Literaturgefluester

2016-02-07

Als Präsidentin auf den Opernball

“Heute ist Opernball!”, dachte El Awadalla und betrat ihr Badezimmer.

Ihr erster als Bundespräsidentin, während sie vor der Oper auf den diesbezüglichen Demonstrationen und am Heldenplatz auf denen, gegen den der Akademiker, regelmäßig teilgenommen hatte, aber seit die vor einem Jahr als unabhängige Kanditatin  angetreten hatte und  mit den Stimmen aller Feministen, Linken und sonstiger kritischer Menschen überraschenderweise gewonnen hatte, vielleicht hatten sich auch einige durch ihren ersten Platz am Stimmzettel irritieren lassen oder die betrunkenen Auszähler hatten sich schlicht verzählt, würde es hineingehen und sie  freute sich auch schon, obwohl sie gar nicht so sicher beim Links- oder Rechtswalzer war.

Beim Linken war sie natürlich besser und alles läßt sich lernen und außerdem war das Tanzen angesichts, der nach, wie vor existierenden Flüchtlingsproblematik und der höchsten Arbeitslosigkeit im Land, gar nicht so wichtig und sie würde, auch hier, eine  unkonventionelle Präsidentin sein, wie sie es in ihrem Wahlkampf  versprochen hatte.

Hinein in das Ballvergnügen, das lila Abendkleid, das aus einem Secondhandshop stammte, wollte sie doch auch eine sparsame Präsidentin zu sein, hatte sie schon angezogen, dazu trug sie bequeme Schuhe, sie sollte vom vielen Stehen keine Hühneraugen bekommen und die runde weiße Brille, die sie sich extra für den Wahlkampf besorgt hatte, hatte sie auch aufgesetzt.

Jetzt mußte sie nur noch, die rotweißrote Staatsschärpe überstülpen, um einen würdigen Eindruck zu machen und dann ging es los und weil sie im Wahlkampf und  bei ihrer Antrittsrede versichert hatte, daß sie eine  umweltbewußte Präsidentin werden wolle, würde sie mit dem Fahrrad zur Oper radeln.

Mit dem langen Kleid würde das zwar vielleicht ein bißchen mühsam sein, aber sie hatte schon andere Hürden genommen, dachte sie voll Zuversicht, fuhr sich mit dem Kamm über ihre kurgeschnittenen Haare und lächelte sich an.

“El Awadalla for president!”, hatte es vor einem Jahr geheißen.

Wer hätte das gedacht, daß Österreich 2016  so kritisch war und statt der  konservativen, alten Herrn und einer Dame, die  außer ihr angetreten waren, eine kritische, linke Frau zur Präsidentin wollten?

Niemand wahrscheinlich, in einem Land, wo sich lebenslustige Baumeister und pensionierte Richterinnen neben ihr beworben hatten und einige der Kanditaten sehr freiheitlich dachten.

Natürlich niemand und es war doch geschehen. So radelte sie mit dem hochgeschnallten Abendkleid auf die Oper zu. Sprang vom Rad, um es einen salutierenden Polizisten zu übergeben, den sie noch von ihrer Zeit als Demonstrantin kannte und solche waren auch schon angetreten, weil es noch viel zu erkämpfen gab.

Die Flüchtlinge kamen weiter, das Grundeinkommen war noch nicht erreicht und Arbeitslose gab es ebenfalls in rauhen Mengen, nur daß sie nichts gegen die Demonstranten hatte, sondern ihnen zuwinkte, war der Unterschied und das mußte sie auch bei den Luxuslimonsinen tut, die auf den Eingang zurollten.

So sprang sie  zur Seite, rief “Griaß euch, ich bins die Präsidentin und wünsche einen schönen Abend!”, denn sie war und blieb Dialektautorin. Hatte die Stiege erkommen und schritt auf die Staatsloge zu.

Links und rechts von dieser hatten einige ihrer ehemaligen Mitbewerber Platz genommen. So lächelte sie staatstragend, den Herren Khol und Hundstorfer zu, die in ihrem schwarzen Smokings versuchten, sich nicht über sie zu ärgern und sie sicher nicht leiden konnten, wie das auch Baumeister Lugner tat, der mit seinen weiblichen Begleiterinnen, gerade über die Stiege kam und sie schief anlächelte.

“Grüß Sie, Frau Präsidentin, sind Sie auch gekommen?”, fragte er säuerlich. Sie nickte und  gab ihm die Hand.

“Natürlich, denn das ist meine Aufgabe und wird von mir erwartet!”

Begrüßte auch die Staatsoberhäupter, die etwas pikiert auf ihr lila Abendkleid, den roten und den blauen Schuh, ihrem Markenzeichen, in denen sie zu Zeiten von schwarz-blau auf den Ballhausplatz gewesen war, um mit roter Farbe gegen blau anzutreten, blickten.

“Alles Walzer!”, rief unten gerade der Zeremonienmeister und das Jungdamen- und Jungherrenkommitee war mit der Eröffnungspolonaise eingezogen. Die Kellner servierten Sacherwürstel mit Senf und Kren und die Sektkorken knallten, wie ehedem.

Alles war wie immer, trotz ihres roten und den blauen Schuhs, dem lila Abendkleid aus dem Secondhandladen und der runden weißen Brille, ihrem zweiten Markenzeichen, als selbstbewußte, linke Frau.

Sie trat an die Empore, hob die Hand und dachte an das bedingungslose Grundeinkommen, das sie Österreich versprochen hatte. Dachte an die immer noch sehr hohe Zahl der Arbeitslosen, die auch ihr Mitbewerber, Rudolf Hundstorfer, der einmal Sozialminister gewesen war, nicht verhindern hatte können, wie sie  das beim Opernball nicht zusammenbrachte und mit dem lila Abendkleid, dem roten und blauen Schuh, , die Festgäste begrüßen und vielleicht auch mit Herrn Khol, Herrn Hundstorfer, Präsidentengatten Clinton und anderen Staatsoberhäuptern tanzen würde müßen.

Mit Herrn Mörtel-Lugner wahrscheinlich nicht, denn der würde sie nicht auffordern, war sie ihm mit ihren fast einundsechzig Jahren sicherlich zu alt, während die Stars und Bunnies an seiner Seite, ständig jünger wurden und die Abendkleider, die sie trugen, immer teurer.

“Da wäre ich mit Sicherheit ein besserer Präsident geworden!”, sagte er sicher gerade bedauernd zu seinem Hasi, Spatzi oder Mausi, nahm den Zylinder von seinem Kopf und ließ sich ein Glas Champagner servieren.

“Die Geschäfte gehen aber weiter, Schatzi, auch wenn wir jetzt eine linke Präsidentin haben und auch unser Opernball!””

“Hip, hop, Opernball!”,  hieß es  in einem Dialektgedicht. Richard Heuberger hatte in seiner gleichnamigen Operette ins “Chambre Separee!”, gebeten und Josef Haslinger  einen  Roman darüber geschrieben, daß sich Terroristen des Balls der Bälle bemächtigt hatten.

