Literaturgefluester

2020-02-17

Chaya

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Nun kommt ein Debut von 2017 das es nicht auf die Bloggerdebut-Shortlist geschafft hat und das mir der Alfi bei „Literatur und Wein“ in Göttwein kaufte, das wahrscheinlich könnte man Memoir sagen, obwohl es sehr verdichtet ist, der 1964 in Teheran geborenen Kathy  Zarnegin, von dem ich jetzt gar nicht sagen kann, was mich an dem Buch so sehr interessierte, daß es mir kaufen ließ.

Das es die verdichtete Lebensgeschichte der Autorin ist, die mit vierzehn Jahren in die Schweiz gekommen ist und dort als Lyrikerin lebt, habe ich, glaube ich, gar nicht mitbekommen und das Ganze wahrscheinlich für einen interessanten Roman gehalten, es ist aber wirklich ein interessantes Buch, das manchen Islamhasser und Verfechter der großen oder kleinen Austauschtheorie sehr zu empfehlen ist.

Dabei stammt Chaya, ob sie das Alter Ego ihrer Autorin ist, ist aus dem Text nicht so genau herauszubekommen, aus einer jüdischen Familie. Der Vater hatte aber zwei Frauen, die ältere hatte von ihm sechs Kinder, die jüngere, Chayas Mutter, drei, Chaya und ihre zwei jüngeren Schwestern und die war eine Zeitlang Krankenschwester, bevor sie den Vater kennenlernte und mit ihm auf Europareise gegangen ist.

Die Jugend Chayas war sehr unbeschwert, die Eltern offenbar Freigeister, so gab es eine nicht verheiratete Nachbarin, mit der und deren Liebhaber, die Eltern philosophische Gespräche führten und die Kinder waren selbstverständlich dabei, bis sie am Boden eingeschlafen sind.

Weil Englisch als die Weltsprache galt, obwohl die Eltern es nicht sprachen, wurde Chaya auf eine englischsprachige Privatschule geschickt, obwohl oft das Geld nicht da war, die Schulgebühr zu bezahlen.

Der Vater war oft auf Reisen und brachte dann schöne Geschenke mit, später lernte Chaya auch Italienisch und wurde, als in Teheran die politischen Unruhen begannen und ihre Schule geschlossen wurde, von den Elten zu Verwandten in die Schweiz geschickt.

Sie kam nie mehr oder nur auf Besuch nach Teheran zurück, lernte Deutsch und begann bald ihre Gedichte in dieser Sprache zu schreiben, studierte Philosophie, statt wie von den Eltern gewünscht, Medizin und gründete sehr bald eine Gedichtagentur, das heißt, sie druckte Gedichte auf Poster und wenn man die kaufte, konnte man das Copyriht dazu erwerben und hatte das Gedicht sozusagen, wie einen Miro für sich.

Nebenbei ging sie putzen und jobbte in einer Sprachschule, bis sie mit ihrer Agentur erfolgreich wurde und sich die Redaktionen und Fernsehanstalten um sie rissen und im ihre Freunde und Liebhaber, David und Eric, mit denen sie mehr oder weniger tiefsinnige Gesrpäche führt, geht es auch.

Im <klappentext steht noch etwas, daß das Mädchen aus dem Orient Europa staunend erobert, wie einst Zazie in der Metro, so habe ich das Buch nicht empfunden, obwohl ich das Vorbild nicht gelesen habe.

Es sind eher sehr poetische Detailstücke in denen das Ganze aufgegliedert ist, so wie etwa die Geschichte, in der sie in ein Geschäft geht und von dem geschwätzigen Verkäufer  einen Anorak aufgezwängt bekommt, in dem sie aussieht wie ein „unter adipositas leidender Kanarienvogel“, was ich für eine sehr schöne Formulierung halte oder die von der Sekretärin in der Sprachschule, in der sie arbeitet, deren Besitzer, interessanterweise auch zwei Frauen hat.

Aber das ist wohl nur ein Detail am Rande in dem sehr poetischen und interessanten Buch.

2020-02-16

Von der künstlichen Intelligenz in den Winterurlaub

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:13
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Für die Woche vor den IG-Autoren hat uns die Ruth in das „Alpina Familien und Sporthotel“ in Maria Alm in Hinterthal, Salzburg eingeladen, weil sie dort ein Appartement benützen kann, Samstag bis Samstag, wir werden aber erst am Sonntag hinfahren und am Freitag wieder zurück, weil der Alfred zu einer Veranstaltung der Grünen wollte und ich hätte zwar an meinem „Nanowrimo-Text“ zu korrigeren, aber eine Einladung zum fünften Wiener Sozialästhetik – Symposium „Lächelt die Maschine!? Zur Sozialästhetik der künstlichen Intelligenz“ in die Sigmund Freud Uni bekommen und da ich ja Fortbildungsstunden brauche und außerdem wieder Thomas Ballhausen referierte, bin ich hingegangen, obwohl ich dachte, daß mich die künstliche Intellingenz, von der man jetzt soviel hört, gar nicht so interessiert.

