Literaturgefluester

2020-10-26

1000 Serpentinen Angst

Buch siebzehn des dBp und eines der drei Debuts und wow, was für ein Buch könnte ich ich schreiben, das Erstlingswerk der 1985 in Weimar geboren Olivia Wenzel, die in Ostldeutschland von einer weißen Mutter aufgezogen wurde und einen sambischen Vater hat.

So ein Buch hat es schon von Jackie Thomae hat es schon im Vorjahr auf die Shortlist gebracht und als ich die Besprchung bei „Papierstau“ hörte, wo ich noch lange nicht so weit mit dem Lesen war, dachte ich, das ist ein sehr ähnliches Buch und habe mich wieder einmal sehr geirrt.

Ist es nicht, es ist ein beachtliches Erstlingwertk einer jungen Frau mit einem sehr sehr ungewöhnlichen frischen frechen oder auch was immer Stil, das viele Themen anschneidet und absolut noch nichts von einer Struktur und einem Plot etwas gehört zu haben scheint. Ich würde es auch nicht Roman nennen, sondern wahrscheinlich wieder Memoir, greift es wahrscheinlich ja viele Themen und biografische Punkte seiner Autorin auf und hat einen rassanten ersten Satz, wo ich noch mit dem Thomae Vorurteil behaftet schon einmal „Wow!“ dachte „Mein Herz ist ein Automat aus Blech“, lautet der nämlich. Dann geht es nach New York und zur TrumpWahl, von der man ja jetzt in zweiter Runde wieder sehr viel hört. Dann zurück nach Berlin, ist teilweise, wie ein Seitenkatalog oder ein Fragenbogen gestaltet, dann hat es wieder Fließtextanteile und kurze knappe abschnitte und sehr viel Englisch und, das ist auch sehr interessant, es hat dem gestrengen Kritiker vom Literaturcafe wegen seiner Ungewöhnlichkeit gefallen und ich, die ich ja schon ein wenig älter und auch konventioneller bin, ein wenig verwirrt. Das Buch wird aber sicher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich es eher schnell und flüchtig gelesen habe, maches überflog und mich dann wieder bei anderen Rezensenten und Vloggern nach ihren Eindruck erkundigte.

Die Autobiografie aber bleibt und ist wahrscheinlich prägend, da ist die Protagonistin, ich glaube, sie hat keinen Namen, aber einen Zwillingsbruder, der sich umbrachte, einen Vater aus Angola, der bald wieder in seine Heimat verschwand, aber zum Geburtstag mailt, eine SED- getreue Großmutter, als es die noch gab, die die Enkeltochter liebevoll „Schokokrümelchen“ nannte, eine Mutter, die Punkerin war und jetzt reist diese, ich glaube, Dreißigjährige, die auch als Lehrerin in Neukölln arbeitet, nach New York und dann wieder nach Berlin zurück. Sieht am Flughafen einen Mann, der sich vielleicht einen Sprengstoffgürtel überschnall und geht zur Security, als sie zurückkommt spielt er mit drei Kindern und man denkt „Wow!“, es gibt Kim, die vietnamnesische Freundin, die auch von ihren Rassismuserfahrungen erzählt.

Richtig, es ist ein Buch über Rassismus und über die Mikro- oder Makroaggressionserfahrungen dieser Welt, die die jungen Leute von heute wahrscheinlich stärker oder ganz anders, als ihre Großümütter erleben.

Im letzten Teil ist die Protagonistin, dann schwanger und reist nach Vietnam, vorher hat sie, weil an Angst- und Panikstörungen leidend, einige Therapien durchgemacht, ein Freund, der Psychoanaltiker ist, hat sie dazu gezwungen, sie erwischt aber wieder einige falsche, nämlich auch rassistische, die sie und ihr Problem nicht verstehen. Mit den Psychopharmaka ist es ähnlich.

Das Automatenbild kommt immer wieder vor und andere verschiedene Rassismuserfahrungen und immer wieder diese Fragebögen oft in Groß- und Fettschrift geschrieben, die von manchen Rezensenten als rapartig interpretiert wurden.

Interessant, interessant, würde ich sagen, auf die Shortlist ist es nicht gekommen, obwohl es mir wahrscheinlich besser als Jackie Thomaes „Brüder“ gefallen hat. Auf meine würde ich es aber wahrscheinlich auch nicht tun. Jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch alles von der Autorin hören oder lesen werde und natürlich auf das dritte Debut, Deniz Ohdes „Streulicht“, das auf der Shortlist war, sowie den „Aspekte-Preis“ bekommen hat, für den, Olivia Wenzel, glaube ich, auch nominiert war und das, als Nächstes auf meiner Leseliste steht und natürlich bin ich auch gespannt, ob das Buch für die Bloggerdebutshortlist auserwählt wurde, denn dann hätte ich es schon gelesen.

2020-10-25

In einer komplizierten Beziehung mit Österreich

Pünktlich vorm Nationalfeiertag, als der letzte Soldat Österreich verließ und wir in der Hauptschule, als es den Nationalfeiertag noch nicht gegeben hat, in den Prater gingen, ich das aber, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe, nichtmit durfte, bleibt es, bevor es weiter mit dem „Deutschen Buchpreislesen“ geht, noch ein bißchen zu Österreich und geht zu dem 1983 im Waldviertel geborenen Martin Peichl, der mit seinem Debutroman „Wie man Dinge repariert“, der mir sehr gut gefallen hat, sowohl für den „Alpha“ als auch für den „Blogger Debutpreis“ nominiert war. Von daher habe ich das Buch, den „Alpha 2020“ scheint es nicht zu geben, vielleicht wurde er wegen der „Casino Affaire“ eingespart, aber mit Maske wäre ich ohnehin nicht hingegangen, also wieder ein Event weniger. aber Martin Peichl habe ich ja in der „Kühlen Meile Zieglergasse“ aus beiden Büchern lesen gehört, was eine der letzten Veranstaltungen außer dem Amerlinghaus war, bei denen ich gewesen bin und man jetzt ja schon über die Maskenpflicht im Freien diskutiert, aber Bücher kann man ja zu Hause lesen und da sticht Martin Peichls bei „Kremayr und Scheriau“ erscheinenes Buch heraus.

Ist es doch Erstens in quadratischer Form erschienen und dann ist es ein Bierdeckelbuch, mit sogar einem echten, die anderen führen die Bierdeckelgeschichen an, in denen Martin Peichl eben von seiner Beziehung zu Österreich, beziehungsweise zu den Frauen erzählt.

So heißt die Geschichte zum dem Bierdeckel „Ab und zu zeiht es mich zu dir hin a love story „Tal ohne Schluss“ und da erzählt Martha zwischen sehr vielen Schnäpsen ihren Freunden, die immer gleichen Geschichten von ihren Männern.

Der Bierdeckel zum „Kessler-Effekt“ heißt „Wir lieben uns mit Messer Gabel Schere Licht“ und da geht es um die Beziehungs zu der Kroatin jelena.

Beim Bierdeckel „Schon lange widme ich dir alle meine Hangover“ wird gespielt „Wir sind acht- Wir spielen UNO: wir lernen, dass es schlecht ist, viele Karten, dass es gut ist, nur eine Karte in der Hand zu haben“ oder „Wir sind sechs-Wir spielen MENSCH ÄRGERE DICH NICHT“ oder bei „MONOPOLY“ lernen wir „Wie sich kapitalismus anfühlt und dass das wenige Geld, das wird jedes Mal am Start bekommen, eine Art Mindestsicherung, nicht einmal für das billigste Hotel reicht“, etcetera und so weiter und den „Blinden Passagieren“-„Bin mit mitte Dreißig vielleicht ein Schrottplatz geworden“, wo es um das „Durchs Glas gehen“ und um Ameisen geht.

Es gibt immer wieder „Staffeln zwischen Schalko und Pichler“, was sich offenbar auf den „Tatort“ bezieht.

„Männer ohne Eigenschaften“ und einen Bericht über die „Tschernobyl-Kinder, wo Jakob auf Terschnobyreise geht und den Reaktor und die dort noch Lebenden besucht.

In der Buchmitte gibt es überhaupt nur Bierdeckeln immer schön auf dem karierten Tischtuchhintergrund drapiert zu sehen „Wir haben aufgehört unsere Eskalationsstufen zu zählen“, „Das ist ein Chemiebaukasten wo du aufhörst und ich beginne“,“Wenn ich mein Bier verschütte, dann immer in deine Richtung“, „Am Wochendende bin ich dann endlich für alle zu haben“, „Hier endet der Text und hier beginnt das Verhör“ und so weiter und so fort.

