Literaturgefluester

2015-12-31

Zum Jahresausgang

2015 ist bald vorbei, Zeit zurückzublicken und ein Resume zu ziehen, aber wenn man das Literaturgeflüster genau liest, wird man sehen, daß meine Jahre ziemlich ähnlich ablaufen, ein bißchen weniger Aktion ist leider auch dabei, so habe ich heuer bei der anderen Buchmesse nicht mehr gelesen und auf der Leseliste stehen auch ein paar Bücher weniger, als in den letzten zwei Jahren, aber sonstwar es sehr ähnlich.

Das heißt, ein paar Störungen hat es Anfang 2015 gegeben, so hatte ein ein paar Wochen keinen Computer, elektronisch kann ich die Diagnostik auch nicht mehr abrechnen, ich habe eine neue Mailadresse, aber es sind wieder drei Bücher fertig geworden und drei habe ich wieder geschrieben, wobei die „Selma“ im Jänner erscheinen sollte. Dann kommt die Sommergeschichte, am Adventkalender habe ich noch zu korrigieren und, daß ich 2015 eigentlich eine Trilogie geschrieben habe, habe ich schon berichtet und ein Sommer und ein Weihnachtsbuch, eigentlich eine Spielerei könnte man meinen und dann habe ich eine Weile gedacht, jetzt ist mir der Stoff ausgegangen, jetzt weiß ich nicht mehr was ich schreiben soll, weil ich ja nicht immer über depressive Frauen, alte Menschen und Büchersammeln schreiben will, dabei stecken bleibe und mich irgendwie im Kreis drehe.

Dann ist mir die Idee gekommen über eine Frau, die einmal ein Mann war, die einen Mann trifft, der einmal eine Frau war zu schreiben, da habe ich dann zu arbeiten und zu entwickeln, kann zeigen, was ich kann und vielleicht gelingt mir auch ein Jahr oder mehr daran zu arbeiten oder auch nicht, wenn von außen kein Anstoß kommt, wird auch das im Verborgenen bleiben, wie die anderen Ideen, wie beispielsweise die „Mimi“, die „Dreizehn Kapitel“, etcetera, die ich mal hatte, denn ich nähere ich mich ja dem vierzigsten Selbstgemachten an und damit bin ich trotz „Amazon“ immer noch im Eck und die Blogger sagen, wenn sie Blogs von Autoren suchen „Aber bitte keine Selbstpublisher, sondern nur die von echten, lebenden Autoren!“

Nun ja, das kann ich nicht ändern, trotzdem bin ich heuer wieder in Leipzig gewesen, auf der Buchmesse sogar als Bloggerin akreditiert und dann noch einmal im Sommer bei Utes Fest. Ein Stück durch Deutschland sind wir auch geradelt, zweimal waren wir in Ungarn und da sind wir schon bei den Veranstaltung in Krems und Göttweig bei „Buch und Wein“.

Leider nicht als Lesende, nur als Publikum, aber ich habe einige Male gelesen, der Bezirk Margareten lädt mich ja öfter dazu ein, so war ich bei diesem Büchertauschfest am „Tag des Buches“, beim Margaretner Fest für Kunst und Kultur“, Harald Pesata hat mich eingladen Ernst Hinterberger zu lesen und im „Readingroom“ habe ich sowohl mein Sommer- als auch meinen Winternanowrimo vorgestellt und beim Wiedner Hauptstraßen-Strassenfest war ich auch.

In der „Alten Schmiede“habe ich heuer nicht gelesen. Reinhard Wegerth macht nicht mehr die „Textvorstellungen“ und Michael Hammerschmid und Angelika Reitzer bin ich möglicherweise nicht experimentell genug. Vielleicht klappt es wieder bei Friedrich Hahn oder Renata Zuniga , da schicke ich meine neuen Bücher ja immer noch hin, beim Literaturhaus habe ich schon damit aufgehört und beim ORF scheint es auch nicht sehr viel zu bringen, aber ö1 hat ja selber Schwierigkeiten und da sammelt Gerhard Ruiss jetzt Texte für eine „Funkhausanthologie“ und dafür habe ich vor kurzem einen Text geschrieben.

Das Volksstimmefest gibt es aber und da gab es heur wieder eine Präsentation der zuletzt erschienene Anthologie, die „Poet-Night“ und  „Westbahn spontan“ hat sich auch im Amerlinghaus vorgestellt.

Mein Geburtstagsfest hat es gegeben und was die Veranstaltungen betrifft, bin ich außer zu Ostern und im Dezember als wir in Ungarn waren, wieder viel ins MUSA gegangen um zu sehen, wer die Preise und Stipendien der Stadt Wien bekommt. Zum „Alpha“ gehe ich jetzt immer auch, zum „Wildganspreis“, zum „Priessnitz– und zum „Leo Perutz-Krimipreis“, beim „Theodor Kramer Preis“ war ich heuer in Niederhollabrunn und auf der „Buch Wien“ und natürlich noch bei sehr vielen schönen literarischen Veranstaltungen, etwa drei bis viermal die Woche und dann blogge ich immer darüber und wenn ich Pech habe, schreibt mir jemand, „Das ist der desinteressierteste Bericht, den ich je gelesen habe!“, aber ich gebe es zu, das ist schon länger her, daß das passierte und ich bin ein bisserl nachtragend!

Gelesen habe ich 2015 weniger als 2014 und 2013, ich weiß nicht woran das liegt, vielleicht weil ich zu so vielen Veranstaltungen gehe, „Holzbaum“ schickt mir freundlicherweise seine ganzen Neuerscheinungen, „Residenz“ hat ab Sommer damit aufgehört, aber da habe ich „Buchpreis“ gebloggt und das war eigentlich eine sehr schöne Erfahrung, auch wenn sie meine Leseliste komplett durcheinander gebracht hat.

Dann habe ich noch ein  schönes Buchpaket bei „Buzzaldrin“ gewonnen, daß ich zu zwei Drittel gelesen habe und andere schöne Bücher, die ich auf dem Flohmarkt von 2012 gekauft habe, beispielsweise und da waren auch ein paar andere Buchpreisbücher der vorigen Jahre darunter und die von Bachmannpreisgewinnen, auf den ich jetzt fast vergessen hättte, obwohlich den ja auch im Sommer in meiner Sommerfrische verfolge, bevor ich dann mit dem Sommerschreiben begonnen habe.

Ob ich mein Lesepensum 2016 schaffe wird das nächste Jahr zeigen, heuer habe ich sehr viele schön Bücher gelesen und ich will ich Mischung zwischen alt und neu eigentlich beibehalten, aber das kann ich in der Jahresvorschau, die demnächst folgt und wo dann  einmal acht Jahre Literaturgeflüster kommen wird, schreiben.

2015 war also vielleicht etwas schiwerig und richtige Highlights hat es nicht wirklich viele gegeben, aber viele schöne Erfahrungen, beim Lesen, Schreiben, Hören und so soll es auch im neuen Jahr bleiben.

Da ist eine die schreibt und  sich sehr bemüpht und wem das interessiert, kann das, da es  Internet und Digitaldruck möglich machchen verfolgen und ich habe auch sehr viele schöne Blogs gelesen.

„Ohrenschmaus-Jurorin“ war ich natürlich auch und habe da für einen sehr interessanten Autor eine Laudatio gehalten.

Es war also doch nicht ganz so trist, wie es vielleicht scheint, denn es gibt ja sehr viele Leute, die schreiben und ich finde eigentlich alles interessant und würde am liebsten auch alles lesen, aber natürlich selber schreiben und wenn es geht, ein bißchen auffallen im Literaturbetrieb, was aber nicht zu gelingen scheint.

Und hier der „WordPress-Jahresrückblick“

 

2015-12-30

Hinter der Zeit

Die 1969 in Bremen geborene und in Linz lebende Corinna Antelmann ist eine Meisterin der psychischen Ausnahmezustände, Halluzinationen und ähnlicher Krisensituationen, habe ich doch 2009 von Dietmar Ehrenreich ihren „Resistenz-Roman“ „Die Farbe der Angst“ bekommen und mich in eine Psychose eingelesen, so habe ich mir die Geschichte jedenfalls interpretiert. Dann immer wieder mal von Corinna Antelmann gehört, daß sie den „Frau Ava Literaturpreis“ gewonnen hat, daß sie ein und dann noch ein zweites Buch bei „Septime“, von denen ich ja auch schon einige Bücher gelesen habe, verlegte, zuletzt, daß sie in die GAV-aufgenommen wurde und sich letzten Oktober bei der Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder, am Vorabend der GV vorstellte.

Da ist sie vor mir in der ersten Reihe gesessen, ich habe sie auf ihr „Resistenz-Buch“ angesprochen, sie hat ein Stück aus dem neuen Buch gelesen und mir dann ein Mail geschickt, ob ich es nicht besprechen will.

Möchte ich natürlich gerne, denn ich interessiere mich ja sehr für die deutsche und die österreichische Gegenwartsliteratur und lese mich auch gern durch das Ouvre, der vielleicht nicht so ganz bekannten Autoren und voila schon das Cover ist sehr interessant.

Da steht eine Frauenfigur auf einer Wiese, die bis zum Busen und dann wieder vom Kopf abwärts in Schnürre eingewickelt ist und da hat man schon eine erste Ahnung von dem,, was einem im dem Roman erwarten wird.

Da ist Irina, eine junge Frau und alleinerziehende Mutter einer zwölfjährigen Tochter. Sie ist Restauratorin und soll in ein tscheichisches Dorf, um dort eine Kirche zu renovieren. Aber vorher schleppt sie die Tochter in das Altersheim, in dem ihre demente Mutter lebt, denn Zoe interessiert sich im Gegensatz zu Irina für die Familiengeschichten.

Irina, die Unabvhängige hat dafür kein Interesse und sie hat sich auch von ihrem Kindesvater schon längst getrennt, hat jetzt eine Beziehung zu einem Mann namens Henrik, der mehr an ihr, als sie an ihm hängt.

Es gibt ein Sushi Essen, dann wird Zoe zu ihrem Vater gebracht und Irina fährt mit ihrer Freundin, beziehungsweise Assistentin Astrid ab nach Tschechien. Dort werden sie ihm Pfarrhaus einquartiert, der Pfarrer empfängt sie  sehr freundlich und wundert sich, daß Iriana zu erst in die Kirche und dann erst zum Abendessen will und teilt ihr mit, daß sie leider, leider, das Zimmer mit Astrid teilen muß. Das wird ein Problem, denn die neigt zum Schnarchen, so kann Irina nicht schlafen, wir erleben eine köstliche Szene und die Schlaflosigkeit ist vielleicht der Beginn der seelischen Ausnahmezustände, in die sich Irina die nächsten zweihundertfünfzig Seiten begeben wird.

