Literaturgefluester

2017-04-08

Ach, Wien

Filed under: Bücher — jancak @ 23:19
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Während meines Pendels von Harland nach Göttweig oder Krems, lese ich Maximilan#bezirkowitschZirkowitschs „Hommage an das Zufällige in der Stadt“, ein Büchlein aus, wie könnte es anders sein, dem „Holzbaum-Verlag“, denn das ist der junge Mann, der bei den Präsentationen von „Kafee“, Frühstück“ etcetera „in Wien“ mit einem Bällchen an der Spitze steht, es in die Menge wirft und nachher an die glücklichen Gewinner Goodietüten verteilt.

Das Buch des Fotografen, der durch die Stadt marschiert, den Alltag abknipst und seine Geschichten dazu schreibt, scheint es schon länger zu geben, denn Maximilian Zirkowitsch hat beim „Buchquartier“ im Dezember daraus gelesen. Jetzt ist es auch zu mir gekommen und so kann ich, bevor es zur Sektmartinee nach Krems geht, ein bißchen darin schmökern und meinen Flüstereindruck geben.

„Maximillian „Bezirkowitsch“-Zikowitsch fotografiert gern komische Alltagsbegebenheiten, die Geschichten erzählen. Seine liebsten Bilder hat er hier gesammelt. Herausgekommen ist ein Stadt- und Landportrait der etwas anderen Art, eine Liebeserklärung an den Alltag“, steht am Rücken  des achtundvierzig Seiten Heftchens das um wohlfeile fünf Euro zu haben ist.

Also gehen wir es an und schauen hinein:

„I love  VOLKSTOD“ steht auf einem Pickerl. „Wien 15; Märzstraße #RHSH bleibt real und hat keine Angst“, hat Maximilian Zirkowitsch draunter geschrieben.

„#Opfa“ ist offenbar ein beliebter Hashtag-Index, denn da gibt es ein überklebten H.C.Strache-Plakat. Am Donaukal steht „I love you“ auf einen Stein und auf einem anderen „Opfa-Foto“, ist „Dein Vater“ zu lesen.

Weiter geht es mit den „Maggi-Suppen“, die offenbar ihre Faschingseditionen haben. „Prinzessinnn“ und „Feuerwehr“, steht auf den rosa und blauen Tüten.

„Jetzt neu im Angebot: schwule Suppe und Heterosuppe“, hat der Bezirksflaneur dazugeschrieben.

Es gibt Fotos von Kinderwägen und eines, wo auf der Kleiderbox der „Caritas“ das Wörtchen „kills“ dazu geschrieben steht und für alle, die es noch nicht wissen: „NOTHING WILL MAKE YOU PERFEKT EXCEPT ALLAH“.

„Aha!“

Und wenn man wissen möchte, was Maximilian Zirkowitsch von der Werbung hält;: „WILLST DU GUT UND BILLIG KAUFEN, MUSST DU ZUM SOCKENKAISER LAUFEN“

Wiederum „Aha!“ und weiter in dem Alltagsbüchlein, das nicht nur Fotos, sondern auch Texte anzubieten hat.

In einem, den Maximilian Zirkowitsch, glaube ich, auch im Museumsquartier gelesen hat, geht es, um den Fund einer „Seekuh“ in seiner „Heimatgemeinde Bad Vöslau“.

Es gibt aber auch politische Texte, beziehungsweise solche, die sich mit den Zeitungsmeldungen nach den Terroranschlägen in Frankreich von 2015 beschäftigen und sehr erbaulich, das Alltagsgespräch zweier künftiger Sozialarbeiter: „In welchen Bereich soll ich als Sozialarbeiter gehen, wenn die FPÖ Präsident und Kanzler stellt und alles kürzt?“ Sozalarbeiter im Burnout „Gefängnissozialarbeit“

Zum dritten Mal aha und alles ändert sich oder doch nicht so ganz, beziehungsweise sind wir noch nicht so weit und als die Neonazis von der Polizei in Plauen in der Höhe der Karl-Marx-Grundschule von der Polizei mit Wasserwerfern gestoppt wurden, haben sich die Kinder mit Zäunen auf den Plakaten gewehrt.

