Literaturgefluester

2017-03-24

Mir ist die Zunge so schwer

Weiter geht es mit den jungen Talenten, mit den „Unter Dreißigjährigen“ und zu den achtzehn Kurzgeschichten über Menschen, wie im Klappentext steht, „die Zeit ihres Lebens versäumt haben zu sprechen,Täter, Opfer, Sehnsüchtige und Missverstanden, Einsame und Trauernde“, der 1990 in OÖ geborenen Lucia Leidenfrost, die seit 2014 in Mannheim lebt und am „Institut für Deutsche Sprache arbeitet“.

Einige Preise hat sie schon bekommen und es ist tatsächlich sehr beeindruckend, wie sich diese junge Frau in die Köpfe und die Hirne ihrer Großelterngeneration hineindenken kann.

„Fast hört man die Stimmen ihrer Figuren, so genau trifft sie deren Ton“, schwämt  der Klappentext und das stimmt genau, kann ich dazu flüstern, obwohl das Verstehen bei der ersten Geschichte „Erdbeer-Rhabarba null sechs“ gar nicht so einfach ist.

Aber so ist das mit den Demenzen, kann die Psychologin schon mal klugscheißern und verraten, daß da eine alte Dame offenbar ihren dementen Mann pflegt und mit ihm spricht. Dabei kocht sie Marmelade aus Rhabarba, weil man ja nichts überlassen darf, die schließlich anbrennt und sie sie spricht auch immer davon, daß sie den Mann nach Hause bringen wird. Nicht ganz so verständlich für die Lesende, aber wenn ich mich plötzlich in einer Seniorenresidenz befinde und nach Hause will, kann ich vielleicht auch nicht ganz verstehen, wenn mir die freundliche Schwester mittels Validation erklärt, daß ich das schon lange bin.

In „Gefangenspielen“, geht es um die Qualen eines alten Apotheker, der im Krieg in der schlimmen Zeit, seine tauben Kinder verstecken mußte, damit sie nicht ins Schloß Hartheim kamen. Ehrenhaft könnte man  sagen, aber offenbar war er auch ein Nazi, bei der SS oder sonstwo und hatte mit dem Holzapfel Edi, der sich dem Kriegsdienst verweigern wollte, kein Verständnis. So jagte er ihn mit seinen Freunden, schoß ihn an und sperrte ihn dann ins Feuerhaus, wo er verbluten mußte.  Seither hat er  Probleme mit seiner Schwester, wenn die in seine Apotheke kommt und ihn vorwurfsvoll ansieht, denn sie hat ihn nicht verraten.

In „Flugübungen“ geht es wieder in ein Spital oder in ein Altersheim, denn der alte Mann, der hier spricht und sich nach seiner Heidi sehnt, die ihm, weil schon gestorben, nur mehr des Nachts besuchen kann, machte die offenbar im Krieg und der ist schon lang vorbei. Die Erinnerungen bleiben aber im Kopf und wenn es jetzt immer weniger Menschen gibt, die sich in ihren Altersheimen noch wirklich daran erinnern können, ist es schön, wenn sich junge Leute damit auseinandersetzen und eindruckvoll und einfühlsam darüber schreiben.

Ein bißen anders geht es in „Die vom Bach zu“. Da hat einer, ein Bauernsohn, eine Selbstmörderin, die Vroni aus dem Bach gezogen und sich in sie verliebt. Sie kam, wie das damals so war, in die Irrenanstalt und er wollte sogar Pfleger werden, um ihr nahe zu sein. Der Vater hat es ihm verboten und so hat er geheiratet, sie später nur gesehen, wenn sie mit von den Medikamenten aufgeschwemmten Gesicht auf seinen Hof kam und nicht mehr so schön, wie damals war und irgendwann ist sie gestorben und er kann von ihrem Tod in der Zeitung lesen.

„Friedrich“ ist auch einer, den sie jung, wahrscheinlich von der Schulbank weg, in den Krieg schickten. Einer aus einer gläubigen Familie, dessen Mutter listig den „Hitler-Gruß“ verweigerte und der ihr Briefe aus dem Feld schreibt und um einen Rosenkrankz bittet. Schließlich wird er von den Russen gefangen genommen, muß ohne es zu verstehen, unterschreiben, daß er ein Nazi ist und wird nach Moskau gebracht, um dort die Stadt wieder aufzubauen, während „Janek“ der Bruder von der Bäckerin Helena oder Helenka ist, deren Eltern mit den Kindern den Sprung über den eisernen Vorhang machten. Die Großeltern blieben zurück und die junge Helena sehnt sich nach ihnen und kann die Funktion eines eisernen Vorhangs genauswenig verstehen, wie was ein Lungenkrebs ist, an dessen Folgen der rauchende und Kafka lesende Vater verstarb.

Originell, die Geschichte von dem „Hans Warum“, der am Friedhof zwischen dem jüdischischen Schriftsteller Jakob Wassermann, dem nationalsozialistischen Bruno Brehm und dann noch neben einem Paul Preuß einem Bergsteiger liegt und dann kommen immer wieder die Geschichten von dem Krieg, die die junge Frau zu beschäftigen scheinen und die in allen ihren Formen erzählt werden.

Die von dem Mann, der zwischen 1938 „derisch“ also taub für alle meine bundesdeutschen Lesern, wurde, damit er das was er sah, nicht der Gestapo verraten konnte oder wollte, die vom Desertieren, die ein Großvater seinen Enkeln erzählt oder besonders berührend, die von der kleinen Marianne, die fast verrückt wird, weil die Erwachsenen mit ihren Geschichten von den KZ immer verstummen, wenn sie auftaucht und die doch neugierig ist und alles wissen will und sich dann fürchtet oder natürlich auch mißversteht. Da braucht es dann schon einen jungen Kaplan, Psychotherapeuten hat es damals und am Land, wo die Geschichte spielt, wohl noch nicht gegeben, der die Füße ins Wasser baumeln und das Kind einfach fragen läßt.

Um Gewalt gegen Frauen und Kinder und das Beten, wie es am Land in der Nachkriegsgeneration offenbar so üblich war geht es auch und um das, was die Sprachlosen, ihren Kindern nicht oder schon sagen können, so erfährt eine oder eine am Sterbebett des Vaters von der Existenz eines Halbbrunders und eine ebenso sprachlose Mutter will ihren Sohn, der inzwischen im Ausland lebt und zum Abschied „Bis denne“ sagt und den sie nur ganz gelegentlich in Wien in der Konditrei Adia visa a vis der Oper seinen Mutterkuchen mitgegeben.

Und wieder sehr berührend die letzte Geschichte in denen die Kinder Briefe an die tote Mutter schreiben. Sie sprechen davon von den Honig und den Marmeladegläsern, die sie sie ihnen als ordentliche Hausfrau offenbar hinterlassen hat und diie sie jetzt langsam leeressen. Von Bienen ist viel die Rede und von Zeichnungen des Großvaters der offenbar in einem KZ gewesen ist. eines Tages finden die Kinder den Vater erhängt im Bienenhaus, sie geben ihm Honig, Marmelade und die Zeichnungen in den Sarg und winken ihm nach.

Sehr beeindruckend die achtzehn Geschichten in der sich eine sehr junge Frau sprachlich sehr prägnant und mit sehr originellen Ansätzen mit den Gewalt- und Kriegserfahrungen ihrer Eltern- und Großelterngeneration auseinandersetzt und sie sowohl stimmig, als auch höchst literarisch umsetzen kann.

Bei „Amazon“ hat ein Leser beklagt, daß die Geschichten so schnell verschwinden und nicht dicht genug sind.

Ich habe sie sehr eindringlich und gar nicht banal, wie ich auch gelesen habe, sondern laut gefunden, obwohl sie vielleicht leise geschrieben sind und wundere mich immer noch, daß eine so junge Frau so viel vom Leben ihrer Eltern und Großeltern weiß und das dann auch noch literarisch gestalten kann.

Ebenfalls sehr eindringlich und schön ist die graphische Gestaltung des Bandes, der bei mir hängen bleiben wird und den ich vielleicht auch den Kindern und den Enkelkindern empfehlen kann, damit sie besser verstehen können, wie es  damals war und ich, merke ich, am Schluß noch an, gehöre, als eine 1953 in der Großstadt in einen atheistischen Haushalt Geborene, die den Krieg nicht selbst erlebte auch schon der Nachkriegsgeneration an und kann vieles so nachempfinden, obwohl meine Eltern, auch wenn sie keine Täter waren, ebenfalls nicht viel davon gesprochen haben.

Aber die Zunge ist den frisch aus dem Wahnsinn, den man nicht wirklich verstehen kann, entkommenen eben schwer, wie auch die Titelgeschichte zu erzählen weiß.

 

2017-03-23

Die Stierin

Von Andrea Stift, die ich 2008 kennenlernte und die dann einige Zeit meinen Blog begleitete und auch einige Zeit lang in der „Ohrenschmaus-Jury“ war, habe ich so ziemlich alles gelesen.

Aber jetzt schon länger nichts mehr von ihr gehört und als ich vor kurzem eines Abends von der „Alten Schmiede“, der „Gesellschaft“ oder von sonst irgenwo nach Hause ging, habe ich bei Anna Jeller ihr neues Buuch liegen gesehen. Zuerst habe ich geglaubt, es wäre bei „Kiwi“, es ist aber bei „Kremayr & Scheriau“ erschienen, die in ihrer literarischen Schiene nicht nur Debuts machen und ich kann es gleich verraten, es ist ein sehr dichtes Buch, wahrscheinlich das beste, das ich von der 1976 in der Südsteiermark Geborenen, gelesen habe, obwohl mir, das schreibe ich auch dazu, nicht alles daran gefällt.