Aber ein spannendes Thema, das Professor Musalik, der Veranstalter, zu dessen Salon Philosophique ich ja machmal gehe und ich auch beim vierten Symposium vor einem Jahr, zum Thema lachen war, von allen Seiten beleuchtete und gleich beim Eintragsvortrag verkündete, daß er das Gerede, um die künstliche Intelligenz für einen Ettikettenschwindel hält. Die künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, hat er erklärt und dann kam nach der Erörterung der Frage, ob die Maschinen mämnlich oder weiblich sind, sie werden von Technikern konstruiert, lautet die Antwort und daher gibt es bei Autounfällen oft tote Frauen, weil die Dummies nicht nach ihren Massen getestet werden, schon Thomas Ballhausen, der „Priessnitz-Preisträger“, der sich sehr sehr für Filme und Comics interessiert, im Literaturhaus das „Fried-Symposium“ kuratiert und in der Schleifmühlgasse bei Prof. Musalik auch einen Vortrag über Sigmund Freud gehalten hat und referierte über künstliche Intelligenz und Literatur.

Dazu hat er sich sehr gut vorbereitet, nannte einige Merkmale der Sci Fi- Literatur und einige Bücher, die sich mit der künstlichen Intelligenz beschäftigen, wie beispielsweise das vorletzte von Ian Mc Ewan „Maschinen wie ich“, da habe ich nur die „Kakerlake“ zum Thema Brexit gelesen, der literarische Streifzug war aber interessant und dann folgte nach einer Pause, wo es Kaffee und Krapfen gab und ich mich mit einer Psychologenkollegin unterhalten habe, die ich schon lange nicht gesehen habe, Beispiele der künstlichen Intelligenz im Film und das Thema Film wurde auch mit einigen Beispielen behandelt.

Da fehlte dann nur der Humor oder der Sarkasmus und die Ironie, beziehungsweise, die Emojis und die Memes, die man sich im Netz gegenseitig zuschicken kann.

Nach der Mittagspause mit Buffee gings dann zuerst ins Museum und dann in den medizinischen Alltag, da gibt es ja einige Apps, die einem den Blutdruck messen, beim Sehen helfen oder eine Depression diagnostizieren können.

Danach gab eine Schlußdiskussion, wo wieder die Skepsis bezüglich der Roboter  bestätigt wurde und im Anschluß Wein mit Chips und französische Chansons, die von einem Clinikclown vorgetragen wurden, die die Mitveranstalter waren.

So und jetzt auf in den Winterurlaub, um acht fahren wir los, obwohl ich ja keine Schifahrerin bin, ich habe aber ein paar Bücher und mein Manuskript eingepackt und ein kleiner Ortswechsel tut mir sicher gut.

2020-02-15

Wir verlassenen Kinder

Jetzt kommt  das zweite „Kremayr&Scheriau-Buch“ aus der Frühjahrsschiene, ein Debut der 1990 in OÖ geborenen Lucia Leidenfrost, das wieder keines ist, habe ich doch schon ihren vor zwei Jahren erschienenen Erzählband „Mir ist die Zunge so schwer“ gelesen und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes Buch, das ein  wichtiges und wohl auch verdrängtes Thema unserer Zeit auf sehr poetische Art und Weise, wenn auch mit einigen Widersprüchen und Kurven zu schildern weiß.

Soll es doch in Moldawien oder sonstwo ganze Dörfer geben, wo die Kinder mit vielleicht ein oder zwei Großmüttern verlassen leben, weil die Eltern im goldenen Westen die Ärsche der dortigen alten Leute putzen, weil das dort niemand mehr kann oder will.

Lucia Leidenfrost schildert das alles dezenter und auch namenloser, es wird kein Ländernamen genannt und die Kinder dort heißen zwar Mila und juri aber auch Anni und ein Erwachsener Valentin und mal gibt es Krieg im Nachbardorf, mal ziehen Blechvögel über den Himmel und nur ein einziges Mal wird eine Lidia erwähnt, die eben im goldenen Westen die Ärsche putzt und Briefe an ihre verlassenen Kinder schreibt.

Die bekommen zuerst noch Geld und Geschenke, Stützstrümpfe für eine Oma, die längst  gestorben ist und auch der Lehrer hat das Dorf schon verlassen. Es gibt zuerst noch einen Pfarrer der zu alle heiligen Zeiten kommt und einen Bürgermeister, der im Rathaus sitzt und die Kinder manchmal mit ihren Eltern telefonieren läßt.

Der ist der Vater von Mila und ihren zwei Schwestern, die jüngste ist ein Baby und die Mutter ist bei der Geburt gestorben, Mila versorgt nun die Schwestern, ist die Außenseiterin im Dorf, wird von den anderen Kindern, die ihre eigenen Regeln erstellen, gemobbt und gequält.

Sie stieht aber den Vater auch den Schlüßel zur Schule, will Lehrerin werden und weil  kein neuer Lehrer komt, selber die kleineren Kinder unterrichten.

Die Scheifen von denen ich oben geschrieben habe, bestehen darin, daß die Eltern beispielsweise schreiben, sie wären schon in der Nachbarstadt und würden bald kommen, als die Kinder aber dorthinziehen, um das Geld von der Bank zu holen, sind sie nicht da.

Später kommt auch kein Geld mehr und keine Geschenke und die paar Alten und auch der Bürgermeister verlassen das Dorf, um in einen Krieg zu ziehen. Der Bürgermeister kommt aber in den Nächten zurück und bringt Fleisch und Käse mit, das Mila ihm brät, während die anderen Kindern kein Wasser, keinen Strom und kein Essen mehr haben.

