Literaturgefluester

2011-09-30

Wie der Soldat das Grammofon repariert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:40

Sasa Stanisics „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, ist ein Buch aus dem Abverkauf von Alfreds bibliophiler WU-Kollegin, hat mehrere Literaturpreise bekommen, wurde im Schauspielhaus Graz auf die Bühne gebracht und war 2006 bei den Finalisten für den dBp.
Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und kam als Vierzehnjähriger nach Heidelberg. 2004 begann er am Leipziger Literaturinstitut zu studieren, 2005 hat er mit einer Geschichte aus dem Buch „Was wir im Keller spielen“, beim Bachmannlesen gewonnen. Ich habe den Shootingstar lange mit Michael Stavaric verwechselt und 2006 oder 2007 in Leipzig aus dem Buch lesen hören, im Jänner sagte Josef Haslinger beim Symposium der Sprachkunst, daß er verstehen kann, daß Sasa Stanisic, sein Studium nachdem er berühmt geworden ist, nicht wieder aufnahm, als ich jetzt bei Wikipedia nachschaute, sah ich, daß die Werkliste von 2001 bis 2007 geht, obwohl die Seite im Juli 2011 das letzte Mal geändert wurde. Interessant also, was der Autor jetzt so macht, ob und was er schreibt, ich habe seit dem „Grammofon“ jedenfalls nichts mehr von ihm gehört?
In dem Buch beschreibt er die Erlebnisse des kleinen oder auch größer gewordenen Aleksandar, der in dem kleinen Städtchen Visegrad an der Drina, wo der berühmte Roman des Nobelpreisträgers Ivo Andric spielt, dessen Denkmal während des Krieges in die Drina geworfen wurde und jetzt, wie ich hörte, wieder steht. Das Buch beginnt aber ganz am Anfang, wo der Großvater Slavco des Ich-Erzählers stirbt, der sich als Fähigkeitenzauerer bezeichnet, gerne an der Drina fischt und Fußball spielt. Er hat noch einen anderen Großvater namens Ravik, der war ein Eisenbahnner und begann zu trinken, nachdem die Bahnlinie eingestellt wurde und Aleksandar ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. So wird der Bosnienkrieg aus der Sicht eines Kindes aus Kinderaugen und mit Kindermund, in unzähligen kleinen oder auch großen Geschichten erzählt und das Buch ist in Kapitel gegliedert, die an E.T.A Hoffmann bzw. an die Romantiker erinnern, wie „Wie lange ein Herzstillstand für hundert Meter braucht, wie schwer ein Spinnenleben wiegt, warum mein Trauriger an den grausamen Fluss schreibt und was der Chefgenosse des Unfertigen als Zauberer draufhat.“
Aber Sasa Stanisic oder Aleksandar sind keine Romantiker, sondern in Visegrad zur Schule gegangen, als dort noch das Titobild im Klassenzimmer hing, obwohl der schon lang gestorben war und Opa Slavko war auch ein treuer Kommunist und Partisane.
Das drückt sich auch in dem Schelmen und Geschichtenerzähler Aleksandar aus, der mit den strengen Mathematiklehrern zu raufen hat, die sich „Genossen“ oder „nicht mehr Genossen“ nennen lassen, kommt zu spät mit der Pionieruniform zur Schule und erzählt im ironisch abgehobenen Ton von den vielen Toden des Genossen Tito.
Dann gibt es aber auch für den Vierzehnjährigen, die Mädchen, die zu erobern sind und die Geschichten, die die Freunde erleben, wenn sie mit ihren Vätern nach Hause kommen und die Mütter im Bett mit dem Trafikanten vorfinden.
Dann kommt der Krieg, für Kinder nicht leicht verständlich oder auch besser mit Ironie im leichten lockeren Plauderton zu erzählen, wo die Familien ganz schnell ihre Yugos packen, während Pferde in die Drina geschmissen werden und sich die kleine Asija mit dem falschen Namen auf dem Dachboden versteckt.
Nach ihr wird Aleksandar, als er mit seinen Eltern und der Oma schon nach Essen geflüchtet ist, suchen und sie nicht finden, weil er ihren Namen nicht mehr weiß und weil Traumatisierungen sich auch in Wiederholungen äußern, ist der Roman des jungen Mannens auch in diesem Muster gestrickt.
Es beginnt mit der Kindheit und der Schule, dem scheinbar glücklichen Leben und dem Festessen bei den Urgroßeltern während des Begräbnisses des Großvaters, dann ist Aleksandar schon in Essen,die Eltern sind in Amerika, die Großmutter ist zu dem toten Großvater nach Visegrad zurückgegangen, Aleksandar sucht nach Asija und schreibt in der Mitte des Romanes auch einen Roman, in dem sich die schon angeschnittenen Themen wiederholen und gegen Ende des Buches kommt er, zehn Jahre später nach Sarajevo, dorthin soll Asija gegangen sein, nach Visegrad und nach Veletovo, das ist das Dorf, wo die Urgroßeltern leben, zurück um nachzusehen, was von seiner Heimat und seinen Erinnerungen übergeblieben ist?
Das Buch lebt von seinen Geschichten, der, wie Aleksandar mit seinem Freund die Fische mit Spuke füttert, aber auch der von dem Fußballspiel in einer Kampfpause zwischen den verfeindeten Serben und Bosniern und der Musikprofessor ein Freund des Großvaters, hat sich, als ihn Aleksandar wieder besucht in seine Erinnerung zurückgeflüchtet, ist freundlich, erzählt vom Vergangenenen und fragt alle fünf Minuten, wer Aleksandar ist, worauf ihm der die Hand gibt und sich erneut vorstellt.
So kann man Alzheimer aber auch ein Trauma beschreiben, Sasa Stanisic tut das gekonnt und vielleicht auch ein bißchen intuitiv, so daß ihm die Großkritiker Kitsch vorwarfen und meinten, daß das Buch, trotz der vielen Preise, die es bekommen hat, nicht wirklich gut gelungen ist.
Mir hat es die Geschehnisse der frühen Neunzigerjahren, wo ich mich in einer persönlichen Krise befand, meine Mutter gestorben war und ich täglich von Harland nach Wien pendelte, um meine Praxis zu machen, meinen Vater zu betreuen und Anna in die freie Schule Hofmühlgasse zu bringen und die bosnischen Flüchtlinge vielleicht im Zug traf und damals nicht verstand, daß die beleidigt waren, wenn man seine Füße auf den leeren Sitz gegenüber legte, sehr deutlich visualisiert, so daß ich mir vorstellen kann, wie es den Kindern, die ihre Heimat verlassen mußten und in Flüchtlingslagern Deutsch lernten, gehen mußte. Ein sehr beeindruckender Roman des sehr jungen Mannes und interessant, daß er literarisch inzwischen verschwunden ist und zumindest ich und Wikipedia nicht wissen, ob und was er jetzt schreibt.

