Literaturgefluester

2016-08-26

Phantastische O-Töne

Daniela Strigl

Daniela Strigl

20160825-204705

Zwei ungewöhnliche Autorinnen mit einer fast magischen, wirklichkeitsfremden, sehr künstlichen Art und Weise des Schreibens diesmal bei den O-Tönen.

Zuerst, die mir bisher vollkommen unbekannte Debutantin Margit Mössmer, 1982 in Hollabrunn geboren, die Theater, Film und Medienwissenschaft, sowie Hispanik studierte und seit 2007 im Museumsquartier arbeitet.

„Die Sprachlosigkeit der Fische“ ist in der „Edition Atelier“ erschienen, bei „Literaturen“ gibt es  eine Rezension und das Buch ist ein Episodenroman, der von einer Gerda, einer Art Wunderwuzzi, wenn ich es richtig verstanden habe, handelt, die in der Welt herumreist, in Schneelöcher fällt, Bürgermeisterin ist, auf Bäume klettert oder in Floridsdorf in einem Kaffeehaus arbeitet, wo sich unter den anderen Gästen auch ein Mann und eine Frau befinden, die um halb zeh schon Fleischaberln essen wollen.

„Küche leider erst um zehn, aber einen Toast kann ich Ihnen machen!“

Der Mann bestellt, schreit mit der Frau herum, will, daß sie für ihn zahlt, weil sie kein Geld hat, haut er ihr eine hinunter und sie blutet aus den Ohren, der Nase und den Mund, das Blut breitet sich im ganzen Lokal aus, den Gästen geht es schon bis zum Knie und die Frau entschuldigt sich bei Gerda für die Mühe, die sie ihr machte, aber es reichte ihr einmal.

Sehr ungewöhnlich, eine Art magischer Realismus wahrscheinlich, den man in der österreichischen Literatur und unseren Breiten vielleicht nicht so gewohnt ist, aber Teresa Präauer, die Wolf Haas „Gans im Gegenteil“ illustrierte, dann mit ihrem Erstling den „Aspekte Literaturpreis“ bekam, scheint eine ähnlich unkonventionelle Schreiberin zu sein.

Teresa Präauer

Teresa Präauer

Margit Mössmer

Margit Mössmer

Aus ihrem soeben erschienenen Roman „Oh Schimmi“ hat sie im Vorjahr in Klagenfurt schon ein Stück gelesen und nicht gewonnen, obwohl sie in jeder Runde in der Stichwahl war. Das ist die Geschichte von dem Mann, der sich einer Frau und seiner Liebe wegen in einen Affen verwandelt oder verkleidet und dann in einen Supermarkt  Schokobananen einkaufen geht.

Er wohnt mit seiner Mutter in einer phantastischen Stadt in einem Turm, scheint ein Sonderling mit Sprachfehlern und besonderes Bedürfnissen zu sein und Teresa Präauer hatte auch eine sehr abgehackte konstruierte Art des Lesens.

„Eine der ungewöhnlichsten Gegenwartsautorinnen!“, hat Daniela Strigl, glaube ich, sie eingeleitet und ich glaube auch, daß das stimmt, so daß nach den sehr politischen Lesungen der letzten Woche, das phantastische und magische, das mir ja wahrscheinlich nicht so liegt, an der Reihe war, aber auch sehr interessant zwei neue Schreibweisen kennenzulernen.

Das heißt, Teresa Präauer habe ich ja schon  gekannt und sie ist ja auch im „Literaturmuseum“ in der Sonderausstellung zu sehen.

Margit Mössmer war für mich die Endeckung des Abends. Mal sehen, was ich wieder von ihr lesen oder hören werde.

 

2016-08-25

Vom (Longlisten)lesen und vom Schreiben

Ja, also zwei große Projekte, die mich in diesen Herbst begleiten, so daß es mir eigentlich gut geht und ich sehr beschätigt bin.

Den Roman „Claire-Klara-Clarisse“, den ich mir sozusagen aus Kroatien mitgebracht habe, habe ich begonnen und inzwischen zehntausendneunhundertneunundzwanzig Worte, sechs Szenen, bzw. einundzwanzig Seiten und es geht eigentlich sehr gut damit.

Meine Kritiker werden zwar vielleicht wieder sagen, daß das unverständliches Zeug ist, beziehungsweise, ChickLit, ein Liebesroman, etwas Narratives und überhaupt nichts, was sie interessiert, können das aber wahrscheinlich gar nicht, weil sie es ja nicht gelesen haben und ich weiß, das Genre gar nicht so genau und überhaupt nicht, ob ich solches schreibe.

Ich schreibe keine ChickLits sondern Literatur, also werden sie die Liebesgeschichte von dem Buchpreismitlgied Klara Winter, das aus Frankfurt übersützt aufbricht und mit ihrem VW-Bus nach Trogir fährt, weil ihr Freund Edy, sie mit ihrer Freundin Kathrin betrogen hat, beziehungsweise ihr beim Sommerest der FAZ in ein Hotelzimmer folgte, vielleicht für kitschig halten.

In der Nacht träumt Klara von einem Zauberer, der die kleine Klara mit einem Luftballon entführt und zu einer anderen Mutter bringt, sie lernt im Cafe Monaco den Exilrussen Sergej kennen, fährt mit ihm nach Split, wo sie seine Lieblingscousine Clarisse, die Kuratorin des Filmfestivals von Split ist, treffen und die hat ein schweres Leben, ist Bulimikerin, weil sich ihre Eltern, als sie sehr klein war und ihre Schwester verlor, scheiden ließen und sie fortan bei ihrer Großmutter Claire, die sowohl in Ragusa als auch in Nizza lebte, aufwuchs.

Die Szene bis zum dalmatinischen Abend am Campingplatz habe ich schon geschrieben. Vorher hat Klara Sergej im Cafe Monaco kennengelernt, der auch bei dem Abend am Camp ein Saxophon-Solo gab. Jetzt wird sie alleine nach Split fahren, dort aber sowohl Clarisse, als auch Sergej treffen und die letzte Szene muß ich noch korrigieren und dann das Ganze wieder vornehmen, durchlesen und weiterplotten.

So bald wird das nicht passieren, das heißt, es wird wieder eine Unterbrechung geben, denn am Freitag gehen wir ja mit dem Alfred und seiner Wandergruppe in das Höllengebiergte und da werde ich mir wahrscheinlich diesmal meinen E-Bookreader mitnemen und mit Hans Platzgumers „Am Rand“, sehr passend, mit dem heurigen Longlistenlesen beginnen.

denn richtig, am Dienstag wurde ja die Longlist bekanntgegeben, die diesmal eine sehr sehr überraschende war. Denn ich habe mir ja schon ein paar Wochen vorher Gedanken darüber gemacht, was auf dieser Liste stehen könnte und bin auf etwas ganz ganz anderes gekommen, als das was die Jury dann auswählte, kein Glavinic, kein Gstrein, kein Köhlmeier auch keine Sabine Gruber, kein Tilmann Ramstedt, keine Julie Zeh und auch nichts oder nur wenig, was mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun haben könnte.

Nun gut, die Jury ist immer für eine Überraschung gut, ich habe am Dienstag dann, wo ich eine Diagnostik und auch relativ viele Stunden hatte, die Verlage, um die Bücher angeschrieben und interessant, daß diesmal sehr viele E-Books beziehungweise PDFs zu mir gekommen sind.

Das heißt „Jung und Jung“, „Zsolnay“ und auch der mir bisher unbekannte „Lenos Verlag“ haben mir solche teilweise mit der Begründung, daß die Rezensionsexemplare schon alle weg sind, geschickt.

Als ich vor drei Jahren „Jung und Jung“, wegen der Nellja Veremej anfragte, ist mir das auch so passiert und „Droschl“ hat mir im Vorjahr die Monique Schwitters auch als PDF geschickt.

Das heißt vier Bücher werde ich dann auf meinen E-Book Reader haben und mit dem Lesen beginnen können, sobald ich mit dem SexChickLit, das mir „Literaturtest“ schickte „Die Kunst Elch Urin frisch zu halten“ fertig bin das wahrscheinlich eine etwas „unwürdige Lektüre“ ist, aber spannend, wenn auch etwas aufgesetzt und dann gar nicht so leicht zu lesen.

„Matthes und Seitz“ hat mir das neue Buch der Anna Weidenholzer, die nicht mehr bei „Residzenz“ verlegt, auch versprochen, den Bodo Kirchoff soll ich bekommen und „Rowohlt“ wird mir auch seine zwei Listenbücher schicken. Das wären dann acht und weil inzwischen auch noch ein anderer, wahrscheinlich weiblicherer ChickLit vom „Literaturtest“ zu mir gekommen ist, werde ich sehr viel zu lesen haben und wahrscheinlich noch nicht damit fertig sein, wenn dann in eineinhalb Wochen die österreichische buchpreisliste veröffentlich wird.

