Literaturgefluester

2019-03-25

Mein Tschechien-Schwerpunkt

Da ich ja heuer nicht in Leipzig war, habe ich mich auch nicht am Tschechienstand herumtreiben und die Sonderpublikationen einstecken können.

Informieren über  die neueste oder auch ältere tschechische Literatur konnte ich mich aber schon früher, hat doch Marina Büttner einen Beitrag gebracht, EX Libris hat berichtet, auch sonst war einiges darüber zu hören und dann war ich  auch schon früher in Leipzig, habe dort regelmäßig den Tschechienstand, den es auch auf der Buch-Wien gibt, besucht, die Leseproben eingesteckt, besuche in Wien öfter das tschechische Zentrum und ins „Doml“ gehe ich, wo Stephan Teichgräber ja sämtliche slawischen Sprachen spricht und tschechische Autoren auch regelmäßig zu seinem literarischen Lenz in das kleine tschechische Theater in der Münzwardeingasse einlädt, gehe ich auch.

Stephan Teichgräber hat mir auch, als ich ihm vor einiger Zeit auf den Schwerpunkt angesprochen habe, gesagt, daß es da einen Eklat gegeben hätte, weil Karel Gott eröffnen hötte sollen.

Ob er da hat weiß ich nicht, ich habe aber eine Biografie über ihn gelesen und bin auch sonst in der tschechischen Literatur bewandert und habe einige solcher Bücher auf meiner Leseliste und auch gelesen.

Vor ein paar Jahren den Klassiker Jaroslav Haveks „Braven Soldaten Schwejk“ in Alfred DDR-Ausgabe, dann habe ich vor ca einem Jahr Radka Denemarkova,  in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört und mir sogar „Ein herrlicher Flecken Erde“, das Buch, das jetzt auf meiner Bücherwand im Schlafzimmer lag und ich es erst herausziehen mußte, aber meine Leseliste ist ja lang und da steht auch für heuer Jaroslav Rudis „Die Stille in Prag“ darauf, das ich mir, glaube ich einmal auf einem Literaturhaus-Flohmarkt kaufte und von dem, der mit seinem „Winterbergs Reise“ ja für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert war, habe ich im Vorjahr bezüglich des „Wagenbachs-Hotel-Schwerpunkts auch „Grand Hotel“ gelesen.

Wegen der Neuerscheinungen, die noch auf mich warten, werde ich mir also auch mit der „Prager Stille“ Zeit lassen, habe aber schon ein Buch und da noch ein sehr interessantes, nämlich „Mendelssohn auf dem Dach“ des 1959 verstorbenen Jiri Weils gelesen und was steht sonst noch auf meinen Leselisten, beziehungsweise habe ich an tschechischer Literatur gelesen?

Den 1962 in Prag geborenen Jachym Topol habe ich, glaube ich, einmal bei der „Literatur im März“ gehört und von ihm „Nachtruhe“ auf meinen Stapel, sonst bin ich eher bei den älteren Autoren bewandert, habe von Pavel Kohhout, der, glaube ich auch auf der BM war, „Die Henkerin“ auch in einer DDR-Ausgabe gelesen und sonst noch einiges auf meiner Liste.

Von Karel Capek habe ich „Hordubal“ gelesen, von dem 1931 in Prag geborenen Ivan Klima habe ich den „Liebessommer“ und vielleicht auch noch „Liebe und Müll“ und natürlich viel von Kisch und Werfel, etcetera, die ja jetzt wahrscheinlich in der tschechischen Gegenwartsliteratur nicht mehr so aktuell sind.

Von Milan Kunderer, der ja jetzt auf Französisch schreibt,  habe ich einiges gelesen, von Kafka, den wohl berühmtesten, der aber auf Deutsch geschrieben hat, seine Tagebücher, aber sonst nicht viel, und auf der Buch-Wien, etcetera gibt es immer wieder tschechische Autoren zu hören. Stephan Teichgräber stellt sie, wie schon erwähnt auf seinem Festival vor und jetzt habe ich auch bemerkt, was ich schonin einem Interview hörte, daß mein Tschechienrundgang mit Ausnahme von Radka Denemarkova sehr männerlastig ist, obwohl ich von Lenka Reinerova, der letzten auf Deutsch geschrieben habenden Prager Autorin, auch was gelesen und gekauft habe. Das hat sich durch die siebzig Neuerscheinungen, die ja in Leipzig präsentiert wurden, sicher geändert und ich werde, wenn es sich ausgeht „Den Flecken Erde“ lesen, dann die „Sille von Prag“ und was sich sonst noch Tschechischeses in meinen Bücherbergen angesmmelt hat und mir Stephan Teichgräber empfehlen kann, mich auch unter meinen Leseproben umsehen und Rhea Krczmarvoa, die ja mit ihren Eltern aus Prag emigrierte und an der Sprachkunst studierte, fällt mir jetzt noch ein, kenne ich auch.

Und von der 1973 geborenen Marketa Pilatova habe ich ebenfalls schon zwei Bücher gelesen und bei meinem „Leipzig-Surfing“ auch einiges Neues kennengelernt.

 

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2019-03-24

Buchmesse mit Gips

Ich habe mich ja heuer, glaube ich, besonders intensiv auf die Buchmesse vorbereitet, habe zwei Termine mit Verlagen ausgemacht, mich für ein Bloggertreffen angemeldet, auf die Verleihung des „Preises der Leipziger Messe“ in der Glashalle und den anschließenden Empfang im Österreich-Cafe gefreut. Zeitgleich hätte es noch einen anderen gegeben, etcetera und dann bin ich beim ganz gewöhnlichen Sonntagsritualspaziergang auf die Rudolfshöhe ausgerutscht, mr den Knöchel gebrochen und aus der Traum, denn mit Krücken humple ich nicht durch eine Buchmesse oder auch nicht, denn man kann sich ja sehr viel, wie beispielsweise das „Blaue Sofa“, etcetera,  über das Netz ansehen und das ist sicher viel bequuemer, auch wenn man da keine Bücher einsackeln und keine Gespräche führen kann.

Ein bißchen habe ich mich ja auch schon heuer in die Frühjahrsneuerscheinungen und sogar ganz überraschen Takis Würgers „Stella“ eingelesen und weil ich derzeit ja am Abend zu keinen Veranstaltungen gehe, mir nur am Dienstag mit dem Alfred mir im „Filmcasino“ die „Rocky Horror Picture Show“ angesehen habe, weil wir schon Karten hatten und das Kino gleich um die Ecke liegt, habe ich schon ein bißchen vorgesurft und mir beispielsweise ein paar Videos über das Gastland Tschechien angesehen, wo ich auch einen Beitrag über meine eigenen tschechischen Streiflichter geschrieben habe.

Die Pressekonferenz konnte man sich am Mittwoch per Vido ansehen und sich ein bißchen auf die Messe einstimmen, erfahren, was man dorthin mitnehmen darf und was nicht. Also keineMesser und Scheren und, daß das Schneechaos, wie im Vorjahr heuer höchstwahrscheinlich nicht kommen wird, denn es hat ja gerade der Frühling angefangen und am Mittwochabend war die Eröffnung im „Gewandhaus“, wo der „Preis zur europäischen Verständigung an die russisch amerikanische Autorin Masha Gessen vergeben wurde.

Nach meiner Zehn-Uhr Stunde bin ich dann sowohl in die Küche, um mir Bärlauch mit Rösi, Schinken und Spiegelei zu bereiten, als auch auf das „Blaue Sofa“ gegangen, wo bald Katja Gasser, die ich ja sehr gut kenne ins Gespräch mit Pavel Kohout, der die „Tagebücher eines Europäers“ herausgegeben hat und Jaroslav Rudis, der mit „Wintersbergs letzte Reihe“ für den Buchpreis nominiert ist, kam.

Dann folgte die 1960 in Dresden geborene Ines Geipel mit ihrem Buch „Umkämpfte Zone – Mein Bruder, der Osten und der Hass“,  in dem es um ihre Familiengeschichte und den Untergang der DDR geht.

Danach folgte der Würzberger Verfassungsrechtler Florian Meinel mit der „Vertrauensfrage“ und ich bin darauf gekommen, daß man heute nicht auf „Wikipedia“ nachschauen kann, weil die gegen das „Urheberrecht“ protestieren, was inzwischen, wie man merken kann, ganz schön mühsam ist.

