Literaturgefluester

2019-10-18

H. C. Artmann in Berlin

Während sich die Literaturbegeisterten, Autoren, Blogger, Verleger, etcetera in Frankfurt tummeln oder sich vielleicht ein paar Unentwegte über das Netz auf das „Blaue Sofa“ setzen, bin  ich ab Donnerstag in die Wien-Bibliothek in die Bartensteingasse gegangen, um mir dort das Internationale  Symposium „H.C. Artmann und Berlin“ anzuhören.

Aufmerksame Leser, falls ich solche haben, werden jetzt vielleicht sagen, aber das gab es doch schon vor ein paar Jahren, daß du dorthin gepilgert bist und dir dort zwei Tage lang H. C. Artmann beziehungsweise seinen poetischen Akt angehört hast, beziehungsweise am Freitag früher weggegangen bist, um mit dem Alfred nach Göttweig hinauszufahren, wo, glaube ich, auch Rosa Pock, die Artmann Witwe, gelesen hat.

Ja, habe ich, aber H. C Artmann ist offenbar ein wichtiger österreichischer Autor, mit dem sich die Germanistik sehr beschäftigt, während sich die Lleute im Literaturcafe, was ich immer noch ein wenig seltsam finde, darüber streiten, ob Peter Handke eine Schlaftablette oder vielleicht doch ein würdiger Nobelpreisträger ist und es hat sich, glaube ich, auch seit dem ersten Symposium eine „H. C. Artmann Gesellschaft“ gegründet, die sich jetzt mit H. C. Artmanns Berliner Jahren beschäftigt, denn der H. C., der 1921 in Wien-Breitensee geborenen Hans Carl Artmann, da gab es auch noch ein Symposium in den Breitenseer-Lichtspielen, der im zweiten Weltkrieg verwundet wurde, lebte von 1961 bis 1965 in Stockholm und ist dann nach Westberlin gegangen, wo er sich offenbar auch mit anderen Wiener Autoren mit Gerald Bisinger, Elfriede Gerstl, beispielsweise zusammengetan hat und auch mit Ernst Jandl und Friederike Mayröcker gelesen hat und diese Berliner Zeit wurde nun in der Bartensteingasse beleuchtet.

So gab es das erste Referat von der Mitveranstalterin Sonja Kaar, die über H. C. Artmann und Gerald Bisinger referierte und der 1999 verstorbene Gerald Bisinger, der in erster Ehe mit Elfriede Gerstl verheiratet war, hat mit mir auch einige Zeit in Berlin gelebt, ist dort im literarischen Colloquiim tätig gewesen, bis er wieder nach Wien zurückging, wo ich ihm, nachdem ich in die GAV aufgenommen wurde, kennenlernte und eigentlich ein Fan von ihm war, weil mir sein Gedichte „Ich sitze im Zug, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August!“, die ja wahrscheinlich streng genommen keine sind, sehr gefallen.

Gerald Bisinger war, glaube ich, auch ein bißchen ein Fan von mir, zumindestens hat er ein paar Texte von mir in Ö1 und in der „Rampe“ veröffentlicht und mir auch den Rat gegeben mein „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ an „Residenz“ zu schicken, was ich aber schon gemacht habe, so daß Jochen Jung über die zweite Zusendung eher verärgert war.

Daß er in Berlin war, habe ich zwar gewußt, in den sechziger Jahren war ich aber etwa fünfzehn und habe mich da noch nicht so sehr für Literatur interessiert.

Interessant war aber das zweite Referat, das in zwei Filmen, die österreichische Szene in Berlin und eine Lesung mit Friederike Mayröcker, Ernst Jandl und H. C. Artmann zeigte, die von Walter Höllerer moderiert wurde, die in einem Sprechgesang endete.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, wer oder was die Wiender Gruppe ist?