Sie geht in dem Dorf spazieren, vorher hat sie in der Kirche noch einen Tomas kennengelernt und mit ihm ein Verhältnis begonnen, kommt zu einem verfallenes Gehöft, sieht Hendln darüber laufen und eine junge Frau, die sie zuerst füttert, später Bratsche spielt, aber das ist schon eine halluzinatorische Erscheinung, denn das Gehöft ist verfallen unf verwaist, da wohnt niemand mehr.

Sie lernt aber auch eine alte Frau am Friedhof kennen, eine Kräuterhexe, die ihr von dem Tod ihrer zwölfjährigen Tochter vor Jahren oder Jahrzehnten erzählt, was Irina  in Panik versetzt, kann sie doch Zoe nicht erreichen, dafür meldet Henrik sich bei ihr, von ihm will aber sie nichts wissen.

Hinter den barocken Fassaden, die sie in der Kirche restaurieren wollen, verbergen sich gotische Fresken, was zu einem Baustop führt, denn jetzt müssen neue Gutachten eingehoben werden. Das Team reist ab, Irina bleibt zurück und verliert sich in der Geschichte. Sieht, daß auf dem großen Platz vor dem Rathaus, 1942, Tschechen von den Deutschen erschoßen werden, erfährt, daß die junge Frau von einem Ivo ein Kind erwartet, dann aber vertrieben wird und wir erfahren allmählich, daß es Irinas Großmutter Vera ähnlich ging.

Vera ist die junge Frau, die das Kind auf der Flucht verlor, deshalb nicht freundlich zu ihrer Tochter sein konnte und Irina konnte das nicht zu ihr und auch nicht zu Zoe. Aber allmählich ändern sich die Verhältnisse.

Irina kommt zurück, besucht mit Zoe  die Mutter und schließlich befinden wir uns wieder in der Kirche des tschechischen Dorfes, Irina sagt „Ahoj“ zu einer anderen jungen Frau, die nur ein Wort tschechisch spricht und ihr erzählt, daß sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter hergekommen ist, um ihr die Kirche zu zeigen, die ihre Mutter einmal restauriert hat…

So zerfließen die Grenzen von der Gegenwart in die Vergangenheit und von dort zurück in die Zukunft und Corinna Antelmann hat wirkliche ein besonderes Gespür mit psychischen Ausnahmezuständen zu spielen und uns dadurch   Geschichte beizubringen und so kann ich das Buch, allen, die ein bißchen über den Tellerrand der LL- Bücher blicken wollen, sehr empfehelen und bin  auch auf die psychischen Ausnahmezustände ihrer anderen Bücher sehr gespannt.

2015-12-29

Die Stellung

Wieder kommt ein Roman aus Mara Gieses Bücherkiste und wieder einer aus Amerika und zwar von der 1959 geborenen Meg Wolitzer, der, sowie ihr erster auf Deutsch übersetzer, die „Interessanten“, ich glaube, beide bei „Dumont“ erschienen, vor kurzem auf vielen Blogs zu finden war.

Im September war die Autorin auch in Wien in der Hauptbücherei und hat aus der „Stellung“ gelesen, da wußte ich noch nichts von meinen Buch-Gewinn und war auch eine andere Veranstaltung.

„Die Stellung“ ist ein interessanter Roman, ganz anders als der Vorläufer der „Nachtigall“, leichter, lockerer, ein gekonnt geschriebener Familienroman, der in den Neunzehnhundertsiebzigern, genauer 1975 beginnt.

Da steht ein Buch in einem Haus in dem eine Familie mit vier Kindern lebt. Die Eltern haben es geschrieben, es ist ein Sex-Ratgeber der besonderen Art, probieren die Eltern dabei doch die verschiedensten Stellungen aus und wurden dabei von einem Zeichner festgehalten.

Das Buch der „Sex-Mellows“ wird im ganzen Land berühmt und die Eltern, ein aufgeklärtes Paar der Siebzigerjahre, lassen es im Bücherregal stehen, so daß die Kinder es entdecken können.

Sie reden nicht mit ihnen darüber, sondern überlassen es dem Zufall und das erste Kapitel des Buches schildert dieEntdeckung der Kinder, sechs, acht, dreizehn und fünfzehn Jahre alt mit diesem Buch.

Der ältere Bruder Michael wird es entdecken und holt seine Geschwister dazu und das soll, wie am Klappentext oder am Buchrücken steht, das Leben der gesamten Familie verändern, die weiteren zwölf Kapitel, die dreißig Jahre später spielen handeln davon.

Ich die ich ja in der „Brüderschaft“ vielleicht etwas Ähnliches beschrieben habe, meine, diese Veränderung ist nicht so umwerfend, obwohl es wahrscheinlich eine interessante  Idee ist, das Buch mit diesen Sexratgeber zu beginnen, aber drogensüchtig werden auch Kinder anderer Eltern, in der „Brüderschaft“, ist es die Esther, Jonas Tochter und homosexuel werden manche Söhne auch.

In der „Bruderschaft“, der Benjamin und dessen Freund Hanno bekommt eine Aidsdiagnose, der jüngere Sohn der Mellows wird Krebs bekommen und daran sterben und Claudia, die jüngste, die schon mit sechs und das finde ich ein wenig künstlich, darauf spart sich einmal einen Mann kaufen zu können, weil sie sich für häßlich hält, wird im Laufe des Buches ihr Glück finden, denn sie fährt dreißig Jahre später als Filmstudentin in den Ort zurück, wo sie 1975 lebte, sie will die Lehrer ihrer Schule interviewen und besucht auch das Haus und  freundet sie sich mit dem Sohn des Paares, dem es jetzt gehört, an und wird am Ende des Buches auch eine bevorzugte Stellung ausprobieren und mit David feststellen, so interessant, wie die Eltern taten, ist sie nicht.

Die Ehe der Eltern ist  kurz nach ihrem Ruhm zerbrochen, beziehungsweise hat sich die Mutter in den Zeichner verliebt und ihren Mann Paul verlassen, den sie vor zwanzig Jahren kennenlernte, weil er ihr Psychoanalytiker war.

Meg Wolitzer hat also interessante Themen und spielt im prüden Amerika vielleicht mit dem Feuer.

2005 soll das Buch wieder aufgelegt werden, die Mutter will es, braucht dazu aber die Zustimmung des Vaters und der verweigert sie zuerst, denn er ist, obwohl oder weil er schon in dritter Ehe lebt, immer noch gekränkt.

So schickt die Mutter Michael nach Florida, um seine Zustimmung zu holen und der hat auch ein Problem. Er ist nämlich depressiv, so nimmt er SSRI und jetzt kann er nicht mehr mit seiner Freundin Thea, einer Schauspierin, die gerade ein Stück über Freuds hysterische Patientin Dora probt.

Sie ist die Dora und wird sich während Michael beim Vater  ist, in ihre Partnerin verlieben und Paul ihretwegen verlassen. Am Ende des Romans ist der Sex-Ratgeber neuaufgelegt, beziehungsweise neu gemacht, denn jetzt posiert ein jüngeres Paar mit einem anderen Zeichner.

Paul und Roz sitzen aber einander trotzdem vor der Kamera gegenüber und fast alle Kinder sind gekommen, um mit den Eltern diesen Erfolg zu feiern, Michael, Claudia, Dashiell, nur Holly nicht, die brachte es nicht über sich herzufliegen, obwohl sich ihr Leben inzwischen auch normalisiert hat.

Sie nimmt keine Drogen mehr, ist mit einem Arzt verheiratet, Mutter eines kleinen Jungen, aber mit ihren Eltern will sie keinen Kontakt mehr aufnehmen. So feiern die Mellows ohne sie, das heißt die beiden Ehepaare gehen spazieren, während die Kinder, Claudia und Dashiell mit ihren Partnern, Michael allein in einer Sportbar sitzen und Dashiell erzählt, daß die Metastasen wiedergekommen sind und er nur ein paar Monate mehr zu leben hat.

Das hängt wahrscheinlich nicht mit dem Buch und mit der „Stellung“ zusammen, es ist aber für eine Psychologin, die noch dazu in Wien, der Stadt Sigmund Freuds lebt und die auch in den Siebzigerjahren studiert und ihre Erfahrungen gemacht hat, sicher ein interesantes Buch.

Die Berggasse 19 kommt darin vor, obwohl ich dieses Dora Kapitel, als eines der unnötigeren halte, hat mir diese Idee von diesen Sexratgeber sehr gefallen und ich denke, daß Eltern, die vielleicht wirklich einen Sexratgeber schreiben oder Pornofilme drehen, mit ihren Kindern darüber reden sollen.

Aber altersgemäß, eine Sechsjährige wird sich vielleicht noch nicht so sehr dafür interessieren, eine Fünfzehnjährige warhscheinlich schon.

Es ist aber sicher eine interessante Frage, was macht man im prüden Amerika, wenn man in den Siebzigerjahren so progtressive Eltern hatte?

Man kann die Frage aber auch anders stellen und sich erkundigen, wie es den Kindern geht, die in den Siebziger oder Achtzigerjahtre in der Mühl-Kommune aufwuchsen und da da gibt es auch Filme darüber.

Vor kurzem habe ich mit dem Alfred einen solchen gesehen.

2015-12-28

Lieblingsbücher

Filed under: Buchpromotion — jancak @ 00:14
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Zur Zeit des vorletzten Buchpreises habe ich versucht mir meine eigene Long- und Shortlist zu machen, die meiner eigenen sogenannten Indie-Bücher und bin daran gescheitert, konnte mich aus meinen über dreißig Selbstgemachten nicht für zuerst zwanzig, dann sechs und dann für das „beste“ überhaupt entscheiden.

Letzteres würde ich auch jetzt nicht können, aber meine fünf oder sechs Lieblingsbücher habe ich aus der Liste von inzwischen sechsunddreißig selbstgemachten Erschienenen, dazu kommen noch die „Hierarchien“, den zwei „Stotter-Sach und Fachbüchern“ und den der sogenannten Trilogie, die noch am Fertigwerden ist.

Eine ganze Menge in über vierzig Jahren könnte man so sagen, „Schreib nicht soviel!, meinen manche und es stimmt, ich schreibe seit ich diesen Blog betreibe, schneller denn je, habe manchmal das Gefühl ich bin schon ausgeschrieben und meine Themen habe ich natürlich auch.