Und auf die bin ich jetzt sehr gespannt und starte also in einen heißen Leseherbst, der von einem heißen Sommerschreiben bebgleitet sein wird. Dazwischen gibts dann die Lesung auf dem „Volksstimmefest“ aus den „Berührungen“ und die Anthologie vom letzen Jahr, die schon erschienen ist, sollte auch bald zu mir kommen.

Die Veranstaltungen fangen dann im September auch wieder an und ich starte heute nach den O-Tönen in mein letztes Sommerfrischenwochenende, das ich ja auf dem Berg verbringen werde.

Dann gehts am Montag schon wieder zurück nach Wien, der Alfred startet mit dem Karli auf Urlaub nach Russland und nach Japan.Ich bleibe zurück und werde schreiben, lesen, den Altweibersommer genießen und gespannt sein, wie ungewöhnlich, die österreichische Longlist werden wird?

Aber es gibt ja viel mehr als zwanzig gute Bücher pro Jahr, das habe ich auch schon geschrieben und das hat sich offenbar auch zu den Juroren herumgesprochen und so werde ich heuer sehr viel Überraschendes, Würdiges und vielleicht auch Unwürdiges lesen und die Vicki Baum bleibt leider vorerst liegen, aber vielleicht geht es sich im November nach der „Buch-Wien“ und nach der österreichischen Buchpreisvergabe aus.

2016-08-24

Licht im August

Bevor es mit dem „Buchpreis-Lesen“ weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das „Atalante“, als hervorragendes Mittel, gegen die „Buchpreis-Bulimie“ empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949/1950 den Nobelpreis für Literatur bekam, hat 1932 einen Roman geschrieben, der 1935 bei „Rowohlt“ auf Deutsch erschienen ist, den ich zweimal im Bücherschrank fand.

Das eine Mal fehlten, glaube ich, ein paar Seiten und das andere hätte ich jetzt fast schon von meiner Leseliste gestrichen, da ich ja nicht ein so unbedingter Fan der großen Amerikaner bin.

Des Titels wegen habe ich es drin geleassen, da ich ja gerne etwas mit Bezug lese und jetzt sogar meinem Vicki Baum- Schwerpunkt, den ich noch immer vor mich herschiebe, vorgezogen.

Mit Recht, denn es ist ein großartiges Buch, wenn ich auch gar nicht so genau warum sagen kann, denn eigentlich ist es mit seinen einundzwanzig Kapitel ein wenig langatmig. Es erzählt auch nicht sehr viel und das, um was es geht und warum es wahtrscheinlich auch als so großartig gilt, wird nur angedeutet.

Es ist die Stimmung wahrscheinlich, die erzählt wird oder, die das Erzählte auslöst, denn auf einmal ist man mittendrin im Sumpf des Südstaatenamerikas der neunzehnhundertdreißíger Jahre, wo der Alkohol verboten war und man daher vom Schwarzhandel lebte, sich alles um eine bigotte Frömmigkeit dreht, der Sex verboten ist, obwohl dann die schwangeren jungen Frauen herumlaufen, die verschämt Missis genannt und hinter ihrem Rücken getuschelt wird und es ist vor allem, ein Amerika der Rassentrennung, wo die Weißen von den Schwarzen nichts wissen wollen und sie trotzdem brauchen und auch das deutet Faulkner nur an, das heißt er beschreibt einfal das Nebenander der Neger und der Weißen, ohne besonders viel zu werten und zu kommentieren

Ja, ich habe noch ein altes Buch gelesen, 1972 erschienen, wo das noch so drin steht und  dem Wort „Niger“, das damals wohl schon ein Schimpfwort war, gegenübergestellt wirde, während „Neger“ wohl der normale Sprachgebrauch war.

Inzwischen gibt es eine neue Übersetzung, die übera2ll gelobt wird und mich würde da interessieren, ob man hier, wo wohl „Farbige“ „Schwarze“ oder „Afro-Amerikaner stehen wird, der gleiche Effekt erreicht wird, denn für mich war es gerade der Sprachgebrauch, daß ich mir den Kleinstadtmiff so gut vorstellen konnte.

Bei Harper Lee, deren verschollenen Erstling, ich kurz vor ihrem Tod vor Weihnachten gelesen habe, gibt es eine ähnliche Stimmung und Grace Metallious beschreibt wohl ähnlich direkt, obwohl es hier, so weit ich mich erinnern kann, nicht so sehr, um die Rassenfrage geht.

„Seit Henry James hat kein Schriftsteller ein so großes und dauerndes Denkmal für die Kraft der amerikanischen Literatur hinterlassen“, sagte laut Buchrücken John F. Kennedy und bei „Amazon“, wo man sich auf die Neuübersetzung bezieht, wird Barak Obama zitiert.

In meinem Buch hat der Vorleser: „Eine Lüge, die ein Leben trägt ist besser als eine Wahrheit, die ein Leben zerstört“, hineingeschrieben und ich weiß jetzt gar nicht so genau, was er damit meint, denn William Faulkner arbeitet sehr viel mit Symbolik, deutet an, verwendet Metaphern, so daß vieles, wenn man es eins zu eins betrachtet unlogisch erscheint, während es wohl insgesamt das dichte Nobelpreisbild ergibt, was meine Meinung über die großen Amerikaner revidiert. Hendry James halte ich aber eigentlich auch nicht für einen so tollen Schrifftsteller, zumindest habe ich mit der „Dame von Welt“ nicht so viel anfangen können.

Also da wandert eine hochschwangere junge Frau, Lena Grove mit Namen tagelang von Alamba, in den Süden auf der Suche nach ihren Kindesvater, Lucas Burch, von dem man ihr erzählte, daß er in Jefferson in einem Sägewerk arbeitet.

Das ist allerdings eine Verwechslung, der in dem Sägewerk heißt Byron Bunch. Lucas Burch ist zwar auch da, nennt sich aber Brown und ist ein ziemlicher Widerling von Mann, obwohl er hübsch aussieht. Lena begegnet bei den Kleinstadtweißen durchaus hiflsbereite Menschen, wird mit einem Wagen mitgenommen, ein Farmerin gibt ihr ihr Ersprartes, so daß sie sich eine Büchse Sardinen kaufen kann und Lena wird, als schweigsamme, unbeirrte Frau geschildert, die ihren Weg dahingeht und in die Kleinstadt Jefferson kommt.

Das Buch heißt so, habe ich, wo gelesen, weil es 1932 im August spielt und das tut es auch auf einer Ebene, nämlich auf der,  in der Lena nach Jefferson kommt, ihren Kindesvater sucht, das Kind gebiert und mit Bunch wieder wegzieht.

Dazwischen passiert noch ein Mord, da wird eine alte Jungfer, die sie sich für das Recht der Schwarzen einsetzt und ihre Schulen sozusagen als Supervisorin betreut von einem Dreißigjährigen namens Christmas, der in einer ihrer Hütten lebte, ermordet und dann gibt es wieder ellenlange Kapitel, die von jenen Christmas oder Joe Mc  Eachern, wie er nach seinem Adopivvater heißt, erzählen.

Christmas heißt er, weil er ein Waisenkind ist und zu Weihnachten vor die Schwelle des Waisenhauses gelegt wurde. Dann belauscht er die sexuallen Handlungen der Wirtschafterin mit einem jungen Arzt und wird zur Adoption freigegeben. Es ist auch noch die Rede, ob er nicht in ein Waisenhaus für Scharze kommen soll, denn er wird von den Kindern und der Wirtschafterin als „Neger“ oder „Niger“ beschimpft. Das schwarze Blut in ihm scheint auch seine Besessenheit zu sein, denn offenbar ist ihm das gar nicht anzusehen, wird aber ständig so beschimpft. Vielleicht auch eine Symbolik von William Faulkner,  mit der er die Situation beschreibt, die für außerhalb der Südstaaten lebende möglicherweise gar nicht so nachvollziehbar ist.

Er verläßt jedenfalls mit Achtzehn den Adoptivvater, einen bigotten Christen, der den Jungen oft genug prügelt. Christmas bestieht ihn auch, beziehungsweise seine Adoptivmutter, die eigentlich zu ihm hält, sich gegen ihren Mann aber nicht durchsetzen kann.

So kommt er in eine Hobelwerkstatt nach Jefferson, wohnt bei Joanna Burden in ihrer Negerhütte, hat auch ein sexuelles Verhältnis mit ihr, die für ihn kocht und ihn zu ihrem Nachfolger heranbilden will und von ihm, kurz vor ihrer Menaupause, wie bei „Wikipedia“ steht, auch schwanger wird. Als sie ihm zum beten zwingen will, schlägt er ihr den Kopf ab und zündet das Haus an und wird von Lucas Burch oder Brown, der mit Joe Christman in der Hütte lebt und illegal Whiskey verkauft wegen der tausend Dollar Belohnung verraten.

