Literaturgefluester

2018-11-16

Selbstbild mit russischen Klavier

Filed under: Bücher — jancak @ 01:08
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Weiter gehts mit der allgemeinen Literatur, wir bleiben in Österreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort.

Das Letzte das ich vor neun Jahren von ihm gelesen habe, „Mozarts Friseur“ spielt auch dort und es ist mir beim Lesen ein wenig seltsam gegangen. Denn eine sehr schöne poetische Sprache führen durch die Kapitel und das Buch, in dem es um einen Schriftsteller oder ein Ich, das wird gar nicht so so genau erklärt, geht, der in einem Wiener Kaffeehaus oder eigentlich ist es die Pizzeria „La Gondola“ am Siebenbrunnenplatz, einen alten russischen Musiker namens Suvorin trifft und der eine erzählt, daß der andere ihm sein Leben erzählt.

Beides in der Ich-Form, so daß es gar nicht so leicht ist, die Erzählebenen zu unterscheiden und sich auszukennen und Handlung hat das Buch ebenfalls eigentlich keine. So daß ich zwar nicht soviel spoilern kann, aber vielleicht wieder eine Rüge bekomme, daß ich wesentliche Dinge ausgelassen mich nur im Details festgehalten habe.

Es ist ein leichtes lockeres Plaudern über Gott und die Welt könnte man so sagen und manchmal ist es auch ein Geschimpfe, beispielsweise über Wien, daß dort die Post zwei Wochen braucht, um Briefe zuzustellen und, daß die Fenster in den Wohnungen so zügig sind, daß man mit Westen schlafen muß.

Das betrifft, denke ich, höchstens die Altbauwohnungen und es ist in gewißer Weise auch ein „altmodisches Buch“, das viel von Musik handelt, denn jener Suvorin, ein alter kranker, ich glaube auch ungepflegter Mann, dem die Ärzte das Trinken und das Rauchen verboten haben, war ein, ich glaube wieder, berühmter Pianist, der das Klavierspielen längst aufgeben mußte, aber immer noch von Bach, Beethoven und Heinrich Schiff schwärmt.

Sehr beeindruckt hat mich, um bei den Details zu bleiben, die Stelle, wo der Musiker, „in Wien habe man das Gefühl, daß es nur zwei Sorten Russen gebe, Millionäre und Musiker“, wird zitiert,  den Applaus nach einem Konzert haßt. was ich verstehen kann, daß das einen sensiblen Menschen irritieren kann, wenn er sich in seine Musik vertieft und dann auf einmal geht der Lärm und das Geklatsche, das Bravo rufen los. Das kann einen wahrscheinlich  aus der Stimmung herausreißen. Deshalb will er es bei seinen Konzerten verbieten lassen, was wohl möglich ist, beim „Parsifal“ darf man das eigentlich auch nicht und der Pianist könnte es auch am Anfang sagen oder ins Programmheft drucken lassen, aber im Arbeiter- und Bauernstaat der SU, wo Savorin herkam, war das nicht möglich und da besuchten ihn auch die Funktionäre und ließen ihn wissen, daß das von der Obrigkeit nicht erwünscht ist.

Schostakowitsch hat ja unter der Wilkür Stalins sehr gelitten und unser Held war acht, als der gestorben ist. Die Funktionäre hat es aber noch immer gegeben, so hatte er Fluchtgedanken, wünschte sich nach San Remo oder stellte sich vor, daß er ab nun mehr nur unbeliebte Musik spielen würde, denn dann klatscht man nicht.

Er war auch verheiratet und hatte zwei Kinder und unter dem Tod seiner Frau sehr gelitten. Jetzt sitzt er allein in Wien, darf nichts mehr trinken und rauchen und sitzt offenbar die ganze Zeit bei einem Glas Wasser oder höchstens einer Melange in dem Cafe oder geht mit dem Schriftsteller auch manchmal die Margaretenstraße hinunter, was ich sehr spannend finde, weil ich ja in diesem Bezirk wohne und die Protagonisten in meinen Büchern, das auch manchmal tun und ich mir auch die Frage stellte, ob Wolf Wondratschek vielleicht ebenfalls in diesem Bezirk wohnt?

Der Musiker verschwindet gegen Schluß und der Schriftsteller muß  ihm suchen, geht aus diesem Grund sogar aufs Friedhofsamt und läßt sich von einer netten Dame dort erklären, daß er nicht gestorben ist, aber die Rechnung für sein Grab nicht bezahlt hat.

So überlegt er, die nette Dame nach der Adresse zu fragen, tut es dann nicht und der alte Musiker war ein Ansichtskartensammler und hat von seinen Reisen, die er ins Ausland machen durfte, immer einige mitgebracht, aber nie solche geschrieben.

Von solchen Details lebt das Buch, das eigentlich kein wirklicher Roman ist, sondern ein leichtes lockeres Geplauder mit  vielen Details in schöner Sprache. Philosophische Gedankensplitter könnte man fast sagen und es liest sich einerseits leicht, andererseits wieder für eine, die gewohnt ist, die Handlung zusammenzufassen, wieder nicht.

„Kann man gott zum Lachen bringen?“ lautet so einer dieser philosophischer Gedankensplitter, die sogar am Buchrücken stehen.

„Wer gefallen will, hat auf einem Konzertpodim nichts verloren“, ein anderer und so geht es durch das  Buch und durch das Leben des alten kranken russischen Suvorin. Wahrscheinlich auch durch das Leben von Wolf Wondratschek und ich habe ein interessantes Buch mit interessanten Fragen gelesen und bleibe am Schluß noch am Einstiegsmotto „Weiß der Zufall was er will?“, hängen und weiß auch hier die Antwort nicht.

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2018-06-23

Autolyse Wien

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt mein drittes Geburtstagsbuch, das ich mir im Vorjahr vom Alfred wünschte, nämlich Karin Peschkas „Autolyse Wien“, die „Erzählungen vom Ende“, das 2017 auf der LL des östBp stand und das ich gerne lesen wollte, weil ich ja sozusagen eine Karin Pschka Experitin bin, beziehungsweise von ihr schon sehr viel gelesen und gehört habe. Dabei kann ich nicht einmal sagen, daß mir ihre beiden Bücher, so besonders gefallen haben, sie  haben aber einen speziellen Ton und das findet man auch in der „Atolyse“ wieder, von der ich, obwohl ich ja beim „Bachmannpreis“ daraus hörte und auch bei den O Tönen war, jetzt erst mitbekommen habe, daß es Erzählungen sind und zwar sehr viele kurze Geschichten und kein Roman und das ist ja auch etwas mit dem ich eigentlich keine sehr große Freude habe.

Aber ein roter Faden hält das Buch zusammen und das ist interessant, das Ende, Wien ist irgendwie und irgendwann zerstört worden. Die Apokalypse hat stattgefunden. Das wie und das wann, spielt wie im Kappentext steht, keine so besondere Rolle, denn Karin Peschka erzählt von den Menschen, die übergeblieben sind und das auf eine sehr spezielle eindrucksvolle Art, die eigentlich sehr interessant ist.

Es gibt drei Teile, im ersten werden auf  über hundert Seiten, kurz von den Menschen und dem, wie sie nach der Katastrophe leben, erzählt.

