Literaturgefluester

2008-11-29

Heimspiel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:44

Dieses Wochenende bin ich in Wien geblieben, da Alfred zu einem Geburtstagsfest wollte und ich versuche mit der „Radiosonate“ fertig zu werden.
Vielleicht sollte ich etwas über meine Schreibweise erzählen, angedeutet habe ich schon einiges. Ich bin eine schnelle Schreiberin. In ca. sechs Wochen habe ich den Rohentwurf fertig, ein- bis zwei Monate vorher sammle ich meist schon Material, während ich am vorigen Text arbeite. Dann kommt das Korrigieren, das heißt, ich gehe den Text solange durch, bis ich keine Fehler finde. Am Inhalt ändert sich nur wenig. Es kommen aber einige Seiten weg.
Ich bin jetzt in der Endphase, es geht nur mehr um Kleinigkeiten, aber bis ich zufrieden bin, dauert es erfahrungsgemäß lange. Den Vorstellungstext hab ich schon geschrieben. Ich ersuche manchmal auch Kollegen darum. Es geht aber schneller, wenn ich es selber mache und es ist dann auch so, wie ich es will. Allerdings ist ein Kollegenname immer eine Werbung und so suche ich schon ein bißchen herum.
Das Titelfoto müssen wir noch machen. Bei den letzten Büchern hat mir die Anna die Graphik gemacht. Diesmal denke ich, nehme ich wieder einen Bücherstoß oder eine Bücherschachtel, geht es ja um drei Schachteln Bücher, die Elsa Eisenstein, eine der Protagonistinnen, im Hausflur findet, als sie von der Silvesterparty nach Hause kommt.
Wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, bekommt der Alfred den Text, der ihn auf Rechtschreibfehler ausbessert und fertig macht für die Druckerei.
So sind wir bei den letzten siebzehn Büchern vorgegangen. Fünf sind bei Digi-Buch bzw. Melzer, elf bei Novum, das letzte bei Digitaldruck.at herausgekommen.
Ich bin damit auch zufrieden, obwohl es schon Nachteile hat, so kommt man beispielsweise nicht auf die Buchprämienliste und auch bei Ö 1 ist es schwer, obwohl ich Edith Ulla Gasser meistens ein Belegexemplar schicke, aber es gibt da Vorurteile. Bei den Textvorstellungen der alten Schmiede ist es kein Problem. Und so habe ich mir wieder vorgenommen, den Text an einen Verlag zu schicken, obwohl ich es seit „Tauben füttern“ nicht mehr probiert habe und eigentlich auch skeptisch bin, ob es wirklich etwas bringt.
Heute also ein ruhiger Tag, den ich mit Text und Laptop verbracht habe.
Das BMUKK hat die Briefe an die Prämiengewinner offenbar schon ausgeschickt, denn es haben sich zwei Kollegen bei mir bedankt. Peinlich nur, daß ich beide nicht auf der Liste meiner Erstvorschläge hatte.
Und Cornelia Travnicek hat sich auf ihren Blog auch schon über die Autorenprämie gefreut, dabei ist, wie sie schreibt, da sie sich gerade in einem Supermarkt befand, die Milch auf den Boden gefallen und die Salatsauce wurde vergessen.
Nun ja, Preise sind wichtig und Dietmar Füssel, auf dessen Gewinnspielseite ich gestern natürlich schauen mußte, hat auch einen Preis gewonnen, nämlich den vierten Sangerhäuser Literaturpreis für seine Kurzgeschichte „Skinhead“, die ich noch lesen muß und bei mir sind vor ein paar Tagen die Fahnen bzw. die PDF-Datei für die Volksstimmeanthologie „1918-1938-1968-2008 – Aus dem Bilanzbuch des 20. Jahhunderts“ angekommen, das noch vor Weihnachten bei „Globus“ erscheinen soll und noch etwas gibt es zum Thema Lesen zu vermelden.
Nämlich Elke Heidenreich, die ja mit dem ZDF Schwierigkeiten hatte, ist mit ihrer Sendung „Lesen“ jetzt im Internet zu finden: www.litcolony.de und ich habe es mir gleich angesehen.
Es passt zu dem Ex-Libris-Spezial, das ich vorgestern im Literaturhaus hörte und das am 8. Dezember in Ö1 ausgestrahlt wird, bzw. zu Jochen Jungs kritischen Anmerkungen, der der Meinung ist, daß die Literatur kein Spektakel, sondern Leser braucht.
Elke Heidenreich hat jedenfalls, wie sie in ihrer schnellen Sprechweise anmerkte, sehr komische Bücher vorgestellt, Tilmann Rammstedts „Der Kaiser von China“ und Alina Bronskys „Scherbenpark“, die ich beide in meinem Badezimmer habe und nur noch lesen muß und dann noch ein Buch, in dem ein Vater seinem Sohn vorliest, dabei aber nur die spannensten Stellen auswählt, damit dem Kind nicht langweilig wird.
Nun ja, so soll das Lesen doch nicht sein oder geht es nicht anders?