So werden zwei Beschlüße gefaßt, Mila putzt die schule und beschließt ab der nächsten Woche die Kleineren zu unterrichten, während die anderen Kinder sie in der Hoffnung, daß dann endlich Hilfe kommt, sie anzünden und gemeinsam velassen sie dann das Dort, um sich ihre eigene Welt zu bauen oder so etwas wie Geborgenheit woanders zu finden?

Einer der berührendsten Sätze im Buch lautet „Einmal werden wir mit der geladenen Pistole zu unseren Eltern fahren und sie zurückholen“ und der Automechaniker, von dem sie die Pistole haben, wundert sich in einem Brief über die Gewalttätigkeit der Kinder und schreibt „Man hätte die Kinder auch mitnehmen können.“

Ein berührendes Buch das nachdenken läßt, aber auch sehr poetisch ist, so daß ich mir schon überlegen, ob es auf die shortlist des Bloggerdebut oder auf eine der anderen Buchpreislisten kommt und das Lesen sehr empfehlen kann.

2020-02-14

Bücherräumaktionen

Ich habe ja schon geschrieben, daß ich mir in den Weihnachtsferien beim „Leiner“ in St. Pölten ein neues Bücherregal für Harland besorgt habe, weil meine Bücherberge im Wiener Schlafzimmer sich schon an den Wänden stapelten, ich nichts mehr gefunden habe und der Alfred stöhnte oder befürchtete, daß er und ich einmal von den Büchern erschlagen werden würden.

So noch ein Regal in das große Harlander Wohnzimmer stellen, in das ohnehin schon zwei an den Seitenwänden stehen und dann, als wir nach Weihnachten wieder nach Wien zurückgekommen sind, erstmals, die doppelt gereihten Büchstapeln in vier Bananenschachteln räumen, um sie nach Harland zu transportieren.

Da war das neue Jahr gerade ein paar Tage alt und der 2020 Lesestapel im Badezimmer mußte aktualisiert bzw. erweitert werden.

Das heißt, die alten Bücher weg und neue entsprechend meiner Leseliste dazugeräumt und da bin ich bald darauf gekommen, daß mir Vea Kaisers „Blasmusikpopp“ ihr Erstling mit dem sie ja sehr sehr jung, schlagartig berühmt wurde und den ich mir damals bei diesem Bloggertag in dieser Sozialbuchhandlung gekauft habe, fehlte und Ivan Mandys „Kino alter Zeiten“, ein Fund aus dem Schrank, eine alte DDR-Ausgabe, die mir interessant erschien, um sie möglichst bald zu lesen.

Also gesucht und gesucht, aber bei den schon sehr vielen zweilagig geräumten Regalen, erschien das etwas aussichtslos. Da war das Stapel abräumen schon eher hilfreich, weil ich die Bücher ja in Harland in das neue Regal eingeräumt und in meiner Kartei umgeräumt habe.

In Harland gibt es neben dem großen Wohnzimmer, noch das Balkonzimmer, in dem die Anna früher wohnte, das hat der Alfred einmal leergeräumt und nur das große Bett, das er sich glaube ich vom Patrick machen ließ und das einmal in der Gumpendorferstraße war, mit einigen Gerümpel hineingestellt.

Da war es naheliegend noch ein und zwei Regale hineinzustellen, die haben wir dann vor ein paar Wochen beim „Leiner“ bestellt, bevor dort die Regale nicht mehr lieferbar sind und ich habe weitere Bücherstapel in Wien abgeräumt und die beiden bewußten Bücher noch immer nicht gefunden.

Jetzt sind die Stapel am Boden weg und der Plan da, nach dem Ausmalen im Wiener Schlafzimmer ein weiteres Regal für die neuen Bücher dort aufzustellen, die ausgelesenen nehme ich ja schon länger nach Harland mit und habe da wohl noch für einige Zeit Platz in den Regalen und als meine Wiener Bücher schon  überschaubar waren, habe ich die zwei Bücher noch einmal gesucht und inzwischen auch gefunden.

Jetzt stimmt meine Leseliste bis auf den Salinger, den „Fänger im Roggen“, dieses Kultbuch, das man wohl  gelesen haben sollte und das war, glaube ich, vorigen Mai oder Juni einmal im Bücherschrank, zeitgleich mit Karen Köhlers „Wir haben Raketen geangelt“, ich habe es, glaube ich, mitgenommen, auf meine Leseliste gesetzt, dann aber wieder zurückgetragen, weil es unter Alfreds Büchern schon in Harland steht, aber auch noch von mir gefunden werden muß und ansonsten meine Lesepläne für 2020, möglichst wenige Neuerscheinungen, eher das Backlistlesen, wirklich alles von der Leseliste schaffen und nicht, wie in den Vorjahren, diese Listen einfach gegen Jahresende austauschen.

Mal sehen, ob ich es schaffe, ich bin bei Bücheranfragen ja nicht sehr widerstandsfähig und frage selber auch immer wieder an, so wie vor eineinhalb Tagen, als ich mich kurzfristig in einer schlaflosen Stunde entschloßen habe, die fünf Belletristik-Bücher des Leipziger Buchpreises anzufragen. Die Übersetzungen und Sachbücher habe ich ausgelassen, obwohl mich da auch einiges interessiert hätte.

