Literaturgefluester

2015-07-05

Neununddreißigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb — jancak @ 11:45
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Am Mittwochabend begann in Klagenfurt wieder das Bachmannlesen oder wie es richtiger heißt, die “Tage der deutschsprachigen Literatur” und ich bei der Eröffnung wieder per live stream dabei, obwohl es diesmal etwas schwierig war, weil erst mit einer Verspätung begonnen. Dann begannen in dem Raum mit dem kargen weißen Bühnenbild, “Es kommen härtere Zeiten!”, sollte etwas später die Frau Direktor mit Ingeborg Bachmann den Sparkurs zitieren, die Cellistin Asia Valcic und der Akkordeonist Klaus Paier zu spielen. Christian Ankowitsch moderierte und versprach sich vermehrmals dabei, interviewte aber wieder die Politiker, es gibt eine neue Bürgermeisterin und die Sponsoren, fragte sie nach ihren Lieblingsbüchern und ließ sich von ihnen bestätigen, daß Literatur und Kultur, auch in Zeiten wie diesen, sehr sehr wichtig sei, so wurde am Buffet eingespart, wie die Frau Direktor betonte, was Wolfgang Tischer vom Literaturcafe, der schon zwei Podcats zeigte,  freuen wird, aber auch an einen Preis, den “Ernst Willner-Preis”, den die Verlage früher stifteten, gibt es nicht mehr und nach den Eröffnungsreden mit den teilweisen neuen Gesichtern, marschierte die Jury ein, die auch drei neue Mitglieder und einen neuen Vorsitzenden hat. Hubert Winkels hielt so zum ersten Mal die Eröffnungsrede und zählte auf, wie oft er schon dabei war, einundzwanzig Mal, glaube ich und er erzählte auch, was sonst immer ich tue, daß sich das Verständnis des Preises im Laufe der Jahre geändert hat. Am Anfang gab es großen Widerstand der österreichischen Autorenschaft vor der öffentlichen Vorführuung, jetzt ist der Preis den Leuten schon zu zahm, aber das könnte sich bei der Frauenpower und den Performancern die heuer antreten, vielleicht ändern und so wurde dann auch ausgelost und die Reihenfolge bestimmt. Erst dann kam Peter Wawerzinek, der Bachmannpreisträger von 2010 mit seiner Eröffnungsrede “Tinte kleckst nun mal”, die es auch als schön gebundenes Heftchen gibt und in der er sich als Wahl-Klagenfurter outete, beziehungsweise seine literarische Selbstdarstellung dort ansiedelte. So hat er zweimal dort gelesen, einmal 1991 das zweite Mal hat er nicht nur den “Bachmannpreis” sondern auch den Publkumspreis gewonnen, war also Stadtschreiber und Seeschreiber am Wolfgangssee war er auch, also schon ein halber Österreicher, der Rostocker mit dem polnischen Namen, der auf Deutsch Seidelbast bedeutete. Eine sehr lustige Rede, die vom Publikum sehr belacht wurde und eine reine Selbstdarstellung, während sich ja andere in früheren Jahren eine Bibliothek für Klagenfurt wünschten oder über MRR herzogen und am Donnerstag ginges um zehn mit der ersten Lesung der 1971 in Moskau geborenen und seit 1979 in Deutschland leben Katerina Poladjan weiter, die auch eine zweisprache Identität aufzuweisen hat. Der Text war ein Ausschnitt aus dem demnächst erscheinenden dritten Roman “Es ist weit  bis Marseille”, leider hat es eine Weile gedauert, bis der Text im Internet abrufbar war, was die Bachmann Twitterer auch sehr urgierten und die Geschichte von einem Mann, der sich in der Nacht in einem Bett mit einer Frau in einem Hotel befindet, am Morgen ist die Frau und das Auto verschwunden und er beegibt sich auf einen Berg hinauf, obwohl er ja eigentlich nach Marseille will, wurde von der Jury, in der ja heuer Klaus Kastberger, Sandra Kegel und Stefan Gmünder neu sind, kontrovers diskutiert. Dann wurde es spannend, nämlich ein One Woman Kabarett und die 1980 geborene und in Bamberg lebende Nora Gomringer  habe ich ja schon in Wien und in Göttweig gehört “Recherche” hieß der Text, in der eine Nora Bossong, das ist eine 1982 in Bremen geborene Autorin, ein Haus besucht, um über den Tod eines verunglückten Jungen zu recherchieren und die Bewohner zu befragen. Franz Werfel kommt dabei vor und auch der CoPilot der vor ein paar Monaten sich selbst und noch die anderen sich im Flugzeug befindenen Seelen  in den Tod riß, Klaus Kastberger gab bei der Diskussion eine grandiose Zusammenfassung, daß der Text für den Sieg konstruiert wäre und alle dabei zu Mitspielern machte, Nora Gomringer ist am Schluß sehr bejubelt worden, was ich nicht ganz verstanden habe, was aber daran liegen kann, daß ich inzwischen Buzzaldrin auf ihren Beitrag warum sie “Blogs mag” kommentierte, denn die Diskussion, daß Blogs schlecht sind, weil sich die Bloggerinnen mit Kaffee und Kuchen und den Büchern präsentieren und wenig kritisieren,  dafür eine Komfortzone schaffe, geht weiter und in Klagenfurt ist es mit Saskia Hennig von Lange weitergegangen, die, wie die Twitterer vermeldeten, es schwer hatte, denn eine ruhige junge Frau mit einem ruhigen Text, in dem ein Mann oder eine Frau, das war nicht so ganz klar, in einem Lastwagen sitzt, die Autobahn hinunterrollt und dabei über das Leben und das Kind, das man bekommen soll und  nicht mag, resumiert. Dann ging es in die Pause, beziehungsweise zu Zitha Bereuther in den Garten und die empfing den Wahlösterreicher Peter Wawerzinek, unterhielt sich mit ihm und zeigte dabei das Musilhaus, das Klagenfurter Literaturmuseum, das sowohl dem Dichter Musil, der dort, glaube ich, geboren wurde, als auch der berühmten Bachmann und Christine Lavant, die diese Woche hundert werden würde, gewidmet ist. Dann ging es zu der derzeitigen Stadtschreiberin Gertraud Klemm, die, wenn ihre Facebookseite nicht trügt, gar nicht in Klagenfurt ist, sondern gestern in Hamburg gelesen hat, weiter und ein Kunstmuseum  und das, das in Griffen dem anderen großen Kärntner Peter Handke gewidmet ist, wurde auch gezeigt. Cornelia Travnicek, die 2012 den Publikumspreis gewonnen hat, 2013 Stadtschreiberin war, deren Roman “Chucks” verfilmt wurde und deren zweiter Roman “Junge Hunde”, demnächst erscheint, einen Ausschnitt daraus, hat sie 2012 gelesen, war aber in Klagenfurt und wurde zusammen mit Katharina Podjadan am Nachmittag von Zita Bereuther inerviewt, sie twittert auch eifrig und hat die gestrigen Aufstrichbrote beim Sparbuffet bemängelt. Aber erst ging es zu den nächsten Lesung und da war um halb zwei Sven Recker, ein mir bisher unbekannter Deutscher dran, der wahrscheinlich nicht gewinnen wird, aber dessen Text, der sowohl in der Psychiatrie, als auch im Arbeitsamt, bzw. bei den dort angebotetenen Jobkursen spielt, hat mir naturgemäß sehr gut gefallen und auf Valerie Fritsch, die ich ja sozusagen in meiner “Literaturgeflüsterzeit” neben Anna Weidenholzer und Cornelia Travnicek entdecken konnte, war ich sehr gespannt, weil ich wissen wollte, wie die junge Frau mit der dünnen Stimme und der seltsamen monotonen Sprechweise in ihrer hochliterarischen Art ankommen würde? Nun sie ist angekommen, die Twitterer haben über die Sprechweise gelästert und bemängelt, daß der Text erst abrufbarwar, als sie schon fast fertig gelesen hat. “Hallo Herr Ankowitsch, als wichtigter Mann bei den tddl können Se bestimmt befehlen, daß die Texte pünktlich online gestellt werden”, und der hieß  “Das Bein” und handelte in der bekannten Fritschen  Art von einem Mann der im Sommer sein Bein verloren hat und sich im Winter darauf erschießt”. “Winters Garten” könnte man vermuten, wird aber nicht so sein, denn der Roman ist ja schon erschienen. Die Jury war überzeugt und auch die, die, wie Hubert Winkels kritisieren wollten, hatten eigentlich keinen Einwand, obwohl die Twitterer “O weh der Jury gefällt dieser schwülstige Bein ab Text” mokierten, ein Urteil dem ich mich ein klein bißchen anschließen kann, obwohl ich Valerie Fritsch, wie schon oft geschrieben für sehr begabt halte. Am Freitag ging es dann mit dem 1967 in Klagenfurt geborenen Peter Truschner, dier in Berlin lebt und schon einmal auf der dBp-Longlist stand mit “RLT-Reptil weiter. Ein sehr realistischer Text der von Mülltonnen, Sozialschmarotzern und Handies handelt, obwohl das Vorstellungsvideo viel Körperlichkeit des feschen Mannes im schwarzen T-Shirt aufwies. Um illegalen Spielschulden und Errektionen geht es dabei auch. Schließlich wird noch eingebrochen und eine alte Frau umgebracht. Ein Text der mir wegen seines Realismus gefällt, aber doch auch ein wenig zu männlich und gewalttätig ist und von der Jury auch sehr zerpflückt wurde. Dann folgte Michaela FALKNER deren Buch ich gelesen habe und die ich auch in der BIM, bei der Hörspielnacht und im MUSA hört mit ihrem Manisfest 47 “Krieger sein Bruder” sein, in dem es in gewohnt FALKNERISCHER Manier das Töten und das Auspucken von Kirschenkerne ging. Der Schweizer Tim Krohn folgte mit einem Auszug aus seinem Roman zum Paradies, in dem um Adam und Eva und ebenfalls um das Töten von Tieren, als Rechtgertigung des Menschentums ging. Nach der Pause in der zuerst über Christine Lavant und dann über den Poetry Slam diskutiert wurde, ging es mit der 1972 in Zürich geborenen Schauspielerin Monique Switters weiter. Dazwischen habe ich noch auf Wolfgang Tischers “Literaturcafe” für Klaus Kastberger als besten Kritiker abgestimmt und das damit begründet, daß er uns allen auf nonchalanter Weise das Wesen der Literatur erklärt. “Esche” heißt der Switters Text, in dem es um einen Beziehungsreigen, Gräber und eine demente Frau ging. “Das Knäckebuch kracht, Nathanael lacht!”, ein Textbeispiel aus der Beziehungsgeschichte. Die Jury schien begeistert und  als letzte für den Freitag, die dreiiundzwanzigjährige Ronja von Rönne, die ja mit ihren provokanten Feminismustext, die Gemüter erregte und für sehr viel Aufmerksamkeit sorgte, obwohl kein Videoportrait und nur sehr spärliche literarische Angaben, möglicherweise ein Hildesheimbesuch und der erste Roman soll nächstes Jahr bei “Aufbau” erscheinen. “Welt am Sonntag” hieß der Text, der mit den Worten “Ich wache auf und mir ist schlecht” beginnt, in einem Hotelzimmer spielt und die junge Frau mit den ausdrucksvollen Augen trägt ein blaues Kleid mit einem weißen Kragen und sieht sehr mädchenhaft damit aus. Um einen Wettbewerb, den der gewinnt, der den langweiligsten Traum hat, geht es in dem Text auch. Ein sehr jugendlicher flotter Text, der mir eigentlich recht gut gefällt. “Klara und Wolf, wer hätte das gedacht, daß ihr jetzt bald Kinder macht!”, wird auf einer Hochzeit gedichtet, nachdem das Hotelzimmer verlassen würde und um den Streß der neuen jungen Leistungsgesellschaft, in der man immer unzufrieden sein muß, geht es dabei auch. “Ein Text mit Pose” kommentiert Meike Feßmann und die Twitterer haben auch schon über die Popliteratur, die sie nicht mehr mögen, geunkt, Ich bin ein bißchen ambivalent und gespannt, was noch alles von der etwas provokanten Frau zu hören sein wird. Dann ging es wieder in den Garten, wo eine polnische Literaturkritikerin die Texte kommentierte und Gertrud Klemm, die aus Hamburg wieder zurück zu sein scheint, erklärte, daß sie mit den guten oder schlechten Jahrgängen Schwierigkeiten hat. Nachdem ich dann statt dem Film vom Bachmannleser Trojanow zuzusehen, auf die Wiedner Hauptstraße gegegangen bin, um an meinem siebenten Bloggeburtstag selbst zu lesen, ging es am Samstagweiter in Klagenfurt, Wolfgang Tischer gab seine Prognosen, bis jetzt gelten ja Valerie Fritsch, Nora Gomringer und Monique Switters als Favoritinnen, von dem letzteren Text bin ich nicht ganz überzeugt, aber es lesen ja noch vier, drei Frauen und ein Mann und der  1980 in Bern geborene Jürg Halter, ist vielleicht auch ein Favorit, zumindest hat mir sein Autorenportrait, wo er Gedichte fängt, sich mit einem selbstgemachten Apple präsentiert und sich hinter einer Laterne versteckt, sehr gut gefallen und auch sein lapidar vorgetragener Text “Erwachen im einundzwanzigsten Jahrhundert” “Da sitzt ein Mensch um  5 Uhr 20. Früher als er es wollte, ist er erwacht.” Eugen Roth hat ja auch von “Einem Menschen” geschrieben, Jürg Halter ist, glaube ich, philosophischer, hintergründiger und twittern tut er, genau wie Ronja von Rönne, Klaus Kastberger, Cornelia Travnicek auch. Leider schloß sich die Jury, offenbar am Anfang noch etwas verschlafen, nicht meiner Meinung an, sprach von Gott und Nietzsche und schien beleidigt, aber ich kann ja bis fünfzehn Uhr selber abstimmen und werde das vielleicht für Jürg Halter tun, bis jetzt hätte ich gedacht, ich mache es für Seven Recker, aber es kommen noch drei Damen und die in Klagenfurt lebende und in Zagreb geborene Anna Bahr, kam als nächste dran. Ihr Text heißt “Die Farbe des Granatapfels” und so heißt auch der Roman, der demnächst bei “Wallstein” erscheint. Dann war es elf vorbei und ich bin mit dem Rad durch die Sommerhitze auf den Markt nach St. Pölten gefahren und als ich zurückkam, war gerade noch die Diskussion von Dana Grigorcea zu hören, mit der ich ja schon einmal fast mit dem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren wäre und ihr erstes Buch gelesen habe.