Da steht immer ein Name, wie Erik, Olja, Rose und und und daneben „Wien leergeräumt“ oder „Wien ohne Wien?“ und das ist auch sehr geheimnisvoll und scheint eine Spezialität Karin Peschkas zu sein, die mir, glaube ich, auch mehr zusagt, als die Apokalypse im „Watschenmann“, das auch ein ähnliches Thema hat und in einem zerstörten Nachkriegs-Wien spielt.

In den kurzen Geschichten werden wir in die Zerstörung eingeführt. Da wankt der Mann ohne Namen, beispielsweise, der früher von den Obdachlosenküchen lebte, in ein zerstörtes Geschäft oder eine Frau läßt sich von ihrem Freund für ihre Menstuation Binden holen, der wundert sich, daß sie noch eine hat, geht dann in einen zerstörten Eissalon und holt dort Servietten,  abgelaufene Waffeln und Obersbecher, wo die Frau dann das Obers auf die Waffeln tropft.

Poetisch zart diese Geschichten vom Weltuntergang, wobei dieser wahrscheinlich bei jeder der handelnden Personen  ein ganz anderer und ein sehr Persönlicher war.

Da gibt es Imre, der mit zwei Hunden, die sich gegenseitig beäugen und bewachen und gelegentlich sogar ein Reh zerlegen, wie kommt ein Reh in die Stadt, Karin Peschka verrät es uns nicht, aber es gibt in Wien ja den Wiener Wald, Schönbrunn und den Lainzer Tiergarten, das Imre dann zerlegen und auswaiden muß und hat als Bibliothekar, der in seiner Bibliothek das Theoretische erlernte hat, nun Gelegenheit sich dem Praktischen zuzuwenden, während Sugar, die alternde Schauspierlin ihrem Publikum noch immer große Vorstellungen in die Welt der Sylvia Plath, ihrem Vorbild gibt und sich dabei mit ihrem Mann Johann, dem Regisseur streitet.

Und die vier Brüder, die alle einen Vornamen mit dem Buchstaben H tragen, ziehen mit dem kleinen behinderten Hans, der Zollstöcke sammelt herum, haben sich in einem zerfallenen Wirtschafts-Hotspot an der Donau und in Praternähe, ob das wohl die Wirtschaftsuni ist, bequem gemacht, denn die drei Nichtbehinderten waren Handwerker <installateur, Elektriker und Maurer von Beruf und die Supermärkte haben sie rechtzeitig auch geplündert, weswegen auch ein paar von Hans Zollstöcken verlorengingen.

Ivelina ist von Beruf Krankenschwester und arbeit in St. Pölten, einmal im Monat setzt sie sich nach Mitternacht ins Auto um nach Wien zu ihrer Tochter und Schwiegersohn zu fahren und dort zu übernachten. Sie ist schon geduscht, die Zähne sind geputzt, den Pyjama hat sie auch schon zur Hälfte an, nur leider hat sie das Unglück mit einem „Trommelwirbel“ auf der Autobahn überrascht, sie hat sich dabei den Arm gebrochen, den sie sich zwar selbst verarzten, verbinden und sich gut zureden kann. Das Auto ist aber ein Wrack geworden „Don` t you know that I love you Baby“, summe Ivelina, die Szene betrachtend, verunfallte Autos vor sich, darin war sicher kein Leben mehr.“

Und die Gläubigen gibt es in dieser Szenerie auch, von jeder Kirche einer, vegetieren sie so vereinzelt vor sich hin, versuchen Statuen zu retten, die andere vorher erschlagen haben, suchen nach dem göttlichen Prinzip oder verlieren ihren Glauben, während Karl im Stadtpark die Bank wieder aufgestellt hat, in der er seiner Frau vor Jahren aus Bequemlichkeit kein Herz der Liebe hineingeritzt hat.

Sie sind mal kürzer und mal länger die einunddreißig Namensgeschichten, mal mehr und mal weniger intensiv ausgeführt. Da wird von Wohngemeinschaften, Unfällen, Mißbrauch etcetera, mehr oder weniger lang geschrieben.

Beeindruckend die Geschichte des Wohnberaterlehrlings Anna, die in einer solchen Zweckgemeinschaft lebt und vor der großen Katastrophe fast ausgelernt gewesen wäre. Da sah sie eine große Zukunft als Wohnberaterin vor sich, jetzt sucht sie nach dem Möbelhaus, um sich vielleicht ein paar gute Möbelstücke in die Zweckgemeinschaft zu transportieren und findet es nicht.

Frau Widehopf, die Siebenundsechzigjährige, die mit ihrer Friseurin Frau Helga vereinbart hatte, sich ab fünfundneunzig nicht mehr dieHaare zu färben, wird in ihrer gemütlichen Wohnung eingeklemmt. Sie kann nicht mehr ins Vorzimmer hinaus, wo die Tasche mit dem Handy liegt, denn Frau Widehopf ist eine agile Alte, die sich auskennt, in der Welt der Smartphoneltelefonie. Leider ist ihr die Kommode auf das Bein gefallen. Jetzt sitzt sie da mit ihren Medikamenten am Schoß, rechnet sich die Blutvergiftung und den Wundbrandt aus und bereitet sich aufs Sterben vor.

Ähnlich eindrucksvoll, die Geschichte von dem demente Alkoholiker, der entlassen und besachwaltert in einer betreuten Wohngemeinschaft, sich auf seinen Selbstmord vorbereiten wollte. Die Medikamente hat er angespart und vergessen, als er sich den Schnaps mit dem er sich betrinken kaufen wollte. Dann kam die Katastrophe. Der Zerfall Wiens ist seinem Selbstmord zuvorgekommen, sein Gehirn regeneriert sich und er beginnt mit Äpfel und mit Nüssen zu überleben.

Dann geht es an das „Ich“, das in sieben Abschnitte aufgeteilt ist. Eine Frau mit einer Autoimunerkrankung, für die sie Medikamente benötigt, hat sich im Sternwartepark eingebunkert, das heißt eigentlich hat sie sich hinausgesperrt, denn die Tore alle zu mit Schlößern, die sie aus dem „Libro“ plünderte. Dort vergräbt sie Lebensmittelreserven und bereitet sich auf ihr Sterben beziehungsweise ihre Verwesung vor. Eine Beziehung zu Hunden, wie auch im „Wiener Kindl“, das Stück aus dem Buch, das Karin Peschka in Klagenfurt gelesen hat, gibt es auch.

Das „Wiener Kindl“ hat drei Teile und Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ hat sich, glaube ich, im letzten Jahr sehr darüber mokiert, daß man der Autorin das „Kindl“ nicht weglektorierte, aber das ist ein Wiener oder vielleicht auch Oberösterreichischer Ausdruck und das Kindl hat auch eine Behinderung oder chronische Krankheit, mußte Medikamente mit einem Silberlöffel nehmen, eine Windel tragen, hat Ergotherapie bekommen, dann kam die Katastrophe. Haus zerstört, Eltern und Brüder verschwunden. Das Kindl steigt aus dem Gitterbett, schleppt sich in den Garten, wo schon die Hunde warten, in dessen Gesellschaft es fortan leben und die Herrschaft über sie erheben wird.

Eine tolle Geschichtensammlung über den Tod, das Sterben und den Zerfall in denen mir Karin Peschkas skurrile Phantasie mit der sie genüßlich, die unglaublichsten Szenen zelebriert, glaubhafter, als in „FanniPold“, beispielsweise, das mir trotz mehrerer Lesungen, immer noch ein wenig unverständlich ist, erschien.

