Literaturgefluester

2023-01-29

Ihr seid noch nicht besiegt

Der „Wagenbach-Verlag“, der mir immer so getreulich seine Quartbücher schickt hat, mir vor ein paar Monaten, die ausgewählten Schriften des ägyptischen Freiheitskämpfer Alla Abd el-Fattah, der 1981 in Kairo geboren wurde, der Sohn eines Menschenrechtsanwalt ist und seit 2011, seit dem Beginn des arabischen Frühlings mehr oder weniger ununderbrochen im Gefängnis sitzt, zukommen lassen.

„Wagenbach“ hat das Buch das von Utku Mogultay aus dem Englischen übersetzt wurde, herausgegeben, in dem Texte des berühmten Bloggers, der soviele Teewts geschrieben hat, daß sie mehrere Bücher füllen könnte, von 2011- 2021 enthalten sind.

Noemi Klein hat das Vorwort geschrieben, das die ägyptische Situation erklärt und ich habe beim letzten „Writers on prison day“ der traditonellen vom PEN veranstaltet wird, auch von dem Autor, der mir bisher unbekannt war, gehört und es daraufhin gelesen.

2011 beginnt es mit der Geschichte der Revolution und dem Wunsch zu einer neuen Verfassung zu kommen.

Im Dezember kam es zum Protestmarsch von Maspero, wo bei dem sogenannten Maspero-Massaker selchsundwanzig Demonstranten darunter Mina Daniel getötet wurde, worauf Alaah Abd el Fattah das koptische Krankenhaus besetzte, um eine Oduktion der Getöteten zu erzwingen, worauf El Fattah in der Zeit, als sein erster Sohn Khaled geboren wurde ins Gefängnis kam.

2012 begab er sich mit seinem Sohn auf eine „Gaza-Reise und berichtete, umgeben von den Versen des palästinenischen Dichters Mahmd Darwisch, von den politischen Zuständen und den Überraschungen, die er dort erlebte.

„2013 wird dann schon getwittert oder die Artikel auf Facebook gestellt. So schreibt er zum zweiten Jahrestag der Revolution: „Pessimismus des Intellekts, Optimismus des Willens“, „Vier Tweets über staatliche Gewalt“ gibt es im Jänner. Im April kommt es zu Solidaritätsstreiks und im Mai wird dann die Geschichte wiederholt und zwar wie Alaa schreibt „Zuerst als Tragödie, dann als Farce.“, weil es Angesichts des Jahrestages zu Massenprotesten kam.

„Schrödingers Coup“ gibt es dann im Juni, da ging es, um die Proteste, „wo hunderttausende gegen die Bruderschaft auf die Straße gingen“ und im August stellt er auf Facebook die Frage was in „Abu Zabaal“ geschah, wo siebenunddreißig Gefangene in einem Gefägnistransporter ums Leben kamen.

In einem längeren Artikel räsumiert Alaa ab el Fatah dann „Wer die Bourgeois repräsentiert?“, während er im November twittert: „Lasst euch nicht vom Pfad der Gerechtigkeit abbringen, weil er mit Toten übersät ist.“

2014 beschäftigt er sich mit dem „Autismus“, der im Gefängnis entsteht und verläßt das Tora-Gefängnis nach drei Monaten Haft.

„Jeder weiss“ schreibt er dann weiter „dass den überwiegende Teil der Gefangenen die Grundrechte verwehrt werden, die Gesetze verfassungswidrig sind, das Regime der Jugend nichts zu bieten hat“, etcetera.

„Games of Thrones “ gibt es auch „Ich wollte doch games of thrones weiterschauen#nieder mit dem Militärregime“, weil er am elften Juni verhaftet wurde, weil er an seine „Grenzen gekommen ist“. Im September gegen wurde er dann gegen Kaution freigelassen.

2015 wird Alaa Abd el Fattah wieder verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wo er sich 2016 in drei Texten mit „Der Geburt der schönen neuen Welt beschäftigt“ und auch schreibt, daß er sich dabei behindert fühlte, weil ihm das Gefängnis den Zugang zum Internet und zu Bücher verwehrte, obwohl ihm das eigentlich zustehen würde.

2017 gibt es das „Portrait eines Aktivisten außerhalb des Gefängnisses“ und den titelgebenden Text, den er an die „Menschenrechtskonferenz Rightscon in Silicon Valley“ schrieb.

2019 wird er dann auf Bewährung entlassen

„Ich bin das Gift, ich bin das Gegenmittel

ich bin die Medizin, ich bin der Auslöser

ich bin das Gespenst des vergangenen Frühlings“, schrieb er da und wurde im September wieder verhaftet.

Es gibt einen Artikel in dem er beschreibt, wie wichtig es ist, trotz der schlechten Gefängnisbedingungen gesund zu bleiben und er bedauert, daß sein Vater während seines Gefägnisaufenthaltes verstorben ist. Seine Schwester hat über seine neuerliche Verhaftung geschrieben und Alaa Abd el Fattah ist mehrmals in Hungerstreik getreten, um gegen seine Haftbedingungen zu protestieren.

Es gibt Listen wo er über die „Metaphern der Heilung“ und den „Sieben Wegen zum Wandel“ reflektiert.

2021 gibt es noch einen Palästina-Text, mit dem das Buch auch beendet wird.

Das heißt, es gibt auch eine ausführliche Chronik der ägyptischen Geschichte von 1952-2019 und viele Buchhinweise, wenn man sich mit der arabischen Revolution weiterbeschäftigen will, von denen ich „Die Stadt der Rebllion“ schon gelesen habe.

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2023-01-28

In drei Wochen mit dem Rohtext fertig

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 19:40
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Ich weiß, da plane ich immer mein Romanplanjahr .und nehme mir immer vor diesmal wirklich länger zu werden und mir Zeit zu lassen. Dann bin ich nach einigen Wochen fertig und diesmal sinds mit dem jetzigen Stand, vierzig Szenen, neunundsiebzig Seiten und 37.814 Worte und den fünfzigtausend, die der „Nano“verlangt und da habe ich schon gehört, daß das sehr wenig bist, keine Spur.

Drei Wochen habe ich diesmal gebraucht. Ende des letzten Jahres ist mir glaube ich die Idee von den drei Frauen, eine aus Bratislava, eine aus Prag und eine aus Budapest gekommen und habe, glaube ich, am Feiertag, den sechsten zum Schreiben angefangen.

Eigentlich ist es wieder gut gegangen und ich bin mit meinen Schreiben zufrieden. Beim „Sozialen Kreditsystem“, das nächste Woche kommen soll, war das ein bißchen anders. Da ist das nicht so geflutscht und ich habe die erste Szene mehrmals verändert und auch mit Unterbrechungen ein halbes Jahr gebraucht.