Ihr Text hieß “das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit” und het in ein Bukarest zurück, wo man mit den Fernsehen, aber auch mit der Securitate ein wenig schummeln muß, dann kommt Michael Jackson als große Hoffnung, läßt sich abseien und ruft euphorisch “Hey Budapest!”

Auf einmal war der Ton weg und so habe ich mich zu Teresa Präauer gezapt, die ja mit ihrem letzten Buch für den Leipziger Buchpreis nominiert war. Ihr Text heißt  “O Schimmi” und handelt von einem jungen Mann, der sich als Affe verkleidet, um bei seiner “Ninni”, die ihn gar nicht zu mögen scheint, zu landen. Ein Text, der von Teresa Präauer sehr flott gelesen wurde und dann, weil man nur bis drei abstimmen kann, wieder zu Anna Baar und zum Granatapfel zurück. Den “Preis der Automatischen Literaturkritik”, der im vorigen Jahr auf fünftausend Euro hinaufgecrowdfundet wurde, scheint es nicht mehr zu geben, also abstimmen, sich dann in Ruhe die Jurydiskussionen anhören am Sonntag werden  um elf die vier Preise vergeben, wo es jetzt ja neben Fritsch, Switters, Gomringer, wie ich der Bachmannseite entnehme, zwei neue Favoritinnen mit Teresa Präauer und Dana Grigocea geben soll.

Klaus Kastberger hat, erfahre ich gerade, auf dem Literaturcafe, das Jurorenranking gewonnen, ich bin ja immer zu schnell und würde mein Urteil jetzt auch revidieren und Juri Steiner, dem dünnen schwarzen Schweizer meine Stimme geben, der mir, ich gestehe es, erst gestern durch das Tischer-Interview so richtig aufgefallen ist und jetzt geht es wieder los in Klagenfurt und die Shortlist wird  bekanntgegeben: Anna Baar,  Valerie Fritsch, Nora Gomringer, Dana Grigorca, Jürg Halter(fein und nicht erwartet( Teresa Präauer und Monique Switter.

Der Bachmannpreis fünfundzwanzigtausend Euro vergeben von der Stadt Klagenfurt ging nach einigen Stichwahren an Nora Gomringer, der Kelag Preis wurde dann zwischen Präauer und Fritsch gewonnen und der, wie ich ebenfalls glaube, literarischste Text der Runde “Das Bein” hat gewonnen. Die Bachmann, das, denke ich auch, wie einer der Juroren sagte, hätte dem zugestimmt, ein bißchen zu viel Pathos ist es für mich allerdings auch.

Und beim dritten  dem “3Sat-Preis” unterlag Teresa Präauer wieder in der Stichwahl und Dana Grigorcea gewann, was wie ich ebenfalls finde ein wenig schade ist und der Publikumspreis mit siebentausend Euro und dem Stadtschreiberposte ging für mich überraschend, ich hätte Gorminger oder von Ronja von Rönne gerechnet, ebenfalls an Valerie Fritsch. Ich gratuliere herzlich und findes es ein wenig schade, daß keine Männer dabei sind.

Hu ert Winkels hielt das Schlußwort und jetzt gehts ins Sommerschreiben und zum Longlistenlesen.

2015-07-04

Im Lesegarten

Filed under: Lesung — jancak @ 00:23
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Susanna Wouk ist ja eine begnadete Veranstalterin, die seit zwei Jahren im fünften Bezirk  das Fest für “Kunst und Kultur” organisiert und seit dieser Zeit gibt es auch das “Wiedner Hauptstraßen Straßenfest”, zu dem man sich anmelden,   konnte und von ihr auch mehrmals aufgefordert wurde, das zu tun.

Die Lesungen fanden in der Buchhandlung “Belle Arti” statt, die Buchhandlung in der Wiedner Hauptstraße 131, die einen schönen Garten mit Kastanienbäume hat und diese Buchhandlung ist überhaupt etwas Besonderes, nämlich eigentlich ein Antiquariat, das aber jedes Buch besorgt und Weine, Marmelade und andere Schmankerl  auch anzubieten hat.

Den handküsssenden höflichen Buchhändlier habe ich beim “Fest für Kunst und Kultur”, wo er ausstellte und Lesezeichen verteilte, kennengelernt, da ist er zu mir gekommen und hat gemeint, daß er mich bewundere, daß ich trotz des Lärms gelesen habe, denn die Sesselreihen größtenteils leer, dafür standen die Leute  beim Buffet und unterhielten sich.

Das Interesse für Literatur hält sich in Margareten, wie ich fürchte in Grenzen, zumindestens was meine betrifft, aber ich lese nun einmal gern und so konnte ich Susanna Wouks mehrmaligen Aufforderungen auch nicht wiederstehen und bin am Freitag extra nach Wien gefahren, weil ich mich eigentlich schon in der Sommerfrische befinde.

Das Wetter war aber traumhaft schön und heiß und das war gut so, denn das Fest hätte nur bei Trockenheit stattgefunden und das erste Fest ist auch an mir vorbeigegangen. Beim Zweiten bin ich aber nach halb vier, als die letzte Bachmannlesung, die von der jungen rotzfrechen Ronja von Rönne, deren Text mir eigentlich besser, als der so hochgelobte von Monique Switters gefallen hat, losmarschiert und habe auf der Wiedner Hauptstraße, dem Teil, der sich schon im fünften Bezirk gefunden, bald Susanna Wouk getroffen, die einen mit  Pelz bersetzten Strohhut getragen hat und beim  musikalischen Rundgang, von Stand zu Stand in Richtung  Buchhandlung gezogen ist.

Dort war ich dann etwa um vier, um halb sechs war meine Lesung, zehn Minuten aus “Miranda Schutzengelchen” angesetzt und vorher hat der liebe Rudi gelesen und das Ganze war unter “Autoren der Fünfer Edition stellen sich vor”, angekündigt, denn die hat ja Harald Pesata vor einigen Jahren herausgegeben, Matthias Handwerk hätte sie vorstellen sollen, war aber erkrankt oder sonstwie abwesend, so hat das Fest bei der Buchhandlung um halb fünf mit den “Breakers”  begonnen, die ich auch schon  vom Amtshaus Margareten kannte.

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Susanna Wouk war mit den Sängern schon weitergezogen, mir aber alles Gute für die Lesung gewunschen und mich auch allen vorgestellt.