So über die Apokalypse und den Weltuntergang zu erzählen, so poetisch und skurril erscheint mir als das Neue in der Literatur, wie die Kritiker ja immer verlangen, daß sie das haben muß.

Schade, daß es im Vorjahr nicht auf die Shortlist des Öst gekommen ist, dennHand aufs Herz Karin Peschkas Hunde und Menschengeschichten, die nur wenig Kommunikation zueinander haben, haben mir besser als Eva Menasses „Tiere für Fortgeschrittene“ gefallen, was auch für manche andere Shortlistbücher gilt. Ausgenommen das dBp-Siegerbuch,  Brigitta Falkners „Strategien der Wirtsfindung“ habe ich nicht glesen und das Longlistbuch des Doron Rabinovici hat mir auch sehr gut gefallen.

Jetzt ist Karin Peschka  Stadtschreiberin in Klagenfurt und soll sich dort, wie ich gelesen habe, den Klagenfurtern regelmäßig für Texthilfen zur Verfügung stellen, was auch  einungewöhnlicher Einfall der Autorin ist.

2018-03-26

Stadtspaziergangsliteratur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:43
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Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Norbert Kröll

Norbert Kröll

„Unterwegs im Stadtraum – Lesungen und Gespräche“, zu diesem Thema diskutierte heute Johannes Tröndle mit Norbert Kröll und Bastian Schneider, die beide 1981 geboren wurden, beide am Institut für Sprachkunst studierten und beide zum Thema Stadt sehr abstrakte längere oder kürzere Texte vorgelegt haben.

Roman steht auf Norbert Krölls bei „Löcker“ erschienenen „Sanften Asphalt“, dafür war er Stipendiat der Stadt Wien und hat seinen Stadtroman, wo der Mensch in Du-Form mit seinem Körper spricht und dabei seine Schritte und seine Herzschläge zählt, schon einmal im MUSA vorgestellt.

Dann habe ich ihm noch bei der „Langen Nacht im Amerlinghaus“ gehört und jetzt leitete Johannes Tröndel sehr lange genau und ausgührlich in diesen Stadtroman ein.

Ein Mann geht durch die Stadt, ein Tag in Wien, am Morgen steht er auf und durchstreift dann die verschiedensten Orte, wobei er die verschiedensten Begegnungen hat. Es gibt auch eine Stimme und kursiv gesetzte Texte, sowie eine Fotostrecke und, um das ganze noch ein bißchen komplizierter zu machen, hat Norbert Kröll auch noch von hinten nach vorn gelesen und dabei, glaube ich, zum Teil auch ganz andere Texte, als im MUSA.

Es beginnt in der inneren Stadt bei den Luxusboutiquen, wo das Ich überlegt oder von der Stimme angesprochen wird, ob es sich jetzt eine Handtasche kaufen soll? Dann ging es in den Neunten und zwar in die Berggasse zum Sigmund Freud Museum und da wird es meiner Meinung nach ein wenig kitschig oder zu allgemein, wenn sich das Ich nun auf Couch plaziert, die eigentlich in London steht, darüber nachdenkt, daß hier einmal Gustav Mahler gelegen ist und dann kommt die Alma und sagt „Ich will dich und nicht den Mahler, den Werfel, den Kokoschka, etcetra.

Männerphantasien gibt es also auch in der konkreten experimentellen Literatur und dann geht es weiter in das Servitenviertel und da zu der Musikschule, wo das Kind mit den leeren Notenblättern steht und vom Protagonisten verlangt, es möge seine Notenblätter verbrennen. Diese Stelle habe ich, glaube ich, schon einmal gehört.

Dann geht es noch in eine Bäckerei, wo dem Ich die letzten Mohnzelten weggekauft wären, die befindet sich glaube ich im sechsten Bezirk und dann geht es zurück an den Morgen und zu den Körperszenen unter der Dusche, die ich, glaube ich, auch schon kenne.

Johannes Tröndle

Johannes Tröndle

Bastian Schneider

Bastian Schneider

Und Bastian Schneider hat bei Sonderzahl sein zweites Buch „Die Schrift, die Mitte der Trost“, das sind hunderteinundszwanzig Textstellen, die alle das Wort „Stück“ als Betitelung haben von zwischen einer Seite und einer Zeile lang sind, herausgegeben. Kurze Prosastücke halt, Prosaminiaturen.

Aus dem Prosadebut „Vom Winterschlaf der Zugvögel“ hat Bastian Schneider glaube ich in Klagenfurt gelesen oder war das Buch damals schon fertig und stammte seine Lesung aus den neuen Texten, die wieder von Johannes Tröndel genau erklärt wurden? Der dazu sagte, man möge sich einen Stadtflaneur vorstellen, der mit seinem Notizbuch in der Hand durch die Stadt geht und alles aufschreibt, was er hört sieht und ihm einfällt.

Das Ganze hat vier Teile oder Parcours mit Mottis von Robert Walser, Paul Nizon, Peter Kurzeck und Walter Benjamin und durch zwei Parcours hat Bastian Schneider auch seine Zuhörer mitgenommen. Dann gibt es noch einen Adressteil, wo den sämtlichen Stücken Adressen zugeordnet werden, eine ist davon die „Alte Schmiede“, der  Ottb Bauergasse, wo ich einmal gewohnt habe, ist auch ein solches Stück gewidmet und achtundsiebzig Stücke, klärte Johannes Tröndle, die Zuhörer noch auf, spielen in Wien, der Rest dann in deutschen Städten, Marseille, Istanbul, etcetera und im anschließenden Gespräch fragte Johannes Tröndel dann noch die Autoren nach den weiterenPlänen?

Ob Bastian Schneiders Prosastücke vielleicht einmal zur Lyrik werden könnten? Da meinte er, glaube ich, es wäre umgekehrt. Er wäre vom Gedicht zur Kurzprosa gekommen, weil er eher kopflastig wäre und Norbert Kröll will, glaube ich, nicht zu sehr in die Dramtaktik, als zum erzählenden Roman.

Man kann gespannt sein, weil das ja auch das wäre, was mir mehr gefällt und ich einen besseren Zugang hätte, obwohl ich  auch einmal einen „Stadtroman“ geschrieben haben und meine früheren Texte auch eher analytisch beobachtend, als narrativ waren.

2017-07-24

Keine Wunde nichts

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Was ist ein Psychothriller?

„Wikipedia“ definiert da etwas von sich überschneidenden Mystery- und Krimielementen und nennt als Beispiele Alfred Hitchcock, Ken Follet, Dan Brown und Eric Ambler, aber Psycho heißt auch Seele und Mara Muthspiel, die Protogonistin in Amaryllis Sommerers 2010 bei „Milena“ erschienenen Psychothriller „Keine Wunde nichts“ hat einmal Psychologie studiert.

Inzwischen ist sie Fernsehredakteurin, das heißt, sie sitzt mit einem Typen namens Feichtinger in einem Kammerl und schneidet aus Filmen Gewaltszenen heraus, damit die unbeaufsichtigten Kinder, die sich das ansehen, keinen Schaden erleiden.

Die Arbeit  überfordert sie  und so raucht ihr, als sie in der Nacht, in die Kettenbrückengasse, wo sie wohnt, zurückkommt, der Kopf und sie sieht überall Leichen.

Das heißt, sie glaubt, Resi Sternberg, die trinkende Kellnerin aus dem Hinterhaus  mit den Zöpfen und den Rehaugen, bei der Mülltonne liegen zu sehen und geht in ihre Wohnung.