Meine realistisch psychologischen, offenbar zu wenig abgehobenen, um im Literaturbetrieb Gehör zu finden, vielleicht habe ich auch nur Pech gehabt und ich habe mich in meinen Geschichten über das Alter, über die armen depressiven Fraunen, das Sterben, den KrebsDemenz und Alzheimer natürlich wiederholt.

Das Büchersammeln kommt seit einigen Jahren hinzu und so gibt es schon eine ganze Reihe Bücher in denen die offenen Bücherschränke eine Rolle spielen.

Früher habe ich mich mit dem erfolglosen Schreiben beschäftigt. Die „Dora Faust“ ist da ein Beispiel,“Schreib nicht soviel über das erfolglose Schreiben!“, weil das  niemanden interessiert, hat Elfriede Haslehner einmal zu mir gesagt.

Das scheint aber auch bei meinen anderen Büchern so zu sein und auf meine Lesungen kommen bekannterweise auch nicht so besonders viele Leute.

Trotzdem habe ich meine Lieblingsbücher und vielleicht weil ich mich heuer mit dem richtigen Buchpreisbloggen beschäftigt habe und da auch meine persönlichen Shortlistfavoriten und sogar mein dBp-Buch habe und mir aus den wahrscheinlich hundertzweiundsechzig 2016 gelesenen Büchern auch ein paar besondere Highlights herauspicken kann, obwohl ja jedes Buch anders ist und nicht miteinander zu vergleichen, wozu ich nach wie vor stehe, kann ich auch aus meinem Bücherreihen ein paar Lieblinge heraussuchen.

Es gibt von mir auch ein paar Manuskripte, die nie veröffentlicht wurden, „Die Gasse oder Marthas Wohnungen“ „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ beispielsweise, Texte, die ich bei den Textvorstellungen in der alten „Alten Schmiede“ unter der Moderation von Herbert J. Wimmer in den Neunzehnhundertachtzigerjahren vorgestellt habe, die aber nicht veröffentlicht wurden, weil ich keinen Verlag dafür gefunden habe.

Dann kamen die „Hierarchien“, die Jack Unterweger machte, die hatten ein paar vernichtende Kritiken, obwohl ich als ich das Buch Jahre später nochmals gelesen habe und dachte, das ist halt ein Anfängerbuch, herausgefunden habe „So schlecht ist das nicht!“

„Die Wiener Verhältnisse“, sind schon im Digitaldruck, wie ich das lieber als Eigenverlag, denn ich habe ja keinen Verlag, nenne, erschienen und ich würde es als Buch eins meiner Shortlist nennen, die um 2000 entstandene Geschichte mit einer Rahmenhandlung, um eine junge Frau, die nach Amerika fährt um den alten Jakob Mandelbaum zu interviewen, dessen Jugendbuch sie im Nachlaß ihres Vaters gefunden hat.

Unter fast vierzig Büchern fünf oder sechs besondere auszuwählen ist auch schwierig und ich komme auch immer zu anderen Resultaten.

Die „Schreibweisen“ drei Geschichten über den Literaturbetrieb oder das Schreiben mit einem schönen Cover und einem Text von Alexandra Millner, wo ich leider das zweite „l“ vergessen habe, zählt also  mal dazu und mal wieder nicht.

Aber mein erster Krimi „Tod eines Jurymitglieds“, wo ein solches eines Literaturwettbewerbs tot am Donaukanal aufgefunden wird und der Kommissar mit seinem Assistenten geht dann von Bewerber zu Bewerber, um die Sache aufzuklären, wäre auch in unserem „Vierfrauenbuch“ erschienen, das ich einmal mit Elfriede Haslehner, Hilde Langthaler und Valerie Szabo machen wollen. Wir hätten  aber zwanzigtausend Schuilling an einen Verlag zahlen sollen, was ich nicht wollte und so ist es ungedruckt geblieben.

Und da wären wir schon beim nächsten Buch, beziehungsweise nächsten Krimi Versuch, nämlich „Tauben füttern“,das ich auch sehr mag. Da gibt es wieder eine Tote am Donaukanal, die durch einen Ast erschlagen wurde, weil ich Morde ja nicht mag und einen an Alzheimer erkrankten Dichter.

Ich habe da so etwa 2004, noch einmal eine „große Verlagsaussendung“ gemacht, wie auch bei den „Wiener Verhältnissen“ zurückgekommen ist nicht viel, obwohl sich der Verleger des „Resistenz-Verlages“ ein oder zweimal bei mir meldete, es aber auch nicht machen wollte.

Dafür schien der Lektor eines der sogenannten Selbstzahlerverlage, in dessen Kartei ich einmal gekommen bin, begeistert, dem ich es für ein „kostenloses Stipendkum“ schickte, das ich dann leider leider nur fast gewonnen habe. Er bot mir später einen kostenlosen Agenturverlag an, aber der Verlag, der es genommen hätte, wollte ein paar tausend Euro dafür haben.

„Darüber habe ich dann im „Wilden Rosenwuchs“ geschrieben, das vielleicht nicht ganz zu meinen Lieblingsbüchern zählt und da hätte ich jetzt fast Buch drei „Lore und Lena“, eine Kindergeschichte über zwei Zwillingen, die wegen der Scheidung ihrer Eltern getrennt wurden und sich  zehn Jahre später aufgrund eines Zeitungsartikels über die Mutter und des eines Mädchens wiederfinden, weil Lena, die andere, beim Vater Paul, einem Schriftsteller aufgewachsen und eine Alternativschule besuchend, in dieser ein Zeitungsprojekt darüber machte, vergessen.

Leider habe ich dafür auch keinen Verlag gefunden, was ich noch immer nicht verstehe, eine Kinderbuchautorin meinte einmal, das läge daran, daß meine Sachen nicht richtig für Kinder aber auch nicht ganz für Erwachsene wären.

Dann kam die „Globalisierungsnovelle“, „Das literarische Leben der Dora Faust“, die „Radiosonate“, die ich ja schon ein bißchen im Blog beschrieb und und….

Seitdem ich blogge sind achtzehn Bücher entstanden, drei im Jahr, meine Lieblingsthemen habe ich oben schon  erwähnt, es gibt aber auch andere im „Haus“, Buch vier auf meiner Lieblingsliste, habe ich versucht, hundert Jahre Steinhof, die berühmte psychiatrische Klinik, am Rande Wiens, die jetzt „Otto Wagner Krankenhaus“ heißt und überhaupt aufgelöst oder umverlegt werden soll, an Hand einer Familie und drei Psychiaterinnengenerationen zu beschreiben.

Schade, daß ich damit keine Aufmerksamkeit bekommen habe, wie auch bei der „Mimi“ nicht, wo ich meine Erfahrungen beim „Ohrenschmaus“ verarbeitete und über eine junge Frau mit Downsyndrom geschrieben habe.

Ju sophie hat das ja nicht gefallen und damit war es dann auch schon aus, obwohl Marinko Stefanovic, den ich einmal bei der Literatur im Herbst kennenlernte, die Geschichte ins Bosnische übersetzen wollte.

Da kommt auch schon der offenen Bücherschrank darin vor, deshalb habe ich daraus auch beim  offenen Bücherschrank einmal gelesen und ich denke, es ist ein besonderes Buch, schade, daß ich mit meinen fünfzig Digitaldruckbüchern dann so wenig Möglichkeiten habe.

Ich stelle sie auf meinen Blog vor, versuche daraus zu lesen, schicke auch ein paar herum, die Resonanzen sind aber meisten dürftig, denn ich habe ja, da bin ich aber selber schuld, keine ISBn Nummer und damit scheint es auch in Zeiten des „Amazon Selfpublishing“ aus zu sein, aber dagegen habe ich mich ja entschieden und „Wikipedia“ hat einmal angefangen mir meine „Digitaldruckbücher“, also ab „Novembernebel“ hinauszustreichen, denn „Eigenverlag wollen wir nicht!“

Das hat sich inzwischen vielleicht geändert, ich weiß aber nicht, wie ich wieder hineinkommen könnte und Gerhard Ruiss, den ich einmal um Rat gefragt habe, wußte es ebenfalls nicht.

„In der „Absturzgefahr“ kommen die Bücherschränke wieder vor und auch eine hundertjährige Psychiaterin,  im „Haus im Grünen“, der ja in dem Buch geschrieben, beziehungsweise von der Schreibtrainerin Fritzi Jelinek lektoriert wird. Man sieht meine Themen wiederholen sich und Fritzi Jelinek mit ihrer platonischen liebe zu Pfarrer Janusz Warszinski kommt auch in der „Selma“ nochmals vor und da spielen auch die Bücherschränke eine Rolle.

„Mein nächsten Lieblingsbuch würde ich aber bei den „Dreizehn Kapitel“ ansetzen, dem Roman, der eigentlich eine Erzählung ist und kapitelweise von einer Person zur nächsten weiterführt und es sind einige interessante Kapitel dabei, zum Beispiel Kapitel vier, „Eine Weihnachtsfrau für alle Fälle“ über die ich ja heuer meinen fünften „Nanowrimo“ geschrieben habe. Aber auch die Laura Augustin, die pensionierte Büchersammlerin, die man ja vielleicht auch in der „Selma“ wiederfinden könnte und die findet im Bücherschrank, ein Buch das ich auch dort gefunden habe, nämlich „Das gesprengte Grab, Erzählungen aus China, herausgegeben von einem Ernst Schwarz und der hat dann auch ein Kapitel in dem Buch bekommen.

Also ganz so uninteressant sind meine Bücher vielleicht doch nicht, aber da ja die Selfpublisher immer noch nicht als richtige Autoren gelten, komme ich nicht sehr viel damit heraus, obwohl das Kapitel auch in der neuen Volkkstimmeanthologie enthalten ist und ich daraus beim vorletzten Volksstimmmefest gelesen habe und da ist ein Interessent zu mir gekommen und hat mir mein Leseexemplar abgekauft, weil er nicht zum Büchertisch gehen wollte.

Als wären jetzt die „Wiener Verhältnisse“, „Lore und Lena“ „Tauben Füttern“, „Das Haus“ und die „Dreizehn Kapitel“ meine Lieblingsbücher aus denen ich dann immer noch nicht das eine Best of erwählen kann.