Es gab auch eine Musikbühne und viel Werbung von der SPÖ, wir befunden uns in einem Wahljahr, im Lesegarten war es aber ziemlich ruhig und auch kühl, Rudi Lasselsberger ist bald erschienen und hat um viertel sechs, wie vorgesehen zu lesen begonnen.

Leider hat der Buchhändler nicht eröffnet, so hat er sich selber vorgestellt und eine Kerze, wie das bei ihm so üblich ist, für seine verstorbene Nichte angezündet und auch darauf hingewiesen, das Irma Schwager, ich glaube, die Gründerin des Bunds demokratischer Frauen, der Frauenorganisation der KPÖ, mit der ich einmal von Klagenfurt nach Wien gefahren bin, als ich dort am ersten Mai 1989, zum “Preis der Arbeit”, den es ein paar Jahre gegeben hat, eingeaden wurde, ihr Begräbnis hatte.

Dann hat er einen Text gelesen, wie er einmal in der “Bunten Kuh” gelesen hat, hat gesungen und auch ein paar Gedichte vorgetragen.

Dann kam ich mit dem Beginn vom “Miranda Schutzengelchen” und danach das Lesetheater mit einer zweisprachigen Lesung, deutsch und türkisch mit Gedichten von  Orhan Veli Kanik.

“Fremdartig” hieß der Band den Reza Algül, Abdullah Baikoglu, Helga Goiinger, Christa Mitaroff, Rahel Rosa Neubauer und Willi Stelzhammer vorstellten.

Reza Alögül hat dazu auch auf der Saz gespielt, jetzt hat der Buchhändler begrüßt, Susana Wouk war nicht da, wohl aber Hans Jörg Liebscher, Susanne Schneider und eigentlich auch anderes Publikum und es war eine interessante Lesung, obwohl Helga Golinger bedauerte, daß nicht viele Türken im Pulikum waren.

Es war etwas versteckt im oberen Teil der Wiedner Hauptstraße zu lesen, aber es war eine schöne Lesung und ein schöner Tag und ich habe auch meine Zettel für das “Sommerfestival” in der Anzengrubergasse im “Reading Room” ausgeteilt und meinen siebenten Bloggeburtstag gefeiert.

Sehr viel gab es zwar nicht zum Anstoßen, aber  ich habe ein hoffentlich schönes Foto gemacht und meine Lesung für den Dreizehnten habe ich auch vorbereitet.

Auch dazu kann ich alle, die das interessiert herzlich einladen! Da werde ich dann auch ein bißchen mehr und ein bißchen länger lesen.

Nämlich aus “Taubenfüttern” und den Beginn des neuen Textes, an dem ich dann ab nächster Woche in der Sommerfrische eifrig zu schreiben vorhabe, “Sommer am Wasser”, wie der Titel meiner Lesung lautet und auch das Stückchen aus “Miranda Schutzengelchen”, und das habe ich auch vor beim “Volksstimmefest” zu lesen, wenn dieser Sommer, in dem ich gerade gestartet bin, zu Ende geht.

Hans Jörg Liebscher wird da nach oder vor mir lesen und danke auch Susanne Wouk für die Einladung beziehungsweise Aufforderung an dem Fest teilzunehmen, obwohl ich es ein wenig schade finde, daß sie sich während des Leseblocks im Lesearten nicht blicken ließ.

2015-07-03

Sieben Jahre Literaturgeflüster

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Heute ist es sieben Jahre her, daß die “Literaturflüsterin” eine offenbar sehr erfolglose seit ihrer Matura schreibende Frau, die seit dieser Zeit oder seit es in Wien die “Alte Schmiede” gibt, fast täglich zu Literaturveranstaltungen geht, schon seit der Kindheit aus dem Bücherkasten ihrer Eltern oder kurzfristig aus den städtischen Büchereien viel gelesen hat, als Studentin habe ich mir die Bücher auch gekauft, später, als mir die Verlage meine Manuskripte zurückschickten oder formlos “Leider nicht!” schrieben, habe ich damit aufgehört, bin 1996 auf eigene Faust nach Klagenfurt zum Bachmannlesen gefahren und habe mir, als das dann möglich war, den Wettbewerb live über meinen Laptop gegeben, so auch 2008. Da bin ich darauf gekommen, daß sich in den Mittagspausen einige Blogger hinsetzen, um darüber zu schreiben und so ist die Idee zum “Literaturgeflüster”, das ursprünglich “Eva Jancaks Literaturgeflüster” heißen sollte, entstanden.

“Kann ich das auch?”, habe ich, glaube ich, den Alfred gefragt, der mir etwas von “Veranstaltungen und Büchern über die ich schreiben könnte” antwortete und so habe ich, schnell, schnell, der Alfred mußte auf die WU und ich bin eine Computerniete, den ersten sehr kurzen Eintrag über die “Sommerfrische” geschrieben, denn dahin war ich ja  unterwegs und im ersten Sommer hatte ich in Harland kein Internet.

Also nur sehr kurze und alle paar Tage Artikel, die von Autoren wie Elfriede Jelinek, Angelika Reitzer handelte und als wir am “Nordpol” wo wir mit der Anna zu Alfreds Geburtstag wahrscheinlich essen waren, Gustav Ernst gesehen haben, habe ich darüber berichtet, auch daß es in Passau, da waren wir ja mit den Hundertmarks Radfahren, ein Plakat mit der Mitteilung, daß dort Manfred Chobot gelesen hat und so ist das Literaturgeflüster entstanden und die unermüdliche Bloggerin, die sich manchmal im worldwide Netz sehr inoffiziell und verloren fühlt, aber seltsamerweise schon auf den ersten Eintrag einen Kommentar bekommen hat.

Christiane Zintzen hat sich  gemeldet und mich in der Bloggerwelt willkommen geheißen und als ich dem Otto davon erzählt habe, hat der auch gleich zu bloggen angefangen und inzwischen wieder aufgehört.

Der hat mir dann eine Zeitlang sehr sehr aufmunternde Kommentare geschrieben und auf seinen Blog berichtet, daß er Andrea Stift in Zeitschriften wie “Kolik” oder “Manuskripte” gelesen hat, worauf sich die bei ihm meldete und ich das auch auszuprobieren begann, ob das funktionierte.

Hat, so habe ich sie kennengelernt und als es dann ein bißchen später die erste “Buch Wien” gab, hat Cornelia Travincek auf dem Literaturcafe darüber berichtet, ich habe ihr geantwortet, daß man zu dem “Droschl-Verlagsfest” ins Schauspielhaus keine Einladung brauchte und so haben sie, der Otto und Andrea Stift mir zu meinem ersten Geburtstag gratuliert.

Das waren noch Zeiten, könnte man sagen, denn dann hat sich bald meine erste kritische Stimme oder Spamerin Frau Haidegger gemeldet und hat ihre leicht provokanten Kommentare abgegeben, daß man bei der “Poetnight” oder dem Volksstimmefest nicht lesen soll, wenn man nicht Marlene Streeruwitz, Goethe oder Thomas Bernhard heißt, etwas worauf ich natürlich antworten muß und es haben sich mir auch einige angeschlossen.

Ilse Kilic, die GAV Sekretärin hat meinen Blog gleich toll gefunden, einige andere Kollegen haben es dgegen für anmassend empfunden, daß ich über sie und ihre Veranstaltungen, die ich besuchte, schreibe, aber ich habe mir gleich von Anfang an vorgenommen, nie zu verreißen, sondern immer wertfrei zu berichten, trotzdem hat mich Katharina Riese in der “Alten Schmiede” einmal scharf angefahren, als ich sie nach dem Datenschutz fragte, wenn man “Billa-Rechnungen” in seinem Buch abdruckt und Hans Raimund hat mein Bericht über die slowenische, Kärtner und italienitsche Literatur, die ich im Literaturhaus hörte, auch nicht gefallen.

Paul Jaeg hat sich gemeldet und gemeint, ich solle ihm ein Manuskript für das übernächste Jahr schicken, das habe ich mit der “Sophie Hungers” über die ich mit Frau Haidegger ja sehr intensiv diskutierte, getan, aber, weil ich sehr ungeduldig bin, gleichzeitig auch an den “Digitaldruck”, denn ich mache mir meine Bücher seit 2000 ja selbst und so hatte ich, als mir seine Tochter  absagte, schon eine Lesung bei den “Textvorstellungen” und damals, 2008, 2009 habe ich für die GAV ja noch den “Tag der Freiheit des Wortes” organisiert, seit 2001 habe ich das getan, dann hieß es nur mehr eine Veranstaltung, ich habe mich für die “Mittleren” entschieden, die ich jetzt auch nicht mehr mache, weil ich nicht  mehr im “Literaturhaus” lesen darf und es mit dem Amerlinghaus eine Zeitlang sehr schwierig war und es mich auch nervte, wenn  jeder, den ich eine Einladung entgegenstreckte den Kopf schüttelte und “Keine Zeit, keine Zeit!”, antwortete.

2008 war ich aber in der Jury für die Buchpreisprämien und in der des “Ohrenschmauses” bin ich seit 2007 auch, also vielleicht doch nicht so literarisch unbedarft, wie sich meine zweite Kritikerin Ju Sopie, die glaube ich, über Thomas Wollingers Blog, den ich eine Zeitlang kommentierte, zu glauben schien. Der hat meine “Mimi”, den Roman, wo ich die Ereignisse um den deutschen oder Leipziger Buchpreis mit dem Schreiben mit Lernbehinderung verband, nicht gefallen, das ist sehr schade, aber ich schreibe weiter und meine Blogartikeln sind auch immer länger und länger geworden.

Der Otto hat mich schon mal gefragt und Friedrich Hahn hat das in der “Alten Schmiede” vor kurzem wiedergetan, ob ich meinen Blog, der inzwischen wirklich ein sehr wunderbares und umfangreiches Archiv des Wiener Literaturbetriebs ist, auch wenn er sehr subjetiv geschrieben ist und auch ein paar Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler hat, nicht veröffentlichen will?

“Nein!”, habe ich den Otto, damals warhscheinlich so zwischen 2009 und 20010 gesagt.

“Da müßten die Verlage selber kommen!”