Es gibt also auch ein bißchen Hoffnung in unserem neoliberalen Leben und Facebool-Postings von unserem Alltagsmeister, der offenbar auch U-Bahn fährt, gibt es natürlich auch.

Denn da will eine junge Mutter ein Kind beim Ausziehen stoppen, schreit es an und erklärt den staunenden Passanten „Ich glaub nicht, dass die Leute das sehen wollen.“ Das Kind bleibt unbeirrt bei seinem Vorhaben. Darauf wird sie wieder lauter. „Hast du die Mama schon einmal so was machen gesehen?“ Das kind schaut und murmelt „Ja.“ „Da prustet eine alte Frau neben mir los „Heit is haaß, Leiite denkt nix!“, hat Maximilian Zirkowitsch offenbar dazu geschrieben und macht sich auch Gedanken, wie man den „Bachmann“ oder sogar den „Mörike-Preis“ mit Hilfe seines Handies gewinnen kann.

„Aus meinen ganzen ‚Autocorrect Fehlern könnte ich auch einen lyrischen Text machen“,gibt es dazu zu lesen, den Rest müßte man sich wohl anschauen, um ganz zu verstehen.

Spannend  also in Maximilian Zirkowitsch literarisches Nähkästchen zu sehen und mit ihm auf eine Wiener Alltagstour zu gehen.

Ob es auch eine Buchpräsentation gegeben hat, in dem man, wenn man das Bällchen fing, das Buch gewinnen konnte, weiß ich nicht.

In dem Bananenblatt übers Reisen, habe ich aber, glaube ich, auch eine diesbezügliche Werbung gesehen und jetzt auf  nach Krems, wo ein bißchen „geFIANT“ und „geJANDELT“ werden wird, was wohl auch zum  literarischen Alltag von Wien gehört.

2015-11-14

Wien in leiwanden Grafiken

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt wieder ein Buch aus der „Holzbaum-Produktion“ und es ist ein „ur-leiwandes“ oder wer hat schon einmal ein Buch gesehen, das hauptsächlich aus bunten Kugeln besteht?

Aber dieses Buch, man kann es wahrscheinlich sowohl rasch durchblättern, als auch die Texte zu den bunten Kugelchen genau studieren, hat es in sich und ist wahrscheinlich als Erholung nach einem mehr oder weniger anstrengenden Longlistenlesen, das ich  gerade hinter mir habe,  zu empfehlen.

Man lernt sehr viel über Wien  und kann sich auch noch gehörig über die Wiener Mentalität lustig machen.

Also ein Gang durch das Buch und, wenn es mir gelingt, ein Zitieren der lustigsten Grafiken. Falls mir das nicht gelingen sollte, ist die Lektüre des Buches sehr zu empfehlen.

Im „Shop der komischen Künste“ kann man es bestimmt erwerben und dazu gibt es auf der letzten Seite auch ein buntes Kugelchen und noch eines eine Seite weiter vorn, das erklärt, daß die Texte des Buches schön gleich verteilt von Clemens Ettenauer, der auch der Herausgeber ist und der, wie ich kürzlich erfuhr, auch  bei „Proverbis“ veröffentlicht, Elisabeth Geiderer, Johanna Bergmayr, Katja Ettenauer, Nadine  Obermüller und Sophie Pichler, während die Graphiken nur von Lena Kothgasser sind.

Aber nun nach vorn und da kann man gleich erfahren, wofür der Wiener Opernball weltberühmt ist. Wer weiß es? Vielleicht gibt es bei der Präsentation ein Buch zu gewinnen, wenn man es weiß, ich werde es also nicht veraten.

