Literaturgefluester

2018-01-07

Lesen ist Leben

Nachdem das letzte Rezensionsexemplar von 2017 gelesen wurde und das erste 2018 auf meinem Wiener Badezimmerstapel noch ein wenig warten muß, habe ich Zeit für die älteren Bücher, die ja auch auf meiner Leseliste stehen und da habe ich mit ausnahme des „Engelchen“ aus dem „Partisanenworkshop“ schon ein halbes Jahr wegen des dreifachen Buchpreislesen nichts mehr davon gelesen und war doch in den letzten Jahren auf einigen Flohmärkten, wo sich so einiges Älteres, also das was vor ein zwei drei Jahren auf den Buchpreis oder Brstsellerlisten stand, bei mir angesammelt hat und weil ich ja gerne über das „Lesen von Büchern“ lese, habe ich da, als erstes Buch in diesem Jahr von meinem Harlander Stapel Cornelius Hell „Lesen ist Leben“ herausgesucht, bespricht der 1956, in Salzburg geborene Literaturkritiker, Essayist und Übersetzer, den ich auch regelmäßig bei literarischen Veranstaltungen oder auf der Donau Lounge bei der „Buch Wien“ treffe, seit Jahren zu Gedenktagen in Ö1 seine „Gedanken für den Tag“ und da ist 2009 bei „Wieser“ eine Sammlung der Texte herausgekommen, die ich mir vor zwei Jahren eben bei diesem „Lyons-Flohmarkt“ in St. Pölten vom Alfred kaufen ließ.

Ein paar Tage später war ich in der „Gesellschaft für Literatur“ wo ja Cornelius Hell zweimal im Jahr gemeinsam imit Katja GasserBuchempfehlungen gibt und da konnte man das Büchlein auch kaufen. Die Dame, die gerne zu solchen Veranstaltungen geht und mit der ich dann immer plaudere, hat es begeistert getan.

Ich auch, komme aber erst jetzt zum Lesen, habe aber, glaube ich, auch schon einige der Beitrage im Radio gehört.

Denn es sind die Originalbeiträge mit Ausnahme von Texten über Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann und Christine Busta, die extra für das Buch geschrieben wurden, wie Cornelius Hell in seinem Nachwort schreibt, die  abgedruckt wurden.

Los gehts mit einem allgemeinen Essay übers Lesen, in dem Cornelius Hell sehr ehrlich beschreibt, wie ihm, der als Kind ein Außenseiter war, das Lesen gerettet hat.

Dazu kann ich, die ich meine Meinung über das Lesen, das ich ja auch sehr intensiv betreibe, regelmäßig äußere, nur sagen, daß Lesen natürlich nicht Leben, sondern wahrscheinlich schon oft Flucht davor ist, einen Außenseiter aber über seine Tristesse retten kann und ich habe auch immer schon sehr viel gelesen.

War als Kind wahrscheinlich auch eine Außenseiterin.Mir haben meine Eltern, bzw die Kinderfreunde das Lesen beigebracht. Der Bücherkasten im elterlichen Schlafzimmer dessen Exemplare jetzt bei mir in Harland stehen, waren meine Vorbilder. Als Studentin habe ich viel Geld in Buchhandlungen geleassen. Jetzt plündere ich die Bücherschränke und frage Rezensionsexemplare an, beziehungsweise lasse ich mir welche schicken und lese wahrscheinlich auch deshalb, weil ich herausfinden will, was die anderen besser, als ich können?

Sie sind wahrscheinlich gründlicher als ich, haben im Elititegymnasium wahrscheinlich besser, die Grammatikgelernt, experimentieren vielleicht auch mehr mit der Sprache, während ich politischer und realistischer bin.

Aber sonst sehe ich eigentlich nicht sehr viele Unterschiede und denke, daß ich wahrscheinlich mehr als die meisten anderen geschrieben habe. Aber natürlich wird man mir jetzt antworten, es geht um Qualität und nicht um die bloße Menge.

Also zurück zu Cornelius Hell, beziehungsweise zu Theodor W. Adorno, denn die Beiträge sind in dem blauen Büchlein alphabetisch angeordnet und sie wurden in Ö1 wahrscheinlich zu den Gedenktagen gesendet und wenn ich da eine Kritik aäußern darf, stört es mich, daß die Lebensdaten nicht oben angegeben werden und auch nicht steht, zu welchen Anlaß wann gesendet oder geschrieben wurde?