Das war Fiktion gewesen, aber sie war heute hier mit ihrer weißen Brille,  dem roten und dem blauen Schuh, sowie dem lila Abendkleid aus dem Secondhandgeschäft über das die rotweiße Staatsschärpe genauso, wie über einen Frack, passte.

Vor einem Jahr, als sie mit ihrer weißen Brille vor der Hofburg gestanden hatte, um  die sechstausend Stimmen für ihre Kanditatur zu sammeln, hätte sie nicht gedacht, daß sie jetzt hierstand, sich ein paar Würstel servieren ließ,  ihr Glas erheben mußte, um den Ehrengästen und Staatsmännern zuzuprosten und denken würde, daß sie  gar nicht tanzen wollte, weil der  blaue Schuh an ihrem rechten Fuß zu drücken begann.

2016-02-06

An den Start zurück

Da habe ich ja das Rohkonzept von “Paul und Paula” ziemlich schnell hinuntergeschrieben.

In zehn Tagen oder einer guten Woche, glaube ich, nachdem mir die Idee im November oder Dezember gekommen ist, daß ich etwas über Transgender  schreiben könnte oder die Geschichte des Informatiker Pauls, der als Paula in einem Szenelokal seine ehemalige Schulkollegin Paula wiedertrifft, die dort als Paul auflegt.

Auf die Idee bin ich gekommen, als ich im letzten halben Jahr zwei Namensänderungen miterlebte und es war ein spannendes Schreiben, obwohl ich nicht wirklich viel von der Materie wußte,   aber ein bißchen Blog gelesen habe und mir auch ein paar Videos anschaute.

Zu Schreiben habe ich nach der Jänner-Schreibgruppe angefangen, als ich dort Beginn der ersten Szene geschrieben habe, Klaus Khittl hat mir seine fachliche Beratung angeboten und so habe ich ihm, als ich am zwanzigsten Jänner mit den Rohtext fertig war, es ist sehr kurz, nämlich fünfzig Seiten geworden, den Text geschickt, dann bin ich ein bißchen losgezogen, um noch auf Veränderungsideen zu kommen, aber eigentlich hat mir diese knappe Geschichte gefallen und vor allem mit dem Paul, wo ich sehr viel erfunden habe, war ich zufrieden.

Also so gelassen und den Rohtext durchkorrigiert, vorigen Freitag, bevor wir nach Salzburg gefahren sind, habe ich den Text dem Alfred gegeben, der gerade die “Sommergeschichte” fertigstellt und auch schon  am “Adventkalender” arbeitet, wo wir noch das Foto brauchen.

Das war aber zu früh und zu schnell, denn am Dienstag hat mir  Klaus Khittl, den Text mit vielen Anmerkungen zurückgeschickt, denn wie beschrieben, kenne ich mich in der Transgenderszene und auch beim DJ-Business nicht wirklich aus, weil ich  selten in die entsprechende Lokale gehe, wo mein Text zum Teil spielt.

Es waren auch sehr brauchbare und  schnell durchführbare Änderungen dabei, zum Beispiel, daß ein DJ mixt und kein Programm macht, anderes, wie zum Beispiel,  die Namensgebung, Paulchen, Paula Paul, erwiesen sich als schwieriger, denn wie schreibe ich jetzt über eine Paula, die einmal ein Paul war?

Ich habe es eher unbekümmert gemacht und den Paul als “er eingeführt, aber dann redet mane sich auch  anders an, weil die Identität, wie mir Klaus Khittl erklärte, über die Namen geht.

Ein paar solche Veränderungen hatte ich  schon in meinen Text, aber jetzt kam ich in einen Änderungstaumel und zu der Frage, ob ich es nicht überhaupt umschreiben soll? Also aus dem Paul gleich eine Paula machen und an der Figur, des Pauls, die mir eigentlich stimmig erschien, sollte ich auch noch etwas ändern und eine Charakteränderung erklären.

Also wieder Ratlosigkeit und den Impuls alles hinzuschmeißen und aufzugeben.

Beziehungsweise käme ich, wenn ich das alles anwende, zu Veränderungen, die vielleicht das Gesamtkonzept zerstören, denn natürlich dreht man ein Handy ab, wenn man schlafen geht, aber dann kann einem eine Mutter durch einen Anruf nicht mehr stören und wenn ich allzu korrekt mit der Sprache werde, ist vielleicht der Reiz an den Wortspielen verschwunden und es wird hölzern, was ein literarischer Text auch nicht sein soll.

Aber ich will ja auch länger mit meinen Texten brauchen und nicht schon nach ein paar Wochen fertig sein, um dann zu hören, daß sie unfertig, Rohfassungen, etcetera, sind.

Das höre ich auch bei meinen anderen Texten, wo ich in der Materie sicherer bin, hier weiß ich wirklich wenig und sollte die Gelegenheit zum Recherchieren nützen, habe ich gedacht, was auch sehr logisch klingt.

Also bin ich die letzten Tage mein Manuskript mehrmals durchgegangen und immer ratloser dabei geworden, beziehungsweise unzufrieden.

Gestern habe ich dann gedacht, daß ich diese Ratlosigkeit  auch in einem Vorwort erklären und mich bezüglich Paul noch ein bißchen einlesen kann und die Idee aus dem am Donnerstag entstandenen Opernballtext noch eine Geschichte mit Bundespräsidentin Awadalla auf dem Opernball zu machen ist mir auch gekommen, denn ein bißchen werden die Schreibgruppen-Texte, wenn ich nicht gerade eine Romanszene schreibe,  sehr dokumentierend.

So habe ich über El Awadallas Präsidentschaftskanditatur berichtet, ich könnte sie aber mit einem lila Abendkleid, ihrer weißen Brille und der rotweißroten Staatsschleife auch auf den Ball schicken und sie Herrn Strache und Herrn Lugner gegenüberstellen oder damit vor die Oper demonstrieren lassen.

Das wäre dann ein erzählender Text, zu dem ich länger brauchte, um auf die diesbezügliche Idee zu kommen, denn wenn es im Cafe Fortuna “Achtung, fertig und jetzt zwanzig Minuten schreiben!”, heißt fängt man ja vielleicht mit “Heute ist Opernball!”, an und dann wird es nicht sehr erzählend.

Mal sehen, ein kurzer Einschub, damit “Paul und Paula” noch reifen kann, bis ich zu einem Text komme, der fachlich stimmt und ich damit zufrieden bin, egal wie lang er wird und wieviel ich auch noch ändern muß, wird nicht schaden und kann mich vielleicht auf neue Ideen bringen, obwohl der dann entstandene Text nichts mit der “Paul und Paula-Geschichte” zu tun hat.