Das schlechte Gewissen treibt sie zurück und sie findet eine tote  vierzehnjährige Drogensüchtige, die, wie sich später herausstellt, erschlagen worden ist.

Das führt nun zu Komplikationen, die wahrscheinlich nichts mit einem herkömmlichen Psychothriller zu tun haben, aber vielleicht hat Amaryllis Sommerer, die auch Drehbuchautorin ist, mit ihrem zweiten „Milena-Krimi“ eine Satire schreiben wollen?

Es passiert also viel in Maras Kopf. Sie hat Schuldgefühle, hört die Stimme der Tote, ist unfähig ihre Filme zu schneiden und seht sich nach Island. Sie will dorthin abhauen, ein neues Leben beginnen, etcetera.

Inzwischen kommt ein müder alter Kriminalinspektor, verhört Mara und die anderen im Haus. Da gibt es noch einen dicken Sportreporter namens Clemens, einen Zahntechniker namens Franz, in dem sich Mara, die vor eineim Jahr verlassen wurde, fast ein wenig verliebt und  es gibt eine Bezirksrätin namens Fischer, die gleich politischen Aufwind spürt, Sicherheitsschlösser und Zugangskontrollen im Haus anbringt und es gibt Resi, das Rehlein und Quartalsäuferin, die während das alles passiert, in ihrer Wohnung im Hintterhaus ihren Vater umbringt.

Dazu glaubt sie ein Recht zu haben, denn er hat sie  mißbraucht und so kommt sie in Maras Wohnung und gesteht ihr alles. Die fühlt sich gleich verantwortlich. Das heißt, zuerst will sie die Polizei holen, aber vorher Frühstück kaufen. In der Bäckerei, die es, glaube ich, in der Kettenbrückengasse nicht gibt, sieht sie aber im Fernseher, ihre vierzehnjährige Nichte, die bei einer Demo von der Polizei beschuldigt wird.

Also nichts damit, das unschuldige Rehlein soll nicht leiden und statt ihr nach Island fliegen und dort verschwinden. Aber zuerst müßen sie die Leiche beseitigen und auf eine Party gehen. Das führt wiederum zu vielen Komplikationen und Slapsticken und eigentlich geht es für einen Psychothriller auch sehr langsam vor sich.

Aber das war wahrscheinlich Absicht, denn ein moderner Krimi muß ja Lokalkolorit zeigen, also die Kettenbrückengasse, keine Ahnung, ob Amaryllis Sommerer, die ich schon bei einigen Lesungen, zum Beispiel in der „Alten Schmiede“ hörte, dort wohnt?

Ich wohne in der Nähe und  da das beschriebene Haus neben einer Apotheke liegt, könnte es  das sein, in dem Elfriede Gerstl einmal ihr Lager hatte.

Dort könnte es auch den beschriebenen Brunnen geben. Ob das ein Durchhaus ist, weiß ich nicht, denn das befindet sich, glaube ich, eher auf der anderen Seite und den  Drogenstrich vor der U-Bahnstation Kettenbrückengasse habe ich eigentlich auch noch nicht gesehen.

Aber es ist ja ein Roman, also Erfindung und Fiction, störend ist dann nur, das Wörtchen „Abitur“ statt „Matura“, denn wer bitte macht die in Wien und der „Milena“ ist ja ein Wiener Verlag, auch wenn er 2010 vielleicht unter deutscher Leitung war.

Auf das Lesen des Buches habe ich  schon gewartet, habe ich es doch gemeinsam mit Amaryllias Thriller-Debut „Selmas Zeichen“ mit dem sie für den „Glauser nominiert war, schon vor längerer Zeit im „Wortschatz“ gefunden. Das werde ich demnächst lesen.

„Ulrich und seine „Täter“, 2012 bei „Milena“ erschienen, habe ich mir letzten Dezember beim „Literaturhaus-Flohmarkt“ gekauft.

Inzwischen verlegt Amaryllis Sommerer bei „Picus“ und hat das 2016 erschienenen Buch „Wie das Leben geht“ das, glaube ich, auch kein Krimi ist, sondern in das Wien der Fünfziger und Sechziger führt, auf der „Buch Wien“ vorgestellt.

2017-07-15

Superheldinnen

Filed under: Bücher — jancak @ 09:02
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Passend zum „Bachmannpreis“ bei dem,  die 1980 in Belgrad geborene und in Wien lebende Barbi Markovic gelesen hat, lese ich jetzt als „Sommerbuch“ ihren bei „Residenz“ erschienenen Roman „Superheldinnen“ mit dem sie den letzten „Alpha“ gewonnen hat.

Ihren Namen habe ich, glaube ich, 2010 das erste Mal gehört, als sie für die „Buch-Wien“ offiziell bloggte, ich tue das ja seit 2008, inoffiziell, habe da aber eine Anfrage bekommen.

„Superheldinnen“ ein schräger oder trashiger Roman, einer der eigentlich nicht wirklich einen Inhalt oder Plot hat, sondern es wird, könnte man so sagen, unbekümmert und mit Fett- oder nicht Fettdruckangaben vor sich hingeschrieben.

Da sind drei junge Frauen, um die dreißig, die alle irgendwie aus Belgrad oder Sarajevo kommen und die treffen sich einmal in der Woche im Cafe Sette Fontane in der Siebenbrunnengasse, im fünften Bezirk. Für Nichtwiener, das ist eher ein Randbezirk, in dem viele alte Leute und Migranten wohnen. Wir wohnen auch da und ich hatte auch einmal ganz in der Nähe, in der Arbeitergasse Ecke Reinprechtsdorferstraße, meine Praxis.

Die drei Frauen, die Ich- Erzählerin, Mascha und Direktorka verfügen alle über magische oder dunkle Kräfte. Sie leben in prekären Verhältnissen haben nur wenig Geld. Schreiben aber einmal in der Woche eine Kolumne für eine esoterische Zeitung, die vom „Casino Austria“ gesponsert wird. Detail am Rande, der „Alpha“ wird das auch, ist das nun Zufall oder nicht?

Höchstwahrscheinlich schon und es waren keine dunklen Kräfte, die Barbi Markovic im letzten Herbst, den Preis zusprachen. Die drei benützen ihre Kräfte aber fleißig zur Auslöschung unliebsamer Personen, während sie den armen Teufeln in ihren Kolumnen wieder zurück ins normale büergliche Leben helfen wollen, das sie selbst nicht leben.

Es gibt auch Connections zu Berlin und dort hat Barbi Markovic ja auch gelebt, behziehungsweise ein Buch mit dem Titel „Graz Alexanderplatz“ geschrieben, denn sie war Stadtschreiberin von Graz und die Ich- Erzählerin war in Berlin und hat dort das „rotzige Kind“ kennengelernt, das sie verfluchte. Verflucht wurde sie auch von ihrer Großmutter und so lebt oder dümpelt es sich dahin.

Das Buch ist sehr flott geschrieben und immer wieder von Markennamen und Werbeinschriften durchzogen. Eine Abhandlung über Depressionen kommt vor und auch das Verhältnis der Erzählerin zu den Tauben, die man ja in Wien nicht füttern darf und das Zuwiderhandeln bestraft wird.

Die drei gehen dann ins Casino gewinnen dort eine Menge Geld und leben fröhlich oder vielmehr unfröhlich weiter und Barbi Markovics „Bachmanntext „der glaube, ich „Der Mieter“ heißt, muß ich mir noch anhören.

