Literaturgefluester

2017-04-17

Der Liebesdilettant

Noch ein Buch aus dem „Wortreich-Verlag“ und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten oberösterreichischen Autors.

Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in  Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer Lesung gehört.

Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man bei der zart melancholischen Geschichte über den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die Bücherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders verarbeite, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.

Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zufällig gewählten Namen, ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, nämlich schnell und sportlich, während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.

Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee könnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den Männern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel ängstlich oder schüchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.

In der Literatur muß man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, natürlich entsprechend überhöhen und verstärken.

So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er hätte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.

Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren muß oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist natürlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung weiß man natürlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, daß der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.

Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschließt Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion läßt ihn allein am Strand mit seinen Büchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen Männern. So kneift er aus, fährt zurück, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorläufig bei ihm wohnen kann?

Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, fängt, obwohl ja Germanist zuerst bei „Thalia“ am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus Döblinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.

Dabei trifft er im Zug auf eine Schöne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen „Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh“, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verläßt den Landen und rennt davon. So weit, so what.

Er wird entlassen, fängt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.

Rückblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Großmüttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel über eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.

Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verläuft. Sie tötet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu flüchtig erzählt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster  und auf einen Lastwagen mit Textilplane stürzt.

Das hat sein Schutzengel für ihn arrangiert, daß ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank „Wortreich“ eine sehr interessante Entdeckung eines nicht so bekannten österreichischen Autors gemacht, denn mir hat die Schilderung eines eher schüchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei Bücher daraus gemacht hätte.

Das erste hätte den Tag als Zivildiener,  seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch wäre eine genauer ausgeführte Beziehung zu Franka geworden. Ein bißchen hätte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner strümt und dort Fotos von Hermann Schürrer und Heimito von Doderer sieht und dazu Anekdoten erzählt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und  Zufällen weggenommen.

Aber sonst hat mir das Buch des oberösterreichischen Autors gefallen und kann es jeden, der sich für die österreichische Literatur abseits von Bernhard und Schnitzer interessiert, empfehlen.

Erich Hackl hat dazu noch: „Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren Wünschen und Trieben Schritt hält“, auf den Buchrücken geschrieben.

2017-04-14

Ich Dylan Ich

Filed under: Bücher — jancak @ 00:27
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In Leipzig  hat mir der „Wortreich-Verlag“ ein paar Bücher mitgegeben, darunter die 2015 erschienene Thomas  Dylan Hommage des 1954 in Rostock geborenen Peter Wawerzinek, von dem inzwischen bei „Transit“ „Bin ein Schreiberling“ erschienen ist.

Der Bachmannpreisträger von 2010 hat darüber am blauen Sofa diskutiert und interessant, daß er dabei etwas erzählte, was auch in „Ich Dylan Ich“ vorkommt.

Nämlich, daß er, der in einem Waisenhaus aufgewachsen sist, weil seine Mutter 1956,  die Kinder in der Wohnung zurückgelassen hat, um in den Western zu gehen, dann von einem Lehrerehepaar adoptiert wurde und dort in der Lehrerwohnung zwei Erfahrungen machte. Im Keller hat er nämlich die Literatur entdeckt, im Wohnzimmerschrank der Lehrer standen dagegen nur einige Lexika und Gesundheitsbücher und Alkohol hat er  da auch zu trinken angefangen.

Er hat dann auch noch im Radio eine Entdeckung gemacht, nämlich Gedichte des walisischen Dichters Thomas Dylan, der übrigens an meinem Geburtstag, den 9. 11. 1953, gestorben ist.

Von da an war er ihm verfallen und hat in seinem Sinn zu  dichten angefangen, auch davon ist wahrscheinlich in dem neuen Buch zu lesen, zumindest hat Peter Wawerzinek in Leipzig ein paar seiner Stehgreifgedichte vorgetragen.

Später als er dann erwachsen und die Mauer schon gefallen war, durfte er nach Wales, seinem Idol nachreisen und hat das, mit einigen Freunden, weil man allein nicht reisen soll, auch mehrfach getan.

Nach Swansea, dem Geburtsort des Dichters ist er mit seiner Freundin gefahren, hat dort sogar in dem Haus gewohnt und in den Kleidern des Dichters in seinem Bett geschlafen.

