Literaturgefluester

2020-05-12

Kanzleimord

Filed under: Bücher — jancak @ 00:31
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Nun kommt zu „Rund um die Burg“ passend, wo ja auch einige vorgestellt wurde, ein historischer Krimi, Wien Ende des neunzehnten Jahrhunderts, aber nicht von Gerhard Loibelsberger, Andreas Pittner oder Edith Kneifel geschrieben, sondern von der in Ostösterreich geborenen in Kärnten lebenden Gudrun Smole, die  bei „TEXT/RAHMEN“ schon 2016 „inspektor Cohns ersten Fall  herausgegeben hat.

„TEXT/RAHMEN“ ist ein mir eher unbekannter Verlag, auf der letzten „Buch-Wien“ hat an Bloggern aber ein Buch vergeben, da mir die am Stand ausgestellten Neuerscheinungen, ich gehe ja eher von den Autorennamen aus, nichts sagten, habe ich den Krimi gewählt.

Ihn dann vorerst liegengelassen. Danach in die Leseliste aufgenommen, ja irgendwie ein Rezensionsexemplar und auch nach Salzburg und jetzt am Muttertagswochenende in Harland gelesen und ich muß sagen, das Buch war interessant, das schon in der äußeren Aufmacheung, weißes Cover mit blauer Umrandung und schwarzer Schrift wohl eher in die konkrete Galerie des Herrn Lindners als zu einem historischen Krimi passte und Gudrun Smole schreibt sehr langsam und sehr genau.

Man denkt, sie müßte eigentlich viel schneller mit dem Erzählen fertig sein, denn eigentlich passiert ja nicht sehr viel, außer, daß zu Pfingsten zu Ende des Neunzehntenjahrhunderts in einem Haus in der Reichsrathstraße, der Rechtsanwalt Friedrich Rothenberg und seine Haushälterin Frau Woyda erstochen aufgefunden werden.

Das heißt gefunden wurden sie erst später, als es schon im ganzen Haus entsetzlich stank und der Chefinspektor, der im Moment Strowitwer ist, weil seine Frau Milena und seine kleine Tochter bei den Schwiergereltern aushelfen muß, befragt zuerst das Dienstmädchen Franzi einer senilen Frau Baronin, die im dritten oder vierten Stock des Hauses lebt. Das ist, glaube ich, sehr gut recherchiert und auch erzählt und man kann sich die damalige Athmospäre ganz gut vorstellen.

Der chefinspektor hat drei Subinspektoren, darunter einen jungen, den er einweisen muß. Er trinkt gern Bier und geht mit seinen Leuten oft in die Lokale Mittagessen. Er muß sich auch mit seinem Chef herumschlagen und über andere Vorgesetze ärgern.

Seine Verhörmethoden bestehen im Wartenlassen der Delinquenten und da ist der Hauptverdächtige ein Walter Lechner, der Sekretär des Rechtanswaltes, der ist ehemaliger Offizier und Spieler, hat eine schöne junge Frau, die ihm geistig über ist und wurde an dem bewußten Wochenende auf den Semmering geschickt, wo der Rechtsanwalt ein Hotel hatte.

Der befaßte sich mit Immobilien und Spekulationen und hatte mit den meisten Frauen seiner Klienten ein Gspusi.

Er hatte auch eine alte Mutter, die ihn unterdrückte und kaufte im Vorort Hernals, wo ich ja aufgewachsen bin, sämtliche Zinshäuser auf oder ließ sie billig bauen. Gudrun Smole erzählt hier auch von den Bettgehernn und der Wohnungsnot und eine Spur führt auch nach Hernals.

Denn da wurde ein armes Paar, das nicht zahlen konnte von der Haushälterin Frau Woyda, deren Küche übrigens auffällig dreckig war, delogiert. Der Mann kommt bei einem Fluchtversuch ums Leben. Der junge Inspektor Pokorny ist  daran schuld und es gibt in der eher langsam vor sich hinschwappelten Handlung auch einige originelle Momente.

Zum B,eispiel die wo die Inspektoren vom fetten Dienstmädchen der alten Frau Rothenberg von ihr unbemerkt zu den Akten geführt werden und die dann auffälligen Lärm machen, vom Dienstmädchen aber beruhigt werden, das seiner Herrin einfach ein schlafmittel gibt, so daß sie sich an das Geschehen nicht mehr erinnern kann.

Ein interessanter farbenprächtiger Krimi, der mich, wie ja auch Andreas Pittlers „Chuzpe“, die ich ja gerne in das Wien des vor oder sogar schon vorvorigen Jahrhundert eintauchte, trotz oder vielleicht sogar wegen seiner Langsatmigkeit beeindruckt hat und für mich eine große Überraschung war.

Ob es schon einen zweiten Fall gibt, weiß ich nicht, er würde mich aber  interessieren.

2020-05-09

Hedy Lamarr

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Jetzt kommt eines der Bücher, das ich als Bloggerin von der letzten „Buch-Wien“ bekommen habe, denn da gab es ja spezielle Bloggeraktionen, bei zwei Verlagen konnte man sich ein Buch holen, darunter bei „Styria“ und da ist die bei „Molden“ erschienene Biografie, die die Wien-Museums Mitarbeiterin Michaela Lindinger über, die 1914 geborene und 2000 gestorbene Hedwig Kiesler, die als Hedy Lamarr, „Filmgöttin, Antifaschistin und Erfinderin“ in die Geschichte eingegagen ist.

Inzwischen gibt es auch einen Hedy Lamarr -Preis und einen Hedy Lamarr-Weg im zwöften Wiener Gemeidebezirk und Michaela Lindinger zeichnet ein durchaus kritisches Bild von der „Schönsten Frau der Welt“, wie sie von Max Reinhardt einmal genannt wurde.

Geboren ist sie in Wien, in der Osterleitengasse, in dem auch Paula von Preradovic einmal lebte, ihr Vater war Bankdirektor und hat laut Michaela Lindinger die kleine Hedy, die gerne schwimmen ging, sehr verwöhnt.

Sie ging kurzfristig ins Billrothgymnasium, war aber laut ihrer Biografin eine nicht sehr bemühte Schülerin, wollte Schauspielerin werden, war sechsmal verheiratet und hatte viele Liebhaber.

Mit Sechzehn drehte sie, glaube ich, den Sexfilm „Extase“ wo sie nackt durch die Lleinwand beziehungsweise einen Wald rannte und mit dem männlichen Darsteller mit dem sie auch befreundet war, echten Sex praktizierte.

Das brachte den Herrn Papa wohl zur Verzweiflung. Sie flüchtete 1937 vor ihrem ersten Ehemann nach Amerika, wurde dort Hollywooddiva, mehrere Ehen folgte und die Erfinung, eine Frequenzsprungtechnik zur Spionageabwehr, wurde  wohl  auch berühmt. So habe ich den Namen, glaube ich, auch 2003 kennengelernt.