Und das ist es  auch, was ich mir immer wünsche, einen Text ausreifen lassen und sprinte  mir dann immer selber zu schnell davon.

Das ist sicher eine meine Schwachstelle, wo ich mich an der Hand nehmen sollte, auch wenn mir bisher diesbezüglich nie sehr viel eingefallen ist, deshalb bin ich Klaus Khittl beziehungsweise Gloria G. über ihre genauen fachlichen Anmerkungen, auch wenn ich sie nicht immer ganz nachvollziehen kann und sich einiges dagegen wehrt, sehr dankbar.

Ansonsten könnte ich über das  das “Quantitätsschreiben”, das ich ja nicht wirklich will, berichten, denn da hat Jacqueline Vellguth, ihren Jännerroman schon veröffentlicht hat und auch erwähnen, daß es auf ihrer Seite, sowie beim “Literaturcafe” eine Diskussion über “Einsternrezensionen” gab.

Und das ist  auch etwas, was mich beschäftigt , da ich vermutlich bei meinen Texten, würde ich sie bei “Amazon” veröffentlichen, auch solche bekommen würde und ich könnte mich dann nur selbst verteidigen, aber genau das, las ich bei Wolfgang Tischer und denke ich auch, das es stimmt, ist es, was man nicht soll.

Haus, Frauen, Sex

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
Tags: ,

“Das ist ein sehr kluges und witziges Buch” schreibt, der im vorigen Sommer verstorbene Helmuth Karasek über Margit Schreiners  2001 erschienenen Roman, einen Fund aus dem offenen Bücherschrank, den ich vor kurzem gelesen habe.

Die 1953 in Linz geborene Schriftstellerin, die auch in Salzburg gelebt hat, ist, glaube ich, damit berühmt geworden und mir hat ihr Monolog eines enttäuschten Ehemannes eigentlich besser, als erwartet gefallen, denn irgendwie hatte ich, glaube ich, ein Margit Schreiner Vorurteil und habe mir auch eine Thomas Bernhard Suada erwartet.

Ein Bißchen ist das vielleicht auch so, aber ganz so bösartig sind diese Gesänge des verlassenenen Mannes eigentlich nicht und man kann viel über die Gesellschaft nachdenken, wenn man das liest, was vor fünfzehn Jahren geschrieben wurde und inzwischen vielleicht auch schon ein bißchen überholt ist, aber dann wieder erstaunlich aktuell und modern klingt.

In sechzehn Kapitel monologisiert oder spricht mit seiner Ex Frau Marie Therese, die er Resi nennt, aber von ihm nicht so genannt werden will, Franz vor sich hin, der die Welt nicht mehr versteht.

Da hat er doch alles für seine Frau und seinen Sohn getan, hat ein Haus für sie gebaut und jetzt, wo er arbeitslos geworden ist, hat sie ihn mit dem Kind verlassen, will von ihm das halbe Haus, Alimente und Unterhalt und er leidet oder trinkt vor sich hin.

Am Schluß spricht er dann mit dem Rechtsanwalt, der bei der Scheidung seiner Meinung nach sehr ungerecht gewesen ist, einmal beschüttet er auch den Herd mit Schnaps und zündet ihn an und erzählt von den Füchsen die das Haus umschleichen und von denen er sich nicht fürchtet.

Es sind gewaltige Gesänge, die Frau wird beschimpft, die eigentlich nichts war und nichts konnte, bis Franz sie zu dem machte, was sie ist und er fühlt  sich nicht verstanden, aber eigentlich ist er gar nicht so bösartig, sondern auch nur eine arme Haut, das ist zumindest das, wie ich das Buch interpretieren würde, in dem man sehr viel Wahres über unsere Gesellschaft findet und natürlich den Thomas Bernhardschen Monolog und seine Übertreibungen nicht überhören kann.

“Über zweihundert Seiten geht der verbale Amoklauf, die Männer werden sich solidarisieren, während die Frauen selber schuld und “geschiehet ihm recht” rufen werden, bis die einen, wie die anderen herausfinden, daß es eine Frau ist, die ein furioses Stück Rollenprosa geschrieben hat, wie es ein Mann, politisch domestiziert und emotional verbogen, wohl nie hätte schreiben können”, schreibt  Henryk M. Broder im Spiegel  und MMR meint “Ein intelligentes Buch, sehr überzeugend, eine kunstvolle Sprache, ich finde die Autorin  hoch beachtlich”.

Interessant, daß es Männerstimmen sind, die das  Buch so hochloben, aber vielleicht hat die, der Verlag extra so ausgesucht.

Mir hat das Buch, wie schon erwähnt aber, auch gut gefallen, obwohl mir der arme Franz am Ende ein bißchen leid getan hat.

Margit Schreiner hat inzwischen weiter und noch einige andere Bücher geschrieben und ich habe sie auch einmal in der “Alten Schmiede” gehört.

2016-02-05

Schreibgruppe und Opernball

Filed under: Schreibbericht,Textbeispiel,Uncategorized — jancak @ 00:25
Tags: ,

Am Donnerstag war wieder einmal Schreibgruppe, sowie der Opernball und, daß der ein dafür geeignetes Thema ist, habe ich mir schon auf dem Hinweg gedacht, hatte ich ja sonst keine besonderen Ambitionen, ist der Rohtext von “Paul und Paula”, den ich das letzte Mal begonnen habe,  schon eigentlich fertig, Klaus Khittl alias Gloria G. hat mir vorvorgestern seine Anmerkungen geschickt, so daß ich den Text diesbezüglich durchgegangen bin und den Paul vielleicht noch etwas erweitern sollte.

Also noch nicht so weit für mein Kurzgeschichtenprojekt, das ich als nächstes plane, themenlos in die Gruppe gegangen.  Peter Czak hat  “Opernball” vorgeschlagen und nun ja, warum nicht?

Demo gibt es offenbar keine mehr, die war ja schon eine Woche früher bezüglich des Akademikerballs, in den Medien habe ich heuer auch noch nicht so viel darüber gehört, da ist die Flüchtlingsproblematik und die Verschärfung der Gesetze wohl aktueller.

Ich bin  keine Tänzerin und war in meinen Leben wohl nur auf zwei Bällen, das erste Mal etwas verunglückt in der Tanzschule Hernals und das zweite Mal mit dem Willi in den Sophiensälen, auf der Opernballdemo war ich früher, ich glaube, 2000, als der Hubsi Kramar als Hitler aufgetreten ist und wegen Wiederbetätigung festgenommen wurde und in “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” habe ich über eine früher stattgefundene Demo geschrieben und darauf beim “Wiener Dichter Fasching” in der “Gesellschaft für Literatur” gelesen und als ich das Wort Marianne. so heißt ja eine Protagonistin, die dort tanzt, aussprach, finden alle an zu lachen, was mich irritierte,  weil sie es wohl mit Marianne Gruber in Verbindung brachten.