Das soll man aber nicht, denn er Schlaf war, wie Wawerzinek schreibt, der übrigens, was ich, obwohl ich  2010 für ihn stimmte und daher ein Teilchen dazubeigetragen habe, daß er auch Publikumspreisträger geworden ist, so genau noch gar nicht wußte, ein ausgezeichneter Schreiber ist, der die Töne ganz genau trifft, beschreibt, sehr unruhig.

So hat er die Kleider des Idols wieder ausgezogen, das Zimmer gewechselt und dem Dichter weiter nachgereist, nach dem sich Bob Dylan, der Nobelpreisträger von 2016 übrigens genannt haben soll und dessen Werke von Erich Fried in Deutsche übersetzt wurde.

Ich bin, was sich jetzt rächt, keine Pop-Poetin, so war mir der Name des Dichters, der an dem Tag gestorben ist, als ich zur Welt kam, bisher ziemlich unbekannt.

Peter Wawerzinek, der auch Stadtschreiber von Klagenfurt war und 2015, die diesbezügliche Festrede gehalten hat, führte mich aber in sein Leben ein, reiste zu den Schreiberhütten, die er bewohnt, erzählt von seiner Frau Caitlin, der er kein guter Gatte war und auch auf seine Kinder nicht besonders schaute, obwohl er gut verdiente, mit dem Geld aber nicht umgehen konnte und zu Tode hat er sich 1953 auch gesoffen.

Das ist auch eine Verbundenheit mit seinem Autor, hatte ja auch Peter Wazerinek Alkoholprobleme und darüber geschrieben und er meinte auch, daß er wenn er eine tötdlich Diagnose bekommen würde, an Meer reisen und dort achtzehn Whiskys trinken würde.

Thomas Dylan hat aber die Whiskys, die er nicht mehr vertragen hat und daher ins Koma fiel, in New York City getrunken und ich denke, daß mein Körper, wenn er Krebs hat, soviel Alkohol auch schon vorher auspeien würde.

Ein schönes Bild und auch das der Fürsorge, die Wawerzinek hat, der meint, daß er, wenn er könnte, zu dem Dichter reisen würde,  vom Trinken abhalten und ihm eine bessere Erhährung beibringen würde, ist sehr schön.

Ich bezweifle aber, daßes funktionieren würde. Der Dichter würde sich wohl auch von seinem Dichterkollegen nicht abhalten lassen, ihn wahrscheinlich eher mitreißen, mit ihm die  achtzehn Whiskys zu trinken.

Denn das  unterscheidet die Genies wahrscheinlich doch von den Normalmenschen, daß sie nicht Maßhalten können und sowohl geniale Verse schreiben, als auch sich selbst ruinieren.

Der Vergleich zu Till Eulenspielel, Dyl Ulenspiegel kommt auf und Peter Wawerzinek hat mich, wofür ich ihm sehr danke, den  1914 geborenen Dichter  nähergebracht, dem „Wortreich-Verlag“ von dem ich eigentlich dachte, daß er nur österreichische Autoren verlegt, danke ich natürlich auch dafür und ehe ich es vergessen,  Raben dürften sowohl bei Wawerzinek, als auch bei Thomas Dylan eine wichtige Rolle gespielt haben.

So heißt, das Buch mit dessen Ausschnitt, Wawerzinek, 2010 den „Bachmannpreis“ bekommen hat, ja „Rabenliebe“ und das Cover von „Ich Dylan Ich“, ist ein Gemälde, das die Künstlerin Alice Haring angefertigt hat.

2016-02-15

Wortreich-Verlagspräsentation

Es gibt einen neuen österreichischen Klein-oder Mittelverlag, das „Wortreich“, der in seiner dritten Saison im „Thalia“ auf der Marihilferstraße heute sein Frühjahrsprogramm und da drei GAV-Autoren vorstellt.

Sehr voll in dem Cafe im ersten Stock, „Fellows“, heißt das jetzt, die letzten Male war ich, glaube ich dort als Thomas Raab und Eva Rossmann ihre neuen Krimis vorstellten und mir „leselustfrust“ die gewonnene „Kafka-Schokolade“ brachte, jetzt viele GAV-Kollegen, die wahrscheinlich auch dort verlegen wollen oder das schon haben.