Aber sonst geht es mir mit dem Schreiben eigentlich gut und ich kann mich erinnern, daß ich vor vielen Jahren, in den Siebzigern oder Achtzigern vielleicht, die Vali einmal sagte, daß ihr die Idee nur so zuströmen würden, dachte „Wui, das würde ich auch sehr gerne!“

Das hat sich geändert. Ich finde immer sehr schnell neue Ideen. Im Moment habe ich noch nichts, aber auch noch sehr viel Überarbeitsarbeit vor mir. Denn der Rohtext ist ja nur so dahingeflitzt. Zu großen Veränderungen kommt es bei mir meistens nicht. Aber ich denke, ich habe eigentlich die Spannungsbögen und habe mich da wahrscheinlich auch an der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan orientiert und am Anfang war es so, daß ich zwar die drei Frauen hatte, aber nicht wirklich wußte um was es eigentlich dabei geht?

Was das über Thema, also die Promisse ist. Dann habe ich mir gedacht, da habe ich drei Handlungstränge. Die Zsofi flüchtet vor Viktor Orban nach Wien und baut hier ihr Portal auf. Die Katalin will wieder in den Beruf einsteigen und probt in ihren Trio, soviel das mit drei Kindern eben geht und die Jelena ist mit ihrer Mutter, ihren Bruder ihrer Lehre überfordert, findet aber einen Freund.

Das war es dann und ich finde es eigentlich spannend. Habe ein paar Anspielungen drinnen. Zum Beispiel, das Farbenquartett, den blauen oder schwarzen Anzugmann, die grüne Frau und die rote, die vielleicht die Marlene Streeruwitz im weißen Hosenanhzug ist. Motive, die schon in der „Viertagebuchfrau, da in Form von Ostereiern, vorkommen. Literarische Anspielungen, beziehungsweise Bücher gibt es auch.

Die „Tage im Mai“, der Marlene Streeruwitz, „Oben Erde, unten Himmel“, der Milena Michiko Flasar und Laszlo Barnas „Bis ans Ende unserer Leben“ tausendund sehr flott in drei Wochen fünfunddreißig Worte dahingeschrieben. Nach dem Korrigeren werden es wohl fünftausend weniger sein und beim letzten der „Flora Faun“, die ich während des „Nanowrimos“ geschrieben habe, waren es nach zwei Wochen über fünfzigtausend Worte, der Text der jetzt beim Alfred liegt hat 44.076 Worte.

im Vorjahr habe ich nach den Jurenka Jurk Webinar mit dem „Frauenleben“ angefangen, da war ich auch nach einem Monat fertig.

Die „Uhren“ waren besonders kurz. Aber da habe ich schon vorhandene Szenen in eine Rahmenhandlung eingefügt und „Die gestohlenen Jahre“die auch sehr schnell vor sich gegangen sind, haben auch nur fünfunddreißigtausend Worte.

Ja, ich werde immer schneller, obwohl ich es am Anfang immer länger anlegen will. Macht aber nichts, wenn es flüssig ist. Die Leute wollen ohnehin nicht so viel lesen, obwohl ich natürlich immer länger, genauer und sorgfältiger werden will.

Bei der „Radiosonate“ mit der ich den Blog begonnen habe, war das anders. Da habe ich mich an die Jahresstruktur gehalten und das ist ein wirklich dicken Buch.

Die „Absturzgefahr“, die dann folgte, hatte auch sechzigtausend Worte. Aber jetzt bleibe ich, wenn ich nicht die „Nanostruktur“ habe, bei den dreißigtausend Worten und bei den „Nanos“ habe ich auch schon öfter angestückelt.

Macht ja nichts, muß nicht lange sein, obwohl ich gründlich überarbeiten will. Einige Unklarheiten habe ich noch drinnen und ich werde auch die Tips der Jurenka Jurk anwenden. Die sieben Stufen nochmals durchgehen und schauen wie es wird? Ob sich was verändert und eigentlich gefällt mir die Geschichte sehr und sie ist auch weniger abgelutscht, als es vielleicht bei früheren Texten war.

Liebe ist gewaltig

Das letzte Buch der Bloggerdebutshortlist ist dem vierten, „Nordstadt“ sehr ähnlich, wie es überhaupt bei drei oder vier Büchern auf dieser Liste umd die Identitätsfindung und das Aufwachsen in häuslicher und gesellschaftlicher Gewalt geht.

„Liebe ist gewaltig“ der 1986 in Tübingen geborenen Cludia Schumacher ist erzählender und vielleicht auch ein wenig kitschiger, als Annika Brüsings Debut. Es schweift mehr herum und ist vielleicht auch ein wenig unglaubwürdiger. So wirkt die Anwaltmutter manchmal wie eine Hausfrau, die zu Mittag zu Hause ist und für ihre Lieben kocht und der wahrscheinlich dreißigjährige Bruder wird gleich Bürgermeister des Städtchen.

Die Einstiegsszene, die 2007 spielt, ist aber schon mal sehr gewaltig. Da ist die Heldin, Juli, Jules genannt, die sich später Julia nennt, siebzehn und ist von ihren Eltern in ein Sanatorium gebracht worden, wo sie sich erholen soll und ist hier mit Dementen und Bunouts zusammen, passt also nicht hin.

Vielleicht passt sie auch nicht nach Ederfingen, das ist ein Vorort von Stuttgart, wo sie in einer Vorzeigefamilie, beide Eltern Anwälte mit drei Geschwistern aufwächst. Eine Vorzeigefamilie mit dem reinen Glück, dabei ist der Vater sehr gewaltig und der Teppich hat Blutflecken, die Mutter beschwichtigt, lächelt immer und versucht alles mit neuen Klamotten und McDonald Besuchen auszugleichen.

Juli fliegt, weil sie auch gewalttätig sein kann, aus der Kur hinaus, soll in eine Psychiatrie kommen, die Mutter holt sie aber ab und bringt sie in die Villa zurück und hier findet Juli vorläufig ihr Glück in einer kleinen Maus, die sie aufzupäppeln versucht. Der Vater erlaubt ihr zuerst sie zu behalten. Später setzt er sie in Beisein der Mutter aus, aber von Menschen aufgezogene Mäusen können in der freien Wildbahn nicht überleben, „weil sie den Katzen gleich ins Maul marschieren“.

Juli rastet also wieder aus und verläßt das Elternhaus. Später, 2014, da ist sie erfolgreiche Gamerin, lebt in Berlin und soll ihr Mathematikstudium abschließen, kehrt sie zum sechzigsten Geburtstag des Vaters zurück. Was auch in einer Katastrophe endet. Sie beschimpft den Gratulanten. Der älteste Bruder ist inzwischen Bürgermeister des Städtchens geworden und sehr aufstiegsorientiert. Nur der Bruder Bruno ist ihr Halt. Sie klagt den Vater in Beisein aller der Gewalttätigkeit an. Schweigen folgt, der Vater sagt sie ist hysterisch und bildet sich das nur ein und niemand glaubt ihr.

