Literaturgefluester

2017-01-19

Hans Fallada

Filed under: Bücher — jancak @ 10:45
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Der Name Hans Fallada war mir, glaube ich, immer schon als berühmter deutscher Schriftsteller bekannt, den „Kleinen Mann“, Band eins der „Rororo Taschenbuch Ausgabe“, habe ich, glaube ich, in den offenen Bücherschränken gefunden, sowie den ersten Hans Fallada, den „Blechnapf“ den ich gelesen habe und auch nicht sehr viel anfangen konnte, erschien mir das Buch, glaube ich, als sehr umständlich, obwohl ich mich da schon in die „Wikipedia-Biografie“ eingelesen habe.

Fallada ist das Pseudonym für Rudolf Dietzen und die Fallada-Bücher habe ich auch, wenn immer ich sie gefunden habe, gesammelt.

So habe ich auch „BBB-Bauern Bonzen und Bomben“ gelesen und wohl einen ähnlichen Eindruck, wie beim „Blechnapf“ gehabt.

Der „Kleine Mann“, der im vorigen Jahr bei „Aufbau“, die den Autor ja inzwischen unzensiert wieder auflegen, vollkommen herausgekommen ist, habe ich in der alten Ausgabe gelesen und hat mir  besser gefallen.

Das vorige Jahr habe ich dann mit einem Fallada, ich glaube, einen Kauf aus einer Abverkaufskiste einer der beiden Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße, die es nicht mehr gibt, begonnen, eines der leichten Unterhaltungsbücher mit denen Hans Fallada, wie ich jetzt weiß, den Krieg überstanden hat.

Ich habe im Vorjahr dank dem „Aufbau-Verlag“ aber auch den letzten Fallada „Jeder stirbt für sich allein“ gelesen, der dort schon etwas früher unzensuriert erschienen ist und jetzt die Biographie, die der 1965 in Berlin geborene Peter Walther pünktlich nach dem siebzigsten Todestag, geschrieben hat, der in Potsdam das „Brandenburgische Literaturbüro“ leitet und Mitbegründer des Literaturportals „literaturport“ ist.

Und die kann ich jeden  und vor allem psychologisch Interessierten sehr empfehlen, denn Falladas Lebenslauf, der auf dem ersten Blick wahrschlich unwahrscheinlich klingt ist, glaube ich, ein Paradebeispiel der Bipolarität und der Spaltung und gibt Zeugnis eines sehr bewegten Lebens in einer sehr bewegten Zeit.

1893 wurde er ins Greifswald als Sohn eines höheren Juristen geboren, es gab zwei ältere Schwestern, ein jüngerer Bruder folgte und der kleine Rudolf war in seiner Jugend oft krank, kam hier schon mit dem Morphium, das ihn sein ganzes Leben verfolgen sollte, in Berührung und hatte auch eine durchaus expressionistische Jugend.

So schrieb er an die Eltern einer Jugendfreundin Briefe, in denen er sich und sie eines unsittlichen Verhältlnisses bezichtigte. Es gab auch ein Duell oder einen Doppelselbstmordversuch mit einem Freund, den Dietze überlebte.

So kam er in Sanatorien wurde dort von Arthur Tecklenburg einem Schüler  von Kurt Binswanger, einem berühmten Psychiater und seiner Tante Ada betreut und das erste Buch „Der junge Goedschal-ein Pubertätsroman“ ist auch sehr expressionistisch.

Der Herr Landesgerichtsrat fianzierte die Schriftstellerversuche des Sohnes unter der Bedingung, das das Buch, wenn es erscheint, unter einem Pseudonym herauskommt, so wurde der Hans Fallada, weil Rudolf Dietzen Grimms Märchen liebte, geboren.

Nach dem Sanatorium begann er seltsamerweise nicht mit einem Studium, sondern mit einer landwirtschaftlichen Lehre.

Er arbeitete später auch als Buchhalter, wo es zu Unterschlagungen kam, womit er seine Süchte, Alkohol, Morphium, Zigaretten, Schlafmittel, finanzierte.

So macht er die Studien für den Brechnapf, lernt auch seine Suse, das Vorbild für das Lämmchen aus dem „Kleinen Mann“ kennen, hatte mir ihr drei Kinder, ein viertes ist gestorben, lernt Ernst Rowohlt kennen und hat mit dem „Kleinen Mann“ einen Welterfolg.

Es kommen noch andere Romane, einer „Wolf unter  Wölfen“ auch im Schrank gefunden, wartet noch auf meiner Leseliste, das Gefängnistagebuch von 1944 „In meinem fremden Land“ wurde auch bei „Aufbau“ neu herausgegeben und ist gerade zu mir gekommen und als der Krieg kam, lebte Dietzen mit seiner Familie, später auch mit seiner Mutter, in Carwitz, das ist ein Mustergut, wo er mit den verschiedenen Haustöchtern verschiedene Verhältnisse hat, Unterhaltungsromae schreibt, aber weil wegen seiner Süchte und Tobsuchtsanfälle wehruntauglich auf eine Tour durch  zu den Reichsdiensten ins besetzte Frankreich geschickt wird, wo es ihm sehr gut gefällt und er auch lobende Berichte schreibt.

Er kommt aber auch wieder in die Psychiatrie oder in ein NS-Gefängnis, denn er schießt auf Suse und dort schreibt er, was ebenfalls  unglaublich klingt einen Bericht gegen das NS-Regime.

E schreibt aber auch einen nichtantisemitischen semitischen Roman, der nie erscheint, wird nach dem Krieg, die Ehe mit Suse wurde geschieden, er hat sehr bald eine ebenfalls süchtige junge Frau namens Ulla wieder geheireirat, für kurze Zeit Bürgermeister, wird von Johannes R. Becher, dem DDR Kulturministier, protegiert und dazu veranlaßt „Jeder stirbt für sich allein“ zu schreiben und stirbt  1947 an einer Überdosierung in einem Krankenhaus.

Sehr interessant, sehr widersprüchlich und sicherlich empfehlenswert sich mit der unzensurierten Fallada- Gesamtausgabe zu beschäftigen. Ich werde aber auch die alten Bücher, so weit vorhanden, lesen.

„Zwei Lämmchen weiß wie Schnee“ und „Die Stunde eh du schlafen gehtst“, warten da noch auf mich.

Aber auch einige andere Fallada Bücher, wie beispielsweise „Der Trinker“, Fallada hat ja sehr viel aus seinem persönlich Erlebten geschöpft, würde ich  gern lesen und freue mich, wenn ich dazu komme.

Eine Art Biografie „Damals bei uns daheim“ hat er auch geschrieben und ein Buch „Wir hatten mal ein Kind“, wo der Tod der verstorbenen Tochter verarbeitet wird.

2017-01-18

Ein Büchner-Preisträger in der Alten Schmiede

In der „Alten Schmiede“ stellte heute der „Büchner-Preisträger“ von 2004, der 1943 geborene Wilhelm Genazino seinen neuesten Roman, Kurt Neumann meinte, es wäre eher eine Erzählstruktur „Außer uns spricht niemand über uns“ vor und es war gar nicht so voll, wie am Montag bei Georg Stefan Troller.

Das ist auch etwas, was ich nie verstehen werde, habe Wilhelm Genazino einmal bei einer der Studentenlesungen im Literaturhaus  und einmal bei der „Literatur und Wein“ in Göttweig gehört.

Im Publikum saßen Leute, die behaupteten, daß sie alle seine Werke gelesen hätten, wobei mir einfiel, daß ich gar nicht wußte ob ich einmal was gelesen habe, in meinen Regalen habe ich aber „Die Liebesblödigkeit“, „Ein Regenschirm für alle Tage“ und auch den dritten Teil der von Kurt Neumann erwähnten „Abschaffeltrilogie“  – „Falsche Jahre“,  stehen und „Mittelmäßiges Heimweh“ habe ich gelesen, aber offensichtlich schon wieder vergessen. Dagegen ist mir in Erinnerung, daß es mich in Göttweig sehr störte, daß die Leute während der Lesung so laut gelacht haben, ich habe. glaube ich. den Autor am Signiertisch darauf angesprochen, ob er diese Stellen auch so lustig gefunden hätte. Er hat glaube ich, „nein“, gesagt, vielleicht war das aber nur die Höflichkeit des Autors, denn Kurt Neumann hat in seiner Einleitung auch die Komik angesprochen und während der Lesung  mehrmals geschmuzelt.