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2008-11-27

Schon wieder zwei Veranstaltungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:20

Da habe ich doch geschrieben habe, nach der Buch-Messe leiser zu treten, aber heute war der Jour Fixe von Ruth Aspöck in der Galerie NUU in der Wilhelm Exner Gasse, die damit ihre Verlegerinnentätigkeit ausklingen lassen will und bisher war es schwierig, am Donnerstag um 17 Uhr hinzukommen, da ich vor dem Sommer meistens eine Kinderstunde hatte, die nicht zu verlegen war.
Also habe ich mich auf die „Donaulesung“ mit Waltraud Seidlhofer sehr gefreut, obwohl ich fast zu spät gekommen wäre, da mir Cornelia Travnicek, deren Blog ich vor ein paar Tagen entdeckte und der ich einen Kommentar auf ihre Buchmesseartikel im Literaturcafe geschrieben habe, geantwortet hat.
Die Lesung Waltraud Seidlhofers, einer wahrscheinlich ebenfalls experimentellen Autorin und Heimrad Bäcker Preisträgerin, die von ihm, wie sie erzählte, sehr gefördert worden ist, war auch interessant.
Es gab eine Diskussion über das Schreiben, dann habe ich mit ihr ihr neues Buch getauscht ( „Boote in den Museen“, Mitter Verlag), Tee getrunken, Brokkolisuppe gegessen und dann noch Lebkuchen und Mandarinen und mich mit Ruth Aspöck und Erich Schirhuber unterhalten und bin doch ins Literaturhaus gegangen, denn dort gab es ein Ex Libris-Spezial, das ich eigentlich auslassen wollte.
Aber „Literatur als Spektakel, kann Österreich zwei Buchmessen aushalten?“ – Eine Diskussion mit Alexander Potyka, Jochen Jung und anderen unter der Moderation von Peter Zimmermann kann mein literarisches Wissen verstärken.
Anni Bürkl hat mir ja geschrieben, daß auf der Buch-Wien 20. 000 Besucher waren, während es auf der zu klein gewordenen Buchwoche 60.000 gewesen sind.
Das Literaturhaus lag auch am Weg, ich bin einfach etwas früher weggegangen. Nicht sehr viele Besucher, aber einige ORF-Moderatoren, die auch auf der Messe waren. Robert Huez hat eröffnet und interessant für mich, daß Jochen Jung nicht auf der Messe war.
Weil erstens zu teuer und zweites war er in Frankfurt und hat die Jury für den nächsten Buchpreis zusammengestellt und Alexander Potyka hat viel gelächelt und es nicht gesagt, falls er enttäuscht gewesen ist. Aber daß die Organisation einer Buchmesse schwierig ist, habe ich schon begriffen.
„Wien braucht eine Messe, denn die Wiener werden nicht nach Frankfurt fahren!“, wurde launig angemerkt. Da habe ich gedacht, daß ich dieses Jahr viel von Frankfurt mitbekommen habe, ohne mich aus Wien hinauszubewegen, aber ich interessiere mich ja sehr für Literatur und ob die Durchschnitts-Wiener mit der U2 in den Prater fahren werden, bin ich mir nicht so sicher, aber es braucht natürlich alles seine Zeit und man muß sich an Veränderungen erst gewöhnen.
Jochen Jung beklagte, daß man dieselben zwanzig Bücher in jeder Buchhandlung in jeder Stadt und in jedem Feuilleton finden kann und meinte kurz darauf, daß es die Aufgabe des Verlegers ist auszuwählen, so daß von der Vielzahl das Beste herausgefiltert werden kann.
Genau damit habe ich wieder ein Problem, denn ich bin ja für die Kreativität des Einzelnen und finde die vielen Blogs und Internetseiten, die ich nach und nach entdecke und das Nanowrimo-Writing äußerst interessant, glaube aber nicht, daß es in zwanzig Jahren nur mehr E-Books geben wird.
Ich habe jedenfalls soviele ungelesene Bücher, daß ich für den Rest meines Lebens locker damit auskomme, allerdings hat sich mein Leseverhalten durch das Internet schon verändert, weil man eben alles sehr schnell finden kann, was ich vor einigen Jahren nicht geglaubt hätte.
So gesehen bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung der Buch-Wien, gehe gerne wieder hin, daß ich Eintritt zahlen will, glaube ich aber nicht.

2008-11-26

Jurysitzung und Literaturhauslesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:08

