Literaturgefluester

2019-05-26

Die kalten Sekunden

Filed under: Bücher — jancak @ 00:04
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Jetzt kommt ein Plädoyer gegen Gewalt an Frauen, der 1987 geborene Pole Remigiusz Mroz, der Jus studierte, aber mit seinen „nicht einmal noch dreißig Jahren schon fünfundzwanzig Bücher veröffentlicht hat“, hat die Thrillerform dafür gewählt, wie auch am Cover steht.

Das heißt, daß es immer wieder ungewöhnliche Wendungen und einen großen Spannungsbogen gibt, obwohl dann wieder über weite Strecken, die ganz banale alltägliche Gewalt beschrieben wird und weil es soviele Spannungsbögen gibt, erscheint mir auch einiges offen, unverständlich und nicht ganz nachvollziebar, was aber vielleicht auch Absicht war, ist das Leben doch nicht logisch zu erklären, obwohl die Krimileser das natürlich wollen.

Ungewöhnlich ist vielleicht auch, daß es zwei Ich-Perspektiven gibt. Da ist einmal Damian Werner, im folgenden Wern genannt, obwohl er das gar nicht will, der hat vor zehn Jahren seine Braut Ewa verloren, was ihn völlig aus der Spur brachte, sein Wirtschaftsstudium aufgegeben, sandelt er als Barkeeper vor sich hin, bis ihm ein Freund die Nachricht überbringt, er hätte Ewa auf einem Konzert gesehen.

Er geht zur Polizei, wird dort nicht ernst genommen, als aber später der Freund ermodert wird, flüchtet er zu seinen Eltern und kommt auch zu dem Schluß, daß Ewa noch leben muß, obwohl ihre Leiche kurz darauf gefunden wird.

Die zweite Perspektive ist Kassandra Reimann, das ist die Frau des Besitzer des Detektivbüros, an das sich der Freund wandte, um die Sache aufzuklären und da beginnen, dann die nicht so thrillertypischen Elemente.

Denn Kassandra, die schon am Vormittag trinkt, wird, stellt sich bald heraus, von ihrem Mann mißhandelt und gequält. Sie erduldet, was auch nicht so ganz logisch ist, alles wegen ihres  Sohns, der in dem Buch aber kaum vorkommt oder, wie in Trance herumläuft.

Dafür kommen die Angestellten in dem Haus vor, die Kassandra überwachen, die Hausarbeit wird aber von ihr und ihrem Mann erledigt. Kassandra kann sich nur gelegentlich in ihr Zimmer flüchtet und dort nimmt sie eine Internetverbindung mit Damian Werner auf, der inzwischen mit Internetbotschaften von Ewa durch das ganze Land gejagt wird. Die Polizei ist ihm auf der Spur, er kann aber immer glücklich entkommen.

Kassandra überweist inzwischen das Geld ihres Mannes an ihn, damit er sie und ihren Sohn retten kann und als der besonders brutal zuschlägt und schon alle Rippen gebrochen hat, steht Wern vor der Tür, wird aber auch niedergeschlagen. Kassandra tötet nun ihren Quäler und stellt sich als die verschwundene Ewa heraus.

Sie war es dann doch nicht, kann ich gleich spoilern, flieht aber mit Wern und dem Kind bis an die ukrainische Grenze. Dort kommt es zu einer neuerlichen Wende, Kassandra kann sich retten, Damian wird zurückgelassen und sie hat fortan Schuldgefühle, ob es richtig war, das zu tun, aber um all die Frauen, die sie vielleicht mittretten konnte, lohnt es sich vielleicht wieder. Kassandras Handlungsstategien und auch das Buch zu lesen, das ein ungewöhnlicher Thriller aus einer ungewöhnlichen Thrillerrichtung kommt. Schon daher lohnt es sich wahrscheinlich das Buch zu lesen und ein Nachwort, das sich gegen die Gewalt, die den Frauen täglich in Polen und wahrscheinlich auch sonst in der Welt richtet,  widerfährt, gibt es auch.

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2019-05-25

Schönbrunner Finale

Jetzt kommt ein kleiner Revolutionsliteraturschwerpunkt, habe ich doch zu meinem Backlistlesen, wo zufällig Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“ an die Reihe kam, das mir der Alfred vorigen November in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, als ich, die bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek zum November 2018 getroffen habe, Alexej Tolstois dritten Band seinens „Leidenswegs“ im „Wortschatz“ gefunden und da packten mich die Schuldgefühle, daß ich den ersten Teil „Die Schwestern“, zwar schon ein Vierteljahr  im Schlafzimmer liegen habe, weil Stephan Teichgräber die Trilogie ja als Unterlage für den Workshop bei einem Antiquar kaufte, aber wegen meiner überlangen Neuerscheinungs oder Herbstrückständeleseliste nicht gelesen haben.

Nun denn einen Ruck gegeben und weil das Revolutionsworkshop nach längerer Unterbrechung ja jetzt wieder angefangen hat, werde ich die zwei Bände lesen, wo ich den ersten seit vorigen Herbst mit Stephan Teichgräber analysiere.

Zuerst aber zum „Schönbrunner Finale“ , ein  Roman oder historischer Krimi aus dem Jahr 1918, wie am Cover steht und der 1957 in Wien geborene Gerhard Loiblsberger ist ja ein „Spezialist“ von historischen Wien-Romanen, einen davon habe ich glaube ich gelesen und mit dem ersten Weltkrieg habe ich mich ja seit dem Jahr 2014 auch sehr intensiv beschäftigt.

Da war ich sogar einmal am Naschmarkt, wo Essensackerl  mit den Rationen aus dem Jahr 1914 verteilt wurde und, um das Essen, das Hamstern und das Hungern geht es in dem Buch auch sehr viel.

Es gibt Wienerische Kochrezepte, die wohl damals üblich waren, Knackwürste mit Erdäpflschmarrn zum Beispiel oder die Hungervarianten, die damals in den Gasthäuser serviert wurden oder die Hausfrauen kochen mußten.

Gerhard Loibelsberger ist auch ein Spezialist des Wienerischen, um die vorvorige Jahrhundertwende, so gibt es ein umfängliches Glossar und Fußnoten zur Erklärung, was „abpaschn“, „Beisl“ „Einbrenn“, etcetera auf Bundesdeutsch bedeuten. Mit manchen Übersetzungen bin ich nicht so ganz einverstanden und daß „Einbrenn“ „Mehlschwitze“ bedeutet, finde ich auch ein wenig komisch, weil wer spricht in Deutschland so?

Aber das nur nebenbei. Das Buch beginnt schon im September 1917 an der Front. Da kommt Kaiser Karl zur Inspektion, die Soldaten werden neu angezogen und die besser Ausschauenden in die erste Reihe gestellt. Der Kaiser spaziert huldfrau vorbei und sagt zu allen „Brav! brav!“, was bei Ambrosius Zach Widerwillen erzeugt, so daß er ihm am liebsten anspucken möchte.

Das gelingt nicht ganz. So desertiert er des Weiteren mit dem Tschechen Karel Husak und kommt nach Wien und in das Jahr 1918 hinein, wo der Polizeiinspector, das wurde damals so geschrieben und auch „Bureau“,  Joseph Maria Nechyba bekannt aus den „Naschmarktmorden“ residiert, beziehungsweise herumschimpft,  sich überhaupt auf dem Schwarzmarkt oder mit Hilfe seiner Amtsgewalt, Essen organisiert, so geht er zu einer Greißlerin, die gerade ein gehamstertes Butterbrot mampft, um ihr das zweite abzukaufen. Die wird später von Ambrosius Zach, der früher, in friedlichen Vorkriegszeiten bei der Arbeiterzeitung Setzer war, ermordet und ausgeraubt und Gerhard Loibelsberger will damit wohl zeigen, daß der Krieg, die Menschen abstumpft, denn da wird wegen einem Butterbrot und ein paar Kreuzern sehr viel erschlagen und erstickt.