Ansonsten gilt, was auch bei anderen Büchern, beispielsweise bei den Hettches Essays, die ich vor kurzem gelesen habe, zu sagen ist, können, wie auch Cornelius Hell selber anmerkt, die fünfmal  zwei bis drei Minuten Texte, nur eine kleine Anregung sein, sich selber weiter in die Werke der Geehrten zu vertiefen und als solches sind es sicher  sehr wertvolle Gedanken für den Tag!

Von Theodor W. Adorno, von dem die meisten wahrscheinlich, mich eingeschlossen, Hand aufsHerz nicht sehr viel im Original gelesen haben, gibt es einige berühmte Sätze, die in aller Munde sind und dann meistens noch, wie Cornelius Hell anmerkt,, falsch zitiert werden:

„Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen“, ist so einer. Aber noch viel berühmter „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ oder „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“

Da kann ich gleich anmerken, daß es da ein sehr sehr Berühmtes gibt, aber das wird wahrscheinlich erst beim Buchstaben „C“ zitiert und wir sind  erst beim A. und weil ein Blogbeitrag ja keine Buchlänge haben soll, lasse ich das hier so stehen und gehe weiter zu Hans Christan Andersen, dem berühmten dänischen Märchendichter. Von dem kennen wir „Des Kaisers neue Kleider“, „Die Nachtigall“, wo die Menschheit und ihr Irglauben entlarvt werden.

Ich füge aus eigener Erinnerung noch den „Schweinehirten“ und wo ich immer noch, wenn ich es lese weinen muß „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ hinzu. Da kann man über meine Psyche nachdenken oder  wieder zurück zum Autor gehen und da erwähnt Cornelius Hell, daß Andersen, der Sohn eines atheistischen Schusters und einer frommen Wäscherin war, sich zeit seines Lebens mit der Gesellschaft schwer tat, Angst vor dem scheintot hatte und sein Leben in seiner Biografie offenbar selbst ein bißchen schönfärbte.

Dann kommen wir, die biografische Auflistung machts möglich, daß beim Lesen ein „literarischer Kraut und Rüben-Salat“, entsteht zu Hannah Arendt, die obwohl Jüdin mit Martin Heidingerr ein Verhältnis hatte, die Eimann Prozesse iin Jerusalem für dieZeitschrift „New Yorker“ 1961 beobachtete und dann von der „Banalität des Bösen“ sprach.

Dann kommen wir schon zu Ingeobrg Bachmann, sie hat den Einmarsch der Nazis, als entscheidenend Schnitt in ihre Kindheit erlebt, dann das Hörspiel „Der gute Gott von Manhatten“ und natürlich die Gedichtsammlung die „Gestundete Zeit“ geschrieben und ein paar Seiten Eintrag ist natürlich viel zu wenig, das gesammelte Leben der Dichterin zu erfassen, also ran an die Werkausgabe. Es gibt aber auch genügend andere Bücher in dem man sich mit dem „Bachmann Mythos“ beschäftigen kann.

Gottfried Benn wird, wie Bertold Brecht sehr widersprüchlich geschildert. Bei Brecht merkt Cornelius Hell an, daß er auch viele schlechte Texte geschrieben hat, welche, das wären scheibt er nicht, kommt dann zu seinen Frauenbeziehungen, wo er viele sehr schlecht behandelt hat.Einer Frau wollte er, obwohl sie krank war, sogar  nicht behalndeln lassen, weil er sie brauchte, dann ließ er sie aber in einem Spital zurück. Trotzdem meint Hell, hat Brecht sehr schöne Liebesgedichte geschrieben und ich merke an, obwohl ich mich nur sehr wenig mit Brecht beschäftigt habe, daß ihn das in meinen Augen auch eher unsympathisch macht, obwohl ich ja gerade über einen anderen literarischen Unsympather etwas anderes geschrieben habe.

Da habe ich jetzt noch Heinrich Böll ausgelassen, der ja inzwischen seinen hundersten Geburtstag hatte, die Gedanken sind vielleicht zu seinem neunzigsten  erschienen und da werden auch die Kriegserfahrungen, sein Katholizismus und einige seiner Werke erwähnt.

Die 1915 geborene und 1987 verstorbene Lyrikerin Christine Busta, ist inzwischen, glaube, ich etwas vergessen. Ich habe eine Lesetheateraufführung ihrer Gedichte einmal im Literaturhaus gehört, im Radio war sie zu ihren Gedenktagen, glaube ich, auch öfter und in der „Gesellschaft für Literatur“ gab es glaube ich einmal ein Symposium. Cornelius Hell  geht in seinem für dieses Buch geschriebenen Text von ihrer proletarischen Herkunft aus. Die Mutter war Dienstmädchen und Verkäuferin. Christine Busta war bis zu ihrer Pensionierung Bibliothekarin der städtischen Büchereien, wie so manche anderer Dichter und hat ihre Gedichte ihres Empfindens nach, wie Cornelius Hell erwähnt, offenbar nur nebenbei, geschrieben.