Zwei Zusagen habe ich schon bekommen und jetzt ist es spannend abzuwarten, ob ich sie mit nach Leipzig zur Messe nehme, wie vorigen Herbst nach Basel bezüglich des „Schweizer Buchpreises“ oder ob ich sie schon vorher gelesen habe?

Derzeit lese ich noch an den Geburtstagsbücher vom Vorjahr, gerade den Eugen Ruge und dann habe ich noch zwei oder drei Rezensionsexemplare, die ich mir von der „Buch-Wien“ mitgenommen habe, ein paar Bücher sind noch vorbestellt, da warte ich immer noch auf Nele Pollatscheks Brexitbuch, das Ende Jänner an mich abgegangen ist.

Cornelia Travinecs „Feenstaub“ liegt noch im Badezimmer, da es erst Ende Februar erscheint und bei meinen Bücherumräumaktionen, die mich ja wieder das letzte Wochenende beschäftigten, die zwei neuen Regale im Harlander Balkonzimmer waren ja einzuräumen, habe ich wieder eine sehr interessante Entdeckung gemacht.

Denn ich war ja am achtundzwanzigsten Jänner etwas ratlos und wußte nicht so recht, wohin ich am Abend gehen sollte, habe mich dann für die Haupbücherei und das Buch der Fensehverfilmung des mir, wie, ich glaubte, völlig unbekannten Frank Tallis entschieden.

Weil ich da früh daran war, habe ich mich am Orlando-Büchertisch genauer umgesehen und mich auch mit der Buchhändlerin unterhalten und gesehen. Der mir Unbekannte hat schon eine ganze Reihe Wien-Krimis, die um die vorvorige Jahrhundertwende spielen, geschrieben und dann stand ich am Wochenende vor meiner Bücherkiste und hatte von ihm plötzlich „Rendevous mit dem Tod“ in der Hand, habe erstaunt in meinem Katalog nachgesehen und bin daraufgekommen, „Wiener Blut“ das Buch, das verfilmt und in der Hauptbibliothek vorgestellt wurde, schlummert auch in meinen Regalen, in Wien.

Ich habe es gestern bei meiner Vea Kaiser und Ivan Mandy Suche aber nicht gefunden, hätte im Augenbick ohnehin keine Zeit zu lesen und bin auch auf andere Schmankerln gestoßen, die ich lesen sollte und auf die ich mich schon freue. Die Neuerscheinungen locken aber natürlich auch.

2020-02-13

Elisabeth Klars und eigene Metamorphosen

Der erste Roman der 1986 geborenen Elisabeth Klar „Wie im Wald“, die ich, glaube ich, im Zuge dieser von Semir Insaif geleiteten Schreibwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ kennenlernte, hat mir ja nicht so gefallen, obwohl er hoch gelobt wure, den zweiten, 2017 erschienen, „Wasser atmen“ habe ich dann nicht gelesen, weil mir „Residenz“ nicht mehr seine Vorschauen schickte.

Jetzt ist der dritte „Himmelwärts“ erschienen und ich muß sagen, wenn  auch keine Metamorphose, so erlebte ich mit Elisabeth Klars Schreiben eine Veränderung oder Weiterentwicklung, so daß sich wieder einmal bestätigte, daß man ein Buch zu Ende lesen und von einer Autorin auch ein eiteres beginnen soll, wenn einem das erste nicht so gefallen hat.

Als ich den Veranstaltungssaal im Palais Wilczek erreichte, stand Manfred Müller schon am Podium und lobte das Buch in den überschweniglichsten Worten.

„Ein kleines Buch, das einem viel mehr gibt, denn wenn man es liest, hat man die ganze Welt erlebt!“ oder so. Vorher hat er noch etwas von einer Füchsin und einem Jonathan, der nach Huhn riecht und von männlichen und weiblichen Verwandlungen, etcetra, erzählt, was Elisabeth Klar, die sich, glaube ich, auch optisch verändert hat, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe, mit einem Lächeln quittierte und dann wiederholte, daß es um die Füchsin Sylvia ginge, die sich eine Menschenhaut übergestreift hat und, um eben diesen nach Huhn riechenden Jonathan, der für ein Jahr nach Brasilien gegangen ist und um eine Bar, die so, wie der Buchtitel heißt.

Die Füchsin Sylvia, die gerne tanzt, arbeitet oder jobbt auch auf der Mariahilferstraße, als Spendensammlerin und offenbar auch in einem Lokal im Prater und  Jonathan, der gerade von Brasilien zurückkommt und bei Sylvia einzieht, wachsen Engels oder Hühnerflügel, obwohl er immer ein Mensch gewesen ist.

Die Flügel will er dann loswerden, dazu braucht er eine Rattenkönigin, die am Karlsplatz in den Mistkübeln stirlt, eine alte Katze gibt es auch und in dem Lokal treten die Dragqueens auf.

Alles sehr verwirrend, schön erzählt und vorgelesen und was mich besonders freut ist, daß es auch um das politische Zeitgeschehen, die Flüchtlingsproblematik und anderes zu gehen scheint.

„Eine Utopie“ steht im Programm und offenbar auch am Buchrücken und Elisabeth Klar erzählte im Gespräch erstaunlich viel von ihren Erzählperspektiven und ihren Schreibblockaden, die sie während des Schreibens hatte.