Streng genommen gehörten, glaube ich, Friedrich Achleitner, der vor kurzem gesgtorben ist, Gerhard Rühm, H. C. Artmann, Konrad Bayer und Oswald Wiener, also fünf Personen dazu und es wird, glaube ich, gestritten, ob man Elfriede Gerstl, den Jandl und die Mayröcker auch dazu zählen soll oder nicht?

H. C. Artmann hat den Dialekt „med ana schwoazzn dintn“ in die Literatur hineingebracht und in Berlin, glaube ich, sein „Dracula, Dracula“ geschrieben. Die anderen Mitglieder sind aber, glaube ich, nicht so sehr wegen des Dialektes, sonder eher wegen der Sprachexperimente in die Literatur eingegangen.

Herbert J. Wimmer hat über Elfriede Gerstl und ihre Berliner Erfahrungen, sie hatte damals kein Geld und hat öfter ihre Wohnung, sprich die Untermietzimmer gewechselt, aber eine Zeitlang auch in der „Kleisstraße 35“ wo auch Artmann wohnte, gelebt.

Es gab ein Referat über die Musik, denn H. C Artmann hat auch  mit dem Musiker Gerhard Lampersberg zusammengearbeitet, obwohl seine Oper  „Der Knabe mit dem Brokat“ nicht aufgeführt worden ist und dann kam der in Amerika lebende Germanist Peter Pablisch an die Reihe, der, glaube ich, einen erweiterten Begriff der „Wiener Gruppe“ hat und auch Peter Handke dazuzählt, die aber in Amerika verbreitet, berichtete darüber und hat dann die Fritzi angerufen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte und sie gefragt, ob sie sich an die Lesung in den Sechzigerjahren erinnern kann?

Sie konnte es und Rosa Pock, die Witwe, kam auch auf die Bühne und erzählte, daß sie den H. C. in Berlin kennengelernt hat. Gerhard Rühm mußte absagen. Dafür erschien aber, welch überraschung Oswald Wiener, den ich, glaube ich, noch nie live gesehen habe, der auch etwas über seine Beziehung zu dem H. C. etwas erzählen sollte.

Leider mußte ich die interessante Erinnerungsrunde verlassen, weil ich eine sechs Uhr Stunde hatte, die ich nicht verschieben konnte, so mußte ich auf das Brot und den Wein und das Gespräch mit der Angela und dem Josef verzichten, kann aber noch ein bißchen „Frankfurtsurfen“ und aufs blaue Sofa gehen, um mir beispielsweise die „Aspekte-Preisverleihung“ an Miku Sophie Kühmel, sowie den „Diogenes-Talk“ anzusehen, bis es Morgen um neun weitergeht.

Am Freitag ist es dann mit Alexandra Millner, der Präsidentin der „Artmann-Gesellschaft“, die ja einmal Praktikantin in Annas Schule war, weitergegangen. Sie hat das „Artmannsche Universum“ im „wackelatlas“, sprich in einem Film, den Artmanns Tochter Emily und seine Nicht kurz vor seinem Tod gedreht haben, vorgestellt und da kann ich mich gleich an eine GAV-Veranstaltung im AK-Theater, in den neunziger Jahren wahrscheinlich erinnern, wo der H C. in einem schönen weißen Anzug mit seinem Stock aufgetreten ist, im Dezember 2000 ist er, ein halbes Jahr nach Ernst Jandl und Arthur West gestorben. Da gab es dann eine Veranstaltung im Literaturhaus an die ich mich erinnern kann und in einem Film im Filmcasino bin ich auch gewesen.

Wie der aber geheißen hat, habe ich keine Ahung mehr. Beim Symposium ist es mit der Druckwerkstatt der Dichter in Rixendorf weitergegangen, die Uwe Bremer vorstellte und die nie in Rixendorf war.

Dann gab es eine Mittagspause und anschließend gab es noch eine Gesprächsrunde zu „Dracula, Dracula“, da bin ich aber schon in die „Alte Schmiede“ gegangen, zum „Kulturpolitischen Arbeitskreis“ der GAV, deren Präsident oder Generalssekretär H. C. Artmann, als er wieder nach Wien zurückgekommen ist,  ja einmal war.