Christa Nebenführ, Patricia Brooks, Melamar, Elfriede Haslehner, Helmut Rizy, Hans Jörg Liebscher, Bettina Balaka,  betätigte sich, glaube ich, als Lektorin etcetera und Leute aus dem Lesetheater, denn eine der Autorinnen ist Judith Gruber-Rizy, die von der „Bibliothek der Provinz“, „Art Science“, „Limbus“, etcetera, jetzt hier landete und ob ihre Protagonistin jetzt wieder „Rosa“ heißt, weiß ich nicht so genau, denn der Roman hat eine Ich-Erzählerin“, zuerst teilte aber ein junger Mann Verlagszetteln aus, mit denen man später eines der Bücher gewinnen konnte und eine Musikeinleitung gab es auch, denn Heinrich Steinfest soll einmal gesagt haben, das Schlechte an der Literatur ist, daß es keine Musik gibt, also gab es eine, dann stellte der junge Mann, die sehr selbstbewußte Verlagsleiterin vor und Judith Gruber Rizys „Der Mann im Goldrahmen“.

Da geht es, glaube ich, um eine Fotografin, eine Frau auf jeden Fall, die sich, nachdem sich ihr Sohn David in eine WG verkrümeln will, ein Jahr in ein Sommerhaus am Land zurückziehen will, um dort ihr Leben zu überdenken und jeden Tat auf dem Fenster den Kirschbaum und den Kirchturm zu fotografieren.

Sehr langsam und bedächtig, das ist, glaube ich, auch eine Stärke von Judith Gruber Rizy und so erzählt sie von einem Mann der Kiesel in einen grünen See warf und von dem sie zwei Fotos, eines in der Wohnung und eines in dem Sommerhaus, geschossen hat.

Als es richtig spannend wurde, hörte sie auf und der zweite Autor ist der GAV-Kollege Friedrich Hahn, der in der „Alten Schmiede“ auch die „Textvorstellungen“ moderiert und der schon über dreißig Bücher hat und mich auf die Idee brachte zu meinen sechzigsten Geburtstag meine dreißig zu präsentieren, denn das hat er zu seinem dreißigsten auch so gemacht.

Sein Roman heißt „Von Leben zu Leben“ und da treffen sich zwei Männer, um sich ihr Leben zu erzählen. Das heißt, der einen tut es dem anderen, der offenbar sein Ghostwriter ist, einen Goldfisch gibt es auch, beziehungsweise zwei, esinen Tumor im Kopf und beim Begräbnis des einen, geht der andere mit seiner Frau offenbar ins Bett.

So sind die starken Männer halt, könnte man unken, während sich die Frauen zurückziehen und reflektieren, aber ich habe ja nur Auszge gehört und bei der Verlosung natürlich nichts gewonnen und der dritte vom Hermann Knapp, auch ein Oberösterreicher, der, glaube ich, für die NÖN schreibt und der von mir in die GAV aufgenommen wurde, als ich dort einmal in der Aufnahmejury war, wurde vom Verlag als der schrägste des Jahres oder des Jahrhunderts,  angekündigt „Der Tote, der nicht sterben konnte“, „präzise, sensibel,skurril, brutal“ und vielleicht auch ein bißchen absurd.

Da gibt es einen Schweine-, eine Vogel- und einen Kakerlakenvirus und wenn die drei sich mischen, wird man zum Untoten und so wacht der Held mit zerfetzten Bauch, Leber, Gedärmen, nach einem Autounfall im OP auf, der Chirurg rauft sich die Haare, gibt ihm zum Sterben Zeit, es geht und geht nicht, so flickt er ihm notdürftig zusammen und nach Amerika in die Gangsterhöhle führt es den „Ambrosianer“, nach dem Supervirus genannt, dann auch.

Dann gab es noch ein Konzert von Oliver Steger und Lorenz Raab, ein bißchen Wein und was zum Knabbern und viele Gespräche. Beim Bücherschrank habe ich dann den Josef getroffen, der mir erzählte, daß er in der „Gesellschaft für Literatur“ beim Thomas Stangl war.

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