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2011-09-29

Literaturhausfeiern III – IV

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:13

Die Literaturhausfeiern gehen weiter, den gestrigen Sozialschwerpunkt bzw. Literaturhausführung habe ich versäumt, bzw habe ich ich mich in die Rathausfeste und in die Spurensuche begeben. Heute begann es um vier mit einem Exilschwerpunkt, die 1974 in Grosny geborene Tschetschenin Maynat Kurbanova , die seit sechs Jahren in Deutschland lebt und derzeit „Wien als Zufluchtsstadt“-Stipendiatin ist, erzählte über Leben und Schreiben im Exil.
Als ich kurz vor vier im Literaturhaus eintraf, war es in der Bibliothek noch ziemlich leer, die Autorin ist mit ihrer Tochter vor mir hineingegangen, Gerhard Ruis und Robert Huez standen im Eingangsbereich, ein paar Leute hatten auf den Sitzgelegenheiten Platz genommen.
Schade, daß das Nachmittagsprogramm so wenig Anklang findet, die Veranstaltung war nämlich äußerst interessant. Gerhard Ruis leitete ein und hatte mir schon vorher ein wenig über das Writers in exil Programm erzählt und, daß Maynat Kurbanova, die in Grosny Journalistin war, sich einen Ort wünschte, wo sie länger bleiben kann. Maynat Kurbanova, die kleine Tochter ist neben mir gesessen, erzählte dann über Tschetschenien und das ist sehr interessant, habe ich ja einige Jahre intensiv Asylwerberdiagnostik gemacht, ein bißchen was über die tschetschenischen Flüchtlinge gelernt und für die „Radiosonate“ habe ich auch die Figur des tschetschenischen Musikehrers Boris Alkemirov erfunden.
Maynat Kurbanova ging weit in die Geschichte zurück und erzählte, daß die Tschetschenen schon seit Ivan dem Schrecklichen verfolgt würden, später wurden sie von Stalin nach Sibirien verbannt, dann haben die Russen die Stadt Grosny zerstört und wieder aufgebaut. Sie erzählte auch ein bißchen was von dem Leben, das es heute in Tschetschenien gibt. Die Tschetschenen waren immer Rebellen und wollten sich nicht versklaven lassen, sie hat von ihrer Mutter ein Kindermärchen eines Wolfs erzählt bekommen, hat in Grosny als Journalistin gearbeitet und inzwischen sehr gut Deutsch gelernt. Eine bildende Künstlerin fragte, wie patriachalisch die Tschetschenen sind? Jetzt wieder sehr, darf man als Frau ohne Kopftuch derzeit die Uni nicht betreten, während die Frauen unter den Russen sehr fortschrittlich waren und als sich die Männer vor Verfolgung verstecken mußten, die Familie ernährten. Interessant etwas über das Writers in Exil Programm und über die tschetschenische Literatur zu erfahren.
Dann gab es einen Themenwechsel nämlich eine Stunde über die Künstlerpensionsversicherung, die mich nicht sehr betrifft, bin ich zwar seit man das muß eine neue Selbständige, verdiene mir das Geld zum Leben aber durch meine psychologisch-psychotherapeutische Praxis, so daß ich den Zuschuß zur Pensionsversicherung nicht beantragen kann. Das tun aber ohnehin nur 2,6% der Autoren und da ist es noch schwierig seine Autorentätigkeit nachzuweisen, da das ja ein Beruf ist, den man bis vor kurzem nicht studieren konnte.
Die Runde der Zuhörer war auch recht klein, Nils Jensen und Gabriele Petricek und noch ein paar andere Künstler sind aber gekommen, darunter auch eine Dame, die ich, glaube ich, bei dem Sprachkunstsymposium im Jänner kennenlernte und die auch am Montag und am Dienstag bei den Veranstaltungen war.
Dann ging es in den Veranstaltungsraum hinunter und zu Literaturhaus online, wurden da ja die vier Künstler, die für die Auftritte ausgewählt wurden, präsentiert. Anna Weidenholzer, Bernhard Strobel, Robert Prosser und Lisa Spalt haben da ja im Juni an zwei Abenden gelesen und haben nun ihren Auftritt auf der Hompage mit einer Fotoleiste von Lukas Dostal, dem Literaturhausfotografen der auch die Ausstellung gestaltet hat, einem Text, einem Essay und einem Video von der Lesung.
Jetzt sollten die vier Autoren mit der Autorengruppe „8-Uhr“, das sind fünf junge Leute, die sich am Germanistischen Institut bei einem Schreibworkshop getroffen haben und sich jeden Mittwoch um acht treffen, um einander ihrer Texte vorzulesen, über Chancen und Gefahren für junge Schreibende diskutieren.
Anne Zauner hat das On line-Projekt vorgestellt und erzählt, wie sie zu diesen vier Autoren gekommen sind, sie haben die literaturinteressierten Mitarbeiterinnen gefragt. Robert Prosser, Lisa Spalt und Bernhard Strobel waren auch da, Anna Weidenholzer ist, glaube ich, noch in der Künstlerkolonie in Wiepersdorf, wo sie gemeinsam mit Cornelia Travnicek ein oder zwei Monate verbringt.
Die Diskussion mit den vier jungen Männern und Esther Topitz war auch sehr interessant, erstens sind das lauter unter Dreißigjährige, zweitens sind sie vielleicht die jungen Autoren von morgen und dritten stellten sie interessierte Fragen an die Auftrittsautoren, wie sie schreiben, was sie vom Lektorat halten und wie das ist, wenn man mit einem Kurzgeschichtenband zu einem Verlag kommt? Man merkte, die jungen Leute hatten ihr Handwerk studiert und stehen noch am Anfang. Das Publikum, das waren dann auch Ältere und Literaturhausmitarbeiter durfte ebenfalls Fragen stellen und Alexander Muth, das ist der Herr mit den ich mich am Diestag intensiv mit Elfriede Haslehner unterhalten habe, stellte auch die Frage, warum die jungen Autoren nicht politisch sind?
Das stimmt so nicht, zumindestens nicht ganz, habe ich mir gedacht, denn die Slam Szene ist ja zumindestens zum Teil sehr politisch aktiv, andererseits ist das ja genau die Generation Praktikum und auch die, die gelernt hat, daß, wenn man sich besipielsweise für ein Studium für Sprachkunst bewirbt, von hunderten zehn ausgewählt werden, klar, daß man dann seine Mappe und seinen Internetauftritt hat und schaut, daß seine Lyrik und Prosa schön glatt und stimmig ist, damit man damit vielleicht einmal in Klagenfurt lesen darf. Allerdings haben die Hochschulproteste vor zwei Jahren, glaube ich, auch engagierte Literatur hervorgebracht, würde Michaela Falkner in diese Schiene einreihen und Yasmin Hafdeh, die engagierte Slamerin sowieso und auch Robert Prosser, der ja, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe, als er bei Rund um die Burg in der Erotiknacht gelesen hat, sagte, daß er gerade aus Armenien zurückgekommen ist und da hat er für seinen neuen Roman recherchiert, in dem es auch Personen und vielleicht eine Handlung geben wird und das wird dann vielleicht so politisch werden, wie Joseph Roths Sozialreportagen in den Dreißigerjahren, die Alexander Muth einforderte. Der wollte, daß sich die jungen Leute mit der Olah-Affaire und mit der Kronenzeitung beschäftigen, aber ich glaube, die prekären Verhältnisse und der nicht mehr vorhandene freie Hochschulzugang schaffen andere Probleme und wenn dann nicht nur die Uni, sondern vielleicht auch die Vorstädte brennen, weil die Jugend keine Perspektiven sieht, sind wir schon sehr politisch, obwohl es schon stimmt, daß sich die unter Dreißigjährigen, die beim Hochschullehrgang aufgenommen und in Klagenfurt lesen wollen, vordergründig vielleicht angepasst geben.
Lisa Spalt, die experimentelle Dichterin, die ich schon lange vom fröhlichen Wohnzimmerumkreis kenne und der es mit ihrem letzten Buch gelungen zu sein scheint, in den Literaturparnaß aufzusteigen, in Rauris hat sie, glaube ich, auch einmal gewonnen, sagte, daß sie keine Handlung hat und nicht realistisch schreibt und Bernhard Strobel, der das sehr wohl tut, erwähnte, daß er vorläufig bei seinen Erzählungen bleibt, daß es manchmal schwierig ist, weiterzuschreiben und er sich sehr lange mit seinen Texten quält und er gerne im Kaffeehaus schreibt.
Ich habe Sabine Schuster, die sich ja einmal sehr für meine „Sophie Hungers“ eingesetzt hat und die einmal im Jahr eine Rezension von mir im Literaturhaus bringen will, kennengelernt und mir von Anne Zauner erklären kann, wie man auf die Auftritte-Homepage kommt, die gerade online gegangen ist.
Sehr interessant von der jungen Literaturgruppe zu erfahren, während sich Alexander Muth mehr für die Literatur der Arbeitswelt interessierte, die es ja noch immer gibt, es gibt das Volksstimmefest und das Linke Wort und dann den Poetry Slamer Christian Schreibmüller, der mich schon lange für den 17. Oktober mit der „Sophie Hungers“ zu einer Lesung ins Cafe Amadeus eingeladen hat.
Es gibt also sehr viel und die Literatur ist eine sehr lebendige Sache. Morgen geht es weiter mit einem Übersetzertag, da werde ich in meiner Praxis sitzen und meine Abrechnung machen und am Samstag mit einem großen Fest. Da wollte ich eigentlich hin, durch „Rund um die Burg“ und die „Poet Night“ bin ich schon lange nicht mehr in Harland gewesen und da will ich ja eigentlich jedes zweite Wochenende hin, also habe ich mir gedacht, daß ich nicht auf jedes Fest gehen muß. Der Alfred will aber auf den Hochschwab, also werden wir vielleicht, da das Wetter ja sehr schön ist, uns auf das Schiestlhaus begeben, während im Literaturhaus die Literats rocken und Ilse Kilic, Hanno Millesi et al ihre Video und Austellungsinstallationen machen.

2011-09-28

Lesespuren – Spurenlese

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:59

Von den Literaturhausfeiern nun zur Wien Biblithek, denn da bekomme ich, seit ich mich, als es das große Fest oder die Umsiedlung in die neuen Räume gegeben hat, in den Verteiler eingetragen habe, die Einladungen zu den Veranstaltungen und gelegentlich gehe ich auch hin, das letzte Mal war das, glaube ich, bei dem Joe Berger Symposium „Hirnhäusl„, ein Artikel der immer wieder gerne aufgerufen wird und jetzt gibt es etwas zu „Lesespuren – Spurensuche“ oder „Wie kommt die Handschrift ins Buch?“ und das ist ein Thema, das mich interessiert, denn ich bin ja eine, die in regen Austuausch zu ihren Büchern tritt. Zu ihren, aber ja, denn eine Bibliotheksleserin war ich nie, ich sammle ja und horte und gebe das, was ich habe, nicht gerne her. Seit es die Bücherschränke gibt, ist ein Großteil meiner neuen Bücher aber ein Zweit oder Drittbesitz und da ist und darüber habe ich noch nicht geschrieben, die psychologische Seite interessant. Kann man ja davon ausgehen, daß ein Teil der Bücher aus Nachläßen stammen und selbst, wenn der Vorleser sie nur so hergegeben hat, ist es interessant zu fragen, wer hat sie vorher besessen, welche Geschichte hat das Buch zu erzählen? Meistens erzählt es nichts. Manchmal ist ein Name oder ein Stempel darin zu finden, manches wurde auch aus Bibliotheken ausgeräumt, so hat die Nationalbank ihre ausrangierten Bücher in die Zieglergasse getragen und das ist interessant, denn der Bibliothekar von dort, wohnt bei mir im Haus. Manchmal schreiben die Leute auch Anmerkungen hinein, aber nicht sehr oft, ich zitiere das dann immer, beim „Wittgenstein-Programm“ war das der Fall und bei „Kurz nach 4“. Meistens weiß man nichts vom Vorbesitzer und kann darüber phantasieren und ich bin eine, die die Bücher, die sie nicht mehr hergibt, gebraucht. Das heißt, ich schreibe hinein. Als Studentin habe ich regelrechte Anmerkungen gemacht, jetzt streiche ich mir meistens nur die markanten Sätze an, weil ich mir einbilde, daß ich das für das Besprechen brauche, aber meistens schaue ich dann gar nicht mehr soviel hinein, nur nach den Namen suche ich natürlich, um sie richtig zu schreiben und manchmal zitiere ich ja auch. Ich streiche mit Bleistift an, lasse es dann aber stehen, ich radiere nicht hinaus, daß man das tun kann oder soll, habe ich erst während der Veranstaltung von Clemens J. Setz erfahren.
Auf dem Weg zum Rathaus bin ich über ein paar Polizeiautos und Absperrungen gestolpert, die das Rathaus betroffen haben, denn dort hat im Hof gerade ein Fest der FPÖ stattgefunden. Viele Wächter am Eingang, die einen aber passieren ließen, als ich aber am Arkadenhof schon vorbei war, die Wien Bibliothek befindet sich bei der Stiege sechs hinten, stand ein solcher am Weg und wollte mich irgendwo herausleiten und irgendjemand sagte in der Wien-Bibliothek, daß das Tor geschlossen wurde.
Die Wien-Bibliothek hat aber ihr eigenes Publikum und ihr eigenes Programm. So eröffnete die Direktorin Sylvia Mattl-Wurm und erzählte, daß eigentlich ein der Band 12/13 der „Sichtungen“, der gemeinsam mit der Nationalbibliothek herausgeben wird, präsentiert wird. Sie erläuterte den Sinn dieses Periodikums ganz genau, es ist ein Projekt von Volker Kaukoreit, den ich von der Erich Fried Gesellschaft, bzw. einem Interview, das ich einmal mit ihm gemeinsam in Radio Orange machte, kenne, das er inzwischen mit Marcel Atze macht.
Herrn und Frau Lunzer habe ich im Publikum gesehen. Clemens J. Setz und Peter Rosei, die Beiträge in dem von Preasens herausgegeben Band haben, haben gelesen und Marcel Atze hat eine virtuelle Führung durch die Ausstellung, die es zusätzlich zum Buch im Ausstellungskabinett gibt, gemacht und da wurde offensichtlich eine breite Themenvielvalt angerissen.
Nämlich die Bibel ausgestellt, in die Jeannie Ebner ihre handschriftlichen Notizen machte, es gibt aber auch Bücher die für Anmerkungen von Schauspielern und Regisseure vorgesehen sind und Bücher in die leere Seiten hineingeschossen werden, damit man sich seine Anmerkungen machen kann. Hannah Arendt hat mit Günter Anders gemeinsam Kant gelesen, Peter Handke hat seine Bücher kommentiert, bzw. sich geärgert, als er einen Fehler darin entdeckte.
Zusätzlich wurden noch einige Autoren, wie z.B. Peter Rosei und Clemns J. Setz gefragt, einen Artikel dazu zu schreiben. Clemens Setzs Artikel heißt „Bitte verlassen Sie Ihre Bücher so, wie Sie sie vorgefunden haben!“, da heißt er hält sie gerne so sauber, wie ein Hotelzimmer und wenn er doch was hineinschreibt, radiert er es hinaus. Daß man das nicht soll, wurde in der Diskussionsrunde erläutert. Da erzählte der Literaturwissenschaftler Walter Hettche aus München, der offenbar gerne bei Antiquaren kauft, daß ein Kollege einmal etwas ausradieren wollte und sich dann ärgerte, daß er eine Handschrift Hoffmannsthal vernichtete und Volker Kaukoreit erzählte, daß ihm die Pfandbriefwerbung in den alten rororo Taschenbüchern so ärgerte, daß er sie gern hinausgerissen hätte. Seltsam, die habe ich interessant gefunden und die alten rororo Taschenbücher sind überhaupt wunderschöne Sammelstücke, aber ich bin eine Gebrauchsleserin, die gar nicht auf die Idee kommt ihre Anmerkungen auszuradieren.
Nachher gab es Brot und Wein, man konnte sich die Ausstellung ansehen und die Ausstellungsbesucher beobachten. Clemens J. Setz überreichte seinen Freunden die Taschenbuchausgabe von den „Frequenzen“. Claudia Erdheim war da und noch einige andere Bekannte.
Es gibt zu diesem Thema auch ein älteres Buch von Evelyne Polt-Heinzl „Bücher haben viele Seiten“ aus dem Sonderzahlverlag, das weniger wisschenschaftlich ist, da geht es glaube ich auch um Eselsohren und Tintenflecken und man muß wahrscheinlich den gewöhnlichen Leser von den Anmerkungen Hofmannsthal, Anders etc unterscheiden.
Ich finde es aber spannend zu lesen, was der Vorleser vermerkte und gelegentlich erwischt man auch ein angeschriebenes Rezensionsexemplar, das ist dann besonders interessant.
Leselustfrust hat einmal ein Buch verliehen und sich über die Eselsohren mokiert, die es beim Zurückgeben hatte, aber ich denke Bücher sind Gebrauchsgegenstände und hinterlassen Spuren und das soll auch so sein, kann man ja ganze Bücher darüber schreiben und Ausstellungen veranstalten, die exquisit zelebriert werden, während unten im Arkadenhof die FPÖ ihre Feste feiert.