So verläßt sie die Party und fliegt nach London, um ihre Exfreundin Sanyu, die eigentlich Sandy heißt, zu treffen, die sie aber gar nicht hineinläßt und in einer Disko hat sie auch jemand zusammengeschlagen und muß mit einer Anzeige rechnen. Der Vater, der das öfter macht, boxt sie hinaus und 2016 heißt sie dann Julia, was mich Anfangs beim Lesen sehr verwirrte, weil ich mich nicht auskannte, wer diese Julia ist jetzt ist?

Sie ist, wird ihr ihr Bruder Bruno später schreiben, eine „runtergedummte Barbie-Version“, denn sie hat sich ihren Freund Thilo, einen Aufsteiger aus Sachsen, sehr angepasst und sich äußerlich sehr verändert, kocht und backt für ihren Freund, hat die Wohnung umgestaltet und ihr Inneres total verdrängt.

Sie wird sich aber wieder finden und nach Berlin zurückkehren und wie es weiter geht, können wir nur ahnen oder uns erhoffen, daß es nicht in dieser Art und Weise weitergeht.

Sehr viel Gewalt also, die die Dreißig bis Verzigjährigen, die heute Bücher schreiben, in ihrer Jugend erlebten.

Ronja von Rönne, die das Buch sehr lobte, ist wahrscheinlich auch eine davon, Helene Hegemann, etcetera und die Danksagung, wo man den Schreibverlauf gut verfolgen kann, ist sehr lang.

2023-01-27

Vorschau auf „In den Wolken leben oder das soziale Kreditsystem“

Wieder ein neues Buch, im vorigen Jahr geschrieben, im neuen erschienen, wo ich ein bißchen nach China gegangen bin oder mir das soziale Kreditsystem und was hier davon zu spüren angesehen habe.

Ein bißchen hat die Wirklichkeit die Geschichte inzwischen schon überholt, weil die Nullcovidstrategie in China inzwischen auch gescheitert ist und das Bild am Cover von der chinesischen Mauer, hat der Alfred, der mir wieder beim Erscheinen geholfen hat, auf einer seiner Reisen geschossen.

Neugierig geworden?

Auf der Website gibts noch eine größere Vorschau zu finden. Die Leseprobe gibts auch im Blog, habe ich eine oder sogar drei Stellen aus dem Buch schon bei der letzten „Poet Night“ und beim „Open Mike“ im „Werkl am Goethehof“ gelesen.

Jetzt habe ich schon viel über das Buch verraten, so daß ich gar nicht so genau weiß, was ich für mein traditionelles Gewinnspiel fragen soll?

Aber machen wir es leicht, für den, der das Buch lesen will oder auch ein bißchen schwerer, denn ich verlinke natürlich auch die Schreibberichte, in denen man ein bisschen den Entstehungsprozeß nachvollziehen kann. Also:

  1. In welcher Konditorei, die in dem B uch auch eine Rolle spielt, ist mir die Idee zu der Steffi Schuster gekommen?
  2. Wie heißt die junge Chinesin, um die sich ein wenig kümmert?
  3. Wen lernt sie in der Konditorei noch kennen und von wem wird sie besucht?

Nach Erscheinen des Buches, was hoffentlich recht bald passiert, löse ich die Gewinnspielfragen auf.

Es wird dann wieder eine Leserunde geben, wo man über das Buch diskutieren kann.

Auf rege Anteilnahme und Feedback werde ich mich freuen und bin diesbezüglich schon sehr gespannt.

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Kein Schreibbericht aber eine meiner drei Johanne Amudsen-Geschichten, zu denen mir die Idee in Kroatien gekommen ist und die dann auch die österreichische Buchpreisliste bespricht und die auch in dem Buch vorkommt. Gibt es auch noch hier.

2023-01-26

Mit Milena Michiko Flasar japanisch essen

Am zweiten Februar erscheint Milena Michiko Flasar neues Buch und dazu hat der „Wagenbach-Verlag“ zu einer Vorpremiere eingeladen. Die offizielle Buchpräsentation findet dann am Donnerstag im Literaturhaus statt und das ist gut, daß ich schon vorher daraus lesen hören konnte, denn da wird zeitgleich in der „“Gesellschaft“ der dritte Teil der „Mit Sprache unterwegs-Reihe“ vorgestellt.

Die Präsentation fand im „Mari´s Metscha Matscha“ in der Kaiserstraße statt und das ist offenbar eine Kette, denn in der Operngasse gibt es auch ein solches Lokal, an dem ich immer vorbeigehe wenn ich in die „Alte Schmiede“ oder in die „Gesellschaft“ möchte und habe mir da immer gedacht, daß ich da gerne einmal hingehen will und jetzt hat sichs ergeben und ich kenne die 1980 in St. Pölten geborene Milena Michiko Flasar, die eine japanische Mutter und einen österreichischen Vater hat, schon lange, wahrscheinlich seit sie zu schreiben angefangen hat.

Ihr zweites noch bei „Residenz“ erschienenes Buch habe ich mal im Schrank gefunden. „Ich nannte ihn Krawatte“ hat dann „Wagenbach“ herausgebracht und ich war in Leipzig, als es prominent vorgestellt wurde. Dann war ich bei der Präsentation, ich glaube, in der Hauptbüchereie und bin dann zur Festwocheneröffnung gegangen.

„Herr Kato spielt Familie“ hat mir schon „Wagenbach geschickt. Es stand auch auf der Öst und das interessante an Milena Michiko Flasar, das was sie interessant macht, ist, daß sie immer japanische Besonderheiten beschreibt, die auch einen speziellen Namen haben.

Beim Ersten, mit dem sie beim „Alpha“ gewonnen hat, ging es um japanische Jugendlichen, die das Haus nicht mehr verlassen, im zweiten läßt sich ein Pensionist als Großvter mieten und jetzt geht es um die, die in ihren Wohnungen sterben und ein paar Wochen später rückt dann der Reinigungstrupp an, um die Wohnun zu säubern. Das finde ich orginell und das Thema tot und sterben interessiert mich sehr.

Also eine interessante Neuerscheinung, ein interessantes Thema und Japan ist auch ein interessantes Land. 1991 bin ich einmal, weil ich es unbedingt sehen wollte, zehn Tage hingeflogen und jetzt wieder japanisch essen und ein paar Bekannte habe ich unter den Buchhändlern, Bloggern und Pressegrössen, die gekommen sind, auch gekannt und habe ehrlich gesagt nicht gewusst, daß es außer mir in Wien noch andere Literaturblogger gibt. Das heißt, da gab es ja einmal ein Bloggertreffenin einer Buchhandlung und die Buch-Wien hat auch einmal zu einem solchen eingeladen, aber da war ich schon bei der Buch-Basel und konnte daher nicht teilnehmen.