Die beiden Deserteuere gehen aber zuerst als Bettgeher zu einem Stanislaus Gotthelf, der wird aber auch erschlagen, so daß sie wegen Mordverdachts flüchten müßen, sie quartieren sich bei einer Köchin ein, deren Gnädige derweil auf Sommerfrische ist, da sind wir noch im August 1918.

Karl Husak kommt bei einem Fleischhauer unter und das ist der, beziehungsweise seine Frau, die dem Hofrat Schmerda, bei dem Nebychas Frau Aurelia Köchin ist und der gibt sein ganzes Vermögen im Schmarzmarkt für Fleisch aus und weil er gerne wieder einmal Eierspeise essen will, hält er sich in seiner Luxuswohnung auf dem Parkettboden Hendln, das heißt, da wurde Erde daraufgeschüttelt, was die Frau Hofrat zur Verzweiflung bringt.

Der Versuch also den bundendeutschen Lesern das Elend Wiens im Jahr 1918 auf amusante Art und Weise näher zu bringen, diese Volkstümelei nervte  manchmal ein bißchen, auch der Wiener Dialekt, von dem ich ganz ehrlich bezweifle, daß die Leute damals wirklich so gesprochen habe.

Es ist aber ohne Zweifel  lehrreich zu lesen und ein gutes Bild vom damaligen Wien, wo meine Elterrn, kleine, wahrscheinlich auch hungrige Kinder waren, bekommt man auch und so geht es durch den Herbst, bis zu dem historischen November, wo der Kaiser abdanken und Schloß Schönbrunn verlassen muß. Da wird noch einmal ordentlich die Hofküche leergegessen und sich an den guten Weinen betrunken.

Nebycha und der Koch tun das. Der Kaiser hat mit seiner Familie längst sein Automobil bestiegen und die beiden Deserteure, die sich der roten Garde angeschlossen haben, werden vom grantelnden Nebycha bei Plündern erwischt. Zach kommt um und Husak wird von Nebycha persönlich zum Bahnhof gebracht und in den Zug nach Prag gesetzt.

„Vy jeste Cech!“ – „Bist du Tscheche?“, ruft der schon abfahrende Joseph Maria Nebycha nach und der „brummt dann mehr für sich als für irgendjemand anderen: „Ich bin Österreicher!“

So endet das Buch. Gerhard Loibelberger hat diese Stelle auch bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek vorgetragen. Dann hats ein Buffet mit Grammlpogatscherln, Nuß und Mohnkipfern gegeben und ich komme nicht umhin anzumerken, daß ich diesen Roman aus wahrhaft historischen Zeiten Österreichs in eben diesen gelesen habe. Stehen wir ja gerade vor einer Regierungsumbildung, einer Expertenübergangslösung und einem Mißtrauensantrag, bis zur nächsten Wahl, die es im September sein wird.

2019-05-24

Augustin Hoffest

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:54
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Beim „Augustin-Hoffest“, der Grillparty der Straßenzeitung „Augustin“ in der Reinprechtsdorferstraße war ich schon vor einem Jahr.

Der Alfred hat, weil er da bei einer Veranstaltung war, eine Einladung bekommen, war aber zu dieser Zeit in Amerika, so bin ich hingegangen, habe ein Würstl gegessen und ein paar Stücke der Torte, die auch gegeben hat und einmal war ich bei einem „Augustin-Flohmarkt“ und habe mir da ein paar Rezensionsexemplare gekauft, die ich langsam, langsam abgelesen habe.

Bei der „Augustin Schreibwerkstatt“, die der Herr Blaha abgehalten, war ich 2009 auch Gast und habe ein Stück aus meiner „Sophie Hungers“ gelesen und den „Wunderschönen Tintentraum“, da war ich, glaube ich, das erste Ml in dem Quartier in der Reinprechtsorferstraße. Vorher waren sie, glaube ich, in der Mostgasse und Robert Sommer den langjährigen Herausgeber oder Chefredakteuer, habe ich kennengelernt, als ich im „Augustin“ ein Plagiat entdeckt habe.

Die Straßenzeitung lese ich schon lang, habe selber, glaube ich, auch einmal ein Portrait oder ein paar Texte drinnen gehabt, habe meine Veranstaltungen, „Die Mittleren“ und den „Tag der Freiheit des Wortes“ beispielsweise im Veranstaltungsprogramm „Strawanzerin“ angekündigt und seit einigen Jahren wird auch der „Hammer“ die Zeitschrift der „Alten Schmiede“, in dem Ruth und ich ja unsere „Kunst im öffentlichen raum-Texte“ drinnen hatten, beigelegt und heute bin ich wieder zum Hoffest gegangen, obwohl ich dachte, daß wir, weil der Alfred jetzt wieder aus Kuba zurück ist, nach Harland fahren.

Der Alfred, der wieder eine Einladung bekommen hatte, wollte aber hin und bei der „KritLit“ sind auch Einladungen aufgelegen, so bin ich, da ich im Vorjahr eine sieben Uhr Stunde hatte und um acht, als ich dann dort war, nur mehr Würstln, aber keinen Senf dazu mehr bekommen habe, diesmal sehr pünktlich hingegangen, habe mich auf einen Tisch gesetzt, gewartet bis die Würstl fertig waren, mir einen Spritzer geholt, ein bißchen Konversation betrieben, um sieben gab es dann eine sogenannte Führung mit Lesung.

Das heißt, wir sind den ersten Stock gegangen, wo die Redaktionsräume liegen und es gab eine Lesung aus Robert Sommers „Erinnerungen“, ein Buch, das man nicht kaufen kann, wie die beiden Redaktionsmitglieder erzählten, da Robert Sommer jeden Tag ein Kapitel anfügt. Die Redaktionsfrauen erzählten etwas über die Gründung der Straßenzeitung, die 1995 erfolgt ist. Eine Sozialarbeiterin, Robert Sommers Lebensgefährtin, wollte darüber ihre Diplomarbeit schreiben und hat die Straßenzeitung gegründet, deren Ziel es war, wie einer der Zuhörer erklärte, die Obdachlosen Selbstvertrauen zu geben.

Das heißt, sie kaufen die Zeitung um einen Euro fünfundzwanzig und verkaufen ihn um zweifünfzig. Dazwischen gibt es einige Sozialprojekte, wie eben die Schreibwerkstatt, die es nicht mehr gibt, den Chor und inzwischen gibt es auch das „Radio Augustin“ etcetera.

Danach gab es den Chor und Dj-Musik, eine Tombola gab es auch, wo man Lose in verschiedenen Farben kaufen konnte. Der Alfred kaufte vier. Zwei waren davon in blau und haben gewonnen. Der Gewinn bestand aus Eintrittskarten zu Kunstausstellungen, so daß wir demnächstst ins Kunshaus Wien und ins Jundertwasserhaus gehen können und wir haben wieder einen interessanten Abend, den man wohl der sogenannten Subkultur zurechnen könnte, gehabt und ein interessantes Stückchen Wien kennengelernt, beziehungsweise schon bekannte Beziehungen wieder aufgefrischt.

So habe ich die Ulli Fuchs dort gesehen und Anton Blitzstein, der ja seine Katzen und Mondkälber auch im „Augustin“ veröffentlicht war auch anwesend.

2019-05-23

Nur zur Hälfte auf der Demo

Filed under: Gesellschaftspolitik — jancak @ 23:35
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Durch meinen Unfall bin ich glaube ich das letzte Mal am Frauentag auf der Donnerstagsdemo gewesen und da mit dem Alfred, seiner Fahne und der grünen Weste die Meidlinger Hauptstraße hinuntergegangen.

Dann machte ich eine Veranstaltungspause und ließ den Alfred alleine demonstrieren, der ja Ende April mit dem Karli nach Kuba geflogen ist. Jetzt ist er wieder zurück und wir haben in den letzten Tagen nicht nur den Rücktritt von H. C. Strache wegen seines Skandalvideos, wo er einer schönen Russin halb Österreich verkaufen wollte und Johann Gudenus erlebt, sondern auch den Rücktritt der FPÖ-Minister, weil Bundeskanzler Kurz, den Innenminister nicht mehr in der Regierung haben wollte.