Feridun Zaimuglu von dem ich schon einiges gelesen habe, ist mit seinem Episodenroman „Die Geschichte der Frau“ ebenfalls über den LBP nominiert und erzählte der Moderatorin Dorothea Westphal, daß er dafür in zehn verschiedene Frauenrollen geschlüpft ist, was sehr schwer und anstrengend war und er dafür auch angegriffen wurde. Außerdem sagte er, was mich erstaunte, daß es ihm bezüglich Preis, wer wird es werden?, sehr schlecht geht und er sich erst entspannen kann, wenn er weiß ob, er den ihn bekommen hat oder nicht. Woran man wieder sieht, daß diese Preisvergeberei vielleicht doch ein wenig schwierig ist, obwohl Zaimoglu ja schon für einige Preise nominiert war und da wohl schon Erfahrung hat.

Dann kam der sehr selbstbewußte Tarek Würger, erzählte mir über „Stella“ was ich noch nicht wußte und auch darüber wie sehr er von den Kritiker verrissen wurde, was ihn aber offensichtlich nichts ausmachte.

Dann gings um ein nominiertes Sachbuch, mit dem ich mich noch nicht sehr beschäftigt habe, nämlich mit  Kla Vahland „Leonardo da Vinci und die Frauen“.

Dann kam der mir bisher ebenfalls unbekannte Maxim Leo mit seiner Familiengeschichte „Die Geschichte meiner verschwundenen Familie“, die er in mehreren Teilen geschrieben hat oder noch schreiben wird.

Dann kam Ingrid Noll, die Grand Krimi-Dame, die erst spät, aber dann sehr viel zu schreiben begann mit ihrem neuen Buch „Goldschatz“ und erzählte über ihr Schreiben.

Christoph Hein, der Ex-DDR-Autor präsentierte gleich zwei Bücher, den „Gegenlauschangriff – Anekdoten aus dem letzten deutsch-deutschen Kriege“ und das Kinderbuch „Alles was du brauchst“ und als er erzählte, wie es dazu kam und, daß sein Enkel traurig war, daß daß der Opa klüger als er ist, kam es zu einer Unterbrechung und einem Geschrei, drei Leute tauchten mit einem Transparent auf und riefen eine Parole, die wie „Stopp den Bücherausverkauf“, klang, bis sich die Security einschaltete und es mit der Buchvorstellung wieder weiterging, was auch sehr viel über den Messebetrieb und was man dort darf aussagt.

Dann kam die Preisverleihung in der Glashalle, die man zwar im livestream verfolgen konnte, aber eine vier und eine fünf Uhr Stunde, so daß ich mir das Ganze nur nachschauen konnte, aber schon in der Zwischenzeit herausbekam, daß die Bellistrik-Preisrägerin Anke Stellung mit ihren „Schäfchen im Trockenen“ sein könnte, wieder eine Außenseiterin, denn das Buch in einem „Indie-Verlag“ erschienen, obwohl Anke Stelling auch schon 2015 für den dBP nominiert war.

Aber außer ihr waren Jaroslav Rudis mit „Wintersberg Reise“, Matthias Nawrat mit dem „Traurigen Gast“, Feridun Zaimoglu mit „Die Geschichte der Frau“ und die mir unbekannte Kenah Cusanit mit „Babel“ nominiert .

Den Sachbuchpreis hat dann Harald Jähner  mit „Wolfszeit, Deutschland und die Deutschen 1945-1955“ und für die Übersetzung  Eva Ruth Memme mit der Übersetzung aus dem Rumänischen von  „Verlorener Morgen“ von Gabriela Adamesteanu, bekommen.

Das wars, die Empfänge im Österreich Cafe oder auch die, beim „Verbrecher-Verlag“, muß ich auslassen, habe mir aber ein Glas Rotwein mit Orangensaft geholt und morgen wird es weitergehen, aber zuerst muß ich da nach St. Pölten auf die Umfallsambulanz, um mir meinen Gips wieder auswechseln zu lassen.

Danach habe ich mir noch ein paar ARD-Videos, beispielsweise das über Mashas Gesses Buch „Die Zukunft ist Geschichte“, sowie über Tanja Malartschuks „Blauwahl der Erinnerung“ angeschaut.

Es gab eine Diskussion zum Thema „Heimat“ mit Fatma Aydemir, Julia Trompeter und Albrecht Selge über ihre neue Bücher. Und die Anthologie der 1986 in Karlsruhe geborenen Fatma Aydemir, die mit „Ellenbogen“ bekannt geworden ist „Eure Heimat ist unser Alptraum“ in dem vierzehn Autoren mit oder ohne Migrationshintergrund über diese Themen schreiben, habe ich heute bekommen und steht auf meiner Leseliste.

Reinhard Kaiser-Mühlecker hat seinen siebenten Roman „Enteignung“ vorgestellt, wo ich ja vor einer Woche zur Präsentation ins Literaturhaus gehen wollte.

Der Messedirektor Oliver  Zille hat in einem Interview die politische Wichtigkeit der heurigen Messe hervorgehoben. Es gibt wieder die rechten Stunden, zu denen sich ja  auch mein Freund Uli und andere patriotische Kämpfer aufmachen werden. Es gibt das Literaturcafe, Poetry Slams, die Selfpublischer und die Booktuber, die mir in ihren Videos  ihre Messeeindrücke zeigen werden, so daß ich mir, wie meine Leser manchmal fordern, wahrscheinlich auch von meinem Zimmer einen Gesamteindruck machen und neue Bücher und neue Trends kennenlernen  kann.

Am Freitag ging es dann nach einigen Schwierigkeiten in Harland weiter, weil Gipswechsel und wieder vierundzwanzig Stunden nicht belastet, Schwierigkeiten mit der Rezepteinlösung und das Internet ist auch nicht gleich gegangen und da konnte ich mir dann am „Blauen Sofa“ Sebastian Fitzek anhören, der den Umgang mit den Kritikern, er ist von Denis Scheck sehr kritisiert wurde, thematisierte.

Dann kam die Preisträgerin für europäische Verständigung Masha Gessen auf das Sofa und erzählte über ihr Buch, ihre Leipzig-Erfahrungen und die Preisverleihung.

Jakob Augstein und Nicolaus Blome haben ein Buch über „Oben und unten. Abstieg, Armt, Ausländer was Deutschland spaltet“, geschrieben, in dessen Diskussion ich ein bißchen hineingeschnuppert habe.

Dann wurde mit musikalischer Untermaltung die neue Fontane-Biografie vorgestellt, die Iwan-Michelangelo D`April geschrieben hat und viel über das realistische Schreiben des Apothekersohnes erzählte und meinte, daß Fontane bei der heutigen Jugend nicht mehr als „sexy Autor“ gilt, er aber sehr unternehmungslustig und umtriebiebig war.

Else Buschheuer, die sich in letzter Zeit ehrenamtlich in Demenzkliniken, etcetera, beschäftigt hat, hat ein Buch über das Helfen „Hier ist noch wer zu retten? Über die Liebe, den Tod und das Helfen“, geschrieben.

Dann kam ein Buch über Brecht von Heinrich Breloer „Roman seines Lebens.“

Dann kam der pakistanische Kampfflieger Mohamed Hanif, der mit einer „Kiste explodierender Mangos“ bekannt wurde und stellte sein neues Buch „Rote Vögel vor“.

Danach bin ich wieder nach Wien gefahren und versuchte das nachzuholen, was ich in der Ambulanz und im Auto versäumt habe.

So hat Jaroslav Rudis auf der MDR-Bühne ein Stück aus „Winterbergs letzte Reise“ gelesen, wo ein Sterbebegleiter den alten Herrn Winterberg kennenlernt und betreuen soll und mit ihm weil beide Eisenbahnfans, mit einem Baedeker aus dem Jahr 1913 auf eine große Reise geht.

Auf dem „Blauen Sofa“ habe ich mir das Video von Jachym Topol über seinen Roman „Ein empfindsamer Mensch“ angeschaut und das mit Antje Ravic  Strubel, die ja heuer den „Preis der Literaturhäuser“ gewonnen hat und bei dem sind wir in Leipzig ja immer gewesen, haben ein Glas Wein getrunken, ein Brezel gegessen und mich mit den Leuten unterhalten und Antja Ravic Strubel habe ich 2016  in Leipzig aus ihrem Episodenroman „In den Wäldern des menschlichen Herzens“ lesen gehört und mir das Buch bestellt. Ingeressant ist, daß sie  jetzt auch aus diesem Buch gelesen hat und das Video mit den „Buchpreis-Gewinnern“ habe ich mir auch angehört.