Da bin ich gestern also bestens ausgerüstet in meine zweite Jurysitzung gestartet.
Vorher war ich noch beim Friseur und habe im Stadtplan nachgesehen, wo sich der Concordiaplatz befindet und bin dann, weil mich eine Frau die Kirche am Gestade hochschickte und sich das Zimmer des Ministerialrats Stocker im fünften Stock befindet, fünf Minuten zu spät gekommen. Nils Jensen war noch nicht da, Sylvia Treudl ist erkrankt und hat ihre Vorschläge schriftlich bekannt begeben.
So daß Helmuth Niederle, der Pen-Präsident Helmut Stefan Milletich und ich dreiundvierzig Vorschläge machten, aus denen fünfzehn ausgewählt werden mußten.
Unsere Meinungen differierten, ich habe mich eher an die jüngeren Frauen gehalten, die Mittleren eben und bin dabei ziemlich allein gewesen, habe aber etwa fünf Vorschläge doch durchgebracht, während einige Romane, die ich für hervorragend halte, unberücksichtigt geblieben sind.
Wäre Sylvia Treudl anwesend gewesen, hätte es vielleicht anders ausgesehen, so haben die Prämien bevorzugt die berühmten älteren Männer und auch einige solcher Frauen bekommen. Ich bin ja durchaus kompromißbereit. Die Namen überzeugen auch und die sozialen Aspekte, auf die Helmuth Niederle großen Wert legte.
Ich bin nur nachher draufgekommen, daß wir in Gefahr waren, auf dem Test, den vielleicht die Werkstätte Kunstberufe oder jemand anderer mit seinen fiktiven Verlagen unternahm, um die Kompetenz von Juryentscheidungen zu überprüfen, hereinzufallen, denn ich habe mir in den letzten Wochen wirklich viele Bücher durchgesehen, aber alle auf der Liste kannte ich nicht.
Die Namen, denen ich letztlich zugestimmt habe, aber schon und so habe ich heute nachgesehen, ob alle Verlage der vorgeschlagenen Bücher existieren.
Sie tun es natürlich und das leitet über zu der Lesung eines meiner Favoriten, Hanno Millesi, der heute seinen Roman „Der Nachzügler“ im Literaturhaus vorgestellt hat, in dem es auch um den Literaturbetrieb geht.
Ich habe ja gedacht, das wäre mein Thema, bemerke aber in letzter Zeit, daß sich einige Autoren damit beschäftigen und auch berühmt werden.
Thomas Glavinic mit seinem „Das bin doch ich“ zum Beispiel und jetzt Hanno Millesi, dessen Roman, bei dem es um einen experimentellen Autor geht, der im Nebenberuf als Ermittler tätig ist und sich dabei eine Guerillaaktion gegen ungerechte Juryentscheidungen und den ihn langweilenden Literaturbetrieb ausdenkt, habe ich schon bei der Buch-Wien durchgeblättert.
Die Veranstaltung hat etwas später angefangen, weil sie im Radio falsch angekündigt war. Es waren nicht sehr viele Besucher, aber einige experimentelle Autoren da.
Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Ann Cotton, Brigitta Falkner und dann noch Bettina Balaka, die realistischer schreibt.
Die Ausstellung „Privatsachen“ von Liesl Ujvary über die Schreibtische von meist ebenfalls experimentellen Dichtern und Dichterinnen gab es in der Wartezeit ebenfalls zu bewundern. Christiane Zintzen hat in ihrem Blog auf die Lesung hingewiesen und ich habe Hanno Millesi im Literaturgeflüster schon erwähnt, den ich von den Zeiten kenne, wo ich mich noch um das Staatsstipendium für Literatur beworben habe.
Da ist mir sein Name mehrmals aufgefallen. Dann hat er beim Wahnsinnsymposium des Ernst Kostal seine wirklich beklemmenden Kindergeschichten, die mich immer an die Entstehungsbedingungen einer Schizopherenie im Sinne des längst vergessenen Double Binds denken lassen, vorgetragen. Später hat er einen Text für die lange Nacht des Hörspiels geschrieben, wo er echt Tondokumente einer Polizeiaktion, als die experimentellen oder auch nicht experimentellen Autoren gegen die Kürzung des Autorenhonorars protestierten, verwendete, geschrieben und drei oder vier Romane, die in der Edition Luftschacht herausgekommen sind.
Den Text, den er beim Bachmannpreis vor ein paar Jahren gelesen hat, habe ich für einen der besten gehalten, der vorgetragen wurde und seine Gedanken über den Literaturbetrieb und dessen Ungerechtigkeiten sind natürlich interessant.
Im Anschluß gab es Bier und die experimentellen Autoren scheinen alle starke Raucher zu sein. Ich gratuliere Hanno Millesi herzlich zum nächsten Preis, den er bekommen wird, auch wenn er ihn für ungerecht empfinden sollte.

2008-11-24

Noch einmal Buch-Wien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:02

Inzwischen ist die Buch-Wien Geschichte und ich schreibe über den letzten Tag. Den Sonntag, an dem ich mit Alfred hingehen und Ruth Aspöck und Robert Egelhofer treffen wollte. Mit Anni Bürkl hatte ich um elf einen Treffpunkt bei den IG-Autoren ausgemacht, den sie aber absagte. Und Alfred ist darauf gekommen, daß er nach Harland fahren muß. Also wanderte ich alleine hin, traf Ruth und Robert in der Eingangshalle, die mir gleich ein Handy hinhielten, Alfred teilte mit, sein Auto springt nicht an und er weiß nicht, ob er kommen kann. In der Halle trennten wir uns wieder und ich traf Eleonore Zuzak, die sich wunderte, daß ich anwesend war.
„Sie haben doch gesagt, es gefällt Ihnen nicht?“
Habe ich nicht, sondern es mir nur größer vorgestellt und Gabiele Ecker hat mir auch gesagt, daß ursprünlich die ganze Halle B und auch C geplant waren, sonst habe ich es aber sehr genossen. Mit Leuten geredet, Bücher angeschaut und das ging besser als im Rathaus, man kam gleich in Kontakt und wurde meist auch freundlich empfangen.
Und viele Autoren. So saß ich irgendwann mit Ruth Aspöck, Walter Baco und Peter Paul Wiplinger beim Kitab-Stand, weil ich mir die Bücher von Judith Gruber-Rizy und Marlen Schachinger ansehen wollte und konnte gleich etwas über Peter Paul Wiplingers neue Bücher erfahren und, daß das Appartement in Rom, das das Außenamt den Stipendiaten zur Verfügung stellt, immer noch sehr schäbig ist, habe ich auch gehört.
Dann habe ich dem Verleger meine Bücher gezeigt und bei Walter Baco Kekse genascht, bevor ich zur Kocharena gegangen bin, wo zuerst ein philosophisches Kochbuch vorgestellt wurde und man anschließend Toni Möhrwalds Hasenrücken mit Linsen und roten Rüben auf Salat serviert verkosten konnte.
Danach habe ich Ruth und Robert nicht mehr gesehen und mir allein ein paar Lesungen angehört, zum Beispiel Thomas Raab „Der Metzger sieht rot“, bis der Alfred doch gekommen ist und die Buch-Wien zur Geschichte wurde.
Es war sehr intensiv, ich habe einen Haufen interessanter Erfahungen gemacht, auf einigen Buffets zuviel gegessen und vor, in der nächsten Zeit etwas leiser zu treten. Zu weniger Lesungen gehen, um die Radiosonate bald zu beenden und vielleicht auch im Literaturgeflüster etwas weniger zu berichten. Die Buch-Wien ist vorbei, ich war dabei und bin auch auf der Fotogalerie und im Messe-Blog auf einigen Bildern vetreten (www.lesefestwoche.at) und hoffe sehr auch im nächsten Jahr wieder hinzukommen.

