Literaturgefluester

2019-12-10

Philosophisches Forum und zehntes Nika-Fenster

Im Doml, der „Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur finden regelmäßige philosophische Foren statt, wozu mich Stephan Teichgräber zwar einlädt, ich aber noch nie hingegangen bin, weil zu speziell. Aber diesmal gab es anschließend die Weihnachtsfeier und da auch noch die sechs Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich hingegangen, weil ich mich ja auch ärgern würde, wenn ich einen Vortrag halte, wo niemand ist, aber anschließend die Leute zur Weihnachtsfeier auftauchen.

Bei der kroatischen Professorin Danijela Lugaric, die eigends aus Zagreb angereist ist, um ihren Vortrag  „Über den Kulturkapitalismus auf (post) jugoslawische Weise: Der Sozialismus und sein Anderes“, zu halten, sind aber Leute gekommen und die letzte Weihnachtsfeier hat im Doml, glaube ich, vor zwei Jahren am neunzehnten Dezember stattgefunden, da habe ich ein Adventkalenderfenster aus der „Nika“ gelesen und heute gleich das zweite, nämlich

„Donnerstag, 10. Dezember

Als der Wecker klingelte und Nika aus ihren Träumen schreckte, rauchte ihr der Kopf und die Schläfen schmerzten. Da hatte sie gestern, als sie sich mit Harald Schwabeneder bei Ruth und Vera getroffen hatte, zuviel Wein getrunken und die Spaghetti, die Vera ihnen serviert hatte, waren auch sehr reichhaltig gewesen, so daß sie lange nicht einschlafen hatte können. Jetzt war es sieben, sie mußte aufstehen und danach trachten, halbwegs munter auf die Mariahilferstraße zu kommen.  Hatte aber keine Lust dazu. Nicht die Geringste war in ihr vorhanden,  sich im roten Anzug auf die Straße zu stellen und mit Herrn Widerlich zu streiten. Auch die schöne Perlenkette, die hinter dem Adventdalenderfenster zu sehen war, konnte sie nicht aufheitern.  Dabei war der gestrige Tag sehr intensiv gewesen. Das ließ sich nicht verleugnen. Hatte doch zuerst Ruth angerufen und sie für den Abend zu sich und Vera eingeladen. Dann hatte Harald sie abgeholt, ihr einen „Standard“ mit einem seiner Gegenartikel übderreicht und ihr von einer Fernsehdiskussion erzählt, in der sich Andrea Herbst outen würde, die sie nicht versäumen sollten.

„Dann kommst du am Besten zu Ruth und Vera mit!“, hatte sie vorgeschlagen und Harald, der inzwischen sehr vertraut geworden war, einen Kuß auf die Stirn gegeben. Er hatte nichts dagegen und es war ein schöner Abend geworden. Veras Knoblauchspaghetti hatten hervorragend geschmeckt. Der Rotwein, den Ruth ihr eingeschenkt hatte, hatte das auch getan. Nur leider schien sie zuviel davon erwischt zu haben, so daß der Kopf schmerzte, während sie gestern nichts davon gespürt hatte.

„Schauen wir uns an, was Andrea Herbst darüber zu sagen hat, daß Frau Miletic sie in meine Praxis gehen sah!“, hatte Vera vorgeschlagen und den Fernseher aufgedreht.

„Ich habe sie nicht gesehen und auch nicht bestellt! Als Kronauer geläutet hat, ist sie nicht dagewesen und ich habe sie auch nicht am Gang bemerkt!  Ich habe zwar einen automatischen Türöffner und es kommt auch vor, daß ein Klient zu früh kommt und im Vorraum auf seine Stunde wartet! Als ich Kronauer hinausbegleitet habe, ist niemand auf den drei Wartestühlen gesessen. Ich habe mich verabschiedet, bin ins Büro gegangen, um meine Dokumentation zu machen und die Praxis dann verlassen. Am Klo habe ich, wie erwähnt, nicht nachgesehen und die Tochter muß die Praxis auch verlassen haben, denn am nächsten Morgen war sie nicht da, als Frau Sibelinski den toten Kronauer auf der Toilette fand! Aber es erklärt, wie der Leuchter aufdas Klo gekommen  ist, denn von mir stammt er nicht!“, hatte sie gesagt. Dann hatte sie sich nochmals Wein eingeschenkt,  auf der Polstergarnitur Platz genommen und auf den Fernseher geschaut, wo die schlanke Fünfzehnjährige zu sehen war, die hektisch die Moderatorin anstarrte, die sie vorstellte und sich bei ihr bedankte, daß sie sich bereit erklärt hatte, mit ihr zu sprechen, um der Öffentlichkeit, die sich dafür interessierte, zu erzählen, wie das mit ihrem Stiefvater war?

„Du bist am vorigen Montag, als er seine Therapiestunde hatte, in der Praxis gewesen, nicht wahr?“, fragte Sabine Schweikart Andrea Herbst sanft, die ein blasses, hochaufgeschossenes Mädchen war, das die blonden halblangen blonden Haare,  aus dem Gesicht gestrichen hatte, Jeans und einen blassblauen Rollkragenpulover trug. Sie fuhr sich nervös mit der Hand übers Gesicht, dann hatte sie genickt und trotzig „Stimmt!“, gesagt.

„Ich bin dort gewesen! Das habe ich auch der Polizei erzählt! Aber ich habe ihn nicht umgebracht! Ich habe oft daran gedacht,  es zu tun und  das auch mit meiner Therapeutin, die ich die letzten zwei Jahre besuchte, um ihn aus dem Kopf zu bekommen, durchbesprochen, die das für eine normale Reaktion hielt! Ich habe es nicht getan! Es tut mir nicht leid, daß er einen Schlaganfall hatte, aber ich bin nicht schuld daran!“ sagte sie laut und brach ab.

„Natürlich nicht!“, bestätigte Sabine Schweikart sanft und beugte sich zu ihrem Gast hinüber um Andrea Herbst über die Schulter zu streichen.

„Das sollten wir vielleicht für unser Publikum klarstellen, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt! Peter Kronauer, das haben die Gerichtsmedihziner inzwischen festgestellt, ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte auf seiner Stirn aber auch einige Platzwunden, die er sich offensichtlich zugezogen hat, als er auf einen Leuchter gefallen ist! Ein Leuchter, der  sich auf der Toilette befunden hat, der aber nicht zur Praxis gehört und die Hausmeisterin, die dich kommen sah,  glaubt nun, daß sich in deiner Tasche ein solcher befunden hat!“

„Sie hat ihn aber nicht gesehen!“, antwortete Andrea Herbst patzig. Dann brach sie erneut ab und, strich sich über die Stirn und starrte in die Kamera.

„Es stimmt! Er war in der Sporttasche! Aber ich habe ihn nicht damit erschlagen, soviel Kraft habe ich gar nicht! Das habe ich auch der Polizei gesagt! „, rief sie laut und machte den Eindruck, als würde sie zu weinen beginnen.

„Beruhige dich!“, sagte Sabine Schweikart, strich Andrea Herbst nochmals über die Schulter und blickte zu Andreas Mutter, die ihre Tochter begleitet hatte und neben ihr saß.

„Das hat niemand behauptet! Unser Publikum möchte nur wissen, wie der Leuchter in die Praxis gekommen ist? Du hast ihn also mitghebracht?“

„Stimmt!“, antwortete Andrea Herbst und blickte zuerst zu ihrer Mutter, die ihre Hand ergriff und dann in die Kamera.

„Es war der Weihnachtsleuchter, den ich einmal von meiner Oma bekommen habe und der in meinem Zimmer steht.  Als ich acht oder neun war, hat ihn mir die Oma zu Weihnachten geschenkt! Er ist am Fensterbrett gestanden , so daß ich ihn immer, wenn ich im Bett liege, sehen konnte!“

„Verstehe!“, hatte Sabine Schweikart sanft geantwortet.

„In dem Bett in dem dich Kronauer überfiel, so daß dich der Leuchter an seine Tat erinnert hat!“

„Stimmt!“, bestätigte Andrea Herbst.

„Ich weiß auch nicht, warum ich ihn nicht fortgeworfen habe! Ich wollte das tun! Habe aber immer darauf vergessen! Vielleicht habe ich es auch nicht zusammengebracht! In meiner letzten Theapiestunde habe ich darüber gesprochen  und meine Therapeutin hat gemeint, daß ich einmal so weit sein werde, ihn wegzugeben,  damit ich mich nicht mehr daran erinnern muß! Am vorigen Montag war das dann so!  Da hatten wir am Nachmittag Turnen  in der Schule, so habe ich ihn in meine Sporttasche gepackt und mitgenommen!  Ich wollte ihn in ein Antiquitätengeschäft bringen und fragen, ob ich ihn verkaufen kann?  Dann bin ich aber an der Praxis seiner Therapeutin vorgekommen. Das heißt, ich habe ihn auf der Straße gesehen,  bin ihm nachgegangen, dann lang vor dem Haus mit der Praxistafel gestanden! Mich geärgert und geweint, weil ich wieder an alles denken mußte! Dann habe ich angeläutet und bin hinaufgegangen, weil ich dachte, daß ich die Therapeutin fragen will,  wieso sie ihn therapiert? Das wollte ich wissen!  Ich habe angeläutet, die Tür ist aufgegangen. Im Wartezimmer war niemand! So bin ich auf die Toilette gegangen, habe nicht zugesperrt,  weil ich mich nur frisieren wollte! Dann ist er plötzlich hineingekommen und erschrocken, als er mich gesehen hat! Ich habe den Leuchter aus der Tasche genommen! Da ist er noch mehr erschrocken und hat ein rotes Gesicht bekommen! Auf einmal ist er nach vor gefallen und auf den Leuchter gestürzt, den ich vor Schreck ausließ! So ist es gewesen! Ich bin weggelaufen! Habe mich zuerst der Mama, dann meiner Therapeutin anvertraut, die gemeint hat, daß ich mit der Polizei reden soll und den Reportern habe ich auch erzählt,  daß ich nicht traurig bin,  daß er nicht mehr lebt,  weil ich mich nun nicht mehr vor ihm fürchten muß! Aber ich habe ihn nicht umgebracht und bin auch nicht schuld, daß er einen Schlaganfall bekommen hat, weil er mich mit dem Leuchter gesehen hat!  Denn ich habe ihm nichts getan!  Das mit dem Schlaganfall war Zufall und hat nichts mit mir zu tun!  Das hat auch meine Therapeutin gemeint, die mich darin unterstützte, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit ich das alles vergessen kann!“, sagte sie und begann wirklich zu weinen. Sabine Schweikart hatte sie noch einmal umarmt  und „Wir verstehen dich, Andrea! Du bist sehr tapfer und brauchst dich nicht zu fürchten!“, gesagt und Vera hatte „Aha, so ist das!“, sarkastisch ausgerufen!

„Jetzt wissen wir, wie der Leuchter in meine Praxis gekommen ist und woran Kronauer gestorben ist! Müssen nur noch JoeProhaska überzeugen, daß er sich um Ruths Kind nicht zu kümmern braucht, weil das ohnehin zwei Mütter haben wird und ich muß schauen, wie ich zu neuen Klienten komme! Denn derzeit ist mein Zulauf sehr gering! Aber vielleicht gibt sich das, wenn sich die Presse beruhigt hat und nicht mehr soviel über mich und meine Praxis schreibt!“

„Natürlich hatte Harald Schwabeneder geantwortet und hinzugefügt, daß er da ganz sicher sei!  Dann hat er seine Hand auf ihren Arm gelegt  und Ruth und Vera verraten, daß sie sich befreundet hätten.