Peter Czak, Ruth Aspöck Klaus Khittl, Doris Kloimstein und ich waren gekommen, Doris Kloimstein las über ihre negativen Ballerfahrungen,  Ruth erwähnte Josef Haslingers “Opernball” und, daß sie gerne mal dorthin gegangen wäre, Peter Czak schrieb von den negativen Veränderungen, die die Ballkultur seiner Meinung nach machte, jetzt kann man keine Leute mehr dort kennenlernen, weil die Paare zusammen hingehen und Klaus Khittl reimte “Operball, Opernball, welch ein Verfall, Knall” und dann gab es natürlich meinen diesbezüglichen Rundumschlag:

“Heute ist Opernball erfahre ich gerade aus der Zeitung. Hip, hop, Opernball, wie schön und aufregend. Gibt es wieder eine Demo, wie in den Achtzigerjahren oder zu Zeiten von  Schwarz-Blau? Aber nein, die hat gerade vor einer Woche vor der Hofburg,  beziehungsweise am Heldenplatz stattgefunden, weil dort die FPÖ ihre Akademiker feierte. Die ganze Innenstadt war abgesperrt und es war unmöglich, wie ich erfahren sollte, ins Literaturhaus zu kommen, weil der 49er nicht mehr fuhr.

Aber zurück zum Opernball, hip hop, Opernball, dieses großwirtschaftliche Ereignis, wo der Herr Bundespräsident mit Frack und Orden auffährt und der Herr Lugner seine Stars und Sternchen in seine Loge lädt.

“Lugner for president!”, heißt es doch auf einem Video, wo alle zwölf Präsidentschaftskanditaten, die abseits der glorreichen fünf, Griss, Hofer, Huntsdorfer, van der Bellen und Khol, antreten wollen, sofern sie sechstausend Unterschriften zusammenbekommen, präsentiert wurden.

El Awadalla will  auch in die Hofburg als Präsidentin und im Fall der Fälle im Abendkleid auch auf den Ball, um die Wirtschaftsbosse und die Staatsoberhäupter in ihren Logen zu begrüßen. Dann nicht mehr als Demonstrantin gegen den Akademikerball. Eine wunderschöne Vorstellung, wie die Präsidentin mit der weißen runden Brille, einem blauen oder roten Abendkleid und der Präsidentschaftsschleife am Ballhausplatz demonstriert.

Was werden da die Polizisten und die Staatsschützer machen?

Aber halt, zurück zum Thema, wir waren doch oder gehen auf den Opernball. Auf die Tribüne beispielsweise, auf die alle dürfen und wo das Glas Sekt und die Würsteln eine Menge Euro kosten oder zu den Debutanten, die im schwarzen Anzug oder weißen Abendkleid mit dem Krönchen auf  den auftoupierten Haaren zu der Polonaise tanzen.

“Alles Walzer!”, sagt der Zernmonienmeister, klopft mit seinem Stock den Takt und Herr und Frau Österreicher sind begeistert, sitzen vor der Klotzkiste und gehen Prominente schauen.

Wozu brauchen wir einen Opernball? Wenn das Volk dagegen ist, können wir ihn auch abschaffen, hat Kanzler Kreisky, glaube ich, einmal gesagt.

Das ist lange her, sicher dreißig, vierzig Jahre und heute denkt wahrscheinlich niemand mehr daran. Denn heute geht es um das Geschäft. Die Geschäfte, die angeblich in den Logen abgeschlossen werden. Die Polizisten, die draußen auf der Straße den Staat beschützen, bekommen eine Sonderzulage. die Friseure verdienen an den feinen Damen, die sich schnell einmal die Haare richten lassen. Herr und Frau Österreicher haben was zu schauen und die Demonstranten, wenn es noch welche geben sollte, zu demonstrieren.

Aber vielleicht sind die jetzt mit den Flüchtlingen beschäftigt. Mit den Flüchtlingsober- oder Untergrenzen. Ich schweife schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja Opernball und da gibt es  eine inzwischen nicht mehr sehr oft gespielte Operette von Richard Heuberger, dieses Namens.

“Komm mit ins Chambre Separee!”

Sie wissen schon oder können es sich vorstellen und da kommt, glaube ich, der Held aus Sankt Pölten angefahren, um sich ins  Geschehen zu stürzen und alles geht natürlich nach zwei Stunden Intrigen happy aus.

Ob das heute auch geschehen wird? Herr Lugner mit seinen Stars und Sternchen Freude am Geschehen hat? Herr und Frau Österreicher auf der Tribüne oder vor dem Fernsehkastel ihre teuren Würstel essen und den Sekt trinken und sich nicht daran verschlucken? Und, die Polizisten, sowie die Staatsschützer,  die vielen Flüchtlinge, die inzwischen die Festung Europa stürmen wollen, von dort zurückhalten können?

Aber das weicht schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja, hip, hop, Opernball. Alles Walzer, also, good luck and good night und es ist nur zu hoffen, daß wir uns an all den abgeschlossenen Geschäften, nicht den Magen verderben werden.

2016-02-04

Wieder einmal MUSA

Die letzten beiden MUSA-Literaturveranstaltungen habe ich versäumt, weil ich als Elisabeth Reichart den “Preis der Stadt Wien” bekommen hat, mit meiner Familie in Ungarn war und als Elisabeth Klar und Milena Michiko Flasar gelesen haben, ich mit dem Martin, der Zaruhi und dem Alfred im Rabenhof-Theater war, dabei war Milena Michiko Flasar einmal mit dem Sohn von Martins Freundin Linda befreundet, aber jetzt ist es wieder gegangen und im Februar haben die “Canetti Stipendiatin” Karin Peschka, die ich ja von einigen Lesungen kenne und der “Literatur Stipendiat” Christian Futscher gelesen.

Sehr wenige Leute im Publikum, es sind ja Semesterferien, wir aus Salzburg aber schon zurück und Karin Peschka hat das Werk an dem sie gerade arbeitet vorgestellt.

“Fanni Pold” wird es heißen oder ist das nur der Arbeitstitel? Und es geht dabei, um eine Frau aus einem kleinen Dorf, die ihren Freundinnen erzählt, daß sie Krebs hat und dann hängt sie mit einem Piloten an einem Baum, so hat es jedenfalls Julia Danielczyk in ihrer Einleitung erzählt und Karin Peschka hat angemerkt, daß sie ja selbst aus einem Wirtshaus aus einem kleinen oberösterreichischen Dorf stammt, dann war sie lange krank und jetzt rechnet sie mit ihrem Text mit Eferding ab und die Geschichte oder der Ausschnitt aus dem sie gelesen hat, spielt auch an einem dritten Februar oder an dem Tag, an dem in der Kronenzeitung von einem Piloten zu lesen war, der von der IS in einem Käfig verbrannt wurde, die Heldin Fanni nicht sehr glücklich verheiratet, zwei halbwüchsige Kinder, liest das und geht dann mit ihrem Mann Bernhard und der Tochter in die Pizzeria essen, wo einmal das Wirtshaus stand, das vielleicht Karin Peschkas Eltern gehörte.