Es gab einen „Democracy-Slam“, wo Schüler sehr engagiert ihre Texte zum politischen Geschehen vorstellten, den es auf der Messe-Facebook zu sehen gab und so ist es vom Freitag, wo ich mit meinen neuen Gips wieder mal einen Tag lang nichtauftreten durfte und das Internet zweimal abgestürzt ist, in den Samstag gegangen, wo sich traditionensgemäß in Leipzig die Messehallen sehr sehr füllen, ich aber es ganz bequem vom Bett aus angegangen bin, was sicherlich sehr bequemer ist.

Als Erstes kam am Samstag die 1961 in Ostberlin geborene Marion Brasch auf das „Blaue Sofa“ und erzählte Luzia Braun über ihr neues Buch „Lieber woanders“, in dem es aus Toni und Alex geht, wo man den „Toni“, wie Luzia Braun erklärte, schon in ihrem früheren Buch „Wunderlich fährt nach Norden“, kennen kann.

Dann kam die ehemaligen Nonne, Doris Wagner, die über den „Spiritalistischen Mißtrauch in der katholischen Kirche“, ein Buch geschrieben hat.

Dann wurden zwei Bücher von Alexander von Humboldt, nämlich siebzig seiner Essays und einen illustrierte Biografie von Andrea Wulf vorgestellt, dann folgte der berühmte Schweizer Jean Ziegler und beantwortete ebenfalls für seine Enkel, die spannenden Fragen, „Was denn so schlimm am Kapitalismus?“, wäre.

Es gibt eine Broschüre, die man sich aus dem Internet ausdrucken kann „1989-2019 The Years of Change -Mittel- und Osteuropa 30 Jahre danach“ und ein dazugehöriges für drei Jahre geplantes Projekt in Leipzig, das auch einen eigenen Livestream hat, durch den ich mich ein bißchen geschnuppert habe, während auf das „Blaue Sofa“, die 1994 in Kempfen geborene Feministin Sophie Passmann, die mir bisher unbekannt war, die aber ein sehr streitbares Buch über dieses Thema „Alte weiße Männer“ geschrieben hat, über das man in Zeiten, wie diesen herrlich diskutieren kann und bestimmt auch muß.

Dann kam der Musiker, Autor und Entertainer Rocko Schmamoni von dem ich schon was gelesen und gefunden habe, mit seiner „Großen Freiheit“, ein buch über den „Buffboss“ Wolli Köhler, den er persönlich gekannt hat und der sich sehr für „Bier, Koks und Literatur“ interessierte.

Dann kam wieder Katja Gasser und stellte das Debut des 1988 in Wien geborenen serbisch Autors Marco Dinics „Die guten Tage“ vor, ein „Herkunftsroman“, in dem ein junger Mann mit einem Bus  zurück nach Serbien fährt, um auch über ein bißchen Österreichisches zu berichten, denn die Veranstaltungen im „Österreich-Cafe“ wo Marco Dinic schon am Donnerstag war und Andrea Stift am Samstag um halb zwei gelesen hat, fallen ja aus, obwohl man das Litradio der IG-Autoren, glaube ich, irgendwo nachhören kann.

Danach kam der 1961 in Köln geborene Paul ingeddaay, dessen „Königspark“ ich auf meinen Badezimmerstapel liegen habe und in dem es um den Madrider Straßenstrich geht.

Danach kam Stasa Stanisic mit seinem neuen Buch „Herkunft“, von dem ich allerdings nur die Schlußsätze hörte, wo Stasa Stanisic die Förderung, die er durch die Schule bekam, als er nach Deutschland gekommen ist, lobte, weil ich zwischendurch auf der Terrasse war, Sardinen, Brot, Rucola und nachher Erdbeeren mit Eis gegessen, sowie den Sonnenschein genoßen habe.

Dann ging es nach dem wunderbaren Literaturblock wieder in die Sachbuch-Schiene, nämlich Werner Plumpe „Das kalte Herz, Kapitalismus, die Geschichte einer andauernden Revolution“, was eine Metapher auf ein Märchen ist.

Dann am die 1947 geborene deutsche Jazz und Soulsängerin Uschi Brüning mit ihrer Autobiografie „So wie ich“, die von ihrer Begegnung mit Louis Armstrong und Caterina  Valente erzählte. Dann surfte ich zu MDR , kam wieder zu Sebastian Fitzek und kam darauf, daß „Fische, die auf Bäume klettern“, kein Thriller sondern eine Art Lebensweisheitbericht ist, was ich äußerst spannend finde.

Dann bin ich zu „3 Sat“ gegangen, die diesmal nur die „Blauen Sofa“, aber keine eigenen Videos haben und habe mir ein bißchen die „Buchzeit“ angesehen, wo unter anderen „Bleib bei mir“, aber auch ein Buch Günter Kunert und eines von dem tschechischen Autor Jirsi Hajicek vorgestellt wurde, bis es wieder auf das Sofa  zur „Blauen Stunde“ mit dem Thema „Integration“ ging, wo Dilek Güngür, von der ich gerade „Ich bin Özlem“ gelesen habe, die kroatische Autorin Jagoda Marinic, Ferda Ataman und Marvin Oppong über dieses Thema diskutierten.

Ferda Ataman hat eine Streitschrift „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“, geschrieben, ein Satz mit dem ich ja meine Schwierigkeiten habe, denn wenn ich nicht mehr fragen kann, woher der andere kommt, kann ich ja nicht wirklich kommunizieren und müßte sprachlos bleiben, was ja auch sehr schade ist.

Jagoda Marinic, die ein Buch über die „Me Too-Debatte“ geschrieben hat, meinte in der Diskussion, daß es für sie wichtig sei, ihre Geschichte zu erzählen und das Buch des 1982 in Münster geborenen Marvin Oppong heißt „Ewig anders, schwarz, deutsch, Journalist“, der erzählte, daß er mit seiner Freundin im Zug gefahren ist und dort die Leute nach ihren Vorurteilen testete.

Dann gings nochmal in eine „Blaue Stunde“ und zwar zum „Krimi-Speed-Dating“ mit Michael Sahr, der die neuen Bücher der tschechischen Autorin Iva Prochazkova, Susanne Kliem, Marc Elsberg und Stefan  von der Lahr, die mir außer Marc Elsberg, der eigentlich marcus Rafelsberger heißt und von dem ich mal was gelesen habe, alle nicht viel sagten, vorstellte und die Autoren zu ihrem Schreiben, dem Ausgebranntsein, etcetera befragte.

Und bevor es in den Sonntag geht, kann ich noch verraten, daß Portual das Gastland des nächsten Jahres sein wird, wo ich dann wahrscheinlich wieder dabei sein kann.

Am Sonntag gibts in Leipzig dann wieder die Bloggersessions, bei denen ich im vorigen Jahr den ganzen Sonntag war, heuer aber ohnehin nicht so sicher war, ob ich dort hingehen würde und bevor ich mich dann wieder auf das Sofa setzte, habe ich mir bei MDR, ein Interview mit den ehemaligen  SPD-Chef  Franz Müntefering, angehört, das der dort am Samstag gegeben hat und etwas über das Älterwerden erzählte.

Dann gings zum „livestreamfreien-3- Sat“ und Sarah Kuttners neuen Roman „Kurt“, den auch Thomas Gottschalk in seiner neuen Literatursendung, die ich, weil auf Augenhöhe, gar nicht so schlecht, wie manche Kritiker fand, vorstellte und von der ich ja auch schon einiges gelesen habe.

Am Sofa fing es dann,  sehr aktuell mit zwei Büchern über „Zensur und Meinungsfreiheit“ weiter,was sehr spannend war von Siegfried Lokatis, der sich sehr damit beschäftigt hat, über die Zensurstrategien der DDR und wie die mit ihren Büchern umgingen, zu hören.

Und dann ging es bei Christian Bommarius „Die neue Zensur“, um die, die beispielsweise „Facebook“ praktiziert.

Dann ging es gleich mit Robert Feustel „Am Anfang war die Information- Digitalisierung als Religion“ weiter.

Dann kam Radka Denemarkova, die ich ja schon in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte und deren „Herrlichen Flecken Erde„, ich mir damals kaufte und die jetzt  „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ vorstellte, wo es um Schwalben,  um drei, beziehungsweise um die Gewalt an Frauen, geht.

Angela Krauß, die, glaube ich, mit Kerstin Hensel befreundet ist oder war, folgte mit ihrem neuen Roman “ Der Strom“.

Dann wurde es wieder politisch, denn es kam  der 1955 geborene Thomas Karlauf mit seinem neuen „Stauffenberg-Buch“, das wie ich hörte, vor allem bei Stauffenbergs Enkelin große Kontroversen auslöste.

Dann kam der Autor, Moderator, Journalist Friedemann Karig auf die Bühne und stellte seinen noch nicht erschienenen ersten Roman „Dschungel“, in dem einer im Dschungel verschwindet, vor und berichtete vom Unterschied den es zwischen literarischen und dem journalistischen Schreiben gibt.

