Literaturgefluester

2018-12-11

Frauen schreiben Krieg

Bin ich vorigen Dienstag zu spät in eine Veranstaltung zu „Hundert Jahren Frauenwahlrecht“ ins Literaturhaus gehuscht, bin ich das heute zu den „Wiener Vorlesungen zur Literatur“, in die „Alte Schmiede“, eine Veranstaltungsreihe, die es dort regelmäßig gibt und die wahrscheinlich einmal von Kurt Neumann, der die Essays über die weibliche Sichtweise des Krieges von der „Wildgans-Preisträgerin Sabine Scholl moderierte, obwohl er, glaube ich, sich schon in Pension befindet, ins Leben gerufen wurde.

Eine Veranstaltungsreihe, die ich manchmal, nicht regelmäßig besuche, bin ich ja keine Theoretikerin, sondern eher eine der Praxis, eine schreibede Frau, wie ich immer schreibe, wenn mich meine Kritikerinnen beschimpfen „Was Sie nennen sich Dichterin und haben so viele Fehler?“

Nein, nenne ich mich nicht, aber ich bin wahrscheinlich eine gründliche Lerserin und die Vorlesungen oder Essays, wie es die 1958 in OÖ Geborene nannte, waren auch wahrscheinlich eher praktisch, als theoretisch.

Zwei Vorlesungen mit einer viertel Stunde Pause dazwischen, die ich zum Lesen von Dietmar Füssels „Deppenstories“ nützte, die die weibliche Sichtweise des Krieges von 1914 bis 1945 unter dem Titel „Körper Kleider Blut“ und dannn bis in die Gegenwart „Knochen Ruinen Kameras“ beleuchtete und die erste weibliche Berichterstatterin ist wohl unzweifelhaft die Alice Schalek, die der Karl Kraus so verhunzt hat, wie Kurt Neumann später sagte, habe ich versäumt, weil ich  irrümlich am Karlsplatz zur U 2 statt zur U1 hetzte und dabei wohl einen Zug ausließ, aber da war ich ja einmal bei einer Lesung im Literaturhaus und habe die Cartoons, nicht das Original zur den „Letzten Tagen“ gelesen und mir würde wohl auch noch Adrienne Thomas „Kathrin wird Soldat“ einfallen, aber Sabine Scholl war schon bei Punkt zwei und bei den weiblichen Berichterstatterinnen, die in den World war two geschickt wurden, als ich den Schmiedesaal erreichte und das waren vorwiegend drei Damen namens Margaret Bourke-White, Martha Gellhorn, eine der Frauen von Ernest Hemingway und Lee Miller, die sich mit Uniformen, Puder und Lippenstift an die Front versetzen ließen, in der „Vogue“ berichteten, sich in Hitlers Badewanne fotografieren ließen, etcetera.

Die Bücher und Bildbände der drei Damen lagen am Büchertisch auf. Sabine Scholl ist dann zu Irene Nemirovsky eine in Frankreich lebende rrussisch-polnische Jüdin übergegangen, die den Krieg in Romanen beschireb, die aber erst von ihrer Tochter veröffentlicht werden konnten, weil sie in Auschwitz ums Leben kam und dann zur Svetlana Alexjewitsch, der Nobelpreisjträgerin, die russische Frauen, die im World war II mitgewirkt hatten, nach ihren Erfahrungen fragten.

Vor der Pause kam dann noch Dascha Drindic an die Reihe mit ihrem Projekt „Sonnenschein“, die auch schon in der „AS“ gelesen hat, die im Juli in Riejka gestorben ist und nach der Pause ging es von World War II über den Jugoslawienkrieg in die Gegenwart und da hat die Kroatin Slavenka Draculic auch eine wichtige Arbeit geleistet, als sie die Den Haager Prozesse beobachtet hat und darüber in „Keiner war dabei“ einen Bericht über den Balkankrieg geschrieben hat.

Sie hat dann noch ein Buch über die Vergewaltigungsopfer geschrieben und dabei die Fiction mit der Wirklichkeit verbunden und die Protagonistin in „Als gäbe es mich nicht“ ihr Kind dann noch behalten ließ, was nicht nur von Sabine Scholl kritisiert wurde.

Junge kroatische serbische bosnische Frauen etcerta gibt es auch, die ihre Kriegserlebnisse aufzeichneten, mir fiele dabei nur Marica Bodrozic ein. Sabine Scholl hat aber die mir unbekannten Ivan Salko und Sara Novic erwähnt und natürlich noch Sasa Stanicic und Tiljan Sila aber es ging hier, um die weibliche Sichtweise und Anna Kim, die österreichische Autorin mit südkoreanischen Wurzeln hat  in der „Gefrorenen Zeit“ von außen über den Jugoslawienkrieg berichtet, in dem sie einen, der seine Frau verloren hat, auf Spurensuche gehen ließ.

