Literaturgefluester

2022-09-23

Virtuoso

Filed under: Bücher — jancak @ 00:42
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Wieder eine kleine Buchpreislese-Pause, obwohl ich da einen ziemlichen Nachholbedarf habe, sechs gelesene deutsche Longlistbücher und eines von der österreichischen langen Liste. Aber „Wagenbach“ die mir immer ihre Quartbücher als E-pubs schicken, haben mir diesmal zwei Prints geschickt.

Eines, das ich schon als e- book gelesen habe und dann Yelena Moskovichs „Virtuoso“ und das ist wieder ein brillant geschriebener Reigen, der lesbischen Liebe und dabei so turbulent, durcheinander daß es gar nicht so leicht zu verstehen ist, obwohl es wahrscheinlich einige biografische Ähnlichkeiten mit der Autorin, die in der Sowet-Ukraine geboren wurde, nach Amerika emigrierte und jetzt in Paris lebt, aufweist und es geht in dem Buch um einige Frauen, Jana, Zorka, Aimee, Dominique sind die hauptpersonen und Jana und Zorka sind in dem kommunistischen Prag aufgewachsen. Zorka, die „kleine Narzisse,“ ein etwas ungewöhnliches Mädchen, wird von ihren Eltern offenbar mißhandelt, zündet dann die Wohnung an und emigiriert mit ihrer Mutter nach Amerka, was Jana offenbar zutiefst verstört.

„Sie haben Heimweh nach einem Ort, den es nicht mehr gibt. Oder den es nie gegeben hat? Die rebellischen Frauen in „Virtuoso“ ziehen aus dieser Melancholie explosive <Kraft.“

„Dieser Roman ist eine Reminszenz an David Lynch, erinnert an Ferrante, spielt mit Versatzstücken von Artaud und ist durchzogen von einem Hauch Anais Nin und der Lässigkeit eines Lana-del-Rey-Songs“, steht am Buchrücken.

Das Buch beginnt in Paris auf einer Medizinmesse, wo Jana für eine Bettenfirma dolmetschen soll und läuft dort Aimee oder Amy über den Weg, die ihrem Vater, einen Mediziner assistiert und ihr ihre Visitenkarte übergibt und sie in einen Club namens „Blauer Engel“ einlädt.

Chatprotokolle zwischen einem Hotgirl Amy und einer Dominxxika Nr 39, einer tschechischen Hausfrau, die von ihrem Mann offenbar am Bett angekettet wird, gibt es auch und Amy kommt nachdem sie achtzehn wurde mit dem Werkzeugkoffer ihres Vater oder dem was ihr der Zoll davon gelassen hat, dorthin um Dominika zu retten und eigentlich hat das Buch in Portugal begonnen, denn da hat sich Dominika, eine Schauspielerin, die mit Amy dort auf Urlaub war, sich umgebracht, was Amy in Schickstarre versetzte.

Jahre später oder wann auch immer, es geht in dem Buch, wie schon beschrieben, ziemlich ungeordnet zu, was ja im Beschreibungstext excellent erklärt wurde, teiffen sich Jana und Aimee nach der Messe in der Bar und gehen dann auf eine Party, wo Jana auch Zorka wiedertrifft, die schon länger in Paris lebt.

Ein wirklich virtuoses Buch mit starken Sexszenen einiger Frauenlieben und das Cover stimmt schon auf den Inhalt ein.

2022-09-02

Eine Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:10
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Einmal noch, bevor es dann wirklich ans deutsche Buchpreislesen geht, wenn ich nicht doch zur Romanrecherche „1984“ nochmals lese, bin aber mit dem vorläufigen Rohtext wahrscheinlich schon fertig.

Also eine Vorschau auf die Frankfurter Buchmesse und das Gastland Spanien, das es dort gibt, den Roman, der 1976 in Sevilla geborenen Sara Mesa „Eine Liebe“, den mir „Wagenbach“ wieder freundlicherweise schickte.

„Dies ist keine Liebesgeschichte oder etwa doch“, steht am Buchrücken.

„Ein Roman über gemischte Gefühle, ein Dorf auf der Suche nach einem Sündenbock und eine Frau, die auf schmerzhafte Weise in die Eigenbrödlerei findet, beuruhigend, betörend präzise und im besten Sinne merkwürdig.“

Und dann geht es um die etwa dreißigjährige Nat oder Natalie, die in ein kleines spanisches Dorf zieht, um dort ein Buch zu übersetzten. Das Haus ist verfallen, der Vermieter unfreundlich und kommt selbst monatlich die Miete zu kassieren, obwohl er sich um die Reparatueren nicht kümmert. Er bringt ihr aber einen verwilderten Hund, mit dem sie sich langsam anfreundet. Sie putzt das Haus um die Konzentration für ihre Übersetzung aufzubringen und wird von den übrigen Dorfbewohnern eigentlich freundlich aufgenommen.

Vor allem vor dem „Hippie“ Piter, einem Glaser, der aber vielleicht ein bißchen besitzergreifend ist. Es gibt ein Ladenmädchen und einen Laden, eine Romafamilie, ein altes Ehepaar, eine Nachbarfamilie, die nur gelegentlich kommt und den „Deutschen“. Der ist aber eher ein Kurdensohn und baut Gemüse an.