Es gibt noch einige andere seltsame Gestalten in dem Roman. So den Geistlichen Hightower, der in seiner eigenen Welt, beziehungsweise in den Bürgerkriegserlebnissen seines Großvaters lebt und daher übersieht, daß er von seiner Frau betrogen wird, die sich in einem Hotelzimmer in einer anderen Stadt in Anwesenheit eines Freiers aus dem Fenster stürzt. Deshalb verliert er sein Amt, weigert sich aber die Stadt zu verlassen und sitzt seither am Fenster und sieht hinaus, wird aber von Byron Bunch, der irgendwie auch seltsam ist, regelmäßig besucht.

Der verliebt sich sofort in Lena, die aber nichts von ihm wissen will, bringt sie in der Negerhütte unter, wo sie das Kind gebiert. Christmas Großeltern, die plötzlich, nachdem der geflüchtete Chrismas gefangengenommen wurde, auftauchen, helfen ihr dabei.

Christmas wird von einem eifrigen Polizizist erschoßen, Lucas  Burch, der durch Byron Bunchs Vermittlung mit ihr sprechen soll, haut ab, als er die Schwangere mit dem Kind sieht und so verlassen am Ende Lena, das Kind und Byron Jefferson und die Kleinstadt mit ihren Verirrungen und Verwicklungen, wo die Negerfrauen nachts durch die Hintertüren in die Häuser der Verlorenen schleichen und ihnen Essen bringen, das aus den Küchen der weißen Familien stammen, in denen sie Köchinnen sind, bleibt zurück.

Inzwischen wird sich auch dort sehr viel verändert haben oder trotz des farbigen Präsidenten, dessen Amtszeit jetzt ja bald ausläuft, eigentlich wieder nicht so viel, wenn man von den Unruhen und Demonstrationen liest, die ausgelöst werden, weil weiße Polizisten noch immer sehr schnell farbige Jugendliche erschießen, die sich das nicht gefallen lassen wollen.

Ein sehr interessantes Buch mit einer sehr dichten eindrucksvollen Stimmung, die zum Nachdenken anregt. Es soll das am leichtestens zu lesende Buch von William Faulkner, von dem ich sonst noch nichts gelesen habe, sein und mich würde interessieren, wie es den Lesern der Neuübersetzung geht? Vielleicht mag mir ein solcher einen Kommentar hinterlassen.

2016-08-23

Große Überraschung auf der Longlist

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 18:28
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Da habe ich mir ja in den letzten Wochen so meine Gedanken gemacht, was da heuer auf der Longlist stehen könnte, habe mir die sechs Bücher gewünscht, die ich von den Neuerscheinungen schon gelesen habe oder auf dem Nachtkästchen liegen und bei den anderen offiziellen und inoffiziellen Bloggern ihre Wunschlisten durchgeschaut, so daß ich mir ein genaues Bild machen konnte und am Schluß dann schon ziemlich sicher war, was dann auf dieser Liste stehen könnte.

Köhlmeier und Glavinic ganz klar, Gstrein vielleicht und auch Sabine Gruber, Julie Zeh, Tilman Rammstedt, die beiden Bücher mit den ausländischen Autorinnen, vielleicht auch der Broken Speaker Tomer Gadi, um Sylvie Schenk habe ich gehört, kommt man nicht herum , Isabelle Lehns „binde zwei Vögel zusammen“, Jakob Hein „Kaltes Wasser“ und und und.

Und dann kam die große Enttäuschung oder Überraschung, denn enttäiuscht werde ich nicht sein, ganu egal was auf dieser Liste steht, habe ich gestern noch Tobias Nazemi gemailt, der glaube ich, auch ganz andere Vorstellungen hatte, denn fast lauter unbekannte Bücher und ich habe auch kein einziges davon gelesen oder auf meinem Nachtkästchen liegen, wohl aber schon von einigen gehört und bei einigen bin ich auch auf Lesungen gewesen, für Favoriten hätte ich die meisten aber trotzdem nicht gehalten.

Macht aber nichts und so sieht man wieder, wie man sich täuschen und verspekulieren kann.

Die Jury macht es dann immer wieder anders und ich würde fürs Erste sagen, es ist eine spannende Liste und ich werde viel neues erfahren, wenn ich die Bücher bekomme.

Angefragt habe ich sie schon alle, da fünf davon aus den „Fischer-Verlag“ sind, war das gar nicht so umständlich und von fünfen habe ich auch schon Nachricht erhalten, daß ich sie bekommen werde, beziehungsweise habe ich von Hans Platzgumers „Am Rand“ und von den „Jung-und Jung-Büchern“ schon das PDF erhalten,  so daß ich gleich mit dem Lesen beginnen, beziehungsweise es mir am Freitag am E-Book Reader auf den Berg mitnehmen kann, denn das Buch, das ich jetzt lese, wär mir  ohnehin zu dick dazu.

Also gehen wir sie durch, die spannende neue Buchpreisliste:

Da steht einmal Akos Doma „Der Weg der Wünsche“ aus dem „Rowohlt Verlag“ darauf, ein Buch, von dem ich bisher, glaube ich, noch nicht sehr viel gehört habe.

Bei Gerhard Falkners „Apollokalypse“ aus dem „Berlin-Verlag“ geht es mir ebenso.

Dafür kenne ich Ernst-Wilhelm Händler wenigstens vom Namen, er stand auch schon auf der Liste, eines seiner Bücher habe ich, glaube ich, auch auf meiner Leseliste oder war schon bei einer Lesung, die anderen Blogger haben „Hundervierzehn“ glaube ich, auch als Favorit genannt.

Von Reinhard Kaiser-Mühleckers „Fremde Seele, dunkler Wald“, habe ich auch noch nichts gehört, wohl aber „Wiederstehen in Fiumcino“ und den „Langen Gang durch die Stationen“ gelesen und den Autor auch einige Male bei Lesungen gehört.

Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“, das ich bekommen werde, haben sich, glaube ich, auch einige der Blogger auf die Liste gewünscht.

Michael Kumpfmüllers „Die Erziehung des Mannes“ war für mich auch eine Überraschung, ich habe ihn aber schon in Leipzig auf dem  blauen Sofa daraus lesen gehört.

Von Katja Lange-Müllers „Drehtür habe ich, ebenso wie von Dagmar Leupolds „Die Witwen“ bei „Jung und Jung“ erschienen, noch nicht sehr viel gehört.

Vom Thomas Melle habe ich schon ein „Buchpreisbuch“ gelesen, dieses ist mir ebenfalls so gut wie unbekannt.

Hans Platzgumers „Am Rand“ habe ich schon erwähnt, da habe ich auch gedacht, daß es eventuell auf die Liste kommen könnte, hätte aber eher an die österreichische gedacht und bei der Lesung  in der „Alten Schmiede“, hat mir auch nicht so gefallen. Mal sehen, ob ich jetzt eine Überraschung erlebe und schreiben werde, „Ich habe mich wieder geirrt!“

Bei Eva Schmidt „Ein langes Jahr“ ist es ähnlich, da war ich bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“, mein Eindruck war eher neutral, daß es auf die Liste kommt, hätte ich eher nicht gedacht, es wurde aber von einigen Bloggern empfohlen.

Michelle Steinbeck „Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch“ ist  ein Buch aus einem Schweizer Verlag mit einem sehr originellen Titel. Ich bin gespannt und neugierig, mal sehen, ob es zu mir kommt.

Daß Peter Stanm mit „Weit über das Land“ auf die Liste kommen könnte, hätte ich dagegen eher vermutet und habe von ihm auch schon einiges gelesen und ihn auf Lesungen gehört.

Thomas von Steinaecker sagt mir auch nicht sehr viel. Sein „Die Verteidgung des Paradieses“ wurde aber von einigen Bloggern gewünscht und dann kommt Anna Weidenholzer, deren literarische Karriere ich ja ähnlich wie die der Valerie Fritsch auch schon sehr lang verfolge.

Sie verlegt jetzt bei „Matthes und Seitz-Berlin“, deshalb habe ich nur auf einen Blog erfahren, daß sie ein Buch „Weshalb die Herren Seesterne tragen“ geschrieben hat. Matthes und Seitz, die mir im Vorjahr das „Buchpreisbuch“ nicht schickten, hat mir aber schon geschrieben, daß ich es bekommen werde, fein und dann bleibt noch Philipp Winkler mit einem Buch namens „Hool“ über, auch noch nichts davon gehört, weder von Buch noch vom Autor.  Es ist aber „Aufbau“ erschienen, so daß ich es wahrscheinlich bekommen werde und Ronja von Rönne und Jan Böttger, auf die ich eigentlich gehofft habe, stehen nicht darauf, wie schade.