Es geht um den kleinen Mann, hat er glaube ich, eingeleitet, daß Genazino in einer Werkreihe, Trilogie, etcetera darüber schreiben würde, meinte, daß die Erzählstruktur an Becket mahnen würde und erzählte dann von einer Carola mit der der Ich-Erzähler befreundet sei, sich im Laufe des Romans aber von ihr trennen würde und, daß die eine Marathonläuferin, zur Alkoholikerin wird und sich dann, glaube ich, auch umbringt.

Friedrich Hahn sollte den Autor später fragen, ob ihm das nicht leid täte, seine Figuren sterben zu lassen, was er, glaube ich,  auch verneinte und er las das erste und das siebente Kapitel.

Ein Mann geht spazieren könnte man so sagen und macht dabei seine Alltagsbetrachtungen, er ist Rundfunksprecher, offenbar nicht sehr erfolgreich, denn Carola schlägt ihm vor, sich arbeitslos zu melden, das ist aber unter seiner Würde, beziehungsweise will er vom Arbeitsamt nicht umgeschult werden und im ersten Kapitel geht er durch die Stadt und in eine Pizzeria, beobachtet einen Marathonlauf, bei dem auch Carola, mit der er nicht zusammenlebt, teilnimmt, was er nicht wußte, er beobachtet ihr Tatoo und noch verschiedenes andere und im siebenten Kapitel beschließt Carola sich von ihm zu trennen.

Dann konnte man Fragen stellen und es gab diesmal eine sehr intensive Diskussion, die sich auch, was ich sehr interessant fand, weil ich mich ja derzeit intensiv damit beschäftigte, um das Schreiben, beziehungsweise, um die Einfälle geht.

Kurt Neumann fragte, glaube ich, wie der Autor zu seinen Einfällen kommt? Der antwortete, daß man das nicht wisse, soweit ist die Wissenschaft noch nicht und selbst Einstein hat das noch nicht erforscht. Er hat aber immer einen Zettel und einen Stift bei sich und schreibt alles, was ihm so begegnet und ihm interessant erscheint, auf.

So ein Heftchen habe ich auch in der Tasche, schreibe aber weniger intensiver, als ich eigentlich sollte oder wollte und Wilhelm Genazino scheint sich ganze Aktenordner mit diesbezüglichen Stichworten anzulegen, die er dann dementsprechend verwendet, was ich sehr interessant findet.

Eine Dame lobte die Beobachtungen und den Blick von Außen, wie Genazino beispielsweise den Blick in die Pizzeria beschreibt und ein anderer wollte wissen, ob es eigentlich einen Kommentarband gibt, was Genazino wieder verneinte und meinte, daß das eher etwas für Germanisten sei, die Leser solche Bücher aber nicht kaufen würden.

„Ich hoffe es sind hier keine Germanisten!“, setzte er hinzu. Lautes Gelächter, also offenbar doch sehr viele, aber Genazino ist ja selber Germanist, hat das, sowie Soziologie und Philosophie studiert und wird sich weiter mit der Sprache bemühen und seine Einfälle zu Romanen machen und ich habe und das ist vielleicht interessant, mir aus der Lesung mitgenommen, daß ich vielleicht meine  einundvierzig Szenen, die ich inzwischen habe, sprachlich überarbeiten sollte und mir vielleicht von Genazinos Sprachgewalt ein Vorbild nehmen, denn da habe ich heute, fürchte ich, ein bißchen vor mich hingeschluddert.

Ich bin zwar mit meinem Rohkonzept fast fertig und die Therese ist von Salzburg nach Berlin gefahren, aber vor allem da könnte ich die Szenen noch besser ausarbeiten und die Therese im Brecht Haus beispielsweise entsprechende Erlebnisse machen lassen. Wenn es mir da gelingt vielleicht einundvierzige farbige Kurzgeschichten daraus zu machen, hätte mein Roman sicherlich gewonnnen.

Mal sehen, ob es mir gelingt. Ich habe es jedenfalls vor und werde mit dem Rohkonzept demnächst fertig sein. Vier Szenen fehlen mir, glaube ich, noch und derzeit stehe ich bei 43 435 Worte beziehungsweise über achtundachtzig Seiten. Wenn ich die letzten Szenen, die sehr kurz geworden sind, durch genauere Details noch entsprechend verlängere, komme ich vielleicht auch auf das Nanworimoformat, die Rohkonzeptzeit würde entsprechend stimmen.

2017-01-17

Oberösterreich erforschen

Unter diesem Titel hat Helmuth Rizy, der gebürtige Linzer, schon vor einem Jahr oberösterreichische Autoren ins Literaturhaus gebracht: Waltraud Seidlhofer, Walter Kohl, Rudolf Habringer, da war ich leider nicht dabei, dafür aber Gregor M. Lepka, Waltraus Seidlhofers Gatte und der hätte im zweiten Teil lesen sollen, ist aber kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag verstorben.

So las heute Helmuth Rizy nur einige seiner Gedichte vor und sagte dann kurz etwas zur oberösterreichischen Literaturszene, die ja weit verbreitet ist und auch in der GAV sehr vertreten und viele dieser Oberösterreicher leben auch in Wien oder waren heute im Literaturhaus, wie Judith Gruber Rizy, Ruth Aspöck, die eigentlich in Salzburg geobrene, Luis Stabauer dessen Buch „Atterwellen“ über seine Mutter ich ja erst kürlich gelesen habe. Die Ruth und Judith Gruber-Rizy treten auch nächste Woche in Linz im Stifterhaus auf und die Ruth wird von Bernhard Widder eingeführt, der auch heute im Literaturhaus war und die erste Autorin, die Helmuth Rizy vorstellte, ist gar keine Oberösterreicherin sondern kommt aus Bremen, wohnt aber in Ottenschlag, nämlich die 1969 geborene Corinna Antelmann von der ich schon zwei Bücher gelesen habe.

Das erste „Die Farbe der Angst“ hat mir ja einmal Dietmar Ehrenreich, der so unerwartet verstorbene „Residenz-Verleger“ geschickt, das zweite habe  „Hinter der Zeit“ hat mir die Autorin geschickt, als ich sie anläßlich ihrer GAV-Neuaufnahmelesung  2015 persönlich kennenlernte.

Sie hat auch heute daraus gelesen, was mir Gelegenheit gab, auf besonders schöne Sprachschöpfungen zu achten, die mir beim Lesen gar nicht so aufgefallen sind.

Der zwete Oberösterreicher, der1956 in Völklabruck geborene Hans Eichhorn, der auch als Fischer am Attersee tätig ist, ist mir ebenfalls kein Unbekannter, habe ich ihn doch, glaube ich, schon einmal in der „Alten Schmiede“ gehört, jetzt las er zwei Geschichten aus einem Prosaband, die mir vor allem durch ihre lakonische Realistik auffielen.

Die Erste spielte in einem Cafe, die Zweite von einem Neubau und es geht noch um hunderttausend andere Dinge und dann kam die 1978 in Linz geborene Dominika Meindl an die Reihe, die ich wahrscheinlich auch von den GAV-Neuaufnahmen kenne.

Sie organisiert Lesungen in Wels, ist auch irgendwo Präsidentin und las zwei Texte, einen ernsten und einen heiteren, wie sie sehr extravertiert erzählte.

Der Erste handelte von einer Frau, die in Südtirol schifährt  und vom Tod eines Großvaters. Der Zweite war ein Dramulett, wo alle auf der Bühne in verteilten Rollen, die Familie Putz, bekannt aus der Lutz-Werbung darstellten. Das Dramulett stammt, glaube ich, aus dem Shakespeare-Jahr und besteht, wie Dominia Meindl erklärte, größtenteils aus Originaltexten. Alle bringen alle um und ein paar gesellschaftkritische Anmerkung bezüglich der bekannten Möbelfirma brachte Dominika Meindl auch noch an.

Nachher gabs ein paar Hinweise auf die nächsten Veranstaltungen, die bezogen sich zwar auf Vorarlberg, beziehungsweise auf die der Rizys.

Aber ich kann gleich anmerken, daß übermorgen in der „Alten Schmiede“, die oberösterreichische Literaturzeitschrift „Die Rampe“, wo ich auch einmal ein paar Texte hatte, vorgestellt wird.

Ich weiß noch nicht genau ob ich hingehen werde. Es gibt ja auch ein verlockendenes Paralellprogramm in der „Gesellschaft für Literatur“.

Im Literaturhaus gabs wieder Wein und Gespräche. So hat mich Bernhard Widder auf einige Literaturveranstaltungen angesprochen. Beispielsweise hat er mir erzählt, daß es gestern in der „Alten Schmiede“ sehr voll war, was ihn ein wenig gewundert hat, mich hat das auch.