Es geht wahrscheinlich trotz Nationalfeiertag mehr um Beziehungsgeschichten und um das reale oder fiktive Leben des Autor. So wird anhand von verzerrten Fotos die Beziehung zum Vater dargestellt, die Großmutter, eine Tschechin, weshalb der Erzähler ein Achteltscheche ist, steht in ihrem Garten. Mit der Kroatin Jelena gibt es Schwierigkeiten und die Marta, die wir schon kennen, erzählt uns von ihren Dates und zählt dabei die „Männer ohne Eigenschaften“ auf. Listen scheinen überhaupt etwas zu sein, was Martin Peichl fasziniert. Listen und Aphorismen, den Beziehungsstatus gibt es auch und die Frage, was aus den handelnden Personen geworden ist, wie sie sich eiterentwickelt haben, wird auch beantwortet.

Sehr viel von allem, manches vielleicht nur angerissen, manches vielleicht auch zu übertrieben darsgestellt, könnte das abschließende Urteile, wie es meine Leser ja von mir zu wollen scheinen, lauten.

Also, ich habe ein interessantes Buch gelesen, das ich weiterempfehlen kann und wie sagt man doch in der „Gesellschaft“: „Weihnachten kommt bald!“

Also kaufen Sie das Buch! Notfalls läßt es sich bestellen und wird vom maskierten Fahrradboten nach Hause gebracht und richtig, die Pandemie und die Krise in der wir derzeit leben, ist in dem Buch auch schon thematisiert.

2020-10-24

Das dritte Buch in diesem Jahr und das erste über Corona

Hurra, hurra, es ist da mein neues Buch, das die Dreiecksgeschichte zwischen der Kuratorin Roswitha, ihrem Assistenten Viktor und ihrem an Demenz erkranken Mann, den Geschichtsprofessor Egon schildert und das, weil es der Zufall so wollte zu meinem ersten Corona-Text geworden ist.

Um die Gewinnspielfragen aufzulösen. Es geht, um die schon erwähnte Dreiecksbeziehung und dieverbotene Liebe zwischen einer älteren Frau zu einem jungen Mann. Die Pflegehelferinnen heißen Janina und Zsuzsanna und das Museum ist das Wien-Museum.

Das Thema Corona beschäftigt mich ja, wie meine Leser wahrscheinlich wissen sehr. So ist im Sommer ein weiterer Text nämlich das „Braunrotkarierte Notizbuch“ entstanden, der jetzt beim Alfred liegt, der es Druckereifertig machen soll und ich brüte gerade über einen dritten und denke da „Das kann ich nicht, das geht nicht, da bin ich zu betroffen, da stehe ich mitten drin, um über den Tellerrand zu schauen!“

denn ich will ja so gerne enen dystopischen Roman über die Corona-Situation, die ich, glaube ich, auch, so empfinde, schreiben.

Im „Frühlingserwachen“ empfindet es der Egon ja auch ein bißchen so und drücke mich derzeit noch ein wenig darum herum. Habe, wenn man es will, eine Schreibblockade oder eigentlich gar nicht, denn wenn ich den Rohtext während des „Nanowrimos“ schreiben will, habe ich ja noch eine Woche Zeit und einen ungefähren Handlungsrahmen und ein paar Personen hätte ich ja auch schon für meinen dritten Corona-Text bzw. „Achten Nanowrimo“. Auch schon ein paar Seiten. Denn da gibt es zuerst einen Absagebriefes eines Verlags.

„Leider, leider können wir Ihr Manuskript nicht nehmen, weil viel zu unrealstisch!“

. Dann konnt ein Brief der Mathilde an ihre Enkeltochter, bevor sie in das „Nichtgeimpften-Ghetto“ zieht und dann könnte das Ganze mit dem Silvester 2019-2020 beginnen. Die an der spanischen Grippe verstorbene Großmutter Barbara, beziehungsweise ihre Tagebücher, die die verschnupfte Mathilde, die da zu Hause bleiben muß, finden könnte, auch noch eine Rolle spielen. Dann kommt der Virus aus China, die Enkeltochter Jasminka wird geboren und Mathilde mag keine Maske tragen und sich nicht registrieren lassen und erlebt solcherart ein dystopisches jahr, läßt sich von ihrer Nachbarin Rosa, die zur Contakttracerin umgeschult wird, einkaufen, die lernt einen postiv getestetenKanzleramtmitarbeiter kennen und hat einen Bruder, der einmal eine Schwester war und das Ganze dann im Monat November locker hinunter schreiben und zu meinem vierten oder dünften 2020 buch machen?

Wäre schön und ich bin auch sehr produktiv, eine Vielschreiberin, von der doch einige behaupten, daß ich es gar nicht kann und noch nie so etwas Schlechtes, wie ich es produziere, gelesen haben. Da bleibe ich schon realistisch und denke zuviel der Ehre, mein fast fünfzigjähriges bemühtes Schreiben wird schon mindestens durchschnittlich sein, wenn auch sehr realistisch und nicht so sehr abgehoben und möchte nun einen dstopischen Roman produzieren, mal sehen wie es wird.

Wer sich außer an der Leserunde zu beteiligen oder mir vieleicht eine Rezension über das „Frühlingserwachen“ schreiben , sich auch noch in mein bisherigen Werk einlesen möchte, dem kann ich das zweite „Literaturgeflüstebuch-Mein Schreiben, meine Bücher“ sehr empfehlen. Auch da kann man noch bei der Leserunde mitmachen, ebenso beim zweiten Buch, das in diesem Jahr erschienen aber auch schon im Vorjahr nämlich im November anläßlich des „Siebenten Nanowrimo“ geschrieben wurde und wer sich für die Entstehung des dystopischen Romans interessiert, dem sind die kommenden Schreibberichte sehr zu empfehlen.

Sich also einlesen in das neue Buch, ein paar Szeneschmankerln sind auchhier oder in der Vorschau zu finden.

Lesung wird es ja coronabedingt höchstwahrscheinlich keine geben, obwohl ich ja bei der Poet-Night oder bei meinem Geburtstagsfest vorstellen hätte können.

Also wer mehr darüber wissen will, die Probekapitel lesen und dann in der Leserunde darüber diskutieren. Ich schicke das Buch bei Interesse auch gerne zu und habe eines in den Wortschatz am Margaretenplatz gelegt.

2020-10-23

Herzklappen von Johnson & Johnson

Mit Buch sechzehn des dBps geht es wieder nach Österreich und zum dritten Roman der 1989 in Graz geborenen Valerie Fritsch deren literarischen Aufstieg von der ersten „Textvorstellungen-Lesung“ in der „Alten Schmiede“ bis zur „Bachmannpreis-Lesung“ 2015, ich hautnah verfolgte. Von Anfang an von der sprachgewaltigen Doppelbegabung der Autorin und Fotografin, wie ich in einer Rezension hörte, begeistert war, „Winters Garten“ dann zu aufgesetzt, fast kitschig empfand und von ihren neuen Romanbei den O-Tönen hörte.

Davon sehr begeistert war, dachte, er würde mir besser gefallen und jetzt wieder etwas ratlos überblieb oder in den begeisterten Rezensionen las und mich fragte, ist es nun ktischig oder nicht und kann man einen Familienroman über transgenerationale Traumata, wie es Valerie Fritsch, glaube ich, in ihren Buchpreisskurzportrait nennt, so erzählen?

Man kann natürlich. Aber mich befriedigt es, glaube ich, nicht und wenn ich es mit den beiden anderen Büchern, die ich kürzlich über dieses Thema nämlich Eva Sichelschmidts „Bis wieder einer weint“ und Stefanie Greggs „Nebelkinder“ vergleiche, kann ich nur sagen, daß dieser Roman, der die Rezensenten sehr begeisterte, in Österreich wurde das Buch zum Ö1-Buch des Monats, daß es auf die Longlist kam, habe ich, wie auch bei „Winters Garten“ erwartet, sehr ungewöhnlich ist und jetzt, denke ich, ich habe mich durch ein wahres Sprachrauschbuch gelesen.

Valerie Fritsch hat eine wirklich sehr ungewöhnliche, eigene Sprache, wie es auch Marlene Streeruwitz hat und die man wahrscheinlich gleich erkennt. Man kann fast jeden Satz anstreichen.

Da gibt es „Die müden Marionetten mit einem schwarzen Fleck auf dem Herzen“, „Das Weiß des Stoffes das auf dem Weg leuchtet“, „Die Mutter der in dunklen Nächten der Mond zu Kopf steigt“ und und und.

Eine Handlung gibt es natürlich auch und die wird von Valerie Fritsch durchaus kunstvoll vollzogen und wenn ich das Buch mit der Sprachkunst der Andrea Winkler vergleiche, kann ich nur sagen, es gibt eine Handlung, denn es wird hier ja von Schuld und Sühne, von den Kriegopas, die in den weiten Russlands, mit der Heimaterde in der Tasche, mehr oder weniger zu Mördern wurden und mit dieser Schuld leben müßen und auch, um die Frage, wie es den Nebelkindern, den Töchtern und Enkeltöchtern damit geht?

