Literaturgefluester

2015-03-27

Ein liebender Mann

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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1821 lernte der über siebzigjährige Goethe in Marienbad, die siebzehnjährige Ulrike von Levetzow kennen, der er 1823 einen Heiratsantrag machte, der aber abgewiesen wurde, so daß er daraufhin die “Marienbader-Elegien” schrieb, 1832 in Weimar starb, Ulrike von Levetzow ist unverheiratet geblieben und hat, wie ich “Wikipedia” entnahm, ihr Leben lang dementiert ein Liebesverhältnis, sondern nur eine väterliche Beziehung zu dem alten Geheimrat gehabt zu haben, trotzdem ist sie als Goethes letzte Liebe in die Geschichte eingegangen und der 1927 in Wasserburg geborene Martin Walser, hat 2009  den Roman “Ein liebender Mann” darüber geschrieben, der als verbilligtes Taschenbuch über den “Thalia-Abverkaufstoß” zu mir gekommen ist, angelesen habe ich ihn ihn aber schon 2009, denn damals hat die FAZ einen Teil des Romanes im Internet veröffentlicht und allgemein kann es als sehr interessant empfinden, was einem ebenfalls nicht mehr jungen Mann über die letzte Liebe des alten Geheimrates eingefallen ist.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste spielt, 1823 in Marienbad, da ist Goethe mit seinem Diener Stadelmann, der sich ein Geschäft darausmacht, Goethes Haare zu verkaufen und dem Schreiber John auf Kur, sein Freund und Dienstgeber, Großerzog Carl August  bzw. Chef steht irgendwo, Martin Walser bedient sich durchaus einer modernen Ausdrucksweise, ist ebenfalls anwesen und Frau von Levetzow mit ihren drei Töchtern, Ulrike, Amilie und Berta, neunzehn, sechzehn und fünzehn Jahre alt.

Goethe geht mit der “Contresse Ulrike”, wie die, in einem Straßburger Internat Erzogene, genannt wird, weil sie so kritische Fragen stellt, spazieren und auf Abendgesellschaften, da tanzt er mit ihr. Es ist aber üblich, daß die Tänze abgelöst werden können, so tritt ein Herr de Ror auf, ein halbgriechischer oder halbtürkischer Gewürzwarenhändler von dem man keinen Vornamen weiß und Goethe erglüht in Eifersucht.

Sein Alter macht ihn auch zu schaffen, er ist drei-, bald vierzundsiebzig, also fünfundfünfzig Jahre älter, während sich sein Hausarzt ein Mann von fünfzig Jaren mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau verlobt.

Das mag noch angehen, aber fünfundfünfzig? Trotzdem geht das Leben weiter. Nach dem Eifersuchtsanfall, wo Goethe sich beleidigt in sein Gasthauszimmer zurückzieht, kommt es zu einem Kostümball und da verkleidet er sich als Werther, Ulrike als Lotte und sie gewinnen auch noch den ersten Preis, nur als sie zwischendurch spazieren gehen, stürzt der alte Mann, muß vom Hausarzt versorgt werden, entschließt sich aber trotzdem, den Herzog als Heiratsvermittler zu Frau von Levettow zu schicken.

Das wird, wie in “Wikipedia” steht abgewiesen, in dem Buch wird das etwas unverbindlicher ausgedrückt. Die Familie reist nach Karlsbad ab. Goethe reist nach und geht sogar vier Stunden mit Ulrike spazieren, wobei es zu einer “Du -Zone” kommt.

Es werden auch Küße getauscht und weil die Levetzowschen Töchter, Frauen des neunzehnten Jahrhunderts sind, bedienen sie sich und das finde ich genauso köstlich, wie die “Contresse Ulrike”, einer Art Kürzelsprache und sagen”Swswnn”, wenn sie “So weit sind wir noch nicht” meinen und “ab” “Aber bald”.

Das sind schon Floskeln, die Goethe und Ulrike während des Spaziergangs austauschen, sie schickt ihm ein Band, das sie als Lotte trug, er raubt ihr einen Handschuh und im dritten Teil ist sie wieder im Internat, dort hat sie angeblich nur Schiller und nicht Goethe gelesen, wie die vorlaute Schwester, dem Geheimrat in Marienbad verriet. Goethe in Weimar, im Hause seines Sohnes August und seiner Schwiegertochter Ottilie, die auch etwas gegen die Liebe des “Lustgreises” und wahrscheinlich gegen eine Heirat haben.

So schreibt Goethe  die “Marienbadner-Elegien”, die er im Roman Ulrike zukommen läßt, in Wirklichkeit scheint das nicht geschehen zu sein. Walser läßt Goethe auch Briefe an Ulrike schreiben, beziehungsweise übt er sich in der Kunst des Briefromanes und da schildert er die Überwachungen, beziehunsweise die Beschimpfungen seiner Schwiegertochter, die Ulrike eine “Ehrgeizhure” nennt. Das läßt Walser Goethe tatsächlich an seine Geliebte schreiben, was mir als nicht sehr realistisch scheint. Er schreibt auch von seinen Befürchtungen, daß sie die Briefe nicht erhalten wird, weil Ottilie, den Postmeister besticht und sie abfangen lassen wird.

Es werden auch Goethes weitere Eifersuchtsanfälle, abwechselnd mit seinem Herzrasen geschildert, das er bekommt, als er einen Brief von Ulrike empfängt, die ihm einen Besuch von Herrn de Ror, der, wie inzwischen herauskommt, Juan heißt, erzählt und von Schmuckstücken, die ihr, die bisher immer ungeschmückt war, von dem Händler zur Verfügung gestellt bekommt.

Dazwischen wird sein Leid, auch in dem Romanversuch “Ein liebender Mann” geschildert und auf der letzten Seite läßt Walser Ulrikes Kammerfrau erzählen, daß sie am zwölften November 1899, einen Tag vor ihrem Tod, seine Briefe verbrennen ließ.

Eine interessante literarische Deutung eines anderen großen Dichters und alten Mannes über die vermutlich letzte Liebe Goethes.

Und für Johann Wolfgang Goethe hat sich der Vielschreiber, der einen beachtlichen Werkkatalog aufzuweisen hat, von dem ich einiges gelesen  habe, glaube ich, auch in anderen Werken interessiert, so habe ich das Surhkjamp-Taschenbüchlein “In Goethes Hand”, noch auf meiner Leseliste.

Interessant, interessant, ob es jetzt so war oder nicht, in Walsers Phantasie hat es sich so abgespielt und mir hat vor allem der moderne Ton, in den er die Geschichte packt, sehr gefallen, so sprechen Ulrike und Goethe ganz am Anfang auch über Literatur, Byron und Scott sind gerade in  und sie unterhalten sich über “Satzhoheiten” und “unvorgreifliche Voschläge”, das ist die “höflichste Art sich etwas dringend zu wünschen”, sagt Ulrike, während Goethe, den Ulrike Exzellenz nennt, von einer “Art Befehl”, spricht.

Seine Farbenlehre kommt vor und so sieht er auch Ulrikes Augenfarbe von blau in grün wechseln und über seine Minerialiensammlung wird auch berichtet.

Sehr interessant also, Goethe über Martin Walser näher kennenzulernen, ich kann mich aber an die Worte meiner Lehrerinnen erinnern, da weiß ich  nicht mehr so genau, ob es die Frau Linser in der Haptschule oder die Frau Professor Friedl in der Straßergasse war, die, als sie über die Liebe des alten Goethe zu einem jungen Mädchen und seinen Heiratsantrag, berichtete, meinte, daß ihre Eltern bzw.  Mutter so vernünftig waren, ihn abzulehen.

Nach der Lektüre des Buches denke ich fast ein wenig aufmüpferisch, die junge Frau wäre gut versorgt gewesen, hätte mit dem alten Herrn über Literatur diskutieren können und wäre bald Witwe geworden, vielleicht hätte sie ihn ein bißchen pflegen müßen, Personal wäre aber im Haus gewesen, was ist also dabei?

Die Welt natürlich, die Klatschmäuler und wahrscheinlich die Familie Goehte Junior und darüber hat auch Gerhard Hauptmann ein Drama geschrieben und ich habe in meiner Sturm und Drang Phase, die “Leiden des jungen Werthers” und noch andere Goethe-Lektüre gelesen. Ein Gedichtausgabe, habe ich einmal zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen, mit der Frau Professor Friedl haben wir ein Jahr den “Faust” studiert, was ich zuerst für einen Witz gehalten habe und heute etwas übertriebenfinde.

Ein Buch der Ottilie von Goethe, wahrscheinlich sind es Gedichte oder ein Tagebuch, habe ich mir einmal antiquarisch gekauft und sogar einmal eine Erzählung über den “Torquato Tasso” geschrieben, der mich in meiner “Sturm und Drang-Phase sehr beeindruckt hat.