Aber vielleicht man schon erlebt, daß die Straßenbahn nie zu spät kommt, wenn man zum Zahnarzt muß oder die Fahrscheinkontrolleure bevorzugt am ersten Tag des Semesters, wenn die Studenten noch nicht ihre Netzkarten haben, kontrollieren?

Wieder eine Frage, die man mit dem Buch nachprüfen kann. Gehen die Leute wegen der Kultur oder wegen dem Esen ins Museumsquartier?

Vielleicht tun sie es ja wegen der „Ohrenschmaus Preisverleihung“ am ersten Dezember oder ins „Shop der komischen Künste“, um sich das Buch zu kaufen dorthin.

Auf der Wiener Mariahilferstraße wird man oft von Fundraisern oder Keilern, aber selten von Bekannten angesprochen, behauptet die Graphik und spannend wieder die Frage, was man am meisten mit seinem neuen Fahrrad macht?

Durch die Gegend fahren oder eine Diebstahlsanzeige machen?

Und wer  bestellt am Würstelstand eine „Eitrige mid an Burgl und an Sechzehna Blech?“

Ich nicht, füge ich, vorlaut hinzu, aber ich esse ja selten eine Burenwurst an einem Wiener Würstelstand, sondern jeden zweiten Samstag eine Käsekrainer am Markt von St. Pölten und die bestellt mir dann der Alfred.

Lustig oder ein bißchen ernster, der Unterschied, was die Wiener studieren und wo es Jobs für Akademiker gibt.

Und glauben, die Touristen wirklich, daß sich die Wiener alle im Fiaker fortbewegen oder tun das nur die Japaner oder die, die einen Reiseführer, wo das drin steht, lesen?

Wieder eine Zehnerfrage, ob man die meisten Politiker beim Heurigen oder im Paralent trifft und spannend wird wahrscheinlich die Antwort nach der Religionsgemeinschaft der Wiener sein.

Auf die Frage, was die FPÖ, den Wienern bringt, gibt es ein leeres Blatt zur Antwort.

„Glauben das die Wähler auch?“, könnte man vorwitzig fragen. Aber die letzte Wien Wahl war ja nicht so schlecht. Also weiter durch das Buch, um sich zu informieren, wann die Wiener nach Schönbrunn gehen? Wann ins Museum und das wird alles auch beantwortet und durch ein schönes buntes Kugelchen belegt.

Wer weiß mehr über den Wiener Stephanstrum, die Volksschulkinder, die das wohl in der Schule lernen oder die Touristen, die durch ihre Führer dorthin getrieben werden und  trifft man Toni Faber, Anmerkung für Nichtwiener, das ist der Dompfarrer, öfter auf einer Party oder im Stephansdom an?

Die leiwanden Grafiken behaupten, die Antworten zu wissen und verraten uns auch, wer glaubt, daß die Sachertorte „urlecker“ ist und welche Marmelade dafür verwendet wird.

Worüber sudern die Wiener am meisten? Was halten sie vom Wetter? Das wird ausnahmsweise in einer anderen Graphikart festgestellt.

Ist jetzt Thomas Brezina oder Thomas Bernhard der berühteste Wiener Schriftsteller?

Das ist wahrscheinlich eine Altersfrage, denn Thomas Brezina ist ja eine Jugendbuchautor und, daß man mit „Dixie Traubenzucker“ gratis in den Tiergarten kommt, habe ich nicht gewußt.

Also durch  die leiwanden Grafiken und dem „Holzbaum-Verlag“ wieder was gelernt und gelacht hat die ja nicht so besonders Humorvolle über dieses Büchlein auch.

Ja der „Holzubaum-Verlag“ lehrt das Schmunzueln und ist, wie schon erwähnt zwischen dem Longlisten- und dem Leselistenlesen sicher zu empfehlen und viele bunte Bildchen beziehungsweise Graphiken, gibt es für die, die leichter lesen wollen, auch.

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