Und jetzt lesen, lesen und in die Finger spuken, denn in zwei Wochen gibt es ja die andere „Buchpreisliste“ und viellecht stehen da Köhlmeier, Gstrein, Gruber, Glavinicund hoffentlich die Frau Mairöcker, die ich mir ja als Favoritin wünsche, darauf.

Und nachschauen was die offizielle und die inoffiziellen Blogger von der Longlist halten, wie empört oder zufrieden sie damit sind, werde ich natürlich auch und meinen Lesern berichten, wie es mir bei Lesen geht, welche Bücher ich bekomme werde, welche Erfahrungen ich beim Lesen mache, Lust, Frust, etcetera.

2016-08-22

Hörspiel von Antonio Fian und Werner Kofler

20160822-191800

Weil der Alfred ja nächste Woche mit dem Karli nach Rußland und nach Japan fährt, sind wir schon Montag Abend nach Wien gefahren, weil er noch etwas vorbereiten wollte und da gibt es ja die Sommerreihe des Lesetheaters im Weinhaus Sittl und da noch dazu da das diesbezügliche Programm ja nicht immer das meine ist, etwas, was mich interessiert, nämlich Antonio Fians und Werner Koflers Hörspiel „Lambroso in Leibnitz“, das irgendwann auch zum Hörspiel des Jahres gewählt wurde und ich zum Teil, glaube ich, auch schon  im Radio hörte.

Antonio Fian habe ich vor kurzem erst in der „Alten Schmiede“ gehört und er ist mit seinem „Polykrates-Syndrom“ vor zwei Jahren auch auf der Longlist des dBp gestanden und er scheint mich, weil ich ja regelmäßig zu seinen Lesungen geht, auch zu kennen, jedenfalls hat er mich gegrüßt, als ich im übervollen Weinhaus Sittl, um die Ecke bog und einen freien Platz suchte und der  1947 in Villach geborene Werner Kofler ist vor fünf Jahren gestorben, vorher bin ich mit ihm einmal im Zug nach Klagenfurt gefahren, das heißt mit seinem Koffer, denn er ist gleich am Südbahnhof wahrscheinlich im Speisewagen verschwunden und nicht mehr wiedergekommen.

Das Weinhaus Sittl war sehr voll, als ich es um knapp sieben erreichte, also wieder einen Platz ganz hinten bei dem großen Baum, den mir eigentlich ein sehr freundlicher Herr überleiß.

Susanna C. Schwarz Aschner, die Veranstalterin leitete ein, begrüßte Antonio Fian und erzählte sehr viel und sehr ausführlich den Lebenslauf der beiden und dann wurde mit Thomas Northoff, Maximillian Spielmann, Monika Schmatzberger, Vera Schwarz und anderen gelesen und es ist ein bizarres Stück, das sich um die Verbrecherfamilie Wanz, es gibt ja einen Otto Wanz, der die Telefonbücher zerlegte und die Frage, ob das Verbrechen vererblich ist, eine Behauptung die Lambroso aufstellte, rankt und viele Anspielungen an das literarische Leben, etcetera hat.

Es kommen da die Reporter zu der Verbrecherfamilie, die aus ein paar Onkeln und  einigen Brüdern besteht, die alles genau wissen wollen.

Es gibt eine Jack Unterweger Ralley und einen Bruder, der Otto oder eigentlich Albert heißt, der irgendwie aus der Reihe tanzte und nach Afrika ging und dort, statt, die erblich belastete Verbrecherdynastie fortzuführen, ausbrach und Missionar wurde und, als ihn die Reporter für die Talk Show heim zu der Familie holte, von den Brüdern gelyncht wird.

Nachher haben wir uns mit dem Herrn am Tisch noch lange unterhalten, Ottwald John hat seine Zetteln für die nächsten Veranstaltungen, in der nächsten Woche, wo der Alfred, der ja nächsten Dienstag fährt, auch wieder zurückwill, gibt es wieder einen Joe Berger Abend, den Christian Katt organiert, ausgeteilt und viele bekannte Gesichter haben wir an diesem schönen Sommerabend auch getroffen.

 

2016-08-21

Das Buchpreis-Archiv

Während um mich herum die „Frequency“ stattfindet, ich dem Alfred wieder mit Thuljen  half und  sehr schnell und flüchtig den Beginn der zweiten Szene von „Claire-Klara-Clarisse“ entworfen habe, hat in Frankfurt die dBp-Jury die lange Liste erstellt, die am Dienstag bekannt gegeben wird.

Die sechs „offiziellen Buchpreisblogger“ beginnen sich schon zu rühren und Mara Giese, die diesmal nicht dabei ist, aber 2013 das „Fünf lesen zwanzig“ ins Leben berufen hat, wo es dann 2014 das „Longlistenlesen“ und im vorigen Jahr dann die ausgewählten offiziellen Buchpreisblogger gab, hat jetzt mit einigen anderen bemühten Bloggern, die teilweise schon bei den früheren Aktionen dabei waren, sowie „Zeilensprünge“, die glaube, ich außer mir im letzten Jahr die gesamte LL ggelesen haben, einen vom dBp unabhängigen „Buchpreisblog“ gegründet und ich lese wieder daneben, von einigen Bloggern vielleicht gelöscht, unbachtet wieder mit, diesmal wahrscheinlich nicht mehr alles, das heißt, ich habe nicht vor in Buchhandlungen zu gehen, mir Bücher auszuborgen und mir meine Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke auch erst zum gegebenen Anlaß zu wünschen.

Die ersten Jahre ist ja der dBp, den es seit 2005 gibt,  ziemlich an mir vorbeigegangen. Ab 2008, als ich schon bloggte bin ich, glaube ich, durch Christiane Zintzens Blog, den es in dieser Form ja nicht mehr gibt, auf diese Aktion aufmerksam geworden, da hatte, glaube ich, die FAZ ein Lesespezial und 2009 habe ich mich dann auf die Suche nach diesem „Longlistenheftel“, das es in Österreich nicht gibt, gemacht.

Ab 2010 bis 2013, glaube ich, habe ich es mir dann bestellt und  habe seither auch über die Listen gebloggt, gelesen aber nicht sehr viel, mir höchstens einige der Bücher zum Geburtstag und zu Weihnachten gewünscht.

2013 kam dann Mara Giese auf die Idee des Buchpreisbloggens und ich habe, glaube ich, schon daran gedacht, mitzumachen und die Bücher zu lesen. Es dann aber doch nicht getan, mir nur die Nellja Veremej bestellt und das Buchpreisheftchen besprochen, da aber festgestellt, daß das keineswegs die Bücher ersetzt und man wahrscheinlich auch keinen ungefähren Eindruck bekommt.

Ich habe da, glaube ich, auch immer Prognosen abgegeben, aber wenn man die Bücher nicht gelesen hat, kann man nicht wirklich was darüber aussagen und so habe ich eher nur geraten und mich auch regelmäßig verschätzt.

2014 waren wir in Elsaß im Urlaub und sind von dort zurückgefahren, als die Liste bekanntgeben wurde, ich war in Ansbach in einer Buchhandlung und habe nach dem Heftchen gefragt und Mara Giese startete das „Longlistenlesen“, das heißt drei Blogger haben die Bücher  vorgestellt, man konnte sie gewinnen und sollten sie  besprechen.

Ich habe „Kastelau“ gewonnen und den Lukas Bärfuß und die Marlene Streeruwitz erst später gelesen, sowie den Thomas Melle, den ich mir ja zum Geburtstags wünschte.

Im Vorjahr gab es dann schon die „offiziellen Bloggen“ die sich dann alle bedankten, daß sie ausgewählt wurden. Ich habe mich darüber geärgert und gedacht, daß das doch jeder tun kann und lange mit mir gehadert, bzw. überlegt, ob ich mir die Bücher jetzt kaufen und vier bis fünf hundert Euro darin investieren soll, dann habe ich sie angefragt, eine gute Hälfte bekommen und habe darüber gebloggt.

Ein Longlistentagebuch hat es gegeben und ich habe alle Bücher gelesen, obwohl ich nicht allle habe, den Peltzer und den Vertlib habe ich mir vom Otto ausgebort, den „Dr. Shimamura“ in einer Buchhandlung gelesen, „Risiko“ auch, aber das kam als Rezensionsexemplar und die Alina Bronsky, die ich mir vom Alfred vorzeitig zum Geburtstag schenken ließ, hätte ich auch  bekommen und dann auch noch einmal bei Mara Gieses Gewinnspiel gewonnen.

Es war eine interessante Aktion und ich habe Blut dabei geleckt, obwohl mich ja Jacqeline Masuck gelöscht hat und habe, glaube ich, schon bald beschlossen, daß ich da weiter mache und weiter inoffiziell oder eigentlich selbstbewußt und unabhängig, wie das besser heißen sollte, weiter lesen werde, wenn auch nicht, siehe oben, alles.