Sonst Katja Gasser, Kristina Pfoser, die nächste Woche moderieren wird, Zita Bereuter, die gestern auch im Literaturhaus war. Eigentlich hätte ich auch Robert Huez erwartet, die Anna Jeller war aber da, Linda Stift und noch viele andere.

Zuerst gab es ein paar Häppchen, damit man nicht hungrig zuhören muß, wie Anette Wassermann launig einleitete und es ist wieder ein Buch, das während der Pandemie geschrieben wurde. Nachher konnte man zwischen vegetarisch und mit Fleisch wählen. Alles wurde in Schälchen serviert und jetzt heißt es lesen, lesen und ich kann mich entscheiden ob ich das Buch vor oder nach der Streeruwitz lese und beides ist sicher interessant und kommt auch in meinem neuen Buch vor, das jetzt „Bratislava, Prag, Budapest oder ein „Dreimäderlhaus“ heißen wird. Den Handlungsfaden und die Szenenplanung habe ich schon, wenn auch noch nicht alle Szenen geschrieben und derzeit 32476 Worte, neunundsechzig Seiten und dreiunddreißig Szenen

2023-01-25

meaoiswiamia & Waben der Worte

Das sind die Motti der beiden Gastlandauftritte Leipzig und Frankfurt in diesem Jahr. Denn Pandemie bedingt kommt Österteich erst dieses Jahr nach Leipzig undd Slowenien wird dann in Frankfurt das Gastland sein und beide Länder beziehungsweise die Organisatoren wurden heute im Literaturhaus vorgestellt.

Katja Gasser, eine Kärntner Slowenin kuratiert ja den österreichischen Gatlandauftritt und da habe ich schon einigen Pressekonferenzen gehört und dann war noch Ana Marwan„, die Bachmannpreis-Trägerin“ vom Vorjahr da und die wurde ja 1980 in Murska Sobota geboren und lebt jetzt in Nederösterreich und scheint in beiden Sprachen zu schreiben, ist also ein Doppeltalent das bei beiden Auftritten lesen kann und wahrscheinlich auch wird.

Miha Kovac, der kein Deutsch spricht, ist der Slowenien-Kurator. Metka Wakounig, offenbar auch eine Kärntner Slowenin, hatt ihn gedolmetscht und Robert Huez hat moderiert und die Fragen gestellt. Zuerst begrüßte aber der Leiter vom slowenischen Kulturinformationszentrum Aljaz Arih und der sagte launig, daß man die Veranstaltung eigentlich auch auf slowenisch abhalten könnte.

Kann man nicht, denn Robert Huez, der Literaturhausleiter ist ja ein Südtiroler. Also zweisprachig, deutsch und italienisch aufgewachsen und im Publikum hat es wahrscheinlich außer mir noch andere gegeben, die nicht slowenisch sprechen. Frau Schmidt-Dengler vielleicht und Luba Arnautovic, Erwin Köstler und Mascha Dabic können es natürlich schon und es wurde dann auch auf Deutsch gesprochen und die Veranstaltung war sehr interessant.

Zuerst erklärte Katja Gasser, daß das etwas unverständliche Motto von Thomas Stangl, stammt der offenbar gerade den „Bremer Literaturpreis“ bekommen hat und sie meint, das wäre experimentell. Ich würde es eher für Wiener Dialekt halten und kann es diesbezüglich nicht ganz übersetzen.

„Wir sind mehr als ich!“, so geht es vielleicht schon und würde in Zeiten, wie diesen, wo für die „Festung Österreich“ Werbung gemacht wird, für die Offenheit plädieren und das hat auch Ana Marwan auf die Frage, ob sie sich als österreichische oder slowenische Autorin versteht, so beantwortet.

Ich denke wieder so ganz offen ist es nicht. Denn es werden ja nicht alle Autoren eingeladen, sondern offenbar nur die „guten“.

Da bin ich nicht dabei,aber was ist Gute? Das habe ich, obwohl ich mich ja schon an die fünfzig Jahre damit beschäftige, noch immer nicht ganz verstanden und Katja Gasser erklärte den Unterschied zwischen der deutschen und der österreichischen Literatur, daß die österreichische mehr experimentell, sie nannte es, glaube ich, sprachlich, sei. Das stimmt für Österreich. Ob die Deutschen aber wirklich so realistisch sind, bin ich mir nicht ganz sicher, schließlich gibt es auch einen Helmut Heißenbüttel.

Ich habe mich ja am Anfang gefragt, was diese Länderverbindung Österreich Sloweinen soll?

Jetzt verstehe ich die beiden Gastlandauftritte. Es ist aber interessant, denn in Österreich spricht man ja Deutsch oder Österreichisch, ich habe, glaube ich, in meinen Zeugnissen noch Umgangssprache stehen. Es gibt aber die Kärntner Slowenen und in Kärntnen einige slowenische nVerlage und die Slowenen haben einmal als slowenisches Buch, das einer Amerikanerin ausgezeichnet und in Leizpig wird man das Motto wahrscheinlich auch nicht sehr verstehen und Katja Gasser meinte, daß es in Österreich nicht um die Übersetzungen geht, sie aber hofft, daß die österreichischen Verlage mehr Aufmerksamkeit erregen.

Da weiß ich auch nicht so recht. Denn es gehen alle von „Jung und Jung“ und „Droschl“ weg, sobald sie es können und gehen nach Deutschlang zu „Suhrkamp“ oder „Fischer“, etcetera und Miha Kovac dessen Motto „Waben der Worte“ ist, meinte, daß er auf Übersetzungen hoffe.

Also sind wir gespannt, wenn es geht, werden wir nach Leiüpzig fahren, wo ich seit 2018 nicht mehr war, vorher aber seit den Neunzigerjahren oft. Nach Frankfurt werden wir nicht fahren. Die sloweniche Literatur interessiert mich aber sehr und ich habe auch schon einiges gelesen

Die letzte Frage von Robert Huez lautete, ob sich die beiden Kuratoren vorstellen können, daß sie einmal zusammen auftreten.

„Eine gute Idee!“, sagte Katja Gasser „Aber dann werden wir nur mehr slowenisch reden, dann setzen wir das durch!“

Nun ja, aber dann werden nur die ehemaligen Gastarbeiter und die Kärntner Slowenen, was verstehen und Anja Marwan laß dann noch etwas zweisprachig aus ihrem neuen Buch, das demnächst erscheinen wird und das aus dem Slowenischen übersetzt wurde..