2011-09-27

Verlagsvertrag, Verlag, Eigenverlag, Selbstzahlerverlag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:39

Die Literaturhausfeiern gingen weiter mit einem Rechtsschwerpunkt am Nachmittag: Literaturhaus sozialrechtlich, steuerrechtlich, urheber- und vertragsrechtlich.
Da saß ich in meiner Praxis, machte meine Stunden und bin erst am Abend zur Literaturhausdiskussion „Ich zahl für mein Buch? – Verlagsvertrag, Verlag, Eigenverlag, Selbstzahlerverlag“ mit Sandra Czillag von der Literar Mechana und Benedikt Föger vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels, moderiert von Gerhard Ruiss gegangen.
Ein wichtiges Thema, weil es viele Vorurteile trifft und da kann ich mich, um wieder aus dem Nähkästchen meines Gedächtnisses zu plaudern, an eine Veranstaltung in der Alte Schmiede vor dreißig oder so Jahren, als die noch im zweiten Stock in dem Hof stattfanden, der inzwischen wahrscheinlich eine Garage ist, erinnern, als ein Autor eine selbstgemachte Broschüre präsentierte und Kurt Neumann erklärte, daß so was keine Chance im Literaturbetrieb hat. Mein erster Kontakt mit diesem Thema, später las ich dann in Zeitschriften, daß man seine Sachen nicht selber machen darf, weil man dann weder in den Pen noch sonst wohin kann, weil solches als unseriös gilt. Damals hatte ich zaghaft meine Fühler nach der Verlagslandschaft ausgestreckt und 1989, die „Hierarchien“ an zweiundvierzig Verlage geschickt und zweiundvierzig Absagen bekommen. Da habe ich schon damals, dem damaligen Chef der BUMUK-Literaturabteilung Ministerialrat Unger einen Brief geschickt und um fünfzehntausend Schilling Zuschuß gebeten, damit ich es selber machen kann und das am nächsten Tag Jack Unterweger geschrieben. Der mir daraufhin sofort ein Formular schickte, daß er es in der Edition Wortbrücke machen wird. Dann kam das Buch mit einer ISBN-Nummer in einer fünfhundert Stück Auflage, die Schachteln habe ich noch immer in Harland, weitere Jahre der vergeblichen Verlagssuche, irgendwann wollten Valerie Szabo, Elfriede Haslehner Hilde Langthaler und ich ein Vier-Frauenbuch machen. Elfriede Haslehner schrieb einen Kremser Kleinverleger an, der mehrere tausend Schilling von jeder haben und sich die Subvention als Lektoratshonorar verrechnen wollte. Das ist an meiner Absage gescheitert. Inzwischen kam langsam das Book on Demand auf. 2000 schenkte mir Alfred „Die Wiener Verhältnisse“ in fünfzig Stück zum Geburtstag, die er bei Digibuch/Melzer drucken ließ.
Dann gab es eine von Gerhard Ruis veranstaltete Diskussion über Book on Demands im Literaturhaus und 2005 machte ich, als ich das noch durfte, dort eine Diskussion und Lesung „Selbstgemacht – Die Literatur neben dem Literaturbetrieb“, mit Uwe Bolius, der ein oder mehrere Bücher bei BoD herausgab, Margot Koller, die selbst verlegt, Ruth Aspöck mit ihrem Kleinverlag die Donau hinunter und mir, die ich die fünfzig Bücher, die ich mir jeweils drucken lasse, fünfundzwanzig gibt es, glaube ich jetzt schon, Digitaldruck nenne und mich weigere mich als Eigenverlegerin zu bezeichnen.
„Wow!“, habe ich beim ersten Buch gedacht.
„Wie schön, wie schnell, wie billig!“
Ist es auch, das Problem ist nur die Ignoranz des Literaturbetriebs und die Vorurteile, die es immer noch darüber gibt, daß man dann nicht in den PEN eintreten darf, was ich ohnehin nicht kann, weil ich aus der GAV nicht austrete oder nie mehr von einem Verlag genommen werden wird, etc.
Stimmt nicht, wie Beispiele, wie z.B. Nele Neuhaus und anderen beweisen, die ihre Bücher bei BoD machen und durch große Eigenwerbung, viel verkauften oder sogar irgendwann bei Ulstein landeten und die Sache mit den e-Books, die ja jeder selbst bei Amazon einstellen kann, macht das Ganze noch einmal anders. Vorurteile gibt es aber immer noch und wie meistens bei solchen Veranstaltungen ein volles Literaturhaus, denn es gibt ja sehr viele Leute die schreiben und nicht alle finden ein Verlag.
So hat mir gleich Elfriede Haslehner zugeflüstert, daß sie gerade über meine Bücher gesprochen hat, Margit Heumann hat mir zugewinkt und es waren glaube ich, mehrere Selbstverleger oder Verlagssucher im Publikum. Gerhard Ruis stellte das Podium vor und begann gleich mit einer Frage zu den Verlagsvertragen, auf was man achten muß und was einen seriösen Verlag ausmacht?
Das ist ganz einfach, ein seriöser Verlag verlangt kein Geld, hat ein Lektorat und einen Vertrieb und macht für das Buch auch Werbung. Das Problem ist nur, er ist nicht nur in Zeiten, wie diesen mit den täglich zwei bis drei unverlangten Zusendungen überfordert und nimmt einen nicht, wenn er einen nicht kennt und weil da einige überbleiben hat sich der Geschäftszweig der sogenannten Selbstzahler und Zuschußverlage herausgebildet, die auf die psychologische Schiene aufspringen und das Manuskript erst einmal loben. Sie machen es, wenn man so und so viele tausend Euro dafür zahlt. Da muß man dann einen Vertrag unterschreiben, wo man alle Rechte verkauft und sich vielleicht verpflichtet sein Leben lang dem Verlag alle Bücher anzubieten und von der Literaturwelt erntet man Spott und Hohn, kein Rezensent bespricht einen, man darf nicht im Literaturhaus lesen etc.
Eine miese Sache, die abgelehnten Autoren scheinen sich trotzdem darum zu reißen und fahren ein, was mir unverständlich ist, da man es mit BoD oder mit der nächsten Druckerei viel schneller und billiger machen kann.
Daß man damit auch ein bißchen Spott und Hohn ernten kann, erlebe ich gelegentlich im Literaturgeflüster. Förderung, Buchprämien und wahrscheinlich Preise lassen sich damit auch nicht bekommen. In der Autorensolidarität gibt es aber eine Portraitreihe, wo ich einmal präsentiert wurde, das Resultat war Streit mit der B., die ihren Ruf gefährdet sah, weil sie auf einem Foto mit mir abgelichtet war.
So schlimm ist es zum Glück nicht, habe ich mit der Sophie Hungers ja sogar eine Literaturhausrezension bekommen und auch in der Alten Schmiede gelesen.
Die Vorurteile halten aber lang und manche Autoren scheinen auch wirklich so unerfahren zu sein, daß sie bei einem der Zuschußverlage bezahlen. Ich denke mir, daß sich das ändern kann, wenn die Leute über die Bods aufgeklärt werden und habe das auch in die Diskussion eingebracht.
Benedikt Föger erzählte auch von einem Nachbarn Thomas Bernhards, der ein Buch über den großen Meister schrieb, es selbst veröffentlichte und daran so gut verdiente, daß er es gar nicht mehr bei einem Publikumsverlag machen wollte.
Das gibt es also auch, obwohl sich das Dilemma zeigte, in der die Sache steckt. Denn ein Zuschuß- und ein Publikumsverlag sind zwei verschiedene Dinge, der erstere ist ein Dienstleister und verkauft den Autoren Bücher, der andere kauft sie ihnen ab. Wenn das Erstere seriös geschieht ist nichts dagegen zu sagen, tut es derzeit offenbar nicht, obwohl der Novum Verlag, bei dem ich mir zwölf Bücher drucken ließ und lange damit zufrieden war, bis mir der Digitaldruck.at ein Gratisbuch in Aussicht stellte, einen Wirtschaftspreis bekommen hat, weil er Autoren fördert und Arbeitsplätze schafft.
Für Bücher zahlt man nicht, man bekommt für sie bezahlt, ist das Argument. Nur was tut man, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, keinen Verlag findet und trotzdem schreiben will?
Da sind die Bods und der Digitaldruck ein wahrer Segen, finde ich. Mit der Häme muß man umgehen lernen und die Fragen aus dem Publikum zeigten, daß ich nicht die einzige verlagslose Schreiberin bin. Soll man es nicht mit einer Agentur versuchen? Klar, nur die seriösen Agenturen suchen einen genau, wie die Verlage aus und nehmen nicht jeden, die schlechten veranstalten Preisausschreiben, wo ich einmal ein Stipendium mit „Tauben füttern“ gerade nicht gewonnen habe. Weil mein Text aber so „gut“ war, ihn um neunhundert statt um zweitausendfünfhundert Euro lektorieren lassen hätte können und weil ich das nicht wollte, einen kostenlosen Agenturvertrag bekam, nur im Erfolgsfall wären fünfzehn Prozent zu zahlen gewesen. Ich bekam auch ein Angebot eines Renaissance-Verlags. Ich glaube, ich hätte viertausend Euro für tausend oder so Bücher zahlen müßen. Im „Wilden Rosenwuchs“ habe ich darüber geschrieben und das Buch bei der „Grundeinkommendiskussion“, die ich nicht mehr im Literaturhaus machen durfte, im Amerlinghaus vorgestellt.
So ist der Stand der Dinge ein wenig hatschert, denn es schreiben offenbar mehr Leute, als die Verlage Kapazitäten haben und die Zuschußverlage gelten nicht als Dienstleister, sondern als Verlage, sind also Mitglied beim Hauptverband und haben, weil sie an ihren Autoren viel verdienen, große Stände in Leipzig, Frankfurt und bei der Buch-Wien. Fangen die Autoren, die mit ihren Manuskripten dort herum gehen auch gleich ein oder verteilen große Plastiktaschen, von denen ich einge zu Hause habe.
Eine Lösung konnte die Diskussion nicht bringen. Irgendwie scheinen die erfolglosen Autoren überzubleiben, die Literarmechana kann sie nur beraten, die IG Autoren ihre Bücher nicht in ihren Katalog aufnehmen, allerdings wurde ein Ehrenkodex beschlossen, den Hauptverband, Literarmechana und IG-Autoren herausbringen wollen.
Nachher gab es Wein, Knabbergebäck und Small talk zum Thema. Ich habe mich mit Helga Schwaiger, Elfriede Haslehner und einem Lyriker unterhalten, der auch gestern bei der Bibliotheksführung war und die „Absturzgefahr“ einige Male herumgezeigt. Am meisten ärgert mich da, wenn die Leute „schön“ sagen, ohne in das Buch hineinzusehen. Denn wenn man das nicht tut, weiß man nicht was drinsteht. Wenn man es nicht kaufen will, heute habe ich gehört, daß Eigenverleger ihre Bücher verkaufen dürfen, während Gerhard Ruis früher sagte, daß das den Autoren eigentlich verboten und es eine Grauzone ist, wenn sie sie auf Lesungen mitnehmen, kann man auf meiner Homepage nachsehen und Probelesen. Im Literaturgeflüster gibts den Entstehungsbericht.