Von Albert Camus, der 1913 in einem kleinen Dorf bei Algir geboren wurde, haben wir in der Straßergasse die „Pest“ durchgenommen, beziehungsweise habe ich die, glaube ich, 1973 nach meiner Matura, als ich stark in der philosophischen Krise war und mir die Welt erlesen wollte, selbst durchgenommen. 1960 hatte er einen Autounfall und den Nobelpreis hat er, glaube ich, auch bekommen.

Dann gehts zu Paul Celan und zu seiner „Todesfuge“, aber auch anderen Gedichte und „Herzzeit“, den Briefwechsel mit Ingeborg Bachmanm habe 2009 gelesen, der mich sehr beeindruckt hat.

Günter Eich war der Ehmann von Ilse Aichinger und der Vater von ihrem Sohn Clemens, das habe ich als ich 2016 bei der Buch-Wien beim Bücherquiz angetreten bin, verwechselt, er ist inzwischen fast vergessen schreibt Cornelius Hell und zählt seine Gedichte und Hörspiele auf und eine Gedichtzeile, ähnlich beeindruckend, wie Paul Celans Frage an die tote Mutter aus  „Nähe der Gräber „Und duldest du Mutter, wie einst, ach, daheim, den leisen, den deutschen, den schmerzlichen Reim?“

Das hat Paul Celan geschrieben und von Günter Eich ist das Gedicht, das die harmolse Frage, „Wie gehts?“ auf sehr traumatisierte  Art beantwortet: „Es geht, es geht, aber wenn der Krieg vorbei ist, fahren wir nach Minsk und holen die Großmutter ab“, gemeint ist damit nicht seine, sondern die von Ilse Aichinger, die ja von den Nazis deportiert und ermordet wurde, was sie, glaube ich, auch in der größeren Hoffnung“,  beschreibt.

Dann kommen Gedanken über Goethe, Heinrich Heine und Johann Gottfried Herder und ein Kapitel oder eine Radiowoche ist seltsamerweise dem Gespann Immanuel Kant und Thomas Bernhard gewidmet, die auf dem ersten Blick ja scheinbart  nichts gemeinsam haben.

Doch, klärt  uns Cornelius Hell auf, beide hatten am zwölften Februar ihren Todestag und Bernhard hat außerdem noch ein Tbheaterstück namens „Kant“ geschrieben, wo der Hhilosoph einen Papagei hat, der immer „Imperativ, Imperativ!“ schreit und nach Amerika fährt, um sich ein Ehrendokorat abzuholen und sich einer Augenoperation zu unterziehen.

Ödon von Horvath und „seinem Gott der Wahrheit“ ist ein Kapitel gewidmet und den habe ich als Studentin viel gelesen und seine erbarmungslosen Schilderungen der armen Frauen, in „Geschichten aus dem Wienerwald“ oder „Glaube, Liebe, Hoffnung“, das ich einmal mit dem Alfred und der Anna, während unserer Donauradfahrten im Landestheater Linz gesehen habe, haben mich sehr beeindruckt.

„Die Jugend ohne Gott“, habe ich glaube ich auch einmal gelesen oder war das „Der ewige Spießer?“ und geboren wurde Horvath am 9. Dezember 1901 in einem Vorort von Rijeka und ist dann mit seinen Eltern nach Belgrad, Budapest und München gekommen.  Gestorben ist er 1938 in Paris, da wurde er von einem Baum erschlagen und das ist ein Motiv, das ich in meinen „Krimis“ „Tod eines Jurymitlglieds“, sowie „Taubenfüttern“ verwendet haben.

Dann kommen wir zu Erhard Kästner, Erhard, nicht Erich, denn der wurde am 13. März 1904 in Schweinfurt geboren, war einige Jahre Sekretär von Gerhard Hauptmann und außerdem Bibliothekar in Dresden, sowie nach dem Krieg Leiter der Herzog August Bibbliothek in Wolfsbüttel und außerdem hat er sich offenbar sehr für Griechenland interessiert und einige Bücher darüber geschrieben, was mir, wie ich bekennen muß, bisher entgangen ist.