Nachher bin ich wieder bei einem Glas Wein herumgestanden und habe die Ereignisse, um mich herum beobachtet und einen Wettbewerb der Schule für Dichtung zum Gastlandauftritt gibt es auch und da habe ich am Sonntag, obwohl ich es ja nicht mehr sehr oft tue, etwas geschrieben und hingeschickt.

2023-01-24

Nordstadt

Buch vier der Bloggerdebutshortlist Annika Büsings „Nordstadt“ ist ein kleines dünnes „Steidl- Taschenbüchlein“ mit einem sehr eindrucksvollen Cover. Eine Schwimmerin mit Kopf nach unten und das ist Nene, fünfundzwanzig Jahre alt. Bademeisterin von Beruf und für die meisten Romane ungewöhnlich, eine Protagonistin aus der Unterschicht und die Nordstadt scheint auch eine Art Großfeldsiedlung zu sein. Sie wurde von ihrem Vater grün und blau geschlagen und wenn den Vertrauenslehrerinnen, die blauen Flecken auffielen, haben sie das Jugendamt verständigt und die haben sie dann für ein paar Tage in ein Heim gesteckt.

Es gibt eine ältere Halbschwester namens Alma, die sich um Nene kümmert, deren Mutter früh gestorben ist. Die ist eine erfolgreiche Goldschmiedin und schwimmt im Geld während Boris, der an Kinderlähmung erkrankte und daher hinkt, weil seine Hippiemutter eine passionierte Impfverweigerin ist. Man sieht oder ich würde es vermuten, das Buch wurde während der Pandemie geschrieben, vom „Geldamt“ lebt, das ist ein Ausdruck Nenes und das ist manchmal so knapp, daß er nichts zu essen hat und Nene dann für das Popcorn und die Kinobesuche sorgt.

Aber das ist schon vorgegriffen. Nene lernt Boris im Schwimmbad kennen, wo er sich das Schwimmbrett ausleiht und sie gehen fünfmal ins Kino und dann klappt es mit dem Sex nicht so ganz, wie Nene es sich vorstellt. Denn Boris ist diesbezüglich sehr verschlossen und Nene wurde auch einmal auf einer Schaukel vergewaltigt.

Die Geschichte wird rückwirkend und sehr lakonisch von der Ich-Erzählerin erzählt. Die Sprache wirkt manchmal ein wenig altmodisch und manche eindrucksvolle Metaphern werden mehrmals zitiert

„Alma sagt: „Du teilst die Welt immer so in Häppchen ein.“

„Boris sagt „Jeder denkt in Klischees. Sonst überleben wir doch gar nicht.“

„So nennen wir das manchmal: Optionen“, beispielsweise.“

Eine Metaphernerklärung bietet die 1981 geborene in Bochum lebende Annika Büsing, die Theologie und Germanistik studierte auch an:

„Mein Mitschüler Marius verstand nicht, was das sein sollte, eine Metaphernkeule.

„Ein Mordwerkzeug“, sagte mein Deutschlehrer, „man killt damit jede Poesie.“

Und weil Marius es noch immer nicht verstand, erklärte er es so „Wenn du einen Roman schreibst über einen Zug, der mit einem Waggon eine Liebesbeziehung führt, und der Zug Schluss macht und du den Waggon sagen lässt „Du hast mich abgehängt“, das ist eine Metaphernkeule.

Da hatte Marius es verstanden. Er meinte aber die Information sei für ihn nicht wichtig, denn er habe nicht vor jemals Romane zu schreiben.“

Die Beziehung zwischen Nene und Boris entwickelt sich als schwierig. Denn er lügt sie an, erzählt ihr er sei Hausmeister und hat vor eine Ausbildung als Mechatroniker zu machen, was aber nicht stimmt, denn er ist arbeitslos und bekommt sein Geld von „Geldamt“.

Dabei hat er einmal als Jugendlicher einen Preis gewonnen, denn er ist sehr begabt. Seine Hippiemutter behält das Geld aber so lange auf dem Konto, bis er eine Ausbildung macht. Man sieht auch ein wenig ungewöhnlich und gegen den Strich gebürstet und der Tod ist in dem Buch ein wichtiges Thema.

Zuerst oder zuerst beschrieben stirbt Frau Lübke, die Stammgast im Schwimmbad war und Nene bittet sich von ihrem Sohne ihre alte Badekappe aus. Eine alte Frau, die die Bademeister, um ein Handtuch bittet, weil ihr kalt ist, fällt auch plötzlich um und dann stirbt auch noch Nenes Vater, von dem sie ausgezogen ist, als sie achtzehn war und ihn dann erst bei seinem Begräbnis sehen wollte.

Ein sehr eindruckvolles ungewöhnliches Buch, dessen letzte Sätze nach dem Begräbnis lauten:

Boris nimmt seine Mütze ab und setzt sie mir mit einer Hand ungelenk auf den Kopf, und er sagt „Wenn du mit wem anders rummachst, stecke ich die Stadt in Brand.“

„Episch „, sagte ich.“

Auch diese Sätze kann kann schon vorher lesen und Elke Heidenreich hat am Buchrücken „Ein bemerkenswert eindringliches Debut ist entstanden, aus Liebe und Wut“.

Dem kann ich mich anschließen und überlegen, ob das Buch bei mir jetzt an erster oder zweiter Stelle kommt.

„Liebe ist gewaltig“ ist aber erst zu mir gekommen und am Titel hätte ich auch etwas auszusetzen, da er mir nicht ganz passend erscheint. Ich hätte eher eine Schwimmmetapher dafür ausgesucht.

Interessant ist auch die Triggerwarnung am Buchbeginn: „In diesem Roman finden sich Beschreibungen körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt“. So ist das Leben aber, würde ich meinen und wer das weiß und ihm nicht ausweicht, ist klug und bin als Verhaltenstherapeutin auch eine Anhängerin der Konfrontationstherapie.

2023-01-23

Marlene Streeruwitz im Mai

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:48
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Die 1950 in Baden bei Wien geborene Marlene Streeruwitz ist eine sehr kritische Frau, ich verstehe zwar nicht alles was so sagt oder schreibt, habe aber sehr viel von ihr gelesen und war auch schon bei sehr vielen ihrer Veranstaltungen und interessant ist auch, da sie da ja Wahlromane hat, eine der ersten war, die sich mit Corona beschäftigt war. Da war es vielleicht noch in oder selbstverständlich kritisch zu sein, später hat man dann über Corona Romane die Nase gerümpft und „Nicht schon wieder!“, gesagt. Dann kam der Krieg und Marlene Streeruwitz hat ein diesbezügliches Handbuch geschrieben. Eine Poetikvorlesung hat sie auch gehalten und jetzt der neue Roman „Tage im Mai“ mit einem roten Covve wo Käfer über Rosenblätter krabbeln.