2011-09-26

Literaturhaus feiert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:07

Das Literaturhaus in der Seidengassee wird zwanzig Jahre alt und feiert das mit einer Veranstaltungswoche, außerdem gibts eine Kooperation mit dem Standard, so daß in diesem ein Artikel von Stefan Gmünder und Gedichte österreichischer Autoren erschienen sind. Im Literaturhaus gibt es verschiedene Institutionen, den Veranstaltungsbereich, die IG-Autoren, die Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, die Exilbibliothek und die Übersetzergemeinschaft. Ich kenne das Literaturhaus wahrscheinlich über und von Gerhard Ruis. Vor 1991 gab es eine Dependance in der Gumpendorferstraße, da habe ich mich bezüglich meiner diversen Bücher beraten lassen, irgendwann wurde ich Einzeldelegierte der IG Autoren, die sich damals, glaube ich, noch in der Annagasse trafen. Dann wurde das Literaturhaus gefunden, gebaut und eingeweiht. Ich kann mich an das sogenannte Gleichenfest erinnern, wo Hilde Hawlicek, die damalige Kultur oder Unterrichtsministerin mit Jack Unterweger, dem Verleger der „Hierarchien“ tanzte. Ein Jahr später gab es dann die richtige Eröffnung. Seither habe ich einige Lesungen im Literaturhaus gehabt und bin zu unzähligen Veranstaltungen gegangen. Als ich mit Arthur West die Österreichnummer der belgischen Literaturzeitschrift „Krautgarten“ herausgegeben habe, habe ich dort eine Lesung organisiert. Ernst Kostal hat einige Jahre sein Wahnsinnssymposium gemacht, wo ich gelesen habe und sieben Mal den „Tag der Freiheit des Wortes“, dort organisiert, eine Veranstaltung zu „Selbstgemacht- Die Literatur außerhalb des Literaurbetriebs“, eine Frauen lesen Frauen Lesetheaterlesung dort organisiert und den ersten Teil der „Mittleren“. Bezüglich der Frauen lesen Frauen Lesung gab es Schwierigkeiten, weil einigen Leuten nicht alle Lesenden gefallen haben, dann wurde im Literaturhaus umstrukturiert und Silvia Bartl ließ mich sowohl die Veranstaltung zum Grundeinkommen, als auch die „Mittleren“ nicht mehr machen, so daß ich ins Amerlinghaus auswandern mußte.
Ich habe versucht die neue Programmlinie zu erforschen, war in zwei bummvollen Veranstaltungen, eine war mit Michael Stavaric, sonst hätte ich außer den Poetry Slams, die laut Ursula Seeber als höchst erfolgreiche Events boomen, keine großen Veränderungen entdeckt, außer, daß es die „Mittleren“ dort nicht mehr gibt und Ernst Kostals „Wahnsinnssymposium“ verschwand.
Heinz Lunzer ist in Pension gegangen, Robert Huez folgte ihm als Leiter, Silvia Bartl wurde, was ein Triumph sein könnte, aber nicht war, ebenfalls hinausstrukturiert und das Literaturhaus bekam mit dem neuen Leiter ein anderes optisches Design.
So gibt es jetzt ein offenes Buch, das wie ein Schmetterling aussieht, als Emblem und Bleistifte in neuen Farben, grün ist jetzt, glaube ich, die Literaturhausfarbe und zur zwanzig Jahrfeier ein eingenes Programm, das heute um fünf mit einer Bibliotheksführung begann, die Ursula Seeber, die Leiterin der Exilbibliothek machte.
Ich war nicht ganz sicher, ob ich hingehen sollte, weil ich bei diversen Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Verleihung des Erich Fried Preises ja schon oft in der Bibliothek war, habe mich aber doch entschloßen und bin so um fünf an Franziska Scherz, die ich vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne und sie gelegentlich bei der Poet Night oder dem Volksstimmefest sehe, vorbeigegangen. Weil noch etwas Zeit war, bin ich ich zum offenen Bücherschrank hinauf, da war ich auch am Freitag und am Samstag und habe ihn beide Male ziemlich ausgeräumt vorgefunden und einen Mann mit zwei vollen Büchertaschen weggehen sehen. Es war nicht der weißhaarige alte Herr, der mich zum Bernhard Listringer in der „Absturzgefahr“ inspirierte, aber heute war der Kasten wieder gut gefüllt und ich habe neben ein paar Krimis einen „Prosa Sprüche Lyrik“ Band von Franziska Scherz gefunden, die ihn ebenfalls selbst herausgegeben hat. Das das „graue Literatur“ heißt, sollte ich etwas später von Ursula Seeber erfahren, die den anwesenden zehn bis fünfzehn Personen, von denen ich einige kannte, etwas von der Bibliothek bzw. dem Literaturhaus erzählte, das seine Vergangenheit hat.
War es doch am Seidengrund einmal eine Seidenfabrik, in der NS-Zeit wurde eine Nazi-Zeitung darin hergestellt, später kam der Sender Rot-weiß-rot, der die Österreicher wieder umerziehen sollte, wo auch die junge Ingeborg Bachmann mitarbeitete und ein paar Drehbücher zur Radiofamilie schrieb.
Dann kamen die Siebzigerjahre und das dramatische Zentrum, danach wurde es zum Literaturhaus mit den oben erwähnten Abteilungen, einer Forschungsabteilung, die eigentlich keine ist und doch sehr viele forscht, einem Leiter und vielen teilzeitangestellte Frauen als Mitarbeiterinnen, eine Handbibliothek, einem Archiv und sogar einem gutausgebauten Luftschutzkeller in der jetzt die Schätze aufbewahrt werden.
Ursula Seeber wußte das alles mit Engagement zu erzählen und Werbung für die Sammlung der österreichischen Literatur ab 1890 zu machen, die Österreicher sammelt oder Leute, die irgendwann in Österreich gelebt haben.
Ludwig Fels z.B. Berthold Brecht nicht, den Unterschied habe ich nicht verstanden, aber vielleicht hängt das mit dem Brecht Boykott zusammen, den es in den Fünfzigerjahren unter Hans Weigl und Friedrich Torberg gab. Sie führte uns durch das Haus und erzählte uns von dem Museumsshop, der auch aufgebaut wird. Im Eingangsbereich gibt es so eine Vitrine mit Literaturhausregenschirmen, Literaturhausmappen, Literaturhausbleistiften etc, bzw. Folder mit Bilder der vier Autoren, die in den „Auftritten“ eine Extrapräsentation bekommen. Außerdem lobte sie das Geschirr für hundert Personen, das es ermöglicht, bei Tagungen alles präsent zu haben. Ein Kaffeehaus für die Bibliotheksbenützer gibt es allerdings nicht, das ist der Unterschied zu den anderen Literaturhäusern meinte sie und erzählte, daß die Besucher auch erstaunt sind, was es im Wiener Literaturhaus alles gibt.
Um fünf gab es die nächste Veranstaltung, nämlich eine öffentliche Diskussion der Jury der jungen Leserinnen, die sich unter der Leitung von Mirjam Morad einmal im Monat treffen, um über Bücher zu diskutieren und einen Preis zu vergeben und um sieben ist die Eröffnung der Ausstellung, die ich schon ein bißchen gesehen habe, nämlich Fotos von Lukas Dostal, der das Literaturhaus in verschiedenen Blickwinkeln darstellte. Eine kleine Ausstellung bzw. eine Vitrine über Maja Haderlap gab es in der Bibliothek auch und jetzt eine Woche lang Programm, das am Samstag mit einem Fest endet, wovon ich sicher berichten werde.