Stammleser werden jetzt schon wissen, worauf ich anspiele, bin ich ja nicht nur gegen Sterbehilfe, sondern auch dafür, daß sich Frauen gegen die Gewalt, die die Männer auf sie ausübend, wehren sollen, aber nicht mit jeden Mittel und nicht um jeden Preis.

Mord gehört nicht dazu, da gibt es viel bessere Mittel.

„Nein!“, sagen gehört schon einmal dazu und dann gibt es noch Frauenhäuser, Pfeffersprays, Karategürtel, aber kein Pflanzengift und auch keinen Hammer.

Aber sonst ist es ein sehr vielschichtiges Buch, das in mehreren Ebenen gegliedert ist und bis in die Antike zurückgeht. So gibt es wie in einem der Frischmuth-Bücher, einen Chor, hier ist es vielleicht kein ganz griechischer, sondern einer von irischen Königinnen, die auch einmal Krähen genannt werden und da ist Maeve, eine rothaarige Frau um die Fünfzig, wie uns der Chor schon eingangs verrät.

Andrea Stift, die sich inzwischen offenbar verheiratet hat und sich jetzt Stift-Laube nennt, etwas, was vielleicht auch ganz gut zum Sujet passt, ist rothaarige, aber weil 1976 geboren, etwas jünger und Maeve ist die Besitzerin eines Käseladens.

Da steht sie  mit der Schürze hinter der Budel, schneidet mit scharfen Messern Käse ab, schenkt auch Wein aus und wenn nichts zu tun ist, schnitzt sie aus harten Käseresten Stiere und ein Heer von Krieginnen.

Nach und nach erfährt man ihre Geschichte und die ist auch sehr vielstimmig und diffizif und wird in verschiedenen Ebenen erzählt.

Der Klappentext erzählt von Alli ihrem Mann, den sie nachts besucht und dieser Alli tauchte eines Tages im Laden auf, bestellte eine bestimmte Sorte Käse und lud sie zum Essen ein. Beim zweiten Versuch stimmte sie zu und heiratete ihn  auch bald, er aber behandelte sie sehr schlecht und darin hatte Maeve,  die mit Achtzehn von ihren Eltern weg und in eine Stadt gegangen ist, ob es sich dabei um Graz handelt, wird nicht erwähnt, schon ihre Erfahrungen.

Denn da hat sie eine Weile in einer Pension gewohnt, bis sie der Käsehändler ansprach, sie  in seinem Geschäft arbeiten ließ und sie dann heiratete.

Danach mußte sie zu Hause bleiben, das Haus putzen, der namenlose Käsehändler war da sehr penibel, für ihn kochen und sich am Abend für ihn schön machen.

Als er gestorben ist, hat sie den Laden übernommen und, als sie noch Schülerin war und auf den Schulbus wartete, tauchte eines Tages ein behinderter Mann auf und begann an ihr herumzukrapschen. Sie konnte sich nicht wehren und, wie Andrea Stift hier die Dissoziation beschreibt, sie läßt sich von den Krähen wegtragen und sieht eine irische Königin, die mit ihrem Mann, um die Herrschaft beziehungsweise, um die Stiere streitet, ist wahrhaft meisterhaft. Großes Kompliment, so habe ich das noch nicht gelesen.

Jetzt ist sie aber erwachsen, Witwe, schnitzt in kundenlosen Momenten ihr weibliches Kriegerheer und da taucht eines Tages eine schwarzgekleidete Kundin auf, kauft Käse und erzählt ihr von Frauen, die ihre Gatten ermordet haben.

Am nächsten Tag kommt sie mit ihrer Schwester wieder und lädt Maeve zum Essen in ihre Wohnung ein, da gibt es  noch eine dritte Schwester.

Sie heißen Bod, Morrigen und Macha, das sind irische Namen und  haben ihre irische Vergangenheit und Lebensgeschichte, werden aber auch als Krähen beschrieben und sie helfen, wie ich schon erwähnte, mit für mich sehr unlauteren Mitteln, Maeve sich von der Unterdrückung zu befreien.

Wahre Emanzipation geht, glaube ich, anders und ich denke, die Frauen müssen den Männern nicht jede Gewalt nachmachen.

Sonst ist er aber ein starkes Stück, der kleine Roman, der am Buchrücken noch mit „Ein düsteres Kammerspiel, zwischen Freiheit, Mord und Selbstbestimmung“, beschrieben wird, der mich sehr beeindruckt hat.

2017-03-22

Fliegenpilze aus Kork

„Ihr erster Roman wird schon im Februar erscheinen“, sagte Michael Hammerschmid bei der Studentenlesung im Jänner im Literaturhaus, als er die 1995 in Wien geborene Marie Luise Lehner vorstellte und „Wui!“, eine so junge Frau, erzählt in Roman genannten Prosaepisoden aus ihrem Leben oder, wie im Klappentext steht, von einem „Vater, der mit seiner Tochter durch Wien streunt, sich nachts in Parks einsperren läßt, beziehunsweise Kupferleitungen von Baustellen stiehlt“ und erwähnt,  „daß die Tochter erkennen muß, daß das, was wie ein Abentuer aussieht keines ist, weil der Vater nicht wie andere, sondern manchmal Bildhauer, Sozialarbeiter und manchmal auch arbeitslos ist und kein Geld für Essen zu Hause hat….“

Aber eigentlich erzählt sie von einem Leben,von ihrem oder dem, der, glaube ich, namenlosen Ich- Erzählerin.

Erzählt von deren Geburt und der Scheidung der Eltern. Dann wird sie vom Vater, der der Mutter vorher noch ein Kleid aus Griechenland mitbrachte, das sie nicht haben wollte, wochenweise oder über das Wochenende betreut und das erzählt Marie Luise Lehner in kleinen Prosastückchen und dazwischen kommen immer wieder Überschriften, wie „Geboren werden“, „Zwei werden“, „Drei bis Zwanzig“, bis zum Ende des Buches und das war wohl auch das Alter der Autorin, als sie das Buch geschrieben hat.

Und der Vater ist ein sehr ungewöhnlicher Mensch. Ein Mann mit vielen Berufen, Bauarbeiter, Schloßer, Bildhauer, Behindertenbetreuer, Sozialarbeiter und dann wieder arbeitslos, einer, der sich sehr um sein Kind, seine Kinder kümmert, denn es kommt  auch bald noch eine Schwester, von deren Mutter er auch geschieden oder getrennt ist hinzu und der mit ihnen sehr ungewöhnliche Sachen macht.

Er stiehlt, wie schon erwähnt, die Kupferleitungen von den Bausstellen oder Elektroteile von Mülldeponien. Er stieht Katzen aus den Wohnungen verstorbener Freunde, oder Meerschweinchen, die er dann betreut. Geht mit der kleinen Tochter auf den Rathausplatz zum Live Ball, um das Einziehen der Gäste zu beobachten und mit der Erwachsenen nach Schönbrunn, um sich dort an ihrem Geburtstag mit ihr im Schloßpark einsperren zu lassen.

Er ist, wie die Erzählerin schreibt, sehr mager, raucht sehr viel, später hört er damit auf, hat gelbe Zähne und kein Geld, den Töchtern Essen zu kaufen und macht Sachen für die sich die Kinder schämen.

Die Erzählerin wird zuerst in der Schule, dann auf der Uni gefragt, was ihr Vater beruflich macht und gibt immer die verschiedensten Antworten, Bauarbeiter, Sozialarbeiter, etcetera…

Aber der Vater nimmt das Kind, die Kinder auch immer auf seinen Arbeitsplatz mit und er nimmt sie auch mit zu der Großmutter nach Oberösterreich, borgt sich von ihr Geld für sich und  für die Tochter aus, ist einmal liebevoll und einmal fordernd und, als die Großmutter dann dement oder psychotisch geworden, im Altersheim, in das sie von der Schwägerin gebracht wurde, stirbt, gibt es auch ein sehr ungewöhnliches Begräbnis, wo der Vater statt in schwarz, wie alle mit einem beigen bodenlangen Mantel erscheint und  vom Pfarrer oder den Totengräbern verlangt, daß der Sarg noch einmal aufgeschraubt werden muß.

Er ist sehr viel, sehr ungewöhnlich und auch sehr widersprüchlig, was da in kurzen Episoden auf knapp zweihundert Seiten passiert. Der Vater ist auch noch Walddorflehrer, schleppt die Tochter gegen ihre Willen zu kirchlichen Versammlungen, hat viele Freundinnen und vielleicht auch zu wenig Verständnis für ihre Regelschmerzen oder ihre Freundinnen, die sie an den Vater erinnern.

Ein seltsame ungewöhnliche Vater-Tochter Beziehung, diese Mischung zwischen Wunderwuzzi und totalen Versager. Denn wer will schon einen arbeitslosen Vater haben, für den man sich genieren muß und viele Töchter oder Söhne werden mit solchen aufgewachsen sein und nicht darüber geschrieben haben und die Psychologin in der Leserin schwankte auch oft  bei der Frage, ist das jetzt Autobiografie oder literarische Erhöhung und wieviel hat die Sprachkunststudentin von dem hier beschriebenen erlebt und was hat sie sich nur ausgedacht, um ein literarisches Debut daraus zu machen, mit dem man zum „Bachmannpreis“ eingeladen wird?