Von Jugoslawien geht es dann, was die Kriege betrifft nach Tschetschenien und in die Ukraine und beim letzteren hat Sabine Scholl Oksana Sabuschko und Tanja Majlartaschuk erwähnt und die Bachmannpreisträgerin von heuer hat mir ein bißchen als Namensgeberin gedient, als ich mich sowohl im „Schutzengelchen“ als auch in der „Sommergeschichte“ mit der Ukraine beschftigt habe, was ich natürlich auch von außen getan habe und in den „Sommererlebnissen“, die die Ereginisse von 2015  schildern, geht es natürlich auch um Syrien und das war der nächste Andockungspunkt von Sabine Scholl.

Hier hat sie ein Internetprojekt von Annika Reich und Linda Muzur erwähnt, die sich im „Weiterschreiben“ mit „Literarischen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus Kriegsgebiegten“ beschäftigte, das heißt Sabine Scholl hat sich nur mit den weiblichen Namen beschftigt, die auch im Programmfolder abgedruckt sind, aber mir ist gleich das bei „Ullstein“ erschienene Buch eingefallen, das seit einigen Wochen in meinem Badezimmer liegt und da sind auch Autoren wie Sasa Stanisic, Maritn Kordic, etcetera, enthalten, aber auch die Autorinnen, die Sabine Scholl erwähnte, das ich wahrscheinlich nach Weihnachten lesen will.

Am Schluß gab es eine Diskussion und Kurt Neumanns Frage, wie Sabine Scholl auf die Idee, sich mit dem Thema zu beschäftigen, gekommen ist. Das heißt, das hat sie, glaube ich, schon vorher selber beantwortet, daß die weibliche Sichtweise auf das Kriegsgeschehen anders und  besonder wichtig ist und daher erforscht werden sollte.

Sabine Scholl schreibt jetzt auch, wie sie verriet an einem Roman über Frauen im Krieg, weil sie, wie sie weiter sagte, die männliche Berichterstattung, die ja wahrscheinlich viel stärker ist, nie so interessierte. Aber ich denke „Wie der Soldat das Grammofon reparierte“ oder im „Westen nichts Neues“ ist schon sehr interessant, finde das Thema und die Beschftigung mit den weiblichen Stimmen aber auch sehr wichtig, habe viel gelernt,  auch schon viel darüber gelesen und werde das auch weiter tun.

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2018-02-12

Zweimal Herbert J. Wimmer

Den 1951 in Melk geborenen Herbert JWimmer, dem Lebensgefährten von Elfriede Gerstl, der jetzt mit Marion Steinfellner zusammen ist, kenne ich seit urlangen Zeiten.

Wahrscheinlich seit meinen ersten „Textvorstellungen“ die er moderierte, obwohl er ja nicht realistisch schreibt, sondern inzwischen wahrscheinlich eines der experimentellsten Urgesteine Wien ist.

Von den Büchertürmen bei „Literatur im März“ habe ich mir ein paar seiner Bücher mitgenommen, die ich wahrscheinlich nie lesen werde, dafür sehe ich ihn sehr oft in der „Alten Schmiede“ im Publikum aber auch als Gestalter der „Stunde der literarischen Erleuchtung“ und seine neuen Bücher hat er dort auch regelmäßig vorgestellt und jetzt gleich zwei „Vorlesungen zur Literatur“ eine Reihe in der „Alten Schmiede“, die von Josef Haslinger und Kurt Neumann gegründet wurden und diese waren, glaube ich, insbesondere etwas Besonderes, da Herbert J Wimmer nicht seine Ansichten zur Literatur preisgab, sondern in zwei Runden durch sein literarisches Werk zog. Die erste Stunde war der Prosa, die ja bekanntlichermaßen sehr experimentell ist, gewidmet, die zweite, den Gedichtbänden. Herbert J Wimmer stand vor dem Mikrophon und hinter ihm wurden die Cover seiner Bücher projiziert.

Eine Idee, die glaube ich, neu für die „Alte Schmiede“, mir aber sehr sympathisch ist, denn ich stelle ja hier im Geflüster meine Werke auch mehr oder minder regelmäßig vor und habe dabei immer ein bißchen ein schlechtes Gewissen, denn so selbstsüchtig ist man ja nicht, so etwas zu tun.