2008-11-23

Lange Nacht der rumänischen Literatur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:54

Am Samstag bin ich nicht zur Buch-Wien, sondern ins gute alte Rathaus gepilgert und dort, wo sonst die Buchwoche war, was die meisten, mit denen ich gesprochen habe, bedauern, denn das war doch so schön, es war gratis, man konnte anschließend auf den Christkindlmarkt gehen und Punsch trinken, fand der 3. Alzheimertag mit einem Fachsymposium statt.
Ich habe einen grünen Rucksack voller Werbematerialien nach Hause geschleppt, viel schwerer, als die Buch-Wien Ausbeute und bin noch auf die Mariahilferstraße, um meine zwei Thalia Gutscheine einzulösen.
Danach zwei Stunden geordnet und meine Messeimpressionen in mein Messetagebuch eingetragen, bevor ich zur langen Nacht der rumänischen Literatur ins rumänische Kulturinstitut aufgebrochen bin. Es war mir nicht ganz klar, ob die Veranstaltung zur Lesefestwoche zählt oder nicht, in dem rosa Heftchen habe ich sie nicht gefunden, wenn man im Google die Buch-Wien aufruft, findet man aber das Lesezeichen mit der Ankündigung und auf der Buch-Wien gibts auch viele rumänische Veranstaltungen.
Die Direktorin hat den Messezusammenhang in ihrer Einleitung aber erwähnt und es gab eine deutschsprachige Lesung von fünf rumänischen Autoren und einer Autorin.
Am Anfang habe ich mich fremd gefühlt, weil offenbar nur Rumänen und keine Stammbesucher da waren. Die Texte lagen aber am Büchertisch, die Bücher selber sind zum größten Teil nicht übersetzt.
Der erste Autor, der von Gabriel Kohn eingeleitet wurde, hieß Stefan Agopian und war sehr selbstbewußt.
„Ich habe den Roman mit achtundzwanzig Jahren geschrieben, damals hatten wir eine Diktatur, deshalb mußte ich ein großartiger Schriftsteller werden!“
Als man ihn nach der Handlung fragte, antwortete er „Ich habe keine und Becket auch nicht und er hat trotzdem den Nobelpreis gewonnen.
Dann wurde eine junge Frau vorgestellt, die 1974 geborene Ioana Nicolaie, die einen Roman über Bukarest geschrieben hat und wie Ingo Schulze ihre Erfahrungen vom Übergang der Diktatur in den Kapitalismus schildert. So hat sie tagelang nur Orangenmarmelade gegessen, bis sie davon gerochen hat und sie schreibt auch von seltsamen Birnen, die Avacado heißen.
Vintila Corbul, der von Mircea Vasilescu vorgestellt wurde, scheint schon gestorben zu sein und hat den „Fall von Konstantinopel“ beschrieben.
Dann gab es eine Pause, in der ich Helmuth Niederle sah, es aber nicht schaffte, ihn auf das Glavinic Buch anzusprechen, als ich es dann tat, war die Antwort unbefriedigen, denn er hat nichts gewußt, bzw. ist es ihm nicht aufgefallen.
Vorerst ging es weiter mit einem Roman von Horia Ursu mit dem spannenden Titel „Die Belagerung Wiens“, an dem er dreizehn Jahre geschrieben hat und dessen Held den schönen Namen Flavius Tiberius trägt. Es geht um die Schlachtung eines Schweines, hat aber einen Herrn im Publikum sehr erregt. Der Autor meinte, in Klausenburg tragen viele Leute römische Namen und Wien ist eine Metapher, eine Vorstellung des Glücks oder die Sehnsucht nach Mitteleuropa, während Bukarest nicht die wahre Hauptstadt ist, die heißt Klausenburg, was eine intensive Diskussion auslöste.
Auch der nächste Autor kam aus Klausenburg und sprach gut Deutsch, weil er die deutsche Schule besuchte, was der Dolmetscher nicht wußte und Vlad Musatescu hat eine Art Satire geschrieben, in der er selbst vorkommt, sich aber Al Conan Doi in Anspielung an den berühmten Krimischriftsteller nennt.
Es war also interessant, danach gab es ein Abendessen, Krautrouladen mit Polenta, Pilzen und Käse und einen guten Glühwein, wo ich doch bekannte Gesichter entdeckte.
Anna Lindner nämlich, die sich offensichtlich sehr für rumänische Literatur interessiert und eine Stammbesucherin, die ich oft bei Buffets sehe, in der letzten Woche aber nicht.
„Gehen Sie zur Buchmesse?“, habe ich sie gefragt und die gleiche Antwort bekommen.
„Zu teuer und im Rathaus war es schöner!“, während die Veranstalter, wie ich im Buch-Wien-Blog gelesen habe, mit der Besucherzahl zufrieden sind und ich bin es auch, gehe ich ja noch einmal hin.

2008-11-22

Buch-Wien und Lesewochesplitter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:19