„Sehr gut!“, hatte Vera gekontert.

„Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes! “ und ihnen zugeprostet. Nika hatte genicktund auch das zweite Glas ausgetrunken. Jetzt hatt sie Kopfweh und eigentlich war es ihr egal zu wissen, daß Andrea Herbst den Leuchter in Veras Praxis getragen hatte. Ganz egal war es ihr oder auch nicht, denn vielleicht hatte auch  Klaus Widerlich Sabine Schweikarts Sendung gersehen und verlangte mit ihr über den Leuchter zu diskutieren. Das wollte er aber wahrscheinlich nicht , weil er sich nur dafür interessierte,  daß sie nicht zuviele Süßigkeiten verteilte,  so daß sie aufpassen mußte, daß Jessica nicht mehr bekam.  Aber die würde erst am Samstag auftauchen und da würde sie zur Sicherheit eine Packung auf eigene Kosten besorgen , die in ihre Weihnachtsfrauenjacke stecken und der Kleinen daraus geben. Da konnte Widerlich nichts dagegen haben und nicht mit ihr schimpfen, dachte sie,  als sie in der Garderobe dieJacke anzog  und die Mütze aufsetzte. Als sie das Kaufhaus zehn Minuten später verließ ,  saß sie wieder Hassan Arawani  beim Eingang sitzen und sie anstarren. Er hatte sich nichts angetan und da er wahrscheinlich wieder nichts  aus ihrem Sack wollte, konnte Herr Widerlich nicht mit ihr schimpfen. Zulächeln konnte sie ihm aber und „How are you?“, fragen und wenn sie sich nicht irrte, hatte er auch genickt. Sie irrte sich bestimmt und bildete sich da nur ein! Es konnte aber nicht schaden, ihn angelächelt zu haben und jetzt die Prospekte herausholen und ihre Verteilungstour beginnen.“

2017-12-09

Punschtrinken und neuntes Adventkalenderfenster

Filed under: Alltagsgeplauder,Textbeispiel — jancak @ 22:59
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Zu den Weihnachtsritualen gehört das jährliche Punschtrinken mit der Anna, wo wir regelmäßig auf den Spittelberg gingen. Dort durch den Adventmarkt streunten und dann meistens im Hof des Amerlinghauses einen Orangen- oder Ingwerpunsch tranken, der Alfred bevorzugte Feuerzangenbowle.

Jetzt wohnt die Anna aber in Harland und so sind wir am Nachmittag mit dem Bus nach St. Pölten gefahren und haben eine Weihnachtsmarktrunde gemacht.

Zuerst im Sparkassenpark, wo alles feierlich beleuchtet war und wir die Feuerzangenbowle probierten, die sehr köstlich schmeckte. Es war zwar ziemlich kalt, es waren aber überall Ofen aufgestellt, wo man sich wärmen konnte und dann sind wir noch auf den Rathausplatz gegangen, wo es traditoneller ist und wir schon einmal mit dem Karli waren. Da habe ich, kann ich mich erinnern Eierlikörpunsch getrunen, was ich wieder machte, der aber glaube ich, etwas anders schmeckte und weil das Punkschtrinken zum Advent passt, gibt es hier prompt das neunte Adventkalenderfenster und die Nika geht mit ihrem Freund  auch auf einen Weihnachtsmarkt, aber das passiert, glaube ich, erst später. Jetzt wird erst einmal die Mordsache aufgeklärt, weil es eigentlich eine Art Krimi werden sollte, obwohl ich keine Krimis schreiben kann.

„Mittwoch, 9. Dezember

Am Mittwoch prangte nicht zu übersehen, das Konterfei von Andrea Herbst auf der Gratiszeitung

„Wende in der Mordsache Kronauer? Hat Stieftichter ihren jahrelangen Peiniger erschlagen?, stand groß geschrieben und darunter teilte die Zeitung ihren Lesern mit, daß die Hausmeisterin Andrea Herbst, um halb sechs am letzten Montag das Haus betreten und an Veras Türe läuten gesehen habe. Slavica Miletevic hatte gerade den Boden aufgewaschen und so Gelegenheit gehabt, alles genau zu beobachten und das junge Mädchen, das eine große Sporttasche getragen hatte, war ihr aufgefallen, weil sie sich gewundert hatte, was ein so junges Mädchen in der Praxis einer Psychotherapeutin verloren habe?

„Aber die Welt wird immer verrückter und eigentlich wundere ich mich über gar nichts mehr!“, hatte die Frau noch hinzugefügt.

„Daß die Leute zum Zahnarzt gehen, ist selbstverständlich, aber ein so junges Mädchen sollte eigentlich keinen Therapeuten brauchen!“, hatte sie gedacht, die Achseln gezuckt und war mit ihrem Schrubber und dem Wasserkübel ein Stockwerk hinuntergestiegen, um dort weiterzuwaschen. Als sie in der Zeitung gelesenhatte, welche <patientin die Therapeutin behandelte, sei ihr erst Recht ein Schauer der Angst den Körper hinuntergeronnen und eigentlich wolle sie,  wenn sie ehrlich war, als Mutter von zwei Kindern, die oft genug allein in der Wohnung seien, nicht, daß solche Menschen im Haus ein- und ausgehen! Vorher habe sie sich nichts dabei gedacht! Aber jetzt würde sie immer Angst bekommen, wenn sie einkaufen oder in die Waschküche mußte und die Kinder allein waren! Wer weiß, was sonst noch für Leute zu der Therapeutin gingen und wenn die den Kindern auflauerten, sie verführten oder ihnen Gewalt antäten? Das wolle sie in ihrem Wohnhaus eigentlich nicht! Aber bei dem jungen Mädchen, das da die Praxis betreten hatte,  hatte  sie das nicht vermutet! Vor dem hatte sie sich nicht gefürchtet und nur „Armes Kinderl!“, gedacht. Dann hatte sie in den nächsten Tagen von dem Mordfall gelesen und sich an die Sporttasche erinnert, die das Mädchen über der Schulter hängen hatte. So ein Leuchter mit dem der Täter erschlagen worden war, hätte da sicher Platz gehabt! Sie hatte zwar keine verdächtige Geräusche aus der Wohnung gehört! das nicht, was sie auch nicht konnte, war sie doch zuerst in dem ersten Stock, dann in das Erdgeschoß hinuntergegangen und zuletzt in ihrer Wohnung verschwunden, so daß sie das junge Mädchen auch nicht das Haus verlassen gesehen hatte! Die Polizei, bei der sie ihre Beobachtung gemeldet hatte, hatte ihr das Foto von Adrea Herbst gezeigt und sie hatte sie sofort erkannt!

„Das ist sie gewesen!“, hatte sie ausgerufen! Die Gratiszeitung hatte wieder eine Schlagzeile und vermutete in Andrea Herbst die Mörderin ihres Stiefvaters.

„Hat Stieftochter ihren  Peiniger erschlagen?“, fragte sie in großen Lettern  und Nika schüttelte den Kopf, hatte sie doch gedacht, daß Peter Kronauer einem Schlaganfall erlegen war. So hatte es ihr die Schwester am Telefon gesagt und Harald, der sie wieder abgeholt hatte, hatte das auch bestätigt. Es war eindeutig ein Schlaganfall, wenn Peter Kronauer auch Spuren von diesem Leuchter im Gesicht hatte. Aber vielleicht war er darauf gefallen und Andrea Herbst hatte den Leuchter in Veras Praxis, den diese vorher noch nie gesehen hatte, gebracht? Das war eine Erklärung! So könnte es gewesen sein, dachte Nika, steckte die Zeitung in ihren Rucksack und stieg aus. Vielleicht hatte die Stieftochter ihr Trauma noch nicht bewältigt? Vielleicht ärgerte es sie auch, daß ihr Stiefvater, statt eingesperrt zu sein,  einfach einmal in der Woche zu einer Therapeutin ging? Das hatte sie in ihren vorigen Interviews so angedeutet! Das war die Erklärung und Ruth und Vera konnten aufatmen! Vera ihre Patienten weiter behandeln und Ruth hatte genug zu tun, sich mit dem Vater ihres Kindes zu einigen, beziehungsweise diesen loszuwerden und sie mußte in ihr Kostüm schlüpfen und damit auf die Mariahilferstraße hetzen.

„Hallo, Frau Magister, wie war es am gestrigen Feiertag? Gab es genug zu tun? Wie ich höre, kommen Sie mit Ihrem Job gut zurecht! Die Muttis und die Kinder sind zufrieden und loben sie sehr! Nur, daß Sie zuviel Süßigkeiten austeilen, habe ich ebenfalls gehört und darüber wollte ich mit Ihnen sprechen! Sie scheinen ein gutes Herz zu haben! Das ist an sich nicht schlecht! Da man aber sparsam sein und nicht übertreiben soll, merken Sie sich bitte, für jedes Kind ein Zuckerl, beziehungsweise ein Schokoladestückchen und die Erwachsenen bekommen das Prospekt! Das gilt auch für die alten Männer! Die Sandler und die Alkoholiker können Sie guten Gewissens irgnorieren, denn die kaufen ohnehin nicht bei uns und bitte keine Privatgespräche! Ihre Freunde treffen Sie am besten nach der Arbeit, wenn Sie dazu noch Energie haben und nicht dazwischen!“, mahnte Widerling Seidler sie, der wieder im Haus schien und sich ihr in den Weg stellte, als sie aus der Damengarderobe kam und ins Erdgeschoß wollte. Wer hatte sie verpetzt? Hatte vielleicht Rade Jovanovic sie verraten? Aber den hatte sie gestern genauso wenig wie Widerlich Seidler gesehen. Vielleicht war es eine der Verkäuferinnen gewesen oder ein Kaufhausdetektiv,  der sie am Montag mit Fatma Challaki sprechen gesehen hatte. Aber die war bald gegangen und am Feiertag waren weder sie, noch Hassan Arawani zu sehen gewesen. Nur die kleine Jessica Nikolic war gekommen und hatte, das stimmte, wieder tief in den Sack gegriffen und eine Handvoll Zuckerln herausgeholt. Dabei war sie also erwischt worden und sollte vorsichtiger sein, denn Jessica Nikolic war, wie sie sich selbst bezeichnete, eine Personaltochter! Kind einer alleinerziehenden Verkäuferin, die sich zu Hause langweilte. Deshalb war sie am Feiertag auf die Mariahilferstraße gekommen.  War aber, weil ihre Mutter Angst vor ihrem Chef hatte, nicht ins Kaufhaus, sondern zu Max Schröder gegangen, um für ihn einhzukufen  und im Haushalt zu helfen. Das konnte nicht verboten sein und ging Klaus Seidler nichts an. Also die Achseln zucken, Herrn Widerling anlächeln „Aye, Aye, Chef!“, antworten und treuherzig versprechen, das nächste Mal bei der Zuckerlverteilung nicht so großherzig zu sein!

„Wissen Sie, das ist ohnehin im Sinn der meisten Mütter,  die ihre Kinder vor dem Zahnarzt warnen und alten Männern habe ich auch nicht soviele Süßigkeiten gegeben! Nur vielleicht ein oder zweimal ist es mir passiert,  daß einer in meinen Sack greifen wollte, aber da werde ich jetzt streng sein und aufpassen!“, hatte sie geantwortet und „Wiederlich!“, gedacht.