Eine ungewöhnliche Mischung und auch eine höchst ungewöhnliche Darstellung, über die man auch herrlich philo- oder psychologisieren kann.

Die ebenfalls sehr junge Nele Pollatschek hat es auf eine  romanhaftere Art vielleicht ganz ähnlich ungewöhnlich versucht. Hier ist es literarischer und bruchstückhafter, aber auch gepaart, mit vielen, sehr ungewöhnlichen Einfällen.

Nicht leicht zu lesen, habe ich einer der schon vohandenen Amazon-Rezensionen gelesen und kann dem nur zustimmen. Denn es passiert in den Episoden zuviel, als daß man alles verstehen und nachvollziehen kann. Der poetische Tonfall bleibt aber hängen und läßt einen beeindruckt zurück.

Vieles ist dem Alter der jungen Autorin geschuldet, noch zu wenig ausgereift und natürlich übertrieben. Vieles aber auch literarisch eindrucksvoll in seiner Ungewöhnlichkeit und spannend, sich in die Ambivanlenz hinein zu lassen, wie das ist, mit einem ungewöhnlichen Vater aufzuwachsen, der sowohl ein Egoist und Versager, aber auch ein  liebevoller Kümmerer ist und so ungewöhnlich, wie es sich wohl die meisten Kindern mit Nullachtfünfzehn Vätern, nur wünschen oder phantasieren können.

Die Muttergestalten bleiben dagegen schwach und verschwinden hinter der Vaterfigur.

Die Tochter, aber auch die Großmutter und die Tante aus der Vaterfamilie haben dieselben Marotten, wie dieser ambivalente Vater und ich bin  jetzt natürlich neugierig, was ich von Marie Luise Lehner, die auch schon Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht hat und ich auch schon etwas von ihr gelesen habe, noch hören werde.

Ja und den Buchtitel sollte ich vielleicht noch erklären, zu Silvester streunen Vater und Tochter auf den Straßen, sammeln die Sektkorken auf und malen mit roter Farbe Punkte darauf.

 

2017-03-21

Lyrik und Prosa bei den Textvorstellungen

Angelika Reitzer hat „Textvorstellungen“, die sie, wie, ich glaube, auf eine sehr spezielle Art und Weise machte aufgehört und die 1975 geborene Poetry Slamerin und Rapperin Mieze Medusa hat heute damit begonnen, wie Kurt Neumann vor der Veranstaltung einleitete und daraufhinwies, daß sich die Textvorstellungen aus dem „Literatureck“, entwickelt haben.

Da habe ich ja einmal, ich glaube, es war 1980, gelesen und dann immer wieder bei den „Textvorstellungen“, von Herbert J. Wimmer bis Reinhard Wegerth könnte man so sagen. Nachher hat mich noch einmal Renata Zuniga eingeladen, ob ich jetzt noch eine Einladung bekommen, weiß ich nicht, ich hatte in den Neunzigerjahre bis Mitte Zweitausend aber auch ein großes Loch, obwohl ich immer meine Manuskripte hinschickte, jetzt tue ich es mit meinen Büchern und Mieze Medusa hat, glaube ich, auch ihre eigene Art der „Textvorstellungspräsentation“, obwohl ein Kontrast zu Angelika Reitzer, ein sehr großer sogar und Kurt Neumann betonte ihren Mut, daß sie Lyrik mit der Prosa mischte.

Aber Lyrik hat es bei den „Textvorstellungen“ schon bei Michael Hammerschmid gegeben, da wahrscheinlich nur, während Mietze Medusa könnte man so sagen, tatsächlich einen sehr großen Kontrast wagte und dem auch noch ein sehr ungewöhnliches Motto gab.

„Zwischen Tisch und authentisch – Rollenspiele zwischen ich & du“ und da könnte man schon einmal „Hui, was soll das heißen?“ fragen, noch dazu wenn man die eingeladenen Autoren Petra Piuk, Verena Stauffer und Jan Kossdorff dazu in Beziehung setzt.

Die 1975 in Burgenland geborene Peta Piuk hat ihr Debut „Lucy fliegt“ schon im Sommer bei den „O Tönen“ vorgestellt und der Roman von einer überforderten Stimme, die quasselt und quasselt, während sie im Flugzeug sitzt und sich von allen Realitäten wegredet, kann man, glaube ich, nicht, wie Mieze Medusa aus einer Rezension zitierte mit dem „Fräulein Else“ vergleichen und mit dem Schnitzer wahrscheinlich nur wegen dem Inneren Monolog.

Petra Piuk gab ihr aber eine laute und sehr eindrucksbvolle Stimme, während, die 1978 in Kirchdorf an der Krems geborene Lyrikerin Verena Stauffer schon einmal eine sehr lyrische Stimme hat, mit der Bachmann oder Valerie Fritsch vielleicht vergleichbar. Sie las sehr leise poetische Texte aus einem Manuskript, hat aber schon bei „Hochroth“ veröffentlicht und dazu kam dann gleich das nächste Kontrastprogramm, nämlich ein Autor, den ich sehr mag und von dem ich, glaube ich, schon seinen zweiten Roman „Spam“ gelesen habe, nämlich der 1974 win Wien geborene Jan Kossdorff. Sein vierter Roman „Leben Spielen“ ist bei „Zsolnay“ erschiene, vorher hatte er drei Bücher bei „Milena“.

Sein 2009 erschienenes Debut „Sunnyboys“ das ich glaube ich bei „Rund um die Burg“ hörte, ist wie Mieze Medusa erwähnte, inzwischen vergriffen.

„Kauft Leute“, was mich auch sehr interessieren würde, habe ich dann bei „Rund um die Burg“ neu gehört, „Spam“ wie gesagt, gelesen und „Leben Spielen“ handelt wieder im Schauspielermilieu.

Jan Kossdorf ist ja einer mit sehr ungewöhnliches Einfällen. So steigt ein Schauspieler aus, beziehungsweise hat er da nicht die große Karriere gemacht und kommt mit einem Freund auf die Idee, die Schauspielkunst im Alltag anzubieten.

Man kann sich ihn mieten und er spielt dann die gewünschten Szenen nach. Mit seiner Freundin Valerie und seinem Freund Sebastian tut er das und die Stelle, die Jan Kossdorff vorlas, spielt in einer Wohnung im zweiten Bezirk. Ein alter Drehbuchautor, Emigrant aus Wien, der in Hollywood Karriere machte, wünscht sich eine Begegnung aus den Fünfzigerjahren nachzuspielen. Sehr interessant.

Nachher gab es ein sehr intensives Gespräch in dem sich Verena Stauffer nach dem Motto erkundigte. Ich würde da ja nur sprachliche Gemeinsamkeiten sehen und hätte in den drei Texten keinen Tisch entdeckt.

Verna Stauffer war aber begeister,t umso mehr, da Mieze Medus ihr verriet, daß sie der Tisch gewesen wäre. Sie brachte gleich ein Gedicht über einen Tisch und sagte, daß für sie der Schreibtisch das wichtigste ist und ich glaube, daß Miezes Medusas „Textvorstellungen“ wahrscheinlich auch etwas Besoneres werden, auch wenn ich das Motto nicht nachvollziehen und auch nicht sehr passend finde.

Die gewagte Mischung finde ich aber interessant und da wird es im Juni wieder „Textvorstellungen“ mit Mieze Medusa geben, auf die man sich schon freuen kann.

2017-03-20

Abstand, Identität und Nähe

Wieder einmal „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“, moderiert von Michael Hammerschmid mit drei, nein nur zwei österreichischen Autoren, denn der 1949 geborene Kärtntner Psychologe, der mir einmal zwei seiner Bücher schenkte, Ingram Hartinger, hat krankeitsbedingt abgesagt, so waren nur Marie Luise Lehner und Udo Kawasser am Programm und das Debut der 1995 geborenen Sprachkunststudentin „Fliegenpilze aus Kork“ habe ich gerade erst gelesen.

Die Besprechung wird am Mittwoch erscheinen. Um meinen Lesern die Wartezeit während ich mich in Leipzig herumtreibe, zu verkürzen, wird da einiges erscheinen und einiges ist bei „K&S“ erschienen und Michael Hammerschmid, der ja auch Marie Luise Lehners Sprachkunstlehrer ist, beziehungsweise die Studentenlesung im Jänner im Literaturhaus moderierte, leitete den Debut oder Episodenroman auch damit ein, daß er vier Protagonisten hätte.

„Hai?“, könnte da die schon Gelesenhabende fragen. Der Vater und die Tochter sind zwei und die anderen Verwandten verschwinden ja ziemlich hinter diesen Personen, aber Michael Hammerschmid zählte dann noch, glaube ich, die Poesie und die Sprache auf und erwähnte, daß es kein Entwicklungsroman, sondern ein Wenderoman wäre, ich bleibe, glaube ich bei den Episoden und die junge Frau, deren Haare inzwischen kürzer, als auf dem Foto in dem Buch sind und zu der auch einige andere Sprachkunststudentinnen und Studenten, die ihr auch versprachen, bei ihrer Lesung laut zu jubeln, kamen, las sich durch das Buch und lächelte ein paar Mal verlegen unsicher oder auch nur selbstbewußt dabei.

