Literaturgefluester

2010-10-31

Korrigiermonat

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:52

In zwöf Stunden beginnt der Nanowrimo 2010. Jacqueline Vellguth von der Schreibwerkstatt berichtet schon seit einiger Zeit intensiv davon. Auf ihrer Seite haben sich inzwischen 135 Leute angemeldet, die mitmachen, eine Blogparade gibt es auch.
Ich weiß vom Nanowrimo seit drei Jahren. Da bin ich auf Judith Wolfsbergers „Writersstudio“ gestoßen und die hat davon berichtet. Wahrscheinlich habe ich die Seite zunächst nicht gefunden, dann doch davon gehört und vor zwei Jahren, als es schon das Literaturgeflüster gab, diese amerikanische Initiative, wo sich inzwischen weltweit, tausende meist sehr junge Leute sammeln, um mit Unterstützung einer virtuellen Gruppe, sich ein Monat hinzusetzen und mindestens fünfzigtausend Worte zu schreiben, passiv verfolgt.
Das ist eine interessante amerikanische Idee, die motivieren soll. Man soll den inneren Zensor, das „Das kann und darf ich nicht!“, ausschalten und darauf losschreiben, auf die Quantität kommt es an, mahnen die Betreiber und ermuntern typisch amerikanisch „Mist“ zu produzieren, was den Widerstand der deutschsprachigen Schreiber, die ja immer noch den Geniegedanken mit sich herumtragen, erregt. Was soll es bringen, hunderttausende zu ermutigen, einfach einen Roman zu schreiben, den man wahrscheinlich nicht veröffentlichen kann? Fünfzigtausend Worte sind auch zu wenig und da man dabei nichts verdienen kann, winken die Profiautoren ab, obwohl ein paar, wie zum Beispiel Petra Bauer mitmachen.
Ich habe das Ganze vor zwei Jahren über Nanowrimo.de und schriftsteller.werden.de verfolgt, denn da war ich beim Korrigieren der „Radiosonate“ und hatte keine Zeit mich aktiv einzulassen.
Voriges Jahr war das anders. Zwar war „Sophie Hungers Krisenwelt“ auch nicht fertig korrigiert, aber zumindest fast, so daß ich mich Ende Oktober entschlossen habe, es zur Seite zu legen und mit der „Heimsuchung“ begann. Die gibt es inzwischen als Buch und es war für eine, die schon lange schreibt, nicht schwer das Ziel zu schaffen.
Über dieses Stadium bin ich eindeutig hinaus, obwohl ich, wenn ich es vor zwanzig oder dreißig Jahre probiert hätte, nicht sicher wäre, es geschafft zu haben. Beim ersten Anlauf wahrscheinlich nicht. Da hätte ich vielleicht auch seitenlang Blödsinn vor mich hingeschrieben, um freizuwerden. Auf irgendeine Art und Weise habe ich das damals auch so gemacht, nur nicht gewußt, was ein Nanowrimo ist
Ich habe auf meinem Blog und bei Jackys Blogparade darüber berichtet, in der Heimsuchung gibts ein Nachwort über den Schreibprozess und ich habe viel gelernt. Für mich war es, wie ein Schreiburlaub, obwohl der November in Wien literarisch intensiv ist und nicht nur die Buch- Wien ablenkt. Trotzdem war ich am 19. 11. fertig und habe am Ende des Monats wieder die „Sophie Hungers“ korrigiert und ein bißchen was gelesen. Was ich dabei gelernt habe, war, mir genauer vorstellen zu können, wieviel fünfzigtausend Worte sind, seither schaue ich beim Schreiben immer nach, wieviel Worte ich schon habe.
So waren „Mimis Bücher“ und „Die Absturzgefahr“ ein eigener Nanowrimo für mich. Vor allem beim letzteren habe ich viel daran gedacht und da das als Monsterprojekt angelegt war, hatte ich geplant, im November den letzten Teil bei Nanowrimo.org angemeldet, daran zu schreiben. Das ging dann nicht, weil ich Ende des Sommers mit der Rohfassung fertig war. Jetzt bin ich beim Korrigieren in einem ähnlichen Status, wie vor zwei Jahren bei der „Radiosonate“.
Derzeit korrigiere ich jede Szene so lange, bis sie sitzt. Bin bei Szene 13 und Seite 53. Da ich inzwischen einen neuen Computer habe, hat sich meine Seitenzahl vergrößert. Es sind jetzt 121 Seiten und 61.984 Worte. Ob ich die im Laufe des Korrigiermontas auf die fünfzigtausend hinunterbekomme, glaube ich nicht und das soll es auch nicht sein.
Aber ich habe mich entschloßen, den November als Korrigiermonat zu nützen. Ein bißchen Motivation kann ich gebrauchen, habe ich in den letzten Wochen ja sehr vor mich hingetümpelt. Jetzt wird es, glaube ich, besser. Also fleißig korrigieren und schauen, wie es am dreißigsten November damit aussieht.
Die Statistikseite der Schreibwerkstatt kann ich trotzdem verfolgen und den Nanowrimoschreibern alles Gute wünschen. Habe ich ja einen weiten Schreibbegriff und lasse jeden schreiben, der das will und schreie auch nicht auf, wenn er sich damit schwer tut, sondern finde interessant, daß da unter Ausschluß der Öffentlichkeit und der Presse hunderttausend Leute einen Roman schreiben.
Ein bißchen kindisch ist das vielleicht bei den Scrapbooks und der Kaffeestatistik. Daß ein Notizbuch aber gut ist, habe ich an mir selbst erfahren, ich muß es ja nicht selber basteln und kitschige Sticker hineinkleben und beim Kaffeetrinken würde ich inzwischen auch aufpassen und denke, daß ich mir, um mitzumachen, nicht unbedingt ein paar Kilo anessen muß. Mit zwanzig habe ich aber auch weniger auf meine Gesundheit geachtet und hätte vielleicht gedacht, daß das hilft und ich bin im vorigen Jahr viel herumgerannt, was auch nicht so gesund ist.
Das wird auch so bleiben, habe ich von der Buch-Wien ja erfahren, daß meine Eintrittskarten am Autorenstand bereitliegen und Einladungen für die Eröffnung und für den Toleranzpreis wollen sie mir auch schicken, wenn ich für sie blogge. Es wird also nicht weniger dicht werden, auch wenn ich alleine für mich korrigiere und am Ende des Monats oder zwischendurch bekanntgebe, wie weit ich damit gekommen bin.
Mein Ziel ist meine Sprache zu verbessern, das einen Verlag zu finden, hat sich inzwischen aufgegeben, was natürlich schade ist, diese Chance nicht zu haben, meine Bücher sind aber trotzdem schön.
„Die Absturzgefahr“ wird das vierundzwanzigste werden. Dann kann es wieder losgehen mit dem Nanowrimoschreiben. Vielleicht im Frühjahr für mich allein oder im November offiziell angemeldet, mal sehen wie es wird.