Als ich Mittwoch nach Haus gekommen bin, habe ich gedacht, daß ich meinen Gutscheinsegen dafür nützen kann, mir bezüglich der Jurysitzung am nächsten Dienstag, die Neuerscheinungen duchzusehen, die liegen dort doch sicher auf und so bin ich Donnerstags bei einer Windstärke von 100 Stundenkilometern losgestartet und es war auch interessant. An den Schulklassen vorbei zu den IG Autoren und dort „Und trotzdem“ für Johanna König abgegeben und den Walter Baco gefragt, wie es mit der Litera in Linz so war?
Er hat mich an seinen Stand gebeten, sich für den Tag der Freiheit des Wortes angemeldet und mit mir ein Buch getauscht.
Schwieriger wurde es, als ich versuchte zu einem Kaffee-Gutschein zu kommen, aber schöne Lesungen an den Bühnen, die jeweils an den zwei Seiten aufgebaut waren, die Akustik dröhnte zwar von einer Bühne zu der anderen, so daß das Programm kurzfristig unterbochen werden mußte, aber viel rumänische oder tschechische Literatur vermittelt von Kulturkontakt.
Beim Novum-Stand, wo ich elf meiner inzwischen zwanzig Bücher drucken ließ, gab es schöne Taschen, Attraktion der Schülerinnen. Ich begab mich zum Luftschacht-Stand, um mir Hanno Millesis „Nachzügler“ und Stephan Alfares „Meilengewinner“ anzusehen. Dort haben mich nacheinander Angelika Reitzer, Helmuth Schönauer und Ruth Aspöck begrüßt.
Dann mußte ich gehen, um rechtzeitig in meiner Praxis zu sein. Die Frau, die mit ihrem Kind zur Diagnostik kommen wollte, hat sich aber sehr verspätet. Dann hatte ich noch zwei Stunden und wollte am Abend ins Sigmund Freud-Museum, um die Booker-Preisträgerin Anne Enright anzuhören, die ich von Frankfurt in guter Einnerung hatte. Ich war aber nicht sicher, ob ich rechtzeitig fertig werden würde. Dann kamen einige Mails von Franz Josef Huainigg vom Ohrenschmaus, der mir mitteilte, daß es Schwierigkeiten mit dem Lyrikpreisträger gäbe. Er hat eine Notentscheidung treffen müssen und hoffe, ich könne mit seiner Entscheidung leben. Ich wollte aber keine Jurybegründung für einen Preisträger schreiben, der gar nicht ausgesucht wurde.
Ich blieb zu Haus und schrieb an einem Mail, in dem ich meinen Unmut schilderte. Jetzt scheint sich alles eingerenkt zu haben. Es gibt keinen Lyrikpreisträger und wir müssen für das nächste Jahr die Ausschreibungsbedingungen besser definieren, damit klar ist, wer als Mensch mit Lernschwierigkeiten gilt und welche Kriterien es für einen Literaturpreis gibt und am Freitag bin ich wieder in den Prater marschiert und habe mir das Buch von Johanna König abgeholt, in dem sie die Bewältigung ihrer Krebserkrankung schildert.
Peter Paul Wiplinger hat sich am Stand gegenüber die E-Books erklären lassen und bei Milena habe ich die Betreuerin verärgert, als ich ihr gesagt habe, daß ich es schade finde, daß das kein reiner Frauenverlag mehr ist.
Ich habe mir Mieze Medusas Buch angesehen, die dann selbst gekommen ist und als ich bei der Edition Roesner in Erich Sedlaks Satiren blätterte, sagte mir die Verlegerin, das ist der Autor, mit dem ich dann ein bißchen Smalltalk betrieb.
Die Verlegerin hat mir einen Kaffee gegeben und Hilde Schmölzer hat mich daran erinnert, daß sie um 3/4 12 aus der Revolte der Frauen liest. Danach ging es zur Kocharena, wo Weißweine aus Südtirol serviert wurden und ein Starkoch Kürbissuppe und Risotto kochte, das man verkosten konnte. Eine Frau, die ich dabei kennenlernte, hat mir erzählt, daß sie die Messekarte bei Radio Wien gewonnen hat.
Beim Podium gab es eine Diskussion übers Lesen mit Michael Krüger, Friedrich Achleitner, Thomas Glavinic und Konrad Paul Liessmann und als ich mich umdrehte, entdeckte ich den Herrn, der mir am Montag versichert hat, daß er sicher nicht in die Buch-Wien geht.
Dann folgte Elke Heidenreich, die berühmte Moderatorin, die ihren Job verlor, weil sie sich Marcel Reich-Ranickys Fernsehkritik angeschlossen hat.
Ich mußte gehen, weil ich eine Stunde hatte, vorher habe ich bei den Thalia-Losen drei Nieten und zweimal das kleine Oetker Backbuch gewonnen.
Am Abend bin ich in das Schauspielhaus, wo Droschl sein dreißigjähriges Bestehen feierte. Dort war die Creme de la Creme der österreichischen Literatur zu finden. Es gab ein tolles Programm, Musik mit Walter Famler am Schlagzeug und den Literats und einige Autorenlesungen, die den Verlag vorstellten.
„Wie werde ich eine Droschl-Postkarte?“, fragten die Autoren. Danach ein noch tolleres Buffet, das wirklich viel und reichlich war.
Cornelia Travnicek habe ich gesehen, die inzwischen auch in ihrem Blog davon berichtet (frautravnicek.wordpress.com), Barbara Fischmuth, Werner Kofler , Bodo Hell und auch das Ehepaar, das ich vor Jahren bei der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft kennengelernt habe und die viel Bewunderung erregten, weil sie beim Augustin veröffentlichten. Dann habe ich einen Text der Frau gelesen und in ihm fast wörtlich „Kress“ von Christa Stippinger erkannt, mit der sie einen der ersten Max von der Grün-Preise gewonnen hat.