Dann gehts zu Immre Kertez dem Nobelpreisträger von 2002, da waren wir gerade in Frankfurt auf der Messe und ich habe das an irgendeinem Stand durch György Dalos erfahren und habe sogar einen Moment gedacht, das wäre der Preisträger. Kertez, der mit Fünfzehn ins KZ kam und dann mit dem „Roman eines Schicksallosen“ berühmt wurde, wurde dafür für die Aktion „Eine Stadt ein Buch“ ausgewählt, das war aber, glaube ich nur das Drehbuch von dem berühmten Buch und Cornelius Hell führt in seinen „Gedanken“ genauer die vier Teile aus, in denen sich Kertez mit seinen Holocausterfahrungen beschäftigt und bringt auch seine Gedanken zur „Reichskristallnacht“, die ja, glaube ich, heute politisch korrekt „Novemberprogrom“ heißt.

Dann kommen große Namen, von denen heute die meisten niemand etwas gelesen hat oder höchstens, die Älteren im Gymnasium etwas von ihren hörte. Cornelius Hell gedachte, sowohl  Friedrich Gottlieb Kloppstock, über den Lessing sagte „Wer wird nicht einen Klopptstock loben – doch wird ihn jeder lesen?“, als auch Nikolaus Lenau und Eduard Mörike, von letzteren stammt, die Novelle „Mozarts Reise nach Prag und viele schöne Gedichte, zu ihrem zweihundertsten Geburtstag und unbekannt ist heute wahrscheinlich auch Karl Philph  Moritz, der hat den „Anton Reisner“ geschrieben, das weiß ich auch, sonst aber nicht sehr viel und auch den evengelischen Theologen, der dann vom Papst zum katholischen Kardinal ernannt wurde, John Henry Newman habe ich nicht gekannt.

Dafür natürlich Thomas Mann, denn den habe ich in meiner Studentinnenzeit auch sehr intensiv gelesen und wahrscheinlich nicht verstanden und interessant ist, daß es da nur zwei Kapitel gibt. Was war da los? Hatte die Woche da nur zwei Werktage oder entstand der Text aus einem anderen Grund? Im Nachwort wird das nicht erwähnt.

GeorgeOrwells „1984“ habe ich auch als Studentin gelesen, von ihm gibt es aber, wie Cornelius Hell meint, bessere Texte und zitiert das Leben des 1903 als Eric Arthur Blair in Bengalen geborenen, der längere Zeit Kolonialpolizist in Burma war. Dort einen Elefanten erschießen mußte und einen Gefangenen zu seiner Hinrichtung begleitete. Er hat auch die „Farm der Tiere“ geschrieben, wo er das Sowetregime  karikierte. Dieses Buch hat Hell, als er in der ehemaligen SU Lektor war, geschenkt bekommen und mußte es, weil dort streng verboten, versteckt lesen, das hat ihm, schreibt er geprägt. Von „1984“, das George Orwell weltberühmt machte, scheint er dagegen nicht viel zu halten.

Das war der Parcour durch die Gedenktage, wo man sich in zwei oder drei Minutentakt an die Berühmtheiten der vergangen Jahrhunderte erinnern, ihrer gendenk und sie wieder lesen konnte.

Dann gibt es noch einen Text über die literarischen Verarbeitungen der Jungfrau Maria. Das habe ich, glaube ich, auch einmal versuchen wollen, bin aber gar nicht zum Anfangen gekommen und am Schluß auch sehr interessant, nachdem ich ja erst vor kurzen die besten Texte des „Tagebuch Slams“ gelesen habe, einen Gedankenreigen über das Tagebuchschreiben, wo Hell bedauert, das lange Zeit nicht getan zu haben.

Ich habe es und tue es im „Literaturgeflüster“ immer noch und jetzt raucht mir der Kopf, ob der schnellen Gedenkrunden, stelle das Buch wieder in das Harlander Regal zurück, das jetzt schon viel viel voller ist und werde mich demnöchst den Frühjahrsneuerscheinungen auf meiner Leseliste widmen und da kommt, das kann ich schon verraten, Bernhard Schlink, als erster dran.

P.S. Einen Text über Simone Weil, die französische Philosophin und Mysterikerin, die  1943 mit vierunddreißig Jahren an Tuberkulose und Unternährung gestorben ist, gibt es auch noch. Habe ich sonst noch etwas vergessen?

Natürlich, all die anderen neuen Hell Gedanken, die seither in Ö1 zu hören waren und da war ja, erst letzte Woche Rose Ausländer dran. Also sollte es schon einen Folgeband geben.