Märchen oder Metamorphosen, beziehungsweise die literarischen Vorlagen wurden noch erwähnt und Semir Insaif, der im Publikum saß, erzählte wieder sehr viel von seinen Eindrücke und Erfahrungen, die er beim Zuhören hatte.

Das Damenteam des „Residenz-Verlags“ war gekommen, Gertraud Klemm, Christl Greller und noch einige bekannte Gesichter habe ich gesehen und mir das Buch wender gekauft, noch angeschnorrt, obwohl es mich sehr interessiert und über zwei literaische Ereignisse, eine gute und eine schlechte, die mir heute widerfahren sind, kann ich auch berichtetn.

Kam doch zuerst ein Mail von Christoph Kepplinger in dem er mitteilte, daß er sich entschloßen hat, keine „Lnkes Wort-Lesungen“ mehr am Volksstimmefest zu organisieren, was sich zwar ohnehin schon angebahnt hat und mir Gerald Grassl im vorigen Mai bei Peter Paul Wiplingers Geburtstagsfest schon andeutete und es ja auch die Anthologien von 2018 und 2019 noch nicht gibt, für mich aber ein Schlag im Wasser ist, denn wo werde ich dann noch lesen?

Die Antwort auf diese Frage kam dann gleich am Nachmittag durch ein Mail von Doris Kloimstein oder doch nicht so ganz, denn sie hat mich zu  keiner Lesung eingeladen, aber  zu einer Art Schreibwerkstatt beziehungsweise zu einer Bibelfestwoche ins Stift Seitenstetten, wo sieben Schriftsteller und sieben Maler vier Tage zu den biblische Prophezeiungen arbeiten sollen und  dann in einem Buch verewigt werden wird.

Was zwar  ein Sprung in eine ganz andere Richtung bedeutet, für eine Atheistin aber vielleicht auch sehr  spannend sein kann.

2020-02-12

Kriegserinnerungen

Zum dritten Mal in dieser Woche „Alte Schmiede“, nach Josef Haslingers Mißbrauchserlebnisse im Stift Zwettl und der Geschichte des argentinischen Geldes, geht es jetzt in den World war II oder überhaupt in das letzte Jahrhundert, denn die 1941 in Wien geborene und in Berlin lebende Ditha Brickwell hat in ihrem neuen Erzählband „Die Welt unter meinen Zehen“, über die geschehnisse der letzten hundert Jahre berichtet.

Jana Volkmann, die ich von der Literatur im Herbst kenne moderierte und Ditha Brickwell, die ich von den GAV GV kenne, beziehungsweise von ihr einmal ins Cafe Hummel eingeladen wurde, um mit ihr eine Lesung in ihrer Reihe, die nie stattgefunden hat, zu besprechen, las zwei Geschichten vor, die im Jahr 1945 spielen und scheint sich überhaupt sehr für dieses Thema zu interessieren, da ich sie schon einmal mit ihrem Vorgängerbuch in der „Gesellschaft“  hörte.

Da flieht eine Mutter mit ihrem Kind um den Bomben oder Fliegerangriffen in der Josefstadt zu entgehen, im winter aufs Land, muß dann den Zug verlassen, ein Stück auf einem Lastwagen weiterfahren und den Rest durch den Schnee waten, bis sich ein Förster ihrer erbarmt und das Kind auf den schultern ins nächste Gasthaus trägt, wo ich, glaube ich, schon im Sommer eine ähnliche Stelle im Cafe Prückl hörte.

Bei der zweiten Erzählung „Das macht der Krieg aus den Weibern“, ist der schon aus, die Mutter mit dem Kind wieder in der Josefstadt zurück und da dringen die Ratten aus den Kellern, die sind fett, weil sie sich offenbar von den Toten, die dort vergraben sind, ernähren und die Kriegsheimkehrer weigern sich sie zu erschlagen, da läßt sich die mutige Mutter den Schürhaken holen und geht ans Werk.

Eine Geschichte, die Ditha Brickwell mit sehr eindringlichen Wiener Dialekt- Dialogen unterfütterte und dann folgte, die 1958 in Klagenfurt geborene Helga Glantschnig, die ich auch aus der GAV kenne, einige Bücher von ihr in meinen Regalen habe, aber sonst schon länger nichts von ihr hörte. Jetzt hat sie bei „Klever“, die aus drei Heften bestehenden Kriegstagebücher, ihrer 1927 geborenen Mutter, die diese von 1943 bis 1945 schrieb und die eine eifrige NS-Anhängerin war,  herausgegeben und mit einem Essay versehen.

Interessant, so unmittelbar in den Krieg, beziehungsweise sein Ende einzudringen und ebenfalls interessant, daß sich Helga Glantschnig, die ja Romane, wie beispielsweise „Mirnrock“ geschrieben hat, gegen eine Fiktionalisierung wehrte und meinte, daß man das als nicht Betroffener nicht tun soll.

Ich habe das ja mit den „Wiener Verhältnissen“ versucht und, glaube ich,  eine ähnliche Reaktion bekommen und auch Takis Würger ist mit seiner „Stella“ wo er die Fiktion mit der Wirklichkeit vermischte gestoßen.

Ich habe die Tagebucheintragungen der Siebzehnjährigen, die gern ins Theater und ins Kino in Klagenfurt ging und dann mit dem Rad ins elterliche Dorf zurückfuhr und später Lehrerin wurde, sehr interessant gefunden und als mein Vater gestorben ist und wir die Wohnung auflösten auch ein Heft gefunden, wo meine Mutter ihre Eindrücke, da hat sie, glaube ich, auf meinen Vater, der noch in Gefangenschaft war, gewartet, geschildert.