2015-03-26

Viktor Frankl, Richard Schuberth, Edward Snowden

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:52
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Der Donnerstag war sehr intensiv, wurde ja zum hundertzehnten Geburtstag des Logotherapeuten und Sinnforschers Viktor E. Frankl das Viktor Frankl Museum im Viktor Frankl Zentrum, das heißt in seinem ehemaligen Wohnhaus in der Mariannengasse eröffnet.

Man konnte sich zu Führungen anmelden und so bin ich nach dem klinischen Mittag, wo ganz passend, die PTSD-Konzepte, die im ESRA angewandt werden, vorgestellt wurden hingegangen.

Viktor Frankl ist für mich irgendwie  auch sehr prägend,  so kann ich mich an eine Vorlesung, die ich 1975 wahrscheinlich besucht habe, wo er alle seine Publikationen herzeigte, was mich etwas wunderte und ich auch als sehr eitel empfunden habe.

Inzwischen habe ich seine Lebensgeschichte erfahren und mache das beispielsweise im Literaturgeflüster selber. die paradoxe Intention ist mir ein Begriff und vor einigen Jahren war ich auch in einer Frankl Vorlesung in der Klinik, wo ich mir das “Neinsage-Modell” mitnahm und bei meinen Klienten öfter anwende.

Irgenwie ist die Logotheaphie der Verhaltenstherapie ja ähnlich oder gibt es Schnittschnellen und Schneidepunkte und vielleicht zum hundertsten Geburtstag ist ein Buch es jungen Frankls zu mir gekommen und da gab es auch die Diskussion, ob es richtig war, daß er 1938 versuchtem die Juden, die sich nach dem Anschluß umzubringen versuchte, zu retten, damit sie in die KZs transportiert werden konnte.

Sonst kann ich mich noch das das Dine Petrik Buch über Hertha Kräftner erinnern, die ja glaube ich seine Patientin war und die sich auch umgebracht hat.

Es war sehr interessant durch das Museum zu wandern, einige kleine Räume in denen versucht wurde, das Konzept den Besuchern anschaulich zu machen, habe mich dabei mit einer netten Dame unterhalten und dann eine halbe Stunde, bei Saft, Brot und Knabbergebäck gewartet, weil man auch eine Führung durch die ehemalige Polyklinik, ebenfalls in der Marianengasse gelegen, machen konnte, wo Frankl fünfundzwanzig Jahre lang gearbeitet hatte.

Danach bin ich kurz nach Hause gegangen, habe versucht bezüglich meiner Lesung am 23. April zu telefonieren und auch mit der Ruth über ihre Lesung gestern getratscht und dann wurde es wieder dicht, denn Richard Schuberth, der mir alle seine Einladungen schickt, hat ja einen Roman, seinen ersten, geschrieben “Chronik einer fröhlichen Verschwörung”, der im ehemaligen Ost Klub am Schwarzenbergplatz vorgestellt wurde.

Den hätte ich fast nicht gefunden, das heißt ich bin zuerst in die falsche Richtung gegangen und dabei Sabine Gruber und Robert Schindel begegnet, die auch dorthin unterwegs waren.

Die Lesung wurde mit Musik von Martin Lubenov, Jovan Torbica und Pintoo Khnan Gorau eingeleitet, dann sagte der “Zsolnay- Verleger” Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, ein paar Worte zu dem Roman, der, kurz erzählt, von einer  Begegnung oder einer Liebe zwischen einem alten Mann und einem jungen Mädchen handelt.

Richard Schuberth las dann, wie er sagte, das erste Mal mit Lesebrille, das erste Kapitel, wo ein grantiger offensichtlicher älterer Mann, namens Ernst Katz mit dem Zug von Salzburg fährtz und dabei fast seine Fassung verliert, denn ein oberösterreichischer “Stifter-Preisträger” hat einen Holocaustroman über eine Frau, namens Klara Sonnenschein geschrieben, die er offensichtlich kannte und so geht es ihm bis Wels sehr schlecht, bis er von einem jungen Mädchen namens Biggy, die ganz anders ist locker und aggressiv angesprochen wird, mit ihr bis Wien einige Bierflaschen lehrt.

Sehr lustig diese Geschichte, denn Richard Schuberth hat einen starken satirischen Ton, der mir manchmal fast ein wenig zu intensiv war, aber sicher eine neue interessanter Stimme ist.

Nachher gab es noch eine Diskussion mit Sebastian Fasthuber von der Zeitschrift “Falter”, aber davon hörte ich nur die erste Frage “Wieso plötzlich ein Roman?”,  habe ich mich doch mit dem Alfred  vor dem Schikaneder-Kino getroffen, weil sich der “Citizenfour”, den Film über die Enthüllungen des  Edward Snowden anschauen wollte und so habe ich den Tag sozusagen mit drei  Männer verbracht und bin mit ihnen von der Psychologie, in die Literatur,  in den Geheimdienst und wieder zurück geswitscht.

2015-03-25

JADRAN heißt die Adria

Filed under: Bücher,Veranstaltungen — jancak @ 21:48
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Von Ruth Aspöck sind, seit sie 2007 mit ihrem Verlag “Die Donau hinunter”, in Pension gegangen ist, vier Bücher im “Löcker-Verlag” erschienen, die man wohl als dokumentarische Literatur oder Dokumentarromane bezeichnen könnte.

In “Nichts als eine langweilige Blindschleiche”, hat sie ihre Tagebücher aufgearbeitet, dann ist sie mit “Grillparzer auf Reisen” gegangen und im Vorjahr hat sie ihre Salzburger und oberösterreichischen Nachkriegserinnerungen aufgezeichnet.

Jetzt hat sie mit “JADRAN heißt die Adria”, das Leben einer bosnischen Flüchtlingsfamilie, die in den Neunzigerjahren aus Banja Luka nach Österreich kam und sie die Frau, die als Kassierin in der Kantine des Bundeskanzleramts arbeitet, kennenlernte, weil sie dorthin manchmal essen geht, aufgezeichnet.

Wahrscheinlich lange Gespräche geführt und ist mit ihr im letzten Oktober oder November auch nach Banja Luca gefahren, um sich ihre Heimat anzusehen und hat mir von dort eine schöne warme weiße Haube zu meinem Geburtstagsfest mitgebracht.

Jetzt habe ich das Buch, das heute mit Musikbegleitung von Sasa Jansetovic, moderiert von Renata Schmidtkunz, in der Hauptbücherei vorgestellt wurde, gelesen, das in sieben Abschnitten, die alle mit “A” beginnen “Aufwärmen”, “Aufsitzen”, “Anreiten”, “Ausreiten”, man sieht das Reiten spielt dabei eine wichtige Metapher, eingeteilt ist und die Abschnitte berichten abwechselnd auch von der Ich-Erzählerin, deren Biografie, was mir wieder, wie im letzten Buch, auffällt, seltsam abgewandelt und distanziert wurde, als auch von Susana Jovanovic, die im Betriebsrestaurant eines Druckereibetriebs, in dem die Ich-Erzählerin, jetzt Pensionistin, als Emfangsdame beschäftigt war, arbeitet.

In “Aufwärmen” wird von den Sammelleidenschaften der Pensionistin, sie sammelt Eulen und hat früher Bierdeckeln in Trinklokalen, in denen sie als Kind mit ihrem Vater war, erzählt. Wieder fällt mir die sehr genaue, etwas altmodisch klingende Sprache auf, warum schreibt sie nicht von Wirtshäusern und Weinstuben, wie ich es wahrscheinlich tun würde?

Die Armut in der Jugend wird wieder thematisiert, in der “Edition die Donau hununter” hat Ruth Aspöck einen entsprechenden Essay veröffentlicht, sie hat in ihrer Jugend in Fabriken und Wirtshäusern gearbeitet, da einen reichen Mann kennengelernt, der sie später verlassen hat, dann ging sie für einige Jahre nach Amerika, Ruth Aspöck ist, glaube ich, in Kuba gewesen und hat ein Buch darüber geschrieben, wieder zurückgekommen und in dem Betriebsrestaurant Susana Jovanovic kennengelernt, die in den neunziger Jahren mit ihrem Sohn Alexander nach Wien gekommen ist. Ihren Mann Branco, aus einer katholischen Familie stammend, hat sie gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet und ihn in seinem kleinen Transportunternehmen geholfen, dann kam der Krieg, die Nachbarn wurden Feinde und Branco, der immer eine Pistole mit sich führte, hat bei einem Streit in einem Park einen Angreifer erschossen, wofür er sechs Jahre eingesperrt wurde.

Danach ging er zuerst nach Italien und als Susana oder Bijana Panic, wie der wirkliche Name heißt, der im Buch und im Veranstaltungsprogramm erwähnt wird, nicht nachkommen und schon wieder eine Sprache lernen wollte, zu ihr nach Wien.