Er war auch vorige Woche im MUSA, wo es ja sehr experimentell zugegangen ist und er wollte von mir wissen, wie mir Robert Schindels Roman „Der Kalte“ gefallen hat?

Er hat, glaube ich, soweit ich mich erinnern kann und im Bücherschtrank wo ich natürlich vorher wieder war, hätte ich Sabine Grubers „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“, die ich ja gestern auch in der „Alten Schmiede“ sah, fast übersehen, so abgegriffen war das Leseexemplar, „bitte nicht vor dem 21. Juli 2016 besprechen“, daß ich es fast für „Stillbach oder die Sehnsucht“ was ja auf meiner Leseliste steht, gehalten hätte.

Dann habe ich aber doch danach gegiffen und frohlockt, Buch sechs der ersten österreichischen Buchpreislonlist und das dritte von der Shortlist, was ich nun habe.

Die Frage ist nur, wann ich es lesen werde? Ist meine Leseliste ja schon sehr lang und sehr voll, aber wieder eine Bestätigung, wenn ich nur lang genug warte, kommen schon die Bücher zu mir und „Stillbach oder die Sehnsucht“ das ich ja vom vorigen Jahr auf heuer verschoben habe, werde ich diesem Jahr lesen.

Aber ich schweife ab mit Oberösterreich hat die in Südtirol geborene Autorin nicht viel zu tun, obwohl sie ja manchmal mit Sabine M. Gruber verwechselt wird und die wurde ja in Linz geboren.

2017-01-16

Erlebtes und Erinnertes von Georg Stefan Troller

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:09
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Robert Schindel

Robert Schindel

Den 1921 geborenen  geborenene Regisseur und Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller, kenne ich, seit er 2005, den „Theodor Kramer Preis“ bekommen hat. Der Alfred hat da, glaube ich, sein Buch „Das fidele Grab an der Donau“ gekauft oder war das erst später, als wir anläßlich eines „Theodor Kramer Symposiums“ im Metrokino waren und dort einen seinen Teil der Filmtrilogie „Wohin und zurück“ gesehen haben und bei den Wiener Vorlesungen ersehe ich gerade meinem Archiv habe ich ihn auch schon gehört.

Und heute war der über Fünfundneunzigjährige, der am 10. Dezember seinen Geburtstag feierte, in der „Alten Schmiede“ um, wie er launig sagte, sein vorletztes Buch „Unterwegs auf vielen Straßen“ vorzustellen und da der Alfred irgenwie ein Troller Fan ist, bin ich mit ihm hin, ich wäre höchstwahrscheinlich eher in die „Gesellschaft für Literatur“ gegangen, wo Britgitte Schwens-Harrant Felizitas Hoppe vorstellte.

Da ich noch eine Diagnostik fertig zu machen hatte, war ich spät daran, so daß mir die Assistenten, als ich die Stiege ins literarische Quartier hinunter gehen wollte, sagten „Es ist schon sehr voll!“

Der Alfred hatte mir aber zum Glück einen Platz hinter August Bisingers Technikpult reserviert und dann ging es bald los, zuerst mit einem Interview, das Robert Schindel, mit Freund George machen sollte, der das aber, da er ja selber immer Interviews machte, offenbar gar nicht so gerne mochte.

So nur ein paar Dinge zu seinem interessanten Lebenslauf, 1921 in Wien geboren, den Nazis knapp entkommen, mit Siebzehn kam er über Paris nach Amerika und wurde dort in die US Army eingezogen. Seit 1949 lebt er in Paris und zu dem letzten oder vorletzten Buch so genau habe ich es nicht verstanden, weil Georg Stefan Troller noch aus einem anderen gelesen hat, kam es, glaube ich, weil er einmal in den Keller ging, dort einen Koffer voller Unterlagen fand  und dort sein „Erinnertes und Erlebtes machte.

Zuerst hat er aber aus  „Mit meiner Schreibmaschine“ ein Kapitel gelesen, wo er als Fünzehnjähriger durch seine Gymnastiklehrerin, die Bekanntschaft des Antisemiten  Louis-Ferdinand Celine machte, die in ihn verliebt war und den er, weil er schon damals gut Französisch konnte, die Sozialeinrichtungen Wiens zeigen mußte. Später hat er ihn dann noch einmal wieder getroffen, nicht mit ihm gesprochen, seine Frau Lucette hat ihm aber freundlich nachgewunken.

Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller

Dann kamen einige Kapitel aus dem neuen Buch, zuerst seine Erlebnisse, die er auf Deutsch in seinem Kriegstagebuch aufgeschrieben hat. Ist er doch als Soldat nach Deutschland gekommen, hat dort mit den Besiegten gesprochen, die sich alle verteidigten, daß sie nichts gewußt hätten, ohnehin Juden versteckten oder Feindsender gehört hätten und Kaugummis haben wollten und ist auch nach Dachau gekommen, wo es die Leichenberge zu sehen gab.

Dann kamen lustigere Kapitel, die von seinen Interviews handelten die er mit Brigitte Bardot, Picasso etcetera machte und den Hoppalas war auch ein Kapitel gewidmet. So hat er durch das Mißgeschick einer Putzfrau einmal, den Koffer verloren in dem alle seine Ehrungen waren und als er dann zu einem Treffen eingeladen wurde, wo er mit so einer goldenen Kamera über den roten Teppich marschieren mußte, wurde er dann als „Niemand“ verkannt.

Nachher gabs das Buch zu kaufen und weil das der Alfred machte und es sich signieren ließ, bin ich noch lange sitzen geblieben und habe beobachten können, wieviele Leute das eigentlich tun und es war heute auch ein sehr gemischtes Publkum anwesend, so habe ich eine von Christel Fallensteins Betreuerinnen, die Sprachkunststudentin Frieda genauso gesehen wie Konstantin Kaiser, Dieter Scherr, von den IG Autoren, der einmal von mir ein Portrait in der „Autorensolidarität“ brachte, Sabine Gruber und und und….

Und morgen  wird, wie Kurt Neumann noch erklärte im Metrokino Georg Stefan Trollers Werkschau mit dem Film „Selbstbeschreibung“ eröffnet, aber da werde ich wahrscheinlich ins Literaturhaus gehen.

Und von mir kann ich noch vermelden, daß ich meine Handlung jetzt so ziemlich konzipiert habe. Wahrscheinlich wird das „Frühstück“oder die Bibliothekgespenstgeschichte, dreiundvierzig Szenen haben,fünfunddreißig sind davon schon geschrieben.

2017-01-15

Handlungslücken und Ungereimtheiten

Da hat mich ja mein Kritiker Uli vor ein paar Wochen fast erwischt, daß ich keine Handlung hätte oder nach über vierzig Jahren erfolglosen Schreibens nicht mehr wirklich weiß, über was ich jetzt noch schreiben soll, weil ich mich bei dem neuen Buch mit der Wohnungslosen, die in einer Bibliothek übernacht, sehr stark an der „Viertagebuchfrau“ vorbei geschrammt habe und man sieht wieder Feedback wirkt, denn von da ab ist es fast von selbst gegangen.

Vor einer Woche bin ich von den Weihnachtsfeiern aus Harland mit siebzehn Szenen, achtundvierzig Seiten und etwa 22 762 zurückgekommen und hatte mich bis dahin, ich gebe es zu, sehr mit meinen drei bis vier fünf Hauptpersonen durch die Handlung geschummelt.

Die Dorothea geht aus der Bücherei in den Mc Donald , sieht dort eine Frau in einen Bus steigen und einen Studenten vor dem Laptop sitzen, das war schon eigentlich fast alles, das mit dem Bibliotheksgespenst und der „Viertagebuchfrau“ ist auch noch dazu gekommen, aber wie ist das eigentlich mit der Dorothea?

Hat die jetzt Felicitas Fee Biografie mit der gestörten Mutter, die die Geburt ihrer Tochter niemals einem Magistrat gemeldet hat?

Sie hatte ein bißchen, denn das ist im Erstentwurf so gestanden, in den letzten Harlandtagen habe ich, die siebzehn Sezene aber schon einmal durchkorrigiert und verkürzt, das heißt, das eigentlich hinaus gestrichen.

Die Dorothea hat das Buch in ihrem Abstellkammerl zwar gefunden und liest Nächtens daran, aber wie sie dazu gekommen ist in einer Bibliothek zu schlafen, ist jetzt ein bißchen im Dunklen.

In der Vorwoche bin ich dann auf die Idee gekommen, mir Marlene Streeruwitz dritten Wahlroman auszudrucken und zu lesen und das war sehr gut und  hilfreich, denn wenn der Robert beispielsweise meinen Wiener Stadtroman las und dann sagte, das ist eigentlich sehr einfach und linear, dann war ich sofort betroffen und dachte, das darf ich doch nicht so schreiben.