Sie hatte zwei Kinder, die unter der exentrischen Mutter wohl zu leiden hatten, der Sohn Antony versuchte sie aber zu vermarkten, war medikamentenabhängig und später in den Sechzigerjahren wurde sie auch wegen Ladendiebstahls mehrmals verurteilt.

Es gab mehrere Schönheitsoperationen, die die schöne Frau laut Michaela Lindinger zuletzt sehr verschandelten. Ein Ehrengrab am Zentralfriedhof und vorher  eine Autobiografie oder eine  Biografie von zwei Ghostwritern geschrieben, die das Skandalöse noch einmal herausstrichen und sehr viele schöne Fotos von der schönen Frau, schon deshalb ist das Buch wahrscheinlich sehr zu empfehlen, dem auch eine Postkarte beilegt ist, auf dem ein Lamarr Zitat „Ich hasse Konventionen“ zu lesen ist.

Eine sicher interessante Frau, eine interessante Biogragfie, ein auch optisch auffallendes interessantes Buch und Peter Turrini ha,t glaube ich, auch ein Theaterstück über Hedy Lamarr oder Hedwig Kiesler, dem „Weltstar aus Wien“ geschrieben.

2019-07-27

Das goldene Palais

Jetzt kommt ein Gesellschaftsroman des Fin Sciecle, der in den ersten Weltkrieg mündet, geschrieben von der 1980 geborenen englischen Autorin Satasha Solomons, die Drehbücher und schon fünf Romane geschrieben hat.

Es beginnt in Wien, im April 1911, wo die angesehene Bankiersfamilie  Goldbaum ein rauschendes Fest veranstaltet, da die zwanzigjährige Greta, Tochter des Hauses, an ihren Cousin, Albert, den sie noch nie gesehen hat,  nach England verheiratet werden soll, denn das Bankhaus Goldbaum ist in ganz Europa verstreut und heiratet unter sich.

Greta will das zwar nicht sehr, sucht sich aber auf die Frage, wie sie sich ihre Hochzeit wünscht, nur die Sorte der Blumen für den Brautstraußes aus, die es dann in England nicht gibt und ist für ein Mädchen aus den besten Kreisen sehr übermüdig und eigenwillig, so zieht sie sich, die von der Mutter zu klein besorgten Ballschuhe aus und planscht mit ihrem Bruder Otto, der sich für die Sterne interessiert, aber natürlich in die Bankgeschäfte einsteigen muß, im Springbrunnen herum, während hinter dem Palais sich der obdachlose Karl, der in den Kanälen lebt, anstellt, als die Reste des Diners, an die Armen verteil werden.

Gretas Eigenwilligkeit geht so weit, daß sie einen Brief an Albert schreibt, in dem sie ihn auffordert, da er auf die Ehe  verzichten soll. Dann heiratet sie ihn doch. Es dauert aber über ein Jahr bis sie ihre Jungfräulichkeit verliert und zwei Kinder zur Welt bringt.

Albert ist ein Schmetterlingsforscher, die Mutter Adelheit auch aus Ögterreich oder Deutschland stammend, hegt und pflegt ihre Gärten und Greta tut ihr das nach, dazu engagiert sie Gärtnerinnen, die in Reithosen auftreten, was Lord Goldbaum sehr erzürnt, der hat aber noch mit seinem anderen Sohn, dem dicken Clement, Schwierigkeiten, als der sein Geld verspielt und Schulden macht.

Der erste Weltkrieg naht und bringt Veränderungen in die jüdische Bankiersfamilie.

Albert muß für die finanhzierung des Krieges sorgen, Otto wird eingezogen, bekommt den obdachlosen Karl, der inzwischen sein jüdisches Geschlecht entdeckte, als Offiziersburschen,  wird verwundet und später in die russische Kriegsgefangenschaft geschickt.

Er und Albert gelten als vermißt, als seine Schecks, die die russischen Ärtze von ihm erpressen, nicht mehr ankommen. Albert scheint auf der Schiffsfahrt von Amerika nach England zu ertrinken, kommt aber doch zurück, so daß er seine kleine Tochter und seinen Sohn kennenlernen und die Geschicke des Bankhauses weiter und, füge ich hinzu, in einen zweiten Krieg führen kann, der ja alsblad kam und die Familie wahrscheinlich auch in Schwierigkeiten brachte.

Natasha Solomons scheint für ihr Buch sehr gut recheriert zu haben, so kann ich, wenn unter dem goldenen Palais das Haus des Barons Goldbaum in Wien gemeint gemeint ist, das Palais wilczek in der Herrengasse, wo sich die „Gesellschaft für Literatur“ befindet, recht gut erkennen.

Allerdings scheint es in der Nähe eines flußes angesiedelt zu sein und die Donau sowie deren Kanals, sind ja etwas weiter entfernt.

Der Untergang der Titanic , der die Gesellschaft irritierte, wird geschildert, aber natrlich auch das Treiben der Pflanzen und der Schmetterlinge, die Greta sogar fängt, um ihren Gemahl zu imponieren und ihn in ihr Bett zu bringen, denn Nachfolger müssen ja sein, obwohl die Baronin ihrer Tochter am Hochzeitstag zur Sicherheit ja beigebracht hat, daß sie das „Unerfreuliche“ an einer Ehe schon überstehen wird, wenn sie ihn, wie eine gute Frau das tut, jedes dritte Mal abweist.

Und über den ersten Weltkrieg habe ich ja vor kurzem erst etwas aus russischer Sicht gelesen.

2018-11-16

Selbstbild mit russischen Klavier

Filed under: Bücher — jancak @ 01:08
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Weiter gehts mit der allgemeinen Literatur, wir bleiben in Österreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort.

Das Letzte das ich vor neun Jahren von ihm gelesen habe, „Mozarts Friseur“ spielt auch dort und es ist mir beim Lesen ein wenig seltsam gegangen. Denn eine sehr schöne poetische Sprache führen durch die Kapitel und das Buch, in dem es um einen Schriftsteller oder ein Ich, das wird gar nicht so so genau erklärt, geht, der in einem Wiener Kaffeehaus oder eigentlich ist es die Pizzeria „La Gondola“ am Siebenbrunnenplatz, einen alten russischen Musiker namens Suvorin trifft und der eine erzählt, daß der andere ihm sein Leben erzählt.

Beides in der Ich-Form, so daß es gar nicht so leicht ist, die Erzählebenen zu unterscheiden und sich auszukennen und Handlung hat das Buch ebenfalls eigentlich keine. So daß ich zwar nicht soviel spoilern kann, aber vielleicht wieder eine Rüge bekomme, daß ich wesentliche Dinge ausgelassen mich nur im Details festgehalten habe.

Es ist ein leichtes lockeres Plaudern über Gott und die Welt könnte man so sagen und manchmal ist es auch ein Geschimpfe, beispielsweise über Wien, daß dort die Post zwei Wochen braucht, um Briefe zuzustellen und, daß die Fenster in den Wohnungen so zügig sind, daß man mit Westen schlafen muß.