Aber meine Buchpreisprognosen habe ich schon abgegeben und ich finde diese Aktion sehr interessant und nur  schade, daß es auf der offizielle Facebookseite keinen Aufruf gibt, daß sich alle, die  mitlesen wollen, melden sollen und auf sie hingewiesen wird.

Ich bin auch gespannt, ob sie den Buchpreisblog verlinken werden oder weiterhin so tun, als gäbe es nur  die „offiziellen Buchpreis blogger“, denn eigentlich ist das ja Werbung für den dBp und die Bücher sind, das habe ich im letzten Jahr festgestellt, relativ leicht zu bekommen.

Aber natürlich man muß sie lesen und sich damit beschäftigen und das habe ich im letzten Jahr glaube ich auch  getan. So gibt es eine Longlist und eine Shortlistrefexion, das Lesetagebuch und natürlich die entsprehende Besprechung, die ich  auch insgesamt verlinken wollte, aber da kam das Löschen meiner Kommentare und als ich dann das letzte Buch, den „Teennager mit der roten Armee Fraktion“, das ich mir von der Trude Kloiber zum Geburtstags wünschte gelesen habe, wollte ich die Liste, der neunzehn anderen eigentlich in den Kommentaren verlinken und habe das auch getan.

Aber ich war wieder etwas im Voraus und voraus kommentieren geht nicht, so hole ich das hiermit nach und verlinke die Longlist angefangen von dem Preisbuch, der Shortlist und dann die vierzehn anderen.

  1. Frank Witzel „Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“
  2. Jenny Erpenbeck „Gehen, ging, gegangen“
  3. Monique Switters „Eins im anderen“
  4. Rolf Lappert „Über den Winter“
  5. Ulrich Peltzer „Das bessere Leben“
  6. Inger.Maria Mahlke „Wie ihr wollt“
  7. Gertraud Klemm „Aberland“
  8. Steffen Kopetzky „Risiko“
  9. Kay Weyand „Applaus für Broniskowski“
  10. Ralph Dutli „Die Liebenden von Mantua“
  11. Alina Brosky „Baba Dunjas letzte Liebe“
  12. Ilija Trojanow „Macht und Widerstand“
  13. Peter Richter „89/90“
  14. Anke Stelling „Bodentiefe Fenster“
  15. Valerie Fritsch „Winters Garten“
  16. Feridun  Zaimoglu „Siebentürmeviertel“
  17. Christine Wunnicke „Der Fuchs und Dr. Schimamura“
  18. Heinz Helle „Eigentlich müßten wir tanzen“
  19. Clemens J. Setz „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“
  20. Vladimir Vertib „Lucia Binar und die russische Seele“

Denn so ein Archiv ist ja sehr schön. In dem Artikel über den deutschen Buchpreis habe ich ja, glaube ich, auch geschrieben, welche Bücher von der Liste ich seit 2005 gelesen habe. Das sind dann meistens die, die ich in den Abverkaufskisten fand.

Für heuer steht noch der Arno Geiger mit „Uns geht es gut“, das erste Gewinnerbuch auf meiner Leseliste und jetzt bin ich gespannt, einige Blogger, die auch nicht zu den „offiziellen“ gehören, haben ja schon ihre Prognosen abgegeben und ich denke, es ist ja auch nicht so schwer aus den Verlagsvorschauen die 154 herauszufinden, die eingereicht wurden, obwohl es dann ja immer Überraschungen gibt.

Ich bin also sehr gespannt, welche Bücher von der Liste mir dann vollkommen unbekannt sind und welche ich erraten und  vielleicht schon gelesen habe, was mich auch freuen würde, obwohl ich mir gar nicht so viele Rezensionsexempalatre bestellt habe.

Bis dahin habe ich aber mit William Faulkner „Licht im August“ begonnen, daß ich zu meinen Erstaunen erstaunlich gut finde, obwohl ich ja mit den großen Amerikanern eigentlich meine Schwierigkeiten habe, es ist aber ein interessantes Buch, das „Atalante“, die 2013 zu den „Buchpreisploggern“ zählte und die immer getraulich ihre Liste zusammestellt, als probates Mittel gegen die „Buchpreis-Bulimie“ empfiehlt.

Nun denn, mag es kommen, das große Lesen und ich lese mit, zuerst die deutsche und dann die österreichische Liste, auch wenn ich dann vielleicht, was  auch sehr schade ist, nicht oder nur verspätet zu meinen Vicki-Baum Schwerpunkt komme, aber ich bin schon sehr gespannt und werde natürlich wieder „Buchpreisbloggen“ und kommentieren und bin auch schon neugierig, welche Bücher ich jetzt in den nächsten Monaten lesen werde?

2016-08-20

Als gäbe es mich nicht

Jetzt kommt ein Buch aus dem „Aufbau-Verlag“, die neu herausgekommene Taschenbuchausgabe von Slavenka Drakulics „Als gäbe es mich nicht“, 1999 möglicherweise im schwedischen Exil geschrieben, denn die 1949 in Kroatien geborene Autorin, die in Kroatien, Wien und Stockholm lebt, hat über den Krieg geschrieben, beziehungsweise über die Traumatisierungen und Verletzungen, die man dort unschuldig erlebt und gipfelt vorsichtig in der Frage, wie das dann mit dem Weiterleben, dem Verzeihen, dem Vergessen, dem Wiederanfang ist?

S. ist eine junge bosnische Lehrerin, die im Februar 1993 im Stockholmer Karolinska Krankenhaus liegt und einen Sohn auf die Welt bringt, den sie nie sehen und ihm auch keinen Namen geben will, denn er ist die Folge einer Vergewaltigung im Lager, in dessen „Frauenraum“ man S. aus ihrem Dorf, wo sie aushilfsweise unterrichtet hat, gebracht hat.

Jetzt liegt sie da in den hygienisch sauberen weißen Krankenhauslaken und denkt über ihr Leben nach. An die Stunden in Sarajevo, wo sie mit ihren Eltern und der Schwester lebte, an das Ausgehen am Wochenende, die heimlichen Küße, etcetera.

Dann kam der Krieg,  die Eltern und die Schwester sind aus ihrem Haus weggeholt worden. S., es gibt in dem Buch nur die Anfangsbuchstaben der Namen, was das Lesen etwas schwer macht, wohl aber die Distanz und vielleicht auch die gebotene Anonymität ausdrückt, war da schon im Dorf am Land und kochte gerade Kaffee, als ein Soldat erschien und sie zur Sammelstelle brachte.

Sie bietet ihm davon an und packt schnell ihre Sachen in einen Rucksack, die schönen Schuhe mit denen sie vielleicht tanzen war, ein rotes Kleid, Schmuck, ein Fotoalbum, ein Heft, denn sie ist ja Lehrerin.

Sie wird mit anderen Frauen in einem Bus ins Lager gebracht, kommt dort in den „Frauenraum“, ihr Schmuck wird gestohlen, später erährt sie, daß es eine Frau aus dem Nachbardorf war, die ihre Tochter damit schützen wollte, was ohnehin nicht gelang.

Denn nichts gelingt in dem Lager, wo man seine Würde verliert und von den Männern hört, die sich ihre eigenen Gräber graben, erschossen und die Leichen verbrannt werden, so daß ihnen am Morgen vom Geruch schlecht wird.

„Regt euch nicht auf, es wird nur Müll verbrannt!“, sagt die zahnlose Wächterin, die ihre „Mädchen“ an sich liebevoll versorgt und ihnen auch mal Seife und Leckerbissen bringt. S. findet eine Schminktasche und beginnt sich grell zu schminken, denn wenn man es „freiwillig tut, verliert man seine Würde nicht!“

Die anderen verstehen diese Dissoziationsversuche nicht und sind entböhrt und weil S. eine gebildete Frau und aus der Stadt ist, darf sie wöchentlich zum Kommandanten, bekommt besseres Essen, etcetera.

Sie wohnt auch einer Geburt bei und sieht, wie die Großmutter, das Kind ihrer vergewaltigten Tochter sofort in einen Sack steckt und vergräbt. Da bekommt sie eine Ahnung, daß sie vielleicht auch schwanger sein könnte, denn sie hatte schon lange ihre Regel nicht, ist auch etwas dicker geworden.

Gewißheit kommt erst im Zagreber Flüchtlingslager, in das man sie bringt, die Ärztin, die ihr Entsetzen sieht, tröstet sie mit der Möglichkeit einer Adoption, denn sie ist schon im fünften Monat, für eine Abtreibung also zu spät.

Sie stellt einen Ausreiseantrag nach Schweden, spricht dort mit einer Psychologin, bekommt eine Bestätigung, daß sie das Kind weggeben und nach der Geburt nicht sehen will.

Die Schwestern an der Entbindungsstation verstehen sie aber nicht oder es kommt zu einem Mißverständnis.