Dann wird das Dach kaputt und muß renoviert werden. Der Vermieter, der einmal unangmeldet in ihrem Haus aufgetaucht ist, weigert sich, es zu renovieren und dann kommt der Deutsche und bietet ihr das an, wenn sie ihn nur voher „in ihn reinlässt“, weil er sehr einsam ist. Sie ist zuerst empört. Dann kommt sie in sein Haus und eine große Liebe oder eine Besessenheit zu Andreas beginnt. Eine Besessenheit wahrscheinlich, denn er ist sehr verschlossen und sie fühlt sich von den Nachbarn ausgestoßen, obwohl das wahrscheinlich nur in ihrem Kopf passiert. Piter hält zu ihr, die Nachbarin verhält sich seltsam und sie fängt Andreas zu stalken an, bis er, sehr freundlich, bei Sara Mesa ist vieles ungewöhnlich, die Beziehung beendet.

Im dritten Teil greift der Hund, während sie spazieren geht, dann die Tochter der Nachbarin an, der Vermieter versucht sie zu vergewaltigen oder droht ihr das an, sie spricht sich mit Andreas aus, bevor es ihr gelingt in den Nachbarort zu ziehen und Piter sich weiter um sie zu kümmern scheint.

Eine metatphernreiche Novelle würde ich sagen, die zum Nachdenken über das Leben zwingt. Denn eigentlich wäre ja alles sehr einfach und man könnte auch mit der Liebe viel unkomplizierter umgehen. Er will Sex von ihr, sie braucht seine Hilfe, aber Pitar oder ein anderer Handwerker hätten ihr das Dach wahrscheinlich auch renoviert.

„Sara Mesa verzichtet auf den Luxus des Details, ihre Sprache besticht durch Knappheit: prägnant entwirft sie eine unheimliche Welt hinter glasigem Dunst – mit doppelten Böden, unscharfen Grenzen und moralischen Grauzonen“, steht noch am Klappentext.

2022-08-30

Hinterher

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Nein, jetzt kommt noch nicht das deutsche Buchpreislesen, obwohl ich mir vorstellen hätte können, daß Finn Jobs Debutroman darauf steht. Auf der des Bloggerdebuts steht es schon. Es ist wieder ein Wagenbach-Quartbuch“, das ich digital gelesen habe und ich bin wieder etwas ratlos, was es ist?

Ein Roadmovie, ein Coming of Age Roman, ein rasantes Debut in den verschiedensten Sprachstilen, wie in der Beschreibung steht?

Es geht also um einen etwa zwanzigjährigen Ich-Erzähler, der von seinem Freund Chaim, der zurück nach Israel gegangen ist, verlassen wurde. Vorher hat er in einer WG, aber auch in einer kleinen Wohnung in Neukölln geworden und jetzt hat ihn ein Francesco, ein Künstler, nach Frankreich mitgenommen, der dort in einer Kirche eine Kunstinstallation machen will.

Das Buch springt vollkommen unchronologisch hin und her, so daß es ein Weile braucht, um alles mitzubekommen, wahrscheinlich habe ich immer noch nicht alles verstanden, was vielleicht gar nicht möglich ist, weil sich die Beiden vollkommen bekiffen und betrinken, wie das in einem Coming of Age Roman heutzutage offenbar so sein muß.

Sie landen in Frankreich, schwierig ist auch, daß ganze Passagen in Englisch oder Französisch geschrieben sind, die nicht übersetzt werden, in einer komischen Villa oder besser gesagt, einer schönen alten Villa, die der Besitzer Gedeon, ein äußerst verrückter Typ , der mal einen Hund, mal eine Katze spielt und sich auch ständig besäuft in ein Art Hotel umgewandelt werden soll und sie dabei äußerst verschandelt. Die Kirche wird auch mit Alufolie überdeckt, damit man statt Gott, sich selbst sehen soll, es geht aber ohnehin niemand hin und was ist jetzt da in Neukölln geschehen?

Der Koffer und der Ausweis des Erzählers liegen offenbar noch in der WG bei einem Peter. Der Erzähler hat auch seine Arbeit verloren, offenbar hat er gekellnert und noch kein wirkliches Ziel im Leben. Er hatte eine Beziehung zu einer Sophia, dann zu einer Hatice, die aus nach Neukölln gekommen ist, weil sie kein Kopftuch mehr tragen will, sie wird von ihrer Familie deshalb verfolgt, weil sie wie eine deutsche Hure lebt. Da wird das Buch politisch und das finde ich sehr interessant, weil der 1995 in Hannover geborene Finn Job hier sehr direkt ist, direkter als ich es bisher in Romanen gelesen habe. Schließlich hat er dann eine Beziehung zu diesem Chaim angefangen und ihn in Neukölln, obwohl man das nicht darf oder soll, sehr vorsichtig auf der Straße geküßt. Da kamen dann sofort die „Allahu Akbar! schreienden Jugendlichen aus allen Richtungen und verfolgten die Beiden, die sich gerade noch in die WG flüchten könnte. Der Erzähler beschimpfte die Angreifer als „Pack!“, worauf er von den WG Bewohnern als rassistisch beschimpft wurde, denn er hätte die Gefühle der Angreifer verletzt.