Das betrifft, denke ich, höchstens die Altbauwohnungen und es ist in gewißer Weise auch ein „altmodisches Buch“, das viel von Musik handelt, denn jener Suvorin, ein alter kranker, ich glaube auch ungepflegter Mann, dem die Ärzte das Trinken und das Rauchen verboten haben, war ein, ich glaube wieder, berühmter Pianist, der das Klavierspielen längst aufgeben mußte, aber immer noch von Bach, Beethoven und Heinrich Schiff schwärmt.

Sehr beeindruckt hat mich, um bei den Details zu bleiben, die Stelle, wo der Musiker, „in Wien habe man das Gefühl, daß es nur zwei Sorten Russen gebe, Millionäre und Musiker“, wird zitiert,  den Applaus nach einem Konzert haßt. was ich verstehen kann, daß das einen sensiblen Menschen irritieren kann, wenn er sich in seine Musik vertieft und dann auf einmal geht der Lärm und das Geklatsche, das Bravo rufen los. Das kann einen wahrscheinlich  aus der Stimmung herausreißen. Deshalb will er es bei seinen Konzerten verbieten lassen, was wohl möglich ist, beim „Parsifal“ darf man das eigentlich auch nicht und der Pianist könnte es auch am Anfang sagen oder ins Programmheft drucken lassen, aber im Arbeiter- und Bauernstaat der SU, wo Savorin herkam, war das nicht möglich und da besuchten ihn auch die Funktionäre und ließen ihn wissen, daß das von der Obrigkeit nicht erwünscht ist.

Schostakowitsch hat ja unter der Wilkür Stalins sehr gelitten und unser Held war acht, als der gestorben ist. Die Funktionäre hat es aber noch immer gegeben, so hatte er Fluchtgedanken, wünschte sich nach San Remo oder stellte sich vor, daß er ab nun mehr nur unbeliebte Musik spielen würde, denn dann klatscht man nicht.

Er war auch verheiratet und hatte zwei Kinder und unter dem Tod seiner Frau sehr gelitten. Jetzt sitzt er allein in Wien, darf nichts mehr trinken und rauchen und sitzt offenbar die ganze Zeit bei einem Glas Wasser oder höchstens einer Melange in dem Cafe oder geht mit dem Schriftsteller auch manchmal die Margaretenstraße hinunter, was ich sehr spannend finde, weil ich ja in diesem Bezirk wohne und die Protagonisten in meinen Büchern, das auch manchmal tun und ich mir auch die Frage stellte, ob Wolf Wondratschek vielleicht ebenfalls in diesem Bezirk wohnt?

Der Musiker verschwindet gegen Schluß und der Schriftsteller muß  ihm suchen, geht aus diesem Grund sogar aufs Friedhofsamt und läßt sich von einer netten Dame dort erklären, daß er nicht gestorben ist, aber die Rechnung für sein Grab nicht bezahlt hat.

So überlegt er, die nette Dame nach der Adresse zu fragen, tut es dann nicht und der alte Musiker war ein Ansichtskartensammler und hat von seinen Reisen, die er ins Ausland machen durfte, immer einige mitgebracht, aber nie solche geschrieben.

Von solchen Details lebt das Buch, das eigentlich kein wirklicher Roman ist, sondern ein leichtes lockeres Geplauder mit  vielen Details in schöner Sprache. Philosophische Gedankensplitter könnte man fast sagen und es liest sich einerseits leicht, andererseits wieder für eine, die gewohnt ist, die Handlung zusammenzufassen, wieder nicht.

„Kann man gott zum Lachen bringen?“ lautet so einer dieser philosophischer Gedankensplitter, die sogar am Buchrücken stehen.

„Wer gefallen will, hat auf einem Konzertpodim nichts verloren“, ein anderer und so geht es durch das  Buch und durch das Leben des alten kranken russischen Suvorin. Wahrscheinlich auch durch das Leben von Wolf Wondratschek und ich habe ein interessantes Buch mit interessanten Fragen gelesen und bleibe am Schluß noch am Einstiegsmotto „Weiß der Zufall was er will?“, hängen und weiß auch hier die Antwort nicht.

2018-06-23

Autolyse Wien

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt mein drittes Geburtstagsbuch, das ich mir im Vorjahr vom Alfred wünschte, nämlich Karin Peschkas „Autolyse Wien“, die „Erzählungen vom Ende“, das 2017 auf der LL des östBp stand und das ich gerne lesen wollte, weil ich ja sozusagen eine Karin Pschka Experitin bin, beziehungsweise von ihr schon sehr viel gelesen und gehört habe. Dabei kann ich nicht einmal sagen, daß mir ihre beiden Bücher, so besonders gefallen haben, sie  haben aber einen speziellen Ton und das findet man auch in der „Atolyse“ wieder, von der ich, obwohl ich ja beim „Bachmannpreis“ daraus hörte und auch bei den O Tönen war, jetzt erst mitbekommen habe, daß es Erzählungen sind und zwar sehr viele kurze Geschichten und kein Roman und das ist ja auch etwas mit dem ich eigentlich keine sehr große Freude habe.

Aber ein roter Faden hält das Buch zusammen und das ist interessant, das Ende, Wien ist irgendwie und irgendwann zerstört worden. Die Apokalypse hat stattgefunden. Das wie und das wann, spielt wie im Kappentext steht, keine so besondere Rolle, denn Karin Peschka erzählt von den Menschen, die übergeblieben sind und das auf eine sehr spezielle eindrucksvolle Art, die eigentlich sehr interessant ist.

Es gibt drei Teile, im ersten werden auf  über hundert Seiten, kurz von den Menschen und dem, wie sie nach der Katastrophe leben, erzählt.

Da steht immer ein Name, wie Erik, Olja, Rose und und und daneben „Wien leergeräumt“ oder „Wien ohne Wien?“ und das ist auch sehr geheimnisvoll und scheint eine Spezialität Karin Peschkas zu sein, die mir, glaube ich, auch mehr zusagt, als die Apokalypse im „Watschenmann“, das auch ein ähnliches Thema hat und in einem zerstörten Nachkriegs-Wien spielt.

In den kurzen Geschichten werden wir in die Zerstörung eingeführt. Da wankt der Mann ohne Namen, beispielsweise, der früher von den Obdachlosenküchen lebte, in ein zerstörtes Geschäft oder eine Frau läßt sich von ihrem Freund für ihre Menstuation Binden holen, der wundert sich, daß sie noch eine hat, geht dann in einen zerstörten Eissalon und holt dort Servietten,  abgelaufene Waffeln und Obersbecher, wo die Frau dann das Obers auf die Waffeln tropft.

Poetisch zart diese Geschichten vom Weltuntergang, wobei dieser wahrscheinlich bei jeder der handelnden Personen  ein ganz anderer und ein sehr Persönlicher war.