Alma, die mondsüchtige, ist die Enkeltochter. Von Beruf Zeichnerin, heiratet spät Friedrich, bekommt von ihm Emil, das schmerzunfähige Kind, das, wie Superman allen Kinder voranstürmt, sich dabei an Herdplatten verbrennt, sich die Hand durchsticht, Dauerpatient in den Kliniken wird und der Mutter große Sorgen bereitet, während die Großmutter von ihrem Schmerz erzählt und der Großvater, der die titelgebenden Herzklappen trägt, die aber sonst irgendwie untergeht, irgendwann stirbt. Die Großmutter erschießt sich ein paar Tage später. Alma und Friedrich stehen vor der Beerdigung und dann möchte Alma mit ihrer Familie nach Kasachistan reisen, um die Orte zu erleben, wo der Großvater Wehrmachtsoldat war.

Eine originelle Handlung könnte man sagen und dann noch noch in dieser wortgewaltigen Sprache. Die Rezensenten sind begeistert. Auf die Shortlist ist das Buch trotzdem nicht gekommen. Beim Öst nicht einmal auf die Lange und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, würde sich die Realistin in mir, da doch mehr an die „Nebelkinder“ halten, obwohl dieses Buch ganz sicher nicht so literarisch anspruchsvoll ist.

2020-10-22

Von Vierjahrzehnten Freibord zur AK-Debutpreislesung

Der Vorteil vom Livestream-Schauen ist ja, daß man nach Belieben hin und her hoppel kann, was ich an sich gerne tue und da gab es heute durchaus ein abwechslungsreiches Programm.

Wolfgang Hermann in der „Gesellschaft für Literatur“ habe ich dabei augelassen, denn ich fieberte ja eigentlich schon lange der Vorstellung der drei österreichischen Debutanten in der AK -Bibliothek entgegen, die es ja heuer zum fünften Mal gab.

Das erste Mal habe ich, glaube ich, versäumt, weil Ilse Kilic gleichzeitig den Veza Canetti-Preis bekommen hat. Bei den drei anderen war ich und habe mich anschließend bei Wein und Brötchen jeweils mit derAngela und dem Josef über den besten Text unterhalten. Die Bücher hatte ich da, wie auch heuer zum Teil noch nicht gelesen, aber, glaube ich, alle oder die meisten nachgeholt und heuer gab es wegen den strengen Corona-Regeln überhaupt nur eine Livestreamlesung, das heißt, wie in Frankfurt, ein paar der Verlagsleute waren eingeladen und saßen weit auseinander, die anderen konnte es sich über Livestream ansehen.

Drei oder vier haben, das, wie bei den anderen Livestreamlesungen auch getan und ich freute mich, wie erwähnt darauf, hatte um fünf eine Stunde, um sieben fing es in der Arbeiterkammerbibliothek an und dann ist mir eingefallen, daß ich schon vor längerer Zeit von Gerhard Jaschke eine Einladung zum„Freibord-Maskenball mit Abstand“ in die „Alte Schmiede“ bekommen habe. Gerhard Jaschke hat also Humor, ich weniger und so habe ich ihm auch „Mit Maske eher nicht!“, geantwortet und bin dann daraufgekommen, daß die von Kurt Neumann noch initierten „Gesellschaftsräume der Literatur“ nämlich die „Revue durch vier Jahrzehnte Resonanz und Produktionsraum“ oder der Rundgang durch die seit 1975 entstandenen „Freibord-Produktion“ schon um sechs begonnen haben.

thematisch passt es zwar nicht sehr zusammen, denn das „Freibord“ istja eine sehr avantgardistische Zeitschrift und dann auch wieder nicht, habe ich doch drei Texte drinnen, denn ich habe ab den Neunzehnhun,,,dertachtzigerjahre und solgange ich noch Ausendungen machte, meine Texte immer wieder auch an Gerhard Jaschke geschickt , der mir, glaube ich, einmal auch einen lobenden Brief geschickt hat. Später habe ich ihn dann durch meine wahrscheinlich etwas provokante Art auch ein paar Mal verärgert, als aber das erste „Literaturgeflüsterbuch“ erschienen ist, hat er es auch sehr gelobt.

Der 1949 geborene Gerhard Jaschke hat also 1975 mit seiner Frau Ingrid Wald, den ebenfalls versctorbenen legendären Dichter Hermann Schürrer, Camillo Schaeffer und, ich glaube, noch jemanden anderen das „Freibord“gegründet. Da gab es dann die „Edition Freibord“, eine Sonderausgabe und später nach dem Schlaganfall die kleinen „Feribord“ und „FirebordHeftchen“ und jetzt hat Gerhard Jaschke seinen Vorlaß, glaube ich, dem Literaturarchiv in Krems übergeben, so daß der Schweizer Fermin Suter, in der „AS“ an einem Tischchen saß, Markus Köhle saß an einem anderen. Dazwischen Gerhard Jaschke und dann hat es mit Hermann Schürrer, dem Exzentriker, Josef Enegls Gedichten, Elfriede Gerstl, die mir ja auch einmal ein „Freibord“ ihrer Werke schenkte oder es mit einem meiner Bücher tauschte, begonnen. Eine gute Stunde lang die wilde experimentelle Literatur, des letzten Viertels des letzten Jahrhunderts, die ich ja hautnah miterlebte, besprochen, während es dann in der abgespeckten Arbeiterkammerbibliothek mit zwei in den Neunzehnhundertneunzigerjahren jungen Leute und den älteren, sein Geburtsdatum habe ich nirgends gefunden, Gunther Neumann weiterging. Leander Fischer und die schon gestern gehörte Mercedes Spannangel stehen ja auch noch auf der öst. Debutpreisliste.

Die Leiterin der Bibliothek Ute Wödl eröffnete, dannn kamm der AK- Direktor Christoph Klein und hob wieder den Wert der Bildung und des Lesens vor, be–vor Ute Wödl dann die drei Nominierten vorstellte und ich dachte eigentlich, daß ich den der 1992 in Völklabruck geborenen Leander Fischer mir völlig unbekannt wäre.

Jetzt also den ersten Einblick in das umfangreiche Werk, in dem es sowohl um das Fliegenfischen, als auch um die Ermordung des Thornfolgers in Sarajewo geht. Ich bin also gespannt, werde aber noch eine Weile brauchen, bis ich zu dem Buch komme, weil es ziemlich weit unten auf meiner Leseliste steht, während ich von den schon älteren Gunther Neumann, der, glaube ich, eine diplomatische Karriere hinter sich hat, bevor er ans Debutpreisschreiben ging, schon bei den O-Tönen hörte.

In seinem Buch „Über alles und nichts“ geht es um eine Pilotin und Mercedes Spannagel, 1995 geboren, habe ich, wie schon erwähnt, sowohl bei den O-Tönen als gestern in der Exil-Vorstellung in der „Gesellschaft“ ,gehört. Sie las, glaube ich, dieselben Stellen aus „Das Palais muß brennen“ obwohl sie ja gestern sagte, sie würde immer etwas anderes lesen und Ute Wödl fragte dann ins Publkium „Haben Sie sich schon einen Eindruck über den Gewinner gemacht?“

Ich habe nicht, dazu muß ich die Bücher erst lesen. Würde aber auf Leander Fischer schätzen, der wahrscheinlich der sprachexperimentellst,e ist und habe heute in meinem Zimmer eine große literarische Runde gemacht. Von Gerhard Jaschkes Avantgarde zu den drei Debutpreis-Büchern des Öst. DerPreis wird ja an meinem Geburtstag am neunten November vergeben. Ich hoffe, daß es da auch einen Livestream gibt und, daß ich mich bis dahin schon ein bisher durch die österreichische Liste gelesen habe. Derzeit lese ich ja Martin Peichls „Bierdeckelbuch“ und gehe dann noch kurz zum dBp zurück, um da noch drei Bücher zu lesen, bevor ich zum österreichischen Buchpreis komme.

2020-10-21

Edition Exil in der Gesellschaft für Literatur

Wieder einmal ein Livestream-Abend, da versuche ich ja nicht allzuviel zu versäumen, weil ich ja in nächster Zeit höchstwahrscheinlich zu keinen wirklichen Veranstaltungen kommen, da ab Freitag weil ja die Zahlen steigen, in allen Innenräumen bei allen Veranstaltungen Maskenpflicht und daher höchstwahrscheinlich auch keine „Wilden Worte“ mehr, aber im Literaturhaus war das „Schamrockfestival“ mit Augusta Laar, Sandra Hubinger, Birgit Kempker, Svantje Lichtenstein, Maria Cabrera Callis aus Barcelona, angesagt, da habe ich schon zwischen meinen Stunden nachgeschaut, ob das auch stattfinden wird, aber natürlich abgesagt, also in die „Gesellschaft“, wo eigentlich etwas Bekanntes aber auch Zukünftiges am Programm stand, nämlich ein Verlagsprotrait der „Edition Exil“ mit Christa Stippinger, Thomas Perle und Mercedes Spannagel und das war, weil es auch ein Livestreaming gab, sehr interessant, denn bisher habe ich die „Exil- Veranstaltungen“ ja eher im Literaturhaus gehört und Thomas Perle den Preisträger von 2013, glaube ich, schon einmal in der „AS“, das Buch habe ich, glaube ich, vor zwei Jahren bei der Kleinmesse im MQ bekommen und ich bekenne, es noch nicht gelesen, es aber jetzt neben dem von Mercedes Spannagel neben das Bett gelegt und auch mitgelesen und zuletzt habe ich thomas Perle oder den Schluß seiner Lesung bei der „Kühlen Meile Zieglergasse“ vor dem Lteraturhaus gehört, also eigentlich schon ein alter Bekannter, der 1987 in Rumänien geborener, der als Kind zuerst nach Nürnberg und dann ans Volksstheater und als Schauspielhaus gekommen ist und jetzt eigentlich mehr dramaturgisch als prosaistisch arbeitet.

