubringen. Aber bevor er das tun kann, beobachtet er einen Mord. Ein Mann wird von zwei anderen mit einem Boot gebracht und dann erschossen glaube ich. Eine schöne Fografin namens Julia hat Lanz da auch schon kennengelernt, die sieht er während er zum Vaporetto will, um die polizei zu holen in einem Hotel, hört sie telefonieren und bekommt heraus, daß ihr Lebensgefährte in den Fall verwickelt war und den Mord in Auftrag gegeben hat.

Er landet mit Julia in einem Hotelzimmer, sie entwendet ihm die Pistole mit der dann später ihr Freund und Auftragsgeber erschossen wird und verschwindet. Er geistert durch Venedig, beschäftigt sich mit der Frage, ob er zur Polizei gehen soll oder nicht? Spaziert durch Spitäler und Friedhöfe, sieht sich Kirchen an, macht wieder Beobachtungen, wird verfolgt und schließlich von einem Auto niedergefahren, so daß die Polizei zu ihm kommt.

Da redet er sich  auf Gedächtnisausfälle aus und nun schaltet sich der reiche Hundertjährige ein, der neben ihm wohnt, der offenbar den Unfall verursacht hat und vermittelt einen Übersetzungsauftrag von Shakespeares gesammelten Werken, was fünfundzwanzig Jahre dauern wird und ihm monatlich viertausen Euro einbringen soll.

Einen Falkner hat Emil Lanz inzwischen auch kennengelernt, der stellt ihm andere Angestellte des Egon  Blanc vor. Da gibt es einenImker, einen Gärtner, einen Koch und eine Frau namens Caecilila, die nun Lanz Geliebte wird.

Es kommt zu weiteren Verfolgungsjagden und Todesfällen, ein Commissario Galli taucht immer wieder auf und stellt zynische Fragen. Im letzten Kapitel gibt es dann den für das Buch symbolisch stehenden Sturm. Lanz Haus wird durch einen Brandtanschlag zerstört und richtig, die Flüchtlingsfrage, das hätte ich fast vergessen spielt auch noch eine Rolle.

Am Beginn des Buches hat Lanz bei seinen täglichen Spaziergängen ein totes Flüchtlingsmädchen gesehen, die Stadt ist von illegalen Handtaschenverkäufern überschwemmt und die Flüchtlinge, Julia und ihr Liebhaber waren, stellt sich heraus, im Schlepperwesen verwickelt, wurden in ein verfallenes Sptial untergebracht und dort zur Prostituion und illegalen Taschenverkauf verpflichtet.

Die Frage ob das jetzt alles real oder, ob Lanz nicht schon längst gestorben ist oder  alles nur träumt, taucht auch immer wieder auf und ich bin, wie gesagt ein bißchen verwirrt, daß Gerhard Roth so schreibt und sollte mich vielleicht genauer mit seinen Büchern beschäftigen.

Wenn ich eines seiner Werke in den Schränken finde, nehme ich es ja mit, denn ich habe ja auch eine umfangreiche Büchersammlung, die mir hoffentlich nicht verbrennt. Aber ob ich dazu komme, sie zu lesen, ist fraglich, kommt ja soviel Neues auf mich zu. Aber wenn Gerhard Roth dann auf einer der Buchpreislisten steht, werde ich ihn lesen und ich erlebe vielleicht wieder eine Überraschungen und das ist ja sehr schön.

2016-01-08

Blutige Steine

Jetzt habe ich die „Blutigen Steine – Commissario Brunettis vierzehnten Fall“, doch noch gefunden. das Buch stand ganz oben und ganz hinten ohne Umschlag im Regal. Ich kann das Jahr mit meiner jährlichen Donna Leon beginnen und zufälligerweise gibt es noch zwei Aktualitäten, die mir zu mindestens am Anfang bestätigten, daß es gut ist, auch ältere Bücher, der Roman ist 2006 herausgekommen und steht schon ein paar Jahre bei mir, zu lesen.

Später war ich mir dann nicht mehr so sicher. Aber wieder schön der Reihe nach.

Es beginnt für einen Roman, der am letzten Weihnachtsfeiertag und nach dem „Adventkalenderschreiben“, wo ich mit dem Korrigieren, wieder zufällig, auch  gerade fertig geworden bin, an einem Adventsonntag am Weihnachtsmarkt in Venedig, nämlich zuerst mit den Käse- und Salamiproben.

Dann wird der offizielle Markt geschlossen und die ambulanten Händler, die sogenannten „vucumpras“ dunkelglänzende junge Männer aus Schwarzafrika, meist aus Senegal stammend, die ihre falschen Markentaschen phantasievoll am Boden ausbreiten, übernehmen.

Eine amerikanische Reisegruppe aus pensionierten Ärzten kommt herbei, goutiert, wählt aus und auf einmal wird diese Idylle durch ein paar „Peng-Geräusche“ unterbrochen. Zwei mutmaßliche Serienkiller haben sich angeschlichen und einen der Händler, einen etwa dreißigjährigen jungen Mann niedergestreckt.

Jetzt kommt mit einer halbstündigen Verspätung auch Commissario Brunetti angefahren und ermittelt das oben Beschriebene.

Er ermittelt auch, wie die Polizei mit diesen abulanten Händlern vorgeht. Sie werden einvernommen, die Taschen abgenommen und mit einer Aufforderung, das Land innerhalb von vierzehn Tagen zu verlassen, nach Hause geschickt und meist in der nächsten Woche wieder verhaftet.