2010-10-30

Weltspartag, Ohrenschmaus und Reisereportage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Alles in einem Tag und dazwischen gabs noch die Abrechnung zu machen. Zwischen den WGPV-Honorarnoten und denen an die WGKK bin ich in die Bank gegangen, um mich ein Viertelstündchen mit meinem Bankfreund zu unterhalten, eine Weinverkostung gabs am Weltspartag auch, allerdings keine Geschenke mehr für Erwachsene. Die Künstlerin, die mich vor zwei Jahren zu einer Lesung eingeladen hat, die nie stattfand, habe ich dort getroffen und um fünf war Ohrenschmaus Jurysitzung im Albert Schweitzerhaus.
Vorher habe ich versucht meine Rechnungen an die Sozialversicherung zu schicken und meine Juryvorschläge durchgeschaut. Eva Singer schickte, die von Kurt Palm und Ludwig Laher, die sich entschuldigen ließen und da habe ich neue Jurymitglieder vorgeschlagen, von denen ich gerne hätte, daß sie zu den Sitzungen kommen. Ludwig Laher ist aber in Japan auf Lesereise. Andrea Stift war da, ebenso Heinz Janisch und Barbara Rett.
Die Entscheidung zu den neuen Prosa, Lyrik und Lebensberichtsiegern ist relativ schnell erfolgt. Am 30. November ist die Preisverleihung, bis dahin werde ich die Laudatio für den Lyrikpreis schreiben. Es gibt schon einen Ablaufplan, Michaela König wird mitmoderieren und eine Stepeinlage gibt es, glaube ich, auch.
Sehr spannend und man kann sich schon darauf freuen.Vorerst war ich einmal froh, daß es so schnell gegangen ist, wollte ich am Abend doch ins Radiokulturhaus gehen, denn da wurden die literarischen Reportagen auf den Spuren Joseph Roths „Mit Sprache unterwegs“ vorgestellt und das ist ein Projekt über das ich schon geflüstert habe.
Christiane Zintzen hat es Anfang des Jahres in ihrem Blog vorgestellt und die Vorberichte der Autoren gebracht. Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollak, Doron Rabinovici, Peter Rosei und Sabine Scholl haben ein Reisestipendium bekommen, sich damit eine Gegend ausgesucht und darüber berichtet. Eugenie Kain hätte auch mitmachen sollen, ist im Jänner aber verstorben.
Die Endfassung gibt es als Buch der Edition Atelier, herausgegeben von Kurt Neumann und Manfred Müller, was noch bei diesem Projekt zu erwähnen ist, ist, daß es offenbar in Kooperation aller österreichischer Literaturhäuser, der Gesellschaft für Literatur und der Alten Schmiede durchgeführt wurde und wird dort auch auf Tournee gehen und im Sommer sendet der ORF die Texte im Literaturprogramm. Günter Kaindlsdorfer hat mit Ilija Trojanow moderiert, sieben Autoren waren anwesend und wurden in drei Runden vorgestellt, dazwischen gab es Proben vom Josephs Roths Reportagen.
„Da müssen sich die zehn sehr anstrengen, ihr Vorbild zu erreichen!“, hat der Joseph Roth Verehrer Otto Lambauer kommentiert, als ich im Jänner davon berichtet habe.
Sie haben sich angestrengt und es sind interesante Texte herausgekommen. So ist Clemens Berger den Burgenländern nachgefahren, die um die Jahrhundertwende nach Amerika auswanderten, während Christoph W. Bauer, Joseph Roth nach Paris, aber auch nach Lemberg und in seinen Geburtsort nachgefahren ist.
Doron Rabinovici hat es nach Sri Lanka verschlagen, wo die jungen Israeli nach drei Jahren Militärdienst die große Freiheit suchen, dort aber von verschienenen Rabinern missioniert werden. Bei der Shortlistenlesung in der Hauptbücherei hat er darüber berichtet. Peter Rosei war mit seiner Reportage, glaube ich, in Ungarn, hat Günther Kaindlsdorfer aber viel von seinen früheren Reisen erzählt. So ist er mit H. C. Artmann mit dem Motorrad durch Italien gefahren, mit Kurt Neumann war er in der hohen Tatra und in Wien läuft er auch sehr viel herum.
Runde drei bestand aus Martin Pollack und Anna Kim. Martin Pollack hat sich auf die Spuren der burgendländischen Roma gesetzt, die im zweiten Weltkrieg in Polen ermordet wurden und wollte wissen, ob es in den Dörfern Erinnerungspunkte an sie gibt. Es gibt aber keine Gedenksteine und Tafeln und über die Meldelisten kann man auch nicht herausbekommen, wieviel Romafamilien heute dort leben.
Sabine Scholl habe ich vergessen, die war in Siebenbürgen und hat die deutsche Kultur gesucht und soweit passen die Ziele auch zusammen und zu Joseph Roth. Anna Kim fällt mit ihrer Grönlandreise aus der Reihe, aber dort spielt ihr neuer Roman spielen und Grönland ist für eine literarische Recherche sicher interessant, auch wenn Joseph Roth nicht dort gewesen sein wird. Der hat in den Neunzehnzwanzigerjahren die junge SU bereist und ist in Paris elend verstorben und von Radek Knapp, der nicht anwesend war, habe ich in Christiane Zintzens Blogs gelesen, daß er sich mit dem Flugzeugabsturz in Smolenz beschäftigt hat.
Das hat mich interessiert, habe ich es ja für die „Absturzgefahr“ gebraucht. Wo Lydia Mischkulnig gewesen ist, weiß ich jetzt nicht, kann es aber bei Christiane Zintzen nachlesen, im Buch steht auch einiges über Eugenie Kains Reisepläne.
Das Buch ist also interessant und das Radiokulturhaus war sehr voll. Marianne Gruber, Silvia Bartl, Julya Rabinowich, Semier Insayif und noch viele andere habe ich gesehen und die Diskussion war sehr vielschichtig, wurden die Autoren ja nicht nur nach ihren Reisen befragt, es wurde auch diskutiert, was sich seit Joseph Roths Zeiten verändert hat?
Daß man von Innsbruck nach Wien in fünfundvierzig Minuten und achthundertfünfzig Stundenkilometern gelangen kann, war Christoph W.Bauers Antwort. Man braucht also keine Automaten mehr, wo man sich die Reiselektüre für die lange Fahrt am Bahnhof ziehen kann, wie es Joseph Roth Anno 1920 beschrieb.
Wozu braucht man überhaupt Reisereportagen, wenn jeder selber an die Orte fahren kann, war die nächste Frage?
Dazu fällt mir ein, daß ich beim Writersstudio Eröffnungstag einen Schnupperkurs in „Travel Writing“ besucht und die hohe Tatra mit allen Sinnen beschrieben habe und als ich im Jänner das Projekt beflüsterte, habe ich dem Otto geantwortet, daß ich auch mit Sprache unterwegs sein werde. Ich war es inzwischen auch, in Leipzig, auf der hohen Tatra, in Krakau und in Harland in der Sommerfrische und natürlich komme ich fürs Literaturgeflüster auch ohne Reisestipendium viel herum an den literarischen Orten Wiens, die ganz ohne Stipendium für mich und die, die es interessiert, beschreibe. Eines der nächsten Projekte wird die Buch-Wien sein und dafür habe ich inzwischen eine Einladung bzw. eine Empfehlung bekommen.