Da gibt es Imre, der mit zwei Hunden, die sich gegenseitig beäugen und bewachen und gelegentlich sogar ein Reh zerlegen, wie kommt ein Reh in die Stadt, Karin Peschka verrät es uns nicht, aber es gibt in Wien ja den Wiener Wald, Schönbrunn und den Lainzer Tiergarten, das Imre dann zerlegen und auswaiden muß und hat als Bibliothekar, der in seiner Bibliothek das Theoretische erlernte hat, nun Gelegenheit sich dem Praktischen zuzuwenden, während Sugar, die alternde Schauspierlin ihrem Publikum noch immer große Vorstellungen in die Welt der Sylvia Plath, ihrem Vorbild gibt und sich dabei mit ihrem Mann Johann, dem Regisseur streitet.

Und die vier Brüder, die alle einen Vornamen mit dem Buchstaben H tragen, ziehen mit dem kleinen behinderten Hans, der Zollstöcke sammelt herum, haben sich in einem zerfallenen Wirtschafts-Hotspot an der Donau und in Praternähe, ob das wohl die Wirtschaftsuni ist, bequem gemacht, denn die drei Nichtbehinderten waren Handwerker <installateur, Elektriker und Maurer von Beruf und die Supermärkte haben sie rechtzeitig auch geplündert, weswegen auch ein paar von Hans Zollstöcken verlorengingen.

Ivelina ist von Beruf Krankenschwester und arbeit in St. Pölten, einmal im Monat setzt sie sich nach Mitternacht ins Auto um nach Wien zu ihrer Tochter und Schwiegersohn zu fahren und dort zu übernachten. Sie ist schon geduscht, die Zähne sind geputzt, den Pyjama hat sie auch schon zur Hälfte an, nur leider hat sie das Unglück mit einem „Trommelwirbel“ auf der Autobahn überrascht, sie hat sich dabei den Arm gebrochen, den sie sich zwar selbst verarzten, verbinden und sich gut zureden kann. Das Auto ist aber ein Wrack geworden „Don` t you know that I love you Baby“, summe Ivelina, die Szene betrachtend, verunfallte Autos vor sich, darin war sicher kein Leben mehr.“

Und die Gläubigen gibt es in dieser Szenerie auch, von jeder Kirche einer, vegetieren sie so vereinzelt vor sich hin, versuchen Statuen zu retten, die andere vorher erschlagen haben, suchen nach dem göttlichen Prinzip oder verlieren ihren Glauben, während Karl im Stadtpark die Bank wieder aufgestellt hat, in der er seiner Frau vor Jahren aus Bequemlichkeit kein Herz der Liebe hineingeritzt hat.

Sie sind mal kürzer und mal länger die einunddreißig Namensgeschichten, mal mehr und mal weniger intensiv ausgeführt. Da wird von Wohngemeinschaften, Unfällen, Mißbrauch etcetera, mehr oder weniger lang geschrieben.

Beeindruckend die Geschichte des Wohnberaterlehrlings Anna, die in einer solchen Zweckgemeinschaft lebt und vor der großen Katastrophe fast ausgelernt gewesen wäre. Da sah sie eine große Zukunft als Wohnberaterin vor sich, jetzt sucht sie nach dem Möbelhaus, um sich vielleicht ein paar gute Möbelstücke in die Zweckgemeinschaft zu transportieren und findet es nicht.

Frau Widehopf, die Siebenundsechzigjährige, die mit ihrer Friseurin Frau Helga vereinbart hatte, sich ab fünfundneunzig nicht mehr dieHaare zu färben, wird in ihrer gemütlichen Wohnung eingeklemmt. Sie kann nicht mehr ins Vorzimmer hinaus, wo die Tasche mit dem Handy liegt, denn Frau Widehopf ist eine agile Alte, die sich auskennt, in der Welt der Smartphoneltelefonie. Leider ist ihr die Kommode auf das Bein gefallen. Jetzt sitzt sie da mit ihren Medikamenten am Schoß, rechnet sich die Blutvergiftung und den Wundbrandt aus und bereitet sich aufs Sterben vor.

Ähnlich eindrucksvoll, die Geschichte von dem demente Alkoholiker, der entlassen und besachwaltert in einer betreuten Wohngemeinschaft, sich auf seinen Selbstmord vorbereiten wollte. Die Medikamente hat er angespart und vergessen, als er sich den Schnaps mit dem er sich betrinken kaufen wollte. Dann kam die Katastrophe. Der Zerfall Wiens ist seinem Selbstmord zuvorgekommen, sein Gehirn regeneriert sich und er beginnt mit Äpfel und mit Nüssen zu überleben.

Dann geht es an das „Ich“, das in sieben Abschnitte aufgeteilt ist. Eine Frau mit einer Autoimunerkrankung, für die sie Medikamente benötigt, hat sich im Sternwartepark eingebunkert, das heißt eigentlich hat sie sich hinausgesperrt, denn die Tore alle zu mit Schlößern, die sie aus dem „Libro“ plünderte. Dort vergräbt sie Lebensmittelreserven und bereitet sich auf ihr Sterben beziehungsweise ihre Verwesung vor. Eine Beziehung zu Hunden, wie auch im „Wiener Kindl“, das Stück aus dem Buch, das Karin Peschka in Klagenfurt gelesen hat, gibt es auch.

Das „Wiener Kindl“ hat drei Teile und Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ hat sich, glaube ich, im letzten Jahr sehr darüber mokiert, daß man der Autorin das „Kindl“ nicht weglektorierte, aber das ist ein Wiener oder vielleicht auch Oberösterreichischer Ausdruck und das Kindl hat auch eine Behinderung oder chronische Krankheit, mußte Medikamente mit einem Silberlöffel nehmen, eine Windel tragen, hat Ergotherapie bekommen, dann kam die Katastrophe. Haus zerstört, Eltern und Brüder verschwunden. Das Kindl steigt aus dem Gitterbett, schleppt sich in den Garten, wo schon die Hunde warten, in dessen Gesellschaft es fortan leben und die Herrschaft über sie erheben wird.

Eine tolle Geschichtensammlung über den Tod, das Sterben und den Zerfall in denen mir Karin Peschkas skurrile Phantasie mit der sie genüßlich, die unglaublichsten Szenen zelebriert, glaubhafter, als in „FanniPold“, beispielsweise, das mir trotz mehrerer Lesungen, immer noch ein wenig unverständlich ist, erschien.

So über die Apokalypse und den Weltuntergang zu erzählen, so poetisch und skurril erscheint mir als das Neue in der Literatur, wie die Kritiker ja immer verlangen, daß sie das haben muß.

Schade, daß es im Vorjahr nicht auf die Shortlist des Öst gekommen ist, dennHand aufs Herz Karin Peschkas Hunde und Menschengeschichten, die nur wenig Kommunikation zueinander haben, haben mir besser als Eva Menasses „Tiere für Fortgeschrittene“ gefallen, was auch für manche andere Shortlistbücher gilt. Ausgenommen das dBp-Siegerbuch,  Brigitta Falkners „Strategien der Wirtsfindung“ habe ich nicht glesen und das Longlistbuch des Doron Rabinovici hat mir auch sehr gut gefallen.