So realistisch habe ich das in einem Roman noch nicht gelesen und kann nur fragen, ist es wirklich schon so arg in Neukölln und sind die Jugendlichen von heute, die rauchen und kiffen und keinen Sinn im Leben haben, wirklich so dumm, Dinge nachzuplappern, ohne nachzudenken, ob das jetzt stimmt und der Situation angepasst ist?

Dieser Francesco ist jedenfalls sehr reich, gibt dem Erzähler Geld, kauft ihm Kleider. Proust und überhaupt die Literatur spielt in dem Buch auch eine große Rolle. Also ist alles doch nicht ganz so banal und der Erzähler ein Proust-Fan. Es wird auch rückgeblendet auf eine Reise, die der Erzähler mit diesem Chaim, dem er immer noch nachzutrauern scheint, einmal machte, um das Grab von Klaus Mann zu besuchen. Ansonsten weiß er Erzähler nicht was er will, geht nicht ans Telefon, schmeißt sein Handy ins Meer und in der Kirche kommt es dann noch zu einer absurd grotesken Schlußszene, wo alles in Flammen aufgeht oder sich vielleicht zu Guten wendet? Wer weiß das schon und wer weiß, was das überhaupt ist? Soll er nach Deutschland zurckgehen, einen Entzug machen, studieren oder einen Job suchen? Alles ist ungewiß und vielleicht auch nicht so einfach zu beantworten.

„Hört er es denn nicht, das gellende Schweeigen der Sirenen?“, ist jedenfalls der letzte Satz und wir bleiben vielleicht ratlos zurück und können darüber philosophieren, was wir da gelesen haben?

2022-03-12

Die Malavoglia

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Wieder ein Wagenbach-Quartbuch und diesmal ist es ein Roman des italienischen Naturalismus des 1840 in Catania geborenen und 1922 gestorbenen Giovanni Verga der das Leben, den Aufstieg und Fall der Familie Malavoglia in einem sizilalischen Fischerdörfchen schildert. Wieder ein Roman und ein Autor der mir bisher unbekannt war und das Lesen war wegen der vielen Namen der Dorfbewohner nicht ganz einfach.

Dann kommt man doch in das italienische Dörfchen hinen, in das der Kapitalismus, der Strom und die eisenbahn einziehen soll, die Mädchen zu Gott beten und von den Burschen des Dorfes verfolgt werden oder ihnen auch schöne Augen machen. Der Apotheker mit dem Pfarrer vor seiner Apotheke steht, über Gott und die Welt philosophiert und dabei aufpassen muß, daß er von seiner Frau nicht weggeholt wird. Es geht um ein Haus mit einem Mispelbaum, das verkauft und wieder zurückgeholt wird, um den Vater Bastianazzo, der im Meer verunglückt, die Mutter stirbt an der Cholera, der eine Enkelsohn gerät auf die schiefe Bahn und schleicht sich nur abends in das Haus um einen Teller Suppe zu essen, die Enkeltochter Lia wird von einem Don Michele verführt und verschwindet und ein anderes Mädchen verweigert den Ehestand, weil sie schon sechsundzwanzig ist und daher nicht mehr heiraten kann und nur der Großvater Padron Ntoni zu überleben scheint.

Im Gegensatz zu Emile Zola, dem Meisters des französischen Naturalismus scheint der Roman sehr einfach geschrieben zu sein und lebt auch von seinen vielen Sprichwörtern von denen manche sehr gebräuchlich klingen, wie „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“, aber auch „Das schlechte Eisen frißt der Wetzstein“ und das Buch wurde, als es 1881 erschienen ist, kein Erfolg.

Es hat aber später verschedene Auflagen, darunter auch in der DDR erfahren erhalten und wurde jetzt von Anna Leube neu übersetzt. Roberta Salvano, der auch ein Buch über die Camorra geschrieben hat, hat das Nachwort verfaßt und ich habe wieder einmal mein literarisches Wissen aufgefrischt, beziehungsweise meine diesbezügliche Lücken gefüllt und kann mich auch an eine Osterreise nach Sizilien erinnern, die ich in den Neunzigerjahren und dann noch eine, die ich, 2009 mit dem Alfred machte, wo ich hautnah die Dörfer des Geschehen studieren konnte, da aber den „Leoparden“ gelesen habe und von einem Giovanni Verga, der sein Jusstudium abgebrochen hat, keine Ahnung hatte.

2022-03-05

Happy green family

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Wieder ein „Wagenbach-Quartbuch“, als E-book gelesen und wieder von einer mir bisher unbekannten Autorin nämlich der Amerikanerin Deb Olin Unferth, die für ihre Erzählungen Preise gewonnen hat und in Gefängnissen Schreibkurse gibt.