2010-10-28

Anima Mundi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

„Anima Mundi“ von der 1957 in Triest geborenen Großnichte Italo Svevos Susanna Tamaro, die mit ihrem Liebesroman „Geh wohin das Herz dich trägt“, berühmt geworden ist, ist ein Entwicklungsroman, so einer wie Siddharta oder Ruth Aspöck „Kannitverstan“.
Er beginnt mit einer philosophischen Einführung, ist in drei Teilen „Feuer – Erde – Wind“ gegliedert und man muß erst zwei Seiten lesen, bis man auf den Ich-Erzähler Walter stößt, der zum Begräbnis seines Vaters in das Dörfchen im Karst zurückgekommen ist, bei dem drei alte Männer soetwas wie die Internatione singen und kein Pfarrer erwünscht ist.
Nach und nach erfährt man von Walters Leben. Der Großvater war im ersten Weltkrieg, der Vater bei den Partisanen, ist dabei zum Trinker geworden, die Mutter eine ehemalige Lehrerin glaubt an Gott, der Vater an den Teufel und man denkt, das schließt direkt an den Konformisten an und dieser ist ein Sohn desselben, obwohl Walters Vater auf der anderen Seite kämpfte.
Walters Kindheit verläuft unglücklich, wie die Pubertät eben verlauft. Die ersten Jahre seines Lebens ist er ein Musterschüler, dann macht er eine Wandlung durch, beginnt zu trinken, läuft von zu Hause weg, schließt sich einem Wanderzirkus an, gerät schließlich in die Psychiatrie, wo er seinen einzigen Freund Andrea kennenlernt.
Im zweiten Teil ist er nach Rom gezogen, arbeitet dort als Tellerwäscher, wohnt in Untermiete mit einem Studenten, schreibt einen Roman, der sich nicht gut verkauft und, um nicht zu verhungern Texte für Pornofilme, obwohl er gar keine Erfahrung damit hat, wird der Geliebte einer verheirateten Frau und verliert die Mutter an Krebs, bevor er zehn Jahre später zurück in das Dorf kommt, in dem der Vater im Sterben liegt. Walter haßt den Vater, doch der bittet ihn um Verzeihung und einen Brief von dem Jugendfreund findet er auch.
Im dritten Teil geht er zu ihm in ein Kloster, findet dort aber nur eine alte Nonne vor, die ihm zu seinem Grab führt, der sich inzwischen umgebracht hat.
In dessen Zimmer findet er wieder Briefe, in dem Andrea ihm von der Schuld seines Vaters, der im Krieg seinen Freund tötete und dann nicht mehr gesprochen hat und der eigenen in der Fremdenlegion erzählt. Und während Moravias „Konformist“ damit beginnt, daß der kleine Marcello Eidechsen tötet, steht hier auf Seite dreihundertneun der Satz „Schon die Kinder töten gern, sie töten Ameisen, Vogeljunge im Nest und, wenn sie können, sogar Kätzchen Warum soll man als Erwachsener damit aufhören? Warum ist uns nur die Möglichkeit gegeben worden, Leben auszulöschen, nicht aber etwas zu erschaffen?“
„Was ist das Böse?“, fragt Walter die alte Nonne, die ihm die entsprechende Antwort gibt. Er bleibt bei ihr, bis sie stirbt, um sie zu begraben und ihr, nach ihrem Wunsch das Friedensgebet des heiligen Franziskus vorzulesen.
Beim Lesen dieses Bücherschrankbuchs ist es mir ein wenig seltsam gegangen. Denn einerseits passt es exakt zu der Lektüre des „Konformisten“.
Moravias Bilder mit denen er den Faschismus erklärt sind stärker und sie sind auch sehr erotisch. Susanna Tamaro liest sich leicht dahin. Die Philosophie, der Buddhismus fallen auf. Dann denkt man, das hat man doch schon alles gelesen. Ich war zwar nie eine besondere Hesse-Freundin und habe Siddharta auch nicht als das Kultbuch gelesen, doch die Idee, das Leben als Gleichnis zu erzählen, erscheint einleuchtend und tröstlich ist es auch.
Im zweiten Teil mußte ich ein bißchen passen, da erschien mir die Künstlerparabel doch ein wenig zu klischeehaft. Die Idee, das Ganze aber auf den Krieg und den Faschismus zurückzuführen, ist wieder interessant. Das Leben geht weiter, lautet die Botschaft und die Kinder der Konformisten bzw. der Partisanen, haßen später ihre Väter, werden Alkohol- oder Drogensüchtig, versuchen sich als Künstler zu verwirklichen und werden dabei ausgenützt…
Ob am Ende alle die Erleuchtung finden und, ob die in einem Kloster verborgen ist, weiß ich aber nicht.

2010-10-27

Aktivitätsbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:20

Zum Korrigieren der „Absturzgefahr“ komm ich nach wie vor nicht viel. Im September wars der Motivationsschub der fehlte, dann habe ich vierzehn Tage händisch am Manuskript herumgestrichen und mir anschließend vorgenommen, es Kapitelweise durchzugehen und zwar jedes solange bis es sitzt. Kommen ja immer Feedbacks, daß meine Sprache voller Fehler wäre und der Satzbau nicht stimmt. Dazu passt auch der lange Brief, den ich vom Martin bekommen hat. Denn der hat sich ja „Mimis Bücher“ mitgenommen, es genau gelesen und gefunden, daß ich zwar einige Sätze, wie Thomas Bernhard hätte, aber „Thomas Bernhard bist du nicht!“
No na, das ist ja auch der Gott der österreichischen Literatur, der, wie ich gerade in einem Artikel von Janko Ferk gelesen habe, den Nobelpreis nur deshalb nicht bekommen hat, weil das Komitee befürchtete, er könne das Geld zwar nehmen, sich aber mit einer Rede revanchieren, die sich gewaschen hat und das Komitee lächerlich auf ewig macht. Ich bin auch kein Mann und so negativ will ich ganz ehrlich nicht schreiben, das geht der Verhaltenstherapeutin in mir inzwischen auf die Nerven. Übertreiben tue ich eigentlich auch nicht sehr. Alles ist ehrlich, naiv und realistisch und so, wie ich es haben will. Trotzdem bemühe ich mich aber und versuche an der Sprache zu arbeiten, um besser zu werden. Ich glaube inzwischen auch, daß ich das jetzt kann und da würde ich schon glauben, daß das mit dem regelmäßigen Bloggen im Literaturgeflüster zusammenhängt.
Es war aber im Oktober viel los. Frankfurt, die Einladungen zum Geburtstagsfest, die Aussendung bezüglich neuem Buch. Die Ohrenschmaustexte habe ich mir durchgesehen und vorige Woche hatte ich zu den üblichen zehn-bis fünfzehn Therapiestunden noch viermal Diagnostik und dann sitze ich über den Befund. Das geht zwar schnell bei mir und gehört zum Gebrauchsschreiben, das von meiner literarischen Praxis sicher profitiert. Eine Stunde brauch ich aber schon und die Tests muß ich auch auswerten. Am Wochenende gabs den kulturpolitischen Arbeitskreis und die GAV-GV und am Montag darauf die Vorbereitungen zu den Mittleren V und die sitzen mir seit einigen Jahren, Stammleser wissen es, etwas im Magen, wegen der Schwierigkeiten, die ich mit dem Literaturhaus hatte, das ja irgendwann darauf gekommen ist, daß es diese Lesereihe nicht will, weil man glauben könnte, es wäre schlechte Literatur damit gemeint und das Literaturhaus umstrukturien wollte.
Es hat inzwischen ein neues Logo, eine neue Homepage und auch Silvia Bartl eingespart, einige neue Veranstaltungen wie z. B. eine Zusammenarbeit mit dem Hochschullehrgang für Sprachkunst und die Priessnitz-Preisverleihung findet nicht mehr, um den Nationalfeiertag sondern erst eine Woche später statt und die „Mittleren“ sind im Amerlinghaus gut aufgenommen worden.
Die Lesenden kommen inzwischen selbst zu mir und melden sich an und, daß Cornelia Travnicek, Andrea Stift, Gabriele Petricek, El Awadalla, Ruth Aspöck ect, schlechte Literatinnen wären, wird keiner behaupten und ich finde für meine Bücher eben keinen Verlag, mache sie daher selbst, was ein Faux pas ist und man nicht darf, ich weiß. Sie sind aber sehr schön, billig und erscheinen schnell und andere machen das auch, nur schreiben sie einen Verlagsnamen darauf und kaufen sich eine ISBN Nummer.
Ich kann es nicht verändern und da es das Amerlinghaus noch gibt, gabs auch kein Problem mit den Mittleren V.
Hilde Schmölzer und Gabriele Petricek haben sich schon vor einiger Zeit bei mir gemeldet, daß ich Margot Koller, Marietta Böning und Ilse Kilic einladen wollte, war mir auch bald klar. Die Frauen nämlich, die ich bei meinen Erkundungen im Literaturbetrieb treffe und denen Literatur ich gern präsentieren will.
Trotzdem, wahrscheinlich weil ich früher etwas schüchtern war, hatte ich am Montag ein flaues Gefühl im Bauch und beim Amerlinghaus muß man bis zum Nachmittag warten, bis das Büro besetzt ist. Die Lisa war dann auch nicht da, so daß es erst beim dritten Anlauf klappte. Dann wars kein Problem, denn das Amerlinghaus freut sich über GAV Veranstaltungen und ich hatte gleich den Termin, nämlich den 23. März 2011. Hatte ich ja diesmal nachgeschaut, wann die Leipziger Buchmesse ist, weil ich dadurch bei einigen Veranstaltungen etwas behindert war. Also die Autorinnen anrufen. Das war etwas schwierig, denn bei Marietta Böning besetzt. Von Margot Koller hatte ich die Handynummer. Im GAV-Verzeichnis stehen meistens Festnetznummern und die Leute sind dann nicht zu Haus. So Gabriele Petricek, der hab ich also ein Mail geschrieben. Hilde Schmölzer war zu Hause. Bei Ilse Kilic lief das Band. Als ich nach Marietta Bönings Mailadresse suchte, kam schon die Antwort von Gabriele Petricek, die mir mitteilte, daß sie sich derzeit in den USA befindet und den wundervollen farbenduftenden Indian Sommer dort genießt, im März ist sie aber da und die Mails an Marietta Böning habe ich zurückbekommen. Zwei Adressen hatte ich von ihr. Ilse Kilic hat mir eine dritte gegeben, da war es dann schon spät und ich bin ja ein bißchen schlampig. Also machte ich einen Punkt zuviel und bekam auch das zurück. Günter Vallaster gab mir dann die Handynummer, so daß ich das Programm diesmal erst am nächsten Tag ans Amerlinghaus und an die GAV schicken konnte. Aber jetzt ist alles fixiert und kann bis zum Vorbereitungstreffen ruhen.
Das heißt, ich habe mir schon ein bißchen die Mitwirkenden der Mittleren VI überlegt. Patricia Brooks könnte ich einladen, Dine Petrik vielleicht und Lale Rodgarkia-Dara schreibt ja auch sehr schön und experimentell. Die Ideen werden mir nicht ausgehen, bin ich ja an der Gegenwartsliteratur interessiert und komm hier viel herum.
Ja und für die, die es ohnehin schon wußten und die es vielleicht auch freut, es wird nichts mit der „Sophie Hungers“ im Arovell Verlag. Da wollte Paul Jaeg, daß ich ihm was für 2011 zuschicke, ich wollte aber nicht solange warten, also habe ich es vorher an die Druckerei geschickt und ihm das geschrieben. Er antwortete, er schickt es seiner Tochter, die sich im Herbst melden wird, aber kein Verlag nimmt was schon Erschienenes ect…
Es wäre auch ein bißchen komisch, weil es am 6. Dezember schon die Lesung in der Alten Schmiede gibt und eine schöne Literaturhausrezension vom Janko Ferk und von mir inzwischen zwei neue Bücher. Eva Jancak wird also beim Selbermachen bleiben, aber schauen, daß die „Absturzgefahr“ sprachlich besser wird.
Damit warte ich dann wahrscheinlich auch kein Jahr, aber vor Ostern wird es sicher ohnehin nicht fertig.
Jetzt hab ich noch ein paar Nachmittagsstunden, dann gehe ich wieder einmal in den Salon Philosophique, den Martin Poltrum bzw. Michael Musalek in der Gabarage in der Schleifmühlgasse betreiben, da war ich vor zwei Jahren zwei Mal, dann war es mir zu philosophisch, aber heute war Hermann Nitsch mit seinem Buch „Das Sein. Zur Theorie des Orgien Mysterien Theaters“ zu Gast und das hat mich interessiert. Ist Hermann Nitsch ja nicht nur GAV-Mitglied, sondern mit seinem Werk auch sehr gespalten, so hat es Michael Musalek jedenfalls genannt und damit gemeint, daß er nicht weiß, wieviele Leute kommen. Es war sehr voll in der Garbarage und ich habe auch einige persönliche Nitsch Erlebnisse. Da war ich doch einmal bei einer Augustin Führung noch im Museum Liechtenstein, man sollte sich ein Bild aussuchen, daß einem am wenigsten gefällt und es mit einem roten Punkt markieren. Ich habe das gemacht und nicht geschaut, von wem es ist. Es war natürlich ein Schüttbild von ihm und dann hat mich der Martin einmal in die Oper eingeladen. Es gab, glaube ich, „Herodia“. Ich habe wieder nicht geschaut und gedacht, die Bühnenbilder sind großartig, sie waren von Hermann Nitsch und einmal bei den drei Buchteln habe ich ihn für einen Sandler gehalten, dabei ist er ein sehr beeindruckender älterer Herr, sehr elegant gekleidet mit seinem weißen Bart, der auch philosophisch sehr viel intus hat und das Leben, wie er sagte, voll bejahen möchte und dazu gehört der Schmerz, die Krankheit und die Angst vor dem Tod.
Wie wahr, dann drängte es ihm ins Gasthaus, das der Umar am Naschmarkt war und ich bin bei einem Gläschen Rot, das einem interessanterweise, das Anton Proksch Institut für Suchtforschung, besser bekannt als Kalksburg spendete, herumgestanden, bis ich mit zwei Leuten in ein interessantes Gespräch gekommen bin.