Jetzt ist Karin Peschka  Stadtschreiberin in Klagenfurt und soll sich dort, wie ich gelesen habe, den Klagenfurtern regelmäßig für Texthilfen zur Verfügung stellen, was auch  einungewöhnlicher Einfall der Autorin ist.

2018-03-26

Stadtspaziergangsliteratur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:43
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Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Norbert Kröll

Norbert Kröll

„Unterwegs im Stadtraum – Lesungen und Gespräche“, zu diesem Thema diskutierte heute Johannes Tröndle mit Norbert Kröll und Bastian Schneider, die beide 1981 geboren wurden, beide am Institut für Sprachkunst studierten und beide zum Thema Stadt sehr abstrakte längere oder kürzere Texte vorgelegt haben.

Roman steht auf Norbert Krölls bei „Löcker“ erschienenen „Sanften Asphalt“, dafür war er Stipendiat der Stadt Wien und hat seinen Stadtroman, wo der Mensch in Du-Form mit seinem Körper spricht und dabei seine Schritte und seine Herzschläge zählt, schon einmal im MUSA vorgestellt.

Dann habe ich ihm noch bei der „Langen Nacht im Amerlinghaus“ gehört und jetzt leitete Johannes Tröndel sehr lange genau und ausgührlich in diesen Stadtroman ein.

Ein Mann geht durch die Stadt, ein Tag in Wien, am Morgen steht er auf und durchstreift dann die verschiedensten Orte, wobei er die verschiedensten Begegnungen hat. Es gibt auch eine Stimme und kursiv gesetzte Texte, sowie eine Fotostrecke und, um das ganze noch ein bißchen komplizierter zu machen, hat Norbert Kröll auch noch von hinten nach vorn gelesen und dabei, glaube ich, zum Teil auch ganz andere Texte, als im MUSA.

Es beginnt in der inneren Stadt bei den Luxusboutiquen, wo das Ich überlegt oder von der Stimme angesprochen wird, ob es sich jetzt eine Handtasche kaufen soll? Dann ging es in den Neunten und zwar in die Berggasse zum Sigmund Freud Museum und da wird es meiner Meinung nach ein wenig kitschig oder zu allgemein, wenn sich das Ich nun auf Couch plaziert, die eigentlich in London steht, darüber nachdenkt, daß hier einmal Gustav Mahler gelegen ist und dann kommt die Alma und sagt „Ich will dich und nicht den Mahler, den Werfel, den Kokoschka, etcetra.

Männerphantasien gibt es also auch in der konkreten experimentellen Literatur und dann geht es weiter in das Servitenviertel und da zu der Musikschule, wo das Kind mit den leeren Notenblättern steht und vom Protagonisten verlangt, es möge seine Notenblätter verbrennen. Diese Stelle habe ich, glaube ich, schon einmal gehört.

Dann geht es noch in eine Bäckerei, wo dem Ich die letzten Mohnzelten weggekauft wären, die befindet sich glaube ich im sechsten Bezirk und dann geht es zurück an den Morgen und zu den Körperszenen unter der Dusche, die ich, glaube ich, auch schon kenne.

Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Bastian Schneider

Bastian Schneider

Und Bastian Schneider hat bei Sonderzahl sein zweites Buch „Die Schrift, die Mitte der Trost“, das sind hunderteinundszwanzig Textstellen, die alle das Wort „Stück“ als Betitelung haben von zwischen einer Seite und einer Zeile lang sind, herausgegeben. Kurze Prosastücke halt, Prosaminiaturen.

Aus dem Prosadebut „Vom Winterschlaf der Zugvögel“ hat Bastian Schneider glaube ich in Klagenfurt gelesen oder war das Buch damals schon fertig und stammte seine Lesung aus den neuen Texten, die wieder von Johannes Tröndel genau erklärt wurden? Der dazu sagte, man möge sich einen Stadtflaneur vorstellen, der mit seinem Notizbuch in der Hand durch die Stadt geht und alles aufschreibt, was er hört sieht und ihm einfällt.

Das Ganze hat vier Teile oder Parcours mit Mottis von Robert Walser, Paul Nizon, Peter Kurzeck und Walter Benjamin und durch zwei Parcours hat Bastian Schneider auch seine Zuhörer mitgenommen. Dann gibt es noch einen Adressteil, wo den sämtlichen Stücken Adressen zugeordnet werden, eine ist davon die „Alte Schmiede“, der  Ottb Bauergasse, wo ich einmal gewohnt habe, ist auch ein solches Stück gewidmet und achtundsiebzig Stücke, klärte Johannes Tröndle, die Zuhörer noch auf, spielen in Wien, der Rest dann in deutschen Städten, Marseille, Istanbul, etcetera und im anschließenden Gespräch fragte Johannes Tröndel dann noch die Autoren nach den weiterenPlänen?

Ob Bastian Schneiders Prosastücke vielleicht einmal zur Lyrik werden könnten? Da meinte er, glaube ich, es wäre umgekehrt. Er wäre vom Gedicht zur Kurzprosa gekommen, weil er eher kopflastig wäre und Norbert Kröll will, glaube ich, nicht zu sehr in die Dramtaktik, als zum erzählenden Roman.

Man kann gespannt sein, weil das ja auch das wäre, was mir mehr gefällt und ich einen besseren Zugang hätte, obwohl ich  auch einmal einen „Stadtroman“ geschrieben haben und meine früheren Texte auch eher analytisch beobachtend, als narrativ waren.

2017-07-24

Keine Wunde nichts

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Was ist ein Psychothriller?

„Wikipedia“ definiert da etwas von sich überschneidenden Mystery- und Krimielementen und nennt als Beispiele Alfred Hitchcock, Ken Follet, Dan Brown und Eric Ambler, aber Psycho heißt auch Seele und Mara Muthspiel, die Protogonistin in Amaryllis Sommerers 2010 bei „Milena“ erschienenen Psychothriller „Keine Wunde nichts“ hat einmal Psychologie studiert.

Inzwischen ist sie Fernsehredakteurin, das heißt, sie sitzt mit einem Typen namens Feichtinger in einem Kammerl und schneidet aus Filmen Gewaltszenen heraus, damit die unbeaufsichtigten Kinder, die sich das ansehen, keinen Schaden erleiden.

Die Arbeit  überfordert sie  und so raucht ihr, als sie in der Nacht, in die Kettenbrückengasse, wo sie wohnt, zurückkommt, der Kopf und sie sieht überall Leichen.

Das heißt, sie glaubt, Resi Sternberg, die trinkende Kellnerin aus dem Hinterhaus  mit den Zöpfen und den Rehaugen, bei der Mülltonne liegen zu sehen und geht in ihre Wohnung.

Das schlechte Gewissen treibt sie zurück und sie findet eine tote  vierzehnjährige Drogensüchtige, die, wie sich später herausstellt, erschlagen worden ist.