2019-09-30

Slammer.Dichter.Weiter

Ich bin ja keine so besondere Freundin des Poetry Slams, obwohl ich inzwischen ganz regelmäßig zu den Veranstaltungen ins Literaturhaus gehe, daß aber Markus Köhle eine Staffel in der „AS“ hatte, ist mir bisher entgangen und ich bin auch  nicht so engagiert zu der Veranstaltung von Anna-Lena Obermoser und Simon Tomaz gegangen, habe mich aber, kann ich gleich verraten, geirrt, denn „Slammer.Dicher.Weiter“ ist eine sehr interessante Veranstaltung, die den Rahmen der Poetry Slams sprengt, wo zehn Leute gegeneinander antreten und das Publikum schreien und klatschen darf.

Das heißt geklatscht werden soll dabei auch, es gibt aber kein Wettlesen, sondern Markus Köhle, der ja auch ein begnadeter Slamer war, stellt immer einem Wiener und einen Slamer aus dem Bundesländern vor. Dazu gibt er ihnen auch drei Dichter zur Auswahl auf den oder sie dann dichten müßen und er moderiert das Ganze und liest ein paar Texte von den vorgestellten Dichtern vor.

Klingt spannend, ist es auch, obwohl mir weder die Pinzgauerin, die jetzt in Graz lebt, Anna-Lena Obermoser und die bewußt  Dialekt verwendet, noch der Wiener Simon Tomaz ein begriff war, aber der ist glaube ich gar kein jrichtiger Slamer sondern eher ein sehr poetischer Vertreter der experimentellen Poesie.

Doch schön der Reihe nach, denn Simon Tomaz ließ mich, als ich den Saal betreten wollte, würfeln, wozu das gut war, erklärte er später und Markus Köhle stellte zuerst die beiden Slamer vor, dann begann Anna-Lena Obermoser mit einem typischen Slam zum thema „Schen ist“, während Simon Tomaz die Bundeshymne rezitierte, aber nicht wirklich die echte, sondern eine mit Aussparungen, in die dann die erwürfelten Worte eingetragen wurden.

Klang ein weinig mühsam, würde ich sagen, aber da kamen schon die drei Dichter und Dichterinnen die Anna-Lena Obermoser zur Auswahl hatte, Christine Busta, Günther Falk und Elfriede Gerstl sie hat sich für die Gerstl entschieden und zwei ihrer Gedichte in ihren Text hineinverwoben, während sich Simon Tomaz für Konrad Bayer von der Wiener Gruppe und einem „Kasperl auf dem elektrischen Stuhl“ entschieden hatte. Sein Text darauf war im Vortrag eines Kasperltheaters gehalten. Der Polizist und das Krokodil trauchten noch zusätzlich auf und sehr politisch, ich glaube, es ging auch um die Kanzlerfrage und die gestern stattgefundene Wahl, war sein Text auch.

Markus Köhle rezitierte dazwischen immer wieder Elfriede Gerstls Postkartentexte und ergänzte, daß Gerhard Rühm auch einmal die Bundeshymne variiert hat, dann kamen noch ein paar Runden, wo die beiden ihre eigenen Texte vortrugen. Anna Lena Obermoser hatte, glaube ich, noch was zu der Gerstl und ich fand die Veranstaltung, die weit über den Poetry Slam hinauging, wie schon erwähnt, sehr interessant.

2016-02-25

Neuer Konrad Bayer-Band

Eigentlich habe ich  heute zur Präsentation des neuen Romans von Gabor Fonyad gehen wollen, den ich in der „Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, dann habe ich mir wieder einmal die Facebook Seite der österreichischen Nationalbibliothek angesehen und bin darauf gekommen, daß da ein neuer Profilband über Konrad Bayer in der „Gesellschaft“ vorgestellt wird und habe umdisponiert, denn Konrad Bayer, ein Vertreter der „Wiener Gruppe“, der sich 1964 das Leben genommen hat, weil er, wie in „Wikipedia“ steht, von der „Gruppe 47“ nicht gut aufgenommen worde, ist ja sehr interessant, obwohl ich weder eine Anhängerin der Avantgarde, noch der experimentellen Literatur bin und mich bei der „Wiener Gruppe“ auch nicht so auskenne, aber wahrscheinlich gerade deshalb.