Heute ist übrigens, kann ich noch ergänzen, ein historischer Tag, ist da ja nicht nur Thomas Bernhard ausgerechnet im Jahr des Mauernfall, der von Ditha Brickwell als ein sehr entscheidenes Datum erlebt wurde, es hat in Österreich auch den Bürgerkrieg gegeben, den man vielleicht als den Anfang vom Ende bezeichnen kann.

2020-02-11

Argentinisches Geld

Noch einmal „Alte Schmiede“, diesmal viel leerer und mein üblicher Platz in der zweiten Reihe viel leichter zu bekommen, dafür vier Personen am Podium.

Johanna  Öttl, die Moderatorin, Johannes Tröndle, der die Romanausschnitte des 1959 in Buenos Aires geborenen Alan Pauls auf Deutsch las, der Autor und seine Dolmetscherin und am Büchertisch lagen alle drei Teile der Trilogie auf, von der in der „AS“, der dritte Teil „Geschichte des Geldes“ vorgestellt wurde.

Dann gibt es noch die „Geschichte der Tränen“ und die der „Haare“ und Johanna Öttl erklärte in ihrer Einleitung, daß es in allen drei, um die Geschichte Argentinien der sechziger oder siebziger Jahre ginge und Alan Pauls der deutsche Wurzel hat und jetzt auch ein Jahr in Berlin verbringt, eine eigene mäandernde Schreibweise hat.

Er schreibt im Präsens, vermischt dadurch ständig, die Gegenwart mit der Vergangenheit und in der „Geschichte des Geldes“ liegt gleich ein von einem Helikopter gefallener Mann mit einem Koffer voller Geld, in der Wohnung oder Villa eines fünzehnjährigen Jungen und dann geht es in dem ganzen Buch, um das Geld, das man hat oder nicht hat und, das man vor der Inflation retten möchte, in dem man ein Haus baut, das schließĺich viermal so groß wird und zehnmal soviel kostete, als geplant und als es fertig ist muß man es schnell wieder verkaufen, weil man kein Geld hat, um es zu erhalten.

Es geht um eine Mutter, die für ihren Sohn eine Lebensversicherung abschließt,  ihn dann ständig, um Geld anschnorrt und, wie Johanna noch weiter ausführte, um noch noch zwei weitere Protagonisten, die des Geldes und der Sprache.

Einige Stellen wurden auf Deutsch und auf Spanisch gelesen. Es gab dann ein Gespräch in dem Johanna Öttl, den Autor genauer nach seiner Schreibweise befragte und am Schluß erkärte, daß man auf das vierte Buch noch warten muß, bis es auf Deutsch erscheint.

Einstweilen kann man die drei anderen lesen, was ich wahrscheinlich so bald micht machen werde, aber  einen mir bisher unbekannten autor kennenlernte und einen interessanten literarischen Abend erlebte.

Was die argentinische Literatur beziehungsweise ihre Autoren betrifft, kann ich übrigens auf den in Wien lebenden Lidio Mosqua Bustamante hinweisen, den ich durch Hilde Schmölzer kennenlernte, der einige Male auf meinen Geburtstagsfesten gelesen hat, von dem ich allerdings schon länger nichts mehr gehört habe.

2020-02-10

Josef Haslingers Fall

Der 1955 in Zwettl geborenene Josef Haslinger, der Mitbegründer des „Wespennestes“ und zu der zeit als ich in die GAV aufgenommen wurde, dort Generalsekretär war, den ich also öfter meine Manuskripte geschickt habe, der den „Opernball“, das „Vaterspiel“   und „Jachymov“ geschrieben hat, seit  1996 Professor am Literaturinstitut Leipzig ist und 2006 auch über den Tsunami  in „Phi Phi Island“ geschrieben hat, hat jetzt in einer Art Dokumentarbericht seine Mißbrauchserfahrungen, die er im Zisterzienserkonvikt Zwettl erlebte, aufgearbeitet und, ich glaube, schon bei den „Friedtagen im November“ darüber berichtete, aber da war auch die „Poet-Night“, wo ich mich mit einigen Leuten verabredet habe, so daß ich gerade vorher weggegangen bin und daher froh darüber war, daß Josef Haslinger heute in der „Alten Schmiede“ sein Buch „Mein Fall“ vorstellte und daher gerne die „Wilden Worten“ zu denen ich wahrscheinlich sonst gegangen wäre, ausließ und die „Alte Schmiede“ sehr sehr voll.

Als ich sie zwanzig Minute vorher mit dem Alfred erreichte, war der untere Saal schon voll und man konnte nur mehr das ganze über die Videoleinwand im „Schmiedesaal“, was ich ja nicht so gerne mag und mir einmal schon im ungekehrten Fall passierte, verfolgen.

Katja Gasser moderierte, leitete kurz ein,  dann las Josef Haslinger aus dem Buch in dem er offenbar seine persönliche Geschichte, wie er als zehn- zwölf- und dann auch äterer, sehr gläubiger Sängerknabenschüler, der Priester werden wollte, von den Patres mißbraucht wurde, als auch die Aufarbeitung dieser Mißbrauchsfälle, die es seit zehn Jahren durch die sogenannte Klasnic-Kommission gibt, schilderte.