Ein sehr ungewöhnliches Buch, das wie ich auf der „Wagenbach-Seite“ gesehen habe, auch beim nächsten Freed-Festival im Literaturhaus vorgestellt werden wird, in einer sehr frischen Sprache, die sich mit den Umweltschutz in unserer kaputten halb oder ganz verseuchten Welt beschäftigt und das Ungewöhnliche an der Sprache ist, daß es im zeitlichen Kontinuum wild umherspringt. Mal in der Vergangenheit, mal in der Gegenwart, mal in der Zukunft ist, in der das Buch auch zu spielen scheint und in ein etwas dystopisches Gewand gehüllt ist, so gibt es Betriebsprüfer, Ermittler und andere Betriebskontrollorgane, womit die Nachtwächter gemeint sind, die die Welt bevölkern.

Eine der Hauptpersonen ist Janey, der wurde von ihrer Mutter zum fünfzehnten Geburtstag erklärt, daß sie nicht, wie geglaubt, aus einer künstlichen Befruchtung stammt, sondern der Vater irgendwo im gottverdammten wilden Westen in einem heruntergekommenen Haus lebt. Sie schmeißt die Schule und fährt wildentschlossen hin, quartiert sich bei ihm ein und, als sie wieder zurück zu ihrer Mutter will, erährt sie von der Nachbarin, daß die bei einem Autounfall gestorben ist und das Jugendamt hat keine bessere Idee, als sie zu ihrem Vater zurückzuschicken. Der Sozialarbeiter schickt sie in die Schule und als sie die erfolglos abgeschlossen hat, wird sie Betriebsprüferin bei Hühnerfarmen. Der Vater vermittelt ihr das und dort trifft sie die Clevleand, bei der die Mutter Babysitterin war und die klaut einmal ein Huhn von der Straße, womit die Geschichte beginnt, nämlich der Plan die Hühner aus den Farmen zu befreien und in Tierasyle zu bringen. Dazwischen kommen Exkurse über die Massentierhaltungen und warum man die Hühner so billig halten muß und, daß es ohnehin schon viel zu viele Eier gibt.

Der Plan hunderttausende Hühner der green family farm zu befreien und in Gnadenhöfe zu verbringen, die ist deshalb so geeignet, weil Annabelle die Schwester des Besitzers schon lange ausgestiegen und unter die Türschützer gegangen ist. Janey vermittelt die Transporte. Annabelle überwältigt das urlaubsvertretenden Kontrollorgan und die Mission mißlingt, weil einer der Ställe in Flammen aufgeht.

Dann wird es unübersichtlicher. Die Frauen werden verhaftet, die Männer kommen frei und mit Sozialstunden heraus, wo sie dann die Hühnerscheiße wegputzen müßen und Janey hat in einem der Ermittler, wie die Türschützer heißen, ihren Lebenspartner gefunden. Bekommt ein Kind von ihm, das aber stirbt, so kehrt sie in das Haus ihres Vaters zurück, mit dem sie sich eigentlich doch ganz gut versteht und der sich auch um sie kümmert und am Schluß haben die nicht verendeten Hühner in einem halbverseuchten Naturpark ein neues Leben gefunden.

Ein interessantes Buch, das sich auf eine sehr ungewöhnliche Art mit einem brisanten Thema beschäftigt, das ich wirklich nur empfehlen kann. Also geht ins Literaturhaus zum „Fried-Festival“, man kann sich habe ich gesehen, schon einen Platz reservieren, weil in Wien ja die Schutzmaßnahmen auch nach dem Freedomday weitergehen werden.

2022-01-13

Fernanda Melchor in der Alten Schmiede

Ich bin ja eine, die eigentlich nicht zu gerne zu Veranstaltungen ging, wenn ich das Buch schon gelesen habe.

Das ist eine Frage der Zeitökonomie, denn dann kann ich mir ja etwas anderes anhören, wenn ich das Buch schon kenne.

Ist ein Bisschen ein Vorurteil, ich weiß, denn man erfährt bei Lesungen ja sehr über die Bücher und den Schreibprozeß, was man beim Lesen vielleicht nicht bekommen kann, lernt den Autor kennen, aber trotzdem Zeitökonomie, aber das war vielleicht vor den Corona-Zeiten und hat sich seither sehr geändert und so hatte ich mich für den Donnerstag für die „Alte Schmiede“ entschieden, obwohl es, glaube ich, auch parallel Veranstaltungen gab, obwohl ich die Bücher der 1982 in Veracruz geborenen Fernanda Melchor, die derzeit, glaube ich, gerade ein Stipendiatin in Berlin ist, schon gelesen habe.

Da Fernanda Melchor eine ist, die eine Kunstsprache verwendet und ich beim Lesen von „Saison der Wirbelstürme“ und „Paradais“ etwas Schwierigkeiten hatte, das Ganze zu verstehen, habe ich mir gedacht, ich sollte die Autorin kennenlernen, um ihre Bücher besser zu verstehen und mir einen Eindruck von ihr zu machen.

Dann hatte ich vor zwei Tagen noch einen Mailwechsel mit Anette Wassermann vom „Wagenbach-Verlag“, die mich auf die Lesung aufmerksam machte und da dachte ich, da muß ich mir die Lesung erst recht anhören, aber dann hat mein sechs Uhr Klient seine Stunde auf sieben verschoben und ich bin erst sehr spät in die Lesung hineingekommen.