Und ich, das schreibe ich ja immer gerne, gehe eigentlich nicht so gern zu Lesungen, wo ich das Buch schon gelesen habe, aber die „Textvorstellungen“ haben  immer mehr Vortragende und ich heute, schon, um den Rest der Woche einzuarbeiten, mehrere Stunden, zwei Befundbesprechungen und zweimal Diagnostik hatte, war auch nicht ganz sicher, ob ich es schaffen würde, mit dem Befunde schreiben fertig zu werden.

Wurde ich aber und so habe ich die Lesung zu dem Buch hautnah und ganz frisch dazu bekommen und wenn das auch eine Frage der Zeitökonomie ist, zu der ich stehe, muß ich bekennen, man lernt sehr viel, wenn man beides macht,  kann die Eindrücke vergleichen und zusammenfassen und von Udo Kawasser, der nach ihr las, habe ich nur den Namen gekannt, weil der demnächst, glaube ich, auch in der „Gesellschaft“ lesen wird oder schon gelesen hat.

Er ist ein Vorarlberger, 1969 geboren, dennoch liebt er die Lobau und scheint seine Sommer dort zu verbringen und weil das wahrscheinlich ein wenig langweilig ist, immer dort zu sitzen und ins Wasser zu schauen, hat er auch immer Aufzeichnungen gemacht und weil er dann schon sehr viele Notizen hatte, hat er aus den Sommern von 2008, 2009 und 2011 ein Buch für seine Freunde gemacht. Wahrscheinlich ein selbstgedrucktes. Aber weil seine Freunde auch Dichter sind, hat das Manuskript den Weg zum Verlag gefunden und ist bei „Sonderzahl“ erschienen.

„Unterm Faulbaum“ heißt es und es enthält die Gedanken des Autors oder Ich-Erzählers, diesmal überschneiden sich die, glaube ich, wirklich eins zu eins, obwohl Marie Luise Lehner in dem anschließenden Gespräch erwähnte, daß sie während des Schreibens an ihrem Sprachkunst-Gesellenstück in ihre Kindheitserinnerungen zurückgegangen ist, aber einen so ambivalenten Vater, wie in dem Buch geschrieben, wird sie wahrscheinlich nicht wirklich gehabt haben.

Udo Kawasser ist aber unterm Faulbaum gesessen, hat Camus, Susan Sonntag und auch einiges andere gelesen, über Gott, die Welt und das Leben philosophiert, einen nackten Wanderer mit Hut und Stock beobachtet, wie sich der über die Biber mokierte, die alles krumm und kahl fressen und ihre natürliche Feinde nämlich Bären und Wölfe herwünschte und an eine Liebe in Kuba, die er dann irgendwann auch heiratete, ist es in dem Buch auch gegangen.

Ein interessanter Kontrast zu dem Debutroman von Marie Luise Lehner, wie Michael Hammerschmid, der Sprachkunstlehrer und Textvorstellungenmoderator erwähnte und die Besucher zum Kaufen und Vergleichen aufforderte.

Das kann man auch mit Ingram Hartingers Gedichte „Dinge der Angst“ bei „Wieser“ erschienen tun, aber ich habe ja noch seine Bücher zu lesen und morgen gibt es schon wieder „Textvorstellungen“ und da ich die Diagnostik, die ich eigentlich morgen machen sollte, schon heute machte, wird es sich wahrscheinlich wieder ausgehen hinzugehen und wieder wird mich ein Buch dort erwarten, was ich schon gelesen habe, der unabhängige oder auch abhängige „Kremayr & Scheriau“ machte es möglich und so freue ich mich schon darauf.

2017-03-19

Tsunami Blues

Weiter gehts mit den Neuerscheinungen, das heißt Marketa Pilatovas dritter Roman ist schon im Vorjahr erschienen und dann irgendwie verlorengegangen und auch die Lesung in der „Gesellschaft für Literatur“, die mich auf das Buch aufmerksam machte, habe ich wegen eines Kliententermins versäumt.

Habe aber, das erste Buch der 1973 in Kromeriz geborenen und jetzt in Lateinamerika tschechisch unterrichtenden Autorin gelesen, da es mir Herwig Bitsche schenkte, als ich damals den „Residenz-Verlag“ besuchte.

„Tsunami Blues“ erschien bei „Braumüller“ und bei einer Lesung im tschechischen Zentrum anläßlich einer „Buch-Wien“ bin ich auch einmal gewesen und weil das Buch höchstwahrscheinlich auch zu „Centrope“ passt, habe ich es am letzten Mittwoch auch in die Spengergasse geschleppt, aber zum Analysieren sind wir da noch nicht gekommen.

„Tsunami Blues“ ist ein wunderbares Buch könnte man fast pathetisch sagen oder eines nach meinem Geschmack.

Im Klappentext steht etwas von Graham Greenes Spuren auf denen die Autorin wandern würden. Das kann ich nicht beurteilen, so viel Greene habe ich noch nicht gelesen, obwohl man die Bücher ja in den Bücherschränken findet.

Es ist aber eines, das sich meiner Meinung nach, wohltuend von beispielsweise Eva  Menasses komplizierten Stil abhebt, wo man lange braucht, um mitzubekommen und die Handlung zu verstehen.

Hier versteht man auch nicht sofort, denn Marketa Pilatova pirscht sich langsam an das Geschehen an. Aber dann wird alles klar und ist eigentlich auch ziemlich linear erzählt, wenn es natürlich Rückblednungen gibt, die das Ganze erklären und auflösen.

Da ist Karla, ein sechzehnjähriges Mädchen, das in einer mährischen Kleinstadt lebt und bei dem Exilkubaner  Lazaro Trompete spielen lernte.

Sonst hat sie Schwierigkeiten mit ihren kleinbürgerlichen Eltern, die sie dann doch überreden, zu Weihnachten 2004  mit nach Thailand zu fahren. Man ahnt was kommt. Die eltern kommen bei dem Tsunami um und Karla irrt am Strand herum, um ihre Leichen zu suchen. Dabei wird sie vom Schatten einer schwarzen Frau verfolgt.

Es ist also auch magisch oder natürlich nur posttraumatisch und sie kann sich eigentlich nur durch einen mexikanischen Fotografen ein bißchen beruhigen oder ablenken.

Sie hat aber auch eine vernünftige Großmutter, die in der Kleinstadt Apothekerin ist und die schickt Lazaro, um sie zurückzuholen, was er auch tut. Karla kommt zurück, geht nach Olmütz in ein Studetnenheim, studiert bei der alten Jenufa Spanisch und schwört sich, nie wieder eine Trompete anzurühren.

Da ist es fast ein Glück, daß auch Jenufa kubanische Wurzeln hat, beziehungsweise, daß sie immer wieder dorthin fliegt, um Medikamente an Dissidenten zu verteilen. Allein kann sie das aber jetzt nicht mehr, da sie so an die Achtzig ist, so muß Karla mitkommen und jetzt wird es wahrscheinlich greenhaft spannend.

Sie bekommen statt eines Leihautos nämlich nur ein altes Motorrrad, landen in einem komfortablen Hotel, das sich als Buff entpuppt.

Jenufa wird am nächsten morgen verhaftetund Karla muß ihr nachfahren und mit einigen Schwierigkeiten kämpfen. Jetzt löst sich alles nach und nach auf und auch das ist äußerst spannend und, weil man ja nicht soviel spoilern soll, verrate ich nur, daß der Schluß gelingt. Karla kommt zurück nach Mähren, geht ins Leben und wird wieder Trompete zur Trompete greifen.

„Und was machst du jetzt?“, fragt Lazaro, „Spielen“, lautet der letzte Satz.

Es kann also auch ganz einfach sein. Wwohltuend einfach und braucht nicht die komplizierten Konstruktionen, die das Lesen mühsam machen, aber als gute Literatur gelten, denke ich und wiederhole, daß mir das Buch sehr gefahllen hat und ich es jeden, aber wahrscheinlich besonders meiner Freundin Ruth, die ja einige Jahre in Kuba lebte, empfehlen kann.

2017-03-18

Zwölf Indies bei Lhotzkys Literaturbuffet

Heute habe ich einen literarischen Samstag machen wollen, das heißt das „Frühstück“ ab Szene dreizehn, wo ich gerade bin, laut lesend zu Ende korrigieren und dann am Abend mit Andrea Stift-Laubes „Die Stierin“ in die Badewanne, aber natürlich siegte zuerst die Neugier und ließ mich nachschauen, was die anderen so unter dem Hashtag „Indie-Bookday“ ins Netz stellen.

Also habe ich das gegooglet und bin, große Überaschung darauf gekommen, daß das im „Lhthotzkys Literaturbuffet“, die kleine feine Buchhandlung, wo ich einmal bei Anni Bürkls Präsentation ihres „Schwarztee-Krimis“ war und die dort, glaube ich, eine Zeitlang auch ihre literarischen Salons veranstaltete, der „Indie-Bookday“ wahrscheinlich schon seit einigen Jahren groß gefeiert wird.

Ich dachte ja eigentlich bis Österreich ist das soweit durchgedrungen, wie ja auch die Bloggersezene höchst vereinzelt ist und man das Leseprobenheftchen zum deutschen Buchpreis partout nicht in den österreichischen Buchhandl2ungen bekommt.