Das Buch schildert nicht nur das Leben einer Flüchtlingsfamilie, die längst in Österreich heimisch geworden ist und ein Häuschen am Stadtrand bewohnt, sondern es zeichnet auch die Geschichte nach, wie es zu dem Zerfall Jugoslawien gekommen ist und geht so gar weiter in die Geschichte, in den ersten Weltkrieg und nach Österreich- Ungarn zurück.

Im ersten Kapitel schreibt die Pensionistin, die schon einige Erzählungen in Anthologien veröffentlicht hat, von ihrem Wunsch einen Roman zu schreiben, durch ihre Bekanntschaft mit Susana Jovanovic ist ihr das gelungen.

“Susana ist die Hauptfigur dieses Buches, das zu schreiben und zu veröffentlichen mir nun doch geglückt ist. Deshalb trete ich jetzt zurück. Genug des Sinnierens. Ich habe mich ausreichend vorgestellt. Sie kennen mich nun. Vorderhand verabschiede ich mich und lade Sie ein, lesend das Leben Susanas zu verfolgen”.

Ganz hat sie diesen Vorsatz nicht durchgehalten, taucht sie doch immer wieder in den weiteren Kapiteln auf und am Ende geht es  um das Schreiben und um die Schreibschulen, in denen man es lernen kann.

“Ich habe keinen Schreibkurs besucht. Meine Texte sollen aus mir kommen, aus meinen Überlegungen un in meinem Stil, nicht der eines Lehrers oder einer Lehrerin”, schreibt sie auf der vorletzten Seite, was, wie meine Leser wissen werden, so auch nicht ganz stimmt, haben wir uns doch die letzten zwei Jahre öfter mit Robert, Ruth, Ilse und und Fritz im Cafe Ludwig in der Westbahnstraße getroffen und daraus am sechsten März gelesen.

Am Abend in der Hauptbücherei gab es dann einige Bekannte, Margot Koller war mit ihrer Freundin da, Irene Wondratsch, Ingeborg Reisner, Klaus Khittl und und und …

Alexander Lellek, der Verlagsleiter leitete damit ein, daß er nicht wüßte, wieviele Bücher Ruth Aspöck schon geschrieben hat, dann begann der Schwiegersohn von  Bijana Panic, der im bosnischen Fernsehen als Kameramann tätig ist, am Akkordeon zu spielen, bevor Renata Schmidkunz von Ruth Aspöck  wissen wollte, wie sie auf die gekommen ist, das Buch zu schreiben?

Dann begann die Lesung mit verteilten Rollen und dann noch einmal ein Gespräch, das in eine ziemlich aufgeheizte Diskussion im Publikum führte, wo es um die die bosnische beziehungsweise serbokroatische Sprache und um die Frage ging, wie lange man sich noch als Bosnier oder schon als Österreicher fühlen kann und soll?

Spannend von der Literatur, in die Soziologie und vielleicht wieder zurück zu kommen und von Ruth Aspöck, die ihr viertes “Löcker Buch”, wie sie betonte über die Gegenwart und Wien schreiben wollte, habe ich sehr viele Bücher gelesen.

Wieviele sie geschrieben hat, weiß ich ebenfalls nicht, werde aber die, über die ich schon gebloggt habe, hier verlinken und interessant ist auch auch die Frage ob  “ihr Ziel  mit diesem Buch Susana Jovanics Leben und das ihres Umkreises darzustellen und verständlich zu machen”, gelungen ist.

Biljana Panic antwortete jedenfalls auf Renata Schmiedkunz Frage, daß das Buch etwas für sie  ist, daß sie an ihre Kinder weitergeben kann und, daß sie also überleben wird.

2015-03-24

Graphic Novel und Gedichte

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:01
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Zweimal “Luftschacht-Verlag” in der “Gesellschaft für Literatur”, Nicolas Mahler und  Leopold Maurer, moderiert von Ursula Ebel, die das ja immer sehr genau und sorgfältig macht und  Nicolas Mahler, den Comic Zeichner von Bernhards “Alte Meister” und Robert Musil “Mann ohne Eigenschaften”, habe ich, das erste Mal, glaube ich, durch Cornelia Travnicek kennengelernt, die ein paar Bücher von ihm gelesen und auf ihren Blog besprochen hat, jetzt hat er in Leipzig den Preis der Literaturhäuser gewonnen und dort auch seinen bei “Luftschacht” erschienenen Gedichtband “dachbodenfund”, den er aus Texten aus Auktionshauskatalogen zusammengestellt hat, vorgestellt.

Der war auch Thema in der “Gesellschaft” heute, begonnen hat aber der mir bisher unbekannte Leopold Maurer, wie Nicolas Mahler 1969 geboren, der seine Graphic Novel “Kanal” vorstellte.

Das heißt die Bilder wurden projeziert, er hat vorgelesen und es geht dabei um eine Kanzlerin, Achtung, aus Österreich, nicht aus Deutschland, von Wien nach Triest einen Kanal bauen lassen will, um das Meer nach Österreich zu bringen und dadurch Wählerstimmen zu gewinnen. Das diskutiert sie mit ihrem Beamten Feuerbach, nennt die Wähler Trottel und läßt um die Leute von den Sprengungen abzulenken, ein Volksfest mit Freibier und Bürgermeister Geburtstag feiern. Interessant, das Ganze in Schwarz weiß.

Nicolas Mahlers Gedichtband ist rot mit einem Gesicht, am Cover, weil er meinte, daß Bücher, wo etwas den Leser anschaut, gut verkäuflich wären und da sind wir schon bei der Diskussion, wo Ursula Ebel zuerst einmal die Frage stellte, was den Comic von der Graphic Novel unterscheidet?

Das ist ja eigentlich dasselbe, es kursiert aber die Diskussion, Graphic Nobel ist mehr für Erwachsene, mehr Literarischer, etwas für Buchhandlungen, wie Nicolas Mahler meinte, der auch erklärte, den Begriff Graphic Novel gäbe es erst seit fünf Jahren, ich würde ihn mit Art Spiegelberg assoziieren und habe inzwischen auch schon einige Graphic Novels gelesen und der österreichische Comic-Verlag “Holzbaum” schickt mir alle seine Sachen und in seinen Cartoonbänden, gab es  auch schon was von Nicolas Mahler, den österreichischen Comic Star sozusagen, der  auch in der Literaturhausstellung zu “Fünfzig Jahre Dokumentation der neuen österreichischen Literatur” seine Vitrine hat.

Der scheint auch sehr witzig und originell zu sein, erklärte, wie er zu seinem Gedichtband kam, er hat Aktionshaustexte montert und dazu sehr sparsam gezeichnet, ein paar Textstellen hat er daraus auch vorgelesen und dann hat er noch einen anderen Band, der “Gedichte” heißt, aber Zeichnungen enthält.

Daran spann sich die Diskussion, ob sich Gedichte mit Comics vergleichen lassen?

Beide sind Nischenprogramm, ja natürlich, aber sonst sehe ich schon Unterschiede und beide haben, zufälligerweise in Leipzig gewonnen.

Ich war ja vor kurzem bei zwei anderen Literaturveranstaltungen in der “Gesellschaft”, die irgendwie zum Thema und zur Nische passten, da hat ja vor Leipzig Semier Insaif mit seiner Schreibwerkstatt, die Frage gestellt, wozu man heute noch Gedichte schreibt und vorige Woche hat Kathrin Passig mit Daniela Strigl diskutiert und sie scheint sich ihre Gedichte auch irgendwie zu monteren.

Also  wieder was gelernt und in der kleinen Runde eine sehr angeregte Diskussion,, man kann sich, wie Ursula Ebel nahelegte, all die schönen Comic- und Graphic-Novel Bücher natürlich kaufen, aber ich habe mich ja im letzter Zeit ein bißchen in Karl Kraus als Graphic Novel eingelesen,  das “Cartoonsutra” liegt auch in meinem Badezimmer und wird von mir demnächst gelesen  werden.

Mal sehen, ob ich was von Nicolas Mahler darin finde, der am Schluß als Rausschmeißer noch ein Abschiedsgedicht aus seiner Montagesammlung las.

2015-03-23

Unerleuchtet in die Alte Schmiede

Montag wieder ein Doppelprogramm, nämlich “Stunde der literarischen Erleuchtung” in der “Alten Schmiede” mit Peter Henisch und seiner Frau Eva Schober, die Albert Drach als “Gedächtnismoment in der Literatur” vorstellten sollten und das sagte ich so auch Klaus Khittl am letzten Donnerstag, als ich ihn in der Otto Bauer Gasse traf, als ich am Weg vom klinischen Mittag in meiner Praxis war.