Es gibt aber auch zwei „Best of- Bände“, wie ich die Erzählbände mit meinen unveröffentlichen Geschichten genannt habe, die ich 2003 und 2005 herausgegeben habe, denn damals habe ich noch oft Kurzgeschichten für verschiedene Literaturpreise geschrieben, die ich dann nicht gewonnen habe.

Auch damit habe ich aufgehört, ich schreibe ja nur mehr für mich selbst, das heißt meine Bücher und das „Literaturgeflüster“ und da ist das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, mein einunddreißigstens Selbstgemachtes sicher auch etwas Besonderes, obwohl man das eigentlich nicht kaufen braucht, weil man alle Texte, vielleicht nicht so lektoriert, im Netz findet und so etwas hat und wird auch mit der „Nika Weihnachtsfrau“ meinem fünften Nanowrimo passieren. Das Buch ist noch nicht fertig, es gibt aber schon drei Texte davon im Blog zu finden und in den nächsten Jahren werde ich wahrscheinlich auch immer wieder ein Fenster hineinstellen und das ist vielleicht so etwas besonderes, wie das Projekt „Morgen mehr“, das der „Hanser Verlag“ im Jänner beginnen will, wo Tillmann Rammstedt jeden Tag ein paar Seiten eines Romans schreibt, den man dann kostenlos oder auch nicht, das habe ich noch nicht so ganz herausgefunden, abonnieren und lesen kann.

Das erregt glaub ich viel Auffsehen, die „Nika Weihnachtsfrau“ ist, wie mein ganzer Blog ein wenig unbemerkt geblieben, aber seit 2008 präsentiere und promote ich meine Bücher hier.

Es gibt die Büchervorschauen, es gibt die Schreibberichte und wenn das Buch erschienen ist gibt es auch ein Bild davon zu sehen.

Gewinnspiele gibt es auch, ein großes zu Dreißig Bücher und fünf Jahre Literaturgeflüster im Jubiläumsjahr und seither immer wieder kleine in den Vorschauen, die Resonanz ist ja gering, da sich die Blogger ja nicht so sehr für das Selbstgemachte interessieren, aber bei der „Selma kann man die Fragen noch beantworten und gewinnen, wenn man möchte und auf diese Weise ein wenig mehr über meine Lieblingsbücher und auch die anderen erfahren, denn eigentlich sind mir ja alle lieb, auch wenn wahrscheinlich nicht wirklich alle gleich gut gelungen sind und, ich gebe es  zu, einige Wiederholungen gibt.

Und jetzt habe ich  auch auf „Das Schutzengelchen“ vergessen und das ist auch ein besonderes buch mit einem besonders schönen Cover, nämlich orginal Feldpostkarten, die mein Großǘater das das Fräulein Greti und den Herrn Otto aus dem ersten Weltkrieg nach Hause zu Frau und Kindern geschickt hat.

„Anna kämpft gegen das Vergessen“, ist etwas Besonderes, denn da gibt es ein „Wunschgedicht von Richard Weihs“ und ein Cover mit den Bücherwänden aus meinen Schlafzimmer und und und, wahrscheinlich sind es doch viel mehr Lieblingsbücher, wie es mir ja auch bei denen auf meiner Leseliste so geht und ich eigentlich auch eine strkte Gegner des Auswahlverfahrens bin, obwohl mir ja das Buchpreisbloggen, das ich heuer betrieben habe, unbestritten großen Spaß machte.

Das ich jetzt beginne Figuren aus früheren Romanen auch in Weiteren zu verwenden, habe ich schon erwähnt, die Fritzi Jelinek aus der „Absturzgefahr“, taucht auch in der „Selma“ wieder auf und die Fatma Challaki gibt es nicht nur in der „Selma“ sondern auch im sogenanten „Sommer- und im Winternanowrimo“.

Fünf meiner Bücher habe ich inzwischen auch im Rahmen des „Nanowrimo“, diesem berühmten Schreibprojekt, das jährlich in November weltweit und trotzdem ziemlich unbeachtet vom Literarubetrieb über die Bühne gibt, geschrieben und 2015, die Trilogie, die mit der Selma begonnen hat und dann eine Sommer und eine Wintergeschichte, nämlich den Adventkalender mit der Nika, Weihnachtsfrau.

Dabei hätte ich im Oktober und im November gedacht, ich bin ziemich ausgeschrieben und mir fällt nie mehr etwas ein, jetzt spukt mir schon die Geschichte von der Paula, die als Paul auf die Welt gekommen ist und  vom Paul, der einmal Paula hieß, im Kopf herum und ein wenig Aufmerksamkeit auf mein Schreiben und meine Bücher wäre schön.

„Und natürlich wäre ich gern erfolgreicher, aber vielleicht kommt das noch“, habe ich in „Poesie und Brotberuf“, 2002 für eine Veranstaltung von Ruth Aspöck  in „Poldis Galeriecafe“ das es jetzt glaube ich auch nicht mehr gibt geschrieben, ein Text, den man sowohl auf meiner  Homepage, als auch  in Anita C. Schaubs Buch „FrauenSchreiben“ finden kann.

Vielleicht ist es 2016 soweit, das wäre schön und auch ein Weihnachtswunsch.

2015-12-27

Geh hin, stelle einen Wächter

Zu Weihnachten ein Märchen gefällig?

Da war einmal in den Neunzehnhundertfünfzigerjahren eine junge Frau, die in New York bei einer Fluglinie oder so gearbeitet hat und in den Südstaaten gemeinsam mit Truman Capote aufgewachsen ist.

Eine Anwaltstochter und die hat einen Roman geschrieben, den die Verlage zur Zeiten der Bürgerrechtsbewegung und Aufhebung der Rassentrennung nicht haben wollten, denn zu radikal wahrscheinlich.

Fährt da ja eine sechsundzwanzigjährige von New York in ihr Heimatstädtchen, um ihren vierzehntätigen Sommerurlaub anzutreten.

Sie fährt mit dem Zug und fliegt nicht, um ihren zweiundsiebzigjährigen Vater, der immer noch als Anwalt tätig ist nicht zuzumuten, ihretwegen um halb drei Uhr nachts aufzusgtehen, also nimmt sie ein Schlafabteil und hat dann ein Problem, als sie die Antweisungen mit dem Klappbett nicht beachtet, so daß der Schaffner sie herausholen muß.

„Keine Angst Miß!“, brummt der gutmütig,“Ich kann das ohne hinzusehen!“ und sie zieht, als der Zug langsam  in  Maycomb ankommt, ihre Stadtklamotten aus und die Latzhosen, die sie früher dort getragen hat, an, denn sie war ein sehr wildes Mädchen, das ihre Krise hatte, als sie Regel bekam und erfuhr, daß sie fortan bis fünzig bluten würde müßen.

Sie wird nicht vom Vater, sondern seinem Compagnon Hank abgeholt, der aus einer nicht ganz so guten Familie stammt wie sie, also nicht ganz der richtige Ehemann wäre, obwohl er Jus studierte, wie ihr Tante Alexandra gleich einredet und dann noch sieht, wie sie angeblich in der Nacht mit Hank splitternackt im Fluß badete.

So weit so gut und kleinbürgerlich, die Verhältnisse in dem Städtchen, wo Jean Louise, auch Scout genannt, mit ihrem Bruder und dem schwarzen Kindermädchen aufwuchs, weil ihr Mutter gestorben ist, als sie zwei  war.

Dieses Kindermädchen oder Haushälterin rettet sie auch vor dem Selbstmord, als sie sich mit elf vom Wassertum stürzen will, denn sie wurde schon einmal geküßsst und nun wird sie, wie ihr ihre Schulfreundinnen einreden, nach neun Monaten ein  Kind bekommen, Schade über die Familie bringen, in ein Heim gesperrt werden, etcetera und als sie mit Vierzehn auf den Schulball gehen soll, gibt es Schwierigkeiten mit dem falschen Busen, hier rettet sie Hank, beziehungsweise ihr Vater aus dem Skandal.

So weit so gut und dann passiert das Unglück, denn Jean Louise entdeckt unter den Sachen ihres Vaters, der einmal einen Schwarzen, Neger steht in dem Buch und in der Anmerkung auf Seite dreihundertsiebzehn wird erklärt, daß das zu Zeiten, als das Buch geschrieben wurde, so üblich war, „auch wenn der Begriff heute als abwertend gilt“,  verteidigte, der dann auch freigesprochen wurde und jetzt liegt da eine Broschüre einer Bürgerrechtsbewegung in der Sachen stehen, wie, daß Schwarze zu wenig Hirnmasse und daher nicht die gleichen Rechte wie die anderen hätten, etcetera.

Der Vater ist Mitglied dieser Bürgerrechtsbeweung und Hank ebenfalls, wie Jean Louise erfährt und am nächsten Tag arrangiert ihre Tante auch noch das übliche Kränzchen, wo sie sich die Dummheiten der älteren Frauen und Mädchen anhören muß, mit denen sie einmal zur Schule gegangen ist.

Als sie Hank zur Rede stellt, antwortet er, daß man manchmal Sachen tuen muß, die man nicht wirklich will, wenn man als Antwalt in einem kleinen Städtchen Karriere machen will und ihr Vater sagt ihr dann ungefähr dasselben und fragt sie, ob sie wirkliche einen schwarzen heiraten will und, daß sie Zeit eben noch nicht so weit ist, daß man Schwarze regieren lassen kann, weil die die Bildung nicht mitbringen, um das richtig zu tun, etcetera.

Jean Louise will abreisen, beschimpft ihr Tantchen und kommt erst zur Raison, beziehungsweise zur Versöhnung, als ein anderes Mitglied der Famielie, ihr etwas schrulliger Onkel Dr. Finch, ihr eine knallt.

Ein Buch, das in den Fünzigerjahren so nicht erscheinen konnte.

Harper Lee, die eigentlich  Nelle hieß, schien das zu verstehen und schrieb den Roman um, so wurde aus der sechsundzwanzigjährigen, ein kleines Mädchen und der Vater verteidigt den Schwarzen offenbar mit Bravour, verliert aber den Prozeß, das Buch, das 1960 unter dem Titel „Wer die Nachtgiall stört“ den Pulizterpreis bekam, wurde mit Gregory Peck verfilmt und damit offenbar zum Nationalheiligtum der Amerikaner und Stoff in den Schulen.

Harper Lee, die inzwischen nach einem Schlaganfall zurückgezogen, wie das heißt, in einem Altersheim lebt, hat seither nicht mehr viel geschrieben, gab es doch Gerüchte, das Buch stammt gar nicht von ihr, sondern von Truman Capote.