Er hat offenbar auch schon vorher literarisch fiktional über die Geschehnisse beispielsweise im „Konviktskaktus“ geschrieben, die Namen der Täter aber erst nach ihren Tod genannt und hat sehr lange sehr berührende Stellen aus dem Buch gelesen, die natürlich sehr betroffen machen und eine Dame auch die Fragen stellen ließ, wieso er sich nicht wehrte und seinen Eltern davon erzählte?

Damals konnte man das wohl nicht und Josef Haslinger hat auch die sehr autoritären Strukturen in dem Stift geschildert und seine Abhängigkeit beziehungsweise emotionale Zugehörigkeit zu den Tätern, die sehr freundlich zu ihm waren.

Zölibat abschaffen, wären da meine Forderungen und in die Internate gehören auch Frauen, die auf die Geschehnisse achten und vor allem natürlich, die Kinder so selbstbewußt erziehen, daß sie sich das nicht gefallen lassen und sie wehren.

Ein sehr beeindruckendes Buch, ein sehr beeindruckendes Thema mit dem man sich beschäftigen sollte und eine lange Warteschlange vor dem Signiertisch, den Rudi habe ich gesehen, die Astrid Nischkauer, die Frau Schmidt-Dengler, die Helene Hofmann, aber auch sehr viele Leute, die ich nicht kannte und vielleicht zum ersten Mal in der „Alten Schmiede“ waren.

2020-02-09

Das Loch

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Das dritte bei „Kremayr&Scheriau“ erscheinene Buch der 1985 in Freudenstadt geborenen Simone Hirth, die das „Leipziger Literaturinstitut“ besuchte und offenbar mit Kind als Lektorin und freischaffende Autorin in Kirchstetten lebt.

Ich schreibe offensichtlich, denn in dem Briefroman „Das Loch“, geht es um Briefe, die eine offensichtlich in das „Mutterloch“ gefallene Frau an Gott und die Welt schreibt. um von dort wiederherauszukommen,.

Auf den etsten Seiten steht aber gleich „Handlungen und Personen in dem Buch sind erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich existierenden Personen ist nicht beabsichtigt und wäre daher Zufall.“ und dann sind diese Briefe an den Kanzler, an die Frauenministerin, an Jesus, Buddha, Mohamed, gerichtet.

Gut, könnte man sagen, der Kanzler und die Frauenministerin trägt keinen Namen und Jesus und Buddha hat es vielleicht nicht gegeben, den „Werther“ auch nicht, denn der ist eine Romanfigur, die Ulrike Meinhof, schon, und die Madonna, die Popikone, nicht die „Maria“, die Mutter Jesus, die auch noch vorkommt und dann gibt es noch den „Frosch“, das „Mumeltier“, und und , daß Simone Hirth sehr originell ist und ungewöhnliche Einfälle hat, weiß ich schon von ihrem Debutroman, obwohl das, was da in den Briefen vom 31. Dezember 2017 bis 31. Dezember 2018 da beschrieben wird, gar nicht so originell ist, sondern das, was wahrscheinlich jede Mutter im ersten Lebensjahr ihres Kindes erlebt und ich das Buch, die Doppelszusendung, ich habe es zweimal bekommen, wahrscheinlich der Anna geben werde, die zwar eine Tochter und keinen Sohn hat, aber vielleicht ebenso empfindet oder doch nicht so ganz, denn die namenlose Briefschreiberin, das heißt, sie unterschreibt ihre Briefe manchmal mit „Henriette“, dann aber wieder mit „eine Gläubige“, „eine Mutter“, „eine Fernseherin“, etcetera, hat das „Literaturinstitut in Leipzig“ absolviert.

Das steht auch in einem der Briefe, hat eine Lesung und eine Stipeniuumswohnung, die sie mit Sohn und Mann Jakob, bezieht und auf eine Buchmesse geht es auch.

Aber dann ist es schon aus, denn die Tagesmutter in dem Ort, er wird „Unterfelden“ genannt, ist über Jahre ausgebucht. Der Bürgermeister hat keinen Kindergartenplatz für die zweite Mutter, die sie dann doch kennenlernt. Der Mann Jakob scheint sich zu vertschüßen und ist nie da, wenn der Sohn schreit und die Schweigermutter stellt ihr ein Glas Nutella in den Eiskasten, das dann auch einige Briefe bekommt, bevor es verschimmelt weggeschmissen wird.

„Liebes Loch, du kannst deine Koffer packen du bist raus, gute Reise!“, steht als versöhnlichesEnde auf einer Ecke der orangen hinteren Vorumschlagseite und ich kann das Buch jeder jungen Mutter oder auch den anderen, die sich für das erste Jahr mit Kind, das schreit und schreit und doch sehr geliebt wird, sehr empfehlen.

Eine interessante Lektüre, obwohl mich am Anfang der Titel abgeschreckt hat, was aber eigentlich unverstänlich ist, denn ich habe ja auch schon von einem „Pensionsloch“ geschrieben.

2020-02-08

Heute ist Mittwoch

Jetzt kommt der neue und wie im Klappentext steht, bisher politischste Roman des 1948 im heutigen Kosovo geborenen und in Kanada lebenden oder gelebt habenden David Albahari, den ich einmal bei der „Literatur im Herbst“ kennenlernte und von dem ich „Die Ohrfeige“ und „Mutterland“ in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen habe.