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2016-06-09

Der Simurg

Ich habe ja schon geschrieben, daß ich schon vor längerer Zeit angefangen habe, Literatur für den Kroatien Urlaub zu suchen, weil ich mir das ja irgendwie angewöhnt habe, in dem Land in das ich fahre heimische Autoren zu lesen, die meisten Autoren, die ich aber für Kroaten hielt, entpuppten sich aber als Bosnier und die, die ich fand, waren Gastarbeiterkinder und meistens schon in Deutschland geboren, aber es gibt ja die „Edition Zwei“ habe ich gedacht, die Initative des „WieserVerlags“ mit der „Bank Austria“, die zweisprachige Bücher von Tschechen, Kroaten, Buglare,etcn verlegt und von denen ich einmal eine ganze Schachtel gewonnen und noch nicht oder kaum gelesen habe.

Da ist sicher etwas Kroatisches dabrei habe ich gedacht und bei erstens Durschauen nichts geefunden, ja ich weiß, ich bin ein bißerls schlampert, am Wochenende vor der Abreise hae ich dann noch einmal nachgeschaut von Stanko Andric „Der Simurg“ gefunden und der stammt aus Slawonien und beschreibt in seiner ersten literarischen Arbeit eine Kindheit in Slawonien. Eine Gegend in der ich nicht gewesen bin, aber irgendwie erinnert der Texct auch an Marica Bodrozic, obwohl er lange nicht so poetisch ist.

Er ist im Gegenteil viel sachlicher und machmal auch ein wenig umständlich oder hölzern geschrieben oder ist das ist Übersetzung?

Das kann man, wenn man selber nicht kroatisch spricht, ja schwer sagen und Stanko Andric entnehme ich der Biografie, die es in dem Buch doch gibt, bei Renata Serelyte habe ich da ja nicht gefunden, wurde 1967 in Strizivojna geboren, hat lateinische und französische Philologie in Zagreb und Geschichte des Mittelalters in Budapest studiert und am historischen Institut in Zagreb die mittelalterliche Kirchengeschichte Slavoniens serforscht.

Er publizierte drei Essaybände und zwei Bände mit historischen Studien.

„Der Sirmurg“ ist sein erstes belletristisches Werk. das heißt so belletristisch habe ich es gar nicht gefunden, sondern eher als Aufarbeitung seines Lebenslaufes und ein „Simrug“ ist, das steht noch auf der ersten Seite angemerkt  ein „altpersisches Fabelwesen mit Hundekopf, Löwenstutzen und Pfauenflügel, im Besitz des Wissens aller Zeiten“, was das mit  Andrics Kindheit in Slawonien zu tun hat, habe ich nicht ganz verstanden.

Oder doch , vielleicht ist damit die Wiedergabe des Wissens gemeint und so fängt er auch langsam und bedächtig an, von seiner Kindheit und der Familie in der er aufgewachsen ist, zu erzählen.

Zuerst lebte er in einer Großfamilie, dann zog er mit den Eltern in das Haus des Großvaters und bekam mehrere Geschwister mit denen er sich mehr oder weniger gut verstand.

Der Vater war ein fortschrifttlicher Bauer, der Bücher hatte, Erfindugen machte, eine Hühnerfarm betrieb und der Kleine wurde zuerst Hirte und wollte das, womit er seine Großmutter schockierte, auch immer bleiben. Dann kam er in die Schule, wurde vom Pfarrer zum Ministranten und Vorleser ernannt, weil er so schön lesen konnte. Der  Pfarrer lehrte ihn auch das Lesen, so daß er schließlich studierte, das Wissen erfroschte und es ähnlich, wie ein Simurgt villeicht, an die Allgemeinheit weitergab.

Wenn man nachgooglet, kommt man auf die „Wieser-Verlagsseite“ einen kroatischen „Wikipedia Eintrag“ gibt es auch und Hinweise, daß der Autor am historischen Institut forscht und ich habe wieder einen interessanten Autor kennengelernt mit dem ich vorläufig meinen kroatischen Literaturschwerpunkt beenden kann, denn, daß ich Adriana Altaras „Titos Brille“ in den Urlaub mitnehmen hätte können, darauf bin ich ja erst nachher gekommen.

2015-11-29

Makabre und ernste Lyrik

Jetzt kommen zwei in österreichischen Klein- oder Mittelverlagen erschienene Gedichtbändchen, die mir zwei liebe GAV-Kollegen übergeben haben, die ich zu einer „Mittleren-Reihe“ einladen könnte, wenn ich eine solche für Männer machen würde.