“Ich nehme an, da werden wir uns treffen!”, habe ich gesagt und schon umdisponiert, nämlich nicht um acht zur Präsentation des neuen Wolfgang Hermann Buchs, sondern stattdessen wieder in die “Kolik Lounge”, wo Harald Darer, Michael Hammerschmid und Linda Stift lesen sollten, dann bin ich um dreiviertel sechs vor der “Alten Schmide” gestanden und habe den Zettel gelesen, daß die Veranstaltung ausfällt.

Bei Paul Nizon ist mir das auch schon einmal passiert, da bin ich nach Hause gegangen, aber was sollte ich jetzt mit der gewonnenen Stunde tun?

Zuerst dachte ich, ich gehe nach Hause und dann von dort in die Porzellangasse, dann bin ich ein Stück in Richtung des Heiligenkreuzerhofs marschiert, habe aber wieder kehrt gemacht und gedacht, wenn Klaus Khnittl kommen sollte, könnte ich mit ihm ein Glas Wein oder eine Tasse Kaffee trinken gehen.

Er kam aber nicht und auch nicht sehr viele andere Leute, die in die “Alte Schmiede” wollten, vielleicht schauen die alle, wie mir Christel Fallenstein später sagte, vorsorglich im Internet nach, ob die Veranstaltung stattfinden wird und so bin ich schneckenlangsam in Richtung Porzellangasse marschiert.

Das heißt beim “Kuppitsch” Halt gemacht, in den kleinen fast leeren offenen Bücherschrank dort geschaut und selber ein Doppelexemplar abgegeben, dann die Bücherkisten beim Kuppitsch durchwühlt und mir einen Thomas Melle um einen Euro gekauft.

Da war es noch nicht einmal sieben und als ich die Berggasse 19 erreichte, hatte im Sigmund Freud Museum gerade die Vorführung eines “film noirs” mit Hedy Lamar angefangen.

Eine gute Idee mich hineinzusetzen und mir wenigstens die Einleitung anzuhören.

Bevor der Film begonnen hat, bin ich gegangen, habe noch eine Runde gedreht und dann habe ich im Nachbarhaus des Schauspielhauses einen guten Platz gefunden, meine Literaturgeflüsterkarten aufgelegt, mich mit Christel Fallenstein, die wegen MichaelHammerschmid gekommen ist, unterhalten und als Linda Stift ein Stück aus ihrem neuen Roman gelesen hat, ein Deja vue Erlebnis gehabt.

Denn die Stelle von der Großmutter, die mit Mäusen in ihrer Haarpracht erwacht, habe ich schon einmal gehört und interessant, daß das der nächste Stift Roman werden wird.

Vor Jahren war ich einmal beim “Kolik Slam” in der Gesellschaft für Literatur und habe eine Stelle aus dem damals unveröffentlichten Roman “Kein einziger Tag” gehört, wo die Zwillinge noch ganz anders geheißen haben, interessant, interessant.

Dann kam der Priessnitzpreisträger von 2009 Michael Hammerschmid und las aus seinem “Klever-Bändchen” “Nester”, Kinder und Einschlafgedichte und wieder war es sehr interessant, einen Reinhard Piressnitz-Preisträger reimen zu hören. Man erlebt eben immer seine Überraschungen.

Harald Darer, der als dritter liest, hat mich  bei meinem ersten Besuch in der Kolik-Lounge vor zwei Jahren angesprochen, dazwischen war er auf der “Alpha Shortlist” und hat mit seinem ersten  bei “Picus” erschienen Roman nicht gewonnen, denn da war Marjana Gapaneko dran, die bei ihrem zweiten Versuch gewonnen hat, vielleicht wird er heuer mit seinem zweiten Roman “Herzkörper” gewinnen. Das weiß ich natürlich nicht, wäre aber interessant und den Roman werde ich inzwischen lesen, weil er schon auf meiner Leseliste steht.

Gustav Ernst hat auch einen neuen Roman, bei “Haymon” erschienen, da bin ich aber aus irgendeinen mir nicht einsichtbaren Grund aus der Rezensentenliste geflogen, vielleicht wegen meiner vielen Rechtschreibfehler, oder aus anderen mir nicht bekannten Gründen.

Gustav Ernst wird aber in der “Alten Schmiede” am 22. und 23. April ein “Literarisches Portrait” haben, zumindest am 22. April werde ich hingehen können, am Tag des Buches lese ichselber am “Reumannhof” und vielleicht kommt das Buch inzwischen auch zu mir, ich habe Gustav Ernst jedenfalls darauf angesprochen.

Danach wieder Wein oder Wasser und Gespräche, ich habe mich ein bißchen mit dem Leiter der “Schule für Dichtung” unterhalten, den ich prompt wieder verwechselt habe, als er mir erzählte, daß er am Donnerstag im Literaturhaus aufgelegt hat, aber da war ich ja schon fort, denn ich interessiere mich  mehr für Literatur als für Musik und jetzt wird es noch im April, wie Gustav Ernst einleitete, eine Lolik-Lounge und danach einen neuen Leiter des Schauspielhauses geben, wo noch nicht so klar ist, ob die Reihe von Autoren, die in den “Kolik Heften” puliziert haben, weitergehen wird.

Was  sehr schade wäre, weil wieder einige junge Talente bzw. Absolventen der Leondinger Akademie gekommen waren, dazu Friedrich Hahn, Karin Petscha und die letzte “Exil Preisträgerin”, lauter Leute, deren Texte dem Geschmack der “Kolik Herausgeber” entsprechen, was ich von mir leider nicht behaupten kann, habe ich ja nur einmal, vor langer langer Zeit, als ich gerade in die GAV aufgenommen wurde, einen Text im “Wespennest” gehabt, als noch Josef Haslinger und Gustav Ernst dort tätig waren, in der “Kolik” aber nie und jetzt sende ich meine Texte nicht mehr aus, sondern begnüge mich mit dem Bloggen und dem Selberpulizieren und drei neue “Koliken” habe ich mir auch nach Hause mitgebrcht.

2015-03-22

Indie Bookday

Filed under: Literaturbetrieb — jancak @ 07:48
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Gestern war wieder einmal Indie-Bookday, seit drei Jahren gibt es schon diese Intitiative, der unabhängigen Verlage, das sind offenbar die, die keinem Großkonzern, wie “Bertelsmann”, “Fischer” oder “Suhrkamp” angehören, aber oft auch sehr bekannt, wie “Residenz”, “Jung und Jung”, “Droschl”, um das Österreichische zu erwähnen. sind und einer der unabhängigen Verlagsleiter hat vor drei Jahren dazu aufgefordert, am 21. März, dem Frühlingsbeginn, die Buchhandlungen zu stürmen und sich eines dieser “Indies”, ganz gleich welches, “Eines, das man ohnehin schon immer haben wollte!”, steht auf der Indie-Website und sich mit dem Buch auf Facebook oder sonstwo zu präsentieren.

Nun habe ich den Begriff “Indie”, glaube ich, 2011, im Zusammenhang mit den Selbstpublischern das erste Mal gehört, da hat sich eine Autorin, auf einer Seite sehr beklagt, daß die “Indies” so schlecht sind und daher in der Szene einen großen Schaden anrichten oder so.

Da habe ich dann  einen Artikel mit dem Titel “Sogenannte Indie Bücher” geschrieben und mein Selbstgemachtes zum ersten Mal auf einer Seite im Gesamteindruck vorgestellt.

Das habe ich dann noch ein paar Mal wiederholt und am ersten Indie Bookday dann auch eines meiner Bücher zum Gewinn angeboten.

Später habe ich dann gehört, daß der Indie-Bookday nur für die kleineren unabhängigen Verlage da ist und daß man ja auch einen Selbstpublisher Tag machen könnte.

Kann man natürlich und es gibt auch andere Initiativen, wie den Welttag des Buches am 23. April, wo Shakespeare und Cervantes entweder geboren oder gestorben sind und man deshalb seinen Frauen und wahrscheinlich auch Männern, Rosen und Bücher schenken sollte.

Der Hauptverband des österreichischen Buchhandels gibt an diesem Tag jährlich ein Gratisbüchlein zu einem bestimmten Thema, diesmal werden es die Krimis, zusammengestellt von Eva Rossmann sein, mit Textproben, heraus, das man sich von bestimmten Buchhhandlungen, die immer weniger werden, weil die Buchhändler was dafür zahlen müßen, holen kann, was ich regelmäßig tue.

In Deutschland gab es das vor einigen Jahren, wo man sich von bestimmten Büchern dreißig Stück holen und die dann verschenken konnte.

Wolfgang Tischer hat da mit Peter Stamms “Agnes” schlechte Erfahrungen gemacht, weil er sich damit auf die Straße stellte und die Leute die Bücher oft gar nicht haben wollten.