2011-09-25

Poet Night 2011

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:45

Am Samstag gab es wieder einmal die Poet Night des ersten Wiener Lesetheaters, das ist diese Monsterveranstaltung, wo im sieben Minutenabstand von vier Uhr Nachmittag bis zwei Uhr Morgens gelesen wird. Vor zwei Jahren hat sich meine damals kritische Stimme Frau Heidegger mokiert und eine rege Diskussion angeregt, ob es Sinn macht, Leute zu zuhören, die noch nicht so bekannt sind und das vielleicht auch nie werden oder ob man seine Zeit damit verschwendet? Es ist aber, glaube ich, gar nicht so sehr Sinn der Veranstaltung bekannt zu werden, sie wurde eher geschaffen, um Lesetheateraktivisten, die während des Jahres fremde Texte lesen, Gelegenheit zu geben, Eigenes vorzutragen und es tummelt sich in dem Pool der an die sechzig Lesenden eine enorme Bandbreite an Talenten. So sind ein Teil der Leser Schauspieler, die Gebrauchsliteratur schreiben und Teile ihrer Shows oder Kabaretts vortragen und auch manchmal daraus singen. Ein anderer Teil sind Schriftsteller, experimentelle, wie Herbert J. Wimmer oder Nikolaus Scheibner, realistische, wie die Frauen lesen Frauengruppe. Die Grauenfruppe tritt auf, Richard Weihs durch seine Solokabaretts und Wilden Worten bekannt, in den letzten Jahren immer mehr Poetry Slamer aber auch englischsprachige Leser u. u. u.
Ich habe in den letzten Jahren durchaus neue Talente kennengelernt Susanne Toth und Christian Katt beispielsweise, die beide inzwischen GAV-Mitglieder sind und dann auch Christian Schreibmüller, der mich am 17. Oktober ins Cafe Amadeus eingeladen hat. Christoph Vivenz höre ich jedes Jahr hier lesen und jedes Jahr treten neue Leute auf, von denen ich vielleicht nie mehr etwas höre. Spezial guests, früher waren das Gert Jonke und Elfriede Gerstl, inzwischen meistens Melamar, eine junge Slamerin mit einer starken poetischen Stimme gibt es auch und natürlich Gedenklesungen, wenn wieder eines der Mitglieder verstorben ist.
Die Poet Night gibt es seit zehn Jahren,ich war immer dabei, wenn ich auch nicht immer nonstop dabeigeblieben bin, da es sich manchmal mit dem Burgtheatermarathon kreuzte und voriges Jahr hat mich um Mitternacht Robert Englhofer mit seiner gutmeinten Frage, ob ich die ganze Zeit bleibe, animiert nach Hause zu gehen. Da mich das später immer ärgert, habe ich diesmal durchgehalten und war auch nicht die einzige die das tat. Bei der Poetnight gibt es einen Durchhaltekonkurrenten, nämlich Werner J. Grüner und Rolf Schwendter sitzt natürlich auch nonstop am Regietisch, freut sich, wenn jemand eine Katzengeschichte für ihn geschrieben hat und teilt die fünfunddreißig Euro Honorar aus, denn die Veranstaltung wird ja von der GAV, wo einige Leser Mitglieder sind und, ich glaube, auch von der Stadt Wien etwas subventioniert.
Diesmal ist mir das Bleiben nicht sehr leicht gefallen, denn ich hatte eine intensive Woche mit viel Diagnostik und vielen Veranstaltungen, so bin ich schon ein bißchen müde hingegangen und habe mich ein bißchen über Elisabeth Chovanec geärgert, die als erste las und erklärte gleich gehen zu müssen, das ist zwar legitim, wenn das die anderen aber auch so machen, hat sie keine Zuhörer und am Anfang ist es ohnehin noch leer im Extrastübchen des Siebensterns.
Jetzt ein Streifzug durch die Highlights, da ich die sechzig Namen nicht nonstop durchgehen will, Ruth Aspöck hat mich schon vorher angerufen und mir ihr neues Buch „Nichts als eine langweilige Blindschleiche“, die Textmontage durch ihre Tagebücher, angekündigt. Sie hat erst um ein Uhr früh gelesen, ist aber zur meiner Lesung kommen. Ich habe wie schon angekündigt, wieder die Stelle mit der Fritzi Jelinek und den Tauben vor dem Schmetterlinghaus aus der „Absturzgefahr“ gelesen. Vor mir waren Herbert J. Wimmer und Krista Krempinger an der Reihe und Herbert J. Wimmer las etwas über seinen Rom Aufenthalt und die Veränderungen im Stadtteil Trastevere, daß dort die Leute statt Wein und Katzen inzwischen Bier und Hunde mögen und Krista Kempinger streifte ihren Roman „Der Mantel war ein Federbett“, von Berlin, wo er in den Siebzigerjahren zu spielen scheint, immer wieder in eine gewalttätig erlebte Kindheit zurück.
Inzwischen füllte sich das Extrazimmer ein bißchen, Christl Greller tauchte auf und rief mir zu, daß sie mir etwas sagen müße. Ich war nämlich diese Woche im Fernsehen und zwar wurde ich anscheinend bei der Rosei-Präsentation in der Nationalbank gefilmt. Die Mundartdichterinnen, auch prominent bei der Poet Night vertreten, habe ich jetzt vergessen. Roswitha Miller, die Margaretner Heimatdichterin hat gelesen und Christa Meissner, die einen kleinen Clown mithatte, der die musikalische Beleitung bot und Lautdichter, die spontan auf dem Saxophon improvisierten und Maultrommeler gab es auch. Elfriede Haslehner stupste mich an und fragte, ob ich schon gelesen hätte und las eine authentische Geschichte, die ihr dieses Jahr passierte. Ihr kleines blaues Auto hat sich im Winter überschlagen und sie wurde von einer ägyptischen Familie, koptische Christen, gerettet, die jede Woche zum koptischen Gottesdienst nach Niederösterreich fährt. Hilde Schmölzer las wieder aus dem „Vaterhaus“.
Wiederholungen gibt es auch, so liest Claus Tieber gerne die Geschichte vom „Schaßzutzler“, die schon alle kennen und dementsprechend begeistert klatschen oder lachen und etwas Trauriges gab es auch und zwar die Gedenklesung der Frauen lesen Frauen Gruppe, die aus Monika Gillers „Schwarzlicht“, die am 31. 5. gestorben ist, las und ihr Lebensmensch Hans Jörg Liebscher las Gedichte, die im Gedenken an seine Monika entstanden sind. Judith Gruber Rizy kam alleine erst später dran, ihren Text über Veza Canetti, habe ich, auch schon einmal gehört. Sie hat ihn, glaube ich, für die Gedenktafelanbringung und dem Fest für Veza Canetti, das es vor ein paar Jahren, in der Ferdinandstraße, wo Veza Canetti einmal wohnte, geschrieben. Dort habe ich ich auch Peter Waugh kennengelernt, der ebenfalls gerne bei der Poet Night liest und der heuer spezial guest bei meiner Frauenlesung war und ich habe auch bei seiner Veranstaltung im Cafe Kafka gelesen.
Am Anfang haben Nathan Horowitz und Ka Ruhdorfer gelesen und die haben, glaube ich, ein kleines Kind. Ein blondlockiges Mädchen, das sich während ihrer Lesung vor das Podium setzte, einen Bleistift und ein Blatt herauszog und darauf etwas kritzelte. Wieder eine kleine Impression, die sich vielleicht, wie bei „Tod eines Jurymitlieds“, wo auch ein kleines Kind bei einer Lesung vorkommt, einmal verwenden läßt. Richard Weihs brachte einen Querschnitt seiner Wunschgedichte. Susanne Schneider hat für Rolf Schwendter eine wunderschöne Katzengeschichte geschrieben, die mich sehr beeindruckt hat. Die kleine Katze namens Nebbich, die aus Prag in einer blauen Tasche nach Shanghai emmigrieren mußte und dort verloren ging, hat sich in ein Cafe einquartiert, weil ihn eine freundliche Chinesin zum Mäusefangen mitnahm und muß nun höllisch aufpassen nicht erschlagen zu werden oder als Katze süß sauer auf dem Mittagstisch zu landen. Eine herrlich freche Katzenstimme, die natürlich ihre Katzenmutter wieder findet und auch Anita C. Schaub bot eine Überraschung. Las sie doch zwei Stellen aus ihrem Romam „Krause Haare“ und da geht die Protagonistin zu einer Literaturveranstaltung, wo sie einen vermeinlichen Sandler sieht, den sie, weil sie sich freut, daß er sich für Literatur interessiert, fünf Euro spendet. Im Laufe der Veranstaltung kommt sie darauf, daß er der Organisator der Veranstaltung ist, Universitätsprofessor und eigene Texte liest. Am Schluß geht er noch mit dem Korb herum und sammelt Spenden. Da mußte Rolf Schwender wieder auf den Spendenkübel beim Ausgang verweisen und sich für die Beschreibung bedanken. Texte über anwesende Autoren, sind ja auch eine Spezialität der Poet Night. So hat sich Mechthild Podzeit-Lütjen, die diesmal einen Text über Helmut Kurz-Goldenstein las, 2008 zum Beispiel auf Elfriede Haslehner bezogen und ihr Portrait beschrieben und ich habe im Vorjahr den Literaturgeflüsterartikel und die Diskussion mit Frau Heidegger gelesen.
Die Grauenfruppe rief ständig „Wo ist der Text und wieviel Zeit haben wir noch Rolf?“, so daß ich, wenn ich extrovertierter wäre und eine lautere Stimme hätte, wohl aufgestanden wäre und die „Absturzgefahr“ hingehalten hätte. Aber die wurde mir inzwischen von Robert Eglhofer abgekauft und Ruth Aspöck hat uns die Teller mitgebracht auf denen die Kuchen waren, die Alfred für ihr Saisonabschlußfest machte. Nikolaus Scheibner bezog sich in seinem Text auf einen Lektor, der Herr Nagl hieß und riet ihm seinen Text erst nachher zu lesen, da zeigte ich auf Alfred, der diesmal bis zum Schluß geblieben ist.
Gerda Kamna gab einen kleinen Einblick in ihr berufliches Leben und erzählte von einer Show mit der sie durch die Seniorenheime tourt, aber dort können die Bewohner noch nicht Englisch, also mußte sie die Songs ins Deutsche übersetzen. Am Schluß gab sie einen Song der Loreley zum Besten und Monika Schmatzberger gab eine Kurzgassung ihres Kabaretts „Aus dem Leben einer noch nicht so bekannten Schauspielerin.“
Franz Hütterer habe ich wieder getroffen, der sehr beeindruckende satrirsche Texte las, Georg Biron stellte sein neues Buch über Helmut Qualtinger und dem Herrn Karl vor, Gerhard Ruis hat seine Oswald Wolkenstein Trilogie präsentiert und am Schluß gab Rolf Schwendter eine Gedichtauswahl. Diesmal hat er ja nicht beim Volksstimmefest gelesen, so gab es etwas aus den „Katzentotenlieder“ und dem Zyklus „Psalter“.
Das war die Poetnight 2011, der Kopf hat geraucht und wenn es auch etwas verrückt ist, sich in einem durch sechzig Texte anzuhören, interessant ist es allemal und man lernt auch viel dabei.