Weil man nicht weiß, wie der Tote heißt, versucht sich Brunetti auch schlau zu machen, wo die Afrikaner leben und wer an sie vermietet. Das alles wurde sehr langatmig und auch sehr genau geschildert und erschien mir in Zeiten, wie diesen, wo Frauen von alkoholisierten arabisch aussehenden Männern in Köln und Hamburg angegriffen und beraubt wurden und alle reden herum und winden sich, fürchten sich vor Fremdenhaß und schlechter Stimmung, statt da einzugreifen, wo es wirklich nötig ist und damit meine ich keine Ausweisung oder verschärfte Grenzkontrollen, die  ohnehin nichts nützten, höchst aktuell, für einen zehn Jahre alten Roman, der vor einiger Zeit im Schrank gelegen ist.

Dann wird es allerdings platter, beziehungsweise geht es offenbar nach dem schon gewohnten Donna Leon Muster weiter. Mit dem Konflikt zwischen Brunetti und seinem unfähigen Chef dem Vize-Questore Patta, der ihm wieder von dem Fall abzieht, so daß der Comissario intrigieren, ein falsches Handy etcetera, verwenden muß.

Vorher hat er sich,  beziehungsweise seine Frau Paola aber über seine Tochter Chiara geärgert, die beim Essen achtlos einwirft, „Das war ja nur ein  vucumbra!“

Haben die Brunettis eine rassistische  Tochter herangezogen?, ärgert sich die Mutter und beschiimpft das Mädchen. Später wird sie dann eine iranische Arzttochter als Freundin nach Hause bringen und das ist wieder gut.

Während sich Brunetti inzwischen in ein Wohnhaus begibt, das an die Schwarzen vermietet wurde. Dort herscht Armut und Elend, aber große Freundlichkeit, obwohl die Mieter dem Polizisten gegenüber mißtrauisch sind. Der verhält sich auch ein wenig tolpatschig. Dann geht er in die Dachkammer und findet in einem Salzpäckchen wertvolle ungeschliffene Rohdiamanten und auf einmal ist klar, das ist das Zimmer des Ermordeten, obwohl man von ihm nicht  einmal den Namen weiß.

Brunetti schnappt die Diamanten und gibt sie einem väterlichen Freund, einem Juwelenhändler, um Weiteres über sie herauszufinden.

Aber jetzt ist schon Patta gekommen, hat den Commissaro abgezogen, weil Rom, das Innen- und das Außenministerium übernimmt und sogar die Computer werden gehackt, damit der Fall verschwindet.

Das ist bei Signora Elettra zwar nicht möglich und Brunetti hält sich ebenfalls nicht an seine Anweisungen. Er hat auch den einflußreichen Schwiegervater. Einen Mafiaschwiegersohn hat er vorher auch erpresst und sein Schwiegervater spielt ihm dann auch Informationen zu, wie es  gewesen ist.

Die Al- Qaida spielt eine Rolle, ein paar Terroristen werden noch erschoßen und eine  Notiz steht in der Zeitung „daß die Gruppe Mailänder Förderbetriebe für Öl einen zehn Jahresvertrag mit der Regierung von Angola abgeschlossen habe, der ihnen die Exclusivrechte auf Förderung und Abbau von Rohstoffen im Ostteil der ehemaligen portugiesischen Kolonie garantiert“.

Da gibt aber noch die Diamanten auf der Bank, die der Juwelenhändler dort deponiert hat. Die werden jetzt für einen guten Zweck an einen Geistlichen, eine männliche Ute Bock, habe ich verstanden, übergeben, damit er Gutes für die Hilfsbedürftigen machen kann.

So weit, so what und ich habe schon einige Donna Leons gelesen, man findet sie ja häufig in den offenen Bücherschränken und habe ja auch einmal die Erfahrung gemacht, daß die Filme besser, als die Originale sind.

Es ist aber immer das selbe Muster, wie bei anderen Krimis auch.

Es werden aktuelle Themen aufgegriffen und dieses war es offenbar schon vor zehn Jahren, dann wird eine etwas aufgesetzte Handlung daraus gemacht,  die Leser haben ihre Spannung und die Aussage von Donna Leon ist ja meistens, die Korruption Italiens oder deren Polizei, die Steuerhinterziehung, das Computerhacken, etcetera, also ein pessimistisches Bild.

Bei „Amazon“ habe ich schon, als ich von der aktuellen Thematik noch sehr begeistert war, die negativen Lesermeinungen gelesen, die mit dieser Fallabgabe und den Winkzügen, die dann Brunetti anstellen muß, nicht so begeistert waren.

Nun das hat mir auch nicht gefallen. Ein Commissario, der seinen Chef bellügt und betrügt und gefundenene Diamanten, wenn auch für einen guten Zweck, verscherbelt.

Aber das ist wahrscheinlich die Strahlkraft von Kriminalromanen und warum wir sie so gerne lesen. Ein Donna Leon-Fan, war ich, glaube ich nie. Habe aber etliche Bücher von ihr angesammelt, schreibt sie immer wieder und immer neue, weil die Leser das wahrscheinlich haben wollen.

Es warten noch ein paar andere Donna Leons auf meiner Leseliste. Neue werde ich mir wahrscheinlich nicht mehr aus dem Kasten nehmen.

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