Zuerst aber stellte der wohl neue Mitarbeiter Erkan Osmanovic, den ich noch nicht persönlich in der „Gesellschaft“ erlebte, Christa Stippinger vor und die 1951 in Wien geborene, kenne ich ja vom „Arbeitskreis schreibender Frauen“. Damals ist ihr Roman „Der Tschusch“ erschienen, 1980 erzählte sie Erkan Osmanovic ist sie nach dem sie Theaterwissenschaft und Gemanistik studierte, ins Amerlinghaus gekommen und hat dort Projekte gemacht, das heißt Ceija Stoika kennengelernt und mit ihr Workshops in Schulklassen veranstaltet, die „Edition Exil“ gegründet etcetera, da war ich ja schon bei vielen Veranstaltungen, habe auch die meisten Exil-Anthologien. Die heurige wird mir wohl, wie sehr viel anderes, entgehen, kann aber das Perle-Buch endlich lesen und sein Stück „Karpatenfieber“ wird auch, wie er erzählte am 13. Dezember uraufgeführt. Das empfahl er auch, sich anzusehen, weil das Theater wegen den strengen Sicherheitsmaßnahmen inzwischen angeblich viel sicherer, als das eigene Wohnzimmer.

Das Bild, das man gesehen hat, war auch eine ziemlich leere „Gesellschaft“ und das hat auch der Moderator gelobt und sich für den Mut derer bedankt, die hergekommen sind und alle natürlich maskiert und nachdem Gespräch mit Thomas Perle kam die 1995 geborene Mercedes Spanagel mit ihrem Debutroman „Das Palais muß brennen“ auf die Bühne und die habe ich schon in noch nicht so aufgeregten Zeiten im Sommer im MQ, bei den O- Tönen gehört und werde sie und die Lesunge aus ihrem Buch höchstwahrscheinlich auch morgen wieder per livestream hören, gibt es da ja die Debutpreislesung des ÖSt in der Arbeiterkammer auch wieder vor sehr kleinen Publikum und das Buch habe ich, wie schon geschrieben von „Kiwi“ auch bekommen. Die junge Frau, die Maschinenbau studierte, hat schon 2014 den Exil-Jugendliteraturpreis gewonnen, später dann noch einen, glaube ich, und auch in Rauris hat sie was gewonnen, den Fm4- Literaturpreis und Veröffentlichungen in den „Lichtungen“und im „Volltext“ etcetera, also eine sehr interessante junge Frau mit einem vorder- oder hintergründigen sehr politischen Text, das muß ich noch genauer herausfinden.

Es geht jedenfalls um die Töchter einer rechtsradikalen Präsidentin, um einen Mops namens Marx und der ist, glaube ich, schon beim Fm4- Literaturpreis vorgekommenn. Christa Stippinger erwähnte dann in der Diskussion verschiedene Kurzgeschichten der Autorin, die sie gerne in ihrer Edition herausbringen will und fragte die junge Frau dann und das fand ich interessant, wie es ihr mit Corona ginge?

Da sie öfter dystopische Texte und auch schon eine Geschichte übers Maskentragen hat. Das interessiert mich ja, wo heute mein erster Corona-Text erschienen ist, besonders und der Moderation wies auf den Büchertisch hin, forderte die Leute auf, die Bücher zu kaufen, denn Weihnachten ist ja bald und vielleicht auch der nächste Lockdown, aber ich habe ja die Bücher schon zu lesen und auch vor mir morgen die Debutpreislesung per Livestream anzusehen.

2020-10-20

Land in Sicht

Jetzt kommt wieder ein Debut nämlich das hundertsechzig bei „Blumenbar“ erschienene Büchlein, der1990 bei Stuttgart geborenen Ilona Hartmann und es ist eines, das schon von der Beschreibung her ungewöhnlich und originell, vor allem für mich als Wienerin, die schon ein paar mal die Donau entlang gefahren oder geradelt ist, klingt.

Jana vierundzwanzig ist ohne Vater aufgewachsen. Das ist einmal für die selbstbewußte schnoddrige junge Frau kein Problem, bis eine Freundin ihr erklärt, daß man ohne diesen nur ein halber Mensch ist. Das will sie natürlich nicht bleiben. Also schaut sie beim nächsten Mutterbesuch in deren Adreßbuch nach und erfährt ihr Vater Milan ein Tscheche ist Kapitän der MS Mozart, ein Kreuzfahrtschiff, das von Passau nach Wien und wieder zurück fährt und dort eine Woche lang beborzugt Paare über sechzig beherbergt. Also leiht sie sich das Geld von ihrer Großmutter und checkt ein. Der älteren Dame, die sie fragt, was sie hier macht, erklärt sie was von einer Großmutter, die die Fahrt bei einem Preisausschreiben gewonnen hätte, aber nicht fahren wollte und den Vater begegnet sie auch gleich, als sie zum ersten Abend vorüber an seinem Kapitänshäuschen geht. Der Bordmusiker Bob erzählt ihr eine Geschiche und fordert sie zum Mitsingen auf. Der Vater erklärt ihr, wie das mit dem Trappistenkloster in Engelhardtszell ist.

Dort versäumt sie das Schiff, weil sie sich verjoggt, also läßtsie sich mit einem Taxi nach Linz bringen. Dort bleibt das Schiff lange sehen. Ein Barbesuch mit dem Vater ist geplant. Die nächste Station ist dann schon Wien und ich dachte, wo bleibt das Stift Melk, aber zuerst geht es in den „Lachenden Esel“, ein Restaurant in der Augustinerstraße an dem ich immer vorübergehe, wenn ich von der „Gesellschaft“ komme. Dort outet sie sich dem Vater, der ein unstetes ungebundenes Leben hatte und viel auf Reisen war.

Sie radelt mitihm bis zum Zentralfriedhof, besucht dort Falcos Grab und man weiß nicht recht, hat das Ilona Hartmann aus dem Reiseführer oder wirklich eine solche Schiffreise gemacht?

Ich weiß auch nicht, ob es Kreuzfahrten von Passau nach Wien und zurck gibt. Bin aber einmal mit einem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren und als Kind und noch einmal mit derAnna von Wien nach Dünstein. Geradelt bin ich das auch ein paarmal und das Vater Outing scheitert vorerst.

Mit vollen Kopf kommt sie aufs Schiff zurück, versäumt das Frühstück, läßt sich während ein zerstrittenes Paar das Schiff verläßt, vom Vater mit einen geborgten Auto durch die Wachau fahren, versäumt dann das Abschiedsdinner und steht mit ihm in Passau, wo er ihr eine Sonnebrille schenkt. Die Gleiche, wie er selber hat, etwas vom nächsten Mal murmelt, wo er ihr schöne Sachen zeigen wird und dann verschwunden ist, als sie noch denkt, daß es jetzt etwig so weitergehen könnte.

„Die Donau ist übrigens überhaut nicht blau“, lautet einer letzten schnoddrig schönen Sätze von denen ich mir einige angestrichen und ein interessantes Buch gelesen habe. Mal sehen, ob es auf die Bloggdebutshortlist kommt, dann wäre es wahrscheinlich neben dem Stefan Roiss schon eine Favoritin.

2020-10-19

Nebelkinder

Filed under: Bücher — jancak @ 00:42
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Nun kommt das zweite „Aufbau-Buch“ und auch das zweite, das ich von der1970 geborenen Stefanie Gregg gelesen habe.

„Mein schlimmster schöner Sommer“, wo eine Frau ihrer Krankheit davonfährt ha tmich ja sehrbeeindruckt, weil ich ja selber über dieses Thema geschrieben habe und „Nebelkinder“, das hat mich sehr erstaunt hat nun ein ganz anderes Thema, geht es ja um die Nachkriegsgeneration und die Flucht einer Mutter mit ihrer Tochter aus Breslau, was mich ein wenig wunderte, daß da plötzlich ein ganz anderes Thema war.