Johanna Öttl hat moderiert. Laura Wurm gedolmetscht und Johannes Tröndle,, die Texte gelesen und ich bin gerade in das Gespräch über die „Saison der Wirbelstürme“ hineingekommen, in dem es ja um die Zustände eines mexikanischen Dorfes und die Diskriminierung der Frauen dort geht und da hat mich sehr überrascht, daß Fernanda Melchor Thomas Bernhard ,erwähnte, an den beziehungsweise seine musikalische Sprache sie sich orientierte, um in ihr Schreiben hineinzukommen, was vielleicht besonders erstaunlich ist, weil Fernanda Melchor ja eine sehr kräftige brutale Sprache hat.

Dann kam das „Pardais“, die Novelle, wie Fernanda Melchor betonte, die viel einfacher struktruiert, als die „Sainson der Wirbelstürme“ ist, sie hat die Bücher eher parallel geschrieben, geht es da ja, um zwei Jungen. Den reichen Franco, den armen Polo, die beide von verschiedenen Enden der Stadt stammen. Polo aus der Drogengegend, Franco im Nobelbezirk und Johanna Öttl fragte dann noch, wie weit Fernanda Melchor in ihren Schreiben von Veracruz beeinflußt wurde, die eine Stadt ist, in der viele Migratnten auf ihren Weg in die USA vorbeikommen und auch ein starkes Drogenkartell hat und ich kann mich erinnern, daß ich während unserer Mexikoreise, in den Neunzigerjahren dort auch einige Tage war, die Stadt aber gar nicht also so kriminell , sondern eher interessant erlebt habe.

Nachdem Johanna Öttl auf die Bücher, die man beim Büchertisch erwerben oder beim Buchhändler seiner Wahl kaufen konnte, hingewiesen hat, habe ich versucht, auf den Anfang der Veranstaltung zurückzukommen, aber leider ist das Video nachdem Johanna Öttl, erklärte, daß man jetzt sein Maske ,auch während der Veranstaltung auflassen mußte, die Autorin vorstellte und auf ihre Kunstsprache hinwies abgebrochen. Vielleicht kann ich es noch nachsehen und in die E-Book beziehungsweise in meine Buchbesprechungen habe ich auch hineingesehen und da ist mir aufgefallen, daß Fernanda Melchor schon einmal in der Hauptbücherei aus ihrer „Saison der Wirbelstürme“ gelesen hat, ich aber die Veranstaltung aus den oben erwähnten Gründen versäumt haben dürfte.

Und noch was Trauriges kann ich vermelden, Herbert Achternbusch von dem ich einmal in den Siebzigerjahren ein Buch auf einer Bank bei einer Straßenbahnhaltestelle gefunden habe, ist gestorben.

2021-09-03

Paradais

Filed under: Bücher — jancak @ 00:35
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„Saison der Wirbelstürme“ das hochgelobte Debutder 1982 geborenen mexikanischen Autorin Fernanda Melchor, hat mir, glaube ich, nicht so gut gefallen. Bei „Paradais“ das mir „Wagenbach“ wieder als Quartbuch in E- Pubform schickte, ist das anders. Denn das ist trotz des rauhen Tones ein tolles Buch, das die sozialen Mißstände, die in Mexiko herrschen, auf eine meiner Meinung nach hervorragende Weise schildert.

Auch wenn ich eine Weile brauchte, um hineinzukommen. Das ist Leopoldo oder Polo, ein sechzehnjähriger Junge, der sich durch das Buch erzählt. Er ist Gärtner im Paradais, eine Nobelsiedlung in Progreso. Seine Mutter hat ihn dorthin vermittelt, nachdem er die Schule abgebrochen hat. Mit seiner Mutter ist der pfiffige Junge ohnehin nicht zufrieden, denn sie hat ihm aus seinem Zimmer ausgesiedelt. Dort wohnt jetzt seine Cousine Zorayda, die schwanger ist. Sie behauptet, das Kind ist von ihm. Er sagt, sie fickt mit jeden herum und Polo, der von seinem Großvater träumt, der ihm bevor er dement gestorben ist, versprochen hat, ein Boot zu bauen, mit dem er Touristen herumfahren könne, betrinkt sich am liebsten mit dem dicken Franco, der bei seinen Großeltern in der Luxussiedlung lebt, um nicht nach Hause zu müssen und der Dicke hat einen Plan, der sich durch ganze Buch zieht.

Da gibt es nämlich die Senora Marian Marono, die der Dicke, der seine Großeltern bestiehlt, um den Schnaps zu kaufen und vom Großvater das Schießen erlernte, er ist der Sohn eines bekannten Rechtsanwalt, gerne vögeln will und da heckt er den Plan aus, dort einzubrechen, um einen Slip der Angebetenen zu stehlen.

„Schwachkopf!“ meint Polo und geht dann mit, um sich während der Dicke vögelt, am Geld, Schmuck und Fernsehgeräten zu bereichern, um seinem Elend zu entkommen. Das Ganze geht schief oder zieht sich als Erzählung durchs Buch.