Aber 2012 kam eine Krise mit der “Wiedergeborenen” und “Paula Nebel”, die, wie ich inzwischen glaube, keine meines Schreibens war, sondern, daß ich blogge und blogge und keiner antwortet mir darauf, so ist die Idee des “Literaturgeflüster-Texte-Buch” entstanden, daß es seit 2013 gibt und dazu gibt es auch schon eine sehr schöne Rezension von Lev Detela. Leider ist es mir nicht gelungen, auch eine solche im “Literaturhaus” zu bekommen, aber Gerhard Jaschke hat sich sehr begeistert gezeigt und ich denke, das Bloggen ist  eine sehr schöne Eigenintiative, die man nutzen kann, es einfach selber zu versuchen, wenn es im Literaturbetrieb nicht geht, also daneben oder nebenbei und das ist nicht aggressiv oder negativ, auch wenn ich als echte Wienerin, warhscheinlich eine Jammerin bin.

Eine schöne Sendung in Ö1 hatte ich 2009 auch und 2010 mit Anni Bürkl, die mich eine Zeitlang kommentierte, eine Diskussion, die sich ergab, als” leselustfrust” “Ausgetanzt” besprochen hat, eine Diskussion über die Qualität, die mich seither ein bißchen verfolgt, weil es im Internet offenbar üblich ist schnell einmal zu schreiben “So etwas schlechtes habe ich noch nie gelesen”, “Was ist denn das für ein trotteliger Artikel”, etc.

Ich habe mir vom Anfang an angewöhnt, darauf zu antworten, das auch sehr freundlich zu tun und trotzdem meine Meinung zu sagen, da das Bloggen für mich sehr wichtig ist und auf Hans Raimunds Frage, was ich damit will, noch einmal zurückzukommen, ja ich will mich damit im Literaturbetrieb präsentieren und auf mich und mein unermüdliches Schreiben und mein Interesse an der Literatur hinweisen und auch mein großes Wissen, das ich habe, weil ich seit fast vierzig Jahren fast täglich zu Veranstaltungen gehe, den anderen zur Verfügung stellen, wenn sie das wollen.

Der Erfolg, hält sich, wie beschrieben in Grenzen, aber wenn ich in die “Alte Schmiede” oder sonstwohin gehe, kann es inzwischen schon passieren, daß Leute von denen ich nicht wußte, daß sie mich und meinen Blog kennen, auf mich zukommen und mich darauf angsprechen.

So haben sich Judith Nika Pfeifer und Andreas Pittler einmal bei mir für meine Berichterstattung bedank und Robert Sommer hat im Geflüster nachgesehen, was ich schreibe, als er bei der zweiten “Weltbefragung” nicht war, aber da war ich im “Theaterbrett” beim “Literarischen Lenz” und als Marie Therese Kerschbaumer im Literaturmuseum gelesen hat, habe ich ihren Namen und Eva Jancak Literaturgeflüster auch bei meinen Suchanfragen gehabt.

Ich war, glaube ich, auch die erste die über Valerie Fritsch berichtet hat, die ja heuer beim “Bachmannpreis” liest und als sie den FM4 Preis gewonnen hat, häuften sich die Suchanfragen und als Rolf Schwendter starb, hat  Gerhard Jatzek bei seinem Nachruf Alfreds Foto vom Volksstimmefest verwendet.

Ja, Anfragen bezüglich Fotos sind auch schon öfter gekommen und das von Nikoleiken gibt es inzwischen in einem Katalog über das jüdische Leben in Ostpreussen beziehungsweise dessen Vertreibung.

Die Artikel sind sind den sieben Jahren immer länger geworden und häufiger, zuerst fast jeden Tag, jetzt gibt es manchmal zwei, denn 2010 hat der erste offene Bücherschrank in Wien eröffnet, inzwischen gibt es zahllose Kästten und Kisten an beinahe jeden Ort und so habe ich mir inzwischen zwei neue Bücherregale in Wien und Harland gekauft,  mein Leseverhalten hat sich eindeutig gesteigert und die Bloggerwelt hat sich auch verändert, vor allem in Deutschland gibt es eine sehr aktive Szene, die nach Leipzig und nach Frankfurt fährt und auch den dBp eifrig und offiziell bebloggen.

Ich tue das seit sieben Jahren “wild”,”noffiziell” aber auch sehr bemüht und gründlich in meiner subjektiven Art, in der ich auch schon einmal berichte, daß ich auf dem “Volksstimmefest” lese,  gegen die schwarz blaue Regierung war und es für einen Wahnsinn halte, daß die ÖVP noch immer keine Gesamtschule will.

Ich blogge für mich und mein Gedächtnis, auch wenn ich immer wieder Rezensionsexemplare anfrage, die mal bekomme und mal nicht und da auch schon einmal eine herbe Antwort, wie “Das ist ja nur ein Blog!”, bekommen habe oder sich die “Deuticke-Pressedame” über meine elendslange Leseliste wunderte, auf die aber sehr stolz bin, auch wenn ich zugebe, daß ich bei meinen Bücherbeschränkungsplänen immer wieder scheitere.

An die fünfunddreißig selbstgemachte Bücher sind es inzwischen auch geworden und seit dem ich blogge sind einige neue und sehr schöne hinzugekommen.

Ich habe mich auch den Gewinnspielmoden, die ich auf den anderen Blogs kennenlernte, angeschlossen und seit einiger Zeit gibt es bei mir bei jeder “Vorschau” die ich immer auf meine neue Bücher mache, drei Fragen und das entsprechende Buch zu gewinnen und vor zwei Jahren zum fünften Geburtstag und dem dreißigsten Buch, habe ich einen “Dreißig Fragen- zu dreißíg Bücher- Katalog” entwickelt, da war ich auch in Radio Fro, trotzdem hat sich für mich und meine Bücher niemand interessiert, was einerseits sehr traurig ist, aber andererseits auch nichts macht, denn die Ära der Selbstpulischer ist in den sieben Jahren auch gekommen, auch wenn “Wikipedia” meine Digitabücher mit dem Argument “Nur Verlagsprodukte” hinausgestrichen hat.

Macht ja nichts, ich kann sie auf meinen Blog promoten, weil ich es noch immer nicht geschafft habe, meine Bücher auf “Amazon” zu stellen und das wahrscheinlich auch weiterhin nicht tunen will, also nur im Literaturgeflüster, diesen beharrlichen Blog, einer literarisch beseessenen schreibenden Frau und Psychologin, der inhzwischen seine 276 000 Aufrufe, an die 2285 Artikel und wenn die Worldpress Statistik stimmt, 990 Kommentare hat.

Eine schöne Zahl und als ich um Pfingsten herum, einen etwas regeren Zulauf hatte, habe ich gedacht, daß ich es vielleicht zum Geburtstag schaffe, den Tausender zuerreichen.

Scheint nicht so sein, also ergreife ich die Gelegenheit zu einem Aufruf, mir zum Geburtstag zu gratulieren, vergebe an den tausendsten Kommentierer ein Buch aus meiner Produktion nach Wahl und verspreche, daß ich auf den 999 Kommentar nicht selber antworten werde und eine Lesung zum Geburtstag gibt es auch, nämlich das “Wiedner Hauptstraßen Straßenfest”, da lese ich um 17. 30 in der Buchhandlung auf Nummer 131 und lade meine Wiener Leser herzlich ein, zu kommen,  mit mir auf den Geburtstag anzustoßen und verspreche jeden, der mich darauf anspricht, so weit vorhanden, eines meiner Bücher vom Büchertisch.

Feiern wir zusammen  Bloggeburtstag, denn ich finde es schön, daß es die Möglichkeit des Digitaldrucks, des Selbermachen und des Bloggens gibt und, daß jeder nachlesen kann, was ich seit 2008 geschrieben,  bzw. gelesen habe und bei welchen Veranstaltungen ich war, finde ich auch sehr schön.

Eine vielleicht verrückte Idee trage ich auch in meinen Kopf herum.

“Die offiziellen Bücherblogger” um “Buzzaldirin”, “Schöne Seiten”, “Sätze und Schätze” und “Klappentexterin” haben mich darauf gebracht, daß ich ab dem zwanzigsten August, ja wirkliche eine Rezensionsanfrage stellen, mich in die Buchhandlungen setzen, mit dem lieben Otto, der das vielleicht auch wieder macht, vernetzen,  mir auch die anderen Bücher kaufen und eine eigene Shortlist machen und ins Netz stellen könnte, auch wenn ich meine Leseliste damit gehörig durcheinanderbringe.

Mal sehen, noch ist Zeit und jetzt gibt es das Bachmannlesen zu verfolgen, mit dem alles angefangen hat, also feiern und sich freuen!

Mit dem lieben Rudi, meinem eifrigsten Kommentierer, der das schon sechundsechzig Male tat, das hätte ich jetzt fast vergessen , kann ich wahrscheinlich auf jeden Fall anstoßen, denn,  der liest vor mir, was ein weiterer Grund ist, sich das Wiedner Hauptstraßen Straßenfest, das nur bei Schönwetter stattfindet, anzusehen.

2015-07-02

Mein Mann, der Kommunist

Filed under: Bücher — jancak @ 00:40
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Ich bin, schreibe ich immer, keine besondere Freundin der großen Amerikaner, die bei uns  so hoch gehalten und als Vorbild für unsere Literatur gepriesen werden.

Richard Fords “Kanada” und James Salters “Lichtjahre”, der kürzlich gestorben ist, habe ich für langatmig empfunden und bei Philiph Roth, von dem ich das erste Mal etwas hörte, als ich bei der “Libro-Bestseller-Aktion”, das “Amerikanische Idyll” nicht gefunden habe, danach den “Menschlichen Makel” und “Exit Ghost” gelesen habe, ist es mir ähnlich gegangen.

Ausnahme sind John Updikes “Hasenherz” und Sylvia Plaths “Glasglocke”, aber bei Frauen ist das vielleicht anders und nun, den, wie ich irgendwo gelesen habe “besten” Roth Roman.

Philiph Roth rechnet mit der Mc Cartny Ära ab. Tut das wieder sehr langatmig auf fast vierhundert Seiten, verwendet dabei alle möglichen Katasthrophen die einem so passieren können und verwendet auch noch einen doppelten Erzählstil dabei, also ganz schön routiniert natürlich, wie es sich für einen, der jedes Jahr auf den Nobelpreis warten soll, ja gehört.

Philip Roths Alter Ego oder Erzähler ist, glaube ich, der Schriftsteller Nathan Zuckerman und der bekommt von seinem, inzwischen neunzigjährigen Englischlehrer, die Geschichten dessen Bruder Ira Ringold erzählt, wie Sheherazade tut er das in einigen Tagen, geht von vorne  zurück und wieder nach vorn und baut so Sämtliches ein, was in nur in einem Roman passieren kann und dabei hätte ich gedacht, ich habe keinen Erfolg, weil ich zu langatmig bin und nicht genug verdichte, bei den Amerikanern ist das offensichtlich anders und, um nicht mißverstanden zu werden, ich finde die amerikanische Geschichte sehr interessant, zu weitschweifig war es mir aber erzählt und ich habe auch recht lang mit dem Lesen gebraucht und weiß beim Nacherzählen jetzt auch nicht, wo ich anfangen soll?