Dann kam der letzte „Blaue Sofa-Punkt“ dieser Messe, nämlich die „Blaue Stunde“ zum Thema „Debut“ mit Helene Bukowski, Kenah Cuasit, die ja mit „Babel“ für den LBp nominiert war, Yannic Han  Blao Federer und Anselm Oelze, die mir alle nicht sehr viel sagten, was sich in der nächsten Zeit möglicherweise ändern wird, von dem ich, wegen Mittagessen auf der Terrasse, auch ein bißchen was versäumte.

Dann gab es noch ein bißchen von dem großen Chor zu hören, der sich ab vierzehn Uhr auf den Glashallenstiegen sammelte und dann war es zumindest mit den Livestreamvideos zu Ende, obwohl die Messehallen, glaube ich, noch bis siebzehn Uhr geöffnet sind und ich vielleicht noch einiges nachsehen und nachhören kann.

Das war es aber trotzdem, Leipzig 2019, unerwartet wieder mal im Zimmer statt live vor Ort. Aber trotzdem interessant und jetzt geht es  an das Lesen der Frühjahrsneuerscheinungen, die sich schon in meinem Badezimmer angesammelt haben und  vielleicht noch kommen werden. Aber vorerst geht es mit den Frauentagsbüchern weiter und die kann ich spoilern, sind ja auch sehr interessant.

2019-03-23

Ich bin Özlem

Jetzt kommt noch ein  Buch aus dem „Verbrecher-Verlag“ und zwar eines mit einem brandtaktuellen Thema, beschäftigt sich doch die 1972 in Schwäbisch Gmünd geborene Dilek Güngör, von der ich mir nicht sicher bin, ob ich ihren 2007 erschienenen Roman „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“, in meinen Bücherbergen habe oder nicht,  in Zeiten der politischen Korrektheit und der Frage, der Verletzung der Gefühle, während auf der patriotischen Seite, die Ausländer beschimpft und als Gewalttäter dargestellt werden, mit den Frage der Identität, des Fremdseins und, ob man jetzt Türkin ist, wenn man in Deutschland geboren wurde, aber Özlem heißt, etcetera.

Ich bin gar nicht so sicher, ob das einhundertsechzig Seiten Buch, als Roman zu benennen ist. Ich würde es fast als einen erzählenden Personal-Essay bezeichnen, denn es behandelt  nur eine sehr kurze Zeitspanne und da eigentlich mit Rückerinnerungen, die oben erwähnten Fragen.

Da ist also Özlem, wie ihre Autorin in Schwäbisch Gmünd aufgewachsen, jetzt in Berlin lebend, Tochter von türkischstämmigen Eltern, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und jetzt Migranten heißen. Sie ist Ende dreißig und hat,  das ist vielleicht etwas ungewöhnlich, vielleicht auch konstruiert einen deutschen Mann und zwei Kinder Emilia und Jakob, die, glaube ich, nicht Türkisch sprechen und es beginnt mit einer Einladung zum Abendessen.

Im Beschreibungstext steht noch etwas, das Özlem, sich ständig mit „Ich bin Özlem!“ und „Meine Eltern stammen aus der Türkei“ vorstellt.

Zu Beginn steht sie aber in der Küche, macht Linsensuppe für ihre zwei Freundinnen Eva und Johanna und ihre Ehemänner, die zum Essen kommen und überlegt dabei, daß das türkische Essen sehr üppig ist und ihr ihre Mutter, das Kochen beigebracht hat, während das bei ihren deutschen Freundinnen nicht so wichtig war.

Sie hat die Realschule besucht, während ihre Freundinnen aufs Gymnasium abwanderten, ist dann aber  Sprachlehrerin geworden. Malen wollte sie auch, hat das aber aufgegeben und jetzt löchern sie ihre Freundinnen, daß sie mit ihnen mit in den Urlaub nach Griechenland fahren soll, was sie eigentlich nicht so will.

Dann fährt sie aber doch ein Wochenende mit den Freunden und den Kindern, ihr Mann ist nicht dabei, nach Usedom und dort zerstreitet sie sich mit ihnen an der Frage, ob die „Karlsplatz-Schule“ eine schlechte Schule ist, weil die Kinder dort nur Türkisch und Arabisch sprechen.

Sie zerstreitet sich nicht nur, sie bricht darüber fast zusammen, obwohl sie ihre Tochter auch nicht in eine solche Schule gegeben hat.

Ein interessantes Buch in Zeiten, wie diesen, wo man nicht mehr Fragen  oder soll, woher jemand kommt, weil das vielleicht rassistisch ist.

Obwohl  eigentlich nur so Kommunikation entsteht und man darüber diskutieren könnte, während der andere vielleicht genervt ist, diese Frage zum hunderttausensten Mal, in Zeiten der AFD der Pegida-Märsche, beantworten zu müssen.

Dabei wäre es, denke ich, sehr wichtig diese Frage selbstbewußt mit einem „So ist es, ich spreche zwei Sprachen und habe zwei Identitäten, na und?“, zu beantworten.

Oder natürlich nicht, wie Dilek Güngör  an ihrer Protagonistin eindrücklich beschreibt, die sich mit ihrer Doppelidentität zurechtfinden muß und ich  denke mir, daß die Empfindlichkeit, auch ein Pferdefuß sein könnte und es Rauhbeine wahrscheinlich leichter haben.

Was aber sicher  nicht so einfach ist, eine dicke Haut zu bekommen, wenn man von Kindheit an Außenseiter war.

Ein interessantes Buch, das nicht nur dem Uli sehr zu empfehlen wäre und über man sicher viel diskutieren kann.

2019-03-22

Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Jetzt geht es regulär weiter auf meiner Leseliste, obwohl ich das Buch eigentlich mit nach Leipzig nehmen wollte und daher im Normalfall ein anderes vorgezogen hätte.

Ein Buch mit einen sehr neugierig machenden Titel, Elias Hirschl hat 2016 ein ziemlich ähnlich lautendes, nämlich „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist  dieses lausiges T-Shirt“, geschrieben.

Um was es hier geht, habe ich keine Ahnung, bei dem Debut der 1974 in Mark geborenen Manja Präkels schon, wurde das Buch doch im Jänner in der „AS“ vorgestellt, so daß ich meine Neugier stillen konnte.

Es geht um die DDR, nicht um das dritte Reich, wie man ja auch denken könnte und der Hitler, heißt eigentlich Oliver und ist der Nachbarjunge der jungen Mimi, die wahrscheinlich auch so um 1974 in einem kleinen Havelstädtchen aufwächst.

Die Mutter ist Lehrerin an der Schule, die sie besucht und Pionierleiterin, eine überzeugte DDR-Funktionärin also, der Vater war Verkaufsstellenleiter, ist aber sehr krank, hat Diabetes und eine kaputte Niere und im ersten Teil des Buches geht es darum, wie die kleine Mimi in den Sommerferien mit ihren Freunden von einem Elitepionierlager in das nächste geschickt wird.

Dazwischen wird sie von ihrer Mutter unterrichtet, geht mit ihrem Freund Oliver Angeln und berauscht sich mit ihm bei Familielenfest an den besagten Schnapskirschen.

Dann zerbricht zuerst die Freundschaft und danach die DDR und Manja Präkels erzählt ziemlich lapidar, wie sich plötzlich alles in der Schule ändert. Einige Lehrer verschwinden, weil sie Stasi-Mitglieder waren. Der Mutter, die schon Direktorin war, wird nahegelegt, sie soll nochmal studieren oder den Beruf wechseln und Oliver, nun Hitler genannt, wird Anführer einer Nazubande und beginnt mit seinen Freunden die „Neger“ zu klatschen“, etwas, was mein „Freund Uli“ ja immer behauptet, nie gegeben hat.

Lukas Rietzschel hat in seinem Debut etwas später auch darüber geschrieben und Manja Präkels „sucht in ihrem Romandebut nicht nach allgemeine gültigen Erklärungen für die Gewalt, sondern beobachtet und beschreibt aus der Perspektive ihrer heranwachsenden Protagonistin“, steht am Buchrücken, was etwas war, was mir beim Lesen  einige Schwierigkeiten machte, ist das Buch, Mimi wird später auch Redakteurin,  nicht sehr geplottet, sondern zählt im dritten Kapitel die Ereignisse, wie Hitler-Oliver den und den zusammenschlägt, eher journalistisch auf, so daß es mir nicht sehr leicht fiel, der Handlung  zu folgen, während mir der Wechsel von dem einen zum anderen System, zuerst im Sommer die Pionierlager und dann braucht man plötzlich keine Russischlehrer mehr und die Leute fallen bei den Pyramidenspielen herein, verlieren ihr Geld und ihre Posten, viel pointierter schien und dazwischen wird immer wieder von der Krankheit des Vaters, sein Warten auf seine Organtransplantationen und auch von Mimis Freunden und den Tieren, die es in dem Haushalt gibt erzählt.