Julia Danielczyk fragte dann zu ihrem Bezug nach dem Tod und zu den kleinen Dörfer und Christian Futscher, den ich eher für einen experimentellen Autor gehalten habe und den ich, glaube ich, unter anderem bei der “Literatur und Wein” aber vielleicht auch im “El Speta” hörte, kommt aus Vorarlberg und hat selber einmal ein Wirtshaus in der Piaristengasse gehabt oder darin gearbeitet und unter anderen hat er ein Buch über eine alte Frau geschrieben, die einmal Stammgast in diesem Wirtshaus war oder auch dort kochte “Frau Gretes Hang zum Schönen” und diese Frau Grete, die noch das Jahr 1934 in einem der Gemeindebaus erlebte, ist eine sehr redselige Frau “große Goschn” nannte es Christian Futscher und so erzählte sie aus ihrem Leben und das Publikum lachte, bei den Geschichten mit den angeschissenen Unterhosen, die eigentlich wahrscheinlich gar nicht so lustig waren und Julia Danielzcyk fragte nach der Kleinbürgerlichkeit, aber wahrscheinlich wird die Frau Grete aus einem Arbeiterhaushalt und dem roten Wien gekommen sein und ich habe einen sehr erstaunlich realistischen Christian Futscher erlebt, aber alles ändert sich und ich schreibe ja auch eher oder sehr realistisch und habe heute, als ich dem Alfred schon den Rohtext von “Paul und Paula” übergeben hatte, ein sehr genaue und ausführliche Anmerkung von Klaus Khittl oder Gloria G. zurückbekommen, die ich nun in meinen Text einarbeiten kann.

Wein und Brot hat es im MUSA auch wieder gegeben und das nächste Mal wird Daniel Wisser, der ja schon einmal im MUSA war, Musik machen und Christine Huber wahrscheinlich ihre Lyrik lesen.

2016-02-03

Aserbaidschanische Falken

Der Lehrer, den ich oft bei Literaturveranstaltungen treffe, hat mich am Freitag gefragt, ob ich am Dienstag zu Bodo Hell in die “Alte Schmiede” oder in die Hauptbücherei zu dem Russen gehe?

Bodo Hell würde mich interessieren, habe ich geantwortet, da ich aber um sechs noch eine Stunde habe, wird sich höchstens die Gesellschaft für Literatur” ausgehen.

Dann war im Mittagsjournal zu hören, daß Alexander Ilitschewski aus dem “Perser” liest und ich habe umdisponiert, beziehungsweise bin ich nach der Stunde, die sich fast bis sieben hingezogen hat,hingefahren und eine halbe Stunde zu spät gekommen, das heißt der Schauspieler Rafael Schuchter hat gerade etwas von Kindern die Schmetterlinge sammeln, gelesen und dann kam ich  zu den biografischen Angaben, die der Übersetzer des bei “Suhrkamp” erschienenenen Buches, Andreas Tretner gab.

Alexander Ilitschewski, der mir bisher unbekannt war, wurde 1970 am äußersten Gipfel von Aserbaidschan geboren, studierte in Moskau Mathematik und Physik, bevor er zu schreiben begann und scheint jetzt in Jerusalem zu leben.

“Nicht so viel Biografie erzählen!”, unterbrach  der Autor, “die ist doch uninteressant”, aber für dieses Buch, der zweite Teil einer Trilo-oder Quadrologie, wie der Übersetzer noch anmerkte, offenbar nicht.

Denn in dem Kapitel, das ich halb versäumte, ist es offenbar um das Kindheitsparadies von Autor und  dem Protagonisten Ilia, einen Geologen, der in Amerika lebt, aber auf Dienstreise in seine Heimat, beziehungsweise nach Baku zurückkommt und dort seinen Jugendfreund  Chaschem, den Perser, der jetzt Biogloge im Naturschutzgebiet an der iranischen Grenze ist und sich dort mit Falken beschäftigt.

Der Held bleibt dann länger, es geht um Sufismus, Derwische, aber auch um die Falken, die in den Iran verkauft werden und am Schluß, um eine große Jagd.

Ein interessantes Buch über das der Übersetzer im Gespräch mit dem Autor sehr viel erzählte, um Fundamentalismus geht es,  um Stalin und um historische Genauigkeiten oder Ungenauigkeiten.

Um Putin nicht, das hat, glaube ich, Erich Klein, der auch im Publikum war, im Mittagsjournal den Autor gefragt und im Internet gibt es eine Seite, wo man sich die Schauplätze des Geschehens bevor oder während man das Buch liest, anschauen kann.

Und interessant, am Montag haben der Autor und sein Übersetzer das Buch in Salzburg vorgestellt.

2016-02-02

Im Paradies der Bücher

Jetzt kommt “Eine Plauderei in 11 Kapitel” oder auch Band 9 der Text-Bildbände meiner Autorenkollegin Margot Koller, die 1941 geboren wurde,  die ich durch die GAV kennenlernte und die ihre Bücher ähnlich, wie ich selbst herausgibt und da wir bei den GAV-Sitzungen und auch sonst unsere Bücher tauschen, habe ich schon einige ihrer Werke in meinem Besitz.

“Flaschenpost an Josy” , habe ich schon gelesen.

“Alle Wege führen zum Wasser und “Steine lächeln stille” warten noch auf mich, das ist übrigens der erste Teil der “Text-Bildbände” und die “Plauderei der Bücher” beziehungsweise das Exemplar, das mir Margot Koller bei der letzten GAV-GV gegeben hat, ist übrigens etwas ganz besonders, nämlich ein Buch mit ihren Korrigernotizen, das heißt, es könnte einmal noch ganz wertvoll werden, allerdings haben sich inzwischen ihre handschriftlichen Anmerkungen mit meinen vermengt, denn ich streiche beim Lesen auch viel an.

“Die schönsten Dinge des Lebens bekommt man geschenkt! Jede Seite dieses Bändchens handelt davon” steht am Buchrücken, darunter ist ein “Bild der Autorin beim Bücherflohmarkt vor dem Literaturhaus Salzburg am H. C. Artmann Platz” zu sehen und am Cover sieht man eine Kiste mit lauter Büchern Colin Forbes “Kaltgestellt” liegt  oben auf.

Gewidmet ist diese Plauderei “allen Büchernarren” und es handelt eigentlich im großen und Ganzen vom Salzburger “Recyclinghof” einem der offenen Bücherschränke dieser Stadt und der, wo sich Margot Koller ihre Buchbestände holt und, wie sie schreibt in dem Keller ihres Häuschen schon ein ganzes Regal davon aufgestellt hat.

Das habe ich inzwischen besichtigt,  mir auch ein paar der Bücher ausgesucht und nach Hause mitgenommen, denn Margot Koller ist sehr freigiebig und verschenkt viele ihrer Schätze.