Dann kam ihre Anwältin daher,  fand das verschollen geglaubte Frühmanuskript und veröffentlichte es, ob oder mit Zustammung der alten Dame, eine Kommission erschien offenbar  in dem Alterheim, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist und berichtete, die alte Dame hätte sich über die Veröffentlichung gefreut.

Amerika druckte es in Millionen, DVA für den deutschen Raum in hunderttausend Exemplaren, es gab auch einige Specials dazu und dann war das Buch auch noch in dem Buchpaket, das ich von „Buzzaldrin“ gewonnen habe und habe in Zeiten, wo alle Blogger aus ihren hundert oder so gelesen Büchern ihre fünf Lieblinge ausuchen, es auch dazu gemacht, zusammen mit dem Setz, dem Houellebeqc,  den beiden Kisch-Bänden und John Knittels „Via Mala“ um eine Auswahl aus den wahrscheinlich 163 aus 167000 zu treffen, denn mir hat es gefallen.

„Wem die Nachtigall“ stört, habe ich nicht gelesen und auch nicht auf meiner Bücherliste, leider habe ich es noch nicht gefunden und mein Vater hatte es nicht in seinem Bücherkasten, obwohl mir sowohl der Titel, als auch das Cover, das man bei Google sehen kann, bekannt erscheint.

Eine spannende Geschichte und ein Weihnachtsmächen für mich, weil das Buch zufälligerweise gerade da, auf meiner Liste gestanden ist, schön wenn es wirklich so gewesen ist oder eigentlich auch bedenklich und Grund über vieles, in Zeiten, wo alte Menschen vielleicht entmüdigt werden und in Amerika noch immer die Straßen brennen, weil Schwarze und keine Nigger oder Negros von Polizisten viel rascher als Weiße wegen Nichtigkeiten erschoßen werden, etcetera, nachzudenken.

Aber vielleicht war es auch ganz anders, weil die Verlage und die Lektoren, wie wir spätesten jetzt wissen, ja genau auswählen, umschreiben, überlegen, was sie auf den Markt bringen und „Geh hin, stelle einen Wächter“, übrigens ein Bibelzitat, ist im Frühjahr oder Sommer erschienen, da  galt es als Sensation, in München hat es einen Harper Lee Abend im Literaturhaus gegeben, Cornelia Travnicek hat auf ihren Seiten geschrieben, daß sie im selben Verlag veröffentlich und eine Zeitlang in aller Munde, bis die Exemplare eben verkauft oder sonstwie vergeben wurden.

Jetzt ist es, glaube ich, wieder eher still darum, hat der Buchmarkt ja inzwischen  seine neuen Sensationen, das neue Buch von  Karl  Ove Knausgard zum Beispiel oder das mit den handgeschriebenen Zettelchen und Ansichtskarten, das ich eher für eine Spielerei halte. Der Witzel  und der Setz, die ich im Zuge meines Longlistslesen gelesen habe,  sind auch schon Schnee von gestern und jetzt gibt es schon die Frühjahrsvorschauen, mit denen ich mich so gut, wie überhaupt noch nicht beschäftigt habe, denn ich habe ja noch einige Bücher auf meiner 2016-Leseliste.

Und noch ein P.S:

Ich bin ja von den großen berühmten Amerikanern wie Philip Roth, James Salter, Richard Ford, etc nicht immer so begeistert, bei den weiblichen Literaturtalente der Neunzehnhundertfünfzigerjahre scheint das aber anders und so habe ich sowohl die Bücher von Grace Metalious als auch Silvia Plaths „Glasglocke“ mit Begeisterung gelesen.

2015-12-26

Der Dieb in der Nacht

Die 1984 geborene Katharina Hartwell, deren Debutroman „Das fremde Meer“, in einigen Blogs, als das beste Buch des Jahres bezeichnet wird, ist in ihrem zweiten, ein Gewinn aus „Buzzaldrins“ Bücherkiste, ein beklemmender Gespensterroman gelungen, könnte man so schreiben.

Anklänge an E. T. A. Hofmann tauchen auf, schwarze Kleider, todblasse Gesichter, dänische Märchen und auch die dänische Tichterin Karen Blixen, die eine Gespenstergeschichte geschrieben hat.

Es geht aber um das einunzwanzigste Jahrhundert und um die brüchige Familienverhältnisse, derjenigen, die  Ende zwanzig sind, ein Studium abgeschlossen oder abgebrochen haben, auf ihre Dissertation warten, Cupcakes backen oder nach Prag fahren, um dort zu fotografieren und seltsame Begegnungen zu machen.

Es geht um Paul und um seinen Freund Felix, der vor zehn Jahren verschwunden ist, da er ist zur Tankstelle gegangen, um  Cola zu kaufen und nie mehr aufgetaucht.

Jetzt sitzt einer mit schwarzen Kleidern und fahlen Wangen in einer Prager Bar, schaut aus wie Felix, hat dasselbe Muttermal und die gleichen Bewegungen, aber schwarze Haare und ist es oder ist es trotzdem nicht.

Er sagt „Nein!“, denn er heißt Ira Blixen, das ist zwar ein Künstlername und ein Gedächtnis hat er ebenfalls nicht, denn er ist vor einigen Jahren aus der Moldau gefischt worden und kann sich an nichts mehr erinnern.

Nach anfänglichen Zögern folgt er Felix nach Berlin. Zuerst wurde aber ein Frau überfahren und Paul erkrankt auch an seltsamen Symptomen.

Blixen nistet sich bei ihm ein, macht ihn mit Wein betrunken und sucht auch Felix Schwester Louise auf, beziehungsweise trifft er sich mit ihr in einem Cafe. Paul ist empört, als er das erfährt und Louise war das auch empört, als sie Blixen das erste Mal gesehen hat.

Trotzdem gerät auch sie in seinen Bann, verläßt die WG in der sie wohnt, zieht zu Paul und Blixen, den sie bei mehreren Lügen ertappen. So schleicht er nachts aus der Wohnung und kann sich nicht daran erinnern. Es gibt auch eine beklemmende Szene in einem Wald, in den Louise joggen geht, sich vor einem schwarzen Hund fürchtet und dann Blixen mit diesen Hund vor der Haustür sieht, was er wieder bestreitet.

Das läßt an ein Gespenst und an einen Untoten denken. Der tote Felix ist zurückgekommen. Aber wahrscheinlich, weil Gespensterroma heutzutage kitschig oder nicht literarisch sind, wird das nicht weiter verfolgt, sondern löst sich, wie ich in einer Rezensione gelesen habe, „in der Realität auf“.

Vorher komm aber noch Agnes, Felix und Louises Mutter ins Spiel und wir erfahren, daß sich der junge Paul von seinen Eltern abgewandt und Felix Familie zugewandt hat. Er ist dort mehr als zu Hause gewesen. Der Familie auch in das Sommerhaus gefolgt, Agnes, Louise und Felix, denn der Vater Simon hat sich schon vorher verabschiedet.

Paul belauscht einmal, daß er von Blixen „Nimmersatt“ genannt wird. Später nennt er ihn „Parasit“, bohrt also in Wunden und um das Geheimnis aufzuklären, bringen Paul und Louise ihn in das Landhaus, bedrohen ihn mit einem Messer, fesseln ihm am Sessel, doch als sie den Raum wieder betreten, steht er im Garten, winkt ihnen zu, beziehungsweise verschwindt er im Schatten.

In der Danksagung steht, daß die „Idee zu dem Roman durch die Dokumentation der „Blender“, der sich mit dem rätselhaften Verschwinden und vermeintlichen Wiederauftauchen des 13 jährigen Nicolas Barclay auseinandersetzt“, gekommen ist und es gibt sehr schöne Sätze, hat Katharina Hartwell ja in Leipzig studiert und sich am literarischen Colloquium in Berlin aufgehalten, beispielsweise die, die sich mit Weltuntergangsszenarien beschäftigen, von denen man ja auch auf der heurigen LL lesen konnte.

Kurt Palm hat sich in seinen „Besuchern“  auch ein bißchen mit Gespenstern beschäftigt und ich finde den „Dieb in der Nacht“,  als originellen Ansatz in der Literaturlandschaft, da ich E. T. Hofmann  sehr mag und ihn, als ich so alt oder jünger, als Katharina Hartwell war,  auch viel gelesen habe.

2015-12-25

Christtag

Filed under: Alltagsgeplauder,Textbeispiel — jancak @ 00:57
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Der Weihnachtsabend ist vorbei, die Kerzen am Christbaum wurden angezündet, die Geschenke verteilt, der Fisch mit Kartoffelsalat und die Weihnachtskekse gegessen.

Meine Weihnachtsbücher vom Alfred hat es dieses Jahr ja schon im Sommer gegeben, habe ich das ja für mein Longlistenlesen ein bißchen vorgezogen, trotzdem habe ich noch Cornelia Travniceks „Junge Hunde“ und Sandra Gugics „Astronauten“ bekommen und muß die Bücher auf meiner Leseliste jetzt so verteilen, daß ich das Lesen noch erlebe, beziehungsweise nicht soviele Folgebücher der jungen Autorinnen inzwischen entstehen.

Von der Anna gab es wieder Badekugeln und Massageöle, das was, wie wir gleich erfahren werden, auch Harald Schwabendeder Nika schenkte, von der Schiwegermutter einen Hunderter und Lindt-Kugeln und die Weihnachtsfeiertage kann ich dazu nützen, die vier bis fünf Bücher die noch auf meiner heurigen Leseliste stehen, auszulesen und jetzt gibts wie versprochen, den „Freitag, 25. Dezember“, der Nika Weihnachtsfrau:

„Am nächsten Tag läutete kein Wecker und Nika konnte schlafen, solange sie es wünschte, wie sie dankbar beim Aufwachen dachte. Halb zehn! Sie mußte nicht mehr auf die Mariahilferstraße, sich nur noch am Montag bei der Nachweihnachtsfeier, eigentlich ein blödes Wort, einfinden und würde dort wahrscheinlich ein verspätetes Weihnachtspäckchen oder einen Geschenkgutschein des Hauses bekommen, von dem sie Harald eine Krawatte oder ebebenfalls eine Flasche Wein, beziehungsweise Whisky besorgen konnte, dachte sie und stand auf. Adventkalenderfenster war keines mehr zu öffnen. Da strahlte schon der Christbaum mit den leuchtenden Kerzen vom Donnerstag und den gab es genausowenig, wie einen Adventkranz in ihrer Studentenbude. Bei ihren Eltern hatte es einen gegeben und darunter hatten jede Menge Geschenkpakete gelegen. Dabei hatte sich einige Strampelanzuüge, Schühchen und Mützen für die noch ungeborene Zoe-Philipa befunden, die die Mutter gestrickt und Ruth mit einem scheelen Blick auf ihren langsam wachsenden Bauch überreicht hatte und der Vater hatte im spitzen Tonfall gesagt, daß er hoffe, daß die Sache mit ihrem Kindesvater nun bereinigt sei, weil er keine Lust habe, von seinen ehemaligen Kollegen immer zu hören, daß sie schon wieder den Namen seiner Tochter in der Zeitung gelesen hatten und von ihm wissen wollten, wann die Hochzeit mit diesem Schauspieler sei?