In alphabetischer Reihenfolge:


Ruth Aspöck

Ruth Aspöck

Georg Biron

Georg Biron

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Frauen lesen Frauen

Grauenfruppe

Grauenfruppe

Grauenfruppe

Grauenfruppe

Grauenfruppe

Grauenfruppe

Christl Greller

Christl Greller

Werner J. Grüner

Werner J. Grüner

Elfriede Haslehner

Elfriede Haslehner

Franz Hütterer

Franz Hütterer

Gerda Kamna

Gerda Kamna

Christian Katt

Christian Katt

Hans Jörg Liebscher

Hans Jörg Liebscher

Melamar

Melamar

Christa Meissner

Christa Meissner

Roswitha Miller

Roswitha Miller

Mechthild Podzeit-Lütjen

Mechthild Podzeit-Lütjen

Eva Nagl-Jancak

Eva Nagl-Jancak

Judith Gruber Rizy

Judith Gruber Rizy

Gerhard Ruis

Gerhard Ruis

Anita C. Schaub

Anita C. Schaub

Nikolaus Scheibner

Nikolaus Scheibner

Monika Schmatzberger

Monika Schmatzberger

Hilde Schmölzer

Hilde Schmölzer

Susanne Schneider

Susanne Schneider

Christian Schreibmüller

Christian Schreibmüller

Rolf Schwendter

Rolf Schwendter

Claus Tieber

Claus Tieber

Christoph Vivenz

Christoph Vivenz

Peter Waugh

Peter Waugh

2011-09-24

Schreiben in Wien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Seitdem sich herumgesprochen hat, daß man das Schreiben lernen kann und muß, beginnt der Herbst mit Schreibvorträgen.
So hat das Literaturhaus vor zwei Jahren zwei Veranstaltungen dazu angeboten, die Werkstätte für Kunstberufe veranstaltet Diskussionen zu Schreibhaltungen mit und ohne Robert Schindel und das Writersstudio, das voriges Jahr in die Pramergasse umgezogen ist, hat heuer sogar zwei Tage der offenen Tür mit Schnupperworkshops.
Das Writersstudio, das ich kenne, seit Judith Wolfsberger ihr Buch „Frei geschrieben“, in der SFU vorgestellt hat, gegründet, um Studenten mit Schreibblockaden beim Fertigstellen ihrer Diplomarbeiten zu helfen, hat inzwischen eine Unmenge von Seminaren, die Schreibenacht, die Schreibfabrik, das Schreibcafe mit Yoga etc.
Man sieht, schreiben ist ein Bedarf und hat viele Interessenten. Vor drei Jahren bin ich in zu ein paar Informationsabenden gegangen, da war auch die Tipgemeinschaft, die Schreibinitative der Studenten des Leipziger Literaturinstituts in Wien und haben in der Hauptbücherei gelesen. Ich habe Constantin Göttfert kennengelernt und Marlen Schachinger mit dem Aufnahmegerät gesehen, jetzt unterrichtet sie selber an der Werkstätte Kunstberufe und bietet Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Schreib-Lehrangeboten an. Voriges Jahr war der Tag der offenen Tür im Writersstudio mit einem Fest und neun Schnupperseminaren, Ich habe eifrig mitgeschrieben und mir heuer den Freitag dafür vorgenommen, da Samstag die Poet Night ist, ich die Vetos bezüglich der GAV-Neuaufnahmen vorbereiten will, vier werde ich diesmal einlegen und die Ohrenschmaus-Texte muß ich mir für die Jurysitzung auch noch fertig ansehen.
Die Diskussion zu den „Schreibhaltungen“ in der Gallizinstraße habe ich am Donnerstag auch versäumt, weil es das Supervisoren-Reflexionsstreffen gab und bin ich am Freitag mit schon sehr genauen Erwartungen in die Pramergasse hinausgewandert. Irene Rauch bei der ich einmal beim Thalia ein Probeworkshop machte, wo ich ein bißchen was für die „Radiosonate“ geschrieben habe, hat sich inzwischen selbständig gemacht, so daß der Tag hauptsächlich von Judith Wolfsberger und Ana Znidar gestaltet wurde und die Workshop waren wirklich interessant.
Ein paar Teilnehmer habe ich schon gekannt. Es waren aber auch sehr junge Frauen und sogar ein paar Männer dabei. Begonnen hat es wieder mit „Mindwriting am Morgen“, das diesmal besonders durchstrukturiert war. So gab es sogar eine kleine Entspannungsübung, aber auch eine Fotografin, die ihre genauen Ansprüche stellte. So mußte Judith Wolfsberger ihr fünf Minuten lang den Bleistift entgegenhalten und als ich hinschaute, war ich gleich auf dem Bild. Als sie dann noch die Morgennotizen der Teilnehmer fotografierte, war es ein bißchen zu viel des Guten, aber auch die fiktive Faktorenveränderung, die wir übten. Es ging weiter mit Ana Znidar, die ein höchst erfolgreiches und, wie ich höre, meist ausgebuchtes Short Story Seminar anbietet, diesmal gab es was zu Social Media. Nämlich vier Botschaften für Facebook, Xing oder Blogs, eine private, eine berufliche, eine witzige und eine Frage.
„Morgen 17.10 Lesung bei der Poet Night aus „Absturzgefahr“. Wer will kann das Buch auch kaufen. Hinkommen, zuhören, begeistert sein aber auch ein bißchen was über das literarische Leben Wiens abseits von „Rund um die Burg“ erfahren“, habe ich ein wenig reißerisch geschrieben geschrieben.
Am Abend bei den Drehbuchautoren sollte ich noch hören, daß heutzutage durch das facebook alle Leute Autoren sind. Social Media Writing ist sicher interessant und auch eine gekonnte Mischung zwischen dem literarischen, dem Sachbuch und dem wissenschaftlichen Schreiben. Damit ging es weiter „How to write a How to article“.
Nun glaube ich ja nicht, daß ich ein Buch über „Kuchenbacken“ oder „Umziehen“ schreiben will. Anar Znidar meinte aber, daß man das ähnlich, wie Reiseartikel in den unzähligen Zeitschriften die es gibt, veröffentlichen kann. Ich habe mich nach dem Brainstorming bezüglich der Dinge, die ich gut kann, dafür entschieden, mein Schreiben wieder mal zu orden.
„How to write a literary book?“, wäre ja eine Idee für ein Sachbuch. Damit ging es zu den den „Sieben Botschaften für das Sachbuchschreiben“ von Judith Wolfsberger. Wir sammelten nochmals unsere Stärken, entschieden uns für ein Thema und erstellten sieben Sätze, die erklären, was in dem Buch vorkommen soll.
Was ich gut kann ist neben Sachbüchern über „Stottern“, vielleicht eines zum „Leben mit wenig Geld“ oder über das „Schreiben in Wien“. Da weiß ich ja inzwischen auch ganz gut, was wo wann warum passiert und kenne die auf und auch die absteigenden Talente, die die Literatur gerade bewegen.
Dann kam eine längere Mittagspause, weil ein Schnupperseminar ausgefallen ist, ich bin zur Buchhandlung Kuppitsch und ein bißchen am Donaukanal spazierengegangen. Dann kam etwas Neues, nämlich „Improve your Englisch“, das eigentlich eine Eva Kuntschner halten hätte sollen, die aber erkrankte, so daß Judith Wolfsberger für sie einsprang und ich dachte mir, daß ich mein Englisch gar nicht improvisieren will. Dann war das freewriting auf Englisch aber besonders lustig und spannend. Wer hätte gedacht, daß es Spaß machen kann mit sieben Worten nämlich „thursday, thunderstorm, thunderbird, unit, united, unless, university“ eine phantastische Geschichte mit Unwetter, Flüchen und Warten auf den Bus, um auf die Universität zu fahren, zu schreiben. Stimmt wahrscheinlich, was Judith Wolfsberger meinte, daß man in der Fremdsprache keine Erwartung hat, sondern einfach losschreibt und schon gibts eine spannende Geschichte, die Rechtschreibung ist egal.
Dann kam wieder Ana Znidar mit dem „Traveling Writing“. Dieses Workshop habe ich schon im vorigen Jahr gehört und mich im Sommer mit dem Buch von Ilona Lütkemeyer auch damit beschäftigt, meinen Urlaub zu beschreiben. Wieder meinte Ana Znidar, daß sich damit Geld verdienen läßt, wenn man die Geschichten spannend und mit allen Sinnen gestaltet und so habe ich ein bißchen über Nikolaiken improvisiert und meine Geschichte weitergeschrieben.
Die „Scenes of Vienna life“ mit Dardis Mc Namee entfielen, was vielleicht ganz spannend gewesen wäre, es kam nochmals Ana Znidar mit einem Schnupperseminar zum „Memoir-Writing“ und pries wieder das spannend schreiben mit allen Gefühlen und dem „Show not tell“ an, weil es sonst ja langweilig wird.
Das war es ein intensiver Schreibtag, wo ich mich ein bißchen mit dem Ordnen meines Schreiberlebens beschäftigt habe, ein paar interessante Gespräche führte und einen Teilnahmezettel für das Gewinnspiel ausfüllte.
Am Samstag geht es weiter mit Yoga und einigen Seminaren, die ich, glaube ich, schon im Vorjahr machte. Die Bagels und die Muffins werde ich versäumen und die Lesungen der Schreibtrainer, weil ich ja im Siebenstern selber lese.
Es gab aber noch eine interessante Veranstaltung am Beginn des Schreibeherbst, in dem das Literaturhaus sein zwanzigjähriges Bestehen feiern wird.
So haben die Drehbuchautoren über Gerhard Ruis zu einer geschlossenen Veranstaltung „Drehbuch trifft Literatur“ ins Gartenpalais Schönborn in der Laudongasse eingeladen, wo Dagmar Streicher mit Eva Menasse, Lydia Mischkulnig, Wolfgang Murnberger und David Schalko über das Drehbuchschreiben diskutierte.
Eine interessante idee, obwohl ich vom Drehbuchschreiben nicht viel verstehe und mich auch nicht damit beschäftige, erinnere mich aber, daß es vor vielen Jahren, als man noch nicht so viel vom Schreiben lernen hörte, ein Drehbuchschreiben-Workshop und eine Diskussion darüber im Palais Palfy gab, das auch von den IG-Autoren organisiert wurde. Interessant auch, daß ich die einzige Prosaautorin war, die der Einladung außer Gerhard Ruis folgte.
Marianne Sula und einen Kollegen, den ich immer bei der IG-GV sehe, habe ich getroffen, aber die schreiben auch Hörspiele oder szenisch.
Es wurde diskutiert, wieviele Fassungen die Regisseure brauchen, bis sie damit zufrieden sind und ob es nicht besser ist, sich gleich an Romanvorlagen zu halten.
Nachher gab es ein Buffet und ich bin über den offenen Bücherschrank, den gerade jemand ausräumte, nach Haue gegangen. Eigentlich habe ich noch ins Phil schauen wollen, wo die drei Preisträger des Fm4 Wettbewerbes vorgestellt wurden, aber dazu war es schon zu spät und müde war ich auch.
Thomas Wollinger hat zum Thema passend zwei Videos über das Schreiben in der Schreibwerkstatt Langschlag, die von Robert Schindel künstlerisch geleitet wird, in seinen Blog gestellt.