Stimmt wieder nicht so ganz, denn Mariki vom „Bücherwurmloch“ hat heute schon ihre  Bücher gepostet und dabei auch das hineingestellt, was ich als nächstes lesen werde, nämlich Lucia Leidenfrosts „Mir ist die Zunge so schwer“, eines der Debuts aus dem „Kremayr&Scheriau-Literaturprogramm“, was mich bezüglich der „Indie-Zuordnung wieder einmal stuzen ließ, denn meines Wissens nach ist „Kremayr & Scheriau“, ein Großverlag oder sollte ich mich da irren?

Aber egal, mir ist das sowieso ganz gleichgültig, ob das Buch das ich lese, aus einem kleinen oder großen Verlag oder am Ende gar selbstgemacht ist und das Programm das „Lhotzky“ von zwölf bis drei im Viertelstundentakt anbot, war auch eines der feinsten, allerdings nicht so sehr unterschiedlich von dem, was ich beispielsweise bei der „Kleinstverlagmesse“ im Museumsquartier beziehungsweise bei der „Ottak Ottak-Veranstaltung“ fand.

Das heißt doch, ein paar kleine feine Unterschiede, gab es neben der vielen bekannten Namen schon, aber ich hatte ja ohnehin nicht vor hinzugehen, weil ich mich am Samstag von meiner Familie nicht trennen und außerdem korrigieren wollte.

Aber dann, wie heißt es so schön, der Berg ruft oder die Droge lockt und, als der Alfred aufbrach, um am Naschmarkt die Calamari für morgen einzukaufen und dann das Rindfleisch, das er gestern in St. Pölten kaufte, braten wollte, habe ich umdisponiert, mir das Programm ausgedruckt und bin losgezogen, um mir beim Mc Donald einen Cheeseburger Royal und ein Donat zu Mittag zu kaufen.

Dann hätte ich das Geschäft beziehungsweise den Eingang fast nicht gefunden, denn der war in der Rotensterngasse. Als ich damals bei der Bürkl-Veranstaltung war, war das, gaube ich, anders und so bin ich gerade dazugekommen, als die „EditionKrill“ ihr Verlagsprogramm präsentierte. Das sind, glaube ich, zwölf oder dreizehn Büchlein oder kleine Heftchen, die je fünf Euro kosten, ein Buch von Bodo Hell ist dabei, Kindergedichte von Michael Hammerschmid und und, denn die beiden Verlagsleiter waren mit ihrer Präsentation noch nicht durch, als ein Wecker ertönte und dann wahrscheinlich Andrea Lhotzky oder eine andere junge Frau von der Buchhandlung erschien, ein Buch in der Hand hielt und dem Publikum erklärte, daß man, wenn man den Hashtag „Indiebookday“ postet, es gewinnen kann.

Das ist zwar ein bißchen anders, als die ursprügnliche Idee, aber sehr sehr freundlich, für die Büchermuffel, die nicht so gerne Geld ausgeben, allerdings habe ich ja kein Handy und die junge Frau sagte noch dazu, daß man die ganze Kollektion der „Edition Krill“ für nur fünfzig Euro kaufen könne. Die lagen auch an der Wand auf, die Buchhandlung war aber so voll und füllte sich immer mehr, daß man gar nicht gut dazu gekommen wäre.

Die nächste Lesende war Claudia Rohrer von der „Edition Fotohof“ und da weiß ich gar nicht so recht, ob das ein richtiger Verlag ist oder nur eine Künstlerinitiative, die etwas über die Veränderung von der analogen zur digitalen Fotografie künstlerisch gestalten wollten. Das Buch, das sie präsentierte, war jedenfalls ein Theaterstück in einigen Akten oder Kaptel, die  erklärten, wie ein analoges Foto entsteht und dasm war spannend aufbereitet, in dem sich der Club der Analogen in einer geheimen dunkelkammer traf, um sich offenbar in die Zukunft zu retten und dazwischen stellten Fotografen ihre Fotos aus und erklärten die Geschichte der Fotografie.

Dann kam und das war vielleicht unerwartet und eine Referenz auf Deutschland der „Verbrecher-Verlag“, bei dem ja glaube ich Antje Stellings „Bodentiefe Fenster“ erschienen sind, die 2015 auf der LL standen und die, glaube ich, damit auch den „Hotlist-Preis“ gewann.

Philipp Stadelmeier, der ein Buch zur Meinungsfreiheit geschrieben hat, stellte den Verlag vor und las Proben aus seinem Buch und das fand ich auch sehr interessant, weil es dabei  um jene Meinungsfreiheit geht, von der ich gerade auch betroffen bin. Denn da kommt einer daher und sagt seine Meinung, in dem er über die anderen drüber bügelt, sich über sie lustig macht, sie nicht ernst nimmt, etcetera.

Denn seine Meinung kann ja jeder haben und natürlich kann man sagen, daß man Angst hat, aber das „Ausländer raus“ und „Grenzen zu“ ewas dann vielleicht folgt, ist dann nicht mehr so schön.

In diesem Sinne ging es mit etwas sehr bekannten weiter, nämlich mit Stephan Eibel Erzberg, neben dem ich ja vor ein paar Tagen in der „Gesellschaft für Literatur“ gesessen bin und mit dem ich auch vor zwei Wochen bei der „Rettet das Amerlinghaus-Initiative“ gelesen habe.

Er hat auch den gleichen Text gelesen, der mir nicht sehr gegefallen hat „Erinnerst du dich noch, als wir einen Autounfall hatte, als unser Kind gestorben ist, als wir unsere Wohnung anzündeteten, als ich dich bei der Polizei wegen Rauschgifthandels angezeigt habe… wie war das schön!

Nein, das ist es nicht! Aber natürlich die Realität des Lebens, das Kinder und Frauen geschlagen werden, man Drogen nimmt, sich zu Tode säuft, etcetera. Aber man muß, das ist meine Meinung, ja nicht alles übertreiben und kann das auch viel freundlicher sagen.

Stephan Eibel Erzberg ist ein ganz lieber, in diesem Punkt aber anders und dieser Text ist auch in dem neuen Ban von „Proverbis“ erschienen, den Stefan Eibl vorstellte.

Dann kamen zwei Männer vom Satiremagazin „Hydra“ was mich auch ein wenig verwirrte, weil das Buch, das sie vorstellten, eine Satire, was ein echter Österreicher ist, bei „Milena“ erschienen ist und ich dachte „Hydra“ gehöre zum „Holzbaum-Verlag“, aber vielleicht gab es da einen Verlagswechsel. Leider gab es im Gedränge keine Gelegenheit das zu fragen, denn es folgte noch Kurto Wendt, der früher bei „Melana“ verlegt hat, dessen neues Buch aber im „Zygloss-Verlag erschienen ist, interessant, interessant.

Dann gab es eine Pause, wo ein paar Schmankerln verteilt wurden und dann trat der Buchhändler auf und erklärte, daß er nicht gewußt hätte, daß es so schwer wäre, Bücher zu verschenken, denn niemand hätte noch in Zeiten, wie diesen, wo alle doch Smartphones haben, den Hashtag gepostet und er erklärte noch einmal, daß man sich auch helfen lassen  oder oder den Hashtag auf einen Zettel schreiben können.

Die Dame, die neben Kurto Wendt mit einemPackerl saß, in dem ich seine Bücher vermutete, schrieb dann den Hashtag darauf und Kurto Wendt und Mieze Medusa gewannen  ein paar Bücher, die der Buchhändler nach jeder Lesung verteilte, auch der „Atelier-Verlag“ beteiligte sich an der Verlosung und da kam Ulrike Schmitzer und stellte ihr aktuelles Buch vor, in dem es um den Verlust der Gletscher ging.

Sehr interessant diese Mischung der Gegenwartsliteratur die in den kleinen, meist österreichischen Verlagen erscheint.

Dann gabs wieder einen Ausrutscher, nämlich eine Zeitschriftenpräsentation, nämlich „DUM“, das ultimative Magazin, das von Markus Köhle vorgestelltwurde, der den Gründer Wolfgang Kühn, den ich vom „Literatur und Wein- Festival“, kenne interviewte.

Einen Text daraus las diesmal Mieze Medusa, weil die junge Frau, die moderierte vorher beklagt hatte, daß achtzig Prozent der Vortragenden, genau, wie bei der „Amerlinghaus-Lesung“ Männer wären und, daß das an einem Indiebookday eigentlich nicht ginge.

Jetzt habe ich  auf die Präsentation eines auch sehr interessanten Buchs, das man um zwanzig Euro Spende kaufen konnte, vergessen, aus dem ich auch nicht ganz klug geworden ist. Es heißt „Versatorium“ und drei junge Leute lasen auf Deutsch und Englisch Texte daraus, aber ob das jetzt ein Verlag oder eine Einzelpulikation ist, habe ich nicht ganz verstanden.

Dann kam der schon sehr bekannte „Luftschacht Verlag“, da habe ich ja Sonja Harter Weißblende, für das Bloggerdebut gelesen und Markus Mittmansgruber „Verwüstung der Zellen“ auf meiner Leseliste stehen. Jetzt kam ein junger Mann, namens Jakob Pretterhofer und las aus einem Buch namens“Tagwache“ und da geht es, um die Erlebnisse eines Grundwehrdieners.