Jetzt haben wir eine sogenannte Expertenregierung, eine Neuwahl im September und ob es einen Mißtrauensantrag und den Rückzug von Sebastian Kurz geben wird, wird sich am Montag entscheiden.

Sehr viel Aufregung in einer Woche, Staatskrise, Regierungskrise und am Sonntag, noch die EU-Wahl und als ich vorigen Samstag davon erfahren habe, war ich auf dem Weg zu der „KritLit“, bei der ich ja auch gern einmal lesen möchte, Ulli Fuchs bei der „Lavant-Ausstellungseröffnung“ auch die „Unsichtbare Frau“ gegeben haben, aber „Eigenverlag, ja, Eigenverlag, wollen wir nicht!“, eh schon wissen, obwohl am Samstag hätte ich vielleicht schon eine Chance gehabt, wenn ich das Buch mitgehabt und rechtzeitg geschaltet hätte, denn um zwölf und, um zwei gab es ja keine Veranstaltung, die Leute waren, hörte ich, alle am Ballhausplatz, so bin ich auch dorthin gegangen und heute hatte ich vor, es mit dem Alfred wieder auf der Demo zu versuchen.

Das wollte ich eigentlich schon am vorigen Donnerstag, als alles noch normal und, wie gehabt war, aber da war der „Literarische Lenz“, den ich dann doch vorgezogen habe.

„Aber heute probiere ich es einmal!“, habe ich gedacht und, als ich kurz vor sechs, den Europaplatz und den Westbahnhof erreichte, war es dort noch ziemlich leer und ich habe auch ziemlich herumgesucht, bis ich die Demo gefunden habe.

Elfi Resch habe ich gesehen, den Auge-Gewerkschafter mit dem ich ein paarmal mit dem Alfred unterwegs war, die Erika Parovsky und und, denn bald hat sich der Platz gefüllt, es wurde „Kurz muß weg!“ geschrieen und seltsamerweise riefen auch einige Leute „Ibiza!“, was ja eigentlich kein Kampfruf ist.

„Kurz muß weg-Plakate“, gab es auch, die „Omas“ haben sich formiert und es ist nach und nach sehr voll geworden. Es gab ein paar Reden, eine Musikeinlage, dann setzte sich der Zug durch den fünzehnten Bezirk, dort wo viele Migranten wohnen und Leute, die, wie die Veranstalter sagten, nicht wählen dürfen, bis zur Tannengasse, dann  hinauf bis zur Gablenzgasse und die Burggasse hinunter bis zu ÖVP-Zentrale.

Dort war ich schon ein paar mal. Vor der Angelobung von Schwarz-blau I, hat es, glaube ich, eine diesbezpügliche Demo gegeben. Einmal war ich auch auf einen ÖVP-Fest, weil ich eine Zeitlang in deren Verteiler war und vor ein paar Wochen oder zwei Monaten hat es auch eine Demo gegeben, die dort endete.

Da habe ich kann ich mich erinnern, lange mit dem Uli kommentiert, dem ich ein Video schickte und er dann die ÖVP für links hielt, weil bei der dortigen Diskussionsveranstaltung, wo es um die Lehren der Asylwerber ging, eine Dame vom ÖVP-Wirtschaftsbund relativ sachlich diskutierte und ich habe ihm geschrieben, daß es mich interessieren würde, ob Kanzler Kurz einen Lach- oder Wutanfall bekommen würde, wenn er wüßte, daß der Uli die ÖVP für linksextrem hält.

Kanzler Kurz war aber natürlich nicht da und ich auch erst sehr spät, weil ich eine sieben Uhr Stunde hatte, so bin ich der Demo nachgelaufen und gerade zu der letzten oder vorletzten Rede bei der ÖVP-Zentrale zurechtgekommen und diesmal sollte es von der Tannengasse auch dorthin gehen.

Ein langer Weg, wenn der Fuß immer noch ein wenig geschwollen ist, so daß ich mich bei der U 6 Station Burggasse verabschiedete und mit der U-Bahn zum 13 A gefahren bin, dort eine halbe Stunde auf dem Bus, bis die Demo eben vorübergezogen war, warten mußte und der Alfred ist alleine weitermarschiert, weil er alles fotografieren wollte.

Eine tolle Stimmung und viel Aufbruchseuphorie. Ich bin da ein wenig skeptischer, ob nach der Neuwahl etwas Besseres nachkommen wird.

Die Zeiten in denen wir leben sind aber sehr spannend und ich bin gespannt, wie die Route, der nächsten Demo sein wird, vielleicht ist sie kurz genug, daß ich sie schaffe und ebenfalls ist es sehr spannend, ob Sebastian Kurz dann noch Kanzler ist.

Ich werde aber demnächst wieder aus der „Unsichtbaren Frau“ lesen und zwar am 16. Juli im Cafe Westend, das sich auch beim Westbahnhof befindet und in dem ich schon bei der letzten Lesung am vorigen Dienstag war und diesbezüglich schon mein Foto und meine Kurzbiografie an Luis Stabauer geschickt, die Einladungskarten drucken kann und da kann ich meinen neugierigen Lesern auch vermelden, daß außer mir noch Christian Schwetz und Bruno Schernhammer lesen werden.

2019-05-22

Wieder Revolutionsworkshop, wieder Hauptbücherei

Jetzt bin ich in diesem Semester erst das zweite Mal in Stephan Teichgräbers Revolutionsworkshop gewesen, zuerst hinderte mich mein Gips und meine Veranstaltungspause daran.

Dann waren noch Osterferien, der erste Mai und Stephan Teichgräber hatte auch auswärtige Termine.

Ich bin aber nicht untätig gewesen, habe ich doch nicht nur Markus Liskes Buch über „Erich Mühsams Räterepublik“ gelesen und in den letzten Tagen endlich Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“, sondern auch  auf wundersame Weise am Sonntag als ich vom „Kramer-Fest“ zurückgekommen bin, Alexej Tolstoi dritten Teil des „Leidenwegs“ im „Wortschatz“ gefunden, was mich daran erinnerte, daß ich im letzten Semester ja immer den ersten Teil „Die Schwestern“, die Stephan Teichgräber, im Oktober in einem Antiquariat in der Margareten oder Schönbrunnerstraße erstanden hat, zum Workshop und wieder zurück schleppte, das Buch aber nicht gelesen habe, denn meine Leseliste war ja so lang, aber deshalb ein schlechtes Gewissen entwickelt, denn beim Partisanenworkshop habe ich ja auch das „Engele“ gelesen.

Jetzt bin ich mit meinen Rezensionsexemplaren zwar nicht ganz, aber fast durch, ist doch heue Jörg Fausers „Schlangenmaul“ zu mir gekommen und Arif Anwars „Kreise ziehen“ wartet auch noch auf das Lesen.

Aber dann habe ich mir vorgenommen, werde ich beide Bücher lesen und im Workshop meinem Privatissimum mit Stephan Teichgräber ist es heute wieder um Alfred Döblins „November 1918“ gegangen.

Da wollte Stephan Teichgräber, daß wir  nach den Motiven suchen und daraus Motivketten erstellen, die er für sein Skriptum braucht.

Damit habe ich zwar immer noch meine Schwierigkeiten und auch die Handlung beim ersten Teil zu erkennen, bin aber jetzt schon bis Seite einundzwanzig gekommen und dann wieder in die Hauptbücher gefahren. Das habe ich im März, als ich das letzte Mal im „Doml“ war, auch getan, da hat es einen Film über Ivan Cancar gegeben. Diesmal hat wieder Armin Thurnher aus seiner „Fähre nach Manhattan“ gelesen und Franz Schuh hat mit ihm gesprochen.