Ja, es ist vielleicht gar nicht so leicht mit dem Lesen, sehr viele Leute scheinen das nicht mehr zu können, sondern haben die Schule als sekundäre Analphabeten verlassen, das Internet, die Videos, die Computerspiele, das Fernsehen und andere Medien, sind wahrscheinlich auch eine große Konkurrenz und dann gibt es immer mehr Leute, die schreiben wollen, das Selberpublizieren bietet eine gute Möglichkeit dazu, die aber oft gar nicht an den Büchern der anderen interessiert sind.

Und ich höre ja immer, daß die Leute acht oder neun Bücher im Jahr und manche auch gar keine oder viel weniger lesen.

Ich pendle mich inzwischen an die Hundertziebzig jährlich ein, mehr ist für mich, glaube ich, nicht zu schaffen, obwohl ich viel mehr Bücher habe, die auch sammle und, wie ich immer schreibe, gerne über den Tellerrand schaue und an allem interessiert bin.

Für den Buchhandel dürfte ich ein schwarzes oder rotes Tuch sein, denn ich und das schreibe ich auch immer wieder, kaufe mir eigentlich keine Bücher, die zehn oder zwanzig Euro kosten, ziehe aber gerne aus den Abverkaufskisten welche um ein bis drei Euro heraus, so gesehen, bin ich eigentlich auch keine Freundin der Buchpreisbindung, aber dafür, möglichst alles, beziehungsweise möglichst vielfältig zu lesen und habe auch nichts gegen große Verlage und Mainstreambücher, aber auch nichts gegen das Selbstgemachte und wenn da ein paar Rechtschreibfehler drin sein sollten, habe ich wahrscheinlich auch kein Problem, die zu überlesen und würde das wahrscheinlich auch sehr interessant finden.

Wenn man so auf meine Leseliste schaut ,findet man auch durchaus Vielfältiges und sich Widersprechendes.

So habe ich Arno Schmidt im Bücherschrank gefunden, gelesen, bzw. als ich gar nichts mehr verstanden habe, nur mehr überflogen, weil ich mir ganz ehrlich, kein Jahr Zeit nehmen wollte, um in seine Welt hineinzukommen. Dazu lockt das andere zu sehr und seit ich blogge, werden mir auch Bücher angeboten, an die ich früher wahrscheinlich nicht gekommen wäre. So habe ich im Vorjahr einen BDSM-Roman gelesen und heuer schon einen erotischen. Der Holzbaum-Verlag, warhscheinlich auch ein “Indie” schickt mir seine Cartoons und Satirebücher, ein Genre, das mir gut tut, weil ich  eigentlich nicht viel Spaß verstehe und Kabaretts oft genug nicht lustig finde.

Ich würde also empfehlen alles zu lesen und gebe auch zu, daß ich das manchmal sehr gerne bei Chicklits mache, nur manchmal, weil meine Leseliste inzwischen so lang geworden ist, daß auch ich mich beschränken muß und leider nicht alles lesen kann, Krimis auch, obwohl ich selber keine schreiben kann, weil ich gegen Gewalt bin und am literarischen Morden eigentlich keinen Spaß empfinde und empfehle natürlich auch, sich an das Selbstgemachte heranzutrauen und das nicht von Vornherein, wegen angeblicher mangelnder Qualität abzulehen.

Das wird auch besser werden, weil es in Leipzig ja schon fast eine ganze Halle mit den entsprechenden Ständen gab, die Selbstpublischer Fibeln herausgeben, die den Selbermachen Lektorat, professionelles Cover und was auch immer empfehlen.

Das Problem ist wahrscheinlich das Lesen, die Leute lesen immer weniger, aber die Selbstpublisher scheinen ihre Leser zu finden und manche haben damit, wie ich ebenfalls immer höre, sich an die obersten Rankinglisten geschrieben und vier-bis fünfstellige Zahlen verdient.

Das kann ich mir ganz ehrlich zwar nicht vorstellen und habe es bis jetzt auch noch nicht geschafft, meine Bücher auf “Amazon” oder sonstwo einzustellen.

Da bleibe ich auf meiner Seite, gebe da immer eine Vorschau, präsentiere  das Buch nach Erscheinen und Schreibberichte, gibt es seit einiger Zeit auch immer, ich werde auch immer schneller beim Schreiben, schaffe zwei bis drei Bücher im Jahr, etwas, was andere, meist die sogenanten Gebrauchsautoren, die mit mehreren Pseudonymen oft ebenfalls machen, bin aber inzwischen offenbar schon so schnell, daß der Alfred mit dem PDF und dem Druckfertigmacjem nicht mehr nachkommt.

So liegen jetzt schon zwei Rohtexte auf seinen Schreibtisch und derzeit habe ich ja Computer und Druckerprobleme und kann daher an der “Bibliophilin” nicht weiterschreiben, also mehr lesen könnte man sagen, da bin ich, wahrscheinlich auch durch die “Leipzig-Fahrt” bedingt, momentan auch sehr langsam und habe noch einige Rezensionsexemplare auf meinem Stapel liegen, die mich daran hindern, meine Leseliste, wie geplant, hinunterzulesen, bin aber selber Schuld daran, weil ich immer wieder der Versuchung erliege, mir Neues zu bestellen und manchmal kommt das auch und vor ein paar Tagen habe ich sogar das erste unverlangte PDF, das auch ein interessantes Buch ist, das mir sonst entgangen wäre und das ich demnächst besprecjem werde, zugeschickt bekommen.

Sonst werden mir die nur angeboten und da kann ich inzwischen schon nein sagen, denn wenn ich alle ChickLits und erotischen Romane, bzw. Finanzbücher annehme, käme ich mit meiner Leseliste in arge Turbulenzen, aber einiges habe ich davon im letzten Jahr gelesen und es war auch sehr interessant.

Jetzt kommt auch bald Ostern und da werde ich hoffentlich einiges vom Harlander Bücherstapel hinunterlesen, bei einem bin ich gerade dabei und sollte damit demnächst in die Badewanne marschieren und dann fahren wir baldwieder ein paar Tage nach Ungarn und da nehme ich ja immer Bücher ungarischer Autoren mit, die auf meine Liste stehen.

Es gibt also sehr viel zu lesen und am gestrigen Indie Tag, bin ich, ich gestehe es, in keine Buchhandlung gegangen und habe mir ein schönes Buch gekauft, nur kurz daran gedacht in den “Schubert” zu schauen und danach zu fragen, was er mir empfehlen könne?

Ich habe es aus Angst “Was wo wie Indies?”, vielleicht zu hören, nicht getan und auf der entsprechenden Facebookseite auch gelesen, das manchen Leuten das passiert ist, daß die Lieblingsbuchhänder, keine Indie-Bücher hatten.

Aber man kann sie sich natürlich bestellen und “Jung und Jung” hat, glaube ich, auch gepostet, daß man seine Bücher das ganze Jahr kaufen könne und da ist auch gestern zufällig die Besprechung von Olga Flors neuem Buch auf meiner  Seite erschienen, also  ein kleiner Beitrag,  auch wenn ich mir das Buch nicht gekauft habe.

Unterwerfung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:41

Auf Michel Houeelbecqs  neuen Roman “Unterwerfung”, der die Zeit eines Frankreichs in naher Zukunft nach der Machtübernahme durch die muslimische Bruderschaft schildert, bin ich kurz nach den Attentaten in Paris im Jänner aufmerksam geworden und habe ihn am zwölften Februar, als ich schon für mein neues Romanprojekt recherchiertre, bei “Morawa” etwa zwei Stunden in der Hand gehalten, durchgeblättert und mir sogar ein paar Sätze in eines meiner kleinen roten Heftchen hinausgeschrieben, aber dadurch bekommt man natürlich nicht das ganze Buch mit und so habe ich es mir vom Alfred vor ein paar Wochen kaufen lassen und es auch nach Leipzig mitgenommen und zu Ende gelesen.

Ein sehr interessantes Buch, mit einem sehr brissanten Thema, des französischen Kultautors, der 1958 geboren, mit seinen  “Elementarteilchen” berühmt geworden ist, der zufällig oder nicht, ein Thema, das uns derzeit alle ja wahrscheinlich sowohl traumatisiert, als auch bewegt, erwischt hat, so habe ich, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, auf der Rückfahrt von Leipzig, in Radio Bayern, glaube ich, auch eine derzeit aktuelle Debatte über das Kopftuchverbot an deutschen Schulen, gehört.

“Man kann diesen Roman kaum aus der Hand legen”, schreibt Sandra Kegel, die neue Bachmannpreisjurorin und die des “Leipziger Buchpreises” auch am Buchrücken und die Geschichte des Literaturwissenschaftler Francois, der wahrscheinlich ungefähr so alt, wie sein Autor, über den französischen Romancier Joris-Karl Huysmas forscht, 1848-1907, ist auch sehr  packend, obwohl und da kommt gleich meine feministische Kritik, wieder ein Buch, aus der Sicht eines männlichen Autors, denn dieser Ich-Erzähler, ich weiß jetzt gar nicht, hat er auch einen Nachnamen, ist sehr Sexbesessen.