Angelika Reitzer, die offenbar Johanna Öttl, die sich in Karenz befinden dürfte, vertritt, hat eingeleitet und der Kellersaal war sehr voll. Zwar nicht so voll, wie ich gefürchtet habe, so habe ich zehn vor sieben noch einen Platz gefunden und Marlene Streeruwitz erzählte zuerst auf Aufforderung von Angelika Reitzer, die Entstehungsgeschichte und da hatte sie bis zum Ausbruch des Krieges schon dreihundert Seiten, dann passte das Weiterschreiben offenbar nicht und sie hat den Stil geändert, um noch rechtzeitig oder auch verspätet bei S. Fischer abgeben zu können.

Roman dialogue steht zwar nicht am Cover, sondern auf den ersten Seiten und es geht, um eine über fünfzigjährige Übersettzerin namens Konstanze und deren Tochter Veronica, um eine italienische Nonna und eine Großmutter namens Christl und alle drei Frauen sind und haben unähnliche Kinder, das kommt schon einmal auch in meinen Büchern vor und was die Mutter und die Tochter betrifft, erinnerte mich das Szenario an Gertraud Klemms „Aberland“, die auch vor mir saß, weil Marlene Streeuwitz, ja, glaube ich, ihr großes Vorbild ist und der Roman, hat Angelika Reitzer weiter erklärt, besteht aus verschiedenen Schreibstilen und zwar was den Dialog betrifft, besteht das Buch zumindestens zum Teil aus solchen zwischen der Mutter und der Tochter und auch ein Streeruwitz Thema ist ja die katholische Kirche ,so hat die Veronika, die in Salzburg lebte, ihr Studium abgebrochen und kam nach Wien, um in ein katholisches Studentenheim zu ziehen und bei einer Briefkastenfirma in der Rezeption zu sitzen. Die Telenovelas scheinen in dem Buch auch eine große Rolle zu spielen.

Marlene Streeruwitz hat zuerst ein Kapitel von der Konstanze das mit den Worten „Ich sterbe“ beginntund das der Veronica, der die Tränen hinunterrinnen. Die Konstanze hat eine Wohnung von der man in den Prater hinuntersehen kann.

Dann kam ein Gespräch, wo Marlene Streeruwitz wieder sehr viel über die gesellschaftlichen Zuständen erzählte und sie rief auch auf, nach London zu fliegen, um dort nach verschwundenen Kinder zu suchen. In der zweiten Lesepassage kam eine Dialogstelle, von den beiden Frauen gelesen, wo Mutter und Tochter gemeinsam diese Telenovela sehen und über das Leben diskutiert.

Nachher wurde wieder aufgefordert das Buch zu kaufen, das eigentlich erst übermorgen erscheint. Es aber offensichtlich schon Rezensionen gibt, zumindestens hat Angelika Reitzer solcher erwähnt und bei mir liegt es schon auf den Badezimmerstapel. Ich habe aber noch ein paar andere vorher zu lesen und bin gespannt und hätte, weil ich ja immer schreibe, daß ich nicht zu Lesungen gehe, wenn ich das Buch lesen werde.

Die Alternative wäre die „Gesellschaft für Literatur“ gewesen, wo die Grillparzer Gesellschaft über ihn als Musiker gesprochen haben. Ich schaue mir aber, wenn ich mich beim Lesen nicht so recht auskenne, öfter Videos über diesbezügliche Lesungen an. Es war also ein interessanter Abend und bin jetzt auf das Lesen gespannt.

2023-01-22

Ein Gegenkanon

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18
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Auf die Anthologie in der der Literaturkritiker Anton Thuswaldner eine Reihe von Autoren und literarischen Persönlichkeiten eingeladen hat, ihre Meinung kundzugeben, wer in der Literatur über- oder unterschätzt werden, bin ich durch den „Papierstau-Podcast“ aufmerksam geworden, den ich ja vor allem zu den Buchpreis-Zeiten, weil sie ja den dBp genau besprechen, beorzugt lesen, habe das Buch angefragt und bekommen, mußte aber erst mit den dreimaligen Buchpreislesen fertig werden und jetzt ist auch noch die Bloggerdebutshortlist dazu gekommen.

Ein interessantes Buch, das die „Papierstau-Podcastleute“, deren Meinung bezüglich der Buchpreisbücher ich nicht immer teile, sehr gelobt haben und es ist auch sehr spannend sozusagen in zweiter Hand in den Literaturkanon einzutauchen und seine Meinung darüber zu ergänzen.

Interessant auch, daß der 1956 geborene Anton Thuswaldner, den ich zuletzt auf der „Buch-Wien“ im Gespräch mit Gustav Ernst getroffen habe. Sein Buch damit beginnt, wie er beschreibt, daß er in den Siebzigerjahren in den Bibliotheken Salzburgs Bücher einordnen sollte und da auf Albert Drach gestoßen ist und hätte er nicht in das Buch hineingeschaut, hätte es der Trivialliteratur zugeordnet.

Sehr interessant, denn, ich denke, so ist es in der Literatur. Die hehren Kritiker, die meist weiße alte Männer sind, ein Ausdruck den ich gar nicht liebe, streifen über die Bücher drüber, schreien „was eine Frau, ist die vielleicht eine Emanze!“ und das Buch ist schon weggeschmissen. Das wurde mir einmal von Brigitte Gutenbrunner über Marcel Reich Ranicki berichtet, als sie in Klagenfurt gelesen hat.

Ein Kanon, die wichtigsten hundert Büchert, die man gelesen haben solle und die anderen nicht. Die andere lohnen sich nicht, denn es reichen, die paar Sätze, wie man über Bücher sprechen kann, die man nicht gelesen hat oder überhaupt, steht es auf den Kanon? Dann interessiert es mich nicht, dafür habe ich keine Zeit!

Ich bin da ein Gegenbeispiel, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben, denn ich gelte ja laut Uli nicht als Profi, obwohl ich mich über fünfzig Jahre mit der Literatur beschäftige, meine Bücher aber selber drucken lasse, also für den Kanon keine Chance.

Das Buch ist vielleicht ein Gegenbeispiel und ein Aufruf sich jeseits des Tellerrandes mit der Literatur, Bücher und Autoren zu beschäftigen und das ist ja auch, was ich immer schreibe, ich lese alles, nicht nur das was auf den Buchpreislisten steht und wenn mich ein Selfpublisher oder BoD-Autor anschreibt, lese ich ihn auch und würde mir das auch für mich wünschen !

Es beginnt also mit den 1965 in Sofia geborenen Ilia Trojanow,, den ich ganz ehrlich, ebenfalls, wie Vladimir Vertib nicht in meinen Kanon einreihen würde und er nennt zwei mir bisher völlig unbekannte Autoren, den Kubaner Lezama Lima und Kojo Laing aus Ghana, nie gehört die Namen, aber vielleicht finde ich ihre Bücher mal in den Schränken, dann werde ich danach greifen.