Ich habe zwar schon im Schauspielhaus und bei „Rund um die Burg“ aus dem Buch gehört“, aber irgendwie hat es mich, obwohl ich Wiederholungen ja sonst vermeide,  hingetrieben, wahrscheinlich weil Armin Turnher, der Falter-Gründer, eine interessante Erscheinung ist und das bei „Zsolnay“ erschienene Buch ist, wie ich heute erfuhr, der erste Teil einer Autobiografie. Zwei Weitere sollen noch folgen und Armin Thurnher sagte auch gleich, daß das „Ich“, um das es in dem Buch geht, nicht sein wirkliches wäre, weil ja alle Autobiografien gelogen wären, uns so weiter, aber es ist wahrscheinlich wirklich schwierig authentisch zu bleiben, wenn ein Siebzigjähriger über den Achtzehnjährigen, der er einmal war, schreibt, der mit einem Schnürrlsamtanzug aus Vorarlberg nach Amerika kommt, um dort in einem College ein Stipendium anzutreten.

Es war das Jahr 1967 und der Vietnamkrieg, die Bürgerbewegung und er wurde auch von der Selbstbedienungscafeteria in dem College erschlagen, hatte er sowas doch nur vorher in Wien in der „Billateria“ in der Singerstraße, die ich auch gelegentlich besuchte, gesehen.

Die Stellen, die gelesen wurden, habe ich zum Teuil schon gehört und Franz Schuh breitete dann gleich ein ganzes Konstrukt darumherum auf, beginnend mit Fragen zur Autobiografie, kam er zu der „Utopie Amerikas“ und  dem „Mythos Stadt“.

Darüber kann man natürlich herrlich philosphieren, die französische Revolution und den „Alexanderplatz“ zitieren. Man kann aber auch einfach, wie ich es eher tun würde, von den Jugenderinnerungen des Achtzehnjährigen, der das erste Mal mit seinem Schnürrlsamtanzug und vielleicht ein bißchen ungeschickt, in das weite Land kommt und jetzt mit siebzig über seine Erinnerungen schreibt, sprechen.

Mal sehen, ob ich das Buch mal finde oder zu den Lesungen der beiden anderen  Bände komme, wenn sie erschienen sind.

2019-05-21

Cafe Westend-Lesung

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:50
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Erika Kronabitter

Erika Kronabitter

Ljuba Arnautovic

Ljuba Arnautovic

Als ich mich am Freitag bei der „KritLit“ am „Perspektive-Stand“ umschaute, hat mich Stefan Schmitzer angesprochen und mir gesagt, er wüßte, was ich am Dienstag machen würde.

„Ja?“, habe ich geantwortet, „Woher weißt du das?“, denn da hatte ich ja geplant, endlich zu der Lesereihe zu gehen, die Luis Stabauer und Erika Kronabitter seit Jahresanfang jedes Monat im Cafe Westend auf der Mariahilferstraße  beim Westbahnhof veranstalten.

Er meinte aber die „AS“, wo es derzeit das „Dichterloh Lyrikfestival“ gibt und er und Dine Petrik am Dienstag gelesen habe.

Hätte mich natürlich auch sehr interessiert, aber da ich ja im Juli bei der Leserreihe ausnahmsweise mit meinen selbstgemachten Büchern lesen darf und ich ja eigentlich schon im März hinschauen wollte, durch meinen Gips aber behindert war, habe ich es mir für heute fest vorgenommen, obwohl mir das Programm gar nicht so unbekannt war, habe ich Ljuba Arnautovic, die damit ja auch für den letzten östBp nominiert war schon einige Male aus „Im Verborgenen“ lesen gehört und  Stefan Kutzenberger habe ich vorige Woche auch zweimal aus „Friedinger“ lesen gehört.

Die 1967 in Wien geborene Sascha Wittmann habe ich auch schon in Leipzig, glaube ich, gehört und bin mit ihr auch im Vorjahr durch den Augarten spaziert aus dem Roman „Wie ich berühmt wurde“, aus dem sie ein Kapitel, das in einem Cafehaus und vom Ober Franz handelte, der einen Schlaganfall bekam, weil ihn ein Gästepaar „Kellner“ nannte, aber noch nicht.

Stefan Kutzenberger

Stefan Kutzenberger

Sascha Wittmann

Sascha Wittmann

Das war also ein Novum und die Lesereihe im Cafe Westend auch, haben da ja Erika Kronabitter und Luis Stabauer einen Verein gegründet, auch ein paar Bücher in das Cafe gestellt und die Cafehausecke, wo die Lesung stattfand, war auch gut gefüllt und ich bin auch gleich mit den Damen an deren Tisch ich einen Platz gefunden habe, ins Gespräch gekommen und bin da zufällig mit einer Ärztin und Psychotherapeutin, die nach ihrer Pensionierung zu schreiben anfgefangen hat und in Harland wohnt, ins Gespräch gekommen.

Sonst war Susanne Toth anwesend, die nächstes Monat gemeinsam mit Bettina Balaka und Herbert J. Wimmer lesen wird, gekommen und bin außerdem noch darauf gekommen, daß ich Stefan Kutzenberger, beziehungsweise seinen Debutroman schon länger, als, ich glaubte, kannte, hat ihn doch die Anna Lindner, der Anna einmal geschenkt, weil beide, glaube ich, Literaturwissenschaftskollegen sind. Die Anna hat ihn mir gezeigt und ich habe gesagt „Kenne ich nicht!“

Jetzt habe ich innerhalb von zehn Tagen dreimal eine Lesung daraus gehört und wem es interessiert, ich lese am 16. 7. fünfzehn Minuten zwei Szenen aus der „Unsichtbaren Frau“, die die gerade  in Zeiten der Regierungsumbildung, wo  Minister Basti vielleicht bald kein Bundeskanzler mehr ist, sich besonderer Akutalität erfreut, lesen werde und lade alle sich im Raum Wien befindlichen sehr herzlich dazu ein.

Wer meine zwei Co-Leser sind, weiß ich noch nicht, das wird nochmal besonders spannend werden, wer sie sind und ob ich sie kenne. Warten wir es ab.

2019-05-20

Theodor Kramer Fest am Augartenspitz

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:00
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Von der „KritLit“ habe ich mich dann am Sonntagabend gleich zu der nächsten Veranstaltung aufgemacht, feierte doch die „Theodor Kramer-Gesellschaft“ ihr fünfunddreißigjähriges Bestehen und ich kann mich erinnern, daß ich ungefähr zu dieser Zeit bei meiner Freundin Hansi Berger, die inzwischen schon lange gestorben ist und die ich als junge Studentin beim „Club der logischen Denker“ kennenlernte, ein diesbezügliches Prospekt oder eine Broschüre liegengesehen habe und sie mir stolz erzählte, daß sie nun dort Mitglied ist, was mir damals noch nicht sehr viel sagte und wer Theoder Kramer war und welch beeindruckende Gedichte er geschrieben hat, habe ich damals nicht gewußt.

Dann habe ich 2001 das erste Mal den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisiert und bin da mit Konstantin Kaiser auneindergeraten, der die Veranstaltung für sich reklamieren wollte.

Ich habe ihn dazu eingeladen und mich inzwischen mit ihm versöhnt, besuche gerne die „Theodor KramerPreisverleihungen“ und auch manche der diesbezüglichen Veranstaltungen, war auch einmal bei einem Fest in Grinzig in der Kreisky-Villa und jetzt gab es ein Fest im Augarten, wo im Vorjahr Luis Stabauer mit seiner Gruppe, eine schöne Lesung abgehalten hat, in einem schönen Garten mit einer Zirkuskulisse und einem sehr schönen Programm, zu dem ich allerdings wegen dem „Tarantl-Lesetheaters“ etwas zu spät gekommen bin, so hat gerade eine Dame Brecht Chansons vorgetragen, als ich mir einen Platz suche, Angelika Kaufmann, Helene Hoffmann, Monika Vasik, Konstantin Kaiser begrüßte, mir am Buffet Eiaufstrichbrötchen und Rotwein holte und dann den Texten von der inPolen geborenen und in Wien verstorbenen Tamar Radiziner und den Liebesgedichgten von Theodor Kramer lauschte.