Das Bettchen mit dem kleinen Knaben steht jedenfalls neben ihr, er wird ihr auch an die Brust gelegt, sie weigert sich zu stillen, obwohl die Milch ausschießt. Die Nachbarin erbarmt sich seiner, aber dann in der Nacht, als er schreit, nimmt sie ihn doch zu sich, legt ihm an und die Tränen schießen ihr über das Gesicht.

So endet das dünne zweihundertzwanzig Seiten Buch, das berührt und sehr beeindruckend ist.

Denn das alles ist in den Neunzigerjahren, als ich täglich mit dem Zug von St. Pölten nach Wien fuhr, um meinen Vater zu betreuen, geschehen.

Die Flüchtlinge aus dem Balkankrieg hat man gesehen und hat davon gewußt oder auch nicht, daß die Frauen massenhaft vergewaltigt wurden, damals vielleicht noch nicht so sehr.

Slavenka Drakulic, von der ich schon „Das Liebesopfer“ gelesen hat, erzählt das alles in einer sehr schönen dichten Sprache, bei der immer beeindruckende Wendungen auffallen.

„Und nur das Blut ist wichtig, das rechte Blut der Soldaten gegenüber dem falschen Blut der Frauen“ oder „Für S. ist klar, auch jene sind Gefangene, ohe Individualität, ohe Gesicht. Ihre Körper, ihr Wille gehören ebenfallls nicht ihnen, sondern der Armee, dem Anführer, der Nation“, die aufhorchen und nachdenken lassen.

„Was kann das Kind dafür?“, fragt, G. eine ehmalige Schulkollegin, die  am Stockholmer Flughafen die Angekommenen empfängt und dolmetscht. Sie nimmt sie zu sich in ihre Wohnung, besorgt ihr eine Aufenthaltserlaubnis, eine Wohnung und kümmert sich um sie und klar, das Kind kann nichts dafür und ist auch nicht Schuld an dem Krieg und all dem anderen Elend der Welt.

Ein leichtes Leben wird es wahrscheinlich trotzdem nicht haben, egal, ob es in einer Stockholmer Adoptivfamilie oder doch bei seiner Mutter, die mit ihren Traumatisierungen fertig werden muß, aufwächst.

Ein beeindruckendes Buch und sehr zum Lesen zu empfehlen, vor allem jeden, die meinen, daß es jetzt siebzig Jahre bei uns keinen Krieg gegeben hat, würde ich es an das Herz legen und es war auch interessant für mich, da ich ja erst vor kurzem nach kroatischer Literatur gesucht habe und da schon daraufgekommen bin, daß die nicht so leicht zu finden ist, weil die kroatischen Autoren oft in Serbien geboren sind oder ihre Geschichten in Bosnien oder Slowenien handeln und es ist vielleicht auch nicht so ganz geeignet, als Einstiegslektüre für meinen neuen Sommerroman oder doch vielleicht, denn ich bin ja erst durch Bosnien gefahren, wo alles frisch aufgebaut wird und die Kriegsspuren und die Verwüstungen, vielleicht doch zu sehen sind und der junge Mann wäre jetzt dreiundzwanzig Jahre alt und da S. ja nicht nur ein Einzelschicksal war, sondern das damals vielen Frauen so passierte, bin ich ähnlichen jungen Männern und Frauen höchstwahrscheinlich auch schon begegnet.

2016-08-19

Politische O-Töne

Daniela Strigl

Daniela Strigl

„Liebe Literaturfreunde, heute wird es politsch!“, sagte Daniela Strigl zur Eröffnung, der heurigen sechsten O-Töne-Veranstaltung, bei fünf bin ich gewesen, die inzwischen von ihrem Urlaub zurückgekommen scheint, denn sie hat diesmal den Debut-Leser Daniel Zipfl selber vorgestellt und mit Daniel Zipfl Buchs „Eine Hand voll Rosinen“, ergeht es mir  sehr seltsam, denn irgendwie kommt es nicht und nicht zu mir, obwohl ja einige diesbezügliche Anläufe bestanden haben, denn es ist ja vorigen Herbst  bei „Kremayr&Scheriau“ erschienen, da gab es eine „Release-Party“ und eine Vorstellung bei der „Gesellschaft für Literatur„, aber da wurden nicht immer die gleichen Bücher vorgestellt, einmal war Daniel Zipfel dabei, bei der Party und der Lesung vorher, glaube ich, nicht und als ich die Bücher angefragt habe und sagen sollte, welche ich wolle, habe ich ihn übersehen.

Dabei ist es ein interessantes Thema, geht es ja um Traiskirchen, einen Schlepper und einen dafür zuständigen Polizeibeamten, allerdings schon im Jahr 2003, also nicht die aktuelle Situation, die es vorigen Herbst gegeben hat, als das Buch erschienen ist und dann war ich ja im Dezember bei dem Literaturhaus Flohmarkt und da war es dann, um zwei Euro zu erwerben.

Ich hatte es schon in der Hand, dachte dann aber nein, ich nehme es nicht und bin gegangen und als ich am nächsten Tag wieder gekommen bin, war es leider nicht mehr da, so machte ich, als ich Petra Piuks „Lucy fliegt“, bestellte einen zweiten Anlauf, aber dann sah ich Marianne Jungmaiers „Sommernomaden“ sind inzwischen erschienen und wieder nichts, aber vielleicht kommt es noch mal zu mir.

Daniel Zipfel

Daniel Zipfel

Vielleicht steht es auch auf der Debutliste, denn es ist ja ein interessantes Buch, das 1983 in Freiburg geborene Jurist da geschrieben hat. Er bedankte sich auch sehr höflich für die Einladung und las zwei Stellen vor. Eine über den Fremdenpolizisten Ludwig Blum und dann noch eine über einen afghanischen Schlepper, der in Istanbul in einer Kneipe sitzt und immer wieder einige Rosinen, so ja auch der Titel, zugeschoben oder weggenommen bekommt, je nachdem, wie die Geschäfte laufen.

Dann kam die letzte „Veza Canetti Preisträgerin“ Sabine Gruber, die ja schon zur Preisverleihung vorigen Oktober im MUSA ein  Stück aus ihrem eben erschienenen Roman „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“ gelesen hat. Dafür hat sie, erzählte Daniela Strigl im Gespräch mit ihr, sehr viel recherchiert und sogar eine Ausbildung zur Kriegsfotografin gemacht und Bruno Daldossi ist ein solcher, der aber dabei ist auszusteigen, viel trinkt, eine Trennung durchmacht und dann mit einer anderen Frau, nach Lampeduasa fährt, weil Flüchtlingsboote offenbar viel einfacher zu fotografieren sind, als minenverseuchte Gebiete.

Sabine Gruber

Sabine Gruber

Das weiß ich zwar nicht so genau, ob das stimmt, aber es gibt auch Beschreibungen von sechzehn Fotografien in dem Buch, zwei davon hat die 1963 in Meran Geborene, die auch einmal Sekreätrin bei der GAV war und die neben dem „Priessnitz-„, den „Veza-Canetti-„, auch den „Wildgans- Preis“ bekommen hat und, wie ich in den „Tonspuren“ hörte, sich um das Preisgeld ein Motorrad kaufte, das sie deshalb „Wildgans“ nannte, vorgelesen und ich bin eigentlich sicher, daß das Buch, wenn nicht auf die deutsche dann auf die österreichische Buchliste kommt.

Dann werde ich es, wenn ich es bekomme, lesen, sonst steht ja noch „Stillbach oder die Sehnsucht“ auf meiner heurigen Leseliste, das ich mir einmal glaube ich bei einem der „Morawa-Flohmärkte“ kaufte. Mal sehen ob ich das alles schaffe?

Die O-Töne waren jedenfalls wieder sehr gut besucht und weil die Leute da ja alles reservieren, habe ich obwohl ich schon um viertel acht gekommen bin, einen Platz weit hinten gefunden, aber Robert Schindel und ich glaube auch Lorenz Langenegger gesehen, der, wenn ich mich nicht irre, auch vorige Woche bei der Friederike Mayröcker war.

Ansonsten kann ich noch berichten, daß ich  mit dem ersten Kapitel von „Claire-Klara-Clarisse oder wilder Lavendl“, zweieinhalb Seiten, 1340 Worte, angefangen habe und auch das ist sehr gut gegangen.

2016-08-18

Der große Roman

Nachdem ich vor einigen Wochen, als ich gerade die „Berührungen“ durchkorrigierte und bis Seite achtundsechzig oder so nur mehr einen Fehler fand, habe ich ein Mail mit der Nachricht bezüglich meiner Kommentare auf dem „Literaturcafe“ bekommen, daß ich nicht schreiben kann, weil ich so flüchtig ohne Punkt und Beistrich, das heißt Beistriche setzte ich ohnehin viel zu viele, durch meine Texte hetze, so daß der Absender schon Sorge hatte, ob ich nicht vor Erschöpfung hechelnd vor meinem PC zusammengebrochen bin?

