Literaturgefluester

2018-02-04

Schnackseln wie ein echter Wien

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Ich bin ja mittlerweile eine „Holzbaum-Spezialistin“ und habe viele, nicht alle Publikationen dieses kleinen, aber feinen Verlages, der sich  2012 bei mir gemeldet hat und mir fortan seine Bücher anbietet, gelesen.

Zuerst waren noch ein paar literarische Publikationen dabei, dann kamen die Cartoons und die „Unnützen Wien-Bücher“ in allen Varianten und Formen. Graphiken und Sprachführer sind auch dabei.

Für jeden Geschmack etwas könnte man sagen und  durch „Holzbaum“ zumWienspezialisten werden. Denn da gibt es mittlerweile sehr viel und so kann man inzwischen nicht nur „Schimpfen wie ein echter Wiener“, sondern von dort auch das „Schnackseln“ lernen, beziehungsweise wieder viel über Wien,  seine erotischen Begegnungen in Kunst, Musik und Architektur erfahren und- das kann ich auch noch erwähnen, es passt zufälligerweise hervorragend zu meinem zuletzt gelesenen Buch, nur daß die Erotik hier sinnlicher beschrieben wird und der Sex lustvoller ist.

Aber eigentlich geht es hier aber auch nicht darum, sondern eher, um das erotische Wien und ein kleines Vokabular wie der Wiener den Geschlechtsverkehr nennt, gibt es auch.

Denn man kann ja hier vögeln, ficken oder pudern oder eben schnackseln, der, wie das Buch behauptet, sanfte freundliche Wiener Ausdruck für den Geschlechtsakt, der daher kommt, daß beim „Liebessport“ die Bettstatt manchmal ordentlich wackelt oder zum Schaukeln kommt.

Die Sinnlichkeit wird in dem Buch mit dem Barock in Verbindung gebracht. Aber halt, das ist nicht weit entfernt von Maria Theria, die zwar sechzehn Knder hatte, also wohl auch öfter GV betrieb, aber gleichzeitig eine Sittenkommission einführte, die die Wiener in ihrem Liebesleben beschnüffelte und ordentlich vernaderte.

Maria Theresia hatte auch einen Sohn, nämlich den berühmten Josef II und der soll am Spittelberg, wo es  das Amerlinghaus gibt, aus einem Bordell hinausgeflogen sein.

Aha, sehr interessant, wie auch die Tatsache, daß sich am berühmten Wahrzeichen Wiens, dem „Steffel“ Sexsymbole am Eingang befinden, was mag sich da wohl der Baumeister gedacht haben?

Also vielleicht doch einmal für einen kulturellen oder auch erotischen Besuch nach Wien kommen. Und damit man das  gut informiert tun kann, befinden sich im Buch gleich die besten Sexadressen. Denn da gibt es ja das „Orient Hotel“, für die Liebesstunden und es werden auch Lokale angeführt, in denen man  gut essen kann.

Manche haben einen schönen Ausblick auf die Stadt, wie die Villa Auroraam Wilhelminenberg. Da waren wir auch schon einge Male und haben mit der Anna und der Hilde Schmölzer Geburtstag gefeiert. Da war natürlich nicht erotisch. Aber dort gibt es auch einen schönen Park und da können  die Paare des Nachts herumflanieren und mit ihren Date beginnen.

Aber wie fängt man es an? Was sagt man zu der schönen Frau, deren Augen sind so blau? Richtig, da gibt es Anbahnungslieder von Falco, erster allgemeine Verunsicherung bis zum Nino aus Wien.

Wenn man die Liebste zu Hause antörnen will, kocht man ihr am besten heiße Chilli Schokolade und trinkt sie aus einer Tasse. Das Rezept ist natürlich angefügt und schöne scharfe Illustrationen gibt es auch.

Ein  paar Ausdrücke aus der Sex Anmach Sprache gefällig?

Also was sind Duttln, Gigaritschn und Gogerln?

Mit einem Ausdruck hätte ich allerdings Verständisschweirgkeiten, da für mich „in die Kisten hüpfen“ gestorben sein, beziehungsweise die Kiste nicht das Bett sondern der Sarg bedeuten würde.

Aber gut, der 71, der zum Zentralfriedhof fährt, wird ja auch als Anbahnungsort beschrieben.

Man kann es auch in der Gondl im Riesenrad machen aber da muß man sich beeilen, weil eine Runde übern Wiener Prater nur etwa zehn Minuten dauert und will man es im Park oder in der U-Bahn treiben, muß man aupfassen von der „Kieberei“ nicht erwischt zu werden und eine Strafe wegen Errregen öffentlichen Ärgernisses zu bekommen. Das ist vielleicht noch ein Überbleiblsel aus Maria Theresias Zeiten.

Und die Erotik in der Literatur? Natülich ja, die ist in einem literarischen Blog selbstverständlich auch nicht zu vergessen. Also so viel ich weiß, weiß man noch immer nicht so genau, ob Felix Salten jetzt wirklich die „Josefine Mutzenbacher“ geschrieben hat.

Das Buch ist aber sicherlich empfehlenswert, um zu erfahren, wieviel Mißberauch und Gewalt, die süßen Mädeln von anno dazumal aus den unteren Schichten ausgesetzt waren.

Und da sind wir schon bei Arthur Schnitzler. Der hat den Reigen 1920 geschrieben, die „Liebelei“ auch und dort gibt es ja das süße Mädel.

Die Marianne aus den „Geschichten aus dem Wienerwald“ wird in dem Buch nicht erwähnt. Also füge ich sie hinzu und eine kleine Sexgeschichte, wie sich der im Laufe der Jahrhunderte von der Keuschheitspolizei bis hin zur sexuellen Freihzügigkeit der 1968 verändert hat, gibt es auch  und dann natürlich einen kleinen Ausflug durch das lesbische und quere Wien.

Das gibt es ja auf der Wienzeile, die berühmte „Rosa lila Villa“ mit dem Cafe Willendorf und Dessousgeschäfte und Sexshops gibt es natürlich auch und ein Kapitel mit dem unnützen Sex-Wissen, womit sich der Reigen wieder schließt und man vermutlich sehr viel über das erotische Wien von anno dazumal bis 2017 oder 18 erfahren hat.

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