Dann hätte es noch ein interessantes Musikprogramm gegeben. Ich bin aber nach Hause gegangen, war das Wochenende doch sehr anstrengend und die politische Situation hat mich natürlich auch interessiert, die sich inzwischen zu einer „Staatskrise“ auszuwachsen scheint und als ich am Nachhauseweg noch beim „Wortschatz“ vorbeigeschaut habe, bin, habe ich doch Alexejs Tolstoj dritten Teil des „Leidenswegs“ gefunden, was mich dazu veranlaßte, da ich jetzt mit meinen Frühjahrsrezensionsexemplaren so ziemlich fertig bin, es auf meine Leseliste zu setzen, zuerst aber den von Stephan Teichgräber erstandenen ersten Teil „Die Schwestern “ zu lesen und zum „Revolutionsworkshop“ wird es am Mittwoch nach langer Zeit wahrscheinlich auch wieder gehen.

2019-05-19

Von den kritische Literaturtagen zum Ballhausplatz

Eva Jancak ©2019 Peter Paul Wiplinger

Eva Jancak ©2019 Peter Paul Wiplinger

Die „Kritischen Literaturtage“, die alternative  Literaturmesse, der eher linken Kleinverlage, gibt es schon seit einigen Jahren. Sie wird von Ulli Fuchs jetzt in derr Brunnenpassage veranstaltet, einmal war ich auch im Gewerkschaftshaus an der Donau und habe sie nicht immer, aber einige Male besucht und heuer vor, mir mit Ausnahme der Abendveranstaltungen das ganze Programm zu geben, so bin ich , etwas zu spät, zu der  Eröffnung durch die Bildungssekretärin des ÖGBs Isabelle Ourny gekommen, die gerade etwas von der Wichtigkeit, in Zeiten, wie diesen, der kritischen Literatur erzählte und dann kam der Lokalmatador Uwe Mauch, der immer im „Augustin“ schreibt und der jetzt seine Sozialreportagen in zwei Büchern herausgegeben hat.

Ulli Fuchs meinte, sie würde ihm den „Max Winter-Preis“ verleihen, hat er doch über die „Armut von Wien“ und das „Working pur“ geschrieben und las einen Text über einen slowakischen vierundzwanzig Stunden-Betreuer mit Rückenschmerzen vor, der sich mit seiner Alzheimer-Patientin Valerie herumquält. Ein  interessanter Text, der zeigt, wie schwierig das Problem ist, denn die alte Frau, die in ihrer Verwirrung der Betreuer quält und beschimpft, braucht Betreuung. Herr Vlado ist aber nicht mehr arbeitsfähig, muß das aber, weil er nur ein paar hundert Euro Pension hat und in der Slowakei die Lebensmittel fast teurer, als in Österreich sind.

Der zweiten Text aus dem zweiten Buch, ein Portrait des „Augustin- Verkäufers “ Helmerl,  wurde dann von diesem selbst gelesen.

Dann kam wieder Christa Stippinger von der „Editon Exil“ mit  Magdalena Diercks und Thomas Perle, die ich beide schon bei der Kleinverlagsmesse im Museumsquartier im Dezember gehört habe und außerdem auch noch ihre Bücher auf meinem Lesestapel habe.

So bin ich ein bißchen durch die Brunnenpassage geschlendert, um mir die ausstellenden Stände anzusehen und ein wenig zu plaudern, habe da Gernot Ragger vom „Der Wolf Verlag“ getroffen und bin darauf gekommen, daß ich ihn 1989 in Klagenfurt kennengelernt habe, als ich dort mit meiner „Slavica“ zum „Preis der Arbeit“ eingeladen wurde.  Er hat dabei gewonnen, ich nicht und  inzwischen  viele Bücher herausgeben.

Zu Thomas Perles Lesung, wo er seine Kindheit im Rumänien Ceausescus beschreibt, bin ich aber zurechtgekommen und  von seinem klaren Stil mit denen er seine Erlebnisse, die Mutter wird inhaftiert, weil sie kritisch ist, er bekommt schlechte Noten und als er sich weigert, ein Gedicht auswendig zu lernen,  das seiner Mutter nicht gefallen würde, wird der Vater verhaftet und es wird ihm ein Zahn ausgeschlagen, sehr beeindruckt.

Dann folgte Alice Harmer, die nicht nur ein Stipendium bei der Stadt Wien bekommen hat, sondern als Burgenländerin auch bei der „Edition  Lex Liszt 12“ verlegt mit ihrem sehr poetischen Buch „Die Farbe der Veränderung“.

Dann wurde die steirische Literaturzeitschrift „Perspektive“ vorgestellt, beziehungsweise das Heft 96/97 „Bildtestbild – Bild – Störbild“, das offenbar auch eine deutsche Verbindung hatte, wurde es doch sowohl von Silvia Stecher, als auch von Ralf B. Korte vorgestellt und im Heft sind auch viele deutsche Autoren enthalten. Die Texte, die vorgestellt wurden, hatte aber einen starken Wien- Bezug, beziehungsweise beschäftigten sie sich, sowohl mit dem Rechts- und dem Linkspopulismus, als auch mit den Schulen des Schreibens, die es in Österreich gibt.

Dann wurde es politisch, kam doch Gerhard Senft der sich in der „Edition FZA“ mit der ungarischen Räterepublik beschäftigte und als letzter am Freitag kam dann noch Georg Fingerlos und stellte sein bei „Bahoe-Books“ erschienenens Buch „Verlottertes Blaublut. Entadelte Schwerverbrecher in Österreich 1912-1918“ vor.

Dann hätte es noch im Kunstraum Ewigkeitsgasse  Ramona Kasheer ihre Lavant-Vertonungen vorgetragen, aber die habe ich schon bei der letzten Kritlit und vor einer Woche im Literaturhaus bei der Eröffnung der Lavant-Auwstellung gehört und am Donnerstag hat Eva Geber im Weinhaus Sittl über Rosa Mayreder gesprochen  und ihr Buch „Die Anarchistin und die Menschenfresser“ szenisch vorgestellt.

Aber da war ich ja beim „Literarischen Lenz“, kann aber anmerken, daß ich die Buchvorstellung schon in der „Alten Schmiede“ hörte und mir beim Mandelbaum-Stand aus der Abverkaufskiste „Das Haus in der Landskrongasse“ gekauft habe, das ja ein Vorwort von Eva Geber hat.

Als ich am Samstagfrüh das Radio aufdrehte, hörte ich als erstes, daß am Freitagabend ein Video aufgetaucht ist, das Vizekanzler Strache im Sommer 2017 in einer Villa in Ibiza zeigte, wo er einem Lockvogel aufgesessen ist, der sich als Nichte eines russischen Oligarchen ausgab und es verfängliche Aussagen, wie die Übernahme der Kronenzeitung, etcetera, gab.

Bis cirka elf habe ich mir sämtliche Radiosendungen und Fernsehsendungen, die ich auftreiben konnte, angehört, hörte, daß ein Rücktritt und Neuwahlen wahrscheinlich seien und es auch eine Demo geben würde.

Ich hatte allerdings die „KritLlit“, die ja auch eine politische Veranstaltung ist, vor, dort war es aber, als ich um cirka halb eins in der Brunnenpassage eintraf, ziemlich ruhig, der angekündigte Frühschoppen des „Septime-Verlags“ fand nicht statt und ich hörte, als, um eins Gernot Ragger mit einer Verlagsautorin auftauchte, daß sich die meisten am Ballhausplatz befanden, die Lesung vor allem der Text von Rhonda Lamberty, die einen Kärntner Nachwuchspreis gewollen hat und der von Meeresmenschen handelte, war aber sehr spannend.

Dann gab es wieder eine Pause, weil auch Dieter Bregg, der um vierzehn Uhr auftreten sollte, nicht anwesend war und den Hinweis auf den Ballhausplatz, so daß ich diese nutzte, mich auch dorthin zu begeben, meine erste Demo seit meinem Unfall, aber das Stehen macht mir ja keine Probleme und der Ballhausplatz war auch sehr voll.