„Er verschwand und ich stand noch auf der Veranda, als alle übrigen Gäste längst gegangen waren. Starrte den Himmel an. Kippte Schnäpse in mich hinein und betäubte meine Ahnung, der Junge, den sie Hitler nannten, habe mir damals das Leben gerettet“, lautet der letzte Satz, der mich ebenfalls  etwas ratlos zurückließ, hätte ich es doch gern ein wenig mehr erzählender und auskomponierter gehabt.

Der lapidare, knappe Ton ist aber wahrscheinlich genau das, wofür das Buch Preise und auszeichnungen bekam und wofür die Autorin hochgelobt wurde.

2019-03-21

Der Stotterer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Der 1946 in Zürich geborene Charles Lewinsky, der 2014 mit seinem „Kastelau“ auf der dbp-Liste stand, hat ein neues Buch geschrieben, das mich schon vom Titel her sehr berührte, habe ich doch in meiner Zeit als Assistentin an der Sprachambulanz der zweiten Hno-Klinik des AKHs und später in meiner Praxis sehr viel mit Stotterern gearbeitet und auch ein Fach- beziehungsweise Elternratgeberbücher darüber geschrieben, obwohl ums Stottern geht es eigentlich gar nicht, das ist nur der Aufhänger für das, würde ich mal schreiben, brillante Alterswerk des Autors, der ein grandioser Schelmenroman ist.

Beginnt man das Buch, das mit einem Brief an den „Padre“ beginnt, fühlt man sich zunächst einmal nach Spanien und in alte Zeiten zurückversetzt, denkt, „Alles schon gelesen!“, denn da schreibt einer aus dem Gefängnis Briefe an den Gefängnisseelseelsorger, dem er sein Leben erzählt, das ist der „Stotterer“ Johannes Hosea Stärckle, der, wie schon der Name verrät, ziemlich bigotte Zeiten durchlebte, wurde er in seiner Kindheit von seinem frommen Vater für das Stottern und wahrscheinlich noch für einiges andere geschlagen und der Vorstand der christlichen Gemeinde Bachofen, zu dem ihm der Vater brachte, wollte ihm auch das Stottern austreiben, ebenso wie einem Homosexuellen seinen Homosexuelalität.

Wenn ihm der Vater schlug, hat er immer gesagt „Das tut mir mehr weh als dir!“, wofür sich der Sohn als der Vater mit Krebs im Sterbebettt vor sich hinstöhnte rächte, in dem er diesen Satz immer wieder stotternd wiederholte und den Kirchenvorsteher hat er später in den Selbstmord getrieben, in dem er ihm biblische Sprüche zuschicken ließ in denen Pornographie  an Kindern, verborgen war, wofür er ihn zur Anzeige brachte.

Man sieht Charles Lewinsky, der ja auch Filmemacher war, hat es mit seinem „Stotterer“ faustdick hinter den Ohren, denn der schlägt alglatt und elegant zurück und weil er nicht so gut sprechen konnte, verlegte er sich auch bald aufs Schreiben.

Schrieb den, der ihn in der Schule mobbte, zuerst seine Schulaufsätze und dann fingierte Liebesbriefe, bestellte ihn nackt mit einer Rose in die Schulgarderobe, wo ihn allerdings nicht die Angebetene, sondern die ganze Schulklasse erwartete.

So ist es dann weitergegangen. Zuerst hat er in einem Callcenter oder Datingagentur gearbeitet, wo er den Schönen fürs schöne Geld  schöne Briefe schrieb und, als er dort entlassen wurde, hat er den „Omatrick“ für sich veredelt, weil er damit aber zu blumig war und die gleiche Phrase von einem „Quietschenden Fahhrad eines Postbotens“ gleich zweimal verwendete, wurde er ertappt und landete im Gefängnis, wo ihm der „Padre“ entdeckte und zum Schreiben ermunterte.

Jack Unterweger ist das in Krems Stein vor vierzig Jahren auch passiert und es ist ihm, wie man wohl zfsammenfassen kann, nicht so gut gelungen.

Johannes Hosea gelingt es aber, denn der „Padre“ verspricht ihm einen Posten in der Gefängnisbibliothek, die ihm unterstellt ist, wenn er ihm dafür Berichte aus seinem Leben schickt.

Als er das dann gleich wieder zurücknimmt und ihn in die Küche einteilen will, ist Johannes Hosea sehr empört und wehrt sich mit gekonnten Worten, das ist wohl das Neue in dem Buch. Er empört sich auch darüber, daß das Stottern als Sprachfehler bezeichnet wird, denn wenn ich nicht sehen kann, fehlt mir die Sehkraft,  ich habe aber keinen Fehler, worüber man nun  diskutierten kann, ob etwas, was einem fehlt ein Fehler ist? Sprachlich stimmt es, politisch korrekt ist es nicht, aber Letzteres wird von den Rechten ja gerade auch sehr angefochten.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch zu Schreibübungen, so sind dem Buch immer wieder Geschichten beigefügt, die er an ihn Padre schickt, als der in der ersten aber „Autobiografische Elemente“, zu entdecken glaubt, ist er wieder empört, schreibt die nächste Geschichte nur für sich selber und fängt das Tagebuchschreiben an.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch, an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“ teilzunehmen, der er gewinnt, so daß sich bald ein Verleger an ihn wendet und Johannes Hoseas literarischer Aufstieg beginnt, denn Geschichten aus dem Leben eines Gestrauchelten wollen die Leute ja gerne lesen und so geht es wahrscheinlich nach der Entlassung in eine schriftstellerische Karriere oder, siehe oben, auch nicht, das wird dann nicht mehr beschrieben. Vorher kommt es aber noch zum Kontakt mit der Gefängnismafia, die in die Bücher, die an die Bibliothek geliefert werden, auch andere Sachen einschmuggelt und Johannes Hosea da zum Mitmachen zwingen.

Ein sehr fein geschriebenes Buch, ein listiges, abgehobenes Alterswerk, das manche Klischees widerholt, manche aber erstaunlich geschickt durchbricht und der vergleich zum „Felix Krull“, der einem da natürlich kommt, wird vom Autor selbst erwähnt, denn Johannes Hosea, der später nicht mehr an den „Padre“, sondern an seinen Verleger schreibt, füllt auch den berühmten Fragebogen von „Proust“ aus und so ist das Buch gefüllt mit Fingerübungen, Briefen Tagebuchnotizzen etcetera, die vielleicht etwas zusammengestoppelt wirken können und die Idee ist wohl auch nicht so wirklich neu, trotzdem ist sie gerade dadurch was Lewinsky daraus macht sehr gelungen und das Buch wahrscheinlich sehr zu empfehlen.

2019-03-20

Alle, die vor uns da waren

Das nächste Buch schließt sich gleich an das vorige an, denn da geht es auch um die Erdverschmutzung und den Zustand dieser Welt und ist, wie ich „Amazon“ entnehme, eigentlich der dritte Teil von Birgit Vanderbekes Familiensaga oder Memoireihe mit Szenen aus ihrem Leben.

Bei „Piper“ erschienen und da bin ich mir gar nicht sicher, ob ich es angefragt oder so geschickt bekommen habe. Auf meiner Bestellliste steht es jedenfalls nicht und Teil zwei, das ist auch sehr interessant „Wer dann noch lachen kann“ habe ich bei dem Literaturquiz der „Buch Wien“ von Günter Kaindlsdorfer bekommen, muß es noch lesen, während ich den ersten Teil „Ich freue mich, daß ich geboren bin“ auch noch finden muß und die 1956 in Dahme geborene Birgit Vanderbeke habe ich, glaube ich, durch ihr „Bachmannlesen“ kennengelernt.

Da hat sie 1990 aus dem „Muschelessen“ gelesen, ein Buch das ich auch noch lesen muß, während ich „Sweet sixteen“, „Alberta empfängt einen Liebhaber“ und „Geld oder Leben“ gelesen habe und außer Band zwei der Saga auch noch das 2013 erschienene „Sommer der Wildschweine“ ungelesen in meinen Regalen habe.

Eine fleißige Frau, die 1956 geborene, die eher leise unter den bekannten Autoren, ist sie doch mit ihrem „Muschelessen“ schlagartig berühmt geworden.