Stefanie Gregg hat das in ihren Nachworten sehr genau erklärt und was ich auch sehr spannend fand, dazugeschrieben, wie das mit ihrer Familie war und was sie davon verwendet und was ganz anders war, wo ich ja immer höre, daß immer alles ganz erfunden ist und daß man das muß. Aber wie die Autorin in mir weiß, höchstwahrscheinlich gar nicht möglich ist.

Es wird auch der Begriff „Nebelkinder“ erklärt, der mir, die ich ja auch Pschologin bin bisher völlig unbekannt war, aber ich gehöre ja nicht zu der Generation der Enkelkinder, die von den Kriegserlebnissen ihrer Großeltern überhaupt nichts wissen, obwohl sehr viel wurde bei mir, der 1953 geborenen auch nicht darüber gesprochen und meine Schwester hat, da 1942 auf die Welt gekommen, ein bißchen miterlebt und war, wahrscheinlich durch die mangelnde Ernährung, kleinwüchsig, auch ihr ganzes Leben davon betroffen.

Das wird und das habe ich auch interessant gefunden, in dem Buch auch erwähnt, daß die 1932 geborene Anastasia kleiner, als die anderen Kinder war, weil zu wenig zu essen.

Die Traumatiserungen, die diese Generation erlebte und das damals sicher nicht so nannte, werden also erst heute aufgearbeitet und da stellt sich natürlich die Frage, wie das gelingen kann, wenn man in die Großmutter vielleicht ein Trauma hineindeutet, das diese energisch bestreiten würde und das schreibt Stefanie Gregg auch, ihre Großmutter war nicht so belastet.

Aber das weiß man ja von den Schreibseminaren „Schreib das Schlimmste auf und übertreibe, damit es die Leser interessiert!“

Also habe mich die vielen Vergewaltigungen der Kriegsfrauen etwas gefundert, einigen werden es schon so erlebt haben, die meisten hoffentlich nicht.

Es ist ein Familienroman über drei Generationen und es wird abwechselnd erzählt und um das Ganze schlüßig zu machen, gibt es noch einen Handlungsfaden, den ich etwas konstruiert empfand, wie auch die Geschichten, die die einzelnen Szene erzähten, sehr ausgeschmückt sind, während sonst, das wird wahrscheinlich auch in den Schreibseminaren so verlangt, manchmal Lücken bleiben, um den Leser wohl neugierig zu machen und an der Stange zu halten.

Es beginnt 1945 in einem Bauernhof bei München, da ist Käthe mit ihren zwei Kindern, der dreizehnjährigen Anastasia, Ana genannt und der kleineren Leni, sowie ihrer Schwester mit deren Sohn Wolfgang gerade angekommen. Käthe ist traumatisert. Ana muß sich um alles kümmern, der Bauer läßt sie im Stall schlafen, um Essen zu besorgen macht sie den Stall sauber und fängt eine Freundschaft mit Franz, dem Sohn des Bauern an. Später bekommen sie eine Wohnung in München, der Vater Ludwig, ein Richter, kommt aus dem Krieg zurück und die Zwischenhandlung spielt 2017. Da bekommt Lilith, Anas Tochter von ihrem bindungsunfähigen Freund Robert, den Auftrag sich um sein Kind dessen Mutter gestorben ist, zu kümmern. Er kann es nicht, weil verheiratet und blöd ist nur, das kind ist von der besten Freundin, die sie damit betrogen hat.

Das ist die Auslangslage, denn Lilith zögert, will natürlich nicht. Würde ich auch nicht anraten und wohl auch nicht gut für den kleinen Aaron sein. Ana drängt aber zur Verantwortung, „Contenauce!“, ist ein Spruch der Familie und fährt mit Lilith nach Breslau, um ihre Familiengeschichte zu erzählen.

Käthe ist aus guten Haus. „Rücken gerade, Kopf hoch, Contenauce bewahren!“ und verheiratet, will aber Architektur studieren. Der Mann verbietet es, was er damls durfte. Sie betrügt ihn mit Ludwig, bekommt ein Kind, das sie nicht wegmachen läßt und es dem Gatten auch nicht unterschiebt, wird von der Familie als geschiedene Frau verachtet, was ich auch ein wenig konstruiert empfinde. Ludwig, der Richter heiratet sie. Die Ehe ist aber nicht gut, wie wir noch später erfahren und er betrügt sie sehr oft. Vielleicht bin ich naiv, aber in meiner Familiengeschichte gibt es nicht so viele betrügende oder betrogene Frauen, aber ich weiß schon, im Roman muß alles übertrieben sein und dann machen es die Leser vielleicht nach…

Anastasia, auch ein ungewöhnlicher Name, fühlt sich für die kleine Schwester verantwortlich, die Mutter liegt immer im Bett und kocht dem Vater, wenn er nach Hause kommt, kein Abendessen, wo er dann die Stirne runzelt.

Warum erfährt man auch, denn es war gar nicht so einfach mit dem Zug von Breslau nach München zu gelangen. Es war kalt, es gab kein Essen und um solches für die Kinder zu besorgen, mußten die Frauen sich- und die kleine Leni machte sich an, weil sie nicht aufs Klo gehen konnte, als der Zug hielt, war dann der Urin auf der Unterhose gefroren, was der Grund war, daß sich Ana sehr über die drei Unterhosen freute, die sie dann, schon in München zu Weihnachten bekam, denn nun konnte sie täglich wechseln. Später studierte sie, wie der Vater ebenfalls Jus und wünschte sieh einen verläßlichen Mann, der ihr Sicherheit bieten konnte, der war aber, wie Großvater Ludwig fand, entsetzlich fad. So traf sie Franz wieder und das Kind, als sie dann, ihren Jochen heiratete, war natürlich eine Frühgeburt was aber niemand merkte, weil die Verkäuferin, die das Hochzeitskleid anprobierte, die richtigen Ratschläge gab. So ging es weiter in das Wohlstanddeutschland, das hat auch Eva Sichelschmid ähnlich beschrieben und Lilith fror ein wenig unter der Sicherheit, denn „Ich liebe dich!“, konnte Ana nie zu ihr sagen oder tat es erst später und am Schluß kommen Ana und Lilith nach München zurück. Lilith nimmt Aaron auf und Ana schenkt ihm zu Weihnachten die Spieldose, die ihr ihr Vater schenkte, bevor er in den Krieg mußte und sie nach München rettet,e ihrer Tochter aber nie gezeigt hat.

Sicher wichtig die Traumen der Nachkriegsgeneration aufzuarbeiten. Ich habe ich ein Tagebuch meiner Mutter gefunden, das sie geschrieben hat, sie mit der kleinen Uschi allein Wien war, weil mein Vater noch in Gefangenschaft und habe beim Lesen öfter gedacht, daß wir jetzt ja hurtig den nächsten Traumatsierungen entgegentaumeln, die sich aber wahrscheinlich erst so richtig ausmessen lassen, wenn ich vielleicht schon gestorben bin. Dann kann die kleine Lia drüber schreiben, wie es damals war, als alle plötzlich mit Masken herumliefen und alle, wie man es auch jetzt merken kann, es verdrängten, beziehungsweise nicht darüber schreiben wollen,wie es ihnen damit geht.

2020-10-18

Frankfurt-Special Edition

Im Mai als wir noch mitten im Lockdown waren, hat es geheißen, die Frankfurter Buchmesse findet statt, es hat dazu eine Pressekonferenz mit Videoschaltungen gegeben, dann kam der Sommer und die zweite Welle mit den Reisewarnungen und den Beherbungsverboten, die uns ja momentan sehr den Atem nimmt und dann die Mitteilung doch nur digital und ohne Publikum sollen die Signale der Hoffnung ausgestrahlt werden, denn die Bücher, was soll man auch in Zeiten derAusgangsbeschränkungen, des Veranstaltungsstop und Lokalschließungen von fünf bis zehn anderes machen, verkaufen sich offenbar recht gut, ob die Leute wirklich so viel mehr lesen, würde ich zwar bezweifeln, ich tue es jedenfalls und meine Leseliste ist, angesichts des dreifachen Buchpreislesen ohnehin sehr lang. Sehr viel habe ich auch nur digital oder als PDF aber die Bücher aus Deutschland kommen wenigstens und digital ist Frankfurt eigentlich ohnehin immer für mich gewesen.

Das heißt stimmt natürlich nicht so ganz, 2000 und 2002 waren wir live am Ort, da hat es für mich auch noch kein digital gegeben. 2000 war ich begeistert, 2002 schon weniger und als ich 2008 schon bloggte, habe ich zuerst geschrieben, Frankfurt wird an mir vorübergehen, dann habe ich gemerkt, ich kann mich virtuell auf das blaue Sofa setzen, mir die ARD-Videos anhören und 2008 gab es auch noch die kleinen Bloggerfilmen, wo man ein bißchen hinter die Kulissen schauen konnte, also Günther Grass schimpfen hörte oder war das erst ein Jahr später und Barara Frischmuth mit einer türkischen Kollegin durch die Gänge gehen gesehen, damals war ja die Türkei das Gastland und ich war begeistert, digital dabei, denn das Glas Rotwein kann ich ja zu Hause trinken und auch am Abend in Wien zu Veranstaltungen gehen.