Nein, hyperaktiv bin ich, glaube ich, nicht, werde aber trotzdem immer schneller und schneller, so sind in diesem Jahr schon vier neue Bücher herausgekommen, was zwar auch ein bißchen am Alfred liegt, denn die ersten drei hatte ich schon im vorigen Jahr geschrieben.

Die „Berührungen“ sind der zweite 2016 er Text und solche Kommentare, wie, das ist das „Schlechteste was ich je gelesen habe“, etcetera, gehen mir, no na, natürlich zu Herzen, obwohl ich, wie ich fürchte, nicht wirklich viel daran verändern kann.

Ich versuche es aber und so habe ich einige Tage nach dem Mailverkehr mir vorgenommen, die „Berührungen“ jetzt laut zu lesen, wo man dann immer wieder erstaunlich viele Fehler findet, die mich dann schon den Kopf schütteln lassen und angestachelt vom User Uli, der mir riet, meine Texte mit dem Maßband zu vermessen und Punkte und Absätze zu machen, in meinen Texten, habe ich das, aber, glaube ich, sowieso, das heißt in den Mansuskripten gibt es nicht so viele Absätze, aber die direkte Rede und Kapiteln.

Und so habe ich den Text jetzt an die fünf Mal laut gelesen und am Montag, als ich in der Mittagshitze auf der Harlander Terrasse saß, dann wieder schnell leise weitergelesen und als ich keine Fehler mehr fand, den Text mit der Beschreibung, die der verkürzte „Bierdosen-Text“ ist, zur weiteren Bearbeitung geschickt, weil ich in keine Beistrichmanie hineinkommen will und dann am Schluß hunderttausend Beistriche haben, die angeblich nicht gehören und worüber dann alle stöhnen.

Der Alfred geht den Text dann auf Rechtschreibfehler durch, macht den Satz, beziehungsweise das PDF oder wie ich das jetzt nennen soll und gibt es mir zurück, wo ich es mir dann nochmal solange anschaue, bis ich keine Fehler finde.

Dann gehts an die Druckerei, die macht mir fünfzig Stück, ein paar verschicke ich dann an die NB, die „Alte Schmiede“ für die „Textvorstellungen“, etcetera, stecke eines in die Tasche, um es herzuzeigen, lege es bei Lesungen auf und eine „Vorschau“ gibt es diesmal mit dem „Mimikry-Spiel“, wozu ich alle noch einmal recht herzlich einlade,  mit einen Absatz dazu zu schreiben.

Da kann man dann das Buch gewinnen und wenn man möchte Fehler suchen oder sich überzeugen, wie verständlich oder unverständlich, die Geschichte über das Schreiben eines Romanes, beziehungsweise zwei Studenten und einer Studentin, die ein Stück über Stefan Zweig und Heimito von Doderer schreiben, während sich die beiden Dichter mit dem Fräulein Anne im Cafe Wolke am Himmelsbogen treffen.

Und bis das geschieht geht es zum nächsten Werk. Ja, ich bin eine Schnelle. Ob ich schreibsüchtig bin, weiß ich nicht. Bis vor kurzem dachte ich eher, ich wäre etwas ausgeschrieben und von der ewigen Nichtbeachtung mehr oder weniger frustriert, aber dann bin ich ja mit dem Alfred nach Kroatien gefahren und habe von dort ein Souvenier, beziehungsweise ein halb vollgeschriebenes Notizbuch mitgebracht und habe da, da ich damals ja erst am Anfang des Korrigierens war, gedacht, daß ich das Buch über die Buchpreisjurorin Clara, die nach der Trennung von ihrem Freund in Trogir einen alten Russen und die junge Claire, beziehungsweise die Geschichte von Sergejs Großmutter Clarisse kennenlernt, während des nächstenn „Nanowrimos“ schreiben werde.

Dann habe ich gedacht Juli und August brauche ich noch mit den „Berührungen“ und dann drehe ich ja sicher nicht zwei Monate die Daumen, sondern fange an und wenn ich mit dem Rohtext Anfang November fertig bin, laße ich den „Nanowrimo“ heuer aus oder korrigiere dort weiter, etcetera und das ist sich jetzt ja sehr gut ausgegangen, beziehungsweise hat der August noch zwei Wochen, so daß ich die Sommergeschichte im Sommer schreiben kann, was ja auch ein wenig seltsam wäre, damit im November anzufangen.

Also alles herholen und mir das Notizbuch durchlesen, denn ich habe mir in Kroatien ja sehr viel ausgeschrieben, ganze Szenen konzipiert, die ich jetzt schon wieder vergessen habe und die nötige Atmosphäre will ich mir auch schaffen, so das Sträußlein Lavendl, das ich mir Trogir pflückte, auf das Tischen ins Schlafzimmer in die Krongasse stellen, die Bücher über Kroatien habe ich in Harland gelassen, die Prospekte sind zum Teil aber da und auch die Souveniers, wie die Zuckerpackerln vom Cafe Monaco, das ja auch eine Rolle spielen wird und das Buch „Bora“, das ja auch in Kroatien spielt, aber nichts mit meiner Geschichte zu tun hat und in Harland steht, habe ich mir gedacht, werde ich mir herausholen und nochmals lesen.

Bis die „Buchpreis-Bücher“ kommen, habe ich Zeit dazu und da Klara ja „Buchpreis-Jurorin“ ist, werden diese Bücher, beziehungsweise, die hundertvierundfünzig, die die Juroren zu bewerten hatten, auch eine Rolle spielen.

In Kroatien habe ich mir ja hauptsächlich die Liebes- und die Familiengeschichte aufgeschrieben, aber hier manchmal gedacht, daß die „Buchpreis-Bücher“ auch eine Rolle spielen werden und sie ein zweiter Handlungsstrang werden könnten und diese Liste wird es ja am nächsten Dienstag geben.

Da die Handlung aber im Juli anfängt, Klara also mit den hundertvierundfünfzig eingereichten Büchern am E-Book Reader nach Trogir fährt, sind die ausgewählten zwanzig gar nicht so wichtig, aber natürlich werde ich mich, da ich sie ja bald kennen werde, einbeziehen, da ich die Identität, der anderen ja nur erraten kann.

Der Reiseführer und die Geschichten von der Jagoda Marinic sind auch wichtig, beziehungsweise spielt die Handlung ja am Campingplatz, Clara wohnt dort in ihrem Bus und in der „Campinggeschichte“ habe ich auch einiges aufgeschrieben und bis ich wieder nach Harland komme und mir „Bora“ heraussuchen kann, wird mich die Slavenka Drakulic und ihr 1999 erschienener Roman „Als gäbe es mich nicht“ begleiten, der von „Aufbau“ als Taschenbuch neu herausgekommen ist und den ich am Dienstag bekommen habe.

Also auf zum neuen Roman, den meine Leser ja durch meine Schreibberichte beim Entstehen beobachten können und endlich einen großen Roman schreiben, jetzt wirklich oder jetzt erst recht, Das nehme ich mir ja jedesmal vor und ist auch mein zweiter großer Wunsch oder mein zweites Ziel, um mich an die drei Wünsche Marketingregeln der Annika Bühnemann zu halten.

Ich weiß zwar schon, daß mein Problem sein wird, das trotz der kontunierlichen Schreibberichte, das der Öffentlichkeit hinüber zu bringen, denn bisher war es ja immer so, ich starte mehr oder weniger euphorisch. Das wird es jetzt, dann schreibe ich in drei bis sechs Wochen das Rohkonzept hinunter, stimmt, da werde ich immer schneller, dann korrigiere ich ein zwei Monate, gerate mehr oder weniger in Krisen oder Trödelphasen dabei, die ich dann auch beschreibe.

Dann suche ich mir das Foto aus oder der Alfred bestellt wieder ein professionelles Cover, aber diesmal wird er ja schöne Fotos haben, ich mache die „Vorschau“, vielleicht wirds wieder ein „Mimikry- Gewinnspiel“ geben, worauf sich niemand meldet, der das Buch gewinnen will.

Dann wirds gedruckt, ich stelle es wieder mit Foto in den Blog hinein, lese vielleicht schon vorher daraus und zeige  stolz, dem Ersten, den ich treffe, das neue Buch, der zögert es anzugreifen und „Das habe ich schon gesehen!“, sagt und das wars dann schon.

So entstehen wahrscheinlich keine großen Romane, die  auf die „Buchpreis-Liste kommen“, aber Klara ist ja in der „Buchpreis-Jury“, findet vielleicht ihre Schwester in Kroatien, deren Vorbild mich ja in Split sehr beeindruck hat und die ich inzwischen für eine der Filmfestspielkuratorinnen halte und zu ihrem Freund, der der Jury-Sprecher ist, findet sie auch wieder zurück.