„Den Hochroth-Verlag“ habe ich schon bei „Ottak Ottak“ kennengelernt und die Verleger und der Auto waren alte Bekannte aus der Alten Schmiede, nämlich Johannes Tröndle und Daniel Terkl. Deshalb saß auch Annalena Stabauer im Publikum und zuletzt präsentierte Herbert Maurer sein bei „Klever“ erschienens „Byron schwimmt und ertrinkt in seinem Zimmer“, in dem es um die Armenienerfahrugen von Lord Byron geht.

Das wars dann schon und, als der Buchhändler dann noch einmal auf das Buch aus dem „Wortreich-Verlag „Jazz und Frieden“ von Oliver Steger hinwies, das man noch gewinnen könne, fragte ich ihn, wie man das ohne Handy macht und er hielt mir einen Post-it Block hin, ich malte Hashtag darauf und dachte, er wird mich jetzt damit fotografieren, aber er sagte nur „Sie haben ein Buch gewonnen!“, hielt es mir entgegen und weil ich ja in die Buchhandlung gekommen war, um über die Veranstaltung zu berichten und mir anzusehen, wie der „Indie-Bookday“ in Österreich passiert, werde ich mein Bild mit dem Buch in den Blog stellen und kann abschließend bemerken, es war sehr interessant.

Ich habe wieder was gelernt, was meine literarische Kompetenz, die ich höchstwahrscheinlich habe, wieder etwas erhöht und jetzt werde ich auf den „Hashtag-Indie-Bookday gehen und mir aschauen, welche Bücher in den deutschen Buchhandlungen gekauft wurden und was dort an diesem Tag passierte.

Wieder einmal Indie-Bookday

Den „Indie-Bookday“ gibt es jetzt schon seit einigen Jahren, eine Initiative eines kleinen und sogenannten unabhängigen Verlags, um sich gegen die großen Konzernen, die mit ihren Büchern den Markt überschwemmen zu wehren oder auf sich aufmerksam zu machen.

Da soll man, rufen die Blogger und die, die sich um die unabhängigen Verlage kümmern, auf, die Buchhandlungen stürmen, sich irgendein Buch, egal welches, es muß nur aus einem dieser Verlage sein, kaufen, sich damit fotografieren und das Foto auf Facebook, Instagram etcetera posten und auf den Begriff „Indie“ bin ich ein bißchen früher in Zusammenhang mit einer Autorin, die sich darüber sorgte, daß die sogenannten Selfpublisher, die es ja auch immer stärker gibt, ihr mit ihrer sogenannten schlechten Qualität den Rang ablaufen könnten, gestoßen.

Mich hat sie nicht damit gemeint und mich gar nicht gekannt, aber ich habe damals die „Wiedergeborene“ geschrieben und bin damit nicht recht weitergekommen, weil ich mir dachte, was soll es, wenn ich damit fertig bin, schaut es ja wieder niemand an.

Das war dann auch so, durch meine damalige Krise bin ich aber durch das „Literaturgeflüster-Texted-Buch“, das ich danach machte, herausgekommen und den Begriff „Indie-Autor“ und „Indie-Bücher“ habe ich dann begonnen für mich zu verwenden, habe einen diesbezüglichen Artikel geschrieben, dann dam der sogenannte „Indie-Bookday“, wo ich lernte, daß ich mit meinen fünfzig „Selbstdruck-Büchern“ nicht damit gemeint bin, sondern, daß man die Bücher der Autoren aus kleineren Verlagen damit fördern soll, habe aber trotzdem einen Artikel darüber geschriebe oder bei meinem Tagesaktuellen einen Hinweis darauf gestellt und den dem es interssiert ein Buch von mir angeboten.

Hat sich wie üblich niemand gemeldet, der es haben wollte, eh klar, denn der Markt ja von den jährlich neunzigtausend  Neuerscheinungen, die ja auch nächste Woche in Leipzig liegen werden, überschwemmt und wenn man acht bis neun Bücher im Jahr liest, wird man wahrscheinlich jetzt im Frühjahr zu Julian Barnes „Der Lärm der Zeit“ oder Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“ greifen, denn das sind die Bücher von denen man jetzt überall hören und lesen kann und die sind wahrscheinlich in keinen „Indie-Verlag“ erschienen, wobei mir die Definition, was ein solcher ist, überhaupt eher schwer fällt, denn da gibt es ja eine Liste, wo die Namen darauf stehen und das ist glaube ich, um in Österreich zu bleiben, wo ich mich besser als im großen deutschen Raum auskene „Haymon“, „Droschl“ „Resisdenz“ dabei, die ich eigentlich für keine kleinen Verlage halten würde, aber eh klar zu „Bertelsmann“ etcetera, gehören sie nicht.

Bei „Deuticke“ ist dann dann wahrscheinlich schon wieder anders, denn der gehört ja zu der „Hanser-Gruppe“ und das ist, glaube ich, kein „Indie-Verlag“ und da bin ich schon bei dem Problem, zu dem ich ja immer komme, wenn ich was bezüglich „Indie-Bookday“ schreibe oder kommentiere, denn mir ist es eigentlich wurscht in welchen Verlag die Bücher, die mich interessieren erscheinen und ich möchte mich eigentlich weder dem „Amazon“ noch dem „Großverlag-Mobbing“ anschließen sondern, so weit ich das kann und das kann ich, habe ich erst unlängst geschrieben, ohnenin nicht wirklich, allles lesen.

Also dann wenigstens eine bunte Mischung und da kann meiner Meinung nach ruhig einmal Mainstream dabei sein, dagegen habe ich nichts und auch nichts gegen den „Deutschen Buchpreis“, den das ja ursprünglich, glaube ich, auch angeprangert wurde, daß da nur der Mainstream gefördert wird.

Stimmt, glaube ich, so nicht, aber natürlich wenn ich zwanzig aus hunderttausend aussuche, bleibt der Großteil über. Dem versuche ich mit meiner Leseliste und meinem Leseverhalten entgegenzusteuern und ich lese ja durchaus Kleines und wenn ich da an beispielsweise an das „Fröhliche Wohnzimmer“ oder an den experimentellen „Ritter-Verlag“ denke, weiß ich gar nicht, ob die jetzt in der „Indie-Definition“ drinnen sind, beziehungsweise, glaube ich nicht, daß dann sovoviele Leute sich mit diesen Büchern posten.

Da ist dann wahrscheinlich eher Julia Wolf, die beim vorigen „Bachmannpreis“ gelesen hat, dabei,  deren „Herr Nowak bleibt liegen“ in der „FrankfurterVerlagsanstalt“ erschienen ist und das ist, glaube ich, ein „Indie“ und hat auch den letzten „Buchpreisträger“ Bodo Kirchhoff verlegt.

Es ist also kompliziert oder ich würde sagen spannend und ich möchte alles lesen, Indies Großǘerlage, selbstgemachte, Krimis ChickLits und und und das Alte und das neue und die Mischung machts, habe ich auch erst unlängst geschrieben.

Aber natürlich ist es gut und wichtig auf die vielen schönen Bücher der vielleicht kleineren Verlage aufmerksam zu machen und heuer im Frühjahr nicht nur Hanya Yanagihara und Julian Barnes zu lesen, sondern vielleicht auch Tiljan Silas „Tierchen Unlimeted“.

Ist „Kiwi“ jetzt ein „Indie-Verlag“?

Wahrscheinlich nicht, aber Sofi Oksanens „Die Sache mit Norma“ würde ich sehr empfehlen, ganz egal, wie groß oder klein, der Verlag jetzt ist und natürlich möchte ich auch wieder auf meine Bücher hinweisen, die ja sonst immer überbleiben. Denn da ich mich nicht dazu aufraffen kann, sie bei „Amazon“ hochzuladen und, daß der den „Selfpublishern“, die Türen und die Tore weit geöffnet hat, rechne ich ihm hoch an, falle ich ja auch bei „Selfpublisher-Preisen“ heraus. Aber sonst sind die ja nach, wie vor bei allen Preislisten ausgeschlossen. Deutscher oder österreicherischer Buchpreis und sogar Buchbloggerdebut, bitte nicht.

Die „Selfpublisher“ sind aber zumeist sehr selbstbewußte junge Frauen, die, wie mir Annika Bühnemann vor cirka einem Jahr geschrieben habt, sich um den Literaturbetrieb nicht viel scheren. Sie wollen vom Schreiben leben, machen Coachings, kaufen sich ein Lektorat und ein Cover, besuchen vielleicht noch einen Marketingkurs und schreiben und ich lese auch das sehr gerne und habe mir im Vorjahr auch aus Leipzig ein paar selbstgemacht Bücher mitgebracht, die ich noch lesen muß und die „Selfpublisher“ hatten vor kurzem, glaube ich, auch ihre „Indie-Aktion“, wo sie ihre Bücher zum Sonderpreis von achtzig oder neunzig Cents anboten.

Es gibt also sehr viel. Viel mehr als die vier Bücher, die da vierteljährlichh beim „Literarischen Quartett“ hochgehalten wurden und das hat Wolfgang Tischer vom „Literatucafe“ sehr beklagt, daß da immer nur Mainsrtream gezeigt wird. Die zwei drei Bücher von denen jetzt alle sprechen und in einem halben Jahr sprechen alle von den zwanzig, die auf der deutschen Longlist stehen und die Buchhändler beklagen sich daüber, daß zwanzig für den Durchschnittsleser viel zu viel sind und sich ihre Kunden, wenn überhaupt nur für Shortlist interesssieren.

Denn sechs gehen sich gerade aus und da kann man auch noch ein paar davon zu Weihnachten verschenken.