Der Wahlkampfroman der Marlene Streruwitz passiert aber auch auf einer sehr linaren Handlungsebene, also darf ich doch, habe ich gedacht, an meinem Konzept ein bißchen weitergeplant und das Ganze noch einmal durchkorrigiert, damit es in sich logisch ist und die Unklarheiten verschwinden.

Die Handlung war jetzt die, die Therese bekommt ein SMS von der Ivanka, daß sie sich in Graz befindet und dort eine Performance macht, also fährt sie dorthin. Die Performance, zweiundsechzig abgeschnittenene Köpfe, die gegen Rassismus mahnen, wird aber von den Patrioten gestört, die selber eine Kunstaktion machen und dabei mit Scheiße werfen. Ivanka wird getroffen und Therese fährt nach Linz, weil sie ein Prospekt des Lenthos gefunden hat, von dort will sie eigentlich nach Wien, steigt aber in den falschen Bus, kommt nach Salzburg und von dort fährt sie noch nach Berlin, wo sie in den Terroranschlag am Weihnachtsmarkt kommt.

Der Fabi bereitet eine Aktion bei der Angelobung des neuen Bundespräsidenten vor und die Dorothea verbringt ein Wochenende in der Hauptbücherei.

Jetzt bin ich daraufgekommen, daß sie das erst ab Samstag fünf Uhr machen muß, weil die Hauptbücherei bis da  offen ist. Sie öffnet aber erst um elf, was auch ein Problem oder eine Ungereimtheit ist, weil eigentlich sehr spät und ich dachte es beginnt schon um neun. Sie schreibt oder liest jedenfalls an diesem Wochenende ihren Roman zu Ende.

Dann schickt sie ihn an eine Agentur oder an „Amazon“ vielleicht, schließt da Kammerl ab und geht aufs Dach hinauf wo sie sich mit Karoline trifft, ihr das erzählt und ihr den Schlüßel übergibt. Dann geht sie nach Hause duschen.

Während, die Therese auch nach Wien urückommt und in die Stunde ihres Psychiaters geht und dann gibt es noch die Angelobung, auf Fabi wird ein Stein geschmissen, Sophie reißt ihn weg und geht mit ihm ins Cafe Eiles.

So weit so waht,  das wäre meine Handlung und sie ist bis auf einige Handlungslücken jetzt schon sehr konkret.

Auch ohne „Schneeflockenmethode“ kann das gehen  und, ich glaube, es sind auch einige Spannungsbögen darin, die einem die Schreibratgeber ja immer vorpauken, daß man die haben muß und ich hatte immer Schuldgefühle, weil ich dachte, ich hätte  nicht.

Die sind jetzt von selbst passiert, denn auch der Fabi und die Sophie haben sich in Graz eingefunden, die Aktion mit der Scheiße ist entstanden, also sehr konkret.

Ich hatte nach dem ich zweimal korrigiert und das Konzept mit ein paar Lücken aufnotiert hatte, dann noch einen Leerlauftag, wo ich fast befürchtete, ich könnte wieder in eine Schreib- oder Trödelkrise kommen.

Fakt aber war, ich wollte mir den letzten Tatort anschauen, wo es auch um dieses Thema geht und hatte dabei Schwierigkeiten, die Folgen im Netz zu finden, weil nicht immer verfügbar und teilweise ohne Ton.

Ab Donnerstag aber klappte das und dann habe ich auch geschrieben und geschrieben und die Handlung hat sich eigentlich wie am Schnürchen und von selber weiterentwickelt.

Jetzt stehe ich bei über vierundsiebzig Seiten, dreiunddreißig Szenen, 36 045 Worten, habe die Handlung, wie oben beschrieben.

Fabi und Sophie sind aus Graz zurückgekommen, die Therese sitzt im Bus nach Salzburg und die Dorothea rüstet sich für das Wochenende, das heißt, sie geht einkaufen, weil sie sich ja am Sonntag dort versorgen muß und da ist jetzt das Problem, beziehungsweise die Handlungslücken.

Denn ich habe ja einige sehr konkrete Zeitvorgaben. Ziemlich am Anfang kommt die Dorothea dazu, wo ein Plakatierer ein „Hofer-Plakat“ mit einem „Licht ins Dunkel“ überklebt, aha, also kurz nach der Wahl, sprich Anfang Dezember. Die Angelobung wird, glaube ich am sechundzwanzigsten Jänner sein und der Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt war am neunzehnten Dezember, also ein Zeitraum von ungefähr sechs Wochen.

Ich hantle mich aber sehr schnell von Szene zu Szene, die eigentlich in einigen Tagen passiert, so daß ich da Lücken habe und es nicht passt.

So ist die letzte Szene, die ich heute geschrieben habe, die wo sich die Dorothea auf das Wochenende vorbereitet. Die Therese sitzt da im Bus nach Salzburg und wird in der Nacht noch nach Berlin weiterfahren. Da würde sie dann am Morgen des 19. Dezembers, einem Montag ankommen, bis zur Angelobung ist aber noch ein Monat Zeit und die Dorothea würde eigentlich schon am Montag früh mit dem fertigen Roman, die Bücherei verlassen.

Ich weiß nicht, ob das Problem jetzt klar herübergekommen ist? Das ist ja auch das Spannende am Schreiben, daß man sich von Problemchen zu Problemchen hantelt und alles irgenwie auflösen muß.

Das wäre vielleicht auch ein Fall fürs Szeneschreiben oder Handlungsstängeschreiben.

Ziemlich klar ist jetzt schon der Weg der Therese, die fährt nach Salzburg, geht ins Cafe Glockenspiel, liest dort in einer Zeitung über Berlin. Will dann in ein Hotel, stolpert aber über ein Reisebüro, das ein Last Minute Angebot nach Berlin hat, der Bus fährt um neun. Das wäre dann der Sonntagabend, der Anschlag passiert, am Montagabend fährt sie nach Salzburg zurück,  dann nach Wien und kann also am Dienstag oder Mittwoch in Theo Hardenbergs Sprechstunde kommen und ich bin, glaube ich, ursprüglich am Dienstag den dreizehnten Dezember gestartet. Da wäre ich, wenn ich meine Handlung richtig nachrechne, jetzt ungefähr bei Freitag.

Am Samstag geht die Doro mit ihrem Provant ins Wochenende, am Montag passiert der Anschlag, es wäre aber schon vorher aus, während die Angelobung erst ein Monat später ist.

Die nächste Szene, die ich schreiben will, ist die im Cafe Glockenspiel. Dann brauche ich einige Füllszenen, wie ich das mit dem Wochenende so weit ausdehenen werde, weiß ich noch nicht und auch noch nicht, wie das jetzt mit dem Fabi und der Sophie wird?

Da muß ich vielleicht wieder etwas umändern, noch einen Spannungsbogen einplanen, noch einmal durchkorrigietren, etcetera.

Für Tips und Ratschläge, die über das „Das ist das schlechteste, was ich je gelesen habe!“, hinausgehen wäre ich dankbar und würde schätzen, daß ich jetzt im dritten Drittel bin. Da geht es dann ja manchmal sehr schnell und rasant vorwärts, so daß das Ganze dann vielleicht vierzigtausend Worte hat. Also kein ganzer Nanowrimo, aber länger als die Kroatiengeschichte oder die „Paula“ und die Rohtextzeit wäre wahrscheinlich unter  sechs Wochen, vielleicht eher bei der Nanowrimozeit.

Begonnen habe ich ja eigentlich am ersten Dezember, als ich im Cafe Fortuna die erste halbe Szene schrieb.

Dann habe ich noch bis zum sechzehnten Dezember korrigiert  und dann glaube ich so um den zwanzigsten oder zweiundzwanzigsten Dezember mit dem Schreiben angefangen.

Spannend, spannend, spannend, ich finde es gut, meine Hemmungen habe ich so ziemlich überwunden, einen, wenn auch sehr linearen Handlungsbogen habe ich auch und daß ich damit, auch wenn ich meine Schreibprozesse ziemlich detailiert hier beschreibe, niemanden auffalle, ist eigentlich sehr schade, aber etwas, was sich offenbar nicht ändern läßt.

Atterwellen

Jetzt geht es an den Attersee, da war ich zwar schon im Sommer 2015, als dort Luis Stabauer sein Buch, das er nach den Tagebüchern seiner Mutter geschrieben hat, in der dortigen Musikschule vorstellte, aber weil  der Alfred, das Buch, vom Autor signiert und schön dem „Literaturgeflüster“ gewidmet, kaufte, ist es kein Rzensionsexemplar und da dauert, vor allem weil ich 2015  noch eine andere Leseliste hatte, das Lesen etwas länger.