Wahrscheinlich in den Fünfzigerjahren, wo MC Cartney eine Kommunistenhatz betrieb und da ist Ira Ringold, ein Jude aus nicht ganz so guten Haus, aus dem Krieg nach Hause gekommen, mit kommunistischen Ideen, die sind mir bei all den Verwicklungen nicht so ganz klar geworden. Er wurde aber von einem O Day indoktriniert, lebte auch sehr einfach in einer Hütte und da hat er auch den jungen Nathan kennengelernt und ihn eingeladen, einige Sommer mit ihm dort zu verbringen. Der besorgte Vater unterzieht ihm einem Verhört, fragt  ob er ein Kommunist sei?

Ira verneint, so gibt es einige schöne Sommer auf dem Land, Ira verheiratet sich dann mit Eve Frame, einer Schauspielerin, die schon drei Männer und mit einem einem Homoseuxuellen eine Tochter namens Sylphid hat. Er zieht zu ihr nach New York, wird Rundfunksprecher und lebt in nichtkommunistischen Luxus.

Die Ehe ist aber nicht sehr gut, Sylphid sperrt sich dagegen und zwingt die Mutter zu einer Abtreibung, was Ira ihr nicht verzeiht, der hat Bandscheibenprobleme, so braucht er eine Physiotherapeutin, das ist eine Estnin, die kommt zu ihm mit ihrem Behandlungstisch und macht bei ihm offensichtlich auch noch etwas anderes, als Massage und Eve, die beiden haben sich inzwischen getrennt und Ira ist zu seinem Bruder gezogen, bestellt sie einmal zu sich, um Ira einen Brief zu überbringen.

Dort läßt sie Helgi warten, weil sie den Brief immer wieder neu beginnt, so daß diese sich allmählich betrinkt und sie dann wüst beschimpft.

Das ist der Anfang der Geschichte, beziehungsweise der Titel des Buchs.

Eve hat nämlich sehr antikommunistische Freunde und die zwingen sie angeblich in ihrem Namen das Buch “Mein Mann der Kommunist ” schreiben zu lassen, das Ira wüst diskriminiert, als sowetischen Spion, Verführer, etc diskriminiert, seine Karriere ist vorbei, der Bruder muß sich auch einige Zeit als Staubsaugervertreter verdingen und Nathan auf einen Collegeplatz verzichten, er bekommt Weinkrämpfe und wird von dem besorgten Bruder in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Dort besucht ihn Eve, wird selbst hysterisch und in eine Zwangsjacke gepackt, das finde ich schon mal übertrieben.

Dann geht Ira wieder aufs Land zurück und verkauft fortan als Mienenarbeiter Steine an Touristen, er hegt auch Mordpläne an Eve, denn er hat, es wird wirklich immer komplizierter, schon einmal einen Menschen umbegbracht., Eve stirbt aber in den Sechzigerjahren an den Folgen des Alkohols, nachdem Sylphid sie verlassen und zu ihrem homesexuellen Vater nach Frankreich zurückgegangen ist. Ira stirbt ein paar Jahre später,  Nathan Zuckerman bringt seinen neunzigjährigen Lehrer, nachdem die Geschichte zu Ende erzählt ist, in sein Haus zurück und resumiert über das Leben und den Kommunismus, indem er auf die Sterne schaut.

“Die Sterne sind unentbehrlich.”, lautet so auch der letzte Satz des Buchs.

2015-07-01

Sommerfrischenbeginn

Ab Mittwoch geht es wieder in die Sommerfrische, die ich ja seit einigen Jahren im Sommer im Juli und August in Harland bei St. Pölten mache, meine Praxisstunden zusammengelegt und dann am Dienstagabend hinaus aufs Land, um dort zu schreiben, zu lesen, Rad zu fahren etc. Seit sieben Jahren blogge ich nun und feiere am Freitag “Sieben Jahre Literaturgeflüster” und da habe ich die Sommerfrische, die ja meine Art des Stadtschreibertums ist, auch immer erwähnt, vor zwei Jahren habe ich mich dann zur “inoffiziellen Stadtschreiberin von St. Pölten erklärt”, das kleine Büchlein genommen, daß es seit einigen Jahren auch am Tag des Buches gibt, in das man etwas hineinschreiben kann und da meine Stadtschreibergeschichten und Impressionen vermerkt und das dann fein verlinkt. Lesemarathone habe ich auch veranstaltet und alles, was mir in dieser Zeit in St. Pölten aufgefallen ist, aufgeschrieben, die Führung mit dem Bürgermeister beispielsweise, den Besuch am Markt, etcetera.

Voriges und vorvoriges Jahr bin ich auch mit meinen jeweiligen Texten am Sommerbeginn fertig geworden, so daß ich jeweils etwas Neues beginnen konnte und heuer ist es ebenso oder eigentlich nicht ganz.

Denn genau genommen bin ich mit dem Korrigieren von “Selmas Kopftuch” noch nicht fertig und ich fürchte, ich habe zumindestens die Frau Nowotny noch einmal falsch darin stehen, aber da ich ja schon seit einiger Zeit vorhabe, beim nächsten “Nanowrimo” einen Adventkalender mit einer “Nika Weihnachtsfrau” zu schreiben, ist mir zu Ostern die Idee gekommen, im Sommer in der Sommerfrische mit einer Sarah Sommer oder Sandra Winter dasselbe zu machen, dafür habe ich mich gleich beim Sommerfestival im “Read!!!ingroom” zum Lesen am 13. Juli angemeldet, was ein bißchen vorwitzig war, da schon einen ganzen Roman zu haben, bei der letzten Schreibegruppe, ist aber das Eingangskapitel entstanden und da hat der Klaus Khittel “bemängelt”, das das ein Szenario für ein Jahrhundertwerk, wie etwa die “Strudelhofstiege” werden könnte, obwohl ich dachte, ich schreibe das nur die Monate Juli und August, hole mir beim Radfahren oder bei den Seen oder an der Traisen die Ideen und bin dann, wenn ich wieder nach Wien zum Volksstimmefest zurückkehre damit fertig, ganz egal, wie lang das jetzt ist, könnte auch nur eine Kurzgeschichte werden, wenn ich vielleicht erst im August mit dem Korrigieren fertigwerden sollte.

Jetzt denke ich, ich fange am jeden Fall am Mittwoch damit an und da werde ich, wie im letzten Jahr mir selber auch ein bißchen lobend auf die Schulter greifen, mir vielleicht wieder eine Laudatio halten oder die Texte vorbereiten, die ich am Dreizehnten lesen will, aber das mache ich vielleicht doch besser in Wien, denn da habe ich eine Stoppuhr, die Bücher und kann mir das “Sommer am Wasser”  ausdrucken, aber nach St. Pölten könnte ich radeln und mir vorher einen Fünfziger das Sommerfrischenhonorar für die Croissants oder Donuts, die ich mir beim Radfahren kaufen könnte, in die Tasche stecken und am Abend beginnt ja auch die Eröffnung des Bachmannwettbewerbes, der heuer wahrscheinlich ein sehr spannender werden wird, weil die Ronja von Rönne, diese dreiundzwanzigjährige junge Frau, deren erster Roman im nächsten Jahr erscheint, ja sehr  provkant vorher angetreten ist, aber auch die Michaela Falkner, die Valerie Fritsch, die Nora Gomringer etc sehr starke Stimmen haben.

Das werde ich mir dann wieder über das Internet geben, am Donnerstag in Harland, am Freitag am Vormittag in Wien, denn am Nachmittag ist da ja, wenn es nicht regnet, das Wiedner Hauptstraßenstraßenfest, wo ich nach dem lieben Rudi lesen werde und da meinen siebenten Geflüster-Geburtstag auch prominent feiern werde, mit einem Glas Sekt oder Rotwein, etc.

Dann hinein in das Schreiben, in die Geschichte der prekären Studentin Sandra Winter und ihren drei Freundinnen, Eleni aus Athen, die sich  jetzt vor dem Bankomaten anstellen muß, um ihre täglichen sechzig Euro herauszubekommen, beziehungswweise Griechenland, wenn ich dann darüber schreibe, vielleicht schon zusammengebrochen ist, Fatma Callaki aus Damaskus, die in Traiskirchen auf dem Boden schlafen muß, weil sich die Länder nicht auf eine menschengerechte Unterbringung von Flüchtlingen einigen können und Jelena Majatschuk aus Donetz, wo es wahrscheinlich auch  nicht gerade lustig ist, hineinspringen.

Bis Ende August habe ich damit Zeit und es gibt ja auch zwei literarische Ereignisse, die meine Sommerfrische beginnen und auch beenden, Beginn ist der Bachmannpreis, das habe ich schon erwähnt, enden tut es dann vielleicht schon Mitte August, wenn die Longlist des DBp verkündet wird, aber da gibt es heuer auch Erneuerungen, beziehungsweise Vorverschiebungen, denn einige Blogger haben sich da ja vor zwei Jahren zusammengetan und das Longlistenlesen verkündet, daß sie heuer schon am 29. Juni offiziell auf der dBp Seite verkündigten und sich als Bloggerjury betrachten.

Sieben wurden da ausgewählt, offiziell zu bloggen, die anderen können, wie ich einmal  behaupte, das, wenn sie wollen, inoffiziell tun und ich werde das auch, auch wenn ich nicht vorhabe, wie der Otto mir die zwanzig Bücher zu besorgen und sie hinunterzulesen, weil ich das wegen meiner langen Liste, auf der ja noch einige dBp Bücher der letzten Jahre stehen, nicht kann.

Ich habe mir aber die beiden Streeruwitz-Bände nach Halrand mitgenommen und werde sie als Lektüre zu der Sandra Winter lesen und dann die Harland Bücher hinunter und weil ich in den letzten Monaten ohnehin sehr schneckenlangsam beim Lesen war, werde ich da, habe ich mir vorgenommen, jetzt etwas schneller sein und in der Sommerfrische einiges aufholen.

Also wieder große Pläne für den Sommer und die “Selma” liegenlassen oder zwischendurch Korrigieren oder nachher ist ja egal, weil es außer mir ohnehin  niemanden interessiert und der Alfi  noch beim Korrigieren von “Im Namen des Vaters” ist und da auch nicht viel weitergeht.