2008-11-19

Buch-Wien-Eröffnung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:48

Ab 12 wurde heute das heurige Stadt-Wien-Gratisbuch „Weiter leben“ von Ruth Klüger im Messezentrum verteilt.
Ich hatte vor, es abzuholen, da ich am Montag aber auch die Einladung zur Messeeröffnung bekommen habe, habe ich umdisponiert, um nicht sinnlos herumzulaufen, meine fünf Uhr Stunde verschoben, wieder an meinem Roman korrigiert und dann noch einige Messetreffen ausgemacht.
So habe ich Margot Koller ein Mail geschrieben, die ja nach Wien kommen will und an Johanna König gemailt, die Donnerstags um fünf auf der Messe liest und ein Buch über ihre Krebserkrankung geschrieben hat, das mich sehr interessiert.
Dann bin ich losgestartet und hatte wohl die Vorstellung, ich begebe mich jetzt nach Leipzig oder Frankfurt.
Ich war sehr früh daran, bin durch die riesige leere Eingangshalle gegangen, habe auch das Gratisbuch bekommen und dann, ohne daß mich ein Mensch nach meiner Einladung fragte (im Rathaus voriges Jahr war das ganz anders) durch einen Eingang marschiert und plötzlich zwischen ein paar Sesseln und Buchständen gestanden und eine Weile herumgegangen, bis ich kapiert habe, das ist es.
Die Veranstalter und die Eröffnungsredner haben sich aber gefreut, daß alles viel schöner und viel größer als im Rathaus ist und da ich die totale Nutznießerin der Veranstaltung bin, wünsche ich den Organisatoren auch alles Gute und viel Erfolg!
Iliya Trojanov hat in seiner Eröffnungsrede nach dem Bundespräsidenten und der Frau Minister von einem Gedächtnisgreis gesprochen, der in der Berggasse nahe dem Freud-Museum die Obdachlosenzeitung Augustin verkauft und weil er die schon hatte, ihm für gute Wünsche und Brennesseltee vier Sternstunden der Geschichte überlassen hat, so daß er von dem Mohr erzählen konnte, der dem Fürsten Liechtenstein untertan war, sowie den Herren Karadzic und Kopitar, die im Wiener Gasthof weißer Wolf im Jahre 1814 die serbokroatische Sprache begündeten.
Dann gab es noch die Geschichte vom Fräulein Doktor Druskowitz , die als erste Östereicherin und zweite Frau in Zürich promovierte, aber leider 1918 in einer Nervenheilanstalt verstorben ist, weil sie durch zu männliches Verhalten aufgefallen ist.
Dann erschien der wiederauferstandene Casanova, der ein Plädoyer für den Urheberschutz hielt und Stalin und seine Gedenktafel an dem Haus in der Schönbrunner Schloßstraße kamen ebenfalls noch vor.
Glücks- oder Unglücksmomente Österreichs zur Buchmessen Eröffnung. Danach der Messerundgang, Fingerfood und Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster in der Kochbucharena und natürlich Prominentenschauen.
Elfriede Haslehner war da, die sich über meine Anwesenheit wunderte und Ruth Aspöck, die die Frau von Fritz Verzetnitsch erfreut begrüßte und gleich verschwand. Ditha Brickwell beim Wieser Stand, wo es wieder frisch heruntergeschnittenen Schinken gab und außer den üblichen österreichischen Ständen auch einige aus Osteuropa, ein paar deutsche Gemeinschaftsstände habe ich auch gesehen.
So daß ich zwei Stunden später zwei doch recht schwere Säcke vom Prater nach Hause schleppte und obwohl ich schon viel gesehen habe, werde ich morgen, Freitag und am Sonntag meine Gutscheine brav einlösen und bin auf das Weitere gespannt.

2008-11-18

Lesewoche-Eröffnungsfest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:15

Das hätte ich beinah versäumt, obwohl ich das kleine rosa Programmheftchen der Buch Wien schon am 24. Oktober, als ich von der Allgemeinen Unfallversicherung nach Haus gegangen bin, aus einer Buchhandlung mitgenommen habe. Hätte mir nicht Ingrid Posch von Alfreds Wandergruppe, die bei meinem Fest gewesen ist, vorigen Montag ein Mail geschickt und mich dazu eingeladen. Denn eigentlich hatte ich das Programm der Lesefestwoche ziemlich ignoriert. Einige Veranstaltungen, wie die zur langen Nacht der rumänischen Literatur und des Droschl Verlagsfestes, sowie die Ausgabe des Ruth Klüger Gratisbuches habe ich mir zwar vorgemerkt, aber meine ursprüngliche Idee, bei den IG Autoren oder dem Hauptverbandes des Buchhandels nachzufragen, ob sie mir nicht eine Gratiskarte geben könnten, habe ich aufgegeben, als ich herausbekommen habe, daß man, wenn man 3x über 8 Euro kauft, die Messe um nur 2 Euro fünfzig besuchen kann.
Dann kam die Einladung von Ingrid Posch und die Mitteilung, daß ihre Tochter zu dem jungen Organisatorenteam gehört und ich habe angefragt, ob ich eine Gratiskarte haben kann und eine Woche nichts davon gehört. Inzwischen war die Literatur der Ukraine und eine Mutter, deren Tochter mit Anna in der Rahlgasse war, die ich öfter bei literarischen Veranstaltungen treffe, hat mir gesagt, daß sie gern zur Buchwocheneröffnung gehen würde, weil sie die Festrede von Ilija Trojanow hören will.
Ich hatte inzwischen einen zweiten Bücherpaß gestempelt, weil mir Alfred bei Anna Jeller auch Alina Bronskys Scherbenpark kaufte und fand, als ich von der Literatur der Ukraine nach Hause gekommen und meinen Blog geschrieben habe, sowohl ein Mail von Ingrid Posch als auch von ihrer Tochter vor.
Ich bekomme Gutscheine für die Buch Wien, sechs Stück sogar, was meine Pläne etwas durcheinanderbringt, denn Donnerstag und Freitag habe ich am Nachmittag Stunden und am Samstag ist im Rathaus Alzheimertag und da habe ich mich zum Fachsymposium angemeldet. Ich habe also Ruth Aspöck angerufen und mich mit ihr und Robert zum Messebesuch am Sonntag verabredet und bin, nachdem die neuen GAV-Nachrichten und die ersten Anmeldungen zum Tag der Freiheit des Wortes gekommen sind, zur Eröffnung der Lesefestwoche ins Mueseumsquartier gegangen.
Und die war festlich, die üblichen Stammbesucher, die mich mehr oder weniger ignorierten, aber auch Alexandra Millner, Herr Lindner und der etwas streitbare Herr, den ich von den Widerstandslesungen des Jahrs 2000 kenne, der mich nicht ganz ernst zu nehmen scheint.
Eleonore Zuzak ist mit ihrem Bruder gekommen und hat bedauert, daß sie sich angemeldet hat, obwohl in dem Programmheftchen etwas von freiem Eintritt stand. Ich saß vorne in der dritten Reihe und konnte, da ich früh daran war, den Eintritt der Prominenz beobachten. Dann folgten die Eröffnungsreden. Thomas Maurer führte durch das Programm und das war lustig launig.