„Die wird es nicht geben, Papa!“, hatte Ruth genauso spitz geantwortet und auf Vera Mosebach gezeigt.

„Denn ich habe schon eine Lebenspartnerin und, wie du vielleicht weißt, auch eine eingetragene Partnerschaft!“

„Friede, Friede!“, hatte die Mutter ängstlich ausgerufen und zu Tisch gebeten, auf dem die Lachsforelle schon auf einer Wärmeplatte prangte. Der Vater hatte aber Vera gemustert und hinzugefügt, daß er auch über sie viel zu oft in der Zeitung gelesen habe und, daß er es eigentlich für keine gute Idee halte, Mißbrauchstäter zu therapieren! Das sei nur neumodisches Zeug, denn die gehörten hinter Gitter und für sein ungeborenes enkelkind sei es wahrscheinlich auch nicht gut, wenn es in Kontakt mit solchen Menschen käme!

„Hast du da keine Angst?“, hatte er Ruth scharf gefragt, die blaß geworden war und vom Geruch der Lachsforelle wieder einen Brechreiz zu bekommen schien. Vera hatte ihre Hand auf sie gelegt und zum Vater „Keine Sorge, wir wohnen nicht in meiner Praxis und die Kleine wird nicht sehr oft dort hinkommen!“, geantwortet. Die Mutter hatte aufgeatmet und wieder  „Friede, Friede!“, aufgerufen, sich dann bei ihr für die Bonbonniere bedankt und sie hatte das bei dem „H und M-Gutschein“, der sich in ihrem Geschenkkuvert befunden hatte, gleichfalls getan. Ob sie dafür eine Krawatte für Harald kaufen sollte? Was aber wahrscheinlich schwierig war, da die Geschäfte erst wieder Montag öffneten, sie Harald aber schon in zwei Stunden wiedersah, wenn er kam, um sie für die Nichtweihnachtsfeier bei Fatma Challaki abzuholen. Für die hatte sie einen „Wien-Führer“ und für die Nachbarin einen kleinen Weihnachtsstern gekauft, den sie ihr gestern, bevor sie mit Ruth und Vera zu den Eltern aufgebrochen war, überreicht hatte. Für Haralds Geschenk war es sich aber nicht mehr ausgegangen und sie könnte ihm höchstens den Teller mit den Weihnachtskeksen übberreichen, den ihr die Mutter eingepackt hatte. Von Ruth und Vera hatte sie eine Thomas Bernhard-Biografie bekommen.

„Für deine Dissertation!“, hatten die Beiden mit strahlenden Lächeln gesagt und sie hatte versichert, daß sie das Buch schon lange haben wollte. das war also auch nichts für Harald und wenn sie ihm den Clemens J. Setz überreichte, hatte sie bezüglich ihrer Nachbarin ein schlechtes Gewissen und war das ohnehin nicht möglich, handelte es sich doch , um ein unverkäufliches Leseexemplar und war von dem Rezensenten, der es abgegeben hatte, auch an einigen Stellen angestrichen worden. das ging auch nicht, wie Nika dachte, als sie vor ihren Kaffeeautomaten trat, Wasser in den diesbezüglichen Behälter füllte und den mütterlichen Keksteller auf den Küchentisch stellte, weil sich kein Brot im Haus befand und sie nicht immer Fertigmüsli essen wollte. Die mütterlichen Kekse dufteten dagegen verführerisch und es war ein Feiertag. Sie würde Harald, der wahrscheinlich gar kein so ein weihnachtlicher Typ war, wenn er kommen würde, davon anbieten und das Geschenk würde sie ihm versprechen, wenn sie sich am Sonntag zu ihrer höchstpersönlichen Weihnachtsfeier treffen würden. Bis dahin würde sie es auf einem der Bahnhöfe schaffen und sich für eine Flasche Wein entscheiden, die sie auch für den alten Max und die Weihnachtsjause bei ihm brauchte, dachte sie und seufzte auf.

„Scheiße!“, hatte sie dann zwei Stunden später gedacht, als sie Harald geöffnet und von ihm prompt ein imposant aussehendes Geschenkpaket in die Hand  gedrückt bekommen hatte.

„Frohes Fest, Nika Weihnachtsfrau! Ich hoffe du hast bei deinen Eltern schön gefeiert!“, hatte er gesagt und hinzugefüngt, daß er wisse, daß sie erst übermorgen feiern würden.

„Aber das hat mir das Christkind schon für dich gegeben und überreiche ich dir hiermit!“

Sie war ein wenig rotgeworden, hatte etwas Unverständliches gestammelt, auf den Tisch mit dem Keksteller gezeigt und zu erklären versucht, daß sie ihm sein Geschenk am Sonntag überreichen würde.

„Kein Problem, Nika, Weihnachtsfrau!“, hatte er geantwortet und sie in den Arm genommen.

„Ich bin, wie du weißt, kein so besonderer Weihnachtsfan, aber die liebe Mama hat ihren Einzigen sehr verwöhnt und eine Menge Kekse für mich geacken! Ob sie so gut sind, wie die von deiner Mutter, werden wir gleich herausfinden!“, fach einen der Zimtsterne gegriffen „Mhm“ gemurmelt und sich bei ihr noch einmal erkundigt, ob das Fest schön gewesen sei?

Wie man es nimmt!“, hatte Nika geantwortet.

„Der Papa hat etwas gegen Frauenliebe und will ruth mit Joe Prohaska zusammenbringen! Die Mama hat die ganze Zeit „Friede, Friede!“, ausgerufen und Ruth hat beim Anblick der Lachsforelle, die ausgezeichnet war und gut schmeckte, kotzen müssen! Aber sonst ist es schön gewesen und alle haben sich über das kommende Weihnachtsengerl sehr gefreut und es mit Geschenken ausgestattet!“

„Ich verstehe!“, hatte Harald lachend gesagt.

„Das mit dem Joe wird sich dein Papa wahrscheinlich abschminken müsssen, denn der hat sich, wie wir am Sonntag gesehen haben und du inzwischen noch einmal beobachten konntest, wirklich in sein Gretchen verliebt und offenbar nur mehr soviel Interesse an deiner Schwester, wie sie an ihm und wir brechen jetzt am besten zur Nichtweihnachtsfeier bvei deiner syrischen Freundin auf und das ist sicher eine angenehme Art Weihnachten zu feiern und dabei den Anstandswauwau zu spielen, damit sie den Tag mit ihren irakischen Freund verbringen kann!“

„Wahrscheinlich!“, hatte Nika geantwortet und nach dem Bildband gegriffen.

„Und damit es doch ein wenig festlich wird, packen wir ein paar von Mamas Keksen ein, die auch bei einer Nichtweihnachtsfeier schmecken!“

Dann waren sie in Sandras Wohngemeinschaft aufgebrochen, wo Fatma Challaki, die wieder ein blaues Kopftuch zu ihren Jeans und einer weißen Bluse trug, schon wartete und sie in das Wohnzimmer führte, wo Hassan Arawani neben Professor Eberhard saß, der sie, als er sie kommen sah, in beinahe flüßige Deutsch mit „Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest!“, begrüßte.

„Das wünsche ich gleichfalls!“, meinte Professor Eberhard und nickte Nika freundlich zu.

„Wir werden uns auch morgen bei der Weihnachtsjause bei meinem Kollegen treffen, den ich auf der Mariahilferstraße wiedertraf, wobei uns ein kleines Weihnachtswichtelchen und eine Weihnachtsfrau geholfen haben, was so berührend war, daß wir verwitweten alten Herrn beschlossen haben, den Stefanitag zusammen zu feiern und damit wir dabei nicht einsam sind, haben wir uns auch das Wichtelchen mit seiner Mutter und die Weihnachtsfrau eingeladen!“

„Das ist schön!“, antwortete Fatma und wies auf den gedeckten Tisch.

„Dann bitte ich Platz zu nehmen“ Es gibt bei uns zwar keinen Weihnachtsschmaus“ Keine Gans und keinen Truthahn“ ich habe etwas Syrisches für euch und Hassan gekocht, von dem ich hoffe, daß es schmeckt und für den Bildband und die Kekse bedanken wir uns sehr!“, sagte sie und wurde, als sie Hassan ansah, wieder etwas rot. Die junge Syrierin schien sich in den jungen Iraker verliebt zu haben, der sich ebenfalls für das Geschenk bedankte und hinzufügte, daß Fatma Linsensuppe, syrische Fleischbällchen mit Joghurtsauce und Reis gekocht habe und es dann noch eine Mandeltorte gäbe.

„Das klingt ausgezeichnet und ist sicher nicht mit Tafelspitz und Kirschenknödel, wie die Haushälterin im „Radektzkymarsch“, den Fatma, wie sie mir erzählte in der deutschen Schule in Damaskus mit ihrem österreichischen Deutschlehrer gelesen hat, servierte, zu vergleichen, aber bestimmt ebenfalls sehr gut!“, sagte Professor Eberhard und Fatma, die wieder rot geworden war, antwortete, daß sie sich bemüht habe, aber sicher die Speisen nicht so gut, wie ihre Mutter zusammenbrachte.

„Aber die ist leider nicht hier und ich allein nach Wien gekommen und da ist es sehr fein, daß Sie Zeit haben uns  zu besuchen, so daß ich mit Hassan auch ein wenig feiern kann, obwohl wir in Syrien Weihnachten nicht kennen!“

So weit, so gut! Was bisher geschah läßt sich hier und hier ein bißchen nachlesen.

Weihnachtskekse gibt es hier zu sehen und ein Weihnachtsgedicht habe ich auch für meine Leser auch!

2015-12-24

Der Weihnachtshund

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47
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Als Daniel Glattauers „Weihnachtshund“ 2000 bei „Deuticke“  erschienen ist, waren wir auf der Buchmesse in Frankfurt und da habe ich das Buch gesehen und mir auch ein paar entsprechende Werbeweihnachtskarten mitgenommen.