2011-09-23

Unterm Messer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:01

Eva Rossmann greift in ihren jährlichen Krimi immer aktuelle Themen auf. In „Unterm Messer“ geht es um Schönheitsoperationen oder, um viel viel mehr und so hetzen wir uns auch durch durch die zweihundertsiebzig Seiten.
Es beginnt ganz harmlos und doch spannend, wie meistens in einem Mira Valensky Krimi. Mira, die Chefreporterin vom Magazin fährt ins steirische Vulkanland in die Schönheitsoase des Professor Grünwalds und soll über seine Beautyfarm berichten. Eigentlich ist das ein Wellnesshotel, man kann sich aber auch seine Nasen, Busen und Penise richten lassen.
„Nein, die nicht!“, beteuert Professor Grünwald, der eigentlich kein richtiger ist, sondern ein gewöhnlicher Wald und Wiesen Dermatologe, denn laut Nachrichten wissen wir, daß sich in Österreich jeder Arzt Schöheitschirurg nennen darf und, daß das der Gesundheitsminister ändern will.
Mira steht also auf der ersten Seite im oder vor dem OP und sieht zu, wie einer Patientin Salzsäure ins Gesicht gespritzt wird. Die will sich verschönern lassen, Mira graust, so hetzt sie aufs Klo und verärgert etwas später den Professor beim Professor Dinner, bei der Frage, wie oft er sich schon operieren hat lassen? Was den Star- und Schönheitsguro in Verlegenheit bringt, so verläßt Mira den Speisesaal, kommt aber wegen ihres schlechten Orientierungssinn in den Keller, wo ihr eine alte Nonne gegegnet, die in der Sauna eine ihrer jüngeren Ordensschwestern tot aufgefunden hat.
Manchmal wird meiner Meinung nach die freundliche engagierte Eva Rossmann etwas makaber, in diesem Buch an der Stelle, wo der Gerichtsmediziner die Leiche anfassen will und Mira schreit „Halt,sie ist niedertemeraturgegart!“
Mira, die Köchin weiß das von ihren Steaks, die Leute im Cafe Museum am Dienstag lachten an der Stelle und mir ist eingefallen, daß mir in „Kaltes Fleisch“ nicht gefallen hat, daß eine der Personen, so einfach in der Tiefkühltruhe verschwunden ist.
Mira wird indessen zuerst in ihrem Zimmer eingesperrt, dann aus dem Schönheitshotel geworfen, sie kommt aber mit ihrer Freundin Vesna wieder und schlecht sich nachts durch die Hügeln von der anderen Seite in den Keller, wo sie ein geheimes Labor mit Mäusen entdeckt.
Eva Rossmanns Spezialität ist die Fragestellung. So hantelt sie sich von Frage zu Frage und Mira Valensky kurbelt die Handlung durch ihre Phantasien und ihr Mißtrauen an. Sie hat in Wien eine Katze und ihren Mann Oskar Kellerfreund, der sie in früheren Krimis schon mal betrogen hat. Jetzt bandelt Mira ein wenig mit dem Gerichtsmediziner Karl Simatschek an und lernt die achtzigjährige Nonne, Schwester Gabriela, die eigentlich Medizin studiert hat und sehr kritisch ist, näher kennen. Die erzählt ihr, daß Schwester Cordula, die Biologin war vom Kloster weg wollte, weil ihr die Schönheitsoperationen nicht mehr gefallen haben und schickt Mira zu einer Genforscherin, die früher in Grünwalds Labor gearbeitet hat. Inzwischen wird der derzeitige Forschungsleiter ermordet. Schwester Gabriela trotz ihres Ordenskleides und ihrer achtzig Jahre verdächtigt, so daß die sich in einen religiösen Wahn flüchten muß und ständig zu beten beginnt, währendessen Mira weiterforscht und vom hundersten ins tausensten kommt.
Es bewegen sich in Grünwalds Hotel und Forschungsfirma nämlich verdächtige Südamerikaner, die einer rechten Partei angehören. Wollen die menschliche Kampfmaschinen züchten? Und hochgezüchtete Schafe gibt es auch in einem Bauernhof und Athleten, die zuerst alle ReKorde schlugen, später dann an Krebs erkrankten, denn Professor Grünwald begnügte sich nicht mit Schönheitsoperationen. Er will durch Genmanipulationen an das ewige Leben und zur ewigen Jugend kommen, landet schließlich selbst am Operationstisch und bekommt vom Mörder Botox gespritzt, so daß ihn Mira, obwohl sie ihn nicht leiden kann, letztendlich rettet und dafür eine kleine Portion Salzsäure ins Gesicht gespritzt bekommt.
Ende gut, alles gut, am Schluß sitzen alle in Miras Wohnung. Mira serviert ihren Gerichtsmediziner die köstliche mexikanische Mole und sagt „Kann schon sein, daß wir ohnehin ewig leben, eine unmeßbare Anzahl von Augenblicken lang.“
Eva Rossmann ist eine fleißige Schreiberin, hat sie jetzt ja schon dreizen Krimis geschrieben, die alle spannend sind und die ich auch alle lese, obwohl ich dann immer wieder von dem Muster schreibe, nach denen die Romane gestrickt sind und sie sind auch ein wenig übertrieben. Die Handlung wird vorangetrieben, während auf der anderen Seite dann wieder nicht so viel passiert. Obwohl zwei Morde gibt es in „Unterm Messer“ schon und ganz besonders interessant, um Schönheitsoperationen geht es dabei fast gar nicht, obwohl das ja ein derzeit aktuelles Thema ist.

2011-09-21

Von der Nationalbank zur Kriminacht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:45

Am Dienstag wurde nicht nur Peter Roseis „Geld“ vorgestellt, es gab auch noch die Kriminacht. Zum siebenten Male findet die nun, glaube ich, schon in den Wiener Kaffeehäusern statt und wird von Wien live präsentiert.
Es gibt ein eigenes Emblem und ein eigenes Programm. Ein Kellner und eine Serviererin mit entsetzten Ausdruck und der Wein und der Cafe fallen vom Tablett.
Ich war noch nicht so oft dort, weil ich ja erstens nicht so gern ins Kaffeehaus gehe und zweitens, das mit der langen Nacht auch ein bißchen eine Mogelpackung ist, denn die meistens Veranstaltungen fangen um neunzehn Uhr an und dann kann man nur zu einer gehen.
An drei Veranstaltungen erinnere ich mich aber doch, vor 2007 war ich im Thalia in der Landstraße, was präsentiert wurde, weiß ich gar nicht mehr so genau, nur daß ich mich anmelden wollte, man sagte geht nicht, dann ging ich hin und stand eine halbe Stunde vor den für die VIPs reservierten Sitzreihen. Erst als die nicht kamen, durfte man sich setzen. Reserviert war mit Kriminacht T-Shirts, das habe ich mir mitgenommen und bin damit auf die Donauradkarawane gefahren und habe es angehabt, als ich in Vilshofen die „Donauanthologie“ der Ruth Aspöck präsentiert habe.
Dann bin ich einmal in Radiokulturcafe gegangen, da hat Thomas Raab seinen ersten Metzger präsentiert und gefragt, ob es jemanden gibt, der kein Handy hat und ich bin, da ich etwas zu spät war, hinten gestanden und habe immer die Tür auf und zugemacht, wenn jemand hineinwollte.
2009 war ich beim Morawa und habe darüber berichtet, ansonsten sind die Kriminächte eher an mir vorbei gegangen, diesmal fast auch, ich bin aber immer noch eine eifrige Leserin von Anni Bürkls Blog und da las ich Montagabend, daß sie bei der Kriminacht ihren neuen Krimi „Die Spionin aus Wien“ präsentierten wird, da habe ich mir das Programm ausgedruckt und gesehen, daß um halb zehn Eva Rossmann „Unterm Messer“ präsentiert und das ist an mir bis jetzt auch vorbeigegangen. Ich habe es zwar angefragt, aber keine Antwort bekommen und bei „Rund um die Burg“ Eva Rossmann auch nicht gelesen. Aber wenn die Veranstaltung um halb zehn im Cafe Museum ist, kann ich vorbeischauen, habe ich gedacht, denn wenn ich nach Hause gehe, komme ich ohnehin am Cafe Museum vorbei. Dann hat noch der Alfred angerufen und wir haben uns dort verabredet, so daß es inzwischen das Buch und Fots gibt. Als ich so um halb neun von der Nationalbank wegging, dachte ich, da habe ich noch eine halbe Stunde Zeit und dann stand ich diese halbe Stunde Schlange vor dem Cafe. Das ist es, was mir an der Kriminacht nicht gefällt. Daß die Organisatoren so gut und so viel Werbung dafür machen, daß alle hinwollen und man sich die Füße in den Bauch steht. So muß man zwar auch nicht konsumieren. Es war mir aber gar nicht klar, ob ich überhaupt hineinkomme, obwohl zwschendurch immer Menschen hineinströmten. Vielleicht waren das die VIPs. Ich sah Eva Rossmann eine Weile durch die Fensterscheibe signieren, dann war ich fast beim Eingang und die Türe wurde geschlossen. Ich machte sie wieder auf und ging hinein, der Security fragte mich „Was wollen Sie?“- „Zuhören!“- „Da ist kein Platz!“
„Für mich schon!“, sagte ich selbstbewußt, da gab er auf, hinter mir strömten noch Alfred und ein paar andere hinein, dann begann schon Eva Rossmann und freute sich, daß so viele gekommen waren und bedauerte nur ein bißchen, daß nicht alle hineinkönnen.
Ich habe mir auf der Website am Montag noch ein Video von Leipziger-Buchmesse angeschaut, wo Werbung für die Kriminacht gemacht wurde.
„Hinkommen, weil alles andere wäre kriminell!“, sagte da Eva Rossmann.
Nun gut, ich bin wieder mal im Stau gestanden und der neue Rossmann-Krimi handelt von Schönheitsoperationen. Eva Rossmann verwendet immer aktuelle Themen und da gab es am Montag beim Radiodoktor auch eine Sendung über die plastischen Chrirgen, bzw. darüber, daß sich jeder Arzt Schönheitschirurg nennen darf und eine Diskussion, ob Frauen, die sich verschönern lassen wollen, jetzt Patientinnen sind oder nicht?
Man kann offenbar viel Geld damit verdienen und ich wundere mich immer, daß sich soviele Frauen freiwillig unters Messer legen, um sich ihre Lippen aufspritzen oder ihre Busen kleiner oder größer machen zu lassen. Der neue Rossmann-Krimi handelt von einer Schönheitsoase und einem Prof Grünwald, der die Operationen macht, Mira Valensky will für ihr Magazin recherchieren, fragt den Schönheitschirugen, ob er das auch an sich machen lassen würde und stolpert in der Sauna über eine tote Nonne.
Vielleicht sollte ich nicht zuviel erzählen, denn das ist irgendwie Tradition, daß ich die Krimis vom Alfred zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekam, so daß ich alle gelesen habe. Bei „Leben lassen“ waren wir vor zwei Jahren beim Thalia auf der Mariahilferstraße, wo ich auch Elisabeth von Leselustfrust, die es inzwischen nicht mehr gibt, kennenlernte
„Evelyn Falls“ habe ich als Rezensionsexemplar besprochen und „Unterm Messer“ werde ich demnächst zu lesen beginnen und meine hundert Bücherliste noch ein bißchen vernachlässigen. Es war sehr voll im neurenovierten Cafe Museum, wo es sehr viel guten Kuchen gibt, aber den hatte ich schon in der Nationalbank gegessen und eine große Konkurrenz hat es auch gegeben, so hat sogar Simon Becket gelesen, aber auch die Perutz Preisträger Koytek und Stein, Sabine Naber, Andreas Pittler, Petra Hartlieb, Lisa Lercher, Stefan Slupetzky u.u.u.
Wenn es überall so voll war und überall so viele Bücher verkauft wurden, ist die Kriminacht ein gutes Geschäft, aber Weihnachten naht und Krimis sind ja spannend.