Aber einen schönen Sommer und einen schöne Sommerfrische, zumindestens habe ich das vor und werde, weil meine Reisen, das Radfahren durch Deutschland, das Leipzigwochenende, der Kurztrip an den Attersee, das erste Wanderwoche und der erste Ungarn-Aufenthalt mit der Oma, der Anna und dem Andi schon vorüber ist, da auch nicht gestört werden.

Das heißt ein zweites Wanderwochenende wird es noch geben und Alfreds sechzigstes Geburtstagsfest und hoffentlich auch schönes Wetter, obwohl mich der Regen bekanntlich nicht sehr stört.

2015-06-30

Dichterloh

Zum Saisonsschluß gibt es in der “Alten Schmiede” ein von Michael Hammerschmid, der voriges Jahr die “Poliversale” machte, organisiertes Lyrikfestival, dreizehn Lyrikblöcke, die am nächsten Montag mit einem “Dichtfest” enden und begonnen hat es am Montag mit einer Stunde der literarischen Erleuchtung, Marcel Beyer, der ja erst vor kurzem auf einem Lyrikfestival in Frankfurt war, stellte zum zehnten Todestag, Thomas Klings Lyrik vor und erzählte ein bißchen was aus dem Leben des 1957 geborenen Dichters, der glaube ich, auch ein Jandl-Preisträger war, das heißt eigentlich erzählte er etwas über die Gedichte und begann damit, daß er erklärte, daß er sich bei der Auswahl schwert getan hätte.

Denn bei den früh erschienen Gedichten, hätte er noch die Stimme des Autors im Ohr, die ihm beim Vortragen gehindert hätte, so hat er sich dafür entschieden, die späteren, die teilweise posthum erschienen sind, auszuwählen und da ging es viel über Märchen oder über ein Gedicht, daß der “Neuntöter” heißt und das scheint auf ein Kunstmädchen von Clemens von Brentano zurückzugehen, in dem zwei Kinder in Tiere verwandelt werden.

Tiere spielen in den Gedichten überhaupt eine große Rolle, ebenso wie der Tod, denn Thomas Kling, ist an Lungenkrebs verstorben und hat früh seine Stimme verloren, so gibt es ein Gedicht nach einem Schlagertext aus den Neunzehnhundertdreißigerjahren “Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche” auf das der Dichter dann seine eigene Stimme bezog.

So kommentierte Marcel Beyer die Lesung und das war sehr interessant, denn eigentlich kann ich mich nicht sehr daran erinnern, den Dichter live erlebt zu haben.

Er war aber ein Friederike Mayröcker Fan oder sie einer von ihm, auf jedenfall hätte sie zu der Lesung kommen sollen, dürfte aber, wie Marcel Beyer erklärte, in Graz in einem Spital liegen, es waren aber andere Prominente da.

Robert Huez vom Literaturhaus, Gerhard Jaschke von der GAV, Christine Huber, die das “Dichtfest” organisiert, Alexander Nitzberg und der hat mit Thomas Kling einmal eine CD von russischen Surrealisten in einem Düsseldorfer Tonstudio aufgenommen und erzählte, daß der Tonmeister keine Ahnung von Thomas Klings Lyrik hatte, was diesen ärgerte, so daß die Stimmung zwischen ihnen getrübt war und der Dichter mit der Bemerkung “Schauen Sie über mich im Brockhaus nach!”, das Studio verlassen hat.

Diesmal waren aber  Experten anwesend und auch die Autogrammsammlerin, die immer kommt, wenn auswärtige Autoren auftreten, die wollte dann von Marie Therese Kerschbaumer, die in den nächsten Tagen liest, ein Autogramm, was dieser aber nicht sehr goutierte und weil die Diskussion in der ersten Runde sehr lang und anregend war, war die Pause, was mir sehr angenehm war, eher kurz, denn um acht, trat der in Japan geborene und in Boston lebende Henri Cole, Sohn eines Amerikaners und einer französischen Mutter auf, der von Hans Raimund übersetzt wurde und dessen acht Gedichtbände zwar schon auf Italienisch und Spanisch, aber noch nicht auf Deutsch übersetzt sind.

Hans Raimund hat jetzt aus drei Bänden übersetzt und fünfzehn Verlage angefragt, die österreichischen haben gleich abgewunken, die deutschen haben gesagt, “Kommen Sie 2020 wieder!”

So war es ein Novum, den 1956 Geborenen zu hören, den Hans Raimund kennenlernte, als er in einem  College ein Stipendium hatte, da hat er einen Gedichtband gefunden und übersetzt und er erzählte, daß. wie bei Thomas Kling Tiere bei Henri Cole eine große Rolle spielen, daß ihm Sprache sehr wichtig ist, er war leicht zu übersetzten war.

Der Autor erzählte dann sehr viel über seine Gedichte und  erklärte, wie sie entstanden wären und hatte ebenfalls eine außerordentliche Art des Vorttrages, die später von einer Dame sehr gelobt wurde. Mir hat aber Hans Raimunds ruhigerer Vortragston, der die Gedichte auf Deutsch las und der ja meinen Blog nicht mag, ebenfalls sehr gut gefallen und würde die Gedichte weniger experimentell, aber für sehr interessant in der Metaphernauswahl halten.

Zuerst kamen welche, die sich auf die kürzlich verstorbenen Eltern bezogen, dann sehr viele Sommergedichte, wie der Autor erwähnte, die am Strand spielen, wo  junge Haifische liegen und “Mowen haben schon die Augen zerfressen”, Schwarze Bären im Apfelbaum kommen ebenfalls vor, sehr seltsame Metaphern also, für uns vielleicht etwas ungewöhnlich, sie wurden bei der Diskussion aber sehr gelobt und über die Probleme bei der Übersetzung wurde auch gesprochen.

Die begeisterte Dame unterbrach dann mit ihren Signierwünschen. Morgen und am Donnerstag geht es dann mit Marcel Beyer, Angela  Krauss, Luljeta Lileshanaku, Hans Raimund, Eugenijus Alisanka, Erwin Einziger, Nagja Küchenmeister und Marie Therese Kerschbaumer weiter, aber da werde ich schon in in der Sommerfrische sein und erst zum “Dichtfest” wiederkommen.

Wer aber Christine Lavants Lyrik mag und in Österreich wohnt, sind diese Woche die “Gedanken für den Tag” und die “Tonspuren” in Ö1 zu empfehlen, hat ja die berühmte Kärtnerin am vierten Juli ihren hundertsten Geburtstag.

2015-06-29

Europa Erlesen-Salzkammergut

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Der “Wieser-Verlag” hat ja die “Europa-Erlesen-Reihe”, wo eine Reihe von europäischen Städten, Gegenden, etc, literarisch vorgestellt werden und die man, wie in den Vor-oder Nachworten empfohlen, bestens dafür geeignet sind, sie zu den jeweiligen Reisezielen als passende Lektüre mitzunehmen.

Der liebe Rudi Lasselsberger hat mir einmal das “Linz-Bädchen”, wo, glaube ich, ein Text von ihm enthalten ist, geschenkt und vor ein paar Wochen lag eine Reihe dieser Bände vollkommen neu und unbenützt, im Bücherschrank und so habe ich zugegriffen und da ich mir vor einigen Jahren angewöhnt habe, meine Reisen mit den entsprechenden Büchern zu begleiten, habe ich  das Bänchen eingepackt, als wir zu Sladky 27, 28 oder 29 aufgebrochen sind, weil ich dachte, das geht jetzt ins Salzkammergut, was, wie mich Hubertus Czernin, der Herausgeber, belehrte, nur zum Teil stimmt, denn das Tote Gebirge, liegt zwar im steirischen Salzkammergut, aber die ausgewählten Texte bezogen sich hauptsächlich auf Bad Aussee, Bad Ischl, das Ausseerland, etc und durch Bad Aussee, sind wir bei der letzten Sladky-Wanderung durchgefahren, als wir von der Rinnerhütte kamen, aber dort wollen wir von der anderen Seite, erst beim nächsten Sladky hinauf.

Egal. Die Salzkammergutlektüre hatte ich schon vorige Woche eingepackt, als es kurz zu Luis Stabauer an den Attersee ging, da allerdings einSalzkammergutbuch von Alfred Komarek, das ich dann nicht gelesen habe.

Auf den Berg habe ich gedacht, ist aber das kleine “Wieser-Bändchen” handlicher, was dann so auch nicht stimmte, weil ich zum “Tauplitz-Haus mit dem Auto hinfahren konnte und einige der Gruppe mit Reisetaschen angekommen sind.

Ich habe, als ich gesehen habe, daß es mit Peter Altenberg und Alexander Lernet-Holenia beginnt, das Lesen dann am Freitagbabend unterlassen, es aber am Samstag nach der verregneten Tour auf den Tragl wieder aufgenommen und das Buch auf einen Zug ausgelesen, beziehungsweise, durchgeblättert.

Herausgeber ist, der 2006 verstorbene Hubertus Czernin, das Bändchen ist 1998 bei “Wieser” herausgekommen, der sich im Nachwort outet, daß er seine Kindertage jedes Jahr mindestens zwei Monate im Salzkammergut, das ja bestens geeignet für die Sommerfrische war und ist, verbrachte und beginnen tut der Band mit einem Text von J. A Schultes, der 1809  “Über die vorteilhafteste Art das Salzkammergut zu bereisen” schrieb und da “Gmünden” “St. Gilgen”, “Ischel”, den “Hallstädter-See” etc, erwähnte.

Wirklich spannend wurde es  bei Alexander Lernet-Holenias,  1897-1976, “Hochwasser im Salzkammergut”, als der “Es regnet tagelang und nächtelang. Die Zimmer stehen leer.  Die Autobusse aus Tölz und Berchtesgaden bleiben aus. Des Ortes Vizebürgermeister, selbstverständlich SPÖ hat schon erklärt: Wenn das so weitergeht, so glaubt er doch noch an Gott, und seis auch nur, um ihm die Schuld an der verregneten Saison zu geben…”

Dazwischen habe ich den Alfred mit dem Otto Lambauer über die nächste Wahl und die FPÖ diskutieren gehört und gedacht, daß ich Lernet-Holenia bisher offensichtlich falsch einschätzte und weitergelesen.

Es kamen dann Texte von Fritz von  Herzmanofsky-Orlando und Peter Altenberg offensichtlich begnadete Salzkammergut Sommerfrischler und Hilde Spiel ist dort offensichtlich auch öfter gewesen.