Gekauft habe ich es natürlich nicht und Daniel Glattauer war damals glaube ich, noch eher als „Standard-Journalist“ als als Autor bekannt.

Trotzdem hat mich das Buch die ganze Zeit interessiert und so habe ich mich sehr gefreut, als ich es, im letzten Jahr wahrscheinlich, in einem der Schränke entdeckt habe.

Im Vorjahr habe ich auch eine „Weihnachtsfilm-Manie“ gehabt, die jetzt viel milder wieder vorhanden ist und die hat am fünften Dezember, glaube ich, mit dem verfilmten Weihnachtshund begonnen und heuer kam dann das Buch auf meiner Leseliste an die Reihe und so habe ich es am sechsten Dezember als wir aus Ungarn zurück waren mit dem Lesen begonnen und habe da entdeckt, es ist, wie die „Nika, Weihnachtsfrau“, ein Adventkalender.

Also vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember ein Kapitel und so habe ich umdisponiert, am sechsten Dezember bis zum sechsten gelesen und ab dann jeden Tag eines.

Nur beim letzten habe ich wieder ein bißchen geschwindelt, damit ich meinen Eintrag machen konnte und den Film habe ich mir am Dienstag auch noch einmal angeschaut und da bin ich, fürchte ich, ein bißchen durcheinander gekommen, denn Buch und Film unterscheiden sich vom Inhalt ziemlich und der Film hat mir nicht einmal so gefallen und jetzt schreibe ich gleich, das Buch auch nicht, denn da sind einige Sachen, die mich ziemlich stören.

Es war aber auch, das gebe ich zu, für mich ein bißchen schwierig an dem Buch drei Wochen zu lesen, weil ich ja dazwischen einiges anderes gelesen habe und so bin ich jetzt auch nicht sicher, ob ich alles richtig wiedergebe und nichts verwechsle.

Da ist also Max, der Journalist, vierunddreißig mit seinem Drahthaardackel Kurt, ein ziemlich träger Hund und der ist ein Weihnachtshasser, deshalb will er auch zu Weihnachten auf die Malediven reisen und sucht dazu eine Person, die auf den Hund aufpasst.

Das ist Kathrin, die am vierundzwanzigsten Dezember dreißig wird und weil sie das Geburts- und Weihnachtsfest nicht bei ihren Eltern, die sie unbedingt unter die Haube bringen wollen, verbringen will und ihr Vater eine Hundephobie oder Allergie hat, meldet sie sich auf das Inserat und so beginnt die Geschichte in den vierundzwanzig Kapitel in denen sich Max und Katrin unsterblich ineinander verlieben und am vierundzwanzigsten auch zusammenkommen.

Es gibt  dabei aber Hindernisse und die sind es auch, die mich ziemlich stören, so daß ich das Buch fast, obwohl ich das ja sonst nicht tue, in eine Ecke schmeissen könnte.

Aber hallo, kann das sein, daß so eine große Liebe wirklich geht?

Am Buchrücken steht etwas  von: „Der Roman ist ein Antidepressivum gegeg den vorweihnachtlichen Frust, bei dessen Lektüre man mindestens einmal pro Seite lacht. Eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte.“

Beispiele dazu gefällig: Max hat, wie auch im Film hervorgeht, ein Kußproblem, als Jugendlicher sollte er, angeheuert von Freunden, die fette Sissi küssen, seither graust ihm davor und er speibt sich jedesmal an. Im Film fällt er in Ohnmacht und das hat natürlich  Auswirkungen auf seine Liebesleben.

Das finde ich ja noch ganz lustig, aber das richtig Widerliche an dem Buch, sind Max Freundinnen oder Frauengeschichte, denn da kommt Katrin auf Besuch, sie essen Birnenkuchen oder lieben sich, dann muß Katrin aber weg, weil Max, natürlich ganz harmlos und „Es ist ganz anders als du glaubst!“, Besuch von seiner Freundin Paula bekommt, die ihm das Küßen beibringen soll.

Die versucht es auch mit der systematischen Desensibilisierung. Auch noch ganz lustig, dieser Einfall und besorgt ihm dazu ein Lippenfoto. Katrin erwischt ihn dabei, ist wieder mal beleidigt, aber die gute Freundin klärt auf und so besorgt Katrin dann noch das Original der Lippen und Max küsst mit verbundenen Augen diese.

Geht es noch besser? Das ist etwas, was ich nicht nur zu Weihnachten nicht lustig finde.

Ansonsten gibt es noch einige Unlogischheiten. So ist  Kurt ein sehr träger Hund und macht den ganzen Tag nichts anderes als schlafen. Bei Katrin verändert er sich aber gänzlich,  wird rabiatt und versetzt die ganzen Patienten, im Buch ist Katrin medizinische Assistentin  der Augenheilkunde und schmeisst für ihren Chef, dem Arzt, die ganze Praxis. Würde mich interessieren was die Ärztekammer dazu sagt? Aber auch noch ganz lustig.

Max und Katrin bekommen sich also nach vielen Hindernissen und vielleicht weil ich das Buch nicht auf einmal, sondern in drei Wochen gelesen habe, erscheinen die mir auch nicht immer ganz logisch, sondern an den Haaren herbeigezogen und wenn man zu „Amazon“ geht, findet man sehr viele Einsternrezensionen, denen es ähnlich geht.

Ich habe inzwischen  einige Glattauer-Bücher elesen mit denen ich dieses Problem nicht habe. Das ist ein früherGlattauer  und es stimmt wahrscheinlich, daß man hier schon ein bißchen die Mailkontakte von „Gut gegen Nordwind“ finden kann.

Das Buch scheint übrigens noch aktuell zu sein, so habe ich es vorige Woche in derselben „Goldmann-Ausgabe“ bei „Thalia“ liegen gesehen und eine Fortsetzung von dem Film, gibt es auch und ich habe diesmal einen Adventkalender gelesen, sowie einen geschrieben und der „Weihnachtshund“ ist  heuer mein einziges Weihnachtsbuch, wenn man von der „Nika“ absieht, die auch eines ist.

Und jetzt kann ich „Frohe Weihnachten!“, wünschen und meinen Lesern für den fünfundzwanzigsten Dezember ein weiteres Nika-Kapitel in Aussicht stellen.

2015-12-23

36,9

„Und es ist wahr, daß man bestimmte Bosheiten dem antut, den man liebt!“, hat der italienische Kommunist Antonio Gramsci an seine Frau Julia Schucht geschrieben und die 1982 in Bremen geborene Nora Bossong, seit diesem Sommer bekannt als Titelfigur in Nora Gomringers Bachmann-Siegertext hat über ihn einen Roman geschrieben und weil man im „Deutschen Literaturinstitut in Leipzig“ wahrscheinlich lernt, daß man heutzutage nicht mehr linear und eins zu eins schreiben darf, heißt er auch nicht „Der Revolutionär“ oder „Gramscis letztes Heft“, sondern 36,9 Grad, denn das ist seine oder offenbar, die Körpertemperatur bevor sie ins Fieber kippt.

Denn der 1891 in Sardinien geborene und 1937 in Rom gestorbene Gramsci war immer ein kränklicher Typ.

Kleingewachsen und mit einem Buckel, weil ein Dienstmädchen ihn als Kind  fallen ließ, so lernte er die Schucht-Schwestern und seine spätere Frau Julia auch in einem Sanatorium kennen und als er 1937 aus dem Gefängnis entlassen werden soll, erwischt ihn bald die Tuberkolose, so bleibt der dritten Schucht-Schwester Tanja nichts anderseres übrig, als die berühmten Gefängnishefte, die er während seiner Haft geschrieben hat, hinaus und nach Russland zu schmuggeln. Denn Gramsci war Kommunist, Herausgeber einer solchen Zeitschrift und Abgeordneter, als solcher kämpfte er gegen Mussolini, der ihn  verhaften ließ und die Schucht-Schwestern hat er in Moskau kennengelernt, die ältere Eugenia, war eine Vertraute Lenis und die Revolution in Moskau spielte in seinem Leben auch eine große Rolle, beziehungsweise Stalins Aufstieg, der dann  auch einiges säubern ließ.

So weit so gut, historisch verbürgt und spannend in einer Biografie oder Sachbuch darüber zu lesen, wenn aber eine deutsche Nachwuchsschriftstellerin darüber schreibt, werden die Fakten mit der Fiktion vermischt.

In diesem Fall kommt auch etwas sehr Poetisches heraus, denn Nora Bossong hat eine  schöne Sprache mit vielenNeuschöpfungen und weil man ja nicht so linear und ein zu eins schreiben darf, mischt sie  eine zweite Erzählebene hinein und da wird es, wie die einen sagen satirisch, peinlich könnte man es vielleicht auch ein bißchen nennen oder besser „lächerlich“, wie  ja ein großer Dichter das Leben nannte und sein Vorbild ist in der Figur des Antons Stövers zu spüren, der eine durch und durch negative Figur ist. Dem ganzen einen komischen Anstrich gibt, was ich ein bißchen schade finde, denn der Widerstand gegen das faschistische Italien und die hinausgeschmuggelten Briefe sind ja eine ernste Angelegenheit und Antonio Gramscis Leben, der seinen zweiten Sohn zum Beispiel nie gesehen hat, weil er im Gefängnis war und Julia mit ihren Kindern in Moskau lebte, war das sicher auch.

Dieser Anton Stöver ist aberm was Antonio Gramsci sicherlich nicht war, ein Looser durch und durch und dazu noch ein Zyniker, der sich sein Scheitern nicht eingestehen will,  von den Frauen oder von seiner Vorstellung bei ihnen zu landen besessen und so stolpert er durch Rom und das Leben und tritt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen .

Er ist der Sohn einer politisch aktiven Achtundsechzigerin, selber eine Gramsci Forscherin, die ihren Sohn nicht mochte, dann zug er von Bremen nach Göttingen, um sich dort der Universitätslaufbahn hinzugeben, wurde aber nicht Professor, so schreibt er alles in einer Zeitung, um sich damit einen großbürgerlichen Lebensstil  zu leisten. Die Mami muß dem Söhnchen unter die Arme greifen, seine Ehe mit Hedda geht schief, er betrügt sie auch mit allen Frauen und ist sehr gemein zu ihr, trotzdem wird er von einem alten Professor nach Rom gerufen, denn er soll dort nach dem letzten verschwundnen Gefängnisheft fahnden.