Schullektüre, steht bei „Wikipedia“ oder im Klappentext und interessantes Detail aus der Biografe ist noch, daß sie mit fünf nach Westdeutschland übersiedelte und 1993 nach Südfrankreich, wo sie jetzt noch lebt. Davon handelt auch die Romantrilogie oder die Memoirensplitter, wie ich es besser bezeichnet fände. Der erste Teil von der Kindheit und der Flucht in den Westen,  der zweite von einem Autounfall und der dritte von Heinrich Böll.

Da könnte man jetzt stutzen und sich fragen: „Wie hängt das  mit dem Umweltschutz und den Katzen der Andrea Stift-Laube zusammen?“ und eigentlich war die erste Information, die ich über das Buch hatte, daß es über das Älterwerden geht.

Es geht um alles und Birigt Vanderbeke schreibt davon auch in einem ironischen Stil, der offenbar sehr typisch für sie ist.

Sie beginnt mit ihrer Kindheit der Großmutter Maria, die aus Ostende stammte und erwähnt dann die Namen Böll und Zwerenz.

„Kennen Sie nicht?“, fragt sie dann und fügt:  „Wundern Sie sich nicht. Wir vergessen heute schnell“und leben  in einer Zeit wo keine Bücher mehr gelesen werden und es keine Schriftsteller mehr gibt.

Es gibt offenbar schon ein paar und Birigt Vanderbeke ist eine davon. Mit einem Gianni verheiratet, der Sohn heißt Noah, die Schwiergertochter Claude, ein Enkelkind kündigt sich an oder ist schon geboren. Ein Haus wird für den Sohn erbaut und dann kommt eine Einladung nach „Archill Island, wo Heinrich Böll, ein Haus hatte und die „Heinrich Böll-Stiftung“ offebar Stipendien an Schriftsteller vergibt.

Da denke ich natürlich an meinen Versuch eine Einladung in die Schriftstellerwohnung der Anita Pichler in Venedig zu bekommen, was nicht klappte, bei Birigt Vanderbeke oder der namenlosen Erzählerin klappte es und so flog sie mit ihren Gianni nach Dublin, versuchte dort Fish und Chips zu essen, weil man das in Irland ja machen soll und fuhr dann auf die Insel weiter, wo der freundliche Verwalter sie schon erwartete, den Schlüßel überreichte, durch das Haus führte und erklärte, er würde jetzt nach Lourdes wallfahrten gehen.

Er zeigte auch die Fahrräder, aber die waren kaputt und ließen sich nicht reparieren und in dem Haus der „Böll-Stiftung“ gab es kein Telefon und kein Internet für die nächsten drei Wochen. Dafür gab es eine Bibliothek mit Böll-Büchern und als das Paar eines Tages bei einem Bier in der Küche oder Wohnzimmer saß, rauchte es aus Bölls ehemaligen Arbeitszimmer hinaus.

Die Erzählerin ging hinein, der Meister saß am Schreibtisch, qualmte vor sich hin und empfing sie mit den Worten „Alle, die vor uns da waren, die haste nun in dir!“, oder so ähnlich und damit beginnt das Paar durch die Insel zu wandern, denn es muß ja eingekauft werden und alle, die sie nach einem Lebensmittelladen fragen, weisen in die Ferne und erklären in dem oder dem Ort gibt ein Geschäft.

Es gibt auch  Pubs am Strand, aber die sind, wie die meisten Läden geschloßen. Denn Birigt Vanderbeke reiste zu Ostern an und in einem Pub gab es zwar Bier, aber kein Internet.

Also konnten die Kinder erst später angerufen werden und der Fisch, den sie dann schließlich doch zu essen bekamen war ein Pangasius und wurde aus Vietnam importiert und darüber kann man schon einmal herrlich über den Zustand der Welt, das neue Sklaventum, wo die T-Shirts und die Souveniers in Bangladesh in „Sklavenfabriken“ erzeugt und dann durch die Welt geflogen werden, diskutieren.

Über die Welt, die den Schwangeren und den Kindern empfiehlt, keine Fische wegen des Schwermetalls und des vielen Plastiks zu essen und so wandern, die Beiden, die fünf Kilometer zum nächsten Dorf mit dem nächsten Supermarkt, um dann die Kilopackung Tiefkühlfisch doch liegen zu lassen und zu Hause Kartoffeln essen.

Sie wandern an den Ruinendörfern vorbei und die Erzählerin läßt sich später von einer schulklasse erklären, warum das so ist, daß in Irland neben den alten Häusern, neue erbaut wurden, weil in den alten, die Seelen der Vorbesitzer wohnen, die man nicht stören will oder soll und die neuen wurden auch nicht fertig, weil ja die Hungersnot vorher kam und die Bewohner nach Amerika flüchteten.

So werden die drei Wochen herumgebracht, bevor es wieder nach Frankreich geht. Auf dem Rückflug wird der Erzählerin noch einmal ordentlich schlecht, bevor sie ihre Vergangenheit und die Toten, die in ihr wohnen, vielleicht loslassen kann, um weiterzuleben, sich an ihrem Enkelkind zu erfreuen. Das Haus vielleicht fertig oder nicht fertig zu bauen und etwas, was ich bei dem Buch nicht verstanden habe, ist, wieso es keine Schriftsteller mehr gibt?

Es gibt sie doch. Ich erlebe sie täglich und lese ihre Bücher, wenn es auch stimmt, daß die Leute wahrscheinlich weniger lesen. Dafür schreiben sie mehr und Birigt Vanderbeke wird es wahrscheinlich eine Weile auch noch tun und so freue ich mich auf ihre nächsten Bücher und hoffe bald an das „Muschelessen“ zu kommen.

2019-03-19

Mascha und Margarita

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Nun kommt der letzte Einschub, beziehungsweise das Buch, das mir der Robert am letzten Montag ins Spital brachte und das ist, kann man nur sagen, das es ein sehr Seltsames ist.

„Ein Kinderbuch!“, hat der Alfred gesagt, als ich es ihm zeigte.

Nein, ist es nicht, obwohl am Cover ein paar Strichmännchen zu sehen sind und ein Mann, der einem dieser Kinder etwas zu zeigen scheint.

Schllägt man es aber auf, kommt man auf das Bildnis der kleinen Margaritea oder „Las Meninas“ von Diego Velasquez, das im Prado in Madrid ausgestellt ist, obwohl es so ein Prinzessinnenbild wohl auch im kunsthistorischen Museum gibt und ich mich in „Kerstins Achterl“ darauf bezogen habe.

„Eine Reise ins Innere der Kunst“ lautet der Untertitel und gezeichnet und aufgeschrieben wurde, der 2014 erschienene Bildband von Martina Pippal, die eine 1957 in Wien geborene Kunsthistorikerin und Künstlerin ist und, wie im Nachwort steht, es als „ihr besonderes Anliegen betrachtet, schwierige Inhalte in einer anschaulichen und in diesem Fall sogar spielerischen Weise darzustellen.

Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob das wirklich gelungen ist, denn meiner Meinung nach, wurde in das Buch zu viel hineingepackt und auch zuviel von einem Thema zum anderen gesprungen und das dann noch auf eine so künstlerische Weise dargestellt und durcheinandergemischt, daß sich der Laie, der gerade mal ins Museum geht, um sich das Velasquez-Bild anzuschauen, erst recht nicht auskennt.

Und die Frage, ob das jetzt ein Kinderbuch ist oder nich,t wird auch nicht wirklich geklärt, denn am Ende gibt es noch einmal so eine bunte Kinderzeichnung und dazwischen wird erzählt, wie die Könige damals ihre Gattinnen besuchten, um sie zum Kinderkriegen zu veranlassen, was die Kinder, die mit ihrer Kindergartentante oder Volksschullehrerin ins Museum kommen, wahrscheinlich nicht verstehen werden.

Es geht also, um ein oder mehrere Bilder mit der kleinen Margarita, die später einen österreichischen Kaiser heiratete. Einmal steht sie vor einer Muschel und da wird von den Geheimnissen geschrieben, die das Bild umgibt und erklärt, daß Margarita Muschel bedeutet.

Einmal steht sie im Kreise ihrer <hofdamen, die sich vor sie hinknien und ihr ein Glas reichen, weil man das vor den spanischen Prinzessinnen so machen mußte und dann gibt es eine Lena, das ist ein russischer Schnüffelhund der wohl Aufklärung in das Ganz bringen soll und der zieht mit einer Mascha oder Masti durchs Museum, wohl, um das zu bewältigen, erklärt, daß die Prinzessinnen damals nicht herumtoben durften, sondern mit ihren steifen Kleidern im Kreis der Hofdamen feine Damen spielen mußten und schon sehr früh an die Kaiser und Könige verheiraten wurden und dann nur mehr Kinder kriegen und nichts zu sagen hatten, außer, daß sie sich wünschen durften, daß die Juden aus der Stadt vertrieben wurden. Etwas wenn man es so recht betrachtet, dem was sich die Patrioten wünschen, gar nicht so unähnlich ist.