Beim Buffet

Beim Buffet

Olga Flor hat aus ihrem Kollateralschaden von einer inkontinenten Frau gelesen, dann folgten Andrea Dusl und Thomas Glavinic, der nicht aus dem roten Licht, sondern aus dem letzten Roman las und sich immer wieder auf den Moderator bezog, dann schloß sich der Vorhang und Thomas Maurer merkte launig an, daß jetzt einer der dreißig Anwesenden lesen könne, der sicher einen unveröffentlichten Roman dabei hätte, dann öffnete sich schon der Vorhang, man konnte die Seiten wechseln und das Buffet genießen, bevor es auf der anderen Seite weiterging.
Drei der eingeflogenen Ukrainer haben gelesen, Andrey Kurkow, Juri Andruchowytsch und Askold Melnyczuk, der Amerikaner ist und auf Englisch las.
Kathi Posch hat mir die Gutscheine übergeben und Einladungen für die Eröffnung lagen am Pressetisch. Es gab auch einen Büchertisch und Alexander Potyka und Manfred Maurer haben darauf hingewiesen und ich habe Anni Bürkl gemailt, daß ich sie auf der Buch-Wien treffen kann, weil sie sich dort, wie sie in ihrem Blog beschreibt, aufhalten will.
Am Mittwoch wird das Gratisbuch vergeben und eigentlich wollte ich am Abend am Galeriespaziergang teilnehmen, jetzt habe ich mich für die Eröffnung angemeldet und bin gespannt, wie es werden wird, aber auch ein bißchen deprimiert.

2008-11-17

Ukrainisches Wochenende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Dieses Wochenende wieder voll literarisch unterwegs mit der Literatur im Herbst, der alten Schmiede, die schon Freitag Abend losgegangen ist. Aber da habe ich im Palais Niederösterreich Bücher geschnorrt, also erst ab Samstag Nachmittag, aber dafür voll durch.
Die Literatur im Herbst ist ja äußerst interessant, wird da meist ein osteuropäisches Land, Griechenland und die Türkei waren auch schon dabei, vorgestellt und man bekommt Texte und Autoren zu hören, zu denen man sonst keine Gelegenheit hat.
Ich bin zwar erst vor einigen Jahren eingestiegen, damals war Bulgarien das Gastland, weil es meistens an meinem Geburtstagswochenende stattfand, die von Walter Famler mit seinen Ko-Kuratoren organisierte Veranstaltung ist aber ein echtes Gustostück zum Erweitern des literarischen Horizonts und Hinausschauen über den Tellerrand.
Diesmal also Ukrainie und da war ich weniger unbedarft, als bei anderen Länderschwerpunkten, denn es gab schon vor zwei Jahren eine Veranstaltungsreihe von Kulturkontakt und von Andrej Kurkow, mit dem ich mich damals am Karlsplatz sogar intensiv unterhalten habe, habe ich auch „Picknick auf dem Eis“ gelesen und für Thalia besprochen.
Die ukrainische Literatur war mir also nicht so unbekannt, sondern ist bei mir durch die orange Revolution als sehr aktiv eingespeichert.
Es gibt aber auch einen anderen Aspekt der Ukraine, nämlich Czernowitz mit Josef Burg und den K. u. K. Pflastersteinen, die es auch Lemberg geben soll. Aber das habe ich immer als zwei paar Schuhe voneinander getrennt.
Diese Veranstaltung hat beides zusammengebracht. Und so ist Erich Klein in seiner Eröffnungsrede, von der K. u. K. Monarchie und dem Kaiser Franz Josef ausgegangen, was ich nicht erwartet habe, aber natürlich gehört es dazu und so sind die jungen Poetry Slammer, Jury Andruchowytsch und Andrej Kurkow, von dem oben Erwähnten auch nicht zu trennen.
Gestern ist es mit einer alten Ex-Kommunistin losgegangen, die in Moskau in die Schule ging und Wassili Grossmann übersetzte, der zwei Stalingrad-Romane geschrieben hat, bei Stalin aber in Ungnade fiel und so erst spät herauskam. Dann kam die Übersetzerin von Bruno Schulz „Zimtläden“ und auch der Büchertisch war sehr vielfältig bestückt.
Dann hat schon Andrej Kurkow aus „Herbstfeuer“ gelesen, wo eine alte Dame ihren Gatten verbrennt, weil sie ihn in ihrer beiderseitigen Sprachlosigkeit zufällig erschlagen hat, dann folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ukraine-Zentrum Europas?“, wo zwar auch der 12. November hineinschwirrte, aber einige interessante Themen zur Sprache kamen, von den Kindern nämlich, die mit viel Geld alleine aufwachsen, weil die Eltern Gastarbeiter sind und der großen Eurohoffnung, aber auch die ukrainische Zweisprachigkeit. Interessant ist auch, daß viele der eingeladenen Autoren Germanistik studiert haben, bzw. gut Deutsch können.
Dann kam der zweite Star des Abends, nämlich Juri Andruchowytsch mit seinem neuen Roman, der auch in Frankfurt vorgestellt wurde und für mich besonders interessant, eine Nachempfindung seiner legendären Performance Gruppe „Bu-Ba-Bu“, sowas wie ukrainischer Poetry Slam, von dem ich gar nicht wußte, daß es das gibt.
Heute ging es an einem besonders schönen Ort weiter, nämlich am Brigittenauer Sporn, wo der Donaukanal beginnt, mit einer Präsentation des Buches „Graue Donau – schwarzes Meer“, bei der auch der Serbe Dragan Velikic und der Rumäne Mircea Catarescu teilnehmen sollten und mich an meine Donauradfahrt von Ybbs bis Regensburg mit Ruth Aspöcks „Edition die Donau hinunter“ vor eineinhalb Jahren erinnert hat.
Es war aber auch ein schöner Spaziergang bei sehr schönem Herbstwetter am Donaukanal mit einer Führung durch die „Via Donau“ und einem Buffet mit Canapes und wundervollen Torten der Konditorei Oberlaa.
Danach zurück ins Odeon, da las Claudia Erdheim weiter, die auch nicht unbedingt eine ukrainische Autorin ist, aber mit ihrem Roman „Längst nicht mehr koscher“, ihre Familengeschichte beschrieben hat. Dann gab es noch Gedichte und zum Schluß, als Special Guest, Mircea Catarescu, weil Erich Klein ein noch umfassenderes Konzept verfolgte, aus dem dann nichts geworden ist.