Er hat über Joris-Karl Huysmas, seine Dissertation oder Habilitation geschrieben und ist nun Professor an der Sorbonne, das heißt er geht Mittwochs an die Uni, hält da seine Vorlesungen vor jungen, desinteressierten Japanerinnen, die in ihre Handies gucken, geht dann mit einem Kollegen essen, hält ein Dissertantenseminar und Freundinnen hat er auch jede Menge.

Meistens Studentinnen, die ihm am Ende des Studienjahrs verlassen, zu Beginn des Buches, ist das gerade Miriam und das Buch beginnt in der Zeit, des Wahlkampfes, wo der muslimische Kanditat gerade dabei ist, die Wahl zu gewinnen und Präsident Frankreichs zu werden.

Sehr eindrücklich und auch ein wenig zynisch erzählt, der Hochschullehrer, der auch sehr viel dem Alkohol zuspricht, diese Geschichte, erzählt sein Leben, wie er sich am Abend asiatische oder andere Fertiggerichte aufwärmt und dabei die neuesten Nachrichten im Fernsehen sieht. Als die Wahl gewonnen wird, flüchtet er aufs Land, kommt dann aber wieder nach Paris zurück, erfährt von Miriams Emigration nach Israel, die ihn noch einige Mails schreibt und ihn dann verläßt, er verliert auch seinen Posten auf der Uni, weil dort nur mehr muslimische Lehrer akzeptiert werden, die Frauen beginnen sich zu verschleiern und er wird schließlich von dem inzwischen zum Islam konvertierten neuen Hochschuldirektor, die vorigen Direktorin, wurde natürlich entlassen, zurückgeholt. Das heiß er kann wieder unterrichten, wenn er  Muslim wird, dann kann er aber auch eine Zweit oder eine Drittfrau haben.

“Ähnlich, wie es mein Vater einige Jahre zuvor erlebt hatte, würde sich mir eine neue Chance bieten, es wäre die Chance auf ein zweites Leben, das nicht besonders viel mit dem vorigen gemein haben würden. Ich hätte nichts zu bereuren”, lauten die letzten Sätze, dieser Utopie, die alles offen läßt, vorher versucht sich Francois noch mit einigen Parallelen, zu dem mir bisher unbekannten “dekatenten Schriftsteller”, wie im Klappentext steht, er geht zum Beispiel in das Kloster, in das sich der zurückgezogen hat und  besucht verschiedene katholische Kultstätten.

Ein interessantes Buch, das den Zeitgeist wahrscheinlich trifft und zum Nachdenken anregt. Um es wirklich ganz zu verstehen, müßte ich mich wahrscheinlich mehr in die französische Literaturgeschichte, in die Welt Zolas, Mallames, etc, einlesen, es ist aber auch eine spannende, wenn auch etwas zynische Schilderung, des heutigen Frankreichs, mit seinen Unruhen und Terroranschlägen.

Wie schon beschrieben, das geschilderte Frauen bzw. Männerbild gefällt mir nicht sehr.

Die Beschreibung der verschleierten Studentinnen in den Burkas, die diese Literaturprofessoren als Studentinnen haben, habe ich als sehr spannend empfunden, wie weit es Utopie oder schon realistisch ist, kann ich nicht ganz einschätzen, aber, das habe ich auch schon geschrieben, ich würde gerne einen so flüßigen Roman, mit der “Bibliophilin” zusammen bringen, jetzt wo ich ihn gelesen habe, erscheint mir der Roman  vielleicht nicht mehr ganz so logisch, so habe ich die Flucht während des Wahlkampfes nicht ganz nachvollziehen können, kehrt der Held, nach dem er mit dem Gattin, seiner ehemaligen Kollegin, einen Geheimdienstler, der auch in die Pension geschickt wurde, gesprochen hat, ja wieder zurück, bekommt auch seine Pension, bzw. kämpft er mit der Sozialversicherung, besucht einige Escortdienste, wo er von jungen, (wahrscheinlich verschleierten) Musliminnen, exezellent, betreut wird und wird wahrscheinlich in der nicht so fernen Zukunft ein überzeugter Moslem, um zu seinen verschleierten Zweit oder Drittfrau zu kommen.

Ein Machowunschbild könnte man so sagen, aber auch ein Buch, das den Nerv der Zeit trifft und über das man sicher diskutieren kann.

2015-03-21

Fortgesetzer Störungsbericht

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 23:38
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Für den der wissen will, wie es mit meiner Schreibeuphorie vom vorletzten Sonntag, siebzehn Szenen, dreiundfünfzig Seiten und 25.752 Worte weitergegangen ist, kommt jetzt wieder ein Schreibbericht, der eigentlich keiner ist, denn es ist nichts weitergegangen und ich weiß auch nicht, wieviele Szenen, Seiten und Worte ich jetzt wirklich habe, denn am 6.3. ist ja mein Drucker eingegangen, beziehungsweise die Wanne, wo der Toner abfließt oder wie das heißt, voll geworden, ich brauche eine Neue und die Lieferung dauert wieder vierzehn Tage und da habe ich dann, weil ich den Resttoner ja für meine Befunde brauchte, nichts mehr ausgedruckt, so daß ich das, was ich auf Papier nachlesen kann, auf acht Szenen und siebenundzwanzig Seiten beschränkt.

Ist ja nicht so schlimm, könnte man meinen, denn der Idealzustand ist  ohnehin das papierlose Büro und ich habe am 8. 3. auch geschrieben und geschrieben und das mit dem Nichtausdrucken können war mir  egal.

Eigentlich habe ich schon damals den bisherigen Rohtext durchkorrigieren wollen, um den weiteren Handlungsfortgang zu bestimmen, an diesen Sonntag ist es aber nicht dazu gekommen und am Montag und am Dienstag war ich mit meiner Praxis so beschäftigt und bin nicht zum Weiterschreiben gekommen.

Am Mittwoch darauf bin ich dann mit dem Houellebecq nach Leipzig gefahren, das schwarze Notizbuch, wo es schon Einträge bis zu einer Szene 22 gibt, habe ich mitgenommen, die siebenundzwanzig Rohseiten nicht und auch nicht den Laptop, was ich später zwar etwas bereute, denn in der Bloggerlounge oder bei den Hundertmarks hätte ich ja bloggen können, aber auf einer Buchmesse weiterschreiben bringe nicht einmal ich zusammen.

Den Houllebecq habe ich auf der Rückfahrt ausgelesen und Montagabend in Wien natürlich als erstes den Messebericht gebloggt und da als  kleine Erinnerung, ich bloggte zwar schon wieder auf meinem Laptop, aber der neue Lüfter war noch immer nicht da, der Techniker von der Firma Comparex hat ihn mir zwar am Aschermittwoch durchgeblasen, so daß er an sich funktionierte, aber immer wieder abstürzte und auch keine Updates möglich waren, so daß ich noch immer nicht abrechnen kann.

Dann ist mir das Gerät noch irgendwann hinuntergefallen bin und so hatte ich Montagabend, während des Messeberichts wieder einen “Fan Error”,  auf Alfreds Computer weitergebloggt und mich damit getröstet, daß es so ohnehin geht, zwar kein Ton zum Videoschauen und in meinen Textordner kann ich auch nicht, aber sowohl der Druckerersatzteil, als auch der Lüfter sind angeblich schon da und können am Montag abgeholt und eingebaut werden und zum Weiterschreiben bin ich vorerst ohnehin gekommen, weil der Rest der Woche wieder Praxisbetrieb.

Als wir gestern über Krems nach Harland fuhren, habe ich mir aber alles vorsorglich mitgenommen und am Abend zuerst meinen Bericht über “April in Stein” ergänzt und dann war die große rote Tasche der Turkish Airlines, die ich am Montag, als wir  in Harland einen Zwischenstop machten, einfach im Wohnzimmer auf dem Servierwagen vor den  fast leeren Bücherregalen abgestellt habe, auszuräumen und die neuen Bücher  einzutragen, was aber nur bezüglich Leseliste, nicht aber in den Bibliothekskatalog ging.

Am Samstag das übliche Programm, mit dem Rad zum Markt, dort Würstl essen und dann zum Tschibo auf einen Kaffee und nach dem Mittagsschlaf habe ich getrödelt und getrödelt, weil ich eigentlich weiterschreiben wollte, aber offenbar aus der Schreibeuphorie herausgekommen, zudem kamen in der letzten Zeit  einige Kommentare,  die sich auf meine unliterarische Rechtschreibung bezogen, die mich natürlich betroffen machten, obwohl ich eigentlich, ganz ehrlich, das nicht so schlimm finde.