Ob die Kinder das wohl auch verstehen? Es wird aber von der damaligen Zeit, der Kriegspolitik und den Herrschaftsverhältnissen erzählt und natürlich auch vom Maler Velasques, der all das auf seine Leinwand bannte.

Am Buchbrücken wird auch ein Blog angegeben, auf dem man mehr über das Ganze erfahren könnte, was ich, weil ein wenig ratlos, auch versuchte, aber leider nicht fündig wurde.

Trotzdem ist es ein schönes, wenn auch künstlerisch etwas verfremdetes Buch, mit dem man sich durch den Prado gleiten lassen und ein bißchen über die damalige Zeit nachdenken kann, gerade richtig für ein Krankenbett, wo es nicht möglich ist, in ein Museum zu gehen, denke ich und habe wieder viel gelernt.

2019-03-18

Hilde Langthalers Podium-Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Publikum

Publikum

Ich habe Hilde Langthaler, die im Jänner verstorben ist und von der am letzten Montag unter anderen ihr Podium-Portraitheftchen vorgestellt wurde, in den späten Siebzigerjahren im „Arbeitskreis der schreibenden Frauen“ kennengelernt, der sich so um 1984 auflöste, ich habe mich aber weiter mit ihr, Valerie Szabo und Elfriede Haslehner regelmäßig getroffen um uns unsere Texte vorzulesen und zu besprechen. Später habe ich sie bei den GAV- Versammlungen und auch anderswo immer wieder getroffen, das letzte Mal vorigen Dezember bei Ruths Abschiedsparty gesehen und war bei ihrem Begräbnis.

Zu der Veranstaltung, die es am 19. 2.  im Literaturhaus gegeben hat, wollte ich eigentlich hingehen, habe sie aber versäumt, weil ich mich für die zeitgleich stattfindende Präsentation des „Kuh-Buches“ angemeldet und daher nicht weiter in meinem Kalender nachgeschaut und jetzt auch die Abschiedsveranstaltung im „Tiempo Nuevo“, weil ich ja mit einem Gipsbein im LKH St. Pölten gelegen bin, der Alfred hat mir aber das Portraitheftchen gebracht, das dann bei der Heimfahrt fast verlorengegangen ist, sich aber wiedergefunden hat, so daß ich es  besprechen kann und mich damit  noch einmal von einer lieben Freundin, obwohl mein Verhältnis durchaus nicht konfliktfrei war, Abschied nehmen kann.

Susanne Ayoub, die, glaube ich, eine Vertraute Brunis war, hat das Vorwort  „Vom Objekt zum Subjekt“ gestaltet, in dem es Ausschnitte mit einem Gespräch mit ihr das im August 2018 geführt wurde, gibt und das sich intensiv auf Hilde Langthalers Lebenslauf, die ursprünglich Medizinerin war und auch oft auf Auslandseinsätzen war, bezieht.

Später hat sie sich dann der Literatur gewidmet oder ist damit an die Öffentlichkeit gegangen, hat mit Elfriede Haslehner den Frauenverlag mitbegründet, war bei der AUF dabei und ist literarisch durch ihr Theaterstück „Nur keine Tochter“ und sonst mit kurzen prägnatten lyrischen Skizzen aufgefallen, wie sie ja immer auch sehr bescheiden und zurückhaltend, aber sonst wahrscheinlich auch sehr beharrlich war.

In dem Heftchen gibt es Beispiele von ihren kurzen und auch längeren Prosastücken, die aus mehreren ihrer Bücher entnommen sind und an ein Gedicht „jemand“, das von einem oder einer mit Namen Mayer handelt, kann ich mich besonders erinnern, hat sie das doch bei einer unserer Sitzungen vor langer Zeit vorgelesen und da ist mir im Gedächtnis geblieben, daß ich mich damals, wo ich mit dem Kritisieren noch größere Schwierigkeiten als heute hatte, nicht zu fragen traute, daß ich den plötzlichen Perspektiv- oder Geschlechterwechsel nicht verstanden habe. Sie hat es dann später noch einmal gelesen, da habe ich gefragt und jetzt ist das Gedicht

„jemand steht am fenster

der raum ist überheizt und doch friert er

 

sie hat brünettes,feingewelltes haar, gepflegte

hände, ein adrettes kleid

ein jeder weiß, dass sie am bildschirm sitzt,

dass sie ihr leben verdient, indem sie zahlen

tippt den ganzen tag

denn leben

will verdient sein

 

jemand geht zur tür hinaus

und macht sich an die arbeit.

jemand, der zahlen tippt den ganzen tag.

jemand mit namen mayer.

 

Die Ausweglosgkeit und die Monotonie des Lebens sind auch in den anderen lyrischen Notizen, von denen mir  einige ebenfalls schon bekannt waren, stark zu merken und gehören wahrscheinlich  zu Hilde Langthalers eigener Sprache.

„von fäden gezogen

in normen geschüttelt

marionetten, hastend

vom heute ins morgen.“

beispielsweise oder

 

„zerbrochen, zerbröcketlt, zerbröselt.

wieder zusammengefügt, da und dort

irgendwie. ohne ein ziel. wie das leben

absichtslos zufällig und nur ein spiel

lache bajazzo“

Sehr intensiv die Kritik, der doch so engagierten, frauen- und gesellschaftsbewegten Frau.

„gestrichen. gestrichelt.

gedreht.gebeugt. gewunden.

nirgendwohin.

traum oder trauma?“

Und zuletzt auch ein sehr beeindruckendes Lyrikstück, das mir, wie die ganze Bruni und meine doch schon an die vierzigjährige Bekanntschaft mit ihr, in Erinnerung bleiben wird:

„wir kommen aus der ewigkeit

wir gehen in die ewigkeit

und in dem kurzen augenblick dazwischen

schauen wir ständig auf die Uhr.“

Wie wahr, kann man da nur schreiben.

2019-03-17

Stella

Filed under: Bücher — nagl @ 00:02
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Für die, die in allem Unglück ein Gutes sehen, denen sei gesagt, mein Knöchelbruch hat mir Takis Würger „Stella“ beschert, eines der Kultubücher, der heurigen Saison, würde ich mal sagen, das überall besprochen wird und die Geister spaltet, als das zweite würde ich Michelle Houllebecq „Serotonin“ bezeichnen, „Gotteskind“ und „Der traurige Gast“ habe ich schon gelesen und weil ich ja nicht so eine prominente Bloggerin bin und mit „Hanser“ ohnedies so kleine Schwierigkeiten hatte, habe ich mit dem Buch die letzten Woche geliebäugelt, es mir in den Buchhandlungen immer angeschaut und gehofft, daß ich es einmal finde, denn es hat  ein Thema, das mich interessiert und dann kam Doris Kloimstein zu mir ins Krankenzimmer und hat es mir übergeben, Robert Eglhofers Gabe, der noch zu mir gekommen ist, muß ich noch lesen, aber für Stella hat der Mittwoch im Krankenhaus mit den Physiotherapieversuchen und dem Kreislaufkollaps gerade noch gereicht, so daß ich es ausgelesen habe und Doris Kloimstein hat am Ende auch noch freundlich mit blauer Tinte angemerkt, das Takis ein männlicher Vorname und die Abkürzung von Panagiotakis ist und die Koseform Panagiotis lautet.

Sehr interessant, man lernt nie aus und Takis Würger steht auf der anderen Seite, ist ein 1985 geborener Journalist, der schon mit seinem Debut „Der Club“ einige Preise erntete und warum ist jetzt sein Buch so spaltend?

Weil es diese Stella Goldschlag, 1922-1994, wirklich gegeben hat, eine Jüdin, die dadurch überlebte, daß sie eine Reihe von Juden an die Gestapi ausgeliefert hat. Sie wurde nach dem Krieg zweimal verurteilt und hat sich 1994 in Freiburg das Leben genommen und Takis Würger macht nun einen sehr künstlerischen Roman daraus, in dem er die tatsächlichen Fakten, das heißt Ausschnitte aus den Gerichtsakten und die Aufzählung, der durch sie Verratenen mit einer fast surrealen Liebesgeschichte verbindet.