Sie kommt bei ihren Büchertouren auch ins Gespräch mit anderen “Büchernarren” und gibt ihre Erfahrungen über den Literatur- und Verlagsbetrieb auch gerne weiter.

So findet man in dem Buch auch ihre Anschrift und Mailadresse, damit man seine Erfahrungen mit ihr austauschen kann und dann geht es los mit den Plaudereien über den Salzburger “Recyclinghof”.

Jedes der elf, eigentlich sind es zwölf Kapitel, denn ein Nachwort, beziehungsweise eine biografische Notiz der Autorin gibt es auch, beginnt mit einem Bildchen aus ihren Bücherschätzen und ein Motto, beziehungsweise jeweils eine Conclusio gibt es auch und so switschen wir uns durch durch Margot Kollers Bücherparadies:

“Die Welt ist nicht größer als das Fenster, das du ihr öffnest”, heißt es da” oder “Es lebe der Wertstoffhof- es lebe die Umtauschmöglichkeit”, beziehungsweise “Es lebe der Wertstoffhof- es lebe die Physik und das Schneckenstreicheln” und dann kann man erfahren, was Margot Koller schon alles im Wertstoffhof gefunden hat.

So gab es zum Beispiel eine Überraschung mit “Venedig Recht Kultur und Leben in der Republik 697- 1797” oder den “1000 Tagen die die Welt bewegen”

Es gab aber auch eine Verwechslung. So hat sie zum Beispiel einmal ein Buch eines Walter Russels statt des bekannteren  Bertrand Russel gefunden und das ist mir auch schon mal passiert, daß ich den Jean Amery mit dem Carl verwechselt habe und so einen Autor kennenlernte, auf den ich vielleicht sonst nicht gekommen wäre.

Margot Koller läßt einen aber auch immer wieder in ihr reiches Autorenleben blicken und erzählt zum Beispiel, wie die Verlage mit unverlangt eingesandten Manuskripten umgehen,  welche Werke sie interessieren und was überhaupt noch verlegt wird.

Sie erzählt auch, was man alles durch das “Impressum” erfahren kann und lehrt uns, wie wichtig es ist, das genau zu lesen und man kann erfahren, daß die Titel bei den meisten Büchern von den Verlagen und nicht von den Autoren ausgewählt werden, so daß die bei Lesungen oft nur sagen “Ich lese aus meinem Buch mit dem Arbeitstitel XY!”

Bei Selfpublishern ist das natürlich anders, die können sich da freier bewegen und sind nicht so sehr auf Verlagsprognosen angewiesen.

Dann geht es wieder zu den Werkhoffunden und Margot Koller kommt von den Donna Leon Krimis zu den Lyrikreihen.

“Es lebe der Wertstoffhof- Es lebe die Lyrik”, heißt es da und im nächsten Kapitel berichtet sie von den Begegnungen mit anderen Bücherfreunden, die man dort machen kann.

“Es lebe der Wertstoffhof, wo man Gleichgesinnte treffen und Freude tanken kann”

Im zwölften Kapitel erfährt man  viel von den Büchern der Autorin und ich bin mit ihr vor kurzem durch Salzburg gezogen und habe auch die anderen Bücherschränke kennengelernt.

Margot Koller schwört auf den “Recyclinghof”, ich habe auch mit den anderen Salzburger und natürlich auch mit den Wiener Bücherschränken gute Erfahrungen gemacht und wer sich durch das zwölften Kapitel lesen will, kann über Margot Koller und ihre Bücherreihen  viel erfahren.

Wer sie in Wien kennenlernen möchte, dem kann ich ihre Lesung am 6. März  zum internationel Frauentag im der “Galerie Werkstatt Nuu”, in der Wilhelm Exner Gasse 15, um 17 Uhr sehr empfehlen, da liest sie über ihre “Salzburg-Wien Pendlerbewegungen” und läßt vielleicht auch in ihre Buchpublikationen Einsicht nehmen.

2016-02-01

Zwischen Peter Handke und Jochen Jung

Von dem intensiven Salzburger-Literatur-Wochenende ist es gleich in die “Alte Schmied” gegangen, denn da ist es mit Salzburg  weitergegangen oder eigentlich mit einer “Stunde der literarischen Erleuchung”, wo Andrea Winkler eine frühe Peter Handke Erzählung vorstellte und der hat ja eine Zeitlang in Salzburg gelebt und Jochen Jung der berühmte “Residenz-Verleger” hat, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, zu dem berühmten Dichter, beziehungsweise mit der 1975 entstandenen Erzählung “Die Stunde der wahren Empfindung” einen besonderen Bezug gehabt und die aus der Andrea Winkler Teile gelesen hat, hat mich an den am Sonntag in Salzburg gesehen Film “Die dunkle Seite des Mones” nach einem Roman von Martin Suter stark erinnert, geht es da ja um einen Mann namens Gregor Keuschnig, der träumt, daß er jemanden ermordet hat, was dann seit ganzes Leben, beziehungsweise seinen nächsten Tag verändert.

Er sagt seiner Frau, daß er nicht mehr mit ihr leben will, was sie allerdings, da er das in einem Reim tun, nicht glaubt, sondern weiterschläft und steht den ganzen Tag daneben und will sein Leben verändert.

In dem Film nimmt der Held, ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt Drogen, dann wird das Böse in ihm herovrgekehrt, er wird zum Mörder und seiner Frau sagt er ungefähr das Gleiche und eine Geliebte hat er auch.

In der Handke-Erzählung, die übrigens erstaunlich realistisch ist, Andrea Winkler hat es konventionell genannt, ist es nicht so arg und der Name Gregor erinnert natürlich an Kafka und zu einer “Verwandlung” kommt es auch oder auch nicht und das wurde von Andrea Winkler kommentiert, bezeihungsweise diskutiert und das Buch von dem es noch ein paar Exemplare gibt, konnte man sich in der Pause am Büchertisch anschauen, denn um halb acht, gab es eine zweite Veranstaltung, denn da kam Jochen Jung wahrscheinlich aus Salzburg und präsentierte, sein bei “Haymon” erschienenes Buch “Zwischen Ohlsdorf und Chaville”, wo es um zweiundzwanzig Portraits oder Episoden über Schriftstellerm geht, die der “Residenz-Verleger” Jochen Jung im Laufe seines Lebens kennenlernte.

Ohlsdorf ist der Ort wo Thomas Bernhard seinen Bauernhof hatte, Handke hat außer in Salzburg auch in Chaville, gelebt und am Freitag hat Jochen Jung im Radio ein Kapitel über Inge Merkl vorgestellt.