„Eigentlich ist mein Job widerlich, wenn ich Herrn Widerlich anlügen muß, weil ich sowohl Jessica, als auch Max Schröder einen Nikolo und einen Krampus zuviel gegeben habe! Und das war alles, denn den FPÖ-Wählern, die vielleicht die Informationsträger sind, habe ich nichts gegeben und Hassan Arawani hat nichts aus meinem Sack genommen! Aber ich werde aufpassen und mich genau umschauen, wenn ich der kleinen Jessica wieder ein Zuckerl mehr gebe, was ich ganz ehrlich möchte, weil ich finde, da sich ein Weihnachtswichtel, das dem alten Max beim Einkaufen hilft, ein solches verdient hat! Aber heute ist sie in der Schule und wird vielleicht nicht kommen! Hassan Arawani ist nicht zu sehen und der alte Max ist auch nicht da! Also kann nichts passieren!“, hatte sie gedacht, als sie auf die Straße trat und sich umgesehen hatte. Dann war sie zusammengezuckt, als Klaus Seidler, der ihr gefolgt war, mit der Gratiszeitung vor ihrem Gesicht hin- und herwackelte und „Haben Sie das gelesen?“, fragte.

„Der Mordfall in der Praxis der Freundin Ihrer Schwester geht weiter! Die Stieftochter hat den Stiefvater mit einem Weihnachtsleuchter erschlagen! Wenn Sie mich fragen, ist es nicht schade, um den Kerl und eigentlich tut es mir viel mehr leid,  wenn die Kleine ins Gefängnis muß!“

„Muß sie wahrscheinlich nicht, weil sie mit Fünfzehn noch nicht straffähig ist und wenn Sie es nicht weitersagen, Herr Seidler, kann ich Ihnen verraten, was mir meine Schwester erzählt hat, die es von einem Journalisten hörte, der es von einem Polizeijuristen weiß! Peter Kronauer ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte zwar Spuren von  diesem Leuchter auf der Stirn, ist aber wahrscheinlich bei seinem Sturz darauf gefallen! Die Stieftochter, die zur Zeit der Therapiestunde, offenbar die Praxis betreten hat, könnte höchstens den Leuchter auf das Klo gestellt haben! Das ergibt aber keinen Sinn und ist auch nicht so wichtig! Beziehungsweise habe ich keine Zeit darüber nachzudenken, muß ich doch meine Zettel verteilen und auf meine Süßigkeiten aufpassen, damit ich nicht zuviel vergebe, damit Sie nicht wieder mit mir schimpfen! Ich werde also sehr genau sein!“, versprach Nika hinterhältig, griff in ihren Sack und hielt eines der Prospekte einer älteren Dame hin, die begierig danach schnappte und keinen Krampus oder Nikolo von ihr haben wollte.

„Bis später also, Herr Seidler! Vielleicht sehen wir uns in der Kantine!“, versprach sie vage und überlegte, ob sie in einer stillen Minute ihre Schwester anrufen sollte, um sich zu erkundigen, was sie von dem Besuch von Kronauers Schwester in Veras Praxis hielt?“

Neugierig geworden.

Das 1. 5. und 7. Fenster gibt es hier, die vom 19. 25. 29. und 30. werde noch kommen,  vielleicht streue ich sogar zwischendurch wieder etwas ein und ein paar Schmankerl wird es am 13. und am 23. Dezember auch noch geben.

2017-12-07

Anton Blitzsteins Geburtstag mit Nika-Lesung

Das GAV-Mitglied und Mondkalb- und Katzenzeichner Anton Blitzstein, den ich, glaube ich, durch den „Ohrenschmaus“, wo er immer einreicht und fast etwas gewonnen hätte, kennengelernt habe, aber nein, das war, glaube ich, schon vorher in einer seiner Ausstellungen, die er zum hundertsten Geburtstag des OWS gestaltet hat, hat mich zu seinem achtundfünzigsten Geburtstag eingeladen.

„Serviert werden selbstverständlich Leckereien aus der vegetarischen BlitzsteinKüche“, stand auf der Einladung und ich hatte, glaube ich, schon vor zwei Jahren eine, konnte da aber nicht kommen und habe daher nur das grüne Mousse gekostet, die es anläßlich einer anderen Ausstellung gegeben hat.

Diesmal hat es zwar auch eine Paralelleveranstaltung gegeben, nämlich das „Auge-Weihnachtsfest“, das zufäligerweise in dem Haus stattfindet, wo einmal Soma Morgenstern lebte.

Da ist diesmal nur der Alfred hingegangen, ich bin nach meiner fünf Uhr Stunde mit der  U4 nach Heiligenstadt hinausgefahren, wo Anton Blitzstein unweit des berühmten Karl Marx Hofes am zwölften Februarplatz, wie das jetzt heißt, auch in einem der schönen alten Gemeindebauten, eine Wohnung hat, die eigentlich eine Galerie mit Bett, beziehungsweise Eßtisch ist, in der alle seine Bilder hängen und ein Regal mit seinen schönen Keramikfiguren gibt es auch.

In der U-Bahn, bin ich neben einem Großvater und seinem Enkelsohn gesessen, die beide auch nach Heiligenstadt fuhren. Der Opa hat den Enkel, es war offenbar ein Erstklasser Rechnungen abgefragt. Hat dann wissen wollen, wie die Lehrerin heißt und, ob die Kinder aufstehen müßen, wenn die sie sie etwas fragt?

Nein, und die Kinder heute reden ihre Lehrer mit den Vornamen an. Dann wollte der Opa noch wassen, wann der Enkel, der offenbar bei ihm und der Oma übernachtete, schlafengehen würde?

„Um zwölf Uhr Mitternacht!“, war die Antwort.

„Das müssen wir der Oma erst beibringen!“, hat der Opa nach einer Pause gesagt.

Noch eine Pause. Dann kam vom Enkel: „Das war ein Scherz!“

So weit die kleine U- Bahn Leute Beobachtungs Anektodte. Mal sehen, in welchen meiner Bücher das einmal Einklang finden wird?

Dann habe ich schon bei Anton Blitzstein angeläutet, der mir am Montag sagte, daß er zwölf Leute eingeladen hat, aber nicht alle kommen würden.

Gekommen ist  nur eine Freundin und die vegetarische Küche hat sich  auch als ein thailändisches Huhn, also etwas nicht ganz Vegeetarisches entpuppt. Im Anschluß gab es noch einen Schokoladekuchen mit Zuckerglasur und ich habe Anton Blitzstein aus den zwei Büchern, die ich in der Handtasche hatte, der „Nika“, denn im Dezember trage ich in der Weihnachtstasche, die ich einmal von einer Klientin bekommen habe, den Adventkalender mit mir herum und dann das das Neue, aussuchen lassen, was er als Geschenk haben will. Er hat sich für das „Bibliotheksgespenst“ entschieden und die „Nika“ habe ich der Freundin, als die wissen wollte, was ich schreibe, gezeigt.

Darf ich ein Stück lesen!“, hat sie mich gefragt und hat dann laut den siebenten Dezember vorgelesen und voila, eröffnet sich meinen Lesern, als Überraschung heuer doch noch ein neues Adventkalenderfenster.

Den ersten und den fünften Dezember gibt es schon und hier also:

„Montag, 7. Dezember

Am Montag war der junge Syrier oder Iraker mit seiner grauen Decke wieder da und starrte Nika, als sie mit Sack und Mütze aus dem Kaufhaus kam, mit seinen traurigen Augen an, als wäre er nicht zwei Tage verschwunden gewesen. Für einen Einzigen, um genau zu sein. Am Samstag, als die Mariahilferstraße von Menschenmassen bevölkert war, hatte er gefehlt. Ob er am Sonntag hier gesessen war, hatte sie keine Ahnung. Denn da war sie nach ihrem süßen Frühstück in Jeans und Parka und ohne Weihnachtsmütze zum Hauptbahnhof gefahren. Hatte sich danach mit einer weißen Schürze dem Backen hingegeben. Als die Vanillekipferln und die Linzeraugen fertig waren und sie sich an das Kneten der Rumkugeln machte, läutete sie an der Tür. Sandra Winter war mit einem schüchteren jungen Mädchen, das ein hellblaues Kopftuch tief in die Stirn gezogen hatte, davor gestanden und hielt ihr einen kleinen Schokonikolaus entgegen.

„Kommt herein!“, hatte Nika aufgefordert, die beiden in ihr Wohn-und Arbeitszimmer gebeten, wo der Couchtisch gedeckt war und auf zwei Tellern Linzeraugen, Vanillekkipfern und schon einige Rumkugeln lagen und es in der Wohnung nach frischen Keksen duftete.

„Ich hole gleich Kaffee bot sie an!“ und nahm die Schürze ab.

„Du hast gebacken, fein!“, rief Sandra Winter erfreut. Fatma Challaki sagte nichts, sondern schob ihr Kopftuch ein Stückchen weiter in die Stirn und lächelte Nika schüchtern an.

„Sie sprechen schon ein bißchen Deutsch!“, hatte die sich erkundigt und Sandra nickte energisch.

„Natürlich, ist sie doch in Damaskus in die deutsche Schule gegangen und hat einen österreichischen Deutschlehrer gehabt, der mit seinen Schülerinnen Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und Thomas Bernhards „Heldenplatz“ gelesen hat. Deshalb ist sie auch nach Wien gekommen, nachdem die IS ihren Bruder entführte. Sie spricht ein reineres Deutsch als ich, die ich meinen niederösterreichischen Dialekt nicht so leicht verbergen kann! Sie geht auch jeden Nachmittag auf die Nationalbibliothek und trifft sich dort mit einem Lehrer, um mit ihm über Literatur zu diskutieren und für eine ukarainische Germanistin, die in Odessa über Bertha von Suttner forscht, Material zu sammeln, das dort nicht zu bekommen ist.“

„Ich versuche es!“, sagte die junge Syrierin in tatsächlich reinen Deutsch, wurde ein bißchen rot  und setzte etwas lauter hinzu, daß sie der Freundin ihrer Freundin, die so nett sei, sie in ihrem Wohngemeinschaftszimmer schlafen zu lassen, bis es mit ihrer Aufenthaltsgenehmigung klappte und sie einen Platz in einem Studentenheim bekommen würde, gern behillflich sei und sich als Dolmetscherin zur Verfügung stellen wolle.

„Dann kommen wir gleich morgen auf die Mariahilferstraße, besuchen die Weihnachtsfrau, lassen uns von ihr mit guten Gaben beschenken und Fatma kann sich um den traumatisierten Flüchtling, falls es ein solcher ist, ein wenig kümmern! Es laufen derzeit viele traumatisierte junge Männer und Frauen in der Stadt herum, die verzweifelt versuchen Asyl zu finden und die Vergangenheit loszuwerden! Da ich mich mit Fatma manchmal am Westbahnhof betätige, habe ich einiges mitbekommen! Morgen habe ich aber nicht viel Zeit, denn da muß ich auch zum Westbahnhof, den Zug um halb zwölf nehmen, denn der „Residenz-Verlag“ hat mich um zwei bestellt, um mich danach anusehen, ob ich eine geeignete Volontärin bin und sie mich ein paar Wochen in ihrem Verlagshaus schnuppern lassen! Das wäre gut für mich, da meine Eltern in der Nähe wohnen und ich mit dem Rad hinfahren kann! Fatma hätte dann auch mehr Platz! Der Verlag übersiedelt aber, habe ich gehört, nach Salzburg zurück! Also müßte ich bald schnuppern! Mal sehen! Es ist nicht so leicht für uns Geisteswissenschaftler! Das kannst du mir sicherlich bestätigen, obwohl du nur deine Dissertation fertigstellen mußt!“, hatte Sandra gesagt, sich ein Vanillekipferl in den Mund geschoben und „Köstlich, köstlich!“, aufgerufen.