Susanne Toth ist mir entgegen gekommen, Peter Clar, habe ich gesehen, „Widerstand!“, wurde geschrieeen, eine „Oma gegen Rechts“ sang das „Omalied“ und, als die politischen Reden beendet waren und nur mehr Partystimmung, bis es zu der Pressekonferenz oder der erwarteten Kanzlerrede, kommen würde, bin ich, da auch Uli Fuchs, die übertragen wollte, wieder in die Brunnengásse zurückgefahren, wo gerade Verena Mermer, die unter dem Psedonym Louise Werner erschienenen Lebenserinnerungen „Aber mir hat der  Marxismus besser gefallen“ vorstellte, ein Buch, der zu diesem politischen Tag hervorragend passte, hat doch die 2018 verstorbene Autorin,  es für sich selbst geschrieben und berichtet hier vom „Lichtermeer“ , dem Austeig der Rechten, die Plakate, der FPÖ aus den Neunzigerjahren „Lieben Sie, Scholten, Peymann, Jelinek oder Kunst und Kultur?“

Danach kam Thomas Griesel mit einem ähnlichen Buch, hat er doch in zweiunddreißig Bilder, das Leben und die Kriegserfahrungen seines Onkels, in dem Buch „Sehr geehrtes Fräulein Reli!“, beschrieben.

Dann kam der „Mandelbaum-Verlag“ beziehungsweise Margit Appel und Martin Birkner mit dem Buch „Digitalisierung? Grundeinkommen!“, wo die Politikwissenschaftlerin vor allem die Rolle der Frauen herausarbeitete.

Am Ende des Samstag kam wieder die Redaktion von „PS“, also vier engagierten Frauen, die ihr neues Heft in Formen einer szenischen <lesung sehr engagiert und feministisch vor stellten und dabei Thomas Frechberger, der auch am Freitag seine Gedichte vortrug, und darüber diskutierten wollten, ignorieren beziehungsweise sich von ihm nicht stören ließen.

Das wars dann für den Samstag, obwohl es noch zwei Abendveranstaltungen gegeben hat, aber ich wollte nach Hause und bin da zu der Pressekonferenz zurechtgekommen, wo Sebastian Kurz, Neuwahlen ankündigte, etwas, was eine sehr postive Überraschung ist.

Am Sonntag ist es dann wieder um zwölf mit dem Buch von Gernot Trausmuth über Adelheid Popp weitergegangen. Da wurde eine theatralische Überraschung von Susita Fink angekündigt und so sang diese gerade auch „Ach, Adelheid, ach, Adelheid!“ und hatte eine große Puppe, die offenbar die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene sozialistische Politikerin, darstellen sollte, aufgebaut, der sie nach jeder Strohe eine Tafel in die Hand drückte „Für Frauenrechte“ oder „Gleiche Bildung“ stand beispielsweise darauf. Dann kam der Autor des Buches, erzählte den Lebenslauf der Autorin und zitierte einige Texte, darunter dievon Alfons Petzold, die sich darauf bezogen.

Dnn kam die „fabrik transit“, das ist eine bosonderer Kleinverlag, wo auch Doris Nussbaumer ihreTexte hat. Außer ihr, die gar nicht im Programm angekündigt war, haben noch Martin Winter, Eleonore Weber und Sonja Gruber gelesen.

Die nächsten zwei Stunden warem dem Schwerpunkt Afrika gewidmet. Da las zuerst der ehemalige Botschafter von Marokko und Senegal, Gerhard Deiss, aus seinem bei der „Edition Atelier“ erschienenes Buch „Rückkehr nach Europa“ und dann kam Esperance  Bulayumi aus dem Kongo und stellte zwei Bücher vor, die sich sowohl mit der kolonialen Aufteilung Afrikas, als auch mit der Migrationsbewegung gbeschäftigen und zum Schluß kam Bekanntes, nämlich das Lesetheater „Tarantl“ sprich Gerald Grassl, Christian Schreibmüller und Franz Blaha, stellten ihre Texte, die zum größten Teil aus Dialektgedichten bestanden vor und damit war die KritLit 2019 beendet und ein Erfolg geworden und ich auf dem Sprung zur nächsten Veranstaltung.

 

2019-05-18

Im Netz

Filed under: Bücher — jancak @ 09:32
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Jetzt kommt der letzte Eva Rossmann Krimi, den mir der Alfred kaufte, als wir im September bei der Buchpräsentation waren. Ich bin ja sozusagen ein Eva Rossmann-Fan, zumindestens habe ich die meisten ihrer Mira Valensky Krimis gelesen, die seit, ich glaube, 2000 Jahr für Jahr zu einem aktuellen Thema erscheinen.

Eva Rossmann scheint eine fleißige Schreiberin zu sein und sie scheint, das habe ich auch schon geschrieben, nach einem bestimmten Schema vorzugehen. So stellt sie viele Fragen, deutet an, ohne, wie beispielsweise bei den „Patrioten“, zu direkt zu sein. Aber das war ja kein Mira Valensky-Krimi und vielleicht ist sie auch schon etwas ausgeschrieben.

So viele neue brisante Themen gibt es ja dann wahrscheinlich doch nicht, so ist, denke ich, auch „Im Netz“, eine Mischung von dieser Themenvielfalt. Aus jedem Dorf ein Hund könnte man sagen, oder ein Mix aus verschiedenen Fällen und was mich besonders an diesem Buch nervte, war, daß bei der direkten Rede, die Anführungszeichen fehlten und durch Bindestriche ersetzt waren.

Das scheint jetzt modern zu sein, zumindest wurde ich schon ermahnt, doch nicht mehr so altmodisch zu sein und „sagte er, „sagte sie“, zu schreiben, aber ich fürchte, man kennt sich dann besser aus und ich habe bei Eva Rossmanns direkter Rede oft nicht mehr gewußt, wer da eigentlich spricht und worum es geht war mir eigentlich auch nicht immer klar, hüpfte Eva Rossmann meiner Meinung nach zu viel und zu schnell von einem Thema zum anderen, stellt sich Fragen, die oft nicht wirklich wichtig sind und mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben.

Also drei vier Krimis in einem und Mira Valenksy, die Heldein, die wir ja schon fast zwanzig Jahren begleiten, ist in diesen auch älter und fetter geworden, hat vielleicht ein Burn-Out, zumindestens ist mit ihrem „Magazin“ nicht mehr zufrieden und mit ihrem Chefredakteur auch nicht, denn der hat ziemlich abgehalftert, so überlegt sie ständig, ob sie in Pension oder woanders hingehen soll, aber wohin soll man, wenn es den Qualitätsjournalismus nicht mehr gibt und durch Internetforen ersetzt worden sind?

Der Kater Gismo ist inzwischen auch schon gestorben und wurde durch einen anderen ersetzt, der sich ständig auf Miras Computer setzt, weswegen sie ihn „Kish“ nennt und vermutet, daß er die Inkarnation eines Reporters ist.

Ein anderes Klischee ist und ich vermute, das ist wegen der bundesdeutschen Leser, auch das Motiv vom „Dritten Mann“, aber warum geht es, werden meine Leser jetzt wissen wollen?

Gute Frage! Mira sitzt in der U-Bahn, beobachtet die Leute, denkt herum und erfährt Carlo Neuhaus hat sich umgebracht. Das war ein Importeur von italientischen Lebensmitteln und ein guter Mensch, der allen helfen wollte. So wurde er verdächtigt, Kopf einer Schlepperbande zu sein und ein Shitstorm brach los.

Es gibt eine Witwe, die sich zwar von ihm scheiden ließ, ihn aber trotzdem beerben möchte und einer seiner Mitarbeiter, der Hacker Simon ist auch verschwunden.

Das führt zu Fran, den Sohn von Miras Freundin Vesna, denn der ist auch ein Computerspezialist und der klärt Mira auf, was im Netz alles geschehen kann.