Das heißt, ich habe das schon getan, bin aber dann wegen der anstrengenden letzten Tage, Sommerakademie, O-Töne und dann noch spät in der Nacht oder früh am Morgen nach Harland kommen und da noch bloggen, eingeschlafen.

So kann ich über diesen Text nicht sagen und weiß daher auch nicht, ob die magischen oder unmagischen Kräfte, Barbi Markovic auf die Shortlist verholfen und dann ausgelassen haben, wünsche ihr aber jedenfalls alles Gute und das Buch, das man, wenn man eine Einladung zu der „Alpha Gala“ hat, die ich mir ja inzwischen errungen habe,  bekommt, hat sie wunschgemäß und sehr freundlich mit einer Widmung für das „Literaturgeflüster“ versehen, was ich bei geschenkt bekommenen Büchern am Ort gerne einmal mache.

2016-12-17

Und die Nacht prahlt mit Kometen

Das nächste Buch ist wieder  bei „Aufbau“ erschienen, obwohl es in  Wien in den Neunzehnhundertachtziger Jahren und zu Weihnachten im Vorjahr spielt, nämlich Ela Angerers „Und die Nacht prahlt mit Kometen“ und von der 1964 in Wien geborenenen „News-Journalistin“ habe ich das erste Mal vor zwei Jahren auf der „Buch-Wien“ gehört.

Da wurde ihr Buch „Bis ich 21 war“ vorgestellt, das ich dann vom Alfred zu Weihnachten bekommen habe und noch heuer lesen will und während ich im Herbst mit dem „Buchpreislesen“ beschäftigt war, habe ich von zwei Neuerscheinungen gehört, die mich interessierten.

Nämlich von Paula Fürstenfeld „Familie der geflügelten Tiger“ weil ich dachte, daß eine Autorin ähnlichen Namens einmal bei „Etcetera“ veröffentlicht hat und eben „Die Nacht prahlt mit Komenten“.

Auf der heurigen „Buch Wien“ ist mir dann das Buch auch ständig vor die Augen gekommen und ich war auch kurz bei der Diskussion auf der „News Lounge“ wo Heinz  Sichrovsky mit Peter Henisch und Ela Angerer über die österreichische Literatur diskutierte und Ela Angerer, glaube ich, genau erklärte, wie sich ihr erstes Buch vom zweiten unterscheidet.

Es ist Fiction und geht unm Gewalt an Frauen und im Klappentext steht auch noch genau beschrieben, daß es zum Teil in einer Zeit spielt, wo es Vierteltelefone, den Reaktorunfall in Tschernobyl und die Waldheim-Affaire gab.

Das ist lange her und die jüngeren LeserInnen können sich vielleicht gar nicht an diese Zeit erinnern, in der Valerie oder Vie, Tochter aus guten Haus, die die Schule geschmissen hat, zwanzig ist und Bojan aus dem damaligen Jugoslawien kennenlernt.

Der ist etwas widersprüchlich, nämlich Maler oder Kunststudent, geht mit ihr auch in esoterische Sitzungen und ernährt sich makrtobiotisch. Dann schlägt er sie aber wieder serbisch-matschohaft, ist grundlos eifersüchtig, während er sie ständig mit anderen Frauen betrügt, hinauswirft und wiederkommt und Vie  sich nicht wehren kann.

Im zweiten Handlungsstrang ist Valerie knapp fünfzig, erfolgreich im Beruf, trotz ihres widerlichen Chefs und hat sich zu Weihnachten vierzehn Tage Auszeit genommen, die sie, wie sie erzählt, auf den kanatrischen Inseln verbringen will.

In Wahrheit hat sie vor zu Hause zu bleiben, holt sich Konserven aus dem Keller, will schlafen, fernsehen, als sie eine Facebookanfrage von Bojan bekommt, was sie veranlaßt über die Zeit damals nachzudenken, wo sie in verschiedenen Geschäften jobbte, Bojans Atielier aus dem er sie immer wieder hinausschmiß oder seine  jeweiligen Freundinnen mitbrachte putzte, ihm zu einem Festival nach Portugal nachreiste, von ihm schwanger wurde, einmal abtrieb und dann das Kind gegen seinen Willen bekam.

Am Ende schmeißt sie ihn hinaus und ist Bea eine schlechte Mutter, die inzwischen in Washingtohn studiert und von ihr nichts wissen will.

Valerie verläßt die Wohnung, fährt zu dem Atelier, beobachtet eine Frau und eine Katze darin, sieht einen Mann mit Krüken in dem Bojan, der immer Angst vor dem Alter hatte, erkennt, bis sie dann am vierten Jänner in ihre Firma fährt, dem Chef alles hinschmeißt und dann nach Washington fliegt, um sich mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Sehr dicht und bildhaft ist das Ganze beschrieben und ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen, obwohl ich da glaube ich, zehn Jahre vorher war, nämlich in den Siebzigerjahren wo ich studierte und ein ähnliches Wien erlebte.

Valerie geht  mit  Bojan in ein Restaruant, sie stopfen sich die Bäuche, dann rennen sie davon und weil es Vierteltelefone gibt und man so nicht immer telefonieren konnte, schmeißt Bojan mit der Zange den anderen Teilnehmer hinaus.

Sehr dicht und spannend, die Gewalt an Frauen, die damals und wohl auch noch heute serbische aber auch andere Männer an Frauen, die sich schlecht whren können, ausübten.

Ob es so Mischtypen, wie diesen Bojan gibt, weiß icht nicht oder doch höchstwahrscheinlich und die Tochter aus guten Haus, „Gräfin!“, sagt Bojan manchmal zu ihr, die in den Altbauwohnungen von Vermieterinnen wohnt, die auf Reisen sind, konnte ich mir auch gut vorstellen.

Ein sehr journalistischer Roman würde ich meinen, leicht zu lesen und ein Gang durch Wien von gestern und von heute, der Silvester mit den Ereignissen in Köln vor einem Jahr kommt auch vor und obwohl ich ja noch keine Weihnachtsbücher lesen wollte, habe ich jetzt außerplanmäßig eines gelesen und es ist wahrscheinlich auch, als schnelle Lektüre für das Weihnachtsfest an eine interessierte Leserin bestens geeignet.

2016-04-30

Schimpfen wie ein echter Wiener

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Bei der Reihe „Stadtbekannt“ aus dem „Holzbaum-Verlag“, die ja schon einige „Wien-Bücher“, wie „Unnützes Wien Wissen“, „Kaffee in Wien“, „Frühstücken in Wien“ oder „Wiener Grätzel Josefstadt“, bzw. „Siebenstern“, herausgegeben hat, ist jetzt ein  „Schimpfwörterbuch“ oder ein Buch über das Schinmpfen herausgekommen.

Nun bin ich, obwohl ich öfter, auch hier im Blog beschimpft werde, keine, die gerne schimpft und auch keine, die wirklich Dialekt spricht, hat ja meine Mutter darauf geachtet, daß ich mich immer in Hochdeutsch ausdrücke, um es einmal im Leben besser zu haben.

Ich verstehe aber  Dialekt, mag ihn eigentlich auch, nicht unbedingt die Schimpfwörter „Heast Oida, schleich, di!“ oder so und denke, daß er sich auch wandelt, so bin ich mir gar nicht so sicher, ob alles, was in dem Buch zu finden ist, wirklich noch angewandt wird und ob zum Beispiel bei den Würstlständen, die ja oft schon durch Kebab-Buden und Aisa-Nudeln-Stände ersetzt wurden, „A Eitrige mit an Buckl und an Patzn Senf“ verlangt wird.