Die anderen aber offenbar schon und wenn man immer wieder hört, daß das, was man tut, nichts mit Literatur zu tun hat, aber gut, egal, ich tue, was ich kann, hole meine Notizen herbei und blättere meine Seiten durch, um den Anschluß zu finden, was aber, wie gleich die Schockmeldung kommt, nicht geht, ich kann nicht weiterschreiben, weil ich im Augenblick eigentlich gar nicht genau weiß, wo ich stehe und das Ganze, was ich nicht kann, zuerst einmal durchkorrigieren oder zumindestens ansehen sollte…

Aber jetzt habe ich ohnehin einige Stunden Pause gemacht und bin mit dem Alfred in der “Bühne am Hof” gewesen, um mir den Protestsänger Hans Söllner anzuhören und morgen werden wir nicht nur in den Donaugasthof in Traismauer Mittagessen fahren, sondern ich muß auch schauen mit Martin Walsers “Ein liebender Mann” fertigzuwerden, denn meine Leseliste hat sich wieder um ein paar Rezensionsexemplare vergrößert,  hat mir jetzt auch “Picus” drei wahrscheinlich schöne Bücher, darunter  Harald Darers “Herzkörper”, geschickt, so daß ich morgen wahrscheinlich ohnehin nicht zum Weiterschreiben komme und daher vielleicht ruhiger auf die nächste Woche,  wo ich den Text hoffentlich wieder ausdrucken kann, warten werde.

Ich in Gelb

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37
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Die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Autorin, Olga Flor, die Physik studierte, 2012 den “Wildgans”, 2014 den ersten “Veza Canetti-Preis” bekam und im vorigen Jahr das zweite Mal in Klagenfurt gelesen hat, ist, wie in ihren Biografien steht, eine politische Autorin und das ist auch in ihrem neuen,  bei “Jung und Jung” erschienenen Roman “Ich in Gelb”, mit blauem Cover und der Abbildung eines roten Glasmodell einer Qualle aus dem naturhistorischen Museum zu merken und hat bei ihren Romanen, da gibt es schon einige, aus “Kollateralschaden”, nominiert für den dBP und “Die Königin ist tot” habe ich sie lesen gehört, einen frischen neuen Ton und die Physikerin in ihr, merke ich flapsig an, macht das Ganze auch noch sehr kompliziert.

Es geht um eine Modebloggerin, um Alice (Wahrscheinlich nicht aus dem Wunderland, obwohl die Rezensenten  darauf anspringen werden oder doch vielleicht, ist unsere schöne neue Welt höchstwahrscheinlich eine solche), zwischen dreizehn und vierzehn Jahre alt, man sieht Olga Flor begbt sich in unbekannte Gefilde, aber  ein Jugendbuch ist der Roman nicht, hat es geschafft, sich einen Namen als Modebloggerin zu machen, so daß sie schon mit Klagen bedroht wird und in Amerika aussagen soll, die tolerante Mutter unterstützt und tröstet mit “Wir haben eh eine Rechtsschutzversicherung!”

Beim Bloggen nennt sie sich next girl, wie das in der schönen neuen zweiten Welt so ist und das Ganze wird, wie ich dem Klappentext entnehme, in “Kurztexten, Kommentaren, Links und Bildern zu einem engmaschingen Netz verknüpft”.

So ganz hätte ich das gar nicht so empfunden, wird ja doch zum größten Teil der Reihe nach erzählt oder halt, der Reihe nach nicht, sondern, wie es sich in der neuen Wunderwelt vielleicht so gehört, von hinten nach vorn und von dort zurück, deshalb habe den im Text angekündigten “Knalleffekt” vielleicht versäumt und kann hier mit meiner inzwischen auch schon sechseinhalbjährigen Bloggerinnenfahrung und rund 2165 Posts, nur das wiedergeben, was ich verstanden habe.

Es gibt also im Naturhistorischen Museum ein großes Event, der geniale Modeschöpfer Josef scheint hier eines seiner Models in einen Fisch zu verwandeln und unsere Bloggerin, ein Scheidungskind, mit einer toleranten Anästhesistinmutter und einem Vater, der zufälligerweise als prekär beschäftiger Wissenschafter in diesen Museum arbeitet, die Tochter nennt ihn frech Museumswärter,  läßt sich von ihm in dieses Event hineinschmuggeln.

Das war am 12. 12. und der Knalleffekt ist wohl das Model Bianca, das einen Wurmforsatz in sich trägt, wegen ihrer Allergien zuviel Wurmpulver genommen hat, deshalb einen Wurm gebiert oder ist sie vielleicht doch von Assistenten Eddie schwanger, aber das kann auch nicht sein, ist die Modelwelt, wie man quasi als Nebeneffekt aus dem Buch erfährt, doch sehr hart und rau, es gibt zwar Gewichtskontrollen, um der bösen Presse nachzuweisen, daß das mit den Hungermodels nur Chimäre ist, aber dann trinken die halt ein paar Liter Wasser, damit das Gewicht wieder stimmt und werden, das hat die Bloggerin durchgestrichen von ihren Schulden so erschlagen, es weren ihnen die Castingkosten verrechnet, die sie dann abarbeiten müssen und sind sie zu dick oder haben einen Pickel auf der Stirn, werden sie gefeuert und müssen ihre verbliebenen Schulden woanders abarbeiten, daß sie sich nicht wehren können.

Es geht auch um den Mißbrauch, den diese jungen Models, bei den meist älteren genialen Modeschöpfern, Assistenten, etc ausgesetzt sind.

Next girl deckt das locker flapsig auf und wird dadurch mit den schon erwähnten Klagen bedroht, auch zum Schulpsychologen geschickt und hat sich dann, was ich, die ich ja selber solche Test durchführe, besonders reizend finde, sich mit Satzergänzungen herumzuschlagen, “Was mich ärgert…Schulpsychologinnen”, beispielsweise.

Sie ist, wie erwähnt ein Scheidungskind, der Vater hat die Mutter wegen einem Mann verlassen und das Elend der jungen überforderten Jugend in der neuen geilen Computerwelt läßt sie Olga Flor bloggen und hat dabei, auch das habe ich schon erwähnt, eine wirklich frische Sprache, so daß man vielleicht gar nicht so schnell begreift, daß man den Inhalt der flotten Geschichte nicht ganz verstanden hat.

Aber das war sicher Absicht, denn unsere Welt ist ja erstens sehr kompliziert und zweitens hat man und davon kann auch die Literaturgeflüsterbloggerin erzählen, mit einem linear von vorn nach hinten erzählten realistischen Roman keine Chance mehr im Literaturbetrieb und wenn er noch so politisch ist.

Ich weiß auch nicht, ob sich die Welt der Modebloggerinnen wirklich so abspielt und, ob ein Modeblog so aussieht, wie er in dem Roman geschildert wird, lese ich ja keine solchen und die Literaturblogs, die ich lese, sind sehr verschieden.

Olga Flor hat indessen auf ihrer Seite  einen Blog eingerichtet, wo man wahrscheinlich etwas über ihr Buch erfahren kann und nennt ihn “dasistkeinblog.com” und das Buch endet am 11.11. mit den Worten “Das ist kein Blog. Das oder der ist überhaupt die Frage. Muss man sich bei allem festlegen?”

Da füge ich noch einmal frech hinzu, daß es für mich selbstverständlich der Blog heißt und, daß ganz hinten einen Bildnachweis zu in dem Buch abgebildeten Objekten gibt, die sowohl aus dem Internet, aus verschiedenen Museen oder von Fotos der Autorin stammen.

Eine Danksagung gibt es auch, Olga Flor hat viel bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern des naturhistorischen Museums recherchiert und sich von dem kritischen Model Cordula Reyer beraten lassen und ich denke abschließend, daß der politische Blick in die scheußlich schöne Modelwelt und das harte Aufwachsen der Deizehn bis Vierzehnjährigen zwischen Magersucht, Bingeeating und Schulpsychologinnen in dieser neuen freche Sprache sehr  interessant war, auch wenn uns Olga Flor am Ende einen Bären aufgebunden hat und es kein Blog war, den sie uns da auf zweihundertneun Seiten präsentierte, sondern ein zeitgenößischer Roman,  aber das steht ja auch in dem Buch geschrieben.

Das Buch ist, glaube ich, auch zum heutigen “Indie-Book-Day”, wo man in eine Buchhandlung gehen und sich ein Buch aus den unabhänigen Verlagen kaufen und auf seiner Seite posten soll, sehr zu empfehlen, obwohl ich es nicht gekauft habe.

2015-03-20

April in Stein

Wolfgang Derler, Robert Streibel, Barbara Rett, Michael Schwanda

Wolfgang Derler, Robert Streibel, Barbara Rett, Michael Schwanda

Den Historiker und Leiter der VHS Hietzing,Robert Streibel, kenne ich, glaube ich, von einigen Exil-Literaturveranstaltungen, habe ihn bei der letzten Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte in der WU gehört und er hat auch einmal im Kremser Literaturhaus anläßlich einer Kramer-Preisverleihung einen Vortrag über einen Widerstandskämpfer gehalten, nach dem in Stein eine Straße benannt ist, nun hat er ein Buch über das Häftlingsmassaker, das am 6. April 1945 in der Justizstrafanstalt Krems/Stein stattgefunden hat, geschrieben, das vor kurzem bei “Residenz” erschien und heute in der Alten Klosterkirche der Justizanstalt vorgestellt wurde.