2010-10-26

Der Konformist

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:46

In dem 1951 erschienenen Roman von Alberto Moravia erklärt der 1907 geborene Dichter, wie der Faschismus entstehen kann, wie sinnlos er ist und, daß die Menschen mit ihren Trieben solchen Strömungen ausgeliefert sind und nicht viel dagegen tuen können.
Das Buch, das 1970 von Bernardo Bertolucci verfilmt wurde, ist in ein Vorspiel, ein Nachspiel und zwei Teile gegliedert.
Das Vorspiel beginnt in dem der dreizehnjährige Marcello den Sadismus in sich entdeckt. Er geht in der Mittagszeit in den Garten, beginnt mit einer Gerte zuerst Blumen zu köpfen, später Eidechsen zu töten. Er versucht zuerst von seinem Freund Roberto, später von seiner Mutter entlastet oder bestraft zu werden. Aber die junge Mutter hat nur ihre Kleider und ihre Vergnügungen im Kopf und hört nicht zu, der Vater, ein Staatsbeamter, ist im Begriff wahnsinnig zu werden, die Köchin ist auch keine richtige Unterstützung.
Marcello wird im Gymnasium wegen seiner weiblichen Züge Marcelina genannt, von den Burschen verhöhnt und überfallen, so daß er von einem ehemaligen Priester, der ihm scheinbar hilft, in dessen Wohnung gelockt wird. Um die Pistole, die er sich so sehr wünscht, zu erhalten, geht er hin und schießt auf den Prister, als ihn dieser vergewaltigen will.
Von dieser Schuld will sich der Dreißigjährige 1937 im faschistischen Rom befreien, in dem er sich der Geheimpolizei anschließt, um mitzuhelfen einen Widerstandskämpfer, seinen ehemaligen Professor zu beseitigen. Der ist nach Paris geflüchtet, so macht Marcello seine Hochzeitsreise dorthin und erfährt im Zug von seiner Frau Guilia, die ihn sehr liebt, daß sie seit dem Tod ihres Vaters von einem Freund der Familie zu einem Liebesverhältnis gezwungen wurde und daher nicht mehr Jungfrau ist.
Bei einem Besuch bei Professor Quadri verliebt sich Marcello in dessen Frau Lina, die zwar mit ihm spielt, aber offensichtliche Neigungen zu Guilia hat, die diese ablehnt, so daß die Enttäuschte am nächsten Morgen mit ihrem Mann in das Landhaus fährt und nicht, wie sie eigentlich wollte, mit Marcello und Guilia nach Versailles und weil sie sich, als die Faschisten kommen, vor ihren Mann wirft, mit ihm getötet wird.
Im Nachspiel ist der Krieg vorbei, der Diktator gestürzt, der König wieder an die Macht gekommen, die Mussolinibüste erweist sich aus Gips. Marcello hat auf Raten eine schöne Wohnung und ein Auto gekauft, das Schlafzimmer ist schon abbezahlt, die kleine Tochter liegt kokett in Bettchen, um zu beten, mit ihren Puppen zu spielen und sich ein Kätzchen zu wünschen.
Am nächsten Morgen fährt die Familie aufs Land, man weiß nicht genau, ob sie nach Rom zurückkommen oder nach Argentienien flüchten wird, Marcello hat jedenfalls in der Nacht zuvor erfahren, daß seine Anpassung an den Faschismus sinnlos war, hat er doch den ehemaligen Priester wiedergetroffen, den er gar nicht getötet hat.
Unterwegs werden sie von einem Fliegerangriff überrascht. Guilia und Lucilla werden getroffen, während der Konformist überbleibt….

