Literaturgefluester

2017-05-19

Es geht uns gut

Auf unsere Bodenseeradrundfahrt zu Ruths siebzigsten Geburtstag, habe ich ja, wie ich das bei Reisen immer mache, versucht mir die entsprechende landesspezifische Literatur aus meinen Bücherschränken herauszusuchen und da habe ich ja einmal Arno Geigers ersten dBp- Buchpreisroman von 2005 im Schrank gefunden und da habe ich gedacht, das passt, weil ja Arno Geiger in Bregenz geboren wurde, wenn er auch längst inzwischen in Wien lebt und mit den Bodensee vielleicht gar nicht so viel zu tun hat.

Aber ich will ja für mein Buchpreisbloggen, die Buchpreisbücher auch auflesen und Arno Geiger kenne ich seit 1996, denn da bin ich auf eigene Kosten, zum Zuhören nach Klagenfurt gefahren und da war er ein sehr junger Autor und hat dort wahrscheinlich einen seiner ersten Texte gelesen, ist dort, glaube ich, auch nicht so aufgefallen oder doch wahrscheinlich, einmal mir und dann hat auch seine Karriere, wie ich einmal in einem Interview mit Martina Schmidt vom „Deuticke-Verlag“, wo dann seine ersten Bücher erschienen sind, damit begonnen.

2004 hat er mit einem Ausschnitt aus „Es geht uns gut“ noch einmal dort gelesen und ist, glaube ich, auch nicht sehr aufgefallen, aber dann kamm 2005, das österreichische Jubiläumsjahr mit fünfzig Jahre Staatsvertrag und genau davon handelt der Famimilienroman, der in meiner Lizenzausgabe, einen rötlichen VW mit zwei kleinen Kindern in jetzt altmodischen Badeanzpgen auf dem Titelbild hat.

Als wir den Bodensee schon umrundet hatten und zum zweiten Mal nach Bregenz zurückgekommen sind, um dort das Wochenende mit Erika Kronabitter zu verbringen, habe ich das Buch zu lesen begonnen und bin jetzt damit fertig geworden, das auch in einer Hietzinger Villa im Jahr 2001 beginnt.

Da hat wohl Arno Geiger den Roman zu schreiben begonnen und sein Protagonist Philipp hat da von seiner verstorbenen Großmutter Alma, die Villa geerbt, jetzt geht erauf den Dachboden und ein Schwall Tauben und ihr Dreck empfängt ihn dort, sowie seine Vergangenheit und Familiengeschichte, von der er eigentlich nichts hören will.

Ein raffinierter Zug, um die Handlung in Schwung zu bringen, denn während sich Philipp über seine verheiratete Freundin Johanna ärgert, die am Küniglberg beim ORF, Wettervorhersagerin ist, schwarz zwei Handwerker bestellt, um das Dach zu sanieren und die Sachen ausräumt und wegwirft, wird diese Geschichte aufgerollt.

Denn da gibt es die Großeltern Richard und Alma. Alma hat glaube ich, wie das früher so war, ihr Studium für die Familie aufgegeben und züchtet jetzt Bienen.

Richard ist dafür 1955 Minister und am Staatsvertrag beteiligt, kann aber zu dem Festakt nicht higehen, weil er von Zahnschmerzen geplagt wird, auch so ein Kunstgriff, außerdem betrügt, er seine Frau ständig mit seinen Sekretärinnen und Kindermädchen, das braucht man für einen Familienroman, der die letzten fünfzig Jahre des vorigen Jahrhunderts behandelt, vielleicht auch oder die Leser, beziehungsweise der Verlag, wollen es haben.

Es gibt auch zwei Kinder Otto und Ingrid. Otto, der Hitlerjunge überlebt glaube ich, das Jahr 1945 nicht, dafür verliebt sich die Tochter Ingrid in einen anderen ehemaligen Hitlerjungen nahmens Peter, von dem der Vater nichts wissen will.

Sie heiratet ihn trotzdem, bekommt zwei Kinder Sissi und Philipp, studiert Medizin, was ihrer Mutter wohl nicht glückte und eine Szene beschreibt, wie sie in den Siebzigerjahren Nachdienst hat, dann nach Hause kommt und sich ärgert, daß ihr Peter nicht beim Haushalt hilft, der ist Straßenexperte, hat aber auch ein „Österreich-Spiel“ entwickelt, das sich durch das ganze Buch zieht und am Ende des Romanes, wie der Vater dem Sohn am Telefon erzählt, eingestellt werden soll.

Ingrid stirbt sehr früh bei einem Badeunfall und Philipp ist irgendwie orientierungslos. Das Dach wird von den zwei Schwarzarbeitern, von denen einer ein Ukrainer ist, der dorthin zu seiner Hochzeit muß, repariert und am Ende fährt Philipp mit ihnen mit, die ihn eigentlich gar nicht dabei haben wollten, aber die Vergangenheit ist vorbei und Philipp winkt dem Haus zum Abschied nach.

Es gibt in dem nicht chronologisch erzählten Roman, der immer wieder durch seine Detailgetreuheit auffällt, noch eine Szene, wo der Vater schon Witwer ist und mit seinen halbwwüchsigen Kindern, das heißt, der siebzehnjährigen Tochter, die das gar nicht mehr will, auf Zelturlaub nach Jugoslawien fährt und die hat Arno Geiger einmal bei einer der „Rund um die Burg-Veranstaltungen“ gelesen, wie ich mich erinnern kann.

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