Ihr Text  “Dieser See ist blau” ist offensichtlich ein Romanauszug aus “Verwirrung am Wolfgangssee” und Barbara Frischmuth, die 1941 in Altaussee geboren wurde und glaube ich, dort wieder lebt, ist mit einem Auszug aus ihrer “Klosterschule” vertreten, ein Buch das ich vor längerer Zeit gelesen habe und in Altaussee waren wir einmal, als die Anna ganz klein war und haben in dem Gasthau, wo wir geschlafen haben, prompt Barbara Frischmuth getroffen.

Sonst waren wir ein paar Mal am Grundlsee, sind dort um den See herumgegangen, beim letzten Sladky-Treffen, sind wir dorthin abgestiegen, die Litera-Mechana hat dort eine Autorenwohnung, wo Gertraud Klemm und die Ruth vor kurzem waren, ich aber wahrscheinlich nicht eingeladen werde, weil mein literarisches Ouvre ja angeblich zu klein ist.

Gustav Ernst hat auch ein Buch darüber geschrieben und ich habe in meinem doch vorhandenen selbstgemachten Werk in “Lore und Lena”, die Lore mit ihrer wiedergefundenen Mutter auch auf die Sommerfrische nach Altaussee oder Bad Aussee geschickt.

Aber weiter im Buch:

Carl Zuckmayer war offenbar öfter im Salzkammergut und hat das “Baden und Schwimmen im Wallersee” beschrieben und von Franz Carl Ginzkey gibt es eine “Sonate vom Attersee” und da war ich ja kurz letzte Woche und habe mir von dort Luis Stabauers “Atterwellen” mitgenommen, die ich vielleicht zum nächsten Sladky-Treffen als Lektüre mitnehmen könnte, wenn ich das Buch nicht zulange auf meiner elendslangen Leseliste stehen lassen und den Komarek nicht auf einen Berg hinaufschleppen will.

Von Alfred Komarek von dem ich ja die “Villen der Frau Hürsch” gelesen habe, gibt es auch einen Text über “Aussee und die Ausseer und  Gerhard Zeillinger, der 1964 in Amstetten geburen wurde, gibt in seinem Text “Ischl”, das er “zu seinen frühen Kindheitserinnerungen zählt”, einen hervorragenden Einblick über die Sommerfrischler dort, erwähnt Lehar und Perutz und die, die in Auschwitz ermordet wurden und daher nach 1945 nicht mehr nach Ischl kommen konnten, von wo sie 1938 vertrieben wurden.

Er erwähnt auch den Kaiser, seine Villa und seine Jagdleidenschaft, beziehungsweise, die Anzahl der Gemsen und Hirsche, die er geschossen hat.

Ein sehr interessanter Text und sehr zu empfehlen, wenn man sich einen Eindruck über die Sommerfrische im Salzkammergut machen will und dann gibt es natürlich Karl Kraus, der mich mit seiner “Ischler Esplanade” auch sehr überraschte.

Jakob Wassermann , 1873-1934, von dem einige Texte im Buch enthalten sind, dürfte im Salzkammergut begraben sein und dazu passt sehr gut Christoph Ransmayrs Text “Der Totengräber von Hallstadt”, wo er diesen, beziehungsweise den Friedhof dort beschreibt, wo man Totenschädel “bewundern” kann.

Friedrich Torberg und Hermann Bahr haben Texte und von Robert Schindel gibt es einen Auszug aus “Gebürtig”, das ich auch gelesen habe und der  1937 als Jutta in Amstetten geborene Julian Schutting hat einen langen Text über die “Oktobertage in Altaussee”, den ich vieleicht noch gründlicher lesen sollte, um ihn ganz zu verstehen.

Da ich mich ja bald in meine Sommerfrische nach Harland in St. Pölten aufmache, hätte ich dazu Gelegenheit, aber nein, lieber nicht, denn da gibt es ja die Harlandbücher auf der Leseliste und das Projekt über die “Prekären Sommererlebnisse der Sandra Winter”, das ich dort angehen will.

Das “Wieser-Bändchen” ist aber auf jeden Fall allen, die sich auf Sommerfrische nach Hallstadt, Bad Aussee, Bad Ischl, an den Attersee, Mondsee oder sonstwohin gegeben wollen, wärmsten zu empfehlen.

Man kann sich ein bißchen einlesen, in die längst vergangene österreichische Literautur und auch ein paar aktuelle Dichter, wie beispielsweise Andreas Tiefenbacher, den ich, glaube ich, einmal in der “Alten Schmiede” hörte, kennenlernte.

Die Texte sind, wie zu bemerken, oft Romanausschnitte, so daß man sich an die Lektüre der ganzen Bücher machen könnte, was im Sommer und in der Sommerfrische auch zu empfehlen ist.

2015-06-28

Wanderwochenende auf die Tauplitzalm

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 18:29
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Der Juni war ja bezüglich Kurzurlaube und verlängerte Wochenenden sehr aktiv.

So waren wir in Leipzig beim Geburtstagsfest, bei Luis Stabauers Buchpräsentation am Attersee und Sladky 27, 28 oder 29 war dieses Wochenende auch, gehen wir ja seit 2000 regelmäßig mit Alfreds ehemaligen Turn- und Mathematiklehrer wandern und dieses Wochenende war die Tauplitz Alm angesagt, die im toten Gebirge, also im steirischen Salzkammergut liegt, so habe ich mir die entsprechende Lektüre mitgenommen, als wir Freitagmorgen mit der Nora, losgefahren sind.

Zuerst bis Bad Mitterndorf, dann die Mautstraße hinauf auf die Tauplitzalm zum Hollhaus, wo wir einige von der Gruppe getroffen und zu Mittag gegessen haben, Steirerkasnocken, die  überall angeboten wurden und dann ging es gleich auf den ersten Kurzausflug, beziehungsweise auf den Lawinenstein, wo es auch einen Skilift gibt, der die Gegend meiner Meinung nach ein bißchen verschandelt, so daß man das Gipfelkreuz fast übersehen könnte.

Danach weiter mit dem Auto zum Quartier ins “Naturfreunde-Tauplitzhaus”.

Ein Novum auf den Berg mit dem Auto fahren zu können. Die Tauplitzalm ist mit ihren vielen Schutz- und Gasthäusern auch sehr idyllisch und auf dem Plan sind auch viele Routen gestanden, so konnten wir am Samstag eine große, kleine, mittlere und auch eine gemütliche Tour unternehmen.

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Das Wetter hat entschieden, daß wir uns für die eigentlich erst am Sonntag geplante große Tour auf den Tragl entschlossen haben und das auch nicht ganz, denn der Manfred und die Anni sind schon den Almkogl vorausgestiegen, der Otto Lambauer, mein zeitweise treuer Blogbegleiter, der mir am Abend in der Hütte auch seine Bibliothek auf seinem Tablett vorstellte, ist mit der Monika, glaube ich, überhaupt nur zur nächsten Hütte gewandert und ein paar sind auch noch abgestiegen, als die ersten Regentropfen zu spüren waren.

Aber ich bin  beharrlich, beziehungsweise wasserfest und so bin ich weiter gestiegen bis zum Gipfel, was Schneefeldbedingt gar nicht so einfach war, aber idyllisch schön, obwohl ich am Schluß patschnaß war und ein paar Spalten, in die man, wenn man nicht aufpasst, hineinfallen hätte können, hat es auch gegeben.

Um fünf waren wir im Tauplitzhaus zurück, wo ich zu einer Leberknödelsuppe und zwei Achteln Erdbeerwein, meine zweite Salamisemmel gegessen habe und dann noch einen warmen Heidelbeertopfenstrudel, der sehr zu empfehlen war.

Der Otto und der Peter Sladky probierten die ländlichen Hausspezialitäten, das Latschengeheimnis und die Gamsmilch aus, was im ersten Fall ein Rotweingemisch mit einem Latschenzweig, im zweiten Fall ein Kakao mit Schlagobers, Rum und Preiselbeeren gewesen sein dürfte und da übergebliegen, vielleicht nicht wirklich zu empfehlen, aber die Neugier treibt Geheimnisse auszuprobieren.

Ich habe dazwischen mein “Wieser-Europa erlesen-Salzkammergut-Buch”, das ich mir, obwohl nicht zu Gänze passend, mitgenommen habe, ausgelesen und am Sonntagmorgen weckte uns der Regen, so daß die große und die kleine Tour ins Wasser gefallen ist.

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Ein sechs Seenrundgang, der mich an sich sehr interessiert hätte, wäre auch noch zur Auswahl gestanden. Die Nora schwärmte aber für das Örtchen Pürgg mit seiner wunderschönen Kirche beziehungsweise sehenswerten Kapelle, wo wir, glaube, ich schon einmal mit dem Karli waren, als wir den Almrausch suchen wollten, Regenbedingt zurückgefahren sind und noch ein Stückchen zum Jandl-Preis in Neuberg an der Mürz zurechtgekommen sind.

Aber der hat heuer schon vor zwei Wochen stattgefunden. So sind wir nach der Kappelle zur Kirche hinuntergegangen, wo gerade der Gottesdienst angefangen hat, so daß wir das Besichtigen auf später verschoben und im Pfarrhof schon am Kuchenen naschten, der für das anschließende Pfarrtrachtenfest vorbereitet wurde und den Aufmarsch der Blaskapelle beobachten konnten.

Dann haben wir mit der Nora noch im Gasthaus Krenn Mittag gegessen. Ich Holler- Prosecco als Aperitif, Grammelknödeln mit einem Achtel Blaufränkisch und als Nachtisch einen Caffe Latte, bis uns auch der Regen beziehungsweise, der Sturm überraschte, so daß wir über Harland nach Wien zurückgefahren sind.

2015-06-27

brennt

Weiter geht es mit dem “Deutschen Lesen” beziehungsweise den Büchern, vom “Augustin-Flohmarkt” 2012.

Da habe ich ja Sudabe Mohafez “brennt” gefunden, 2010 bei “Dumont” erschienen und daraus hat sie 2008 beim Bachmnannpreis gelesen, das ist der, den ich, wie immer zwischen meinen Stunden, es gab, glaube ich auch eine Fortbildung und wir waren mit der Anna essen, Angelika Reitzer und Clemens J. Setz haben aus Österreich gelesen, Tillmann Rammstedt, dessen Text ich in Buchform sehr sehr überhöht gefunden hat, hat gewonnen und ich habe in den Pausen bei Christiane von Zintzen und Hella Streicher nachgeschaut, was die darüber bloggen und mir dann bzw. dem Alfred, die Frage gestellt, ob ich auch bloggen kann?