Dietmar Füssels „eigentartige Gedichte – Menschenfleisch“, wie er sie selber nennt, 2014 in der „Edition Roesner“ erschienen, wo auch Anita C. Schaubs Frauenbuch erschienen ist, in dem ich ein Portrait habe und Axel Karners „Der weisse Zorn“, von beiden Autoren, habe ich schon Bücher gelesen und besprochen und Dietmar Füssel, auf dessen Website, man Monat für Monat eines seiner Werke gewinnen kann, nennt sich selbst, glaube ich, humoristischer oder satirischer Schreiber und ist als solcher auch höchst vielseitig, gibt es doch von ihm Romane, Satiren, Erzählungen, Gedichtbände, seinen ersten Krimi habe ich vor kurzem besprochen, der neueste Gedichtband fehlt noch in meiner Sammlung, aber „Menschenfleisch“ hat mich positiv überrascht, dachte ich doch, nach der Einleitung des Herausgebers, Erich Schirhuber, der ihn sogar, wenn auch etwas zögernd mit Morgenstern vergleicht, an eher platte Witzchen und es geht auch sehr viel um, wie schon der Titel besagt, um Kannibalentum. Die Sozialkritik läßt sich dabei aber nicht übersehen und, daß er eine originelle Weise hat, den Reim auf höchst moderne Art wiederzubeleben, hat auch Erich Schirhuber herausgearbeitet.

Ein paar Beispiel gefällig?

„Immer wenn ich Flöhe sehe, wird mir ums Herz so wehe. Sie gemahnen mich daran, daß der Mensch von Anfang an Bis zum Tod vergeblich lebt und nach Eitlem stets nur strebt.

„Er ging zu Fuß nach Tulipan von Wardehoh nach Tulipan. Er kam nach Tulipan bei Nacht und lernte es nicht lieben und klagte laut, ach wär ich doch in Wadeloh geblieben!“

„Wirum warum wand, bist ein Asylant. Deine Haut ist schwarz oh Graus! Schubhaft und zurück nach Haus“

„Er hatte Glück im Spiele stets, nicht in der Liebe, er hatte AIDS“

„Was macht ihr da? So fragte er. Ich fürchte fast Geschlechtsverkehr! Erraten sagte seine Frau, mein Kompliment, du bist sehr schlau!“

„Sie ging in den Keller. Sie trug einen Teller. Sie ging zu der Truh und sah und sah: Leichenteile von einer Kuh und ein zerstückeltes Schwein. Oh ja!“

„Warum gehn in deinem Haus Kinder ein und nicht mehr aus? Das kann ich dir schon erklären: Kinder sind mein Lieblingsschmaus“

Und so weiter und so fort, manches klingt vielleicht wirklich etwas platt, aber vieles, vieles regt zum Nachdenken an und ist dennoch scheinbar lustig, so daß man, wenn man will und es einem nicht im Halse stecken bleibt, auch darüber lachen kann.

Wie passt da, der 1955 in Zlan geborene Axel Karner hinzu, der in Wien als Religionslehrer tätig ist, werden da die österreichischen Literaturexperten vielleicht fragen.

Und die Antwort ist zuerst pragmatisch, lassen sich in der Badewanne ja oft zwei oder mehr Gedichtbändchen auf einmal lesen und Axel Karners „Weißer Zorn“ hat nur siebenunddreißig Seiten und etwa zwanzig Gedichte, die von einem Prolog bis zum Epilog gehen. Die Sprache ist zugegeben ganz anders. Erhöht, abgehoben nicht so einfach makaber und dennoch, trotzdem, die Themen bleiben gleich und sind ja immerfort dieselben, weil sich das ganze Leben, um die Liebe und den Tod, Verrat und Eifersucht, etcetera dreht und man kann, wie es die beiden Gedichtbände beweisen so oder so sagen und wenn man beides mischt oder hintereinander liest, hat man über den Tellerrand hinausgeschaut und ein schönes Stück österreichischer Gegenwartslyrik mitbekommen.

„kanns fast so schön wie messers faust da oben töne machen der engel läuft die ganze Nacht sehen kann ich ihn“

„Den Allmächtigen kann ich schweigen hören am Ort der Wahrheit. Vor dem Haus des Großmauls. Der Lobpreis verebbt. Feixen Leute. Auf geht das Tor.“

„Schlug mit dem Schädel auf Eis. Da erzitterte der Spiegel. Sein Grinsen. Barst. Die Augen blitzen.“

„Der Wächter klopft die Hosen zu, richtet sein Geschlecht, danach das Holster. Schöne duftende Frau.“

„Lieber Gott, danke für die zehn gestrigen Gebote und den heutigen Ziewback.“

Man sieht der Kärtner Religionslehrer kann nicht weniger zynisch als der oberösterreichische Bibliothekar Dietmar Füssel sein, der sich, wie er mir immer wieder durch seine You Tube Filmchen beweist, auch politisch betätigt.