„Du hast Talent zum Backen, liebe Weihnachtsfrau, wenn du keinen Platz als Assistentin findest und dich nicht auf der Mariahilferstraße prostiutieren willst, könntest du dich als Konditorin  versuchen!“, hatte sie gescherzt und mit verlegenen Blick auf Fatma schnell abgebrochen, die das mit der Prostitution nicht verstanden zu haben schien, denn sie hatte sich mit dem gleichen schüchternen Lächeln bedankt, dann ein wenig zögernd nach einer Rumkugel gegriffen und sie in den Mund geschoben. Ob sie der Rum, der dieser Süßigkeit den Namen gab, störte, eine gläubige Muslima durfte, wie Nika sich zu erinnern glaubte, keinen Alkohol trinken, ließ sich sich nicht anmerken. Griff aber nach keiner zweiten, sondern nahm nur noch ein Vanillekipferl und sagte ebenfalls „Das schmeckt sehr gut!“

Das war am Nikolaustag gewesen. Jetzt begann sich die Mariahilferstraße wieder zu füllen. Der Bursche mit der grauen Decke, starrte nach wie vor auf Sandras Weihnachtsmütze und weigerte sich immer noch in ihren Sack zu greifen. Widerlich Seidler war wieder in seinem Büro und hatte sich mit widerlichen Grinsen erkundigt, wie es ihr an ihrem ersten Samstageinsatz ergangen sei und ob sie sich an den süßen Nilkolausfigurene den Magen verdorben habe?

„Die habe ich an die Kinder verteilt, Herr Seidler!“, hatte sie ein bißchen geschummelt und er hatte wieder blöd „Brav, brav!“, gesagt und sie erinnert, daß sie morgen mit einer starken Schicht rechnen könne.

„Morgen ist ein Feiertag, wir haben aber offen und da kommen die Leute nach dem Frühstück und stürmen unser Haus! Da können Sie sich auf einen großen Andrang einstellen, aber das sind Sie jetzt schon gewöhnt!“

„Ich hoffe es, Herr Seidler und werde mich bemühen!“, hatte sie gewantwortet und die Frage unterdrückt, ob sie ihn morgen sehen würde oder ob er den Feiertag zu Hause beziehungsweise in der Kirche verbringen würde? Sie fragte nicht, denn es war ihr egal oder eigentlich lieber, wenn er nicht in ihren Ausschnitt starrte. Das tat inzwischen Mister Trauma, aber er schien ins Leere und nicht auf ihren Busen zu schauen und da kamen schon Sandra und Fatma Challaki, die wieder das blaue Kopftuch tief in die Stirn geschoben hatte.

„Da sind wir, liebe Nika!“, wir haben uns verspätet. Die U-Bahn ist nicht gekommen und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch verschlafen! Muß daher gleich weg, aber ihr kennt euch schon und Fatma kennt sich inzwischen auch gut in der Stadt aus und geht dann wieder in die Nationalbibliothek, um sich mit ihrem Deutschprofessor zu treffen!“

„Ich werde es versuchen!“, antwortete die junge Syrierin schüchtern, blickte auf den Deckenmann, der nun auch sie anstarrte und schien nicht recht zu wissen, ob sie stehenbleiben oder ihn ansprechen sollte?

„Vielleicht könntest du ihn fragen, ob er Arabisch versteht?“, ermunterte die forsche Sandra.

„Ich muß zu meinen Zug. Wir sehen uns am Abend und da kann ich vielleicht schon berichten, ob es mit dem Praktikum klappt oder ich in Wien weitersuchen muß!“, sagte sie und Nika setzte nögernd „Das wäre vielleicht hilfreich!“, hinzu. Fatma Challaki zog ihr Kopftuch noch ein bißchen gtiefer in die Stirn, biß sich auf die Lippen, dann machte sie einen Schrittt in seine Richtung und flüsterte ihm etwas zu.

„Hallo, Frau Weihnachtsfrau, hast du etwas Süßes für mich?“, fragte hingegen ein kleiner Mann. Die dazugehörende Mutter zog ihn weg und rief mit schriller Stimme „Du weißt doch, Dario, du sollst nicht soviel Süßes essen! Das ist schlecht für deine Zähne und der Zahnarzt muß dann bohren! Wir gehen in den Supermarkt! Da gibt es eine Saftbar und du magst sicher einen gesunden Gemüsesaft!“

Dario machte ein Gesicht, das deutlich zeigte,  daß er mit dem Vorschlag nicht einverstanden war. Konnte sich gegen die energische Mutterhand aber nicht wehren. Fatma Challaki schien von dem Deckenmann erstaunlicherweise eine Antwort bekommen  zu haben und sie sah in das schöne Gesicht eines Mannes mit Nikelbrille, das ihr bekannt erschien.Ehe ihr einfiel, wo sie es schon gesehen hatte, war er, der Jeans und eine schwarze Lederjacke trug, auf sie zugekommen  und wollte von ihr wissen, ob sie Nika Horvath sei?

„So ist es!“, antwortete sie erstaunt, weil sie ihn noch immer nicht einordnen konnte.

„Dann sind wir bald verschwägert!“, behahptete er mit scharfer Stimme und stellte sich als Joe Prohaska vor.

„Ich bin der Vater Ihrer noch ungeborenen Nichte und habe mir gedacht, meine künftige Schwägerin zu besuchen und mich zu erkundigen, was sie von der Idee Ihrer Schwester hölt, ihr Kind vaterlos aufzuziehen? Als Weihnachtsfrau dürften sie sich für Kinder interessieren und werden wissen, daß die Anwesenheit eines Vaters wichtig für eine gesunde Entwicklung ist! Das wollte ich übrigens Ihrer Schwester persönlich sagen! Aber sie hebt nicht ab und öffnet nicht die Tür, wenn ich bei ihr läute, sondern hat mir nur gemailt, daß ich sie nicht belästigen und nicht stalken soll, weil sie sich sonst bei irgendeiner Menschenrechtsorganisation über mich beschwert! Aber das werde ich vor ihr tun, denn ich habe schon einen Termin beim Jugendamt, das sicher meiner Meinung ist, daß es nichts mit Stalking zu tun hat, wenn ich mich um meine Tochter kümmern will!“

So das wars. Am 19. 25. 29. und 30. wird es noch ein Fenster geben und wer weiß, in welchen meinen Büchern, die „Nika, Weihnachtsfrau“ noch ein Kapitel hat, bekommt ein Buch von mir, wenn er sich bei mir meldet.

2017-12-05

Schreibgruppe und Adventkalender

Wieder einmal Schreibgruppe in der Krongasse und diesmal keine Romanszene aus einem Work in Pongreß, ist der Rohentwurf der „Unsichtbaren Frau“ ja fertig und soll am Montag beim Writerretreat in der Pramergasse überarbeitet werden, das „Bibliotheksgespenst“ ist erschienen und an die Gruppenmitglieder ausgeteilt, damit womöglich doch eine Leserunde auf dem Blog entstehen kann und „Besser spät als nie“ ist gerade auch beim Fertigwerden.

Bei allen  Texten habe ich Szenen  in früheren Gruppen geschrieben, heute aber themenlos und offen für alles, was da kommen mag und weil ja der fünfte Dezember ist, ist der kleine Weihnachtsstern, den mir die Ingrid beim Geburtstagsfest übergeben hat auf dem Tisch gestanden, zwei Wachsketzen, die ich mir einmal,  um meinen Geburtstagsgutschein bei der „Grünen Erde“ eintauschte und der Alfred der das ja nicht lassen kann, hat aufgetischt. Weintraubenstrudel, Räucherfisch vom Markt in St. Pölten hergerichtet, Baguette und Käsekugeln. Mandarinen, Schokoladestückchen, Wein und Käsekräcker haben die Gruppenmitglieder mitgebracht.

Eine schöne Adventstimmung also und dann hat Peter Czak  das Thema „Ooerloaded“ vorgeschlagen.

„Überladen!“, habe ich gedacht, weil ich ja nicht Denglisch sprechen will und zum Schreiben angefangen. Ohne Ziel und Plan nur von den schönen Wortspielereien, die Bodo Hhell diese Woche jeden Morgen in den „Gedanken für den Tag“ in Ö1 über mich ergießt, inspiriert.

Der untrige Test ist daraus entstanden, den Klaus Khittl dann kritisch wieder als Themenverfehlung anprangerte. Vielleicht oder vielleicht auch nicht, ist mir die schwarz blaue Zwangsbeglückung doch wirklich zuviel, während ich die Flüchtlingskrise, wie Robert Englhofer kritisch einwarf, ja eigentlich nicht für eine Überladung halte.

Es ist wie es ist, hat oder würde Erich Fried vielleicht sagen.

„Überladen – Overoladed – Überfluß

Der Tisch ist überladen und biegt sich von allen den guten Sachen, die auf ihn hinaufgeladen wurden. Brot, Käse, Fisch, Schikoladentorte. Es geht uns gut, wir werden für Ggenstände Geld ausgeben, das wir gar nicht haben, einen Kredit aufnehmen,  weil wir inzwischen längst verschuldet sind. Staatsverschuldet und Leben im Überfluß oder Überdrum. Besser ein Leben im Überdruss nach dieser Schmutzkübel Kampagne, die uns eine blau türkise Regierung beschert hat.

Türkis blau, statt schwarz blau, das klingt doch sicherlich viel besser und dagegen wird man auch nicht so leicht demonstrieren. Nicht mit den Schlüsseln rasseln, wie weiland vor siebzehn Jahren auf dem Ballhausplatz.

„Haider, Schüßel, drahts auch ham ihr Rüsseln!“ und wo bitte bleibt denn jetzt der Überfluß?

Denn über einen solchen wollten, sollten wir ja schreiben. Die Überladung erwähnen, die wie eine Hochleistungsrakete einschägt über uns, auf unseren Köpfen preasselt mit voller ganzer Wucht und  was bitte ist  hier jetzt überladen, aufgesetzt, überworfen?

Natürlich der Rechtsruck, den haben wir eindeutig aufgebrummt bekommen. Ist auf uns herabgefallen, hat uns heimgesucht  und jetzt können wir uns nicht mehr wehren vor all dem blau türkischen Übefluß und werden, wie man hören kann, auch sehr bald ein Heimatschutzministerium aufgebrummt bekommen, von dem ich noch immer keine Ahnung habe, wofür wir ein solches brauchen können?

Ich brauche es nicht. Die Heimat vielleicht schon, aber keinen Schutz oder ich schütze mich am liebsten selber vor allen Übergriffen, Mißbrauchserfahrungen und Überschwemmungen.

Vor allen bösen Geistern möchte ich mich gern bewahren, sie abwehren und mich nicht von ihnen überladen lassen. Keinen Heimatschutz und keine Zwangsbeglückung, wogegen ich gegen eine Ausweitung des Rauchverbotes in öffentlichen Räumen, als Nichtraucherin gar nichts habe oder besser,das ist mir eigentlich egal und denke nur, daß ich zwar keinen spzeliellen Heimatschutz, aber auch keine unbedingte Raucherlaubnis brauche. Auf die kann ich gern verzichten. Muß sie nicht haben und brauche mich von ihnen auch nicht um jeden Preis beglücken lassen.