Eine Antwort, die, wie ich fürchte, sehr umstritten ist, denn manche halten ja das “Literaturgeflüster” für das allerschlechteste was sie je gelesen haben, aber das sind sicher Spamer, die glauben, das man das im Internet so machen muß.

Sieben Jahre wird mein literarisches Manifest trotzdem demnächst alt und wahrscheinlich mit einer Lesung auf der Wiedner Hauptstraße gefeiert werden und Sudabeh Mohafezs Monolog einer Frau, die aus einem brennenden Haus gerettet wird, ihre Katzen an sich presst, den Feuermann, der sie rettet küssen will, etc, hat mich tief beeindruckt, so daß ich, glaube ich, bei dem ersten Publikumspreis, den es gab oder bei dem ich mitmachte, für sie gestimmt habe und später  von ihr hörte, weil ihr Blog, zu denen gehört, der von Christitiane Zintzen öfter erwähnt bzw. präsentiert wurde.

2012, das Buch also in den Augustin Flohmarktregalen gesehen und mich lange auf das Lesen des Romans, der 1963 in Teheran geborenen und in Stuttgart lebenden Autorin, die eine deutsche Mutter und einen iranisches Vater hat, gefreut.

Sie ist, wie ich dem Netz entnehme, auch als Pädagogin tätig, hat ein Frauenhaus geleitet und “brennt” ist, obwohl hochliterarrisch und in der Sprache sehr differenziert poetisch, wieder so etwas wie ein Krisenbewältigungsroman oder die Schilderung eines Traumas.

Jetzt würde ich zwar wieder behaupten, daß man, wenn das Haus brennt und man vom Feuermann die Leiter hinuntergeführt wird, keine Zeit hat, für poetisch hochstilisierte Sätze.

Aber was weiß man schon so genau, vielleicht ist man gerade dann hochpoetisch und stilistisch dicht? Interessant ist, daß ich ja einmal fast ertrunken wäre, mit sieben und mich da noch an einige Gedanken erinnern kann, die ich damals hatte und, daß mir Ruth Aspöck, als ich sie vorige Woche am Markt von St. Pölten traf, erzählte, daß es in ihrem Haus gebrannt hat und eine Gasexplosion gegegeben hat.

In dem Studio im Haus der Ich-Erzählerin tut es das auch, es gibt ein “Puff-Geräusch”, das sie hörte und das ihr, wie ihr der Feuermann später erklärte, das Leben rettete. So ruft sie ihre Katzen, gibt sich Ich-Befehle und sinniert ständig davon, den Feuermann zu küssen, während die Leiter hinuntersteigt, ihren Namen bekanntgeben soll, etc.

Später wird klar, das Feuer war gelegt, sie muß mit der Polizei und einem anderen Feuerwehrmann nochmals in die ausgebrannte Wohnung, um nachzusehen ob was fehlt, kann sich dann entscheiden, ob sie vorläufig zur Cousine oder ins Obdachlosenasyl will und beginnt einen Dialog mit imaginären Personen. Ein Lars, eine Pia und ein Hjartan kommen dabei vor, der das Feuer offenbar aus Rache legte.

Die Stimmen im Kopf, normal nach einer posttraumatischen Depression, wie der Hausarzt und die Cousine Klara sagen, solange sie nicht schädigende Befehle geben, die Psychotherapie und Psychopharmaka empfiehlt, verraten langsam, daß Mane, die Musikerin, deren Studio abbrannte, in Island bei einer Aufnahme in einem Leuchtturm war und sich dort offenbar in den Musiker Hjartan verliebte, das aber nicht zulassen wollte.

Der ist tot und hat den Brandt doch nicht gelegt, denn jetzt taucht der Feuerwehrmann Sebastian, den sie am Anfang küssen wollte oder küßte, wieder auf und erzählt von einer Nachbarin, die als Brandtstifterin verhaftet wurde.

Ein “Klangkind”, das vierjährige Nachbartöchterlein der Cousine, deren Mutter ständig im Bett liegt, weil sich der französische Vater, auch eine Art jemanden zu verlassen, erhängte und sich Coraline den Kopf gegen die Mauer blutig stößt und dann behauptet, die Wand wäre auf sie gefallen, dringt in Manes traumatisiertes Leben, die eigentlich gegen Dezember wieder ausziehen sollte, weil die Cousine dann die Wohnung braucht.

Das Leben geht weiter, die Musikerkollegen werden aufgesucht, Mane kann in der nächsten Zeit nicht mitmachen, weil Störgeräusche im Ohr und sie nachts wegen der Stimmen, den Flaschbacks und anderen nicht schlafen kann und manchmal bis fünfzehn Tropfen Baldrian braucht.

Ob sie die Stimmen noch hört?, will die gestrenge Cousine wissen, als ihr Mane von der Entführung der kleinen Coraline erzählt, der sie doch täglich Spielsachen kaufte, weil die depressive Mutter, die offenbar für Mane, die posttraumatische Depression erleidet, das nicht will oder kann.

Uje, zu weit gegangen, also schnell verneint, nicht mehr, seit sie mit dem Fahrrad zu Sebastians Häuschen fährt und Pia kichert laut und in dem Häuschen des Feuerwehrmannes trifft sie seinen Zwillingsbruder Fabi, nach einem Zeckenbiß behindert, er malt oder fotografiert aber schön und will das auch bei Mane tun und Sebastrian möchte wissen, was sie an Weihnachten vorhat?

Da gibt es einen Plan, eine Idee, nämlich nach Reykjavik zu  Hjartans Schwester fliegen, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und das Grab besuchen, wo zwei Namen stehen, Hjartan und Tira.

Das ist das Kind, mit dem im Bauch, sie sich damals um zwei Uhr aus dem Krankenhaus gestohlen und mit einem Taxi zum Flugplatz gefahren ist.

Der Rest ist einfach oder schwer und im Nachhein stellt sich heraus, daß wieder einmal alles ganz anders, wie erwartet war.

Der Brandt, hat ihn jetzt die alte Nachbarin gelegt oder nicht, hat nicht die PTSD ausgelöst, sondern offenbar eine vier Jahre alte Starre zum Verschwinden gebracht, so daß das Leben weitergehen kann, mit dem Feuerwehrmann, den sie küssen wollte oder küßte.

Aber vielleicht habe ich mir das nur so interpretiert und man kann das Buch bei der Fülle des Materials, das es bietet, auch ganz anders lesen.

2015-06-26

Cartoons über Hunde

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Nach den “Cartoons über Katzen” kommen jetzt solche über Hunde, die sich ja angeblich nicht verstehen und so kann es schon passieren, daß in der “Haustierhotline”, ein fröhliches Hündchen die Auskunft “Aber natürlich können Sie Ihre Katze in der Mikrowelle trocken!” gibt und der allbekannte Satz, “Er will nur spielen!”, kommt in allen seinen guten und auch bösen Varianten vor und so wird das Leben aus der Sicht des Hundes lustig aufs Korn genommen und wir können im schnellen Rundgang allen altbekannten Klischees begegnen und vielleicht auch neue kennenlernen.

“Wie lange dauer dieser Poststreik noch? Mein Hunde langweilt sich zu Tode!”, urgiert da die Omas übers Handy.

“Der treue Hund”, erhängt sich nach Ari Plikat mit dem Herrchen und zwei Herren in Anzug und Krawatte freuen sich darüber, daß ihr Hündchen in der Hundeschule lernte, sein Häufchen selber wegzumachen.

Da lernt man auch noch so einiges anderes, in der Regelschule schön in Reihe und Glied, während die Hündchen in der “Walddorf-Hundeschule”, sich schon einmal zur Musik im Takt bewegen.

Dorthe Landschulz hat erkannt, daß es lustig sein kann, sein Hündchen “Dot” zu nennen und sich Gedanken  darüber gemacht, wie es in Zeiten wie diesen, dem “Raucherdackel” gehen könnte.

Wenn vor der Hundeschule das Schildchen “Wir müssen draußen bleiben hängt!”, hat es wahrscheinlich der Unternehmer schwer und das berühmte “His Master`Voice” wird auch ein paar Mal variiert.

Überdas Hündchen können Mann und Frau auch leicht in Kontakt zueinander kommen:

“Apropos.. haben Sie heute Abend schon was vor?”, beziehungsweise kann das, wie Teja Fischer meint, bei der Frau am Strich, dem Freier schon mal “Einen Zehner!”, kosten, dem Liebesspiel der beiden Hündchen zuzusehen.

Über die Bevorzugung der Hunde wird gewitzelt:

“Sie bekommen den Job! Ich finde Sie niedlich!” oder “Ich habe gehört, er hat den Job bekommen, weil er der beste Freund vom Chef ist!” und Martin Zak stellt uns ein Hündchen vor, das mit einer Eistüte auf Rollschuhen vor einem Haus mit Verbotsschildern steht, wo alle drei unerwünscht sind.

“Na tol!”

Was macht Hund wohl in diesem Fall?

Von Rudi Hurzlmeier stammt das Titelbild, ein kampferprobtes Hündchen und Oliver Ottisch, der ja schon einige Solobände und Kalender bei “Holzbaum” hat, empfiehlt “einen künstlichen Darmausgang:

“Da ist das Sackerl fürs Gackerl direkt am Dackerl!”

Wie praktisch könnte man denken, es kommt aber noch viel besser, wenn Mann und Frau und Hündchen auf der Parkbank sitzen und der erstere einem staunenden Passanten erzählt: “Er ist adoptiert. Meine Frau kann keine Hunde bekommen!”

Oder andersrum und auch nicht weniger böse: “Da mein Mann eine Katzenallergie hat und der Vermieter keine Hunde erlaubt, mußten wir uns ein Kind anschaffen!”

Clemens Ettenauer und Johanna Bergmayr haben die hündischen Cartoon mit  “komischen Bildern von Ari Plikart, Dorthe Landschulz, Gerhard Glück, Johann Mayr, Lilli Bravo, Martin Zak, Michael Hottschulte, Michael Sowa, Miriam Wurster, Oliver Ottitsch, Rudi Hurzlmeier, Schilling & Blum, Til Mette, Uwe Krumbiegel u.v.m”, ausgewählt und ich kann das Buch allen Hundefreunden und vielleicht auch Hassern ans Herzlegen, auf eine mögliche Ausstellung im “Shop der komischen Künste im Museumsquartier” verweisen und  überlegen schon, welche Cartoons wohl als nächstes folgen werden?

Pferde wären vielleicht interessant, aber auch Elefanten, Löwen, Mause, ich bin gespannt!

 

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