 

2015-06-29

Europa Erlesen-Salzkammergut

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Der „Wieser-Verlag“ hat ja die „Europa-Erlesen-Reihe“, wo eine Reihe von europäischen Städten, Gegenden, etc, literarisch vorgestellt werden und die man, wie in den Vor-oder Nachworten empfohlen, bestens dafür geeignet sind, sie zu den jeweiligen Reisezielen als passende Lektüre mitzunehmen.

Der liebe Rudi Lasselsberger hat mir einmal das „Linz-Bändchen“, wo, glaube ich, ein Text von ihm enthalten ist, geschenkt und vor ein paar Wochen lag eine Reihe dieser Bände vollkommen neu und unbenützt, im Bücherschrank und so habe ich zugegriffen und da ich mir vor einigen Jahren angewöhnt habe, meine Reisen mit den entsprechenden Büchern zu begleiten, habe ich  das Bänchen eingepackt, als wir zu Sladky 27, 28 oder 29 aufgebrochen sind, weil ich dachte, das geht jetzt ins Salzkammergut, was, wie mich Hubertus Czernin, der Herausgeber, belehrte, nur zum Teil stimmt, denn das Tote Gebirge, liegt zwar im steirischen Salzkammergut, aber die ausgewählten Texte bezogen sich hauptsächlich auf Bad Aussee, Bad Ischl, das Ausseerland, etc und durch Bad Aussee, sind wir bei der letzten Sladky-Wanderung durchgefahren, als wir von der Rinnerhütte kamen, aber dort wollen wir von der anderen Seite, erst beim nächsten Sladky hinauf.

Egal. Die Salzkammergutlektüre hatte ich schon vorige Woche eingepackt, als es kurz zu Luis Stabauer an den Attersee ging, da allerdings einSalzkammergutbuch von Alfred Komarek, das ich dann nicht gelesen habe.

Auf den Berg habe ich gedacht, ist aber das kleine „Wieser-Bändchen“ handlicher, was dann so auch nicht stimmte, weil ich zum „Tauplitz-Haus mit dem Auto hinfahren konnte und einige der Gruppe mit Reisetaschen angekommen sind.

Ich habe, als ich gesehen habe, daß es mit Peter Altenberg und Alexander Lernet-Holenia beginnt, das Lesen dann am Freitagbabend unterlassen, es aber am Samstag nach der verregneten Tour auf den Tragl wieder aufgenommen und das Buch auf einen Zug ausgelesen, beziehungsweise, durchgeblättert.

Herausgeber ist, der 2006 verstorbene Hubertus Czernin, das Bändchen ist 1998 bei „Wieser“ herausgekommen, der sich im Nachwort outet, daß er seine Kindertage jedes Jahr mindestens zwei Monate im Salzkammergut, das ja bestens geeignet für die Sommerfrische war und ist, verbrachte und beginnen tut der Band mit einem Text von J. A Schultes, der 1809  „Über die vorteilhafteste Art das Salzkammergut zu bereisen“ schrieb und da „Gmünden“ „St. Gilgen“, „Ischel“, den „Hallstädter-See“ etc, erwähnte.

Wirklich spannend wurde es  bei Alexander Lernet-Holenias,  1897-1976, „Hochwasser im Salzkammergut“, als der „Es regnet tagelang und nächtelang. Die Zimmer stehen leer.  Die Autobusse aus Tölz und Berchtesgaden bleiben aus. Des Ortes Vizebürgermeister, selbstverständlich SPÖ hat schon erklärt: Wenn das so weitergeht, so glaubt er doch noch an Gott, und seis auch nur, um ihm die Schuld an der verregneten Saison zu geben…“

Dazwischen habe ich den Alfred mit dem Otto Lambauer über die nächste Wahl und die FPÖ diskutieren gehört und gedacht, daß ich Lernet-Holenia bisher offensichtlich falsch einschätzte und weitergelesen.

Es kamen dann Texte von Fritz von  Herzmanofsky-Orlando und Peter Altenberg offensichtlich begnadete Salzkammergut Sommerfrischler und Hilde Spiel ist dort offensichtlich auch öfter gewesen.