In dem Vorwort beschreibt der Historiker, der in Krems aufgewachsen ist, zwei Erlebnisse, die ihn, den 1959 geborenen mit der NS-Zeit verbinden.

Zu Beginn, 1938 wurde der jüdische Rechtsanwalt Dr. Brüll, bei dem Streibels Großmutter Hausgehilfin war, vor seiner Praxis zusammengeschlagen und das Kind oder der Jugendliche ging jeden Tag am Schulweg vor dem Haus vorbei und am Ende im April 19445 fand dieses Häftlingsmassaker statt, daß sein Vater als Dreizehnjähriger miterlebte und offenbar auch dabei war, als einer der Häftlinge erschlagen wurde.

Jedenfalls schildert Robert Streibel in seinem Dokumentarroman, zu dem der von Erich Hackl ermuntert wurde und der auf Interviews passiert, die er mit Zeitzeugen, die davon betroffen waren, führte, den dreizehnjährigen Josef Streit, Namen sind,  steht  in dem Vorwort zum Großteil abgeändert, Sohn einer Tabakarbeiterin, der in einer Traumwelt des Comichelden Rolf Torring lebt, Lebensmittel klaut, von einer Patronenkugel verwundet , aber auch Zeuge wird, wie einer der Häftlinge auf der Straße angeschossen wird und verblutet.

Barbara Rett, Robert Streibel und Vater

Barbara Rett, Robert Streibel und Vater

Was ist passiert?

In der Justizanstalt Stein, waren in der NS-Zeit, sowohl normale Gesetzesbrecher, als auch Kommunisten, Widerstandskämpfer, etc, inhaftiert.

Am 6. April, als der Krieg schon verloren und die Russen nahen, bekam der Gefängnisdirektor einen Befehl, alle Gefangenen freizulassen, was zu einem Massaker führte, weil sowohl die SS, die SA, aber auch die Bevölkerung, Jagd auf die Entlassenen machte und fast dreihundert Personen dabei ums Leben kamen.

Robert Streibel versuchte nun aus seinem Interviewmaterial, wie auch vor drei Jahren Manfred Wieninger, einen Dokumentationsroman zu machen, in dem er die Geschichte der einzelnen Gefangenen in zweiundfünfzig Kapitel, die spannende narratrive Überschriften haben, erzählt.

Da gibt es den dreizehnjährigen Josef, der mit seinem Freund den Kriegsalltag erlebt, es gibt Szenen, wo die Gefangenen, aber auch die Wächter und alle anderen, bei einem Eisenbahnzug liegen, wo aus einem Waggon Wein fließt und sich betrinken, Schokolade wird gestohlen und Fleisch von einem toten Pferd herausgeschnitten.

Griechische Häftlinge bzw. Zwangsarbeiter gibt es auch und die Geschichte von einem Lied aus dem Zigeunerbaron, das immer für einen Häftling vor dem Gefängnis gesungen wurde, damit er sich nicht alleine fühlt.

20150320-192740

Der Gefängnisdirektor und einige Angestellten wurden nach dem Massaker exekutiert, einige Häftlinge sind in Hadersdorf erschossen worden, anderen ist die Flucht gelungen.

Einer der griechischen Häftlinge ist nach dem Krieg in Krems geblieben und Robert Streibel schildert fiktiv, daß er auf einer Bank beim Friedhof saß und mit einem der  Verantwortlichen des Massakers, der sich 1995 vor dem Massengrab, der 386 Toten erschossen hat, ein Gespräch führte.

Im Anhang gibt es ein Personenverzeichnis, das die Lebensläufe, der in dem Buch vorkommenden Personen schildert. Ein Glossar gibt es auch und in der Galerie Kultur Mitte, in der wir auch schon einige Male waren, wird am zehnten April die Ausstellung “Stein 1945″ eröffnet.

Am Abend ging es dann in die Steiner Landstraße, wo die Strafanstalt, bzw. die alte Kirche, genau gegenüber dem niederösterreichischen Literaturhaus gelegen ist und ich habe diese Kirche, obwohl ich schon einige Male im Niederösterreichischen Literaturhaus war, noch nie gesehen.

Es gab aber eine Tafel, die auf die Veranstaltung hinwies und im Foyer standen Justizwachebeamten in blauen Uniformen, die mich sowohl an die Bahn, als auch an den ersten Weltkrieg erinnerten, hakten die Namen ab und man konnte  in die Kirche, wo mich sogleich Barbara Rett, die Ohrenschmaus-Moderatorin, die diesen Abend moderierte, begrüßte.

Ziemlich vorne eine Platz gefunden und vorher noch den Chef der Galerie “Wien Mitte” begrüßt, den ich oder er mich nach  Ruth Aspöck fragte, die am Mittwoch die Präsentation ihres neuen Buches in der Hauptbücherei hat und einige Reihen vor mir, saß Jessica Beer, nun Lektorin bei “Residenz”, die früher das Veranstaltungsprogramm der Hauptbücherei organisierte und einmal auch in der Jury beim “Alpha” war.

Claudia Romeda war da, saß später am Podium und die habe ich am Donnerstag im Literaturhaus gesehen und eine Woche vorher in Leipzig beim Österreich-Empfang und ich bin mir auch nicht sicher, ob wir nicht am Morgen in derselben Straßenbahn zur Messe gefahren sind.

Die Veranstaltung begann ziemlich ungewöhnlich ohne Einleitung oder Begrüßung mit einer Lesung aus dem Buch von Robert Streibel, dann trat erst Barbara Rett nach vorn und bat die Eingeladenen auf das Podium, die da waren Michael Schwander vom Bundesministerium für Justiz,  Wolfgang Derler, Vizebürgermeister von Krems, Bruno Sladek, Leiter der  Justizanstalt und Claudia Romeder vom “Residenz-Verlag”.

Die Diskussion geriet dann meiner Meinung nach etwas durcheinander, da sich der Bauftragte vom Justizministerium mehr auf die Gegenwart bezog und von der Justiz als dritte Exekutivgewalt des Staates sprach, deren Aufgabe es ist vom gestern in die Gegenwart zu kommen, um damit für die Zukunft zu sorgen, Sätze, die wie aus einem Schulungsseminar klangen und  auch kurz die Aufgaben der Justiz und die Trainingsmethoden der Beamten schilderte, damit diese ihre schweren Aufgaben nachkommen können.

Dann ging es wieder in die Vergangenheit, nämlich zu den Zeitzeugen, so begrüßte Barbara Rett, Robert Streibels Vater, jenen Josef Streit, von dem Robert Streibel nicht mehr wußte, ob er als Dreizehnjähriger wirklich geraucht hat, wie er es ihm andichtete.

Barbara Rett fragte danach, der Vater verweigerte die Antwort, natürlich, da er damit heute ja krimilisiert wäre und erzählte von seinen Gefühlen, die er  als Jugendlicher hatte, zwei andere Herren waren auch noch da, Sohn, bzw. Enkel eines Betroffenen,  die berichteten, daß es die Stadt Hadersdorf immer noch nicht geschafft hat, eine Gedenktafel für die einundsechzig Erschossenen anzubringen.

Der Enkel hielt auch ein Plädoyer auf die Menschlichkeit, die er sich für die Zukunft wünschte, der sich Barbara Rett anschloß, so endete der zweite Lesungsteil von Robert Streibel auch mit keinem Applaus, sondern mit einer Schweigeminute des Gedenkens an die bei dem Massaker umgekommenen.

Dann gab es aber Wein und Brötchen, Gespräche und die Möglichkeit sich das Buch zu kaufen.

Ich habe meines mitgebracht, da ich die ausgelesenen Bücher in das neue Regal in Harland stelle, so daß ich, was ich nur sehr selten tue, die Gelegenheit benützte, mir das Buch signieren zu lassen und da die Ausstellung zu “Stein 1945″ zeitgleich mit der “Literatur und Wein”, wo der Alfred wieder Karten kaufte, fällt, können wir sie uns wahrscheinlich am Sonntag ansehen, beziehungsweise an der Kranzniederlegung am Steiner Friedhof, wo sich einer der Mitverantwortlichen 1995 erschossen hat, teilnehmen.

Robert Streibel wird im April, glaube ich, gemeinsam mit Erich Hackl in der “Alten Schmiede” auftreten und da wäre es interessant zu vergleichen, über den Unterschied von Dokumentation und Fiktion wurde heute aber auch gesprochen.

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