Das führt nun zu Komplikationen, die wahrscheinlich nichts mit einem herkömmlichen Psychothriller zu tun haben, aber vielleicht hat Amaryllis Sommerer, die auch Drehbuchautorin ist, mit ihrem zweiten „Milena-Krimi“ eine Satire schreiben wollen?

Es passiert also viel in Maras Kopf. Sie hat Schuldgefühle, hört die Stimme der Tote, ist unfähig ihre Filme zu schneiden und seht sich nach Island. Sie will dorthin abhauen, ein neues Leben beginnen, etcetera.

Inzwischen kommt ein müder alter Kriminalinspektor, verhört Mara und die anderen im Haus. Da gibt es noch einen dicken Sportreporter namens Clemens, einen Zahntechniker namens Franz, in dem sich Mara, die vor eineim Jahr verlassen wurde, fast ein wenig verliebt und  es gibt eine Bezirksrätin namens Fischer, die gleich politischen Aufwind spürt, Sicherheitsschlösser und Zugangskontrollen im Haus anbringt und es gibt Resi, das Rehlein und Quartalsäuferin, die während das alles passiert, in ihrer Wohnung im Hintterhaus ihren Vater umbringt.

Dazu glaubt sie ein Recht zu haben, denn er hat sie  mißbraucht und so kommt sie in Maras Wohnung und gesteht ihr alles. Die fühlt sich gleich verantwortlich. Das heißt, zuerst will sie die Polizei holen, aber vorher Frühstück kaufen. In der Bäckerei, die es, glaube ich, in der Kettenbrückengasse nicht gibt, sieht sie aber im Fernseher, ihre vierzehnjährige Nichte, die bei einer Demo von der Polizei beschuldigt wird.

Also nichts damit, das unschuldige Rehlein soll nicht leiden und statt ihr nach Island fliegen und dort verschwinden. Aber zuerst müßen sie die Leiche beseitigen und auf eine Party gehen. Das führt wiederum zu vielen Komplikationen und Slapsticken und eigentlich geht es für einen Psychothriller auch sehr langsam vor sich.

Aber das war wahrscheinlich Absicht, denn ein moderner Krimi muß ja Lokalkolorit zeigen, also die Kettenbrückengasse, keine Ahnung, ob Amaryllis Sommerer, die ich schon bei einigen Lesungen, zum Beispiel in der „Alten Schmiede“ hörte, dort wohnt?

Ich wohne in der Nähe und  da das beschriebene Haus neben einer Apotheke liegt, könnte es  das sein, in dem Elfriede Gerstl einmal ihr Lager hatte.

Dort könnte es auch den beschriebenen Brunnen geben. Ob das ein Durchhaus ist, weiß ich nicht, denn das befindet sich, glaube ich, eher auf der anderen Seite und den  Drogenstrich vor der U-Bahnstation Kettenbrückengasse habe ich eigentlich auch noch nicht gesehen.

Aber es ist ja ein Roman, also Erfindung und Fiction, störend ist dann nur, das Wörtchen „Abitur“ statt „Matura“, denn wer bitte macht die in Wien und der „Milena“ ist ja ein Wiener Verlag, auch wenn er 2010 vielleicht unter deutscher Leitung war.

Auf das Lesen des Buches habe ich  schon gewartet, habe ich es doch gemeinsam mit Amaryllias Thriller-Debut „Selmas Zeichen“ mit dem sie für den „Glauser nominiert war, schon vor längerer Zeit im „Wortschatz“ gefunden. Das werde ich demnächst lesen.

„Ulrich und seine „Täter“, 2012 bei „Milena“ erschienen, habe ich mir letzten Dezember beim „Literaturhaus-Flohmarkt“ gekauft.

Inzwischen verlegt Amaryllis Sommerer bei „Picus“ und hat das 2016 erschienenen Buch „Wie das Leben geht“ das, glaube ich, auch kein Krimi ist, sondern in das Wien der Fünfziger und Sechziger führt, auf der „Buch Wien“ vorgestellt.

2017-07-15

Superheldinnen

Filed under: Bücher — jancak @ 09:02
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Passend zum „Bachmannpreis“ bei dem,  die 1980 in Belgrad geborene und in Wien lebende Barbi Markovic gelesen hat, lese ich jetzt als „Sommerbuch“ ihren bei „Residenz“ erschienenen Roman „Superheldinnen“ mit dem sie den letzten „Alpha“ gewonnen hat.

Ihren Namen habe ich, glaube ich, 2010 das erste Mal gehört, als sie für die „Buch-Wien“ offiziell bloggte, ich tue das ja seit 2008, inoffiziell, habe da aber eine Anfrage bekommen.

„Superheldinnen“ ein schräger oder trashiger Roman, einer der eigentlich nicht wirklich einen Inhalt oder Plot hat, sondern es wird, könnte man so sagen, unbekümmert und mit Fett- oder nicht Fettdruckangaben vor sich hingeschrieben.

Da sind drei junge Frauen, um die dreißig, die alle irgendwie aus Belgrad oder Sarajevo kommen und die treffen sich einmal in der Woche im Cafe Sette Fontane in der Siebenbrunnengasse, im fünften Bezirk. Für Nichtwiener, das ist eher ein Randbezirk, in dem viele alte Leute und Migranten wohnen. Wir wohnen auch da und ich hatte auch einmal ganz in der Nähe, in der Arbeitergasse Ecke Reinprechtsdorferstraße, meine Praxis.

Die drei Frauen, die Ich- Erzählerin, Mascha und Direktorka verfügen alle über magische oder dunkle Kräfte. Sie leben in prekären Verhältnissen haben nur wenig Geld. Schreiben aber einmal in der Woche eine Kolumne für eine esoterische Zeitung, die vom „Casino Austria“ gesponsert wird. Detail am Rande, der „Alpha“ wird das auch, ist das nun Zufall oder nicht?

Höchstwahrscheinlich schon und es waren keine dunklen Kräfte, die Barbi Markovic im letzten Herbst, den Preis zusprachen. Die drei benützen ihre Kräfte aber fleißig zur Auslöschung unliebsamer Personen, während sie den armen Teufeln in ihren Kolumnen wieder zurück ins normale büergliche Leben helfen wollen, das sie selbst nicht leben.

Es gibt auch Connections zu Berlin und dort hat Barbi Markovic ja auch gelebt, behziehungsweise ein Buch mit dem Titel „Graz Alexanderplatz“ geschrieben, denn sie war Stadtschreiberin von Graz und die Ich- Erzählerin war in Berlin und hat dort das „rotzige Kind“ kennengelernt, das sie verfluchte. Verflucht wurde sie auch von ihrer Großmutter und so lebt oder dümpelt es sich dahin.

Das Buch ist sehr flott geschrieben und immer wieder von Markennamen und Werbeinschriften durchzogen. Eine Abhandlung über Depressionen kommt vor und auch das Verhältnis der Erzählerin zu den Tauben, die man ja in Wien nicht füttern darf und das Zuwiderhandeln bestraft wird.