„Der Dicke war schuld!“, heißt es immer wieder und eine blutige Gräfin gibt es es es auch. Ein wenig Mystik, wie in den „Wirbelstürmen“ gibt es also auch und der Ton ist rauh. Es werden auch einige Gewaltszenen geschildert und man bekommt einen guten Eindruck über die sozialen Mißstände im rauhen Mexiko.

Ein spannendes Buch , das ich mir so nicht erwartet habe und ich wirklich empfehlen kann.

Einige Preise hat Fernanda Melchor für ihr Buch auch schon bekommen und gilt, wie ich den Beschreibungstexten entnehme, als eine der wichtigsten jüngeren literarischen Stimme Mexikos, die ich Dank „Wagenbach“ kennenlernten konnte.

2021-08-27

Alphabet

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
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Jetzt kommt ein weiteres Wagenbach-Quartbuch und das zweite,das ich von der 1958 geborenen britisch kanadischen Autorin Kathy Page gelesen hat und ich muß sagen, es ist interessant Einblick in das Leben eines englischen Gefängnisinsaßen zu bekommen, der dort wegen Mords an seiner Freundin Amanada dreizehn Jahre verbrachte. Kathy Page schildert am Endedes Buchs, daß sie in den Neunzigerjahren ein Jahr lang Writer in Residence in einem Staatsgefängnis war, dort Notizen machte. Das Manuskript einige Jahre liegen ließ und es erst bei ihrem Umzug nach Kanada in die Hand bekam und es weiterschrieb. 2004 hat es in England einen Preis bekommen und ich, die ich zu Beginn meines Schreibens wohl ähnliche Ideen hatte und ja, als ich mich entschloß Psychologie zu studieren auch die Absicht hatte, später in einem Gefängnis zu arbeiten, fand es sehr interessant. Wenn es mir auch nicht ganz leichtfiel in das Buch hineinzukommen und ich manches was ich da gelesen habe, sehr ungewöhnlich fand und ich mir eigentlich nur schwer vorstellen kann, daß die Verhaltenstherapie, die da geschildertwird, wirklich in einem Gesfängnis bei Mördernund Sexualstraftätern so passiert. Wenn schon, würde ich es als sehr provokantund auch nicht sehrproduktiv finden.

Kathy Page Stil ist aber auch sehr schroff, hart und provokativ. Gut, so geht es in einem Männergefängnis wahrscheinlich zu. Daß, die insaßen dort aberwirklich zu Alphabeten werden und dann Sozialgeschichte studieren ist vielleicht nicht ganz realistisch oder doch natürlich. Jack Unterweger hat sich dort zum Schriftsteller entwickelt und und dann, nach seiner Entlassung, einige Frauen ermordet, also ist es vielleicht doch ganz realisitsich.

Da ist also Sinom Austen, der ist ein Heimkind und hat verschiedene Pflegefamilien durchlaufen. Das wird nur eher kurz angedeutet. Dann hat er, als er, glaube ich, achtundzwanzig Jahre war, seine Freundin Amanda ermordet, weil sie sich weigerte, ihre Kontaktlinsen herauszunehmen, weil sie sich so schöner als mit Brille fand.

Ob das wirklich ein realistisches Motiv ist, kann ich nicht beurteilen. Mir scheint es eher unglaubwürdig. Er kommt dann ins Gefängnis, wird dort alphabetisiert. Das wird auch nur eher kurz geschildert. Simon kann dann aber schreiben und fängt verschiedene verbotene Briefwechsel zu Frauen an. Er hat im Gefängnis auch Therapie und verliebt sich da in seine Psycholoin Bernadette, vielleicht war sie, wie ich spätergelesen habe, auch Sozialarbeiterin. Sie vermittelt ihn jedenfalls in ein besonderes Therapieprogramm und da geht es hart her. Es gibt Einwegspiegel, wo die Psychiater, die zu Therapierenden beobachten. Die müßen über ihre Sexualität Auskunft geben, sagen, ob sie sexuelle Beziehungenzu Ttieren haben, was diese, als sehr hart empfinden.

Ein großer Teil des Buches ist den Gruppentherapiesitzungen, wo Simon den Mord und seine Gefühle dabei, nachspielen muß, gewidmet. Etwas was ich,als zu provozierend und als eher gefährlich betrachten würde. Es gibt auch immer wieder Beziehungen zum Gefängnispüersonal, das sich zum Simon kümmert, was mich auch eher erstaunt hat,weil mir die Grenzen danicht immer klar waren.

Am Schluß gerät Simon in eine Schlägerei, kommt in den Krankentrakt und da mit Vic in ein Zimmer,der sich gerade in Charlotte verwandelt.

Kathy Page schreibt also wahrscheinlich bewußt über sehr provokante Themen. Das mit der Therapie kann ich mir noch irgendwie vorstellen, obwohl ich sie so nicht machen würde. Aber ich habe nie als Psychologin oder Therapeutin in einem Gefängnis gearbeitet. Das mit der Umwandlung zur Frau in einem Gefängnis unter Margaret Thatcher eher nicht. Es wirden aber auch die Beziehungen Simons zu dieser Charlotte geschildert und am schluß meldet sich noch Amandas Mutter, die mit Simon über ihre Tochter sprechen will und der hat darüber achzudenken, wie er nach dieser Erfahrung und dreizehn Jahren Gefängnisaufenthalt damit weiterleben kann?