Wehren wir uns also gegen jeden Overload, wie ich  auch nicht unbedingt, die englischen Sprachfloskeln in unserer schönen Sprache brauche. Mir genügt das Österreichische als Umgangssprache, da bin ich bescheiden.

Kann also überladen, überlasten, übergießen,  aufdrängen sagen und brauche zum Download, den ich gelegentlich auf meinem Computer betreibe, nicht unbedingt auch noch den Überfluß und, um bei den Wortspielen und der Farbenlehre zu verbleiben, die Überschüttung durch eine schwarz blaue Regierung, die  jetzt, um alle Abschreckungen zu vermeiden, sich verschämt blau türkis oder türkis blau benennt, aber höchstwahrscheinlich verjährter vorvorgestriger Wein in umgefärbten modisch aufgepääpelten neuen Schläuchen ist.“

Und dann, weil ja der fünfte Dezember ist und weil ich  auch dieses Jahr meinen weihnachtlichen Beitrag leisten will, kommen wir also zum Adventkalender oder zur „Nika, Weihnachtsfrau“ und da ist ja der fünfte Dezember besonders produktiv, hat da doch vor zwei oder wahrscheinlich schon vor drei Jahren da auch einmal eine Schreibgrußße stattgefunden, wo ich das Thema „Weihnachten, Advent oder Adventkalender“ vorgeschlagen habe.

Ein Jahr später und ein Monat früher sind es dann, während ich im November beim Nanowrimo meinen Adventkalender schrieb, die „Dämonen“ gewesen, die mich zu einer Skizze für meine Nika aus einer anderen  Perspektive veranlaßte und am fünften Dezember des gleichen Jahres bin ich in Bük im Bad gesessen, habe die anderen Badebesucher durch mein Geklapper gestört und den fünften Dezember als Service für meine Leser eingestellt.

Am dreizehnten Deuember wird es noch eine Vorform der „Nika“ geben, am siebzehnten Dezember 2015 war die Lesung im Readingbroom, am dreiundzwanzigsten dezember gibt einen „Bücheradventkalender“, am 19. 25. 29 und 30.Dezember wird es je ein Adventkalenderfenster geben.

Freunde laßt euch überraschen und das ist kein Overload, sondern ein Geschenk an meine Leser, um sie in das Weihnachten vor zwei Jahren, während der inzwischen ach so gefürchteten Flüchtlingskrise einzustimmen.

Ob Platz und Zeit ist ein weiteres Adventkalenderfenster sein wird, weiß ich noch immer nicht.

Ich habe aber noch ein paar meiner fünfzig selbstgemachten Exemplare. Wer eines haben will, um damit vielleicht seine Lieben zu Weihnachten überraschen oder auch zum  Selberlesen, kann es bei mir bestellen. Er kann mir aber auch eine Rezension für das „Literaturgeflüst“er oder ein anderes Medium  schreiben.

 

2016-12-30

Weiter mit dem Blogroman

Da ich  mit der „Liebe vun Tod auf Bali“ nicht so schnell weiterkomme, gibt es hier noch ein Stück aus der „Nika, Weihnachtsfrau“

Mehr darüber und die bisherigen Kapitel ist hier nachzulesen 1 5 19 25 29

„Mittwoch, 30.Dezember

Nika hatte es, nachdem ihre Einkäufe erledigt waren, wirklich auf die Mariahilferstraße getrieben und nun lagen eine rote Strickmütze und ein Paar dazu passende Handschue auf ihrem Gabentisch. Sie konnte zufrieden sein und sich freuen, denn die würde sie gleich morgen ausprobieren, wenn sie mit Harland ins „Jazzland“ gehen und mit ihm Joe Prohaskas und Doro Zelinkis Verlobung feiern würde. Was zwar keine wirkliche Überraschung war, aber doch ein bißchen aufregend, wie es auch die Nacht gewesen war, die sie in Harals Junggesellenwohnung verbracht hatte. Die groß war und geräumig und mit ihrer Studentenbude nicht im geringsten zu vergleichen, von der sie eben erst nach Hause gekommen war. Harald war in die Redaktion gefahren und hatte von dem Jahresrückblick gesprochen, an dem er arbeiten würde. Darin würde auch der Tote au Veras Klo und Joe Prohaskas Verlobung Erwähnung finden.

„Denn das interessiert die Welt, liebe Nika! Alles ist gut ausgegangen! Deine Schwester kann aufatmen und erleichtert sein!“, hatte er gesagt. So war es und die Geschenke, die dieses Weihnachtsfest mit sich gebracht hatten, waren auch nicht zu verachten! So konnte sie nicht klagen und sich nicht beschweren und würde morgen in der schwarzweiß gestreiften Hose und dem dazupassenden Pullover, das rote Mützchen auf dem Kopf, an Haralds Seite im „Jazzland“ auftauchen, das Jessica ausgesucht hatte, die Widerlich Seidlers Worte, daß das Kaufhaus keine Kinderaufbewahrungsstelle sei, überhört hatte. Beziehungsweise auf ihrer Mutter ängstlichen Blick „Keine Sorge, Mama, ich bin in wichtiger Mission unterwegs! Da kann dein Chef nicht schimpfen“ Muß ich doch für die Weihnachtsfrau ein Geschenk aussuchen!“, sagte und treffsicher auf die rote Strickmütze zeigte, die es in Roberta Meisels Abteilung zu finden gab.

„Probieren Sie die doch an, sie passt, wie angegossen!“, behauptete sie, als würe sie die beste Verkäuferin.

„Dann brauchen wir noch Handschuhe und die finden wir bei der Mama! Da kann dein Chef doch nichts dagegen haben, wenn die Weihnachtsfrau ihren Geschenkgutschein einlöst!“, hatte sie mit einem Blick auf Frau Meisel gesagt und der Mutter ängstliche Worte, daß die ihre Vorgesetzte sei, fröhlich überhört.

„Ich habe auch eine wichtige Aufgabe, denn ich muß für Onkel Max einkaufen, der Brot, Milch und Joghurt braucht, bin daher gleich verschwunden und störe nicht mehr länger!“, hatte sie noch ausgerufen und Frau Meisel war nichts übergeblieben, als süßlich zu bestätigen, daß Nika die Mütze gut stehen würde und zu Dragana Nikolic sagte sie, daß ihre Tochter ein liebes Mädchen sei.

„Siehst du, Mama!, hatte Jessi triumphierend ausgerufen und war mit einem wichtigen Gesicht weggerannt. Nika hatte sich bei Dragana Nikolic die passenden Handschuhe ausgesucht, die zwanzig Cent, die sie von ihrem Gutschein zurückbekommen hatte, eingesteckt und der Verkäuferin noch einmal „Alles Gute!“, gewünscht.

„Ihnen auch ein gutes neues Jahr!“, hatte die geantwortet und versichert, daß sie sich freue, wenn Nika wieder zu Ostern oder zu Weihnachten hier arbeiten würde“

„Aber ich weiß schon, es ist viel besser, bis dahin einen Job als Lehrerin oder Lektorin zu haben, aber das ist wahrscheinlich nicht so leicht!“, hatte sie noch zweifelnd hinzugefügt. Nika hatte „So ist es!“, geantwortet. Die Mütze und die Handschuhe gleich angezogen und war damit in Haralds Redaktion gefahren, um ih n abzuholen. Dann hatte sie die Nacht in seinem Junggesellenparadies verbracht und nun war sie nach Hause gekommen, um noch ein bißchen aufzuräumen, beziehungsweise sich auf Silvester einzustellen und überlegte, ob sie Ruth und Vera anrufen und ihnen von Joe Prohaskas Verlobung erzählen sollte? Das dann aber unterlassen, weil Laura Augustin bei ihr geläutet hatte und sich schüchtern erkiundigte, ob sie Lust habe, bei ihr eine Tasse Kaffee zu trinken?

„Habe ich, Frau Augustin, habe ich!“, hatte Nika fröhlich geantwortet, nach dem noch vorhandenen Weihnachtsstollen von Dragana Nikolic gegriffen und „Den Kuchen spendiere ich dazu!“, hinzugefügt.“

Die restlichen Mosaikstückchen wird man nach und nach hier  finden können und sind auch im Buch nachzulesen.

2016-12-29

Doch noch ein Adventkalenderfenster

Da es mit dem Lesen meines Vicki Baum-Schwerpunkts doch nicht so schnell geht, kommt jetzt noch ein Kapitel, meiner „Nika, Weihnachtsfrau“ oder, wie ich das ja immer nenne, dem dritten Teil meiner „Flüchtlingstrilogie“, im vorigen November während des „Nanowrimos“ geschrieben.

Ein Adventkalender, von der Nika, Weihnachtsfrau, der Germanistikstudentin, die sich was dazu verdient, in dem sie im Dezember im roten Samtanzug und Mütze auf der Mariahilferstraße steht und aus einem Sack Zuckerln an Kinder und Flyer an Erwachsene verteilt und weil ich ja sehr schnell und sehr kurz im Schreiben bin, mußte ich es über den ganzen Dezember hinziehen, damit sich die fünfzigtausend Worte, die man ja beim „Nano“ haben muß, zusammen kamen.

Ich wiederhole es vielleicht für meine neuen Leser. Die Idee über eine Weihnachtsfrau zu schreiben ist mir ja schon 2013 bei den „Dreizehn Kapitel“ gekommen. Da gibt es schon eine „Weihnachtsfrau “ und ich habe im darauffolgenden Dezember, auch ein paar diesbezügliche Artikel geschrieben.

Zu der Nika ist es aber erst 2015 gekommen, obwohl ich in der Schreibgruppe 2014 auch schon einen solchen Text schrieb und weil man ja aus der Nika, die als mein, ich glaube, vierzigstes Selbstgemachtes erschienen ist, ja, wie man sieht auch sehr gut einen Blogroman machen kann, kam dann auch die Idee, immer wieder Kapitel aus dem Buch hineinzustellen.

So gibt es mit dem Probekapitel, wo man den 1. Dezember lesen kann, schon den 5., den 19. und den 25.

Eine Vorstudie mit einer anderen Perspektive gibt es zum 5. Dezember auch und am 17. Dezember habe ich das Buch im Vorjahr im „Read!!ingroom“ vorgestellt und dazu passend, den ersten und den siebzehnten Kapteil gelesen.

Jetzt gibt es also auch noch den 29. Dezember und von Jahr zu Jahr kann und soll es mehr werden, bis man dann eines Tages vielleicht das ganze Buch hier finden kann, wenn ich nicht, so wie heuer, zuviel mit dem Auflesen meiner Bücherliste beschäftigt sein werde.

Hier noch die Links zur „Vorschau“ und zur „Buchpromotion“, wo es ja immer die Schreibberichte und das Gewinnspiel, sowie die diesbezügliche Auflösung gibt und noch ein kleiner Hinweis, da das Buch im Jahr 2015 spielt, wo es auch geschrieben wurde, ist der 29. Dezember ein Dienstag.