Macht ja nichts könnte man sagen, der Attersee hat  ohnehin wahrscheinlich mit dem Sommer oder der Sommerfrische zu tun, aber weit gefehllt, es gibt sogar ein Kapitel über Weihnachten darin, das, wie die meisten Erlebnisse von Luis Stabauers Mutter eher traurig war.

Und den 1950 in Sewalchen am Attersee geborenen Luis Stabauer, der, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, eigentlich Karl oder Charly heißt, habe ich einmal bei dieser Kleinstverlegermessen im Amtshaus Hietzig kennengelernt, wo er so freundlich war, mit seine Bücher „Der Kopf meines Vater“ und die Anthologie, wo Texte  der Teilnehmer der „Leondinger Akademie“, die der Coach und Berater, der, wie auf seiner Homepage steht, sich immer mehr zum Schriftsteller entwickelte, seine Ausbildung machte.

Er macht auch Kurse bei der „Schule für Dichtung“, da habe ich ihm einmal beim „Schamrock-Festival“ lesen gehört und weite Südamerikareisen, darüber hat er auch ein Buch geschrieben.

Interessant, denn das Schreiben und die Schreiber sind ja vielfältig und wenn man sich für alles interessiert und über den Tellerrand hinausblickt, wie ich es zu tun versuche, bekommt man auch einen guten Einblick über das zeitgenössische Literaturgeschehen.

Das Buch ist in dem kleinen „Resistenz-Verlag“ erschienen, den manche Autoren hassen, manche wieder gerne ihre Bücher dort verlegen. Mir ist das, obwohl ich früher auch dort hinschickte, leider nie gelungen, aber angeblich bin ich ja nicht so gut und mache viele Fehler und Dietmar Ehrenreich, der rührige Verleger, der damals in Seewalchen das Buch verkaufte, ist ja leider inzwischen gestorben.

Luis Stabauers Mutter hat seit 1944 viele Tagebücher geschrieben, als der Sohn, der inzwischen schon einiges geschrieben hatte und gerade dabei war, wieder nach Südamerika aufzubrechen, besucht er die Mutter im Altersheim und fragt sie danach. Die sagt ihm noch, er soll seine Reise nicht abbrechen, wenn ihr inzwischen etwas passiere, denn die Pepperl und die Frieda, die beiden Schwestern würden schon für das Begräbnis sorgen und dann ist es soweit, Luis Stabauer ist in den Anden, als der Anruf kommt. Nimmt dort Abschied von der Mutter und, als er später in den heimatlichen Ort kommt und die Tagebebuchstöße sieht, beschließt er Geschichten aus den Erlebnissen der Mutter zu machen.

„Episodenroman“ steht auf dem Cover. „Memoir“ könnte man es wahrscheinlich auch nennen und Ernst Hackl hat ja auch ein sehr berührendes Buch über seine Mutter und derenJugend in Armut geschrieben und so war es auch mit der Erni, die ihren Poidl oder Leo gegen den Willen der Eltern heiratete und mit ihm von NÖ nach Seewalchen zog, denn der Briefträger und, ich glaube, auch ÖVP Politiker war kein guter Mann, hat getrunken und Katren gespielt, gut da hat er meistens gewonnen und sich so auch ein Haus erspielt. Er hat aber auch mit den Frauen geschäkert und die eigene unterdrückt, die Anfangs noch sehr blauäugig war, von ihren Freundinnen aufgeklärt werden mußte, daß die Kommunisten vielleicht doch nicht so böse sind, wie man in dem Dorf munkelte und, daß die armen Frauen oft keine Wahl haben, als ihre Kinder abzutreiben.

Sie muß sich auch gegen ihren Mann wehren, bekommt ein Kind nach dem anderen, der Poidl ist nie da, sie muß beim Bauern mithelfen und so den kleinen Karli, damit er nicht vom Toperl rutscht, auch anbinden und die Schwester muß schon mit Dreizehn in einem Gasthaus servieren, obwohl Kinderarbeit inzwischen verboten ist.

Die Ehe der Eltern wird irgendwann geschieden, die Mutter hat inzwischen ein gut gehendes Gasthaus und besucht später die erwachsenen Töchter Frieder und Klara in Amerika und Andalusien.

Das wird, da die Mutter weder Englisch noch Spanisch spricht sehr lustig geschildert.

Ebenso lustig ist auch die Episode wo sich die Mutter am Telefon mit einem Fernmeldeamtsdirektor herumärgert.

Dann wird ein runde Geburtstag gefeiert, zu dem alle Kinder und auch Enkeln kommen, das Heimathaus wird besucht. Das Autofahren aufgegeben und zuletzt der Umzug in das Altersheim und Sohn Karl macht dann noch eine Familienaufstellung um seine Kämpfe und Krämpfe mit der Mutter abzuarbeiten.

2017-01-14

Verpfändetes Leben

Weiter geht es mit einem Buch aus meinem Vicki Baum Schwerpunkt, da hatte ich ja 2016 sechs Bücher auf meiner Leseliste, die ich so nach und nach aus den Schränken angesammelt habe und seltsamerweise, waren die ersten drei späte,  die anderen  frühere Werke. Dann habe ich die Bücher bis auf die „Karriere der Doris Hart“, 1936 geschreiben oder erschienen, auf 2017 verschoben.

„Liebe und Tod auf Bali“ zwischen den Jahre gelesen und mir jetzt „Verpfändetes Leben“, 1946, steht in „Wikipedia“, im Buch und auch im Netz habe ich gefunden, das es posthum erschienen ist und das ist interessant, denn es finden sich einige Elemente, der „Doris Hart“ darin, der Schuß, der aus Liebe oder Eifersucht abgegeben wird, das Opfer, das sich mit dem Täter solidarisiert, das Krankenhausszenarium, der reiche Mann, der alles zahlt und auch die Gesangslehrerin, die Stimmen kaputt macht, der künstlerische Aufstieg eines armen Mädchens, beispielsweise.

Ein bißchen dichter komponiert ist es mir zumindest am Anfang erschienen, bei der „Doris Hart“ ist mir ja das Spiel, um die Moral oder Unmoral der kleinen Mädchen ein bißchen auf die Nerven gegangen, hier geht es eher um die starken oder auch vermeintlich schwachen Frauen, aber irgendwie ist die Handlung genauso unglaubwürdig und operettenhaft, obwohl sie irgendwie packender geschildert scheint.

„In dieser souverän psychologischen Studie  erzählt Vicki Baum  die Geschichte der attraktiven Broadway-Sängerin Marylinn und ihrer Managerin Bess, die selbstlos und unermüdlich zum Ruhm des faszinierenden Stars arbeitet, dieses hübschen aber einfältigen Mädchen aus einer Kleindstadt, das nun gefeiert im Rampenlicht steht, als ihr Geschöpf, das Ergebnis ihrer rastlosen Energie. Als Bess jedoch plötzlich ihren Lebensinhalt gefährdet sieht, schlägt ihre Hingabe in Hass um..“ steht in meiner „Buchgemeinschaftsausgabe“ die auch ein hübsches Monroe ähnliches Bildchen am Cover hat und im Netz.

Wenn man das Buch liest, erscheint aber alles anders und mir gar nicht so psychologisch auskompniert oder vielleicht verstehe ich etwas anderes darunter und eigentlich kann man diese hundertausend Verwicklungen und Wendungen, die da auf den hundertneunzig Seiten passieren, auf einen  kurzen Plot zusammenfassen, der aber rückwärts aufgerollt wird und wieder sind auch einige sehr schöne realistische Schilderungen, enthalten, die das Nachkriegsamerika das wohl die Vicki Baum erlebte, gut vorstellbar machen lassen.

Bess Poker, auch Poky oder Pokerface genannt, die enorm tüchtige, intelligente, aber, wie sie selber meint, sehr häßliche, erschießt den Star, weil dieser einen ganz einfachen dummen Mann heiraten und nie wieder singen will.

So denkt sie jedenfalls, als sie die Polizei anruft, die verhört sie und Elisabeth Poker beginnt zu erzählen. Sie hat Mary Lynn vor zehn Jahren in der Pension ihrer Mutter in Brooklyn kennengelernt. Da wurde sie der Wirtschaftskrise wegen gerade entlassen, sie war irgendwo Stenotypistin, obwohl sie solange studierte, als das Geld ihres Vaters reichte und schreibt einen Bewerbungsbrief, der an die der Irmi Fuchs herankommt, der  die prekären Verhältnisse, des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts schildert.