Das war wohl, wie sie im Nachwort schreibt, Kathy Pages Motivation diesen Roman zu schreiben, wo ich auch nicht glaube, daß es wirklich ein solcher ist. Es gibt eher einblick in den Theapieanlltag, obwohl ich nicht sicher bin, ob es in österreichischen Gefängnissen, jetzt überhaupt, so zu geht.

In den Neunzigerjahren war ich in einer Supervisionsgruppe mit einem Istvav zusammen, den ich während meiner GT-Ausbildung kennengelernt habe, der, glaube ich, stellvertretnder Leiter vom Mittersteig war. Der hat ein bißchen Einblick in seine Arbeit gegeben, ob man dort so provokant therapierte, weiß ich nicht.

Für den Leser ist es wahrscheinlich interessant, solch Provozokantes lesen, unterstelle ich Kathy P(age und den Verlagen einmal, daß sie so gedacht haben und erwähnt wieder die Andekdote, wo mir Jeannie Ebner, die ja beim Mittersteig wohnte, einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ erzählte, daß sie sich vor den Insaßen dort fürchtete und sich daher immer vom Taxifahrer zu ihrer Haustür begleiten läßt.

Birgit Birnbacher merke ich auch noch an, hat mit „Ich an meiner Seite“ ein ähnliches Thema ganz anders beschrieben.

2021-08-23

Der kühnste Plan seit Menschengedenken

Filed under: Bücher — jancak @ 00:17
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Jetzt kommt ein E-Book, denn“Wagenbach“ ist so nett mir seine Quartbücher digital zuzuschicken und so habe ich den 1967 geborenen Sachbuchautor Matthias Lohre kennengelernt, der das Wagnis übernommen hat, das Leben des 1895 bis 1952 gelebt habenden Architekt Herman Sörgel romanhaft aufzuarbeiten, denn den hat ein Monsterprojekt sein Leben lang begleitet, wollte er doch Afrika mit Europa durch einen Kanal verbinden und damit den Menschen Frieden, Wohlstand,Freiheit, etcetera zu bringen.

Das ist natürlich gescheitert und da waren erstens wohl die sozialen Umstände schuld daran, denn Sörgel durchlebte ja die Nazizeit und hatte eine jüdische Frau, die er schützen mußte, so daß sein Plan mit allerlei Schwierigkeiten und Verrenkungen verbunden war. Was daran Wahrheit oder Erfindung ist, weiß ich nicht, denn ich hatte den Namen Herman Sörgel noch nie gehört, beziehe mich also auf das, was im Roman beziehungsweise bei „Wikipedia“steht.

Im Letzteren steht nicht sehr viel außer ein paar nüchterne Fakten. Der Roman ist sehr dick. Fünfhundert print, neunhundert E- bookseiten und scheint auch sehr genau aufgebarbeit. Er ist in, glaube ich, sechs Teile gegliedert. Den einzelnen Kapiteln sind immer Zitate aus Romanen, Zitaten aus Sörgels Schriften und auch Gedichte, die von Irene Sörgel stammen, vorangestellt. Ob die wirklich gedichtet hat, weiß ich nicht und auch nichts über die Beziehung der Beiden.

Im Beschreibungstext steht etwas von Lügen und Mißverständnissen, die die Beiden ihr Leben lang begleiteten. Sie haben sich, glaube ich, auf der Überfahrt nach New York 1925 kennengelernt. Sörgel hat damals für eine Bauhhauszeitung gearbeitet.Da wurde er jentlassen. Dann hater sich bei einer anderern Firma beworben, um sein Gibraltarprojekt zu verwirklichen. Da scheitete die Anstellung aber an einem Mißverständnis. War da doch von einem berühmten Bürger des Ortes die Rede. Sörgel dachte an Franz Marc, der andere an Adolf Hitler undaußerdem hätte er der NDSAP beitreten müssen.

Da sieht man schon, worauf es Lohre angelegt hat. Denn später, als die Nazis an die Macht kamen, haben sie sich für das Projekt interessiert, was Sörgel, um seine Frau zu schützen zu einigen Verrenkungen veranlaßte. Sie wollte nach Amerika. Die Ausreise scheiterte. Schließlich erlebten sie das Kriegsende in einer Kellerwohnung. Sörgel gebrochen und krank will trotzdem an seinem Projekt weiterarbeiten und eine NS-Eliteschule zu einer Forschungsstelle umbauen. Die Frau nach Amerika. Sörgel hat aber das Visum verfallen lassen. So wird die Ehe geschieden. Irene Sörgel will mit einem Offizier nach Amerika. Sörgel arbeitet weiter. Hält Vorträge und fährt zu einemsolchen 1952 mit dem Rad dorthin. Da hat er einen Unfall. Wird was nie geklärt wurde, von einem Auto angefahren und ob Irene Sörgel wirklich in Amerika angekommen ist oder in Zürich beim Spazierengehen gesehen wurde, wird auch nurangedeutet.