Simon hatte eine Zweitwohnung, sie gehen hin, um  zu recherchieren und werden überfallen.

Nun gut, die Krimielemente müssen sein, obwohl sie meiner Meinung nach zu aufgesetzt wirken, denn Mira kocht und denkt sich inzwischen weiter, interviewt einen Rechtsanwalt und findet heraus, daß die drei Somalis, die Neuhaus angeblich geschleppt hat, den Auftrag bekommen haben, in den Lastwagen zu steigen und seinen Namen zu nennen.

Jetzt kommt noch ein anderer Fall dazu und zwar den, daß einer beschuldigt wurde, eine Frau vergewaltigt und dann liegengelassen zu haben und Quereleien mit dem Chefredakteur gibt es ständig auch.

Dann taucht der sympathische Chef eines Internetforumus auf, macht ein verlockendes Angebot und Mira reist zuerst nach Stuttgart und dann nach Sardinien, um Simon auf die Spur zu kommen. Da bekommt sie die Infos von einer Cyberorganisation, die hinter allem steckt, setzt mit Hilfe von Fran falsche Fährten und verbreitet einige Fakes, um an die Fakt zu kommen.

Am Schluß klärt sich auf, wer der Böse war und in dem Buch, das Eva Rossmann  Alfred signierte, ist auch Fakt und „Fake“ hineingedruckt.

„Fakt“, hat Eva Rossmann mit einem gezeichneten Smiley angekreutzt, aber daß alle Schriftsteller lügen und daß alle Romane gefakt, also erfunden sind, hat glaube ich Daniel Kehlmann einmal gesagt, beziehungwweise schreibt man das selbst hinein, um keine Rechtsschwierigkeiten zu bekommen.

Eva Rossmann schreibt sicher schon am nächsten Buch, so daß wir raten können, welches Thema da  bearbeitet wird. Zuviel Neues wird es wohl nicht geben oder doch vielleicht, hat sich ja in Österreich gerade die Regierung umgebildet und Neuwahlen wurden ausgerufen. Aber das wird bis zum Erscheinen des Buches vielleicht schon wieder ein alter Hut und nicht mehr so interessant sein.

2019-05-17

Deutschland schafft sich ab

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Jetzt kommt ein Fund aus dem Bücherschrank, beziehungsweise aus den Regalen, die es in der Seestadt gibt, denn da habe ich ja, als ich mit der Ruth und dem Alfred das Fotoshooting machte, Thilo Sarrazins Aufreger aus dem Jahr 2010 gefunden und natürlich mitgenommen, denn ich interessiere mich ja  für jede Art der politische Literatur.

Zu lesen hatte ich es vorerst nicht vor. Dann habe ich es aber dem Uli versprochen, als er mich, nachdem er die „Volksstimme Anthologie von 2016“ gelesen hat, mich aufforderte, doch auch mal was „Rechtes“ zu lesen und nun denn, es ist sicher ein geeignetes Buch, obwohl sich die Gesellschaft  inzwischen weiter entwickelt hat und vieles, was damals aufregte, heute wahrscheinlich überholt ist und Thilo Sarrazin inzwischen auch weitere Bücher geschrieben hat.

Damals hat man ja überlegt, das Buch aus den Buchhandlungen zu nehmen und es gab hietzige Diskussionen darüber. Ich bin auch einmal in Leipzig zu einer Lesung zurechtgekommen und da war es bummvoll und natürlich soll man sich damit beschäftigen. Das Rechte und das Linke lesen und sich  sein eigenes Bild machen und da kann ich gleich verraten, daß das Buch viel sachlicher ist, als die Dskussion darüber war.

Denn der 1945 geborene, ehemalige Banker und SPD-Politiker arbeitet mit Tabellen und Statistiken, widmet dem „Staat und der Gesellschaft“ ein Kapitel und blickt in die „Zukunft“ und da ist er sehr besorgt, daß die Gesellschaft immer älter wird und die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Er schreibt auch vom technischen Fortschritt,  meint, daß man da  mathematische Begabung braucht, um da mitzuhalten und fürchtet , daß die heutigen Schüler, das nicht bringen können, um diese Technik zu bedienen.

Der ehemalige Banker sorgt sich darum, daß das in Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit schaden könnte, zitiert die sinkenden Pisa-Ergebnisse und führt an, daß die in Korea, Japan und Finnland sehr hoch liegen.

Er sorgt sich auch um die Zukunft der sogenannten „Mintfächer“, Mathematik und Technik und beschäftigt sich danach mit den Zuwandererstatistiken. Die Kinder, die aus Asien stammen, haben gute Schulleistungen, die aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, sowie Nah-Ost eher schlechte Deutschkenntnisse und Schulergebnisse.

Bezogen auf die Armut und die „Hartz-IV- Empfänger“ meint er, daß man damit seine Kinder auch gesund ernähren, sie Sport machen lassen und ihnnen aus Büchern aus der Leihbibliothek vorlesen könnte, was offenbar nicht genug geschieht.

Bevor er zum IQ kommt und meint, daß Intelligenz bis zu sechzig Prozent erblich ist. Da bin ich mir nicht ganz sicher. Er zitiert aber Studien, wonach die evangelischen Pastorenkinder und die jüdische Bevölkerung fast ausschließlich studiert haben und sorgt sich vor allem um die zunehmend sinkende deutsche Bevölkerung und, daß der Bildungsgrad abnimmt, was der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit Schaden bringt.

Im vierten Kapitel geht es dann um „Armut und Ungleichheit“ und hier zitiert Thilo Sarrazin wieder Statistiken und meint, daß die „Tafel“ mit medialer Unterstützung für die „Hartz-IV-Empfänger“ nicht notwendig ist, weil man sich mit der Unterstützung sehr wohl gut und ausreichend ernähren kann und führt dazu ein paar Beispiele an.

Dafür wurde er beschimpft und kommt an dem Schluß, daß die „Hartz-IV-Empfänger“, eher Verhaltensauffälligkeiten haben, die es ihnen unmöglich machen, seinen Vorschlägen zu folgen.

Dem stimmt die Psychologin, die sich sehr wohl mit wenig Geld ernähren kann zu, denkt aber, daß der Banker und Politiker, der ohne Zweifel über brillante geistige Kräfte verfügen muß, um auf diese Position zu kommen, sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen kann, daß die Leute, die über nicht so brillante Kräfte verfügen, eben wegen ihrer „Verhaltendefizite“ zu „Hartz-IV- Empfänger“ wurden.

Sarrazin zitiert Studien des indischen Nobelpreisträgers Amarytya Sen, obwohl man ja, wie er selber schreibt, die Verhältnisse von anderen Staaten nicht auf deutsche Verhältnisse übertragen kann und kommt dann zu dem berühmten Grundeinkommen, das ja hier und dort bedingungslos gefordert wird, damit man sich ohne Druck seiner Familie, Interessen, Hobbbies, etcetera widmen kann und meint, was sicherlich richtig ist, daß das Unglück der Armen oder Arbeitslosen nicht so sehr die materielle Not, als das Fehlen von Sinn und Anerkennung wäre und das wäre in einer Gesellschaft, wie dieser eben die Erwerbsarbeit.

Was nicht ganz stimmt, da ja viele Künstler von Stipendien und Preisen leben und trotzdem Sinn in ihrer Arbeit sehen.

Aber da wären noch die Tugenden, wie Pünktlichkeit, Fleiß und Disziplin, die manchen aus den bildungsferneren Schichten fehlen und es ihnen daher unmöglich machen würden, im Arbeitsleben zurecht zu kommen.

Sie geben das dann an ihre Kinder weiter und ein weiteres Unglück sieht Sarrazin darin, daß diese Schichten  sehr viele Kinder haben.

Jetzt könnte man einwerfen, daß ihnen das vielleicht den Sinn gibt, wenn sie aber ihren Erziehungsauftrag nicht nachkommen können….