Es gibt aber viel viel mehr , das Alte und das Neue und für mich ist ja an den offenen Bücherschränken besonders interessant, daß ich dort das finde, was sonst an mir vorübe gegangen wäre.

Die Bestseller von vorvorgestern beispielsweise, denn Bücher haben ja inzwischen eine irrsinns kurze Verkaufs- oder Haltbarzeit. Das heißt, sie halten natürlich sehr lange, haben eigentlich kein Ablaufdatum, aber trotzdem fliegen sie nach ein paar Wochen von den Bestsellerlisten und landen, was ich auch sehr schön finde, in den Abverkaufskisten, weil ich sie mir dann von dort herausziehe und auf meinen Bücherstapel lege. Aber weil ich jetzt schon so viele Neuerscheinungen habe, auch nicht alles lesen kann.

So hoffe ich, daß ich wenn ich in zwei Monaten mit der Ruth und den Alfred, um den Bodensee radeln werde, mir doch Michael Köhmeier „Zwei Herren vom Strand“ mitnehmen kann, das wenn ich mich nicht irre, mir die „Bücherinsel“ einmal in den „Wortschatz“ gelegt hat und Arnos Geigers „Uns geht es gut“ und nach Leipzig habe ich mir eigentlich „Clemes Meyer „Im Stein“ mitnehmen wollen, denn das ist ja, glaube ich, ein Leipziger. Jetzt wird es wahrscheinlich Feriduns Zaimoglus Luther-Roman werden, denn die Wartburg ist ja, glaube ich, von Leipzig nicht so weit entfernt.

In einem Blog, den eine Buchhändlerin betreibt, habe ich einmal gelesen, daß sie bedauert, daß sie keine Bücher lesen kann, die inzwischen vergriffen sind.

ich weiß nicht, ob sie sich das selbst auferlegte, oder ob die Buchhandlungen, das tatsächlich von ihren Verkäufern verlangen. Ich habe ihr jedenfalls energisch abgeraten sich daran zu halten und so gesehen ist es auch immer gut, daß Bücher wiederaufgelegt werden.

„Kurz nach 4“ vielleicht, was ja für mich ein Parradebeispiel ist, aber wenn ich von der „Alten Schmiede“ nach Hause gehe und dabei an Anna Jellers Schaufesnter vorbei komme, ist es mir schon mehr als einmal passiert, das dort etwas liegt, was ich eigentlich für vergriffen hielt und auf meinen Stepel habe.

Die „Moravias“, Sagans, etcetera werden Gottsei Dank wieder aufgelegt, für mich ein weiterer Beweis, daß man alles lesen soll, was man will.

Auch Kerstin Gier und Donna Leon, die Mainstreambücher, die die Leser lieben und  Verkaufsumsatz bescheren, auch darüber braucht man nicht die Nase rümpfen.

Dank der offenen Bücherschränke habe ich Donna Leon recht viel gelesen, Kerstin Gier habe ich auch schon gefunden, komme, wie ich fürchte, aber in der nächsten Zeit nicht dazu sie zu lesen und denke wieder die Mischung machts.

Nicht nur die zwischen alt und neu, sondern auch die zwischen Mainstream und Nische, Indie und Konzern, Krimi, Chick Lit oder die sogenannte Hochkultur, von der ich, trotz der entsprechen Ratgeberlektüre noch immer nicht weiß, was das ist, aber ich möchte ja eigentlich offen sein und mich für alles interessieren und da wurde ich ganz ehrlich eigentlich auch noch nicht enttäuscht.

Natürlich auch mir gefallt nicht alles und mit den zu witzigen Autoren, wie Radek Knapp, David Sedaris oder Wladimir Kaminer beispielsweise habe ich meine Schwierigkeiten und manche Chicklits halte ich für übertrieben, machne wieder, wie Sophie Kinsells „Schnäppchenjägerin“, für ein tolles und sehr empfehlenswertes Buch und ich war oder bin noch immer ein Courths-Mahler Fan, obwohl ich auch nicht mehr dazu komme sie zu lesen.

So gesehen freue ich mich auf den „Indie-Bookday“ auch wenn ich mir wahrscheinlich kein Buch kaufen werde, habe aber einmal daran gedacht, den Hunderter, den ich zu Weihnachten immer von der Schwiegermutter bekomme bei „Thalia“ auszugeben oder mich von der Frau Jeller beraten zu lassen.

Ich habe es nicht gemacht, denn wann soll ich die Bücher lesen? Würde mir aber sehr sehr wünschen zu Weihnachten oder zum Geburtstag einmal einen „Thalia-Gutschein“ zu bekommen.

Die Anna, die mir eigentlich nicht gerne Bücher schenkt, hat das zum letzten gemacht und ich habe mir Tillmann Rammmstdts „Morgen viellecht und Fiston Mwanza-Mujilas  „Tram 83“ gekauft..

Die Bücher liegen jetzt im Badezimmer und ich muß mich wahrscheinlich sehr anstrengen, sie heuer noch zu lesen, werde aber versuchen es zu tun und freue mich auch auf die Bücherberge, die nächste Woche in Leipzig auf mich warten.

Also allen einen schönen „Indie-Bookday“ mit schönen Bücherkäufen oder -funden und wenn ein Mainstream oder ein selbstgemachtes Buch dabei sein sollte, stört mich das nicht, sondern biete wieder gerne den Ersten oder auch Zweiten, der sich bei mir meldet, ein solches aus meiner  Produktion an.

Eine ganz aktuelle Neuerscheinung habe ich diesmal zwar nicht. Die Sommergeschichte „Claire-Klara-Clarisse“ wäre da mein letztes, wil ich am „Frühstück“ ja noch korrigiere.

Aber voriges Jahr ist zum „Indie-Bookday“ die Sommerfrischengeschichte mit der Sandra Winter, der Fatma Challaki, der Jelena Malatschuk und der Elenei Soulaki erschienen.

Da habe ich auch noch Exemplare, also wer übeer den Tellerrand schauen will und sich dafür interessiert, was eine seit über vierzig Jahren schreibende Frau, die ihre Bücher selber macht und sich mit ihren Kritikern darüber streitet, ob sie jetzt eine Hobbyautorin ist oder nicht, verfaßt, dem schicke ich es gerne zu.

Und hier noch ein Programmpunkt beziehungsweise österreichischer Werkschautip

2017-03-17

Falsch entschieden oder dreimal Schragl?

Diesmal wieder  die Qual der Wahl, denn ein Abend und sechs literarische Veranstaltungen.

Richard Schuberth hat mich zu seinen Essays in „Radiokulturcafe“ eingeladen, in der „Alten Schmiede“ las Bodo Hell, im Literaturhaus Brigitta Falkner, in der Hauptbücherei hätte es gleich zwei Veranstaltungen gegeben, nämlich „Tea for three“, wo Daniela Strigl, Klaus Nüchtern und wie ich jetzt erst sehe, Cornelia Travnicek über die neuen Bücher von Tereza Mora, Eva Menasse und David Garnett diskutieren, was mich schon wegen dem Menasse-Buch, das ich ja sehr kompliziert fand, interessiert hätte.

Dann gabs noch eine Buchpräsentation von Jutta Winckelmann „Mein Leben ohne mich“, wo es wieder um eine Krebserkrankung geht, also auch sehr interessant und Radek Knapp in der „Gesellschaft der Literatur“.

Die Qual der Wahl, wo man vielleicht einen Würfel bräuchte, aber irgendwie habe ich dann meine Entscheidung zwischen der Bücherdiskussion und dem „Mann der zum Frühstück Luft aß“, getroffen, denn das andere vielleicht zu experimentell und bei Richard Schuberth bin ich ja erst gewesen, mich dann für Radek Knapp entschieden, vielleicht weil er auf der „Centrope-Leseliste“ steht, obwohl ich ja erst kürzlich geschrieben habe, daß ich mit dem 1964 in Warschau geborenen Autor, meine Schwierigkeiten habe, weil er mir zu lustig ist.

Man sieht, ich bin nicht sehr konsequent oder ist es das, was ich „Über den Tellerrand schauen“ nenne?

Irgendwie war es ein Bauchgefühl und es war in der „Gesellschat“ auch sehr voll. Ich bin wieder in der zweiten Reihe links, meistens wähle ich ja die rechte Seite, neben Stefan Eibl-Erzberg und seiner Frau gesessen. Lydia Mischkulnig war da und Martina Schmidt, denn Radek Knapp neues Buch „Der Mann der zum Frühstück Luft aß“, ist bei „Deuticke“ erschienen.

„Wieder!“, sagte Manfred Müller in seiner Einleitung, denn das erste  Buch „Franio“ ist 1994 bei „Deuticke“ erschienen, dann ist „Radek Knapp nach München und zu „Piper“ gegangen, dort erschien auch das letzte Buch der „Gipfeldieb“ und wahrscheinlich auch die anderen.

Mit „Herrrn Kukas Empfehlungen“ ist er, wie Manfred Müller erklärte, berühmt geworden. Dann gibts, glaube ich noch die „Gebrauchsanweisungen für Polen“ und den „Papiertiger“ 2003, ein Buch das vom Schreiben und nicht von der Autobiografie eines Polen, der nach Österreich kommt, handelt und das ich mir, glaube ich, von einem der Gutscheine eintauschte, die ich einem der „Luitpold Stern-Preise“ bekommen habe und das mich, wenn ich mich richtig erinnerte,  enttäuschte, weil es mir „zu wenig abgehoben“ erschien.