2010-10-24

Notting Hill

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:35

Im Bücherschrank gibts natürlich viel Chick lit und Unterhaltungsliteratur, das halt was die Leute gern lesen und so habe ich mir auch schon eine Hera Lind und eine Gaby Hauptmann genommen und den Film „Notting Hill“ mit Julia Roberts und Hugh Grant, den es vor ein paar Jahren gegeben hat, hätte ich auch gern gesehen. Habe ich aber nicht und so konnte ich dem Roman von Philip O` Connor, nach dem Originaldrehbuch von Richard Curtis, als ich am Freitagabend vom Literaturhaus kam, nicht widerstehen und habe auch die Lektüre von Alberto Moravias „Konformist“, der auf der Leseliste steht, unterbrochen und das Buch ganz schnell vorhin in der Badewanne gelesen. Jetzt bin ich zwar nicht enttäuscht, aber sehr viel Neues habe ich nicht erfahren.
Der Film war wahrscheinlich spannend und sehr glänzend, das Buch ist unterhaltsam dahingeschrieben, kein Klischee wurde ausgelassen. Manchmal macht es beim Lesen trotzdem Schwierigkeiten und man weiß nicht, wo man ist, dann geht es aber wieder flott dahin.
Der Buchhändler William Thacker hat einen Reisebuchladen in Londons Portobello Road, der nicht gut geht, trotzdem hat er einen Angestellten und einen Stammkunden, der allerdings lieber Belletristik lesen will. Er hat auch eine Schwester, einen chaotischen Untermieter und eine sehr unaufgeräumte Wohnung. Während er sich über eine Signierstunde ärgert, erscheint der amerikanische Superstar Anna Scott in seinem Laden und verwirrt ihn so sehr, daß er ihr etwas später Orangensaft über die Bluse kippt. So muß er sie in seine Wohnung mitnehmen, damit sie sich umziehen kann, sie drückt ihm ein Küßchen auf den Mund und verschwindet, ruft aber an. Der chaotische Spike richtet das erst drei Tage später aus, so platzt William in eine Pressekonferenz und gibt sich als Reporter von „Horse und Hound“ aus. Anna will den Abend mit ihm verbringen, William nimmt sie zur Geburtstagsfeier seiner Schwester Honey mit und alle staunen.
Die beiden gehen auch ins Kino und da William seine Brille nicht finden kann, muß er eine Taucherbrille aufsetzen. Die schöne Anna trägt auch ständig eine Sonnenbrille zur Tarnung, ist lieb und saft und deutet freundlich etwas von einem schwierigen Leben an. In einem Restaurant hört sie, wie die anderen über sie herziehen und behaupten, daß sie sehr schnell ins Bett zu bekommen ist.
Wirkliche Schwierigkeiten treten auf, als Anna William in ihr Hotelzimmer mitnehmen will. Ist doch inzwischen der Verlobte Jeff erschienen, so daß sich William als Zimmerkellner ausgeben muß, um verschwinden zu können. Anna taucht am nächsten Morgen aber mit einem Koffer in seiner Wohnung auf. Denn von ihr wurden Jugendsündenfotos entdeckt, so daß sie vor den Reportern fliehen muß. Spike verständigt aber die Presse, so daß Anna wütend nach Amerika entschwindet und es erst einige Mißverständnisse zu beseitigen gilt, bevor sich das Paar zur Traumhochzeit finden und sich in einem beschaulichen Garten in Notting Hill zum weiteren Liebesglück zurückziehen kann.

Schriftstellertreffen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52
© Rudi Lasselsberger

© Rudi Lasselsberger

Wieder einmal Generalversammlung in der Alten Schmiede, am Freitag gabs ja schon die Lesung der im Vorjahr neuaufgenommenen Mitglieder, weil ich die wegen der Best of Lesetheaterveranstaltung versäumte, konnte ich die erst am Samstag kennenlernen und ich war auch auf die neue Alte Schmiede sehr gespannt.
Die GV fand aber wieder in dem schon bekannten Schmiedemuseum mit Eingang durch den Zeitschriftenraum statt und das war sehr angenehm, weil Kaffee, Saft, Brot und Kuchen, man konnte gleich ein bißchen Smalltalk treiben und die Kollegen, die man schon ein Jahr nicht gesehen hat begrüßen. Ich treffe hier ja immer Margot Koller. Dietmar Füssel war da, aber auch Doron Rabinovici und Angelika Reitzer von den schon berühmten und natürlich all die anderen, die ich auch öfter bei Veranstaltungen sehe. Die Lesetheaterfrauen beispielsweise oder die, die ich noch vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne. Bruni Langthaler, Elfriede Haslehner, Judith Gruber-Rizy, Hilde Schmölzer, ect.
Ich bin in der zweiten Reihe zwischen Margot Koller und Irene Wondratsch gesessen, als erstes haben wir gleich Bücher getauscht, bzw. hat mir Irene Wondratsch „Mimis Bücher“ abgekauft und so habe ich von der Wasserspezialistin Margot Koller ein neues ihrer Wasserbücher „Alle Wege führen…zum Wasser 25 spritzige Storys“.
Ich bin gespannt. Wenn ich das Buch lese, kann ich es wieder im Literaturgeflüster besprechen. Margot Koller, Peter Hodina und O. P. Zier erzählten mir, daß sie den Blog manchmal lesen und Günter Vallaster berief sich bei der Neuaufnahmendiskussion auch auf das Literaturgeflüster, vorerst ging es aber um die Veranstaltungen und da wurden sehr viele eingereicht.
Achtunddreißig wurden, glaube ich, besprochen. Eine war von mir dabei. Da habe ich ja wieder die Mittleren vor. Die Mittleren V sind es nun schon, da will ich diesmal Margot Koller einladen, bzw. ist für 2012 die Idee angeplant in Salzburg eine Lesung zu machen. Margot Koller hat mir Wolfgang Kauer vorgestellt. Es werden sehr interessanten Veranstaltungen sein, die im nächsten Jahr stattfinden sollen. Da bin ich schon gespannt, aber vorher ging es in die Mittagspause, nachher wollte uns August Bisinger, die neue Alte Schmiede zeigen und uns in den neuen Räume herumführen. Deshalb bin ich extra eine Viertelstunde früher zurückgekommen, ich habe mich aber offenbar so vertratscht, daß ich August Bisingers Aufruf versäumte und erst bei der Abendführung teilnehmen konnte.