Sie wird unterbrochen, Luke Jordan, der als Hausmeister in der Pension tätig ist, dafür kann er im Keller schlafen, sein Essen verdient er sich durchs Klavierspielen bei einer Gesangslehrerin, die auch die Stimmen verdirbt. Er ist nämlich Schlagerkomponist und immer fröhlich. Er lenkt Bess ab, will mit ihr ins Kino gehen, wenn sie, die Tüchtige ihm das Geld dafür borgt, wird aber von Mary Lynn, dem wunderschönen Mädchen vom Land unterbrochen, das in der Pension wohnt, der Mutter aber schon lang die Miete schuldig bleibt, weil es mit dem Vorsingen in den Reuven nicht so klappt.

Luke sagt mit Marys Schönheit und Bess Verstand kann man etwas machen und die Idee des Geschöpfs beginnt, denn die Mutter stirbt, Bess erbt etwas, zieht mit Mary nach Paris, läßt sie dort singen und französisch lernen.

Das alles erzählt sie dem Polizeiinspektor, inzwischen stellt sich heraus Marylynn ist gar nicht tot, nur angeschoßen und es tauchen jetzt eine Reihe von einflußreichen Männern im Krankenhaus auf, der Zeitungszar mit dem Mary mal verlobt war, der ist es auch der den Herzspezialisten herankarrt, der operiert, Luke Jordan, der geschiedene Ehemann und auch sehr aktuell, ein Präsädientschaftskanditat und Anwalt, mit dem sie am Abend vor der Tat aus war.

Die drei streiten sich nun, wer die Unterschrift zur Operation abgeben darf, da taucht plötzlich der Typ vom Land auf und sagt er ist der Ehemann.

Es geht aber mit der Lebensgeschichte weiter, der Polizist glaubt Bess nicht so recht, daß sie die Täterin ist, sie sagt auch was von Selbstmord. Er verdächtigt Luke, so daß die starke Frau zusammenbricht, ihrer Wächterin erzählt, wie sie Marylynn, die sie als Französin in ein Kabarett einschmuggeln wollte, das ist es das „wehrlose Geschöpf“, das den Spuk beendet und sagt, ich komme aus einer kalifornischen Kleinstadt und singe die Schlager von Luke, einmal vor einem Brandt mit dem Einsatz ihrer eigenen Haut rettete und will dann plötzlich doch einen Verteidiger.

Wir gehen zurück ins Krankenhaus, das wacht Marylynn langsam auf, beziehungssweise sieht sie sich noch nach dem Brandt im Koma und auch die Geschichte, wie das Geschöpf an den reichen Zeitungszar vermittelt werden soll, wird erzählt.

Bess denkt sich eine falsche Lebensgeschichte aus und flötet sie der neunzigjährigen schwerhörigen Mutter des Tycons ins Ohr, aber Marys entlarvt wieder und stellt sich plötzlich als Pflanzenexperitin heraus, so daß sie das Herz der alten Frau gewinnt. Sie löst aber die Verlobung und heiratet Luke, wahrscheinlich auch von Bess arangiert, die aber Luke liebt, wie der Präsidentschaftskanditat, der der Verteidugung, herausfindet.

Der Überclou bekannt aus der „Doris Hart“ ist dann Marylynns Aussagen, nein Bess hat nicht gewußt, daß der Revolver geladen war, sie hat auch nicht auf Marylynn geschoßen, es war alles ein Irrtum.

So wird Bess entlassen, Marylynn, die sich plötzlich als superstarke Konstiution entpuppt, ist noch mit ihrem echten Ehemann im Krankenhaus, Bess geht nach Haus, will sich umbringen. Da kommt plötzlich Luke herein und sagt „Ich kann dich doch nicht allein lassen, Pokergesicht!“

Er sagt ihr auch, daß sie schön ist und sie hat schon wieder Pläne aus einem Revuemädel, das nächste Geschöpf für Lukes Operette, an der er gerade arbeitet zu machen….

So endet das Buch ich habe wieder eine interessante Facette aus Vicki Baums Schreibennähkästchen kennengelernt. Denn auch sie arbeitete offenbar auf Vorrat, wiederholte sich und verwendete die selben Schemen öfter, kann bei einer Vielschreiberin wahrscheinlich auch nicht anders sein. Bei der Courths Mahler gibt es auch solche Wiederhohungen und bei meinen „Krimis“ werden die Leute ja auch öfter von Ästen erschlagen.

Plagiat kann man das bei sich selbst bedienen wahrscheinlich nicht nennen, obwohl die Leser manchmal darüber schimpfen.

Eine Satire auf den Broadwaybetrieb ist das Buch wohl auch undnochmals interessant, bei „lovelybook“ ist eine „Rezension“ zu finden, die ohne Anführungszeichen ziemlich genau mit der Beschreibung aus dem Buch beginnt und eine hat daraufhin kommentiert, „Großartige Rezi, vor allem der erste Satz!“, was wohl auch wenig satirisch ist und viel mehr gab es bisher über das Buch im Netz nicht zu finden

2017-01-13

Das unnötige Rüstzeug, ZUKUMFT

Wiedermal  Studentenlesung, seit 2011 gibt es die ja im Literaturhaus, nachdem im Herbst 2009 war das, glaube ich, der erste Hochschullehrgang des Instituts der Sprachkunst gegründet wurde.

Sandra Gugic, Irmi Fuchs, Rhea Krcmarova, etcetera, wurden aufgenommen, die Namen waren damals im Internet zu finden und standen auch im Literaturhausprogramm, bei der Studentenlesung und da habe ich auch meine Kritikerin Nummer zwei YuSophie kennengelernt, die meinen Artikel im ersten Kommentar sehr lobte, sich dann aber plötzlich durch irgendetwas provoziert gefühlt hat.

Im Jahr darauf gab es noch eine Veranstaltung mit diesem Namen, dazwischen gab es auch noch das Symposium und die Lesart der Sprachkunst, danach folgten unzählige Veranstaltungen, jeweils im Jänner oder Juni meistens, halt zu Semesterende, die dann aber schon andere Namen trugen und die heutige Veranstaltung könnte man irgendwie, als Studentenlesung III bezeichnenen, haben ja Studenten des Jahrgangs 2014/2015 ihre Werke vorgestellt und neu dabei war, was ich sehr gut finde und unbedingt weiterzumachen rate, daß einer der Lehrer, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Jahrgangsbetreuer, die Veranstaltung moderierte, aber Esther Dischereit war wohl auch eine solche, die mit ihren Studenten eine Anthologie herausgegeben hat, aber dazu noch später.

Jetzt trat erst Michael Hammerschmid, sehr bekannt durch seine Lyrik Kurationen in der „Alten Schmiede“, er betreut doch glaube ich auch inzwischen die „Textvorstellungen“ und ist „Priessnitzpreisträger von 2009„, die Veranstaltung moderierte, das heißt, das Werk der Studenten, nicht so sehr ihren Lebenslauf, aber die Art ihres literarischen Schreibens, vorstellte, was mir sehr angenehm ist und ich mich noch mit Schrecken an die Studentenlesung II erinnere, wo die Leute auftraten und vergaßen ihre Namen zu sagen.

Sie haben wohl gedacht, das sei nicht nötig, weil das Publikum ohnehin zum größten Teil aus Spreachkunststudenten bestand, die sie ohnehin wissen, es ist aber eine öffentliche Veranstaltung im Literaturhausprogramm angekündigt, so daß jeder hinkommen kann, auch wenn das inzwischen außer mir nicht viele tun, was irgendwie sehr schade finde, denn es war eine sehr schöne Veranstaltung und einige der Namen kann man sich vielleicht auch merken oder wird sie noch später hören, wie ja einige von den Studenten später im MUSA lesen, weil sie ein Stipendium gewonnen haben oder sogar in Klagenfurt lesen, wie das, glaube ich, Bastian Schneider tat.

Michael Hammerschmid hat mit den Studenten auch drei Hefte herausgegeben, die den schönen Titel „Sechzehn Stunden“ tragen, wo die Studenten jeweils einen Text drinnen hatte, auf den der Moderator sich in seiner Anküdigung dann bezog.

Der Saal war sehr voll, weil es ja inzwischen mehrere Sprachkunslehrgänge gibt und die Lesung wurde auf drei Blöcke mit jeweils einer Pause, wo es etwas zum trinken gab, aufgeteilt.

Ferdinand Schmatz, der jetztige Leiter und Professor, war wie Robert Huez in seiner Eineitung betonte, auch anwesend, ich habe ihn aber nicht gesehen, nur seine Stimme gehört, weil er hinter mir gesessen ist.