Der Held und Erzähler heißt Friedrich, wohnt in der Schweiz, wurde von einer sehr nazibegeisterten malenden Mutter aufgezogen, die fast den Verstand verlor, als ihr Sohn durch einen Unfall zumFarbenblinden wurde.

1942 will sich der 1922 geborene Berlin ansehen und dort auch was ja eigentlich verboten ist, Jazzmusik anhören und dadurch lernt er eine Kristin kennen, die auch sehr ungewöhnlich ist und irgendwann in seinem Hotelzimmer auftaucht und ihm verät, daß sie eigentlich Stell Goldschlag wäre.

Die einzelnen Kapitel sind immer wieder geschichtliche Daten wie „Im Jahre 1922 verurteilte ein Richter Adolf Hitler zu drei Monaten Gefängnis wegen Landfriedensbruchs, ein englischer Forscher entdeckte das Grab Tutanchamus, James Joyce veröffentlichte denRoman Ulysses, die kommunsistische  Partei Russland wählte Josef Stalin zum Generalsekretär und ich wurde geboren“, beigefügt.

Eine Mischung aus Fiction und Fakten also und interessant finde ich auch, daß ich ja kürzich auch ein Buch gelesen habe, wo ein ziemlich naziaffiner Jude ein Rolle spielte, das war aber, glaube ich, nur Fiktion, beziehungsweise wurde auch ein Tagebuch einer Mutter zum Vorbild genommen und „Stella“ das Kultbuch von 2019 hat eingeschlagen, wie ein Bombe bei den Leuten die noch lesen, weil bis dato schon 157 Rezensionen obwohl es erst im Jänner erschienen ist.

Daniel Kehlmann und Isabell Bogdan haben auf den Buchrücken lobende Worte geschrieben und ich kann jetzt wieder, wenn ich  auf eine Party gehen kann, über die literarische Sensation des Jahres mitreden, wenn mich einer fragen sollte, was aber erfahrungsgemäß eher nicht geschieht, wenn ich in der „AS“ oder im Literaturhaus beim Wein herumstehe.

Friedrich Torberg hat übrigens mit „Hier bin ich mein Vater“, schon vor langem ein ähnliches Thema bearbeitet.

2019-03-16

Veranstaltungspause

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 08:59
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Ich gehe ja schon seit über vierzig Jahren mehrmals in der Woche zu literarischen Veranstaltungen, in die „Alte Schmiede“, ins Literaturhaus, in die „Gesellschaft für Literatur“ etcetera und plane mir das auf meinen Blog wegen der Beiträge auch genau ein, lasse Tage dafür frei und deponiere Buchbesprechungen dementsprechend später.

Das habe ich auch vorige Woche so gemacht, weil diese Woche ja so einiges Interessantes los war und wir am nächsten Mittwoch nach Leipzig fahren wollten.

Da war schon alles vorbereitet, die Akkreditierungsunterlagen waren da, der Alfred hatte seine Karte, zwei Termine bei Verlagen und ein Bloggertreffen war ausgemacht, die Höhepunkte am Donnerstag, die Verleihung des „Preises der Leipziger Buchmesse“ und das anschließende Treffen der Österreicher im Österreich-Cafe in der Halle vier eingetragen.

Dann kam der Sturz, wo ich drei Tage bis Mittwoch im LKH St. Pölten war, dann mit einem Gips und Krücken nach Hause ging. Der Alfred hatte mir meine Klienten abgesagt. Ab Donnerstag habe ich wieder Stunden gemacht und gehe auch krückenfrei in Wohnung und Praxis herum, aber auf der Straße will ich nicht herumhumpeln, so wird es in der nächsten Zeit wahrscheinlich nichts mit den Veranstaltungen, die ich mir eingetragen hatte, werden, dafür mehr lesen. Meine Leseliste ist ja sehr lang, weil ich, da ich am liebsten alles lesen möchte, nur schlecht nein sagen kann oder will und in den Artikel mehr über Bücher, als über Veranstaltungen schreiben, was auch nichts macht, weil ich mir ja irgendwie immer denke, warum ich eigentlich so beharrlich zu den Veranstaltungen laufe, dort übersehen werde und beispielsweise im Literaturhaus oder in der „Gesellschaft“ keinen Lesetermin bekomme, weil „Eigenverlag, leider, Eigenverlag wollen wir nicht!“

Das gilt natürlich auch für das Lesen, da habe ich mir das auch schon länger gedacht, wieso lese ich so begierlich das, was die anderen schreiben, wenn die sich für das meine auch nicht interessieren?

Eine berechtigte Frage.

Es interessiert mich aber!“, lautet die Antwort und ich habe auch schon geschrieben, daß ich gern herausfinden möchte, was die anderen besser, als ich können und  glaube das inzwischen zu wissen, daß meine beharrliche Weigererung sich den Rechtschreibregeln anzupassen, ein größerer Schuß ins Bein ist, als ich mir damals, als ich zu schreiben begann, vorstellte und dann schreibe ich nicht so abgehoben, sondern vielleicht mehr realistisch journalistisch. Ich würde das psychologisch sozialkritisch hinzufügen und das gilt vielleicht  nicht  als so große Literatur.

Also gut, in der nächsten Zeit keine Veranstaltungen, denn ob ich auch, wenn ich dann einen leichteren Gips oder Plastikschale habe, wirklich damit nach Krems und Göttweig will, wo der Alfred schon Karten bestellt hat, ist mir auch nicht so klar.

Stattdessen neben meinen Stunden, die „Magdalena“ korrigieren, denn da werde ich vielleicht noch damit fertig, bevor der Alfred Ende April nach Kuba fährt und er kann mir die Blogartikel über mein Schreiben kopieren, so daß ich mich da ans Korrigieren machen kann, denn mein nächstes Buch wird ja eines über mein Schreiben sein.

Die Leipziger Buchmasse kann man sich, wie die in Frankfurt, was ich ja regelmäßig tue, auch im Internet anschauen und das habe ich auch schon zweimal getan, als der Alfred in dieser Zeit auf Reisen war oder sonst nicht wegkam. Die Preisverleihung am Donnerstag gibts, glaube ich, über Livestream, etcetera, so daß ich da nicht zu viel versäumen werde und ein paar Frühjahrsneuerscheinungen warten ja auch auf mich, ansonsten weiß ich nicht so genau, was ich versäumen werde.

Versäumt habe ich jedenfalls die Abschiedslesung der Bruni im vorigen Montag in der Buchhandlung „Tempo Nuovo“ wo zwei ihrer Bücher vorgestellt wurden.

Da war der Alfred, hat ein Foto gemacht und mir ihr „Podium-Portrait“ mitgebracht und am Mittwoch, wo ich aus dem Spital entlassen wurde, war in der „Gesellschaft“ die Kerstin Hensel, die ich ja durch Vermittlung der Christine Haidegger vor zig Jahren brieflich kennenlernte, 1989 hat sie beim „Bachmann-Preis“ gelesen, da habe ich sie in Wien beim Uwe Bolius getroffen und als ich  in Berlin bei einem Psychotherapeutenkongreß war, habe ich bei ihr gewohnt, sie  noch einmal dort getroffen und einmal in Wien, als sie in der „Alten Schmiede“ gelesen habe, auch einmal ein Buch von ihr gewonnen, sie in Leipzig einige Male gesehen, aber sonst ist der Kontakt ziemlich abgebrochen, als Bloggerin wechselt man ja vielleicht die Seite und rutscht von der Literatenschiene  hinunter und ich wäre ohnehin, weil eine neunzehn Uhr Stunde nicht hingegangen.

So bin ich um diese Zeit von St. Pölten nach Wien gefahren, habe am Donnerstag die Demo, beziehungsweise das ÖAAG-Reflexionstreffen zu dem ich gegangen wäre, versäumt.

Am Freitag hat  Reinhard Kaiser-Mühlecker sein neues Buch im Literaturhaus vorgestellt. Da wäre ich hingegangen und das habe ich versäumt und am kommenden Montag hätte ich in Cafe Westend gehen wollen, wo Luis Stauber und Erika Kronabitter ja eine monatliche Lesereihe haben und, wo ich  auch einmal lesen werde.

Sonst weiß ich gar nicht so genau, was ich versäumen werde, denn am Donnerstag fängt ja Leipzig an, wo ich mich aufs „Blaue Sofa“ setzen werde und ansonsten eine längere oder kürzere Veranstaltungspause machen, was ich ja auch schon einmal ausprobierte, um mehr selber schreiben zu können.

Mal sehen, wie es mir damit geht und, ob mich jemand vermißt? Was ich eigentlich, wenn ich auf meine Suchanfragen gehe, mir schon vorstellen kann, ich bin gespannt.

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