© Rudi Lasselsberger

© Rudi Lasselsberger

Dann ging es um die Berichte aus den Bundesländern und die Neuaufnahmediskussion. Kurz vor oder nach sechs führte August Bisinger die, die es noch sehen wollten in den Keller. Es roch sehr nach Baustelle, es gibt eine steile Stiege und keinen Aufzug, also nicht sehr behindertengerecht. Dafür steht ein Klavier in dem neuen Raum in dem vor allem die Musikveranstaltungen stattfinden werden. Die Büroräume liegen einen Stock über dem Schmiedemuseum, den Zeitschriftenraum gibt es auch noch. Dort wo früher die alte Schmiede war, wird es eine Garage und Appartements geben. Interessant und gewöhnungsbedürftig. Ich bin gespannt, wann ich das erste Mal bei einer Veranstaltung im Kellerraum sein werde und wo meine Lesung am 6. Dezember stattfinden wird?
Wir standen noch eine Weile vor der alten Schmiede und tauschten Erinnerungen an den Arbeiterkammerpreis in Linz aus, wo ich Rudi Lasselsberger und Dietmar Füssel und, ich glaube, auch Ilse Kilic kennenlernte, denn das Abendessen im Gasthaus Pfudl solte erst um sieben Uhr losgehen. Auch das fand im Keller statt. Es gab wieder ein tolles Menu. Kartoffelcremesuppe, Hasenragout und süßen Rahm mit Zwetschkenröster. Dazwischen gabs Gespräche mit Mechthild Podzeit-Lütjen und Rudi Lasselberger.
Ja, richtig von Marietta Böning habe ich auch ein Buch bekommen. Ihr absurdes Drama „Die Umfäller“, 2008 in der Edition Ch erschienen. Sie habe ich für die neuen Mittleren ebenfalls eingeladen. Am Nebentisch saßen Ditha Brickwell und Doron Rabinovici, der einiges von seinen Reisen bzw. Roman erzählte. Interessant, die Leute zu sehen, deren Namen ich noch nicht kannte und das Rätselraten bzw. Fragen wer das ist? Es gab aber auch Altbekannte wie Christine Haidegger, die mich, was mich überraschte auf „Rund um die Burg“ angesprochen hat. Da hat sie nämlich sehr früh gelesen, ich war eine ihrer wenigen Zuhörerinnen. Sie hat mich bemerkt und gefragt, ob ich das gewesen bin?
Sabine Gruber war da und Kurt Mitterndorfer. Sehr interessant einen Tag mit Schriftstellerkollegen zu verbringen und einiges zu erfahren, was ich noch nicht wußte.
Diesmal bin ich ziemlich lang geblieben und habe mich mit Rudi Lasselsberger unterhalten, der auch ein paar Fotos geschossen hat und sie mir schicken will. Am Ende war es dann sehr lustig und es gab Pläne, die nächste Generalversammlung ins Burgenland zu einem Heurigen zu verlegen. Ein Bus holt die Leute am Morgen in der Alten Schmiede ab und bringt sie am Abend feuchtfröhlich zurück, dann rutscht die Diskussion um die Neuaufnahmen, wahrscheinlich viel flüßiger herunter. Ob sich das ernsthaft verwirklichen läßt, weiß ich allerdings nicht….
Ja und Thomas Stangl, der Gewinner des ersten Alpha Preises ist jetzt auch neues Mitglied.

2010-10-22

Kulturpolitik und andere Veranstaltungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:31

Gestern war ich bei einer Wiener Vorlesung im alten Rathaus zum Thema kalter Krieg und Film. „La guerre est finie, der kalte, nie.“ Klaus Theweleit beschrieb die Todtraurigkeit der DDR um 1966 und gab Beispiele aus einem alten Hitchcockfilm, am Büchertisch gab es Michael Rohrwassers Buch zur Tagung „Internationale Zone: Wien im Kalten Krieg“, den ich durch das Buch „Seitenweise“ kenne.
Heute gabs ebenfalls ein dichtes Programm Den kulturpolitischen Arbeitskreis nämlich als Vorprogramm zur morgigen Generalversammlung, den Ruth Aspöck im vorigen Jahr wiederbelebte. Früher hat es diesen Arbeitskreis, soweit ich mich erinnern kann, in Salzburg gegeben. Jetzt hat ihn Ruth Aspöck auf den Freitag Nachmittag vor der Generalversammlung in die Alte Schmiede verlegt, so daß ich mir die neue Alte Schmiede zum ersten Mal ein bißchen ansehen konnte.
Es gibt einen neuen Eingang, eine Wendeltreppe und einen Kellerraum unter dem Schmiedemuseum. Ruth Aspöck begann mit der Frage, wie sehen Schriftsteller aus und wo wohnen sie? Danach gings weiter übers Lesen und da hat Helmuth Schönauer zwei interessante Begriffe geprägt, das Freizeitlesen und das Prüfungslesen, die ich beide kenne.
Ilse Kilic hat das Protokoll geführt und irgendwann sind wir auf Vorläße zu sprechen gekommen, die manche Schriftsteller, weil sie das Geld brauchen, zu Lebzeiten verkaufen. Das hat die interessante Fragen aufgeworfen, wie man mit seinen Tagebüchern und Briefen umgehen soll? Am besten das verbrennen, was man nicht veröffentlicht haben will und das andere selber dokumentieren? So versuche ich es im Literaturgeflüster. Die nächste Frage war das Schreiben. Wie schreiben wir und hat der Computer unser Schreiben verändert? Für mich ja, denn seit dem Nanowrimo schreibe ich nicht mehr mit der Hand, außerdem korregiere ich viel mehr, als ich es tat, als ich noch mit der Maschine schrieb.
Durch das Internet kann man seine Sachen auch leichter selber veröffentlichen, was wieder die Frage nach der Professionalität aufwarf. Wie gehen wir mit der Fülle des Materials um und wie suchen wir uns unsere Bücher aus? Ilse Kilic liest zum Beispiel keine Bestsellerautoren, ich habe einen breiteren Literaturbegriff. Helmut Rizy erzählte, daß er, als er sein erstes Buch geschrieben hat, keine österreichischen Autoren gelesen hat. Viele Fragen, die in den drei Stunden angerissen wurden. Lisa Fritsch war dabei, der Musiker Michael Fischer, Werner Frach ist später gekommen und hat viel Persönliches eingebracht.
Jeder hat ja so seine Geschichten, wie er beginnt sich um Stipendien zu bewerben und wie und wann er damit aufhört, weil er die Sinnlosigkeit erkennt. Helmut Rizy wünschte sich mehr Gesellschaftsrelevanz und es sind wieder viele Fragen offengeblieben, die wir das nächste Mal diskutieren können
Am Abend gab es die Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder in der Alten Schmiede, ich bin aber Ins Literaturhaus gegangen, wo es eine „Best of 20 Jahre Lesetheater Veranstaltung gab, die ich eigentlich hören wollte. Ein dichtes Programm mit den liebsten Szenen, Gedichten, Texten und Liedern der Mitglieder, die sicherlich bis Mitternacht gedauert hat. Ich war aber zu ungeduldig und wahrscheinlich zu erschöpft, so daß ich schon um neun gegangen bin. Die Frauen lesen Frauen Gruppe habe ich aber mit ihrer Elfriede Gerstl Performance gehört. Ein Stück von Arthur Schnitzer, zwei Nestroy Szenen und noch einiges mehr, was ich jetzt alles gar nicht alles wiedergeben kann. Wahrscheinlich bin ich doch mehr auf die Gegenwartsliteratur programmiert, das Dramatische liegt mir auch nicht sehr.