Aber das Buch hat Manfred Müller, der von der schönen Tradition, daß Radek Knapp jedes seiner Bücher in der „Gesellschaft“ vorstellt, sprach, nicht erwähnt.

Er erwähnte, die, wo sich die Biografie des polnischen Emigranten nahtlos fortsetzt und meinte noch, daß das sehr dünne Buch in knapp zwei Monaten entstanden sei.

Beim „Gipfeldieb“ war ich bei der Präsentation und das neue, für das ürigens sehr viel Werbung gemacht wird und von dem ich schon einiges gehört habe, soll sich daran direkt anschließen.

Aber zuerst gab Radek Knapp in seiner launigen Art, die Antwort auf Manfred Müllers Fragen und erkundigte sich bei ihm, warum er Germanistik studiert hat?

„Damit ich über Bücher wie dieses schreiben kann!“, war seine ebenfalls launige Antwort und dann kam schon der erste Teil der Lesung, wo es um einen Valerian ging, der so heißt, weil das Schlafmittel, das seine Mutter bei seiner Geburt zur Beruhigung genommen hat, so hieß.

Sie gab das Söhnchen, für ein Wochenende bei der Oma ab und kam nach elf Jahren wieder, blieb dann eine Zeit, bis sie ihm zu einem Stadtspaziergang mitnahm, der über die österreichische Grenze führte und das schöne neue Leben begann.

Und als Valerian alt genug geworden war, begann er bei einer Zeitung zu arbeiten, las Radek Knapp.Ich dachte Uje“ und verstand jetzt etwas besser, was Manfred Müller mit dem nahtlos anschließen gemeint hat, denn jetzt hörte ich die Geschichte von dem Schragl, das er in der Halle B holen sollte, wo er nur ein Holztischen bekam und den ganzen Tag hin und hergeschickt wurde zum dritten Mal.

Radek Knapp las wieder dazu, daß er bis heute nicht weiß, was ein Schragl ist, der Otto hat mir beim ersten Mal kommentiert, aber da habe ich Schragerl geschrieben und eigentlich kenne ich, die echte Wienerin, mit der behmischen Omama, diesen Ausdruck auch nicht.

Nun ja, nun ja, das Leben in der Emigration geht weiter, die deutsche Sprache wird gelernt und die Mutter will für den Sohn die beste Ausbildung in der Handelsakademie am Karlsplatz. Dort will er aber nicht hin, so beginnt er die Schule zu schwänzen, setzt sich ins kunsthistorische Museum und später vor die Stufen des Musikvereins, wo er angeblich oder auch tatsächlich Leonhard Bernstein trifft, so daß er beschließt, statt Rechnungsweisen, Blockflöte zu erlernen.

In Wirklichkeit hat Radek Knapp wohl zu schreiben begonnen und ich stieß, das erste Mal auf seinen Namen, als ich in der Jury für das Nachwuchsstipendium war.

In der Diskussion hat er noch beklagt, daß es ihm nicht gelingt, aus der Migrantenschublade herauszukommen, daß er den nächsten Roman aber nicht über einen Polen in Wien schreiben wird. Mal sehen, obs gelingt oder ob ich im nächsten Jahr die Geschichte mit dem Schragl zum vierten Mal höre?

Man könnte denken, Radek Knapp macht es sich sehr leicht, den Leuten hat es aber gefallen, nur eine Frau fragte, wie es seiner Mutter mit seinen Büchern geht und Manfred Müller ergänzte noch, daß es im „Gipfeldieb“ sehr viel um die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft geht.

An diese Stellen kann ich mich auch erinnern und Radek Knapp erwähnte, die zwei Briefe die er bekommen hat, Karten für „Cats“ und die Einberufung zum Bundesheer, worauf er Zivildienst machte und, um meine Radek Knapp Biografie zu wiederholen oder zu ergänzen.

Er war auch eine Zeitlang in der Jury für den „Siemens-Preis“, als ich dort noch meine Texte einreichte. Da habe ich ihm, glaube ich, auch einmal einen Brief geschrieben und mit Günter Kaindlsdorfer moderierte er bei der letzten „Buch-Wien“ den Bücherquiz, wo ich zwar antreten durfte, aber nicht sehr erfolgreich war.

Radek Knapp ist das sicher viel mehr als ich und einer der wenigen humoristischen Autoren, wie Manfred Müller noch erklärte, die wir in Österreich haben. Das liegt mir nicht so sehr, aber trotzdem habe ich mich für die Lesung entschieden.

Das dünne Büchlein nicht gekauft, „Franio“ und „Herrn Kukas Empfehlungen“ habe ich aber in meinen Regalen, ob ich sie gelesen habe, weiß ich gar nicht und was ein Schragl ist weiß ich auch noch immer nicht oder doch natürlich, eine „Art Regal auf Rädern“, wie Radek Knapp las und ich bin jetzt gespannt, wie ich mich bei den nächsten Terminkollusionen entscheiden werde, ob da dann die Experimentellen über die Lustigen siegen werden oder wieder nicht?

2017-03-16

Vom Centrope zu Peter Nadas Vorlesung

Vom Centrope Workshop, wo wir heute mit Juirj M. Lotmans  Semiosphäre begonnen haben und uns die Unterschiede eines Jandl-Gedichts in deutscher und ungarischer Sprache angeschaut haben, ist es dann ins Literaturmuseum zu einer Vorlesung zu österreichischen Literatur gegangen, die der 1942 in Budapest geborene österreichische Staatspreisträger für europäische Literatur Peter Nadas gehalten hat.

Das heißt, halt, das stimmt nicht ganz, obwohls im Folder so angekündigt stand, denn der ausgezeichnet Deutsch sprechende Staatspreisträger hat gleich zu Beginn seiner Rede gesagt, daß er nicht über Literatur sprechen wird.

„Schade!“, habe ich gedacht, denn genau deshalb bin ich ja hergekommen, weil ich von dem Schriftsteller einmal von einer meiner Klietinnen sehr viel Lobendes gehört habe, die ihm angeschrieben und sogar eine Antwort von ihm bekommen hat.

Ich habe von Peter Nadas  noch nichts gelesen, weder seine „Parallel-“ noch seine „Schattengeschichten“, mir wohl aber, glaube ich, im Abverkauf einmal ein Bändchen mit einem Theaterstück gekauft und ich interessiere mich, auch wenn mir das meine Kritiker nicht glauben, sehr für Literatur.

Für Geschichte natürlich auch und so war der Vortrag „Eine unerwartete Liebe – eine langweilige Ehe“, die die Symbiose zwischen Österreich und Ungarn erklären sollte, auch sehr interessant und brillant vorgetragen.

Bernhard Fetz hat in seinem Schlußwort von einer literarischen Rede gesprochen und sie ist in den Zeiten hin- und hergesprungen, hat mit artistokratischen Verbindungen zwischen Verwandten begonnen, hat bei den „Lehman-Brothers“ geendet und dazwschen war noch kurz von einem Habsburgerben die Rede, der in Budapest seinen Wohnsitz hat und den Thron wieder übernehmen könnte oder eigentlich nicht, weil schon in anderer Funktion tätig.

Das Literaturmuseum war auch sehr voll. Einige bekannte Gesichter, sogar Walter Famler ist gekommen und ich habe mit dem Lehrer Christian darüber gewitzelt, wieso er nicht in der „Alten Schmiede“ ist, wo Margret Kreidl und Judith Nika Pfeifer auftraten, aber wir waren ja auch nicht dort und Walter Famler hat sich auch in der Diskussion gemeldet und eine lange Frage gestellt, die der Autor geduldig und ausführlich beantwortet hat.

Und um von der Literaturwissenschaft wieder in die Alltagsliteratur zurückzukommen, als ich am Nachmittag in die Spengergasse ging, tummelten sich vor dem „Wortschatz“ die Leute und die Kisten.

Denn jemand hatte offenbar eine ganze Bibliothek ausgeräumt und neuen Lesern zur Verfügung gestellt und interessant, daß hauptsächlich Krimis, also das was die Leute halt so lesen, darin enthalten waren und nächste Woche fällt das „Centrope“ aus, weil wir da ja  nach Leipzig fahren, um uns vier Tage lang den Büchern zu widmen und ans blaue Sofa zu setzen und darüber, hat „Buzzaldrin“ heute geschrieben, wird sie bloggen.

Eine „offizielle blaue Sofa-Bloggerin“ also. Aber das werde ich auch tun und habe es schon getan, seit ich blogge und nach Leipzig fahre.

Natürlich nicht die ganze Zeit, denn es gibt, ja auch noch andere Veranstaltungen, aber auch da macht es wahrscheinlich die Mischung und  Margot Koller hat mir vor ein paar Tagen auch gemailt, daß sie nach Leipzig kommt und mich treffen will und da habe ich ihr entweder den Österreich-Empfang am Donnerstag um fünf oder am Freitag, um zwölf im Österreich-Cafe vorgeschlagen. Ein paar Bloggertreffs, beziehungsweise Verlagstermine gibt es auch und das „Leipziger-Literaturinstitut“ hat mich auch wieder zu seiner Absolventenlesung eingeladen und natürlich werde ich auch am Stand der Tschechen und der Ungarn vorbeischlendern, um mir anzusehen, was mir „Centrope“ anzubieten hat und Litauen, das das Gastland sein wird, ist sicher auch sehr interessant.

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