Aber schön der Reihe nach.

Das Impressum wird mit „Wer das Buachl verbrochen hat“ übersetzt, sonst könnte ich an den Übersetzungen einiges aussetzen, beziehungsweise würde ich das Wienerisch Hochdeutsch und nicht Nord- Bundesdeutsch oder überhaupt geschraubt übersetzen, weil ich letzteres auch schon für einen Dialekt halte und könnte da gleich das Eingangsbeispiel anführen.

Sagt da nämlich die Hausmeisterin, die in der Realistät oft wahrscheinlich besser Serbisch als Wienerisch spricht und vor hundert Jahren sprach sie wohl eher Böhmisch: „Drahts de gschissene Muik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!“ und das heißt, würde ich meinen, nie und nimmer „Dreht die vermaledeite Musik ab, ihr saublöden widerwärtigen Personen, sonst hole ich die Polizei!“, sondern  „Dreht die beschissene Musik ab, ihr blöden Leute!“

Das ist mir auch an anderen Stellen aufgefallen, daß ich anders übersetzen würde, aber jetzt hinein ins Buch. Es gibt neun Kapiteln und ein Register. Eine Warnung gibt es auch, daß für das Anwenden der Beschimpfungen keinerlei Haftung übernommen wird!

Na gut, also auf eigene Verantwortung in das Buch, ich schimpfe ja ohnehin nicht so viel, obwohl mich der Alfred öfter als „Grantscherbn“ oder als „grantiges Wiener Weibl“ bezeichnet, aber das ist, habe ich gelernt, eigentlich die Bezeichnung für einen grantigen Mann, das weibliche Pendant wäre die „Keppltant!“

In Kapitel eins geht es um Sex, also um das „Pudern“, das nicht von Puder kommt und dann natürlich, um den „Oasch“, ein, wie ich lese, sehr beliebtes Wiener Schimpfwort.

Da gibts also das „Oaschgsicht“, das „Oaschgfries“ bis zur „Oaschpartie“ und auch einige gebräuchliche Redewendungen, wie „I reiß ma sicher net den Oasch auf fia di“, auch meiner Meinung nach sehr umständlich übersetzt, bis zum „Das geht mir am Oasch vorbei!“

Beim Würstlstand und beim „Essn und Trink auf Wienerisch“ war ich schon. Da gibt es aber noch das „Wiaschtl“ und das „Für die Wiascht“, nicht zu verwechslen und auf der „Nudlsuppm“ beteuern sicher einige „nicht dahergschwommen zu sein!“.

Es gibt den „Schmarrn“, der eigentlich was Feines ist, wenn er aus Topfen oder Palatschinkenteig besteht, aber man kann auch einen „Schmarrn“ reden und ein arme Leute Essen, also für die auf der „Nudlsuppm dahergeschwommenen“, war er früher auch.

Dann gibts noch „Das Krügerl, das Glaserl, das Stamperl, das Tröpferl“, meist mit Wein wahrscheinlich und was das Bier betrifft, wird das hier  mit Gerstensaft übersetzt. Ob das der Mann am Wiener Würstlstand versteht? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er ein „Tschusch“ ist, aber da sind wir schon beim Kapitel „Überall  Gscheade und Auslända“ und haben  das „Oida verschwind und hoit  de Goschn!“ ausgelassen.

Daß der Wiener sehr überheblich gegenüber alle jenseits der Stadtgrenze ist, kann ich bezüglich meiner Mutter und meinem aus St. Pölten stammenden Mann bestätigen. Sie hat „Gscheader“ also Geschorerer, ein Begriff für den Bauern oder Leibeigener, also Landbewohner, denke ich, zu ihm gesagt, während der Mundl Sackbauer aus dem „Ein echter Wiener geht nicht unter“ , die St. Pöltner schon für „Tschuchn“, also Balkanbewohner hält.

Ein weiteres wichtiges Kapitel ist der Tod oder das „Okrotzn in Wean“.

Da kann man auch „De Potschn strecken, ins Gros beißn“ und noch vieles anderes sagen. Selbstmord oder „Si di Kugl gebn“ kann man auch. Wenn man aber von der Donaubrücke springt, hat das, wie ich gelesen habe, öfter auch andere Motive.

Das gehts zu „Proleten, Gsindl und zur gspriztn Bagage“, also zum Schimpfen durch die sozialen Schichten.

Und auf der Werbeseite kann ich sehen, daß man sich solche Schimpfwörter auch auf Taschen oder T-Shirts drucken lassen und  kaufen kann.

Man kann sein Gegenüber auch als „Blada, Wampata, Schiacha!“ oder anders beschimpfen.

Und bei der Polizei, also der „Heh“ sind wir schon gewesen und wer noch immer glaubt, daß die Polizei, dein Freund und Helfer ist, kann hier „A Kieberer is ka Habera“ lesen.

Dann gehts zu den „Dümmlichen Typen“ auch wieder, wie ich meine „bled“  übersetzt, „in Wien“, also den „Dodln“ Dillos“, „Fetznschädln“ etcetera.

Die Wienerin ist a „Urschl“ „Fusn“, Keifn“, während der Wiener als „Wappler“, „Zniachterl“ „Dodl“, etcetera beschimpft werden kann.

Damit wären wir schon am Ende und sehen hier, weil das gelbe Biachl wirklich schöne Illustrationen hat, das Wiener Riesenrad, in dem die „Grätzn“, „Gurkn“, etcetra sitzen und „Hupf  in Gatsch, Gfrast!“ und anderes schreien.

„Wiener Kultur, das ist Kunst und Musikgenuß. Kaffee und Schnitzerl, sprühender Charme und Weinseligkeit. A so a Schas! Mindestens genau so wichtig ist in Wien die Schimpfkultur, also die Fähigkeit, zu allem und jedem passende unhöfliche, witzig- beleidigende und obszöne Worte und Redewendungen zu finden“, steht noch am Buchrücken.

Wieder was gelernt? Und nicht vergessen, bevor mans ausprobiert, Haftung für die Folgen wird von den Buchautoren nicht übernommen!

2015-09-22

Vom Fälschen und vom Flohmarktleben

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:35
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„Wiener Flohmarktleben“, heißt das Buch des 1945 in Stockholm geborenen und seit 1976 in Wien lebenden Journalisten und Schriftstellers Richard Swartz, der auch als Osteuropakorrenspondent tätig gewesen ist, deshalb waren, glaube ich, auch Martin Pollack und Annemarie Türk in der „Alten Schmiede“, als es heute dort vorgestellt wurde.

Kurt Neumann, der es einleitete, nannte es eine „Athmosphärenerzählung“ und schilderte lang und breit die beiden Erzählstränge, des auf Schwedisch geschriebenen, von Verena Reichel übersetzten Buches, das im „Zsolnay-Verlag“, aber noch nicht auf Schwedisch erschienen ist.

Das „Writersstudio“ würde es wohl eher Memoir nennen, denn es scheinen einige autobiographische Züge und Erinnerungen an die Großmutter in Stockholm enthalten sein, die mit einem Künstler oder Fälscher zusammenlebte, der an Bildern einige „Verbesserungen“ vornahm und dafür auch ins Gefängnis kam.