John Knittel kommt in dem Buch auch vor. Mit dem war Sörgel befreundet und es ist sicher eine sehr interessante Geschichte, die Mathias Lohre da romanhaft aufgebarbeitet hat. Denn sonst hätte ich von Herman Sörgel und seinen Plänen wohl nie etwas erfahren.

2021-04-25

Wilde Theorien

Jetzt kommt wieder ein Kunststück, nämlich ein Buch ohne Plot „Sie möchten sich von einem Roman verzaubern lassen? Literarische Figuren kennenlernen, die zu guten Freunden werden? In „Wilde Theorien“ gibt es nichts davon – nur intellektuelle Trolle mit empathiefreiem Weltzugang, grenzenloser Lust an der Provokation und dem unstillbaren Wunsch, zu dominieren. Eine philosophische Komödie über Macht, Verführung und die Schönheit der Niedertracht – barock, brillant-verrückt, erbarmungslos“, steht auf dem Buchrücken von Pola Oloixarac „Wilden Theorien“ dem im Original 2008 erschienen Debut der Autorin, die 1977 in Buenos Airen geborenen wurde und von der ich schon „Kryptozän“ gelesen waren.

Klingt eigentlich nicht nach dem was ich unter Literatur verstehe, Struktur, Handlung und ein wenig Sozialkritik, aber ich lese, wie meine Leser wissen eigentlich alles und gerne über den Tellerrand, gehe oder ging immer wieder in die „Alte Schmiede“ oder in die „Gesellschaft“, wenn dort „Ritter-Bücher“ vorgestellt werden, die wohl ähnliche Ansprüche haben und auf dieses Buch wurde ich Anfang März durch das „Morgenjournal“ aufmerksam gemacht und kann meinen Kritikern jetzt schreiben, wieder ein Buch das ich nicht verstanden habe und es daher nur mehr oder weniger schnell durchgelesen habe. Trotzdem finde ich es interessant, was andere Leute schreiben und was von der hehren Literaturkritik hochgelobt und mit Preisen bestückt wird?

Nun zum Inhalt, Kritiker freut euch weiter, hier kann ich nicht viel spoilern, sondern nur mehr oder weniger das wiedergeben, was am Klappentext steht. Es geht um eine wunderschöne Erzählerin, sie ist oder gibt an achtundzwanzig und hat schwarze Haare. Fotos oder Illustrationen gibt es auch immer wieder, studiert Philosophie. Am Klappentext steht noch was, daß sie immer eine dreisprachige Aristotelausgabe mit sich führt. Das habe ich offensichtlich überlesen und ist mir entgangen. Sie geht aber mit einem Augusto essen, das ist offenbar ihr Professor. Dann gibt es noch die kleine Kamtchowsky mit ihrem Freund Papst. Was sie aber nicht daran hindert zum Mac Donaldś zu gehen und sich von einem Downsyndrommitarbeiter sich durch das Lokal führen zu lassen und Spekulationen darüber zu machen, ob Behinderte besseren Sex machen? Was in Zeiten, wie diesen eigentlich als nicht mehr korrekt gelten sollte. Aber vielleicht war das 2008 anders?

Einen dritten Strang gibt es auch. Da beforscht ein genialer niederländischerAnthopologe 1917 den Urwaldund verschwindet dort.

Diese Handlungsstränge und vieles anderes werden, wie der Titel schon besagt, in wilden Theorien, frei philosophisch oder intellektuell assozierend aneinandergereiht. Psychoanalytische Theorien tauche auf, aber dann geht es gleich auf Klo und auch woanders hin.

„Pola Oloixarac ist eine derbesten Schriftstellerin des Internets, dem einzigenLand, das größer ist als Argentienien“, schreibt Joshua Cohen und über dessen „Buch der Zahlen“ bin ich ja auch gestolpert und habe es nicht verstanden. Aber trotzdem Kritiker, hört und merkt es euch, habe ich es zu Ende gelesen. Denn ich breche selten Bücher ab, auch wenn ich sie nicht verstehe. Füge interessant hinzu, würde aber wieder gerne wissen, wie viele Leser Pola Oloixarac wirklich hat? Und kann auch noch „Amazon“ anführen, wo LutziFutzi schreibt. „Sorry, nichts für den Durchschnittseuropaier. Meiner Meinung nach nur verständlich, wenn man sich mit der Geschichte Argeniniens auskennt. Weitere Kritikpunkte sind die verschachtelnten Sätze mit bedeutungsvollen Wörtern, die nur erahnen lassen, was gemeint ist. Man könnte auch sagen, einfaches kompliziert ausgedrückt. Das hemmt den Lesefluß ungemein und man kommt nicht wirklich in die Geschichte hinein und den handelnden Personen nahe. Bin dann nach der Hälfte ausgestiegen.“

Das bin ich, wie schon erwähnt nicht. Kann mich aber trotzdem im Großen und Ganzen anschließen. Die Literaturkritiker, wie etwa bei „Spiegel Online“: Oloixaracs Sprache könnte schärfer nicht sein“ oder „Ohne Zweifel einer derersten spanischsprachigen Klassiker des 21. Jahhunderts“, „El Mundo“, sehen es wohl anders.

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