Michael Krüger hat seine Aufgabe mit einem Alphabet erfüllt. Also H. C. Artmann unterschätzt. Das, glaube ich, eigentlich nicht, ebenso ist mir Rose Ausländer sehr bekannt und ob Günther Andersch wirklich überschätzt ist, würde ich auch bezweifeln.

Sabine Scholl beschäftigt sich mit der Frauenliteratur und die ist ja wahrscheinlich immer noch unterschätzt, obwohl sich da in den letzten Jahren sicher viel verändert hat und auf der heurigen Bloggerdebutshort beispielsweise nur fünf Frauen stehen, obwohl sehr für „Freudenberg“ plädiert hätte.

Gottfried Benn ist geschätzt und Christina Bustan manchmal geliebt, schreibt der Exverleger und Lyriker Michael Krüger unter dem Bchstaben B und Vladimir Vertlib von dem ich schon einige Bücher gelesen habe und ihn auch öfter bei Veranstaltungen sehe, hat sich der türkisch stämmigen in Deutschland lebenden Autorin Zehra Cirak, von der ich auch noch nichts gehört habe, angenommen. Zitiert ihre Gedichte und hält sowohl Houllebecq als auch Hemingways „Alter Mann und das Meer“ für überschätzt.

Das kann ich nicht so ganz beurteilen und was den Buchstaben B betriff und da zurückzugreifen, glaube ich, zum Beispiel nicht, daß Thomas Bernhard, als Dichter unterschätzt ist und würde ihn, der meiner Meinung nach ja viel zu viel schimpft, nicht dafür halten. Hätte er weniger geschimpft, wäre er aber vielleicht nicht so berühmt geworden.

Die Literaturwissenschaftlerin Konstanze Fliedl, die auch einmal „Bachmann-Moderatorin“ war, fühlt dann „Zwei Kultbüchern“, nämlich dem „Struwwelpeter“ und dem „Kleinen Prinzen“ auf den Zahn.

Brigitte Schwens-Harranth, die kürzlich sowohl in der „Alten Schmiede“ als auch in Ö1- bei den „Gedanken für den Tag“ hörte, beschäftigt sich mit den „Blümchen „, der Jane Austen, die wird ja von vielen hochgelobt und ich habe von ihr auch schon etwas gelesen, während sich der „Guggolz-Verleger“ Sebastian Guggolz mit dem 1894 geborenen Hans Henny Jahnn und seinem „Fluss ohne Ufer“ beschäftigt. „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin hat ihm, als er es gelesen hat, dagegen nicht so begeistert.

Die Graz geborene Gabriele Kögl hat auch eine interessante Auswahl getroffen und zwar lobt sie sehr einen Roman von Ursula Wiegele, mit der ich mich noch nicht sehr beschäftigt hate, während sie mit Robert Seethalers „Trafikanten“ nicht so viel anfangen konnte und sein Buch zwar nochmals kaufte, es dann aber entsorgen wollte und da kann ich ihr zustimmen.

Zwar nicht so sehr was den „Trafikanten“ betrifft, da habe ich nur einen Film gesehen, aber das „Ganze Leben“ wurde meiner Meinung nach, obwohl ich es noch nicht gelesen habe, zu sehr gelobt, während mit sein „Mahler-Roman“ sehr gefallen hat, Wolfgang Tischer vom Literaturcafe aber nicht.

Der 1953 in Korneuburgt geborene Ferdinand Schmatz lobt natürlch Reinhard Priessnitz und seine „Vierundvierzig Gedichte“, ist er ja auch sein Nachlaßverwalter und hat dafür zwei eindrucksvolle Sätze gewäht: „Er ist der Kilometerstein, der stets mitfliegt. Die Einbetonier der Autobahnen nehmen das nicht zur Kenntnis.“

Und Ernst Wiechert, 1952 im rumänischen Banat geboren, dessen „Mai und morgen“, in der letzten „Lese-Auslese“ sehr gelobt wurde, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit „Einem verborgenen gebliebenen Kanon“, nämlich dem in dem die jüdisch stämmigen Autoren Alexandru Vona, Max Blecher, Bruno Schulz und Franz Kafka vorkommen.

Die freie Kulturjournalistin Katrin Hillgruber hält ein Plädoyer für die 1893 geborene Mela Hartwig und ihren Büroroman, den Katrin Hillgruber für besser als das „Kunstseidene Mädchen“ hält.

„Das Weib ist ein Nichts“ ist ein anderer und „Droschl“ hat sich verdienstvoll ihrem Werk angenommen, das auch von Julia Danielczyk geehrt wurde und spannend, daß sich die „Raab-Spezialistin“, seine Erzählung „Hastenbeck“ für „ebenso wunderich wie erschöpfend“ hält.

Interessant ist auch die Bewertung des Übersetzers und Literaturkritiker Cornelius Hell, den ich immer wieder auf Veranstaltungen treffe und den ich das nächste Mal nach einem aktuellen politischen ungarischen Roman, für meine „Drei Frauen-Recherche“, fragen werde, Robert Schindels „Der Kalte“ für überschätzt hält und ihn als zu weitschweifig und auch fehlerhaft scharf kiritisert. Ich kann mich ganz ehrlich an den Roman nicht mehr so erinnern, war aber, an das kann ich mich erinnern von „Gebürtig“ sehr begeistert und auch von manchen seiner Gedichte.

Franzobel oder Stefan Griebl, der überraschende „Bachmann-Preisträger“ von 1995, der mit „Mickey Maus und Sherlock Holmes“ aufgewachsen ist, der auch einmal in der „Ohrenschmaus-Jury“ war, schwärmt von einem Roman von Ramiro Pinello, der mir gänzlich unbekannt ist und wettert ein bißchen übe den Bestsellerautor T. C. Boyle von dem ich ihn erinnern kann, daß ich ihn mal bei „Thalia“ in der Landstraße gesehen habe und auch O. P. Zier im Publikum war.

Der 1947 geborene Franz Schuh, ein Jahrlanggenosse von der Ruth und von Thomas Northoff zitiert Walter E.Richartz Büroroman unter dem Titel „Die große Mopserei“.

„Es ist 15.10. Es ist 15.11 – nein, eine Täuschung. -Kommen Sie und sehen Sie selbst: dies ist der Ort, wo die Zeit still steht, wo sie die Zeit endgültig totgeschlagen haben.“

Der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Jürgen Eyptien hat einen „Stillen und einen Lauten“ und höre unter den Lauten schätzt er den großen Schimpfer ein und zitert dessen „Heldenplatz“. Spannend, daß wir da einer Meinung sind und ein Plädoyer für T. B. kann ich auch halten. War ich doch einmal in einer Lesetheaterauffhrung von „Ja“ -„Und da hat sie ja gesagt!“, auf die Frage nach der Selbstmordabsicht, habe ich genauso großartig gerufen, wie die „Alten Meister“, wo da einer im Kunsthistorischen Museum gsitzt und darber nachdenkt, ob er am Abend ins Burtheater gehen soll? Er tut es dann und die Vorstellung war natürlich fürchterlich!