Die Zeit drängt meint der Professor, der nach Alter richt und eine seltsame Haushälterin in seiner mit Bücher überfüllten Wohnung hat, trotzdem läßt sich Stöver Zeit und tut eigentlich nichts anderes, als einer Frau nachzulaufen, der er ständig überall begegnet, im Gramsci Institut, in der russischen Botschaft, etcetera und die er Tatjana nennt, andere Erscheinungen hat er auch, bis ihm Hedda nach Hause ruft.

Söhnchen ist krank, er steigt aber aus dem Taxi aus, folgt Tatjana in ihre Wohnung, beziehungswweise wird er von einer Frau angesprochen und in ein Zimmer geführt und dort sitzt er dann mit seinem Koffer und nimmt das verschollene Heft heraus.

In abwechselnden Kapiteln werden diese zwei Ebenen erzählt und in dem Stöver Teil geht es noch in seine Vergangenheit in Göttingen, wo er seine Frau betrügt und dann zu seinen Visonen, die er in Rom erlebt und es ist ein sehr poetischer Roman entstanden, der zwar auch nicht auf der Longlist stand, man hat aber ein  schönes Stück Gegenwartsliteratur von einer neuen frischen Stimme gelesen, ob es einen Gramsci Forscher weiterbringt, weiß ich nicht und auch nicht, ob sich die Erfreuer einer poetischen Sprache  unbedingt für einen Kommunisten und seine Beziehung zu den drei Schucht Schwestern interessieren.

Für mich war mein Gewinn bei Mara Gieses „Herbstgeraschel-Gewinnspiel“ aber sehr interessant, denn so habe ich die Gelegenheit mich auch jenseits der LL in die 2015 Neuerscheinungen ein bißchen einzulesen und habe Nora Bossong, ich gebe es zu, durch Nora Gomringers Text kennengelernt und da könnte man auch ein kleines Namesspiel daraus machen, denn es gibt noch ein eher experimentelles Buch von dem Autorenteam David Ender und Jack Hauser namens  „Hembert Nora“ „entdeckt, belichtet, entwickelt, fixiert und montiert zwischen Juni 1991 und Juli 1996“ und in der „Edtion Selene“ erschienen, das ich einmal beim Flohmarkt der „Gesellschaft für Literatur“ fand und das ich dann eine Zeitlang mit Nora Gomringer verwechselte, wie mir das mit meiner leicht legasthenen Art, wie ich immer sage, manchesmal passiert.

2015-12-22

Bora

„Eine Geschichte vom Wind“ oder besser, eine über die Liebe, hat die 1963 in Wien geborene Ruth Cerha, die Tochter des berühmten zeitgenössischen Komponisten, da geschrieben, die diesen Sommer durch alle Blogs gegangen ist und durch Mara Gieses „Herbstraschlgewinnspiel“ auch zu mir gekommen ist.

Ein Buch das man  im Sommer lesen sollte, aber auf meiner Leseliste weit nach unten gerutscht ist, was aber nichts macht, denn siehe da, Weihnachten kommt, obwohl das Buch im Sommer auf einer kroatischen Insel spielt, sogar sehr ausführlich vor, Weihnachten in Manhatten mit dem großen Baum beim Rockefellercenter, wo man auch schlittschuhlaufen kann.

Tobias Nazemi, einer der Oberbuchpreisblogger hat es schon im Sommer gelesen und gerade zu hymnisch besprochen, nur das Cover, rosa Schrift auf hellblauen Untergrund ist es zu seicht gewesen und ich habe das Buch zwar nicht seicht, aber manchmal ein wenig kryptisch und nicht unbedingt logisch gefunden.

Ein Buch, das ich bei meiner Longlistenschätzung im August auch auf diese getan hätte, weil es eines der wenigen in deutschen Großverlagen, Frankfurter Verlagsanstalt, war, das ich damals kannte, es ist aber nicht darauf gekommen und was ich auch erwähnen möchte, am letzten Dienstag ist es im „Wortschatz“ gelegen und ich habe mich, wie immer, wenn da ein Buch liegt, das ich schon habe und  neueren Erscheinungsdatum ist, leicht geärgert, aber Margareten hat großzügige Buchwegleger, die „Kindfrau“ habe ich vor einigen Monaten auch dort gesehen.

Ruth Cerha habe ich bei „Rund um die Burg neu“ kennengelernt, da hat sie aus ihren „Zehntelbrüdern“ gelesen, das  auch vor kurzem auf meiner Leseliste stand und ich schreibe es gleich, mit der etwas verrückten Patschworkfamiliensituation habe ich mehr anfangen können, als mit dieser etwas kryptischen Liebesgeschichte, in drei Teilen, wo mir der dirtte Teil nicht ganz logisch oder nachvollziehbar erschien, aber auch die Mara im ersten Teil, erscheint mir etwas übertrieben, vor allem wenn etwas später steht, daß sie eine Schriftstellerin ist, die bevor sie schreibt, alles über ihre Protagonisten weiß, damit man alle ihre Handlungen versteht, nun ich habe mir ihre Handlungen nicht immer erklären können.

Denn diese Mara, eine Wiener Schriftstellerin, Ende Dreißig, die schon seit Jahren ihre Sommer auf einer kroatischen Insel verbringt, erschien mir anfangs etwas mondsüchtig, denn sie stand um halb acht, wenn das Morgenboot anlegt, am Fischmarkt, um einzukaufen und sieht einen Mann, einen Vierziger aussteigen, ist hinüber und rennt die nächsten Tagen somnabul auf der Insel herum, schläft am Tag, fängt in der Nacht  zu kochen an, ißt aber nicht, sondern verschenkt die Resultate an ihre Nachbarn, darunter an ein Psychotherapeutenpaar, das sie darauf hin mitleidig anschaut.

Schreiben tut sie nicht, denn sie hat eine Schreibblockade, so rennt sie auf der Insel herum, auf der Suche nach Andrej,  so heißt der Ankömmling und der erscheint auch gleich am ersten Tag bei ihr mit einem Fisch und fragt, ob sie eine Bratpfanne hat?

Sie gibt ihm die und sagt, sie hätte schon gegessen, so verschwindet er wieder,  sie trifft ihn aber ein paar Tage später in der Stadt Losinj, wohin sie mit ihrer Freundin Tereza fährt, da weht dann die Bora, der berühmte kroatische Wind, so kann das Nachmittagsboot nicht abfahren, sie müßen sie in der Stadt bleiben, gehen dort in das Wirthaus eines Freundes, wo sie Andrej wiedertrifft und die beiden schauen sich an und betrinken sich.

Dann verschwindet  er, ein Fotograf mit kroatischen Wurzeln, aber schon in Amerika geboren, der jetzt durch die Welt zieht, offenbar keinen wirklichen Wohnsitz hat, nach Montenegro und sie zieht herum auf der Insel und alle wundern sich über sie.

Er kommt zurück und die beiden verfallen in eine wunderbare Liebe, er zieht zu ihr ein und verschwindet wieder, das ist dann schon im zweiten Teil, der ihm zum Protagonisten hat. Da steht er morgens auf und legt ihr einen Zettel auf den Tisch „Bin in Zagreb, meine Mama holen, komme morgen wieder, Kuß A.“ und überlegt, ob er das überhaupt machen soll, denn eigentlich ist er nicht gewohnt, das bei seinen Frauen zu tun.

Die Mutter holt er ab, um sie zu dem jährlichen Emigrantentreffen zu bringen, denn in den Sechzigerjahren sind sehr viele von der Insel, darunter auch seine Eltern mit seinem älteren Bruder auf einem Ruderboot zuerst nach Italien gerudert, um dem Titoischen Regime zu entkommen und das feiern sie jedes Jahr mit einem großen Emigrantenfest. Deshalb ist die Mutter aus Amerika angereist gekommen, der Vater bettlägrig und ein Pflegefall, wurde zurückgelassen.

Während das Fest stattfindet, ist Andrej auf der Suche nach Mara, denn die scheint verschwunden, obwohl er seine Kamera in ihrem Haus hat.

Er findet sie aber und die große Liebe geht weiter, bis zum dritten Teil, wo Mara wieder die Protagonistin ist und der beginnt mit einem eher merkwürdigen Streit.

Andrje hat sie trotz der großen Liebe mit einer Frau betrogen, er wirft ihr ihre Schreibhemmung vor.

Er verschwindet, sie rennt  mit zuwenig Wasser über die Insel, bekommt einen Sonnenstich, muß von Tereza gepflegt werden,  fängt aber zu schreiben an, hat sie sich doch vorher schon mit seiner Mutter, der vierundsiebzigjährigen Ana angefreundet und die erzählt ihr von den Emigrantenschicksalen und so beschließt sie ein Buch darüber zu schreiben. Sie stellt sich auch vor Kinder von Andrej zu haben, schließlich ist sie ja bald vierzig und kommt in die Midlifekrise, traut sich das ihm, dem Beziehungsflüchtigen, aber nicht zu sagen.

Er ist im Moment ohnehin nicht da, kommt aber zurück, die Lebe geht weiter, bis zu seiner endgültigen Abreise, sie muß das auch bald tun, hat sie doch Ende September eine Lesung in Wien. So beschließen sie sich ganz altmodisch mit Briefmarke und Poststempel zu schreiben und so endet das Buch auch mit einem Brief von Andrje an Mara „Denk an mich, wenn du das nächste Mal fisch isst. Love, Andrej“

Ich weiß schon, daß man diese Distanz und die manchmal  unlogisch erscheinende Inhalte, poetisch deuten kann. Der Klappentext lobt auch „Ruth Cerhas Sprache ist ein Bilderstrom und diese Sprache nimmt den Leser einfach mit“.

Der Realistin, die in mir steckt, hat aber mit der handfesterem Geschichte der „Zehntelbrüder“ mehr anfangen können, als mit dieser verschlüßelten Poetik, wo sich Mara und Andrej auch manchmal als „Marquise“ und „Valmont“: „Mein lieber Valmont“ sage ich,“ werden Sie nach Berlin zurückkehren?“ anreden oder ihre Höhlenverstecke haben.

Man lernt aber, das muß ich auch hier zugeben, viel von diesem vielschichtigen Sommerroman, der gar nicht so leicht ist, wie das Cover vielleicht glauben macht, über die Winde, die Flora und die Fauna der kroatischen Insel, ihre Auswanderungsgeschichte und noch mehr und Ruth Cerha scheint eine sehr vielschichtige Schreiberin zu sein, die ihren Ton und ihre Sprache offenbar von Roman zu Roman verändern kann.

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