Natürlich war es ein Ersatz, denn die Kontakte die Partys und die Empfänge, um die es ja, wie man immer hört eigentlichgeht, ohne mich stattfanden, das war zwar auch in der „Alten Schmiede“ so, daß ich immer anbseits und daneben stand und höchstens mal ein Jungautor zu mir kam und sich für die Besprechung seines Buches bei mir bedankte.

Das fällt jetzt auch weg. Ich muß mich nicht mehr ärgern, wenn ich zehn Minuten neben jemanden stehe, weil ich ihm etwas fragen will und er schaut mich einfach nicht an und die Begeistern am Livestreamen hat sich im Lauf der Jahre, glaube ich, ohnehin ein wenig abgenützt, 2011 hat mich meine zweite Kritikerin Jusophie ja noch gerügt, daß ich so viel Livestream schaue, statt mich aktiv beteilige und meine Manuskript beispielsweise zu den „Schönsten Bücher“ schicke und einer Leserin hat einmal das Resume gefehlt.

Wie soll man das aber gehen, wenn man sich nur die Diskussionen anschaut und im Vorjahr kann ich mich erinnern, habe ich gebloggt „Buchmesse fast versäumt!“, da waren wohl zuviele andere Veranstaltungen und am Wochenende vielleicht der Sladky-Fototreff, aber bei mir hat ja die Veränderung ohnehinschon im Vorjahr angefangen, durch meinen Sturz kein Leipzig und auf der Buch-Wien war ich auch nur bei der Eröffnung nur am Donnerstag, weil wir dann ja nach Basel fuhren, da gab es dann kein Geburtstagsfest. Das gibt es heuer höchstwahrscheinlich auch nicht, dafür kann ich mich wohl öfter digital nach Frankfurt begeben, wo man das „Blaue Sofa“ zwei Tage lang besuchen kann, ARD hat einen Buchmessenlivestream, Wolfgang Tischer vom Literaturcafe hält seine Seminare online ab und auch Jurenka Jurk vom Schreibfluß hat mich schon über ihre Messeseminare informiert, sie hat ja jetzt auch einen Überarbeitungs-Kurs und gibt wieder Online- Gratisseminare und da bin ich am Sonntag sogar bei Zoom hineingekommen, mit dem ich ja immer Schwierigkeiten habe.

Am Montag gabs dann die digitale Buchpreisverleihung, wo ich den Livestream ziemlich versäumte und am Dienstag eine digitale Pressekonferenz und dann die Eröffnung ohne Zuschauer.

Gastland ist Kanada, da habe ich auch noch nicht viel gehört und am Mittwoch hat es dann bei ARD pünktlich mit Ilija Mangold und Dennis Scheck angefangen, der beispielsweise Judith Zanders neues Buch „Jonny Ohneland“ vorstellte.

Dazwischen gab es dann das literarische Mittagessen mit der Ruth und dem Peter Czak und ein Telefongespräch mit der Doris Kloimstein bezüglich des nächsten Marktbesuchs und dann habe ich weitergesurft.

Peter Stamm hat auf der ARD-Bühne seinen neuen Erzählband „Wenn es dunkel wird“ vorgestellt und von seiner Art des Erzählens erzählt.

Während auf dem „Blauen Sofa“ Zsusza Bank über das Sterben ihres Vaters, beziehungsweise das „Sterben im Sommer“ erzählte und interessant ist da, daß man zwischen den einzelnen Interviews auch das Wegräumen und Desinfizieren der maskierten Helfer beobachten konnte und irgendeine Moderatorin erzählte auch, daß sie nicht aus Frankfurt sondern aus irgendeinen Studio woanders, wegen der Reisewarnungen senden.

Ja, Leben in Corona-Zeiten ist kompliziert und eine Buchmesse digital wahrscheinlich auch, es gab aber die „Blaue Stunde“ und da sind drei Trump-Experten aufgetreten, die Bücher über den amerikanischen Präsidenten geschrieben haben. Das heißt eigentlich nur zwei denn die dritte Susan B. Glasser, die “ Briefe aus Trumps Washington“ geschrieben hat, konnte wegen der Corona-Krise nicht kommen. Die anderen Bücher stammen von Torben Lütjen „Amerika im kalten Bürgerkrieg“ und Klaus Brinkbäumer „Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe“ und da wurde über Trumps Amerika und wer die Wahl, die am dritten November stattfinden wird, diskutiert. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit, die drei Bücher zu lesen, meinte die Moderatorin Marie Sagschneider, aber ich habe mir ja schon ein bißchen was über Trump gegeben und so schaute ich anschließend lieber ins Literaturcafe, wo es um neunzehn Uhr um das Optimieren von Wegseiten ging.

Bevor es am Donnerstag auf das „Blaue Sofa“ und auf die“ARD-Bühne“ ging, habe ich mir noch das „Literarische Quartett“ gegeben, wo Thea Dorn, Julie Zeh, Bernhard Schlink und Sybille Lewitscharoff Monika Marons „Arthur Lanz“, wo es um die politische Unkorrektheit und die Beziehung zwischen einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann geht, Verena Kesslers „Die Gespenster von Demmin“, das glaube ich auf der Bloggerdebutliste steht und auch schon gestern bei ARD bsprochen wurde, Richard Russos „Sh*tshow“ und Gertrud Leutenegger „Späte Gäste“ diskutierten,während es dann am „Blauen Sofa“ mit einem der dBps Debuts, das ich noch nicht gelesen habe, Deniz Ohdes „Streulicht“, die damit den „Aspekte-Literaturpreis“ bekommen hat und das überall sehr gelobt wird, weiterging.

Dann kam Sandra Gugic auf die, glaube ich, Berliner Bühne, die auch in dieser Stadt lebt, die ich mit ihrem neuen Buch „Zorn und Stille“ schon bei den O-Tönen hörte und das ich mir, damit ich es lesen kann, zum Geburtstag wünschte.

Auf die „ARD-Bühne“ trat inzwischen der deutsch-isländische Schriftsteller Kristoff Magnusson, dessen „Buchpreisbuch“ von 2010, ich noch lesen muß mit seinem Kunstroman „Ein mann aus Kunst“ und erklärte, wie er zu seinen Namen kam und, daß er sprechende Namen braucht.

Dann kam eine Corona bedingte Pause nämlich das Nachrichtensurfen bezüglich der neuen in Salzburg getroffenen Maßnahmen, das Mittagessen, drei Stunden, so daß ich mich erst um fünf wieder vor dem „Blauen Sofa“ beziehungsweise zur „Blauen Stunde“ mit dem Thema „Fremdsein“ mit drei Büchern von Andreas Kossert „Flucht eine Menschheitsgeschichte“, Ahmad Mansours „Solidarität“ und Elsa Koesters Debutroman „Couscous mit Zimt“, befand, bevor wir übers Wochenende nach Harland fuhren.

In Wolfgang Tischers Literaturcafe gab es dann einen Vortrag über künstliche Intelligenz und die Frage, ob es möglichist, daß Computer Romane schreiben können, ohne daß man es merkt? Ich dachte, daß das bei den Groschenromanen schon so geht und Jörg Piringer experimentiert ja auch damit.

In Marburg gibt es einen Gedichteautomaten, der Texte von Magnus Enzensberger generiert und eine Website, die entscheiden kann ob ein Text ein Bestseller wird, gibt es auch.

Dann habe ich mich noch ein bißchen auf der 3-Sat Seite umgeschaut, wo es paar Videos, ein Interview mit der kanadischen Autorin Margaret Atwood und eine „Buchzeit“ zu sehen gab, wo ein paar amerikanische Romane, wie Ben Lerners „Die Topeka Schule“oder Britt Benetts „Die verschwindene Hälfte“, ein“Black lives matter-Roman“, vorgestellt wurden.

Am Freitag bin ich dann beim „Blauen Sofa“ eingestiegen, als Michael Kleeberg sein Recherchebuch über seinen Vater „Glücksritter“ vorstellte. Dann kam die Buchpreisträgerin Anne Weber mit ihren „Heldinnenepos“.

Bis zwei gab es dann auf dem „Blauen Sofa“ unter dem Titel „Zwanzig Jahre“, alte Interviews mit Udo Jürgens, Herta Müller, Sven Regener etcetra, während auf der ARD-Bühne der „“LiBeraturpreis an die 1989 in Syrien geborene Lina Atfahr vergeben, beziehungsweise sie vorgestellt. Danach kam die grande Dame des Feminismus, Alice Schwarzer, die ja auch auf der „Buch Wien“ auftreten hätte sollen und sprach über die veränderten Feminismus und wie es den jungen Frauen heute damit geht, beziehungsweise warum sie gegen das Kopftuch ist.