Bin ich ja sehr neugierig und war auch einmal im „MUSA“ als dort die Literatur der fünfziger Jahre präsentiert wurde und habe dann den Konrad Bayer falsch geschrieben, was von meinen damaligen Kommentatoren Rudi Lasselsberer und Frau Haidegger nicht gut aufgenommen wurde.

Letztere ist seit 2010 verschwunden, den lieben Rudi habe ich aber gleich getroffen, als ich sehr früh in die „Gesellschaft“ gekommen bin und er hat sich auch den umfangreichen Werkband, der von Klaus Kastberger, der jetzt Professor in Graz und Leiter des Literaturhauses ist und Thomas Eder, ein Wiener Germanistikprofessor, herausgegeben wurde, gekauft.

Die ganzem Anhänger der experimentellen Szene tauchten auf, Herbert J. Wimmer, der Doyen Friedrich Achleitner, der ja neben Oswald Wiener und Gerhard Rühm ebenfalls der Wiener Gruppe angehörte, Hermann Hendrich, der irgendwie auch damit zu tun hatte, Bernhard Fetz und noch einige andere Autoren und Experten.

Manfred Müller leitete ein und Klaus Kastberger erzählte, wie es  zu der Herausgabe gekommen ist.

Das Literaturarchiv hat den Rühm Vorlaß gekauft und da waren einige Seiten von Bayer Texten, beziehungsweise solchen, die seine Schrift und seinen Namen hatten, enthalten, vorwiegend solche, die noch nicht publiziert waren oder bei Ausstellungen verwendet wurden.

Auf die hat Klaus Kastberger dann seine Studenten angesetzt, ein Symposium in Mürzzuschlag gab es auch und ein Teil in dem Buch ist den Zeitzeugen gewidmet, Friedrich Achleitetner, Oswald Wiener, seiner Frau, etcetera, die alle, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erwähnte, ein sehr heterogenes Bild von dem 1964 verstorbenen hatten, beziehungsweise ihn unterschiedlich erlebten.

Diese Texte und diese Artikel sind jetzt in dem Band enthalten, der den Titel „Texte, Bilder Sounds“ trägt und wurden in der Gesellschaft auch auf die Wand projeziert.

Am Schluß gab es noch eine Tonbandaufnahme von einer Bayer-Lesung auf dem Jahr 1963 zu hören und eine Diskussion gab es auch, die Klaus Kastberger damit beendete, daß er meinte, daß man das heute alles gar nicht mehr so genau wissen kann, weil die Zeitzeugen sich alle an etwas anderes erinnern  und die Wissenschaftler wahrscheinlich die einzigen seien, die ein objektives Bild von dem berühmten Mitglied der Wiener Gruppe geben können, der den unvollendeten Roman „Der sechste Sinn“ geschrieben hat und die Romanmontage „der kopf des vutus bering“ der von „Jung und Jung“ vor einigen Jahren herausgegeben worden.

Interessant, interessant, obwohl ich wahrscheinlich keine Anhängerin der experimentellen Literatur werde und mir vielleicht auch denke, daß ein Text, der zehn Minuten lang nur aus „A gibt B die Hand, B dem C, etcetera, vielleicht nicht so ganz sinnvoll ist. Aber ich bin eben eine realistisch schreibende Psychologin und am Heimweg noch in die Ausstellungseröffnung von „Chagall zu Malevich“, in der Albertina zurechtgekommen, die  gut zu dem „Poem ohne Held“ von Anna Achmatova passt, das ich vor kurzem gelesen habe.

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