„Dienstag, 29. Dezember

Es hatte nicht nur wahlweise Gulasch oder Gemüsestrudel und als Nachtisch wieder Weihnachtskekse gegeben, jeder Mitarbeiter hatte auch noch ein kleines Päckchen von der Assistentin des Direktors und von diesen  einen warmen Händedruck bekommen, in dem sich, wie erwartet, ein halbes Kilogramm Kaffee, ein Lebkuchenherz, sowie ein fünfzig Euro Gutschein befunden hatte. Widerlich Seidler war plötzlich wieder neben ihr gestanden und hatte genauso widerlich, wie immer „Na, da freuen Sie sich aber Frau Magister, zu ihr gesagt. Sie hatte sich nicht geirrt, aus dem Saulus war kein Paulus geworden, auch wenn er eine blonde Gattin hatte, die nett und freundlich schien, war er das so schnell nicht geworden. Denn er verkündete grinsend, daß sie überlegt hatten, ob sie nicht ihr als Weihnachtsfrau diese ehrenvolle Geschenkübergabe übergeben hätten sollen? Sie dann aber doch nicht damit belasten  hatten wollen, so daß Frau Nagy diese Aufgabe übernommen hatte und Nika dachte sich, daß das Kaufhaus da wohl sparsam sein und die zwei oder dreihundert Euro Gage, die sie dafür fordern hätte können, nicht zahlen wollte, deutete aber freundlich auf Jessica und sagte lächelnd, daß das nichts mache, weil sie schon Konkurrenz bekommen hätte.

„Das kleine Fräulein Nikolic, das, wie man hört, sehr häufig seine Mutter besuchen soll, obwohl wir keine Kinderaufbewahrungsstelle sind!“,  säuselte Widerlich Seidler, dann blickte er auf seine blonde Inge, die ihn wohl ein wenig strafend angesehen hatte, denn er räusperte sich und sagte schnell „Damit Sie mich nicht mißverstehen! Wir waren mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden, Frau Magister und das habe ich in der Direktion auch gesagt, so daß ich Sie, wenn Sie das möchten,  für das nächste Jahr wieder vorschlagen werde und für Ostern suchen wir ein Osterhäschen!“, meinte er kichernd und machte den Eindruck, als ob er ihr auf den Po grapschen wollte, sich das aber, weil seine Inge zu ihnen hinübersah, nicht zu trauen schien und so lächelte sie wieder und sagte freundlich, daß sie es sich überlegen würde, aber bis dahin wahrscheinlich mit ihrem Studium fertig und vielleicht fix angestellt sei.

„Sonst natürlich gern!“

Er hatte sie angesehen, als würde er ganz sicher sein, zu Ostern und im nächsten Dezember eine arbeitslose Nika vorzufinden, die froh über den Häschen- oder Weihnachtsfrauenjob sein würde.

„Ich werde mich bei Ihnen melden und jetzt unterhalten Sie sich gut!“, sagte er süffisant und war zu seiner Inge zurückgegangen. Nika hatte das dann zwei Stunden mit Dragana Nikolic, Jessi Weihnachtsfrau und Rade Jovanovic getan, dann hatte sie ihr Geschenküäckchen genommen und war nach Hause gegangen. Das stand auf ihren Küchentisch, als der Wecker läutete und Nika sich ärgerte, daß sie ihn nicht abgeschalten hatte. War sie doch jetzt arbeitslos, beziehungsweise hatte sie noch immer Weihnachtsferien, brauchte nicht um sieben aufstehen und auf die Mariahilferstraße hetzen. Brauchte das vorläufig nie mehr tun. Sie hatte ihn aber selbst gestellt, weil sie einkaufen wollte, denn die Geschäfte hatten an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester wieder geöffnet.  Sie konnte sich Reis, Milch, Kartoffeln und was sie sonst zum Leben brauchte, im Diskontmarkt an der Ecke besorgen und brauchte keinen überteuerten Bahnhofsupermarkt mehr aufsuchen. Und das hatte sie sich vorgenommen und so wollte sie aufstehen, den Kaffeeautomaten einschalten, den restlichen Schinken und die restlichen Kekse verzehren und dabei eine Liste erstellen, was sie besorgen mußte, um ihren Haushalt wieder in Schwung zu bringen. Das würde einige Zeit beanspruchen und wenn es sich dann noch ausging, konnte sie in ihr Kaufhaus schauen, Dragana Nikolic einen Kurzbesuch abstatten und dabei ihren fünfzig Euro Gutschein in ein Paar Handschuhe oder eine Mütze umwandeln, weil man die Feste, wie sie fielen, feiern sollte und zum offenen Bücherschrank hatte sie auch gehen wollen, fiel ihr ein, als sich ihr Handy meldete und sie Haralds fröhliche Stimme hörte, der ihr einen wunderschönen guten Morgen wünschte und sich erkundigte, ob sie schon wach und munter sei?

„Selbstverständlich, ich bin noch im Arbeitstrott und von diesem nicht so leicht wegzubekommen!“, antwortete sie fröhlich und wollte von ihm wissen, ob er gute Nachrichten hätte?“

„Habe ich, Nikalein, ganz besonder gute Neuigkeiten und zwei Fragen! Frage ein, was machst du heute Abend? Was bedeutet, daß ich wissen möchte, ob ich dich in mein Junggesellenparadies einladen darf, um dir das solche vorzustellen und Frage zwei, was machst du zu Silvester? Beziehungsweise will ich wissen, ob du Lust hast, diesen wieder  im „Jazzland“ mit mir zu verbringen oder eigentlich nicht mit mir allein, denn du wirst es nicht glauben, Doro Zelinski hat uns eingeladen, weil sie dort Verlobung feiern will!“

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und wem jetzt das Ganze interessiert, der kann das Buch auch bei mir bestellen.

2016-12-05

Ilse Aichinger Hommage, versäumtes DichtFest und mehr denn je vdB

Ilse Aichingers fünfneunzigster Geburtstag wurde am ersten November gefeiert. Die 1921 geborene Autorin, die mit der „Größeren Hoffnung“ bekannt geworden ist, trat ja schon lange nicht mehr öffentlich auf.

Als bei der „Edition Korrespondenzen“, 2001 oder so, einige ihre Bände,  herausgekommen bin, war ich bei einer Veranstaltung, ich glaube, in der Felderstraße und habe mir, stat dem Buch, das ich mir dann vom Alfred zu Weihnachten schenken ließ, das Verlagsprogramm signieren lassen, womit ich einige böse Blicke erntete.

2001, nach nine elfen, war sie, glaube ich, auch einer der ersten, die darüber geschreiben haben und beim „Rund um die Burg“ hat sie da, ich glaube, im Ramen des „Literaturhauses“ daraus gelesen.

Vor ein Uhr Mittag, die zittrige kleine Frau, die die Uhrzeit ein wenig überzog, um eins füllte sich das Zelt plötzlich mit älteren Damen, die etwa fünf Minuten später „Wir wollen den Grieser hören!“, schrien und nicht zu bremesen waren, als ich ihnen sagte, daß da wohl die berühmteste zeitgenößigsche österreichische Autorin am Podium saß.

Die wollten sie nicht hören und als sie fertig war, erschien Dietmar Grieser mit seinem neuen Buch, stellte es den Begeisterten vor und ich dachte mir, daß er vielleicht einmal hier sitzen und ein Kapitel über Ilse Aichinger lesen wird und alle hören ihm andächtig zu.

Diese Geschichte habe ich ihm auch einmal erzählt und er hat mir, glaube ich, geantwortet, daß er geduldig gewartet hätte, bis er an der Reihe war.

Ilse Aichinger ist dann später krank geworden, ein Pflegefall und nicht mehr zu ihrer Hommage bezüglich des neunzigsten,  auch nicht mehr ins Kono und ins Kaffeehaus gegangen und, um den fünfundneuzigsten waren die Ö1 Programme auch voll von den Hommages an sie.

Als wir am ersten November von Harland nach Wien zurückgefahren sind, gab es gerade die „Größere Hoffnung“ im Radio. Ein Buch, das ich als Studentin gelesen habe und jetzt erst erkannte, wie sprach experimentell und ungewöhnlich es eigentlich ist.

Als ich bei der „Buch Wien“ endlich beim „Bücherquizz“ antratt und offensichtlich so nervös war, daß ich statt des Büchergutscheins, nur die Trostweinkiste gewonnen habe, wurde nach ihr gefragt.

Das Hörspiel „Knöpfe“ habe ich erkannt, denn das hat mir meine entfernte Cousine Elisabeth einmal zum Geburtstagsfest gebracht, dafür den Clemens mit den Günther Eich verwechselt, den Sohn mit dem Vater und als ich am Freitag darauf zum Stand des Hauptverbandes kam, um mich mit den „Ohrenschmaus-Leuten“ zu treffen, erfuhr ich die Nachricht, Ilse Aichinger ist gestorben.

Zum Geburtstag hat es eine Reihe von Veranstaltungen gegeben, die dann zu einer Totenfeier wurden.

Die in der „Alten Schmiede“ habe ich wegen der Hilde Schmölzer versäumt. Die Ruth ist dort gewesen und heute hätte ich wieder eine große Auswahl an Veranstaltungen gehabt, weil wieder der „Umgang durch den siebenten Bezirk“, aber auch das Archivgespräch im Literaturmuseum und Elisabeth Wandeler-Deck hat mir ein Mail geschrieben, daß sie in der „Alten Schmiede“ beim Dichtfest liest und da gab es ja schon einmal eine Doppelveranstaltung, wo ich gerade noch beim vorletzten Leser und nachher zum Glas Wein zurecht gekommen bin. Das läßt sich wiederholen, habe ich gedacht und Elisabeth Wandeler-Deck diesbezüglich gemailt und dann war es im Literaturmuseum, als ich kurz vor sieben dort eintraf, weil ich mir vorher noch eine neue Batterie für meine Uhr holen mußte, sehr voll.

Aber zum Glück hatte meine Hauptschulkollegin Christa Unterauer, die ich öfter bei solchen Veranstaltungen treffe, den Platz neben sich frei und dann gab es ein tolles Programm zum fünfundneunzigsten Geburtstag beziehungsweise zum Gedenken.

Die Burgschauspielerin Anne Bennet las Gedichte und ein Stück aus der „Größeren Hoffnung“, Pamelia Stickney spielte dazu auf dem Theremin, dann gab es eine Gesprächsrunde mit Andrea Winkler und den Literaturwissenschaftlerinnen  Christine Invovic und Vivian Liska. Ronald Pohl hätte moderieren sollen, war aber krank, so wurde er  vertreten und die drei Diskutantinnen stellten jeweils ihren persönlichen Zugang zu der berühmten Dichterin vor.

Vivian Liska begann mit zwei kurzen Texten aus den „Kurzschlüssen“, wo die Aichinger durch Wien, üer den Stephansplatz, in die Judengasse, etcetera geht und die Germanistin erklärte genau den literarischen Bezug.

Die Sprachkünstlerin Andrea Winkler zietierte die „Notizen“ aus „Kleist, Moos Fasanew“ und Christine Ivanovic deren Studentenprojekt ich, glaube ich, schon in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte, kam wieder mit dem „Dover-Text“.

Sie scheint auch eine wahre Aichinger Expertin zu sein, erzählte von ihrem Leben und ihrem Aufenthalt in Ulm, wo sie mit  Inge Scholl in Kontakt kam und meinte in der Schlußrunde, daß man sich mit Ilse Aichinger ganz beschäftigen müsse, weil das Halbe, also das Anlesen nicht reiche.

Es war auch eine Diskussion auf sehr hohen Niveau. Ich habe ein etwas niederes und so ist auch mein oben geschilderter Zugang zu der berühmten Dichterin und diese Veranstaltung hat ein bißchen länger, als die letzte gedauert, so daß ich diesmal wirklich nur zum Wein in die „Alte Schmiede“ gekommen bin.