Michael Krüger hat Ernst Jandl sehr geliebt. No na und Oswald Egger schreibt dem Herausgeber zwar, daß er den Auftrag nicht erfüllen kann. Fügt dann aber eine sehr lange Fußnote an und Karin Peschka lobt das Werk ihres ehemaligen Deutschlehrers Hermann Obermüller, das 1982 bei „Kiepenhauer und Witsch“ veröffentlicht und von Helmut Neundlinger, in der „Dichter über Dichter-Reihe“ ebenfalls gewürdigt wurde. Auch interessant, daß sie nicht kritisieren möchte, sondern die Bücher, die ihr nicht gefallen, nicht zu Ende liest.

Die 1990 geborene Raphaela Edelbauer, die ich bei einer „Buch Wien“ kennenlernte, wo sie ihren Erstling „Entdecken – Eine Poetik“ vorstellte ist ebenfalls sehr interessant. Denn ich würde sehr für „Das flüssige Land“ plädieren.

„Wow!“, was für ein Roman, während ich von „Dave“ weniger begeistert war. Jetzt hat sie einen neuen Roman geschrieben, der am 19. 1. im Literaturhaus vorgestellt wurde und sie schwärmt von Klaus Hoffer seinen „Bei den Bierisch“, sowie von seinen Poetikvorlesungen, die er gehalten hat, als sie noch nicht auf der Welt war.

Im Schlusskapitel beschäftigt sich Anton Thuswaldner mit der Frage „Was man mit den finsteren Kerlen der Literatur tun soll?“, die ich ebenfalls, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo gegen den Schauspieler Florian Teichmeister meiner Meinung nach unerträglich gehetzt wird und nicht nur seine Karriere zerstört wird, sondern auch ein Film in dem er mitspielt und der, glaube ich, nichts mit Kinderpornographie zu tun hat, verboten werden soll, für sehr interessant halte und wiederhole, bevor ich auf seine Beispiele eingehe, daß ich Josef Weinheber für einen großen Dichter halte, obwohl er nationalsozialistisch war und Gedichte auf Hitler geschrieben habe und auch Peter Handkes politische Meinung von seinem Schreiben trennen will.

Da gibt es noch andere Beispiele wie Knut Hamson, Celine und Ezra Pound, die Thuswaldner anführt und dann zu Uwe Tellkamp kommt, der „Bachmannpreis Träger von 2002 und dBp-Preisträger von 2008. sein „Eisvogel“ hat mir nicht gefallen und wurde glaube ich auch bei der literarischen Soiree im Radio Kulturcafe sehr kritisiert, vom „Turm“ war ich überfordert und das literarische DDR Wunderkind wurde dann sehr geächtet, als es sich mit seiner Meinung zu den vielen Ausländern sehr in AfD-Nähe begab.

Das war vor einigen Jahren, jetzt höre ich im Fernsehen ständig, daß man etwas gegen, die vielen illegalen Flüchtlinge die „unsere Frauen und Kinder ermorden“ tun und daher die FPÖ wählen muß und habe mir den „Schlaf in den Uhren“ vom Alfred schenken lassen, das ich aber erst lesen muß.

Ein interessantes Buch. Da stimme ich den „Papierstau-Leuten“ zu, man erfährt viel über den Literaturbetrieb und den subjektiven Meinungen der Autoren und da kann ich wiederholen, daß ich einmal über einen Kanon bzw. ein Buch über die „Literatur vor 1945“ hörte, wo Peter Rosegger und Stefan Zweig zugunsten von Franz Michael Felder hinausgeschmissen werden sollte.

„Werch ein Illtum!“, würde da vielleicht Ernst Jandl sagen und ich bin bezüglich Stefan Zweig daraufgekommen, daß das nicht stimmt, als ich bezüglich meines Schreibens angefangen habe, Zweig zu lesen.

2023-01-21

Andi Pianka zweiteiliges Geburtstagsfest

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:13
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Milena Orlando
Maria Seitz

Am einundzwanzigsten Jänner hat Andi Pianka, den ich, glaube ich, einmal über Cornelia Travniceks Blog im Cafe Anno kennengelernt habe, ihn dann auf verschiedenten Poetry Slmas hörte und mit ihm am Volkstimmefest gelesen habe, seinen fünfundvierzigsten Geburtstag und weil er das die letzten zwei Jahre Corona, bedingt nicht konnte, hat er diesmal zum zweimaligen Feiern eingeladen und zwar zuerst zum geselligen Treffen im „Käuzchen“ und da habe ich überraschenderweise einige Bekannte getroffen, die ich nicht erwartet habe, nämlich Melamar und dann Maria Seitz und Milena Orlando die ich von den Osterspaziergänge der LitGes kenne.

Andi Pianka hat St. PöltnerWurzeln, habe ich ihn da doch einmal im Sonnenpark lesen und auch auf Poetryslams gehörts und danach ging es in Amerlinghaus, denn Andi Pianka ist ja ein eifriger Leser beim „Stuthe Quickie-Open stage“, wo ich ihn einmal versäumte und einmal aus seinen „Die Masken nieder-Corona-Dialoge“ lesen hörte.

Aber zuerst hat Maria Seitz, die jetzt, glaube ich, einen anderen Vornamen hat, sehr gekonnt sehr experimentelle Gedichte gelesen.

Milena Orlando folgte und dann kam noch ein literarischer Beitrag von einer jungen Frau, die ein sehr hoffnungsvolles Langgedicht vortrug und von ihrer Mutter wahrscheinlich gefilmt wurde, bevor Andi Pianka wieder aus seinen alten und neuen Dialogen vortrug, die ich ja jetzt schon gelesen und besprochen habe.

Diesmal nur zwei Musikeinlagen von Gitrarre spielenden jungen Männern. Ein Lebensberater erzählte von seinem „verkorksten Leben“ und, wie er davon losgekommen ist und der, der immer ein juristisches Kabarett hält, hielt diesmal eine Faschingsrede.

Andi Pianka

Interessant, interessant und ein Geburtstagsfest der anderen Art. Andi Pianka hat aber seine Geburtstagsständchen bekommen. Nachher sind wir noch lange im Amerlingbeisl gesessen und spannend die St. Pöltner Szene in Wien zu erleben und einen Open Mike im „Werkl am Goethe Hof“ hat es heute auch gegeben und wieder viele Bücher in den offenen Bücherschränken in der Stiftgasse.

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