Das war in den letzten Jahren auch nicht mehr so, daß die Vortragenden zu den Lesungen gekommen sind, da hatte ich eher den Eindruck als würden die Studenten die Veranstaltungen organisieren.

Begonnen hat die 1995 in Hallein geborene  Felicia Schätzer, die vier Kurzgeschichten über Eltern, weil sie, wie sie betonte ihre Eltern sehr mag las, die alle irgendwie sehr märchenhaft waren und im Publikum sehr viel Gelächter auslöste.

Dann folgte Christiane Heidrich mit sehr kurzen eindrucksvollen Textfragmenten.

Die dritte Lesende war die 1995 geborene Marie Luise Lehner, deren erster Roman, wie Michael Hammerschmid einleitete, schon im Februar erscheint, sie hat auch einen zweiten namens „Zeichensprache“ in dem es wie Michael Hammerschmid ebenfalls erwähnte um die Liebe geht, daraus las sie ein Stück, ein sehr poetischer Text wo eine Frau durch Wien geht und  ein du sucht, das sich ihr offenbar immer entzieht.

Dann kam Robin Reithmayr mit einem spannenden Text namens „Willi“, der davon handelte, daß der Protagonist einen Zoo besucht und dort den Elfanten Willi mit Bananen bewerfen, beziehungsweise mit Obst füttern will.

Nach der ersten Pause machte Gerd Sulzenbacher mit, glaube ich, Texten aus den „sechzehn Stunden“, während der 1992 in Tübingen Luca Mario Kieser unterstützt von Nastasja  Penzar das Ende eines Monologs vortrug, wo ein Schauspieler auf einer Treppe steht, nach einem Schlüßel sucht, aber auch das Haus des Nikolaus zu zeichnen versucht.

Dann  folgte Timo Brandt, den ich, glaube ich schon bei mehreren Sprachkunstveranstaltungen gesehen habe, der auch die „Jenny“ herausgibt und laut Michael Hammerschmid auch schon in mehreren Literaturzeitschriften publizierte mit sehr starken Eindrucksvollen Gedichten.

Nach der zweiten Pause las zuerst Anna-Sophie Fritz eine Mischung aus ihren im letzten Jahr entstandenen Werken, dann kam, die schon erwähnte, in Berlin geborene Nastasja Penzar, die ebenfalls ein Kapitel  aus einen Roman vortrug,  der „Navidad“ heißen wird und ebenfalls sehr poetisch zu sein scheint.

Der letzte war  der 1986 in Tulln geborene Patrick Wolf, der, glaube ich, schon seit 2012 Sprachkunst studiert und daher im Literaturhausprogramm nicht enthalten war, den ich aber schon kannte, weil er öfter Christl Fallenstein zu Veranstaltungen begleitet  und einen Text aus einem Projekt gelesen hat, das mit Esther Dischereit entstanden ist, da sind die Studenten nämlich in ein Dorf in die ehemalige DDR gefahren und haben die Bewohner interviewt.

Patrick Wolf tat das mit Marliese Smoliski, die 1930 geboren wurde und ihr Leben sehr genossen hat, obwohl sie höchstwahrscheinlich nicht sehr viel davon hatte, aus den Interviews ist ein Buch entstanden, das im „Mitteldeutschen Verlag“ erschienen ist und das, wie Patrik Wolf mir erzählte, in Leipzig im Rahmen von „Leipzig liest“ vorgestellt wird.

Ich werde „Havel, Hunde, Katzen, Tulpen – Garz erzählt“, auch bald lesen, vorher aber die Biografie von Hans Fallada, die mir der „Aufbau-Verlag“ heute geschickt hat und habe vom Jahrgang 2014/2015 wieder einen starken Eindruck nach Hause mitgenommen und bin jetzt sehr gespannt von welchen Autoren ich noch etwas hören werde.

Michael Hammerschmid sagte noch, was auch sehr interessant ist, daß das ein sehr starker Jahrgang mit schon sehr eigenständigen Stimmen sei, den die Verlage höchstwahrscheinlich nicht auf das gewünschte Durchschnittsmaß brechen werden könne, mal sehen, ich bin sehr gespannt.

2017-01-12

Drei Geschichten zur Geschichte

In den Siebzigerjahren als Studentin, als meine Reisemöglichkeiten sehr beschränkt waren, denn allein und sehr schüchtern, bin ich gelegentlich im Sommer mit dem Zug nach Linz gefahren und habe mir die Stadt angesehen und in den Buchhandlungen bin ich da auf die „Aufbau-Bücher“, des 1922 in Bad Goisern geborenen Schriftsteller und Kommunisten Franz Kain gestoßen.

„Das Schützenmahl“ und der Wirtshausroman „Das Ende der ewigen Ruh“, sowie „Die Donau fließt vorbei“,  stehen in meinen Bibliothekskatalog.

Ich habe Franz Kain dann wahrscheinlich bald persönlich kennengelernt, habe ich ja auch  das Volksstimmefest besucht, wo er regelmäßig gelesen hat.

Ab 1989 lese ich dort regelmäßig und ich kann mich an eine Lesung erinnern, wo er den Regenschirm über mich ausgebreitet hat.

1997 ist der Gemeinderat in Linz gestorben, seine Bücher werden seither in der „Bibliothek der Provinz“ herausgegeben und in der DDR ist er in den Siebzigerjahren erschienen, weil er, wie Judith Gruber Rizy, die eine Dissertation über ihn geschrieben hat, einige Jahre dort Korrespondet der Volksstimme war und in diesen Zusammenhang auch Anna Senghers kennenlernte,  im „Werkl im Goehtehof“ erwähnte, denn dort gabs heute eine Lesung aus seinen Werken.

Drei Erzählungen aus dem Band „Der Weg zum Ödensee“, keine „Frauen lesen Frauen Veranstaltung“, des ersten Wiener Lesetheaters, denn Franz Kain, der ja auch eine schreibende Tochter hatte, die ich ebenfalls am Volksstimmefest kennenlernt, war ja ein  Mann.

Es haben aber die Lesetheaterfrauen gelesen, nämlich Judith Gruber Rizy und Gabriela Schmoll und dann noch die GAV-Geschäftsführerin Magdalena Knapp Menzel und für mich überraschend Vera Albert, die ich ja durch den ÖAAG-Supervisorenpool kennenlernte, die aber seit einigen Jahren  literarisch behziehungsweise verlegerisch tätig ist.

Das „Werkl im Goethehof“ in Kaisermühlen, in dem ich auch schon mal gelesen habe, war bummvoll, als ich es erreichte,  sehr viele Bekannte, die ich vom Lesetheater beziehungsweise von den Volksstimmefesten kennen.

Werner Grüner, Hilde Langthaler, Elfi Resch, Matria Lautischer und und …

Und Judith Gruber-Rzy, die die Veranstaltung zusammenstellte, erzählte, daß Franz Kain, dessen Vater an der Oktoberrevolutin beteiligt war, schon mit vierzehn Jahren  Mitglied  des kommunistischen Jugendbundes war, dort verhaftet wurde, dadurch nur mehr Holzarbeiter werden konnte und später, die Geschichte durch Geschichten erzählen wollte.

Drei davon wurden von den Frauen vorgetragen und ich muß sagen, sie waren äußerst spannend und eine gute Erinnerung an Franz Kain, der inzwischen, glaube ich, schon ziemlich vergessen ist.

Die erste „Nachrede für Habsburg“, erzählte wahrscheinlich eher, die Geschichte von Franz Kains Vater.

Denn da saß der Ich-Erzähler  in Sibirien, weil ihn  sein Kaiser dorthin schickte und erzählt, weil er Zigaretten will, einem Holzhändler Geschichten über das Kaiserreich oder Franz Josef, denn Bad Goisern liegt ja in der Nähe von Bad Ischl und in Bad Ischl war die Kaiservilla, wo Franz Josef sechzig Jahre lang seine Sommer verbrachte und so erzählte der Protagnoist und erzählte und fing schon selber an seine Geschichten zu glauben, wie die warmen Eier für die Kaiserin Elisabeth jeden Morgen geliefert werden mußten, weil sie das Klar für ihre Haare brauchte und eine Kuh viertelliterweise gemelkt wurde, damit die Herrschaften ihren Gesundheitstrunk trinken konnte und 1914 als der Thornfolger erschoßen wurde, stand der Prtogonist auf der Leier und weißte das Vorzimmer der kaiserlichen Gemächer aus und wurde angebeblich so zum Zeugen, wie dem Kaiser diese Nachricht übermittelt wurde, die nicht sehr schön war und wahrscheinlich auch nicht freute.