Jetzt hat er nach der langen Einleitung von Kurt Neumann, die ihm, wie er sagte etwas “verlegen” machte, Kurt Neumann erwähnte dabei, daß der  1942 in Frankfurt am Main geborene, Jochen Jung, am 1. Februar 1975 als Lektor in der Salzburger Gaisbergstraße angefangen hat, am 1. Februar 2000 wurde er dann bei “Residenz”, der inzwischen schon verkauft war, entlassen, hat seinen eigenen Verlag gegründet und zum Schreiben hat er inzwischen auch angefangen.

Kurt Neumann nannte das Buch einen “Episodenroman”, was mich ein bißchen wunderte, ich hätte es Schriftstellerportraits genannt und Jochen Jung begann natürlich mit einem Kapitel über Thomas Bernhard, dann las er eines über Gert Jonke und ein kurzes, wie Peter Handke mit seiner grauen Mütze in Salzburg spazieren geht und gar nicht das, was Kurt Neumann vielleicht erwartet hätte und am Schluß wiederholte er das Kapitel von Inge Merkl und erzählte, daß die inzwischen so vergessen, wie Diana Kempf sei, aber von Diana Kempf habe ich  ein Buch in einem der Salzburger Bücherschränke gefunden und von Inge Merkl warten auch einige Bücher auf meiner Leseliste. Aber es ist sicher interessant, sich durch das Jung-Buch zu lesen und Erinnerungen aufzufrischen, obwohl es, wie Kurt Neumann erzählte, momentan gar nicht zu bekommen, sondern erst neuaufgelegt werden muß, da die im August erschiene Auflage offenbar schon vergriffen ist.

Salzburger Büchertour

20160130-163844

Der Alfred hatte ja im August seinen sechzigsten Geburtstag und da vom Martin einen Gutschein für zwei Kabarettkarten bekommen.

Er wollte zu Simone Solga gehen, aber die ist erst im Oktober in Wien, dafür war sie am Samstag in Salzburg, so hat der Alfred eine Wochenendfahrt nach Salzburg organisiert und mit dem Martin und der Zaruhi sind wir schon vor zwei Wochen in den Rabenhof zu den “Großen Knallern mit Robert Pfaller” gegangen.

Jetzt bin ich nicht gerade ein Kabaretttyp, weil ich oft nicht lustig finde, worüber sich die Leute vor Lachen wälzen, aber eine Salzburgfahrt kann sich in literarischer Sicht sicher lohnen, so habe ich “Bücherwurmloch”, die dort in der Nähe wohnt, als sie von einem Salzburger-Fotoshooting berichtet, die Frage gestellt, ob sie wisse, wo sich dort der offene Bücherschrank befindet?

Tobias Nazemi hat mir den entsprechenden Link geschickt und siehe da, es gibt nicht nur einen, sondern gleich mehrere solcher Schränke, beziehungsweise Telefonzellen in der vergleichsweise kleinen Stadt und in der wohnt auch meine Autorenkollegin Margot Koller, mit der ich ja schon einmal in Salzburg gelesen habe und die ich meistens in Wien bei der GAV-GV aber auch bei Literaturveranstaltungen treffe.

Die habe ich angerufen, beziehungsweise angemailt und auch nach den Bücherschränken gefragt und sie antwortete, sie wisse etwas viel Besseres und hat auch ein Büchlein darüber geschrieben, das sie mir bei der letzten GAV gegeben hat.

“Im Paradies der Bücher – eine Plauderei in 11 Kapiteln” heißt es und das mußte ich erst finden, habe ich es nämlich damals im Oktober auf die Leseliste gesetzt und auf den Bücherstoß geworfen, dann habe ich es am Samstag in meine Tasche gesteckt, dazu Margit Schreiners “Haus Frauen Sex”, das ich gerade gelesen habe, eigentlich wollte ich mir Erich Landgrebes “Adam geht durch die Stadt” wegen dem Salzburgbezug mitnehmen, aber Margit Schreiner habe ich gelesen, hat dort auch einmal gelebt und in den Rucksack, die Toilettetasche, ein Nachhemd, Unterwäsche und Hausschuhe und in Salzburg habe ich den diesbezüglich leeren Rucksack in meine große grüne Tasche gestopft und gedacht, eigentlich hätte ich ihn in Wien lassen können oder auch nicht, wenn ich Bücher in den Schränken finde, habe ich genügend Platz zum Transportieren.

Margot Koller hat uns schon in dem Hotel, das der Alfred für zwei Nächte bestellt hat, erwartet und wir sind, weil das Wetter sehr schön war, losgezogen in Richtung Kapuzinerberg, dort hat auch einmal Stephan Zweig gelebt und den Herrn Landeshauptmann haben wir auch getroffen und bei der ARGE-Kultur, wo das Kabarett stattfand, gab es gleich den ersten offenen Bücherschrank, spich eine Bücherzelle, vom Leiter des Literaturhauses initiiert und dort, welch Überraschung, lag völlig neu und ungebraucht die “Widerstandsanthologie”, die der “Milena Verlag” 2000 herausgegeben hat und wo ich auch einen Text drinnen habe.

20160131-105107a

Also hatte ich schon ein schönes Geschenk für Margot Koller, die in ihrem Buch ja von einem  “Recyclinghof” geschrieben hat, aus dem sie sich ihre Bücher holt und damit schon ein ganzes Regal gefüllt hat.

Am Sonntag nach dem Frühstück, das Wetter war leider nicht sehr gut, sind wir dann zu einer Bücherschranktour aufgebrochen und als erstes zum Literatruhau gefahren, wo es die zweite von Thomas Friedmann initierte Telefonzelle gibt, das Salzburger Literaturhaus befindet sich inzwischen am H. C. Artmannplatz, der, glaube ich, im Sommer so genannt wurde und eine Gedenktafel gibt es auch, im Literaturhaus fand gerade eine Schreibwerkstatt mit Gudrun Seidenauder statt, so daß wir die laufende Ausstellung nicht besichtigen konnten, aber in der Telefonzelle gab es eine Menge Simmel-Bücher, “Die Ausgesperrten” von Elfriede Jelinek und auch ein altes Kriegstagebuch aus dem Jahr 1941- 1945, dann führte uns Margot Koller zu einem Schrank, den es in meiner Liste gar nicht gibt, nämlich zu dem beim Künstlerhaus und dort gab es ein Buch eines mir unbekannten Schweizer Autors und eines einer Slowenin aus der “Edition Korrespondenzen”.

Dann fuhren wir zu Margot Kollers Keller, wo sie mir ihre Schätze zeigte und mich aussuchen ließ und da fand sich tatsächlich Wolfgang Herrndorfs “Tschik”, Lisa Fischer “Lina Loos-Biografie”, ein Buch der Irmgard Keun und wo ich  Diana Kempfs Der vorsichtige Zusammenbruch” gefunden habe, kann ich jetzt gar nicht mehr sagen.

Die Tasche wurde jedenfalls voll, das Wetter war noch immer schlecht, trotzdem sind wir zum Schloß Heilbronn aufgebrochen, wo es im Sommer Wasserspiele und ein Felsentheater gibt.