Um zwei wurde es dann auf dem „Berliner-Blauen Sofa“ politisch, denn es ging, um den Rechtsradikalismus, beziehungsweise, um Florian Hubers Buch „Die Rache der Verlierer“, der mit seiner rechtsradikalen Analyse bis in den ersten Weltkrieg zurückging.

Mit dem Gastland Kanada beschäftigte sich dann Wolfgang Tischer, der sich mit der 1948 geborenen in Quebec lebenden Autorin Jocelyne Saucier auf Englisch über ihre zwei Bücher „Ein Leben mehr“ und das aktuell erschienene „Was dir bleibt“, in seinem Podcast unterhielt.

Jens Steiner der da auch schon 2011 und 2013 auf der dBp-longlist gestanden ist und 2013 mit „Carambole“ den Schweizer Bp gewonnen hat, kam dann mit „Ameisen untern Brennglas“ auf das „Blaue Sofa“.

Um drei folgte, die seit zwanzig Jahren in Deutschland lebende US-Autorin Nelle Zink mit ihren neuen Roman „Das hohe Lied“, das 2019 schon in den USA erschienen ist.

Während auf der ARD-Bühne die „Zukunft des Buches in Corona-Zeiten“ besprochen werden sollte, kam Linus Giese vom „Buzzaldrin-Blog“, dessen Buch ich ja vor kurzem gelesen habe und unterhielt sich mit Michael Saar über sein Coming out.

Dadurch daß die Buchmessendiskussion mit Sandra Kegel, Leif Randt, Jürgen Boos, dem Messedirektor und der neuen Vorsteherin des Börsenverbands erst später stattfand und die mich interessierte, habe ich die „Blaue Stunde“ über den Schweizer Buchpreis, der mich ebenfalls interessierte, versäumt, wo Tom Kummer, Dorothee Elmiger und Karl Rühmann diskutierten, aber das Leif Randt-Buch habe ich schon gelesen, die zwei anderen stehen genau, wie das Buch der Anna Stern, die auf der in der Schweiz voraufgezeichneten Sofa-Diskussion fehlte, noch auf meiner Leseliste und ich persönlich sehe, die Chancen der Corona-Krise für den Buchhandel wohl ein wenig anders als die diskutierenden Experten.

Denn meine Bücherregale sind ja voll, die Bücherschränke auch, Bücher könnte ich mir, wenn ich nicht mit Maske zu Anna Jeller gehen will, auch online bestellen. Habe mir aber auch vor Corona kaum ein Buch zum Normalpreis, den ich für sehr hoch halte, gekauft, also brauche ich keine Fahrradkuriere, die mir das bestellte Buch nach Hause liefern, glaube aber, daß ich, weil ich ja jetzt zu keinen Veranstaltungen gehe, mehr lese, obwohl ich wahrscheinlich altersbedingt eher langsamer lese und daher gar nicht so viel mehr, obwohl ich jetzt in der Regel zweimal am Tage in der Badewanne liege und danach ging es doch auf das „Blaue Sofa“ zum „Krimi Speed-Dating“ mit Alex Beer, die ich ja vom „Perutz-Preis“, der heuer auch an mir vorübergegangen ist, kenne, Max Annas und Tilman Speckelsen und da gab es natürlich die Frage, ob Corona in die Krimis finden wird? Was Alex Beer entschieden verneinte und das auch mein Eindruck ist, daß das die Autoren eher aussparen, was aber, wie, ich glaube, die Wirklichkeit verfälscht und mich daher etwas stört, weil ich ja viel und begeistert über Corona schreibe, aber aus den am Sofa diskutierten Gründen auch nicht wirklich weiterkomme, weil ich nicht weiß, wie ich am besten in der Krise eine Krise beschreibe, weil ich ja selber mittendrin stecke, aber persönlich nichts dagegen habe, wenn ich in einem Buch über das Maskentragen lesen, wie ja auch in einem Buch über das Jahr1938 von einer Hakenkreuzfahne am Rathausplatz lesen wolle würde.

Die drei vorgestellten Bücher hatten aber durchaus ihre historischen Themen, so handelt Tilmans Spreckelsen „Nordeefalle“ von Theodor Storm und Hans Christian Andersen und da wurde auch die These aufgestellt, ob der nicht vielleicht ein unehelicher Sohn des dänischen Königs war, was am am Märchen vom „Häßlichen kleinen Entchen“ sehen könne.

Alex Beer „Schwarzes Band“ spielt im Wien 1921 und da war von der Armut und vom Dreck sehr viel die Rede, so daß ich fast an Stermanns „Hammer“ denken mußte, während das Berlin in den Neunzehnhundertzwanziger Jahren meist als sehr viel schillender beschrieben wird und bei Max Annas von dem ich schon einen „Zukunfts-Roman“ gelesen habe, geht es in die DDR von 1989, wo es zwar kein Corona, aber auch eine politischeWende gab, so daß man diese Welt ebenfalls nicht mehr finden kann.

Dann gings wieder ins Literaturcafe und zum Umgang mit Kritik. Wolfgang Tischer riet da, wie man mit Einstern-Rezensionen umgehen könnte. Nicht schimpfen und beleidigen und auch nicht seine Fanblase auf den Kritiker hetzen, aber natürlich zuerst gute Bücher schreiben, sich ein gutes Cover und einen Lektor leisten, etcetera und wenn man antworten will, kann man sich bedanken und fragen, wieso das Buch als als schlecht, langweilig, etcetera, empfunden würde und bei Jurena Jurk sollte es eigentlich ein Webinar über den inneren Kritiker, geben, der ja auch sehr wichtig ist, da habe ich aber den Link nicht gefunden, was vielleicht nichts machte, denn eigentlich ist mein innerer Kritiker eher ohnehin ein äußerer und ich schreibe denen, die mir manchmal schreiben „Wow so was Schlechtes habe ich echt noch nie gelesen!“, eigentlich ohnehin immer freundlich zurück und außerdem gab es bei ARD eine große Buchmessennacht, wo Alf Mentzer und und Catherrine Mundt in einem glänzend gelben Kleid, roten Ohrringen und roten Schuhen, drei Stunden vor der fast leeren Festhalle eine Reihe Autoren empfingen und da durch die ganze Bandbreite der Buchbranche führten.

So begann es mit dem Philosophen Richard David Precht, der ein Buch über „Künstliche Intelligenz“ geschrieben hat. Dazwischen gab es Musik und dann folgte Zoe Beck, die für mich überraschend offenbar schon im Jänner das Buch zur Stunde mit ihrem Thriller „Paradise City“ geschrieben hat. Ein tolles Frankfurt in der Zukunft mit einer Gesundheitsapp, die alle überwacht. So kann man es auch machen, vielleicht sollte ich mir da etwas für meinem „Dystopischen Raum“ abschauen.

Dann kam eine Liveschaltung nach Israel, denn David Grossmann, der 2010 den „Friedenspreis des deutschen Buchhhandels“ bekam und eigentlich die Buchmesse eröffnen sollte, konnte aber nicht ausreisen, so war er auf dem Bildschirm zugeschaltet, erzählte, wie es ihm mit dem Corona-Lockdown geht, daß er, weil sich ein Schriftsteller ohnehin immer isolieren muß, nicht besonders darunter leidet, sondern mit „Zoom“ derzeitig ständig auf der ganzen Welt mit seinem neues Buch „Was Nina weiß“, auf Lesereise ist.

Dann kam der mir bisher unbekannte Wissenschaftsautor Bas Kast, der seinen ersten Roman „Das buch eines Sommers geschrieben hat“ und darüber diskutierte, was der Unterschiede zwischen dem Roman- und dem Sachbuchschreiben ist.

Lesungen gab es auch und zwar hat der UnterhaltungsautorAutor Jan Weiler aus seinem neuen Buch „Die Älteren“,vorgelesen, wo es offenbar, um das Erwachsenwerden der Kinder und, wie die Eltern damit umgehen, geht.

Elke Heidenreich, die Buchpatin der Nation, die hat ja früher im Fernsehen immer Bücher vorgestellte und hinausgeschmissen wurde, weil sie Marcel Reich-Ranicky verteidigte, hatte dann eine Zeitlang eine Sendung im Internet, wo ich beispielsweise Richard David Precht kennenlernte, im Schweizer Literaturclub diskutiert sie auch und jetzt hat sie einen Band Kurzgeschichten über Kleider, das „Männer in Kamelhaarmäntel heißt“, herausgegeben.

Um den „Amerikanischen Wahnsinn“ und Klaus Brinkbäumers Buch, der schon auf dem „Blauen Sofa“ war, ging es dann auch.

Dann kam der Kabarettist Jan Böhmermann mit seinem „Twitter-Tagebuch“.