Ein solches Bild hängt auch in der Wohnung des Ich-Erzählers in Wien, in der Nähe des Raimundtheaters, der zu Beginn des Buches, einen Teppich von einem russischen Händler am Naschmarkt kauft. Diese Stelle hat Richard Swartz, der schon einige andere Bücher geschrieben hat, gelesen.

Dann gab es eine Diskussion wo er erzählte, daß er nur auf Schwedisch schreiben würde, obwohl er es gar nicht mehr so gut sprechen könne, weil er nicht oft in Schweden sei.

Michael Krüger ist, als er noch bei „Hanser“ war, auf ihn zugekommen und hat ein Buch über den Karst von ihm haben wollen, eine Geschichte über das Wiener Flohmarktleben ist es dann geworden, die auch zu den Sammelwohnungen in der Ägidigasse führt, von wo die Juden  nach Minsk deportiert wurden und der Junge, der in dem Buch ohne Namen erwähnt wird, schwärmte von seinem Onkel Ake, dem Fälscher, hat ihm dabei auch geholfen und Richard Swartz erzählte, daß ihm das als Kind sehr beeindruckt hätte.

Ein Mörder wäre ihm noch lieber gewesen, alle lachten, ich rümpfte ein bißchen die Nase, dann sagte er, daß das bei den Frauen wohl anders wäre, die würden sich nicht so für Mörder interessierten, was wohl so nicht stimmt, denn ich kenne einige, die ihnen Briefe ins Gefängnis schrieben und Jack Unterweger hat so auch einige Bekanntschaften gemacht.

Den erwähnte dann Kurt Neumann und es gab zum Abschluß noch eine Stelle aus dem Buch, die zurück nach Schweden führte, da wird der Fälscher, Richard Swartz nannte ihn Maistro aus dem Gefängnis entlassen, die Großmutter und der Junge holen ihn mit dem Taxi ab und das ergibt eine köstliche Szene und ein köstliches Gespräch mit dem Taxilenker, der zuerst sehr mißtrauisch ist und am Schluß gar keine Bezahlung will.

„Das Buch kaufen und signieren lassen!“, forderte Kurt Neumann am Schluß wieder auf, aber das habe ich Angesichts meiner langen Leseliste und der Tatsache, daß ich jetzt Clemens J. Setz Opus Magnum, das nächsten Donnerstag in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wird, doch vom Verlag bekommen werde, nicht getan.

2015-08-09

Gamma Lex

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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Nun kommen zum Sommer passend die Krimis an die Reihe, denn obwohl ich Gewalt ablehne, lese ich sie gerne und „Gamma Lex“ von dem  2012 in Purkersdorf verstorbenen Manfred Bauer, ist auch ein besonderes Buch, auf dem nicht einmal Krimi, sondern „Eine Schattenreise“, 1997 in der“Bibliothek der Provinz“ erschienen, steht, für mich jedenfalls, denn ich habe mit dem  1957 in Wien geborenen Kommunikationsberater, Bibliothekar und Purkersdorfer Gemeinderat einige Jahre lang am Volksstimmefest gelesen, wo er auch seine Krimis vorstellte.

Die späteren erschienenen, in denen es meistens um Aufdeckung politischer Skandal geht und das passiert auch bei „Gamma Lex“, ein Buch, das von dem Büchertisch der „Gesellschaft für Literatur“, die man sich für eine kleine Spende nehmen kann, stammt und nun hinein in die Schattenreise, die auch zum Sommer passend, in Opatja beginnt, da schlurft Gamma Lex, das ist nicht sein richtiger Name, wie der lautet, wird in dem Buch nicht verraten, herum,  sucht nach einem Zentaurus und findet ihn nicht.

Dann geht es hinein in die Handlung, in die Vergangenheit und nach Wien, in die Gumpendorferstraße, wo der Gesetzesrächer, wie ich ihn nennen möchte, der ohne jeden Zweifel autobiografische Ähnlichkeiten mit dem Autor hat, auch herumschlurft, beziehungsweise sucht er, der den Naschmarkt als seine Heimat sieht, das Cafe Drechsler auf und dort findet er Zentaurus. Er sitzt an einem Tisch mit seinem Partner Ferdinand und einer Frau namens Lili und sie machen das, was sie immer machen, nämlich saufen, saufen, saufen. Das heißt eine Runde Bier für alle plus Marille wird nach der anderen bei dem Kellner Josi bestellt.

Zentaurus verabschiedet sich dann, er hat noch einen Termin, Gamma Lex geht mit Lilli nach Hause, weil er kein Geld für ein Taxi in die Shuttleworth Straße, wo er seine Schlafstatt hat, zu besitzen glaubt, das endet aber in einem Fiasko, denn Gamma Lex hat besondere sexuelle Vorlieben, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte, denn „Gamma Lex“ ist ein sehr männliches Buch, in dem Vögeln und Saufen eine große Rolle spielt.

Inzwischen bin ich beim Lesen  einiges gewöhnt und es geht auch flott weiter in der Handlung, denn Gamma Lex, der vom Beruf eigentlich Pressesprecher ist und früher in einer Bank gearbeitet hat, dem Direktor dort seine Reden schrieb „Sie werden das schon machen, schreibens irgenwas!“, schrieb als es um die Einsparungen ging, daß die Dienstlimousinen der Verstände eingespart werden sollen, was zu tobenden Applaus der unteren Chargen und zu seiner Entlassung führte, so teilt er sich jetzt mit Ferdinand die Arbeit in einem Würstelstand am Karlsplatz und dort erscheinen am nächsten Tag Lili und Ferdinand und erzählen Zentaurus ist verhaftet worden, weil er einen Stricher ermordet hat.

Zentaurus ist selbst ein Stricher und konnte es nicht gewesen sein, denn er war stattdessen bei einem Kunden, einem Wiener Gemeinderat und der läßt ihn jetzt mit dem Alibi in Stich, streitet ab, einen Stricher zu kennen und seine Frau und  ein weiterer Zeuge gaben  auch ein Alibi.

So weit so gut oder schlecht, aber eigentlich doch ganz fein, denn Gamma Lex war einmal auch Pressesprecher dieses Gemeinderates, so besucht er ihn, aber der schmeißt ihn hinaus und er verliert auch noch einen Werbeauftrag, den er von einem Herrn Decker, dem Inhaber einer schicken Werbeagentur bekommen hat.

Jetzt bricht Gamma Lex am Naschmarkt zusammen, die Marillen werden da wohl mitgeholfen haben und wird von der Prostituierten Judy bei „Toms Stand“, das ist ein Sauerkrautverkäufer, gefunden.

Die nimmt ihn mit nach Haus, hat flotten Sex mit ihm und verrät ihm dann noch, daß einer ihrer Kunden mit der Frau eines Politikers, den er berät, ein Verhältnis hat und immer mit ihr schläft, wenn er Politiker die Nacht außer Haus verbringt.

Dann gehen die Beiden ins „Lotushaus“, das ist ein Animierlokal im ersten Bezirk mit Separees und Gamma Lex geht mit Judy auch dorthin, sieht die Frau des Gemeinderats und Decker und trifft sich jetzt noch einmal mit dem PR- Berater und dem Gemeinderat, die jetzt viel kleinlauter sind und es stellt sich  heraus, die Frau des Politikers hat den Stricher ermordet, weil er sie erpresste. Sie hat es für ihren Man getan, der dann zurücktreten muß und seine Frau natürlich fallen läßt…

Eine eigentlich sehr einfache, aber durchaus böse Geschichte aus dem korrupten Leben der Wiener Politiker, drast erzählt mit den Marillen und dem Sado Maso Sex, aber durchaus spannend und am Schluß irrt Gamma Lex in Opatja herum, sucht Zentaurus, der ihn hinbestellte  und findet ihn nicht, eine weitere Leiche schwimmt im Meer herum, es ist nicht des Strichers, merke ich noch an.

