Literaturgefluester

2016-01-15

Die Verwerfung

Weiter geht es mit der Graphic Novel Schiene des „Zwerchfell-Verlags“,  jetzt mit der „Verwerfung – eine Geschichte aus dem dreißigjährigen Krieg“, des 1988 in Innsbruck geborenen Lukas Kummer,  der 2007 nach Kassel zog und dort Illustration und Comic studierte.

„Lukas Kummer“, steht am Buchrücken „erzählt eine historisch versierte Antikriegsgeschichte, die keine erbauenden Schlachten zeigt oder verklärte Heldenromantik zuläßt, sondern einzig und allein von den Opfern des Krieges erzählt.“

Und das macht der junge Zeichner sehr brutal und höchstwahrscheinlich mehr als realistisch, fast in Michaela Falkners Manier und die Geschichte von den beiden Kindern, Jakob und Johanna, die da Mutterseelen allein durch die Kriegsgebiete wandern, könnte sich wahrscheinlich auch in Syrien oder Afhanistan zutragen und von Kindersoldaten handeln.

Denn das sind die Beiden, die Mutter ist bei der Geburt des kleinen Jakobs gestorben, der Vater war bei den Soldaten und ist umgekommen und die Kinder, Johanna hat sich als Junge verkleidet, nennt sich fortan Harald „um ihre Fut zu schonen“ und ist von den Soldaten, obwohl es dort zu essen gab, geflohen, als denen dort offenbar ihre Brüste auffielen.

Der kleine Bruder schloß sich an und ist nun offenbar offenbar Last der älteren sehr verhärteten Schwester, die mit ihm schimpft, wenn er hustet, seine Sachen nicht tragen will oder so schnell nicht mitkommen kann.

Denn es ist wahrscheinlich nicht lustig im Winter über die verbrannten Felder zu ziehen, die Leichen baumeln von den Bäumen oder liegen von der Pest dahingestreckt am Boden und die alte Frau, die finden, lebt zwar noch, beginnt aber schon ihre eigenen Zehen zu essen….

Furchtbar, furchtbar und nichts wie weg, trotzdem versucht die Schwester, weil sie es dem Vater versprochen hat, dem Kleinen, der, vielleicht nicht ganz so realistisch, wie sie ist, sondern die Sterne beobachtet und auch mal vor sich hinphilosophiert und sich seine Gedanken über das Leben, wie er es kennenlernte „mit jeder Tat ob gut oder böse vernichtet man sich immer mehr ein Stück weit selber“, macht, das Lesen beizubringen, damit er vielleicht später Schreiber werden kann.

Sie will eigentlich bei den Soldaten bleiben und als sie einen ausgehungerten Marketender finden, der zwar noch Gold in seinen Kleidern, aber nichts mehr zu essen hat, nimmt sie ihm ganz brutal das, sein Patent und seine Kleider weg, in der Hoffnung, damit selber ihre Geschäfte zu machen.

Der Kleine warnt sie noch, daß das nicht gut gehen kann, weil ja nicht ihre Namen auf dem Papier stehen. Sie finden ein Nachtquartier und einen Topf mit Wasser, wo sie sich waschen können, dann kommen schon die Soldaten, finden das Gold und das Patent, vergewaltigen das Mädchen „der Soldat muß ja auch was haben für seine Kriegsmüh“ und hacken ihnen am Schluß noch die Daumen ab.

Der kleine Jakob stirbt und das Mädchen zieht weiter durch den Krieg und die Nacht mit verbundenen Händen…

Eine sehr brutale Geschichte, schön gezeichnet und „versiert recherchiert“ wie schon erwähnt.

Wird wohl so  gewesen sein, im dreißigjährigen Krieg, im World war one or two und jetzt in Afghanistan, Syrien, Irak etcetera, denn „Gut und böse das gibt es sowieso nicht. Das ist nur eine Erfindung. Es war immer nur die Mühsal und das Verheizen!“, philosophierte der kleine Jakob, als er noch nicht gestorben war und ich denke wieder an Michaela Falkners Manifeste, an die Flüchtlingsproblematik, die uns das letzte Jahr begleitet und daran, daß ich eigentlich etwas Schöneres lesen will….