Die zweite Geschichte „Revolutinsferien“, ist nicht weniger originell und packend, die haben, die Kinder 1934 bekommen und prüsten sich damit, die Knaben spielen Krieg und die Hahnenschwänzler bekämpfen die Sozischweine, während das Mädchen lieber beschwichtigend am Feuer sitzt und Kartoffeln brät.

Die dritte Geschichte geht noch ein Stückchen in der Geschichte weiter, denn da geht es in das Strafbataillon in das Franz Kain geschickt wurde und da liegen die Soldaten in einem Mohnfeld, erleben ihre Kindertage und wissen, daß  sie nicht mehr nach Hause kommen.

Sehr interessant wieder einmal an den oberösterreichischen Dichter und an meine alten DDR-Ausgaben erinnert zu werden, die wohl in Harland in den Regalen stehen.

Wäre spannend sie wieder zu lesen und Judith Gruber Rizy hat auch noch zwei Aufsätze über sein Leben geschrieben.

Leben in der Bibliothek

„Ich bin das Bibliotheksgespenst!“, flüstert Dorothea Wewerka, die Hauptprotagonistin meines derzeitigen „Works on progress“, fortwährend geheimnisvoll vor sich hin und man weiß eigentlich nicht so genau, was sie damit meint.

Die erste oder zweite Idee zu meinem neuen Werk, die erste war wohl das mit dem Endbahnhof und der Depressiven, die dorthin mit dem Autobus fährt, war das, eine Wohnungslose in einer Bibliothek lebt und was macht sie wohl dort? Sie kommuniziert mit den Bücher,  atmet ihren Geist ein, sie erlebt Geschichten mit den Romangestalten, das sagt sich wohl so leicht dahin, plappern würde es wohl mein kritischer Kritiker nennen, aber wenn man es dann aufdröseln will, zerfließt das, was man damit meint sehr schnell.

Also doch eine Geschichte über eine Obdachlose, die dort schläft, weil alles andere höchstwahrscheinlich zu kitschig wäre und in den Nußknacker und zu H. C. Andersen gehört?

Aber es gibt ja, glaube ich, wirklich so Aktionen, wo sich Leute in Buchhandlungen einschließen lassen und dann die Nacht höchstwahrscheinlich lesend verbringen.

Das verstehe ich zwar auch nicht so ganz, was daran so toll sein soll, denn ich kann mich ja auch den ganzen Tag dort aufhalten und in den Büchern schmökern und wer bitrte tut das schon?

Aber die Initialidee zu diesen Artikel war ohnehin eine ganz andere und gehört in die Büchergeschichtenkategorie und nicht in die über die Schreibberichte, denn ich habe in meinem Schlafzimmer, in dem ich mich auch momentan befinde und vor mich hinschreibe, tatsächlich sehr viele Bücher und ein gar nicht so kleiner Teil davon ist ungelesen.

Als ich in die Krongasse eingezogen bin, hat zwar die Anna mein heutiges Schlafzimmer bewohnt und ich habe mir in dem Wohnzimmer, wo wir damals schliefen, zwei grüne Erde Bücherregale gekauft, dann zog die Anna aus, wir übersiedelten und ich kaufte mir auch für das Schlafzimmer zwei Regalreihen, dann kam noch ein drittes und auf die anderen Seite, des inzwischen zum Wohnzimmer gewordenen Zimmers kam auch noch ein Regal.

Im Schlafzimmer gibt es inzwischen auch noch zwei kleinere Regale und darauf und an der Wand neben dem Schlafzimmertischchen gibt es inzwischen ganze Bücherstöße.

Die Jahresbücher liegen am Klo, denn ich bin eine Badezimmerleserin und die ausgelesenen Bücher transportiere ich regelmäßig nach Harland, wo es in dem großen Wohnzimmer inzwischen zwei große Bücherreagle gibt.

Ein Leben mit Büchern also und weil ich sehr viel sammle, sammelt sich auch sehr viel an und es gibt auch manchmal Unfälle bei den Bücherstößen und die im Schlafzimmer sind zum größten Teil noch ungelesen und da räume ich und schlichte ich bei meinen Leselisten auch immer wieder um und das Leben und Schlafen zwischen ungelesenen Bücherstößen ist auch eine sehr romantische Vorstellung.

Leben in einer Bibliothek, ein verlockender Gedanke, die Dorothea Wewerka die vermeintlich Wohnungslose, betreibt das ja illegal, die Leute die am Parkplatz in Leipzig oder in Frankfurt übernachten, können, habe ich gehört, die ganze Nacht lang die Buchmesse besuchen und wenn man viele ungelesene Bücher hat, kann man sie immer wieder umschichten, ein Bücherquizz veranstalten, eine Schreibübung indem man sich ungelesen eines oder mehr herauszieht und dann einen Roman oder eine Wurfgeschichte darüber schreibt, oder auch seine Leselisten immer wieder verändertn.

Ich bin ja eine, die sehr viel liest und auch immer wieder quer durch den literarischen Gemüsegarten, die Chiklits, Selbstgemachtes, genau mag, wie das Experimentelle, die Worträusche oder die Buchpreiserlisten.

Die auch gerne Altes liest, inzwischen aber Buchpreisbloggt und von letzten August bis Dezembert mit dem Rezensionsexemplaren nicht fertig wurden.

Diesmal habe ich mich auch, was ich bisher nicht so tat, durch die Frühjahrsvorschauen ein bißchen gewühlt oder bekam die entsprechenden Angeboten und vor zwei Jahren hat glaube ich das Buch „Tojstoi und der lila Sessel“, wo eine Frau, um eine traumatische Situation zu überwinden ein Jahr lang jeden Tag ein Buch gelesen hat.

Das möchte ich vielleicht auch so gern tun, wie jedes Monat ein Buch zu schreiben und kann höchstwahrscheinlich wohl beides nicht.

Bei den selbstgemachten Büchern waren es im letzten Jahr fünf die herausgekommen sind, drei davon waren schon im Vorjahr geschrieben und gelesen habe ich hundertachtundvierzig Bücher, also eigentlich sehr wenige. Da war ich schon mal besser. Aber man kommt mit dem Lesen sowieso nicht nach, die Leute schreiben ja sehr viel und lesen wahrscheinlich immer weniger, aber ich interessiere mich eigentlich dafür und würde, wenn ich könnte wirklich gerne alles lesen und um jetzt wieder zu meinem Work in Progress zurückzukommen.

Die Endbusfahrerin Therese Schwarzenberg ist ja suizidgefährdet, beziehungsweise hat sie, weil sie nicht viel Sinn in ihrem Leben sieht, schon zwei Selbstmordversuche hinter sich, sie hat auch einen Psychiater, Theo Hardenberg, bekannt aus zwei früheren meiner Bücher und dem sagt sie, daß sie sich erst wirklich umbringen kann, wenn sie alle ihre Bücher aufgelesen hat oder er sagt das zu ihr und sie antwortete ihm, daß das ja unmöglich ist und wenn sie hundert, zweihundert oder auch tausend Jahre würde.

Stimmt, aber das Büchersammeln ist sehr schön und das Leben und Wohnen in einer Bibliothek natürlich auch. Ich tue das umgeben von meinen Bücherstößen und wenn ich nachts einmal nicht schlafen kann, überlege ich, was ich als nächstes lesen könnte und um auf mein Bibliotheksgespenst zurückzukommen.

Da weiß ich inzwischen schon ein bißchen besser, was das sein kann,  was der Sinn des Ganzen ist und was es mit dem Titel „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“, zu tun hat, weiß ich inzwischen auch, beziehungsweise muß ich das, bei der Schlußszene vielleicht noch ein bißchen herausarbeiten.

Und wem es interessiert, ich lese derzeit ein sehr altes Buch, einen Fund aus dem offenen Bücherschrank, nämlich Ferdinand Kögls „Bildnis einer Verschollenen“, ein, wie ich vorlaut motzen würde, sehr seichter Unterhaltungsroman, heute würde das wohl nicht mehr durchgehen und dann kommt etwas aus dem fröhlichen Wohnzimmer an die Reihe. Die ersten Rezensionsexemplare aus der Frühjahrsproduktion sollten auch bald kommen und weil ich mir ja vorgenommen habe, heuer angesichts meiner schon wartendenden Bücher auf der Leseliste sowenig, wie möglich Neues zu bestellen, werde ich das „Unnütze Bremerwissen“ aus dem „Holzbaumverlag“ auslassen, obwohl der Bremer Literaturpreis ja bald vergeben wird, den, das kann ich auch gleich flüstern, heuer Terezia Mora und Senthuran Varatharajah, den ich vom Bachmannpreislesen kenne, bekommen werden.

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