Nun bei mir tut es niemand anderer und hier möchte ich gleich betonen ist es sehr gut angekommen und ich habe wieder viel gelernt, obwohl ich ja keine Freundin der experimentellen Schreibweise bin und Herbert J wimmer hat fast einen philosophischen Touch der mich an ein bißchen an Ludwig Wittgenstein erinnert.

Die erste Stunde Prosa halt und da ist Herbert J wimmer durch sein Leben gegangen, erwähnte seine erste Lesung in der alten Schmiede vor zig Jahren, die ja 1975 eröffnet wurde und ich habe schon geschrieben, daß ich mich nicht erinnern kann, wann ich das erste Mal dort war. Gelesen habe ich 1980 das erste Mal beim sogenannten Literatureck, dem Vorläufer der „Textvorstellungen“ und eines seiner Prosabücher war wohl der bei der von Daniel Wisser betreuten Edition der „Pudel“ herausgegebene Band „Trouvaillen“, da werden immer drei Worte aneinander gereiht und durch die Veränderung der Zusammenstellung verändert sich auch der Sinn des Ganzen.

Herbert J Wimmer hat ein bißchen was zur Entstehungsgeschichte erzählt und auch wo er mit dem sehr liebevoll  betreuten Band überall gelesen hat.

Dann gibt es den Band „Kühlzack & Flexer“, das sind zwei Figuren, die miteinander kommunzieren und sich vielleicht die Welt erklären oder mit der Sprache experimetieren und eine Detektivin kommt auch darin vor und das führt gleich zu „Tote im Text“.

Einen üblichen Kriminalroman mit einer Spannungshandlung darf man sich dabei natürlich nicht erwarten.es ist aber ein bis heute ungeklärter Mordfall an einem Pfarrer und seiner Schwester in Melk in den Dreißigerjahren, also der Zwischenkriegszeit und da haben wir ja heute auch ein ganz besonderes Datum zu feiern, der darin vorkommt, von dem auch Herbert J Wimmers Mutter damals des Pfarrers Hausgehilfin traumatisiert wurde und dazwischen gibt es dann noch glaube ich die „Kählzack & Flexer“ beziehungsweise die Detektivhandlung.

Also ganz schön kompliziert und ein paar andere Prosa Bücher hat der Meister, der ja inzwischen seine Texte mit Marion Steinfellner schreibt und mit ihr Performancen mit Tanz und Musik im Literaturhaus macht, auch noch geschrieben, „membran“ zum Beispiel oder „Interfer Blauensteinerbuch“ 2017 erschienen, das erst vor zwei Wochen in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wurde, ich meiner Stunden wegen, aber nicht hingehen konnte.

Dann kam eine Pause mit einer Überraschung, denn auf dem Tisch, wo manchmal das Buffet  ausgebreitet ist, gab es eine Sammlung von Herbert J Wimmers schöner bunten Karten und zwei Karten hat er, glaube ich, auch extra für die Veranstaltung vorbereitet

„die schöpfung nach der Schöpfung ein problempoem nach Elfriede Gerstl“ beispielsweise

„nicht alles wissen was im text drin ist

nicht alles verstehen was im text drin ist

nicht alles gebrauchen können was im text drinsteht

nicht alles herausholen können was im text drinsteckt

nixht alles drinnenlassen können was im text drinsteckt“

Das führt schon fast zur Vorlesung zwei über die „gedichtartigkeiten“, die wie Herbert JWimmer betonte, anders konzipiert war, als die erste vorlesung.

Und da passen die schon vorher erwähnten „trouvaillen“ auch sehr gut dazu, es gibt aber die „poetischen folgen“, 2006 erschienen, die „ganzen teile“ 2010, den „grünen anker“ 2012, das „wiener zimmer“ 2015, die sprachvorspiele 2016 und die kleeblattbasse toiko“ 2017.

Man sieht eine enorme lyrischeProduktivität und dabei hätte ich Herbert J  Wimmer eigentlich nicht für einen Lyriker gehalten, obwohl ich, glaube ich, sowohl der der Vorstellung des „grünen ankers“ als auch den „wiener zimmers2 gewesen ist.

Die „kleeblattbasse Toiko“ ist während eines Japanaufenthalt des Autors entstanden und es gibt noch eine Gedichtreihe bei „Klever“, wo alle zwei Jahre ein weiterer Band erscheinen wird.

Sehr interessant also in das Werk eines experimentellen Wiener Dichters einzutauchen, der seine Tage auch im Maffeehaus verbringt, verschiedene Wohnadressen aufsucht und darüber schreibt und ein großer Kionfan ist Herbert J. Wimmer, glaube ich, auch.

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