Mal sehen, was daraus wird und wie ich meine Ziele verwirklichen kann? Ich habe ja am Sonntag beim Fest vom Alfred mit Doris Kloimstein vereinbart, daß wir uns am ersten September trotzdem im Cafe Fortuna zum Schreiben treffen werden.

Vielleicht entsteht da eine Szene, das wäre dann ja, glaube ich, das zweiundvierzigste Selbstgemachte. Für eine, die nicht schreiben kann, also ein erstaunlicher Output, aber man muß auch manchmal hinschauen, um etwas zu bemerken.

2016-08-17

Der Tod des Vergil

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Jetzt kommt etwas Anspruchsvolles aus dem Harlander Bücherstapel, beziehungsweise eines von Alfreds DDR Büchern, nämlich der 1981 bei „Volk und Welt“ erschienene Roman des 1886 in Wien geborenen und 1951 im amerikanischen Exil verstorbenen Hermann Broch „Der Tod des Vergils“, von dem ich noch „die „Schuldlosen“ in meinem Bibliothekskatalog stehen habe und möglicherweise habe ich es auch vor langer langer Zeit in Hamburg bei meinem Workcamp-Aufenthalt in St. Georg gelesen und nicht verstanden.

Möglicherweise war ich auch einmal bei einer Broch-Veranstaltung im Literaturhaus oder in der „Gesellschaft der Literatur.“

Der Dichter arbeitete jedenfalls eine Zeitlang in der elterlichen Textilfirma, konvertierte vom Judentum zum Katholizismus, wurde danach freier Schriftsteller und 1938 nach „dem Anschluß“ in Bad Aussee inhaftiert, bevor er  durch Vermittlung von James Joyces und Thomas Mann zuerst nach England, dann nach Amerika emigirierte.

Dort hat er  bis 1945 an dem Roman geschrieben von dem es mehrere Fassungen gibt und der in meiner DDR Ausgabe von dem 2014 verstorbenen Lektor oder Verlagsmitarbeiter  Dietrich Simon von dem es ein sehr umfassendes Nachwort gibt, als „einer der betroffensten antifaschistischen Romane“ bezeichnet wird und die letzten Stunden des römischen Dichters schildert.

Er ist in vier Teile gegliedert und im ersten „Wasser – Die Ankunft“ kehrt der schwer kranke Publius Vergilius Maro, ein Bauernsohn aus Mantua, auf Wunsch des Kaiser Augustus von Griechenland nach Brundisium zurück.

Er liegt in seinem Mantel, neben sich einen Koffer in dem sich das Manuskript seiner „Anäis“ befindet, das er fertigstellen soll,  im Schiff und wird dann in den Palast getragen, wo  des Kaisers Geburtstag gefeiert wird. Da wird er von einem geheimnisvollen  Knaben begleitet, der sich nicht von ihm trennen will,  denkt an seine Mutter, sowie an seine Kindheit und wird auf dem Weg in den Palast, wo er mit einer Sänfte hingetragen wird, von der Menge angepöbelt.

Im zweiten Teil „Feuer – der Abstieg“, liegt er alleine in seinem Zimmer, der Knabe hat ihn verlassen, sein ihm zugeteilter Sklave ist im Zimmer nebenan und denkt in einem rauschartigen und für den Leser wahrscheinlich schwer verständlichen Monolog über über sein Leben nach.

Am Fenster stehend sieht er drei pöbelhafte Gestalten, die von „Wein, Mehl und Knoblauch“ reden und dabei Kaiser Augustus beschimpfen, sowie ihre Notdurft verrichten.

Dann werden die Sterne, die Schönheit, die Liebe und die Vergänglichkeit angerufen und es geht auch, um Schuld und Meineid.

Dietrich Simon deutet in seinem Nachwort etwas an, daß der Dichter Broch, den Gestapo Verhören nicht Stand gehalten hätte und, daß der „Tod des Vergils“, an dem er allerdings schon seit 1936 gearbeitet hat, die Reaktion darauf sei.

Vordergründig geht es, um die Vollendung des Werkes „Anäis“, die sich der Sterbende nicht zutraut und von der Vernichtung desselben spricht.

Im Buch steht der Satz „Der heilsbringende Führer hat nämlich die Sprache der Schönheit abgestreift, er ist unter ihre kalte Oberfläche, unter die Oberfläche der Dichtung gelangt.“

Bei „Wikipedia lese ich „daß der tugendhafte „Anäsis“ Virgil mißlungen ist und der Dichter an seiner Künstlerschaft zweifelt.“

Das geschieht in einem wahren Monolog der Todesahnung, von den Qualen des Scheintodes und der Vernichtung wird phantasiert, bis der Knabe wieder auftaucht, sich nun  Lysanias nennt und ihm gegen seinen Willen einen Schlaftrunk zubereitet, den er schließlich trinkt.

Der Knabe liest ihm die Verse aus seiner „Anäsis“ vor und Virgil beginnt „seine Augen der Liebe zu öffnen“, bzw. „in die Schöpfung einzutreten“.

Im dritten Teil „Erde – Die Erwartung“ erscheinen Vergils Freunde und wollen nichts von seiner Idee zu sterben und die „Anäis“ zu verbrennen wissen, sie holen im Gegenteil einen Arzt, der Vergil für den Besuch Augustus aufpäppeln soll.

Der erscheint dann auch und es gibt eine lange Diskussion über die Götter und die Welt und darüber, wem ein Kunstwerk gehört, dem Staat, dem Künstler und hat der das Recht es zu vernichten, wenn er es schon dem Augustus gewidmet hat und es daher der Stadt Rom gehört?

Unterstützt wird das Gespräch durch Einwürfe der Geliebten und des Sklaven, Visionen Vergils, der Knabe erscheint auch wieder und als Augustus vorwirft, Vergil würde ihn hassen und das Werk deshalb vernichten wollen, weil er es nicht ihm zueignen will, gibt der nach und macht sein Testament.

Dann geht es in „Äther – Die Heimkehr“ in den Kahn und mit dem Fährmann und dem Knaben, der sich vom Sklaven in einen Engel verwandelt, voran. Alle Personen verschwimmen dem Vergil, die Geliebte wird zur Mutter und zur Schwester, es geht ins Pflanzen- und ins Tierreich hinüber und am Ende ist auch die Sprache nicht mehr festzuhalten „unerfaßlich unaussprechbar war es für ihn, denn er war jenseits der Sprache“.

So haben wir uns auf fünfhundert Seiten durch die letzten Stunden des römischen Dichters gelesen, eine Geschichte, wie ich bei „Amazon“ gelesen habe, eigentlich ganz einfach ist. Der Sterbende kommt in sein Heimatland zurück, ringt mit  seiner Vergangenheit, seinen Fehlern und Unvollkommenheiten, nimmt Abschied von der Welt und entschwebt. Das Werk bleibt zurück und Hermann Broch hat sich damit in vielen Jahren vielleicht einiges von der Seele, in einer manchmal sehr verdichteten Sprache, die dann wieder erstaunlich alltagsnah erscheint, so gibt es Dialoge und eigentlich auch eine Handlung, die vielleicht für die fünfhundert Seiten in denen sie erzählt wird, zu lang und langweilig wird, geschrieben.

Vierzehn Tage habe ich mit Unterbrechungen, ich habe das Buch sogar nach Innsbruck mitgenommen und ein Stückchen im Zug gelesen, gebraucht und bin wahrlich in das Leben des Vergils und des Hermann Brochs hineingeworfen worden, berührt hat mich daran, die ich das Buch eigentlich für einen „schwer verdaulichen Knochen“ gehalten habe, die Lebensgeschichte von Hermann Broch und auch, daß ich das Buch in einer DDR-Ausgabe gelesen habe, was vielleicht  noch ein ganz besonderes Schmankerl ist.

Beim Nachgooglen über Dietrich Simon habe ich erfahren, daß ihm die DDR-Einwohner einige bedeutende Werke der Weltliteratur zu verdanken haben und ich kann das Lesen des Romans sehr empfehlen, auch wenn ich mir in Zeiten, wie diesen, wo alles schnell gehen muß und die Geduld der Leser nicht mehr vorauszusetezen ist, vorstellen kann, daß viele das Buch wegschmeißen werden, weil ihnen der Inhalt zu lang und zu sperrig erscheint.

Es gilt aber als Weltliteratur, auch wenn ich beim „Amazon Ranking“ eine ein oder zwei Stern Rezension gefunden habe, die meint, daß sie das Getue um das Buch nicht recht versteht.

Ich denke, da hat einer seine Lebenserfahrungen hinuntergeschrieben und es sind auch sehr schöne Wort- und Sprachschöpfungen in dem Buch, auch der Dialog ziwschen dem Arzt und Vergil war sehr interessant zu lesen, sodaß ich das Buch auch den anspruchsvollen Leser ans Herz legen kann, die sich die Zeit fürs Lesen nehmen.

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