2015-06-20

Rund um die Burg, stark verkürzt

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 01:08
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Das Literaturfestival „Rund um die Burg“, das es, ich glaube, seit 1991, vierundzwanzig Stunden lang von Freitag sechzehn bis eigentlich Samstag siebzehn Uhr gegeben, hat mich immer sehr fasziniert, obwohl ich es, trotz einiger Versuche, leider nicht schaffte, dort einen Lesetermin zu bekommen, dafür ist es mir gelungen, die letzten Jahre Nonstop dort zu bleiben, gibt es ja leider nicht mehr in seiner „alten Form“.

2010 gab es die Gerüchte, daß es eingespart werden soll, dann gab es noch die Zwanzigjahrfeier im alten Stil, danach übernahm „Wien live“ die Präsentation, das erste Mal, noch im Herbst, aber mit Otto Schenk im Burgtheater und zwei Lesebühnen, in der Belle Etage, dem ehemaligen Salon Zuckerkandl, sowie im Keller des Cafe Landtmanns und im Cafe Landtmann selbst mit abwechselnden Programmen, so daß man ständig hin und her rennen mußte. Das Nonstopprogramm um war weg und als von der Belle Etage, leicht verspäter in den Keller zur letzten Veranstaltung, um ein Uhr früh kam, kam mir Andrea Grill entgegen, da sie angeblich keine Zuhörer hatte und das Theater war schon zugespert.

2013 war die Veranstaltung dann schon im Juni und noch etwas kürzer, aber mit zwei Bühnen, bzw. einem Zelt mit der Literatur und die Sachbücher in der Belle Etage, eine Kinderbim gab es, glaube ich, auch und im letzten Jahr, glaube ich, nur das Zelt und dafür die Lyrikbim und heuer stand das ganze unter einem Motto, nämlich Wien, obwohl das dann gar nicht so stringent eingehalten wurde und einer, wie sie mehrmals betonte, Piefke als Moderatorin nämlich der Schauspielerin Elke Winkes, die sich sehr bemühte, ständig auf die Sponsoren und darauf, daß man deshalb gratis das Festival besuchen dürfe, hinwies, sich aber selber einige Bücher reservieren ließ und die auch kaufte.

Zuerst gab esaber einen Kaffee beim Ö! Wagen und weil meine vier Uhr Klientin arbeiten mußte, konnte ich sogar pünktlich kommen und die Eröffnung mit Stadtrat Mailath- Pokorny miterleben. Dann wurde ein GeorgDanzer Buch vorgestellt, „Große Dinge, Erlebtes und Erzähltes“ mit Christian Schwarz und Andy Zahradnik und ich brauchte eine Weile, bis ich mitbekam, daß der Liedermacher schon vor acht Jahren, nämlich am 21. Juni 2007 an Lungenkrebs verstorben ist.

Danach kam ein Buch aus dem „Echo Media Verlag“ von einem Autor namens Wolfgang Schwarz, offenbar ein Celebritiesmanager, der sowohl Naomi Campell, als auch Stephanie vom Monaco nach Wien brachte und sich dann mit ihr besoff, bis es literarisch wurde und Gustav Ernst mit seiner „Unmöglichen Aussicht“ folgte.

Der las nur kurz, so daß Clemens Haipl mit seinen „Fifty Shades of Wien“, von dem ich schon ein „Holzbaum-Buch“ gelesen habe, noch gar nicht anwesend war, dann aber seinen Applaus mitbrachte und in fünfzig kurzen Kapitel seine Wien-rlebnisse schilderte, die er bei Einkäufen in Baumärkten, Spielzeuggeschäften, etc,machte.

Wilfried Steiner folgte mit einem Krimi „Die Anatomie der Träume“, wo es um einen Roman über Sigmund Freud ging, der für das Theater dramatisiert werden solltre und dann ging es noch einmal um das Theater, nämlich um Markus Muliar, dem Enkel vom Fritz, der sich in seinem Buch mit dem Großvater auseinandersetzte und vorher das Publikum fragte, wer es schon gelesen hätte?

Ein paar meldeten sich, ich hätte das nur bei Karin Peschkas „Watschenmann“ tun können und bei Martin Amanshauser „Falsch reisen“, hätte ich Helmut Schneider, den Kurator oder Programmdirektor, wie ihn Elke Winkens, glaube ich, nannte, gern gefragt, was die Reisegeschichten mit Wien zu tun haben?

Martin Amanshauser hat mich aber sehr beeindruckt, als er die Leute, die hinten beim Eingang mit den Weingläser in der Hand standen, es gab einen Heurigen, aufforderte, Platz zu nehmen, weil er sonst nicht lesen würde. Das hätte ich beim „Margaretner Fest für Kunst und Kultur“ auch  tun sollen.

Manfred Rumpl, von dem ich ‚Zirkusgasse“ und den Krimi „Jäger auf Hasenjagd“, den mir einmal Helmut Schneider zweimal schickte, weil ich „Wien live“ einen literarischen Tip gegegeben habe, folgte mit einem Roman über Einstein und Erwin Schrödinger in Amerika, wo ich den Bezug zu Wien auch nicht so ganz herstellen konnte, aber daraufgekommen bin, daß ich den 1960 in der Steiermark geborenen Autor, obwohl er mir durch sein Werk sehr bekannt ist, offenbar noch nie bei einer Lesung gesehen habe.

Danach kam die Erotiknacht oder das musikalische bzw. das unanständige Programm, nämlich die Präsentation des bei „Haymon“ erschienenen „Unanständigen Lexikon“, wo die Journalisten Christoph Winder und Robert Sedlaczek, offenbar alle Fäkal- und Sexualausdrücke des deutschen Sprachraums zusammengesammelt haben und daraus ein Kabarettprogramm machten, das sie gemeinsam mit Gabi Schuchter, Christian Spatzek und Markus Vorzellern an der Harmonika, präsentierten.

Das heißt, sie führten eine Szene aus der Josefine Mutzenbacher auf, sangen Stanzerln und Volkslieder bzw. boten sie die Mozart Kanons a la Jandl auf.

Das war sehr lustig und interessant, während ich mit Otto Brusattis Streifzug durch sein noch nicht erschienenes Buch „Das musikalische Opfer“ nicht so viel anfangen konnte.

Dann kam die Kriminacht in dem verkürzten Programm, nämlich Andreas Pittler, der sich einmal bei mir für meine ständige Berichterstattung bedankte mit seinem, ich glaube, siebenten Bronstein-Roman „Goodbye“, der im Jahr 1955 spielt und einen inzwischen pensionierten Major Bronstein beim Saufen, bezeihungsweise beim „Reblaus“ singen, schilderte und Christian Klinger stellte  seinen Text aus dem „Tatort Naschmarkt“ vor.

Das wars für Freitag. Am Samstag wird es literarischer von elf bis zwei mit Wilhelm Pevny, Isabella Straub, Elfriede Hammerl, Vladimir Vertlib und Tex Rubinowitz weitergehen, aber da werde ich in St. Pölten bzw. in Seewalchen am Attersee bei Luis Stabauers Buchpräsentation sein.

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