Elisabeth Wandeler-Deck und Gerhard Jaschke, die ich versäumte begrüßte und ein bißchen Wein getrunken habe und noch etwas gibt es außer auf den Hinweis zu meinem Adventkalenderfenster bezüglich der „Nika, Weihnachtsfrau“ zu erwähnen.

Wir haben juchu, fast zum Krampus einen Nikolo bekommen und mehr denn je, vdB, statt der vorherigen angezweifelten dreißigtausend Stimmen sind es dreihundertfünfzigtausend geworden oder 53,79%

2016-12-01

Schreibgruppe und Adventbeginn

Unsere Schreibgruppe, die von Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und Ingeborg Reisner 2013 gegründet wurde, dümpelt seit sie im Sommer von Peter Czak, der sie nach der Lesung weiter organisierte, aufgelöst wurde, so dahin.

Im September und Oktober haben wir uns mit Doris Kloimstein, der Ruth, Klaus Khittl, dem Robert und jeweils einer weiteren Person weitergetroffen.

Im November rief mich zuerst Doris Kloimstein an und sagte, daß sie krank sei, danach Robert, der auch nicht kommen wollte und ich wollte ja eigenlich zum Pup n pub ins „Siebenstern„, so daß ich die Gruppe absagte und diesmal bekam ich am Montag einen Anruf vom Robert, daß er und Doris Kloimstein nicht kommen und ich dem Wirt absagen soll, aber da habe ich mich mit Klaus Khittl, der mir ja für mein „Berührungen-Mimikry-Spiel“, einen Text geschrieben hat, halb verabredet, daß ich ich ihm das versprochene Buch in die nächste Gruppe bringen will und er hat „Fein!“, geantwortet, so daß ich dem Robert mailte, ich gehe auf jeden Fall hin und warte mit dem Ausmachen der weiteren Termine vorläufig ab, weil ich sie ja nicht jedesmal absagen will.

Gestern habe ich dann die Ruth auf dem Weg in die „Alte Schmiede“ getroffen, fragte sie, ob sie kommt und sie antwortete, sie hätte sich mit Ingeborg Reisner verabredet.

Fein, vielleicht wird noch was aus dem Treffen, das ich mir eigentlich schon abgeschminkt hatte, mir dann aber einfiel, daß ich ja, als Thema „Bibliothek“ nehmen könnte und da vielleicht eine Vorstudie zu meinem nächsten Projekt, daß ja, um eine Frau namens Dorothea Wewerka gehen soll, die in einer Bibliothek wohnt.

Wir waren dann zu dritt, Ruth, Klaus Khittl und ich und haben lange über die Rolle der Literatur geredet, bis wir dann doch zu schreiben anfingen und das war diesmal, im Gegensatz zu den letzten zwei Malen, auch noch sehr intensiv, schlug Klaus Khittl doch vor, daß wir intensiver über die jeweiligen Texte diskutieren und jeder etwas Positives und was Negatives dazu sagen solle und das haben wir bisher eher nicht getan, sondern vorgelesen „Schön oder toll!“, gesagt und dann von etwas anderem zu reden begonnen. Was mir eigentlich sehr recht war, denn meine Erfahrungen vom „Arbeitskreis schreibender Frauen“ waren nicht so, als daß ich, die dort geübte Kritik, als konstruktiv empfunden hätte und in der Schreibgruppe der Gewerkschaft in der ich einige Zeit war, wurde auch nichts dazu gesagt, was ich als sehr angenehm empfand. Aber man lernt nur durch Feedback, da hat Klaus Khittl schon recht und so empfindlich bin ich nach vierzigt Jahren Schreiberfahrung auch nicht mehr und weiß ohnehin, was stimmt oder nicht, also habe ich zu meinem Erstaunen gesagt, ja machen wir das so!

Von Klaus Khittl kam dann der schöne Satz „Zur Bibliothek fallen mir nur Bücher ein“, er ist ja ein Sätzeschreiber und was soll man da positiv und negativ sagen?

Positiv, der Satz ist schön und  ich hätte ihn auch gern in meinem Text, zum negativen, er ist kein Text und die Ruth brachte wieder, was in der Gruppe ja oft geschrieben wird, eine Art Essay zu ihren Büchererfahrungen, mit einer überraschenen Wende, daß sie sie nach ihrem Tod verschenken will, worüber wir dann sehr lange diskutierten und ich habe wieder einen sehr langen Text geschrieben, den ich dann nicht recht lesen konnte und wo ich sicher noch zwei, dreimal drüberfahren hätte müßen, daß er einigermaßen zum Diskutieren wäre.

Es wurde aber dann sehr lang darüber geredet, ob man sich zum Kaffe oder aufs Klo begeben kann oder ob das zu überhöht, beziehungsweise schon eine ironische Brechung ist?

Sehr interessant und ich habe viel gelernt, denn eigentlich weiß ich ja noch nicht wirklich, was und worüber ich schreiben will.

Über die Begegnung mit den Büchern oder doch über Dorotheas soziale Situation? Der Satz mit dem „Bibliotheksgespenst“ ist schon aufgetaucht und eigentlich könnte  Dorothea auch woanders wohnen und eine Oberschicht oder bürgerliche Vergangenheit haben, also nicht nur eine ganz arme Frau sein.

Eine intensive kleine Schreibgruppe zum Adventbeginn und über den will ich ja auch schreiben.

Der Dezember ist ja auf meinem Blog immer eine Art Adventkalender, da hat bei mir schon Tradition, aber diesmal kommt mir vor, ist der Dezember bei mir schaumbegrenzt und wir wissen ja auch noch nicht wirklich, ob wir heuer einen Krampus oder einen Nikolo bekommen und den vielleicht auch noch zu Ostern mit einem Osterhasen wiederholen müßen.

Die Weihnachtsdekorationen sind aber schon hergeholt und am letzten Samstag, dem ersten Advent, waren wir auch  Punschtrinken in Nußdorf an der Traisen, der Adventkalender für die Anna ist gekauft und werde, nachdem ich im September meine Leseliste entrümpelt habe und jetzt trotzdem noch zu viel draufstehen habe, heuer wahrscheinlich  nur ein Weihnachtsbuch lesen, nämlich „Weihnachten im Weltall“ von meinem Kritiker Uli und das Adventwandern am Montag werde ich auch auslassen, weil es da im Literaturmuseum eineVeranstaltung über Ilse Aichinger und in der „Alten Schmiede“ wieder ein „DichtFest“ gibt.

Auf meinen Blog will ich Weihnachten aber nicht auslassen, denn da gibt es ja einen Adventkalender, nämich die „Nika, Weihnachtsfrau“ und da ich diesbezüglich sehr fleißig war, kann ich  schon einige Fenster präsentieren.

Daie Idee dazu ist mir ja schon 2013 bei den „Dreizehn Kapitel“ gekommen“ und dann habe ich schon zwei Fenster in den Dezember gestellt. Vor zwei Jahren, habe ich glaube ich, in der Schreibgruppe dazu eine Krampusgeschichte geschrieben und im Vorjahr eine andere zum Thema „Dämonen“, eine Szene in einer anderen Perspektive, aus der des alten Lehrers mit Parkinson, der eine Einkaufshilfe in der kleinen Jessica findet.

Zum fünften, achtzehnten und fünfundzwanzigsten  Dezember gibt es schon ein Fenster, aber die werde ich erst dann verlinken, jetzt genügt die Website, denn da gibt es ja den Beginn, als Leseproben.

Und für alle die sich nicht auskennen, die Nika Horvath, eine Germanistikstudentin verdingt sich im Dezember bei einem Kaufhaus auf der Mariahilferstraße als Weihnachtsfrau,  Fatma Challaki und ein afghanischer Flüchtling namens Hasan kommen vor, Nika findet ihre große Liebe, ihre Schwester bekommt ein Kind von einem Mann den sie nicht will und ihre Lebenspartnerin einen Toten in ihrer Praxis und das ganze wird wie ein Adventkalender von Tag zu Tag erzählt.

Meine Leser können sich von den Schnäppchen überraaschen lassen, wenn es sich ergibt, stelle ich auch ein neues Fenster ein, aber das Programm ist wahrscheinlich sehr dicht, habe ich ja noch einige andere Bücher zu lesen, wenn ich zumindest die Rezensionsexemplare auf meiner Leseliste schaffen und vielleicht doch noch zu der einen oder anderen Vicki  Baum kommen willl und man kann das Buch natürlich auch als Ganzes lesen, das ich vorigen Jahr im November während des Nanwowrimos geschreiben habe und jetzt, da wir ja keine Willkommenskultur mehr haben, auch nicht mehr so aktuell ist oder doch vielleicht und vielleicht auch interessant zu lesen, also werde ich im Dezember öfter auf meine „Weihnachtsfrau“ hinweisen, lade herzlich zum lesen ein und schaue was sonst noch passiert.

Abgesehen vom Punschtrinken und Vanillekipferlessen, gilt es ja auch noch den „Kroatienroman“ fertig zu korrigieren und das ist ja eine Sommer oder Frühlingsgeschichte und vielleicht fällt mir dann auch etwas zu meiner Bibliotheksbewohnerin ein.

Es gibt aber auch die „Auge-Weihnachtssfeier“, am Freitagabend und was das Netz betrifft den bewährten Adventkalender vom „Literaturcafe“ und „Aufbau“ heuer einen  mit der Weihnachtsgans Hermine, wo man, glaube ich, auch etwas gewinnen kann.

2016-07-30

Sommergeschehen

Daß der heurige Sommer mit den Sommerfrischenwochenenden ein wenig anders werden wird, als die vorigen, habe ich schon geahnt, bin ich ja nur für ein verlängertes Wochenende in Harland bei St. Pölten, wo ich dem Alfred an den Freitagen meistens helfe, die Thujen, die er abschneidet, wegzuräumen, am Samstag sind wir am Markt, am Sonntag auf der Rudolfshöhe, da bleibt nicht sehr viel Zeit für mein Schreiben, beziehungsweise dem Korrigieren der „Berührungen“.

Das habe ich dann in Wien, in den Zeiten wo ich keine Stunden habe, getan, habe da wieder gedacht, ich bin bald fertig und kann bald mit meinem Sommerroman „Claire Klara Clarisse“ beginnen, dann aber prompt Fehler um Fehler gefunden und da ich in der vorigen Woche ja einige Mails vom User Uli bekommen habe, der meinte, daß ich nicht schreiben kann und nur unverständliches Zeug fabriziere, bin ich in mich gegangen und habe angefangen, den Text laut vorzulesen, womit ich mit dem Korrigieren wieder am Anfang war und wahrscheinlich den Rest des Sommers damit beschäftigt sein werde.

Aber eigentlich habe ich das ohnehin so vorgehabt und ist mir bei meinen früheren Texten auch so gegangen.

Diese Woche hatte ich aber nicht viel Zeit dazu, denn am Montag habe ich dem Alfred nicht mit den Thuljen geholfen und bin auch nicht. wie die zwei Wochen davor in Wien gewesen, weil ich doch Stunden hatte oder der Alfred seine Begtriebratsitzungen, sondern wir haben einen Auflug in das Mühlviertel gemacht.

Einen alternativen Shoppingtag könnte man so sagen, denn der Alfred hat eine Sendung des bayrischen Rundfunks über das alternative Handwerk in Oberösterreich gesehen, dann sind wir zuerst in das Landbrauhaus Hofstetten gefahren, um einzukaufen, weil es im August wieder ein Geburtstagsfest geben wird,  dann waren wir in Lembach in einem tollen Bio-Restaurant Mittagessen, bevor wir zu „Naturfaser Fölser“, einem kleinen Betrieb in Helfenberg fuhren, wo sich der Alfred zwei Hosen bestellte.