Die Titelgebung habe ich nicht ganz verstanden.

2016-01-13

Totality-Fliegende Schatten

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt geht es zu den „Comics“ oder in das „Graphic-Novel Genre“, hat mir doch der „Zwerchfell-Verlag“ seine zwei Herbst-Debuts zugeschickt, die ich interessant finde, obwohl ich wahrlich keine „Comic-Expertin“ bin. Mir aber „Irmina“ sehr gefallen hat und ich mich auch regelmäßig durch die „HolzbaumNeuerscheinungen“ lese.

„Totality-Fliegende Schatten“, ein Comic des 1984 geborenen Moritz von Wolzogen geht in den Jugendbereich, in das Klassenzimmer, aber auch in totalitäre Gesellschaften und war für eine, die dreißig Jahre vorher geboren ist, nicht  wirklich leicht zu lesen.

Zu schnell, zu vorbei flanierend könnte man es formulieren, obwohl die geschilderten Inhalte zumindesten zum Teil durchaus bekannt sind und auch schon anderwo gelesen wurden.

Da geht es um drei Jugendliche, drei Freunde, Alex, Storch genannt,  Merle und Simon, die alle, wie dem Klappentext zu entnehmen sind, außergewöhnliche Fähigkeiten haben.

Es beginnt mit einer Verspätung. Alex, dessen Vater in der Arbeit, die Mutter irgendwie nicht vorhanden ist, wacht eines Morgens zu spät auf und kommt zu spät in die Schule, die Lehrer warnen, die Freunde sind erfreut und in der Pause werden die drei von einem Holger gestalkt, gemobbt oder erpresst und dann entwickeln sich offenbar Storchs außergewöhnliche Fähigkeiten, Zisch, Wumm, Bumm und viele schnelle Zeichnungen, bis die Polizei in Form eines netten Paares in Zivil bei Storch auftaucht und ihn zu seinen Fähigkeiten, beziehungsweise seiner Morddrohung befragt. Denn wenn Alex nicht aufpasst, beziehungsweise sich nicht kontrolliert, explodieren diese , wie der inzwischen aufgetauchte Vater bestätigt.

„Paß besser auf und willst du nicht in Therapie?“, sagen die verständnisvollen Polizisten und verabschieden sich, beziehungsweise das Polizei Sturmaufgebot vor der Haustür. Im Strefenwagen diskutieren sie dann über Alexs Gaben beziehungsweise ordnen sie sie in ihr Diagnoseschema ein.

„Gelb Prio zwei?“ vielleicht und Simon mit den schwarzen Igelhaaren bekommt auch gleich eine Diagnose, denn seine Fähigkeit ist es, mal schnell einen Haarspray zu entwickeln, der „zehnmal so lang als die herkömmlichen brennt!“, beziehungsweise, wenn der Cousin vom privaten Sicherheitsdienst zum Mittagessen kommt, sich zu Demonstrationszwecken am Handgelenk zu verbrennen und die Eltern stöhnen, wollen sie doch nicht für schlechte Erzieher gehalten werden.

Dazwischen gibt es seitenweise sprachlose Bildsequenzen, die wohl, wie weiter im Beschreibungstext steht von der „Macht und Ohnmacht, beziehungsweisen den Gewaltszenarien dieser Welt, die sowohl am Schulhof, als auch auf den Schlachtfeldern in der USA, Syrien, Afghanistan, vielleicht auch den Hinterhöfen passieren können.

Die Freundschaft einiger Superkinder mit außergewöhnlichkeiten Fähigkeiten könnte diese wohl aufhalten oder einen Gegenpart darstellen, will uns dieser Comic wohl sagen und an seine Leser weitergeben.

Schwungvolle expressive Zeichnungen, die  uns in Atem halten,  gibt es auch und nach einer kleinen Pause geht es  mit einem österreichischen Zeichner in den dreißigjährigen Krieg.

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