2010-10-20

Zweimal Rennweg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:29

Für heute morgen hatte ich wieder so eine Einladung zu einer Produktpräsentation. Da ruft dich jemand mit französischen Akzent an, nennt dich „Madame“ und lädt dich in ein Hotel am Rennweg zu einer Porzellanaustellung aus. Du mußt den Monsieur mitbringen und seinen Namen sagen, aber mein Monsieur geht um elf zu keiner Produktpräsentation und war außerdem bei einer Konferenz in Krems.
„Macht nichts!“, sagt der junge Mann am Telefon, der sich vergewissert, ob die Einladung angekommen ist, dann komme ich eben allein und denke, daß es vielleicht Kaffee und Kuchen oder ein Buffet geben wird, schließlich habe ich schon Erfahrung mit Produktpräsentationen. Der Herr in dem Hotel am Rennweg Nummer 16 nennt mich auch „Madame“ und sammelt am Eingang die Einladungskarten ein, dann sitze ich ein bißchem im Foyer herum und sehe, daß es gedeckt, wie bei einem Buffet ist. Vorfreude kommt auf und es sammeln sich auch einige ältere Damen und Herren. Zehn nach elf kommen zwei Herren und und bitten in einen Raum, wo hinter einem Tisch Gläser und Teller aufgestellt sind. Sessel gibt es keine.
„Kommen Sie näher!“, sagt der Werber mit französischen Akzent von dem ich nicht weß, wie echt er ist und ich beginne zu verstehen, wie sich Klaustrophobien entwickeln, aber Monsieur schwatzt von einer französischen Porzellanfirma, die Werbung machen will, in dem sie den drei Paaren, die sich das verdienen, ein Geschenk machen werden, zeigt Porzellanteller, die mir nicht gefallen, erzählt, daß sie zwischen sieben und siebzehntausend Euro kosten und läßt das Publikum aufschreiben, für welches Design man sich entscheidet. Ich wähle das Billigste, dann kommt das Fragespiel, man muß aufzeigen, wenn man sich für nein entscheidet, muß man den Saal verlassen
„Au revoir!“, auf daß die drei glücklichen Käufer überbleiben. Als es so weit ist, daß man bestimmen soll, ob einen für das geschenkte Service die Gravour viertausend Euro wert ist, bin ich dran,
„Au revoir, Madame!“, grinst der Werber, hält mir die Türe auf und ich gehe leicht betropetzt nach Hause. Was war das? Eine Bauernfängerei? Da habe ich gedacht, ich hätte schon Erfahrung mit Werbeveranstaltungen, denn Buffet hat es selbstverständlich nicht gegeben, aber vielleicht eine Idee für den nächsten Roman.
Das wäre doch ein Einfall, der sich lohnt. Ich koche Mittagessen, mache eine Diagnostik, sowie eine Stunde und habe noch etwas vor.
Diesmal am Rennweg 44, im Studio der österreichischen Lotterien, denn da wird heute, wie ich aus dem Internet und dem Literaturkompaß der Zeitschrift Buchkultur weiß, zum ersten Mal der Alpha Literaturpreis der österreichischen Nachwuchsliteratur vergeben. Das Casino Austria tut das in Zusammenarbeit mit den städtischen Büchereien und da haben alle, die nicht mehr als zwei oder drei Buchveröffentlichungen haben, einreichen können. Hundert haben das getan.
Jessica Beer, Rudolf Schirhuber, Rudolf Kraus und Christian Jahl haben fünf daraus ausgewählt. Die Hauptjuororen, die aus Josef Haslinger, Gabriele Madeja und Klaus Nüchtern bestanden, haben noch einen sechsten dazugewählt und so sind Richard Obermayr, Verena Roßbacher, Thomas Stangl, Clemens J. Setz, Anna Kim und Christine Wiesmüller in die Shortlist gekommen. Von der letztern habe ich noch nie etwas gehört und da sich die Suchanfragen auf meinen Blog bezüglich Richard Obermayr in den letzten Tagen häuften, wurde ich neugierig auf die Gala, die im Literaturkompaß angekündigt war und bei der drei der Auserwählten lesen und einer schlußendlich die zehntausend Euro bekommen würde
Also hingegangen, obwohl ich mir dachte, daß man bei einer Gala vielleicht eine Einladung und eine Anmeldung haben müßte.
„Ich komme schon hinein!“, habe ich gedacht und so war es auch. Auf Tisch fünfzehn ganz hinten und zu meiner Überraschung gab es ein ganzes Menu. Vorher Aperitivs im Vorraum, ich habe Josef Haslinger die Hand gegeben und Gustav Ernst, der mich nicht mehr fragte, wieso ich hergekommen bin, sondern mich Karin Fleischanderl vorstellte und Herwig Bitsche begrüßt, der den Residenz Verlag leider verläßt, aber Clemens J. Setz ist sein Kanditat.
Ich schätzte und ich schätze immer falsch, meine Leser wissen es, auf Richard Obermayr, Clemens Setz und Verena Roßbacher und sah, als ich schon beim Vorspeisenteller saß, Thomas Stangl vorüberhuschen, hörte dem Gespräch der beiden freundlichen Herren neben mir über Börsenkurse und Bücher, die sie herausgeben werden, zu, da hatte ich mich schon in das Gespräch eingemischt, denn die Ungeduld wuchs, wer sind die drei Auserwählten?
Clarissa Stadler erklomm das Podium und erzählte etwas über den Wert den Lesens. Über zwanzig Prozent können das schon nicht mehr, aber die Lotterien werden das jetzt fördern und der Direktor erzählte, daß er als Kind vis a vie einer Bücherei gewohnt hat.
Dann kamen der Direktor der Büchereien und die Hauptjuroren. Die drei Auserwählten wurden mit einem Film vorgestellt und lasen aus ihren Büchern, denn man mußte eines einreichen. Als erste kam Verena Roßbacher mit „Verlangen nach Drachen“ , dann Clemens J. Setzt mit den „Frequenzen“, aber der ist im Moment in den USA bei einem Werkshop, also las der Lektor, danach nicht Richard Obermayr, sondern Thomas Stangl, die drei anderen Autoren habe ich nicht gesehen. Ich zückte mein Notizbuch und schrieb eifrig mit, so daß mich der Herr an meiner Seite fragte, auf wem ich tippen würde?
„Clemens J. Setz!“, antwortete ich.
„Und Sie?“
„Die Dame und die beiden anderen werden sich erschießen!“, was ich nicht ganz verstanden habe, aber die Auflösung kam nicht gleich, zuerst machten Ernst Molden und Willi Resetarits Musik und Josef Haslinger erzählte eine halbe Seite etwas zu der Preisverleihung sagte, bevor er den Namen preisgab.
„Und der Winner is Thomas Stangl!“
Ich war wieder einmal erstaunt und es hätte es wissen können, denn der letzte gewinnt, das ist mir ja schon einmal in Klagenfurt so passiert oder nicht, denn ich war nicht die letzte.
Danach gab es das Buffet. Beiried vom Salzburger Hochried, österreichische Lachsforelle oder im Ofen gegartes Rieslinghuhn.Ich habe mich für Huhn und Rind entschieden und für Mohr im Hemd und Joghurt Mousse mit frischen Früchten als Dessert und das Beste war, daß man sich das Buch mitnehmen konnte. Ich habe es mir signieren lassen, was ich ja nicht oft tue. Aber diesmal hat es gepasst und dem Autor gratuliert, dessen Bachmannpreislesung ich mitverfolgte. Auf der voretzten Shortlist war er auch. Er war sehr freundlich und hat „Das ist ein verdienter Autor!“, gesagt, als ich ihm erzählte, daß ich auf Richard Obermayr tippte und nicht mit ihm gerechnet hätte und die beiden Herren an meiner Seite, die von Hatschi Bratschis Luftballon schwärmten, haben mir meine Bücher abgekauft, ob sie ihnen gefallen, weiß ich nicht. Ich bin ja eine außerhalb des Literaturbetriebs und im Internet wurde beanstandet, daß bei diesem Nachwuchswettbewerb fast nur Namen ausgewählt wurden, die ihren Weg auch so gemacht hätten. Namen, die man kennt, die Minderheit, die sich für Literatur interessiert, wie Clarissa Stadler erwähnte, jedenfalls und für mich ist diese Literaturgala eines der größten Literaturereignisse, das ich erlebt habe. Sehr viel mir bekanntes Publikum habe ich nicht gesehen. Das Buch von Thomas Stangl werde ich natürlich lesen, auch wenn es meine Herbst und Winterleseliste durcheinanderbringt.