Das war sehr toll und naß sind wir sowieso geworden, so daß wir den Nachmittag wieder, wie beim letzten Mal im “Augustiner Breustübel” verbrachten, diesmal im geheitzten Saal und ein Faschingsfest hat dort auch stattgefunden.

Das Abendprogramm war dann eine Kinovorstellung und die war auch sehr literarisch, nämlich die Verfilmung von Martin Suters “Die dunkle Seite des Mondes” und weil wir in dem Hotel zwei Nächte bleiben mußten, war noch Zeit für das “Literaturarchiv”, wo es eine Ausstellung über Pater Thomas Michels gab und uns eine freundliche Dame Erich Landgrebes Bücher zeigte und ein Notizbuch von Stephan Zweig aus dem Tresor holte.

Dann ging es zurück nach Wien und da fand zufälligerweise in der “Alten Schmiede” auch ein Programm mit Salzburg-Bezug nämlich eine “Stunde der literarischen Erleuchtung” mit einer Handke Erzählung und dann die Präsentation von Jochen Jungs Schriftsteller Episodenroman, wie es Kurt Neumann in seiner Einleitung nannte “Zwischen Ohldorf und Chaville” statt, so daß ich, obwohl ich es nicht vorhatte umdisponierte und vom Hauptbahnhof gleich in die Schönlaterngasse gefahren bin.

2016-01-31

Die Banalität des Guten

Ein Gegenzitat zu Hannah Arendts “Banalität des Bösen”, die in diesem Buch, auch dem 1942 in Wilna hingerichteten Feldwebel Anton Schmid gedachte, der dort versuchte, dreihundert Juden das Leben zu retten.

Der 1963 in St. Pölten geborene Manfred Wieninger, der sich nach seiner “Marek Miert Krimi-Reihe” zunehmend mit Verfolgung und Widerstand in NÖ beschäftige, das Lager, um den Viehofener See entdeckte und das Buch “Faustpfand” geschrieben hat, sowie 2013 den “Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil” erhalten hat, hat darüber, wie ich dem Impressum entnehme, schon 2014 einen “Roman in Dokumenten” im Verlag der “Theodor Kramer Gesellschaft” herausgegeben, der am 21. Jänner im Bezirksmuseum Brigittenau präsentiert wurde.

Von Feldwebel Schmied habe ich aber  schon im Jahr 2014 durch Ö1 und das “Radio für Zeitgenossen” erfahren und das Lesen des sehr gut dokumentierten Buches, ob es wirklich ein Roman ist, darüber kann man diskutieren, ist auch sehr interessant.

Wurde Anton Schmid, der mit seinem Bärtchen ein wenig an Hitler erinnern kann und ein offensichtlich sehr lebensfreudiger Mann war, wie man den abgebildeten Fotografien entnehmen kann, doch 1900 in Wien geboren und hatte in der Brigittenau ein Elektrogeschäft.

Er war verheiratet, seine Tochter Gerta oder Gertrude, der er aus Wilna viele Briefe schrieb, wurde 1921 geboren, 1940 wurde er in die Wehrmacht eingezogen, zum Feldwebel ernannt, auch davon gibt es im Buch einige Fotos in der Wehrmachtsuniform und in Wilna stationiert, wo er eine “versprengte Sammelstelle” und einen Tapezierbetrieb mit jüdischen Zwangsarbeitern leitete.

Dort versuchte er Juden, die in Willna zu Hauf erschossen wurden, gefälschte Papiere zu vermitteln und aus dem Krisengebiet zu schmuggeln, wurde dabei aber verraten und 1942 erschossen.

Das, was man in “Wikipedia” auf einer Seite nachlesen kann, erweckt nun Manfred Wieninger mit vielen Details und Originalbelgen, Briefen, Zeugenaussagen, sowie den schon erwähnten Fotos, zum Leben.

Es beginnt mit zwei englischen Gedichten für Anton Schmid, dann wird von der Hinrichtung und dem Brief des Gefängnispfarrer an Frau Steffi, von  der Kindheit, bis wiederum dem Ende, 1942 und dem, was danach geschah erzählt.

Zwei der von Anton Schmid Geretteten, waren der jüdische Schriftsteller Hermann Adler und seine Frau Anita. Hermann Adler, der in Würzburg an einer Sonderschule Lehrer war, mußte nach der Machtübernahme in die Tschechoslowakei fliehen und kam über Polen und Lemberg nach Litauen, seine Frau Anita stammte aus Wien.

Auch der Lebensweg der Beiden, die 2001 sowie 1997 in Basel gestorben sind, wird genau und detailreich geschildert, so daß man sich von den damaligen Geschehnissen ein sehr gutes Bild machen kann und in den Briefen Anton Schmids an seine Frau und seine Tochter erfahren kann, wie es damals gewesen sein mag.

“Es geht mir gut!”,, schreibt er immer wieder und erwähnt die Schnitzel und die Schweinebraten, die ihm seine Kameraden kochten. Er schickte auch sehr viele Würste und Fleischwaren nach Wien und schreibt immer wieder, wie gerne er nach Hause kommen würde, schreibt von Urlauben, die offenbar nie zustanden kamen und versteckte während dieser Zeit in seiner Dienstwohnung Juden, stattetete sie mit falschen Papieren aus und ließ sie damit auch in der Kompanie arbeiten.

Hermann und Anita Adler wollte er auch in seinem Dienstwagen nach Wien zu seiner Frau bringen, ein Plan, der offenbar nicht zustande kam.

Die Familie ließ, nach dem sie vom Tod Anton Schmids erfuhr, eine Seelenmesse lesen, wurde dabei aber offenbar von Hausparteien beschimpft und eine Fensterscheibe wurde eingeschlagen.

Es gab dann sehr bald, nämlich 1968, einen Spielfilm im ZDF.

Es scheint auch andere Bücher über Anton Schmid zu geben, die Sendung “Diagonal” hat sich, glaube ich, auf ein solches bezogen und ein Weg beziehungsweise, ein Gemeindebau ist in Brigittenau, ein Bezirk von Wien, auch nach ihm benannt, sowie in Deutschland eine Kaserne, die es aber offenbar nicht mehr zu geben scheint.

Manfred Wieninger ist mit Christiane M. Papst, der das Buch auch gewidmet ist, 2002 nach Vilnius gefahren, hat dort gemeinsam mit einer Dolmetscherin das Militärgefängnis, wo Anton Schmid hingerichtet wurde und das jetzt ein Wohnhaus ist, besucht und mit einem Zeitzeugen gesprochen. Auch nach dem Grab wurde gesucht, das sich aber “heute leider nicht mehr lokalisieren ließ”.

Ein wirklich interessantes Buch mit sehr vielen Briefen und Dokumenten, das ich zu lesen sehr empfehlen kann.

 

Nächste Seite »

Das Rubric-Theme. Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 77 Followern an