2011-09-20

Geld

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:20

„Wenn Sie sich bei Peter Roseis Roman „Geld“ eine vordergründige Betrachtung der Bankenkrise erwarten, werden Sie enttäuscht sein!“, hat Kurt Neumann die Präsentation in der Nationalbank eingeleitet und ich habe zu der Dame, die neben mir gesessen ist und schon in dem Buch gelesen hat, gesagt, daß ich mich wundere, daß die Präsentation hier stattfindet, handelt das Buch doch von einem Inhaber einer Werbeagentur, einen Erben einer Pharmafirma und zwei Frauen, die wie die Frauen in Ingeborg Bachmanns Romanen oder denen Doderers vom Graben zur Kärtnerstraße schlendern, um in Nobelboutiquen einzukaufen. Ja richtig, einen jungen Broker namens Tom Loschek gibt es auch. Aber so weit war ich mit dem Lesen noch nicht gekommen, hatte ich, als ich zur Nationalbank aufgebrochen bin, erst die ersten zwei Teile gelesen.
Allerdings auch die Lesung bei „Rund um die Burg“ gehört und „Geld“ ist, glaube ich, das erste Buch, das ich von dem 1946 in Wien geborenen, promovierten Juristen, gelesen habe.
Das Suhrkamp Taschenbuch „Wege“ habe ich mir einmal, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte und kurzfristig den Spleen hatte, mir jede Woche ein Buch zu kaufen, besorgt, ob ichs gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Peter Rosei kenne ich schon lange von verschiedenen Lesungen in der Alten Schmiede, „Rund um die Burg“ etc, dann hat er auch bei dem „Mit Sprache unterwegs“-Projekt mitgemacht und ich war schon Freitag im Zelt etwas erstaunt, denn Peter Rosei hat wirklich einen eigenes Ton. Der leise und verhalten ist, seltsam distanziert, wie mit einem Flair der Fünfzigerjahre, wo die Handlung in den Hietzinger Villen spielt, die Frauen Geld ausgeben und nach der Heirat aus der Firma aussteigen, obwohl das Buch, wie Kurt Neuman erwähnt von den Achtzigerjahren bis zum Börsenkrach von 2007 oder 2008 spielt. Claudia Romeder vom Residenzverlag, erwähnte etwas, daß Rosei einer der wenigen ist, der noch die direkte Rede verwendet, ich tue das auch und mir ist aufgefallen, daß er „der Asamer“ etc schreibt.
Zur Handlung, denn ich habe das Buch inzwischen ausgelesen und die ist in drei Teilen gegliedert und handelt von sechs Personen, die alle mit Geld zu tun haben, es ausgben oder es verdienen. Der Börsencrash kommt nicht darin vor, obwohl es mit Invenstitionen in amerikanische Immobilien, denn „Die Leute wollen sich Eigenheime bauen!“, endet.
Beginnen tut es, daß Georg Asamer seinen sechzigsten Geburtstag feiert und dabei merkt, daß er alt wird. Ein Mann mit Sechzig ist das zwar eigentlich nicht wirklich und Peter Rosei ist auch um fünf Jahre älter, beschreibt im ersten Teil aber den körperlichen Verfall des Georg Asamers, der aus kleinen Verhältnissen kommt, sich hochgearbeitet und eine Werbeagentur aufgebaut hat, mit der er alle anderen Werbeagenturen verdrängte, so daß er zuerst mit seiner Mutter in einer Villa in Hietzing lebte, eine Frau hatte er kurzfristig auch, aber die hat ihn betrogen. So lebt er jetzt alleine dort mit seiner Haushälterin Wally und weil er an das Sterben denkt, beginnt er sich einen Nachfolger heranzubilden. Das ist Andy Sykora, ein Gastwirtsohn aus Hernals, der an der Hochschule für Welthandel studierte, wo Asamer unterrichtet und ein Finanzgenie zu sein scheint, so daß Asamer ihn zuerst zu seinem persönlichen Assistenten, dann zu seinem Ziehsohn und Erben macht.
In kleinen feinen Szenen wird das geschildert, irgendwie bleibt es an der Oberfläche, irgendwie ist es aber, wie auch Claudia Romeder bemerkte, beklemmend, denn Rosei beschreibt es so, als würde Andy Sykora Asamer vernichten. Er stirbt auch im ersten Teil, beziehungsweise verliert er seine Kräfte. Dazwischen heiratet Andy, die Sekretärin Elena, die sich später Lena nennt und macht mit ihr Hochzeitsreise zur Südsee, on der Pharmafirmensohn Hans Falenbruck ein Hotel betreibt und sich mit dem jungen Ehepaar anfreundet, der hatte einen eine Wiener Braut, namens Irma Wonisch, die sich allerdings weigerte ihn zu heiraten.
Im zweiten Teil ist Asamer verstorben und wir lernen Irma Wonisch näher kennen. Wieder wurde ich an Ingeborg Bachmanns „Malina“ oder ihre anderen Romanen erinnert. Denn die Irma spielte als kleines Mädel mit dem Kindermädchen im Volksgarten und wurde von dort am Abend von ihrem Papa, wenn der, ein Ordinarius von der Universiät kam, abgeholt. Die Familie ist streng katholisch und die Mutter rief immer „Der Peymann, der Peymann! Das hat uns gerade noch gefehlt.“
Also spielt es doch nicht in den Fünfzigerjahren. Irma ist inzwischen auch gealtert und hat zwei Vergnügen. Ihre Nächte in Künstlercafes zu verbringen und dann die Künstler in ihre Wohnung in die Josefstadt mitzunehmen und die Vermögensverwaltung. So lernt sie eines Abends in der Oper auch den jungen Broker Thomas Loschek kennen.
Im dritten Teil kommt Hans Falenbruck nach Wien, um von dort ins Ostgeschäft einzusteigen. Er ist korpulent geworden und hat den Schweizer Pharamakonzern geerbt. Da trifft er Andy und Elena wieder und verfällt Lena, die eben auch nur das Einkaufen als Hobby hat, mit Haut und Haaren, während das Finanzgenie Andy inzwischen zu trinken anfängt.
Irgendwie ist das Ganze auch ein boshafter abgründiger Wiener Reigen und Peter Rosei einer der dieses Wien mit dem Flair von „Küß di Hand“, das ich nicht kenne, sehr gekonnt beschreibt. Während also Andy arbeitet und Hans Falenbruck in den Osten investiert, schleppt Lena ihn zum Einkaufen und gibt sich hier mit keinen Nippes ab.
„Einmal war es ein Haus auf dem Semmering – für die heißen Sommertage, wie sie erklärte. Dann schleppte sie Hans in einen Autosalon oder zu einem Modeschöpfer.“
Tom Loschek ist inzwischen aus Amerika zu Irma zurückgekommen, aber die ist auch kein junges Mädchen mehr, sondern „Hässlich, wie das Wort. Vor dem Spiegel im Bad vermied sie es, ihre nackten Brüste anzusehen, den Bauch und weiter unten erst. Ihr dratig gewordnenes Haar widert sie beim Auskämmen an. Am besten man schaut überhaupt nirgends hin.“
Trotzdem scheint sie, den jungen Broker anzuziehen, dann treffen sie Hans und Lena und beschließen, „in die nagelneue Geschäftsidee aus Amerika einzusteigen“, während Andy schon, wie einstens Asamer ans Sterben denkt…
Damit endet das Buch, das eigentlich nicht, die Finanzcrashs beschreibt, sondern mit zarten Symbolen, eine davon ist z.B. die Statue des verlorenen Sohnes in Asamers Garten und viel Fleischlichkeit ein Wien im Fünfzigerjahrenklischee, „wo man in die Oper, zu Partys und zu Heurigenpartien geht“.
Vom Sterben und der Endlichkeit ist viel die Rede und Peter Rosei meinte in der Nationalbank, daß er damit auch die Endlichkeit der Finanzwelt andeuten wollte.
Ein interessantes Buch, das nicht hält, was es verspricht und dennoch, ganz zart und angedeutet und nebenbei, vielleicht doch sehr viel davon erzählt. Kurt Neumann erklärte noch in der Einleitung, daß der halbwegs Gebildete Peter Roseis Zeitungsartikeln über die Ökonomie kennt. Jetzt hat er, wie am Buchrücken steht „Ein lakonisch-packendes Buch, ein scharfsinnig-böses Puzzle mit komödiantischen Zügen“, geschrieben. Am Umschlag gibt es „Hunderteuroscheine“, in der Bank Wasser, Orangensaft, Brötchen, gefüllte Weckerln und sehr gute Petit fours. Peter Henisch habe ich gesehen und ihn das gefragt, was ich über sein neues Buch wissen wollte und Evelyn Grill, da kam ich nicht dazukam ihr zu erzählen, daß ich ihre Bücher gelesen habe und ein bißchen Stammpublikum.

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