Dann haben wir noch seinen früheren Arbeitskollen besucht, der in der Nähe mit seiner Frau einen alternativen Bauerhof betreibt, haben seine Schafe und seine Enten bewundert und Felizitas hat mir von ihrer Tante Maria Hauser erzählt, die eine Lokaldichterin ist und da bin ich darauf gekommen, daß ich mir aus Leipzig ein Buch von ihr mitbrachte, da dort der Stand der Oberösterreicher ja immer Gratisbücher zu freien Entnahme hat, das ich noch lesen muß.

Ja, das Mühlviertel ist, sowohl was den Genuß und die Naturfasern betrifft, als auch bezüglich der Literatur aktiv, hatte die Ruth ja auch einmal ihren Verlagssitz dort, als sie noch die „Edition die Donau hinunter“ betrieb und diesen Freitag und Samstag bin ich mit dem Alfred auf dem Hochschwab gewesen, etwas was mich fast ein wenig übernommen hat, aber auch sehr schön war.

Morgen werde ich mir den Text weiter laut vorlesen und hoffen bald damit fertig zu werden und die „Nika“ wird am Montag warhrscheinlich auch ausgeliefert werden.

So daß es eigentlich ein intensiver Juli gewesen ist, der mit dem „Bachmannpreis“ und der „Sommerakademie“ begonnen hat.

Bei einigen literarischen Festivals bin ich in Wien gewesen, habe mir zweimal die Ö-Töne und zweimal die „Podium- Sommerlesungen“ angehört, am Karlsplatz beim Filmfestival bin ich gewesen und vorigeWoche auch zweimal am Rathausplatz und im August wird es mit einem Ausflug nach Innsbruck und dem Besuch eines Hauermarktes weitergehen und natürlich auch mit dem Korrigieren der „Berührungen“, die ich wirklich hoffe einigermaßen fehlerfrei hinzukriegen, so daß es bald auch eine Vorschau mit einem „Mimikry-Gewinnspiel“ geben wird.

Das Cover mit den Bücher, die in dem Roman vorkommen, haben wir schon gemacht und die „Bierdosengeschichte“ aus der letzten Schreibgruppe werde ich verkürzt, als Beschreibungstext nehmen und ein schönes Gedicht von Richard Weihs wird es als Motto auch geben.

2016-05-15

Pfingststorming

Jetzt kann ich auf das übliche Pfingstprogramm hinweisen, daß in Harland aus der Radfahrt zum Pfingstfest nach Nußdorf an der Traisen besteht, als Studentin und junge Psychologin bin ich mit den logischen Denkern zum Pfingsttreffen nach St. Gallen in der Steiermark gefahren, einmal war ich in Wien und das gabs das Bachmann-Symposium, so daß ich mit einem netten Führer zu den Orten gefahren und gegangen bin, wo sie in Wien wohnte und der hat uns dann das Cafe Raimund gezeigt und gesagt, da hat einmal der Hans Weigel, der ja jetzt eine Tafel dort hat, einen Roman über sie geschrieben. Den habe ich seitdem gesucht und inzwischen (ohne den offenen Bücherschrank) gelesen und einen Lesemarathon habe ich einmal, als der Alfred auf Reisen war, auch gemacht und einmal habe ich einen Bücherstapel aus der Galerie Splitter auf den Judenplatz getragen.

Heuer sind wir wieder in Harland und das Wetter ist wieder nicht besonders schön, es ist eigentlich scheußlich, kalt und naß, was mich ja nicht so besonders stört, aber der Alfred jammert ständig und so habe ich in der „Schokolade“ auch einen „Wetternörgler“, der ihn zum Vorbild hat.

Was tut man an so einen Wochenende, außer am Samstag in der Regenjacke, wie gewohnt zum Markt fahren und dort ein Würstel oder wenn vorhanden einen Burger essen, eine Leberkässemmel steht auch zur Alternative, am Sonntag zu der Frau Herziger auf einen Kaffee bezeihungsweise ein Glas Wein und am Montag auf die Rudolfshöhe, aber dort hatte ja der Wirt im vorigen Jahr geschloßen?

An ein Pfingststorming habe ich am Freitag, als ich nicht schlafen konnte gedacht und mir die vorhandenen Alternativen ausgemalt, die hauptsächlich in einem Lese- und Schreibmarathon gipfelten und das habe ich dann auch  wenig spekulär getan.

Denn es gibt ja drei Schreibprojekte, um es mal, wie Annika Bühnemann ausdrücken, deren täglichen Vlogs ich mir ja seit Leipzig gerne ansehe und da ist am Donnerstag gerade rechtzeitig, so daß ich noch zum klinischen Mittag gehen konnte, wo es um das Trinken ging,  der Probedruck von „Paul und Paula“ gekommen und o Wunder, es gibt keine Fehler. Vielleicht habe ich was übersehen, aber ich habe es ja vorher zweimal dem Alfred wieder weggenommen und umgeschrieben, einmal um die Rückmeldungen meiner Testleserin einzuarbeiten, das zweite Mal um keine Personenrechte zu verletzten, jetzt kann es an die Druckerei gehen und wenn wir Glück haben, kommt das Buch schon vor dem Urlaub.

Das Probekapitel und das schöne Cover kann man sich auch schon ansehen und wenn man will noch die Gewinnspielfragen beantworten.

Dagegen hat mich das Fehlerteufelchen bei der „Nika“ noch immer nicht ausgelassen, so daß dieses Buch jetzt höchstwahrscheinlich nach der“Paula“ erscheinen wird, obwohl ichs ja im November beim „Nanowrimo“ geschrieben habe und die Transgendernovelle im Jänner, was aber gar nichts macht, denn es ja ohnehin ein Weihnachtsbuch beziehungsweise Adventkalender.

Und dann gibt es ja die „Berührungen“, die habe ich am Freitag eher lustlos, es gab in Ö1 ein Gespräch mit Renata Schmidtkunz und Klaus Amann über Christine Lavant, das ich mir anhören wollte,zum Korrigieren vorgenommen habe, da habe ich ja vorige Woche den Rohtext fertiggestellt, war eigentlich zufrieden und jetzt bin ich wieder über den Anfang gestolpert und  mir gedacht, das sitzt noch nicht so recht, da muß ich noch was ändern, aber was?

Da müßte ich vielleicht was umschreiben, den Beginn anders anlegen, da bin ich vielleicht zu schnell hineingesprungen, so daß nicht wirklich glaubhaft ist, warum die Hildegard keine Reise machen soll und die Anna Augusta zum Psychiater geht und dann könnte man es mir vielleicht auch wieder als Jammerrei oder larmojant auslegen und wirklich ausgefeilt ist das mit dem „berühren“ auch nicht….

Andererseits denke ich mir dann wieder, ist ja egal, wenn ich ohnehin keine Leser habe, schreibe ich es so, wie es mir gefällt und da stelle ich halt  meine Bücher und mein Schreiben vor.  Einige werden darin erwähnt und auch, daß die ausgeschriebene Anna Augusta schon so viel geschrieben hat, denn eine Reise kommt ja in den „Dreizehn Kapiteln“ vor, die depressive Thekla Morgenstern trifft die Jasmin im Park die ihr von der IS gefährdeten Selma erzählt, eine Agathe holt in der „Begrenzten Frau“ ihr ersparten von der Bank ab, um in den Waltd hinauszugehen und nicht mehr wiederzukommen, eine „Flüchtlingstrilogie“ kommt vor, etcetera

Interessant dazu vielleicht das Gespräch mit Klaus Amann, dem emeritierten Klagenfurter Literaturprofessor und Literaturarchivgründer, in dem auch erwähnt wurde, daß Christine Lavant irgendwann zum Schreiben aufgehört hat und, daß das viele Autoren tun, weil sie mit dem Druck endes zweite Jahr ein Buch schreiben zu müssen nicht mehr mitkommen und irgendwann, wenn man vierzig Bücher geschrieben hat ist man vielleicht auch ausgeschrieben und beginnt sich zu wiederholen. Martin Walser hat Klaus Amann angemerkt, schreibt zwar auch in den Neunzigern fleißig weiter, aber das wurde ja auch schon kritisiert und wiederholt sich, glaube ich, auch.

Nun ja , das Schreiben ist mir wichtig, obwohl ich keinen Erfolg habe es niemand außer mir bemerkt wahrnimmt und als interessant befindet, aber ich schreibe wahrscheinlich auch, entgegen der Ratschläge, die man in den Schreibratgebern und Marketingkursen für Autoren, hören kann, eher für mich, als für die anderen, sollte den Text aber trotzdem  noch  gründlich korrigeren und bearbeiten, den Anfang wenn ich es zusammenbringe, vielleicht doch noch umschreiben, etcetera.

In Harland, wo ich keine Drucker habe, muß ich das Ganze durchgehen, in Wien kann ich es wieder Szene für Szene machen und vielleicht bringe ich es hin, daß es mir gefällt.

Aber es ist mein über vierzigstes Buch und die Themen wiederholen sich, denn man schreibt ja immer dasselbe Buch, sein Leben lang, daß das nicht von mir, sondern von Doderer ist, weiß ich inzwischen und da bin ich schon beim nächsten, nicht nur Pfingstschwerpunkt und da habe ich mir jetzt auch  Doderer als Ziel gesetzt, beziehungsweise die Dtv- Taschenbüchlein aus den Achtzigerjahren, die Wasserfälle von Slunj“ und die „Merowinger“, die ich in Harland habe und ich habe außer dem „Doderer-Buch“ und den „Dämonen“ keine anderen „Doderer“ in meinen Regalen, obwohl ich im Gedächtnis hatte, daß ich mir den in der Studentenzeit sehr viel kaufte und gelesen habe.

Mit den „Merowingern“, die ich ja  angelesen habe, habe ich auch schon begonnen, die „Wasserfälle“ passen irgendwie in den Urlaub, weil sie in Kroatien sein dürften und Stefan Zweig habe ich auch noch ausgelesen. Da gibt es im Juni auch einen Film, wo  Josef Hader seine Rolle spielet und den ich mir vielleicht ansehen kann.

Das alte Bücher lesen ist sehr interessant, bezüglich Zweig habe ich ja noch den „Fouche“ in Wien liegen, „Brasilien“ soll auch noch kommen und ich könnte auch wieder habe ich gedacht zur Bücherzelle beim Viehofener See und nachschauen, ob mir da einer die „Strudelhofstiege“ oder „Die Sternstunden der Menschheit“ hineingelegt hat.

Das wäre ja auch so eine Idee für einen Pfingstmarathon, ein anderer wäre nach Wilhelmsburg oder nach Traisen fahren und dort ein wenig shoppen und das Baden mit den vielen Durftölen, die mir die Anna immer zu Weihnachten schenkt, gibt es natürlich auch, denn ich bin ja eine Badewanneleserin und in meine Bücherregalen kann ich mich auch umsehen, staunen, lesen, umsortieren, etcetera.

Es scheint also ein etwas leises Stürmen zu werden mit der Hoffnungen meine Begrenzungen ein wenig aufzulösen, mit dem Berühren vielleicht besser zu werden, meine Bücher und die Themen über die ich noch schreiben könnte, zu ordnen und am Montag fahren wir auch schon früher zurück, weil der Alfred am Dienstag immer seinen Betriebsausflug hat.

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