Danach erklärte Alexa Henning von Lange, was ihr historischer Roman „Die Wahnsinnige“ überJohanna von Kastillien mit der Gegenwart zu tun hat.

Dann kam Max Czollek mit seinem Essayband „Gegenwartsbewältigung“.

Die Buchpreisträgerin Anne Weber wurde wieder live zugeschaltet und freute sich, daß ihr der Messetrubel erspart blieb. Die Sachbuchautorin und Moderatorin Susanne Fröhlich hat mit ihrer Freundin Constanze Kleis ein Buch über „Freundschaft“ geschrieben.

Dann wurde mit dem israelischen Psychologen Ahmad Mansour, der auch schon auf dem „Blauen Sofa“ war, über Verschwörungstheorien und Solidarität diskutiert.

Dann wurde Stefanie Sargnagel aus Wien mit ihrem Buch „Dicht- Aufzeichnung einer Tagediebin“, wo es um ihre Jugenderlebnisse geht, zugeschaltet.

Ab Samstag gab es dann nur nur mehr die ARD-Bühne und da war bevor ich auf dem Markt fuhr, Chrstoph Peters mit seinem „Dorfroman“ und Ria Endres“, die ein Buch über die Wohnungsspekulation geschrieben hat, wo die Mieter aus ihren Wohnungen müssen, geschrieben hat.

Am Markt gab es dann zu einer Buchmesse passend Bücher, nämlich Laetitia Columbani „Der Zopf“, das ich schon immer haben wollte und Clemes G. Arvay Corona-Buch „Wir können es besser“ von Doris Kloimstein, die mich immer mit ihren Büchern versorgt und bei „Thalia“ gab es, hat mir derAlfred verraten eine Ein Euro- Kiste, da habe ich ja noch immer ungelesene Bücher zum Beispiel vom Bücherabverkauf in Ulm, aber jetzt habe ich auch weder neue Bücher und einen Literaturquizz, den ich ja immer gerne machen will. Nachher ging es wieder in die ARD-Messehalle, wo gerade über Kinder- und Jugendliteratur diskutiert wurde, denn angeblich sind die Jugendbuchverlage, die großen Gewinner aus der Krise, weil die Kinder lesen und lesen und da habe ich noch eine Information von Dennis Scheck gehört, nämlich daß Cornelia Funke den „Deutschen Jugendliteraturpreis“ gewonnen hab, der aber auch in Berlin, statt in Frankfurt vergeben wurde.

Auf ARD ist dann noch mit einer Zuschaltung aus Hongkong mit dem dortigen Freiheitskämpfer Joshua Wong weitergangen, während es auf dem Literaturcafe einen Bericht über Wolfgang Tischers Messefreitag gab. Denn sich auf der virtuellen Buchmesse zurechtzufinden ist ein wenig schwierig, ich habe mich ja hauptsächlich auf das „Blaue Sofa“ und die „ARD-Bühne beschränkt. Es gab aber auch Messenächte, virtuelle Parties und digitale Bookfeste, die aber größtenteils an mir vorbeigegangen sind.

Bei Wolfgang Tischer gabs aber aber schon Samstag um drei ein Webinar über das Umsetzen von Livestream-Lesungen und wie man die optimal gestalten kann. Da gibt es ja Zoom, Facebook, You-tube, etcetera.

Etwas was ich für mich wahrscheinlich nicht in Frage kommt, obwohl ich jetzt ja keine echten Lesungen habe, weil höchstwahrscheinlich doch kein Geburtstagsgfest und die „Poet-Night“, für die ich heute das Programm bekomme habe, da hätte ich nach elf lesen sollen, habe ich , weil ich ja nicht mit Maske auf oder eintreten will, abgesagt, obwohl ich, das habe ich jetzt fast vergessen, von der Doris heute eine schöne Halloween-Maske mit Totenkopfmotiv zum Geburtstag bekommen habe, die mich offensichtlich umerziehen will, das Buch von dem Corona kritischen Biologen Clemens G. Arvay hat sie mir allerdings auch gebracht.

Es gab dann noch auf der ARD-Bühne ein sogenannes Gipfeltreffen zwischen den schottischen Autoren Irvine Welsh und John Niven, das sehr interessant war und die Eröffnung habe ich mir nachträglich auch noch angesehen, sowie eine Diskussion über „Das Ende einer verbundenen Welt? – Wie kultur der globalen krise wirken kann“, auf der „Weltempfang-Plattform“, die es offenbar schon länger gibt.

Am Sonntag ging es für mich zuerst auf der ARD-Bühne weiter, wo der Starkoch Johann Lafer Einsicht in das vegane Essen gab und es dann zu Remarques „Die Nacht von Lissabonn“, als Hörspielproduktion ging.

Um dreiviertel elf wurde dann in der Paulskirche der heurige „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ an den indischen Wirtschaftökonomen Amartya Senn wieder auf ziemlich skurrile Art vergeben. Erstens der Preisträger natürlich nicht da und der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Laudatio halten sollte in Quarantäne. Die Paulskirche also ziemlich leer und der Preisträger wurde aus Boston zugeschaltet.

Auf der ARD-Bühne waren dagegen wieder Dennis Scheck, Iris Wolff, der Gewerkschafter Dierk Hirschel und danach ein Krimi-Talk,wieder mit Alex Beer alias Daniela Larcher, wie sie wirklich heißt und dem Historiker Oliver Hilmes, die beide historische Krimis schreiben und es da um das Recherchieren und die Details ging.

2020-10-17

Carnival

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Jetzt kommt wieder eine „Buchpreis-Pause“, denn „Aufbau“ feiert sein fünfundsiebzigjähriges Bestehen und hat mir dazu einige seiner Juli und August Erscheinungen geschickt und ganz stimmt das wieder nicht, denn der 1988 geborene Philipp Winkler ist ja 2016 mit seinem Debut „Hool“ sogar auf der Shortlist gestanden, mit dem kleinen dünnen Abgesang auf alle Gaukler, stand er nicht darauf, trotzdem wurde das Buch in dem sich Winkler wieder in einer Kunstsprache den sogenannten Schwachen der Gesellschaft, die keine Stimme haben auf etwa hundertzwanzig Seiten seine lieh und eine wahre Litanei die fahrenden Gesellen machte.

Da genau setzt meine Kritik wieder ein, obwohl ich den lyrischen Duktus gerne gelesen habe, denke aber wieder, daß die Schausteller und Wanderzirkusbetreiber sich genau, wie die Protagonistin in „Blauschmuck“ beispielsweise anders ausdrücken würden, wenn sie ihre Geschichte erzählen.

Es liest sich aber gut, wenn auch nicht sehr leicht, denn Philipp Winkler hat da wirklich eine eigene Sprache erfunden, wenn er von den „Kirmsern“ erzählt, die da ihre Shows für die „Örtler“ oder „Marks“ machen, ihnen eine Wunderwelt aus Zuckerwatte, Popcorn und Fritten vorzaubern und ihren dabei das Geld aus der Tasche ziehen.

Denn wir alle waren ja als Kinder im Zirkus, als es den noch mit Clowns, Tieren und Messerwerfern gegeben hat, waren auch am Jahrmarkt und ließen und dort Zuckerwatte kaufen, vom Papa einen Teddybär schießen oder vom Liebsten ein vielleicht von Mäusen angeknabbertes Lebkuchenherz um den Hals hängen.

Und Philipp Winkler erzählt vielleicht trotzdem auch sehr genau mit einem scharfen Blick, wenn der die Geschichten von der Messerwerferin oder die von der die zu den „Kirmsern“ kam, um sich nicht zu Tode zu trinken, erzählt.

Erzählt von denen, die in den Zirkuswagen aufgewachsen sind und von denen, die dorthin kamen, weil sie in der bürgerlichen Welt gestrandet sind und er erzählt vor allem vom Untergang der schönen heilen Kirmes- Welt, die es höchstwahrscheinlich so nie gegeben hat. Die „Örtler“ kommen nicht mehr und lassen sich von den Gauklern ihr Geld nicht mehr aus den Taschen ziehen, weil sie zu Hause vor den Fernsehern sitzen oder sich in den Einkaufszentren vergnügen.

Es gibt noch eine große Hochzeit mit Zuckerwatte und Popcorn, wo das Brautpaar dann auf die Superschleuder gesetzt und durch die Luft geschleudert wurden, daß die ihnen zuvor überreichten Blumen und Schokolade allen anderen auf den Kopf fielen

Es gibt ein letztes großes Begräbnis, als der Älteste der Schauleute stirbt und dann geht es auf in den Himmel und der letzten Satz des durchaus beeindruckenden kleinen Romans oder Abgesang auf die Gauklerwelt lautet „Und wenn wir sie von Neuem aufbuckeln, dort oben unterm Himmelszelt, dann wird Er zu uns sprechen und wird sagen: ihr habt gute Arbeit geleistet.“

Wollen wir hoffen, daß Philipp Winkler Recht behält.

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