Die drei gehen dann ins Casino gewinnen dort eine Menge Geld und leben fröhlich oder vielmehr unfröhlich weiter und Barbi Markovics „Bachmanntext „der glaube, ich „Der Mieter“ heißt, muß ich mir noch anhören.

Das heißt, ich habe das schon getan, bin aber dann wegen der anstrengenden letzten Tage, Sommerakademie, O-Töne und dann noch spät in der Nacht oder früh am Morgen nach Harland kommen und da noch bloggen, eingeschlafen.

So kann ich über diesen Text nicht sagen und weiß daher auch nicht, ob die magischen oder unmagischen Kräfte, Barbi Markovic auf die Shortlist verholfen und dann ausgelassen haben, wünsche ihr aber jedenfalls alles Gute und das Buch, das man, wenn man eine Einladung zu der „Alpha Gala“ hat, die ich mir ja inzwischen errungen habe,  bekommt, hat sie wunschgemäß und sehr freundlich mit einer Widmung für das „Literaturgeflüster“ versehen, was ich bei geschenkt bekommenen Büchern am Ort gerne einmal mache.

2016-12-17

Und die Nacht prahlt mit Kometen

Das nächste Buch ist wieder  bei „Aufbau“ erschienen, obwohl es in  Wien in den Neunzehnhundertachtziger Jahren und zu Weihnachten im Vorjahr spielt, nämlich Ela Angerers „Und die Nacht prahlt mit Kometen“ und von der 1964 in Wien geborenenen „News-Journalistin“ habe ich das erste Mal vor zwei Jahren auf der „Buch-Wien“ gehört.

Da wurde ihr Buch „Bis ich 21 war“ vorgestellt, das ich dann vom Alfred zu Weihnachten bekommen habe und noch heuer lesen will und während ich im Herbst mit dem „Buchpreislesen“ beschäftigt war, habe ich von zwei Neuerscheinungen gehört, die mich interessierten.

Nämlich von Paula Fürstenfeld „Familie der geflügelten Tiger“ weil ich dachte, daß eine Autorin ähnlichen Namens einmal bei „Etcetera“ veröffentlicht hat und eben „Die Nacht prahlt mit Komenten“.

Auf der heurigen „Buch Wien“ ist mir dann das Buch auch ständig vor die Augen gekommen und ich war auch kurz bei der Diskussion auf der „News Lounge“ wo Heinz  Sichrovsky mit Peter Henisch und Ela Angerer über die österreichische Literatur diskutierte und Ela Angerer, glaube ich, genau erklärte, wie sich ihr erstes Buch vom zweiten unterscheidet.

Es ist Fiction und geht unm Gewalt an Frauen und im Klappentext steht auch noch genau beschrieben, daß es zum Teil in einer Zeit spielt, wo es Vierteltelefone, den Reaktorunfall in Tschernobyl und die Waldheim-Affaire gab.

Das ist lange her und die jüngeren LeserInnen können sich vielleicht gar nicht an diese Zeit erinnern, in der Valerie oder Vie, Tochter aus guten Haus, die die Schule geschmissen hat, zwanzig ist und Bojan aus dem damaligen Jugoslawien kennenlernt.

Der ist etwas widersprüchlich, nämlich Maler oder Kunststudent, geht mit ihr auch in esoterische Sitzungen und ernährt sich makrtobiotisch. Dann schlägt er sie aber wieder serbisch-matschohaft, ist grundlos eifersüchtig, während er sie ständig mit anderen Frauen betrügt, hinauswirft und wiederkommt und Vie  sich nicht wehren kann.

Im zweiten Handlungsstrang ist Valerie knapp fünfzig, erfolgreich im Beruf, trotz ihres widerlichen Chefs und hat sich zu Weihnachten vierzehn Tage Auszeit genommen, die sie, wie sie erzählt, auf den kanatrischen Inseln verbringen will.

In Wahrheit hat sie vor zu Hause zu bleiben, holt sich Konserven aus dem Keller, will schlafen, fernsehen, als sie eine Facebookanfrage von Bojan bekommt, was sie veranlaßt über die Zeit damals nachzudenken, wo sie in verschiedenen Geschäften jobbte, Bojans Atielier aus dem er sie immer wieder hinausschmiß oder seine  jeweiligen Freundinnen mitbrachte putzte, ihm zu einem Festival nach Portugal nachreiste, von ihm schwanger wurde, einmal abtrieb und dann das Kind gegen seinen Willen bekam.

Am Ende schmeißt sie ihn hinaus und ist Bea eine schlechte Mutter, die inzwischen in Washingtohn studiert und von ihr nichts wissen will.

Valerie verläßt die Wohnung, fährt zu dem Atelier, beobachtet eine Frau und eine Katze darin, sieht einen Mann mit Krüken in dem Bojan, der immer Angst vor dem Alter hatte, erkennt, bis sie dann am vierten Jänner in ihre Firma fährt, dem Chef alles hinschmeißt und dann nach Washington fliegt, um sich mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Sehr dicht und bildhaft ist das Ganze beschrieben und ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen, obwohl ich da glaube ich, zehn Jahre vorher war, nämlich in den Siebzigerjahren wo ich studierte und ein ähnliches Wien erlebte.

Valerie geht  mit  Bojan in ein Restaruant, sie stopfen sich die Bäuche, dann rennen sie davon und weil es Vierteltelefone gibt und man so nicht immer telefonieren konnte, schmeißt Bojan mit der Zange den anderen Teilnehmer hinaus.

Sehr dicht und spannend, die Gewalt an Frauen, die damals und wohl auch noch heute serbische aber auch andere Männer an Frauen, die sich schlecht whren können, ausübten.

Ob es so Mischtypen, wie diesen Bojan gibt, weiß icht nicht oder doch höchstwahrscheinlich und die Tochter aus guten Haus, „Gräfin!“, sagt Bojan manchmal zu ihr, die in den Altbauwohnungen von Vermieterinnen wohnt, die auf Reisen sind, konnte ich mir auch gut vorstellen.

Ein sehr journalistischer Roman würde ich meinen, leicht zu lesen und ein Gang durch Wien von gestern und von heute, der Silvester mit den Ereignissen in Köln vor einem Jahr kommt auch vor und obwohl ich ja noch keine Weihnachtsbücher lesen wollte, habe ich jetzt außerplanmäßig eines gelesen und es ist wahrscheinlich auch, als schnelle Lektüre für das Weihnachtsfest an eine interessierte Leserin bestens geeignet.

2016-04-30

Schimpfen wie ein echter Wiener

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Bei der Reihe „Stadtbekannt“ aus dem „Holzbaum-Verlag“, die ja schon einige „Wien-Bücher“, wie „Unnützes Wien Wissen“, „Kaffee in Wien“, „Frühstücken in Wien“ oder „Wiener Grätzel Josefstadt“, bzw. „Siebenstern“, herausgegeben hat, ist jetzt ein  „Schimpfwörterbuch“ oder ein Buch über das Schinmpfen herausgekommen.