2010-10-18

Witwe für ein Jahr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Es geschieht sehr viel in diesem 1999 erschienenen Roman von John Irving, mit Witwen hat es auch, mehr aber mit Sex zu tun. Die siebenhundertzweiundsechzig Seiten sind in drei Teile gegliedert. Der Erste spielt im Sommer 1958 und beginnt damit, daß die vierjährige Ruth von einem Geräusch aufwacht und im Schlafzimmer ihre Mutter im Bett mit dem sechzehnjährigen Eddie findet. Der ist von der Phillips Exeter Academy hierhergekommen, weil er den Sommer als Schriftstellerassistent verbringen will. So zieht er in das Gästezimmer von Ted Cole ein, der ein schlechter Schriftsteller ist, durch seine Kinderbücher und dessen Zeichnungen, aber berühmt wurde, so daß er alle jungen Mütter der Umgebung in den verwegensten Aktposen darstellt. Von seiner Frau Marion lebt er in Trennung, der kleinen Ruth wegen wechseln sie sich ab und Ted Cole, der in diesem Sommer keinen Führerschein hat, hat Eddie auch deshalb hergeholt, weil er ihn von seiner Gattin entjungfern lassen will. Denn Jahre vorher ist dem Ehepaar etwas Schreckliches passiert. Sie haben sich in dem Auto, in dem ihre Söhne saßen gestritten, so daß die durch den dadurch entstandenden Unfall ums Leben kamen. So ist das ganze Haus voller Fotos von Thomas und Timothy, deren Geschichten sich die kleine Ruth von allen erzählen läßt. Ruth wurde von Ted sozusagen als Ersatz ervögelt, aber Marion lebt so in der Trauer, daß sie sich weigert sie zu lieben und sie verläßt sie auch in diesem Sommer mit all den Bildern, nachdem sie vorher sechzig Mal Eddie gevögelt hat.
Teil zwei spielt im Herbst 1990, Marion ist immer noch verschwunden, Ted hat zu trinken aufgehört, Ruth das Autofahren beigebracht, vögelt noch immer junge Frauen, schreibt und zeichnet Kinderbücher, Eddie ist an die älteren geprägt und hat schon sechs Romane geschrieben, in denen ein junger Mann, eine alte Frau verführt und immer „Es wird alles gut!“, zu ihr sagt. Er ist aber kein guter Schriftsteller, denn ihm fehlt die Phantasie, er beschreibt immer nur das Erlebte, während Ruth die ohne jeden Zweifel hat und berühmter als Eddie ist. Sie sehen sich in New York bei der Präsentation von einem ihrer Bücher wieder, in dem es um eine Witwe geht. Ruth ist hier mit ihrer Freundin Hannah, die viel besser im Bett als Ruth ist und sie drängt mit ihrem Lektor Allan zu schlafen, aber Ruth weiß nicht, ob sie das will. Eddie soll die Lesung einleiten, macht keine gute Figur dabei und Ruth bricht auf eine Europa Promotion auf, vorher fährt sie aber nach Hause zu ihrem Vater und trifft diesen im Bett mit Hannah an, was sie so wütend macht, daß sie die beiden hinauswirft und sich selbst einen Squashpartner ins Bett holt, in der Hoffnung, daß ihr Vater sie dabei erwischt, sie wird dabei aber nur vergewaltigt, so daß sie sich grün und blau mit ihren Liebhaber schlägt und Ruth, die noch immer nicht weiß, ob sie Allan heiraten will, bekommt in Amsterdam die Idee über eine Frau und deren jüngeren Liebhaber zu schreiben, die einer Prostituierten beim Sex zusehen. Dafür macht sie Studien im Rotlichtmilieu und beobachtet einen Mord an einer Prostiuierten.
Es passiert auch sonst so einiges, so taucht eine Leserin auf, die sich als Witwe für immer ausgibt, empört über Ruths Erfindungen ist und ihr wünscht, daß sie Witwe wird, um zu erfahren, daß sie deren Gefühle schlecht beschrieben hat und sie bekommt auch noch heraus, daß Marion in Canada lebt und sich dort als Krimiautorin ihr Trauma von der Seele schreibt.
Außerdem hat sich noch Ruths Vater, den sie vor ihrer Abreise gedemütigt hat, umgebracht, trotzdem weiß Ruth inzwischen, daß sie Allan heiraten will und bekommt ein Kind von ihm.
Der dritte Teil spielt fünf Jahre später. Ruth ist inzwischen zur Witwe für ein Jahr geworden und lernt, als sie noch einmal nach Amsterdam kommt, dort den Polizisten kennen, der sie als Zeugin des Prostituiertenmords sucht. Er ist auch ein eifriger Leser und hat sowohl Ruths, als auch Eddies und Marions Romane gelesen. Sie verlieben sich auf den ersten Blick und heiraten, während Marion nun sechsundsiebzigjährig mit einem Koffer aus Canada in Eddies Wohnung kommt und mit ihm beschließt, das Haus in Sagaponack zu kaufen, in dem die Geschichte begonnen hat, so daß sie mit ihm hingeht, ihren Enkel sieht und der weinenden Ruth das Gleiche wie, am Anfang des Romans, nämlich „Weine nicht Schätzchen. Wir sind es nur, Eddie und ich!“, sagt.
Der 1942 in Exeter New Hampshire geborene John Irving schreibt, steht in Wikipedia, die unwahrscheinlichsten skurillsten Geschichten, die Tabus brechen und deren Themen sich wiederholen. Das stimmt, denn Sex ist in dem 1999 in einem sehr prüden Amerika erschienen Buch, ein nicht zu übersehendes, sehr offen behandeltes Thema. Bezüge zum Autor scheint es auch zu geben, so hat John Irving, wie Ted Cole ein Kinderbuch geschrieben, daß den Titel „Ein Geräusch, wie wenn einer versucht kein Geräusch zu machen“ trägt und ich habe auch gelesen, daß Irving vorgeworfen wird, sich ständig zu wiederholen.
Das wird in dem Buch, in dem man viel über das Schreiben von Erfolgsromanen erfahren kann, thematisiert. Eddie ist ein schlechter Schreiber, weil er keine Phantasie hat, sich etwas vorzustellen, während Ruth das viel besser kann und mir fiel auf, daß sich in dem siebenhundert Seiten Buch, die spannendsten Passagen mit denen, wo nur beschrieben und angedeutet wird, abwechseln. So ist der erste Teil sehr beklemmend geschildert, während mir die Passage mit dem Prostituiertenmord aufgesetzt erschien. Im dritten Teil gibt der Polizist Harry Hoekstra eine sehr realistische Schilderung des Rotlichmilieu und vor allem ist der Roman mit vielen Geschichten aufgeladen und überfrachtet. Das was da in den siebenhundert Seiten angedeutet wird und passiert, kann wahrscheinlich einige Romane füllen und ich bin, obwohl mir das Buch gefallen hat, für das weniger Skurrile, weniger Komische und Leisere.
Das Buch hat, glaube ich, als es 1999 auf Deutsch erschien, die Bestsellerlisten bewegt und ich kann mich an eine Germanistik studierende Klientin erinnern, die mir erzählte, daß sie es gerade liest. Sie hat sich, glaube ich, ein wenig entschuldigt dabei. Für mich ist es der dritte John Irving Roman. Es ist wieder ein Fund aus dem offenen Bücherschrank. Der erste war die 2002 erschienene „Vierte Hand“. Da kann ich mich an das „Was ist wenn.. „, erinnern, das im Nachwort steht. Dese Frage, die John Irving zu dem Roman veranlaßt hat und ich hab ihn mir gekauft, weil ich gerade an der „Globalisierungsnovelle“ geschrieben habe, in dem es um eine Nierentransplantation geht.
Dann habe ich die Eine Stadt- ein Buch-Aktion von 2005 „Laßt die Bären los“ gelesen und mich sehr über die Übersetzung geärgert, die so schlecht war, daß ich das Buch nicht verstanden habe und schon dachte, daß jemand dem Bürgermeister eine Computerübersetzung unterschoben hat.
Ein neuen, 2010 auf Deutsch erschienen John Irving Roman „Die letzte Nacht in Twisted River“ gibt es auch und Lillyberry, die derzeit ihren Blog ein wenig vernachläßigt, den ich aber gerne lese, ist ein bekennender John Irving Fan und noch etwas gibt es zu berichten.
John Iriving hat zwei Semester in Wien gelebt, deshalb spielt „Laßt die Bären los“ dort und dann gibt es noch „Die Pension Grillparzer“ und die hat in einer der Wühlkisten am 11. 9. 2001 in einer der Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße gelegen, als ich einen meiner Studientage bezüglich der „Dora Faust“ machte, mich in die Rolle der Amerikanerin Suzie Holland versetzte und mir vorstellte, was die sich als Wien Touristin ansehen würde. Ich habe das Buch nicht gekauft und am Nachmittag von den Flugzeugen im World Trade Center erfahren.

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