Und das wirkliche Problem sieht Sarrazin darin, daß man angeblich oder tatsächlich sechzig Prozent seines Einkommens ohne jede Bedingung bekommt, so daß der Reiz für den kläglichen Rest Arbeit anzunehmen, natürlich fällt, was auch der Grund dafür wäre, daß die Flüchtlinge und Migranten in so großen Mengen nach Deutschland strömen und dann dort sehr viele Kinder bekommen, wie man ja jetzt, neun Jahre nach Erscheinen des Buches und nach der Flüchtlingskrise auch überall sonst hören kann. Thilo Sarrazin ist also für die Streichung von Transferleistungen, wie er es nennt, ohne Gegenleistung und stellt Modelle auf, wie das funktionieren könnte.

Mit der Bildung geht es weiter, das schlechte Abschneiden bei den Pisa-Tests hat Sarrazin schon in den vorangehenden Kapiteln beklagt. Jetzt erzählt er von seinen eigenen Schulerfahrungen, wie er es in den Fünfzigerjahren ins Gymnasium mit einem strengen Lehrer und mit fünfzig Schülern pro Klasse schaffte und meinte, daß zu einem guten Lehrer sowohl die Liebe zu den Schülern, als auch Autorität und Disziplin gehört. Zuneigung hat er, glaube ich, geschrieben, was mich fast ein wenig wunderte, daß er das für wichtig hält.

Sein Bildungsplan für die bildungsferneren Schichten sieht aber sehr viel Disziplin, wenn nicht Zwang und Autorität vor: im ersten LA Betreuung durch das Jugendamt, dann Krippe und Kita, wie das in Deutschland heißt, viel Vorlesen und wenig oder gar kein Fernsehen und keine Computer.

Die ausreichende gesunde Ernährung und die Bewegung wurden schon erwähnt, dann Ganztagschule und natürlich viel Üben, weil nur dadurch wird man zum Meister, was den heutigen Schulen fehlt. Da wird nicht mehr geübt und keine Hausaufgaben gegeben und es wird nicht mehr differenziert, sondern nach unten angepaßt, was dann zu den schon beklagten schlechten Lernergebnissen führt. Er führt noch ein paar schlechte Beispiele von Berliner Schulen an und hat schon vorher erwähnt, daß die Großstädte, wie Berlin Hamburg und Bremen die schlechtesten Bildungsergebnissen haben.

Im Kapitel „Zuwandererung und Migration“ wird dann am Beispiel von Neukölln, über die Türken und Muslime hergezogen, die ab den Achtzigerjahren laut Sarrazin nur kamen, weil sie hier Grundsicherung bekamen. Die meisten seien arbeitslos, meint er, die Frauen unterdrückt und haben viele Kinder, brauchen sie auch wegen dem Kindergeld, das sie dann nach Hause schicken, die Deutschen weniger, so wächst die Bevölkerung an oder dreht sich um und 2004 hat der türkische Unternehmer Viralö Öger bei einem Abendessen scherzhaft gesagt „Im jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen lieben. Das, was Kamuni Sultan Süleymann 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen!“

Das ist wohl die große Angst hier und dort und erklärt auch den Titel des Buches. Sarrazin, der Fernsehgegener erklärt auch, daß die türkischen Familien nur türkisches Fernsehen sehen, sich nicht integrieren, also Türken und türkisch bleiben, daher nicht Deutsch sprechen oder nur soweit, um den Antrag auf Arbeitslosenunterstützung auszufüllen.

Das, das die Deutschen und auch die Österreicher ärgern kann, ist verständlich. Andererseits denke ich, warum soll ich Deutsch lernen, wenn ich es nicht brauche, die Amerikaner und die Engländer tun das auch nicht? Eine wirkliche Verpflichtung sollte da nicht bestehen, obwohl wir das Punkteprogramm, um den Problemen Abhilfe zu schaffen von Sarrazin schon kennen. Der Banker nimmt es hart, Kindergarten- und Schulpflicht, Ganztagsschule und Arbeitspflicht. Wer der nicht nachkommt, dem wird die Unterstützung unterzogen und ärgert sich darüber, daß das die Regierung nicht macht und ihm sogar nach Erscheinen des Buches aus der SPD ausgeschlossen hat.

Die Schlußfolgerung aus all dem Vorangegangenen, lautet natürlich „Mehr Kinder von den Klugen bevor es zu spät ist“, und führt zu einem wieder sehr sachlichen Kapitel mit Tabellen und Statistiken  über“ Demographie und Bevölkerungspolitik“

Darwin und Mendel wird da zitiert und der Hergang der Familie Sarrazin im vorigen Jahrhundert, bevor man zu der Erkenntnis kommt, daß die deutschen akademischen gebildeten Frauen, die erst mit Ende Dreißig mit ihrem Studium fertig sind und daher keine Zeit für mehr als ein Kind haben, obwohl sie dem ja ihren IQ weitergeben könnten, während die Migranten von der Sozialhilfe leben und dafür ein Kind nach dem anderen bekommen.

Das führt dann zu einer Satire, wie es Sarrazin, glaube ich, nennt, wie es, wenn man  nicht aufpasst „Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“, heißt ja der Untertitel des Buches, in hundert Jahren dazu kommt, daß die Kirchen verfallen und schließlich den Muslimen übergeben werden, die deutsche Sprache abgeschafft oder nur mehr in den Randgebieten und in den Schulen nach Bedarf gelehrt wird oder weil Sarrazin, das ja nicht für seine Kinder und Kindeskinder haben will, zu der Alternative, die schon in den vorigen Kaptieln skizziert wurden: Zwangskindergarten, Zuzuug erst, wenn die Familie, ihn erhalten kann und zehn Jahre keine Sozialleistungen für die zugezogen, das führt dann, gekopptel mit einer höheren deutschen Geburtsrate, wieder dazu, daß Deutschland so wird, wie es war und alle glücklich sind, wie Thilo Sarrazin 2010 geschrieben hat.

Jetzt schreiben wir  2019, Deutschland hat nicht auf ihn gehört, wie die Rechten täglich bloggen oder vloggen und die Qintessenz, die ich mir von dem Buch mitnehme ist, daß ich mir Thilo Sarranzin, der ja inzwischen schon weitere andere Bestseller geschrieben hat und damit mit mehr oder weniger Stolpersteinen ausgestattet, durch das Land reist, als einen sehr konservativen, autoritären,  selbstbewußten, hochintelligenten Mann vorstelle, der mit der Entwicklung Deutschlands, wie auch  viele andere, die sich nicht so gut ausdrücken können, nicht zufrieden ist und für einen Banker sehr erstaunlich, ein eigentlich sehr trockenes soziologisches Buch geschrieben hat, das viele Probleme aufzeigt, die man lösen muß.

Ein Land verändert sich und in Wien vor hundert Jahren hat es auch sehr viel anders, als heute ausgesehen und zwar wurde da oder vielleicht schon zwanzig Jahre früher, auch sehr viel aus Mähren und aus Böhmen zugezogen und die Bosniaken, die zu der Monarchie gehörten, haben, glaube ich einen Turban oder Fez getragen, während es in meiner  Volks- Hauptschule und auch in der  Straßegasse keine migrantischen Kinder gegeben hat.

Der große und vielleicht auch kontrollierte Zuzug von 2015, der in dem Buch noch nicht enthalten ist, haben die Unzufriedenheit der Leute auch noch verstärkt. In Deutschland rüstet sich die AfD zur Europawahl und schimpft gegen die Antifa, SPPD und Grünen in Österreich haben wir eine blau schwarze Regierung mit der der Chef der Patrioten, aber, glaube ich, nicht sehr zufrieden ist und Houllebecq hat ja 2015 auch eine Utopie geschrieben, wie es in Frankreich aussehen kann.

Aufpassen muß man, glaube ich, und die Probleme lösen und sicher auch über das Buch, das ja sehr umstritten ist  und vielleicht auch über die anderen diskutieren, aber das passiert im Augenblick, wo die einen nur auf die anderen schimpfen, nicht sehr, obwohl das Miteinander gerade in schwierigen Zeiten, wie, ich glaube, sehr notwendig ist.

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