Nun bin ich, obwohl ich öfter, auch hier im Blog beschimpft werde, keine, die gerne schimpft und auch keine, die wirklich Dialekt spricht, hat ja meine Mutter darauf geachtet, daß ich mich immer in Hochdeutsch ausdrücke, um es einmal im Leben besser zu haben.

Ich verstehe aber  Dialekt, mag ihn eigentlich auch, nicht unbedingt die Schimpfwörter „Heast Oida, schleich, di!“ oder so und denke, daß er sich auch wandelt, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob alles, was in dem Buch zu finden ist, wirklich noch angewandt wird und ob zum Beispiel bei den Würstlständen, die ja oft schon durch Kebab-Buden und Aisa-Nudeln-Stände ersetzt wurden, „A Eitrige mit an Buckl und an Patzn Senf“ verlangt wird.

Aber schön der Reihe nach.

Das Impressum wird mit „Wer das Buachl verbrochen hat“ übersetzt, sonst könnte ich an den Übersetzungen einiges aussetzen, beziehungsweise würde ich das Wienerisch Hochdeutsch und nicht Nord- Bundesdeutsch oder überhaupt geschraubt übersetzen, weil ich letzteres auch schon für einen Dialekt halte und könnte da gleich das Eingangsbeispiel anführen.

Sagt da nämlich die Hausmeisterin, die in der Realistät oft wahrscheinlich besser Serbisch als Wienerisch spricht und vor hundert Jahren sprach sie wohl eher Böhmisch: „Drahts de gschissene Muik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!“ und das heißt, würde ich meinen, nie und nimmer „Dreht die vermaledeite Musik ab, ihr saublöden widerwärtigen Personen, sonst hole ich die Polizei!“, sondern  „Dreht die beschissene Musik ab, ihr blöden Leute!“

Das ist mir auch an anderen Stellen aufgefallen, daß ich anders übersetzen würde, aber jetzt hinein ins Buch. Es gibt neun Kapiteln und ein Register. Eine Warnung gibt es auch, daß für das Anwenden der Beschimpfungen keinerlei Haftung übernommen wird!

Na gut, also auf eigene Verantwortung in das Buch, ich schimpfe ja ohnehin nicht so viel, obwohl mich der Alfred öfter als „Grantscherbn“ oder als „grantiges Wiener Weibl“ bezeichnet, aber das ist, habe ich gelernt, eigentlich die Bezeichnung für einen grantigen Mann, das weibliche Pendant wäre die „Keppltant!“

In Kapitel eins geht es um Sex, also um das „Pudern“, das nicht von Puder kommt und dann natürlich, um den „Oasch“, ein, wie ich lese, sehr beliebtes Wiener Schimpfwort.

Da gibts also das „Oaschgsicht“, das „Oaschgfries“ bis zur „Oaschpartie“ und auch einige gebräuchliche Redewendungen, wie „I reiß ma sicher net den Oasch auf fia di“, auch meiner Meinung nach sehr umständlich übersetzt, bis zum „Das geht mir am Oasch vorbei!“

Beim Würstlstand und beim „Essn und Trink auf Wienerisch“ war ich schon. Da gibt es aber noch das „Wiaschtl“ und das „Für die Wiascht“, nicht zu verwechslen und auf der „Nudlsuppm“ beteuern sicher einige „nicht dahergschwommen zu sein!“.

Es gibt den „Schmarrn“, der eigentlich was Feines ist, wenn er aus Topfen oder Palatschinkenteig besteht, aber man kann auch einen „Schmarrn“ reden und ein arme Leute Essen, also für die auf der „Nudlsuppm dahergeschwommenen“, war er früher auch.

Dann gibts noch „Das Krügerl, das Glaserl, das Stamperl, das Tröpferl“, meist mit Wein wahrscheinlich und was das Bier betrifft, wird das hier  mit Gerstensaft übersetzt. Ob das der Mann am Wiener Würstlstand versteht? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er ein „Tschusch“ ist, aber da sind wir schon beim Kapitel „Überall  Gscheade und Auslända“ und haben  das „Oida verschwind und hoit  de Goschn!“ ausgelassen.

Daß der Wiener sehr überheblich gegenüber alle jenseits der Stadtgrenze ist, kann ich bezüglich meiner Mutter und meinem aus St. Pölten stammenden Mann bestätigen. Sie hat „Gscheader“ also Geschorerer, ein Begriff für den Bauern oder Leibeigener, also Landbewohner, denke ich, zu ihm gesagt, während der Mundl Sackbauer aus dem „Ein echter Wiener geht nicht unter“ , die St. Pöltner schon für „Tschuchn“, also Balkanbewohner hält.

Ein weiteres wichtiges Kapitel ist der Tod oder das „Okrotzn in Wean“.

Da kann man auch „De Potschn strecken, ins Gros beißn“ und noch vieles anderes sagen. Selbstmord oder „Si di Kugl gebn“ kann man auch. Wenn man aber von der Donaubrücke springt, hat das, wie ich gelesen habe, öfter auch andere Motive.

Das gehts zu „Proleten, Gsindl und zur gspriztn Bagage“, also zum Schimpfen durch die sozialen Schichten.

Und auf der Werbeseite kann ich sehen, daß man sich solche Schimpfwörter auch auf Taschen oder T-Shirts drucken lassen und  kaufen kann.

Man kann sein Gegenüber auch als „Blada, Wampata, Schiacha!“ oder anders beschimpfen.

Und bei der Polizei, also der „Heh“ sind wir schon gewesen und wer noch immer glaubt, daß die Polizei, dein Freund und Helfer ist, kann hier „A Kieberer is ka Habera“ lesen.

Dann gehts zu den „Dümmlichen Typen“ auch wieder, wie ich meine „bled“  übersetzt, „in Wien“, also den „Dodln“ Dillos“, „Fetznschädln“ etcetera.

Die Wienerin ist a „Urschl“ „Fusn“, Keifn“, während der Wiener als „Wappler“, „Zniachterl“ „Dodl“, etcetera beschimpft werden kann.

Damit wären wir schon am Ende und sehen hier, weil das gelbe Biachl wirklich schöne Illustrationen hat, das Wiener Riesenrad, in dem die „Grätzn“, „Gurkn“, etcetra sitzen und „Hupf  in Gatsch, Gfrast!“ und anderes schreien.

„Wiener Kultur, das ist Kunst und Musikgenuß. Kaffee und Schnitzerl, sprühender Charme und Weinseligkeit. A so a Schas! Mindestens genau so wichtig ist in Wien die Schimpfkultur, also die Fähigkeit, zu allem und jedem passende unhöfliche, witzig- beleidigende und obszöne Worte und Redewendungen zu finden“, steht noch am Buchrücken.

Wieder was gelernt? Und nicht vergessen, bevor mans ausprobiert, Haftung für die Folgen wird von den Buchautoren nicht übernommen!

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