2008-11-15

In die weite Welt des Palais Niederösterreich

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Gestern gab es keine Eintragung, weil literarisch nichts los war, „nur“ eine Einladung zur Ausstellungseröffnung „George Braque“ im Bank Austria Forum. Das erste Mal, daß ich diesbezüglich eine Einladung erhielt. Ich weiß auch nicht, wem ich sie zu verdanken habe, meinem Bankfreund Reinhold Rheden oder der Tatsache, daß ich mich gelegentlich bei Gewinnspielen der Bank Austria beteilige und schon die ganze Edition „Zwei“ – Wiesers zweisprachige Reihe zur osteuroäischen Literatur, eine Milena Krimi-Anthologie und eine Führung in die Schütte-Lihotzky Ausstellung gewonnen habe. Oder aber, weil es sehr voll war und es offenbar zwei Arten von Einladungskarten gab, infolge der Bankenkrise, die Empfängerkartei erweitert worden war?
Es war jedenfalls sehr festlich, mit Fernsehkameras, Peter Weck und Bundespräsidenten und auch sehr interessant, denn ich habe von dem Picasso-Freund und Weggefährten noch nie etwas gehört, weil er offenbar nur selten ausgestellt wird und in Österreich noch nicht zu sehen war. Und am Eingang standen junge Mädchen, die die kleinen Büchlein mit dem Buch-Wien Lesefestwochenprogramms verteilten.
Am Freitag wurde es auch wieder literarisch. Ich habe am stundenfreien Vormittag korrigiert und bei den Nanowrimo-Writern herumgegooglet und einen Blog gefunden, der Cornelia Travniceks neuem Buch alles beste wünscht.
Kauft „Die Asche meiner Schwester“, rät der Blogger, der auch empfiehlt, nett zu den Schriftstellern zu sein, die damit leben müssen, die Flut der unverständlichen Absagebriefe zu ertragen (schriftstellerwerden.blogspot.com) und ich hatte ja eine Einladung zu der Verleihung der Hans-Weigel-Literaturstipendien, der Hans Weigel Buchpräsentation, sowie zur Travnicek-Lesung und dem philosophischen Salon, zu dem ich mich schon angemeldet hatte, abgesagt und bin in das Palais Niederösterreich in die Herrengasse gegangen.
Es war sehr voll und bin wegen meiner letzten Stunde wieder etwas zu spät gekommen und sah zwei Reihen vor mir meinen lieben Hausgenossen Josef Fröhlich mit Partnerin sitzen, hab ihn aber beim Buffet nicht mehr gesehen, um das sich alle drängten und die Brötchen und die Wurstsemmeln waren auch bald weg.
Ich bin herumgegangen, habe die Bekannten begrüßt und mit denen geredet, die mit mir Smalltalk treiben wollten. Cornelia Travnicek habe ich ebenfalls nicht mehr gesehen und den Namen der einen Stipendiatin nicht recht verstanden gehabt.
Gabriele Ecker von der Kulturabteilung NÖ, bei der ich vor Jahren einmal in St. Pölten eine Frauenlesung veranstaltet habe, hat ihn mir auf Anfrage genannt und ich habe, von einem Glas Wein ermutigt, überlegt, wie ich ihr sagen soll, daß ich „Die Asche meiner Schwester“ gerne lesen will.
Dine Petrik hat mich schon vorher angesprochen und ich habe auch mit Gabriele Petricek geplaudert, ihr meine Bücher gezeigt und von meinen Blog erzählt.
„Das lese ich nicht gerne!“, hat sie mir gesagt. Es ist aber sehr interessant, auch wenn es Zeit kostet und eine manchmal weg vom Schreiben bringt.
Ich bin nach einer weiteren Runde am Prominententisch mit der Lektorin, Peter Paul Wiplinger und Sascha Manowicz und den Autorinnen gestanden und habe zögernd mein Anliegen herausgestottert.
„Gebe ich Ihnen gerne“, hat Gabriele Ecker gleich gesagt und jetzt habe ich den neuen Travnicek-Roman und kann ihn, wenn ich ihn gelesen habe, im Literaturgeflüster besprechen. Was allerdings noch dauern wird, habe ich doch gerade mit dem Uwe Tellkamp begonnen und das ist ja ein umfangreiches Buch und literarisch ist an diesem Wochenende und in den nächsten Wochen bis zur Buch-Wien viel los.

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