Ihr Text  „Dieser See ist blau“ ist offensichtlich ein Romanauszug aus „Verwirrung am Wolfgangssee“ und Barbara Frischmuth, die 1941 in Altaussee geboren wurde und glaube ich, dort wieder lebt, ist mit einem Auszug aus ihrer „Klosterschule“ vertreten, ein Buch das ich vor längerer Zeit gelesen habe und in Altaussee waren wir einmal, als die Anna ganz klein war und haben in dem Gasthau, wo wir geschlafen haben, prompt Barbara Frischmuth getroffen.

Sonst waren wir ein paar Mal am Grundlsee, sind dort um den See herumgegangen, beim letzten Sladky-Treffen, sind wir dorthin abgestiegen, die Litera-Mechana hat dort eine Autorenwohnung, wo Gertraud Klemm und die Ruth vor kurzem waren, ich aber wahrscheinlich nicht eingeladen werde, weil mein literarisches Ouvre ja angeblich zu klein ist.

Gustav Ernst hat auch ein Buch darüber geschrieben und ich habe in meinem doch vorhandenen selbstgemachten Werk in „Lore und Lena“, die Lore mit ihrer wiedergefundenen Mutter auch auf die Sommerfrische nach Altaussee oder Bad Aussee geschickt.

Aber weiter im Buch:

Carl Zuckmayer war offenbar öfter im Salzkammergut und hat das „Baden und Schwimmen im Wallersee“ beschrieben und von Franz Carl Ginzkey gibt es eine „Sonate vom Attersee“ und da war ich ja kurz letzte Woche und habe mir von dort Luis Stabauers „Atterwellen“ mitgenommen, die ich vielleicht zum nächsten Sladky-Treffen als Lektüre mitnehmen könnte, wenn ich das Buch nicht zulange auf meiner elendslangen Leseliste stehen lassen und den Komarek nicht auf einen Berg hinaufschleppen will.

Von Alfred Komarek von dem ich ja die „Villen der Frau Hürsch“ gelesen habe, gibt es auch einen Text über „Aussee und die Ausseer und  Gerhard Zeillinger, der 1964 in Amstetten geburen wurde, gibt in seinem Text „Ischl“, das er „zu seinen frühen Kindheitserinnerungen zählt“, einen hervorragenden Einblick über die Sommerfrischler dort, erwähnt Lehar und Perutz und die, die in Auschwitz ermordet wurden und daher nach 1945 nicht mehr nach Ischl kommen konnten, von wo sie 1938 vertrieben wurden.

Er erwähnt auch den Kaiser, seine Villa und seine Jagdleidenschaft, beziehungsweise, die Anzahl der Gemsen und Hirsche, die er geschossen hat.

Ein sehr interessanter Text und sehr zu empfehlen, wenn man sich einen Eindruck über die Sommerfrische im Salzkammergut machen will und dann gibt es natürlich Karl Kraus, der mich mit seiner „Ischler Esplanade“ auch sehr überraschte.

Jakob Wassermann , 1873-1934, von dem einige Texte im Buch enthalten sind, dürfte im Salzkammergut begraben sein und dazu passt sehr gut Christoph Ransmayrs Text „Der Totengräber von Hallstadt“, wo er diesen, beziehungsweise den Friedhof dort beschreibt, wo man Totenschädel „bewundern“ kann.

Friedrich Torberg und Hermann Bahr haben Texte und von Robert Schindel gibt es einen Auszug aus „Gebürtig“, das ich auch gelesen habe und der  1937 als Jutta in Amstetten geborene Julian Schutting hat einen langen Text über die „Oktobertage in Altaussee“, den ich vieleicht noch gründlicher lesen sollte, um ihn ganz zu verstehen.

Da ich mich ja bald in meine Sommerfrische nach Harland in St. Pölten aufmache, hätte ich dazu Gelegenheit, aber nein, lieber nicht, denn da gibt es ja die Harlandbücher auf der Leseliste und das Projekt über die „Prekären Sommererlebnisse der Sandra Winter“, das ich dort angehen will.

Das „Wieser-Bändchen“ ist aber auf jeden Fall allen, die sich auf Sommerfrische nach Hallstadt, Bad Aussee, Bad Ischl, an den Attersee, Mondsee oder sonstwohin gegeben wollen, wärmsten zu empfehlen.

Man kann sich ein bißchen einlesen, in die längst vergangene österreichische Literautur und auch ein paar aktuelle Dichter, wie beispielsweise Andreas Tiefenbacher, den ich, glaube ich, einmal in der „Alten Schmiede“ hörte, kennenlernte.

Die Texte sind, wie zu bemerken, oft Romanausschnitte, so daß man sich an die Lektüre der ganzen Bücher machen könnte, was im Sommer und in der Sommerfrische auch zu empfehlen ist.

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