Im Klappentext steht weiter etwas von „Schwarzen Humor und erzählerischer Raffinesse mit der vermeintliche Wahrheiten über  Opfer und Täter in Frage gestellt werden“ und es ist wahrhaft ein in sich habender Roman oder Kammerstück, für das man etwas Geduld benötigt um sich in es hineinzulassen und nicht in den vermeintlichten Widersprüchlichkeiten stecken zu bleiben.

„Es ist Mittwoch“, heißt das Buch, steht auch im Klappentext, weil am Mittwoch ein Mann, der namenlos gebliebene Ich-Erzähler, seinen an Parkinson erkrankten Vater in eine Belgrader Klinik zu einem Dr. Stankovic zur Untersuchung bringt und man denkt, aha, das Buch spielt an einem Tag, aber weit gefehlt, denn der Sohn geht auch am Donnerstag mit seinem Vater in die Klinik und sonst an die Donauufer spazieren und versucht da aus ihm seine Täterschaft im kommunistischen Gewaltregime herauszulocken, beziehungsweise erzählt der Vater sie ihm, weil sie laut Klappentext bei ihren Spazierengängen einem Mann begegnen, der ihm an seine Vergangenheit erinnern.

Der Sohn ist Ende fünfzig, seine Schwester drei Jahre älter, geschieden und deren Töchter, die Zwillinge, Mila und Anka, die deshalb und das gehört wohl zu dem beschriebenen Humor, so heißen, weil man leichter zum Abendessen „Mlilanka, essen fertig!“, rufen konnte, so daß diese nur in der Wir-Form redeten, was den Großvater reizte.

Jetzt sind die Zwillinge längst erwachsen, der Sohn ist nach dem Tod, der an Krebs verstorbenen Mutter zum Vater gezogen, um ihm beim Anziehen zu helfen, beziehungsweise zu den besagten Untersuchungen zu bringen und die Mutter hat der Vater, der offenbar, um einiges älter als sie war, obwohl das im Buch, glaube ich, nicht explizit erwähnt wird, kennengelernt, als er ein junger oder älterer Kommandeur war und sie noch Zöpfe hatte, die sie laut ihm abschneiden oder ihre Unterhose ausziehen sollte.

„Die Zöpfe gebe ich nicht her und die Unterhose hängt noch auf der Wäscheleine, weil man sie feucht nicht anhziehen und mit einer schmutzigen auf keine Kommatur gehen soll!“, sagte die Mutter und hat den Vater, der sie später quält, geheiratet.

Diese Stelle wird, was vielleicht ein wenig ungewöhnlich ist, dreimal im Buch wiederholt, später erfahren wir, der Monolog des Buches gibt das Geschehen nicht chronolisch wieder, daß sie den Vater, der nicht nur bei der Enteignung, die Bauern erschoß und folterte, sondern selber in einem Lager, auf der berüchtigten „nackten Insel“ war, an das ihn jener Unbekannte auf der Promenade erinnerte, verraten hat, in dem sie angab, daß er „Stalin in den Arsch kroch oder so“

Jetzt ist aber die Mutter gestorben, der Vater anParinkson erkrankt, die Schwester, deren Gatte ebenfalls ein Ekel war, geschieden und bekocht Vater und Sohn täglich, während sie sich weigert ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Auch so ein Widerspruch.

Es geht um die Frage der Schuld und, wie man es aushält, einen solchen Vater zu haben, das wurde schon erwähnt und darum, ob der Parkinson, die Strafe Gottes oder von wem auch immer, für das kommunistische Foltern ist und der schwarze Humor äußert sich auch gleich am Anfang, als der Sohn den Art nach Viagra fragt, weil der Vater dieses nehmen will.

„Warum nicht?“, antwortet dieser.

„Parkonson spricht nicht dagegen, nur der hohe Blutdruck täte dieses!“

So stapfen sie in die Apotheke, die Apothekerin hat nur eine 100 mg Packung. Sie kaufen noch ein paar solche und die Schwester schimpft dann mit dem Sohn, als die Packung in der Manteltasche leer ist, der Sohn geht wieder zu Dr. Stankovic, denn der Vater hat etwas von der Krankenschwester Nadica erzhlt, mit der er gern-

Die lacht dem sohn aus und sagt, sie habe ihn das Wasser für die Tablette gegeben, ihn ins Wartezimmer gesetzt und später laut vor den Patienten gefragt, ob er eine Erektion hätte?, worauf er errötet verschwunden wäre. Das tut der Vater, dement geworden, um vor seiner Vergangenheit zu flüchten, wie der Sohn vermutet oder mit dem Arzt deshalb darüber streitet, später noch einmal. Denn jetzt will der Sohn ihn in ein Heim überstellen, wird aber ein paar Tage später aus der Klinik angerufen, daß der Vater während der Untersuchungen verschwunden ist.

Ein interessantes Buch in dem man viel über die Geschichte Jugolsawien erfahren kann, in einem interessanten Stil geschrieben, den ich sehr empfehlen kann und mir daher wieder vornehme, auch meine anderen Albahari-Bücher, eines habe ich  bei unserer Donauradreise vor ein paar Jahren in Ulm bei dem Thalia-Abverkauf, den es dort gab, um einen Euro gekauft, möglichst bald zu lesen.

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